Bericht: Zu schön um wahr zu sein?

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Beim 5. Forum für Fragen von Kunst und Öffentlichkeit vom 7.9. – 9.9. 2011 im L’arc Romainmôtier soll es um die Bedeutung, die Implikationen und Wahrheiten des Schönen in der Kultur der Gegenwart …

Beim 5. Forum für Fragen von Kunst und Öffentlichkeit vom 7.9. – 9.9. 2011 im L’arc Romainmôtier soll es um die Bedeutung, die Implikationen und Wahrheiten des Schönen in der Kultur der Gegenwart gehen. Das L’arc, eine Institution des Migros-Kulturprozent ist ein Ort transdisziplinärer Reflexion, an welchem sich Kulturschaffende und Wissenschaftler verschiedener Disziplinen treffen. Einmal im Jahr veranstalten die Hochschule Luzern Design und Kunst und das L‘arc in Kooperation eine Tagung. Teilnehmende sind Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Kunst- und Kulturschaffende aus verschiedenen Sparten.

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  • 1. Zu schön umwahr zu sein? Scan and load. It’s an eDoc. Optimized for iPad. 1
  • 2. Tagung 7.-9. September 2011 im Larc RomainmôtierThema: «Zu schön um wahr zu sein?»5. Forum für Fragen von Kunst und ÖffentlichkeitEine Zusammenarbeit von Larc Romainmôtier und Hochschule Luzern –Design & KunstDieser Bericht wurde von Susanne Furrer und Greg Zeder verfasst. 2
  • 3. EinleitungAus der Einladung wortwörtlich übernommen:Beim 5. Forum für Fragen von Kunst und Öffentlichkeit vom 7.9. – 9.9. 2011 im L’arc Romainmôtier soll es um dieBedeutung, die Implikationen und Wahrheiten des Schönen in der Kultur der Gegenwart gehen. Das L’arc, eineInstitution des Migros-Kulturprozent ist ein Ort transdisziplinärer Reflexion, an welchem sich Kulturschaffende undWissenschaftler verschiedener Disziplinen treffen. Einmal im Jahr veranstalten die Hochschule Luzern Design undKunst und das L‘arc in Kooperation eine Tagung. Teilnehmende sind Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlersowie Kunst- und Kulturschaffende aus verschiedenen Sparten.Über Schönheit könne man - wie über Geschmack - streiten. Weil sie einerseits unmittelbar und emotional wirkt,also subjektiv ist, andrerseits immer Allgemeingültigkeit anstrebt und somit auch objektive Massstäbe/Normen setzt,ist Schönheit sowohl beschreibbar wie auch unsäglich. Sie ist, so Kant, das «subjektiv Allgemeine». Was dieGegenwartskunst angeht lässt sich sagen, dass seit Baudelaire und Courbet (kurz: seit der Ästhetik des Hässlichen),sicher aber seit der Moderne und der Zäsur durch den Begriff der «entarteten Kunst», das Schöne in der Kunsteinem Tabu unterlag. Wahr konnte für die Avantgarde nur das Unschöne sein. Dennoch gibt es in derzeitgenössischen Kunst in den letzten Jahrzehnten eine Rückkehr zur Schönheit der Oberfläche und ein neuesInteresse an Kitsch, Mode- und Medienbildern; über den Umweg der Popkultur ist die Frage der Schönheit in Bezugauf den Menschen wie auf der Ebene der Dinge wieder da. 3
  • 4. Kommt diese neue glänzende Oberflächigkeit des Schönen nochmals in Konflikt mit Wahrheit? Gibt es dasBekenntnis zur Schönheit ohne Distanz und Ironie? Zum Beispiel in der Religion? Wo liegen die Grenze zu Kitsch,Dekor, Mode, Pathos oder auch Leere und Langeweile? Was ist die Aufgabe und Faszination des Schönen heute inder Kunst, evtl. anders als im Design? Was bedeutet Schönheit im interkulturellen Vergleich? Und interessieren sichweibliche Künstlerinnen noch immer nicht für männliche Schönheit? Wie kommen das Schöne und das Flache inder Popmusik zusammen? Hier könnte die Bedeutung der Schönheit in der Kunst auch weiterführen zur aktuellengesellschaftlichen Dimension von Schönheit und Schönheitszwang: Kann uns Schönheit noch berühren – nach derAusstülpung des Beauty-Star-Systems in das Leben von jedermann/-frau und der steigenden Zahl sogenannterSchönheitsoperationen? Ist Schönheit so einfach?(Veronika Selier, 2011)Im Rahmen dieser Fragestellungen wurde von allen zwölf Teilnehmenden ein Referat aus ihrem Kerngebietgehalten. Neben Persönlichkeiten der Wissenschaft waren auch darstellende und bildende Künstlerinnen undKünstler sowie ein Vertreter der Popkultur anwesend. Die sorgfältig zusammengestellte Gruppe aus Personenverschiedener Kultursparten und Altersgruppen schenkte einen differenzierten Einblick in die Thematik.Die Referate sind auf den folgenden Seiten chronologisch in zusammengefasster Form aufgeführt. Die einzelnen«Summaries» erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Siegeben lediglich die für die Verfasser dieses inprotokoll-ähnlichem Stil geführten Journals wichtigen Punkte wieder. 4
  • 5. InhaltWinfried Menninghaus: Die Schönheit des nackten Affen und die Entstehung der Künste ................................6Benno Zehnder: Die Schöne Kunst .......................................................................................................................8Silvia Henke: Schöne Haare und die (r)evolutionäre Kraft der Schönheit .........................................................12Marie-Louise Nigg: Beschönigen - Die Natur der Kunst, die Kunst des Kitschigen?........................................13Meret Ernst: Warum verlangen wir von den Dingen schön zu sein? ..................................................................18Theres Wäckerlin: Fleiss ist die Wurzel aller Hässlichkeit (Oscar Wilde) .........................................................19Stijn Ossevoort: In Search For Beauty ................................................................................................................19Esther Sutter: Rohmaterial – die Schönheit im Blut ...........................................................................................26Béatrice Jaccard: On Beauty – Jenseits vom Ebenmass .....................................................................................28Marc Krebs: Pop, Püppchen und Puppen ............................................................................................................32Alexandra d’Incau: Glitzer und Kitsch – Das Glücksrad....................................................................................35Johannes Binotto: Schönheit und/als Exzess ......................................................................................................36Schlusswort .........................................................................................................................................................42Kurzbiografien der Teilnehmenden ....................................................................................................................43 5
  • 6. Winfried Menninghaus:Die Schönheit des nackten Affen unddie Entstehung der KünsteWinfried Menninghaus zeigt in seinem Vortrag auf, warum die nackte Haut des Menschen als erste Leinwand zubetrachten ist. Dabei bedient er sich der Theorie Darwins, wonach Lebewesen durch Selektion spezifischeMerkmale bis ins Extreme ausbilden um sexuell attraktiv zu sein (Ornamentierung – maximal stimulierendesMerkmal). Die beinah totale Nacktheit des Menschen entspricht dadurch einer komplett sexualisierten Oberflächedes menschlichen Körpers.Diese These untermauert Winfried Menninghaus durch ein experimentell erzieltes Resultat: Probanden empfindenjene Körper als sexuell attraktiver, je weniger behaart sie sind. Die weithin anerkannte Theorie, wonach dieNacktheit des Körpers einer rein hygienischen Grundlage entspringt, entkräftet Winfried Menninghaus durchZitierung eines weiteren Experiments. Es zeigt auf, dass Menschen behaarte Tiere grundsätzlich als saubererempfinden als nackte. Ja sogar, dass je ähnlicher die Haarlosigkeit der Nacktheit des Menschen ist, der Menschsogar Ekel- oder Horrorgefühle entwickelt.Gemäss Winfried Menninghaus ist Ornamentierung grundsätzlich mit Aufwand oder gar Gefahr verbunden: DerPfau ist beispielsweise dadurch gefährdet, weil er mit seinen übergrossen Federn nicht fliegen, respektive fliehenkann. Der Mensch wiederum erfriert im Winter ohne Fell oder verbrennt sich die Haut an der Sonne. Die Evolutionhat dieses Phänomen also so weit getrieben, dass der Mensch gezwungen ist, sich mit Kleidung auszustaffieren umzu überleben. Und mit der Kleidung kommt die Kultur ins Spiel. 6
  • 7. Winfried Menninghaus unterscheidet zwischen einer «Baseline-Ornamentierung», die Nacktheit des Menschenbeschreibt und einer «sekundären Ornamentierung». Letztere beschreibt die darauf folgende schützende undschmückende Ausstaffierung wie beispielsweise Körperbemalung, Kleidung, Schmuck oder Piercings. ImGegensatz zur «Baseline-Ornamentierung» kann sie sich einer Mode unterwerfen und erhält damit eine kulturelleBedeutung: Die Farbe der Leinwand.Beginnend mit dem Symbol eines nackten Pavianhinterns schafft es Winfried Menninghaus in eindrücklicher Weiseeine Reise durch die Evolution zu führen, die am Ende mit der nackten Haut als künstlerisch-kulturelle Leinwandendet. Sukzessive enthaart er, sowohl in Bildern als auch symbolisch, den Menschen und bringt dabei den tierischenUrmenschen Schritt für Schritt in die Gegenwart, wo seine Ornamentierung in der Modewelt seinen Widerhallfindet............................................................................................................................................................................................Additional InformationenLink: Freie Universität Berlinhttp://www.fu-berlin.de/Buch: «Das Versprechen der Schönheit» (2007) von Winfried MenninghausISBN-10: 3-518-29416-4EAN: 9783518294161........................................................................................................................................................................................... 7
  • 8. Benno Zehnder: Die Schöne KunstIm Anschluss an die Evolutions-Theorie der Schönheit zeigt Benno Zehnder eine autobiografische Präsentation inaudio-visueller Form. Anlässlich seiner vor 50 Jahren erstellten ersten Zeichnung projiziert er eine Auswahl vonmehr als 300 Bildern, welche in einem 6-Sekunden-Intervall aufeinander folgten. Parallel dazu erzählt er seineGeschichte, welche über die wichtigsten Stationen seiner persönlichen und künstlerischen Entwicklung AufschlussgibtBiographie: Benno Zehnder erinnert sich an die Kindheit, als ihn ein Zeitungsbild fasziniert und zugleich veränderthat («Mussolini am Strang»). Die Wirkung von Bildern und sein Interesse an Kunst führten ihn schliesslich an dieKunstgewerbeschule Luzern. Dort lernte er das Handwerk des Zeichnens. Erst ein London-Aufenthalt führte ihn zurMalerei. Beeindruckt zeigte er sich damals von der Englischen Gesellschaft, welche sich radikal von der SchweizerMentalität unterschied. Dies machte sich auch in der Kunst bemerkbar, die Benno Zehnder viel experimenteller undbunter wahrnahm als diejenige aus der Heimat. Letztendlich führte ihn sein Lebensweg aber nicht in eine reinkünstlerische Tätigkeit sondern zu seiner Hauptaufgabe als Direktor der Schule für Gestaltung in Luzern, wobei erder Kunst nebenberuflich immer verbunden blieb. Heute entwirft Benno Zehnder u.a. Farbkonzepte in und aufGebäuden.Bilder: Die gezeigte Bildersammlung umfasste sowohl Zeichnungen, surreale Skizzen wie auch expressionistischeBilder mit zum Teil zufälligen Motiven. Die Fotografien von bemalten Fassaden und Gebäudewänden runden dasLebenswerk ab. Mehr als 300 Eindrücke in rund 30 Minuten – eine imposante Vorstellung.Es ist beeindruckend, wie Benno Zehnder mit der Schönheit der Farben das Befinden der Menschen beeinflussenkann, sei dies durch die Wirkung einer bemalten Fassade oder durch eine Komposition aus Strichen, Farben undFormen auf der Leinwand. 8
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  • 12. Silvia Henke: Schöne Haare und die (r)evolutionäreKraft der SchönheitSilvia Henke setzt in einem ersten Schritt die Thematik der Schönheit mit der platonischen «Trias» in Szene:Kalokagathia – das Wahre, das Gute, das Schöne. In einem zweiten Schritt führt sie aus, wie diese im Laufe der Zeitsukzessive demontiert wird.Gemäss Nietzsche wird das Schöne, das Gute und das Wahre durch die Moderne zerstört. Für Darwin dient dieSchönheit nur der Erhaltung der Rasse durch «Sexual Selection». Freud vermochte nichts wirklich substantiellesüber Schönheit zu sagen, ausser dass wir sie empfinden. Die Schönheit verkommt im Laufe der Zeit sogar zurGeissel der Menschheit – sie unterwirft sich dem Zweifel und treibt uns bis zur Schönheitschirurgie. Während in derVergangenheit die Schönheit gefeiert wurde, muss sie heute hinterfragt werden.Eine geschichtliche Komponente bringt Silvia Henke mit der Schöpfungsgeschichte ins Spiel. Eva erliegt derVerlockung durch den Apfel - nicht der offensichtlich sexuellen Männlichkeit Adams. Sie erliegt dessen Glanz underkennt so die dahinter verborgene Schönheit resp. die Erkenntnis.Silvia Henke greift sodann mit der mittelalterlichen Schönheitstheorie «Claritas» (Klarheit, Glanz) das Thema desGlanzes noch einmal auf und stellt damit einen Bezug zur Schöpfungsgeschichte her: Proportion, Symmetrie,Klarheit.Mit der evolutionären Entwicklung führt Silvia Henke die Zuhörer mit der These der «revolutionären Konsequenz»letztendlich in die Zukunft. Anhand eines Filmausschnitts von Jean-Luc Godards «The Old Place» (2000) zeigt sie,wie der Wunsch nach Sauberkeit (bzw. Glanz) schliesslich zur inneren und äusseren Befreiung führt: Der simpleAkt, sich die Haare zu waschen (ein Symbol der Selbstliebe), führt zur Revolution. Die Sauberkeit steht hier für dieAbsenz des Chaos. Sauberkeit als Zeichen für eine positive und zukunftsgerichtete Lebenseinstellung. Silvia Henkesieht hierin die Entwicklung von der Evolution zur Revolution. 12
  • 13. Marie-Louise Nigg: Beschönigen - Die Natur der Kunst,die Kunst des Kitschigen?Marie-Louise Nigg widmet sich in Ihrem Vortrag der Reibung zwischen den Definitionen «kitschig» und «schön».Sie stellt dabei das natürliche Phänomen des Sonnuntergangs als Motiv in Szene, indem sie dieses in zwei Werkenaufgreift.Ein vorgängiger Exkurs in die Vergangenheit zeigt auf, dass sich das Bild des Schönen im Laufe der Zeit starkgeändert hat. So stellte man sich im 18. Jahrhundert die Antike farblos vor, wobei die Kunst der Modernegrundsätzlich in Kitschverdacht geraten kann. Hier führt sie an, dass Kitsch nicht unbedingt gleich zur Antikunstentarten muss, sondern dass wir uns heute in der Welt von schöner oder kitschiger resp. kitschig-schöner Kunstbewegen. Kunst darf heute wieder schön sein, die klassische Abgrenzung in der Moderne wird dadurchaufgebrochen. Dies zeigt sie an der Videoeinspielung «Art must be beautiful» von Marina Abramović (→ Seite 15).Eine kritische Auseinandersetzung zum Thema «Schönheit» in der Kunst.Der heute schmale Grat zwischen den beiden sich reibenden Definitionen birgt die Gefahr, dass das einzelneKunstwerk missverstanden wird und das abwertende Prädikat «Kitsch» erhält. Anhand zweier Kunstwerke zeigtMarie-Louise Nigg diese Abgrenzungsthematik auf: Das Fräulein stand am Meere Und seufzte lang und bang, Es rührte sie so sehre Der Sonnenuntergang. 13
  • 14. Heinrich Heine (1797 – 1856) könnte diese Szenerie zum mythischen Gefühlserlebnis hoch stilisieren und sie zuKitsch erstarren lassen. Stattdessen bricht er die Stimmung in dem er sich über sentimental-romantischeNaturergriffenheit lustig macht: Mein Fräulein! Sein Sie munter, Das ist ein altes Stück; Hier vorne geht sie unter Und kehrt von hinten zurück.Dieser Hinweis auf die Reproduzierbarkeit des Vorgangs (Sonnenuntergang) entzaubert die Szene. Dasmanipulative Element entfällt. Kitsch ist demnach effektgerichtet, manipulativ und verschleiert.Olafur Eliassons Werk «The Weather Project» (→ Seite 16-17) integriert den Mechanismus hinter seiner Sonnebewusst in das Werk und macht den Autor sowie die Reproduzierbarkeit der Szenerie offensichtlich. Die Sonne istzweigeteilt und gespiegelt, erzeugt keine Hitze, erscheint in einem offensichtlich künstlichen Raum und geht wederauf noch unter. Die kitschigen Elemente sind auch hier vorzufinden. So verführt die Installation zur Distanzlosigkeitdes Publikums, wird durch seine Popularität schon beinah zum Massenkult – sie wird vermarket.Beide Werke bedienen sich also sowohl der kitschigen Elemente, die stark auf einen Effekt abzielen als auch einerentzaubernden Perspektive. Beide entkommen dem Kitsch-Status durch die gleichzeitige Aufdeckung derdahinterstehenden Mechanik. Echter Kitsch kann diese Metaebene nicht aufweisen.Die dem Vortrag nachfolgende Diskussion wirft die Frage auf, ob der Effekt wirklich als elementares Element desKitsches gesehen werden kann. Künstlerische Werke zielen seit jeher auf Effekt bzw. Emotion ab. So lockt manbeispielsweise Publikum in die Oper, indem man seine Erwartung an Spannung und Gefühle erfüllt. 14
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  • 18. Meret Ernst: Warum verlangen wir von den Dingenschön zu sein?Einführende Information zur Präsentation:Design: Bedeutet meistens Entwurf oder Formgebung. Es ist ein Lehnwort aus dem Englischen, das wiederum ausdem lateinischen designare = (be)zeichnen abgeleitet ist und in viele Sprachen Eingang gefunden hat.Kunst: Im engeren Sinne werden damit Ergebnisse gezielter menschlicher Tätigkeit benannt, die nicht eindeutigdurch Funktionen festgelegt sind. Kunst ist ein menschliches Kulturprodukt, das Ergebnis eines kreativen Prozesses.Meret Ernst spricht davon, dass wir täglich von Dingen umgeben sind, dessen Schönheit wir entweder übersehenoder einfach nicht beachten. Denn grundsätzlich soll ein Gegenstand eine Funktion haben. Erst mit derIndustrialisierung («Rationalisierung») und der damit einhergehenden maschinellen Produktion von Dingen oderGegenständen wurde dem ästhetischen Aspekt mehr Gewicht beigemessen. Sowohl die Form als auch die Funktionwurden fortan bewusst gewählt. Es entstand ein Designerobjekt.Seither herrscht ein reger Disput zwischen den Schwesterndisziplinen Kunst und Design: Ist Design ein reinmarketingtechnisches Hilfsmittel, das den Umsatz beim Verkauf von Objekten fördern soll? Muss überhaupt davonausgegangen werden, dass man das Schöne an Dingen voraussetzt? Was passiert, wenn (Produkte-)Designer dieÄsthetik in den Vordergrund stellen und die Funktion vernachlässigen? Entsteht dann Kunst? Ganz und gar nicht:Meret Ernst führt aus, dass diese Design-Richtung uns zu Critical Design führt. In dieser Sparte ist bei derGestaltung eines Gegenstandes der Designer der Autor. 18
  • 19. Theres Wäckerlin: Fleiss ist die Wurzel allerHässlichkeit (Oscar Wilde)Theres Wäckerlin interpretiert anhand ihrer Werke unter den Stichworten «Raum», «Material», «Sprache»,«Einfachheit» und «Reduziertheit», «Tabu» und «Fleiss» die Aussage von Oscar Wilde.Alltägliche und schmucklose Räume werden durch Ergänzung profaner Alltagselemente zu lichten, ästhetischen undirisierenden Räumen. Aus Mehl gestaltete grosse, kubische Elemente laden zum Ausruhen ein (Foto links). DasWerk ist hier eine kunstvoll gestaltete Oberfläche, die in der Tiefe nicht hält, was sie äusserlich darstellt. TheresWäckerlin zeigt auf, dass die Oberfläche den Eingang zu den tiefer liegenden Schichten darstellt. Die Oberflächebirgt das Risiko, missverstanden zu werden.Die Definition von der «Schönheit in der Kunst» stellen Theres Wäckerlin und Agatha Zobrist, als Künstlerinnen-Team, auf eine persönliche Stufe und erhalten so eine erweiterte Begrifflichkeit: Für sie ist «schön» was«harmonisch», «ausgewogen», «spannungsvoll», «rauh» oder sogar «hässlich» ist. Das «Schöne» zeigt hier das«Gelungene». Schönheit liegt also im Sinne des Betrachters bzw. des Sprechenden. Schönheit ist dem Trend und derMode unterworfen, was die stetige Anpassung des Begriffes bedingt.«Fleiss ist die Wurzel aller Hässlichkeit», sagte einst Oscar Wilde. Theres Wäckerlin greift diese Aussage auf,wobei sie sich hier gleichzeitig widerspricht und bestätigt. Zeugen ihre Werke doch oft von grossem Fleiss, sindtrotzdem schön und nicht ganz frei von Spannung, von rauen und sogar hässlichen Elementen............................................................................................................................................................................................Additional InformationenLink: http://www.zobristwaeckerlin.ch........................................................................................................................................................................................... 19
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  • 22. Stijn Ossevoort: In Search For BeautyDer holländische Designer Stijn Ossevoort stellt anlässlich der Tagung eine Auswahl seiner Projekte aus den letzten10 Jahren vor. Seiner Meinung nach entsteht Schönheit aus der Wechselwirkung eines Objektes im Spannungsfeldvon Zeit, Gegensätzen (Kontrast) und der daraus resultierenden Erkenntnis. Als Beispiel dafür zeigt er uns einigeBilder aus seiner Heimatstadt: Die Stadt Eindhoven hat in den Fünfzigerjahren zur Errichtung eines Bürokomplexeskurzerhand eine Kirche abgerissen. Dieses Beispiel zeigt eindrücklich die Komponente «Zeit» im Zusammenhangmit Schönheit («Beauty») auf. An dieser Stelle werden drei der Arbeiten von Ossevoort genauer erläutert:Message in the Bottle (2000)Bei «Message in the Bottle» handelt es sich um einen Anrufbeantworter, der die Sprachnachrichten nicht auf einemMagnetband konserviert, sondern in kleinen Flaschen. Diese Fläschchen kann der Empfänger der Nachrichtherausnehmen, ins Regal stellen und anhören, wenn er Lust dazu hat. Diese Arbeit zeigt, dass ein Anrufbeantworternicht nur eine schwarze Box mit Knöpfen sein muss, oder gar nur Speicherplatz auf einem Server einer beliebigenTelefon-Gesellschaft. Auch ein Anrufbeantworter kann ein schönes Objekt sein (→ Seite 24). 22
  • 23. Compass Coat (2002)Ausgehend von der Geschichte eines jungen Mannes, der sich davor fürchtete, sich allein in einem dunklen Wald zuverirren, entwickelte Ossevoort den Kompass-Mantel. Auf dem Mantel brachte er LED’s in Blumen resp.Pflanzenform an. Die LED’s verknüpfte er mit einer eigens entwickelten, intelligenten Steuerung, die erkennt, inwelchem Winkel zum Nordpol die Person steht. Die Steuerung schaltet nur diejenigen LED’s ein, welche inRichtung Nordpol zeigen. Mit diesem Mantel würde der zu Beginn erwähnte junge Mann den Weg aus dem Waldfinden (→ Seite 25).Archaeology of the Future (2004)Bei diesem Projekt handelt es sich um ein Buch, das keine Worte enthält. Erst wenn man dem Buch eine Frage stellt,leuchtet auf dem Umschlag ein Wort auf. Ossevoort produzierte also ein Buch, das nicht die Vergangenheitkonserviert, sondern die Zukunft voraus sagt. Schlussendlich bleibt hier noch zu erwähnen, dass Ossevoort nichtlediglich das Endprodukt als solches für «schön» empfindet. Auch die Entwicklung der Schaltpläne und dieAusarbeitung der Ideen ausgehend von einer Geschichte empfindet er als «schön». 23
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  • 26. Esther Sutter: Rohmaterial –die Schönheit im BlutEsther Sutter zeigt uns, wie der klassische (Spitzen-)Tanz den Rahmen des klassischen Balletts vorgibt. AlsTestimonials dafür nennt Esther Sutter zwei Namen: Marie Taglioni, deren Namen mit den Ursprüngen desSpitzentanzes in Verbindung gebracht wird. Sie vermochte das Elfenhafte, Schwerelose und Nicht-Greifbareeinzigartig umzusetzen. Véronique Doisneau als Vertreterin der jüngsten Generation des klassischen Tanzes. Eineindrücklicher Filmausschnitt aus der Opéra de Paris zeigt –Véronique Doisneau als Frau, deren Persönlichkeitgleichwertig mit dem Tanz ist (→ Seite 28). So nimmt der Raum, in dem sie über persönliche Dinge sprichtebensoviel Platz ein wie ihre tänzerische Darbietung. Ohne Musik, schmucklos – reduziert auf ihren Körper, ihrenAusdruck und ihre Persönlichkeit. Sogar die Musik singt sie selbst.Innerhalb dieses Kreises des klassischen Tanzes entstand ab den 60er-Jahren eine neue Tanz-Bewegung mit dem«Modern Dance». Genannt wird hier von Esther Sutter die Merce Cunningham Dance Company sowie dieChoreografin Martha Graham als erste «Begründerin». Sie verweist hier auch ausdrücklich auf die «ReleaseTechnik» im Tanz. Aus dem «Modern Dance» geht der «Post Modern Dance» mit der «Judson Dance Bewegung»in den 60er- und 70er-Jahren hervor. Pina Bausch mit dem Deutschen Tanztheater und Xavier Le Roy, demChoreographen der als Molekularbiologe aus der Wissenschaftswelt Einflüsse in seinen Tanz mitbrachte, werdenebenfalls erwähnt. 26
  • 27. Pina Bausch umschrieb die Anforderungen des modernen Tanzes treffend mit den Worten: «Mich interessiert nicht,wie sie sich bewegen. Mich interessiert, was sie bewegt.» Eine Tanztechnik, die innen wie auch aussen aufImprovisation beruht. Aussen mittels einer «cleanen» Choreographie – also der Verzicht auf alles Ausschmückende,Übertriebene und Überflüssige. Von Innen durch die Umsetzung der Gefühle im Ausdruck der Bewegung. DieTänzer werden zu Choreographen und bestimmen die Bewegung – nicht umgekehrt.Die «Release Technik» als «eine Verschmelzung der Inhalte mit der Ästhetik»: Der Tänzer und Tänzerinnen sindkeine vorbereiteten sondern ein bereite, situative Körper, die sich an keine starre Choreographie halten und derenMitgestalter sie sind. Esther Sutter zeigt dies am Beispiel von Xavier Le Roy. Trotz der grossen Konzentration desTänzers und Eingeschränktheit der Choreographie ist keine Vorstellung gleich wie die vorhergehende. Das Gefühldes Tänzers gestaltet den Tanz. 27
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  • 30. Béatrice Jaccard: On Beauty –Jenseits vom EbenmassAuf die Eingangsfrage was Schönheit sei, antwortet Béatrice Jaccard: «Ein ‹schöner› Ballettänzer, resp. eine‹schöne› Ballettänzerin kann die Ballettlinie perfekt ausführen. Es braucht einen bestimmten Körperbau,beispielweise die richtige Hüftrotation, lange Beine und dehnbare Bänder.» Schönheit ist keiner äusseren Ästhetikunterworfen. Schönheit kann inszeniert und zerstört werden – eine manipulierbare Empfindung. Béatrice Jaccardzeigt dies am Beispiel dreier Filmausschnitte der Compagnie Drift (→ Seite 31):Werk 1: «On Beauty», ein Stück von Tänzern, mit und ohne Behinderung zeigt, dass gezielt inszenierte Schönheiteingesetzt werden kann, um einer Szenerie «Gewicht, Wichtigkeit, Status und Würde» zu verleihen. Der Tanz derattraktiven Tänzerin im Rollstuhl wirkt sinnlich, gefühl- und liebevoll, wunderschön und zerbrechlich. Dievermeintlich schwache Frau wird im Laufe des Stückes ihren Partner umbringen. Diese gegensätzlichen Elemente(Gebrechlichkeit und Aggression, Schönheit und Behinderung) wirken dabei bestürzend.Werk 2: «Au bleu Cochon» demonstriert, dass eine alltägliche Handlung mittels choreographischen Mitteln so weitüberhöht werden kann, dass sie in einer «absurden Ästhetik» endet.Werk 3: «Machines à sons» zeigt, wie durch das Herausnehmen von Spannung Kitsch entstehen kann.Spannung, Choreographie und Attraktivität sind hier also nur drei von unzähligen Stilmitteln, um Schönheit zuinszenieren. Gibt es also objektive und klar bestimmbare Schönheit oder ist sie eine Frage des Vorurteils, derInszenierung bzw. der Anforderung? Béatrice Jaccard zeigt im Gespräch auf, dass es möglich ist, die klassischbestimmten Schönheitselemente aufzubrechen und wie sie dadurch persönlich zu einer neuen, eigenen «Schönheit»fand. 30
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  • 32. Marc Krebs: Pop, Püppchen und PuppenPop: Der Basler Musikjournalist Marc Krebs zeigt uns eine «multimediale Chaos-Präsentation» quer durch diePopgeschichte der letzten drei Dekaden, eine Hommage an Musikvideos – von MTV bis YouTube. Den Fokus legter dabei auf die Popmusik, da dieser Stil seit jeher als Transportmittel von Botschaften und Emotionen dient.Krebs zeigt mit einer Auswahl von Musikvideos den Wandel der Mode und der Musik auf. Erzeugten die Bands derAchtziger-Jahre ein «Wir-Gefühl» (Bsp. «We Are The World»), so singen Britney Spears, Christina Aguilera undCo. Jahre später über sich und ihre Probleme, Wünsche, Gefühle (Bsp. «Oops! I did it again»). Auch interessant:Waren in den Achtziger-Jahren hauptsächlich männliche Bands in den Charts, so sind es heute vor allem weiblicheSolo-Künstlerinnen. Dies mag auch damit zusammenhängen, dass sich das Pop-Business durch die Digitalisierungindividualisiert hat – von MTV zu YouTube eben.Püppchen: Der Glanz, die Schönheit, der Kitsch des Pops haben auch eine Schattenseite: Unzählige Beispielezeigen, dass Fans ihren Stars den Rücken zudrehen, sobald sie ihren Glanz verlieren – sei dies durch Drogen- oderTablettensucht oder den Zerfall der (jugendlichen) Schönheit. Das Gegenteil bewies Susan Boyle. Die schottischeSängerin wurde in einer Talentshow entdeckt. Die rührende Geschichte machte sie vom «hässlichen Entlein» zumPopstar – allerdings nicht sehr lange.Die Ästhetik der Popvideos ist über die Jahre soweit gegangen, dass Frauen («Püppchen») nur noch zu Accessoiresdegradiert wurden. Interessant ist dabei aber auch, dass andere Künstlerinnen wie z.B. Pink oder Steffe La Cheffegenau diese Thematik in ihren Songs aufgreifen und dadurch nicht nur erfolgreich, sondern auch ernst genommenwerden. In dieselbe Kerbe schlägt Stefanie Germanotta a.k.a. Lady Gaga, welche laut Krebs mit ihrem an DavidBowie angelehnten androgynen Stil eine Ausnahmeerscheinung im aktuellen Popgeschehen darstellt. 32
  • 33. Puppen: Zum Ende der Präsentation leitet Krebs das Thema zu den Puppen über: Als Beispiel nennt er hier dieGruppe Kraftwerk, welche entweder ohne Gesichtsmimik auf der Bühne stehen oder sogar Roboter statt sich selbstauf die Bühne stellen. Der grösste Hit von Kraftwerk hiess übrigens «Das Modell». Der Song, bei dem es um einSupermodel geht, bildet gleichzeitig den Schluss des Referats. Die anschliessende Fragerunde mündet schliesslich inder Präsentation von weiteren, originellen Music-Clips............................................................................................................................................................................................Additional InformationenQuote: Pop music is about «fuck me» – Rock music is about «fuck you»!(Chrissie Hynde, The Pretenders)Links:Video: OK Go – White Knuckleshttp://www.youtube.com/watch?v=nHlJODYBLKsVideo: Air – Harder, Better, Faster, Stronger (Finger Style)http://www.myspace.com/video/arienne-hj-rdis/daft-punk-finger-stylee/11834875Video: Aha – Take On Me (Offical Video)http://www.youtube.com/watch?v=djV11Xbc914........................................................................................................................................................................................... 33
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  • 35. Alexandra d’Incau: Glitzer und Kitsch –Das GlücksradAlexandra D’Incau stellt das Thema «die Kluft zwischen der zauberhaften Schönheit von Erinnerungen undprofaner Realität» ins Zentrum. Sie lässt dafür in ihrem vorgestellten Werk die Show Glücksrad als Symbol für dieidealisierte Schönheit an eine pseudo-perfekte Kindheit wieder aufleben.Im Laufe des Prozesses – angefangen bei der Idee, über die Erstellung der Elemente, der Ausstellung bis hin zurZerstörung des Werkes und sogar darüber hinaus – gelangt sie zur folgenden Erkenntnis: Der Versuch, dasGlamouröse in der kindlichen Erinnerung in die Realität der Erwachsenen zu retten muss zwangsläufig scheitern.Das Werk aus dem «ewigen Material» Styropor wirkt in dieser auf Realismus reduzierten Welt verloren: «Es kannkeine Verzauberung in einem entzauberten Raum stattfinden.»Erst die ungewollte Zerstörung des Werkes bringt am Ende doch noch unerwartete Schönheit an den Tag. D’Incauerkennt, dass die Kraft des Werkes in der Auseinandersetzung oder gar der Aufarbeitung des eigentlich emotionalenInhalts der Thematik besteht: Durch das Erwachsenwerden und dem damit verbundenen Verlustder kindlich-idealisierten Glitzerwelt beim Eintritt in die Realität. Indem ihr Werk demontiert wurde, greift derTrümmerhaufen diesen Zusammenbruch wieder auf. «Kunst muss wahr sein, bevor sie schön ist.» 35
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  • 38. Johannes Binotto: Schönheitund/als ExzessIn der letzten Präsentation dieser Tagung erläutert uns der Autor und Filmkritiker Johannes Binotto die Schönheitdes Films aus seiner Perspektive – respektive aus der Sicht von Busby Berkeley. Die Präsentation trägt denn auchden Untertitel «Busby Berkeley und das schrecklich Schöne im Filmmusical». Um den Ausdruck und die Schönheitdes Films richtig einordnen zu können, weist uns Binotto auf das Paradox der in Bildern «eingefangenen» Schönheithin: Ein Bild (Foto) sei leidglich eine Momentaufnahme, und auf diesem sei auch immer der Tod eingeschlossen,und zwar weil das festgehaltene Objekt ja lediglich zum Zeitpunkt der Herstellung real ist. Ein Film sei demnach einZustand «zwischen Leben und Tod».Deutlich wird diese These, als Binotto Filmausschnitte aus der Zeit des klassischen Hollywoods (Dreissiger- bisFünfziger-Jahre) zeigt. Neu war damals auch, dass mit der Kamera Perspektiven festgehalten wurden, welche dasPublikum im Vergleich zu Theater oder Musical zuvor nie zu Gesicht bekam. Als Beispiel zeigt Binotto Ausschnitteaus «Footlight Parade» (1933), «Dames» (1934) oder «Gold Diggers of 1935» (1935) von Busby Berkeley. DieKamera war nun die Solistin. Die Film-Szenen uferten oft in fast schon militärisch choreografierten Tanzszenen aus.Diese übertrieben schönen Bilder passten zur damaligen Zeit (Depression): Die Filme verzauberten das damals«arme Volk». 38
  • 39. In seinem berühmten Werk «The Analysis of Beauty» von 1735 behauptete der englische Philosoph und KünstlerWilliam Hogarth, geschwungene Formen seien besonders geeignet, um den Effekt des Schönen zu erzeugen. Diegeschwungene Linie (siehe Deckblatt des erwähnten Buches) war mithin die Schönheit in ihrer reinsten Form. Esscheint als ob Berkeley genau diesen Gedanken verfolgte und zugleich dessen absolute Monstrosität zeigte. Inseinen Aufnahmen aus der Vogelperspektive vermengen sich die einzelnen Leiber der Showgirls tatsächlich zu einerSchlangenlinie. Doch machen diese Ansichten zugleich klar: im exzessiven Streben nach Idealität kippt das Schöneunversehens in sein unheimliches Gegenteil, ins Abstossende und Beängstigende............................................................................................................................................................................................Additional InformationenFilm: Footlight Parade (USA, 1933, Warner Brothers, Regie: Lloyd Bacon + Busby Berkeley)http://www.youtube.com/watch?v=6I3yAeyDsVQFilm: Dames (USA, 1934, Warner Brothers, Regie: Ray Enright + Busby Berkeley)http://www.youtube.com/watch?v=OA52-IbB98oFilm: Gold Diggers of 1935 (USA, 1935, Warner Brothers, Regie: Busby Berkeley)http://www.youtube.com/watch?v=1gGVryQDvv4Buch: The Analysis of Beauty (William Hogarth, 1753)http://archiv.ub.uni-heidelberg.de/artdok/volltexte/2010/1217/pdf/Davis_Fontes52.pdf........................................................................................................................................................................................... 39
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  • 42. SchlusswortZu schön um wahr zu sein? Eine Frage, eine These? Der Begriff «Schönheit» wurde sowohl aus dem Blickwinkelder Wissenschaft aber auch der Perspektive der bildenden und darstellenden Kunst betrachtet. Schönheit imVergleich, oder als Gegensatz. Schönheit geht mit Faszination und Bewunderung einher, kann aber auch rasch inKitsch umkippen, sie ist dem evolutionären Wandel unterworfen, kann als Symbol für Revolution dienen und zumZwang werden. Schönheit ist relativ, sowohl für den individuellen Betrachter im einen einzigen Moment, aber auchfür die Gesellschaft Jahrhunderte vor oder nach diesem Moment. Schönheit ist ein abstrakter Begriff, der stark mitallen Aspekten menschlichen Daseins verbunden ist.Im Verlauf der Tagung wurden kaum Antworten zur Frage der Schönheit gegeben – dafür viele neue Fragenaufgeworfen. Das vielfältige Thema und der geschichtsträchtige Ort haben dafür gesorgt, dass alle Teilnehmenden,durch unzählige interessante Gedanken für neue Arbeiten und Projekte inspiriert wurden. 42
  • 43. Kurzbiografien der TeilnehmendenJohannes Binotto, Dr. des., ist wissenschaftlicher Assistent am Englischen Seminar der Universiät Zürich undfreier Autor. Er schreibt regelmässig für die Neue Zürcher Zeitung und die Zeitschrift «Filmbulletin» und lehrtkontinuierlich zu «Film & Psychoanalyse» am Zürcher Lacan-Seminar oder der Psychiatrischen UniversitätsklinikZürich (Burghölzli). Zu den jüngsten Publikationen zählen ein Buchbeitrag zum Mafioso als Hysteriker, sowieverschiedene Aufsätze zu den Schnittstellen von Psychoanalyse, Architekturtheorie, Literatur und Film. JohannesBinotto hat mit einer Studie zum Freudschen Unheimlichen und dessen Räumlichkeit in Kunst, Literatur und Filmdissertiert.Meret Ernst, Dr. phil., wurde 1966 geboren. Nach dem Studium der Kunstgeschichte, Filmwissenschaft undPublizistik an der Universität Zürich arbeitete sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin und Ausstellungskuratorin amMuseum für Gestaltung Zürich. 1999 bis 2002 folgte Konzeption und Umsetzung der Ausstellung «Strangers inParadise» für die Migros an der Expo.02 in Biel zusammen mit Christoph Stratenwerth, Projektleiter, und MichelSchaltenbrand, Szenografie. Seit 1996 schreibt Meret Ernst über Design, visuelle Kommunikation, Kino, Kunst undübernahm Lehraufträge am Seminar für Filmwissenschaft der Uni Zürich, an der HGK Zürich, der Schule fürGestaltung Bern und Biel und seit 2003 an Fachhochschulen (ZHdK, FHNW, HSLU). Seit 2003 leitet sie dieRedaktion für Kultur und Design bei der Zeitschrift Hochparterre. Sie ist seit 2005 Vorstandsmitglied der SwissDesign Association SDA, seit 2007 Stiftungsrätin Stapferhaus Lenzburg. Meret Ernst ist als Design-Expertin inzahlreichen Jurys vertreten.Alexandra d’Incau: geboren 1980 in Winterthur. Ich lebe und arbeite seit 12 Jahren in Zürich. Nach meinemFotografie-Studium an der Zadek 2006 arbeitete ich während zweier Jahre als Projektleitern in einer Multimedia-Agentur. 2011 Abschluss des Master of Art in fine arts, Schwerpunkt art teaching, an der Hochschule Luzern. SeitSeptember 2011 Assistentin desselben Studienganges. In meiner künstlerischen Arbeit bewege ich mich zwischendigitaler high end und rudimentärer do it yourself Optik. im Moment beschäftige ich mich mit der Kluft zwischender zauberhaften Schönheit von Erinnerungen / Vorstellungen und profaner Realität. 43
  • 44. Susanne Furrer, geboren und aufgewachsen in Zürich, arbeitet an der Universität Luzern im BereichÖffentlichkeitsarbeit. Als Studentin für Kulturmanagement MAS an der Fachhochschule Design & Kunst in Luzernist sie Teilnehmerin am Symposium für das Protokoll.Béatrice Jaccard: Choreographin/Tänzerin; künstl. Ko-Leiterin der Cie Drift. Drift hat bis jetzt 34 Bühnenstücke,Performances und Installationen herausgebracht und in 31 Ländern gezeigt. Choreographie und Opernregieaufträgean Stadttheatern Freiburg/Heidelberg, Detmold, Luzerner Theater. Werkstattbeitrag (1990) und Ehrengabe (2002)der Stadt Zürich sowie Schweizer Choreographiepreis (2007).Marc Krebs (*1974) studierte einige Semester Französisch und Geschichte an der Uni Basel, ehe er 1996 in denMusikjournalismus einstieg. Zunächst als Freelancer für Printmedien (u.a. «Tages-Anzeiger», «Du», «Die Zeit»),dann als Chefredaktor des Schweizer Musikmagazins «Music Scene» und TV-Moderator/Redaktor derJugendkultursendung «Kompressor». In den letzten sieben Jahren arbeitete er als Kulturredaktor bei der «BaslerZeitung». 2009 erschien sein erstes Buch, «POP Basel – Musik und Subkultur» (Christoph Merian Verlag).Wilfried Menninghaus (* 1952) dessen akademische Karriere einst mit einer Immatrikulation in Informatikstartete, forscht heute am Peter Szondi-Institut für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft der FUBerlin. Zahlreiche Gastprofessuren u.a. in Yale, Berkeley und Princeton haben ihm das amerikanische College-System nahe gebracht. Darin fällen die Studenten noch keine abschließende Studienentscheidung, sondern besuchenSeminare sowohl in den «Humanities» als auch in den «Sciences». Interdisziplinäre Forschung betreibtMenninghaus an vorderster Front. Er ist Sprecher des Exzellenzclusters «Languages of Emotion» an der FreienUniversität Berlin, wo Wissenschaftler aus mehr als 20 Disziplinen – von der Tanzforschung bis zur kognitivenNeurowissenschaft – die Zusammenhänge von Sprache und Emotion ergründen. Zahlreiche Publikationen, u.a. «DasVersprechen der Schönheit» (2003), «Ekel» (2002), «Wozu Kunst» (2011), alle im Suhrkamp Verlag. 44
  • 45. Marie-Louise Nigg (*1966) studierte Germanistik, Kunstgeschichte und Komparatistik. Bis 2001 freiberuflicheKunstkritikerin bei verschiedenen Schweizer Tageszeitungen. Professorin für Kunst- und Kulturgeschichte an derHochschule Luzern Design & Kunst; Schwerpunkte kulturwissenschaftlicher Lehr- und Forschungstätigkeit: Fragender Aufmerksamkeit, der Fremd- und Raumwahrnehmung sowie der Interdisziplinarität und Transkulturalität.Aktuell: Promotionsstudium bei Dr. Thomas Macho an der Humboldt Universität zu Berlin zum Thema Gehen undRaumproduktion in Literatur und Kunst.Stijn Ossevoort erwarb ein Master Ingenieursdiplom (MSc) an der Delft University of Technology und ein MasterDiplom Product Design (MA) am Royal College of Arts in London. Er arbeitete als Designer unter anderem in denAgenturen Design Workshop, Ottawa (Kanada) und Indes BV, Hengelo (Niederlande) sowie bei Philips Design,Eindhoven (Niederlande). Zusammen mit Ron Arad, London (UK) entstanden verschiedeneAusstellungsinstallationen. Zuletzt war er als Design Innovation Manager bei Roca Sanitario SA in Barcelona tätig.Im Sommer 2009 wechselte er an die Hochschule Luzern – Design & Kunst, wo er eine Forschungsdozentur inProduct Design am Institut Design innehat.Esther Sutter Straub, geboren 1948 in der Schweiz, ist freie Fachjournalistin für Kultur und Tanz für Printmedienund bei Radio DRS 2. Sie ist als Beauftragte für Kommunikation in der Suisse Romande sowie als Verfasserin derProgrammtexte langjährige Mitarbeiterin des internationalen Tanzfestival Steps des Migros-Kulturprozent. EstherSutter Straub war während 12 Jahren Stiftungsrätin und Expertin für Tanz und internationalen Austausch derSchweizer Kulturstiftung Pro Helvetia. Als Tänzerin war sie Mitglied der der Sparte Ballett/Tanz am Theater Baselund an der Deutschen Oper am Rhein in Düsseldorf. Neben ihrer journalistischen Arbeit führt Esther Sutter heutedas Studio für Tanz und Taiji in Basel (www.tanzundtaiji.ch) 45
  • 46. Theres Waeckerlin geboren 1965 in Basel, lebt in Zürich. 1985 machte sie in Aarau die Eidgenössische Matura.1986 bis 1991 Studium an der damaligen Schule für Gestaltung in Zürich. Seit 1992 arbeitet sie unter dem NamenZobrist/Waeckerlin gemeinsam mit Agatha Zobrist als Künstlerin. Das Duo ist vor allem im Bereich derortspezifischen Installation tätig, daneben entstehen aber auch Plastiken, Objekte und immer wieder PerformancesKontinuierlich werden ihre Arbeiten in Einzel- und Gruppenausstellungen im In- und Ausland gezeigt.Internationale Symposien führten sie nach Litauen, Estland, Tschechien und Rumänien. Zobrist/Waeckerlin habenfür ihr Schaffen verschiedene Preise und Stipendien bekommen und lebten in längeren Atelieraufenthalten inVilnius, Paris, Kairo und Berlin. Einige ihrer Werke sind in öffentlichen und privaten Sammlungen zu finden undals Kunst am Bau permanent zu sehen. Beide sind Gründungsmitglieder der Performance- und Künstlerinnengruppemit. Theres Waeckerlin ist seit 2002 Dozentin für Kunst an der HSLU, Abteilung Kunst & Vermittlung und arbeitetverschiedentlich in Kommissionen und Jurys.Greg Zeder (*1978) arbeitet als DJ und Label Manager von Little Jig Records. Mitarbeit an einem Betriebskonzeptfür das Kulturhaus Südpol Luzern (Ersatz für die BOA). Mitglied im Organisationskomitee des Luzerner Fest.Zurzeit Ausbildung im MAS Kulturmanagement Praxis (HSLU Design & Kunst in Luzern)Benno Zehnder, 1960 – 1964 Kunstgewerbeschule Luzern; 1964 – 1970 London Freischaffender Gestalter undMaler¸ Didaktische Ausstellungsgestaltungen für Design Centre, Swiss Center, Royal Academy, (alle in London)¸1970 - 1973 Leiter Post Graduate Course (MA) in Film-Animation am City of Birmingham Polytechnic¸ 1973 –1981 in Corsham / Wilts. GB Head of Department of Visual Comunication (BAhons) an der Bath Academy of Art,Corsham/ Wilts; 1981 – 1997 Direktor der Schule für Gestaltung/ Höheren Schule für Gestaltung Luzern; Seit 1997Dozent an der Hochschule für Kunst und Gestaltung Luzern (bis 2006); Atelier für Farbkonzepte und Malerei.Künstlerische Tätigkeit seit 1965: Ausstellungen u.a. Burleighfield House Oxford. City Art Gallery Bristol.GB.Festival Gallery Bath.GB. Serpentine Gallery London. Kunstverein Olten. Kunstmuseum Olten. GemeindegalerieWettingen. Gersag Zentrum Emmen.LU. Galerie Partikel.Luzern. MAZ Horw.LU. Galerie im Trudelhaus Baden.Gallerie Mäder Basel. Galerie im Amtshimmel. Baden. Das DING. Luzern. 46
  • 47. Silvia Henke, Prof. Dr., (*1962), Kulturwissenschaftlerin, Leitung Abteilung Theorie und Dozentin fürKulturtheorie an der Hochschule für Kunst und Gestaltung in Luzern. Studium der Germanistik und Romanistik inBasel und Hamburg, Lehrbeauftragte für neuere deutsche Literaturwissenschaft Universität Basel. Promotion zuDrama und Dramentheorie Anf. 20. Jhd., freie Publizistin. Aktuelle Arbeitsschwerpunkte: Kunst und Wissenschaft,Kunst und Religion, Kunst und Psychoanalyse, weibliche Pornographie, Genderfragen. Publikationen (zuletzt):«Aus einem Haufen Elend ein Sujet machen»? Zu Annemarie Schwarzenbachs impliziter Fototheorie, in Sofie deCock (Hrsg.), inside/out. Bielefeld: aisthesis 2008, «Das Imaginäre ist Schwindel erregend», in: Simon Zumsteg etal. (Hrsg.), Archipele des Imaginären, Zürich/Wien/New York: Ed. Voldemer 2008., Verlust der Unverkennbarkeit.Handschrift und Crossover in den Künsten (mit Beat Schläpfer und Veronika Sellier), Luzern: interact 2008; Thepossibility of a sign, in: Eva Meyer (Ed.); What does the veil know? Zürich/Wien/New York: Ed. Voldemer 2009,Frauen und Männer auf der Kunstlaufbahn (mit Katrin Borer und Brigitte Dätwyler), Luzern:interact 2009, «Und ersah, dass es gut war» – Zur Frage der Qualität in der Kultur der Gegenwart (mit Beat Schläpfer und VeronikaSellier), Luzern: interact 2010.Beat Schläpfer Lic. phil.Ib (*1952), Leitung MAS Kulturmanagement Praxis an der HSLU – Design&KunstLuzern. Er ist Germanist und Historiker. Sein Büro «Kulturelle Konzepte» in Zürich organisiert Ausstellungen undSymposien zu kulturpolitischen und zeitgeschichtlichen Fragen und berät Organisationen im Kulturbereich.Ausstellungen (Auswahl) «Fluchtpunkt Zürich - Schauplätze der Selbstbehauptung und des Ueberlebens 1933 -1945 (1987 ff.) Swiss, made. Die Schweiz im Austausch mit der Welt (1998 ff.) Symposien (Auswahl ab 2000):Scheitern als Erfolg. Ittinger Gespräche anlässlich des 25. Jahrestages des Bestehens der Stiftung Kartause Ittingen(2002); Le saut sur le nozoN. Über die Grenzen: Chancen und Möglichkeiten kultureller Kontakte in der Schweiz(2004); Sorgen im Verkehrsparadies - Herausforderungen an die Freizeit- und EinkaufsMobilität (2005), All theworld’s on stage –Kulturelle Vielfalt in Zeiten der Globalisierung (2007) Forum für Fragen von Kunst undÖffentlichkeit (zusammen mit Silvia Henke und Veronika Sellier) ab (2007) Publikationen (Auswahl) Schauspiel inder Schweiz. Theater und Publikum in fünf Jahrhunderten (1999), Aufzeichnungen zu Canetti. In: Werner Morlang(Hrsg.), Canetti in Zürich, Erinnerungen und Gespräche, Zürich (Nagel und Kimche), 2005, Geschenktes Leben.Prof. Dr. Ruedi Lüthys Initiative gegen die Aids-Epidemie in Simbabwe». Werd Verlag, 2006. 47
  • 48. Veronika Sellier Dr. phil, (*1950), Studium der Kunstgeschichte und Theaterwissenschaften in München und Paris.Übersetzungen aus dem Französischen. Tätigkeit als Dramaturgin in Frankreich, Deutschland und der Schweiz.Redaktionelle Mitarbeit am Hessischen Rundfunk. Seit 1996 Leiterin des L’arc, einer Institution des Migros-Kulturprozent. Lehraufträge u.a. an der ETH Zürich, Hochschule der Künste Bern, Hochschule Luzern Design &Kunst, Kulturmanagement. Diverse Veröffentlichungen: Zuletzt: Hrsg. Stückwerk 4, Dramatiker/Innen in derDeutschschweiz. Theater der Zeit, Berlin 2005; «La belle voisine- Dramatiker in der Westschweiz» In: SonderfallSchweiz, Hrsg Walser/Engelhart. Theater der Zeit, Berlin 2006; Herausgeberin und Mitautorin (mit Silvia Henkeund Beat Schläpfer): Verlust der Unverkennbarkeit. – Handschrift und Crossover in den Künsten. ORGAN 1 -Schriftenreihe der Hochschule Luzern Design & Kunst. Luzern 2008; Herausgeberin und Mitautorin (mit SilviaHenke und Beat Schläpfer) von «Und er sah, dass es gut war….» Zur Frage der Qualität in der Kultur. - ORGAN 4 –ebd. 2010. 48