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Technologie- und Gründerzentren (TGZ) Rolle, Funktion und Finanzierung
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Technologie- und Gründerzentren (TGZ) Rolle, Funktion und Finanzierung

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Technologie- und Gründerzentren (TGZ) sind Umgebungen, deren Ziel es ist, das Jung- unternehmertum zu fördern und den Wissenstransfer zwischen der Wissenschaft und der Wirtschaft zu erleichtern. …

Technologie- und Gründerzentren (TGZ) sind Umgebungen, deren Ziel es ist, das Jung- unternehmertum zu fördern und den Wissenstransfer zwischen der Wissenschaft und der Wirtschaft zu erleichtern. Dies um die Innovationstätigkeit einer Region zu steigern und so das Wirtschaftswachstum zu unterstützen.
Die vorliegende Diplomarbeit beschäftigt sich mit der Frage nach der Rolle, Funktion und Finanzierung von TGZ. Die Thematik wird mit den wissenschaftlichen Kenntnissen eingeführt und erörtert. Es wird aufgezeigt, welche Erkenntnisse aus wissenschaftlichen Studien zu TGZ vorliegen und wie diese zu bewerten sind. Dabei wird auf das Problem der Leistungsmessung verwiesen und auf die Schwierigkeit, aussagekräftige Indikatoren zu definieren. Ergänzend wird auf die Bedeutung von Innovationen bzw. Innovationsför- derung im wirtschaftspolitischen Kontext eingegangen, um den Praxisbezug von TGZ zu unterlegen und um eine ganzheitliche Betrachtung der Thematik zu ermöglichen.
Für die Leistungsmessung der 16 Schweizer TGZ ist eine Umfrage in Form eines Online- Fragebogens durchgeführt worden. Die gewonnenen Daten wurden mit Informationen von den Websites der jeweiligen TGZ ergänzt und in einer Tabelle sowie in Porträts darge- stellt. Mit der Leistungsanalyse der Schweizer TGZ galt es zu testen, ob die Zentren die vier Erfolgsfaktoren Netzwerk zwischen den in den TGZ eingemieteten Unternehmen und den umliegenden Forschungs- und Ausbildungsstätten, Angemessenheit der Ziele, Unter- stützung des TGZ von aussen sowie Dienstleistungen und Anlagen, die im TGZ geboten werden erfüllen und ob sie die drei Kernaufgaben Vermittlung, Coaching und Selektion wahrnehmen. Zudem wurde untersucht, ob die TGZ mit öffentlichen Geldern unterstützt werden.
Aus den Resultaten geht hervor, dass die befragten TGZ die gesetzten Bedingungen weitgehend erfüllen. Rund ein Drittel profitiert von Subventionen.
Diese Diplomarbeit schliesst mit der Bewertung des Konzepts TGZ und diskutiert die Finanzierungsmodelle.

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  • 1. Universität Zürich Diplomarbeit Technologie- und Gründerzentren (TGZ) Rolle, Funktion und Finanzierung Sozialökonomisches Institut der Universität Zürich Prof. Dr. Beat Hotz-Hart Verfasser: Clemens Bartlome clemens@bartlome.com Schützenweg 18 7430 Thusis Matrikelnummer: 01350909 Telefonnummer: 081 651 45 26 Studienrichtung Betriebswirtschaftslehre (BWL) Abgabedatum 12. September 2008 1
  • 2. Eidesstattliche Erklärung Der Verfasser Clemens Bartlome erklärt an Eides statt, dass er die vorliegende Arbeit selbstständig, ohne fremde Hilfe und ohne Benutzung anderer als die angegebenen Hilfs- mittel angefertigt hat. Die aus fremden Quellen (einschliesslich elektronischer Quellen) direkt oder indirekt übernommenen Gedanken sind ausnahmslos als solche kenntlich ge- macht. Die Arbeit ist in gleicher oder ähnlicher Form oder auszugsweise im Rahmen einer anderen Prüfung noch nicht vorgelegt worden. Zürich, 12. September 2008 Clemens Bartlome 2
  • 3. Zusammenfassung Technologie- und Gründerzentren (TGZ) sind Umgebungen, deren Ziel es ist, das Jung- unternehmertum zu fördern und den Wissenstransfer zwischen der Wissenschaft und der Wirtschaft zu erleichtern. Dies um die Innovationstätigkeit einer Region zu steigern und so das Wirtschaftswachstum zu unterstützen. Die vorliegende Diplomarbeit beschäftigt sich mit der Frage nach der Rolle, Funktion und Finanzierung von TGZ. Die Thematik wird mit den wissenschaftlichen Kenntnissen eingeführt und erörtert. Es wird aufgezeigt, welche Erkenntnisse aus wissenschaftlichen Studien zu TGZ vorliegen und wie diese zu bewerten sind. Dabei wird auf das Problem der Leistungsmessung verwiesen und auf die Schwierigkeit, aussagekräftige Indikatoren zu definieren. Ergänzend wird auf die Bedeutung von Innovationen bzw. Innovationsför- derung im wirtschaftspolitischen Kontext eingegangen, um den Praxisbezug von TGZ zu unterlegen und um eine ganzheitliche Betrachtung der Thematik zu ermöglichen. Für die Leistungsmessung der 16 Schweizer TGZ ist eine Umfrage in Form eines Online- Fragebogens durchgeführt worden. Die gewonnenen Daten wurden mit Informationen von den Websites der jeweiligen TGZ ergänzt und in einer Tabelle sowie in Porträts darge- stellt. Mit der Leistungsanalyse der Schweizer TGZ galt es zu testen, ob die Zentren die vier Erfolgsfaktoren Netzwerk zwischen den in den TGZ eingemieteten Unternehmen und den umliegenden Forschungs- und Ausbildungsstätten, Angemessenheit der Ziele, Unter- stützung des TGZ von aussen sowie Dienstleistungen und Anlagen, die im TGZ geboten werden erfüllen und ob sie die drei Kernaufgaben Vermittlung, Coaching und Selektion wahrnehmen. Zudem wurde untersucht, ob die TGZ mit öffentlichen Geldern unterstützt werden. Aus den Resultaten geht hervor, dass die befragten TGZ die gesetzten Bedingungen weitgehend erfüllen. Rund ein Drittel profitiert von Subventionen. Diese Diplomarbeit schliesst mit der Bewertung des Konzepts TGZ und diskutiert die Finanzierungsmodelle. 3
  • 4. Inhaltsverzeichnis Eidesstattliche Erklärung 2 Zusammenfassung 3 Inhaltsverzeichnis 4 Abkürzungsverzeichnis 7 I. Einleitung 8 1. Themeneinführung 9 2. Einordnung 11 3. Material und Methoden 12 3.1. Literatur . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 12 3.2. Methodisches Vorgehen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 13 II. Herleitung der Aufgabenstellung 14 III. Wissenschaftliche Grundlagen 18 4. Definitionen und Datenlage 19 4.1. Innovationen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 19 4.2. Die Wichtigkeit von Innovationen im historischen Kontext . . . . . . . . . 21 4.3. Wo und wie Innovationen entstehen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 22 4.4. Definition und Bedeutung von Wissensspillover-Effekten . . . . . . . . . . 24 4.5. Definition und Bedeutung des Wissenstransfers . . . . . . . . . . . . . . . 24 4.6. Definition und Bedeutung von Agglomerationseffekten . . . . . . . . . . . 25 4.7. Das Nationale Innovationssystem (NIS) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 25 4.8. Die Innovationstätigkeit der Schweiz . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 27 4.9. Technologie- und Gründerzentren (TGZ) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 28 4.9.1. Definition . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 28 4.9.2. Klassifizierung von TGZ nach Kang . . . . . . . . . . . . . . . . . 31 4.9.3. Verbreitung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 34 4
  • 5. INHALTSVERZEICHNIS 4.9.4. Übersicht möglicher Kernaufgaben . . . . . . . . . . . . . . . . . . 35 4.9.5. Ausgewählte Kernaufgaben . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 36 4.9.6. Problematik der Leistungserfassung . . . . . . . . . . . . . . . . . . 39 4.9.7. Erfolgsfaktoren von TGZ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 40 4.9.8. Nutzen von TGZ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 42 4.9.9. Rolle der TGZ in der staatlichen Innovationsförderung . . . . . . . 47 4.9.10. Staatliche Unterstützung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 47 5. Untersuchungsgegenstand 51 5.1. Die TGZ der Schweiz . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 51 5.2. Methode . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 51 IV. Datenauswertung und Resultate 53 6. Beweggründe für die TGZ der Schweiz 54 7. Übersichtstabellen 57 7.1. Abkürzungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 57 7.2. Hinweis zur Lesbarkeit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 57 7.3. Tabellen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 59 8. Porträts 61 8.1. Der Technopark R Zürich als erfolgreicher Erstling . . . . . . . . . . . . . 61 8.2. Technopark R Aargau, Windisch . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 62 8.3. E-Tower, Chur . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 63 8.4. grow Gründerorganisation, Wädenswil . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 64 8.5. START! Gründungszentrum, Frauenfeld . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 64 8.6. tebo, St. Gallen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 65 8.7. FriUp, Fribourg . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 66 8.8. The Ark, Monthey, Martinach, Sitten, Sider, Visp und Brig . . . . . . . . 67 8.9. Technopark R Winterthur . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 68 8.10. businessparc, Reinach und Zwingen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 69 8.11. Centro Promozione START-UP, Lugano . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 69 8.12. TZW TechnologieZentrum, Witterswil . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 70 8.13. Parc Scientifique PSE, Lausanne . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 71 8.14. Neode, Neuenburg und La Chaux-de-Fonds . . . . . . . . . . . . . . . . . 72 8.15. Y-Parc, Yverdon . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 73 8.16. innoBE (GründerZentrum), Bern . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 73 9. Bewertung der Schweizer TGZ 75 9.1. Messproblematik, Individualität und Datenmangel . . . . . . . . . . . . . 75 9.2. Beurteilung anhand der Erfolgsfaktoren nach Byung-Joo Kang . . . . . . 76 9.2.1. Angemessenheit der Ziele . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 76 5
  • 6. INHALTSVERZEICHNIS 9.2.2. Netzwerk zwischen den in den TGZ eingemieteten Unternehmen und den umliegenden Forschungs- und Ausbildungsstätten . . . . . 76 9.2.3. Unterstützung des TGZ von aussen . . . . . . . . . . . . . . . . . . 76 9.2.4. Dienstleistungen und Anlagen, die im TGZ geboten werden . . . . 77 9.3. Beurteilung anhand der Kernaufgaben von Bergek et al. . . . . . . . . . . 77 9.3.1. Selektion . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 77 9.3.2. Coaching . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 77 9.3.3. Vermittlung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 78 10.Geschäftsmodelle und Finanzierung der Schweizer TGZ 79 V. Schlussteil 81 11.Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse 82 12.Schlussfolgerung 84 Literaturverzeichnis 87 A. Begleitschreiben zum Fragebogen 94 B. Fragebogen 95 6
  • 7. Abkürzungsverzeichnis BSP Bruttosozialprodukt EPFL Eidgenössische Technische Hochschule Lausanne (franz.: Ecole Polytechnique Fédérale de Lausanne) ETH Eidgenössische Technische Hochschule ETHZ Eidgenössische Technische Hochschule Zürich EU Europäische Union FDP Freisinnig Demokratische Partei FPO For-Profit-Organisation FuE Forschung und Entwicklung IT Informationstechnik (engl.: information technology) IWF Internationaler Währungsfonds (engl.: International Monetary Fund) KMU Kleine und Mittlere Unternehmen KOF Konjunkturforschungsstelle der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich KTI Förderagentur für Innovation der Schweiz MNU Multinationales Unternehmen NIS Nationales Innovationssystem NPO Non-Profit-Organisation OECD Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (engl.: Organisation for Economic Co-operation and Development) SECO Staatssekretariat für Wirtschaft der Schweiz TGZ Technologie- und Gründerzentren (Einzahl: Technologie- und Gründerzentrum) 7
  • 8. Teil I. Einleitung 8
  • 9. 1. Themeneinführung “For centuries people assumed that economic growth resulted from the in- terplay between capital and labor. Today we know that these elements are outweighed by a single critical factor: innovation.” Bill Gates (2007)[34, S. B07] Ein halbes Jahrhundert nach der Eröffnung des ersten Science-Parks in den USA im Jahre 19591 und 15 Jahre nachdem der Technopark R Zürich seine Türen geöffnet hat[91, S. 307], scheint die Bearbeitung des Themas «Rolle, Funktion und Finanzierung von Technologie- und Gründerzentren (TGZ)»auf den ersten Blick wenig aktuell. Die Dis- kussion um die Nutzung des ausrangierten Militärflugplatzes Dübendorf ist jedoch bei- spielhaft für die fortwährende Aktualität des Themas. Die Stiftung Forschung Schweiz präsentierte am 14. September 2007 die Idee, auf dem brachliegenden 206 Hektar grossen Gelände einen Innovationspark mit internationaler Ausstrahlung zu errichten[90]. Anhand der Namensliste des Unterstützungskomitees ist die grosse Bedeutung des Projektes erkennbar2. Neben nationalen Politikern sind Vertreter aus Wirtschaft, Wis- senschaft und Bildung aufgeführt. Dies spiegelt sich auch in der Besetzung des Vorstandes der Stiftung wider. Der Initiant des Projektes Ruedi Noser3 ist Unternehmer und Na- tionalrat (FDP Schweiz), Peter Gomes ist Verwaltungsratspräsident von Swiss Financial Market Services und Alexander J. B. Zender amtet als Präsident des Rates der Eidge- nössischen Technischen Hochschule (ETH). Die Beteiligung von Vertretern unterschiedlicher Interessensgruppen kann als exempla- risch für ein solches Projekt zur Innovationsförderung in der Schweiz betrachtet werden. Ein Grund dafür ist, dass die Realisierung mit der Freigabe öffentlicher Leistungen ver- bunden ist. Weitaus bedeutender erscheint die Tatsache, dass die Innovationsförderung sowohl in Wirtschaft und Politik als auch in der Gesellschaft auf sehr grosses Interesse stösst. Sie ist verbunden mit der Hoffnung auf Wirtschaftswachstum und der Steigerung der materiellen Wohlfahrt. Gregory Daines (1999), damaliger Direktor des Cambridge Instituts für Technologie- transfer, äusserte gegenüber dem Magazin «The Economist»wie folgt[26, S. 26]: “Innovation has become the industrial religion of the late 20th century. Busi- ness sees it as the key to increasing profits and market share. Governments 1 Als erster Science-Park gilt das im Jahre 1959 eröffnete Batavia Industrial Center in den USA[39, S. 57]. 2 http://www.stiftung-forschung-schweiz.ch/d/komitee.php, zuletzt besucht am 7. August 2008 3 Nationalrat Ruedi Noser reichte das Postulate 06.3050 am 15. März 2006 beim Bundesrat ein. 9
  • 10. 1. Themeneinführung automatically reach for it when trying to fix the economy. Around the world, the rethoric of innovation has re-placed the post-war language of welfare eco- nomics. It is the new theology that unites the left and the right of politics.” Technologie- und Gründerzentren (TGZ4) sind in diesem Sinne die Kirchen dieser „industriellen Religion“. Wallfahrtsorte sind der Cambridge Science-Park5 in Grossbri- tannien, der University Park MIT6 in den USA, die BioSquare of Boston7 (USA) und allen voran das IT-Cluster Silicon Valley in Kalifornien (USA). So war es denn auch der Traum, ein kleines Silicon Valley nachzubilden, der in den 90er Jahren zum Bau einer ganzen Reihe von TGZ auf der ganzen Welt geführt hat.8 Mit dem Platzen der Web- Blase wich der Hype um die TGZ einer abgeklärteren Einstellung gegenüber solchen Zentren9, dennoch scheint der Traum einer Innovationsmetropole nicht ausgeträumt und der Glaube an die Wirksamkeit der TGZ besteht nach wie vor. Diese Arbeit zeigt den heutigen Erkenntnisstand bezüglich der Rolle, Funktion und Finanzierung von TGZ auf und führt durch die wissenschaftliche Literatur. Der theoretische Teil der Arbeit (Teil III) gibt einen Überblick der wissenschaftlichen Grundlagen zu Innovationen, der Innovationsförderung und der TGZ. Im Ergebnisteil (Teil IV) wird der Status quo der TGZ-Landschaft der Schweiz beleuchtet und versucht, eine Leistungsanalyse dieser nationalen TGZ zu erstellen. Diese wird im abschliessenden Teil V in den internationalen Kontext gestellt. 4 TGZ = Technologie- und Gründerzentren. Vergleiche dazu die Definition in Abschnitt 4.9.1. 5 http://www.cambridgesciencepark.co.uk, zuletzt besucht am 7. August 2008. 6 http://www.universityparkliving.com, zuletzt besucht am 7. August 2008. 7 http://www.biosquare.org, zuletzt besucht am 7. August 2008. 8 Vgl. dazu Abschnitt 4.9.3. 9 Vgl. dazu S. Wallsten (2004)[93]. 10
  • 11. 2. Einordnung Diese Diplomarbeit zeigt im Teil III den aktuellen Forschungsstand zur TGZ-Problematik mit Schwerpunkt auf Rolle, Funktion, Finanzierung sowie Leistungsanalyse auf. Es wer- den theoretische Grundlagen und Überlegungen, welche zur Gründung solcher Zentren führen zusammengefast und übersichtlich präsentiert. Dabei orientiert sich die Arbeit an Erkenntnissen wissenschaftlicher Studien, die in unterschiedlichen Ländern durchgeführt wurden. Im Teil IV wird eine Auslegeordnung der Schweizer TGZ präsentiert. Eine solche Auf- listung besteht bisher nicht in diesem Umfang. Die anschliessende Leistungsanalyse dieser TGZ anhand der ausgewählten Leistungsindikatoren ist ebenfalls neu. 11
  • 12. 3. Material und Methoden 3.1. Literatur Abgesehen von wenigen Veränderungen im Laufe der Zeit ist der Kern des TGZ-Konzeptes weitgehend konstant geblieben.1 Entsprechend gut ist das Thema in der Literatur doku- mentiert. Resultate und Erkenntnisse aus über 20 empirischen Studien sind online oder in gedruckter Form verfügbar[39, S. 56]. Dies hängt einerseits damit zusammen, dass TGZ oftmals eine enge Verbindung zu Forschungs- und Ausbildungsstätten haben und ande- rerseits, dass auch von wirtschaftspolitischer Seite eine Nachfrage nach Analysen besteht, zumal die Zentren in gewissen Ländern mit staatlicher Beteiligung realisiert werden. Deutlich wird dieser wirtschaftspolitische Aspekt z.B. in Südkorea. Um die Wirt- schaftskrise zu überwinden, förderte die Regierung der Halbinsel mit einem staatlichen Programm die Innovationsdynamik. Der Bau von TGZ war ein Bestandteil dieses Pro- gramms. Um den Umfang der staatlichen Unterstützung der geplanten Anlagen fest- zulegen, wurden diese anhand von Kriterien kategorisiert. Herr Byung-Joo Kang, vom Department of Urban and Regional Planning der Hannam University in Daejon, Ko- rea diskutiert in seinem Artikel «A Study on the Establishing Development. Model for Research Parks»[52] diese Kategorisierung. Sein praxisorientierter Artikel bietet für die Leistungsanalyse der TGZ der Schweiz im Kapitel 9 ein hilfreiches Instrument. Ein weiterer Artikel, den es im Rahmen dieser Arbeit hervorzuheben gilt, heisst «Incu- bator best practice: A framework»und stammt von Anna Bergek und Charlotte Norrman aus dem Jahre 2008[12]. Die Autorinnen beschreiben die Messproblematik von TGZ und die damit verbundene Schwierigkeit eine best practice zu formulieren. Dabei isolierten sie Kernaufgaben von TGZ, wie Selektion, Coaching und Vermittlung. Diese bieten sich ergänzend zu den Erfolgskriterien von Kang für die Leistungsanalyse der Schweizer TGZ im Kapitel 9 an. Als ein Basisartikel in der TGZ-Thematik kann «University-related Science parks - seedbeds or enclaves of innovation?»[31] von Daniel Felsenstein bezeichnet werden. Darin prüft Felsenstein die Rolle der “Science parks as ‘seedbeds’ of innovation”[31, S. 93]. Bemerkenswert ist, dass der Artikel aus dem Jahre 1994 stammt und somit zu den ältesten in dieser Arbeit verwendeten Publikationen gehört. Die erste Hälfte des Kapitels 4 dieser Arbeit stützt sich auf das Buch «Innovationen: Wirtschaft und Politik im globalen Wettbewerb»[48] von Beat Hotz-Hart, Andreas Reu- ter und Patrick Vock. Es Werk vermittelt die grundlegenden Kenntnisse zu Innovationen im wirtschaftlichen und politischen Kontext und gilt in der Schweiz diesbezüglich als Standardwerk. Es zeichnet sich durch eine Reihe von realen Beispielen aus, welche die 1 Vgl. dazu 4.9.3. 12
  • 13. 3. Material und Methoden Theorie ergänzen. Die Autoren beschränken sich dabei nicht auf Beispiele aus der Schweiz und deren Innovationspolitik. Vielmehr wird eine globale Ansicht vermittelt. Ergänzende Informationen mit direktem Bezug zur Schweiz stammen aus dem Buch «Innovation Schweiz. Herausforderung für Wirtschaft und Politik«[47] welches von Beat Hotz-Hart, Barbara Good, Carsten Küchler und Andreas Reuter-Hofer verfasst wurde. 3.2. Methodisches Vorgehen Die grosse Fülle an Literatur, sowohl zu Innovationen als auch zu TGZ, erlaubte ein lineares Vorgehen. Die Stichwortsuche in den Verbunddatenbanken2 wirtschaftswissen- schaftlicher Magazine wie «The Journal of Technology Transfer», «Technovation»und «Journal of Business Venturing»führte zu einer Vielzahl an verfügbaren Publikationen. Anhand der Literaturangaben liessen sich weiterführende Artikel ausfindig machen. Die Verfügbarkeit der Artikel in elektronischer Form ist sehr hoch. Dies liegt wohl daran, dass die TGZ-Thematik sehr aktuell ist und nur wenige der relevanten Artikel vor dem Jahre 2000 publiziert wurden. Die Strukturierung der Arbeit ist entsprechend der vorgegebenen Problemstellung auf- gebaut, wobei das Kapitel 4 mit wissenschaftlichen Grundlagen zu Innovationen und zur Innovationspolitik ergänzt wurde, dies um ein möglichst umfassendes Bild der TGZ- Thematik aufzuzeigen. Auch wird damit eine Grundlage geschaffen, die es ermöglicht, im Teil IV essenzielle Rückschlüsse zu ziehen. Für den Teil IV wurde ausserdem eine Umfrage erstellt. Diese wird im Kapitel 5 präsentiert. Informationen zur Definitionsproblematik3 und der Frage nach der Finanzierung von TGZ4 gehen aus dem persönlichen E-Mail-Wechsel vom 18. und 29. August 2008 mit dem Physiker Dr. Thomas von Waldkirch aus Küsnacht (ZH), Initiant des Technoparks R Zürich und ehemaliger Leiter der Stabsstelle Forschung und Wirtschaftskontakte der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (ETHZ), hervor. 2 Z.B. auf «Sciencedirect», http://www.sciencedirect.com, zuletzt besucht am 9. September 2008. 3 Vgl. dazu Abschnitt 4.9.1. 4 Vgl. dazu Abschnitt 4.9.10. 13
  • 14. Teil II. Herleitung der Aufgabenstellung 14
  • 15. 3. Material und Methoden Diese Diplomarbeit beschäftigt sich mit der Frage nach der Rolle, Funktion und Fi- nanzierung von Technologie- und Gründerzentren (TGZ). Im Teil III geht es darum, zu beschreiben, welche theoretischen Überlegungen hinter der Idee der TGZ stehen und wel- chen Nutzen diese Einrichtungen für die beteiligten Unternehmen und für die Region, in der sie situiert sind, haben. Zudem wird die Rolle der TGZ im Innovationsprozess und in der staatlichen Innovationsförderung aufgezeigt. Im Teil IV wird untersucht, ob die in der Schweiz bestehenden TGZ in der Lage sind, die im Teil III aufgezeigten Rollen und Funktionen effektiv zu übernehmen. Dazu wurde eine Auslegeordnung in Form eines Kurzporträts und einer Tabellenübersicht der konkreten Einrichtungen erstellt. Des Weiteren geht diese Arbeit der Frage nach, wie solche TGZ finanziert werden und ob staatliche Finanzhilfe geleistet werden soll. Auch werden die Geschäftsmodelle aufgezeigt. Die vorliegende Diplomarbeit soll einen Beitrag zum Verständnis der Bedeutung von TGZ bieten, eine Übersicht der TGZ-Landschaft der Schweiz aufzeigen und diese analy- sieren. Um diese Ziele zu erreichen, bedarf es einer möglichst umfassenden Betrachtung der Thematik. Das Thema darf nicht auf die wirtschaftswissenschaftliche Sichtweise reduziert werden, sondern muss ergänzend aus dem Blickwinkel der Gesellschaft und der Politik betrachtet werden, da der Kontext, in den solche Zentren eingebettet sind, eine wichtige Rolle spielt. Auch die Beweggründe, die hinter der Realisation der Zentren stehen, sind wichtige Elemente der TGZ-Thematik. Dabei spielen Innovationen bzw. die Innovations- förderung eine wesentliche Rolle. Der direkte Zusammenhang von Innovation und TGZ zeigt sich bei der Definitions- und Messproblematik. Innovationen gelten als schwer greif- und definierbar. Neben der Frage, was eine Innovation überhaupt ausmacht und welche Bedingungen daran geknüpft sind, besteht die Schwierigkeit darin, den Innovationsgrad zu messen. Weder eine einheit- liche Definition noch universelle Indikatoren existieren. Dies wirkt sich entsprechend auf die TGZ-Diskussion aus. Hinzu kommt, dass auch die TGZ selbst sehr unterschiedlich definiert werden. Die Definitions- und Messproblematik wird in Abschnitt 4.1 aufgezeigt. Die Begriffe werden für die Verwendung im Rahmen dieser Arbeit im Kapitel 4 definiert. Angesichts dieser Definitions- und Messschwierigkeit stellt sich die Frage, woher der in Kapitel 1 zitierte Bill Gates die Gewissheit hat, dass Innovationen das wirtschaftliche Wachstum und somit den materiellen Wohlstand fördern. Die Antwort darauf liefert zum einen die Neue Wachstumstheorie, die in aller Deutlichkeit die Bedeutung von In- novationen zeigt[48, S. 4]. Zum anderen lässt sich diese Gewissheit auch aus historischer Sicht begründen. Der weltbekannte Ökonom Jeffrey D. Sachs zeigt in der Einführung seines Werks «Das Ende der Armut»[80] Gründe für die Entstehung des Nord-Süd-Konfliktes5 auf. Dabei führt Sachs auf, wie die USA zur Weltwirtschaftsmacht aufstiegen und erläutert, warum Afrika und andere Regionen der Erde den Aufschwung nur als Zuschauer mitverfolgen 5 Unter dem Nord-Süd-Konflikt versteht man die weltweite Polarisation eines reichen Nordens und einem armen Südens[76, S. 484]. 15
  • 16. 3. Material und Methoden konnten. Als Schlüsselkriterium dieser Spaltung definiert er die Innovationstätigkeit – und nicht etwa die Ausnutzung des Südens. Der historische Abriss der Entstehung des globalen Nord-Süd-Konfliktes wird in Ab- schnitt 4.2 aufgezeigt. Der Verweis auf den historischen Kontext ist insofern themen- relevant, da die Angst, den Anschluss an die Weltwirtschaft zu verpassen, mit Afrika ein Gesicht hat und politische Argumentation für die Innovationsförderung daher ge- sellschaftstauglich ist. Dies wissen die politischen Entscheidungsträger entsprechend zu nutzen. Für die Schweiz hat die historische Rückblende eine spezielle Bedeutung. Die Schweiz geniesst den Ruf eines sehr innovativen Standorts. Die Ansicht, dass die weitgehend feh- lenden Naturressourcen wie Erdöl, Erz oder Kupfer in der Schweiz mit Know-how und entsprechender Innovationsdynamik wettgemacht werden, ist in der Gesellschaft veran- kert. Tatsächlich bietet die Schweiz eine Reihe von Muster-Innovationen mit Weltruf. Einige sind jedoch nur noch ruhmreiche Relikte aus vergangenen Zeiten. Umso mehr häufen sich Stimmen, die davor warnen, dass sich die Schweiz auf diesen verblühenden Lorbeeren ausruht[47, S. 18]. Hinzu kommt, dass Innovationen dringender denn je sind. Im Zuge der Globalisierung haben sich viele Vorgänge enorm beschleunigt. Dazu zählen insbesondere Kommunikations- und damit auch Diffusions- und Imitationsprozesse[46, S. 166]. Dies führt zu einer Verschärfung des Standortwettbewerbs. Das Projekt in Düben- dorf6 sowie eine Reihe weiterer innovationsfördernder Massnahmen können als Beweis dafür aufgeführt werden, dass die Schweiz die Thematik ernst nimmt. In Abschnitt 4.8 wird ein Blick auf die Innovationsdynamik der Schweiz geworfen. Die TGZ spielen in der Innovations- und Wachstumstheorie eine untergeordnete Rolle. Sie sind als eines von vielen innovationsfördernden Instrumenten zu verstehen[48, S. 230], wobei deren Wirkung nicht abschliessend erforscht ist. Aufgrund der fehlenden Indikatoren, aber auch wegen der Individualität solcher Zentren ist die Wissenschaft äusserst zurückhaltend mit einem Leistungsvergleich. Dasselbe gilt für die allgemeine Formulierung einer best practice, die nicht ohne weiteres von einem TGZ auf ein anderes übertragen werden kann.7 Die Frage, ob und wie sich die öffentliche Hand an TGZ beteiligen soll, wird in der Literatur entsprechend widersprüchlich diskutiert.8 Diesbezüglich ist darauf hinzuwei- sen, dass diese Frage nicht nur für solche Einrichtungen, sondern für die ganze staatliche Innovationsförderung gilt. Die Strategien der einzelnen Nationen sind dementsprechend unterschiedlich.9 Mehr Einigkeit herrscht hingegen bei der Frage nach den Innovations- treiber: Aus heutiger Sicht sind dies v.a. die Kleinen und Mittleren Unternehmen (KMU). Dies wird in Abschnitt 4.3 aufgezeigt. Zu den TGZ in der Schweiz existieren keine wissenschaftliche Studien. Auch werden keine quantitativen und qualitativen Daten von einer zentralen Stelle erfasst und aus- gewertet. Einige TGZ führen eigene Statistiken, jedoch mit unterschiedlichen Prioritä- ten und Indikatoren. Die Frage nach der Leistungs- und Innovationsfähigkeit ist folglich 6 Vgl. dazu Abschnitt 1. 7 Vgl. dazu Abschnitt 4.9.6. 8 Vgl. dazu Abschnitt 4.9.10. 9 Vgl. dazu z.B. Hotz-Hart et al., 2004[47, S. 124 ff.]. 16
  • 17. 3. Material und Methoden auch aufgrund der unterschiedlichen Datenerfassung und -analyse schwierig. Diese Ar- beit versucht dennoch, die schweizerischen TGZ zu erfassen und anhand der Parameter der Erfolgsfaktoren von Byung-Joo Kang 10 und der Kernaufgaben von Bergek et al. (2008)11 vergleichend zu beurteilen. Die fehlende statistische Power schränkt jedoch die Aussagekraft der Resultate ein. Die abschliessende Frage nach der Finanzierung wird anhand pragmatischer und theo- retischer Gesichtspunkte beantwortet. 10 Vgl. dazu Abschnitt 4.9.7. 11 Vgl. dazu 4.9.5. 17
  • 18. Teil III. Wissenschaftliche Grundlagen 18
  • 19. 4. Definitionen und Datenlage 4.1. Innovationen Innovationen wurden in der Wirtschaftstheorie schon früh als ein wichtiger Faktor der Marktwirtschaft erkannt1. Adam Smith (1776) weist im ersten Kapitel seines Buches «Wohlstand der Nationen»[84] auf die Bedeutung von Verbesserungen des Produktions- apparates hin. Karl Marx führt in seinem Modell der kapitalistischen Wirtschaft die ständige Revolutionierung der Produktionsmittel als ein unablässiger Faktor auf, ohne den die Bourgeoisie nicht auskommt[42, S. 30]. Erst die Neue Wachstumsttheorie hat jedoch damit begonnen, sich für die Ursachen der technischen Veränderungen zu interessieren[81, S. 792]. Die Theorie, erklärt den positiven Zusammenhang von Wirtschaftswachstum und Investitionen in Forschung und Entwick- lung (FuE) und operiert in den Modellen demzufolge mit endogenen Produktinnovationen [48, S. 4]. Die makroökonomische Frage wie das Wirtschaftswachstum gefördert werden kann, wurde dadurch zur Frage, wie eine Nation ihre technischen Leistungen verbessern kann[81, S. 792]. Der positive Zusammenhang von Innovationsleistung, Wirtschaftswachstum und mate- rieller Wohlfahrt wird weitgehend von Wissenschaft, Politik und Gesellschaft akzeptiert. Die Diskussion um Innovationen bzw. deren Förderung wird somit in unterschiedlichen Umgebungen geführt und ist geprägt von einer Vielzahl an Anspruchsgruppen, die sich daran beteiligen[81, S. 793]. Wie in der Themeneinführung aufgezeigt, spielt die politische Ebene dabei eine besonders wichtige Rolle. Ein Grund dafür ist, dass die Innovationsför- derung oftmals die Freigabe von öffentlichen Geldern bedingt. Für Parteien von links nach rechts ist die Steigerung des Wohlstandes der Bevölkerung ein zentraler Programmpunkt. Entsprechend hoch ist der Stellenwert der Innovationsförderung. Dies zeigt sich beispielsweise im Koalitionsvertrag der aktuellen deutschen Regierung. Wie der folgende zitierte Ausschnitt veranschaulicht, setzt diese – neben den Investitionen – gezielt auf Innovationen, um das Wachstum im eigenen Land zu steigern[18, S. 22 ff.]. „Deutschland muss sich dem rasanten weltweiten Strukturwandel offensiv stel- len. Die Zeit drängt, die internationale Konkurrenz steht nicht still. Es muss schnell gehandelt werden (...). Ein halbes Prozent mehr Wachstum würde rund 2,5 Mrd. Euro mehr Steuereinnahmen und etwa 2,3 Mrd. Euro Mehr- einnahmen bei den Sozialversicherungen erbringen. Notwendig ist ein neu- er Wachstumsschub durch die Belebung von Investitionen und Innovationen (...).“ 1 Zu den vier Antriebskräften des Wirtschaftswachstums zählen: Menschliche Ressourcen, Natürliche Ressourcen, Kapitalbindung und Technischer Wandel/Innovation[81, S. 782 ff.]. 19
  • 20. 4. Definitionen und Datenlage Auch auf Ebene der Europäischen Union (EU) wird dem Wachstum und den Inno- vationen als deren Förderer eine grosse Bedeutung zugestanden. Im Jahre 2000 stellte die Europäische Kommission die sogenannte Lissabon-Strategie für Wachstum und Be- schäftigung vor[75, S. 1]. Die Strategie – im Jahre 2005 neu ausgerichtet – basiert auf vier Prioritäten wobei eine den Leitspruch Mehr Investitionen in Wissen und Innovation trägt. Beide Beispiele zeigen, dass einerseits die positive Korrelation von wirtschaftlichem Wachstum und technischem Wandel als unbestritten angenommen wird und andererseits, dass der besagte Zusammenhang ohne weiteren Erklärungsbedarf kommuniziert wird[42, S. 25]. Ein Politiker, der Innovationen unterstützt, darf auf die Gunst der Wähler zählen. Was verbirgt sich hinter dem Begriff Innovation? Innovation, aus den lateinischen Begriffen novus „neu“ bzw. innovatio „etwas neu Geschaffenes“, abgeleitet, ist eher als ein schwer fassbares Phänomen denn als Begriff einzustufen[30, S.1] und eine genaue Definition ist äusserst schwierig[79, S. 5]. Dies ist auf die vielseitige Verwendung des Wortes zurückzuführen. So überschneidet sich beispiels- weise die betriebswirtschaftliche Interpretation des Begriffs nicht zwingend mit derjeni- gen von Politikern oder der von Kunden, die in einem Elektronik-Fachgeschäft eine neue Digital-Kamera oder ein Mobiltelefon kaufen. Innovationen sind aber nicht nur ihrer schwierigen Definition wegen schwer erfassbar. Es fehlt auch an verbindlichen Indikatoren, um deren Grad bzw. deren Dynamik zu messen[79, S. 2]. Die Wissenschaft, die sich seit geraumer Zeit mit dem Problem beschäf- tigt, verwendet einen Kriterienkatalog, der die unterschiedlichsten Indikatoren umfasst. Deren Auswahl ist jedoch nicht einheitlich geregelt. Hinzu kommt, dass die Relevanz der gleichen Kriterien oft unterschiedlich gewertet wird. Es drängt sich dennoch zumindest der Versuch einer Definition des Begriffs, als nötige Hilfestellung für Forschung und Leh- re, Studien und Politik auf. Strategiepapiere wie jenes von Lissabon wären ohne eine genaue Begriffsdefinition von zweifelhaftem Nutzen. Eine sachliche, wenn auch sehr technische Definition ist der Innovationserhebung der Konjunkturforschungsstelle der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (KOF)[8] zu entnehmen. Wie nachfolgendes Zitat von Aventis et al., 2005[8, S. 3 ff.] zeigt, unter- scheidet die KOF zwischen Produkt- und Prozessinnovationen, wobei Produkte sowohl Güter als auch Dienstleistungen sein können. „Als Produktinnovationen gelten technisch neue oder erheblich verbesserte Produkte aus der Sicht des Unternehmens, d.h. Produkte, die hinsichtlich ihres Einsatzes, ihrer Qualität oder wegen der zu ihrer Erstellung verwendeten physischen oder interaktiven Elemente für den Nachfrager neu sind oder in ihrer Leistungsart grundlegend verbessert bzw. verändert wurden. Keine Produktneuerungen sind rein ästhetische Modifikationen von Produk- ten (z.B. Farbgebung, Styling) und Produktvariationen, z.B. aufgrund von Kundenspezifikationen, bei denen das Produkt hinsichtlich seiner technischen Grundzüge und Verwendungseigenschaften weitgehend unverändert bleibt. Prozessinnovationen beziehen sich auf den für die Unternehmung erstmaligen Einsatz technisch neuer oder erheblich verbesserter Fertigungs-/Verfahrenstechniken 20
  • 21. 4. Definitionen und Datenlage zur Herstellung von Gütern bzw. zur Erbringung von Dienstleistungen an Per- sonen oder Objekten. Zwar kann sich dabei auch das Produkt ändern, doch steht die Steigerung der Effizienz im Vordergrund. Rein organisatorische Ver- änderungen werden - sofern sie nicht unmittelbar mit einer Neuerung bei Fertigungs-/Verfahrenstechniken verbunden sind - nicht zu den Prozessinno- vationen gezählt.“ Im wirtschaftswissenschaftlichen Kontext wird diese Definition oft mit dem Kriterium Durchsetzung am Markt ergänzt. Dadurch wird betont, dass eine Innovation interes- sengesteuert ist und der Erfinder eigene oder vorgegebene Bedürfnisse zu befriedigen versucht[48, S. 2]. Eine neue Technik ist nach Hotz-Hart et al. (2001) nicht als eine „naturwüchsige Kraft“ zu verstehen, sondern als ein „soziales Phänomen, dessen profitable Nutzung es ökono- misch interessant macht“[48, S. 1]. Je nach sozialem Umgang, Abhängigkeiten und ge- sellschaftlicher Innovationsbereitschaft kann die gleiche Technik unterschiedliche Effekte haben[48, S. 1]. Das gesellschaftliche Umfeld und die ökonomischen, rechtlichen und kulturellen Rah- menbedingungen prägen daher die Innovationsdynamik einer Volkswirtschaft entschei- dend mit[48, S. 1].2 4.2. Die Wichtigkeit von Innovationen im historischen Kontext Bis vor rund drei Jahrhunderten gab es keine grossen Unterschiede zwischen Arm und Reich. Das Einkommensniveau war in China, Indien, Europa und Japan in etwa gleich niedrig. Marco Polo schreibt in seinen Berichten über die kostspieligen Wunder, die China zu bieten hatte. Über dessen Armut verliert er kein Wort. Ähnlich galt auch die Begeiste- rung Cortés’ den Reichtümern der Westafrikanischen Städte und nicht deren Armut[80, S. 41]. Heute ist die Berichterstattung eine andere. Die Kluft zwischen armen und reichen Ländern ist gross und wird als globales Problem wahrgenommen. In diesem Sinne stellt sich die Frage, wie es zu dieser Spaltung kam. Um etwa 1800 brach eine Ära der Wirtschaftsgeschichte an, die es seit Menschenge- denken noch nie gab. Die Bevölkerungszahl stieg rapide an und mit ihr das Pro-Kopf- Einkommen[80, S. 42].3 Dies war nur möglich, weil die Nahrungsmittelerzeugung dank technischer Neuerungen mit diesem rasanten Wachstum mithalten konnte[80, S. 46]. Vom wirtschaftlichen Wachstum waren jedoch nicht alle Regionen in gleichem Masse betroffen. Die reichen Regionen von heute machten die weit grösseren Fortschritte. Laut dem amerikanischen Ökonomen Jeffrey D. Sachs kam diese höchst ungleichmässi- ge Entwicklung aufgrund geringer Unterschiede des jährlichen Wachstums zustande[80, S. 45 ff.]. Das Bruttosozialprodukt (BSP) der USA pro Kopf der Bevölkerung beispielsweise 2 Vgl. dazu Abschnitt 4.7 3 Zwischen 1820 und 2000 in den USA um fast das Zwanzigfache, in Westeuropa um das Fünfzehnfache[80, S. 42]. 21
  • 22. 4. Definitionen und Datenlage nahm zwischen 1820 und 1998 im Jahresdurchschnitt um 1,7 Prozent zu. Das hatte im selben Zeitraum eine Steigerung des Lebensstandards um das 25–fache zur Folge. Dies zeigt deutlich, dass die USA nicht wegen eines überdurchschnittlichen Wachstums zur Wirtschaftsmacht wurden, sondern vielmehr aufgrund ihrer Konstanz[80, S. 46 ff.]. Als Vergleich bietet sich der Blick auf die Entwicklung der afrikanischen Staaten im selben Zeitraum an. Das Wachstum betrug 0,7 Prozent. Der Unterschied zur amerikanischen Quote scheint nicht besonders gross, über die Jahre summiert sich dieser aber enorm. Das Pro-Kopf-Einkommen in Aftika hat sich nur um das 3–fache vergrössert[80, S. 45]. Fortführend stellt sich die Frage, warum die Raten unterschiedlich waren. Dies lässt sich gemäss Jeffrey D. Sachs hauptsächlich auf die technischen Erfindungen der reichen Länder zurückführen – und nicht etwa auf die Ausbeutung der armen Länder. Auch der Stillstand der Jahre vor dem 19. Jahrhundert findet seine Begründung im Ausbleiben von Innovationen. John Maynard Keynes schrieb 1930 in seinem bekannten Essay «Economic Possibilities for Our Grandchildren»[53, S. 358]: „Das Ausbleiben wichtiger technischer Erfindungen zwischen dem prähisto- rischen Zeitalter und der vergleichsweise neuen Zeit ist wirklich erstaunlich. Fast alles, was zu Beginn der Neuzeit wirklich eine Rolle gespielt hat, war bereits dem Menschen der Vorzeit bekannt (...)“ Mit der Entwicklung der Dampfmaschine erfolgte um 1750 in Grossbritannien der gros- se Durchbruch. Der neue Energieträger heizte im wahrsten Sinne des Wortes die wirt- schaftliche Entwicklung an. Stahl, Transporteinrichtungen, Chemikalien, Arzneimittel, Kunstdünger und vieles mehr konnten dank dem Einsatz fossiler Brennstoffe in grossen Mengen produziert werden. Der zweite Durchbruch war der Einsatz von elektrischem Strom, dessen Auswirkungen auch das Dienstleistungsgewerbe antrieb[80, S. 45]. Das Zentrum der Innovationen war damals das Vereinigte Königreich[80, S. 49]. Der historische Rückblick zeigt in aller Deutlichkeit die Wichtigkeit von Innovatio- nen auf. Nur dank diesen kann ein solides Wirtschaftswachstum erzielt und eine Region vorwärtsgebracht werden[80, S. 45]. 4.3. Wo und wie Innovationen entstehen Als Hauptakteure im Innovationsprozess gelten die Unternehmer[48, S. 5]. Josef Alois Schumpeter (1942), der sich als erster von der traditionellen statischen Sichtweise des technischen Fortschritts abwendete, betonte „die Bedeutung des Unternehmers als In- novator oder als jene Person, die neue Kombinationen in Form neuer Produkte oder Organisationsmethoden einführt“[81, S. 284]. In den 60er und 70er Jahren galt die Aufmerksamkeit diesbezüglich primär den Gross- unternehmen mit einer gewissen technologischen Vormachtstellung[48, S. 39]. Sie wurden von den Regierungen als nationale Champions gefeiert und profitierten von Vorzügen in den verschiedensten Bereichen[48, S. 212]. 22
  • 23. 4. Definitionen und Datenlage Tatsächlich sind diese finanzstarken Grossunternehmen gerade in investitionsintensiven Branchen wie Chemie, Elektronik und Luftfahrt für die technologische Weiterentwicklung von Bedeutung[48, S. 39 ff.]. Mit der Förderung bzw. Bevorzugung dieser Unternehmen nimmt der Staat jedoch Einfluss auf die Innovationsschwerpunkte und läuft damit Gefahr am Markt vorbei zur fördern. Ein prominentes Beispiel einer solchen falschen staatlichen Technologieauswahl, ist das misslungene deutsche Milliarden-Projekt «Transrapid»[85, S. 182]. Auch vom strukturellen Aspekt her ist eine alleinige Förderung der Grossunternehmen zweifelhaft, da empirisch kein Zusammenhang zwischen technischem Fortschritt und ab- soluter Unternehmensgrösse nachgewiesen werden konnte[48, S. 26]. Hingegen kann sta- tistisch belegt werden, dass der volkswirtschaftlich grösste Anteil an Innovationen nicht in den Laboratorien der Grossunternehmen entsteht, sondern bei Kleinen und Mittleren Unternehmen (KMU)[48, S. 29]. Der Trend der Grossunternehmen zur Aufspaltung ihrer Organisation in kleinere selbstständige Einheiten kann als Indiz dieser These interpretiert werden. Die Multinationalen Unternehmen (MNU) wollen dadurch ihre Innovationstä- tigkeit und ihre Gewinne steigern[48, S. 29 ff.]. In der zeitgenössischen Innovationspolitik wird daher den Unternehmensgründungen grosse Bedeutung in der Innovationsdynamik zugesprochen[24, S. 1103]. Dabei sind v.a. sogenannte Start-ups gemeint. Das sind technologiebasierte Jungunternehmen. Gehen diese aus dem Wissenschafts- und Forschungssystem hervor, werden sie als Spin-offs bezeichnet[47, S. 63]. Beobachtungen von Start-ups aus den USA zeigen, dass deren positive Effekte sich nicht nur auf die Beschäftigung auswirken können, sondern sie verhelfen der heimischen Wirtschaft zusätzlich zu einer Dynamisierung. Wissenschaftlich ist der konkrete Nut- zen von Start-ups jedoch schwer nachzuweisen bzw. zu messen. Dies einerseits wegen der Schwierigkeit Innovationen zu erfassen und andererseits, weil Daten aufgrund un- terschiedlicher Begriffsdefinitionen nicht miteinander verglichen werden können[47, S. 63 ff.]. Es gibt dennoch Beispiele, an denen die Bedeutung von Start-ups hinsichtlich des Bei- trags zur Innovationsdynamik deutlich aufgezeigt werden kann. So haben beispielsweise in der Pharmaindustrie die Start-ups die Zentrallabors ersetzt und für die Innovations- dynamik von Silicon Valley sind ebenfalls weitgehend die technologiebasierten Jungun- ternehmen verantwortlich[47, S. 63]. Bei der Entstehung von Innovationen nehmen Kooperationen und Netzwerke einen ho- hen Stellenwert ein. Es konnte anhand von Studien bewiesen werden, dass eine vernetzte Organisationsform einem Alleingang überlegen ist. Dies gilt sowohl für den Innovations- grad, das Umsatzwachstum sowie für den Gewinn[47, S. 22]. Der Grund dafür ist, dass für den Erfolg einer Innovation sowohl unternehmerische und technologische als auch organisatorische Fähigkeiten optimal zusammenspielen müssen. Die Wissensgenerierung allein reicht nicht aus[47, S. 21]. Um beispielsweise die Risiken bei der Produktentwicklungen zu minimieren und die Erfolgswahrscheinlichkeit zu erhöhen, suchen sich die Unternehmen starke Partner. Diese finden sie in Hochschulen, privaten Forschungsinstituten und anderen Unternehmen[47, S. 58 ff.]. 23
  • 24. 4. Definitionen und Datenlage Netzwerke und Partnerschaften sind auch für die Schweizer Wirtschaft die gängige Form der Wissensfindung und -anwendung. Über die Hälfte der innovativen Unternehmen arbeitet mit externen Partnern4 zusammen. Dies zeigt, dass die Innovationstätigkeit tendenziell nicht nur von den Fähigkeiten einzelner Unternehmen und Menschen abhängt. Vielmehr spielt das Zusammenwirken der Akteure eine entscheidende Rolle[47, S. 59]. Die Förderung eines leistungsfähigen nationalen Innovations- und Technologienetzwer- kes ist aus volkswirtschaftlicher Sicht daher ein wichtiger Bestandteil der Innovationspo- litik [47, S. 59]. 4.4. Definition und Bedeutung von Wissensspillover-Effekten Im Zusammenhang mit der Frage der Entstehung von Innovationen spielen sogenann- te Wissensspillover-Effekte eine wichtige Rolle. Damit sind Externalitäten gemeint, bei denen technische und wissenschaftliche Informationen den Charakter eines öffentlichen Gutes haben[41, S. 84]. Die Wissensspillover-Theorie operiert dabei mit den beiden Variablen Zeit und Raum und besagt, dass die Wirkung der Externalitäten und die Wissensdiffusion nicht gleich- mässig verlaufen sondern von regionalen Mustern stark beeinflusst werden[41, S. 86]. Der Transfer von neuem Wissen in beispielsweise Produktionseinrichtungen erfolgt da- her unterschiedlich. Dies kann wiederum regional zu unterschiedlichem Produktions- und Einkommenswachstum führen[41, S. 86]. Bei Wissensspillover-Effekten wird von einer raumgebundenen Wirkung ausgegangen und die Externalitäten stehen nur innerhalb ge- wisser Distanzen als öffentliches Gut zur Verfügung. Nicht nur bei den Wissensflüssen in technologisch besonders fortschrittlichen Sektoren spielen Wissensspillover-Effekte eine wichtige Rolle. Sie können auch für die Produk- tivität eines Arbeiters von Bedeutung sein, z.B. wenn dieser durch Nachahmung oder sogenanntes Learning-on-the-Job Fähigkeiten erwirbt und ausbaut. Auch in diesem Fall ist eine räumliche Gebundenheit offensichtlich[41, S. 84]. Für die regional gebundene Verfügbarkeit von Wissen existieren zahlreiche Begründun- gen. Diese hängen primär mit den Transfermechanismen und -möglichkeiten zusammen[41, S. 86]. Wissensspillover-Effekte sind bis heute nicht quantifizierbar[74, S. 562]. 4.5. Definition und Bedeutung des Wissenstransfers Im Wissenstransfer unterscheidet man zwei Akteure: Den Erfinder (Innovator) und den Nutzer. Der Innovator kann ein Unternehmen mit einem technologischen Schwerpunkt, ein Forscher, Entdecker, Designer, ein Besitzer von Patenten etc. sein. Der Kunde ist 4 Dazu zählen: Kunden, Zulieferer, potenzielle und tatsächliche Konkurrenten, Bildungseinrichtungen der Sekundär- und Tertiärstufe, FuE-Laboratorien sowie der Staat und seine innovationspolitischen Förderorganisationen[47, S. 21]. 24
  • 25. 4. Definitionen und Datenlage oftmals eine kommerzielle Firma. Sie bringt die neuen Produkte und Dienstleistungen auf den Markt[41, S. 86]. Beim Wissenstransfer geht es darum, den Graben zwischen den beiden Akteuren zu überwinden, indem die optimalen Partner miteinander in Kontakt gebracht werden und ein entsprechender Zusammenarbeitsvertrag erstellt wird[33, S. 95]. Je nach Wissensform kann das äusserst schwierig sein. Dies gilt insbesondere für neu gewonnene Einsichten, die sprachlich nur schwierig darstellbar und kodifizierbar sind. Auch das Kommunika- tionsverhalten des Wissensinhabers hat einen entscheidenden Einfluss auf den Transfer des Wissens. Die Dimension Raum ist dabei eine wichtige Komponente, da einerseits die räumliche Nähe die informelle Kommunikation zwischen Wissensträgern vereinfacht und andererseits, weil der Wissensträger aufgrund von Transaktionskosten-Überlegungen eine regional begrenzte Kooperationsform einer räumlich unbegrenzten Form vorziehen wird[41, S. 86]. 4.6. Definition und Bedeutung von Agglomerationseffekten Der Begriff Agglomerationseffekt ist in der Industriestandortlehre und in der Raumwirt- schaftstheorie von grosser Bedeutung[1]. Im Zusammenhang mit TGZ spielen v.a. die positiven Agglomerationseffekte eine Rolle. Dies sind Kostenersparnisse, die aufgrund der räumlichen Ballung zustande kommen. Sie werden weiter unterteilt in interne und externe positive Agglomerationseffekte. Interne Ersparnisse resultieren aus der innerbe- trieblichen Konzentration an einem Standort. Die Kostenvorteile gehen aufgrund soge- nannter Skaleneffekte, innerbetriebliche Verbunde sowie Optimierung der Organisation zurück[1]. Bei den externen positiven Skaleneffekten ergeben sich die Kostenvorteile durch räum- liche Nähe zu anderen Betrieben, Infrastruktureinrichtungen, Informationsquellen und zum Arbeits- und Absatzmarkt. Die externen positiven Agglomerationsvorteile werden unterteilt und zwar in Lokalisations- und Urbanisationsvorteile. Erstere sind Erspar- nisse, die aufgrund der räumlichen Konzentration von branchengleichen Betrieben und somit der gemeinsamen Nutzung spezifischer Arbeitsmärkte, Zulieferbetriebe oder For- schungseinrichtungen wegen entstehen. Die Urbanisationsvorteile sind allgemeine Ver- städterungsvorteile, die aufgrund der Marktgrösse und der Infrastruktur-Ausstattung entstehen[1]. Agglomerationsnachteile bzw. negative Agglomerationseffekte sind beispielsweise Ver- kehrsstau, Umweltverschmutzung etc. Diese Kosten schlagen sich nur bedingt in der betrieblichen Kostenrechnung nieder[1]. 4.7. Das Nationale Innovationssystem (NIS) Wie in Abschnitt 4.3 aufgezeigt, geht der technologische Fortschritt auf eine Vielzahl verschiedener Akteure zurück. Dabei handelt es sich nicht nur um Innovatoren oder bestimmte Nutzer. Auch Wettbewerbsrecht, Offenheit der Märkte, Regulierungen und 25
  • 26. 4. Definitionen und Datenlage Abbildung 4.1: Modell eines Nationalen Innovationssystems nach Arnold und Kuhlmann, 2001[55, S. 2]. daraus folgende administrative Belastungen und Abgabenlasten beeinflussen die Innova- tionen bzw. die Innovationsdynamik entscheidend mit. Betrachtet man dieses Netzwerk als ein makroökonomisches System, spricht man von einem sogenannten Nationalen In- novationssystem (NIS)[47, S. 27]. Nach internationalem Verständnis ist ein Nationales Innovationssystem „die Kulturlandschaft all jener Institutionen, die wissenschaftlich for- schen, Wissen akkumulieren und vermitteln, die Arbeitskräfte ausbilden, Technologie entwickeln, die innovative Produkte und Verfahren hervorbringen sowie verbreiten; hier- zu gehören auch einschlägige regulative Regimes (Standards, Normen, Recht) sowie die staatlichen Investitionen in entsprechende Infrastrukturen“.[36, S. 99 ff.] Anhand dieser Definition wird deutlich, dass der technologische Fortschritt in einem NIS ein kulturell geprägter Begriff ist. Das System entwickelt sich über viele Jahre und ist entsprechend pfadabhängig. Folglich gibt es keine theoretischen und empirischen Re- ferenzgrössen, anhand derer ein optimales Innovationssystem definiert werden kann[48, S. 150ff]. Auch verhindert diese Pfadabhängigkeit eine radikale Umorientierung innerhalb kurzer Zeit. Es ist auch kaum sinnvoll vorhandenes, traditionsreiches technisches und betrieb- liches Know-how durch etwas grundsätzlich Neuartiges zu ersetzen. Vielmehr muss sich eine Region bzw. eine Nation bei der Suche nach neuen Geschäftsfeldern sowie neuen Anwendungs- und Umsetzungsmöglichkeiten darum bemühen, dass sie dort ihre bereits vorhandenen Stärken effizient einsetzen kann[48, S. 299]. Die Schweiz ist in ihrem historisch gewachsenen Netz v.a. in den kontinentaleuropäi- schen Industriestaaten verankert, was auf geografische Gründe zurückzuführen ist[48, S. 287]. 26
  • 27. 4. Definitionen und Datenlage Die Abbildung 4.1 zeigt die Akteure eines Nationalen Innovationssystems schematisch auf[55, S. 2]. 4.8. Die Innovationstätigkeit der Schweiz Die Innovationstätigkeit ist für die Schweiz von besonderer Bedeutung für das Wirt- schaftswachstum, da das Niveau der geleisteten Arbeitsstunden bereits sehr hoch liegt und die für das Wachstum nötige Steigerung der Arbeitsproduktivität nur anhand neuer Technologien möglich ist[47, S. 19 ff.]. Dabei blickt die Schweiz auf eine lange Tradition hoher Innovationstätigkeit zurück. In den vergangenen Jahrzehnten haben die Unternehmen und Institutionen immer wieder gute Ideen hervorgebracht. Die daraus entwickelten innovativen Produkte und Dienstlei- tungen wurden auf der ganzen Welt erfolgreich abgesetzt[47, S. 18]. Der folgende Auszug aus der Schriftenreihe «Schweizer Pioniere der Wirtschaft und Technik»des Vereins für Wirtschaftshistorische Studien präsentiert einige prominente Beispiele:5 1867 erfand Henri Nestlé das Kindermehl (Milchpulver). Eine weitere Innova- tion im Bereich der Lebensmittel gelang Julius Maggi 1886 mit der Herstel- lung von Beutel-Suppe. Das weltweit bekannte Armee-Taschenmesser wurde 1897 von Karl Elsener patentiert. Das Unternehmen Alusuisse stellte 1912 die dünne Alufolie vor. Martin Othmar Winterhalter entwickelte 1923 den Reissverschluss Riri. 1938 erfand Max Morgenthaler den Nescafé. Auch im Bereich der Informatik ist die Schweiz mit Pionierleistungen vertreten: 1968 erfand Niklaus Wirth die Programmiersprache Pascal und 1981 entwickelten Jean Daniel Nicoud und Daniel Porel die Computermaus Logitech. Hinzu kommen bahnbrechende Medikamente, Gründungen von Institutionen mit Weltruf und wissenschaftliche Erkenntnisse mit nachhaltigen Auswirkun- gen. Nach einer leichten Abschwächung um die Jahrtausendwende6 ist die Schweiz zurück an der Spitze und weist gemäss der neusten Studie der Konjunkturforschungsstelle der Eid- genössischen Technischen Hochschule Zürich (KOF) zwischen 2003 und 2005 eine stabile Innovationstätigkeit auf[54]. Der Vorsprung der Schweizer Firmen auf ihre Konkurrenten, insbesondere jenen aus Deutschland und Skandinavien, verkleinerte sich jedoch[54]. Im Global Competitiveness Index 2007–2008[96] konnte die Schweiz den Spitzenplatz aus dem Vorjahr nicht mehr halten und rangiert neu auf Rang zwei. Dies sowohl in der Gesamtwertung als auch in der Kategorie «Innovationen». Ebenfalls auf Rang zwei ist die Schweiz im Europäischen Innovationsindex 2005[70, S. 10], welcher sich aus 25 Indikatoren zusammensetzt und v.a. Innovationstreiber, Wissensgenerierung, Innovation und Entrepreneuership sowie die Anwendung geistigen Eigentums berücksichtigt. 5 Eine chronologische Zusammenstellung ist auf http://www.muellerscience.com/SPEZIALITAETEN/ Schweiz/Beruehmte_Schweizer.htm abrufbar, zuletzt besucht am 3. September 2008. 6 Vgl. dazu z.B. der «International Benchmark Report 2002»des Basler Wirtschaftsforschungsinstitutes BAK Basel Economic[10, Part B, S. 44 ff.]. 27
  • 28. 4. Definitionen und Datenlage Bei der Interpretation solcher Studien gilt es zu beachten, dass die empirische Erfassung von Innovationen bzw. der Innovationstätigkeit sehr schwierig ist.7 Jeder Indikator ist mit Messfehlern behaftet und berücksichtigt nur Teilaspekte des Innovationsverhaltens. Zudem verfolgen die Unternehmen je nach wirtschaftlichem Umfeld (Branchenzugehörig- keit, Konkurrenzverhältnisse etc.) unterschiedliche Innovationsstrategien[9, S. 21]. Dies äussert sich z.B. beim oft verwendeten Indikator der quantitativen Patentanmeldungen. Dieser ist für den Dienstleistungssektor irrelevant, da Innovationen dieser Branche nicht patentiert werden können. Auch haben gewisse Studien eine schwache wissenschaftliche Grundlage und basieren teilweise sogar auf Einzelbeobachtungen[9, S. 9]. Die Daten sind daher im besten Fall als eine Approximation des Innovationserfolges zu verstehen[48, S. 24]. In der Zukunft muss die Schweiz ihre Standortattraktivität und das Wohlstandsniveau hoch halten. Dabei muss sie sich am Innovationswettbewerb ausrichten und die dafür notwendige Dynamik und Aggressivität aufbringen[47, S. 19] sowie eine gezielte Stra- tegie verfolgen. Die Förderung der Kleinen und Mittleren Unternehmen (KMU), die als «Quellen»von Innovationen gelten, spielt dabei eine entscheidende Rolle. Aktuell machen diese gemäss der Studie der Konjunkturforschungsstelle der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (KOF) eine sehr gute Figur. Die Schweiz hält diesbezüglich im inter- nationalen Vergleich den ersten Rang[54]. 4.9. Technologie- und Gründerzentren (TGZ) 4.9.1. Definition In der englischsprachigen Literatur findet man im Zusammenhang mit Zentren, die das Jungunternehmertum und den Wissenstransfer fördern, eine Reihe unterschiedlicher Be- griffe ([14, S. 268 ff.], [39, S. 59]). Dies ist problematisch, da es anhand der variierenden Begriffe schwierig ist, ein Verzeichnis der Anlagen zu erstellen. Systematische Forschungs- arbeit ist jedoch auf eine solche Information angewiesen[39, S. 59]. Auch aus Sicht der Betreiber der Zentren besteht der Drang, die Unterscheidung der TGZ-Typen so klar wie möglich zu machen. Nur so kann über Synergiemöglichkeiten und Konkurrenzsituationen entschieden werden8. In der englischen Literatur scheint sich zum Begriff «Incubator»eine Einigung abzu- zeichnen. Im Rahmen dieser Arbeit wird dieser Begriff mit «Gründerzentrum»übersetzt. Dabei gilt es zu betonen, dass in der deutschsprachigen Literatur u.a. auch der Begriff «Inkubatoren«Verwendung findet. Es drängt sich jedoch für diese Arbeit eine, wenn auch sprachlich nicht ganz korrekte, Übersetzung auf. Gründerzentren können nach Peters (2004) als „eine unterstützende Umgebung für Start-ups und Jungunternehmen, die Arbeitsplätze schafft, das Wirtschaftswachstum und den Technologietransfer fördert“ beschrieben werden[71, S. 83]. 7 Vgl. dazu Abschnitt 4.1. 8 Diese Information stammt aus dem E-Mail-Wechsel mit Dr. Thomas von Waldkirch aus Küsnacht (ZH) vom 18. August 2008. 28
  • 29. 4. Definitionen und Datenlage In der Wissenschaft hat sich die Definition des Begriffs Gründerzentren anhand von vier Angebotsleistungen durchgesetzt[12, S. 21]: • gemeinsam genutzte Räumlichkeiten, die zu mehr oder weniger angemessenen Prei- sen vermietet werden • verschiedene Dienstleistungen, die gemeinsam genutzt werden, um Kosten zu sparen • Professionelles Coaching • Aufbau, Pflege und Vermittlung eines internen und externen Netzwerkes In der Literatur werden die einzelnen Angebote unterschiedlich gewertet. Auch sind Veränderungen in deren Gewichtung über die Zeit zu beobachten. Während zu Beginn der Forschung die Vermietung von Anlagen und das Anbieten administrativer Dienstleis- tungen als Kernaufgaben von Gründerzentren definiert wurden, hat in jüngster Zeit der Business-Support an Bedeutung gewonnen[71, S. 88]. Diese Verlagerung der Kernkompetenzen ist gemäss Anna Bergek et al. (2008) zu begrüssen, da sich dadurch das Gründerzentrum klarer von einem Hotel unterscheiden lässt[12, S. 21]. Die Vermietung von Räumlichkeiten und Anlagen ist dennoch zentraler Bestandteil des Konzeptes eines Gründerzentrums. Neben den kostenrelevanten Vorteilen begünstigt die gemeinsame Nutzung von Anlagen und Ressourcen den Wissenstransfer und Erfahrungsaustausch zwischen den im Zentrum angesiedelten Unternehmen[12, S. 21]. Abgesehen von den aufgezählten vier Basisangeboten, anhand deren Gründerzentren grob definiert werden können, gibt es keinen weiteren gemeinsamen Nenner[12, S. 21]. Unterschiedliche Auffassungen bestehen beispielsweise darin, ob ein Gründerzentrum eher als eine Organisation oder als eine räumliche Umgebung für Unternehmen einzustufen ist[72, S. 168]. Auch die Wachstumsphase, in der sich die Mieter in einem Gründerzentrum befinden, ist mangels Einstimmigkeit in der Literatur nicht definierbar. Einige Wissenschaftler setzen diesbezüglich Gründerzentren den Technologie- und Wissenschaftsparks gleich, andere unterscheiden die Begriffe je nach Entwicklungsphase der Unternehmen[12, S. 21]. Eine überwiegende Anzahl von Forschern ist der Ansicht, dass Gründerzentren primär für Unternehmen konzipiert sind, die sich in einer frühen Entwicklungsphase befinden.9 Diese Unternehmen haben eine Geschäftsidee, welche jedoch noch nicht ganz ausgereift ist. Auch der Businessplan ist noch nicht vollständig entwickelt. Die Gründerzentren hel- fen diesen Firmen, lebensfähige Unternehmen zu werden[35, S. 115]. Diese Ansicht ist kompatibel mit der Definition von Brooks (1986), welcher Gründungszentren als Brücke zwischen neuen Ideen und dem Versuchsstadium beschreibt[16, S. 24]. In diesem Sinne sollte der Begriff nicht im Zusammenhang mit Zentren und Parks verwendet werden, die etablierte Unternehmen unterstützen[12, S. 22]. Anna Bergek et al. (2008) beschreiben Letztere als Wissenschafts- und Technologieparks[12, S. 22]. Dies entspricht auch der 9 Vgl. dazu z.B. Grimaldi (2005)[35]. 29
  • 30. 4. Definitionen und Datenlage Abgrenzung nach Thomas von Waldkirch,10 der die wissenschaftliche TGZ-Diskussion der Schweiz entscheidend prägt. Er unterscheidet zwischen Gründerzentren, Technologie- parks und Science-Parks. Das Markenzeichen von Gründungszentren ist gemäss seinen Aussagen die «Förderung des Sich-Selbstständig-Machens». Mieter sind Dienstleister, Gewerbebetriebe, Kunstschaffende und Technologiefirmen. Science-Parks zeichnen sich durch die Ansiedlung von Technologiefirmen aus. Eingemietet sind demnach primär be- stehende und grössere Technologiefirmen, Dienstleister und Gewerbebetriebe. Die Nähe zu Hochschulen ist als Attraktion nötig. Technologieparks hingegen fokussieren auf den Technologietransfer und die Innovation. Die Mieterschaft besteht aus neuen und beste- henden Technologiefirmen, Dienstleistern und Gewerbebetrieben. Der direkte Kontakt zu Hochschulen und Fachhochschulen ist gewünscht. Diese Definition wird im Rahmen dieser Arbeit für den Begriff Technologiezentren übernommen. In der Schweiz fällt im Zusammenhang mit TGZ vereinzelt der Begriff «Technopark». Dieser wurde im Jahre 1995 als Marke beim Eidgenössischen Amt für Eigentum unter der Registrationsnummer P-429338 eingetragen. Besitzer der Marke ist die Technopark R Immobilien AG[89]. Im Abschnitt Waren und Dienstleistungen der Eintragung ist eine ausführliche Beschreibung der Marke aufgeführt. Diese reicht von der Organisation und Führung von Unternehmen, Jungunternehmerförderung über Immobilienhandel, Bauma- nagement bis hin zur Organisation von Symposien und Seminaren. Der Markenschutz gilt nur innerhalb der Schweiz. In der englisch sprachigen Literatur trifft man dennoch selten auf den Begriff Technopark. Es bleibt die Definition der Wortkombination Technologie- und Gründerzentrum (TGZ). Innerhalb dieser Arbeit steht TGZ als Überbegriff aller innovationsfördernden Anlagen und Umgebungen. Diese Auslegung schliesst insbesondere die aufgeführte Definition des Begriffs Gründerzentrum anhand der vier Angebotsleistungen sowie die Definition von Technologieparks von Thomas von Waldkirch ein. Bezüglich der in einem TGZ eingemie- teten Unternehmen gilt es zu betonen, dass diese primär im Hightech-Bereich tätig sind. Ihr Alter bzw. ihre Entwicklungsstufe ist nicht relevant. Die Definition von TGZ als ein Überbegriff verlangt nach einer Auflistung der diesem Begriff untergeordneten Elemente. Eine endgültige Auslegung ist jedoch nicht möglich. Die Literatur ist uneinheitlich und es entstehen immer wieder neue Namen. Hinzu kommt, dass gewisse Ausdrücke nur sehr ungenau in die deutsche Sprache übersetzt werden kön- nen (z.B. Incubators, seedbeds u.a.). Es gibt dennoch Ansätze, die unterschiedlichen Klassen von TGZ zu beschreiben. Ein solcher stammt von der Regierung Südkoreas. Die Beweggründe dafür sind auf das staatli- che Innovationsförderungsprogramm zurückzuführen. Die südkoreanische Regierung hat zusammen mit dem Internationalen Währungsfond (IWF) die TGZ im eigenen Land sehr stark und gezielt unterstützt.11 Für diese Förderung erstellte die zuständige Behör- de sechs Kategorien. Entsprechend der Einteilung eines TGZ wurden die Subventionen vergeben[52, S. 204]. Byung-Joo Kang von der Hannam University in Daejon kritisierte 10 Diese folgenden Informationen stammt aus dem E-Mail-Wechsel mit Dr. Thomas von Waldkirch aus Küsnacht (ZH) vom 18. August 2008. 11 Vgl. dazu Abschnitt 4.9.9. 30
  • 31. 4. Definitionen und Datenlage die damalige Kategorisierung als zu wenig wissenschaftlich fundiert[52, S. 203]. Er arbei- tete ein neues Raster aus und ordnete jeder Klasse ein TGZ-Beispiel zu[52, S. 204]. Die Klassifizierung ermöglicht je nach räumlicher Dimension sowie Zielsetzung und Funktion eine Abgrenzung der verschiedenen TGZ-Typen. Im Folgenden wird die Einteilung nach Kang aufgezeigt. 4.9.2. Klassifizierung von TGZ nach Kang Klassifizierung nach der physikalischen Erscheinung Hier werden nach Byung-Joo Kang[52, S. 204] drei Typen unterschieden: • kompakte Anlagen • verstreute Anlagen • gruppierte Anlagen12 Kompakte TGZ konzentrieren sich auf ein paar Gebäude oder ein kleines Gebiet. Dies er- möglicht einen einfachen und effektiven Informationsaustausch innerhalb des Zentrums. Diese Eigenschaft wird dem Austausch- und Kontaktbedürfnis der Forscher gerecht. Die Management-Kosten eines solchen TGZ sind verhältnismässig niedrig. Das Konfliktpo- tenzial zwischen den Mietern ist bei einer Ansiedlung von FuE und Produktion an ein und demselben Platz jedoch hoch, was ein entscheidender Nachteil dieses Konzeptes ist. Kompakte TGZ werden v.a. in wirtschaftlichen Ballungszentren gegründet. Ein Beispiel dafür sind die Research Parks in New York[52, S. 205]. Bei grossen und langfristigen Projekten ist es aufgrund des erwähnten Konfliktpoten- zials kompakter Zentren optimaler, ein verstreutes TGZ zu initiieren. Die Anlagen und Einrichtungen sind auf mehrere Gebäude verteilt. Diese verstreute Anordnung führt zu einem Anstieg der Management-Kosten und einem Effizienzverlust im Informationsaus- tausch. Gruppierte TGZ sind ein Mix von verstreuten und kompakten Anlagen, d.h. im TGZ sind in sich kompakte Anlagen verstreut angeordnet. Für diese Klasse spricht, dass der Gesamtnutzen durch die Ansiedlung von kleinen Firmen und Forschungseinrichtungen mit ähnlichen Schwerpunkten am gleichen Ort innerhalb des Zentrums gesteigert werden kann. Die Anordnung verschafft dem TGZ eine gewisse Exklusivität und wird attraktiv. Für Byung-Joo Kang steht diese Klassifizierung für Research Parks im Allgemeinen[52, S. 205]. Klassifizierung nach der Grösse Entsprechend der räumlichen Grösse unterscheidet Byung-Joo Kang drei Typen[52, S. 204]: • kleine Anlagen, die sich auf ein Gebäude konzentrieren 12 Byung-Joo Kang beschreibt diese Klasse als mixed. 31
  • 32. 4. Definitionen und Datenlage • grosse Anlagen, die sich über ein weites Gelände erstrecken • sogannte Technopolis-Parks, die mit kleinen Städten verglichen werden können Bei hohen Land- und Mietpreisen sind Zentren, die sich auf ein zentrales Gebäude konzentrieren aus Kostengründen am sinnvollsten. Die Hauptmieterschaft dieser Anlagen sind kleine Start-ups und Venture-Unternehmen, die für ihre Tätigkeiten wenig Platz benötigen. Wiederum führt Byung-Joo Kang als Beispiel die Research Parks in New York auf[52, S. 205]. In grossen TGZ wie z.B. dem Kumamoto Techno Research Park in Japan, die sich über ein weites Gelände erstrecken, belegen die einzelnen Unternehmen ein eigenes Gebäude, das im Idealfall auf die Mieterschaft zugeschnitten ist. Diese TGZ-Typen benötigen ein gut funktionierendes Management-Center, welches den über das weite Gelände verteil- ten Mietern verschiedene Dienstleistungen anbietet und etwaige Konflikte zwischen den Unternehmen schlichtet[52, S. 204]. Technopolis-Parks führen Bildung, Kultur, Forschung und Business-Institutionen zu- sammen. Verständlicherweise wird dafür ein sehr grosses Grundstück benötigt. Entspre- chend gross ist der für die Realisation nötige finanzielle Aufwand. Die Umwandlung eines bestehenden Parks (z.B. eines Industrieparks) kann den Aufwand und die Kosten erheblich reduzieren[52, S. 204]. Die Tsukuba Science City in Japan ist ein Beispiel eines solchen TGZ[52, S. 205]. Klassifizierung nach Zielsetzung und Funktion Byung-Joo Kang definiert fünf unterschiedliche Zielsetzungen und Funktionen, die TGZ verfolgen[52, S. 204 ff.]: • Forschung und Entwicklung FuE • Entwicklung technologischer Innovationen • Entwicklung von Basis-Technologie • industrielle Umstrukturierung • mehrere Ziele gleichzeitig In den FuE-lastigen TGZ hat die Forschung und Entwicklung (FuE) erste Priorität. Fabrikationsbetriebe sind entsprechend in der Minderheit. An dieser Zielsetzung wird kritisiert, dass die regionale Entwicklung nur wenig profitiert[52, S. 204]. Byung-Joo Kang zählt den Surrey Research Park aus Guildford (UK) zu dieser Klasse[52, S. 205]. TGZ mit dem Schwerpunkt in der Entwicklung von technologischen Innovationen sind verhältnismässig klein. Das Ziel dieser Zentren ist es, den Start-ups und den etablierten Firmen einen Innovationsschub zu geben und neue Arbeitsplätze zu schaffen[52, S. 204]. TGZ, deren Fokus die Entwicklung von Basis-Technologien ist, werden in Regionen gegründet, die sich wirtschaftlich nur zögerlich entwickeln, aber prominente technische 32
  • 33. 4. Definitionen und Datenlage Hochschulen und Universitäten besitzen. Das Ziel dieser Zentren ist es, eine regiona- le Technologiegrundlage zu etablieren, indem sie Forschungsinstitutionen anziehen bzw. schaffen[52, S. 204]. Der Research Park in Kanakawa (J) ist ein Beispiel dafür[52, S. 205]. Der Hsinchu Industrial Park in China wurde gebaut, um die industrielle Umstruk- turierung herbeizuführen. Dies geschieht durch ein aktives Anwerben von Hightech- Unternehmen als Mieter[52, S. 204]. TGZ wie die Tsukuba Science City verfolgen mehrere Ziele[52, S. 205]. Sie sind ver- gleichbar mit kleinen Städten und bieten den Wissenschaftlern und deren Familien mit Ausbildungseinrichtungen, Wohnungen, kulturellen Angeboten etc. ein vielfältiges Ange- bot. Diese Zentren sind in der Nähe grosser Städte angesiedelt[52, S. 204]. Der Innovati- onspark Dübendorf ist m.E. in dieser Klasse einzuordnen. Klassifizierung nach dem Management-Typ Beim Management eines TGZ unterscheidet Byung-Joo Kang fünf Typen[52, S. 205 ff.]: • Universitäten • Regierungen (national, lokal) • Partnerschaften13 • Entwickler • Non-Profit-Organisationen (NPO) TGZ unter der Leitung einer Universität oder Hochschule werden gegründet, um die Forschungsresultate zu kommerzialisieren. Dadurch wird versucht, einen Beitrag zur re- gionalen Wirtschaftsförderung zu leisten. Diese TGZ zeichnen sich aufgrund der finan- ziellen Einschränkungen durch verhältnismässig kleine Flächen aus. Sie sind oftmals auf FuE oder auf die Entwicklung technologischer Innovationen ausgerichtet[52, S. 205]. Ein prominentes Beispiel dieser Klasse ist der Cambridge Science-Park[52, S. 206]. TGZ unter staatlichem Management sind eher auf grossen Flächen angesiedelt. Das Ziel dieser Zentren ist es, der Region im nationalen Innovationswettbewerb Vorteile zu verschaffen. Die Entwicklungsfortschritte solcher Anlagen sind bereits nach einer kurzen Zeitperiode sichtbar. Es findet wenig Kooperation zwischen den regionalen Forschungs- instituten und Industrien statt[52, S. 205]. Zu dieser TGZ-Klasse zählt Sophia Antipolis in Antibes, Frankreich[52, S. 206]. TGZ unter dem Management einer lokalen Behörde werden gegründet, um die lokale Wirtschaft anzukurbeln. Dies geschieht mit der Förderung von kleinen Start-ups sowie mit der Innovationentätigkeit bestehender Unternehmen[52, S. 206]. Partnerschafts-TGZ werden von Stiftungen geführt und von der lokalen Regierung, Universitäten und Privatunternehmen gestützt. Die Beiträge der Universitäten liegen in den Bereichen Forschung, Personal und Anlagen. Die lokale Regierung stellt das Land 13 Engl.: Joint partnership 33
  • 34. 4. Definitionen und Datenlage zur Verfügung und die Privatunternehmen steuern ihren Teil mit dem Gebäudebau und der Entwicklung des Geländes bei[52, S. 206]. Ein grosser Teil der japanischen TGZ zählt zu dieser Klasse[52, S. 206]. Zu einem weiteren TGZ-Typ zählen Zentren, die von den Entwicklern selbst gegründet werden. Diese sind um Metropolen wie New York und Tokio herum angesiedelt. Der Landpreis ist entsprechend hoch. Das Gelände und die Anlagen werden aufgeteilt und vermietet bzw. verkauft[52, S. 206]. Non-Profit-Organisationen NPO sind an der regionalen Entwicklung interessiert und wollen mit den TGZ unter ihrem Management die regionale Wirtschaft beleben. Die Miet- preise in diesen Zentren sind angemessen, was eine entsprechende Nachfrage generiert[52, S. 206]. 4.9.3. Verbreitung Das erste Gründerzentrum war das Batavia Industrial Center in Batavia, New York. Es wurde im Jahre 1959 eröffnet. Das rund 80’000 Quadratmeter grosse Gelände stand nach dem Auszug einer grossen Firma leer. Ein Nachmieter für das ganze Gebäude war schwer zu finden, daher unterteilte der Besitzer die Räumlichkeiten und vermietete sie unter- schiedlichen Unternehmen. Bei einigen bestand die Nachfrage nach Business-Ratschlägen und Hilfe bei der Kapitalsuche[39, S. 57]. In den 1960er und 1970er Jahren verbreitete sich die Gründerzentrums-Idee nur lang- sam. Die meisten Anlagen wurden in urbanen Zonen erstellt mit dem Ziel, die dortige wirtschaftliche Entwicklung anzukurbeln. Das in den 1970er Jahren ins Leben gerufe- ne National Science Foundation’s Innovations Centers Program verschaffte dem TGZ- Konzept einen Aufschwung. Das Ziel des Programms war es eine best practice für die Kommerzialisierung technologischer Erfindungen festzuhalten[39, S. 57]. Der Blick auf die in Abbildung 4.2 dargestellte quantitative Entwicklung der Science- Parks in den USA zeigt einen starken Zuwachs in den 1980er Jahren. Dieses Wachstum ist u.a. auf das Inkrafttreten des sogenannten Bayh-Dole-Acts zurückzuführen[52, S. 203]. Das Gesetz – 1980 in den USA eingeführt – erlaubt es den Wissenschaftlern, die Resultate von staatlich geförderter Forschung patentieren und lizenzieren zu lassen ([43, S. 13], [68, S. 102]). Somit bildet der Bayh-Dole-Act für die Universitäten einen monetären Anreiz, den Technologietransfer mit der Industrie möglichst effizient zu gestalten. Vor Inkrafttreten des Gesetzes gehörten die von Universitäten und Hochschulen angemeldeten Patente derjenigen Bundesbehörde, die die Forschungsarbeit förderte. Mitunter als Folge des Bayh-Dole-Act schnellte die Anzahl der Patentanmeldungen in die Höhe[68, S. 100]. In Europa wurden die ersten TGZ – oft in einer Partnerschaft zwischen nationalen und regionalen Regierungsstellen, Privatunternehmen und Universitäten – in den späten 1960er und frühen 1970er Jahre gegründet. Wie in den USA stieg in den 80er und 90er Jahren deren Anzahl stark an, wobei die amerikanischen Vorbilder aus den USA eine grosse Rolle spielten[24, S. 1105]. In Grossbritannien wurde in den 1980er Jahren mit dem Bau von TGZ begonnen. Heute sind auf der Insel mehr als 40 Anlagen in Betrieb[33, S. 93]. In Italien sind es 34
  • 35. 4. Definitionen und Datenlage Abbildung 4.2: Die Anzahl Science-Parks von 1951 bis 1998 in den USA[56, S. 1326]. gemäss des Verbandes der Science und Technology Parks Italien (APSTI) 31 Anlagen14. Österreich zählt 110 Technologie-, Impuls- und Gründerzentren.15 Der Bundesverband der deutschen Innovations-, Technologie- und Gründerzentren sowie Wissenschafts- und Technologieparks (ADT) zählt 154 Innovations- und Gründerzentren16. In der Schweiz wurde das erste TGZ im Jahre 1993 in Zürich eröffnet. Heute zählt der Verein Swiss- Parks.ch insgesamt 18 Mitglieder, wobei eines ein virtuelles TGZ ist und ein Mitglied in der Zwischenzeit zu einem Gewerbezentrum wurde.17 4.9.4. Übersicht möglicher Kernaufgaben Nach Felsenstein[31, S. 93 ff.] hat ein TGZ zwei Ziele: einerseits “to play an incubator role, nurturing the development and growth of new, small, high-technology firms, facilitating the transfer of university know-how to tenant companies, encouraging the development of faculty-based spin-offs and stimulating the developement of innovative products and processes” und andererseits die Aneignung der Eigenschaften “of a growth sector leading the area under question into a spiral of propulsive expansion”. Nur ein Innovationen generierendes Umfeld zu sein, reicht demnach nicht aus[31, S. 94]. Für eine Bestimmung der Kernaufgaben eines TGZ hilft die Orientierung an den vier Hauptelementen, anhand derer ein Gründerzentrum definiert werden kann.18 Diese Ele- mente lassen eine direkte Folgerung der Aufgaben und Pflichten eines TGZ zu.19 14 http://www.apsti.it, zuletzt besucht am 10. August 2008. 15 http://www.vto.at, zuletzt besucht am 10. August 2008. 16 http://www.adt-online.de, zuletzt besucht am 10. August 2008. 17 Vgl. dazu Kapitel 8. 18 Vgl. dazu Abschnitt 4.9.1. 19 Vgl. dazu Peters (2004)[71, S. 83–91]. 35
  • 36. 4. Definitionen und Datenlage Als Vermieter von Infrastruktur (Räumlichkeiten, Büroeinrichtungen etc.) inklusive administrativen Services hat das Management eine Reihe logistischer und adminis- trativer Aufgaben zu bewältigen, um einen reibungslosen Betrieb zu garantieren. Das professionelle Angebot an Coaching, bringt diverse Lehraufgaben, aber auch den Aufbau eines Netzwerks mit sich. Die Vermittlung der Netzwerk-Kontakte ist eine weitere Aufgabe. Des Weiteren gehört die Durchsetzung der Exit-Regeln in das Pflichtenheft des TGZ-Managements. Das Management muss dabei festlegen und erkennen, wann ein Mie- ter stark genug ist, um auf eigenen Beinen zu stehen und das Angebot des Zentrums nicht mehr benötigt. Eine weitere Aufgabe ist die Vorselektion. Die Entscheidung wer im Zentrum aufge- nommen wird und wem der Zugang verwehrt bleibt, ist Aufgabe des Managements des TGZ oder einer dafür geschaffenen Stelle. Die Aufgaben im administrativen und logistischen Bereich sind bei allen TGZ ziem- lich einheitlich. Das Set umfasst ein Angebot an Büroräumlichkeiten inkl. Einrichtungen, Hauswartung, Sekretariatsdienstleistungen sowie Empfang und Büro- bzw. Schreibarbei- ten ([14, S.269], [21, S.1215–1228], [63, S. 325–335], [77, S. 163–187]). Bei der Durchsetzung der Exit-Regeln lässt sich ebenfalls ein gemeinsamer Nenner finden. Die meisten TGZ formulieren diese formell und verlangen eine Kündigung des Mietvertrages nach drei bis fünf Jahren[12, S. 23]. Die Vorselektion, das Coaching und die Vermittlung von Kontakten sind die Aufgaben, welche vom TGZ-Management am unterschiedlichsten wahrgenommen werden[12, S. 23], daher werden sie wie folgt detailliert betrachtet. 4.9.5. Ausgewählte Kernaufgaben Selektion Der Selektion wurde in der Literatur am meisten Aufmerksamkeit geschenkt[39, 55 ff.]. Die Wissenschaftler sind sich dabei weitgehend einig, dass die gezielte Auswahl von Mie- tern eine zentrale Aufgabe von TGZ ist.20 Sie gilt als Basis für eine effektive Ressourcen- Allokation, die sowohl dem TGZ als auch der Wirtschaft zugutekommt.21 Die Abgrenzung zwischen Unternehmen, die Potenzial haben, aber schwach sind und jenen Unternehmen, denen nicht geholfen werden kann bzw. die keine Brutstätte mehr benötigen, ist äusserst schwierig. Ausgeprägte Marktkenntnisse sowie auch ein genaues Prozessverständnis der Start-up-Entwicklung sind dazu notwendig[59, S. 55 ff.]. Bezüglich der Selektionskritieren gibt es unterschiedliche Meinungen. Dies äussert sich in ihrer unterschiedlichen Gewichtung. Mögliche Indikatoren sind die technischen Kennt- nisse sowie die Führungserfahrung des Unternehmers bzw. des Mitarbeiterteams, die Charakteristik des angestrebten Marktes und die Eigenschaften des Produktes bzw. der Dienstleistung[12, S. 23]. 20 Vgl. dazu z.B. Colombo (2004)[24, S. 1103 ff.] sowie Peters (2004)[71, S. 83 ff.]. 21 Lumpkin et al. (1988)[59, S. 59 ff.] zitiert nach Bergek et al. (2008)[12]. 36
  • 37. 4. Definitionen und Datenlage Abbildung 4.3: Selektionsstrategien nach Bergek et al. (2008)[12, S. 24]. Bergek et al. (2008) unterscheiden vier Selektionskriterien. Diese können zum einfache- ren Verständnis in einer Matrix dargestellt werden[12, S. 23] (vgl. dazu Abbildung 4.3). Auf der Y-Achse wird dabei zwischen Kriterien, die mit dem Potenzial der Unterneh- mensidee zusammenhängen und solchen, die sich auf die Eigenschaften des Unternehmers bzw. des Unternehmerteams stützen, unterschieden. Das erste Kriterium verlangt nach einer verlässlichen Einschätzung des Potenzials der Geschäftsideen. Dies ist nur möglich, wenn das TGZ-Management auf einen grossen Wissensbestand zurückgreifen kann. Für die Bewertung des Unternehmers bzw. der Unternehmerteams sind Menschenkenntnisse sowie eine genaue Vorstellung der Qualifikationen und Charaktereigenschaften, die der Initiant bzw. die Initianten haben müssen, erforderlich. Auf der X-Achse der Matrix unterscheiden Bergek et al. (2008) zwischen den beiden Strategien Den Gewinner herauspicken und Nur der Beste überlebt. Bei der ersten Stra- tegie orientiert sich das TGZ-Management an den Erfolgen, die die Bewerber bereits vorweisen können. Wird dies jedoch zu extensiv ausgeführt, läuft das TGZ Gefahr, eine Venture-Capital-Firma zu werden. Bei der zweiten Strategie werden die Kriterien offen vom TGZ-Management interpre- tiert und der Selektionsprozess wird dem Markt überlassen. Verständlicherweise bedingt dies eine grosse Aufnahmekapazität des TGZ[12, S. 23]. Mit Hilfe der Matrix lassen sich vier Selektionsstrategien ableiten. Anhand der Cha- rakteristiken der im TGZ eingemieteten Unternehmen, dem sogenanntem TGZ-Portfolio, lässt sich ablesen, welche Selektionspraktiken im jeweiligen Zentrum praktiziert werden[12, S. 24 ff.]. • Nur der Beste überlebt kombiniert mit Fokus auf die Idee: Das Portfolio umfasst eine grosse Anzahl von Unternehmen, deren Ideen noch nicht ausgereift sind und sich über mehrere Fachgebiete erstrecken. • Nur der Beste überlebt kombiniert mit Fokus auf Unternehmer: Das Portfolio ist vielfältig und beinhaltet engagierte Unternehmer, deren Firmen in unterschiedli- chen Bereichen tätig sind. • Den Gewinner herauspicken kombiniert mit Fokus auf die Idee: Daraus resultiert ein sehr diversifiziertes Portfolio. Die Ideen der Start-ups sind primär technologi- 37
  • 38. 4. Definitionen und Datenlage scher Art, gut durchdacht und stammen von angesehenen Universitäten und Hoch- schulen. • Den Gewinner herauspicken und Fokus auf Unternehmer: Das Portfolio umfasst handverlesene Start-ups und sorgfältig evaluierte Unternehmer. Die Ideen stammen überwiegend von Universitäten und Hochschulen aus der Umgebung. Coaching Die Wichtigkeit von angebotenem Coaching als Ergänzung zu administrativen Dienstleis- tungen wird in der Literatur betont, wobei es eine Reihe von Coaching-Möglichkeiten gibt. Im Allgemeinen umfasst es Trainings und Hilfestellungen zur Entwicklung des Geschäfts. Hinzu kommen Beratungen im Bereich Rechnungswesen, Recht, Werbung, Leadership und Finanzierung ([14, S. 269], [21, S. 1215 ff.]). Dabei geht es gemäss Bhabra-Remedios und Cornelius (1988) aber nicht nur um die Verfügbarkeit des Coachings. Hackett et al. (2004) haben beobachtet, dass sich Coaching in Bezug auf die investierte Zeit, den Umfang und die Qualität unterscheidet[38, S. 41–54]. Rice (2004) definiert drei unterschiedliche Coaching-Arten. Dabei wird berücksichtigt, wer der Initiator des Coachings ist und ob dieses fortwährend oder punktuell ist[77, S. 171]. • Reaktives und episodisches Coaching: Der Mieter fordert die Hilfe selbst aktiv an. Die Hilfestellung ist dann entsprechend auf das konkrete Problem ausgerichtet und zeitlich begrenzt. • Proaktives und episodisches Coaching: Das Management des TGZ macht den ersten Schritt und berät den Unternehmer in informellen Ad-hoc-Beratungen. • Kontinuierliches und proaktives Coaching: Die Initiative kommt ebenfalls vom TGZ-Management. Der Mieter bekommt fortwährend Rückmeldungen und Ratschlä- ge sowie Interventionen. Die passende Strategie ist gemäss Bergek et al. (2008) eine Frage, wie sich das TGZ selbst definiert und welche Rolle sich das Zentrum im Innovationsprozess zuschreibt. Dabei gilt es konzeptionell festzulegen, wie gross der Einfluss des TGZ-Managements auf den Innovationsprozess der Start-ups sein soll[12, S. 23]. Versteht sich das TGZ als ein externer Moderator und überlässt die Gestaltung des Innovationsprozesses dem Start-up, ist der Einfluss entsprechend klein. Werden die eingemieteten Unternehmen vom TGZ- Management strikt durch den Entwicklungs- und Innovationsprozess geleitet, nimmt die TGZ-Leitung einen grossen Einfluss[12, S. 23]. Vermittlung Eine wichtige Aufgabe des TGZ ist es als ein Intermediär bzw. Vermittler zwischen den Start-ups und dem Innovationssystem aufzutreten[71, S. 83]. Das Zentrum versinnbild- licht eine Brücke zwischen den eingemieteten Unternehmen und deren Umgebung[62, S. 38
  • 39. 4. Definitionen und Datenlage 280].22 Mit dieser Tätigkeit verfolgt das TGZ-Management das Ziel, Einfluss auf unter- nehmerische Talente und/oder Ressourcen zu nehmen ([14, S. 274], [35, S. 111 ff.]). Zu diesen gehören kritische Ressourcen wie Wissen, Technologie, Kapital, Arbeitskräfte etc. ([14, S. 284], [63, S. 327], [77, S. 171]). Mit dem Ziel, die Start-ups trotz ihrer Mängel in etablierte Netzwerke einzubinden, tritt das TGZ-Management als Kontaktvermittler auf und bringt die eingemieteten Un- ternehmen mit anderen Akteuren zusammen ([71, S. 88], [16, S. 24]). Bergek et al. (2008) verstehen dieses Networking auch als Netzwerkaufbau, den das TGZ-Management tätigen muss, um sich beim Coaching darauf abstützen zu können[12, S. 23]. Diese Vernetzungen bieten Zugang zu Informationen, Wissen und Erfahrungen, die für Start-ups sehr wertvoll sind und Unsicherheiten reduzieren[23, S. 192, 199]. Netzwerke können zwischen Start-ups und externen Akteuren wie beispielsweise poten- ziellen Kunden, Partnern, Arbeitnehmern, Universitäten und Finanzfachleuten bestehen ([14, S. 273 ff.], [22, S. 202], [39, 57]). Zusätzlich gibt es auch innerhalb der Start-up-Szene ein Netzwerk. Dieses ist beispielsweise für soziale Bedürfnisse und die Entwicklung von Agglomerationsvorteilen nützlich ([39, 57 ff.], [16, S. 24], [23, S. 190], [24, S. 1105]). Das TGZ-Management kann auch als institutioneller Mediator fungieren und so seinen Mietern helfen, institutionelle Rechtsansprüche (Gesetze, Traditionen, Werte, Normen und Regeln) richtig zu interpretieren oder gar zu beeinflussen[12, S. 25]. Auch kann sich das TGZ-Management darum bemühen, dass sowohl die Sichtbarkeit als auch die Glaub- würdigkeit und das Verständnis von Start-ups in den Augen der externen Akteure erhöht wird. Damit helfen sie den Start-ups, soziale Akzeptanz und Legitimität zu erlangen ([14, S. 286 ff.], [23, S. 204]). Bei einigen TGZ-Managements beschränkt sich die Mediationsaktivität auf gewisse Regionen. Andere wiederum arbeiten in internationalen Dimensionen, beschränken sich jedoch auf ein technologisches Feld[22, S. 206]. 4.9.6. Problematik der Leistungserfassung Die Evaluation von TGZ ist aus mehreren Gründen äusserst schwierig. Bei Vergleichsstu- dien ist die Hauptschwierigkeit die Bestimmung der Unternehmen der Kontrollgruppe, denn diese müssen mit den TGZ-Mietern möglichst vergleichbar sein, dürfen aber nicht in einem TGZ angesiedelt sein[39, S. 60]. Auch fehlt es an einheitlichen, aussagekräftigen Indikatoren, anhand deren die TGZ-Leistung gemessen werden kann. Dies äussert sich in den wissenschaftlichen TGZ-Studien[12, S. 22]. Allen und McCluskey (1990) beispielsweise analysierten bei 127 TGZ in den USA den Belegungsgrad der vermieteten Räumlichkeiten und die Anzahl neu geschaffener Arbeitsplätze. Zudem ordneten sie die TGZ in ein gestuftes Kategorienmodell ein.23Allen et al. (1990)[4, S. 61–77] zitiert nach Bergek (2008)[12, S. 22] Phillips (2002) hingegen analysierte in seiner Studie die Einkünfte der Mieter, die Anzahl der Patentanträge pro Unternehmen sowie die Anzahl der gescheiterten Firmen in den unterschiedlichen Typen von TGZ[73, S. 299–316]. 22 Vgl. dazu Abschnitt 4.9.1. 23 ( 39
  • 40. 4. Definitionen und Datenlage Die wahrscheinlich umfassendsten Leistungsstudien führte Mian (1996a) durch. Ne- ben den Standardindikatoren analysierte er zusätzlich die Effektivität der Management- Taktiken sowie den Nutzen der vom TGZ angebotenen Dienstleistungen ([63, S. 325–335], [64, S. 191–208], [65, S. 251–285]). Ein weiteres Problem in der Evaluation von TGZ ist, dass die Anwendung gleicher Indikatoren bei mehreren TGZ per se problematisch ist, zumal es keine identischen TGZ gibt[4, S. 64]. Um den Ansprüchen der unterschiedlichen Stakeholder zu genügen, definie- ren die TGZ meist mehrere Ziele, wobei diese von Zentrum zu Zentrum sehr unterschied- lich sein können. Aber auch TGZ, die annähernd identische Ziele verfolgen, unterscheiden sich in deren Prioritätensetzung[14, S. 265 ff.]. Dies wiederum aus dem Grund, da das Management bzw. die Initianten eines TGZ die Strategie an den unterschiedlichen An- sprüchen externer Akteure ausrichten müssen[64, S. 194]. Für einen handfesten Vergleich unterschiedlicher Typen von TGZ müssen daher die erfassten Output-Ergebnisse verschieden gewichtet werden[11, S. 322 ff.]. Des Weite- ren bedingt ein solcher Vergleich, dass die Leistungsindikatoren den Zielen angepasst werden[12, S. 22]. Ist z.B. das Ziel eines TGZ, möglichst viele Arbeitsplätze zu schaffen, dann wird der aussagekräftigste Indikator die Anzahl neuer Arbeitsplätze sein. Setzt sich ein Zentrum nun aber zum Ziel, Forschungsresultate möglichst rentabel auf den Markt zu bringen, liefern die Verkaufszahlen der eingemieteten Unternehmen die validesten Daten. In diesem Sinne hat wohl jeder Indikator seine Berechtigung. Entscheidend ist, dass er im richtigen Kontext angewendet wird. Die Auswahl der Messkritierien muss daher sehr sorgfältig und mit Berücksichtigung der Ziele erfolgen[12, S. 22]. In der Diskussion der TGZ-Evaluation gibt es aber auch die Ansicht, dass ohne Be- rücksichtigung der jeweiligen Ziele eine ausreichende Bewertung möglich ist. Regierungs- stellen beispielsweise, die sich primär für die neu geschaffenen Arbeitsplätze interessieren, werden vermutlich zufrieden sein, wenn ihnen eine entsprechende Rangliste der TGZ vor- gelegt wird. Die Ziele der TGZ spielen in diesem Fall eine untergeordnete Rolle[12, S. 22]. Werden bei einem Leistungsvergleich mehrerer TGZ miteinander verglichen jedoch die unterschiedlichen Ziele nicht berücksichtigt, kann nicht erklärt werden ob die Ursa- che unterschiedlicher Resultate aufgrund der unterschiedlichen Praxis oder aufgrund des unterschiedlichen Zielfokus zustande kamen[12, S. 22–23]. Auch widerspricht eine Vernachlässigung der Ziele der Evaluationstheorie, welche ver- langt, dass die Leistung jeweils im Zusammenhang mit dem angestrebten Ziel gemessen wird[87, S. 10]. Im Falle der TGZ bedingt dies, dass das Konzept und der Prozess der Leistungserstellung bei der Evaluation entsprechend berücksichtigt werden[12, S. 22]. Lediglich den Output einer Aktivität zu messen, reicht demnach nicht aus. 4.9.7. Erfolgsfaktoren von TGZ Vorschlag von Byung-Joo Kang Byung-Joo Kang (2004) versuchte die Erfolgsfaktoren eines TGZ zu bestimmen. Dabei unterscheidet er weiche und harte Faktoren[52, S. 206]. Zu den weichen Faktoren gehören: • Angemessenheit der Ziele 40
  • 41. 4. Definitionen und Datenlage • Fähigkeiten der im TGZ eingemieteten Unternehmen • Netzwerk zwischen den in den TGZ eingemieteten Unternehmen und den umlie- genden Forschungs- und Ausbildungsstätten Zu den harten Faktoren gehören: • Unterstützung des TGZ von aussen • Dienstleistungen und Anlagen, die im TGZ geboten werden Einige Autoren stellen andere Erfolgsfaktoren in den Vordergrund. Für Hilper (1991) sind Jungunternehmertum, Management-Fähigkeiten, das Gründungskonzept, der Be- trieb des TGZ und die politische Atmosphäre die entscheidenden Faktoren[29, S. 40]. Für Felsenstein (1994) ist die geografische Nähe zu Universitäten ausschlaggebend[31, S. 96] und für Minshall (1983) ist die Verfügbarkeit von Arbeitskräften im Hightech-Bereich entscheidend[66, S. 158]. Byung-Joo Kang (2004) teilt die von ihm vorgeschlagenen Erfolgsfaktoren in die fol- gende drei Kategorien ein[52, S. 206]: Standort Die Präsenz einer bedeutenden technischen Hochschule oder Universität in der Nähe des TGZ ist ein entscheidender Faktor für dessen Erfolg. Weiter ist es wichtig, dass das Zentrum eine gute verkehrstechnische Anbindung mit Zugang zu Autobahn, Flughafen und Wohngegend hat. Eine gute schulische Infrastruktur und Zugang zu einem Fiberglas- Kommunikationsknotenpunkt sind weitere Erfolgsfaktoren. Infrastruktur Das Fundament von Silicon Valley war laut Rogers (1985) das sehr gut funktionieren- de Informationsnetzwerk. Technische Ideen konnten über dieses Netzwerk schnell und effizient ausgetauscht werden[78, S. 239]. Weitere Erfolgsfaktoren sind Brütezentren für Start-ups, Innovationszentren und Forschungslabors. Günstige Land- und Mietpreise sind ebenfalls förderlich[52, S. 207]. Fördermassnahmen/-mechanismen Hierzu zählen kollaborative Beziehungen zwischen den Universitäten, Unternehmen und Forschungsinstituten sowie die Ansiedlung von Hightech-Unternehmen in der Nähe des TGZ und starkes Leadership.Die Verfügbarkeit von Venture Capital ist ein weiterer sehr wichtiger Faktor, da Start-ups in der Anfangsphase auf Kapital angewiesen sind[92]. 41
  • 42. 4. Definitionen und Datenlage 4.9.8. Nutzen von TGZ Nutzen für eingemietete Start-ups Zu den Hauptargumenten, die für die Gründung eines TGZ sprechen, zählen der erleich- terte Zugang der Mieter zu wissenschaftlichem Know-how und Forschungsresultaten, der vereinfachte Transfer wissenschaftlicher Erkenntnisse in kommerzielle Produkte, sowie die Nähe zu Labors und anderen Forschungseinrichtungen der Universitäten[2, S. 364]. Diese Argumente basieren mehrheitlich auf Studienresultaten aus den USA, die gezeigt haben, dass Wissensspillover von Universitäten die Innovationstätigkeit der umliegenden Unternehmen fördern.24 Jaffe (1989) konnten dies anhand des positiven Zusammenhangs von universitärer Forschungsarbeit und der Patenttätigkeit von im gleichen Staat wie die Universität angesiedelten Unternehmen feststellen ([50, S. 957 ff.]. Gemäss Acs et al. (1994) profitieren die kleinen Unternehmen am meisten von solchen Wissensspillover- Effekten[3, S. 340]. Ein weiterer Mehrwert den die in einem TGZ eingemieteten Unternehmen haben, lässt sich aufgrund der Erkenntnisse der industriellen Standortlehre erklären. Die enge An- siedlung von Unternehmen, die in gleichen oder ähnlichen Branchen tätig sind, führt zu sogenannten Agglomerationsvorteilen.25 Dies sind beispielsweise Kostenvorteile, die dank reduzierter Transportkosten entstehen[37, S. 14]. Die Konzentration auf einen Standort fördert zudem den Auf- und Ausbau des Kontaktnetzwerks[71, S. 83]. Dies wird in der zeitgenössischen Literatur oft als sogenanntes Networking bezeichnet. Das Kontaktnetz- werk wird anhand unterschiedlicher Massnahmen vom TGZ-Management gezielt gepflegt und für die Mieter zugänglich gemacht. Ein weiterer Mehrwert für die eingemieteten Unternehmen sind die vom TGZ-Management angebotenen Trainings- und Businesspro- gramme.26 Zudem profitieren die Mieter von passenden Einrichtungen, flexiblen Mietbe- dingungen sowie technischen und wirtschaftlichen Dienstleistungen. All diese Faktoren können das Potenzial der Jungunternehmer unterstützen[24, S. 1105] und machen ein TGZ zu einer optimalen Lokalität für Jungunternehmer. Stuart Macdonald (1987) von der Queensland Universität in Australien widerspricht jedoch dieser These. Er stuft den Marktvorteil, den sich Start-ups dank ihrer Nähe zu Universitäten verschaffen, als klein bzw. gar inexistent ein. Auch zweifelt Macdonald an der Existenz von Agglomerationsvorteilen, welche durch die konzentrierte Anordnung zustande kommen sollten[60, S. 26 ff.]. Tatsächlich ist die Frage, ob ein TGZ das Jungunternehmertum fördert oder nicht, unklar. Zumal die Studien, die TGZ-Mieter mit ähnlichen Firmen, die ausserhalb solcher Zentren lokalisiert sind, verglichen haben, unterschiedliche Resultate ergaben. Dies ist u.a auf die Messproblematik zurückzuführen.27 Bis anhin konnte den TGZ-Mietern weder ein grösserer Output an Produkten und Dienstleistungen sowohl in neuen als auch in existierenden Märkten, noch eine höhere Anmeldungsrate von Patenten empirisch nachgewiesen werden[24, S. 1105]. Auch bei 24 Vgl. dazu Abschnitt 4.4. 25 Vgl. dazu Abschnitt 4.6. 26 Vgl. dazu Abschnitt 4.9.5. 27 Vgl. dazu Kapitel II. 42
  • 43. 4. Definitionen und Datenlage dem Beschäftigungsgrad von akademischem Personal, dem Sponsoring von Forschung, der Benutzung von Test- und Analyseinstrumente der Universitäten, der Beschäftigung von Hochschulabsolventen und der Umsetzung von Studentenprojekten sind in TGZ ein- gemietete Unternehmen und Unternehmen, die nicht in einem TGZ angesiedelt sind vergleichbar[24, S. 1106]. Zudem gibt es keine Studie, die zeigt, dass TGZ-Mieter in- novativer sind als vergleichbare Unternehmen, die nicht in einem TGZ angesiedelt sind und von dessen Angeboten profitieren können[24, S. 1105]. Löfsten und Lindelöl (2002) befragten diesbezüglich schwedische Unternehmen, die in einem TGZ eingemietet sind sowie Unternehmen, die nicht in einem TGZ angesiedelt sind. Sie dabei stellten fest, dass die TGZ-Mieter scheinbar nicht fähig sind, die durch das Kontaktnetzwerk entstandenen Ressourcen in einen höheren FuE-Output (Patente etc.) umzuwandeln[57, S. 875]. Dennoch gibt es einige Studien, die eine positive Wirkung eines TGZ auf seine Mie- ter wenn auch nur in bescheidener Form aufzeigen konnten. Ein solches Beispiel ist die frühe Studie von Monck et al. (1998). Sie untersuchten bei britischen Unternehmen den prozentualen Anteil qualifizierter Wissenschaftler und Ingenieure, der im Unternehmen beschäftigten Personen gemessen am Verhältnis der FuE Intensität mit dem erwirtschaf- teten Umsatz. Die Forscher stellten fest, dass dieser prozentuale Anteil bei im TGZ eingemieteten Unternehmen höher liegt als bei Firmen einer Kontrollgruppe, die nicht in einem TGZ eingemietet sind[67, S. 61–77]. Dieses Resultat konnte jedoch in einer späteren Studie nicht bestätigt werden[94, S. 45–62]. Ein weiteres Beispiel ist die Forschungsarbeit von Braun und McHone (1992). Sie fanden heraus, dass Unternehmen, die im Central Florida Research Park eingemietet sind, eher dazu neigen ihre Produkte auch in Kanada zu verkaufen als ähnliche Unternehmen, die ausserhalb des Zentrums lokalisiert sind[15, S. 135–147]. Westhead und Story (1995) konnten empirisch feststellen, dass in Grossbritannien zwi- schen 1986 und 1992 die in TGZ eingemieteten Unternehmen ein grösseres Wachstum aufwiesen als vergleichbare Unternehmen, die nicht einem Zentrum angehörten[95, S. 345 ff.]. Die Resultate können jedoch auch als Erfolg für die Selektion der Kandidaten gewer- tet werden.28 Auch zeigen die Daten, dass die im TGZ eingemieteten Unternehmen eine festere Verbindung zu akademischen Institutionen haben als Unternehmen, die nicht im TGZ angesiedelt sind. Auch Löfsten und Lindelöf (2002) folgerten aus den Daten ihrer Studie, dass die in den schwedischen TGZ eingemieteten Unternehmen eine verhältnismässig starke Verbindung zu Universitäten haben. Zudem konnte das Autorenduo eine Zunahme der formellen Be- ziehungen durch die Ansiedlung in einem TGZ feststellen. Dabei hielten sie fest, dass der Zugang zu akademischen Ressourcen überwiegend auf einfachen Verträgen, der Einstel- lung von Absolventen und informellen Kontakten basiert[57, S. 870]. Diese Erkenntnis überschneidet sich mit den Aussagen von Westhead und Story (1995). Auch sie stellten beim genauen Blick auf die Verbindungen zwischen TGZ-Unternehmen und Universitäten fest, dass diese mehrheitlich informeller und praktischer Natur sind[95, S. 345–330]. 28 Vgl. dazu Abschnitt 4.9.5. 43
  • 44. 4. Definitionen und Datenlage Bezüglich der Verbindung gilt es jedoch zu bemerken, dass keine einzige Universität das TGZ mit dem benötigten Wissenschafts- und Management-Wissen ausreichend versorgen kann. Dies zeigt sich auch dadurch, dass einzelne TGZ-Unternehmen bedeutend enger mit den Universitäten verknüpft sind als andere, die dem gleichen TGZ angehören[24, S. 1106]. Löfsten und Lindelöf (2002) stellten positive Effekte bezüglich den Verkaufszahlen und der Beschäftigung fest. Beim Profit konnten sie jedoch kein Muster ausfindig machen und vermuteten daher, dass das TGZ keinen Einfluss auf diesen Indikator hat. In diesem Sinne unterscheidet sich der Profit bzw. die Rentabilität der Leistungen von den beiden anderen Leistungsindikatoren. Das Autorenpaar beschreibt diese Resultate als merkwürdig. Ein möglicher Grund könnte der Einfluss des TGZ-Managements auf die Beschäftigung und die Verkaufszahlen sein. Auch ist der Profit bzw. die Rentabilität bei Start-ups meist erst nach mehreren Jahren feststellbar[57, S. 870]. Ferguson (1999) erkannte einen Unterschied bei der Durchführung von Innovations- und Marktforschungen. Für die in den TGZ angesiedelten Unternehmen scheint der Stel- lenwert der Innovations- und Marktforschung höher zu sein. Dies ist möglicherweise dar- auf zurückzuführen, dass TGZ besonders attraktiv sind für motivierte Jungunternehmer. Auch scheinen die Mieter eher jünger und kleiner zu sein als vergleichbare Unternehmen ausserhalb der Zentren[32]. Dies gilt zumindest bei TGZ in Schweden, wo Ferguson die Studie durchführte. Nutzen für die Region Erfolgreiche Hightech-Cluster wie Silicon Valley und Route 128 wurden zum wissenschaft- lichen Untersuchungsgegenstand. Anhand von Studien wurde versucht, die Komponenten, die für die Bildung solcher Clusters nötig sind, zu isolieren. Einen wichtigen Beitrag zur Bildung von Hightech-Cluster leisten die Forschungs- und Ausbildungsstätten, da sie nicht nur Wissenschaftler und Ingenieure in eine Region brin- gen, sondern auch Wissen generieren, das von den nah angesiedelten Unternehmen auf- gefangen werden kann.29 Saxenian (1996) dokumentiert in seinem Artikel die Wichtigkeit des Wissenstransfers zwischen der Stanford University und den Unternehmen in Silicon Valley[82]. Anseling et al. (1997) konnten Wissensspillover in Silicon Valley und in der Region Route 128 beobachten[6]. Zu den weiteren Komponenten, die neben den Forschungs- und Ausbildungsstätten für die Bildung eines Clusters förderlich sind, zählen Hightech-Labore, die Mischung von grossen Unternehmen und Start-ups, die Verfügbarkeit von Venture Capital, Investoren und moderne Infrastruktur[93, S. 3]. V.a. in politischen Kreisen wurde lange geglaubt, dass anhand dieser Zutaten leicht ein zweites Silicon Valley erschaffen werden könnte[93, S. 3]. Erfolgsgeschichten wie z.B. jene des Research Triangle Parks (RTP) in North Carolina scheinen dieses Wunschdenken zu fördern. Tatsächlich sind die quantitativen Werte dieses Parks überdurchschnittlich. Der RTP – 1958 vom Initianten Howard Odum und einer kleinen Gruppe aus Regierungska- der, Unternehmern und Vertretern der Universität gegründet[7, S. 232] – erstreckt sich 29 Vgl. dazu Abschnitt 4.9.8. 44
  • 45. 4. Definitionen und Datenlage heute über eine Fläche von rund 28 Quadratkilometern und beherbergt 157 Unterneh- men. Zudem arbeiten gemäss der Angaben auf der offiziellen Websites insgesamt 39’000 Personen im Park und das Investitionskapital beträgt USD 2,8 Milliarden.30 Für die Realisierung eines TGZ als Starthelfer eines Hightech-Agglomeration spricht aus politischer Sicht zudem, dass die Zentren relativ schnell gebaut sind und den Anschein einer innovationspolitischen Massnahme machen[93, S. 5]. Auch sind Erfolge schnell sicht- bar. Dies zumindest dann, wenn der Einzug von Mietern bereits als solche verbucht wer- den. Es wird dabei jedoch oft vernachlässigt, zu prüfen, ob es sich nicht nur um einen einfachen Umzug von einem alten zu einem neuen Standort handelt. Auch die Frage, ob die Aktivitäten der Unternehmen nicht auch ohne das TGZ zustande gekommen wären, wird nicht genügend kritisch behandelt[93, S. 5]. Dies gilt auch für die Forschungsleistung. Nimmt diese in einer Region zu, ist das kein genügender Beleg dafür, dass das TGZ tatsächlich sinnvoll ist. Die Korrelation zwischen der Existenz eines TGZ und der Forschungsleistung kann sich als Scheinkorrelation her- ausstellen. Das ist der Fall, wenn die Forschungstätigkeit sowieso zugenommen hätte – auch ohne ein TGZ. Investitionen in das Zentrum wären demnach trotz der Steigerung der Forschungsleistung sinnlos[7, S. 226 ff.]. Zudem gibt es neben den – zumindest aus der Sicht der Betreiber – erfolgreichen TGZ es eine Reihe solcher, die die Erwartungen nicht erfüllen. Ein prominentes Beispiel ist der Texas Research Park in San Antonio. Das Ziel des im Jahre 1980 gegründeten Parks war es, bis im Jahre 2010 rund 50’000 Arbeitsplätze zu schaffen und weitere 100’000 in den Spin-offs. Im Jahre 2003 arbeiteten im Park gerade einmal 300 Personen[49, S. 1A]. Aber auch im Falle des Research Triangle Park (RTP) ist zu erwähnen, dass sich keine regionale Hightech-Agglomeration um das TGZ gebildet hat ([93, S. 4], [15, S. 136]), obwohl die Agglomerationsbildung ein Ziel der RTP Gründer war[7, S. 232]. Der Nutzen für die Region, in der ein TGZ angesiedelt ist, scheint folglich nicht zwingend mit dem Erfolg des TGZ einherzugehen. Jowitt (1991) glaubt, dass politische Schnellentscheide eine mögliche Ursache für ein solches Verfehlen der erhoffen Effekte sind. Wirtschaftliche Schwankungen werden fälsch- licherweise als Argument für eine umfassende Förderpolitik verwendet[51, S. 114]. Für Michael E. Porter (2003) gilt ganz allgemein, dass regionale Cluster schlecht am Reiss- brett entworfen werden können[74, S. 571]. Ob ein TGZ die von Felsenstein (1994) geforderte Leistung zur Bildung einer Hightech- Agglomeration tatsächlich erfüllt und einer Region zum Wirtschaftswachstum verhilft[31, S. 94], gilt es demnach kritisch zu beurteilen. Um das wirtschaftliche Wachstum einer Region tatsächlich zu fördern, muss ein TGZ den eingemieteten Unternehmen zu einem Wachstum verhelfen, welches ohne das Zen- trum nicht stattfinden würde. Auch muss es Wissensspillover auffangen, die ohne das TGZ verloren gegangen wären[93, S. 5]. Das erste Kriterium ist schwierig und nur sehr datenintensiv zu überprüfen. Tatsächlich gibt es nur eine kleine Anzahl von Studien, die die regionalen Effekte von TGZ analysieren[7, S. 226]. Der Frage nach den Vor- und 30 http://www.rtp.org, zuletzt besucht am 14. August 2008. 45
  • 46. 4. Definitionen und Datenlage Nachteilen der im Zentrum eingemieteten Unternehmen wird bedeutend häufiger nach- gegangen.31 Eine Studie zum regionalen Nutzen von TGZ stammt von Goldstein und Luger (1991). Das Autorenpaar teilte vergleichbare U.S.-Bezirke zwei verschiedenen Gruppen zu: Das Einteilungskriterium der ersten Gruppe war, dass ein oder mehrere TGZ im Bezirk ange- siedelt waren. In der zweiten Gruppe, der Kontrollgruppe, waren folglich all jene Bezirke, die keine TGZ hatten. Das Autorenpaar verglich die Wachstumsrate der Arbeitsplätze vor und nachdem die TGZ errichtet wurden mit derjenigen der Kontrollgruppe. Von den insgesamt 45 Zentren waren tatsächlich 32 in Bezirken, die im Vergleich zu den anderen ein grösseres Wachs- tum aufwiesen. In 26 Fällen war das Wachstum sogar 20 Prozent grösser als jenes der Kontrollgruppe[58, S. 14 ff.]. Solche eindeutigen Resultate sind jedoch selten. Der positi- ve Effekt eines TGZ auf die Region scheint eher die Ausnahme als die Regel zu sein[93, S. 5]. Scott Wallsten, Forscher am American Enterprise Institute, hat im Jahre 2004 einen Artikel zur Wirksamkeit von Science-Parks mit dem Titel “Do Science Parks Generate Regional Economic Growth? An Empirical Analysis of their Effects on Job Growth and Venture Capital”[93] publiziert. Basis des Artikels ist eine von ihm durchgeführte Studie, die den Effekt von TGZ auf das Angebot an Arbeitsplätzen und das Volumen von Venture Capital untersucht. Dazu führte er zwei Tests durch. Im Ersten verglich er ähnliche Bezirke mit und ohne TGZ über eine gewisse Zeitspanne. Im zweiten Test prüfte er den Effekt von etablierten TGZ ökonometrisch. Da dies nur eine kleine Auswahl an Indikatoren berücksichtigt, gilt es, die Resultate zu relativieren. Wallsten mutet seinem Artikel daher nicht zu, die „finale Antwort“[93, S. 15] zum Nutzen der TGZ für eine Region zu liefern. Auch weist der Autor darauf hin, wie schwierig die Interpretation der gewonnenen Daten ist[93, S. 5]. Selektionsmechanismen und Investment-Kriterien z.B. führen dazu, dass die in den TGZ eingemieteten Unternehmen einem gewissen Typ entsprechen bzw. dass nur für einen gewissen Typ von Unternehmen ein TGZ attraktiv ist. Dies führt gezwungenermassen zu einer Verfälschung der Daten.32 Die Differenzen der Unternehmen innerhalb bzw. ausserhalb der Zentren können folglich nicht per se einem wirtschaftlichen Effekt des TGZ zugeschrieben werden. In seiner Studie wertete Wallsten (2004) Daten unterschiedlicher Quellen der Zeitpe- riode von 1988 bis 1997 aus. Die Erkenntnisse aus den Daten lassen auf keinen positiven Effekt eines TGZ auf die Region schliessen, im Gegenteil: Wallsten (2004) vermutet, dass die Realisierung eines TGZ keinen Netto-Nutzen für die Region hat bezüglich der Beschäf- tigungslage, der Anzahl von Unternehmen und dem Volumen von Venture Capital[93, S. 13]. Erfolgreiche TGZ scheinen daher eher die Ausnahme als die Regel zu sein[93, S. 4]. Auch bezüglich der Clusterbildung konnte Wallensten (2004) nicht nachweisen, dass ein TGZ förderlich ist[93, S. 13]. 31 Vgl. dazu Abschnitt 4.9.8. 32 Vgl. dazu Abschnitt 9.1. 46
  • 47. 4. Definitionen und Datenlage Stephen J. Appold (2003) schliesst seinen Artikel mit der Vermutung ab, dass “Research parks appear not to be effective local economic development tools.”[7, S. 240], wobei er diese Erkenntnis auf die TGZ in den USA bezieht. Seine ernüchternde Vermutung führt er darauf zurück, dass zu viele TGZ in den USA die Forderung nach einer Steigerung der Forschungstätigkeit nicht erfüllt haben. Auch seien diese oft in Regionen angesiedelt, die bereits ein hohes Forschungslevel haben. 4.9.9. Rolle der TGZ in der staatlichen Innovationsförderung Wie im Abschnitt 4.9.1 aufgeführt, verfolgt ein TGZ zwei Aufgaben: Förderung des Jungunternehmertums in der Rolle eines Gründerzentrums und Erleichterung des Wis- senstransfers zwischen der Wissenschaft und der Wirtschaft in der Rolle als Technologie- zentrum.33 Die Zuordnung der TGZ im Modell des Nationalen Innovationssystems (NIS) von Arnold und Kuhlmann (2001)34 ist entsprechend an zwei Stellen: Als Gründerzentren gehören sie dem Bereich „Innovation and business support“ und als Technologiezentren dem Bereich „Intermediaries“ an. Im Modell des Nationalen Innovationssystems (NIS) der Schweiz (vgl. dazu Abbil- dung 4.4) sind die TGZ nicht mehr wörtlich aufgeführt.35 Als Technologiezentren sind sie aufgrund ihrer Tätigkeit als Förderer des Wissens- und Technologietransfers, dem Be- reich „Organisationen zur Förderung des Wissens- und Technologietransfers“ zugeordnet worden. Zu den Nationen, in denen das TGZ-Konzept einen besonderen Stellenwert in der staatlichen Innovationsförderung hat, gehören Südkorea und Israel. Südkorea litt an wirt- schaftlicher Schwäche und wurde nach der Wirtschaftskrise im Dezember 1997 vom Inter- nationalen Währungsfonds (IWF) beaufsichtigt. Dabei stand die Innovationskraft und die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Kleinen- und Mittleren Unternehmen (KMU) im Vordergrund. Neben anderen Massnahmen wurde auf den Bau von TGZ gesetzt[52, S. 203]. Ende 1997 legte das koreanische Wirtschaftsministerium einen Plan zur finanziellen Unterstützung solcher Zentren vor[52, S. 203]. Israel initiierte sein Inkubatorenprogramm in den 1990er Jahren mit dem Ziel, die Start-ups in der frühesten Phase zu unterstützen. Das Programm umfasst über 20 TGZ, wobei jedes Zentrum 10 bis 15 Projekte gleichzeitig fördert. Die TGZ bieten den einge- mieteten Hightech-Start-ups Unterstützung im Bereich des Marktpotenzials einer Idee, Finanzierung bei der Zusammenstellung eines FuE-Teams etc.[47, S. 138]. 4.9.10. Staatliche Unterstützung Der Frage nach der Legitimität staatlicher Unterstützung eines TGZ geht die Grundsatz- frage voraus, ob der Staat überhaupt eine Rechtfertigung hat, in den freien Markt einzu- greifen.36 Die Wirtschaftstheorie gibt auf diese normative Frage keine eindeutige Antwort 33 Vgl. dazu Abschnitt 4.9.1. 34 Vgl. dazu Abbildung 4.1. 35 Im Vorgängermodell des NIS-Schemas der Schweiz waren die TGZ wörtlich als Technoparks aufgeführt (Vgl. dazu Innovation Schweiz (2003)[47, S. 24]). 36 Vgl. dazu Hotz-Hart et a. (2001)[48, S. 206]. 47
  • 48. 4. Definitionen und Datenlage Abbildung 4.4: Das Innovationssystem der Schweiz[17, S. 24]. und eine Beantwortung ist daher immer von persönlicher Überzeugung abhängig[48, S. 206]. Mit der Theorie des Marktversagens kann dennoch eine „klassische Begründung“ für staatliches Eingreifens aufgezeigt werden[48, S. 206]. Im Falle des Gutes Wissen liegt ein solches Marktversagen vor, da aufgrund des fehlenden privaten Charakters von Wis- sen das Rivalitäts- und/oder Ausschlussprinzip verletzt ist[48, S. 206]. Der Produzent von Wissen kann sein Gut folglich nicht für sich alleine (exklusiv) in Anspruch nehmen und fördert wegen den positiven externen Effekte, den Nutzen Dritter[48, S. 207 ff.]. Mit der öffentlichen finanziellen Unterstützung von Ausbildungseinrichtungen und der Grundlagenforschung kann der Staat den Produzenten des öffentlichen Gutes Wissen die Entstehungskosten bezahlen[48, S. 207]. Damit dieses produzierte Wissen den Weg auf den Markt findet und den entsprechenden Nutzen generiert, muss es den Unternehmen zugänglich gemacht werden. Somit sind die TGZ als Förderorganisationen des Wissen- stransfers in diesen Prozess eingebunden und erfüllen eine Aufgabe, die dem Staat zugute kommt. Das Marktversagen im Falle des Gutes Wissen, kann damit als Argument einer staatlichen Unterstützung von TGZ aufgeführt werden.37 Auch im zweiten Aufgabenbereich der TGZ, der Förderung des Jungunternehmer- tums, liegt gemäss der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwick- 37 Gemäss der Deregulierungskommission in Deutschland müssen neben dem Marktversagen noch weitere Kriterien erfüllt sein, damit ein staatliches Eingreifen gerechtfertigt ist. Vgl. dazu Hotz-Hart et al. (2001)[48, S. 210]. 48
  • 49. 4. Definitionen und Datenlage lung (OECD) ein Marktversagen vor, da die jungen und innovativen Firmen härter für ihr Überleben kämpfen müssen, als grosse Unternehmen[69, S. 4]. Die OECD engagiert sich aus diesem Grund für den Bau von TGZ, die sich für die Förderung der Start-ups einsetzen[69, S. 4]. Auch Colombo et al. (2002) verweisen in ihrem Artikel darauf, dass die Start-ups auf- grund des Marktversagens einer Zusatzbelastung ausgesetzt sind[24, S. 1104]. Sie führen dies darauf zurück, dass Jungunternehmen – primär im Hightech-Bereich – naturgemä- ss grösseren Gefahren ausgesetzt sind als andere Unternehmen[24, S. 1103]. Zu diesen Gefahren zählt z.B. der für Start-ups erschwerte Zugang zu überlebenswichtigen Input- Faktoren wie Geld[24, S. 1103]. Dies führt daher, dass es den Banken an technischer Expertise fehlt, um die Qualität einer Geschäftsidee im Hightech-Bereich zu beurteilen. Zudem fehlt es den neuen Unternehmen an Reputation, Bilanzzahlen etc. Ein Investment wird daher seitens der Bank häufig als zu risikoreich beurteilt[40, S. 39 ff.]. In diese Lücke springen Venture Capitalists, deren Bereitschaft, in Start-ups zu inves- tieren bedeutend grösser ist. Auch können sie oftmals auf Spezialistenwissen zurückgrei- fen. Die finanziellen Mittel der Venture Capitalist sind jedoch häufig stark begrenzt und reichen nicht aus, um die Jungunternehmer genügen zu unterstützen[24, S. 1103]. Die Zurückhaltung des Kapitalmarktes hat entsprechende negative Effekte auf das Jungunternehmertum[24, S. 1103]. Empirische Studien zeigten, dass die Wahrscheinlich- keit des Selbständigwerdens mit dem Vermögen des Individuums und seiner Familie po- sitiv korreliert[28, S. 808 ff.]. Auch konnte beobachtet werden, dass Erbschaften[45, S. 53 ff.] oder eine Wertsteigerung des Eigenheims[13, S. 60 ff.] die Neugründungen von Unternehmen fördern und deren Überlebenschancen erhöhen. Andere Studien stellen je- doch die Aussagekraft solcher Erkenntnisse in Frage. Cressy (1996) vermutet, dass keine Korrelation zwischen Geld und der Überlebenschance eines Start-ups besteht. Er glaubt, dass der Erfolg der Firma viel eher vom Humankapital abhängig ist[25, S. 1255]. Holtz-Eakin (2001) zweifelt sowohl an den positiven Externalitäten von Start-ups als auch am Marktversagen der Finanzmärkte, die eine staatliche Unterstützung rechtferti- gen würden[44, 283–291]. Jovanovic (1989)38 betont zudem, dass die Entstehung eines neuen Unternehmens das Resultat einer subjektiven Fehleinschätzung der Fähigkeiten des Gründers sein kann. In der Theorie von Jonvanoic (1989) wissen neue Unternehmen beim Markteintritt nicht, wie effizient sie tatsächlich sind, da ihnen verlässliche Angaben fehlen. Diese eignen sie sich erst allmählich an, indem sie ihre Profite, die sie im Wettbewerbsumfeld erwirtschaften, beobachten. Durch die Marktkräfte werden unrentable und ineffiziente Jungunterneh- men aussortiert. Die staatliche Förderung der Start-ups kann diesen Selektionsprozess verlangsamen und den natürlichen Wettbewerb stören. Dies führt zu Ineffizienz. Für Camerer et al. (1999) werden die Jungunternehmer aufgrund staatlicher Sub- ventionen von einem übertriebenen Selbstvertrauen geleitet. Dies führt dazu, dass sich ungeeignete Personen auf den Weg in die Selbständigkeit wagen[20, S. 316]. V.a in den frühen Entwicklungsstadien neuer Industrien ist dies zu beobachten[24, S. 1104]. 38 Javanovic (1989) zitiert nach Colombo (2002)[24, S. 1104]. 49
  • 50. 4. Definitionen und Datenlage Auch Thomas von Waldkirch, sieht keinen Grund für staatliche Subventionen und plä- diert für eine private Finanzierung der TGZ.39 Er argumentiert jedoch aus einer anderen Perspektive. Für ihn erbringt ein TGZ mit dem Wissenstransfer eine Leistung, mit der es sich auf dem Markt behaupten kann. Dennoch betont Von Waldkirch, dass die Fi- nanzierung stark von der Situation des Standortes des TGZ abhängig ist. Eine private Finanzierung ist nur möglich, wenn eine kräftige Industrie am Ort vorhanden ist. Wo das nicht der Fall ist, ist für Von Waldkirch ein Public-Private-Partnership oder eine rein öffentliche Finanzierung denkbar. Die Frage, ob Start-ups von der staatlichen Innovationsförderung unterstützt werden sollen, ist folglich umstritten. Zudem stellt sich die Frage, ob ein TGZ das optimale Mittel sowohl für die Förderung des Wissenstransfers als auch für Unternehmensgründungen ist.40 39 Diese Information stammt aus dem E-Mail-Wechsel mit Dr. Thomas von Waldkirch aus Küsnacht (ZH) vom 21. August 2008. 40 Vgl. dazu Kapitel 4.9.8. 50
  • 51. 5. Untersuchungsgegenstand 5.1. Die TGZ der Schweiz Den Untersuchungsgegenstand bilden die TGZ der Schweiz. Für die Datenerfassung wurde eine Recherche durchgeführt und versucht qualitative und quantitative Daten zu sammeln und zu sortieren. Das Ziel war es allgemeine Infor- mationen zum jeweiligen TGZ wie Standort, Ziele etc. sowie Statistiken zur Belegung, Erfolgsquote der Abgänger etc. zu finden. Diese Recherche fand primär anhand de Web- sites der TGZ und in online Zeitungsarchiven statt. Zudem wurde in den Bibliotheksdatenbanken nach wissenschaftlichen Arbeiten zu den Schweizer TGZ gesucht. Dabei hat sich herausgestellt, dass die Schweizer TGZ sehr zurückhaltend sind, was die Kommunikation von Statistiken, Finanzströmen, aber auch Erfolgsmeldungen und Eigenevaluationen betrifft. Gerade Letzteres erstaunt, da solche Informationen für po- tenzielle Mieter sicher von Interesse wären. Auch konnte keine wissenschaftliche Arbeit gefunden werden. Um dem Mangel an Sekundärdaten entgegenzuwirken, wurde eine Umfrage bei 16 TGZ aus der Schweiz durchgeführt. Anhand der Resultate wurde eine Tabelle erstellt, welche mit Angaben, die online auf den jeweiligen Websites der TGZ verfügbar sind, ergänzt wurden. Einige Fragen blieben dennoch unbeantwortet. Anhand der erfassten Daten wurde neben der Übersichtstabelle eine Auslegeordnung in Form eines Kurzporträts jedes Zentrums erstellt. Dies ermöglichte die Stärken und Schwächen der TGZ zu analysieren und zu vergleichen. Um die Lesbarkeit der Porträt-Texte nicht einzuschränken, werden die Quellen der Daten nicht explizit vermerkt. Die Daten stammen alle ausschliesslich von den jeweiligen Websites der TGZ sowie aus der Umfrage. Die Tabelle ist in Kapitel 7 abgebildet. 5.2. Methode Ausgangspunkt für die Zusammenstellung der Daten war das online Mitgliederverzeichnis von SwissParks.ch.1 Der entwickelte und verwendete Online-Fragebogen besteht aus 20 Fragen und befin- det sich im Anhang dieser Diplomarbeit.2 Neben deskriptiven Fragen zum TGZ (Grösse, Ausrichtung und Inbetriebnahme etc.), umfasst der Fragebogen auch Fragen zu den ein- gemieteten Unternehmen (Anzahl Mitarbeiter, Branchen etc.). Zudem wurde nach einer 1 http://www.swissparks.ch, zuletzt besucht am 6. September 2008. 2 Vgl. dazu Anhang B. 51
  • 52. 5. Untersuchungsgegenstand eigenen Bewertung des TGZ auf einer Skala von 1 (sehr schlecht) bis 5 (sehr gut) sowie nach dem wichtigsten Erfolgsfaktor gefragt. Die SwissParks.ch Mitglieder wurden am 7. August 2008 per E-Mail eingeladen an der Umfrage teilzunehmen.3 Eine Erinnerungs-E-Mail wurde am 17. August 2008 an die Mitglieder gesendet, die bis dahin den Fragebogen noch nicht ausgefüllt hatten. Von den insgesamt 18 Mitgliedern erfüllten zwei die Anforderungen an ein TGZ gemäss der in Ab- schnitt 4.9.1 festgelegten Definition nicht. Dabei handelte es sich um das ITS Industrie- und Technozentrum Schaffhausen, das ein virtuelles TGZ ist und um den Berner Tech- nologiepark, der sich als reines Gewerbezentrum sieht. Diese beiden Adressaten wurden daher nicht weiter berücksichtigt. Von den restlichen 16 haben 10 den Fragebogen ausgefüllt. Dies entspricht einer Rück- laufquote von 62,5 Prozent. 3 Vgl. dazu Abschnitt A. 52
  • 53. Teil IV. Datenauswertung und Resultate 53
  • 54. 6. Beweggründe für die TGZ der Schweiz Mit dem Technopark R wurde 1993 auf dem brachliegenden Escher-Wyss-Areal in Zürich das erste TGZ der Schweiz eröffnet[19]. Thomas von Waldkirch war Initiant des Projektes seitens der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (ETHZ) und arbeitete von 1991 bis 2004 als Direktor der Stiftung Technopark R Zürich, dessen Präsidium er 2004 übernahm[27]. Der langjährige Leiter der Stabsstelle für Forschung und Wirtschaftskon- takte der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (ETHZ) ist die wohl prägendste Persönlichkeit der schweizerischen TGZ-Landschaft. In einer Web-Publikation der ETHZ beantwortete Von Waldkirch die Frage, weshalb die Schweiz TGZ als Schnittstellen zwi- schen Wirtschaft und Wissenschaft benötige, wie folgt[19]: „Ich denke an meine Zeit an der ETH Zürich zurück: Der Austausch zwischen Wissenschaft und Wirtschaft funktionierte miserabel. Gewisse Unterlassungs- sünden lassen einem die Haare zu Berge stehen. Das bekannteste Beispiel: 1955 wurde hier einer der weltweit ersten elektronischen Computer entwi- ckelt. Er stand acht Jahre lang als Rechenzentrum in Betrieb und wurde 1963 durch den ersten kommerziellen Rechner der US-Firma CDC abgelöst. IBM hat mir bestätigt, dass die ETHZ-Entwicklung technologisch mit ihren eigenen Produkten von damals hätte mithalten können.“ Von Waldkirch erachtet TGZ als eine grosse Hilfe bei der Zusammenführung von Wis- senschaft und Wirtschaft. Nur so könne die Schweiz als sehr kleines Land auf dem Welt- markt bestehen. Auch aus der Sicht der Start-ups gibt es Argumente, die die Legitimation von TGZ in der Schweiz rechtfertigen. Matthias H. Schabus führte im Rahmen seiner Dissertation an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (ETHZ) im Jahre 2004 eine Studie zur Problembewertung bei jungen Schweizer Hightech-Unternehmen durch[83]. Dabei ging es darum, die dominant wichtigen sowie die dominant schwierigen Probleme zu identifizieren. An der Umfrage nahmen 81 junge Hightech-Start-ups teil, die überwiegend aus Zürich (37 Prozent) und der Westschweiz (18,5 Prozent) stammen und im Bereich Software/Internet (30,9 Prozent) sowie Biotech/Biopharma (17,3 Prozent) tätig sind[83, S. 3 ff.]. Schabus (2004) fragte die Start-ups, welche Kompetenzen sie im Laufe ihrer Entwick- lung dringend vermisst haben.1 Dabei zeigte sich, dass es vielen Start-ups an Kompeten- 1 Dazu wurde die Zustimmung zur Behauptung „im Laufe der Entwicklung hat unsere Firma die folgen- den Kompetenzen dringend vermisst“ mittels einer 5–stufigen Skala von null (trifft nicht zu) bis fünf (trifft sehr zu) bewertet. 54
  • 55. 6. Beweggründe für die TGZ der Schweiz Abbildung 6.1: Die Anzahl TGZ von 1992 bis 2008 in der Schweiz (eigene Grafik) zen im Bereich Marketing und Verkauf sowie in der Unternehmensfinanzierung fehlt bzw. gefehlt hat[83, S. 12]. Auch die vorhandenen Kontakte und Verbindungen zu relevanten Netzwerken werden als verbesserungswürdig bewertet[83, S. 13]. Zusätzlich erachten es die Start-ups als schwierig, das Marktpotenzial für das neue Produkt frühzeitig abzuschätzen. Eine andere Herausforderung ist das Erreichen der Ge- winnschwelle. Dies gilt insbesondere dann, wenn nur moderat steigender Umsatzzuwachs erzielt wird. Die passenden Mitarbeiter zu finden, zu integrieren und zu motivieren ist ein weiteres wesentliches und schwieriges Problem. Diesbezüglich bewerten es die Jungun- ternehmer als wichtig, dass eine Umorientierung von der meist ursprünglichen Laborat- mosphäre zu einer professionellen und marktorientierten Organisation stattfindet. Diese Umorientierung muss zuerst beim Gründer selbst stattfinden. Die Finanzierung der Ak- tivitäten in der frühen Wachstumsphase mittels fremder Kapitalmittel stellt gemäss den Beurteilungen eine äusserst schwierige und wichtige Herausforderung dar[83, S. 28]. Vergleicht man diese Probleme mit dem Leistungskatalog eines TGZ2 ist offensichtlich, dass dieses eine Hilfestellung bieten kann. Mit einem professionellen Angebot im Bereich Coaching und Weiterbildung kann spezifisches und praxisorientiertes unternehmerisches Know-how im Bereich Marketing, Human Ressource Management und Marktanalyse ver- mittelt werden. Mit einem guten Netzwerk und Kontakten zu Spezialisten, Unternehmer und Investoren kann ein TGZ seinen Mietern als Türöffner behilflich sein. Auffällig ist, dass der Zugang zur Wissenschaft gemäss der Resultate aus der Studie von Schabus (2004) kein Problem darzustellen scheint. Vielmehr sind die überwiegenden Probleme unternehmerischer Art. Dies lässt den Schluss zu, dass die befragten Start-up-Gründer eher einen technischen Hintergrund haben und daher Defizite bei betriebswirtschaftlichen Kenntnissen bestehen. Die Herkunft der Start-up-Gründer bzw. die Verbindung dieser zu ihren technischen Mutter-Institutionen wurde jedoch nicht erfasst. 2 Vgl. dazu Abschnitt 4.9.4. 55
  • 56. 6. Beweggründe für die TGZ der Schweiz Abbildung 6.2: Übersicht der Mitglieder von SwissParks.ch auf der Karte der Schweiz[88] . In der Schweiz gibt es heute 16 TGZ, die SwissParks.ch, einem Club der Schweizer TGZ, angeschlossen sind (vgl. dazu Abbildung 6.1).3 Die Anlagen sind mit Standorten u.a. in Chur, Lugano, Lausanne und Schaffhausen über das ganze Land verteilt. Der überwie- gende Teil der Zentren sind kleine Anlagen, die sich auf ein Gebäude konzentrieren.4 Die Hauptaktivitäten der Zentren sind die Förderung von Start-ups und des Wissenstransfers zwischen umliegenden Forschungs- und Ausbildungsinstituten und der lokalen Wirtschaft ist.5 Nach den Tabellen im folgendem Kapitel 7, werden im übernächsten Kapitel die TGZ der Schweiz porträtiert. Die Angaben basieren – sofern nicht anders vermerkt – auf den Resultaten der Umfrage und Informationen, welche online via Websites der jeweili- gen Zentren verfügbar sind.6 Dabei gilt das Hauptaugenmerk quantitativen Werten. Der Technopark R Zürich wird aufgrund seiner Rolle als erstes TGZ der Schweiz detailliert beschrieben. 3 SwissParks.ch zählt total 18 Mitglieder, wobei davon ein TGZ ein virtuelles Zentrum und eines ein Gewerbezentrum ist. 4 Vgl. dazu Abschnitt 4.9.2. 5 Vgl. dazu Kapitel 7. 6 Vgl. dazu Abschnitt 5.2. 56
  • 57. 7. Übersichtstabellen 7.1. Abkürzungen Ein Häkchen in einer Zelle zeigt, dass das für die jeweilige Spalte gesetzte Kriterium erfüllt ist. Trifft ein Kriterium nur bedingt zu, ist dies entsprechend mit einem Buchstaben gekennzeichnet.1 Tritt ein Kriterium nicht zu, ist dies mit einem Bindestrich markiert. Ein hochgestelltes W neben einem Wert bedeutet, dass die Quelle der Information die offiziellen Websites des jeweiligen TGZ sind. Ein hochgestelltes U steht für Umfrage und bedeutet, dass der entsprechende Wert aus den Umfrageresultaten stammt. Die grau hinterlegten Zeilen kennzeichnen die TGZ, die nicht an der Umfrage teilgenommen haben. Die Abkürzung k.A. steht für keine Angabe. 7.2. Hinweis zur Lesbarkeit Kontakt zu Unternehmen und/oder Forschungs-/Ausbildungsstätten Dieses Kriterium ist erfüllt, wenn das TGZ in Kontakt zu Unternehmen und/oder Forschungs- /Ausbildungsstätten steht. Hat das TGZ nur zu Unternehmen Kontakt, ist dies mit einem u vermerkt. Pflegt es nur Kontakte zu Forschungs-/Ausbildungsstätten ist dies mit einem f vermerkt. Unterstützung des Parks von aussen Dieses Kriterium ist erfüllt, wenn das TGZ Kontakt mit mindestens einer Behörde hat. In gewissen Fällen ist die Behörde am TGZ selbst beteiligt. Angebot an Dienstleistungen Dieses Kriterium ist erfüllt, wenn das TGZ Empfangsservice und/oder Postservice und/oder Telefonservice bietet. Selektion Dieses Kriterium ist erfüllt, wenn das TGZ-Management für die Selektion eine Kommis- sion einsetzt und/oder die Prüfung des Businessplans vornimmt. Müssen die Bewerber in einer bestimmten Branche sein, ist dies mit einem b vermerkt. 1 Vgl. dazu Abschnitt 7.2. 57
  • 58. 7. Übersichtstabellen Coaching Bietet das TGZ seinen Mietern ein Coaching an, ist dieses Kriterium erfüllt. Dabei wird nicht unterschieden, ob das Coachingangebot von einer externen Stelle oder direkt vom TGZ-Management angeboten wird. Vermittlung Dieses Kriterium ist erfüllt, wenn das TGZ-Management sein Kontaktnetzwerk den Mie- tern zugänglich macht und sich als Vermittler betätigt. Eigenevaluation Der Wert der Eigenevaluation des TGZ liegt zwischen 1 (sehr schlecht) und 5 (sehr gut). Angemessenheit der Ziele Hier wurden die Ziele mit den Leistungen verglichen. Dabei gelten folgende Bedingungen: Ist das Ziel eines TGZ Unternehmensgründungen, bedingt dies ein Coaching-Angebot2 und die Vermittlung von Kontakten.3 Ist das Ziel Wissenstransfer, muss das TGZ Kon- takt zu Forschungs-/Ausbildungsinstitutionen haben. Ist das Ziel Arbeitsplätze schaffen gelten die gleichen Bedingungen wie bei Unternehmensgründungen. 2 Vgl. dazu den Hinweis zu Coaching. 3 Vgl. dazu den Hinweis zu Vermittlung. 58
  • 59. TGZNameStandortEröffnungKontaktzuUnternehmenund/oder Forschungs-/Ausbildungsstätten Unterstützung desParksvon aussen NetzwerkAngebotan Dienstleistungen SelektionCoachingVermittlungÖffentlicheGelderInfrastrukturAngemessenheitderZiele businessparcReinachundZwingen1999 W √ w √√√k.A.√√k.A.√√ W CentroPromozioneSTART-UPLugano2004 U √ U √√k.A.√ U √√—√(S)√ U E-TowerChur2002 U √ W √k.A.√k.A.√√—√(S)√ U FriUpFribourg2004 U √ U √√√√ U √√√√√ U GrowGründerorganisationWädenswil2001 U √ U √√k.A.k.A.√√—√(L)√ U innoBE(GründerZentrum)Bern1995 U √ U √√√√ U √√√√√ U NeodeNeuenburgundLa Chaux-de-Fonds 2005 W √ W √√√√ W √√k.A.√(L)√ W ParcScientifiquePSELausanne1994 W √ W √√√b W √√k.A.√(L)(S)√ W START!GründungszentrumFrauenfeld2003 U u U √√√k.A.√√—√√ U teboSt.Gallen1997 U √ W √√√k.A.√√√√(L)√ U Technopark®AargauWindisch2006 U √ W √√√√ W √√—√√ U Technopark®WinterthurWinterthur2002 W √ W √√√√ W √√k.A.√√ W Technopark®ZürichZürich1993 W √ W √√√√ W √√k.A.√√ W TheArkMonthey,Martinach, Sitten,Sider,Vispund Brig 2004 U √ W √√√b U √√√√√ U TZWTechnologieZentrumWitterswil2000 U √ U √√—b U √√—√(L)√ U Y-ParcYverdon1995 W √ W √√√b W √√k.A.√√ W Quelle:(hochgestelltesW:Quellesinddie Websites,hochgestelltesU:Quellesinddie Umfrage) WebsitesUmfrage,WebsitesWebsitesWebsitesWebsitesUmfrage,WebsitesWebsitesWebsitesUmfrageWebsitesUmfrage,Websites Zeichenerklärung:√:KontaktmitUnternehmenundForschungs- /Ausbildungsstätten √:Kontaktmit mindestenseiner Behörde √:Kontaktezu Gewerbevereinen und/oder Wirtschaftskammern und/oder Wirtschaftsverbänden und/oder Wirtschaftsorganisatio nen √:Administrative Dienstewie Empfangsservice und/oderTelefondienst und/oderPostdienstim Angebot √:Kommission und/oder Beurteilung Businessplan/Idee √:Coachingim Angebot √:Vermittlungvon Kontaktendes Netzwerks √:DasTGZempfängt oeffentlicheGelder √: Infrastrukturangebot wieSitzungszimmer und/oderKopierer und/oder Internetzugang und/oderCafeteria √:Unternehmensgründungen(Ziel) bedingtCoaching-Angebot/Netzwerk; Wissenstransfer(Ziel)bedingtKontakt zuForschungs-oderAusbildungsstätte; Arbeitsplaetzeschaffen(Ziel)bedingt Coaching-Angebot/Infrastruktur f:KontaktmitForschungs-/oder Ausbildungsstaetten —:sonst—:sonst—:sonstb:Branchen- Bedingungen —:sonst—:sonst—:sonstS:Mitbenützungder Infrastrukturder angegliederten Forschungs- /Ausbildungsstätten —:sonst u:KontaktmitUnternehmen—:sonstL:Labors —:sonst—:sonst Farbcode:7.3. Tabellen Tabelle 7.1: Darstellung der Umfrageresultate bei Schweizer TGZ, Blatt 1. GrauerHintergrund:TGZhatanderUmfrageteilgenommen 59
  • 60. TGZNameEigenevaluation 1–5 OrganisationsformNetto-Flächeinm 2 AnzahlMieterAnzahlMitarbeiterZieleBranchen,SektorenErfolgsfaktorenURL businessparck.A.NPO4000 W 45 W k.A.Unternehmensgründungen, Arbeitsplätzeschaffen W Medizin,Computer/IT/Web,Mech. Ingenieurwesen,Kommunikation, Dienstleistungen W k.A.http://www.businessparc.ch/ CentroPromozioneSTART-UP3NPOk.A.k.A.k.A.Unternehmensgründungen, Wissenstransfer U Medizin,Computer/IT/Web,Sicherheit U k.A.http://www.cpstartup.ch E-Tower3NPO500 U 11 U 15Unternehmensgründungen, Wissenstransfer Computer/IT/Web,Kommunikation U UnterstützungderÖffentlichkeit, AnzahlMieter http://www.htwchur.ch/index.php?id=276&L=0 FriUp4NPO500 U 15 U 20Unternehmensgründungen, Arbeitsplätzeschaffen U Computer/IT/Web,Transport, Kommunikation U Coaching,NähezuUniversitäten undFachhochschulen http://www.friup.ch GrowGründerorganisation4NPOk.A.8 U 12Unternehmensgründungen, Wissenstransfer U Computer/IT/Web,LifeSciences U AnzahlerfolgreicheUnternehmenhttp://www.grow-waedenswil.ch innoBE(GründerZentrum)3FPOk.A.22 U k.A.Unternehmensgründungen, Wissenstransfer U Computer/IT/Web,Dienstleistungen U k.A.http://www.grueze.ch Neodek.A.NPOk.A.21 W k.A.Unternehmensgründungen, Wissenstransfer W Mikrotechnologie,Nanotechnologie W k.A.http://www.neode.ch ParcScientifiquePSEk.A.NPO9500 W 85 W k.A.Unternehmensgründungen, Wissenstransfer W Computer/IT/Web,Nanotechnologie, Mikrotechnologie,Materialtechnologie, Biotechnologie,Medizin,Energie, mechanischesIngenieurwesen W k.A.http://www.parc-scientifique.ch START!Gründungszentrum4NPO1400 U 44 U 56Unternehmensgründungen, Arbeitsplätzeschaffen U Computer/IT/Web,Kommunikation, Dienstleistungen U StandortundAngebothttp://www.gruendungszentrum.ch tebo4NPO1750 U 22 U 60Unternehmensgründungen, Wissenstransfer U Chemie,Computer/IT/Web,Mech. Ingenieurwesen,Textil,Risk- Management U Infrastruktur-Angebothttp://www.tebo.ch Technopark®Aargau4NPO2500 U 20 U 40Unternehmensgründungen, Wissenstransfer U Computer/IT/Web,Mech. Ingenieurwesen,Kommunikation, Transport U Vernetzung,Dooropenerzu potenziellenKunden/Partnern http://www.technopark-aargau.ch Technopark®Winterthurk.A.NPO4000 W 21 W k.A.Unternehmensgründungen, Wissenstransfer W Computer/IT/Web,Mech. Ingenieurwesen,Kommunikation, Transport,Architektur,Sprache W k.A.http://www.tpw.ch Technopark®Zürichk.A.NPOk.A.ca.250 W k.A.Unternehmensgründungen, Wissenstransfer W Computer/IT/Web,Mech. Ingenieurwesen,Kommunikation W Selektion,Netzwerk,stimulierende Atmosphäre http://www.technopark.ch TheArk4NPO22000 U 53 U 490Unternehmensgründungen, Arbeitsplätzeschaffen U Computer/IT/Web,Kommunikation, Biotechnologie,Energie,Multimodale Interaktion U SynergienzwichenKMUs,Start-ups undFuE-Instituten http://www.theark.ch TZWTechnologieZentrum4FPO18000 U 20 U 250Unternehmensgründungen, Wissenstransfer U Medizin,Chemie,Agronomie,Life- Sciences U MixvonStart–upsundetablierten Unternehmungen http://www.tzw-witterswil.ch Y-Parck.A.NPOk.A.ca.110 W 1000Unternehmensgründungen, Wissenstransfer W Medizin,Chemie,Computer/IT/Web, Mech.Ingenieurwesen, Kommunikation,Transport, Dienstleistung W k.A.http://www.y-parc.ch Quelle:(hochgestelltesW:Quellesinddie Websites,hochgestelltesU:Quellesinddie Umfrage) UmfrageUmfrage,WebsitesUmfrage,WebsitesUmfrage,WebsitesUmfrageUmfrage,WebsitesUmfrage,WebsitesUmfrage Zeichenerklärung:Von1(sehrschlecht) bis5(sehrgut) NPO:Gemeinnützige Organisation(Non- Profit) TotalzurVerfügung stehende Räumlichkeiteninm 2 Ausgeschlossen sind:TGZ-bzw. TGZ-naheBetriebe (Bsp.Hausdienst- unternehmen) Ausgeschlossensind: AngestelltedesTGZ (Bsp.Reinigungs- personal) Auswahl(max.zwei): Unternehmensgründungen, Wissenstransfer,Umstrukturierung derlokalenIndustrie,Arbeitsplätze schaffen,andere Auswahl:Medizin,Chemie,Agronomie, Computer/IT/Web,Mech.Ingenieurwesen, Kommunikation,Transport,anderes ErfolgsfaktorNummereins —:sonstFPO:profitorientierte Organisation(For-Profit) —:sonst Farbcode: 60 Tabelle 7.2: Darstellung der Umfrageresultate bei Schweizer TGZ, Blatt 2. GrauerHintergrund:TGZhatanderUmfrageteilgenommen
  • 61. 8. Porträts 8.1. Der Technopark R Zürich als erfolgreicher Erstling Der Baubeginn des 43’000 Quadratmeter grossen und von der Privatwirtschaft finanzier- ten, Technoparks R in Zürich markierte den Beginn einer organisierten Innovationsför- derung in der Schweiz. Der Technopark R verfolgt gemäss Von Waldkirch (2003) drei Ziele: Das erste ist der Wissenstranfer von der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (ETHZ) und der Universität Zürich (UZH) zu privaten Industrieunternehmen. Das zweite Ziel ist die Förderung der Gründung und Entwicklung neuer technologieba- sierter Start-ups. Als drittes Ziel definiert Thomas von Waldkirch die Weiterbildung der im Park tätigen Personen mit einem Angebot an Kursen, Workshops etc.[91, S. 307]. Der Wissenstranfer als auch die Förderung und Entwicklung von Start-ups kämpften in den ersten Jahren mit rezessionsbedingten Anlaufschwierigkeiten. Dies änderte sich jedoch bald und zehn Jahre nach der Gründung zog Von Waldkirch in seinem Artikel «Ten Years of TECHNOPARK R Zurich: An Enjoyable Milestone!»[91] eine äusserst positive Bilanz. Für den Erfolg sind gemäss Von Waldkirch (2003) drei wesentliche Elemente verant- wortlich: Es gelang, ein Qualitätslabel „Made in TECHNOPARK R “[91, S. 306] zu schaf- fen, welches von den jungen Unternehmen, die im TGZ eingemietet sind, erfolgreich als Referenz eingesetzt wird. Die Kunden schätzen das Label als zuverlässigen Qualitätsin- dikator. Für Von Waldkirch (2003) steht das Label „Made in TECHNOPARK R “ für hohe Selektionshürden bei der Auswahl der Mieter, ein gutes Netzwerk zu potenziellen Kunden und Investoren und ein umfassendes Coaching[91, S. 306]. Die strenge Auswahl der Mieter erfolgt durch ein Advisory Board. Diesem gehören Experten aus den verschiedensten Branchen an. Das Netzwerk ist der zweite Erfolgsfaktor. Es bietet Zugang zu Entscheidungsträgern grosser Unternehmen, welche potenzielle Kunden der innovativen Kleinunternehmen sind. Für Thomas von Waldkirch (2003) sind diese Kunden für ein Start-up von existenzieller Bedeutung. Um dies zu veranschaulichen vergleicht er diese mit dem Motor eines Fahr- zeuges, an dessen Steuer das Management des Start-ups sitzt. Das Benzin ist das Venture Capital, welches folglich ohne Kunden von keinem Nutzen für das Start-up ist. Als dritten Erfolgsfaktor führt Von Waldkirch (2003) die im Technopark R stimulie- rende Atmosphäre auf. Personen mit komplementären Kompetenzen und Erfahrungen im Bereich Innovation und Unternehmensgründung treffen im Gebäude aufeinander. Die Attraktivität des TGZ sowie Open Door und Jubiläum-Events bringen zudem Leute von aussen in den Park. Das TGZ vernetzt gezielt Innovatoren und Zulieferer von Produkten und Dienstleistungen. Damit wird ein schneller transfer to the market erreicht[91, S. 307]. 61
  • 62. 8. Porträts Mit dieser dreispurigen Strategie gelang es dem Technopark R Zürich, einen Beitrag zur Überlebenschance der Start-ups zu leisten. Nur gerade zehn Prozent der insgesamt 250 Unternehmen, die im Technopark R gestartet sind, mussten Konkurs anmelden[61]. Heute bietet das zur Technopark R -Allianz gehörende TGZ über 250 Hightech- Unter- nehmen, Dienstleistern, Forschungsinstitutionen und Hochschulen Platz. Sowohl Jung- unternehmen als auch etablierte Firmen und Forschungsinstitutionen aus Produktion, Innovation und Transfer sind im Technopark R eingemietet. Dieser Branchen-Mix ist ein fester Bestandteil des Konzeptes. Insgesamt arbeiten 1’750 Mitarbeiterinnen und Mitar- beiter auf dem Gelände. Der Park bietet seinen Mietern Beratungs- und Coachingangebote, infrastrukturelle und Facility-Services sowie Gastronomiedienstleistungen an. Darüber hinaus verfügt die Anlage über individuell nutzbare Räume mit Kapazitäten von zehn bis 500 Personen, sowie eine 500 Quadratmeter grosse Ausstellungs- und Aktionsfläche. Ein Vorzeige-Spin-off des TGZ ist das Software-Unternehmen Autoform. Die Firma stellt Software her, die von den 20 grössten Autoherstellern eingesetzt wird. Autoform beschäftigt heute über 200 Mitarbeiter. 8.2. Technopark R Aargau, Windisch Das TGZ Aargau ist in Kooperation mit dem Kanton Aargau, der Fachhochschule Nord- westschweiz, dem Paul Scherrer Institut und der Aargauer Wirtschaft entstanden und befindet sich noch im Aufbau. Die Tore wurden am 19. Oktober 2006 geöffnet. Der Park gehört zur Technopark R -Allianz und ist auf dem Areal der Kunz Textilfabrik in Win- disch mitten im Wohn- und Industriequartier angesiedelt. Im TGZ sind 20 Unternehmen eingemietet. Diese bieten u.a. Sicherheitsberatung, Soft- ware, Marketing und Ingenieur-Technik an. Insgesamt arbeiten rund 40 Personen in den Unternehmen. Die Mieter dürfen maximal fünf Jahre im Technopark R eingemietet sein. Träger des TGZ ist seit Herbst 2006 die Förderstiftung Technopark R . Sie wurde von der Aargauischen Kantonalbank, ABB Schweiz AG, Alstom Schweiz AG, Axpo Holding sowie dem Kanton Aargau mit einem Donatationskapital von insgesamt CHF 10 Mio. ausgestattet. Das TGZ ist eine Non-Profit-Organisation. Das jährliche Budget beträgt CHF 600’000.-. Die Finanzierung wird mit Sponsoring sowie Eigenkapital sichergestellt. Im Stiftungsrat sind sowohl die Regierung als auch Personen aus der Privatwirtschaft vertreten. Der Technopark R Aargau sieht sich als Innovations- und Transferzentrum mit regio- naler Ausrichtung. Ziel ist es, durch den Know-how-Transfer von der Wissenschaft in die Wirtschaft neue und nachhaltige Arbeitsplätze zu schaffen. Der Hauptschwerpunkt liegt demnach in der Förderung und Unterstützung von Jungunternehmen und im Wissen- stransfer. Der Park zählt auf die Unterstützung der Fachhochschule Nordwest (FHNW), des Paul Scherrer Instituts (PSI), der Universitäten Zürich und Bern sowie der Eidge- nössischen Technischen Hochschule (ETH). Der Technopark R Aargau ist über zwei Stockwerke mit je rund 1200 Quadratmetern Fläche verteilt und bietet den Jungunternehmen diverse Räumlichkeiten. Im sogenannten 62
  • 63. 8. Porträts Bürohotel können sich Start-ups in der ersten Phase ihrer Existenz bereits ab CHF 300.- im Monat Geschäftsräume mieten. Die finanzielle Starthilfe für die von der Förderkom- mission ausgewählten Unternehmen beträgt im ersten Jahr CHF 20’000.-, im zweiten CHF 10’000.- und im dritten noch CHF 5’000.-. Gemäss Thomas Schmitt, Direktor des Technoparks R Aargau, gehört die Vernetzung sowie die Rolle des Türöffners zu potenziellen Kunden und Partnern zu den Erfolgsfak- toren. Mit der Tessaris AG und der merkbar.ch GmbH haben zwei Firmen den Technopark R Aargau erfolgreich verlassen. 8.3. E-Tower, Chur Der E-Tower in Chur wurde am 1. November 2002 auf Initiative der Hochschule für Wirtschaft und Technik (HTW), des Departments des Inneren und der Volkswirtschaft Graubünden eröffnet. Das Gebäude liegt am nördlichen Stadtrand von Chur, direkt neben der Autobahnausfahrt. Elf Unternehmen, die total 15 Personen beschäftigen, sind eingemietet. Diese sind in den Bereichen Computer, IT, Web und Kommunikation tätig. Im Jahresdurchschnitt beträgt die Auslastung der vermietbaren Räumlichkeiten rund 70 Prozent. Die durch- schnittliche Mietdauer beträgt drei Jahre. Die Trägerschaft bilden das Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO), der Kanton Graubünden, die Stadt Chur und die Graubündner Kantonalbank (GKB). Das Non- Profit-TGZ hat ein jährliches Budget von rund CHF 250’000.- und finanziert sich mit Mieteinnahmen und Gebühren. Der regional ausgerichtete E-Tower sieht sich als ein Innovationszentrum für Start-ups, die vorwiegend aus dem Hochschulbereich kommen. Auch will man Unternehmen anzie- hen, die Interesse an einer Zusammenarbeit mit anderen Unternehmen und Institutionen aus Graubünden haben. Wissensquellen sind die Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) in Chur und die Interstaatliche Hochschule für Technik Buchs (NTB Buchs). Wissenstransfer und Unternehmensgründungen sind demnach Ziele des TGZ. Neben der Starthilfe für Start-ups aller Branchen bietet der 500 Quadratmeter gros- se E-Tower Infrastrukturleistungen zum Selbstkostenpreis. Im Dienstleistungspaket sind u.a. ein möblierter Arbeitsplatz, Breitband-Internet und die Benutzung der Infrastruktur der HTW enthalten. Für Urs Kappeler, den Leiter des E-Towers, gehören die Unterstützung, die die Öffent- lichkeit dem TGZ entgegenbringt, sowie die Anzahl Mieter zu den Erfolgsfaktoren des E-Towers. Ein erfolgreicher ehemaliger Mieter ist die pluswert GmbH, die Beratung und Ausfüh- rung von Projekten aller Art im Lebensmittelbereich anbietet. 63
  • 64. 8. Porträts 8.4. grow Gründerorganisation, Wädenswil Grow steht für Gründer Organisation Wädenswil. Das TGZ wurde auf Initiative der Hochschule in Wädenswil (ZHAW), der Stadt Wädenswil, der Firma Tuwag Immobilien AG, des Industrie- und Arbeitgebervereins Wädenswil/Oberer Zürichsee, des örtlichen Handwerker- und Gewerbevereins und der regionalen Standortförderung gegründet. Das im Juni 2001 eröffnete TGZ liegt im Tuwag Areal am westlichen Rand von Wädenswil. Die Anlage mit Schwerpunkt Life-Science (Biotechnologie, Chemie, Lebensmitteltech- nologie, Pharma) und Informatik wurde im Juni 2002 eröffnet. Zur Zeit sind acht Start- ups im TGZ eingemietet. Diese sind in der Biotechnologie, Ernährungsberatung, neue Medien, Grafik und im Unternehmensmanagement tätig. Die Anzahl der Arbeitsplätze beläuft sich auf zwölf. Durchschnittlich bleiben die Mieter drei Jahre im TGZ. Der Stiftungsrat konstituiert sich aus mit der Region verbundenen Unternehmen, Or- ganisationen und Personen. Er unterstützt die Unternehmen im grow nebst Coaching mit Start- und/oder Überbrückungskapital. Das grow ist eine Non-Profit-Organisation und wird durch freiwillige und unentgeltliche Arbeit getragen. Dies spiegelt sich im Budget von lediglich CHF 10’000.- wider. Das regional ausgerichtete grow versteht sich als Förderer für Spin-offs aus Hochschule und Universität speziell im Bereich Life-Science und will den Wissenstransfer zwischen der Hochschule in Wädenswil (ZHAW) und den Unternehmen fördern. Es ist aber auch Domizil für Start-ups. Das Zentrum steht in Kontakt mit der ZHAW und der Forschungs- anstalt Agroscope aus Wädenswil. Das TGZ bietet seinen Mietern kostengünstige Räumlichkeiten mit einer ausgebauten Infrastruktur. Die Anlage ist mit Autobahnanschluss und Bahnhof verkehrsgünstig gele- gen. Start-ups profitieren von einem Coaching und Zugang zu den regionalen Netzwerken wie der Industrie- und Arbeitgebervereinigung Wädenswil (IAVW), dem Handwerker und Gewerbeverein Wädenswil (HGV) und der Standortförderung Zimmerberg-Sihltal. Für Mark Jaeggi, Leiter FuE Dep. Life-Sciences und Facility-Management an der Hoch- schule in Wädenswil (ZHAW), bildet die Anzahl der Unternehmen den Erfolgsfaktor. Ein erfolgreicher Abgänger ist die Firma Glycovaxin, die im Bereich der Biotechnologie tätig ist. 8.5. START! Gründungszentrum, Frauenfeld Das TGZ START! Gründungszentrum ist im Walzmühle-Areal in Frauenfeld angesiedelt. Die ca. CHF 10 Mio. teure Anlage wurde am 1. Januar 2003 eröffnet. Dem Zentrum gehören 44 Unternehmen an. Diese sind in den Bereichen Projektlei- tung, Consulting, Fashion, IT, Fahrzeugvermietung und Psychotherapie tätig. Insgesamt arbeiten 56 Personen im START! Die durchschnittliche Mietauslastung beträgt 88 Pro- zent und die durchschnittliche Mietdauer drei Jahre. Auch ausländische Start-ups werden im TGZ angesiedelt. Das TGZ wird von der 2002 gegründeten START! Stiftung geführt, welche von verschie- denen Unternehmen und Institutionen getragen wird. Dazu gehören u.a. die Thurgauer 64
  • 65. 8. Porträts Kantonalbank, die Zürich Versicherungen und die Stadt Frauenfeld. Das Budget beträgt CHF 500’000.-. Die Finanzierung wird mit Mieten und Eigenkapital sichergestellt. Das START! ist eine Non-Profit-Organisation. Das TGZ bietet eine innovative Atmosphäre, Gesprächspartner im Haus und Kontak- ten zu Führungskräften aus Wirtschaft und Verwaltung. Zudem profitieren die Mieter des regional ausgerichteten START! von einer Erstberatung und einer Prüfung von Ge- schäftsideen. Dieses Angebot ist jedoch auf im Kanton Thurgau wohnhafte Personen beschränkt. Monatlich werden zusammen mit dem Institut für Jungunternehmen Ven- ture Apéros organisiert. Zudem ist das START! an der Thurgauer Messe WEGA mit dem Jungunternehmerdorf vertreten. Die zum innovativsten Unternehmen gekürte Firma aus dem Thurgau bekommt den Standplatz kostenlos. Das START! bietet Räume zwischen 15 und 80 Quadratmetern Fläche inkl. Infrastruk- tur, Tagesbüros, Besprechungszimmern sowie einer Cafeteria an. Die Nettofläche beträgt 1400 Quadratmeter. Der Geschäftsführer Peter Britschgi führt als Erfolgsfaktoren den Standort und das Angebot auf. Erfolgreicher Abgänger ist die Firma Businessfactory, die betriebswirtschaftliche Dienst- leistungen anbietet. 8.6. tebo, St. Gallen Das tebo wurde am 20. August 1997 in St. Gallen eröffnet. Zehn Jahre später wurde die Anlage mit einem zweiten Standort unweit des ersten erweitert. 22 Unternehmen sind eingemietet und beschäftigen insgesamt 60 Mitarbeiter. Die durchschnittliche jährliche Auslastung beträgt 80 Prozent. Die Unternehmen sind in den Bereichen Chemie, Computer, IT, Web, Mechanisches Ingenieurwesen, Textil und Risk-Management tätig. Die durchschnittliche Mietdauer beträgt vier Jahre. Das tebo ist eine Non-Profit-Organisation NPO und wird vom gleichnamigen Verein getragen. Diesem gehören Firmen, Schulen, Behörden und Einzelpersonen aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik an. Die Finanzierung des TGZ wird mit Beiträgen von der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt EMPA, der Standortgemeinde, verschiedenen Ostschweizer Kantonen, dem Bund sowie Industrie und Einzelpersonen sichergestellt. Das Budget beträgt CHF 300’000.-. Das regional ausgerichtete tebo unterstützt technologie-orientierte Unternehmen in ihrer Startphase und fördert den Wissenstransfer. Es initialisiert technologieorientierte Projekte in Zusammenarbeit mit der Ostschweizer Industrie, der EMPA und anderen Partnern aus Bildung und Forschung. Auf die Zusammenarbeit mit kompetenten externen Partnern wird gemäss eigenen Angaben viel Wert gelegt. Zu diesen gehören im Speziellen die Materialprüfungs- und Forschungsanstalt EMPA, die FHS Hochschule für Technik Wirtschaft und Soziale Arbeit St. Gallen, die Interstaatliche Hochschule für Technik Buchs (NTB) sowie das Institut für Jungunternehmerförderung (IFJ) St. Gallen. Zudem pflegt das tebo Beziehungen mit anderen TGZ der Schweiz sowie zu Universitäten, Hoch- und Fachhochschulen und der Euregio Bodensee. 65
  • 66. 8. Porträts Das TGZ bietet Coaching, fachspezifische Beratung und administrative Dienstleistun- gen an. Den Unternehmen wird eine kostenlose Erstberatung in Fragen des Geistigen Eigentums angeboten. Ebenfalls kostenlos ist ein Unternehmertyp-Test mit anschliessen- dem Auswertungsgespräch. Gemäss eigenen Angaben zeigt dieser Test, ob eine Person die nötige Voraussetzung für einen Unternehmer hat. Partner, die über Untersuchungs- und Analysengeräte verfügen, sind im sogenannten Apparatepool zusammengeschlossen. Via Websites können KMU nach den Geräten suchen und diese gemäss der Nutzungsbe- dingungen einsetzen. Das tebo verleiht jährlich einen Umsetzungs- sowie einen Innovationspreis. Das Mietangebot umfasst Räume zwischen 24 und 180 Quadratmeter für Büro, Labor und Produktion sowie gemeinsame Sitzungszimmer. Das tebo hat zudem eine Cafeteria und eine Fachbibliothek. Die Gesamtfläche beträgt 1750 Quadratmeter. Erfolgsfaktor Nummer eins ist für Peter Frischknecht, Geschäftsführer des tebo, das Infrastrukturangebot. Die Verbindung zur Eidgenössischen Materialprüfungs- und For- schungsanstalt EMPA macht das TGZ einzigartig. Erfolgreicher Abgänger ist die Firma Intellion, die sich auf die Auslegung und Op- timierung von Geschäftsprozessen an der Schnittstelle zwischen informatorischer und physischer Welt spezialisiert hat. Ein weiteres erfolgreiches Unternehmen ist Echolo, das in den Bereichen der Kundenwahrnehmung, Marktanalysen und Strategieevaluationen tätig ist. 8.7. FriUp, Fribourg Das FriUp wurde im November 2004 im südlichen Stadtteil von Fribourg auf Initiative von zwei Grossräten eröffnet. Seit Dezember 2006 vereint es die Non-Profit-Organisation NPO Genilem, deren Aufgabe darin besteht, die Erfolgschancen von neu gegründeten Unternehmen zu erhöhen und den Réseau CCSO, einem Verbund der Kantone Fribourg, Genf, Jura, Neuenburg, Waadt und Wallis. Das TGZ beherbergt 15 Mieter, die in unterschiedlichen Branchen tätig sind. Insgesamt arbeiten 20 Personen im TGZ. Die Mietdauer beträgt drei Jahre. Das FriUp ist als Verein organisiert und hat ein jährliches Budget von rund CHF 750’000.-. Die Mitglieder sind Privatunternehmen, Ausbildungsinstitutionen sowie Re- gierungsstellen. Der Kanton Fribourg steuert den wesentlichen Teil der finanziellen Un- terstützung bei. Die Sponsoren aus der Privatwirtschaft unterstützen das FriUp v.a. mit Dienstleistungen. Zehn Prozent des Budgets werden mit Sponsoring gedeckt. Bis Ende 2007 wurde das FriUp paritätisch vom Kanton Fribourg und dem Bund () finanziert. Der Vorstand setzt sich aus sieben Vertretern aus Wirtschaft, Bildung und Regierung zusammen. Die Kerntätigkeit des regional ausgerichteten FriUp besteht darin, einen One-Stop- Schalter für die Unterstützung von Unternehmen anzubieten. Dabei sollen Synergien zwischen der Wirtschaft, den Schulen und dem Staat im Kanton und über die Kantons- grenzen hinaus entwickelt werden. Der Kanton Fribourg soll so seine Wettbewerbsfä- 66
  • 67. 8. Porträts higkeit verbessern können. Auch sollen Arbeitsplätze mit hohem Mehrwehrt geschaffen werden. Die Mieten betragen im ersten Jahr CHF 50.- pro Quadratmeter. Insgesamt stehen 500 Quadratmeter zur Verfügung. Das FriUp bietet sowohl Leistungen für Start-ups als auch für Kleine und Mittlere Unternehmen (KMU). Den eingemieteten Start-ups bietet das FriUp monatliche Besuche, Messen des Fortschritts anhand kaufmännischer Indikatoren und Finanzmittel, Weitergabe von Management-Instrumenten, eine neutrale Beurteilung von einem Aussenstehenden sowie Unterstützung durch ein aktives Beziehungsnetz. Ei- ne Begleitung auf nationaler Ebene wird vom Genilem angeboten. Im sogenannten Ge- wächshaus profitieren die Start-ups von einem ausgerüsteten Arbeitsplatz, kostenlosen Telefongesprächen (in der Schweiz), Internetanschluss, mehrsprachigem Empfangsdienst, Sitzungszimmern und einer Cafeteria. Die Leistungen für die Mieter im Gewächshaus um- fassen mehrsprachigen Empfang, Informatik- und Telefoninfrastruktur, Sitzungszimmer und Cafeteria. Die Kleinen und Mittleren Unternehmen (KMU) werden in den Bereichen Innovation, Zusammenarbeit und Optimierung unterstützt. Diese Leistungen werden von der Réseau CCSO angeboten. Zu den Erfolgsfaktoren zählen die Nähe zu Forschungs- und Ausbildungsstätte sowie die Qualität des Coachings. Erfolgreicher Abgänger ist die Firma MIG Technology. 8.8. The Ark, Monthey, Martinach, Sitten, Sider, Visp und Brig 2004 wurde die Stiftung The Ark gegründet mit dem Ziel, den Kanton Wallis als Tech- nologiestandort zu fördern. In sechs Städten des Kantons Wallis (Monthey, Martinach, Sitten, Sider, Visp und Brig) wurden Technologiestandorte aufgebaut. Die Schwerpunkte setzt The Ark in Computer/IT/Web, Kommunikation, Biotech, Energie und Mulimodale Interaktion. Die 53 Unternehmen und sieben Institute, die im The Ark eingemietet sind, beschäftigen über 480 Mitarbeiter. Die durchschnittliche Mietdauer beträgt fünf Jahre oder länger. Die Mietauslastung liegt im Jahresdurchschnitt bei 80 Prozent. The Ark ist eine Non-Profit-Organisation (NPO) und wird mit öffentlichen Geldern und Mieteinnahmen finanziert. Das Ziel des national ausgerichteten The Ark ist, die Wettbewerbsfähigkeit der Un- ternehmen zu verstärken und eine grössere Vielfalt der lokalen Wirtschaft zu fördern. Das TGZ definiert sich als Plattform der verschiedenen Walliser Kompetenznetzwerke und verschiedenen renommierten Walliser Unternehmen. So arbeitet The Ark u.a. mit der Fachhochschule Westschweiz (HES-SO), dem Idiap Forschungsinstitut sowie dem Institut für Ressourcen und Umwelt (ICARE) zusammen. Die zu Verfügung stehende Netto-Fläche beträgt 22’000 Quadratmeter. Die Start-ups erhalten bei der Unternehmensgründung konkrete Unterstützung in Form von professioneller Betreuung und geeigneten Infrastrukturen. Zudem bietet The Ark Hilfestellung bei der Identifizierung von Geschäftsmöglichkeiten, der Durchführung inno- vativer Projekte sowie der Vernetzung verschiedener Partner. 67
  • 68. 8. Porträts Für Sébastien Mabillard, Incubator am The Ark, ist der Erfolgsfaktor Synergien zwi- schen Kleinen und Mittleren Unternehmen (KMU), Start-ups und FuE-Instituten zu schaffen. Erfolgreicher Abgänger ist die Firma Mimotec. Das Unternehmen ist seit sei- ner Gründung sowohl in der Schweiz als auch im Ausland als Leader in den Bereichen Mikrotechnik und Mikromechanik bekannt. 8.9. Technopark R Winterthur Der Technopark R Winterthur wurde am 2. November 2000 formell gegründet. Am 24. Mai 2002 konnte der Park offiziell eröffnet werden. Er gehört ebenfalls der Technopark R - Allianz an. Die Anlage liegt im Sulzer-Areal im Stadtzentrum von Winterthur. Im Park sind 21 Unternehmen eingemietet. Diese sind in den Bereichen Innovation, Transfer-Dienstleistungen und Produktion tätig. Im Unterschied zum Technopark@ in Zürich sind in Winterthur nicht nur technologieorientierte Unternehmen eingemietet, sondern auch solche aus den Bereichen Sprache, Architektur und Wirtschaft. Das Aktienkapital zur Gründung der AG in Höhe von CHF 5,5 Mio wurde von In- vestoren aus der Privatwirtschaft und der Stadt Winterthur aufgebracht. Der Kanton Zürich übernahm von der Stadt Winterthur Aktien im Wert von CHF 500’000.-. Für die Realisierung eines Erweiterungsbaus mit einem Investitionsvolumen von rund CHF 20 Mio. wurde das Aktienkapital Anfang Mai 2008 auf CHF 11,7 Mio. erhöht. Die Stadt Winterthur hat ihre Einlage um CHF 2,5 Mio. erhöht. Weiteres Kapital stammt von bisherigen und neuen Aktionären. So beteiligt sich die Zürcher Kantonalbank zusam- men mit verschiedenen Winterthurer Unternehmungen mit CHF 1 Mio. am Park. Der Technopark R Winterthur wird von der Standortförderung Region Winterthur begleitet, die Firmen bei der Ansiedlung in Winterthur berät und unterstützt. Der Technopark R Winterthur setzt auf ein internationales Netzwerk und versucht den Know-how-Transfer von der Wissenschaft in die Wirtschaft zu fördern. Dies geschieht mit zwei Strategien: einerseits durch Forschungs- und Entwicklungsprojekte der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften ZHAW und der Privatwirtschaft und ande- rerseits durch die Ansiedlung und Förderung von Start-ups. Die Hochschule ist im Park selbst mit drei Instituten und einem Kompetenzzentrum für Sicherheit und Risikoprä- vention präsent und belegt einen Viertel der Fläche. Wie auch der Technopark R Zürich ist der Park in Winterthur, bemüht aus seinem Namen einen Qualitätsbegriff zu machen. Der Technopark R Winterthur bietet seinen Mietern insgesammt 4000 Quadratme- ter. Mit der Eröffnung des Erweiterungsbaus 2010 können zusätzlich 6000 Quadratmeter angeboten werden. Die Anlage verfügt über eine Kommunikationsinfrastruktur, eine Ca- feteria, Sitzungszimmer, Kopiergeräte, Projektoren etc. Neuunternehmen profitieren von einer kostenlosen Erstberatung in unternehmerischen Fragen. 68
  • 69. 8. Porträts 8.10. businessparc, Reinach und Zwingen Der businessparc wurde 1999 in Reinach eröffnet. Sieben Jahre später wurde in der alten Laufener Papierfabrik der zweite Standort eingeweiht. In Reinach sind 38 Start-ups, in Zwingen sieben eingemietet. Sie sind in unterschiedlichen Branchen tätig. Das TGZ wird von den zwei Stiftungen Regionales Gründerzentrum Reinach (1999) und business parc Laufental getragen. Diese werden von der Wirtschaftsförderung der Kantone Basel-Landschaft, Basel-Stadt und Solothurn unterstützt. Weitere Beiträge kom- men von privaten Sponsoren und der Wirtschaft. Für grössere Investitionen sowie für die Unterstützung von konkreten Aktivitäten zur Förderung und Bekanntmachung der Jungunternehmen besteht eine Partnerschaft mit dem Club Etoile. Diesem gehören Un- ternehmen wie die Basellandschaftliche Kantonalbank, die Crédit Suisse, Ricola, Price- WaterhouseCoopers AG u.a. an. Der businessparc sieht seine Hauptaufgabe in der Förderung von Start-ups und in der Schaffung von Arbeitsplätzen. Auf 4’000 Quadratmetern bieten die beiden TGZ ihren Mietern Coaching, Räumlich- keiten, Infrastruktur und Services an. Cafeteria, Sitzungszimmer und Arbeitsraum stehen allen Mietern zur Verfügung. 8.11. Centro Promozione START-UP, Lugano Das Centro Promozione wurde 2004 auf dem Gelände der Università della Svizzera Ita- liana (USI) in Lugano eröffnet. Fünf Start-ups sind im Gründerzentrum eingemietet. Zusätzliche drei Firmen sind im sogenannten virtuellen Incubator. Die Unternehmen sind in den Bereichen Software, Pharmazeutika, Medizin und Sicherheit tätig. Das Centro Promozione START-UP wird von der Stiftung Università della Svizzera Italiana (USI) getragen. Die Università della Svizzera Italiana (USI) und die Scuola Universitaria Professionale della Svizzera Italiana (SUPSI) bieten dem Centro Services und können bei Beschlüssen der Stiftung mitentscheiden. Zwischen dem Centro und der Stiftung ist das sogannte Start-up Experten-Board. Das regional ausgerichtete TGZ unterstützt innovative Personen, die ihre Idee auf den Markt bringen wollen. Zudem vermietet es Räumlichkeiten mit Infrastruktur. Die Service-Leistungen sind je nach Entwicklung des Start-ups in 5 Phasen eingeteilt. In Phase 1 bietet das TGZ Unterstützung bei der Konzeption, in Phase zwei beim Erstellen eines Businessplans, in Phase drei bei der Finanzierung, in Phase vier bietet das Centro Unterstützung in administrativen Bereichen, bei der Standortsuche u.ä. und in Phase fünf sucht das TGZ nach einem passenden Coach, der das Start-up für zwei bis drei Jahren begleitet. Von diesem Angebot profitieren können Schweizer und ausländische Studenten mit Master, Bachelor oder PhD Abschluss der USI oder SUPSI. Absolventen, die eine Firma im Tessin gründen wollen und einen Abschluss einer anderer Universität oder Fachhochschule der Schweiz haben, können ebenfalls von den Service-Leistungen profitieren. Zudem steht das Centro den Studienabgängern aus der italienischsprachigen 69
  • 70. 8. Porträts Schweiz, die ihren Abschluss an einer Universität im Ausland gemacht haben und eine Firma im Kanton Tessin gründen möchten, offen. Ein erfolgreicher Abgänger ist Tribook. Das Unternehmen unterhält eine Website für Vermietungen. 8.12. TZW TechnologieZentrum, Witterswil Das TechnologieZentrum Witterswil wurde am 1. Januar 2000 auf dem ehemaligen Ge- lände einer agrobiologischen Versuchsstation der Sandoz (später Novartis) eröffnet. Im Jahre 2002 stiess die Elektra Birseck (EBM) als Contraction Partner und Investor dazu. Das Zentrum liegt neun Kilometer südwestlich von der Stadt Basel im sogannten Bio- valley. Diese Region hat eine der höchsten Start-up- und Spin-off-Dichten Europas. 20 Unternehmen sind im TZW eingemietet. Dabei handelt es sich um etablierte Un- ternehmen und Start-ups, die überwiegend im Life-Science-Bereich tätig sind. Weitere Bereiche sind Hightech und Dienstleistungen. Im Jahre 2007 waren über 200 Personen im Zentrum beschäftigt. Die Mieter bleiben fünf Jahre oder länger im Zentrum. Das TZW ist eine zu 100 Prozent privat finanzierte Institution und wird von der Familie Nussbaumer, die das Ganze initiiert hat, betrieben. Partner ist das finanzstarke lokale Unternehmen Elektra Birseck (EBM). Das TZW-Management pflegt einen sehr engen Kontakt mit der Gemeinde Witterswil, der Wirtschaftsförderung des Kantons Solothurns sowie weiteren staatlichen Behörden. Das regional ausgerichtete TechnologieZentrum Witterswil sieht sich in erster Linie als Anlaufstelle für Start-ups und Spin-offs im Life-Sciences-Bereich. Als Standort von Spin-offs der Universität Basel (UNIBAS) ist das TZW indirekt und mit informellen Kontakten mit der Hochschule eng verbunden. Das TZW hat eine Arealgrösse von 67’000 Quadratmetern und umfasst Laborgebäude, Gewächshäuser und ein Eingangshaus mit zwei Wohnungen sowie Lagerhallen und di- versen Nebengebäuden. Im Herbst 2003 wurden drei Pavillons mit je 423 Quadratmeter Nutzfläche errichtet und im Dezember 2004 wurde zusätzlich ein dreistöckige Neubau mit 5’000 Quadratmetern Nutzfläche fertiggestellt. Ein weiteres Hightech-Labor- und Bürohaus in der Grösse von 4’000–5’000 Quadratmetern Mietfläche auf drei Stockwerken wird in Kürze fertiggestellt. Um sich im Bedarfsfall schnell den Ansprüchen der Mieter anpassen zu können, werden nicht alle Räumlichkeiten und Labors vermietet. Da die im TZW eingemieteten Unternehmen sehr forschungsintensiv und damit kos- tenintensiv sind, verfügen die meisten bereits über gewisse finanzielle Ressourcen und Management-Fähigkeiten. Die Anforderungen der Start-ups im TZW sind daher nicht zu vergleichen mit solchen aus der Software-Branche. Deshalb fokussiert das Zentrum darauf, seinen Mietern exakt auf die individuellen Bedürfnisse zugeschnittene Räumlich- keiten mit Infrastruktur zu sehr günstigen Konditionen zu bieten. Das Bedürfnis nach klassischen Dienstleistungen besteht gemäss einer internen Umfrage nicht[97, S. 5 ff.]. Coaching und Unternehmensberatung werden von der TZW Consulting GmbH angebo- ten. Zudem unterstützt das Zentrum seine Mieter bei der Suche nach Kapital, bietet 70
  • 71. 8. Porträts Werbe- und Marketingberatung sowie Zugang zu einem Kompetenz-Netzwerk und einen offenen Know-how-Transfer. Zu den Erfolgsfaktoren zählen gemäss Ueli Nussbaumer, Initiant und Betreiber des TZW, der Mix von Start-ups und etablierten Unternehmungen. 8.13. Parc Scientifique PSE, Lausanne Der Parc Scientifique PSE in Lausanne ist das TGZ der Eidgenössischen Technischen Hochschule Lausanne EPFL und der Universität Lausanne (UNIL) und befindet sich auf dem Gelände der EPFL. Die Anlage wurde im Jahre 1994 eröffnet. Seit acht Jahren hat der Parc Scientifique einen Gebäudeteil mit dem Namen Incubator, der für technologie- basierte Start-ups ausgelegt ist. Das PSE zählte am 31. Dezember 2006 91 Mieter. Davon waren 64 Start-ups, sechs Institute und zwölf Dienstleistungsbetriebe. Aktuell sind auf der Mieterliste 85 Mieter eingetragen. Die eigemieteten Unternehmen sind in den Bereichen IT, Nanotech, Mikro- technologie, Materialtechnologie, Biotechnologie, Medizin, Energie, mechanisches Inge- nieurwesen u.a. tätig. Der Bereich IT macht mit 30 Prozent den grössten Anteil aus. Die maximale Mietdauer im Incubator beträgt sechs Monate. Unternehmen mit einem Projekt im Hightech-Bereich und möglichen Synergien zur EPFL können sich für ein Jahr einmieten. Träger des TGZ ist die Fondation Parc Scientifique PSE, die im Frühjahr 1991 ge- gründet wurde. Das Non-Profit-Zentrum wird von staatlichen, kommunalen und lokalen Stellen partnerschaftlich unterstützt. Die Finanzierung wird mit öffentlichen Mitteln, Stiftungsgeldern, Sponsoren, Mieten und Eigenkapital sichergestellt. Der PSE verfolgt zwei Ziele: die Förderung von technologiebasierten Start-ups und die Ansiedlung etablierter Unternehmen auf dem Campusgelände der Eidgenössischen Technischen Hochschule Lausanne EPFL und der Universität Lausanne (UNIL). Neben diesen beiden Institutionen pflegt der PSE Kontakte zu weiteren Fachhochschulen und Universitäten der Schweiz. Das Zentrum ist national ausgerichtet. Der PSE umfasst drei Gebäude auf dem Gelände der EPFL. Die Gesamtfläche beträgt 9’500 Quadratmeter. 62 Prozent der Fläche werden von den Start-ups beansprucht. Im Incubator bezahlt ein Mieter CHF 400.- Miete pro Monat für einen komplett ausgerüs- teten Arbeitsplatz. Der Incubator bietet den eingemieteten Start-ups eine Reihe von Dienstleistungen wie Coaching, Businessplan-und Markteintrittsberatung, Unterstützung bei der Kapitalsu- che sowie Zugang zu öffentlichen und privaten Geldern. 2006 wurden insgesamt CHF 434’000.- in das Coaching investiert. An der Finanzierung beteiligten sich das KTI Start- up, das Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO), die Wirtschaftsförderung des Kantons Waadt, die Stiftung für technologische Innovationen FIT, die Stiftung Dr. Liechtig, die Eidgenössische Technische Hochschule Lausanne EPFL sowie die Gemeinde Ecublens. Das qualifizierte Coachingteam setzt sich aus drei Personen zusammen und kann dank einem Netzwerk zu Hoch- und Fachhochschulen sowie zu Unternehmen auf spezifisches 71
  • 72. 8. Porträts Fachwissen zurückgreifen. Die Start-up-Leistungen können maximal sechs Monate in An- spruch genommen werden. Das TGZ bietet Empfangsdienste, einen Arbeitsplatz für sechs Monate, administrative Dienste, Internet sowie Zugang zu Labors und Anlagen der EPFL. Über das Jahr verteilt findet eine Reihe an Vorträgen und Tagungen statt. Erfolgreiche Abgänger sind u.a. Silentsoft, Xitact, Bluebotics, HTCeramix und Ayanda Biosystems. 8.14. Neode, Neuenburg und La Chaux-de-Fonds Das TGZ ist seit 2005 in Betrieb. Das Unternehmen Neode wurde bereits zwei Jahre vorher gegründet. Die Fördertätigkeit geht auf das Jahr 2004 zurück. Das Neode ist mit je einem Standort in Neuenburg und La Chaux-de-Fonds präsent. In Neuenburg ist die Anlage inmitten von Unternehmen, deren Betätigungsfeld im Bereich der Mikrotech- nologie liegt. In der Nähe sind zudem das Schweizerische Zentrum für Elektronik und Mikrotechnik (CSEM) und das Institut für Mikrotechnik (IMT). In La Chaux-de-Fonds ist das Neode mit der Ingenieurschule von Arc Jurassien (EI ARC) verbunden. Die Mieter des Neode sind primär Forschungs- und Entwicklungsteams, die mit Schulen und Partnerinstituten zusammenarbeiten, oder gemischte Teams. 21 Unternehmen sind in diesen beiden Standorten eingemietet. Drei davon sind etablierte Unternehmen. In La Chaux-de-Fonds ist die Ingenieurschule von Arc Jurassien (EI ARC) mit einem Institut im Zentrum präsent. Das Neode ist für existierende und neugegründete Unternehmen offen, die Projekte aus den Bereichen Mikrotechnologie und Nanotechnologie verfolgen. Eine Firma, die nicht mehr in der Förderungsphase ist, hat die Möglichkeit im TGZ zu bleiben. Das Neode ist eine Aktiengesellschaft. Aktionäre sind der Kanton Neuenburg, die Städte Neuenburg, Le Locle und La Chaux-de-Fonds, die Universität von Neuenburg (UNINE), das Schweizerische Zentrum für Elektronik und Mikrotechnik (CSEM), die Industrie- und Handelskammer von Neuenburg (CNCI), der Industrie- und Arbeitgeber- verband (AIP), die Kantonsbank von Neuenburg (BCN) sowie die Hochschule Arc (HE Arc). Der Verwaltungsrat setzt sich aus drei Personen zusammen. Das Neode führt drei Hauptfunktionen aus: Es ist Zentrum für Forschung und Entwick- lung, Startpunkt und Förderstätte für Unternehmen sowie ein Hightech-Industriepark. Zudem fördert es den Wissenstranfer zwischen den Forschungs- und Ausbildungsstät- ten von Neuenburg sowie anderen schweizerischen Hochschulen und der in der Region angesiedelten Wirtschaft. Das Ziel ist, den Übergang von der Forschung zur industriellen Nutzung zu begüns- tigen, neue Arbeitsplätze zu schaffen und das wirtschaftliche Netz zu erneuern und zu diversifizieren. Letzteres wird mit der Ansiedlung neuer Unternehmen mit einem beson- ders hohen Mehrwert versucht zu erreichen. Das TGZ hat eine regionale Ausrichtung und steht in engem Kontakt mit Forschungs- und Ausbildungsstätten wie der Universi- tät Neuenburg, dem Observatorium, dem Schweizerischen Zentrum für Elektronik und Mikrotechnik (CSEM) u.a. 72
  • 73. 8. Porträts Das Neode unterscheidet zwischen Förderungs- und Firmenangeboten. Beide Angebo- te enthalten Büro, Computer-Arbeitsplätze, Drucker, Laboratorien, verschiedene Dienst- leistungen wie Empfang, Rezeption, Buchhaltung etc., Startkapital, Zugang zum Kom- petenznetzwerk, Industrialisierung sowie Pauschalpreise auf stark reduziertem Niveau. Das Förderangebot bietet zusätzlich ein Manager-Coaching. 8.15. Y-Parc, Yverdon Der Y-Parc in Yverdon ist das grösste TGZ der Schweiz und wurde 1995 im südlichen Teil von Yverdon-les-Bain eröffnet. An die 110 Firmen, die alle im Hightech-Bereich tätig sind, haben sich im Y-Parc an- gesiedelt. Darunter sind etablierte Unternehmen wie ABB und Sunrise (TDC Suisse SA). Über 1’000 Personen sind im TGZ beschäftigt. Der international ausgerichtete Y-Parc wird von der gleichnamigen Aktiengesellschaft geführt. Das Zentrum steht im Kontakt mit der Eidgenössischen Technischen Hochschule Lausanne (EPFL), der Ingenieurschule des Kantons Waadt (HEIG-VD) und dem Zentrum für Studien und Technologietransfer der Haute Ecole Vaudoise (CETT). Mit der Akkumulation von Hightech-Wissen soll den angesiedelten Firmen die Nutzung von Synergien ermöglicht werden. Dabei können sie sich am Wissensnetzwerk beteiligen. Das ganze Areal umfasst 50 Hektar, wobei einige Flächen zum Verkauf stehendes Bau- land sind. Die Anlage selbst ist in die sieben Gebäudekomplexe CEI, HiTech Drive, ID, H-Tech, Mima Vision, E-space und Galilée2 aufgeteilt. Diese werden von unterschiedli- chen Unternehmen vermietet. Das CEI ist der speziell für Jungunternehmen. Einmieten können sich sowohl junge Start-ups, Forschergruppen, Forschungs- und Entwicklungsab- teilungen von bereits bestehenden Firmen als auch Institute oder Spezialschulen. Der Y-Parc vermietet Gebäude und Räumlichkeiten und verkauft bebaubaren Boden. Dies geschieht teils via Drittanbieter. Allen Mieter stehen ein gemeinsamer Empfangsbereich, Bereitschaftsdienst und personalisierter Telefonservice, Fax- und Kurierdienst, Bürobe- reich mit Kopierer und Drucker, sieben vollständig ausgestattete Konferenzräume sowie ein Computerraum mit zwölf PCs zur Verfügung. Zudem bietet der Y-Parc ein Netz von engagierten Fachleuten, die Unternehmern bei allen Fragen der Unternehmensgründung und -entwicklung sowie der Planung und Ge- staltung von Projekten zur Seite stehen. Dies umfasst u.a. Anträge auf Finanzierung und Steuerbefreiung, Kontakte zu Hochschulen, Wirtschaftsförderungsorganisationen, Inves- toren und spezialisierten Marketing- und Technologiepartnern, Öffentlichkeitsarbeit sowie Hilfestellung bei der Niederlassung ausländischer Mitarbeiter. 8.16. innoBE (GründerZentrum), Bern Die innoBE betätigt sich in den drei Geschäftsfeldern GründerZentrum (start), Innovati- onsberatung (innovate) und Cluster-Management (cluster). Das GründerZentrum wurde im Frühjahr 1995 eröffnet und im Jahre 2006 in die innoBE integriert. Das Gebäude befindet sich ca. vier Kilometer nördlich vom Stadtzentrum entfernt. 73
  • 74. 8. Porträts Die 20 eingemieteten Unternehmen sind im Bereich Computer/IT/Web, Kommunika- tion und sonstige Dienstleistungen tätig und beschäftigen 40 Mitarbeiter. Im Zentrum ist ein Institut eingemietet. Die durchschnittliche Mietdauer beträgt drei Jahre. Die innoBE AG ist eine Aktiengesellschaft in Besitz der Universität Bern, der Berner Fachhochschule und lokaler Unternehmen. Das jährliche Budget beträgt CHF 0,5–1 Mio. Die Finanzierung erfolgt mit öffentlichen Geldern, Sponsoring (Unternehmen, Private), Mieten und Dienstleistungen. Das regional ausgerichtete GründerZentrum ist eine For-Profit-Organisation FPO und begleitet die Start-ups von der Idee und Vision bis zum Markteintritt. Mit der Universität Bern (UNIBE) sowie der Berner Fachhochschule (BFH) bestehen Verbindungen. Die Nettofläche der zu vermietenden Räumlichkeiten beträgt 2000 Quadratmeter. Ein Arbeitsplatz inkl. Sekretariatsdienste, Infrastuktur- und Beratungspauschale kostet CHF 520.- pro Monat für Start-ups im ersten Jahr. Bestehende Firmen bezahlen CHF 625.-. Das Zentrum bietet Beratungen in den Gebieten Recht, Marketing, Finanzen, Organisa- tion, Personal etc. und Coaching. Bei Bedarf werden externe Spezialisten herangezogen. Zudem wird die Begleitung für Gespräche bei Banken, Key Accounts und Ämtern ange- boten. Für Peter Michel, Geschäftsführer des GründerZentrums, ist der Erfolgsfaktor Nummer ein das Anbieten von professionellen Dienstleistungen. 74
  • 75. 9. Bewertung der Schweizer TGZ 9.1. Messproblematik, Individualität und Datenmangel Wie im Abschnitt 4.9.6 aufgeführt, ist die Leistungsmessung eines TGZ bzw. die Formu- lierung von einer best practice per se mit Problemen verbunden. Dies hängt u.a. damit zusammen, dass die Zentren sehr stark in die Umgebung eingebunden sind und diese sehr unterschiedlich sein kann. Dies ist gerade in der Schweiz offensichtlich, da sich die Regionen mitunter aus geografischen Gründen stark unterscheiden. Chur, der Standort des E-Tower, z.B., liegt in einer ländlichen Region und zählte im Jahre 2005 25’069 Beschäftigte[5, S. 38]. Mit der Hochschule für Wirtschaft und Technik (HTW) gibt es lediglich eine Ausbildungsstätte für eine höhere technische bzw. wirtschaftliche Ausbildung in der Stadt. Zürich, der Standort des Technoparks R Zürich, hingegen ist eine Wirtschaftsmetropo- le und zählt 553’000 Erwerbstätige[86]. Mit der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETHZ) und der Universität Zürich (UZH) sind gleich zwei Forschungs- und Ausbil- dungsinstitute mit internationalem Renommee in der Stadt präsent. Ebenso prägnant ist der Unterschied der beiden Standorte Chur und Zürich bezüglich der ansässigen Unter- nehmen, der Verkehrsanbindungen, der städtischen Budgets etc. Aber auch im Konzept, der Grösse und dem Budget unterscheiden sich die TGZ der Schweiz stark.1 Das TZW TechnologieZentrum in Witterswil z.B. beheimatet Start-up-Unternehmen, die primär im Bereich Biotechnologie tätig sind. Bei diesen besteht gemäss internen Umfragen kei- ne Nachfrage nach Dienstleistungen wie Empfang, Telefondienste etc. Auch im Bereich Management bringen die Unternehmen bereits Erfahrungen mit. Der Grund dafür ist gemäss des Geschäftsführers des TZW TechnologieZentrums, dass die Forschung in der Biotechnologie äusserst kostspielig ist. Ein Start-up in diesem Bereich konnte bereits viel Geld auftreiben, was nur dank Erfahrungen und Wissen möglich ist. Ein Start-up, dessen Tätigkeit im Internet stattfindet, hat diesbezüglich eine ganz andere Charakteristik. Ent- sprechend muss das TGZ andere Leistungen erbringen bzw. diese anders gewichten[97, S. 6]. Für die Leistungsmessung der Schweizer TGZ ist daher die Fokussierung auf die ge- meinsamen Bestandteile der TGZ nötig. Diese wurden in den Kernaufgaben von Bergek et al. (2008) gefunden. Eine solche Reduktion auf die wesentlichen Bestandteile schränkt die Aussagekraft entsprechend ein. Ergänzend wurden die Schweizer TGZ anhand von je zwei weichen und zwei harten Erfolgsfaktoren von Byung-Joo Kang analysiert. Die- se sind sehr allgemein gehalten, was wiederum die Aussagekraft eingeschränkt. Zudem 1 Vgl. dazu Kapitel 8. 75
  • 76. 9. Bewertung der Schweizer TGZ können die Faktoren aufgrund der Messproblematik nicht als für jedes TGZ verbindlich betrachtet werden. 9.2. Beurteilung anhand der Erfolgsfaktoren nach Byung-Joo Kang 9.2.1. Angemessenheit der Ziele In der Umfrage wurden die TGZ nach den zwei primären Zielen gefragt.2 Dabei liegen die Antworten von zehn Zentren vor. Unternehmensgründungen ist bei allen zehn TGZ ein Ziel. Dieses Ziel ist angemessen, da in diesen TGZ Coaching angeboten wird und das TGZ-Management Netzwerkkontakte vermittelt. Acht TGZ nennen den Wissenstransfer als weiteres Ziel. Dies bedingt, dass das TGZ im Kontakt mit Forschungs- und Ausbil- dungsstätten steht. Bei allen acht ist dies der Fall und die Bedingung daher erfüllt. Zwei TGZ führen das Ziel Arbeitsplätze schaffen auf. Da diese Zentren das Jungunternehmer- tum mit Coaching und Vermittlung von Kontakten fördern, ist dieses Ziel angemessen. 9.2.2. Netzwerk zwischen den in den TGZ eingemieteten Unternehmen und den umliegenden Forschungs- und Ausbildungsstätten Bis auf das START! Gründerzentrum in Frauenfeld3 pflegen alle SwissParks.ch Mit- glieder Kontakte mit Forschungsstätten und/oder Ausbildungsstätten. Dies geht aus der Umfrage sowie den recherchierten Informationen auf den jeweiligen Websites hervor. Aus- nahmslos alle untersuchten TGZ stehen zudem in Kontakt mit der Privatwirtschaft. 9.2.3. Unterstützung des TGZ von aussen Diese Frage wird anhand der Verbindungen zu staatlichen Behörden beantwortet. Dabei wird davon ausgegangen, dass diese stellvertretend für die gesamte Unterstützung von aussen stehen. Die SwissParks.ch Mitglieder werden alle von kommunalen und/oder kantonalen und/oder staatlichen Stellen unterstützt, wobei diese Unterstützung unterschiedlicher Art ist. Beim FriUp in Fribourg beispielsweise ist der Kanton Fribourg direkt finanziell beteiligt.4 Das TZW TechnologieZentrum in Witterswil hingegen bekommt keine Subventionen, pflegt aber einen sehr engen Kontakt mit der Wirtschaftsförderung, die es als äusserst förderlich und nötig erachtet.5 Des Weiteren sind alle TGZ an regionale und lokale Verbände wie Arbeitgeberverbände, Organisationen etc. angeschlossen. 2 Vgl. dazu Anhang B. 3 Vgl. dazu Abschnitt 8.5. 4 Vgl. dazu Abschnitt 8.7. 5 Vgl. dazu Abschnitt 8.12. 76
  • 77. 9. Bewertung der Schweizer TGZ 9.2.4. Dienstleistungen und Anlagen, die im TGZ geboten werden Bezüglich der Dienstleistungen bieten die untersuchten TGZ mit Empfangsdienst, Telefon- und Postservice etc. vergleichbare Leistungen. Mit Ausnahme des TZW TechnologieZen- trum in Witterswil bieten alle untersuchten TGZ administrative Dienstleistungen wie Empfang, Telefondienste, Postverteilung u.Ä. an. Im TZW TechnologieZentrum werden administrative Leistungen gemäss einer internen Umfrage von den Mietern nicht ver- langt.6 In der Infrastruktur bzw. den Anlagen ergeben sich die Unterschiede primär entspre- chend den Branchen, in denen die Mieter tätig sind. Arbeiten diese in der Biotechnologie und Medizin werden entsprechende Einrichtungen wie z.B Labors angeboten. Dies ist beim TZW TechnologieZentrum, grow, tebo, Neode, Y-Parc und dem Parc Scientifique PSE der Fall.7 Der E-Tower, das Parc Scientifique PSE und das Centro Promozione START-UP bie- ten ihren Mietern die Möglichkeit, gewisse Einrichtungen der angegliederten Hoch- bzw. Fachhochschule zu nutzen.8 9.3. Beurteilung anhand der Kernaufgaben von Bergek et al. 9.3.1. Selektion Gemäss der verfügbaren Informationen von elf TGZ müssen die Bewerber einen Bewer- bungsprozess durchlaufen und/oder gewisse Bedingungen erfüllen. Zu diesen Bedingun- gen zählen, dass das Projekt in den vom TGZ bevorzugten Bereichen angesiedelt ist. Im The Ark Sion z.B. müssen die Projekte aus den Bereichen Life-Sciences oder Engi- neering sein.9 Der Selektionsprozess verläuft unterschiedlich. Fünf der insgesamt elf TGZ, von de- nen Informationen vorliegen, setzen auf eine Expertenkommission, die über den Eintritt entscheidet. Der Centro Promozione START-UP hat als zusätzliche Hürde die Bedin- gung, dass das TGZ nur für Absolventen von Hoch- und Fachhochschulen der Schweiz offensteht. Einen sehr strengen Selektionsprozess hat der Technopark R Zürich. Wie in Abschnitt 6 aufgezeigt, ist für Von Waldkirch, der Initiant des Parks, das strenge Auswahlverfahren ein Markenzeichen des TGZ und hat entsprechend zum Erfolg beigetragen. Eine solch ausgewiesene Haltung ist von keinem anderen Schweizer TGZ bekannt. 9.3.2. Coaching Ausser dem Y-Parc in Yverdon bieten alle Schweizer TGZ ein internes Coaching an, wo- bei je nach Fachgebiet auf ein Netzwerk zurückgegriffen werden kann. Der Y-Parc tritt 6 Vgl. dazu Abschnitt 8.12. 7 Vgl. dazu Kapitel 7. 8 Vgl. dazu Kapitel 7. 9 Vgl. dazu Abschnitt 8.8. 77
  • 78. 9. Bewertung der Schweizer TGZ diesbezüglich nur als Vermittler auf.10 In einigen Zentren ist im Mietangebot eine gewis- se Anzahl Coaching-Stunden inbegriffen und wird nicht zusätzlich in Rechnung gestellt. Das Centro Promozione START-UP bietet seinen Mietern ein abgestuftes Coachingpro- gramm. So kann je nach Entwicklungsphase die nötige Hilfestellung gegeben werden.11 9.3.3. Vermittlung Die TGZ der Schweiz sind breit gestützt12 und pflegen Verbindungen mit Forschungs- und Ausbildungsstätten,13 lokalen, kommunalen und teils nationalen Stellen und Verbänden. Auch mit der Privatwirtschaft werden Kontakte gepflegt. Einige Unternehmen haben sich am Zentrum direkt beteiligt und sind Aktionäre bzw. Vereinsmitglieder. Zudem bieten einige TGZ monatliche Apéros an, um das Netzwerk zu fördern. Die Vermittlung von Kontakten scheint bei den TGZ der Schweiz eine Stärke zu sein, zumal diese, gemäss der eigenen Kommunikation auf den Websites, als ein sehr wichtiger Mehrwert wahrgenom- men wird. 10 Vgl. dazu Abschnitt 8.15. 11 Vgl. dazu Abschnitt 8.11. 12 Vgl. dazu Abschnitt 9.2.3. 13 Eine Ausnahme ist das START! Gründerzentrum. 78
  • 79. 10. Geschäftsmodelle und Finanzierung der Schweizer TGZ Im Rahmen der Umfrage wurde nach der Organisationsform (For-Profit bzw. Non-Profit) und der Finanzierung gefragt. Von den zehn SwissParks.ch Mitgliedern, die an der Umfrage teilgenommen haben, ga- ben vier an, mit öffentlichen Geldern unterstützt zu werden, wobei diese eine Ergänzung zu anderen Finanzquellen wie Sponsoringbeiträgen von Unternehmen und Privatperso- nen, Eigenkapital, Mieten, Gebühren und Verkauf von Dienstleistungen sind. Das FriUp steht exemplarisch für diese Zusammensetzung wie Abbildung 10 zeigt. Neben den direkten Zahlungen profitieren die Zentren von indirekten Leistungen. Um diesen Anteil zu messen, müsste man die Bilanzen der TGZ genau untersuchen, aber selbst dann wäre eine Bezifferung nicht aussagekräftig genug. Für die Leistungen der öffentlichen Forschungs- und Ausbildungsstätten ist eine Kalkulation nach Marktpreisen schwierig. Des Weiteren werden einige TGZ höchstwahrscheinlich durch die teils enge Verbindung zu den politischen Behörden eine Sonderstellung geniessen. Die Vorteile, die diese mit sich bringen sind ebenfalls schwierig, wenn nicht gar unmöglich abzuschätzen. Bezüglich des Geschäftsmodell und der Finanzierung lohnt es sich vier Zentren her- vorzuheben. Eines davon ist das grow in Wädenswil.1 Das Zentrum beherbergt acht Start-ups und ist von einer Interessensgemeinschaft ins Leben gerufen worden. Es wird weitgehend durch freiwillige und unentgeltliche Arbeit getragen. Das jährliche Budget beträgt daher lediglich rund CHF 10’000.-. Eine weitere Besonderheit ist das TZW TechnologieZentrum in Witterswil.2 Das inter- national ausgerichtete Zentrum ist das einzige, welches eine For-Profit-Organisationsform FPO hat und keine öffentlichen Gelder beansprucht. Finanziert wird der Betrieb aussch- liesslich mit Mieten. Eine solche Organisationsform weckt den Verdacht, dass es sich bei der Anlage um ein Immobilien-Objekt handelt. Dem widerspricht jedoch Ueli Nussbau- mer, Geschäftsführer des TZW TechnologieZentrums. Er sieht sich nicht als Immobi- lieninvestor, der ein Projekt entwickelt, das nach seiner Fertigstellung eine bestimmte Rendite abwerfen muss. Gemäss seiner Aussage handelt es sich beim Zentrum demnach nicht um eine Immobilie, sondern um eine komplexe Geschäftstätigkeit. Das Technolo- gieZentrum nur zu verwalten reicht nicht aus. Vielmehr gehe es darum unternehmerisch zu denken und sich zu fragen, was die Bedürfnisse der Mieter sind und was Spezielles getan werden muss, um diese Bedürfnisse optimal zu befriedigen[97, S. 7]. Diesbezüglich muss auf die Mieterschaft des TZW TechnologieZentrums hingewiesen werden. Diese ist überwiegend in den laborintensiven Bereichen Medizin, Chemie und Agronomie tätig. 1 Vgl. dazu Abschnitt 8.4. 2 Vgl. dazu Abschnitt 8.12. 79
  • 80. 10. Geschäftsmodelle und Finanzierung der Schweizer TGZ Abbildung 10.1: Netzwerk zur Finanzierung (FriUp). Ein auf Immobilienhandel ausgelegtes Konzept hat der Y-Parc in Yverdon.3 Die gleich- namige Aktiengesellschaft verkauft und vermietet Liegenschaften und veräussert bebau- baren Boden auf dem Areal. Einige der Gebäude werden von externen Immobilienun- ternehmen verwaltet. Entsprechend definiert sich der Y-Parc als einen Partner von Fir- men und Vermittler von Fachleuten, die Unternehmern bei Fragen der Gründung und -entwicklung sowie der Planung und Gestaltung von Projekten zur Seite stehen. Ebenfalls eine Aktiengesellschaft ist das Neode,4 wobei mit der Kantonalbank von Neuenburg (BCN) nur eine private Firma am Unternehmen beteiligt ist. Die restlichen Aktien sind im Besitz von Ausbildungsstätten, Regierungsstellen und Verbänden. Der überwiegende Teil der restlichen TGZ sind wie z.B. das FriUp als Verein organi- siert, wobei die Mitglieder sowohl Forschungs- und Ausbildungsstätte sowie Regierungs- stellen als auch Unternehmen aus der Privatwirtschaft sind (vgl. dazu Abbildung 10). Die Finanzen werden oft von einer Stiftung verwaltet. 3 Vgl. dazu Abschnitt 8.15. 4 Vgl. dazu Abschnitt 8.14. 80
  • 81. Teil V. Schlussteil 81
  • 82. 11. Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse Die Leistungsanalyse der Schweizer TGZ zeigt, dass die Anlagen mit wenigen Ausnahmen die Erfolgsfaktoren von Byung-Joo Kang1 erfüllen und die Kernaufgaben von Bergek et al. (2008)2 weitgehend wahrnehmen, was als Stärke der TGZ betrachtet werden kann. Dieses Fazit basiert auf den quantitativen Daten, die im Rahmen der Umfrage sowie der Recherche erfasst wurden.3 Eine Schwäche der TGZ ausserhalb der geprüften Kriterien ist die äusserst zurückhaltende Kommunikation von Leistungsdaten und die weitgehend fehlende Beschreibung des Selektionsprozesses. Letzteres lässt die Vermutung zu, dass der Selektionsprozess nicht in allen TGZ die von Bergek et al. (2008) proklamierte Strenge erfüllt. Die erfassten Daten zeigen, dass die Ziele der untersuchten TGZ vergleichbar sind, es aber in anderen Bereichen wie der physischen Form Unterschiede gibt. Während sich der Y-Parc in Yverdon4 beispielsweise über ein 50 Hektar grosses Gelände erstreckt, ist der E-Tower in Chur mit 500 Quadratmetern Fläche5 verhältnismässig klein.6 Die Definition einer best practice ist, wie in Abschnitt 9.1 aufgezeigt, aufgrund der Individualität der TGZ nicht möglich. Dies ist bei den Schweizer TGZ besonders of- fensichtlich, da sich die Umgebungen in die die Zentren eingebettet sind, erheblich un- terscheiden. Für die Entwicklung eines TGZ bedingt das, die Strategie weitgehend am Einzelfall auszurichten und die idealen Möglichkeiten entsprechend zu suchen. Bei den organisatorischen Strukturen heisst dies z.B. zu prüfen, inwiefern sich Unternehmen, Ver- bände, Gemeinden, Forschungs- und Ausbildungsstätten engagieren wollen und welche Rechtsform sich am besten eignet. Diese Einzelfallbetrachtung gilt auch für die Finanzierung. Die Umfrage zeigt, dass der Betrieb eines TGZ ohne direkte Unterstützung mit öffentlichen Geldern in der Schweiz möglich ist. Dies entspricht der Vorstellung, dass das TGZ als privatwirtschaftlicher Ak- teur „mit dem Anbieten des Technologietransfers von der Forschung auf den Markt eine marktorientierte Tätigkeit“ (Von Waldkirch7) verfolgt. Auch hat der Staat die Möglich- keit, die TGZ bzw. die Mieter im Rahmen des Angebotes der Förderagentur für Innovati- on des Bundes (KTI) sowie der kantonalen Wirtschaftsförderungen mit nicht-monetären 1 Vgl. dazu Abschnitt 4.9.7. 2 Vgl. dazu 4.9.5. 3 Vgl. dazu Abschnitt 5.2. 4 Vgl. dazu Abschnitt 8.15. 5 Gemeint ist die Netto-Fläche der vermieteten Räumlichkeiten. 6 Vgl. dazu Abschnitt 8.3. 7 Diese Information stammt aus dem E-Mail-Wechsel mit Dr. Thomas von Waldkirch aus Küsnacht (ZH) vom 21. August 2008. 82
  • 83. 11. Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse Leistungen wie Beratung, Begleitung, Information und Netzwerkvermittlung zu unter- stützen. Fehlt es jedoch an einer kräftigen Privatindustrie wie dies in gewissen Regionen der Schweiz der Fall ist, scheint eine direkte finanzielle Beteiligung der öffentlichen Hand am TGZ im Sinne eines Public-Private-Partnerships dennoch sinnvoll.8 Dies bedingt jedoch, dass das TGZ als Non-Profit-Organisation (NPO) geführt wird. Mit der Akzeptanz finanzieller staatlicher Unterstützung verlässt das Zentrum seine Rolle als privatwirtschaftlicher Akteur und der Staat wird zum Teilhaber mit einem ent- sprechenden Mitspracherecht (z.B. in Form einer Mitgliedschaft im Verein). Dies birgt die Gefahr, dass die Ausrichtung des TGZ des staatlichen Einflusses wegen am Markt vor- beizielt. Von einer vollumfängliche Finanzierung eines TGZ ist in diesem Sinne gänzlich abzusehen. Wie die staatliche Mitfinanzierung eines TGZ im konkreten Fall der Schweiz ablaufen soll, ist eine wirtschaftspolitische Frage. Gemäss m.E. ist es sinnvoll, wenn die Unterstüt- zung von einer Stelle kommt, die möglichst nahe am wirtschaftlichen Puls der Region ist, in der sich das TGZ befindet. Damit soll die besagte Marktentfremdung möglichst verhindert werden. Daher ist ein kommunales bzw. kantonales einem nationalen Enga- gement zu bevorzugen. Ein nationales Engagement ist m.E. im Zuständigkeitsbereich des Staatssekretariats für Wirtschaft SECO. Die Förderagentur für Innovation des Bun- des (KTI) ist im Nationalen Innovationssytem (NIS) der Schweiz als Förderorganisation in der gleichen Gruppe wie die TGZ. Dieses Nebeneinander ist m.E. sinnvoll, da eine Fixierung auf ein Förderinstrument keinen Sinn ergibt. 8 Vgl. dazu Abschnitt 4.9.10. 83
  • 84. 12. Schlussfolgerung Wie kann das Wirtschaftswachstum einer Region gefördert werden? Dies ist eine der zentralen Fragen von wirtschaftspolitischen Entscheidungsträgern an die Wissenschaft. Die Neue Wachstumstheorie bietet diesbezüglich Modelle an und er- laubt es den Wirtschaftswissenschaftlern, konstruktive Ratschläge zu erteilen[81, S. 793]. Dabei spielen Innovationen eine zentrale Rolle. Sie gelten seit geraumer Zeit als eine von vier Treibern des Wirtschaftswachstums. Im Unterschied zur älteren Neoklassischen Wachstumstheorie nimmt die Neue Wachstumstheorie die Innovationen bzw. den tech- nologischen Wandel jedoch nicht mehr als gegeben an, sondern als endogen. Somit rückt die Frage, wo und wie Innovationen zustande kommen, in den Vordergrund[81, S. 780]. In den Theorien von Alois Josef Schumpeter ist es der Unternehmer, der als Inno- vator die neuen Kombinationen in Form neuer Produkte oder Organisationsmethoden einführt[81, S. 284]. Aufgrund umfangreicher Studien weiss man heute, dass Einzelper- sonen und Kleine und Mittlere Unternehmen (KMU) eine bedeutende Rolle für Innova- tionen und Erfindungen haben – und nicht etwa grosse Unternehmen, wie Schumpeter in seiner Hypothese vermutete([81, S. 786], [48, S. 29]).1 Die Frage, wie Innovationen entstehen, ist schwieriger zu beantworten. Studien deuten jedoch darauf hin, dass Netzwerke und das Zusammenwirken unterschiedlicher Akteure von zentraler Bedeutung sind.2 So konnte z.B. gezeigt werden, dass vernetzte Unterneh- men einen höheren Innovationsgrad haben als solche, die allein operieren[47, S. 22]. Auch in der Schweizer Wirtschaft spielen Netzwerke und Partnerschaften für die Wissensfin- dung und -anwendung eine grosse Rolle[47, S. 21]. Kleine und Mittlere Unternehmen (KMU) sowie ein leistungsfähiges nationales Innovations- und Technologienetzwerk zu fördern, lautet demnach die Antwort auf die eingangs ge- stellte Frage nach dem geeigneten Fördermittel des Wirtschaftswachstums.3 Aus dieser Antwort ergibt sich jedoch die nächste Frage: Wie gestaltet sich diese För- derung? Diesbezüglich wurde eine Reihe von Instrumenten ausgearbeitet und in den einzelnen Regionen im Rahmen der Nationalen Innovationssysteme (NIS) umgesetzt. Eines dieser Förderinstrumente sind Technologie- und Gründerzentren (TGZ). Das TGZ-Konzept ist jedoch nicht in der Theorie entstanden, sondern aus der Not. Da für ein grosses Industriegelände kein Nachmieter gefunden werden konnte, wurde das Areal aufgeteilt und an kleine Jungunternehmen vermietet. Dieser Immobilien-Aspekt 1 Es gilt zu berücksichtigen, dass die Wirtschaftsumgebung, in der Schumpeter Anfang des 20. Jahrhun- derts gelebt hat, eine gänzlich andere war. Die damals grossen Unternehmen sind mit den heutigen Multinationalen Unternehmen (MNU) nicht zu vergleichen[81, S. 786]. 2 Vgl. dazu [47, S. 59]. 3 Vgl. dazu [47, S. 59]. 84
  • 85. 12. Schlussfolgerung ist nach wie vor ein wesentlicher Bestandteil eines TGZ und führt dazu, dass kritische Stimmen reine Immobiliengeschäfte unter dem Deckmantel der Innovationsförderung ver- muten. Tatsächlich konnte bisher der Nutzen der TGZ empirisch nicht abschliessend nachgewiesen werden. Sie erfreuen sich dennoch einer grossen Popularität und sind auf dem ganzen Erdball verstreut anzutreffen. Dies sicher nicht zuletzt, weil es einige sehr gut funktionierende Ver- treter gibt wie z.B. den Cambridge Science Park in den USA. Anhand dieser Musterbei- spiele eine best practice zu formulieren, hat sich jedoch als unmöglich erwiesen. Die TGZ sind zu stark in die jeweilige Umgebung eingebunden und unterscheiden sich entsprechend voneinander. Diese Individualität erschwert auch eine verlässliche Leistungsanalyse. Des Weiteren fehlt es weitgehend an aussagekräftigen Indikatoren, die den Nutzen eines TGZ beziffern könnten. Output-Faktoren wie Patentanmeldungen, Erfolgsquote der Abgän- ger und neu geschaffene Arbeitsplätze müssen immer im Kontext der Ziele des TGZ betrachtet und entsprechend gewichtet werden. Zusätzlich sorgen die Vielzahl und die uneinheitliche Verwendung der TGZ-Bezeichnungen für Verwirrung (z.B. Science-Park, Inkubator, Technology-Center). Diese Problematik spiegelt sich bei der Leistungsanalyse der Schweizer TGZ wider, die im Rahmen dieser Arbeit anhand einer Umfrage durchgeführt wurde. Die regionalen Unterschiede, sowohl geografisch als auch politisch und wirtschaftlich, sowie die kommu- nalen Strukturen zeichnen die Schweiz aus. Entsprechend unterschiedlich sind die TGZ organisiert und ausgerichtet. Zudem sind die statistischen Daten zu den jeweiligen Zen- tren nur in sehr geringem Masse verfügbar und es existiert keine zentrale Einrichtung, die eine umfassende Statistik führt. Der tatsächliche Beitrag der TGZ an die bereits sehr hohe Innovationstätigkeit der Schweiz bleibt demnach offen. Insgesamt scheinen die Schweizer TGZ mit überwiegender Mehrheit zumindest aus deren eigener Sicht erfolgreich zu sein, allen voran der Technopark R Zürich. Dieses TGZ existiert bereits seit 15 Jahren und über 250 Unternehmen haben es erfolgreich verlassen. Sicher tragen das wirtschaftsstarke Umfeld sowie die nahe gelegenen Forschungs- und Ausbildungsstätten einen wesentlichen Anteil zum Erfolg des Parks beii, erklären diesen jedoch nicht ganz. Vielmehr ist es auch eine gezielte und durchdachte Strategie, die den Technopark R Zürich zu einem Musterbeispiel eines TGZ macht. Der Park ist zu 100 Prozent privat finanziert, was zeigt, dass ein TGZ marktorientiert geführt werden kann – und dies nicht nur als reines Spekulationsobjekt im Immobilienhandel. Das Konzept TGZ ist grundsätzlich sinnvoll, da es gerade für die Mieter Vorteile bringt, auch wenn empirisch nicht nachgewiesen werden konnte, dass die Mieter dadurch inno- vativer werden. Aus volkswirtschaftlicher Sicht ist ein TGZ nur sinnvoll, wenn es eine klare, gezielte Strategie verfolgt und eine marktwirtschaftliche Ausrichtung hat. Eine komplett private Organisation wie der Technopark R Zürich, ist sicher nur möglich, wenn die Umgebung die wirtschaftliche Stärke aufbringt, gut erschlossen ist und wenn Forschungs- und Ausbil- dungsstätten in der Nähe angesiedelt sind. Der Staat sollte sich dennoch nicht langfristig an einem TGZ beteiligen und keine Direktzahlungen vornehmen. Auch gilt es, ein TGZ immer als eines von vielen Instrumenten der Innovationsförderung zu betrachten. Al- 85
  • 86. 12. Schlussfolgerung ternative Möglichkeiten zur Innovationsförderung sind demnach zwingend gründlich zu prüfen. Dabei gilt in jedem Fall der Leitsatz von Thomas von Waldkirch:4 „Weniger Staat, mehr eigene Tat“. 4 Diese Information stammt aus dem E-Mail-Wechsel mit Dr. Thomas von Waldkirch aus Küsnacht (ZH) vom 21. August 2008. 86
  • 87. Literaturverzeichnis [1] Gabler Wirtschaftslexikon. Wiesbaden: Gabler, 2005 [2] Acs, Z. J. ; Audretsch, D. B. ; Feldman, M. P.: Real Effects of Academic Research: A Comment. In: The American Economic Review 82 (1992), S. 363–367 [3] Acs, Z. J. ; Audretsch, D. B. ; Feldman, M. P.: Kapitel 6: R&D Spillovers and Recipient Firm Size. In: Audretsch, D. B. (Hrsg.): Entrepreneurship, Innovation and Economic Growth. Cheltenham: Edward Elgar Publishing, 1994, S. 43–54 [4] Allen, D. N. ; McCluskey, R. : Structure, policy, services and performance in the business incubator industry. In: Entrepreneurship: Theory and Practice 15 (1990), S. 61–77 [5] Amt für Wirtschaft und Tourismus Graubünden: Durchblick 2007. Grau- bünden in Zahlen. 2008 [6] Anselin, L. ; Varga, A. ; Acs, Z. : Local Geographic Spillovers between University Research and High Technology Innovations. In: Journal of Urban Economics 42 (1997), S. 422–448 [7] Appold, S. J.: Research parks and the location of industrial research laboratories: an analysis of the effectiveness of a policy intervention. In: Research Policy 33 (2004), S. 225–243 [8] Arvanitis, S. ; Hollenstein, H. : Die Schweizer Wirtschaft im internationalen Innovationswettbewerb. Eine Stärken/Schwächen-Analyse. / Arbeitskreis Kapital und Wirtschaft. 2005. – Forschungsbericht [9] Arvanitis, S. ; Hollenstein, H. ; Kubli, U. ; Sydow, N. ; Wöter, M. : In- novationsaktivitäten in der Schweizer Wirtschaft. Eine Analyse der Ergebnisse der Innovationserhebung 2005. / Staatssekretariats für Wirtschaft. 2007. – Forschungs- bericht [10] Basel Economics BAK: IBC Report. 2002 [11] Bearse, P. : A Question of Evaluation: NBIA’s Impact Assessment of Business Incubators. In: Economic Development Quarterly 12 (1998), S. 322–333 [12] Bergek, A. ; Norrman, C. : Incubator best practice: A framework. In: Techno- vation 28 (2008), S. 20–28 87
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  • 94. A. Begleitschreiben zum Fragebogen Sehr geehrte Damen und Herren, im Rahmen meiner Lizenziats-Arbeit an der Universität Zürich zum Thema «Techno- parks und Gründerzentren. Rolle, Funktion und Finanzierung»führe ich eine deskriptive Untersuchung bei 18 Technoparks (Mitgliedern von SwissParks.ch) durch. Ich freue mich, wenn Sie die folgenden Fragen beantworten. Dabei handelt es sich vorwiegend um quan- titative Fragen, die einfach und schnell (in ca. 10 Minuten) ausgefüllt werden können. Link zum online Formular: hier klicken. Herzlichen Dank. Mit freundlichen Grüssen Clemens Bartlome 94
  • 95. B. Fragebogen 95
  • 96. B. Fragebogen Abbildung B.1: Bildschirmfoto des Online-Fragebogens Blatt 1. 96
  • 97. B. Fragebogen Abbildung B.2: Bildschirmfoto des Online-Fragebogens Blatt 2. 97
  • 98. B. Fragebogen Abbildung B.3: Bildschirmfoto des Online-Fragebogens Blatt 3. 98

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