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[PDF] Pressemitteilung: Wochenausblick
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  1. 1. Helaba Volkswirtschaft/Research Wochenausblick 15. Juni 2012 Position beziehen Redaktion: 1 Die Woche im Überblick 1 Dr. Stefan Mitropoulos Tel.: 0 69/91 32-46 19 1.1 Chart der Woche 1 research@helaba.de 1.2 Wochen-Quartals-Tangente 2 1.3 Finanzmarktkalender KW 25 mit Prognosen 3 2 Im Fokus 4 2.1 Renten: Erhöhte Anfälligkeit 4 2.2 Fed: Geduld ist eine Tugend 5 Herausgeber: 2.3 Ist Deutschland immun? 6 Dr. Gertrud R. Traud 3 Charttechnik 7Chefvolkswirt/Leitung Research 4 Helaba Kapitalmarktszenarien 8Landesbank Hessen-Thüringen 5 Helaba Basisszenario mit Prognosetabelle 9 MAIN TOWER Neue Mainzer Str. 52-58 60311 Frankfurt am Main Telefon: 0 69/91 32-20 24 1 Die Woche im Überblick Telefax: 0 69/91 32-22 44 1.1 Chart der Woche Möglicher Griechenland-Austritt am Aktienmarkt bereits vorweggenommen? Index % 3300 80 EURO STOXX 50 Wahrscheinlichkeit Austritt eines 3100 (linke Skala) Eurolandes bis Ende 2014* 70 (rechte Skala) 2900 60 2700 2500 50 2300 40 2100 30 1900 1700 20 J F M A M J J A S O N D J F M A M J * implizite Wahrscheinlichkeit laut intrade-Wettquoten Quellen: intrade, Datastream, Helaba Volkswirtschaft/Research Die Publikation ist mit größter Sorgfaltbearbeitet worden. Sie enthält jedoch lediglich Für die am Sonntag in Griechenland stattfindenden Parlamentswahlen zeichnet sich ein Kopf-an- unverbindliche Analysen und Prognosen zu Kopf-Rennen zwischen Sparkurs-Befürwortern und -Gegnern ab. Sollten sich letztere durchsetzen, den gegenwärtigen und zukünftigen Markt- stiege die Wahrscheinlichkeit eines Austritts Griechenlands aus dem Euroraum. Die Anleger verhältnissen. Die Angaben beruhen auf Quellen, die wir für zuverlässig halten, für scheinen bereits für diesen Fall gerüstet zu sein. Die Wetten auf ein „Auseinanderbrechen der deren Richtigkeit, Vollständigkeit oder Aktua- Währungsunion“ waren zwischenzeitlich ähnlich ausgeprägt wie im Herbst letzten Jahres. Auch lität wir aber keine Gewähr übernehmen kön- die Stimmungsumfragen unter Aktieninvestoren weisen gegenwärtig einen vergleichbar hohen nen. Sämtliche in dieser Publikation getroffe- Pessimismus wie damals aus. Viele flüchten derzeit in Liquidität. Im Sinne der Kontraindikation nen Angaben dienen der Information. Sie dürfen nicht als Angebot oder Empfehlung für spricht die extreme Risikoaversion dafür, dass die Korrektur bei Aktien bald beendet ist. Anlageentscheidungen verstanden werden.
  2. 2. Wochenausblick Claudia Windt 1.2 Wochen-Quartals-TangenteTel.: 0 69/91 32-25 00 Spaniens Bankenrettung sorgte nur kurz für Erleichterung an den Kapitalmärkten. Weder konnte der Zinsanstieg spanischer Staatsanleihen gestoppt werden, noch ist Italien außen vor geblieben. Zwar glückte eine Auktion italienischer Staatspapiere, allerdings nur zu höheren Zinskosten. Gleichzeitig intensivierte sich die Diskussion um Eurobonds. Die Investoren blicken gespannt auf den Wahlausgang in Griechenland am Sonntag. Der deutsche Leitindex DAX trat deshalb auf der Stelle, während die Zinsen nicht nur in der europäischen Peripherie, sondern auch für deutsche Staatsanleihen nach oben kletterten (S. 4). Hier dürfte erstmals ein leichter Risikoaufschlag gegen- über Deutschland zum Ausdruck kommen, schließlich blieben die Zinsen für 10-jährige US- Treasuries unverändert. Nun also auf zum Showdown in Griechenland: Die Berichtswoche wird sicherlich vom Wahlaus- gang in Griechenland dominiert. Was ist also zu erwarten? Wir rechnen nicht damit, dass Grie- Konsequenz ist gefragt chenland bald zur Drachme zurückkehren möchte, selbst wenn die Wahlen erneut keine klaren Ergebnisse hervorbringen. Weitaus wichtiger wird sein, wie sich die Eurozone und der IWF ge- genüber Griechenland positionieren, falls die Kreditauflagen nicht mehr eingehalten werden. Ist davon auszugehen, dass dann eine härtere Gangart umgesetzt wird, wie es zuletzt der mexikani- sche Notenbankgouverneur vom IWF forderte? Es wäre wichtig, in diesem Fall konsequent zu bleiben und zwar unabhängig vom Wahlausgang. Insbesondere aus deutscher Sicht. Je nachgiebi- ger sich die internationale Gemeinschaft zeigt, umso mehr dürfte sich die Diskussion über eine Haftungsunion intensivieren. Schließlich macht sich derzeit eine gewisse Reformmüdigkeit in Europa breit, die durch den Wahlausgang in Frankreich immer offener zutage tritt. Die reformmü- den europäischen Politiker rufen einmal mehr nach der vermeintlichen Rettung: Eurobonds. Doch was sollen diese bewirken? Die Problemländer in Europa zeigen doch recht deutlich, dass sie Ein- griffe in ihre staatliche Budgethoheit nicht wünschen. Womöglich werden sich an dieser Frage die Fronten in Europa weiter verhärten. Vielleicht ist es an der Zeit, dass die Geberländer eindeutig Stellung beziehen. Zumindest hat Bundesbankpräsident Weidmann die Ablehnung einer gemein- schaftlichen Haftung ohne politische Integration nun klar kommuniziert. In der Berichtswoche sollten die deutschen Frühindikatoren zeigen, ob die deutsche Wirtschaft immer noch immun ge- genüber der europäischen Staatsschuldenkrise ist (S. 6). Finanzmarktrückblick und -prognosen Veränderung seit... aktueller 30.12.2011 07.06.2012 Stand* Q2/2012 Q3/2012 Q4/2012 (in %) Index DAX 4,1 -0,1 6.139 6.500 7.000 7.200 (in Bp) (in %) 3M Euribor -69 0 0,66 0,7 0,7 0,8 3M USD Libor -11 0 0,47 0,4 0,4 0,4 10 jähr. Bundesanleihen -34 11 1,49 1,5 1,8 2,1 10 jähr. Swapsatz -41 14 1,97 2,0 2,3 2,5 10 jähr. US-Treasuries -23 0 1,64 1,9 2,1 2,4 (jew eils gg. Euro, %) (jew eils gg. Euro) US-Dollar 2,9 -0,2 1,26 1,25 1,30 1,35 Japanischer Yen -0,1 0,1 100 99 104 110 Britisches Pfund 3,0 -0,4 0,81 0,80 0,85 0,88 Schweizer Franken 1,3 0,0 1,20 1,20 1,20 1,20 (in %) Brentöl $/B -9,4 -1,5 98 108 105 103 Gold $/U 3,8 2,2 1.624 1.550 1.600 1.650 *Schlusskurse vom 14.06.2012 Bei Prognoseänderungen sind die vorherigen Werte in Klammern gesetzt Quellen: Bloomberg, Helaba Volkswirtschaft/Research Helaba Volkswirtschaft/Research · 15. Juni 2012· © Helaba 2
  3. 3. Wochenausblick 1.3 Finanzmarktkalender KW 25 mit Prognosen Helaba- Bloom berg Zeit Land Periode Indikator Vorperiode Prognose Consensus Montag, 18.06.2012 16:00 US Jun NAHB Housing Index 28 28 29 G-20 Gipfel (bis Dienstag) Dienstag, 19.06.2012 11:00 DE Jun ZEW-Indikator 5,0 5,0 10,8 Baubeginne 14:30 US Mai % m/m 2,5 0,4 2,6 Tsd (JR) 735 720 717 Baugenehmigungen 14:30 US Mai % m/m 0,3 1,0 -7,0 Tsd (JR) 725 730 723 Mittw och, 20.06.2012 Erzeugerpreise 08:00 DE Mai % m/m 0,0 -0,1 0,2 % y/y 2,4 2,3 2,4 18:30 US FOMC-Zinsentscheidung; % 0,25 0,25 0,25 20:15 US Fed Präsident Ben Bernanke Donnerstag, 21.06.2012 Einkaufsmanagerindex (Verarb. 09:30 DE Jun 45,5 45,4 45,2 Gew erbe, Vorabschätzung) Einkaufsmanagerindex (Dienst- 09:30 DE Jun 51,8 51,7 51,8 leistungen, Vorabschätzung) Einkaufsmanagerindex (Verarb. 10:00 EZ Jun 45,3 45,0 45,1 Gew erbe, Vorabschätzung) Einkaufsmanagerindex (Dienst- 10:00 EZ Jun 46,7 46,6 46,7 leistungen, Vorabschätzung) Erstanträge auf 14:30 US 16. Jun 380 k.A. 386 Arbeitslosenunterstützung, Tsd. 16:00 US Jun Philadelphia Fed; Index 3,0 2,0 -5,8 Verkauf bestehender Häuser, Mio. 16:00 US Mai 4,6 4,6 4,6 (JR) 16:00 US Mai Frühindikatoren, % m/m 0,1 0,1 -0,1 EU-Kommission; Indizes: 16:00 EZ Jun Konsumentenvertrauen -19,5 -19,8 -19,3 Treffen der Finanzminister der Eurozone Freitag, 22.06.2012 10:00 DE Jun ifo-Geschäftsklima 105,5 105,9 106,9 Treffen der Regierungschefs Deutschlands, Frankreichs, Spaniens und Italiens Treffen der EU-FinanzministerQuellen: Bloomberg, Helaba Volkswirtschaft/ResearchHelaba Volkswirtschaft/Research · 15. Juni 2012· © Helaba 3
  4. 4. Wochenausblick 2 Im Fokus Ulf Krauss 2.1 Renten: Erhöhte Anfälligkeit Tel.: 0 69/91 32-4728 Für Anleger wird der deutsche Rentenmarkt zu einem immer größeren Problem: Nullverzin- sung bei kurzen, enorme Schwankungsrisiken bei langen Laufzeiten. Nachdem Anfang Juni 10-jährige Bundesanleihen mit kurzzeitig 1,13 % ein neues historisches Tief markierten, hat sich der Wind zuletzt gedreht. Dies dürfte kaum allein mit einer Beruhigung an der Euro-Krisenfront zu erklären sein. Angesichts des anhaltenden Drucks auf Deutschland scheint aus Anlegersicht vielmehr das möglicherweise deutlich zunehmende Haftungsrisiko in den Fokus zu rücken. Jüngste Warnungen der Bundeskanzlerin, Deutschland nicht zu überfordern, weisen ebenfalls in diese Richtung. Die Zweifel an der deutschen Bonität wachsen, der Rendite- vorsprung von Bunds gegenüber US-Staatsanleihen ist zuletzt spürbar geschrumpft. Dass mittlerweile von allen Seiten mehr oder weniger ein Ende des deutschen Spardiktats gefor- dert wird, ist für potenzielle Anleiheinvestoren ebenfalls ein negatives Signal. Für Bundesanleihen Konjunkturpessimismus ergäben sich aus einer gelockerten Fiskalpolitik aus mehrfacher Hinsicht ungünstige Effekte. In- auf dem Höhepunkt? vestoren stufen nach jüngsten Umfragen die Wachstumsschwäche als gefährlicher für den Erhalt der Währungsunion ein als die Staatsverschuldung. Wird der ausgeprägte Konjunkturpessimismus zurückgedrängt, reduziert dies vermutlich die Wetten auf den Zerfall der Währungsunion mit Hilfe von Bund-Future-Kontrakten. Auch könnte die Flucht aus den Krisenländern in den vermeintlich sicheren Hafen Deutschland abnehmen. Gleichzeitig sinkt bei einer abnehmend restriktiven Fis- kalpolitik erfahrungsgemäß auch der Anreiz, die geldpolitischen Schleusen noch weiter zu öffnen. Die zuletzt gestiegenen Erwartungen einer weiteren Zinssenkung der EZB könnten daher ent- täuscht werden.Renditevorsprung von Bunds gegenüber Treasuries sinkt Wachstumsimpulse erwünschtBasispunkte in USD %-Punkte Wovon geht die größte Gefahr für die Währungsunion aus? * % 140 0.30 40 CDS-Prämie, 10-jährige Bunds 0.20 35 130 0.10 30 120 25 0 110 20 -0.10 100 15 -0.20 90 10 -0.30 80 Spread 10-jährige Bunds - Treasuries 5 -0.40 (rechte Skala) 0 70 -0.50 Zu hohe Fragiles Anämisches Fehlende politische J A S O N D J F M A M J J A Verschuldung Bankensystem Wirtschaf tswachstum KooperationQuellen: Datastream, Helaba Volkswirtschaft/Research *Investorenumfrage im Mai Quellen: Bloomberg, Helaba Volkswirtschaft/Research Die Volatilität bei Renten ist derzeit rekordverdächtig, was auf konservative Investoren naturge- mäß abschreckend wirkt. Die Notenbanken haben sich vor diesem Hintergrund ebenfalls auf er- Erhöhte Risiken hebliche Marktschwankungen nach der Wahlentscheidung in Griechenland eingestellt. Für den Notfall hält die EZB vermutlich umfangreiche Liquidität bereit. Sollten die Griechen für den Ver- bleib im Euroraum stimmen, dürfte der Druck auf den Bund-Future jedoch eher noch zunehmen. Wenn Griechenland trotz aller Opfer an der Gemeinschaftswährung festhält, wäre dies ein nicht zu unterschätzendes Signal für die anderen Mitglieder und könnte dazu beitragen, die zuletzt immer stärker um sich greifende Euro-Skepsis zurückzudrängen. Helaba Volkswirtschaft/Research · 15. Juni 2012· © Helaba 4
  5. 5. Wochenausblick Patrick Franke 2.2 Fed: Geduld ist eine Tugend Tel.: 0 69/91 32-4738 In der Berichtswoche tritt das FOMC zusammen, um über die Geldpolitik zu beraten. Die zuletzt eher schwächer ausgefallenen Daten vom Arbeitsmarkt haben Erwartungen geschürt, die Fed könne doch noch in absehbarer Zeit eine neue Runde von Anleihekäufen initiieren. Die Hürde für einen solchen Schritt hängt jedoch relativ hoch. In unserem Basis-Szenario gehen wir nicht davon aus, dass es dazu kommt. Zunächst wäre eher eine Verlängerung der eigentlich in diesem Monat auslaufenden „Operation Twist“ zu erwarten. Äußerungen von Janet Yellen, Vize-Präsidentin der Fed und eine führende „Taube“, dass zusätzli- che Schritte erforderlich werden könnten, wenn die Erholung am Arbeitsmarkt hinter den Erwar- Fed: Mehr zu tun? tungen der Geldpolitiker zurückbliebe, haben der Diskussion um eine baldige zusätzliche Runde von Anleihekäufen durch die Fed neue Nahrung verschafft. In ihrer Sitzung am 19. und 20. Juni werden die FOMC-Mitglieder ihre Prognosen unter anderem für die Arbeitslosenquote aktualisie- ren. Ende April rechneten sie im Schnitt für das Jahresende mit einer Quote von 7,8 % bis 8,0 %, also nur unwesentlich niedriger als zuletzt. Bisher liefern die Konjunkturdaten keinen Anlass zu der Annahme, dass eine Korrektur dieser Prognosen erforderlich werden könnte. Selbst der aussa- gekräftigere Dreimonatsdurchschnitt der Beschäftigtenzahlen in der Privatwirtschaft bewegt sich im Rahmen seiner normalen Schwankungsbreite in Zeiten einer nachhaltigen Expansion. Der jüngste leichte Anstieg der Arbeitslosenquote war nicht durch einen Rückgang der Beschäftigung, sondern durch einen Anstieg der Partizipationsrate bedingt.Stellenaufbau: Im Rahmen der üblichen Volatilität Fed-Bilanz: Steigender Anteil der LangläuferBeschäftigte in der Privatwirtschaft, Veränderung ggü. Vm in Tsd., geglättet Treasury-Bestände der Fed nach Restlaufzeit, Mrd. $ 400 400 1800 1800 3 bis 12 Monate 1600 1600 200 200 1400 1400 0 0 1200 1200 1 bis 5 Jahre 1000 1000 -200 -200 800 800 -400 -400 600 600 400 5 bis 10 Jahre 400 -600 -600 200 200 10 Jahre + -800 -800 0 0 2000 2002 2004 2006 2008 2010 2012 2009 2010 2011 2012Quellen: Macrobond, Helaba Volkswirtschaft/Research Quellen: Macrobond, Helaba Volkswirtschaft/Research Entsprechend hat Ben Bernanke bei seiner jüngsten Anhörung vor dem Kongress signalisiert, dass neue Maßnahmen eher nicht unmittelbar bevorstehen. So ist man sich bei der Fed noch unsicher Oder doch nicht? darüber, ob die geringere Dynamik beim Stellenaufbau ein durch den warmen Winter bedingtes statistisches Artefakt bzw. das Abflauen eines temporären Aufholeffekts war, oder ob sie eine unterliegende Verschlechterung der Lage widerspiegelt. Zusätzliche Evidenz ist für diese Ent- scheidung erforderlich – der nächste Arbeitsmarktbericht steht aber erst am 6. Juli an. Die Fed könnte sich angesichts der gestiegenen Unsicherheit an den globalen Finanzmärkten entscheiden, ihre derzeitige Praxis, kurzfristige Anleihen in ihrem Portfolio mit länger laufenden Anleihen zu ersetzen, über den ursprünglichen Termin im Juni 2012 hinaus zu verlängern. Diese Maßnahme hat aus unserer Sicht jedoch nur einen geringen Einfluss auf den Rentenmarkt und dürfte dem Arbeitsmarkt kaum nennenswerte Impulse geben. Ein neues Kaufprogramm von Staats- oder Hy- pothekenanleihen wäre hingegen politisch schwierig. Nach der zum Teil heftigen Kritik an der zweiten Runde der Käufe muss die Fed insbesondere im Wahljahr mit Gegenwind aus der Politik rechnen. Hinzu kommt, dass der kräftige Anstieg der Energiepreise 2010/2011 wohl zum Teil auf die damaligen expansiven Maßnahmen der Fed zurückzuführen war. Helaba Volkswirtschaft/Research · 15. Juni 2012· © Helaba 5
  6. 6. Wochenausblick Dr. Stefan Mütze 2.3 Ist Deutschland immun? Tel.: 0 69/91 32-3850 Die Eurozone ist in der Rezession. Ein kurzfristiger Ausweg ist nicht zu sehen. Dies schwächt auch die Dynamik in Deutschland. Die Frühindikatoren dürften dies für den Monat Juni er- neut widerspiegeln. Positiv entwickelt sich dagegen die Nachfrage aus der Nicht-EWU. Wichtige Länder in der Eurozone wie Italien und Spanien verharren in der Rezession. Deutschland exportiert trotz abnehmender Tendenz immer noch knapp 40 % seiner Güter in diese Ländergrup- Krise der Eurozone: pe. In den ersten vier Monaten 2012 lagen die Auftragseingänge aus dem Währungsraum knapp Keine kurzfristige 13 % unter Vorjahresniveau. Die konjunkturelle Dämpfung wurde bislang ausgeglichen durch die Besserung Aufträge aus der Nicht-Eurozone, die zwar nur 1,2 % höher sind als im entsprechenden Vorjahres- zeitraum, seit Jahresanfang allerdings wieder an Dynamik gewonnen haben. Aus den Problemlän- dern der Eurozone sind auf kurze Sicht keine Signale der Besserung zu erwarten. Hohe Kapital- marktzinsen, eine restriktive Haushaltspolitik und strukturelle Anpassungen werden dort die Kon- junktur weiter belasten. Auch die jetzt geforderte Wachstumspolitik, die letztendlich auf Konjunk- turpolitik hinausläuft, dürfte nur marginale Effekte aufweisen. Die Länder, die Konjunkturpolitik benötigen, können sie nicht finanzieren. Diejenigen Staaten, die sie finanzieren könnten, benötigen sie nicht. Konjunkturpolitik kann deswegen nur aus Transfers beispielsweise aus Deutschland finanziert werden. Große Summen hierfür werden aller Voraussicht nach nicht aufgebracht wer- den. Damit beruht die deutsche Konjunktur mehr als zuvor auf der Nachfrage aus der Nicht- Eurozone und der Binnennachfrage. Die positive Entwicklung aus den Drittstaaten dürfte zwar anhalten. Auch die Bautätigkeit und der Konsum werden weiter moderat zulegen. Damit wird das deutsche Wachstum gedämpft, aber nicht abgewürgt.Eurozone/Nicht-Eurozone: Divergierende Entwicklung Europa weniger bedeutend für deutschen AußenhandelReale Auftragseingänge, Deutschland, Index: 2005 = 100 Ausfuhranteil an den deutschen Gesamtexporten in %Quellen: Macrobond, Helaba Volkswirtschaft/Research Quellen: Macrobond, Helaba Volkswirtschaft/Research Die hohe Unsicherheit über die weitere auch institutionelle Entwicklung der Eurozone wirkt sich negativ auf das Wirtschaftsgeschehen aus. Hinzu kommen die Ungewissheit über den Wahlaus- ifo sinkt – gang in Griechenland und die gestiegenen Kapitalmarktzinsen der europäischen Problemländer.Einkaufsmanagerindizes Dies wird sich bei den ZEW-Erwartungen der Finanzmarktanalysten für Deutschland zeigen, die stabilisieren sich im Juni nochmals schwächer ausfallen dürften. Bereits der SENTIX-Index für die Eurozone für Juni ist deutlich gesunken. Der deutsche Einkaufsmanagerindex für die Industrie ist mit 45,2 schon auf einem sehr tiefen (Rezessions-)Niveau. Hier sollte der Juni zu einem moderaten Anstieg füh- ren. Deutlich positiver sind die Unternehmen der Dienstleistungsbranchen mit einem Saldo von 51,8 gestimmt. Hier ist eine leichte Abschwächung nicht ausgeschlossen. Der ifo-Geschäftsklima- index liegt immer noch über dem langjährigen Mittelwert. Nach einem Wert von 106,9 dürfte er auf schätzungsweise 105,5 sinken. Vor allem die Sparten Verarbeitendes Gewerbe und Großhan- del sollten sich den pessimistischeren Einschätzungen der Einkaufsmanager annähern. Helaba Volkswirtschaft/Research · 15. Juni 2012· © Helaba 6
  7. 7. Wochenausblick 3 CharttechnikBund-Future unter Druck Widerstände: 142,48 143,26 144,08Stochastic Bund-Future (daily) Unterstützungen: 141,44 140,00 139,71 Der Bund-Future ist technisch angeschlagen und setzte die Schwächephase auch in der abgelaufenen Handelswoche fort. Die Indikatoren im Tageschart sind im Verkauf und richten sich weiter gen Süden. Kurzfristig gibt es daher keine Anzeichen einer Stabilisierung. Das Wochentief wur- de bei 141,44 markiert. Wird dieser Wert unterschritten, eröffnet sich Potenzial bis zur Marke von 140,00. Das 61,8 %-Retracement der Bund-Hausse seit März findet sich bei 139,71 (fortlaufender Kontrakt). Noch ist die Bewegung aber eingebettet in den langfristigen Aufwärtstrend.Quellen: Reuters, Helaba Volkswirtschaft/Research Ralf Umlauf (Tel.: 069/9132-1891)EUR-USD: Mittelfristige Risiken Widerstände: 1,2669 1,2821 1,2904MACD EUR-USD (weekly) Unterstützungen: 1,2440 1,2362 1,2287 Der Wochenchart verdeutlicht, dass sich die jüngsten Stabi- lisierungstendenzen innerhalb des langfristigen Abwärts- trends abspielen und von einer Trendwende bislang nicht zu sprechen ist. Indikatoren wie MACD und DMI auf Wo- chenbasis bestätigen dies und so bleiben mittelfristige Risi- ken erhalten. Dennoch scheint kurzfristiges Erholungspo- tenzial zu bestehen, denn auf Tagesbasis überwiegen die Kaufsignale von Stochastic und MACD. Gelingt der Sprung über das 38,2 %-Retracement der Euroverluste im Mai (1,2669), entsteht Raum bis in die Zone 1,2821/1,2904.Quellen: Reuters, Helaba Volkswirtschaft/Research Ralf Umlauf (Tel.: 069/9132-1891)DAX: Wie endet der Kampf um die 200-Tage-Linie? Widerstände: 6.220 6.288 6.370DMI DAX (daily) Unterstützungen: 6.024 5.938 5.850 Der DAX war zuletzt in einer Handelsrange von 6.055 bis 6.220 Zählern gefangen. Auffällig ist jedoch, dass es dem Index nicht nachhaltig gelungen ist, über die wichtige 200- Tage-Linie (6.237) zu klettern. Das wiederholte Scheitern spricht dafür, dass der deutsche Leitindex derzeit nicht über eine ausreichende Kraft für eine Erholung verfügt. Entspre- chend droht sich die Abwärtsbewegung in Kürze auszudeh- nen. Das erste, „große“ Kursziel lautet dann 5.850 Punkte. Darunter lässt sich bei 5.625 Zählern eine sehr markante Unterstützung finden.Quellen: Reuters, Helaba Volkswirtschaft/Research Christian Schmidt (Tel.: 069/9132-2388) Die Ausführungen auf dieser Seite basieren ausschließlich auf einer charttechnischen Analyse. Unsere fundamentalen Analysen gehen in diese Betrachtung nicht ein. Helaba Volkswirtschaft/Research · 15. Juni 2012· © Helaba 7
  8. 8. Wochenausblick 4 Helaba Kapitalmarktszenarien Für unseren Kapitalmarktausblick 2012 haben wir das Thema „Helden- und Göttersagen“ ge- wählt. Im Hauptszenario „Gordischer Knoten“ (Eintrittswahrscheinlichkeit: 65 %) befreit sich Hauptszenario: die Weltwirtschaft aus einer schwierigen Ausgangslage. Die Industrieländer drohten sich im euro- Gordischer Knoten päischen Schuldengewirr zu verstricken. Doch wird die Euro-Staatsschuldenkrise 2012 abklingen. Dazu tragen ein Ende der Unsicherheit um Griechenland, ein größerer europäischer Rettungs- schirm bzw. eine Verstärkung der Brandmauern sowie ein fortgesetzter Reform- und Konsolidie- rungskurs bei, der von einem Wachstumspakt flankiert wird. Erste Erfolge der europäischen Struk- turreformen stellen sich allmählich ein, so dass insbesondere in Spanien und Italien 2013 wieder mit einem leichten Wachstum zu rechnen ist. Der gordische Knoten kann gelöst werden. Das glo- bale Wirtschaftswachstum schwenkt 2012 auf einen normalen Wachstumstrend ein. Dann dürften die Kapitalmärkte wieder in ruhigeres Fahrwasser geraten, so dass sich ein insgesamt gutes Ak- tienjahr 2012 mit zweistelligen Zuwächsen abzeichnet. Deutsche Renten dürften dagegen unter Druck geraten, da die Nachfrage nach dem kostspieligen sicheren Anlagehafen allmählich abebbt. Im Jahresverlauf 2012 ist mit einer anziehenden globalen Wachstumsdynamik zu rechnen: Die Geldpolitik in den Schwellenländern dürfte wieder vermehrt auf Expansion umschwenken. In den europäischen Problemländern wird der Konsolidierungsdruck zwar hoch bleiben, aber die negati- ven Effekte der Restrukturierungen nehmen ab. In den USA kommt es im Wahljahr dagegen nicht zu größeren Konsolidierungsanstrengungen, so dass die Wirtschaft erneut um rund 2 % wachsen wird. 2013 dürfte das globale BIP insgesamt wieder stärker expandieren. In unserem positiven Szenario „Phönix aus der Asche“ (5 %) kann die Weltwirtschaft an das überdurchschnittliche Wachstum 2010 anknüpfen, jedoch um den Preis einer höheren Inflation. Alternativszenario: Befeuert wird dies von einer expansiven Ausrichtung der Geld- und Fiskalpolitik. Weitere Konso-Phönix aus der Asche lidierungsschritte werden in die Zukunft verschoben. Aktien strahlen heller denn je und Renten verzeichnen im Gegenzug kräftige Kursverluste. In unserem negativen Szenario „Sisyphus“ (30 %) fällt die Weltwirtschaft in eine Rezession. Die Industrieländer geraten in ein deflationäres Umfeld. Trotz massiver Anstrengungen kann die euro- Alternativszenario: päische Schuldenkrise nicht bewältigt werden. Der Versuch Staaten und Banken gleichzeitig zu Sisyphus retten stellt sich als Sisyphusarbeit heraus. In China platzt die Immobilienblase und führt zu hefti- gen realwirtschaftlichen Verwerfungen weltweit. Geopolitische Risiken könnten zudem die Kon- junktur zusätzlich belasten. Anleger suchen Sicherheit, wovon der US-Dollar und die Rentenmärk- te profitieren. Auf die Aktienmärkte hingegen rollt ein erneuter Einbruch zu. Investmentszenarien 2012 Szenarien Wahrschein- Wachstum Inflation Renten Euro Aktien 2012 lichkeit Gordischer 65% Knoten Phönix aus 5% der Asche Sisyphus 30% Quelle: Helaba Volkswirtschaft/Research Helaba Volkswirtschaft/Research · 15. Juni 2012· © Helaba 8
  9. 9. Wochenausblick5 Helaba Basisszenario mit PrognosetabelleIm Hauptszenario „Gordischer Knoten“ (Eintrittswahrscheinlichkeit: 65 %) befreit sich dieWeltwirtschaft aus einer schwierigen Ausgangslage. Die Industrieländer drohten sich im europäi-schen Schuldengewirr zu verstricken. Doch wird die Euro-Staatsschuldenkrise 2012 abklingen:Dazu tragen ein Ende der Unsicherheit um Griechenland, ein größerer europäischer Rettungs-schirm bzw. eine Verstärkung der Brandmauern sowie ein fortgesetzter Reform- und Konsolidie-rungskurs in der Eurozone bei, der von einem Wachstumspakt flankiert wird. Erste Erfolge dereuropäischen Strukturreformen stellen sich allmählich ein, so dass insbesondere in Spanien undItalien 2013 wieder mit einem leichten Wachstum zu rechnen ist. Der gordische Knoten kanngelöst werden. Das globale Wirtschaftswachstum schwenkt 2012 auf einen normalen Wachstums-trend ein, so dass die Kapitalmärkte wieder in ruhigeres Fahrwasser geraten.Rentenmärkte: Die EZB wird den Leitzins vermutlich bei 1 % fixieren, zugleich aber mit Liqui-ditätsmaßnahmen wie Kaufprogramme für Staatsanleihen gefährdeter Euro-Länder sowie Lang-fristtender für Finanzmarktstabilität sorgen. Die hohe Unsicherheit um den Verbleib Griechenlandsim Euroraum hat zu einer extremen Risikowahrnehmung im Euroraum geführt. Investoren nehmensogar eine negative Realverzinsung für Bundesanleihen in Kauf. Mit Überwindung der Krise dürf-te die Nachfrage nach den sehr teuren Bundesanleihen zurückgehen. Die sich abzeichnende Ver-gemeinschaftung von Staatsschulden innerhalb Europas (sog. Projektbonds) sollte die BonitätDeutschlands in Mitleidenschaft ziehen. Die Verzinsung 10-jähriger Staatsanleihen dürfte inDeutschland 2012 zwischen 1,0 % und 2,2 % schwanken, in den USA zwischen 1,5 % und 2,6 %.Euro: Die Sorgen um die europäische Schuldenkrise werden im zweiten Halbjahr 2012 dank poli-tischer Lösungen in den Hintergrund gedrängt. Die Konjunktur in der Eurozone fasst wieder Tritt,der Wachstumsvorsprung der USA schmilzt. Die US-Geldpolitik bleibt sehr expansiv, selbst wei-tergehende Maßnahmen sind nicht ausgeschlossen. Der Euro dürfte sich daher gegenüber dem US-Dollar erholen. Der Euro-Dollar-Kurs sollte sich 2012 im Bereich von 1,20 bis 1,40 bewegen.Aktienmärkte: Mit einer Beruhigung der Schuldenkrise und wieder robusteren Konjunkturdatenwird der Risikoappetit der Anleger zunehmen. Dies dürfte zu Umschichtungen zugunsten vonAktien führen. Auch die günstige Bewertung spricht mittelfristig klar für Dividendentitel, zumaldie Liquiditätsversorgung auch künftig sehr großzügig ausfallen wird. Der DAX dürfte daher imzweiten Halbjahr die Marke von 7.000 Punkten wieder überschreiten.Helaba Volkswirtschaft/Research · 15. Juni 2012· © Helaba 9
  10. 10. WochenausblickPrognoseübersicht Bruttoinlandsprodukt Verbraucherpreise Veränderung gg. reale Veränderung gg. Vorjahr in % Vorjahr in % 2010 2011 2012p 2013p 2010 2011 2012p 2013pEuroland 1,9 1,5 0,2 1,3 1,6 2,7 2,4 2,1 Frankreich 1,6 1,7 0,7 1,5 1,7 2,3 2,4 2,1 Italien 1,8 0,5 -1,1 0,7 1,6 2,9 3,0 2,2 Spanien -0,1 0,7 -0,8 0,5 2,0 3,1 2,0 2,2 Griechenland -3,5 -6,9 -5,0 0,0 4,7 3,1 0,5 0,5 Irland -0,4 0,7 0,5 1,5 -1,6 1,2 2,1 1,9 Portugal 1,4 -1,6 -3,5 -1,0 1,4 3,6 2,5 1,5 Deutschland* 3,6 3,1 1,2 1,7 1,1 2,3 2,0 2,0Großbritannien 2,1 0,7 0,5 1,5 3,3 4,5 3,0 2,6Schw eiz 2,7 2,1 1,2 1,2 0,7 0,2 -0,3 0,8Schw eden 6,2 3,9 1,0 1,3 1,2 3,0 1,5 1,8Polen 3,9 4,3 2,7 3,0 2,7 4,2 4,0 3,3Ungarn 1,3 1,7 -0,5 1,0 4,9 3,9 5,7 4,0Tschechien 2,7 1,7 0,5 1,7 1,5 1,9 3,4 2,5Russland 4,3 4,3 3,5 4,0 6,9 8,4 5,0 6,0USA 3,0 1,7 2,2 2,0 1,6 3,1 1,9 1,4Japan 4,4 -0,7 2,3 1,0 -0,7 -0,3 0,5 -0,2Asien ohne Japan 8,5 6,5 6,0 6,5 5,1 6,0 5,0 5,0 China 10,4 9,2 8,4 8,8 3,3 5,3 4,0 4,4 Indien 9,6 7,1 6,5 7,0 12,0 8,9 8,0 7,5Lateinamerika 5,9 4,0 3,5 4,0 5,9 6,5 6,5 6,0 Brasilien 7,5 2,7 3,3 4,0 5,0 6,6 6,0 5,5Welt 4,9 3,4 3,3 3,6 2,9 3,9 3,1 2,9s = Schätzung, p = Prognose; *Deutschland: arbeitstäglich bereinigt;Quellen: EIU, EcoWin, Datastream, Helaba Volkswirtschaft/Research Helaba Volkswirtschaft/Research · 15. Juni 2012· © Helaba 10

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