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Weißbuch InnenstadtStarke Zentren für unsere Städte und Gemeinden
Weißbuch InnenstadtStarke Zentren für unsere Städte und GemeindenBerlin, Bonn Juni 2011
4                                       Grusswort    Die Entwicklung lebendiger Innenstädte und    Ortszentren ist zentral...
Grusswort                                                                                         5Der Diskussionsprozess ...
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KurzfassunG                                                                                       9Stachusbrunnen am Karls...
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1. starKe stäDte unD GeMeInDen Brauchen starKe zentren                                              13                    ...
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2. zur sItuatIon unD zu Den PersPeK tIven Der InnenstäDte                                        21schlussfolgerungen     ...
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2. zur sItuatIon unD zu Den PersPeK tIven Der InnenstäDte                                                   27Bildungsstan...
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2. zur sItuatIon unD zu Den PersPeK tIven Der InnenstäDte                                        31Maßnahmen ist es neben ...
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  1. 1. Weißbuch InnenstadtStarke Zentren für unsere Städte und Gemeinden
  2. 2. Weißbuch InnenstadtStarke Zentren für unsere Städte und GemeindenBerlin, Bonn Juni 2011
  3. 3. 4 Grusswort Die Entwicklung lebendiger Innenstädte und Ortszentren ist zentrales Ziel meiner Stadt- und Raumentwicklungspolitik. Städte und Gemein- den brauchen lebendige Zentren. Dies gilt für unsere Ballungszentren ebenso wie für unsere ländlichen Räume. Angesichts des demografi- schen und strukturellen Wandels bedarf es der gemeinsamen Anstrengung aller Partner, die Innenstädte und Ortszentren zu erhalten und zukunftsfähig weiter zu entwickeln. Aus diesem Grund habe ich im Oktober 2010 einen Entwurf Weißbuch Innenstadt vor- gelegt und zu einem breiten Diskussionsprozess aufgerufen. Alle waren aufgefordert, sich zu be- teiligen und Stellung zu nehmen. Ziel des Weiß- buchs ist es, wesentliche Trends für die Innen- städte fachlich und politisch zu bewerten und möglichst konkrete Handlungsempfehlungen für die nächsten Jahre zu bestimmen. Das jetzt vorliegende Weißbuch Innen- stadt ist das Ergebnis eines umfassenden fachli- chen und politischen Diskurses. An dem Prozess haben sich Kommunen, Landkreise, Länder, Kirchen, Kammern, Verbände und Vereine, Wissenschaftler, Firmen und Beratungsbüros, aber auch viele kleinere Initiativen sowie Bür- gerinnen und Bürger beteiligt. Sie haben die fachpolitische Diskussion mit vielfältigen Anre- gungen und auch kritischen Anmerkungen, mit Ideen und vor allem mit konkreten Hand- lungsvorschlägen bereichert und ein großes Stück nach vorne gebracht.
  4. 4. Grusswort 5Der Diskussionsprozess ist ein zentraler Bau- grafischen und wirtschaftlichen Strukturwan-stein in der Strategie der Nationalen Stadtent- del betroffen sind. Unsere ländlichen Räumewicklungspolitik. Mit dem Weißbuch Innen- brauchen starke Klein- und Mittelstädte –stadt bestimmen wir gemeinsam die wichtigs- besonders um die Daseinsvorsorge für die Men-ten Aufgaben der nächsten Jahre. Es richtet sich schen in den jeweiligen Regionen zu sichern.an alle, die sich für eine integrierte und nach- Die Stadt-Umland-Verflechtung spielt einehaltige, wirtschaftlich tragfähige, sozial ausge- besondere Rolle für die Zentrenentwicklung,wogene und ökologisch orientierte Innenstadt- nicht nur in den Metropolregionen.entwicklung einsetzen. Das Weißbuch bündelt Mit dem Weißbuch Innenstadt stärkt derden Stand der politischen und fachlichen De- Bund das Bewusstsein für die Bedeutung leben-batte zu unseren Innenstädten und Ortszentren. diger Innenstädte für unsere Städte und ihr Um-Es deckt ein breites Themenspektrum ab, weil land. Damit möchte ich die Städte und Gemein-unsere Städte und Gemeinden sehr unter- den unterstützen, die bereits die Entwicklungschiedlichen Chancen und Problemen gegen- ihrer Zentren als besondere Aufgabe verstehen.überstehen. Zugleich erhebt es nicht den An- Ich möchte aber auch diejenigen ermuntern,spruch, passgenaue Lösungen für alle zu bieten. die es vorhaben. Ich würde es sehr begrüßen,Nicht alle Vorschläge sind von Kommune zu wenn die intensive Auseinandersetzung mitKommune übertragbar. Dennoch bietet es eine dem eigenen Zentrum dazu führen würde, dassbreite Fülle an Empfehlungen und Orientie- Städte und Gemeinden ihre innerstädtischenrung. Wir wollen den Diskussionsprozess in den Entwicklungskonzepte überarbeiten und aktu-folgenden Jahren fortsetzen und weiter konkre- alisieren oder sogar ihr jeweils eigenes, „Weiß-tisieren. buch Innenstadt“ erarbeiten. Der Bund wird Die Bundesregierung wird heute und in hierbei gerne Unterstützung leisten.den kommenden Jahren ihren Beitrag für dieInnenstädte und Ortszentren leisten. Dabeihaben wir sowohl die Situation unserer großenund mittleren Städte im Blick als auch die Ent-wicklung der Zentren kleinerer Städte undGemeinden sowie der Infrastruktur in unseren Dr. Peter Ramsauer, MdBländlichen Regionen. Größere Städte haben Bundesminister für Verkehr, Bauneben dem Stadtkern oft mehrere Teilzentren, und Stadtentwicklungdie wichtige Funktionen für das Alltagslebender Bürgerinnen und Bürger leisten. Auch diesenehmen wir in den Blick. Weiterhin unterstüt-zen wir gezielt kleinere Städte und Gemeinden,die von unterbliebener Erneuerung, vom demo-
  5. 5. 6 InhaltsverzeIchnIsGrußwort . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4Inhaltsverzeichnis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6Kurzfassung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 71. Starke Städte und Gemeinden brauchen starke Zentren. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 102. Zur Situation und zu den Perspektiven der Innenstädte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 162.1 Marktplatz Innenstadt . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 182.2 Wirtschaftsraum und Arbeitsort Innenstadt . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 242.3 Wohn- und Lebensraum Innenstadt . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 282.4 Innenstadt als Ort der Integration. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 342.5 Mobilität in Innenstädten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 382.6 Innenstadt als Ort von Kultur, Baukultur und Stadtleben . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 463. Ausblick: Politik für die Innenstädte und Ortszentren . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 52Impressum . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 58
  6. 6. KurzfassunG 7Weißbuch Innenstadt – Starke Zentrenfür unsere Städte und Gemeinden„weißbuch Innenstadt“ – Innenstädte als orte des handelsergebnis einer breiten Debatte Traditionell sind Innenstädte Orte des Handels.Das vorliegende Weißbuch Innenstadt ist In der Regel trägt die Vielfalt an Geschäftendas Ergebnis eines umfassenden öffentlichen zur Lebendigkeit der Innenstädte und Ortszen-Diskussionsprozesses, der im Oktober 2010 tren bei. Aktuelle Entwicklungen, wie derdurch eine Initiative des Bundesministeriums Strukturwandel im Einzelhandel, die Krise derfür Verkehr, Bau und Stadtentwicklung Kauf- und Warenhäuser und Trends wie der(BMVBS) gestartet wurde. Im Laufe des halbjäh- zunehmende Verlust inhabergeführter Einzel-rigen Prozesses mit einem Auftaktkongress, handelsgeschäfte gefährden jedoch die Attrak-Fachkonferenzen und der Möglichkeit, sich tivität und den Abwechslungsreichtum inschriftlich zu beteiligen, haben sich zahlreiche den Stadtzentren. Eine der größten aktuelleninnerstädtische Akteure zu Wort gemeldet. Herausforderungen für die StadtentwicklungKommunen, Landkreise, Länder, Kirchen, ist es, innerstädtische Einkaufszentren in dieKammern, Verbände und Vereine, Wissen- baulich-räumliche Struktur der Städte zu inte-schaftler, Firmen und Beratungsbüros, aber grieren. Ein Lösungsansatz, um Stadtzentrenauch viele kleinere Initiativen sowie Bürgerin- als Handelsort zu stärken, könnte zum Beispielnen und Bürger haben vielfältige Ideen und eine Neuausrichtung der kommunalen Flä-Anregungen, aber auch kritische Anmerkun- chenpolitik sein. Auch Einzelhandelskonzeptegen zum Entwurf des Weißbuches geäußert. auf regionaler Ebene sind erforderlich. HierzuSie haben ihn mit konkreten Handlungsvor- kommen innovative Konzepte für eine Umnut-schlägen bereichert und um wichtige zung oder Einbindung großer leer stehenderAspekte ergänzt. Immobilien in die städtische Struktur.Marktplatz in Stuttgart
  7. 7. 8 KurzfassunGInnenstädte als wirtschaftsraum und arbeitsort Innenstädte als wohnorteDie Innenstädte als Arbeitsorte sind durch den Immer mehr Menschen entdecken die Innen-Wandel von der Produktions- zur Dienstleis- städte und Ortszentren als attraktive Wohnorte.tungs- und Informationsgesellschaft starken Sie erwarten hier eine breite Infrastrukturaus-Veränderungen unterworfen. Viele Wirt- stattung und gute Wohnbedingungen. Nachschaftsunternehmen haben in den Stadtteilen jahrzehntelang gegenläufigem Trend verzeich-und verkehrlich gut erschlossenen Stadtrand- nen vor allem einige Großstädte eine Renaissancelagen neue Standorte gegründet. Andererseits des innerstädtischen Wohnens – hauptsächlichkann heute eine gute Adresse in innerstäd- für kleine Haushalte. Familien mit Kinderntischer Lage wieder eine wichtige Rolle für die finden dagegen oft keinen bezahlbaren Wohn-Unternehmenskultur spielen. Die Umnutzung raum in geeigneter Größe und Qualität. Kenn-brach gefallener Gewerbeareale oder leer ste- zeichnend für die Innenstädte ist das engehender historisch wertvoller Gebäude eröffnet Nebeneinander sehr unterschiedlicher Lagen:zusätzlich neue Perspektiven für die Innenstadt Gute teure Standorte liegen oft in unmittel-als Standort für Unternehmen jeder Größe. Für barer Nachbarschaft zu eher unattraktivendas Handwerk bestehen insbesondere an den Lagen. Einkommensschwächere HaushalteInnenstadtrandlagen Potenziale. Nutzungsmi- nehmen häufig unsanierte Wohnungsbeständeschung, die Stärkung der Büronutzung und in Innenstadtrandlagen in Anspruch. DarüberVerlagerung von Standorten der öffentlichen hinaus sind nach wie vor viele Innenstädte, ins-Hand in die Innenstadt können Strategien sein, besondere in den ostdeutschen Ländern, durchdie Zentren in ihrer Funktion als Arbeits- und eine hohe Leerstandsquote gekennzeichnet.Wirtschaftsort zu stabilisieren. Kommunale Wohnkonzepte oder innovative Strategien für das Wohnen im Altbaubestand könnten hier Lösungsansätze bieten.
  8. 8. KurzfassunG 9Stachusbrunnen am Karlsplatzin MünchenInnenstädte als orte sozialer und Innenstädte und ortszentren als orte vonethnischer Integration Kultur, Baukultur und stadtlebenNeue Lebensstile und Milieus konzentrieren Die Stadtkerne mit ihren kulturellen Anzie-sich häufig in den innerstädtischen Quartieren. hungspunkten, ihren Plätzen, BaudenkmalenVielfalt stellt zum einen eine Bereicherung dar. und Theatern, aber auch mit ihren Kirchen undAuf der anderen Seite wachsen in den Städten religiösen Einrichtungen sind für Bürgerinnenallgemein und vor allem in den Zentren soziale und Bürger Orte der Identifikation. Gastrono-und ethnische Polarisierungen. Die Bemü- mie, Hotellerie und Freizeiteinrichtungen sowiehungen um Integration und gesellschaftlichen Ereignisse wie Sport-, Musik- und Kulturver-Zusammenhalt werden in der Stadtentwick- anstaltungen beleben die Zentren. Bürgerschaft-lung weiter an Bedeutung gewinnen. Aufgabe lich oder ehrenamtlich organisierte Kultur- undbleibt es, besonders benachteiligte Stadtquar- Freizeitprojekte spielen neben den öffentlichentiere zu stärken, indem Bildungseinrichtungen und privatwirtschaftlichen Angeboten eineausgebaut werden und die Wirtschaft in den zunehmend wichtige Rolle. Für die Kreativwirt-Stadtquartieren unterstützt wird. schaft ergeben sich insbesondere in den In- nenstadtrandlagen neue Chancen. Mit mehrMobilität in Innenstädten kommunalen Einrichtungen von Kultur und Da-Mobilität und gute Erreichbarkeit sind heute seinsvorsorge, Projekten der Baukultur undbedeutende Standortfaktoren für Unternehmen innovativen Finanzierungsmodellen für Kultur-und Haushalte. Viele Innenstädte verzeichnen projekte gewinnen Innenstädte auch als Kultur-deshalb ein wachsendes Verkehrsaufkommen raum an Attraktivität.insbesondere im motorisierten Verkehr mit ent-sprechenden Folgen hinsichtlich Lärm und ausblick: Politik für Innenstädte undLuftschadstoffen. Gleichzeitig ist die Gewähr- ortszentrenleistung von Mobilitätsvielfalt für die Stärkung Das BMVBS hat im Weißbuch Innenstadt unterder Innenstädte ausschlaggebend. Ziel ist es Einbeziehung der Diskussionsbeiträge einerdeshalb, eine effiziente, sichere sowie sozial- breiten Öffentlichkeit eine breite Fülle an Vor-und umweltverträgliche Mobilität von Menschen schlägen für attraktive und lebendige Innen-und Gütern zu gewährleisten. Dabei sind alle städte formuliert. Die vorgeschlagenen Maß-Mobilitätsformen zu berücksichtigen, auch der nahmen richten sich an den Bund selbst, an diePKW-Verkehr, und durch intelligente Mobili- Länder, die Kommunen, aber z. B. auch an Privatetätskonzepte gut aufeinander abzustimmen. und Gewerbetreibende, Eigentümerinnen undGefragt sind neue Lösungen beim Ausbau einer Eigentümer sowie Bürgerinnen und Bürger.effektiven Nahmobilität zum Beispiel durch Jetzt geht es darum, in enger Partnerschaft anattraktive Fuß- und Radwegenetze und zuver- den Themen weiter zu arbeiten und geeignetelässige und bezahlbare öffentliche Verkehrs- Maßnahmen umzusetzen. Nach wie vor bleibensysteme, aber auch neue Logistikkonzepte für Fragen offen, neue Fragen treten hinzu. Deswe-den zunehmenden Liefer- und Kurierverkehr. gen müssen wir die Diskussion fortsetzen und in manchen Bereichen weiter konkretisieren.
  9. 9. 10
  10. 10. 1 11 Starke Städte und Gemeindenbrauchen starkeZentrenBlick von oben auf die Innenstadtder Stadt Lenzen (Elbe)
  11. 11. 12 1. starKe stäDte unD GeMeInDen Brauchen starKe zentrenDie Innenstadt ist ein einzigartiger und unver- aktiv in den Prozess der Weiterentwicklung derwechselbarer Identifikationsort für die gesamte Stadtkerne einzubinden und ihre Interessen,Bürgerschaft. In den Innenstädten ist die deut- Anliegen, Ideen und Empfindungen ernst zusche und europäische (Stadt-)Geschichte erleb- nehmen. Über die bestehenden Verfahren hin-bar. Hier liegen die historischen Ursprünge, aus gilt es, neue geeignete Möglichkeiten derhäufig befinden sich hier die bedeutsamen Denk- Mitwirkung zu finden.male und Bürgerhäuser. Das gleichermaßen Innenstädte und Ortszentren haben eineerlebbare Engagement für gut erhaltene Stadt- tragende wirtschaftliche Bedeutung für Städtekerne in Groß-, Mittel und Kleinstädten ist ein und Regionen. Innenstadt ist häufig auch öko-Beleg dafür, dass dieses Kulturgut lebendig bleibt. nomisch der zentrale „Standort“, sowohl in Im Ortskern stehen Rathaus, Kirche und großen als auch in kleinen Städten. In den Innen-kulturelle Einrichtungen. Hier laden öffentliche städten der größeren Städte finden sich oft diePlätze zum Begegnen und Treffen ein, hier Hauptverwaltungen großer Unternehmen,feiert die Bürgerschaft ihre Feste. Die Stadtmitte Behörden und Universitäten. Vitale und baulichist Bühne, Laufsteg und Schaufenster. Vielfäl- ansprechende Innenstädte werden ein immertige Gastronomie und lokale Geschäftswelt wichtigerer Standortfaktor. Hochqualifizierteladen die Stadtbevölkerung ein, „in die Stadt“ Arbeitskräfte verlangen nach guten Wohnun-zu gehen. In den Zentren kristallisiert sich gen, zuverlässiger Infrastruktur und vielfältigenHeimat, dorthin führen die Bürgerinnen und Kulturangeboten. Sie wollen ein lebendigesBürger ihren Besuch zuerst. Sie sind die Visiten- Umfeld mit eigenem, möglichst unverwechsel-karten der Stadt und stehen für das Profil von barem Charakter. Das bieten nur solche StädteStadt und Region. und Gemeinden, die ihre Innenstädte pflegen Die Innenstädte erfreuen sich starker und entwickeln.bürgerschaftlicher Aufmerksamkeit. Das zeigt Innenstädte stellen heute beachtlichesich unter anderem im wachsenden Interesse ökonomische Werte dar, die es zu bewahrenan städtebaulichen Projekten. Der drohende gilt. Über Jahrhunderte haben private und öf-Abriss eines prominenten Gebäudes, die Neu- fentliche Hand umfangreiche Investitionenbebauung einer innerstädtischen Brache, aber in Gebäude und in die private und öffentlicheauch die Umgestaltung eines Marktplatzes Infrastruktur getätigt. Sie haben damit eineerzeugen öffentliche Diskussionen – die nicht beachtliche baukulturelle Qualität und eineselten leidenschaftlich geführt werden. Immer sehr leistungsfähige Infrastruktur geschaffen.mehr Bürgerinnen und Bürger engagieren sich Diese Investitionen sind in Gefahr, wenn dieehrenamtlich für ihre Stadt. Engagement ist Innenstädte ihre wirtschaftliche Basis verlieren.der Motor für zukunftsfähige Innenstädte. Wie Angesichts einer zwingend erforderlichenin der Vergangenheit sind auch heute eine Haushaltskonsolidierung stellt sich die Fragestarke Selbstverantwortung und bürgerschaft- nach einer höheren Effizienz öffentlicher Infra-liches Engagement Ausgangspunkt und Erfolgs- strukturausgaben und Förderpolitik nochkriterium der Innenstadtentwicklung. Für dieStadtentwicklungsplanung bedeutet dies, Bür-gerschaft, private Eigentümerinnen und Eigen-tümer sowie lokales Gewerbe und Investoren
  12. 12. 1. starKe stäDte unD GeMeInDen Brauchen starKe zentren 13 Königstraße in Gütersloh mit Blick auf die Martin Luther Kirchenachdrücklicher. Das gilt für die Bundesebene,aber auch für Länder und Kommunen. Umsowichtiger wird es, die knappen öffentlichenMittel dorthin zu lenken, wo sie den größtengesellschaftlichen Nutzen bringen. Wichtiges Merkmal und Gradmesser fürdie Qualität der Innenstadt und des Ortszent-rums ist der öffentliche Raum mit seinem Netzvon Straßen, Plätzen, Parks und Grünflächen.Er ermöglicht urbanes Leben und hohe Lebens-und Aufenthaltsqualität. Das baukulturelleErbe zeugt von diesem dauerhaften Anspruch.Hier liegen unmittelbare Gestaltungs- und Ein-griffsmöglichkeiten. Der öffentliche Raumbildet auch zukünftig das Rückgrat der Stadt,baukulturelle Ansprüche machen sich entschei-dend hieran fest. Auch weiterhin sind von Bund,Ländern und Kommunen hohe Qualitätsstan-dards anzulegen, wenn die Städte und Gemein-den zukunftsfähig gestaltet sein sollen. Der Zeitpunkt, mehr für die Innenstädte Vor dem Hintergrund steigender Kosten fürzu tun, ist günstig. Die Innenstadt wird vieler- Energie und Mobilität wird die Attraktivität vonorts als bevorzugter Wohnort wieder entdeckt. Innenstädten langfristig steigen. AllerdingsDurch den Strukturwandel entstandene große wirken sich die zu erwartenden klimatischenBrachflächen in der Innenstadt bieten die Chan- Veränderungen gerade in den Innenstädtence, hier Neues zu entwickeln. Die in Stadtkernen mit ihrer baulichen Dichte aus (z. B. lokale Hitze-häufig gute infrastrukturelle Versorgung und inseln, Hochwasserereignisse). Hier bestehtdie Nähe zu Dienstleistungs-, Handels- und sowohl großes Potenzial als auch eine Zukunfts-Handwerksangeboten machen das Wohnen in aufgabe, die Innenstadt durch bauliche Anpas-der Innenstadt zusätzlich attraktiv. Diese Vor- sungen und eine integrierte Freiraum- undteile ziehen junge Leute an, aber auch Ältere Grünplanung attraktiv und zukunftsfähig wei-schätzen zunehmend die wohnungsnahen terzuentwickeln. Innovative Verkehrstechnolo-Angebote. Die „Stadt der kurzen Wege“ ist ein gien wie die Elektromobilität und die Weiter-Ideal für alle Bevölkerungsgruppen. entwicklung des ÖPNV bieten große Chancen, innerstädtische Mobilität leise, sauber und klimafreundlich zu gestalten.
  13. 13. 14 1. starKe stäDte unD GeMeInDen Brauchen starKe zentren regionalen Lage sehr unterschiedliche Entwick- lungsvoraussetzungen haben, sind individuelle Lösungen zu finden. Regionale Verflechtungen spielen für Städte als Gesamtstadt, aber auch für die Ent- wicklung der Innenstädte eine immer stärkereDemografische Prozesse wie Bevölkerungsrück- Rolle. Städte und ihr Umland brauchen einan-gang, Alterung und Migration stellen zusam- der. Die Stärkung der Zentren in kleinerenmen mit dem wirtschaftlichen Strukturwandel Städten ist eine ganz besondere Aufgabe. Inauch die Innenstädte vor große Herausforde- dünn besiedelten Regionen mit sinkenderrungen. Manche Zentren sind mehr durch leer Bevölkerungsdichte übernehmen die Zentrenstehende Wohnungen und Ladenzeilen ge- von Klein- und Mittelstädten Funktionen alsprägt denn durch Lebendigkeit. Entspannte Ankerpunkte der Daseinsvorsorge. Hier müssenWohnungsmärkte auf der einen, Verdrän- starke Zentren mit leistungsfähiger öffentlichergungstendenzen aufgrund hoher Mieten auf und privater Infrastruktur Mittelpunktfunktio-der anderen Seite stellen die Kommunen vor nen für die gesamte Region übernehmen.schwierige Steuerungsaufgaben. Mitunterbesteht eine besondere Herausforderung geradein der unmittelbaren Nachbarschaft vonWachstum und Schrumpfung. Da die Städteund Gemeinden aufgrund ihrer Größe und Innenstädte in Deutschland: Meersburg, Lübeck und Frankfurt
  14. 14. 15Zum Begriff „Innenstadt“Es gibt keine allgemeingültige, bundesweit verbind- Gleichwohl gibt es vielfältige Gemeinsamkeiten,liche Definition von „Innenstadt“. Was als Innen- die als allgemeingültige Kriterien für das geltenstadt verstanden wird, ist abhängig von örtlichen können, was Innenstadt als Kern der GesamtstadtGegebenheiten, von sehr unterschiedlichen fach- ausmacht: hohe bauliche und soziale Dichte, Nut-lichen Sichtweisen und vielfältigen Erwartungen zungsmischung, hohe Konzentration von Geschäf-der Städterinnen und Städter. ten aller Art und Büros diverser Branchen, zentrale In der Fachwelt reicht das Spektrum von dem Versorgungsfunktionen und räumlich-funktionaleengeren Begriff der Innenstadt als „Stadtzentrum“ Zentralität. Meist sind außerdem die Allgegenwartoder „City“ mit „Cityrand“ bis hin zu dem weiter des örtlichen baukulturellen Erbes, Stadtbild prä-gefassten Begriff der „inneren Stadt“, also dem gende und Identität stiftende Bauwerke und PlätzeZentrum einschließlich der Innenstadtrandgebiete.1 kennzeichnend. Die ortstypische „Wirklichkeit“In vielen Städten ist der Bereich der Innenstadt im der Innenstadt erwächst auch aus dem konkretenengeren Sinne deckungsgleich mit dem Gebiet des baulichen Wechselverhältnis von Geschichte undhistorischen Stadtkerns; hier dominiert der Handel. Gegenwart, aus der lebendigen Nachbarschaft vonIm weiteren Sinne gehören aber auch die Innen- Vertrautem und Neuem, aus der Konfrontation vonstadtrandgebiete zur Innenstadt; hier dominiert das Gewohntem und Fremdem. Nebenzentren bzw.Wohnen, zumeist in Gebäuden aus Vorkriegszeiten. Ortsteilzentren vereinigen häufig einen Teil der ge- Dieses idealtypische Bild von Stadt mit nannten Funktionen der Innenstadt auf sich, im„City“, „Cityrand“, Innenstadtrand und Stadtrand Wesentlichen haben sie zentrale Versorgungsfunk-wird in vielen Städten überlagert durch ein polyzen- tionen für die hier lebenden Menschen.trisches System von mehreren Zentren, die vor Innenstädte sind vielfältig in ihrer Funktion,Gebietsreformen historisch gewachsene Kerne verschieden in ihrer Dimension, individuell in ihrereigenständiger Gemeinden waren. Gleichwohl hat Geschichte und speziell in ihrer Eigenart. Pauscha-sich fast überall ein Identität stiftender Stadtkern lisierungen und Durchschnittswerte verführenherausgebildet. In der Regel markieren zentrale zu Fehlschlüssen. So liegt z. B. der Anteil der Innen-Plätze oder prominente Bauwerke die Stadt- oder stadtbevölkerung an allen Stadtbewohnern zwischenOrtsmitte. Schwierig ist hingegen die Abgrenzung 4 und 44 Prozent, während sich der Flächenanteilzum Rand. Während der Stadtrand durch adminis- zwischen 1 und 16 Prozent und der Anteil der Woh-trative Grenzen politisch deutlich definiert ist, geben nungen in der Innenstadt zwischen 4 und 47 Prozentdie innerstädtischen statistischen Bezirke großer bewegt 2. In jedem Einzelfall muss also offengelegtStädte nicht immer die funktionalen Zusammen- werden, welcher Innenstadtbegriff zu Grundehänge wieder. In kleineren Städten wird meist nur gelegt wird.von „Innenstadt“ oder vom „Zentrum“ gesprochen. Im Weißbuch ist das Kapitel „Wohnen“ eherImmer muss auch das Wechselverhältnis der Innen- durch einen weiten Begriff von Innenstadt geprägt,stadt zu Stadt- und Ortsteilen, zum Umland und die Kapitel „Handel“ und „Arbeit“ hingegen eherzur Region betrachtet werden. durch einen engen. Bei „Mobilität“, „Integration“ und „Kultur“ stehen beide räumlichen Dimensionen in einem besonderen funktionalen Wechselverhältnis.1 Definitionen der laufenden Raumbeobachtung des Bundesinstitutes für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR)2 BBSR: Daten aus der laufenden Raumbeobachtung
  15. 15. 16
  16. 16. 2 17 Zur Situation und zu denPerspektiven derInnenstädteEin Teil der Leipziger Innenstadt –Blick vom City-Hochhaus
  17. 17. 18 2. zur sItuatIon unD zu Den PersPeK tIven Der InnenstäDte2.1 Marktplatz InnenstadtInnenstädte sind traditionell orte des handels. eine vielfalt an Geschäften trägt zur lebendigkeitder zentren bei. Dabei ist das Beständigste am handel der wandel. Der strukturwandel im einzel-handel drückt sich in einer starken unternehmens- und umsatzkonzentration sowie einer enormenflächenexpansion aus. Der handel ist und bleibt die leitfunktion für die Innenstadt, seine Dynamikist deshalb auch maßgeblich für die vielen strukturellen änderungen in der Innenstadt. Die Kriseder Kauf- und warenhäuser macht den zusammenhang zwischen Innenstadt, einzelhandel undstadtentwicklung deutlich. veränderte ökonomische rahmenbedingungen und ein zu großes flächen-angebot im städtischen umland gefährden den innerstädtischen einzelhandel und damit die öko-nomische Grundlage der zentren. für die Innenstadt wirkt sich positiv aus, dass sie stärker als in ver-gangenen Jahrzehnten wieder als Investitionsstandort gesehen wird. Diese entwicklungen stehenin enger wechselbeziehung zum Käuferverhalten.
  18. 18. 2. zur sItuatIon unD zu Den PersPeK tIven Der InnenstäDte 19zentrale trends Nebenstraßen) aufweist. In den wachsendenDer Strukturwandel im Einzelhandel, zurück- Regionen haben sich die 1a- und 1b-Lagen stärkergehende Umsatzrenditen pro Verkaufsflächen- voneinander abgekoppelt als in den übrigeneinheit und ein allgemein zu großes Flächen- Teilen Deutschlands. In vielen strukturschwa-angebot wirken sich auf die Struktur der Innen- chen Regionen in West- und Ostdeutschlandstadt und der Orts- und Nebenzentren aus. Bei unterliegen dagegen selbst die 1a-Mieten eherdem vorhandenen Flächenangebot führt weite- negativen Tendenzen. In den Nebenlagenres Flächenwachstum zwangsläufig zur Verän- finden sich häufig unattraktive Gewerbeleer-derung bestehender Strukturen. Pro Kopf hat stände, die sich wiederum auf das Image undDeutschland etwa die Hälfte mehr Verkaufs- die Mieten auswirken. Auch in den kleinen undfläche als z. B. England, Frankreich oder Italien 3. mittelgroßen Städten stehen vermehrt bisherZum einen besteht nach wie vor ein großes inhabergeführte Fachgeschäfte leer.Flächenangebot auf der Grünen Wiese. Zum Vor allem in den 1a-Lagen folgen häufiganderen ist seit Mitte der 1990er Jahre das Flä- traditionellen mittelständischen Fachgeschäftenchenangebot in der Innenstadt durch die Neu- sogenannte Franchiser und Einzelhandels-ansiedlung innerstädtischer Einkaufszentren ketten mit höheren Flächenumsätzen. Die Ge-kontinuierlich angewachsen. In Verbindung schäftsketten mit ihren standardisierten Sorti-mit allgemein sinkenden Umsätzen im Einzel- menten sind bei vielen Menschen, insbesonderehandel ist die Flächenproduktivität auch in Jugendlichen, sehr beliebt. Sie bewirken jedochder Innenstadt rückläufig. in ihrer immer gleichen Anordnung und Wie- Der Internethandel schafft zusätzliche Kon- derholung eine gewisse Gleichförmigkeit undkurrenz zum Einkauf in der Innenstadt, z. B. bei Austauschbarkeit in den Innenstädten, die bisBekleidung und Unterhaltungselektronik oder zur Banalisierung der Orte führen kann. Der-medien. Hier werden inzwischen doppelt so Filialisierungsgrad in den 1a-Lagen in deutschenhohe Umsätze erzielt wie in Kauf- und Warenhäu- Städten bewegt sich im Durchschnitt um 50 %.sern. Der Erlebniskauf wird für Innenstädte des- Die Tendenz ist insbesondere in den Mittel-halb zunehmend bedeutend. Nur wenn die Ein- städten steigend.kaufsatmosphäre insgesamt stimmt, laufen die Auch der Verlust von Kauf- und Waren-Geschäfte gut. Obwohl in vielen Städten ein deut- häusern stellt die Zentren vor große Aufgaben.lich positiver Wandel dieser Atmosphäre erkenn- Besonders Klein- und Mittelstädte sind starkbar ist, ist die Attraktivität und Aufenthaltsqualität betroffen, wenn das einzige Kaufhaus als Anker-vielerorts noch mit hohen Mängeln behaftet. punkt der Innenstadt geschlossen wird. Eine Die Trends forcieren eine fortschreitende Mehrheit der Kommunen, die von der Schlie-Polarisierung von Einkaufslagen. Die Zentren- ßung von Warenhäusern betroffen waren, ver-struktur differenziert sich zunehmend in 1a- zeichnet einen Imageverlust der betroffenenund 1b-Lagen – bester Indikator dafür sind die Einzelhandelslage sowie einen Bedeutungsver-Mietpreise. Die stark frequentierten 1a-Lagen lust des Zentrums als Ganzem.(Haupteinkaufsstraßen) haben ein überdurch-schnittlich hohes Mietniveau, das oft ein Vier- 3 Alle zitierten Daten im Dokument stammen aus dembis Fünffaches der 1b-Lagen (angrenzende Datenbestand des BBSR, sofern keine anderen Quellen angegeben wurden.
  19. 19. 20 2. zur sItuatIon unD zu Den PersPeK tIven Der InnenstäDteEine aktuelle Herausforderung für die Stadt-entwicklung ist die wachsende Anzahl inner-städtischer Einkaufszentren. Insgesamt sindheute über 400 Einkaufszentren in Betrieb,davon ein Drittel innerstädtisch, weitere 80 –meist innerstädtisch – befinden sich in Planung.Für jedes dritte bestehende innerstädtische Centrum Galerie in DresdenEinkaufszentrum besteht Revitalisierungsbe-darf. Grundsätzlich kann eine Neueröffnungzur Stärkung der Zentren beitragen. Gleichwohlmüssen mögliche negative Auswirkungen aufErscheinungsbild, Einzelhandelstruktur, Mietenund Umsätze in angrenzenden Geschäftsstra-ßen und Fußgängerzonen sehr genau bedachtwerden. Vor allem Standorte an Innenstadt-randlagen bedürfen einer besonderen Abwä-gung hinsichtlich städtebaulicher Effekte. Weiles sich meist um große nach außen geschlos-sene Baukörper handelt, ist ihre baukulturelleund stadtstrukturelle Verträglichkeit und ihreEinbindung in die umgebende Stadtstrukturbesonders wichtig und schwierig zugleich. DieStädte tun gut daran, im Rahmen ihrer Möglich-keiten auf die Gestaltung innerstädtischer Ein-kaufszentren Einfluss zu nehmen und ihre dies-bezüglichen Handlungsspielräume zu nutzen.
  20. 20. 2. zur sItuatIon unD zu Den PersPeK tIven Der InnenstäDte 21schlussfolgerungen 2. Gleichermaßen geht es für die Städte darum,Zentrale Aufgabe für eine integrierte Stadtent- Kooperationen zwischen den wichtigen Be-wicklungspolitik ist es, ein ökonomisch trag- teiligten zu schmieden. Das sind neben demfähiges und vielfältiges Einzelhandelsangebot Einzelhandel und dessen Organisationen so-in der Innenstadt zu sichern und – wo möglich – wohl Politik und Verwaltung als auch bürger-zu stärken. Dies kann nur eine gemeinsame schaftliche Organisationen, vor allem aberAufgabe der Kommunen in Zusammenarbeit die Immobilienbesitzerinnen und -besitzer.mit dem Einzelhandel sein. Erfolgreiche Einzel-handelskonzepte für die Innenstädte zielen auf 3. Im engeren stadtplanerischen Handlungs-eine Angebots- und Erlebnisvielfalt, die durch rahmen geht es vor allem um die Konkretisie-einen gesunden Mix aus „angesagten“ großen rung von Handlungsoptionen. Ein funktio-Magneten als Frequenzbringern und individu- nierender Einzelhandel verlangt ein städte-ellen, inhabergeführten Läden als Angebots- baulich ansprechendes Konzept für denbereicherung geprägt sind. Gefordert sind privaten und für den öffentlichen Raum.zudem neue Service-Konzepte wie z. B. Liefer- Attraktive kulturelle und gastronomischedienste und passende Angebotsformen für alle Angebote spielen hier eine besondere Rolle.Altersstufen und Bevölkerungsgruppen. Und: Aus Sicht des Einzelhandels bedarf es Je nach Stadttyp bzw. -größe sind dabei einer leistungsfähigen verkehrlichen Er-unterschiedliche Standards anzusetzen. Die schließung des Standortes Innenstadt (fließen-Innenstädte werden sich darauf einstellen müs- der und ruhender Verkehr). Dies ist planerischsen, dass sich der Wandel in den Betriebsfor- sicherzustellen, sowohl für den PKW- undmen fortsetzen wird. Um die Angebotsvielfalt Lieferverkehr als auch für andere Verkehrs-zu sichern oder aufzubauen, ergeben sich vor arten (ÖPNV, Radverkehr, Fußverkehr).allem drei Aktionsfelder: Eine ausreichende Nahversorgung in den Innenstädten ist ein wichtiger Eckpunkt1. Es sind Rahmenbedingungen für einen zur Stärkung des innerstädtischen Wohnens. attraktiven Betriebsformenmix zu schaffen. Bei der Integration von Lebensmittelmärk- Wichtige Aufgabe dabei ist, die Integration ten in die kleinteilige innerstädtische Struk- innerstädtischer Einkaufszentren in Bezug tur ergeben sich jedoch häufig Konflikte, auf ihre Lage, ihre bauliche Gestalt, ihre weil die Betreiber hohe Flächenangebote Größe und die Öffnung zum öffentlichen und Parkplätze wünschen. Hierfür müssen Raum erkennbar zu verbessern. Gleichzeitig jeweils individuelle Lösungen gefunden muss es darum gehen, den kleinteiligen werden. Das gilt besonders in mittleren und inhabergeführten Einzelhandel zu stärken kleineren Städten. und Konzepte für leer gefallene Kauf- und Warenhäuser zu entwickeln. Dabei ist ins- besondere auch auf eine Bereitstellung von Nahversorgungseinrichtungen zu achten.
  21. 21. 22 2. zur sItuatIon unD zu Den PersPeK tIven Der InnenstäDtePotenzielle Maßnahmen Innerstädtische entwicklungskonzepte: Insbe-neuausrichtung der kommunalen flächen- sondere in größeren Städten sind innerstädtischepolitik: Die Kommunen sollten bei der Steuerung Entwicklungskonzepte unverzichtbar, um Maßnah-der Ansiedlung von großflächigen Einzelhandels- men zur Stärkung der Innenstadt räumlich, zeitlichbetrieben deren Auswirkungen auf zentrale Versor- und inhaltlich aufeinander abzustimmen. Diegungsbereiche noch stärker beachten. Sie müssen Städte und Gemeinden sollten diese Konzepte re-bei dieser schwierigen Aufgabe durch eine konse- gelmäßig evaluieren und fortschreiben. Die Städte-quente Landes- und Regionalplanung unterstützt bauförderung sollte in geeigneten Fällen zur Er-werden. Die in mehreren Ländern getroffenen arbeitung solcher Konzepte genutzt werden.Regelungen sind richtungsweisend: Städte, die zuLasten ihrer Zentren und ihrer Nachbargemeinden Konzepte für die nebengeschäftslagen: StädteFlächen auf der Grünen Wiese ausweisen, sollten müssen aktiv die Aufgabe wahrnehmen, attraktivevon der auf die Innenentwicklung ausgerichteten Innenstadtlagen durch Bebauungspläne, Gestal-Städtebauförderung ausgeschlossen werden. Bei tungssatzungen und städtebauliche Aufwertungender Ausweisung von Flächen sollte die interkom- sicherzustellen. Weiterhin können begleitendemunale und länderübergreifende Zusammenarbeit Liegenschaftspolitik und Beratung z. B. durch diegestärkt werden. Wirtschaftsförderung den Prozess unterstützen. Die Potenziale der 1b-Lagen sind in vielen Innen-regionale einzelhandelskonzepte: Die vielerorts städten bisher zu wenig erschlossen. Aufgrund ge-vorhandenen Konzepte sollten – wo erforderlich – ringerer Mieten bestehen hier besondere Chancenqualifiziert, regional abgestimmt und konsequent durch eine abwechslungsreiche Mischung ausumgesetzt und auch bei Förderentscheidungen inhabergeführtem Einzelhandel, Gastronomie undberücksichtigt werden. Bund und Länder sollten die Kultur. Das kann unterstützt werden durch dieAufstellung und Fortschreibung der Konzepte in Städtebauförderung, Stadtmarketing, „Businessgeeigneten Fällen fördern. Beispiele guter Praxis Improvement Districts“ (BID) oder andere privatekönnten ausgezeichnet werden. Es gilt, die Qualität Initiativen und Verfügungsfonds.derartiger Konzepte bzw. der dazu einzubringen-den (Einzelhandels-)Gutachten zu sichern. Der Bund revitalisierung innerstädtischer flächen: Zurist bereit, in Zusammenarbeit mit den Ländern Förderung der Innenentwicklung und Reduzierungeinen Leitfaden zu entwickeln. des Flächenverbrauchs sollte sich die Stadtent- wicklung auf den städtebaulichen Bestand konzent- rieren. Dies kommt auch der Innenstadt zugute. Hierzu sind Flächenmanagement sowie aktive und partizipative Baulandstrategien zu aktivieren. Für die Revitalisierung innerstädtischer Brachflächen für Wohnen und Gewerbe kann in geeigneten Fällen die Städtebauförderung genutzt werden.
  22. 22. 2. zur sItuatIon unD zu Den PersPeK tIven Der InnenstäDte 23 Wochenmarkt vor dem historischen Rathaus der Stadt Bocholt umnutzung leer stehender Großimmobilien in der Innenstadt: Für große leer stehende Kaufhäu- ser, aber auch andere große stadtentwicklungs- relevante Immobilien wie z. B. leer stehende Post-, Bahn- und andere zentral gelegene Gebäude sind vielfach neue Nutzungen zu finden. Diese sind konzeptionell in die künftige Innenstadtentwick- lung einzubetten. Bei der Entwicklung von Strategien und der Umsetzung sollten Bund und Länder den Kommunen Unterstützung leisten. nutzungsmischung und kleine Grundstücke: Kommunen sollten die Möglichkeiten des Baurechtsregionale und lokale netzwerke: Stadtentwick- zur Erhaltung und Stärkung kleinteiliger Nutzungs-lung wird wesentlich durch Eigentümerinnen und mischung voll ausschöpfen. Nicht jedes Groß-Eigentümer von Grundstücken und Immobilien projekt, das Attraktivitätssteigerung und Arbeits-sowie von Gewerbetreibenden mitbestimmt. In plätze verspricht, ist auch richtig dimensioniert.einer verbesserten Koordination und Kooperation Die Entscheidungsträgerinnen und -träger solltender privaten Interessen liegen noch erhebliche durch Auswertung vorbildlicher Beispiele guterPotenziale. Regionale und lokale Kooperationen, Praxis unterstützt werden.wie z. B. Eigentümerstandortgemeinschaften,sollten inhaltlich und in Bezug auf rechtliche Rege- ausbau der nahversorgung: Kommunen solltenlungen weiterentwickelt und in geeigneten Fällen gerade zur Stärkung des innerstädtischen Wohnensaus der Städtebauförderung unterstützt werden. gemeinsam mit den entsprechenden Akteuren darauf hinwirken, in den Zentren eine ausreichendeumnutzung und stadtstrukturelle einbindung Nahversorgung sicherzustellen. Dies hat insbeson-großer (handels-)Immobilien: Für den Neu- und dere Bedeutung für ältere Bewohnerinnen undUmbau bzw. eine gelungene städtebauliche In- Bewohner und für Familien. In diesem Zusammen-tegration innerstädtischer Einkaufszentren ist eine hang bieten z. B. Wochenmärkte nicht nur dieDokumentation guter Beispiele hilfreich, an der sich Möglichkeit zentrale Plätze in Städten und Ortszen-Projektentwicklung und Kommunen orientieren tren aufzuwerten. Sie sind ein wesentlicher Beitragkönnen. Vorbildliche Projekte guter Praxis könnten für lebendige Innenstädte, stärken regionale Kreis-in einem Bundeswettbewerb ausgezeichnet werden. läufe und die Verflechtung der Städte mit ihrem Umland.
  23. 23. 24 2. zur sItuatIon unD zu Den PersPeK tIven Der InnenstäDte2.2 Wirtschaftsraum und Arbeitsort InnenstadtInnenstädte waren immer schon stätten der arbeit. historische straßennamen wie Gerbergasse,Kannegießergasse oder Bäckergasse belegen dies noch heute. handel fand auf den städtischenPlätzen statt, in den häusern wurde gearbeitet und gewohnt. früher gab es häufig eine engereverknüpfung von arbeiten und wohnen, nicht nur in derselben straße, sondern auch im gleichenGebäude. heute existiert kaum noch produzierendes Gewerbe oder handwerk in innerstädtischenlagen. Die urbane arbeitswelt hat sich gewandelt und dies bildet sich auch in der Innenstadt ab.es dominieren Dienstleistungen in Bürogebäuden – öffentliche und die von großen unternehmen –sowie in kleinen Praxen, Büros und Kanzleien.
  24. 24. 2. zur sItuatIon unD zu Den PersPeK tIven Der InnenstäDte 25zentrale trends schlussfolgerungenGrundsätzlich können sich in innerstädtischen Eine Stadt der kurzen Wege ist durch ein räum-Lagen günstigere Nutzungskombinationen liches Nebeneinander von Wohnen, Einkaufen,ergeben, indem im Erdgeschoss Einzelhandels- Freizeit und durch Wirtschaft und Arbeit ge-geschäfte und in den oberen Etagen Büros oder prägt. Dies gilt es wieder zu verstärken, dennWohnungen untergebracht werden. Die Sub- Arbeitsplätze sind Frequenzbringer. Das Hand-urbanisierung der letzten Jahrzehnte betraf werk trägt ebenso wie der Einzelhandel und dieaber nicht nur den Wohnungsbau. Auch viele Gastronomie zur Lebendigkeit der InnenstädteWirtschaftsunternehmen haben in den Stadt- und der Nebenzentren bei. Für produzierendesteilen und auch an verkehrlich gut erschlosse- Gewerbe sind insbesondere in den Innenstadt-nen Stadtrandlagen neue Standorte gegründet randlagen geeignete Flächen vorzuhalten undund konnten so ihre Erweiterung räumlich eine Verdrängung durch Wohn- und Einkaufs-organisieren. Seit Jahren melden einerseits viele nutzung zu vermeiden.Städte Leerstände im Bürosektor und streben Die Büronutzung erweist sich meist alsanderseits Dienstleistungsunternehmen ver- gut geeignet für verdichtete Standorte, da sie fürmehrt in verdichtete innerstädtische Lagen. jegliche Nutzungsmischung und kleinräumigeZunehmend spielt auch eine gute Adresse in Nachbarschaft standortverträglich ist. Aller-innerstädtischer Lage eine wichtige Rolle für dings ist zu beachten, dass Büros in Lauflagendie Unternehmenskultur. Die Umnutzung keine Frequenzbringer sind. Aus dem Struktur-brach gefallener Gewerbeareale und leer ste- wandel in einzelnen Branchen ergeben sichhender historisch wertvoller Gebäude eröffnet vielerorts neue Chancen für Büronutzungen.neue Perspektiven für die Innenstadt als Unter- Gewerbe, Industrie- oder Hafenanlagen mitnehmensstandort. ihren beeindruckenden Industriedenkmalen Nicht zuletzt öffentliche Einrichtungen und Altbauensembles eröffnen die Option zurder Verwaltung, der Bildung und der Kultur Erweiterung von Zentrenflächen, aber auchsind wichtige Arbeitgeberinnen und Arbeitge- für Zwischennutzungen durch junge Unterneh-ber. Allerdings sind in vielen Städten zahlreiche men. Dies gibt auch den in der Kreativwirt-öffentliche und private Standorte nach außen schaft Tätigen neue Perspektiven, wenn auchverlagert worden: Campusuniversitäten, Kran- eher in 1b-Lagen. Öffentliche und private Groß-kenhäuser, Post, Arbeitsämter, Konzernsitze, unternehmen können durch ihre zahlreichenBanken, kommunale Dienststellen. Da auch Arbeitsplätze wichtige Impulse zu einer Revita-Bürobeschäftigte, Schüler und Studenten einen lisierung unserer Stadtkerne leisten. Nichtwichtigen Beitrag zur Belebung der Innen- zu unterschätzen ist dabei der Beitrag, den Bil-städte erbringen, hat sich manche Verlegung dungseinrichtungen sowohl für den Arbeits-an den Rand als Nachteil erwiesen. Dies gilt standort Innenstadt als auch für die Belebunginsbesondere für solche öffentlichen Einrich- des Umfelds leisten. Die Ansiedlung von Bildungs-tungen, die mit Publikumsverkehr verbunden einrichtungen in der Innenstadt ist zudem einsind, wie z. B. Meldebehörden, Beratungsstellen wichtiger Beitrag dafür, Familien und Jugendund Arbeitsagenturen. Auch Handel und in den Zentren zu halten.Gastronomie beschäftigen zahlreiche Menschenin der Stadt.
  25. 25. 26 2. zur sItuatIon unD zu Den PersPeK tIven Der InnenstäDtePotenzielle Maßnahmen reiche sind diesbezüglich wichtige Grundlagenausweisung der nutzungsmischung in stadt- für die kommunale Praxis. Die derzeitige Baupla-entwicklungskonzepten: Die standortverträgliche nungsrechtsnovelle zielt u. a. auf die MöglichkeitNutzungsmischung in innerstädtischen Lagen sollte zu einer maßvollen Verdichtung innerstädtischerim Rahmen von Stadtentwicklungskonzepten ge- Bebauung unter Wahrung gesunder Wohn- undzielt ausgewiesen werden. Arbeitsverhältnisse.unterstützung von BID-Initiativen: Die bisher Überprüfung von rechtlichen regelungen,erfolgreich durchgeführten BID-Projekte sollten ver- insbesondere von schutzbestimmungen: Diestärkt ausgewertet und als Handreichung für neue nachbarschaftliche Verträglichkeit von Arbeit undInitiativen nutzbar gemacht werden. Im Rahmen Wohnen kann durch eine großzügige Auslegungder Städtebauförderung (z. B. Verfügungsfonds) restriktiver Schutzbestimmungen gestärkt werden.und der Wirtschaftsförderung bestehen darüber Insbesondere solche Regelungen, die aus einemhinaus Möglichkeiten, Handel und Gewerbe stärker fachlich begründeten Schutzinteresse resultieren –in die Stadtentwicklung einzubeziehen. wie z. B. das Bundes-Immissionsschutzgesetz – sollten hinsichtlich ihrer restriktiven AuswirkungenBeratung und förderung von unternehmen auf den konkreten Standort im Einzelfall flexibelinnenstadtverträglicher Branchen: Der techno- und dennoch gerichtsfest Anwendung finden. Zurlogische Fortschritt lässt es in vielen Fällen zu, dass Vermeidung von Konflikten könnten auch eineauch vermeintlich störende Nachbarschaften von Sammlung sowie eine praxisgerechte AufbereitungProduktion, Dienstleistung und Wohnen heute wie- einschlägiger Rechtsurteile dienlich sein. Gleichesder möglich sind. Durch Einzelfall bezogene Bera- gilt für Erfahrungen aus der Praxis, die auf anderetung können auch abgewanderte „Störer“ oder Anwendungsfälle übertragbar sind.störungsempfindliche Betriebe für innerstädtischeStandorte zurückgewonnen werden. Bezüglich rückführung ausgelagerter arbeitsstättender Möglichkeiten funktionsvielfältiger Bau- und öffentlicher Dienststellen: Als Signal für eineUmbauprojekte besteht Beratungsbedarf hinsicht- Umkehr der anhaltenden Suburbanisierung solltelich Investition und Nutzung. auch die öffentliche Hand wieder verstärkt Stand- orte in der Innenstadt beziehen. Durch Revitalisie-Konsequente anwendung geltenden Baurechts: rung von Brachen und historisch wertvollen Ge-Wichtige Regelungen im Baugesetzbuch und in bäuden mit Leerständen können zusätzliche positiveder Baunutzungsverordnung sind bereits heute auf Anreize für private DienstleistungsunternehmenNutzungsmischung ausgerichtet und sollten von bewirkt werden.den Kommunen konsequent genutzt werden. Mitdem Gesetz zur Erleichterung von Planungsvor-haben für die Innenstädte wurden weitere wichtigeRegelungen für die Innenstädte und Nebenzentrengetroffen: Bebauungspläne der Innenentwicklungund erweiterte Steuerungsinstrumente zur Erhal-tung und Entwicklung zentraler Versorgungsbe-
  26. 26. 2. zur sItuatIon unD zu Den PersPeK tIven Der InnenstäDte 27Bildungsstandort Innenstadt: Bildungseinrich-tungen sind wegen ihrer belebenden Ausstrahlungund hoher Besuchsfrequenz sehr gut geeignet,Innenstädte und Ortszentren zu beleben. Aufgrundzurückgehender Schülerinnen- und Schülerzahlenwerden die Zentren z. B. für Schulen in Zukunft vonbesonderer Bedeutung sein. Hier bedarf es deshalbeiner intensiveren Abstimmung von Bildungs- undStadtentwicklungspolitik.Mobilitätsförderung zur und in der Innenstadt:U. a. durch Job-Tickets für innerstädtische Arbeits-plätze und sichere Nutzung von Fahrrädern kann stärkung der Innenstadt als Bürostandort:die Innenstadt als Arbeitsort wieder attraktiv werden. Dem Wandel zur Dienstleistungs- und Wissensge-Durch flexible Arbeitszeiten und zunehmende Tele- sellschaft kann räumlich durch ein attraktivesarbeit werden die innerstädtischen Belastungen Angebot an Büroflächen entsprochen werden.entzerrt und in den Zeiten des Hauptberufsverkehrs Dabei gilt es, Maßstab sprengende Monostrukturenreduziert. zu vermeiden. Zudem ist verstärkt auf kleinteilige Mischung und Umnutzung von Bestandsgebäudenumsetzung von zwischennutzungen: Zugunsten zu setzen, insbesondere wenn dadurch historischevon Arbeitsplätzen in der Innenstadt sollten Impulse Gebäude gesichert und attraktive Adressenfür schwer vermarktbare Standorte gegeben werden. geschaffen werden.Durch eine Dokumentation vorbildlicher Lösungenfür Brachflächen und Gebäudeleerstände könnenChancen eröffnet werden, Kleingewerbe, Hand-werk, Dienstleistungen – insbesondere in der Krea- Eingangsbereich des Gewerbehofes Stromstrassetivwirtschaft – wieder in innerstädtische Lagen zu in Berlin (oben). Universitätsbibliothek Potsdamintegrieren. Babelsberg (unten).
  27. 27. 28 2. zur sItuatIon unD zu Den PersPeK tIven Der InnenstäDte2.3 Wohn- und Lebensraum InnenstadtMit ihrer baulichen Dichte und angebotsvielfalt, der vielfältigen Bausubstanz aus unterschiedlichenepochen sowie einer breiten Infrastrukturausstattung verfügen viele Innenstädte heute über guteBedingungen für das wohnen. nach jahrzehntelangem gegenläufigem trend verzeichnen vor allemviele Großstädte eine renaissance des innerstädtischen wohnens – allerdings hauptsächlich fürkleine haushalte. Jedoch ist die situation des umfelds in vielen fällen problematisch und das Preis-niveau häufig vergleichsweise hoch. Das innerstädtische wohnen zeichnet sich zudem durch einnebeneinander sehr unterschiedlicher lagen aus. neben bevorzugten bürgerlichen wohnquartierengibt es ältere, oft unsanierte wohnungsbestände, auf die vielfach einkommensschwächere haus-halte angewiesen sind – insbesondere bei einem angespannten wohnungsmarkt. familien mit Kindernfinden oft keinen bezahlbaren wohnraum in geeigneter Größe und Qualität. viele Innenstädte undortskerne, insbesondere in den ostdeutschen ländern und in ländlichen Gebieten, sind andererseitsdurch eine hohe leerstandsquote gekennzeichnet.
  28. 28. 2. zur sItuatIon unD zu Den PersPeK tIven Der InnenstäDte 29zentrale trends Durch die Alterung wandelt sich die Bevölke-Aktuelle demografische Trends, aber auch rungsstruktur der Innenstadt: Der Anteil derneue und differenzierte Wohnbedürfnisse ein- über 65-Jährigen nimmt zu, gegenläufigzelner Bevölkerungsgruppen erfordern einen schrumpft der Anteil der unter 18-Jährigen.neuen Blick auf das zukünftige Wohnen in Schon heute wird die Innenstadt vermehrt auchder Innenstadt. von der älteren Bevölkerung als attraktiver Seit einigen Jahren wird vermehrt von Wohnort entdeckt, manche Städte umwerbeneiner „Renaissance des Wohnens in der Innen- Ältere gezielt und erfolgreich. Besondere Erfolgs-stadt“ gesprochen. Tatsächlich entdecken chancen haben dabei Städte mit einem attrak-immer mehr Menschen die Vorteile eines städ- tiven historischen Wohnungsbestand.tisch geprägten Wohnumfeldes. Kurze Wege, Bereits heute bewohnt in den Innenstäd-die Nähe zu Infrastruktur, Praxen und Bildungs- ten der Großstädte oftmals nur eine Personeinrichtungen, aber nicht zuletzt auch das einen Haushalt. Singles produzieren eine fürinnerstädtische Flair sind Gründe, warum viele die Innenstadt typische Nachfrage nach Dienst-Menschen in der Innenstadt wohnen wollen. leistungen und kulturellem Angebot, die sichLeicht steigende Bevölkerungszahlen in Innen- mit der Nachfrage von Stadtbesucherinnen undstädten verzeichnen viele Städte in den Wachs- -besuchern gegenseitig verstärkt. Durch dietumsregionen, aber auch zahlreiche Städte Alterung der Gesellschaft wird sich auch diein Ostdeutschland. Im Gegenzug verlieren die Struktur der Einpersonenhaushalte ändern. DerGroßstädte in den vom Strukturwandel negativ Anteil vor allem der Seniorinnen wird auch inbetroffenen Regionen, wie z. B. dem Ruhrge- den Innenstädten zunehmen. Angesichts ver-biet, seit vielen Jahren an Bevölkerung, auch in änderter Ansprüche an das Wohnen wird auchden Innenstädten. der Bedarf an gemeinschaftlichen Lebens- Vor allem junge Erwachsene zwischen formen (z. B. generationsübergreifendes Woh-18 und 30 Jahren bestimmen den positiven nen, Altenwohngemeinschaften) ansteigen.Bevölkerungstrend der Innenstädte, da sie leben- Insbesondere für Familien sind die Be-dige Innenstadtgebiete mit unverbindlicheren, dingungen des Wohnens in der Innenstadtrasch wechselnden Nachbarschaften und häufig noch nicht zufriedenstellend. Für Fami-einem guten Freizeitangebot bevorzugen. Sie lien bestehen die Vorteile des innerstädtischenorientieren sich dabei räumlich an den nahen Wohnens vor allem in den kurzen Wegen,Ausbildungs- bzw. Arbeitsstellen und fragen der Verfügbarkeit guter Infrastruktur, gutenhauptsächlich Mietwohnungen nach. Da zahl- Schulen und der besseren Vereinbarkeit vonreiche Groß- und Mittelstädte nicht nur Stand- Familie und Beruf. Doch brauchen Familienorte für Hochschulen, sondern auch für die auch große Wohnungen mit wohnumfeld-berufliche Ausbildung sind, wird der Zuzug jun- nahem, fußläufig erreichbarem Grün und einger Erwachsener in die Innenstadt auch künftig stabiles, verlässliches und sicheres Umfeld füranhalten – wenn auch durch die niedrigen die Kinder. Zudem besteht bei Vielen derGeburtenzahlen der vergangenen Jahre in ge- Wunsch, im Eigentum zu wohnen. Bisher lässtringerem Maße. sich Wohneigentum leichter am Stadtrand oder
  29. 29. 30 2. zur sItuatIon unD zu Den PersPeK tIven Der InnenstäDteim Umland der Stadt realisieren als in der Innen-stadt. Viele zentral gelegene Wohnungen sindfür Familien zu klein und teurer als vergleich-bare oder größere Wohnungen in anderen Lagen. Innenstädte sind insbesondere für neuZuziehende attraktiv. Diese orientieren sich amneuen Lebensort zunächst von der Stadtmitteaus und suchen in der Regel eine Mietwoh-nung. Dabei suchen Viele vor allem nichtmodernisierte Wohnungsbestände. Deshalbzeichnet sich die Innenstadt durch ständigeVeränderung und hohe Umzugsbereitschaftaus, so dass fast jede/r Zweite in den Innenstäd-ten im Durchschnitt nur fünf Jahre in einerWohnung bleibt. Die Haushalte am Stadtrandund in kleineren Städten und Gemeinden sinddeutlich sesshafter. Die hohe Fluktuation in schlussfolgerungengroßstädtischen Innenstädten wird durch Per- Nach jahrzehntelangem Rückgang der Bevöl-sonen verstärkt, die sich dort nur für eine be- kerung in den Innenstädten wenden sich heutegrenzte Zeit, i. d. R. wegen Ausbildung, Studium viele Bürgerinnen und Bürger vor allem in denoder Berufstätigkeit, aufhalten. Großstädten wieder verstärkt dem „Wohnort In vielen ländlich geprägten Räumen Innenstadt“ zu. Dieser positive Trend ist jedochsind immer mehr kleinere Städte und Gemein- kein Selbstläufer und verläuft regional in unter-den von einem starken Bevölkerungsrückgang schiedlicher Intensität. Für die Stärkung desund Alterungsprozessen betroffen. Häufig innerstädtischen Wohnens haben die Bereit-stehen Ladengeschäfte und Wohnungen leer, stellung wohnortnaher Bildungs-, Kultur- undwodurch die Zentren an Lebendigkeit verlieren. sonstiger Infrastruktur und von GrünflächenWerden öffentliche und private Infrastruktur- besondere Bedeutung.angebote der Daseinsvorsorge wie Bildungsein- Innerstädtische Wohnungen sind in derrichtungen, soziale und kulturelle Infrastruktur Erstellung und bei der Modernisierung aufwän-oder Dienstleistungen aus Kostengründen diger. Zudem steht das Wohnen oft im Konfliktnotgedrungen reduziert, hat dies unmittelbare mit anderen Nutzungsansprüchen (z. B. Ver-Folgen für die Stadt- bzw. Ortsentwicklung. kehr, Gastronomie, Handel). Wenn wirtschaft- liche Tragfähigkeit und Bezahlbarkeit in Ein- klang gebracht werden sollen, wird häufig der Ausbau bzw. die Stabilisierung des Wohnens in der Innenstadt nur mit Hilfe öffentlicher För- derung erfolgreich sein. Über den Einsatz von Mitteln der sozialen Wohnraumförderung ent- scheiden die Länder. Zur Unterstützung dieser
  30. 30. 2. zur sItuatIon unD zu Den PersPeK tIven Der InnenstäDte 31Maßnahmen ist es neben dem Blick auf die In- Vor allem Familien und ältere Personen wollennenstadt zwingend erforderlich, dass die Städte sich sicher fühlen und haben das Bedürfniseine restriktive Politik gegen die weitere Zer- nach einer sauberen Umgebung. Hier ist ins-siedlung verfolgen. besondere die Organisation, Gestaltung und Die verschiedenen Bevölkerungsgruppen Pflege des öffentlichen Raums gefragt. Zu denstellen jeweils spezifische Ansprüche an das schwierigen Aufgaben in den KommunenWohnen in der Innenstadt. Stadtentwicklungs- gehört es, den öffentlichen Raum allen Perso-politik muss mögliche Konflikte aufzeigen und nengruppen der Stadt offen zu halten und beiausgewogene Angebote für alle schaffen. Ziel Konflikten ortsangepasste Lösungen zu finden.sollte sein, jüngere Menschen auch nach der Zur Sicherheit trägt entscheidend bei, Angst-Ausbildungszeit in der Familiengründungs- räume abzubauen. In Städten mit innerstädti-phase in der Innenstadt zu halten und hierfür schen Brachen und Gebäudeleerständen eröff-geeignete Angebote zu schaffen. Familien nen sich neue Perspektiven für innerstädtischesbrauchen bezahlbare Wohnungen in ausreichen- Wohnen. Dies spricht zum einen junge Familiender Größe, attraktive Angebote, Wohneigen- an, die nach attraktiven Alternativen für dastum zu bilden sowie kinderfreundlich gestaltete Haus am Standrand suchen, zum anderen jungeGrünflächen. Innenstädte mit hoher Dichte Menschen, die sich auch auf Übergangslösun-können durch die Revitalisierung von Brachflä- gen oder unkonventionelle Raumangebotechen als Grün- und Freiflächen an Aufenthalts- einlassen.qualität gewinnen. Die so gewonnenen Flächen Aufgabe kleinerer Städte und Gemeindensind ein Beitrag dafür, Stadtklima und Lebens- in ländlichen Gebieten wird es künftig immerqualität in den Innenstädten zu verbessern. mehr sein, Möglichkeiten und Strategien zu Für die Innenstädte ist die Anzahl älterer finden, die Einrichtungen öffentlicher Daseins-Menschen Potenzial und Chance zugleich. Das vorsorge tragfähig und bedarfsgerecht zu ge-innerstädtische Wohnen bietet gerade für älte- stalten. Dies ist eine zentrale Voraussetzungre Menschen durch kurze Wege, die Nähe zu für die Stärkung des Wohnens in diesen StädtenInfrastruktur, medizinischer Versorgung und und die Aufrechterhaltung der zentralen Ver-Kulturangeboten gute Wohnbedingungen – sorgungsfunktion für die Region. Um die notwen-insbesondere dann, wenn sie alleine leben. dige Infrastruktur bereitstellen zu können,Sowohl Familien als auch ältere Personen benö- sind vielfach auch neue Modelle der interkom-tigen ein barrierearmes Umfeld, und zwar munalen Kooperation gefragt.sowohl im öffentlichen Raum, als auch in denWohngebäuden und Wohnungen. Dazu gehörtauch das für viele Menschen wichtiger werden-de Bedürfnis nach Sicherheit und Sauberkeit.
  31. 31. 32 2. zur sItuatIon unD zu Den PersPeK tIven Der InnenstäDtePotenzielle Maßnahmen Privates eigentum, gewerbliche wohnungswirt-Kommunale Konzepte zum wohnen: Kommu- schaft und selbstnutzung: Die wichtigsten Träge-nen sollten dort, wo dies noch nicht geschehen ist, rinnen zur Bereitstellung von Wohnungen sind nachHandlungskonzepte für das innerstädtische Woh- den privaten Kleinanbietern die gewerblichen An-nen erarbeiten, möglichst unter Einbeziehung der bieterinnen von Wohnraum, also Wohnungsbauge-wichtigsten Eigentümerinnen und Eigentümer. sellschaften bzw. -genossenschaften. Beide GruppenDie Wohnkonzepte sind einzubetten in kommunale können wesentlich dazu beitragen, dass der inner-Stadtentwicklungskonzepte. Ziel ist dabei – neben städtische Wohnungsbestand an Attraktivität ge-der Ermittlung von Angebot und Nachfrage – winnt. Eigentümerstandortgemeinschaften zur Ein-Planungssicherheit für Mieterinnen und Mieter, beziehung von privaten Eigentümern sollten weiterImmobilienbesitzerinnen und -besitzer sowie Woh- gestärkt werden. Der Umgang mit verwahrlostennungswirtschaft zu schaffen. Im Hinblick auf eine Immobilien („Schrottimmobilien“) soll im Rahmenressourcenorientierte Infrastrukturplanung und Flä- der Bauplanungsrechtsnovelle geprüft werden.cheneinsparung sollte dabei das innerstädtischeWohnen Vorrang haben. selbstnutzerprojekte und Baugruppen: Wo möglich, sollten die Kommunen Selbstnutzerpro-Kommunale flächenpolitik: Städte und Gemein- jekte – vor allem auch im innerstädtischen Bestandden sollten in der Innenstadt und im Ortszentrum – unterstützen. Für die Bildung von Baugruppeneine strategische Bodenvorratspolitik für alle Bevöl- könnten zentrale Beratungs- und Moderationsstel-kerungsgruppen betreiben. Dabei ist auch auf die len eingerichtet werden.interkommunale Zusammenarbeit bei der Bevor-ratung und Bereitstellung von Flächen („Flächen- energetische stadtsanierung: Die Bundesrepublikpooling“) zu setzen. Innerstädtische Brachflächen hat mit dem Energiekonzept die Auflage eines För-sind für das Wohnen zu erschließen, insbesondere derprogramms zur energetischen Stadtsanierungfür junge Familien und für neue Wohnformen (z. B. (KfW-Programm) beschlossen. Mit dem ProgrammMehrgenerationenwohnen, Wohngemeinschaften sollen im Quartier umfassende Maßnahmen in dieälterer Menschen, Baugruppen). Wo möglich, soll- Energieeffizienz der Gebäude und der Infrastrukturten solche Brachflächen von den Kommunen erwor- angestoßen werden, insbesondere auch in den inner-ben und z. B. in Erbpacht oder für Wohnungsgenos- städtischen Altbauquartieren. Es gilt, dafür nebensenschaften zur Verfügung gestellt werden. Die den Kommunen gerade auch die gewerbliche Woh-Flächenaufbereitung sollte in geeigneten Fällen ge- nungswirtschaft und private Einzeleigentümerin-fördert werden. nen und -eigentümer einzubeziehen.
  32. 32. 2. zur sItuatIon unD zu Den PersPeK tIven Der InnenstäDte 33 wohnumfeldverbesserung: Städte und Gemein- den sollten das innerstädtische und innerörtliche Wohnumfeld für alle Bevölkerungsgruppen attrakti- ver machen. Gehwege, Plätze und Straßen sollten – soweit möglich – barrierearm, kindergerecht und sicher gestaltet und modernisiert werden. Die Nutz- barkeit für mobilitätseingeschränkte Bevölkerungs- gruppen ist dabei zu gewährleisten. Der öffentliche Raum sollte unter Einbeziehung denkmalpflegeri- scher Traditionen und baukultureller Anforderun- gen (Stichwort Bordsteinkanten, Kopfsteinpflaster) weiterentwickelt werden. Ein wesentliches Instru- ment hierfür ist die Städtebauförderung.energetische sanierung unter Berücksichtigung wohnen in kleineren städten und Gemeindenbaukultureller aspekte: Zur Stärkung der örtlichen im ländlichen raum: Die Erhaltung und Entwick-Identität ist eine behutsame Abwägung von ener- lung der Zentren von Kleinstädten in ländlichengiesparenden Maßnahmen und baukulturellen Be- Gebieten als lebendige Standorte des Wohnens undlangen (einschließlich Denkmalschutz) notwendig. Lebens erfordert neue integrierte Strategien. DabeiDie Förderungskriterien und baulichen Auflagen geht es häufig darum, das Wohnen wieder in diesind im Einzelfall so abzustimmen, dass das örtliche Orte zurückzuholen und hierfür die notwendigenStadtbild erhalten bleibt, die Belange des Klima- wohnungsnahen Versorgungsstrukturen aufrechtschutzes berücksichtigt werden und der Wohnwert zu erhalten. Zur Erstellung von Strategien und zurzu angemessenen Kosten verbessert wird. Hierzu Umsetzung von Maßnahmen kann die Städtebau-sind gute Beispiele zu dokumentieren und als vor- förderung beitragen.bildliche Lösungen zu publizieren. ausrichtung der städtebauförderung: Die Pro-abbau von Barrieren im wohnungsbestand: gramme der Städtebauförderung haben bereits ei-Ältere Menschen stellen aufgrund von Mobilitätsein- nen starken Bezug zu den Innenstädten undschränkungen oder Pflegebedarf besondere Anfor- Ortszentren. Sie sollten künftig noch mehr auf diederungen an die Gestaltung ihrer Wohnung. Die Innenentwicklung und die Stärkung langfristig trag-Eigentümerinnen und Eigentümer von vermietetem fähiger Standorte ausgerichtet werden, z. B. durchwie selbstgenutztem Wohnraum sollten durch Be- entsprechende Förderpräferenzen.ratungs- und Fördermaßnahmen motiviert werden,entsprechende funktionale Anpassungen der Woh-nungen für das Alter rechtzeitig zu veranlassen.Barrierereduzierende Anpassungen erhöhen zugleichauch die Wohnqualität für Familien mit Kindern.
  33. 33. 34 2. zur sItuatIon unD zu Den PersPeK tIven Der InnenstäDte2.4 Innenstadt als Ort der IntegrationInnenstädte sind orte der Begegnung und verfügen damit über erhebliches gesellschaftlichesIntegrationspotenzial. Dies betrifft insbesondere den öffentlichen raum als Platz des aufeinander-treffens von Menschen verschiedener lebenssituationen, lebensstile und herkunft. Gleiches giltfür öffentliche einrichtungen als orte der versorgung mit Dienstleistungen und der sicherung derDaseinsvorsorge, die Bildungs- und arbeitsstätten als orte des gemeinsamen lernens und arbeitenssowie die innerstädtischen wohnquartiere als orte des zusammenlebens. Die zunehmend vielfältige stadtgesellschaft mit neuen und unterschiedlichsten lebensstilennutzt bevorzugt räume in der Innenstadt. hier finden sich unterschiedliche Milieus oft in unmittel-barer nachbarschaft zueinander. Beispielsweise liegt neben dem vollsanierten Gründerzeitquartier– als bevorzugter wohnort gut verdienender haushalte ohne Kinder – ein unsaniertes altbau- odernachkriegsquartier, in dem häufig familien mit geringerem einkommensniveau, oft mit Migrations-hintergrund, und junge Menschen in der ausbildung leben. Die entwicklung der gesellschaftlichenvielfalt bedeutet Bereicherung. allerdings sind soziale und/oder ethnische Polarisierungen aucheine zentrale herausforderung für die stadtentwicklungsplanung.
  34. 34. 2. zur sItuatIon unD zu Den PersPeK tIven Der InnenstäDte 35 Karneval der Kulturen, Berlinzentrale trendsIn Städten vollziehen sich soziale und ethnischeTrennungsprozesse sehr unterschiedlicherBevölkerungsgruppen (Segregationsprozesse).Innerstädtische Bereiche sind davon in besonde-rem Maß betroffen. Die Verschiedenheit dersozialen Lage führt zu einer deutlichen Konzen-tration höherer Einkommen in bevorzugtenund damit eher statushohen Stadtgebieten undeiner Konzentration niedrigerer Einkommenin Stadtgebieten mit Menschen in eher schwie-riger sozialer Situation. In den Städten undGemeinden bedarf es eines besonderen Augen-merks, wenn sich diese Prozesse verstärken,Quartiere sich aufgrund konzentrierter Pro-blemlagen von der übrigen Stadtentwicklungabkoppeln und immer mehr Menschen, vorallem aus der Mittelschicht fortziehen. Dann ist Dagegen haben Innenstadtquartiere mit hohendie soziale Stabilität im Stadtteil in Gefahr. Anteilen gut integrierter Zuwanderer häufig In den Innenstädten liegt der Anteil der den Vorzug einer besonderen Lebendigkeit, derPersonen mit Migrationshintergrund im Durch- sich wiederum positiv auf die lokale Ökonomieschnitt durchweg höher als in den städtischen im Quartier auswirkt. Diese Gruppen bildenRandbereichen. In den Großstädten ist er höher eine wichtige Säule im Produktions- und Dienst-als in Klein- und Mittelstädten, aber auch hier leistungssektor, bilden wirtschaftliche Brückennimmt der Anteil an Zuwanderung zu. Fast ein zu ihren Herkunftsländern und fördern damitFünftel der Innenstadtbevölkerung von Groß- den Im- und Export.städten hat keinen deutschen Pass. In Stadt- Die flächendeckende Aufwertung inner-randgebieten liegt dieser Anteil mit ca. einem städtischer Quartiere mit der bewussten Ziel-Zehntel deutlich niedriger. Mietpreisgünstige ansprache zahlungskräftiger Personengruppeninnerstädtische Altbauviertel mit geringerem birgt häufig die Gefahr, dass ein Teil der hierAusstattungs- und Sanierungsstandard sind lebenden Bevölkerung die Mietpreissteigerun-typische Wohn- und Anlaufquartiere für Men- gen nicht mehr tragen kann. Hier müssenschen mit Migrationshintergrund, aber auch seitens der lokalen Planung entsprechendefür andere Personengruppen, die auf günstigen Steuerungsmechanismen gefunden werden,Wohnraum angewiesen sind. Zum Teil handelt um die Bewohnerinnen und Bewohner vores sich auch um benachteiligte Wohnlagen, Verdrängung zu schützen und so eine urbanez. B. an stark befahrenen Hauptstraßen, von Mischung in der Innenstadt zu erhalten.denen zahlungskräftigere Gruppen sobald alsmöglich wegziehen.
  35. 35. 36 2. zur sItuatIon unD zu Den PersPeK tIven Der InnenstäDteschlussfolgerungen Bereits in der „Leipzig Charta zur nach-haltigen Europäischen Stadt“ hat sich dieBundesregierung dazu bekannt, benachteilig-ten Quartieren besondere Aufmerksamkeitzu widmen. In der Innenstadt leben unter-schiedliche soziale und ethnische Gruppen aufengstem Raum zusammen. Die Mischung anPersonengruppen und die Dichte an Lebens-stilen machen eine der zentralen Qualitäten desinnerstädtischen Lebens aus. Innenstadtentwicklung der Zukunft be-deutet auch die Stärkung des gesellschaftlichenZusammenhalts und die Bewältigung sozialerPolarisierung. Für die älteren preisgünstigenMietwohnungsbestände in der Innenstadt, indenen eher sozial benachteiligte Bevölkerungs-gruppen wohnen, sollte die Wohnungs- undStadtentwicklungspolitik die Erhaltung einesangemessenen Bestandes an bezahlbaremWohnraum im Blick behalten. Diese Aufgabe istfür Städte mit einem angespannten Wohnungs-markt besonders schwer zu lösen. Zuwanderinnen und Zuwanderer müssen Potenzielle Maßnahmen:als Teil der Gesellschaft und Potenzial für die erhaltung preiswerten wohnraums: GeradeStadtentwicklung anerkannt und unterstützt in hoch verdichteten innerstädtischen Quartierenwerden. Lokale Ökonomien von zugewan- vollziehen sich nicht selten zu schnelle und zuderten Menschen, z. B. in den Bereichen Hand- grundlegende Aufwertungsprozesse, die zu einerwerk, Gastronomie und Versorgung mit Waren Verdrängung der Ursprungsbevölkerung führtdes täglichen Bedarfs, haben eine beachtliche („Gentrifizierung“). Für sozial benachteiligte Bevöl-volkswirtschaftliche Bedeutung und unterstüt- kerungsgruppen mit geringem Einkommensniveauzen die Vielfalt in den Innenstädten. Die Ver- findet sich häufig nur außerhalb des Zentrums inknüpfung von Stadtentwicklungspolitik und ausreichendem Maße Ersatz für diese Stadtquartiere.Bildungsangeboten hat hier höchste Priorität. Stadtteilbezogene Aufwertungsstrategien müssenDenn Bildungseinrichtungen sind diejenigen zu gravierende Entwicklungssprünge (flächenhafteOrte, in denen die Grundlagen für eine erfolg- „Luxusmodernisierungen“) vermeiden. Wo erfor-reiche Teilhabe am gesellschaftlichen Leben derlich können Schutzregelungen wie z. B. Milieu-gelegt werden. schutzsatzungen angewendet werden.
  36. 36. 2. zur sItuatIon unD zu Den PersPeK tIven Der InnenstäDte 37 Bildungseinrichtungen in der Innenstadt: Kinder- tagesstätten, Schulen und Hochschulen sind Orte, die Bildungs- und Integrationschancen schaffen. Um die Funktion Bildung in der Innenstadt zu fördern, ist eine strategische Verknüpfung von Stadtent- wicklungs-, Bildungs- und Integrationspolitik erfor- derlich. Der Erhalt und der qualitative Ausbau dieser Einrichtungen nahe am Wohnstandort Innenstadt sollte gezielt gefördert werden. lokale Ökonomie: Zugewanderte können wesent- liche Impulse bei der Entwicklung des Einzelhan- dels, der Gastronomie und handwerklich orientier- ter Dienstleistungen geben. Anlaufstellen wie z. B. das Quartiersmanagement oder Büros für Wirt- schaftsentwicklung sollten in geeigneten Fällen gefördert werden. Geprüft werden sollten auch Mikrodarlehen als Instrument der Förderung lokaler Ökonomien. stärkung des gesellschaftlichen zusammen- halts: Eine der Zukunftsaufgaben der Stadtentwick- lungspolitik ist die Stärkung des gesellschaftlichenBildung von eigentum: Eigentumsbildung hat für Zusammenhalts in den Städten und Gemeinden.alle Bürgerinnen und Bürger einen hohen Stellen- Angesichts der demografischen Entwicklung bedarfwert. Gut integrierte Haushalte haben Vorbildfunk- es dazu einer generationengerechten, familien-tion und stabilisierende Wirkung im Quartier. Dies freundlichen und altersgerechten Infrastruktur inerfordert entsprechende Strategien vor Ort in Zu- den Kommunen. Die Städtebauförderung leistetsammenarbeit der Kommunen mit bisherigen und hierzu einen wesentlichen Beitrag. Es ist jedochzukünftigen Eigentümerinnen und Eigentümern erforderlich, dieses Instrument im Hinblick auf dievon Wohnraum. Insbesondere in einigen Klein- und Stärkung des gesellschaftlichen Zusammenhalts zuMittelstädten besteht die Chance, Innenstädte mit optimieren und alle gesellschaftlichen Gruppenleer stehendem Bestand zu stabilisieren. Der Bund einzubinden. Dazu muss die ressortübergreifendeist bereit, diese mit entsprechenden Handlungs- Partnerschaft wirksam gestärkt und ausgebautempfehlungen zu unterstützen. werden. Und es sollten Konzepte entwickelt und erprobt werden, in die vor Ort weitere Partnerinnen und Partner wie Stiftungen, Wirtschaft und ehren- amtliche Akteure in eine nachhaltige Stadtentwick- lung einbezogen werden.
  37. 37. 38 2. zur sItuatIon unD zu Den PersPeK tIven Der InnenstäDte2.5 Mobilität in InnenstädtenMobilität und verkehr sind bedeutende standortfaktoren für unternehmen und haushalte. Die kon-krete ausgestaltung ist entscheidend für die umwelt- und wohnumfeldqualität in den Innenstädten.ziel ist deshalb die sicherung und nachhaltige entwicklung des siedlungs- und verkehrssystems,um eine effiziente, sichere sowie sozial- und umweltverträgliche Mobilität von Menschen und Güternzu gewährleisten. Die sicherung von Mobilitätsvielfalt ist dabei ein zentrales thema für die stärkungder Innenstädte. wichtige Bausteine hierfür sind attraktive fuß- und radwegenetze und zuverlässigeund bezahlbare öffentliche verkehrssysteme. zugleich gilt es, dem PKw-verkehr einen seiner Bedeu-tung angemessenen raum zu sichern und dabei künftige Mobilitätskonzepte wie elektromobilitätund zunehmendes „car-sharing“ zu berücksichtigen. Darüber hinaus sind lieferverkehre intelligentzu organisieren, um die erforderliche Güterverfügbarkeit und zugleich möglichst klima- und umwelt-freundliche wirtschaftsverkehre zu ermöglichen. Der aspekt der verkehrssicherheit ist in Innenstädtenbesonders zu berücksichtigen, da hier viele verkehrsarten auf engem raum zusammentreffen.
  38. 38. 2. zur sItuatIon unD zu Den PersPeK tIven Der InnenstäDte 39zentrale trends In den meisten Städten hat die öffentliche HandMit Blick auf die Alltagsmobilität liegt das in den vergangenen Jahrzehnten viel in denPotenzial der Innenstadt in der Verknüpfung Ausbau der Verkehrsinfrastruktur und in Ver-kurzer Wege, die die unterschiedlichen Orte kehrs- bzw. Parkleitsysteme investiert. Aktuelldes Lebensalltags – Wohnung, Arbeitsplatz, besteht vielerorts eine gute AngebotssituationGeschäfte, Schule, Sport – zusammenführen. für den fließenden und ruhenden motorisiertenDie hohe Dichte und Nutzungsmischung im Individualverkehr. Dadurch wird zwar einer-Stadtkern ermöglicht seinen Bewohnerinnen seits der Verkehr in den Innenstädten häufigund Bewohnern, eine Vielzahl ihrer Ziele zu gut abgewickelt, andererseits werden das städ-Fuß, mit dem Fahrrad oder dem ÖPNV zu er- tische Umfeld und das Stadtbild durch breitereichen. Dies wirkt sich auch finanziell aus: Straßenräume z. T. negativ beeinflusst. ZudemMenschen, die zentrennahe Wohnungen be- kann in Stoßzeiten eine hohe Verkehrsdichtewohnen, haben geringere Verkehrskosten zu zur Minderung der Luftqualität und Erhöhungtragen als solche, die am Stadtrand oder im des Verkehrslärms in den Innenstädten führen.suburbanen Umland leben und können damit Zentrale Zukunftsaufgabe wird die Orga-höhere Kosten für Wohnraum in innerstäd- nisation eines stadtverträglichen Verkehrs sein,tischen Lagen zum Teil kompensieren. Leichte der den unterschiedlichen Mobilitätsbedürfnis-Trendverschiebungen hin zur umweltverträg- sen der Bewohnerinnen und Bewohner Rech-lichen Verkehrsmittelwahl deuten darauf hin, nung trägt. Dies erfordert zunehmend flexibledass Fuß und Fahrrad immer mehr zum „Nah- Lösungen, um die Erreichbarkeit der Innenstäd-verkehrsmittel“ Nummer 1 für kurze Strecken te zu verbessern. In diesem Zusammenhangwerden. Insbesondere die jüngere Bevölkerung sind sogenannte „dynamische Parkleitsysteme“,in urbanen Räumen nutzt heute den ÖPNV und die Nutzung von Pendlerparkplätzen („Parkdas eigene Fahrrad stärker als früher.4 Mit Blick and Ride“) und nicht zuletzt das Gemeinschafts-auf eine insgesamt älter werdende Bevölkerung auto („Car-Sharing“) von zunehmender Bedeu-in der Innenstadt wird künftig die Bedeutung tung. Eine weitere wichtige Zukunftsaufgabedes sicheren Fußverkehrs und eines attraktiven besteht in der Verbesserung der Luftqualitätund zuverlässigen ÖPNV deutlich ansteigen. und in der Lärmminderung. Lärm und Luftschad-Insgesamt geht es nicht um einen generellen stoffe beeinflussen die Lebens- und Aufenthalts-Verzicht auf das Auto, sondern vielmehr um qualität negativ und können die Gesundheiteine intelligente Nutzung des PKW in Kombi- der Bevölkerung erheblich beeinträchtigen. Einnation mit anderen Verkehrsmitteln. Großteil der innerstädtischen Verkehre wird Der ÖPNV ist Garant für die Sicherung durch aus dem Umland einpendelnde Personeneiner nachhaltigen und modernen Mobilität in verursacht, die die Innenstadt als Geschäfts- undurbanen wie in ländlichen Räumen, weil damit Bürostandort oder zum Erleben und Erholenein wichtiger Beitrag zur Entlastung der Um- aufsuchen. Im Umland der großen Städte nutzenwelt geleistet wird. So hat eine Reduzierung des derzeit etwa dreiviertel der Berufstätigen regel-PKW-Verkehrs unmittelbar positive Auswir- mäßig den PKW für den Weg zur Arbeit – mitkungen auf die Lebens- und Aufenthaltsquali- negativen Auswirkungen auf die Innenstadt.tät, insbesondere in den Innenstädten. 4 BMVBS (Hrsg.): Mobilität in Deutschland (MID 2008) – Kurzbericht, Bonn, Berlin 2010
  39. 39. 40 2. zur sItuatIon unD zu Den PersPeK tIven Der InnenstäDteEs ist zu erwarten, dass der Güterverkehr erheb- Hinsichtlich der Verbesserung der Luftqualitätlich wachsen wird. Dies betrifft nicht nur den in den Innenstädten sollen Umweltzonen dazuFernverkehr, sondern auch den Lieferverkehr beitragen, die europarechtlich vorgegebenenvon Waren in die Innenstadt. Die Anlieferung Grenzwerte für Feinstaub und Stickstoffdioxidevon Waren ist notwendig, kann jedoch zu er- einzuhalten. Ihre Wirksamkeit muss jedochheblichen Störungen und Nutzungseinschrän- überprüft werden. Bislang haben 44 Städte Um-kungen führen, insbesondere in Fußgänger- weltzonen eingerichtet – weitere Städte habenzonen, wenn zu bestimmten Zeiten die Anliefe- dies auf der Agenda. Fahrzeuge mit besondersrung zulässig ist. Trotz des technologischen schlechten Abgaswerten dürfen dann nichtFortschritts im Fahrzeugbau werden die Belas- mehr in den Umweltzonen fahren. Der lärm-tungen durch Lärm und Erschütterungen, und schadstoffemissionsarmen Elektromobilitätbesonders entlang der Zufahrtsstraßen, von kommt daher in Zukunft für die Innenstädteden Betroffenen immer stärker wahrgenommen. eine große Bedeutung zu, vor allem für diejeni- Die verkehrlichen Belastungen konzentrie- gen Wege, die innerstädtisch nicht zu Fuß, mitren sich vor allem entlang der großen Verkehrs- dem Rad oder dem ÖPNV zurückgelegt werdenachsen an den Rändern der „City“ und der können. Gleiches gilt für den innerstädtischenweiteren Innenstadt. In diesen benachteiligten Lieferverkehr.Wohnlagen sind davon insbesondere einkom-mensschwächere Bevölkerungsgruppen betrof-fen. Zur Verringerung von Belastungen durchLuftschadstoffe und Lärm stellen viele Städtebereits Luftreinhalte- und Lärmaktionspläneauf und intensivieren ihre Lärmminderungspla-nungen. Das BMVBS setzt mit dem NationalenVerkehrslärmschutzpaket II einen wichtigenAkzent für einen wirksameren Verkehrslärm-schutz und nachhaltige Mobilität. Es strebt damitdie Entlastung von Lärmbrennpunkten und dieReduzierung der Verkehrslärmbelastung trotzsteigenden Verkehrsaufkommens an. Fernerstellt der Bund seit Jahrzehnten Mittel für eineVerbesserung der städtebaulichen Situation zurVerfügung, die auch zu Zwecken der Lärmmin-derung eingesetzt werden können.Berufsverkehr in derKölner Innenstadt

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