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[PDF] Aktuelles Magazin der HRK

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Hochschulrektorenkonferenz_HRK_-_Erfolgsmodell_Master.pdf Hochschulrektorenkonferenz_HRK_-_Erfolgsmodell_Master.pdf Document Transcript

  • Erfolgsmodell Master Offen für internationale Kooperationen und individuelle Bildungsbiographien
  • ** Lebenslanges Lernen
  • EditorialSehr geehrte Leserin,sehr geehrter Leser! Professor Dr. Horst HipplerBildung und Qualifikation sind zu Begriffen geworden, die in fast allen Politikberei-chen eine bedeutsame Rolle spielen. Der „Weg in die Wissensgesellschaft“ ist – so Präsident der Hochschulrektorenkonferenzabgegriffen dieses Schlagwort auch inzwischen klingen mag – ein Thema von essen-tieller Bedeutung: Davon, wie gut wir diesen Wandel bewerkstelligen, hängt unserkünftiger Wohlstand in erheblichem Maße ab.Die Hochschulen in Deutschland haben längst erkannt, welche Anforderungen das ansie stellt. Die vielen Veränderungen der vergangenen Jahre sind dafür ein unüberseh-bares Zeugnis. In diesem Magazin möchten wir uns auf einen Bereich konzentrieren,in dem an Universitäten und Fachhochschulen gleichermaßen Wegweisendes geleistetwurde: Es sind unzählige Masterstudiengänge entstanden, die für Studierende und fürdie Hochschulen selbst große Chancen bergen.Viele Lehrende haben ihr Fach, haben das Curriculum ihrer Studiengänge neu durch-dacht. In diesem Magazin begeben wir uns auf eine Rundreise durch Deutschland, umden vielen Ideen und Innovationen nachzuspüren. Auf den folgenden Seiten lernen wirbeeindruckende Beispiele kennen – sowohl aus dem Bereich der konsekutiven Master,die direkt an ein Bachelor-Studium anschließen, als auch aus dem Bereich der weiter-bildenden Master, deren Studierende schon erfolgreich im Berufsleben stehen.Wir möchten drei unterschiedliche Aspekte beleuchten. Im ersten Teil des Magazinswerfen wir einen Blick darauf, wie Hochschulen weiterbildende Masterprogramme inihre Struktur integrieren. Im zweiten Teil legen wir unser Augenmerk auf Hochschul-kooperationen im Masterbereich; sei es international, sei es interdisziplinär. Und imdritten Teil zeigen wir auf, wie innovative Masterprogramme dazu beitragen, dassStudierende in unterschiedlichen Lebenssituationen ein Bildungsangebot finden, dasfür sie genau passend ist.Natürlich können wir in diesem Magazin nur einen Bruchteil der innovativen Konzeptevorstellen, die pars pro toto für die unzähligen gelungenen Studiengänge stehen, diean deutschen Hochschulen angeboten werden.Ich wünsche Ihnen viel Spaß beim Streifzug durch die Hochschulen und eine anregen-de Lektüre!Ihr 3
  • Inhalt 03 Editorial 06  „Man braucht Mut, Ausdauer und Zuversicht“  er Schweizer Weiterbildungs-Pionier Andreas Fischer im Inter- D view über berufsbegleitende Studiengänge, neue Strukturen an den Hochschulen und unternehmerische Risiken Chancen zur Profilbildung Chancen zur Brückenbildung 12 Weiterbildung als integrale Aufgabe 46 Internationalität inklusive  ie Freiburger Universität will berufsbegleitende Masterstudien- D  ie Universität Flensburg baut auf ihre Nähe zu Dänemark – D gänge zum umfassenden Angebot ausbauen in einem binationalen Wirtschaftsstudiengang 20 Ein passendes Angebot für jeden 50 Helfen als Wissenschaft n Oldenburg will die Universität Lust machen auf Weiterbil- I  ie Ruhr-Universität Bochum bereitet Studierende auf den D dung. Dafür setzt sie auf den Bildungshunger der Interessenten humanitären Einsatz in Katastrophengebieten vor 26 Die Public Private University 54 Wissen für den Wandel  ine staatliche Hochschule und ein privater Bildungs- E  er Master Global Change Ecology an der Universität Bayreuth D anbieter betreiben gemeinsam die Deutsche Universität ist Teil des bayerischen Elitenetzwerks für Weiterbildung 58 High-Tech im Wald 30 Inkubator mit Strahlkraft  ie Fachhochschule Eberswalde macht aus der traditionsbe- D  ie Leuphana Universität Lüneburg nutzt als einzige Hochschule D wussten Forstwirtschaft ein international vernetztes Mittel aus dem EU-Strukturfonds Erfolgsmodell 34 Masterprogramme für die ganze Welt 60 Forschen im Weinberg  ie Hochschule Bremen setzt mit ihrem Graduate Center auf D  ie Bewerber für die Studiengänge in Geisenheim stammen D ein internationales Publikum aus aller Welt. In ihren Labors kommen sie den Geheimnissen des Weins auf die Spur 38 Der Karriere-Master  ie Hector School ist Teil des Karlsruher Instituts für Technologie D 64 Die Polizei im Internet und richtet sich an Führungskräfte aus der Wirtschaft  ie Hochschule Albstadt-Sigmaringen rollt das Feld der D Online-Sicherheit auf 40 Der Master als Wettbewerbsvorteil  islang war die Duale Hochschule Baden-Württemberg auf B Bachelorstudiengänge spezialisiert. Jetzt expandiert sie im Bereich der Master Forschend lernen am Objekt4
  • Foto: LESC/KIT in Kooperation mit HECTOR School of Schon heute in der Zukunft Engineering & Management/KIT Karlsruher Studierende arbeiten an einer 3-D-PräsentationChancen individualisierter Blickpunkt StudierendeBildungsbiographien70 Das individualisierte Studium 25  r. Helen Schultz, Absolventin aus Freiburg D  it der Didaktik für berufsbegleitende Studiengänge hat die M Als Zahnärztin wieder an die Uni FernUniversität in Hagen mehr als drei Jahrzehnte Erfahrung 33  lvia Gaida, Studentin in Lüneburg E74 Die andere Geschichte Das Stipendium, von dem auch die regionale Wirtschaft  n der Freien Universität Berlin werden Historiker auf A profitiert Innovationen getrimmt 37  ariann Karlstad und Detrick Brown, Studierende in Bremen M76 Die Versicherungs-Theoretiker Getrieben von der Neugier auf Deutschland  er Executive Master of Insurance an der Münchner Ludwig- D Maximilians-Universität ist ein berufsbegleitender Studiengang, 49 Kim Plätz, Studentin in Flensburg in dem die Theorie im Vordergrund steht Forschung in der Grenzregion als Sprungbrett zur EU78 Führung für die Schule 53  aura Puts, Studentin in Bochum L  ie Universität Kaiserslautern bildet in einem spezialisierten D Der Berufsalltag? Wasserfilter herstellen, Ruinen aufräumen, Masterstudiengang künftige Schulleiter aus. Sie sollen später Schulen bauen den Wandel im Bildungsbereich mitgestalten 73 Thilo Rörtgen, Student in Hagen80 Zwei Perspektiven auf die Kunst Aus dem Plenarsaal zurück an die Universität n einer Kooperation der Universität Heidelberg mit der I Pariser École du Louvre werden zwei Schulen der Kunst- geschichte vereint 82  eutsche Hochschulen auf dem Weg zum D individualisierten Angebot  ine Analyse von Dr. Peter A. Zervakis, Projektleiter nexus der HRK E 84 Lexikalischer Teil 86 Impressum 5
  • Interview „Um Weiterbildung zu etablieren, braucht man Mut, Zuversicht und Ausdauer“ Der Schweizer Andreas Fischer, Pionier der universitären Weiterbildung, im Gespräch über wissenschaftliche Standards, unternehmerische Risiken – und die Gründe für den Weiterbildungs-Boom in der Eidgenossenschaft Herzlichen Glückwunsch, Herr Fischer! Ihre Schweizer Glücklicherweise haben alle Universitäten beschlossen, Weiterbildungsstudiengänge sind so beliebt, dass viele den Weg weiterzugehen, nachdem die Weiterbildung ausländische Hochschulen von einem solchen Erfolg nur mit vielen Mühen aufgebaut worden ist. träumen können. Wie schaffen Sie das? Wie rasch haben Sie es denn geschafft, kostendeckend zu (lacht) Das ist nicht von heute auf morgen entstan- arbeiten? den, sondern war ein kontinuierliches Wachstum. Sie dürfen nicht vergessen, dass wir das jetzt schon über Ab 1996 mussten die Studiengänge mehr oder 20 Jahre machen. Ich denke, dass bei den Schweizer weniger kostendeckend sein, und das hat auch gut Universitäten zwei Erfolgsfaktoren zusammenkom- geklappt. Wir haben in der Zeit davor sukzessive die men: Zum einen ist das Angebot attraktiv und zum Preise für die Angebote erhöht, anders ging das ja gar anderen gibt es eine große Nachfrage nach Weiterbil- nicht. dung auf Seiten der Arbeitswelt. Trotzdem: In Deutschland gibt es häufig das Problem, dass Und dann gibt es ja noch einen dritten Faktor – die gesell- manche Weiterbildungsstudiengänge einfach zu wenig schaftliche Akzeptanz von Weiterbildung. nachgefragt sind, um die Kosten zu decken. Haben Sie damit keine Schwierigkeiten? Sie haben Recht, es muss erstmal normal werden, dass man nach einigen Jahren oder auch Jahrzehnten Man muss sich natürlich immer jedes Programm im Beruf wieder an die Universität zurückgeht. Da einzeln anschauen. Wir haben einige Angebote, die hat uns sicherlich geholfen, dass das Thema Wei- immer ausgebucht sind, beispielsweise viele Studien- terbildung in der Schweiz im Rahmen einer großen gänge im Bereich Management oder auch Weiterbil- Bundesinitiative gefördert worden ist. Das hat viel dungen im Feld der Psychologie. Und natürlich gab es Aufmerksamkeit auf diesen Bereich gelenkt. auch bei uns Studiengänge, die von vornherein nur auf ein oder zwei Durchführungen angelegt waren Das war schon im Jahr 1990, damals gab es in der Schweiz oder die kein ausreichendes Interesse fanden. Die sind Fördermittel für den Aufbau von Weiterbildungsstrukturen dann wieder von der Bildfläche verschwunden. an den Universitäten. Inzwischen sind die längst ausgelau- fen – wie finanzieren Sie die Weiterbildung heute? Moment, es gibt in der Schweiz inzwischen ein paar Hun- dert Weiterbildungsstudiengänge. Sind die tatsächlich alle Wir haben ja schon 1990 gewusst, dass die Finanzie- ausgebucht, oder experimentieren Sie damit, was ankommt rung irgendwann wegfällt, und konnten uns darauf und was nicht? vorbereiten. Ab 1996 gab es keine Mittel mehr für6 konkrete Studiengänge, die Förderung für die Wei- terbildungsstellen ist dann 1999 eingestellt worden. Nein, für reine Experimente sind die Entwicklungs- kosten für einen Masterstudiengang viel zu hoch. R R
  • Auf einen Blick Foto: © Jkey | Dreamstime.comGipfelstürmer: Die Schweizer haben eines der ausgeklügeltsten Weiterbildungssysteme in EuropaDas Schweizer SystemAlle Schweizer Universitäten bieten ein profiliertes Weiterbildungsprogramm an. Sie sind im landeswei-ten Verband SwissUni zusammengeschlossen, in dem sie ihre Erfahrungen austauschen und gemeinsameProjekte planen. Auf SwissUni geht auch die Standardisierung der Weiterbildungsabschlüsse zurück: DieAbsolventen bekommen entweder einen Master of Advanced Studies (MAS), der 60 Kreditpunkte umfasst,ein Diploma of Advanced Studies (DAS mit 30 Kreditpunkten) oder ein Certificate of Advanced Studies(CAS mit 10 Kreditpunkten). Dadurch hat die Weiterbildung einen eigenständigen Status in der Ordnungder universitären Abschlüsse bekommen, zugleich ist die Vergleichbarkeit der Angebote gewährleistet. DieNachfrage nach Weiterbildung ist bei allen Schweizer Universitäten groß; das Land gilt in dieser Hinsichteuropaweit als Vorbild. Nach einer Studie gab es im Jahr 2010 in der Schweiz 320 weiterbildende Master-angebote, inzwischen ist die Zahl nach Schätzung von Experten auf etwa 400 angestiegen.Die unterschiedlichen Angebote sind oft miteinander kompatibel. So kann ein CAS für ein DAS im glei-chen Fach angerechnet werden und dieses Diplom wiederum für einen MAS. Die Weiterbildungs-Masterallerdings berechtigen im Regelfall nicht zu einem Promotionsstudium. 7
  • Interview Angebot, bei dem Professoren von beiden Hochschu- len an der Lehre beteiligt sind. Wäre da nicht ein Angebot von Fernstudien die Chance, auch überregional aktiv zu werden? Bevor der falsche Eindruck entsteht: Formen des Foto: © Universität Bern | Abt. Kommunikation Blended Learning haben wir ja bereits, das Selbstler- nen etwa mit Elementen des E-Learnings spielt also schon eine Rolle. Ein reines Fernstudium ist für uns aber undenkbar. Das hat hier keine Tradition. Sie müssen sehen, dass die Schweiz ein Land mit klei- nen Distanzen ist – da fährt man schon selbst an die Universität. Wir stellen auch immer wieder fest, dass die Teilnehmenden über die Präsenzveranstaltungen froh sind. Dadurch kommen sie aus ihrem üblichen Umfeld raus und finden eine neue Umgebung zum Lernen. Die Universitätsbibliothek in Bern Wie funktioniert bei Ihnen in Bern die Zusammenarbeit der Weiterbildungseinrichtung mit den Fakultäten – von welcher Seite kommen die Impulse? Einfach mal auszuprobieren, das können wir uns Die Ideen für einen Weiterbildungsstudiengang kom- nicht leisten. Es gibt im Prinzip zwei Wege, auf denen men in der Regel aus den Fakultäten. Unsere Aufgabe wir an einen neuen Studiengang herangehen. Der ist es dann, aus den Ideen ein Angebot zu machen, erste ist, dass wir klein beginnen und dann groß wer- das sinnvoll ist und Chancen auf dem Markt hat. Die den. Da bieten wir also erst einmal Zertifikatskurse erste Frage ist dabei die nach dem Format: Reicht es, an, die wir dann bei guter Nachfrage zu einem Master ein Zertifikatsangebot zu machen oder trägt die Idee weiterentwickeln. Den zweiten Weg gehen wir dann, einen ganzen Masterstudiengang? Und natürlich wenn wir von Beginn an einen Master anbieten müssen wir die Zielgruppe definieren, denn oft ist die möchten: In dem Fall muss man Bedarfsabklärun- Idee aus der Universität angebotsorientiert. Da heißt gen machen, und das geht nur mit guten Kontakten es dann, wir haben dieses und jenes Wissen, das wir im Feld. Wir sprechen mit Berufsorganisationen weitergeben möchten. Wir müssen die umgekehrte und Verbänden und fragen dort ganz offen: Hat der Frage stellen: Wem nützt das etwas? angedachte Studiengang Chancen, bei der Zielgruppe anzukommen? Sind die Weiterbildungsangebote innerhalb der Universitä- ten so breit akzeptiert, dass Sie diese Diskussionen gleichbe- Da klingen sehr viele betriebswirtschaftliche Aspekte durch, rechtigt führen können? die im Hintergrund eine Rolle spielen. Sehen sich eigentlich die Universitäten gegenseitig als Konkurrenten? Es gibt Da gibt es große Unterschiede. Eine Selbstverständ- ja in der Schweiz fast überall sehr profilierte Weiterbil- lichkeit jedenfalls ist die Akzeptanz nicht, oft nehmen dungsangebote. Professoren die Unterstützung durch die Weiterbil- dungsstellen als eine von vielen Dienstleistungen Im Bereich der Management- und Wirtschaftsweiter- wahr, die eine Universität nun einmal anbietet. Viele bildung machen sich die Universitäten Konkurrenz, sehen die Weiterbildung eher auf der administrativen ganz ohne Frage. Ansonsten aber eher nicht. Dabei Ebene als tatsächlich im wissenschaftlichen Bereich. spielt sicher eine Rolle, dass wir keine reinen Fern- In Bern haben wir zum Glück eine bessere Situation, studiengänge anbieten. Überall sind viele Präsenz- unsere Weiterbildungsstelle ist als wissenschaftliche seminare eingeplant, und da ist die geographische Institution anerkannt. Meiner Erfahrung nach kommt Nähe immer ein ausschlaggebendes Argument. Das das oft auf die Leute an: Wenn in der Universitäts- schränkt die Konkurrenz natürlich ein. In vielen Fäl- leitung und anderen maßgebenden Organen starke8 len arbeiten wir sogar zusammen: Universitäten sind Persönlichkeiten sitzen, denen die Weiterbildung am im Kontakt miteinander und planen ein gemeinsames Herzen liegt, dann ist das eine wichtige Vorausset-
  • Zur Person zung. Wir haben aus unseren Erfahrungen die Lehre gezogen, dass man drei Dinge braucht, um die Weiter- bildung innerhalb der Universität zu etablieren: Mut, Zuversicht und Ausdauer.Dass manche Fakultäten skeptisch gegenüber der Weiterbil-dung sind, hängt ja damit zusammen, dass sie die Wissen-schaftlichkeit der Programme bezweifeln. Grundsätzlich gilt: Wir haben den Anspruch der Wissenschaftlichkeit, das ist unser Profil und das können nur wir als Universität. Auf der anderen Seite Foto: © Universität Bern kommen die Teilnehmenden aus der Berufspraxis nicht in erster Linie zu uns, um hier Wissenschaft- liches zu lernen. Sie kommen deshalb, weil sie ihre Arbeit möglichst gut machen wollen; sie bringen also einen praktischen Antrieb und praktische Erfahrun- gen mit. Als Universität müssen wir deshalb einen Mittelweg fahren: Wir können nicht rein akademisch sein, sondern müssen sehr stark die Praxiswirklichkeit Dr. Andreas Fischer leitet das Zentrum für in die Angebote aufnehmen. Wir nennen es so: Die universitäre Weiterbildung (ZUW) der Uni- universitäre Weiterbildung fundiert auf Wissenschaft versität Bern. Zugleich ist der promovierte und Forschung und befähigt die Studierenden zu Geograph Vorstandsmitglied von SwissUni. einem reflektierten Transfer der Bildungsinhalte in Das ZUW bietet 26 Masterstudiengänge und die Arbeitswelt und ihr weiteres Lebensumfeld. Für zahlreiche Zertifikatskurse an. Insgesamt die Lehrenden ist das eine didaktische Herausforde- sind in Bern rund 5.500 Studierende für rung. Sie stehen nicht vor Studierenden, die gerade Weiterbildungsprogramme eingeschrieben. frisch ihr Abitur gemacht haben – da haben sie es auf einmal mit Leuten zu tun, die schon jahrelange Erfah- rung haben in ihrem Bereich.Wie schaffen Sie es, zwischen diesen unterschiedlichen An-sprüchen die Balance zu halten? Wie schwierig das ist, zeigt ja allein schon die Viel- falt an Begriffen: Man redet von wissenschaftlicher Weiterbildung, von universitärer Weiterbildung und „Wir haben den An- von Weiterbildung für Akademiker. Das sind drei spruch der Wissenschaft- unterschiedliche Blickwinkel und Ansprüche, und wir sind mittendrin in diesem Spannungsfeld. Eines ist für lichkeit. Das ist unser uns von vornherein klar: Wir bieten keine normalen Kommunikationskurse an oder solche Sachen, die Profil und das können man auch außerhalb der Universität lernen kann. Damit grenzen wir uns schon einmal von anderen nur wir als Universität“ Anbietern ab. Hier in Bern muss grundsätzlich der Senat der Universität jeden Studiengang bewilligen, auch in der Weiterbildung – das ist ein Kontrollin- strument für die Wissenschaftlichkeit. Eine zweite Stellschraube sind die Leistungskontrollen: Natürlich achten die Fakultäten darauf, dass die Seminar- und Masterarbeiten der Studierenden den wissenschaft- lichen Standards genügen. Dadurch halten wir die Balance. 9
  • n nce Cha d ung ro f ilbil P zurDas Studium nach dem Studium wird immer üblicher. Man lernt nie aus, sagt der Volksmund.Jetzt kümmern sich auch die Hochschulen darum, dass alle weiterlernen können – auch, wennsie ihr erstes Studium schon lange hinter sich haben und erfolgreich im Beruf stehen. Wissen-schaftliche Weiterbildung ist das Schlagwort dazu. In den USA, aber auch in der Schweiz ist dasThema längst etabliert: Dort gibt es Masterstudiengänge, die speziell auf die Bedürfnisse vonBerufstätigen zugeschnitten sind. Ein ähnliches Angebot entwickelt sich jetzt auch in Deutsch-land. Es ist genauso vielseitig wie die Hochschulen: Welche Studiengänge sie anbieten, ob sie aufFern- oder Präsenzstudien setzen und wie sie die Weiterbildung in die eigene Hochschulstruktureinbinden – auf diese Fragen findet jede Hochschule eine andere Antwort. Diejenige, die ambesten zur eigenen Hochschulkultur passt.
  • Universität Freiburg Weiterbildung als integrale Aufgabe Die Freiburger Universität gehört zu den Pionieren bei berufsbegleitenden Masterstudiengängen. Jetzt soll das Angebot ausgebaut werden und in die gesamte Hochschule ausstrahlen Unter Kollegen: Erfahrene Zahnärzte lernen in ihrer Freizeit für den Master in Parodontologie12
  • D ie Freiburger Universität wird von dort Charlotte Bünemann, Fachbereichsleiterin geleitet, wo einst die Kommandanten der Wissenschaftliche Weiterbildung bei der französischen Besatzungszone ihren Sitz FRAUW. Eine zentrale Anlaufstelle, eine hatten. Ein klotziges Gebäude mit sechs Art Dienstleister soll die FRAUW sein, denn Stockwerken ist es, die Lage ist für die inhaltlich wie organisatorisch sind die Universität symbolträchtig: Aus der Verwal- Weiterbildungsstudiengänge weitgehend tung fällt der Blick in Richtung Norden auf an den Fakultäten angesiedelt. Das ist den naturwissenschaftlichen Campus, in eines der Prinzipien, nach dem die Fach- Richtung Süden auf die Gebäude der Geis- wissenschaftler die treibenden Kräfte sein tes- und Sozialwissenschaftler, die in der sollen. In den meisten Fällen war es so wie Altstadt siedeln; dort, wo 1457 die lange etwa beim Studiengang Parodontologie Tradition der Freiburger Albert-Ludwigs- der medizinischen Fakultät (s. S. 15): Die Universität begründet wurde. Professoren haben einen akuten Bedarf an Hier ist der Sitz von Vizerektor Profes- Fachwissen erkannt und sich entschieden, sor Dr. Heiner Schanz. Auf dem Rektorats- die Lücke zu schließen. Die Lehre erbringen flur vor seinem Büro hängen wuchtige Ge- die Dozenten im Nebenamt, so dass sich mälde der früheren Uni-Rektoren. Tradition die zusätzlichen Studienangebote nicht auf mit der Moderne verbinden – dieser Brü- das Lehrdeputat auswirken. Auf mittlere ckenschlag ist hier greifbar, zwischen Öl- Sicht sollen sich die Studiengänge selbst bildern und Designermöbeln in den Büros. finanzieren; sie sind berufsbegleitend und Ein Anspruch, der auch für die Studienan- kosten bis zum Abschluss eine fünfstellige gebote gilt. „Wir haben gesehen, dass sich Summe. „Das ist ein schwieriger Spagat die Zielgruppe für den Master verschiebt“, zwischen Kostendeckung und Marktnach- sagt Schanz. „Allen Unkenrufen zum Trotz frage“, räumt Jan Ihwe ein. Als Profit- gehen viele unserer Bachelor-Absolventen Center allerdings seien die Weiterbildungs- erstmal in den Beruf, besonders deutlich ist studiengänge nicht gedacht. Und ohnehin diese Tendenz in stark vom Arbeitsmarkt geht das Geld nicht an eine zentrale Stelle nachgefragten Bereichen wie beispiels- der Universität, sondern verbleibt bei den weise der Informatik.“ Einige Jahre später Fakultäten, die damit Lehrmaterial und wollen die Absolventen dann, um wertvolle Lehrende bezahlen. Erfahrungen reicher, noch weiterstudieren. Eine Gemeinsamkeit der Weiterbil- Gleiches gilt auch für die traditionellen dungsmaster ist, dass sie als berufsbeglei- Abschlüsse. „Und diese Zielgruppen dürfen tende Studiengänge etwa 20 Prozent Prä- wir nicht einfach privaten Weiterbildungs- senzphasen vorsehen, den Rest des Stoffes anbietern überlassen.“ aber online vermitteln. „Die Lehrinhalte Die Antwort, die man in Freiburg auf kommen direkt von den Lehrenden, wir un- diese dauerhafte Verschiebung gefunden terstützen bei der technischen Umsetzung hat, ist innovativ: Für Weiterbildungsan- der didaktischen Konzepte“, sagt Dr. Nicole gebote hat die Universität eine eigene Wöhrle, Leiterin der Servicestelle E-Lear- Abteilung eingerichtet, die Studiengänge ning an der Universität Freiburg. Mit der aus allen Fakultäten koordiniert. „Unser Kombination aus einer Lehrplattform und Freiburger Spezifikum dabei ist, dass wir einem virtuellen Klassenzimmer, in dem bewusst eine Gemeinschaft von Profes- sich die Studierenden austauschen, haben R RFoto: Baschi Bender sionals schaffen und nicht nur eine reine die Freiburger lange Erfahrungen: 2001 Wissensvermittlung betreiben“, sagt Jan Ihwe, Direktor der Freiburger Akademie für Weiterbildung (FRAUW). Sieben Masterstu- Zahl der im Arbeitsvertrag geregelten Stunden, diengänge aus drei Fakultäten sind derzeit die ein Hochschullehrer für die Lehre aufwendet. im Angebot; allesamt in ihrer Zielrichtung bundesweit einzigartig. Ergänzt werden die kompletten Studiengänge durch Zertifikats- Lernen sowie Kommunikation und Interakti- kurse, die nur einzelne Module umfassen. on mit Hilfe von elektronischen und digitalen „Organisatorisch sind wir eine Medien. Dazu gehören unter anderem online Grenzstelle zwischen der akademischen verfügbare Lernmaterialien, Videomitschnitte und der administrativen Welt. Wir leisten von Vorlesungen und der digitale Kontakt 13 hier die Übersetzungsarbeit“, sagt Toni zwischen Studierenden und Dozenten.
  • Universität Freiburg Foto: © Peter Mesenholl Zurück an die Uni: Die Freiburger geben den Studierenden neue Impulse nach den ersten Jahren in der Praxis waren sie bundesweit eine der ersten kommenden Jahren weiter ausbauen. Hochschulen, die auf ein fortschrittliches „Wir können uns noch viele andere Learning-Management-System setzten. Fächer vorstellen“, sagt Vizerektor Heiner Inhaltlich hat diese Architektur großen Schanz: „Die Angebote sehen wir als Einfluss auf die Studiengänge. „Unsere integralen Bestandteil der Universität.“ Grundidee ist, keine bloße Fortsetzung der Damit wolle man sich bewusst abgrenzen wissenschaftlichen Lehre aus den grund- von „Satelliten, auf die wir als Universität ständigen Studiengängen anzubieten, nur unseren Namen draufkleben.“ sondern engen Kontakt auf Augenhöhe Dazu haben die Freiburger eine zu suchen“, sagt Akademie-Direktor Jan gezielte Masterstrategie ausgerufen, in Ihwe. Weil die Teilnehmer gestandene die sie die konsekutiven und die wei- Praktiker sind, teilweise auch schon eine terbildenden Studiengänge einbinden. Promotion abgeschlossen haben, können Die Grundlage dafür wird schon in den sie wechselseitig von ihren Erfahrungen Bachelor-Programmen gelegt: Dort haben profitieren. „Wir beobachten, dass sich die Studierenden die Möglichkeit, an die Studierende mit Berufs- bei Online-Meetings die Lehrenden oft vorgesehenen drei Jahre noch ein viertes rausziehen und die Teilnehmer unterein- Jahr dranzuhängen. Darin können sie sich erfahrung: „Diese Ziel- ander diskutieren“, sagt Wöhrle. Genau bewusst auf einen bestimmten Masterstu- das ist mit dem Schlagwort von der diengang vorbereiten. IndividualTrack und gruppe dürfen wir nicht Gemeinschaft von Professionals gemeint, GlobalTrack heißen die Programme, die die das erklärte Ziel der Weiterbildungs- der Universität die Auszeichnung für Ex- einfach privaten Wei- kurse ist. zellente Lehre eingebracht haben – zwei Die Freiburger Angebote zeigen indes Semester lang können die Studierenden terbildungsanbietern auch, wie viele Inhalte dank der techni- auf eigene Faust eine Art Studium Genera- schen Möglichkeiten online vermittelt le in Freiburg absolvieren oder Ausland- überlassen“ werden können. „Wir sind längst darüber serfahrungen sammeln. Die Leistungen hinaus, dass man einfach nur Texte online aus diesem Jahr können dann, wenn sie stellt und die Studierenden dann Multiple- sich für einen Master entscheiden, unmit- Choice-Fragen dazu beantworten lässt“, telbar angerechnet werden. sagt Nicole Wöhrle. Die Mediziner können Alles für die Attraktivität des Stu- etwa Videos von Operationen hochladen dienangebots, das ist das Credo an der oder komplette virtuell aufbereitete Pa- Albert-Ludwigs-Universität in Freiburg. tientenfälle mit Fotos oder Animationen; In diesem Gesamtkonzept spielen die auf dieser Grundlage können die Teilneh- weiterbildenden Master ebenso eine mer dann einen Behandlungsvorschlag Rolle wie die konsekutiven Programme. erstellen. Oder der Bereich Informatik: Im „Das Studienverhalten ändert sich“, fasst Studiengang Eingebettete Mikrosysteme Vizerektor Heiner Schanz zusammen, bekommen die Teilnehmer per Post ein „und es ist unsere Verpflichtung, allen die Mini-Laboratorium nach Haus geschickt, passenden Angebote zu machen.“ das sie von der Infrastruktur des Instituts weitgehend unabhängig macht (s. S. 18).14 Die Universitätsleitung in Freiburg will den Weiterbildungsmaster in den
  • Foto: © Baschi BenderDie Freiburger Weiterbildungs-Master im KurzportraitParodontologie und deshalb Teilnehmer aus dem gesamtenPeriimplantäre Therapie deutschsprachigen Raum ein. Für sie ist die Mischung aus Online- und PräsenzphasenDer Bedarf nach Behandlungen am ideal: Im virtuellen Klassenzimmer stellenZahnhalte-Apparat ist groß: „45 Prozent sich beispielsweise fiktive Patienten vor, zuder erwachsenen Patienten haben Erkran- deren Problemen Fotos, Videos und weiterekungen am Parodont“, sagt Professorin Dr. Angaben mitgeliefert werden. So lässtPetra Ratka-Krüger, „aber trotzdem werden sich auch aus der Ferne ein realitätsnahernur fünf Prozent der Behandlungszeit in Einblick gewinnen; bei Rückfragen stehenden Praxen darauf verwendet.“ Ratka- jederzeit Tutoren zur Verfügung – die sindKrüger ist Leiterin des Masterstudiengangs Spezialisten für Parodontologie und habenParodontologie & Periimplantäre Therapie, eine Weiterbildung zum Teletutor gemacht.der diese Lücke im Angebot schließen In den Praxisphasen müssen die Zahnärztesoll: Er richtet sich an Zahnärzte, die dann selbst Hand anlegen. An Tierkiefernnach ihrem Studium schon mehrere Jahre üben sie komplizierte Operationen undPraxiserfahrung gesammelt haben und führen im Klinikum später auch Eingriffe ansich dann ein neues Fachgebiet erschließenwollen. Die Parodontologie wird zwar auchim grundständigen Studium behandelt,allerdings lassen die Curricula meistens realen Patienten durch. (s. Portrait auf S. 19) Steckbrief: R Rkeine Zeit für eine Vertiefung des Themas.„Wegen dieser Diskrepanz zwischen der qq der Kreditpunkte: 80 Zahl klinisch-epidemiologischen Bedeutung und Regelstudiendauer: 6 Semester qqder strukturell eingeschränkten Möglichkeit Abschluss: Master of Science qqder einzelnen Universitätskliniken besteht C  harakteristik: berufsbegleitend, qqein hoher Ausbildungsbedarf im Fach weiterbildend, 80 Prozent Fernstudium, Parodontologie“, sagt Petra Ratka-Krüger. 20 Prozent PräsenzstudiumZu ihrem Studiengang, der in dieser Form 15bundesweit einzigartig ist, schreiben sich
  • Universität Freiburg © Istockphoto.com | IAlexander Raths Foto: Markus Lassmann Der Arzt als Techniker: In Freiburg wer- den Mediziner in Sachen High-Tech auf den aktuellen Stand gebracht Physikalisch-Technische Medizin sind als Ärzte in Kliniken beschäftigt, in vielen Fällen unterstützt der Arbeitgeber Dass in Praxen und Kliniken immer mehr das Studium. „Die Abschlussarbeit wird medizintechnische Geräte stehen, spiegelt am Arbeitsplatz verfasst, beispielsweise sich in der klassischen medizinischen über die Lösung eines medizintechnischen Ausbildung nur bedingt wider. „Natürlich Problems. Davon kann also nicht nur der gehören auch Grundlagen der Physik Absolvent, sondern auch seine klinische zum Medizinstudium, aber meist fehlt Abteilung unmittelbar profitieren“, sagt der Bezug zur Medizin weitgehend“, sagt Studiengangsleiter Josef Guttmann. Das Credo für die Professor Dr. Josef Guttmann, Studien- gangsleiter des Masterstudiengangs Steckbrief: wissenschaftliche Wei- Physikalisch-Technische Medizin. In diesen Bereich soll das weiterbildende Master- qq der Kreditpunkte: 90 Zahl terbildung: Kontakt auf programm vorstoßen: Während Ingenieure Regelstudiendauer: 6 Semester qq schon an mehreren Dutzend Hochschulen Abschluss: Master of Science qq Augenhöhe statt Lehrer- in Deutschland die Möglichkeit haben, C  harakteristik: berufsbegleitend, weiter- qq sich als Medizintechniker zu spezialisie- bildend, 80 Prozent Fernstudium, 20 Prozent Schüler-Verhältnis ren, gibt es den umgekehrten Fall – dass Präsenzstudium sich also Ärzte mit Grundlagen aus der Technik weiterbilden – bislang noch nicht. Dabei hat ein Verständnis der Geräte und Palliative Care Verfahren tiefgreifende Auswirkungen auf die medizinische Praxis. „Ärzte messen Das Schlagwort vom „multiprofessionellen und interpretieren ständig zahlreiche Vital- Zugang“, sagt Bettina Couné, beschreibe daten ihrer Patienten“, sagt Guttmann: den Studiengang Palliativmedizin, den „Aber die Grundlagen etwa im Bereich der sie koordiniert, am treffendsten: „In der Messtechnik haben sie nicht.“ Wie kom- Palliativmedizin ist es tatsächlich so, dass men also die Ergebnisse zustande, welche alle eng zusammenarbeiten müssen: Ärzte, Fehlerquellen gibt es und wie groß sind die Pfleger, Sozialarbeiter, Psychologen, Seel- möglichen Abweichungen? Solche Kennt- sorger, Apotheker und ehrenamtliche Hel- nisse spielen in immer mehr Bereichen fer.“ An der Stelle setzt der Studiengang eine Rolle – bei bildgebenden Verfahren an: Die Teilnehmer aus den unterschiedli- wie Ultraschall und Endoskopie ebenso chen Berufsgruppen sollen einen komple- wie in der Beatmungs- und Narkosetechnik xeren Blick auf den Bereich bekommen oder der Robotik. Die Teilnehmer durch- und die Perspektive der jeweils anderen laufen in dem Studium zunächst mehrere kennenlernen. Derzeit sind etwa zwei Drit- Module mit physikalisch-technischen tel der Teilnehmer Ärzte; ein abgeschlosse- Grundlagen, anschließend kann jeder aus nes Hochschulstudium sowie fachrelevante dem breiten Spektrum zwei Vertiefungs- Berufserfahrung sind Voraussetzung. „Es richtungen auswählen. Auf ein Semester gibt Fälle, in denen die Patienten selbst mit Fernstudium folgt jeweils eine einwöchige hohen Dosen Morphium noch Schmerzen16 Präsenzphase; die Regelstudienzeit liegt leiden. Manchmal ist das ein psychosoma- bei sechs Semestern. Fast alle Bewerber tischer Schmerz – etwa, wenn Menschen
  • ihre Krankheit als Strafe wahrnehmen“,sagt Bettina Couné: „Da reichen Opiatenicht, da braucht der Arzt einen spiri-tuellen und psychologischen Zugang.“Entsprechend ist das Studium aufgebaut,das die Bereiche Gesundheitsökonomieund Psychoonkologie ebenso umfasstwie Fragen der Ethik und des Rechts, diebesonders im Umgang mit Patientenverfü-gungen und Therapieentscheidungen einegroße Rolle spielen. Die Teilnehmer absol-vieren dabei gemeinsam zwei Drittel allerModule, je nach Vorwissen und Interessegibt es zusätzlich unterschiedliche Vertie-fungsmaterialien und Tutorien. „Wir lagerndas Sachwissen in die E-Learning-Bereicheaus und nutzen die Präsenzphasen vorallem für Trainings, Rollenspiele, Refle-xion und den Austausch, der in diesemStudiengang besonders wertvoll ist“, sagtBettina Couné. Für die Teilnehmer sind dieErfahrungen der Kommilitonen so wichtig,dass sie auch im virtuellen Klassenzimmerin engem Kontakt bleiben: „Sie bildeneine echte Gruppe und öffnen sich, dasfunktioniert auch am Computer“, hat Stu-diengangkoordinatorin Couné beobachtet– „der Austausch ist sehr kontinuierlich,auch außerhalb der Präsenzphasen.“ Foto: © Istockphoto.com | Eliza SnowSteckbrief:qq der Kreditpunkte: 80-120 Z  ahl (je nach erstem Hochschulabschluss) Regelstudiendauer: 4-6 Semester qq Abschluss: Master of Scienceqq C  harakteristik: berufsbegleitend, weiterbil-qq dend, 80 Prozent internetgestütztes Selbststu- dium, 20 Prozent Präsenzstudium Arbeiten im Reinraum: Die Wafer, Grundlage für Solarzellen, sind hochempfindlichPhotovoltaics dem spektakulären Sichtbeton-GebäudeDer Masterstudiengang in Photovoltaics auf dem Campus der Technischen Fakultätist der einzige englischsprachige Weiterbil- verteilen sich die Experten für Photovoltaikdungs-Master an der Universität Freiburg. auf drei Etagen. Ganz in der Nachbarschaft„Deutschland ist im Bereich Solartechnik ist zudem das Fraunhofer-Institut fürführend, und das Interesse aus anderen Solare Energiesysteme untergebracht. DerLändern ist ausgesprochen groß“, sagt Masterstudiengang ist in enger Koopera-Studiengangkoordinator Dr. Martin Kase- tion entstanden. Die meisten Bewerbermann. Der Studiengang profitiert von der sind Physiker, manche haben auch schongroßen globalen Nachfrage im Bereich der promoviert. „Wir wollen die Absolven-erneuerbaren Energien: In vier Semestern ten in die Lage versetzen, Technologienwerden die Studierenden zu Experten auf weiterzuentwickeln, aber auch Neues zudem Gebiet der Solartechnik ausgebildet. entdecken“, so Kasemann. Große TeileFreiburg hat sich zu einem der weltweit des Studiums finden online statt. Diewichtigsten Forschungsstandorte auf Präsenzphasen in Freiburg sind dann striktdiesem Feld entwickelt. Wer Kasemann durchgetaktet, um das Pensum zu schaf-in seinem Büro besucht, läuft vorbei anLabors mit aufwendigster Messtechnik. In fen; an manchen Tagen gibt es bis zu zehn Stunden Seminare. Eines der Praxissemina- R R 17
  • Universität Freiburg re findet in einem speziell ausgestatteten der Praxis zu Genüge – von komplexen In- Messlabor statt; ein anderes an einer dustriemaschinen über Chips in Waschma- Produktionslinie des Fraunhofer-Instituts, schinen bis hin zu Bauteilen in modernen wo Solarzellen mit frei gewählten Para- Autos. Der Roboter aus dem Studiengang metern hergestellt werden. So lassen sich ist auch ein eingebettetes System, in dem die Einflussgrößen und ihre Auswirkungen mehrere Elemente zusammenwirken. Die genau studieren. Die meisten Absolventen Studierenden müssen beispielsweise einen arbeiten in der Industrie; es gab aber auch eingebauten Sensor so programmieren, schon Bewerber, die bei einer Bank für dass er etwa eine Münze erkennt, wenn die technische Bewertung von Projekten der Roboter über den Boden rollt. Mittels zuständig waren und das Risiko bei der Ultraschallsensoren müssen sie Zusam- Kreditvergabe einschätzen. Der nächste menstöße verhindern können oder über Schritt für den Studiengang soll jetzt spezielle Lichtsensoren am Antrieb die die weitere Internationalisierung sein: Fortbewegung überprüfen. Dieser Roboter „Die wissenschaftlichen Inhalte kommen zeigt, wie fließend die Grenzen zwischen immer von uns“, sagt Martin Kasemann, Präsenz- und Fernstudium sein können: „aber wir würden gern in Kooperation mit Die Teilnehmer bekommen ihr eigenes La- anderen Universitäten noch weitere Kom- bor kurzerhand nach Hause geliefert und petenzzentren einrichten, damit nicht alle können so für sich alleine Inhalte lernen, Studierenden für die Präsenzphasen nach für die früher die Ausstattung einer Univer- Freiburg einfliegen müssen.“ Angedacht sität unabdingbare Voraussetzung war. sind Standorte in den USA, den arabischen Der Masterstudiengang Intelligente Ein- Ländern und vor allem in Asien. Für die gebettete Mikrosysteme ist im Jahr 2007 Module im Fernstudium sind dann nach gestartet. Er richtet sich vor allem an Infor- Labor für den heimischen Schreibtisch: wie vor die Freiburger zuständig, die Prä- matiker, Mikrosystemtechniker, Maschinen- Dank handlicher Roboter können senzphasen aber können die Studierenden bauer und Physiker und sei in Deutschland Freiburger Technik-Studierende zu Hause irgendwo auf der Welt absolvieren. einzigartig. „Wir sprechen bewusst auch nicht nur die Theorie lernen, sondern Absolventen von Dualen Studiengängen auch praktisch arbeiten. Steckbrief: oder Fachhochschulen an“, sagt Koordi- nator Christoph Hermann. Für manche der qq der Kreditpunkte: 60-120 ECTS Zahl Teilnehmer eröffne sich mit dem Master Regelstudiendauer: 4-6 Semester qq der Weg zur Promotion. Die Resonanz auf Abschluss: Master of Science qq das Studium sei sehr zufriedenstellend, C  harakteristik: berufsbegleitend, weiter- qq vermelden die Freiburger – „nur dass sie bildend, 80 Prozent Fernstudium, 20 Prozent den Roboter nach einem Semester wieder Präsenzstudium zurückgeben müssen, gefällt manchen Studierenden ganz und gar nicht!“ Intelligente Eingebettete Steckbrief: Mikrosysteme qq der Kreditpunkte: 60-120 (je nach Zahl  Das Labor bekommen die Studierenden Vorbildung) per Post nach Hause geschickt: Ein Koffer Regelstudiendauer: 3-7 Semester qq ist es, von innen weich mit Schaumstoff Abschluss: Master of Science qq ausgekleidet. Darin liegt ein Roboter, der C  harakteristik: berufsbegleitend, weiter- qq mit seinem Kettenantrieb an eine Planier- bildend, 90 Prozent Fernstudium, 10 Prozent raupe erinnert. Statt eines Daches hat er Präsenzstudium eine aufgelötete Platine; von allen Seiten stehen zusätzliche Gerätschaften ab, und an zentraler Stelle hat der Roboter einen Taxation Anschluss für ein externes Steuerungsge- rät. „Darüber lässt er sich programmie- An Betriebswirte und Juristen richten sich ren“, sagt Christoph Hermann, Studien- die beiden Studiengänge, die sich mit gangkoordinator des Masterstudiengangs den Themen Steuerlehre und Steuerrecht Intelligente Eingebettete Mikrosysteme. beschäftigen. Im Fokus des Master of Arts Von eingebetteten Systemen sprechen die Taxation stehen Bachelorabsolventen Experten, wenn verschiedene Technologien mit erster Berufserfahrung. Das Pro- oder auch verschiedene Geräte miteinan- gramm kombiniert einen anspruchsvollen18 der verbunden sind und miteinander inter- weiterbildenden Studiengang mit der agieren. Anwendungsbeispiele gibt es in Vorbereitung auf die staatliche Steuer-
  • Blickpunkt Studierendeberaterprüfung. Diese Prüfung wird zwarnicht im Rahmen des Studiums absolviert;bei erfolgreichem Bestehen werden dafürjedoch etwa 40 Prozent der insgesamt120 ECTS-Punkte angerechnet. „Dieseenge Verzahnung verkürzt zum einen dieStudiendauer und sorgt für ein vertieftesVerständnis der Themen. Zum anderengehen unsere Teilnehmer optimal vorbe-reitet in die Steuerberaterprüfung“, sagtStudiengangkoordinator Falk Mehlhorn.In zehn Einheiten zum Selbststudium mitanschließenden Präsenzphasen werden dieTeilnehmer zum Masterabschluss geführtEine etwas andere Zielgruppe hat das Dr. Helen SchultzMBA-Programm „International Taxation“, Zahnärztin und Absolventindas am gleichen Lehrstuhl angesiedelt ist: des weiterbildenden Studien-Wer sich hier bewirbt, ist schon Steu- gangs Parodontologie an der Foto: Privaterberater und oft bei einer der großen Universität Freiburginternationalen Kanzleien tätig. „DieSteuerberaterprüfung ist anspruchsvoll,aber sie klammert das InternationaleSteuerrecht weitgehend aus“, sagt NielsArnold, der Studiengangkoordinator. Dabeiführt die weitreichende internationaleVerflechtung von Unternehmen gerade im Als Zahnärztin wieder an die UniSteuerrecht zu komplexen internationalenFragestellungen. An dieser Stelle setzt Über Parodontologie haben wir natürlich schon etwas im Studiumdas Curriculum des MBA-Programms an: gelernt, aber es wurde nur als Randgebiet behandelt. Dabei istNeben einer intensiven Ausbildung im es ein sehr wichtiges Thema: Parodontitis umfasst die Erkran-deutschen internationalen Steuerrecht kung des Zahnhalte-Apparates; der Grundbaustein, auf dem alleswerden die Teilnehmer mit den Steuersys- basiert. Solche Krankheiten von Zahnfleisch oder Kieferknochentemen weiterer wichtiger Länder vertraut werden immer häufiger und können ohne Behandlung bis zumgemacht. Dabei steht eine praxisorientierte Zahnverlust führen – und trotzdem macht die Parodontologie imVermittlung des Lehrinhalts im Fokus. Ziel klassischen Zahnmedizin-Studium nur einen kleinen Teil aus. Dasist es, die Absolventen auf Führungsauf- ist auch der Grund dafür, warum ich mich für den Masterstudien-gaben insbesondere in multinationalen gang entschieden habe: Zwar war ich schon mehrere Jahre langKonzernen, Beratungsunternehmen sowie berufstätige promovierte Zahnärztin, aber die ZusatzkenntnisseVerbänden und Organisationen vorzube- wollte ich mir aneignen, um diese Lücke zu schließen. Also habereiten. ich mich wieder an der Universität Freiburg eingeschrieben. Die Seminare waren meistens am Wochenende, viele LehrmaterialienSteckbriefe: kamen per Post oder digital und waren somit jederzeit abrufbar. Betreut wurden wir über Teletutoren, die uns das ganze StudiumMaster of Arts Taxation über zur Seite standen. Was mich sehr überrascht hat, war dieqq der Kreditpunkte: 120 Zahl Gruppendynamik unter den Kommilitonen: Wir waren alle schon Regelstudiendauer: 7 Semesterqq Zahnärzte mit mehr oder weniger Berufserfahrung, deshalb wa- Abschluss: Master of Artsqq ren die Seminare ganz anders als früher zu Zeiten meines ersten C  harakteristik: berufsbegleitend, weiter-qq Studiums. Es war ein sehr kollegialer Umgang untereinander, bildend, 80 Prozent Fernstudium, 20 Prozent auch mit den Lehrenden. Und weil jeder von uns sein eigenes Präsenzstudium Spezialgebiet hat, konnten wir nicht nur von den Professoren, sondern auch voneinander etwas lernen. Was mir das zusätzlicheMBA International Taxation Studium bringt? Ich werde die Parodontologie als Praxisschwer- Anzahl der Kreditpunkte: 90qq punkt aufbauen. Die ersten Patienten fragen jetzt schon danach; Regelstudiendauer: 4 Semesterqq so etwas spricht sich schnell herum. A  bschluss: Master of Business Administrationqq „International Taxation“ C  harakteristik: berufsbegleitend, weiter-qq bildend, 80 Prozent Fernstudium, 20 Prozent Präsenzstudium 19
  • Universität Oldenburg Ein passendes Angebot für jeden In Oldenburg will die Universität systematisch Lust machen auf Weiterbildung: Interessenten können zunächst nur einzelne Veranstaltungen besuchen – und diesen Kern dann später zu einem kompletten Bachelor- oder Masterstudium ausbauen. Die Struktur ist dafür maßgeschneidert Nicht bloß Schlagworte: Die Oldenburger füllen das Thema Weiterbildung mit Leben. Auf dem Bild: Eine Projektion zur Eröffnung des Centers für lebenslanges Lernen20
  • V on Minute zu Minute füllen sich die an der Universität gut aufgehoben fühlen Reihen, schnell ist das Theater restlos be- – dort bekommt er verschiedene Ange- setzt. Ein Samstagvormittag in Oldenburg, bote zum Einsteigen. Und wenn jemand draußen vor der Tür ist Wochenmarkt und sich dann weiter in ein Thema vertiefen Studierende machen unter den Einkäufern will, kann er sogar einen universitären eifrig Reklame für die kleine Vorlesung. Abschluss machen; alles das bekommt er Das Thema: „Geld vernünftig anlegen – aus einer Hand. können Menschen das überhaupt?“ Eine Das Center für lebenslanges Lernen halbe Stunde lang wird ein Professor ist aus jahrzehntelangen Erfahrungen der darüber referieren, das Publikum sind Universität hervorgegangen. 2006 ist es interessierte Oldenburger, ob mit oder entstanden, als vorher getrennte Bereiche ohne akademische Vorbildung. zusammengelegt wurden: Unter anderem „Uni am Markt“ heißt das Format, sind das Center for Distributed e-Learning zu dem die Carl von Ossietzky Universi- (CDL), die zentrale Einheit Fernstudi- tät in das Theatergebäude einlädt. Die enzentrum (ZEF) und das Zentrum für Berührungsängste mit der Hochschule wissenschaftliche Weiterbildung (ZWW) abzubauen, das ist erklärtes Ziel. „Wir im C3L aufgegangen. Organisatorisch wollen die Leute neugierig machen und untersteht das C3L direkt dem Präsidium. ihr Interesse wecken, mehr zu erfahren“, Vier weiterbildende Masterstudi- sagt Dr. Michaela Zilling. Sie ist eine der engänge sowie zwei berufsbegleitende geschäftsführenden Direktorinnen des Bachelorstudiengänge gibt es derzeit Centers für lebenslanges Lernen an der (s. S. 23), weitere sind in Planung. Die Universität, das in Oldenburg unter der organisatorische und finanzielle Verant- Abkürzung C3L bekannt ist. Fast 70 Mitar- wortung für diese Angebote liegt beim beiter sind dort beschäftigt, sie kümmern C3L, um die Fachwissenschaftler mög- sich um das Feld der öffentlichen Wissen- lichst wenig zu belasten. Die Fakultäten schaft ebenso wie um Zertifikatskurse für bringen die inhaltliche Expertise ein. In Berufstätige und um berufsbegleitende enger Kooperation mit dem C3L erfolgt beziehungsweise weiterbildende Bache- die Akkreditierung; im späteren Be- lor- und Master-Studiengänge. trieb laufen dann „rund 90 Prozent derFoto: Uni-Oldenburg „Wir haben dieses breite Spektrum anstehenden Arbeiten über das C3L “, an Aufgaben ganz bewusst zusammenge- sagt die geschäftsführende Direktorin Dr. fasst, weil sie letzten Endes eng zusam- Michaela Zilling. „Im C3L kümmern wir menhängen“, sagt Zilling. Der Grundge- uns um die organisatorische Abwicklung: danke dabei: Wer neugierig ist, soll sich Wir kümmern uns um die Akquisition und Zur öffentlichen Wissenschaft gehören Ver- anstaltungen, bei denen Forscher sich einem Vergütung der Dozenten, wir nehmen Modulanmeldungen entgegen und R R breiteren Publikum präsentieren, das üblicher- Programme für berufserfahrene Studierende, weise nicht mit Hochschulen und Wissenschaft die nach einigen Jahren in der Arbeitswelt noch 21 in Kontakt kommt. einmal an die Hochschule zurückkehren.
  • Universität Oldenburg  Studieren in jedem Alter: In Oldenburg Foto: © Uni-Oldenburg werden junge Berufstätige ebenso wie Foto: © Uta Rauser Senioren neugierig gemacht auf akade- mische Inhalte stellen Zertifikate aus.“ Der akademische Oldenburg kein Stiefkind, sondern ein Titel wird schließlich durch die jeweilige zentraler Bestandteil der Hochschul- Fakultät vergeben. Die Studienbeiträge Strategie. der Teilnehmer bleiben im C3L. „Wir sind „In unseren Angeboten möchten wir nicht gewinnorientiert, sondern arbeiten die Zugangsschwelle bewusst so niedrig kostendeckend“, sagt Michaela Zilling. wie möglich halten“, sagt Dr. Christiane Manche Studiengänge erwirtschaften Brokmann-Nooren, die beim C3L den mittlerweile Überschüsse, gerade die neu- Bereich öffentliche Wissenschaft leitet. en Angebote seien allerdings erst noch „Natürlich bieten wir auch komplette Klare Aufgabenteilung auf größere Teilnehmerzahlen angewiesen Bachelor- und Master-Studiengänge an“, und werden über Drittmittel oder aus so Brokmann-Nooren, „aber wir können in der Weiterbildung: eigenen Geldern mitfinanziert. es auch verstehen, wenn sich jemand, der Das Center für lebenslanges Lernen ist seit Jahren nicht mehr an der Universität Das Fachliche kommt in einem eigenen Gebäudekomplex, dem war, nicht gleich so umfassend ver- Lifelong Learning Campus, untergebracht. pflichten möchte.“ Alle weiterbildenden aus den Fakultäten, Gerade erst ist er renoviert worden; Studiengänge sind deshalb vollständig entlang der Flure sitzen die Koordinatoren modularisiert und können auch einzeln die Organisation über- für die weiterbildenden Studiengänge als Zertifikatskurse belegt werden. In und Zertifikatsprogramme, die Mitarbeiter manchen Fächern geht es noch kleintei- nimmt das Center für aus der Abteilung für IT/Medien/Lern- liger: Da gibt es die Möglichkeit, nur eine design und die Ansprechpartner aus dem einzelne Veranstaltung auszuwählen. lebenslanges Lernen Kontaktbüro, das die erste Anlaufstelle für „Dadurch kann jeder feststellen, ob ihn Interessenten ist. Im Erdgeschoss finden das Thema wirklich so interessiert, wie sich die Seminarräume; unter der Woche er sich das anfangs gedacht hat. Wenn werden sie von der Universität genutzt, ihm alles zusagt, steht ihm immer noch am Wochenende finden hier Präsenz- der vollständige Studiengang offen. Die veranstaltungen für die weiterbildenden bereits absolvierten Veranstaltungen Angebote statt. Technisch sind sie auf rechnen wir in solchen Fällen natürlich dem neuesten Stand: Schon im Foyer komplett an.“ Gerade weil die Bachelor- werden die Besucher von einem großen und Master-Studiengänge bis zu knapp Bildschirm empfangen, auf dem die 20.000 Euro kosten, prüfen viele Teilneh- laufenden Vorlesungen samt zugehörigem mer vorab, was sie für ihr Geld bekom- Raum angezeigt werden. In den Hörsälen men. „Diese Auskopplung von Angeboten selbst stehen die Dozenten vor einem aus den weiterbildenden Studiengängen großen Pult mit Smartboard, auf dem sie per Knopfdruck Leinwand, Beamer und elektronische Medien steuern können. Vor den Seminarräumen ist eine Lounge als hat sich gut bewährt“, sagt Christiane Brokmann-Nooren. R R Aufenthaltsbereich eingerichtet, in dem Inhaltlich zusammenhängende Seminare, die sich die Teilnehmer in den Seminarpausen mit einem universitären Zertifikat abschließen treffen können. Die Weiterbildung – das und einen thematischen Aspekt abdecken. Zerti-22 ist der Eindruck, den die großzügige Aus- fikate werden bisweilen auch für den erfolgrei- stattung erweckt – ist an der Universität chen Besuch einzelner Seminare verliehen.
  • Auf einen Blick Das Oldenburger Angebot an weiterbildenden Master-Studiengängen Den Master of Distance Education & E-Learning bietet das University of Maryland University College (UMUC) in Kooperation mit der Carl von Ossietzky Universität in Oldenburg an. In dem englischsprachi- gen Programm werden nach Eigenauskunft die „zukünftigen Manager von mediengestützten Fernunter- richtsangeboten“ qualifiziert. Die Teilnehmer können sich auf Management und Planungsaspekte speziali- sieren, auf die technischen Grundlagen oder auf die pädagogischen Komponenten. Der akademische Grad wird vom UMUC verliehen. Das MBA-Programm Bildungs- und Wissenschaftsmanagement richtet sich an Experten für Erwachse- nen- und Weiterbildung sowie an Wissenschaftsmanager. Zulassungsvoraussetzung ist neben einem ersten Studienabschluss eine mindestens zweijährige Berufserfahrung. Der Studiengang ist auf sechs Semester an- gelegt und umfasst inhaltlich zahlreiche Aspekte vom Bildungsmarketing über neue Technologien bis hin zum Controlling in Bildungseinrichtungen. Interessenten können im Rahmen eines Zertifikatsprogramms auch einzelne Module sowie Modulkombinationen belegen, die zu einem Expertenzertifikat führen. Der Masterstudiengang Innovationsmanagement bildet in sechs Semestern Experten für den Umgang mit den raschen Veränderungen in Organisationen und Unternehmen aus. Wie lassen sich Innovationen in bestehende Strukturen einbinden, wie bildet man ein innovationsfreundliches Umfeld aus – und wie geht man mit Innovationsfolgen und der gesellschaftlichen Verantwortung um? Das sind die Fragen, die im Vor- dergrund stehen. Dank der modularen Struktur können Bewerber im Rahmen eines Zertifikatsprogramms auch einzelne Inhalte des Studiengangs belegen. Die Absolventen des Masterstudiengangs Informationsrecht erwerben den auch international gefragten Titel LL.M. Das Studium richtet sich an Juristen, die für sich die neu entstandenen Arbeitsbereiche auf dem Feld des Rechts im Internet erschließen möchten. Datenschutz, IT-Vertragsrecht und Immaterialgüterrecht sind nur einige der Module, die in dem Studiengang angeboten werden. Für Nicht-Juristen, die in Unter- nehmen und Organisationen mit Fragen des Informationsrechts betraut sind, gibt es die Möglichkeit, im Rahmen eines Zertifikatsprogramms einzelne Module zu belegen.Foto: © Istockphoto.com | Zeynep Ogan Lernen überall: Dank der modernen Didaktik sind die Oldenburger Studierenden örtlich ungebunden 23
  • Universität Oldenburg Wer sich für eines der Zertifikats- Gesetzen oder Gerichtsurteilen, damit programme entscheidet, bekommt den diese stets sehr aktuell gehalten werden Status eines Gasthörers. Das hat zwei können. Das sind ganz andere Voraus- Gründe: Zum einen ist es für die Teilneh- setzungen als in anderen Disziplinen, mer eine rechtliche Absicherung, dass wo man beispielsweise mit Videos oder sie sich die Ergebnisse auf ein späteres anderen Hilfsmitteln arbeiten kann.“ Studium anrechnen lassen können. Zum Seine Abteilung ist aber auch für die anderen fördert es das Zusammengehö- Gestaltung der gedruckten Studiengangs- rigkeitsgefühl – „alle sollen sich gleich als materialien zuständig. Für die Lehrenden Teil der Universität wahrnehmen“, sagt gibt es eine Handreichung, in der die Brokmann-Nooren. Auch das Studium didaktischen Grundsätze für das Studium generale oder die Kinder-Universität wer- zusammengefasst sind und, daraus abge- den vom C3L organisiert. „Das sind alles leitet, die Empfehlungen zur Gestaltung Möglichkeiten, wie wir die interessierte des Studienmaterials. „Selbst die besten Öffentlichkeit ansprechen können, um Lehrenden haben ja nicht zwangsläufig sie auf die Inhalte, Programme und die Erfahrung im Bereich des Fernstudiums“, Qualität der C3L-Angebote aufmerksam sagt Axel Kleinschmidt. Wenn die Profes- zu machen“ soren ein Modul vorbereiten, können sie Ein weiterer Schwerpunkt des C3L den Stoff in eine Vorlage eingeben, die Expertenrat fürs sind Professionalisierungsprogramme. das Layout gleich anpasst. Abschließend Diesen Bereich leitet PD Dr. Joseph schauen dann noch einmal Didaktik- Lehrmaterial – „denn Rieforth gemeinsam mit Dr. Christiane Experten darauf, um dem Studienmaterial Brokmann-Nooren. Die überwiegend be- den Feinschliff zu verpassen. So werden selbst die besten Leh- rufsbegleitenden Angebote ermöglichen etwa Leseeinheiten den Bedürfnissen Weiterbildung auf universitärem Niveau berufstätiger Studierender angepasst oder renden haben ja nicht mit beruflich qualifizierendem Abschluss. Abbildungen, Fallbeispiele und reflexive Ein beispielhafter Themenkomplex ist die Aufgaben eingebunden, wenn es beim zwangsläufig Erfahrung Psychotherapieausbildung, die auch zur Verständnis hilft. Dieses Verfahren soll staatlichen Approbation führt. den Beteiligten die Arbeit erleichtern: Für im Bereich des Fernstu- Alle Masterstudiengänge – vier die fachlichen Experten, die für die Inhalte Angebote gibt es im Center für lebens- verantwortlich sind, soll die Vorbereitung diums!“ langes Lernen an der Carl von Ossietzky so reibungslos laufen wie möglich. Universität – sind im Sinne des Blended Dass das C3L in Zukunft an der Learning aufgebaut, also als Kombination Universität eine immer stärkere Rolle aus Fern- und Präsenzstudium. Für die spielen dürfte, wird deutlich, wenn man Fernstudien-Elemente unterhalten die Ol- die Entwicklung der vergangenen Jahre denburger eine eigene Abteilung am C3L, fortschreibt. Das Interesse an der Weiter- die sich mit dem Lerndesign auseinander- bildung steigt, auch das Studienangebot setzt. „Wir haben eine spezielle Lernum- wird kontinuierlich ausgebaut. „Vorstell- gebung entwickelt, auf der die Angebote bar ist, dass wir aus den bestehenden basieren“, sagt Axel Kleinschmidt, Leiter Studiengängen mehr Zertifikatsangebote dieser Abteilung. Es ist ein eigenständiges auskoppeln, weil sich das Prinzip sehr gut Oldenburger System, in das die Erfahrun- bewährt hat und es viele Interessenten gen aus vielen Jahren Online-Lehre einge- gibt“, sagt Michaela Zilling. Mit dieser flossen sind. „Wir haben es so konzipiert, Strategie spreche man zwei unterschied- dass wir das Studiengangskonzept und liche Zielgruppen an: Während die Zertifi- den didaktischen Hintergrund ideal wi- katsangebote eine starke Nachfrage aus derspiegeln können“, sagt Kleinschmidt. Unternehmen erfahren, die ihre Mitarbei- Die Anforderungen seien von Fach zu ter zielgerichtet qualifizieren wollen, seien Fach unterschiedlich: „Nehmen Sie etwa es bei den Bachelor- und Master-Studi- die Juristen. Da sind die Lehrmaterialien engängen vor allem Bildungshungrige, komplett online, und in den Texten finden die sich auf eigene Faust für ein weiteres sich Verknüpfungen zu den jeweiligen Studium entscheiden. Im Idealfall, sagt Zilling, wird ein Mitarbeiter vom Unter- nehmen zu einer Weiterbildung geschickt Kombiniert die Vorteile der persönlichen Kom- und ist dann so angetan davon, dass er munikation aus Präsenzveranstaltungen an dieses erste Zertifikat als Grundlage für der Hochschule mit dem effektiven und flexiblen ein komplettes Studium verwendet – eine24 Eigenlernen. Wird auch als integriertes oder Option, auf die das Oldenburger System hybrides Lernen bezeichnet. von vornherein ausgelegt ist.
  • Auf einen BlickForschung und EntwicklungGleich drei Professoren kooperieren eng mit dem Center für lebenslanges Lernen (C3L) in Oldenburg –eine bundesweite Besonderheit, denn üblicherweise statten die Universitäten ihren Weiterbildungsbereichnicht mit eigenen Professuren aus. Die wissenschaftliche Leiterin des C3L, Professorin Dr. Anke Hanft,hat ein reduziertes Lehrdeputat, um den Aufgaben im C3L mehr Zeit widmen zu können. Zum Ausgleichbeteiligt sich das C3L an der Finanzierung der Professur „Wissenstransfer und Lernen mit neuen Techno-logien“ von Professor Dr. Olaf Zawacki-Richter. „Mein Lehrdeputat umfasst auch den Bereich der Weiter-bildung“, sagt er – die Aufgaben aus Studium, Lehre und Forschung verteilt er jeweils zur Hälfte auf dieFakultät und das C3L.In der Struktur des C3L spielt die Forschung eine bedeutsame Rolle. Inhaltlich geht es darin um didak-tische Aspekte des weiterbildenden Studierens. Dieses Thema findet sich in mehreren der angebotenenMaster-Studiengänge wieder: Beim Master of Distance Education & E-Learning und im MBA-ProgrammBildungsmanagement etwa werden die Teilnehmer auf den Umgang mit dem berufsbegleitenden Lernenvorbereitet (s. auch Studiengangs-Portraits auf S. 23). Die Forschungsergebnisse der Oldenburger tragenbundesweit zur Verbesserung von weiterbildenden Seminaren bei. So leitet Zawacki-Richter zusammen mitder Professur für Bildungsmanagement und dem C3L das Verbundprojekt „mint.online - Aufbau berufsbe-gleitender Studienangebote in MINT-Fächern“, das vom Bundesministerium für Bildung und Wissenschaftfinanziert und mit namhaften Kooperationspartnern wie etwa der Fraunhofer-Gesellschaft umgesetzt wird.„Unser Ziel ist es, die Studiengänge möglichst gut auf die Lernbedürfnisse von Berufstätigen auszurichten“,sagt Professor Dr. Olaf Zawacki-Richter. In der Projektbeschreibung von mint.online heißt es: „In ihrer(medien-) didaktischen Gestaltung müssen berufsbegleitende Angebote den Ansprüchen erwachsenerLerner/innen entsprechen. Durch umfassende und qualitätsgesicherte Anrechnung beruflicher Kompeten-zen sollten die Angebote unmittelbar an den individuellen Kenntnisstand der Lernenden anknüpfen undauf deren Kompetenzniveau aufbauen. Das Verbundprojekt verfolgt das Ziel, deutsche Hochschulen mitStudienprogrammen auf dem Weiterbildungsmarkt erfolgreich zu platzieren.“ Aus dem Forschungspro-jekt heraus sollen mehrere Studiengänge sowie Zertifikatsprogramme an den beteiligten Universitäten mitSchwerpunkt im MINT-Bereich entwickelt werden.Die Professuren ändern nach der Erfahrung von Olaf Zawacki-Richter die Wahrnehmung der Weiterbil-dung an der Universität. „Dass wir hier ein eigenes wissenschaftliches Zentrum aufgebaut haben“, sagt er,„sorgt dafür, dass wir nicht herablassend als ‚Weiterbildungsbude’ betrachtet werden.“Bezeichnung für die Fachbereiche Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und TechnikAnrechnungsverfahrenIn allen weiterbildenden Studiengängen an der Oldenburger Universität lassen sich berufliche Kompeten-zen und Zusatzqualifikationen anrechnen, sei es aus einem vorangegangenen Studium oder einer aner-kannten Weiterbildung. Am einfachsten geht das bei Leistungen aus einem universitären Studium; darüberhinaus gibt es aber ein ausgeklügeltes System von pauschalen und individuellen Anrechnungsverfahren.Einschlägige Weiterbildungskurse etwa an einer Industrie- und Handelskammer werden von den zuständi-gen Wissenschaftlern exemplarisch begutachtet und können auf das Studium angerechnet werden. Quali-fikationen aus bisherigen akademischen oder beruflichen Tätigkeiten, ob mit oder ohne Zertifikat, werdenindividuell bewertet und anerkannt, wenn sie äquivalent sind. 25
  • Deutsche Universität für Weiterbildung Die Public Private University Die Deutsche Universität für Weiterbildung in Berlin ist als Zusammenschluss von renommierter staatlicher Hochschule und privatem Bildungsanbieter entstanden. Gemeinsam wollen sie einen neuen Markt erschließen – mit ausgeprägter Service-Orientierung und einem eigenen Studienkonzept D er Empfang ist prächtig: Eine imposante verfügten nur die wenigsten staatlichen Backsteinvilla im noblen Berliner Viertel Universitäten. Die Klett-Gruppe betreue Dahlem, vor dem Haupteingang ein lang im Bereich Erwachsenenbildung pro Jahr gestreckter Park mit akkurat gestutztem 180.000 Personen, wenn auch bislang vor Rasen und Nischen mit weißen Garten- allem im nicht-wissenschaftlichen Bereich. bänken. In der Villa ist das Parkett frisch Hinzu kommen ausgeprägte Kenntnisse geschliffen, die Seminarräume sind in im Vertrieb. „Die Zielgruppe ist ja eine schlichter Eleganz eingerichtet. „Alles ist ganz andere als bei einer klassischen erst wenige Jahre alt, das wurde passend Universität, deshalb muss man da andere für unseren Bedarf während der Aufbau- Instrumente aufbieten“, sagt Thelen. Die phase renoviert“, sagt Dr. Udo Thelen, FU hingegen bringe wissenschaftliches Kanzler der Deutschen Universität für Renommee und Erfahrungen mit dem Weiterbildung (DUW). Aufbau von Studiengängen ein. Seine Einrichtung ist eines der Das Ergebnis der ungewöhnlichen „Berufstätige erwarten aufsehenerregendsten Projekte in der Kooperation ist eine Einrichtung, die ihre deutschen Weiterbildungslandschaft: Die Studierenden als Kunden betrachtet. Das einen guten Service. Freie Universität Berlin (FU) ist mit der wird schon an Äußerlichkeiten deutlich Stuttgarter Klett-Gruppe eine Partner- – so wird bei der Einschreibung keine Wer einen Job hat, kann schaft eingegangen, um die DUW als Matrikel-, sondern eine Kundennummer eigenständige Universität zu gründen. vergeben. Der Service soll zu einem der nicht zwei Stunden vor 2008 wurde ihr vom Land der Universi- Aushängeschilder der DUW werden: Für tätsstatus verliehen; mit ihren 40 festen Interessenten gibt es eine kostenlose Hot- dem Büro einer Studi- Mitarbeitern dürfte sie die bundesweit line, die täglich bis 20 Uhr erreichbar ist; kleinste Hochschule sein. Zielgruppe sind den Hochglanzmagazinen der Universität enberatung warten.“ Absolventen, die seit mindestens einem liegen frankierte Rückumschläge für die Jahr im Berufsleben stehen und sich Anforderung weiterer Informationen bei weiterbilden möchten. und das Serviceteam wirbt für persönliche Kanzler Udo Thelen spricht von Gespräche einschließlich ausgiebiger einer „klassischen Win-Win-Situation“, Campus-Besichtigung. Selbst ein einmo- die durch die Zusammenarbeit von natiges Teststudium ist möglich, für das renommierter Universität und privatem keine Kosten entstehen. „Berufstätige Bildungsanbieter entstehe: „Beide Partner erwarten einen guten Service“, sagt Kanz- bringen ihre Erfahrungen aus unterschied- ler Udo Thelen – „und es geht ja auch lichen Bereichen mit ein. Alleine hätte nicht anders: Wer einen Job hat, kann keiner von beiden ein solches Angebot auf nicht zwei Stunden vor dem Büro einer die Beine stellen können!“ Die FU habe Studienberatung warten.“ über die Partnerschaft einen Zugang zum In ihrer Struktur ist die DUW analog umfangreichen Know-How des Bildungs- zu konventionellen Universitäten aufge- unternehmens im Bereich Lehr- und baut, wenngleich die Fakultäten hier als26 Lernlogistik bekommen. Über ausreichen- de eigene Ressourcen auf diesem Feld Departments bezeichnet werden. Vier gibt es davon: Wirtschaft und Management, R R
  • Gediegenes Ambiente: Die Universität residiert in einer Foto: © DUW | Ausserhoferalten Villa im Berliner Nobelviertel Dahlem 27
  • Deutsche Universität für Weiterbildung Besondere Zielgruppe: Die Deutsche Universität für Weiterbildung richtet sich an Studierende mit Berufserfahrung. Die konzentrierte Studienatmosphäre gehört zu den Versprechen an künftige Studierende Foto: © DUW Foto: © DUW Gesundheit, Bildung sowie Kommunika- über Online-Einheiten auf dem virtuellen tion. Innerhalb dieser jeweils interdiszi- Campus, in dem vor allem Projektarbeit plinär aufgestellten Einheiten sind die in Gruppen durchgeführt wird, bis hin zu Studiengänge angesiedelt. Präsenztagen. Das Studienangebot umfasst derzeit „Die Besonderheit unseres Studien- sieben Masterstudiengänge, von Euro- modells ist, dass wir uns von den festen pean Public Affairs bis Sicherheitswirt- Einstiegsterminen zum Semesterbeginn schaft und Unternehmenssicherheit. Hinzu gelöst haben“, sagt Roswitha Grassl. kommen etwa zwei Dutzend Zertifikats- „Die Interessenten können sich jederzeit programme. Insgesamt 500 Studierende anmelden, und drei Tage später geht dann sind momentan eingeschrieben. Für die das Studium los.“ Diese Flexibilität wird kommenden Jahre allerdings plant die ermöglicht durch den Methodenmix in der DUW eine spürbare Expansion; drei bis Didaktik – und dadurch, dass die Präsenz- vier neue Masterstudiengänge sind inner- veranstaltungen regelmäßig angeboten halb von fünf Jahren angepeilt. werden und nicht nur im ein- oder gar Flexibilität als oberstes Das Curriculum der Programme ist zweijährigen Rhythmus. „Dadurch steigt einheitlich auf vier Semester (insgesamt auch die Vereinbarkeit mit Berufs- und Prinzip: Wer sich 90 Kreditpunkte) angelegt; sie können Privatleben“, sagt Grassl: „Wir haben berufsbegleitend absolviert werden. Zwei regelmäßig Fälle, in denen ein Teilnehmer heute einschreibt, kann der sechs Module – General Management entweder zu einer Familienfeier will oder und Personal Skills – sind für sämtliche auf unaufschiebbarer Dienstreise ist. in drei Tagen sein Studiengänge gleich. In ihnen geht es Nach unserem System muss man deshalb beispielsweise um den Umgang mit Ver- nicht sein ganzes Leben um das Studium Studium beginnen änderungsprozessen, um interkulturelle herumplanen.“ Kommunikation und Führungskompetenz. Insgesamt 18 Präsenztage gibt es Die übrigen vier Module sind fachwissen- während des Studiums; sie sind auf schaftlich orientiert. Wochenendseminare einmal pro Quar- „Bei der didaktischen Konzeption tal verteilt. Fünf Tage entfallen auf den haben wir auf die Erfahrungen inner- sogenannten Fieldtrip, eine Besonderheit halb der Klett-Gruppe zurückgegriffen an der DUW. Er soll den Praxisbezug der und mussten deshalb das Rad nicht neu Masterstudiengänge nochmals besonders erfinden“, sagt Dr. Roswitha Grassl, die deutlich machen: In Unternehmen oder Leiterin der Programmentwicklung. In Organisationen treffen die Studierenden eigenen Weiterbildungseinrichtungen mit Experten zusammen und erstellen hat das Unternehmen über Jahre hinweg aus den Gesprächen und Einblicken eine ein reiches Erfahrungswissen gebildet: Seminararbeit – ein Format, das in jedem Wie lassen sich die Inhalte am besten für das Fernlernen aufbereiten, wievie- le Präsenztage sind sinnvoll, welche Fernstudiengänge sind üblicherweise unter- Hilfestellungen werden besonders oft teilt in Lerninhalte, die sich die Teilnehmer in genutzt? Die Mischung unterschiedlicher Eigenregie aneignen, und gebündelte Vor-Ort-28 Formate reicht an der DUW von traditi- Termine an der Hochschule. Letztere werden als onellen Studienheften zum Selbstlernen Präsenztage bezeichnet.
  • Auf einen BlickStudiengang vorgesehen ist. „ReflektivePraxis“ heißt dieses Element in der Eigen-werbung der DUW. Für Dr. Eva Cendon, Studiengangslei-terin im Masterprogramm Bildungs- und Die DUW in ZahlenKompetenzmanagement, ging der letzteFieldtrip nach Helsinki. „Wir waren dort Die 2008 gegründete Deutsche Universität für Weiterbildungim Palmenia Centre for Continuing Edu- (DUW) ist im Rahmen einer Public Private Partnership zwischencation zu Gast, einer der Vorreiter-Einrich- der Freien Universität Berlin und dem Klett-Verlag entstan-tungen beim lebenslangen Lernen“, sagt den. Trotz der organisatorischen Nähe zur FU – viele Dozentensie. Die Studierenden von der DUW haben stammen von dort – ist sie eine eigenständige Universität. Alleder Reise ein ganzes Seminar gewidmet, Studiengänge richten sich an Praktiker, die seit mindestens einemdas sich auf zwei Monate erstreckte. Jahr im Beruf stehen. Heute sind sieben Studiengänge und 21Zunächst gab es ein vorbereitendes Zertifikatsangebote im Programm; immatrikuliert haben sich etwaStudienheft; auf dessen Grundlage hat 500 Studierende. An der DUW arbeiten derzeit rund 40 Mitarbei-jeder Studierende eine Forschungsfrage ter, von denen die Hälfte Wissenschaftler sind. Das Lehrangeboterarbeitet. Die Vorbereitung mit Literatur- wird zusätzlich durch externe Lehrende gewährleistet, die ausrecherche geschieht individuell; vor Ort der Wissenschaft, teils aber auch aus der Praxis kommen. Einführt dann jeder Teilnehmer ergänzende Studium kostet je nach Fach zwischen 650 Euro für Masterstu-Interviews. Ihre Ergebnisse präsentieren diengänge und bis zu 925 Euro monatlich für zwei- bis achtmo-die Studierenden vor der Gruppe und natige Zertifikatsprogramme; hochgerechnet auf die zweijährigefertigen schließlich eine Projektarbeit an. Regelstudiendauer der Masterprogramme entspricht das einem„Dabei suchen sich die Teilnehmer solche Gesamtbetrag von 15.600 Euro. Manche Studierende kommenFragen aus, die einen Bezug zu ihrem schon vergleichsweise früh nach ihrem ersten Studienabschlussjeweiligen beruflichen Umfeld haben“, im Alter von Mitte 20 an die DUW; andere Bewerber schreibensagt Eva Cendon. Was macht eine Organi- sich aber auch mit Ende 50 noch einmal an der Universität ein.sation zur lernenden Organisation – daswar beispielsweise eine Frage aus ihrerGruppe. „Das ist ein Beispiel dafür, wiewir die Reflexion in der Praxis verstehen“,sagt Cendon. Mit ihren Angeboten will sich dieDUW künftig nicht nur an individuelle Eigene ForschungStudierende richten, sondern auch anInstitutionen. Man verstehe sich als Obwohl sich die DUW auf das Thema Weiterbildung speziali-„Partnerin für die Personalentwicklung siert, engagiert sie sich als eigenständige Universität auch in dervon Organisationen des Profit- wie des Forschung. Dabei wird Wert darauf gelegt, dass die Weiterbil-Non-Profit-Bereichs“ und unterstütze dungsstudierenden sich entweder an der Forschung beteiligendiese „im Zusammenspiel von innerbe- oder davon profitieren. Die meisten der jetzigen Projekte sind amtrieblicher Weiterbildung, dem Lernen Department für Bildung angesiedelt; sie reichen von der Lehr-am Arbeitsplatz und den Angeboten und Lernforschung in der Mathematikdidatik über Studienforma-formaler Bildungseinrichtungen“, heißt es te im Fernstudium bis hin zur Frage des Studierens ohne erstenin der Selbstdarstellung. Schon jetzt sind Hochschulabschluss.zahlreiche Studierende mit Unterstützungder Arbeitgeber an der Universität. Diese Der wissenschaftliche Stab befindet sich derzeit noch im Aufbau:Quote soll künftig weiter steigen. Einige Professuren gibt es bereits, ihre Zahl soll mittelfristig auf Finanziell sei die Deutsche Universität ein gutes Dutzend ansteigen. „Die Möglichkeit, dass wir Profes-für Weiterbildung bislang noch ein Zu- soren berufen können, gehört zu den wichtigsten Gründen fürschussbetrieb. „Man braucht in dem Feld unsere Eigenständigkeit als Universität“, sagt Kanzler Dr. Udoeinen langen Atem, bis vielleicht sogar Thelen. Die Kriterien für eine Berufung unterschieden sich vonetwas Geld übrigbleibt“, sagt Kanzler Dr. denen an anderen Hochschulen: „Bei uns hat die ZufriedenheitUdo Thelen. Die DUW rechne mit einer der Studierenden bei der Entscheidung mindestens den gleichenFrist von mindestens fünf Jahren, bis sich Stellenwert wie hochrangige Publikationen“, so Thelen.die Einrichtung selbst trage. In den Ver-trägen zwischen FU und Klett-Gruppe istaber für alle Fälle auch schon festgelegt,was eines Tages mit eventuellen Gewin-nen geschieht: Sie sollen genau hälftigzwischen den beiden Partnern aufgeteilt 29werden.
  • Leuphana Universität Lüneburg Inkubator mit Strahlkraft Mit Mitteln aus den EU-Strukturfonds soll die regionale Entwicklung im Raum Lüneburg angeschoben werden. Im Zentrum der Projekte steht die Leuphana Universität. Die Studierenden profitieren gleich auf mehreren Wegen von dem Geld aus Brüssel – etwa durch Stipendien, eine engere Einbindung in die Forschung oder eine Gründungsberatung D ie statistischen Daten kennt Thorsten Kurtz die Wissenschaftler durch mehr Geld für längst auswendig: Die Region um Lüne- die Forschung, die örtlichen Unterneh- burg hat einen unterdurchschnittlichen men durch gemeinsame Projekte mit der Anteil von Beschäftigten mit Hochschul- Universität und die Region durch den abschluss, es gibt wenige Angestellte in Zuzug von qualifizierten Arbeitskräften. Die wissensintensiven Dienstleistungsbran- Universität als Katalysator für die regionale chen, und auch der Bereich Forschung Entwicklung – das soll in Lüneburg unter und Entwicklung ist unterdurchschnittlich Laborbedingungen erprobt werden. entwickelt. „Daran wollen wir etwas Die Auflagen für die Verwendung der ändern“, ruft er – und genau das ist sein EU-Gelder sind allerdings streng. So darf Hauptberuf: Kurtz ist einer der führenden die Universität aus diesem Topf keine Mitarbeiter des Innovations-Inkubators an regulären Lehrveranstaltungen bezah- der Leuphana Universität Lüneburg. Etwa len und sie darf nicht die bestehenden 86 Millionen Euro Fördermittel fließen in Studiengänge subventionieren. Das Geld den nächsten Jahren in das Projekt, zum wirkt vielmehr indirekt – „um im Bild des großen Teil aus dem Strukturfonds der Inkubators zu bleiben: Die ganze Univer- Europäischen Union. sität wird angesteckt“, sagt Universitäts- Die Besonderheit dabei: Eigentlich Präsident Professor Dr. Sascha Spoun. dient das Geld aus den EU-Strukturfonds Damit das gelingt, hat man an der der Regionalförderung. Bundesweit gibt Leuphana eine zusätzliche Ebene in die es keine andere Hochschule, die in dieser Hochschulstruktur eingezogen. Die Lüne- Form aus den Strukturfonds bezuschusst burger Universität war bereits vorher an wird. Lüneburg bekommt deshalb die das angelsächsische System angelehnt mit Gelder, weil Universität und regionale einem College für die Bachelor-Ausbildung, Entwicklung miteinander verbunden einer Graduate School für die Master- und werden. „Das ist eine tolle Chance, an der Promotionsstudierenden sowie einer gesamten Universität neue Ideen umzu- Professional School für die Weiterbildung. setzen“, sagt Thorsten Kurtz. Das Projekt Jetzt kam als eigenständige Organisations- läuft bereits auf Hochtouren, und schon einheit der Innovations-Inkubator hinzu jetzt ist deutlich, dass alle davon profitie- – eine in sich geschlossene Abteilung, die ren können: Die Studierenden durch ein aber in alle anderen Bereiche hineinwirkt. besseres Studien- und Stipendienangebot, Sämtliche Projekte zur Regionalförderung werden zentral von hier aus gesteuert; mit seinen mehr als 200 Mitarbeitern ist Die Strukturfonds dienen als Bestandteil der der Inkubator auf Anhieb zu einer großen EU-Regionalpolitik der Förderung der regiona- eigenständigen Einheit geworden. Die len Wirtschaftsentwicklung in strukturschwa- Schwerpunkte der Förderung liegen auf chen Gegenden. Dabei wird nachgeordnet auch den Bereichen Digitale Medien, Gesundheit sowie Nachhaltige Energie. R R das Ziel der Anpassung und Modernisierung des30 Bildungs-, Ausbildungs- und Beschäftigungs- Der Innovations-Inkubator hat mehrere systems verfolgt. Schnittstellen mit den Masterstudien-
  • Hochkarätiges Beispiel: In Lüneburg steht die Universität dank EU-Geldernim Mittelpunkt der regionalen Entwicklung
  • Leuphana Universität Lüneburg gängen der Universität. Zum Beispiel der von den Gastprofessoren geknüpfte an der Graduate School: Dort werden in Kontakt in die regionale Wirtschaft zu einer den nächsten Jahren 15 Gastprofessoren dauerhaften Kooperation mit der Univer- finanziert; hochkarätige Experten aus sität führt, entstehen daraus Forschungs- mehreren Ländern sind schon gewonnen. aufgaben – und an denen können sich die Von der Lehre sind sie freigestellt, weil das Studierenden natürlich beteiligen. mit der Zweckbindung der Mittel kollidie- Und auch über ein zweites Instru- ren würde. Ziel ist es stattdessen, dass die ment profitiert die Graduate School von Gastprofessoren Kontakte zur örtlichen dem Lüneburger Innovations-Inkubator: Wirtschaft knüpfen und gemeinsame Insgesamt 30 Master- und 20 Promoti- Projekte anstoßen. Wie genau sie dabei onsstudierende bekommen für 24 bis 36 vorgehen, ist ihnen überlassen. An ihrer Monate ein Stipendium, das mit monatlich Fakultät können sie Gastvorträge halten, 800 beziehungsweise 1300 Euro dotiert ist. Studierende bei konkreten Forschungs- In ihrer Arbeit, das ist die Auflage, forschen projekten beraten oder Masterarbeiten sie zu einem Thema mit regionalem Bezug als Zweitgutachter betreuen. „Eine rein (s. Portrait auf S. 33). Auch hier ist die additive Struktur“, sagt Professor Dr. And- Verbindung von Regionalentwicklung und Foto: © Leuphana reas Reindl – „und doch mit einem großen universitärer Forschung, wie sie der Inku- Potenzial für die Fakultät.“ bator herstellen soll, direkt greifbar. Reindl ist international anerkannter Im Bereich Weiterbildung sind die Experte für europäisches und US-ame- Wirkungen des Inkubators auf die Studie- rikanisches Wettbewerbsrecht. Als einer renden ebenfalls zu spüren: „Weit mehr der ersten Wissenschaftler ist er über den als die Hälfte unserer Stellen sind durch Inkubator nach Lüneburg berufen worden. den Inkubator finanziert“, sagt Heiko  Seine Pläne hat er klar umrissen: Für Franken, Geschäftsführer der Professional regionale Unternehmen will er sich mit School. Die Anschubfinanzierung für neue dem Thema Compliance beschäftigen. Um Masterstudiengänge – von der Projektent- Kartell- und Patentrecht etwa geht es da; wicklung über die Erstellung von Fallstu- Themen, die seiner Beobachtung nach bei dien für die Unterrichtsmaterialen und die kleinen und mittelständischen Unterneh- Konzeption von E-Learning-Angeboten men nicht auf der Tagesordnung stehen, bis hin zum Marketing – kommt über den Selbst Hand anlegen: Dass die Studie- aber bei Nichtbeachtung gravierende Inkubator von der EU. Diese Angebote, so renden mitmachen, ist in Lüneburg Folgen zeitigen können. „Die besondere ist die Zielsetzung, sollen die Region gleich gewollt Herausforderung für mich ist es, meine in doppelter Hinsicht fördern: Zum einen internationalen Erfahrungen im regio- schaffen sie Qualifizierungsangebote im nalen Bereich nutzbar zu machen“, sagt Nahbereich, die für örtliche Unternehmen Reindl. Ihm schwebt vor, ein vorbeugendes und ihre Mitarbeiter offenstehen und somit Programm aufzulegen und konkrete Hil- die Wettbewerbsfähigkeit erhöhen. Zum festellung zu geben, wie man das Thema anderen holen die weiterbildenden Studi- in die Unternehmensstruktur einbinden engänge gute Leute nach Lüneburg; immer kann. Denkbar wären etwa Runder-Tisch- mit der Chance, sie an die Stadt zu binden. Gespräche. „Das sind Veranstaltungen, die Sechs weiterbildende Masterstudien- natürlich für Studierende offenstehen“, gänge gibt es derzeit an der Professional sagt Reindl. Dort können sie sich aktiv School, weitere fünf sind in Vorbereitung. einbringen und zugleich Einblicke in die Sie sehen Präsenzphasen alle drei bis Unternehmenspraxis gewinnen – eine vier Wochen vor, hinzu kommen Haus- Extramühe, die sich zwar für das Studium und Projektarbeiten. Ein Beispiel ist der nicht anrechnen lässt, aber wertvolle bundesweit einmalige Master Baurecht Erfahrungen verspricht. Und vielleicht sind und Baumanagement, der jetzt startet. solche Begegnungen auch der Anstoß zu „Es geht darin, vereinfacht gesagt, um einer Abschlussarbeit, für die Reindl im kaufmännisches Risikomanagement bei Rahmen der Betreuung ein Ansprechpart- Bauprojekten“, sagt Studiengangslei- ner sein könnte. ter Professor Dr. Ralf Schottke. An der So ähnlich funktioniert auch bei den Schnittstelle von Ingenieur-, Rechts- und anderen Gastprofessoren die Einbindung in Wirtschaftswissenschaften ist das Angebot die Masterstudiengänge: Sie bieten zusätz- angesiedelt. Warum werden fast alle liche Veranstaltungen an, deren Besuch für Bauvorhaben teurer als geplant – und die Studierenden zwar nicht obligatorisch wie lässt sich das steuern? Diese Fragen32 ist, aber ihren Blick weiten kann. Und auch stehen im Mittelpunkt. Die Vertragsgestal- indirekt haben sie etwas davon: Wenn tung spielt darin ebenso eine Rolle wie
  • Blickpunkt Studierendedas konkrete Baumanagement. Dafür istWissen aus mehreren Bereichen notwen-dig: juristische Grundbegriffe ebensowie das Verständnis von technischenZusammenhängen und kaufmännischenÜberlegungen. An der Schnittstelle dieserBereiche sollen die Absolventen späterProbleme mit großer Tragweite lösen.„Stellen Sie sich vor, auf eine Großbau-stelle kommt ein Bauunternehmer mit 100Arbeitern – und dann stellen Sie fest, dasses für die Arbeiter keine Pläne gibt, obwohlsie gleich loslegen könnten.“ SolcheFehler zu verhindern, ist später eines dermöglichen Einsatzgebiete der Absolventen.Sie können dann im Fall der Fälle auchgleich klären, wer für Verspätungen oder Elvia Gaida studiertFehler verantwortlich ist. Baubegleitende Management undPlanung heißt das in der Branche, und der Marketing an derLüneburger Studiengang bereitet genau Leuphana Universität Foto: © Privatdarauf vor. 60 bis 70 Gewerke müssen auf Lüneburgeiner Großbaustelle koordiniert werden.„Die Absolventen sind prädestiniert fürFührungsaufgaben in großen Unterneh-men“, sagt Professor Schottke – „odersie machen sich mit einem eigenen Büroselbstständig.“ Das Stipendium, von dem auch die In diesem Fall kann der Innovations- regionale Wirtschaft profitiertInkubator auch gleich weiterhelfen,dennBeratung für Existenzgründer zählt Dass ich meinen Master in Lüneburg mache, stand für mich vonebenfalls zum Angebotsspektrum. Genau Anfang an fest. Ich studiere Management und Marketing, undda entsteht der Mehrwert für die regionale hier an der Leuphana habe ich genau die Schwerpunkte gefun-Entwicklung: Gute Leute an Lüneburg den, die mich interessieren: Marketing, Tourismus und regionaleund die Region zu binden, das ist einer Entwicklung. Das ist auch der wichtigste Berührungspunkt mitder Kerngedanken. Dazu leisten auch die dem Innovations-Inkubator an der Universität. Er vergibt jedesweiteren Angebote an der Professional Jahr Stipendien für Master-Studierende, die ihre AbschlussarbeitSchool einen Beitrag, von Zertifikatskursen über ein Thema zur regionalen Entwicklung schreiben. Das ist wiebis hin zu berufsbegleitenden Bachelor- für mich geschaffen! Ich habe mich gleich beworben und bekom-Studiengängen. Zusätzlich sind hier me seither durch den Inkubator eine finanzielle UnterstützungKooperationen zwischen Wirtschaft und für meine Arbeit. Mein Thema? Ich entwickle eine touristischeWissenschaft angesiedelt. „Genau so funk- Vorteilskarte. So etwas gibt es ja schon in vielen Städten, wo mantioniert der Inkubator“, sagt Uni-Präsident als Besucher ermäßigten Eintritt in Museen bekommt oder denSascha Spoun: „Er soll unterschiedliche Nahverkehr kostenlos benutzen kann. Ich möchte dieses PrinzipFäden verknüpfen und spannende Bereiche auf das Web 2.0 übertragen und damit eine jüngere Zielgruppezusammenbringen.“ ansprechen. Dafür arbeite ich eng mit dem Tourismusverband in Das langfristige Ziel, das Spoun dabei der Region zusammen. Um auch auswärtige Erfahrungen nutzbarantreibt, ist auch eine weitere Profilie- zu machen, reise ich jetzt für ein halbes Jahr nach Malaga, wo ichrung Lüneburgs als Forschungsstandort. eine Fallstudie über die Vorteilskarten erstelle, die sich dort eta-Nirgendwo anders in Deutschland klaffe bliert haben. Ich bin mir sicher, dass ich da interessante Aspekteein so großer weißer Fleck ohne außeruni- finde, die man für die Region hier adaptieren kann. Das ist eineversitäre Forschungsinstitute wie in dem klassische Win-Win-Situation: Von den Ergebnissen meiner Arbeitriesigen Gebiet zwischen Hamburg, Hanno- kann die Wirtschaft vor Ort profitieren. Und für uns Studieren-ver und Bremen – mithin genau rund um de wird Lüneburg als Studienort noch attraktiver. Ein ähnlichesLüneburg. Durch eine Konzentration auf Stipendium etwa hätte ich nirgendwo anders bekommen. Auf-zukunftsweisende Projekte will man diese grund meiner Erfahrungen gefällt es mir so gut in Lüneburg, dassLücke schließen, denn davon würde die ich mir durchaus vorstellen kann, dauerhaft hier in der Ecke zuUniversität unmittelbar profitieren. Der bleiben.Innovations-Inkubator, so heißt es an derLeuphana, sei eine wichtige Triebfeder für 33diese Entwicklung.
  • Hochschule Bremen Masterprogramme für die ganze Welt Bei ihren weiterbildenden Angeboten setzt die Hochschule Bremen auf eine internationale Zielgruppe. Ihr Graduate Center ist organisatorisch eigenständig – und so erfolgreich, dass es räumlich schon längst an seine Grenzen stößt Hoch hinaus: Für die Absolventen geht es von den Bremer Wallanlagen in die Welt34
  • E in paar steinerne Stufen geht es von der tragen sich überwiegend selbst. Personell Straße hinauf in das unscheinbare Büro- allerdings gibt es eine enge Verquickung gebäude, dann steht man mittendrin im mit der Hochschule: Die meisten Lehrenden International Graduate Center. Wo früher sind Professoren an der Hochschule, die eine Firmenverwaltung untergebracht war, über ihr Lehrdeputat hinaus auf Honorarba- sind heute Studierende unterwegs: Auf drei sis am IGC unterrichten. Auch der akademi- Etagen reihen sich kleine Vorlesungssäle sche Direktor Goydke hat ein zusätzliches aneinander, auf den Fluren schnappt man Büro an der Hochschule. „Ich sitze dort englische Satzfetzen auf, die Kaffeemaschi- in etlichen Gremien und kümmere mich ne in der kleinen Küche läuft auf Hoch- darum, dass das IGC als Bestandteil der touren. Draußen vor dem Fenster liegt die Hochschule stärker wahrgenommen wird.“ Bremer Neustadt; ein paar Schritte nur sind Die Aufgabenteilung ist innerhalb der es bis zur Weser. „Wir kommen räumlich Hochschule klar umrissen: Während alle an unsere Grenzen“, sagt Ramón Spiecker, konsekutiven Masterstudiengänge unmittel- Geschäftsführer des International Graduate bar von den Fakultäten angeboten werden, Center (IGC): „Wenn wir mehr Platz hätten, sind die weiterbildenden Formate überwie- könnten wir das Programmangebot erwei- gend am IGC angesiedelt. Zulassungsvor- tern und dadurch auch weiter wachsen!“ aussetzung dort ist bei ausnahmslos allen Für die Hochschule Bremen ist das IGC Studiengängen eine mindestens einjährige zum Erfolgsmodell geworden. Neun Master- Praxiserfahrung. Und: Alle Teilnehmer müs- und MBA-Studiengänge sind im Angebot, sen Studienbeiträge zahlen, die zwischen die meisten davon als Vollzeit-Programme. 8.000 und 16.000 Euro für ein komplettes Sie richten sich gezielt an Studierende aus Programm liegen. aller Welt, und tatsächlich zieht Bremen Das Konzept zum International ein denkbar internationales Publikum an: Graduate Center ist über die Jahre hinweg 40 Länder sind am IGC vertreten, etwa die gewachsen. Am Anfang stand ein MBA- Hälfte der 200 Studierenden sind Ausländer. Programm, das zu seiner Entstehungszeit Es sind vor allem die besonderen Profile, die 1998 noch weitgehend ohne Konkurrenz sie an den Bremer Angeboten interessieren: war. „Da kamen Teilnehmer aus ganz Nord- Von Aeronautical Management über Euro- und Westdeutschland nach Bremen“, sagt pean Studies reicht das Fächerspektrum bis IGC-Geschäftsführer Ramón Spiecker. Der hin zu International Tourism Management berufsbegleitende Studiengang sei von den – ein klarer wirtschaftswissenschaftlicher Interessenten förmlich überrannt wor- Schwerpunkt also, angereichert um Spezial- den, erinnert er sich. Um an diesen Erfolg kenntnisse aus zukunftsträchtigen Regionen anzuknüpfen, erweiterte die Hochschule ihrFoto: IGC, Hochschule Bremen oder Branchen. Angebot drei Jahre später um einen wei- Die Besonderheit des International terbildenden Master in European Studies. Graduate Center ist seine Eigenständigkeit. „Da nahmen allmählich die organisatori- Allein schon räumlich wird das deutlich: Das Büro- und Seminargebäude liegt nicht unmittelbar auf dem Gelände der Hochschule; es sind einige hundert Meter schen Schwierigkeiten überhand“, erinnert sich Spiecker: „Wir brauchten ja für die R R Luftlinie dazwischen. Nah dabei, aber eben Anders als weiterbildende Masterstudiengänge nicht unter einem Dach. „Seit 2009 sind wir schließen sie direkt an ein vorheriges Studium eine eigene Betriebseinheit“, sagt Professor an, meistens an ein Bachelor-Programm, und Dr. Tim Goydke, der akademische Direktor bauen sowohl inhaltlich als auch fachlich auf des IGC. Wirtschaftlich ist seine Einrichtung dieses auf. Sie setzen keine Berufserfahrung 35 weitgehend unabhängig, die Studiengänge voraus.
  • Hochschule Bremen  Foto: IGC, Hochschule Bremen Der echte German touch: Studierende vor der Statue der Bremer Stadtmusi- kanten Präsenzphasen am Samstag und Sonn- Die meisten Angebote sind auf ein einziges tag die Räumlichkeiten der Hochschule, Präsenzjahr hin verdichtet worden – ein die aber natürlich eigentlich geschlossen Jahr in Bremen, in dem sämtliche Lehr- hatte.“Wie also kommt man in die Räume veranstaltungen aufeinander folgen. Bei rein, wo kann man bei Bedarf spontan der Abschlussarbeit, die noch einmal etwa Kopien anfertigen, wo für die Teilnehmer ein halbes Jahr dauert, sind die Studie- einen Kaffee kochen? Die Lösung waren renden dann räumlich ungebunden. Der eigene Räumlichkeiten – 2004 bezog das Vorteil liegt auf der Hand: Für die kurzen International Graduate Center ein früheres Aufenthalte in Deutschland lassen sich Labor für Neuerungen: Bürohaus, das für den Hochschulbetrieb meistens die Visa-Probleme einfacher lösen komplett umgebaut worden ist. Das Geld und für die Teilnehmer fallen geringere Was im Graduate Center für diese Startinvestitionen stammte vor Lebenshaltungskosten an. Wegen des allem aus dem Überschuss, den die beiden gedrängten Curriculums entwickelt sich funktioniert, wirkt auf erfolgreichen Pionier-Studiengänge über die ein reges Leben im IGC: Unter der Woche Jahre erwirtschaftet haben. halten sich die Studierenden fast den die Hochschule zurück In den separaten Räumen wuchs das ganzen Tag in den Seminarräumen auf, Graduate Center kontinuierlich; mehr Stu- zwischen den Vorlesungen diskutieren sie dierende schrieben sich ein und auch das oder arbeiten gemeinsam an den Aufgaben Angebot wurde erweitert. Nach und nach und Fallbeispielen. Bis 22 Uhr ist das Haus entstanden so die Vollzeit-Studiengänge, geöffnet; das sorgt für eine echte Campus- die vor allem auf ein internationales Publi- Atmosphäre. kum zielen. Diese Ausrichtung ergänzt sich Auch die insgesamt 16 Mitarbeiter gut mit der konsequenten Internationalisie- des IGC sind auf die besondere Zielgruppe rungsstrategie der Hochschule: Fast alle der eingestellt. So gibt es ein eigenes Inter- grundständigen Studiengänge in Bremen national Office, in dem Probleme bei der sehen ein, manchmal sogar zwei obligato- Einreise ebenso gelöst werden wie Schwie- rische Auslandssemester vor. Deshalb gibt rigkeiten bei der Zimmersuche in Bremen. es eine breite Basis von Partnerhochschulen „Eine Betreuung, die so gut auf die inter- überall auf der Welt – und deshalb kommen nationalen Studierenden zugeschnitten ist, schon seit Jahren zahlreiche ausländische gibt es im Masterbereich kaum irgendwo Studierende im Austausch nach Bremen. anders“, heißt es in Bremen. „Es war für uns also nur konsequent, dieses Und was hat die Hochschule von der Profil weiter auszubauen“, sagt Ramón ausgeprägt internationalen Kundschaft? Spiecker. Sie profitiere vor allem in zweierlei Hin- Die Bremer haben ihre Vollzeit- sicht davon, sagt Professor Dr. Tim Goydke: Studiengänge auf die Bedürfnisse des Zum einen herrsche so eine internationale internationalen Publikums ausgerichtet. Atmosphäre an der Hochschule, die auch auf die anderen Studiengänge abfärbe. Und zum anderen dient das IGC dank Als grundständig werden Studiengänge bezeich- seiner eigenständigen Stellung als Labor net, die zu einem ersten Hochschulabschluss für Innovationen: Neuerungen lassen sich36 führen. Zu ihnen zählen die Bachelor- sowie die bei der vergleichsweise kleinen Organisa- bisherigen Magister- und Diplomstudiengänge. tionseinheit unkompliziert einführen – und
  • Blickpunkt Studierendewenn sie sich bewähren, können sie aufdie ganze Hochschule übertragen werden.Das gilt etwa für Fragen der Akkreditierungoder der Double-Degree-Programme und „Ich will mehr über Deutschland erfahren“reicht bis hin zu verwaltungsrechtlichenAspekten. „Ein einfaches Beispiel ist die Mariann Karlstad (25) aus Norwegen und Detrick Brown (31) aus denDeckungsbeitragsrechnung, auf die wir USA sind im Studiengang „International MBA“ an der Hochschule Bremenunsere Verwaltung umgestellt haben. Nach eingeschriebenunseren Erfahrungen damit denkt jetzt diegesamte Hochschule über die Einführung Detrick Brown: Warum wir Foto: Kilian Kirchgeßnernach“, sagt Tim Goydke. gerade in Bremen studie- Der akademische Direktor will das IGC ren? Naja, der Weg war beikünftig neben den erfolgreichen Vollzeit- uns beiden ganz ähnlich: IchProgrammen noch stärker im Bereich der habe in den USA meinenberufsbegleitenden Studiengänge positi- ersten Abschluss in Betriebs-onieren, die sich wegen der regelmäßigen wirtschaft gemacht undPräsenzphasen vor allem an Interessenten dann gearbeitet, erst in deraus Deutschland richten. Ein Beispiel Buchhaltung einer Non-Pro-dafür ist das MBA-Programm East Asian fit-Organisation und dannManagement, das Goydke als Experte für bei einem großen Compu-die asiatische Region leitet. 2011 ist der terunternehmen. Ich warerste Jahrgang gestartet, die Teilnehmer auch schon mal in Spanien,stammen aus dem ganzen deutsch- das war meine erste Europa-sprachigen Raum. Etwa ein Drittel des Erfahrung. Irgendwann wollte ich dann einfach noch mal an dieCurriculums entfällt auf regionale Studien, Uni, und das am liebsten im Ausland.in denen es um kulturelle Besonderheiten Mariann Karlstad: Ich habe in Oslo und in Sevilla studiert undund ein intensives Sprachtraining geht. drei Jahre in einer Personalabteilung gearbeitet. Dann wollte ichDie beiden übrigen Drittel sind klassi- meine Karrierechancen erweitern und habe darüber nachgedacht,schen betriebswirtschaftlichen Aspekten noch einmal im Ausland zu studieren. Und da bietet sich diesesgewidmet. „Natürlich wählen wir aber Programm hier aus Bremen eben an. Es wird von sieben Hoch-auch da Fallstudien und Praxisbeispiele aus schulen auf der ganzen Welt im Verbund organisiert – aus Deutsch-asiatischen Ländern aus“, sagt Professor land, Spanien, Frankreich, Russland, den USA und Malaysia.Goydke. Jeder Teilnehmer spezialisiert sich Die ersten fünf Kernmodule sind überall gleich, die kann man inauf eines der Schwerpunkt-Länder (China, einem Land seiner Wahl studieren. Danach sucht man sich seineIndien, Japan oder Korea); die Inhalte Hochschule nach der angebotenen Vertiefungsrichtung aus.werden dann gezielt auf seinen regionalen Detrick Brown: Wir sind für die ersten Module hier. Ich wollte ganzFokus zugeschnitten. bewusst wieder nach Europa, und mir hat es in Deutschland echt Solche Lücken im bundesweiten gefallen. Alles ist so organisiert, die Leute sind nett und sie achtenWeiterbildungsangebot wollen die Bremer so auf den Umweltschutz – das ist beeindruckend zu sehen.auch künftig schließen. Zunächst aber, Mariann Karlstad: Ich wollte deshalb hierher, weil Deutschlandso Goydke, müsse man sich ein größeres in der Europapolitik so wichtig ist. Ich will mehr über dieses LandSeminar- und Verwaltungsgebäude suchen. erfahren. Und ich muss sagen, dass es mir wirklich gut gefällt. Aber„Derzeit fahren wir mit angezogener manches ist gewöhnungsbedürftig. Die Deutschen sind zum Bei-Handbremse. Wir haben gar nicht den Platz spiel schon ziemlich direkt. Wir hatten im Programm einige Deut-für neue Bewerber.“ Mittelfristig wolle sche, und manchmal habe ich wirklich über sie gestaunt: Ständigman die Zahl der Studierenden von 200 haben sie diskutiert, manchmal sogar richtig gestritten. Da sind wirauf etwa 500 erhöhen. Wenn das erreicht Skandinavier doch eher etwas zurückhaltender.sei, werde das IGC wohl auch profitabel: Detrick Brown (lacht): Ich erinnere mich noch an die erste Grup-Während es sich derzeit schon weitge- penarbeit: Noch bevor wir richtig angefangen haben, waren siehend selbst finanziere, könne man dann schon in Diskussionen über die Agenda unseres Treffens vertieft!vielleicht sogar Erlöse an die Hochschule Ich habe davon viel gelernt – ich glaube, dieses internationaleabführen. Team hat uns allen wertvolle Erfahrungen gebracht. Mariann Karlstad: Wenn die Seminare hier in Bremen fertig sind, gehe ich für den nächsten Teil meines Studiums nach Spanien an die Universität von Valencia. Anschließend bekomme ich ein Dop-Kurzform für einen Master of Business Admi- peldiplom aus Deutschland und Spanien. Was ich damit mache?nistration. Ein postgraduales Management- Erstmal gehe ich wohl nach Norwegen zurück. Was danach kommtStudium, das Absolventen anderer Fachrichtun- – da lasse ich mich überraschen.gen wirtschaftswissenschaftliche Methoden und 37Ansätze vermittelt.
  • Karlsruher Institut für Technologie Der Karriere-Master Das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) bietet über eine Tochterfirma komplexe Studiengänge an der Schnittstelle von Management und Ingenieur- wesen an. Zielgruppe sind leitende Mitarbeiter in weltweit agierenden Unternehmen – und die schicken ihre Führungskräfte gleich reihenweise D ie Liste der Partnerunternehmen ist Mobility Engineering reicht, setzen sich imposant: BASF, BMW, Bosch, Daimler, aus zehn Modulen zusammen. Fünf davon IBM, Porsche und Siemens beteiligen sich; beschäftigen sich mit Management-The- insgesamt mehr als drei Dutzend Firmen men und werden für alle Studiengänge sind eng mit der Hector School verbunden. gemeinsam angeboten; die andere Hälfte Für sie bedeuten die sieben Masterstu- ist dann den Inhalten der jeweiligen diengänge ein wichtiges Instrument zur Studiengänge vorbehalten. Die Mas- Führungskräfte-Qualifizierung. Deshalb terprogramme sind als Präsenzstudium sollen die Studiengänge, die inhaltlich im angelegt. Damit jedes der zehn Module Grenzbereich zwischen Wirtschaft und nur zwei Wochen dauert, ist diese Zeit Ingenieurwesen angesiedelt sind, die prall gefüllt: Montags bis freitags finden wissenschaftliche Stärke des Karlsruher zwischen 8 und 17.15 Uhr Seminare Instituts für Technologie (KIT) mit einem statt, jeweils samstags werden Prüfungen praxisorientierten Ansatz verbinden. abgehalten. In diesen Intensiv-Phasen Schon in den 90er Jahren gründete die können die Studierenden gleich auf dem Universität Karlsruhe – lange vor dem Zu- Campus wohnen; die Universität bietet sammenschluss mit dem Forschungszent- ihnen kleine Appartments an. rum Karlsruhe zum KIT – eine gemeinnüt- „Wir haben uns bewusst entschie- zige GmbH mit dem Namen International den, hochwertige Masterstudiengänge Department. Diese GmbH bildet das Dach anzubieten“, sagt Judith Elsner. Ein über drei eigenständigen Einrichtungen: MBA-Programm wollte man nicht auf- Neben der Hector School gibt es die Carl bauen: „Unsere Karlsruher Stärke ist nun Benz School, die ein Bachelorprogramm einmal der ingenieurwissenschaftliche in englischer Sprache anbietet, sowie die Bereich, das möchten wir mit den Master Karlsruhe School of Optics and Photonics. of Science-Titeln auch nach außen hin „Diese Struktur war zur Zeit der Ausgrün- deutlich machen.“ dung notwendig, damit wir die Partnerun- Die meisten Studierenden werden ternehmen ins Boot holen konnten“, sagt von ihren Arbeitgebern zu den Mas- Geschäftsführerin Judith Elsner. terprogrammen an der Hector School Die Studiengänge an der Hector entsandt. Für die Unternehmen dient das School, die nach dem SAP-Mitbegründer als gezielte Führungskräfte-Weiterbildung. Hans-Werner Hector benannt ist, sind auf Das Durchschnittsalter der Teilnehmer eine Dauer von drei Semestern angelegt. liegt bei rund 30 Jahren; Zugangsvoraus- Für die Masterarbeit sind anschließend setzung ist neben einem abgeschlossenen vier bis sechs Monate vorgesehen. Neue Erststudium ein Nachweis von hervorra- Bewerber werden alle anderthalb Jahre genden englischen Sprachkenntnissen. aufgenommen; immer dann, wenn ein Von den ungefähr 40 Teilnehmern, die Studienzyklus abgeschlossen wird. Die sich in jedem Studienzyklus auf die sieben Studiengänge, deren Bandbreite von Studiengänge verteilen, stammen etwa38 Financial Engineering über Management 40 Prozent aus dem Ausland und arbeiten of Product Development bis hin zu Green entweder in den deutschen Niederlassun-
  • Zukunft inklusive: Teilnehmer des Studiengangs Produktentwick- lung arbeiten an einer 3-D-ProjektionFoto: LESC/KIT in Kooperation mit HECTOR School ofEngineering & Management/KIT Instrument zur Füh- gen der beteiligten Konzerne oder in werden. Die Ex-Ministerpräsidenten ihren ausländischen Tochtergesellschaften. Lothar Späth und Günther Oettinger rungskräfte-Weiterbil- Etwa 30.000 Euro kostet ein Masterstu- waren schon in Karlsruhe, ebenso wie der diengang, in der Regel unterstützen die frühere Porsche-Chef Wendelin Wiedekind dung: Unternehmen Arbeitgeber ihre Mitarbeiter bei dieser und zahlreiche Vorstandsmitglieder großer Investition. Bevor das Studium beginnt, deutscher Konzerne. schicken ihre besten müssen sich die Bewerber aber auch dem Dieses hochkarätige Programm, davon strengen Auswahlverfahren an der Hector ist man in Karlsruhe überzeugt, spreche Leute zum Studium an School unterziehen; dazu gehören neben sich herum. „Wir gehen davon aus, dass den fachlichen und formalen Voraus- sich die Weiterbildung in Deutschland die Hector School setzungen unter anderem zwei jeweils in eine Richtung entwickelt, die etwa in halbstündige Interviews. Amerika schon zu sehen ist: Dort bilden Viele der Lehrenden stammen direkt sich Mitarbeiter auch in höherem Alter vom KIT, die Hector School arbeitet aber noch weiter, während hier vor allem bewusst auch mit Experten aus den vergleichsweise junge Leute an berufs- Unternehmen zusammen. „Uns ist der begleitenden Studiengängen interessiert enge Kontakt zur Praxis wichtig“, sagt sind“, sagt Judith Elsner. Das KIT sei nicht Geschäftsführerin Judith Elsner. Deshalb zuletzt dank der Hector School auf diese stehen zusätzlich Gastvorlesungen auf Entwicklung bestens vorbereitet. dem Programm, zu denen Persönlichkei- 39 ten aus Wirtschaft und Politik eingeladen
  • Duale Hochschule Baden- Württemberg Der Master als Wettbewerbsvorteil Die Duale Hochschule Baden-Württemberg hat traditionell nur Bachelor-Studiengänge angeboten – mit ihren neuen Masterprogrammen will sie sich eine neue Zielgruppe erschließen D ie große Wende in der Geschichte des Die Besonderheit des dualen Studi- dualen Studiums in Baden-Württemberg ums ist die Einbindung der Arbeitgeber. kam im Jahr 2009: Damals gingen die Bei den grundständigen Angeboten hat Berufsakademien, die bis dahin bestan- das eine lange Tradition: Die Studieren- den, in die Duale Hochschule Baden- den unterschreiben einen Arbeitsvertrag Württemberg (DHBW) über; eine neue, mit einem der beteiligten Unternehmen gemeinsame Organisationsform. Die Zahl und teilen ihre Arbeitszeit zwischen den der Studierenden stieg auf heute 27.700; akademischen Studienphasen an der damit ist die DHBW eine der größten Hochschule und den betrieblichen Studi- Hochschulen Baden-Württembergs. Von enphasen in der Firma auf. So können die Politikern wird die Duale Hochschule Studierenden viele theoretische Erkennt- immer wieder als beispielhaftes Modell nisse gleich anwenden, und die Unter- aus dem Südwesten gepriesen – nicht nehmen bekommen Nachwuchskräfte, die zuletzt deshalb, weil sie dank ihrer acht sowohl akademisch gebildet als auch mit Standorte und vier Außenstellen regionale den Standards in der Firma vertraut sind. Karriereposten: Viele Nahversorgung mit einem bundesweit Etwa 9.000 Firmen bundesweit sind als beachteten Erfolgsprinzip verknüpft. Partner am dualen Studium beteiligt. Die Unternehmen wollen Dazu sollen künftig auch Masterstudi- enge Kooperation schlägt sich auch in der engänge beitragen. „Die frühen Berufs- Verfasstheit der Hochschule nieder: Viele über das Masterstudium akademien haben sich auf den Bachelor Gremien sind paritätisch besetzt mit Ver- konzentriert“, sagt Professor Dr. Ulf- tretern aus Hochschule und Unternehmen. gute Mitarbeiter Daniel Ehlers. Der studierte Bildungswis- „In letzter Zeit haben sich viele Unter- senschaftler ist Vizepräsident für Qualität nehmen immer stärker gewünscht, dass rekrutieren und Lehre und im Vorstand der Dualen wir auch Masterstudiengänge anbieten“, Hochschule auch für Forschung zuständig. sagt Vizepräsident Ulf-Daniel Ehlers: „Mit der Hochschulwerdung haben wir „Für sie ist das oftmals unabdingbar, um natürlich auch die Aufgabe, uns weiter- gute Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zuentwickeln – und dazu gehören eben zu rekrutieren.“ Die besten Abiturienten auch Masterangebote und die kooperative nämlich wünschten sich oft eine Perspek- Forschung.“ Ehlers ist seit 2011 im Amt, tive, die weiter reicht als bis zum Bachelor die neue Ausrichtung der Hochschule ist – und wenn die Duale Hochschule das derzeit seine größte Herausforderung: nicht anbieten könne, dann würde sie „Wir spüren eine unglaubliche Dynamik. diese Kandidaten auch nicht gewinnen. Als noch junge Hochschule tut sich hier Nicht zuletzt sei es dieser Wettbewerb um für uns etwas ganz Neues auf!“ Talente, der die Entscheidung zugunsten von Masterstudiengängen maßgeblich beeinflusst habe. Derzeit sind an der Dualen Hochschule Kombiniert die praktische Ausbildung in einem sechs weiterbildende Masterangebote im Programm, die insgesamt elf Vertie- R R Unternehmen mit der theoretischen Fundierung40 einer Hochschule. Die Studierenden durchlaufen fungsmöglichkeiten bieten; innerhalb beide Teile parallel. der nächsten Semester sollen weitere
  • Foto: DHBW / Fotografie: Niels Schubert Gute Aussichten: Für viele Studierenden sind die Masterpro- gramme und die damit verbundenen Karrierechancen ein wichtiges Argument für die Duale Hochschule
  • Duale Hochschule Baden- Württemberg  Ein Plus für die Karriere: Mit den Mas- Foto: © DHBW Stuttgart Foto: © DHBW Stuttgart terstudiengängen sprechen die beteilig- ten Unternehmen eine andere Zielgrup- pe an als mit dem dualen Bachelor Studiengänge hinzukommen. Die Band- dass wir nicht einfach noch einen weiteren breite reicht von klassischen Business- Studiengang in dieser Richtung einrich- programmen wie Personalmanagement, ten wollten“, sagt der wissenschaftliche Marketing oder Banking und Finance bis Leiter Professor Paul-Stefan Roß: „Wir hin zu Informatik oder Engineering. Das hängen also bewusst keinen betriebswirt- Prinzip ist überall vergleichbar: Es werden schaftlichen Appendix an das Studium der nur Bewerber zugelassen, die bereits min- Sozialen Arbeit an, sondern verfolgen eher destens ein Jahr Praxiserfahrung haben; ein politikwissenschaftliches Konzept, das konsekutiv lässt sich das Masterangebot wir in Richtung Governance entwickelt Der Anspruch an die nicht studieren. Wichtig ist zudem die enge haben.“ Die Absolventen sollen nicht nur Abstimmung mit den Arbeitgebern, wie sie handwerkliches Rüstzeug für Führungs- dualen Master: Verzah- sich im Bachelor-Bereich schon bewährt aufgaben bekommen, sondern mit dem hat. „Wir führen in jedem einzelnen „Konzept der Steuerung und Gestaltung nung von Theorie und Fall ein eingehendes Gespräch mit dem sozial(wirtschaftlich)er Organisationen“ Arbeitgeber und dem Studienbewerber vertraut gemacht werden, wie es in der Praxis sowie Wissen- und verlangen ein klares Bekenntnis des Beschreibung des Studiengangs heißt. Unternehmens zum Masterstudium“, so Dabei werden „analytische, ethische, schaftlichkeit Ulf-Daniel Ehlers. Dafür wird ein Vertrag strategische und praktische Kompetenzen“ aufgesetzt, in dem Punkte wie mögliche vermittelt. Freistellungen von der Arbeit geregelt Die Teilnehmer des Programms sind und die Mitwirkung des Unterneh- kommen aus allen Bereichen der sozialen mens an den praktischen Komponenten Arbeit: Einige sind als Jugendsozialarbei- des Studiums. Denn das gehört in jedem ter bei kommunalen Trägern beschäftigt, Fall dazu: Die theoretischen Kenntnisse andere sind Mitarbeiter von freien Trägern werden mit einer Reflexionsaufgabe in die im Bereich der Alten- und Krankenpflege Praxis zurückgespiegelt – etwa, indem die und manche haben sich mit einer eigenen Studierenden untersuchen, wie bestimmte Firma selbständig gemacht. Viele sind Prozesse in ihrem Unternehmen geregelt in mittleren Führungspositionen, heißt sind oder nach welchen Kriterien Betriebs- es bei der Dualen Hochschule. Mit dem abläufe organisiert werden. Im Mittelpunkt Masterstudiengang wollen sie gewohnte steht immer die Verzahnung von Theorie Routinen aus ihrer Arbeit hinterfragen und und Praxis vor dem wissenschaftlichen sich für höhere Aufgaben qualifizieren. Anspruch der Masterstudiengänge, die Zum Curriculum gehören Felder wie vollständig in das Qualitätsmanagement Gesellschaftstheorie und Organisationsso- der Dualen Hochschule integriert sind. ziologie, die unter dem Gesichtspunkt der Zu den Anforderungen der Hochschule praktischen Anwendung behandelt wer- an ihre Masterangebote gehört ein unver- den. Ähnlich ist das Vorgehen im Bereich wechselbares Profil, das auf die besonde- der empirischen Sozialforschung, die nicht ren Voraussetzungen des dualen Studi- als Selbstzweck vermittelt wird: Die Ab- ums abgestimmt ist. Ein Beispiel ist der solventen sollen Studien richtig lesen und Studiengang Governance Sozialer Arbeit. komplexe Untersuchungen beauftragen42 „Es gibt in Deutschland schon so viele können, die weit über einfache Befragun- Angebote im Bereich Social Management, gen und Strichlisten hinausgehen. „Die
  • Auf einen BlickTeilnehmer haben ein großes Interesse ander Theorie“, sagt Studiengangsleiter Paul-Stefan Roß: „Im Bachelor denken manchenoch zu sehr praxisorientiert und fragensich ständig, was ihnen die konkretenInhalte für ihren Beruf bringen. Im Masterwollen sie bewusst hinter die praktischenAspekte schauen.“ Das spiegele sich auchbei den Abschlussarbeiten wider, die imMasterstudiengang wesentlich forschungs-orientierter sind. Die Lehre obliegt zum großen Teil denHochschulprofessoren, teilweise ver-pflichtet die Duale Hochschule aber auchExperten aus der Praxis. „Der erfahreneFundraiser aus einer großen Organisationkann zum Beispiel wesentliche Aspekte Foto: © DHBW Ravensburgbeisteuern“, sagt Paul-Stefan Roß. Obwohl die Nachfrage nach dengrundständigen Bachelor-Studiengängengewaltig sei, zeige sich bereits jetzt, dassdie Masterangebote eine „notwendigeund gute Ergänzung“ seien, sagt Vizeprä-sident Ulf-Daniel Ehlers: „Wir haben in den Gemeinsam am Start: Studierende der Dualen Hochschule bereiten sichzurückliegenden Monaten mehr als 150 mit ihrem Prototypen auf die Formula Student vorneue Professoren eingestellt, und auchviele der neuen Kollegen begrüßen dieEntwicklungen im Masterbereich grund-sätzlich sehr.“ Im Vergleich zu diesem klassischenAufgabenbereich der Dualen Hochschule Master an der Dualen Hochschulesoll die Zahl der Masterangebote be- Ihre Masterstudiengänge hat die Dualen Hochschule bewusstschränkt bleiben. In jedem Fall sei der schlank konzipiert: Die Studierenden müssen bis zum AbschlussBachelor der Regelabschluss, sagt Ehlers. nur 90 Kreditpunkte sammeln – deutlich weniger als die 120Während an Universitäten bis zu 75 Punkte, die an vielen anderen Hochschulen üblich sind. HinterProzent der Absolventen in den Master diesem Vorteil steht, dass für einen Bachelorabschluss an derstrebten und an Fachhochschulen bis zu DHBW 210 Kreditpunkte vergeben werden, mithin mehr als die50 Prozent, solle die Übergangsquote an oft üblichen 180. Damit das Masterangebot aber nicht nur dender Dualen Hochschule deutlich darunter eigenen Absolventen offensteht, bietet die Duale Hochschule so-bleiben. Auf eine konkrete Zahl will sich genannte Adapterkurse an, in denen Bewerber die fehlende ZahlEhlers aber nicht festlegen. „Wir stellen an Kreditpunkten nachholen können. „Wir möchten uns bewusstfest, dass viele Bachelor-Absolventen im auch an Interessenten von Universitäts- und Fachhochschulstu-Beruf so zufrieden und so erfolgreich sind, diengängen richten, die erst nach dem Bachelor zu uns stoßen“,dass sie gar keinen Grund sehen, noch sagt Vizepräsident Ulf-Daniel Ehlers.einen Master zu machen, der ja ein be-trächtliches persönliches und finanziellesEngagement erfordert“, sagt er. Letztlichhänge das Interesse aber stark von denStudienbereichen ab: Während in manchenBereichen so gut wie gar kein Interessean einem Masterprogramm bestehe,drängten die Absolventen aus anderenFeldern vehement auf ein weiterführendesStudienangebot. Besonders bei Unter-nehmen aus der Finanzwirtschaft und derInformationstechnologie sei die Nachfragesehr hoch, stellt Professor Ulf-Daniel Ehlersfest. Deshalb konzentriere man sich beiden Masterstudiengängen vor allem auf 43diese Bereiche.
  • n nce Cha d ung nbil c ke ur Brü zNicht mehr jede Hochschule kocht ihreigenes Süppchen. Die Rezepturen wer-den vielfältiger, es kommen völlig neueGeschmacksrichtungen hinzu: Bei vielenMasterstudiengängen sind längst Koope-rationen zwischen mehreren Hochschulenüblich, Partnerschaften mit dem Ausland undgemeinsame Programme zwischen verschie-denen Fakultäten. Aus den Studierendenwerden interdisziplinär denkende, interna-tional erfahrene Absolventen. Und an denHochschulen weht noch stärker als früher dereigentliche wissenschaftliche Geist: Wissenwird verknüpft, fachliche und inhaltlicheGrenzen werden überschritten, neue Ideenaus ungewöhnlichen Perspektiven entwi-ckelt. So breit verknüpft wie in den mehr als6.400 verschiedenen Masterstudiengängen,die es derzeit in Deutschland gibt, war daswissenschaftliche Angebot noch nie.
  • Universität Flensburg Internationalität inklusive Foto: Universität Flensburg Perfekte Ergänzung: Die Universitäten in Sønderborg und Flensburg bieten mehrere Studiengänge gemeinsam an46
  • Die Flensburger Universität setzt auf ihre Nähe zu Dänemark: In den Wirtschaftswissenschaften bietet sie einen binationalen Studiengang mit der süddänischen Universität an – eine Alleinstellung, wegen der sich Interessenten aus ganz Deutschland im hohen Norden bewerbenD a hinten“, sagt Professor Dr. Heiner Dunckel den Geschäften der Altstadt kann man in und zeigt aus seinem Bürofenster, „da Euro oder dänischen Kronen gleicherma- sehen Sie die Kräne des Flensburger Hafens. ßen bezahlen, auf den Straßen sind beide Gleich danach kommt schon Dänemark.“ Sprachen zu hören und viele Dänen und Für den Studiengangsleiter am Internati- Deutsche pendeln zur Arbeit ins jeweilige onalen Institut für Management hat sich Nachbarland. „Wenn man diese Nähe nicht diese Nähe zum Glücksfall entwickelt: Den sieht“, ist Heiner Dunckel überzeugt, „dann wirtschaftswissenschaftlichen Masterstudi- kann man das Konzept unseres Studien- engang – wie auch das Bachelorprogramm gangs nicht verstehen.“ – richtet er mit seinen Flensburger Kollegen Intensivkurse in der jeweils anderen bewusst binational aus; die Lage am nörd- Sprache gehören für die Teilnehmer zum lichsten Rand Deutschlands hat die Univer- Pflichtprogramm; sie sollen sich problemlos sität Flensburg so zu einem schlagkräftigen an Seminaren und Diskussionen beteiligen Alleinstellungsmerkmal ausgebaut. können, unabhängig davon, in welcher Hinter dem Flensburger Modell steht Sprache sie abgehalten werden. Die Stu- keine bloße Kooperation zwischen einer dierendengruppen in allen Veranstaltungen deutschen und einer dänischen Universität; sind deshalb gemischt – genauso wie die so etwas gebe es schließlich dutzendfach. Wohnorte: Einige deutsche Studierende „Wir bieten die Studiengänge gemeinsam wohnen in Dänemark, manche Dänen dafür mit der süddänischen Universität in Sønder- in Deutschland. „Die Grenzen verwischen borg an, organisatorisch wie personell sind schnell“, schmunzelt Professor Dunckel. beide Universitäten gleichberechtigt daran Es ist aber nicht nur die Organisati- beteiligt“, sagt Dunckel. Die Studierenden onsstruktur, die das Modell so besonders kommen aus beiden Ländern, Seminar- und macht. Auch inhaltlich ist das Curriculum Abschlussarbeiten können sie auf Deutsch, passend abgestimmt. Neben Schlüsselqua- Englisch oder Dänisch verfassen und ihren lifikationen wie etwa Forschungsmethoden, Abschluss bekommen sie problemlos als Ethik oder Führungshandeln werden vier Dual Degree. Die Lehrveranstaltungen Spezialisierungen angeboten (Entrepre- finden in Flensburg statt und werden von neurship & Small Business Management, Dozenten aus beiden Ländern gehalten. Strategy & Organisation, Organisational Entlang der Flure im Flensburger Instituts- Behaviour & Human Resource Manage- gebäude haben die dänischen Lehrenden ment, Marketing & Media Management); und Verwaltungsmitarbeiter ihre Büros, im mehr als die Hälfte des Studiums aber dreht Austausch unterrichten einige deutsche sich um internationale, sprachliche und in- Kollegen an der Syddansk Universitet in terkulturelle Themen. „Internationalität und Sønderborg. Die Zusammenarbeit, das wird Area studies sind das Besondere unseres dabei deutlich, ist längst zum Alltag gewor- Programms“, sagt Heiner Dunckel. den. Für die Flensburger ist diese Offenheit Dabei geht es keinesfalls nur um zum Nachbarland ohnehin Tradition: In Deutschland und Dänemark. Das Studi- um soll die Absolventen generell auf den Einsatz im Ausland vorbereiten und nicht Bei einem gemeinsamen Studiengang verleihen nur auf eine Tätigkeit im Nachbarland. Deswegen können sich die Studierenden R R zwei beteiligte Hochschulen den Absolventen jeweils einen Abschluss nach ihrem eigenen neben dem dänischen Schwerpunkt auch 47 Landesrecht. mit Lateinamerika beschäftigen. Und vor
  • Universität Flensburg allem: Viele Kompetenzen und Inhalte Bei ihrem internationalen Studiengang seien problemlos auf andere Weltregionen konnten die Flensburger auf langjährige übertragbar. Professor Dunckel will seine Erfahrungen zurückgreifen. Seit 1992 gibt Studierenden befähigen, sich in ein Land es einen deutsch-dänischen Wirtschafts- und die besonderen Rahmenbedingungen studiengang, der damals noch auf einer dort hineinzudenken. „Es reicht nicht, volks- lockereren Kooperation beruhte. Mit der wirtschaftliche Daten und Statistiken eines Bologna-Reform wurde daraus das gemein- Landes zu kennen, um es zu verstehen“, same Angebot der beiden Universitäten. sagt Heiner Dunckel, und das ist so etwas Die langjährige Zusammenarbeit hat dabei wie das Credo seines Studiengangs. Er will geholfen, viele der anfänglichen Konflikte seine Studierenden befähigen, das Gelernte zu überwinden. So sieht das dänische auch vor Ort – im Ausland – anzuwenden. System etwa bei Abschlussarbeiten einen Das steht im Mittelpunkt des Studiums: Zweitgutachter vor, der meistens aus der „Bei uns geht es um internationales Ma- Praxis kommt. Oft sind es Absolventen, nagement. Wer zum herausragenden Exper- die inzwischen in der Wirtschaft arbeiten. ten etwa für Finanz- und Rechnungswesen Beide Gutachter sind bei der Notenvergabe werden will, ist anderswo besser aufgeho- vollständig gleichberechtigt. „Das ist für ben!“ Dass der Ansatz aufgeht, zeigt der einen deutschen Professor natürlich schwer Blick in die Statistik: Die Bewerberzahlen vorstellbar“, sagt Heiner Dunckel, „aber für den Studiengang, der auf 80 bis 100 letzten Endes klappt es auch auf diese Art Teilnehmer pro Jahr ausgelegt ist, steigen gut!“ Oder das Thema der Praxis-Bestand- kontinuierlich. Die Absolventen haben keine teile: In Dänemark ist vorgesehen, dass bis Probleme, einen Arbeitsplatz zu finden. zu zehn der insgesamt 120 Kreditpunkte im „Vor einiger Zeit haben frühere Studieren- Masterstudiengang aus einem Praktikum de eine Firma in Weißrussland gegründet, stammen; ein Anteil, der zu Lasten der wis- andere sind in Lateinamarika oder in Ka- senschaftlichen Inhalte geht. Aber auch hier Internationales Den- sachstan geblieben und viele Absolventen haben Dänen und Deutsche eine Lösung arbeiten in internationalen Unternehmen gefunden, mit der sie den anfänglichen ken: Was am Beispiel nicht nur in Deutschland oder Dänemark“, Konflikt in einen Pluspunkt für die Studie- sagt Professor Dunckel. Es schwingt Stolz renden verwandelt haben: Sie ermöglichen Dänemark gelernt wird, mit in seiner Stimme, denn solche Meldun- die Praxisaufenthalte, ohne sie allerdings gen zeigen, dass internationales Denken verbindlich vorzuschreiben. Und die Inter- funktioniert später universell funktioniert – selbst dann, wenn essenten müssen ihr Praktikum rechtzeitig man es am Beispiel des nahen Nachbarlan- vorher mit einem Betreuer absprechen und überall in der Welt des Dänemark gelernt hat. Ausrichtung sowie Lernziele klar festlegen. „Am Anfang der Studienzeit sind Anschließend ist ein ausführlicher Prakti- in der Mensa noch die dänischen und kumsbericht für die Anerkennung nötig. die deutschen Tische getrennt“, sagen Dadurch wird der Lerneffekt vergrößert, der Ina Jensen und Malte Böhmke aus der von den praktischen Erfahrungen ausgeht. Fachschaft. „Aber nach ein paar Monaten Über den besonderen Charme des sind überhaupt keine Unterschiede mehr Studiengangs, der sich immer wieder auch zu erkennen, da ist aus allen ein Team im Alltag zeigt, muss Heiner Dunckel noch geworden.“ Die beiden haben sich für ihr heute bisweilen schmunzeln – etwa dann, Masterprogramm bewusst in Flensburg wenn ihm ein dänischer Student eine beworben, weil ihnen die Ausrichtung des Mail schreibt, die skandinavisch-leger mit Studiengangs gut gefällt. Und tatsächlich einem unkomplizierten „Kaere Heiner“ als verzeichnet die Universität eine interessante Anrede beginnt, „lieber Heiner“. Aber das Entwicklung: Waren es anfangs vor allem sei schließlich ein dankbares Thema für das Bachelor-Absolventen aus den eigenen Stu- Seminar in interkultureller Kommunikation. diengängen, die sich konsekutiv um einen Platz im Masterprogramm beworben haben, Steckbrief: kommen nun mehr Interessenten aus ande- ren BWL-Fakultäten in ganz Deutschland. qq der Kreditpunkte: 120 Zahl Die Zahl der Bewerbungen von Flensburger Regelstudiendauer: 4 Semester qq Bachelor-Absolventen hingegen ist rückläu- Abschluss: Master of Science, Cand.merc.int. qq fig: Sie werden schon früh auf den deutsch- C  harakteristik: konsekutiv, Präsenzstudium, qq dänischen Kurs eingeschworen und wollen, Dual Degree ermutigt von den ersten Erfahrungen, das48 Masterprogramm eher in Kopenhagen oder Aarhus absolvieren.
  • Blickpunkt Studierende Kim Plätz studiert im Flensburger Masterprogramm European Studies,Foto: Kilian Kirchgeßner dem – ähnlich wie dem internati- onalen Management-Studiengang – eine enge Kooperation mit Dänemark zu Grunde liegt Forschung in der Grenzregion als Sprungbrett in die EU Meinen Bachelor habe ich an der Universität Duisburg-Essen gemacht, dort habe ich Politikwissenschaft studiert. In dieser Zeit war ich zwischendurch auch im Ausland, ich habe zwei Semester in Kanada an der University of Winnipeg verbracht. Dort hatte ich mich entschieden, einen anderen Studienschwerpunkt zu wählen: Im Master wollte ich mich stärker auf internationale Politik konzentrieren. Hier in Flensburg habe ich mich gezielt beworben, weil die European Studies der einzige englischsprachige Studiengang in Deutschland mit dieser speziellen Ausrichtung ist. Mir gefällt die Interdisziplinarität: Es geht um Fragen der Wirtschaftspolitik ebenso wie um EU-Recht. Die Lage in Flensburg ist für unseren Studiengang sehr vorteil- haft, denn hier sind viele Aktivitäten zur Grenzregionen-Forschung angesiedelt – ein Thema, das in der EU natürlich hochgradig relevant ist. Das spiegelt sich auch im Studiengang wider, in dem viele Dozenten von der Universität in Sønderborg auf der dänischen Seite der Grenze lehren. Wegen dieser engen Verflech- tung schließt das Programm mit einem Dual Degree ab. Von den 45 Studierenden, die sich pro Jahr hier einschreiben, stammen die meisten aus dem Ausland. 26 Nationalitäten sind vertreten, viele meiner Kom- militonen stammen gar nicht aus der EU, sondern wollen sie als gelungenes Beispiel einer internationalen Kooperation vor Ort studieren. Viele von ihnen haben schon Praxiserfahrung. Der Studiengang ist zwar als konsekutives Angebot ausgelegt, aber in jedem Jahr sind auch Teilnehmer dabei, die für eine Regierung oder eine Organisation tätig waren. Was ich nach dem Studium machen will? Ich möchte bei der Europä- ischen Union arbeiten. Mein Traum ist es, irgendwann im wissenschaftlichen Beirat der Kommission zu sitzen. Das ist natürlich noch ein bisschen hin – aber hier in Flensburg arbeite ich schon dafür. 49
  • Universität Bochum Helfen als Wissenschaft Bei humanitären Einsätzen überall in der Welt sind Absolventen aus Bochum dabei: Ein Masterstudiengang bereitet Studierende hier auf die Arbeit mit den Opfern von Katastrophen vor D ie Flut im Land Vanga ist verheerend: den juristischen Hintergründen bis hin zur Seit Monaten schon gibt es nach starken praktischen Einsatzleitung. Während sich Regenfällen riesige Überschwemmungs- andere Studiengänge speziell an Inge- gebiete, hunderte Einheimische sind ums nieure oder Ärzte richten, die für solche Leben gekommen und etwa 100.000 Kriseneinsätze vorbereitet werden, wählen befinden sich auf der Flucht. Die ersten die Bochumer einen breiteren Ansatz. Dazu Fälle von Cholera sind aufgetreten und sind sie in einem internationalen Netzwerk aus der Grenzregion zum Nachbarland, die organisiert, zu dem neun Hochschulen in schon lange ein Unruheherd ist, werden ganz Europa gehören. Den Masterstudien- vereinzelte Kämpfe gemeldet. „Das ist die gang bieten hiervon sieben Universitäten Lage“, ruft Lisa Hilleke, „und ihr teilt euch gemeinsam an; wenn die Studierenden jetzt in Gruppen auf und geht die Planung möchten, können sie sich für jedes der drei für eine Hilfsaktion an!“ Semester an einer Universität in einem Vanga ist natürlich ein fiktiver anderen Land bewerben. Staat, an diesem Nachmittag liegt er im Diese grenzüberschreitende Zusam- botanischen Garten hinter dem Campus menarbeit ist über Jahrzehnte hinweg der Ruhr-Universität Bochum. Hilleke ist gewachsen. 1994 hat der erste Jahrgang Dozentin im Studiengang Humanitäre sein Studium aufgenommen, seit 2004 gibt Hilfe, und solche Einsatzübungen gehören es das frühere Magister-Angebot als Mas- zum Curriculum dazu. Die Studierenden ter. Die Europäische Union hat ihn 2004 schwärmen aus, sammeln Informationen als Masterstudiengang in ihr Erasmus- und sprechen mit den Einheimischen, die Mundus-Programm aufgenommen. Die hier von den Lehrenden gemimt werden. Teilnehmer nämlich kommen von allen „Brauchen Sie ein Krankenhaus“, fragen Kontinenten – und bringen neben ihrem sie, und bekommen prompt die Antwort: Fachwissen auch kulturelle Kompetenz „Ich habe keine Ahnung, was das ist, mit ein. „Man lernt gleich im Studium, ein Krankenhaus.“ Und während die wie sich der Blick auf Hilfe in den Ländern Studierenden verblüfft schauen, legt der unterscheidet“, sagt Dr. Markus Moke, Einheimische noch einmal nach: „Aber der in Bochum das Studienangebot leitet. wenn Sie schon da sind: Mein Mann ist Religiöse und kulturelle Besonderheiten hinten im Garten, der braucht Hilfe mit etwa müssen berücksichtigt werden, jeder den Kühen.“ Auch das, sagt Hilleke, gehört Hilfseinsatz ist dadurch anders. zu den Einsatzübungen: zu lernen, wie „NOHA-Master“ heißt der Studien- man mit Betroffenen umgeht, welche gang in seiner englischen Abkürzung, und Nöte sie im Alltag haben und wie man ihr dieser Name sagt in seiner Langform viel Vertrauen gewinnt. Lisa Hilleke selbst war über das Selbstverständnis aus: „Network schon an vielen Hilfseinsätzen von Haiti bis Palästina beteiligt – „und viele dieser Gesprächssituationen habe ich dort selbst Gemeinsame Studiengänge, die von mehreren erlebt.“ Universitäten angeboten und von der Europäi- Der Bochumer Studiengang ist im R R schen Union gefördert werden. Zielgruppe sind50 deutschen Sprachraum ein Unikat. Es neben europäischen Studierenden auch Teilneh- geht um humanitäre Hilfsaktionen, von mer aus aller Welt.
  • Interkulturelle Kompetenz: Die humanitären Helfer 51sind wichtige Ansprechpartner für die Menschen vor Ort
  • Universität Bochum  Vorbereitung für den Ernstfall: Stu- Foto: © Theresa Rieps dierende beim „First Aid, Safety and Security Training“ in Brandenburg on Humanitarian Action“ – der Netzwerk- großes Netzwerk, das auch die Absol- gedanke ist es, durch den der Studiengang venten umfasst. „Die 2.000 Alumni sind lebendig wird. „Die Partnerschaft ist für in allen Ecken der Welt im Einsatz“, sagt uns ein konstituierendes Element“, sagt Moke. Markus Moke. So haben die Hochschulen Am Anfang des Bewerbungsverfahrens gemeinsam das Curriculum entwickelt, können sich die Interessenten zwischen gleichberechtigt und ohne eine federfüh- zwei Modellen entscheiden; entweder, sie rende Institution. „Das ging, weil wir uns studieren die drei Semester an einem Ort schon lange kannten“, so Moke. oder sie verteilen sie auf drei verschiedene Theorie und Praxis Beim Start des Programms vor 20 Jah- Universitäten. „Wer nur in Bochum stu- ren fanden sich die ersten drei Hochschu- dieren möchte, bewirbt sich direkt hier bei sind eng verbunden: len zusammen – darunter auch Bochum. uns, egal aus welchem Land er stammt“, Heute sind neben Bochum die Universitä- sagt Moke. „Und wer nach dem ersten Neue medizinische, ten in den Städten Bilbao, Uppsala, Dublin, Semester an einer anderen europäischen Louvain, Aix-Marseille und Groningen Universität des Netzwerks studieren möch- juristische und logisti- beteiligt. Die Entwicklung des NOHA-Netz- te, meldet sich dafür bei einer zentralen werks soll damit allerdings noch nicht ab- Koordinierungsstelle.“ Pro Land stehen sche Erkenntnisse geschlossen sein: Das Ziel ist es, innerhalb jedes Jahr rund 25 Plätze zur Verfügung. der nächsten Jahre aus jedem EU-Land Zugangsvoraussetzung ist ein abgeschlos- fließen permanent in eine Hochschule anzuschließen. Das sei senes Studium. Die meisten Bewerber nicht nur politisch, sondern auch inhaltlich haben Geographie, Geschichte, Psycholo- die Arbeit ein sinnvoll, schließlich bringe jede Universität gie oder Jura studiert, aber auch Medizi- ihren eigenen Forschungsschwerpunkt ner, Journalisten und Betriebswirte finden ein. Während die Spanier sich beispiels- sich regelmäßig unter den Interessenten weise auf Menschenrechte konzentrieren, für das Studienangebot. Die Auswahl wird kümmern sich etwa die Iren vor allem um anhand von Bewerbungsunterlagen und die Verbindung zwischen humanitärer Hilfe Gesprächen getroffen – oft persönlich; und Entwicklungszusammenarbeit und die Kandidaten aus dem Ausland können sich Bochumer wiederum sind renommierte aber auch per Internettelefonat vorstellen. Experten auf dem Feld der internationalen An der Ruhr-Universität Bochum ist Institutionen und des Managements von der Studiengang am Institut für Friedens- internationaler humanitärer Hilfe. „Der sicherung und Humanitäres Völkerrecht Studiengang ist so aufgebaut, dass die angesiedelt. Der Fachbereich gilt als sehr Studierenden von diesen unterschiedlichen interdisziplinär und forschungsstark; Ansätzen profitieren können“, sagt Moke: zahlreiche Drittmittelprojekte sind dort an- Während die ersten fünf Module in allen gesiedelt, vor allem in Themenfeldern wie beteiligten Hochschulen identisch seien, Völkerrecht, Menschenrechte, humanitäre präge danach jeder der beteiligten Partner Krisen und internationale Organisationen. mit seinem speziellen Forschungsgegen- „Uns beschäftigt immer die Frage, welches stand die weiteren Teile des Curriculums. Verhältnis zwischen wissenschaftlichen Die Studierenden können sich also gezielt Inhalten und Relevanz für die Praxis in un-52 aussuchen, welcher Schwerpunkt ihnen serem Studiengang richtig ist“, sagt Moke. am ehesten zusagt. Das Ergebnis ist ein „Aber diese beiden Aspekte lassen sich auf
  • Blickpunkt Studierendeunserem Feld kaum trennen. Die Ergebnis-se der Forschung wirken unmittelbar aufdie Praxis zurück, und natürlich müssenwir auch die Ergebnisse aus unserenFeldversuchen anschließend theoretisch re- Der Berufsalltag? Wasserfilter herstellen,flektieren.“ Zum Studium gehören deshalb Ruinen aufräumen, Schulen bauenregelmäßige Trainings im Freien. So bauendie Studierenden etwa provisorische Hilfs- Als ich angefangen habe zu studieren, wusste ich noch nicht, inlager auf. Und sie durchlaufen ein Seminar welche Richtung ich mich beruflich entwickeln möchte. An derzum Umgang mit militärischen Situati- Fachhochschule Köln habe ich meinen Bachelor in mehrsprachigeronen. Dazu gibt es nahe der Bochumer Kommunikation gemacht, meine Schwerpunktsprachen warenUniversität ein Gelände, auf dem Darsteller Englisch, Französisch und Niederländisch. Mir war aber klar, dassmit täuschend echten Waffen Checkpoints Übersetzen oder Dolmetschen nichts für mich ist; ich habe gespürt,simulieren. In diesem Umfeld lernen die dass ich die Sprachen auf andere Art anwenden wollte. Die AugenStudierenden, wie sie sich in Krisen- und hat mir dann ein Praktikum in Paris geöffnet, das ich währendKonfliktgebieten am besten verhalten. meines Studiums gemacht habe: Ich war ein halbes Jahr lang bei Die Seminarteilnehmer von Dozen- einer Ärzte-Organisation und habe da zwei Ausstellungen mitorga-tin Lisa Hillecke haben es da einfacher. nisiert – die eine ging über die vergessenen Krisen auf dieser Welt,Die Hilfe für das überflutete Land Vanga die andere hatte illegale Einwanderer in Europa zum Thema. Dasmüssen sie nur am Reißbrett konzipieren, hat mir einen Weg gezeigt, auf dem ich weitergehen wollte. Nachaber auch das ist schon vertrackt. „Für meinem Abschluss habe ich deshalb als freiwillige Helferin in Haitisolche Einsätze gibt es die sogenannten mitgeholfen, das war ein Jahr nach dem verheerenden ErdbebenSphere-Minimum-Standards, die interna- dort. Noch immer war Hilfe dringend nötig, und ich konnte michtional festgelegt sind. Darin geht es umlebenswichtige Fragen – etwa darum,wie viele Kilokalorien jeder Mensch proTag aufnehmen muss, wieviel Trink- undBrauchwasser benötigt wird und wie großdie Vorräte in einem Flüchtlingslager seinmüssen“, so Moke. Wichtig sind unzähligeAspekte, die genau erforscht werden: Wieviele Latrinen müssen in einem solchenLager bereitstehen, wie schnell müssen sie Foto: © Kilian Kirchgeßnerfür die Bewohner erreichbar sein, welchekulturellen Besonderheiten sind dabei zubeachten? Und natürlich müssen Bewoh-ner und Helfer gesichert werden. In diesen Laura Puts war schon in derAspekten zeigt sich die Nähe zur For- Katastrophenhilfe vor Ort. Jetztschung: Medizinische, juristische und auch studiert sie Humanitäre Hilfelogistische Erkenntnisse fließen laufendin die Trainings ein. Alles dafür, dass dieStudierenden den Bewohnern von Vangamöglichst schnell helfen können. Und zwei internationalen Organisationen anschließen. Ich habe mitge-dann nach ihrem Studium den Menschen holfen, Schulen aufzubauen und Wasserfilter herzustellen. Sogarin realen Katastrophengebieten irgendwo Häuserruinen haben wir eigenhändig mit Vorschlaghämmern abge-auf der Welt. rissen, damit die Besitzer auf den Grundstücken wieder etwas Neu- es aufbauen können. Spätestens da wusste ich, dass ich mich auchSteckbrief: wissenschaftlich mit dieser Art von Arbeit beschäftigen möchte. So bin ich auf den Bochumer Master in Humanitärer Hilfe gestoßenqq der Kreditpunkte: 90 Zahl und habe mich dort beworben. Per Internettelefon habe ich noch Regelstudiendauer: 3 Semesterqq aus Haiti mein Aufnahmegespräch geführt – und an meinen letzten A  bschluss: Master of Arts in Internationalqq Tagen vor Ort kam dann der Bescheid, dass ich aufgenommen bin. Humanitarian Action Im Studium habe ich gemerkt, dass es genau das Richtige für mich Unterrichtssprache: englischqq ist. Hier in Bochum ist es mir genauso gegangen wie davor schon C  harakteristik: Präsenzstudium, Joint- oderqq im Bachelor-Studium: Ich habe während der Seminare gemerkt, Double-Degree (je nach beteiligten Partner- in welche Richtung ich weitergehen möchte. Jetzt ist mir klar, dass Hochschulen) mich die Wasserversorgung in Katastrophengebieten am meisten interessiert. Dieses Thema werde ich vertiefen – zunächst im Studi- um, und hoffentlich auch danach im Beruf. 53
  • Universität Bayreuth Wissen für den Wandel Die globalen Veränderungen stehen im Blickfeld eines naturwissenschaftlichen Master- studiengangs an der Universität Bayreuth. Weil die Bayern ihn in ihr üppig finanziertes Elitenetzwerk integriert haben, sind die Studienbedingungen optimal Auf den Gipfeln von La Palma: Teilnehmer der Summer School im Studiengang Global Change Ecology54
  • D ie Studierenden stehen im Kreis um weiteren Bereichen ein. Die Teilnehmer ihren Professor. Eine Vorlesung mitten lernen, die ökologischen und gesell- im Nationalpark auf den Kanarischen schaftlichen Folgen des Klimawandels Inseln, eine Einführung in die Ökologie zu analysieren. „Manche Absolventen der Inseln und die Landnutzung steht auf bleiben anschließend in der Forschung, dem Programm. Anschließend teilen sie andere gehen in die Politik und verhan- sich in kleine Gruppen auf und ziehen los deln dort über internationale Abkommen für ein Forschungsprojekt. „Dadurch, dass und wieder andere arbeiten im Bereich wir vor Ort sind, ist das eine so intensive Risikoabschätzung in der Wirtschaft“, Arbeit, dass sich die Studierenden richtig sagt Beierkuhnlein. in ihr Thema reinfressen“, sagt Professor Für die Universität Bayreuth war Dr. Carl Beierkuhnlein, der das Gelände- Global Change Ecology bei der Umstel- praktikum auf den Kanaren leitet. lung auf die neuen Studienabschlüsse Solche Praxiseinblicke gehören für einer der ersten Masterstudiengänge. ihn und seine Studierenden zum All- Wegen der interdisziplinären Ausrichtung tag. Global Change Ecology heißt sein habe sich das geradezu angeboten, heißt Studiengang an der Universität Bayreuth, es an der Universität. Das Curriculum ist er gehört zum Bayerischen Elitenetzwerk. dabei möglichst vielseitig gestaltet: So ist Darin sind Studienangebote zusammen- etwa ein Fast-Track für den schnellen Weg gefasst, die sich an überdurchschnittlich zur Promotion vorgesehen; es werden erfolgreiche Studierende richten. Das Bewerber aus aller Welt angesprochen Auswahlverfahren ist streng, aber die Ar- und Studierende mit den unterschied- beitsbedingungen sind dank der gezielten lichsten wissenschaftlichen Erfahrungen. Unterstützung durch den Freistaat und „Das alles haben wir bewusst so offen die Wirtschaft ausgezeichnet. Im Studien- gestaltet“, sagt Beierkuhnlein: „Es ist programm Global Change Ecology ist fast ein extrem anspruchsvolles Feld, und wir immer einer der Studierenden irgendwo wollen exzellente Studierende dafür ge- auf der Welt unterwegs auf Klimakon- winnen, ohne die Auswahl von vornherein ferenzen, Wissenschaftler-Tagungen zu stark einzuschränken.“ und Gipfeltreffen zum Umgang mit den Die meisten Bewerber schließen das Folgen des ökologischen Wandels. „Wir Masterprogramm konsekutiv an ihren unterstützen unsere Studierenden dabei, Bachelor an. Viele kommen aus den Na- an diesen Konferenzen teilzunehmen“, turwissenschaften, andere beispielsweise sagt Carl Beierkuhnlein. Jedem soll es aus der Betriebswirtschaft, der SoziologieFoto: © Benjamin Leutner ermöglicht werden, zu mindestens einer oder der Psychologie. Inhaltlich hat sich solchen Tagung zu reisen; die Kosten der Aufbau des Studiums im Laufe der übernimmt die Studiengangskasse. Ein- Jahre an diese unterschiedlichen Profile zige Bedingung für die Studierenden: Sie angepasst: Am Anfang habe man den Feh- müssen anschließend ihren Kommilitonen ler gemacht, sich in den ersten Monaten ausgiebig berichten und ihre Erkenntnisse im Plenum diskutieren. In seiner inhaltlichen Ausrichtung ist der Bayreuther Studiengang weltweit ein- ganz auf naturwissenschaftliche Inhalte zu konzentrieren. „Das war ein extrem R R zigartig. Er ist interdisziplinär aufgebaut, Möglichkeit, während des Masterstudiums in das Curriculum fließen Bestandteile aus bereits Leistungen für eine anschließende Pro- Meteorologie, Geologie, Physik, Chemie, motion zu erbringen, die dann in kürzerer Zeit 55 Psychologie, Soziologie, Ökonomie und abgeschlossen werden kann.
  • Universität Bayreuth  Foto © Prof.Carl Beierkuhnlein Auf den Spuren des Klimawandels: Studierende machen sich vor Ort ein Bild schwieriger Einstieg ins Studium für alle, sprochen wertvolle Beiträge. Als Dozenten die ihren Bachelor in einem anderen Be- können wir bestimmte Aspekte noch so reich gemacht haben“, sagt Beierkuhnlein oft erwähnen, aber wenn es jemand aus rückblickend. Jetzt sind die Schwerpunkte eigener Erfahrung heraus sagt, hat das besser verteilt, und schon zu Beginn des ein ganz anderes Gewicht.“ Studiums geht es neben den Umweltver- Dieser enge Austausch ist in Bayreuth änderungen auch um gesellschaftliche sogar institutionalisiert. Jeden Donnerstag Auswirkungen. Nach diesem neuen Sche- findet ein Jour Fixe mit Studierenden und ma können sich die Studierenden jetzt Dozenten statt. Dabei besprechen sie zum Echte Interdisziplinari- allmählich vortasten. Zusammen mit Er- einen aktuelle Probleme im Studium, um gänzungskursen, um individuelle Defizite bei Bedarf schnell Abhilfe zu schaffen. tät: Psychologen, Physi- zu beheben, sei der Einstieg dadurch für Zum anderen geht es um Erfahrungsbe- alle gut zu schaffen. „Der breit gefächerte richte: Wenn ein Teilnehmer gerade auf ker, Betriebswirte, Geo- fachliche Hintergrund der Studierenden einem Klimagipfel war oder einer anderen ist für uns Lehrende zwar immer noch Konferenz zu ökologischen Veränderun- graphen und Biologen herausfordernd, aber für den Studiengang gen, berichtet er hier von seinen Beob- bereichernd“, sagt Carl Beierkuhnlein. Als achtungen. ziehen an einem Strang Beispiel nennt er Psychologie-Absolven- Das Auswahlverfahren für das Studi- ten: Weil es in Global Change Ecology viel um ist ausgeklügelt. Die Bewerber müs- um Verhandlungsstrategien auf interna- sen ein Motivationsschreiben vorlegen, tionalen Konferenzen gehe und andere das von zwei Dozenten bewertet wird. zwischenmenschliche Kontakte, könne Die besten 40 Interessenten aus aller Welt deren Perspektive allen Teilnehmern werden zu einem Gespräch eingeladen, etwas bringen. das der Einfachheit halber über Skype Zu diesem Lerneffekt trägt auch die stattfindet. Etwa 30 Studierende bekom- „ausgesprochene Solidarisierung der men dann einen Zulassungsbescheid. Studierenden untereinander“ bei, die Stu- „Wir haben aber das große Problem, dass diengangsleiter Beierkuhnlein beobachtet: im Durchschnitt etwa zehn Leute ihr Stu- Sie finden sich in kleinen Gruppen zu- dium nicht antreten können. Das liegt ein- sammen, um die jeweils anderen mit dem fach daran, dass sie aus armen Ländern eigenen Hintergrundwissen zu versorgen, kommen und kein Stipendium bekommen und sie bringen ihre kulturellen Erfahrun- haben“, sagt Beierkuhnlein. Denn so gut gen ein. Zum Beispiel in dem Seminar, in die Ausstattung seines Studiengangs auch dem es um Dürre in Afrika geht, um deren ist, für Beihilfen zu den Lebenshaltungs- Auswirkungen auf die Biodiversität und kosten ist das Budget nicht vorgesehen. mögliche Gegenmaßnahmen. „Mitten in „Wir würden uns flexiblere Förderin- der Diskussion meldet sich ein afrika- strumente wünschen, um den besten nischer Teilnehmer und erinnert an die Studierenden auch wirklich den Weg nach Korruption im Land. ‚Ihr könnt eure Maß- Deutschland zu ebnen!“ nahmen nicht so am Reißbrett entwerfen’, Diejenigen, die ihr Studium in Bay- hat er die Kommilitonen gemahnt“, sagt reuth dann tatsächlich anfangen, haben56 Beierkuhnlein. „So etwas kommt hier beste Aussichten: Die Abbrecherquote immer wieder vor, und das sind ausge- ist denkbar niedrig und beim Übergang
  • Auf einen Blick Der Master Global Change Ecology Das Programm Global Change Ecology ist naturwissenschaftlich ausgerichtet, angereichert allerdings um wesentliche Elemente Foto: © Manuel Steinbauer aus dem Bereich der Geistes- und Sozialwissenschaften. Die Lehre findet wegen des internationalen Teilnehmerfeldes ausschließlich auf Englisch statt. Inhaltlich sind die Module in drei Schwerpunk- te eingeteilt. Einer davon ist die Veränderung der Klimabedin- gungen; dabei geht es vor allem um physikalische und chemische Mechanismen, um die Dynamik des Klimawandels und die Ein- flussfaktoren. Ein zweiter Schwerpunkt ist dann im Bereich der Ökologie angesiedelt: Welche Auswirkungen haben die Änderun- gen auf Mensch und Natur, auf die Lebensbedingungen? In einem dritten Feld stehen gesellschaftliche Aspekte im Vordergrundins Arbeitsleben hat kaum ein Absolvent – von den sozioökonomischen Gründen für den Klimawandel bisgrößere Schwierigkeiten. hin zu den Konsequenzen wie der geänderten Landnutzung und Und das Studium selbst, das sagen die möglichen Fluchtbewegungen. Begleitet werden diese ModuleAbsolventen, eröffne neue Blickwinkel. So von Lehrveranstaltungen, die sich gezielt der Methodik widmen,etwa bei der Exkursion auf die Kanari- die für mehrere der inhaltlichen Bereiche relevant ist. Dazuschen Inseln. Da haben die Studierenden zählen unter anderem Modellbildung, Zeitreihen-Analysen undin Dreiergruppen eine Woche lang an ei- Verhandlungsstrategien.ner Forschungsaufgabe gearbeitet – etwazur Frage, wie sich die Infrastruktur aufdie Artenvielfalt auswirkt. „Häufig trifftman auf die Meinung, dass der Straßen-bau einen negativen Einfluss habe“, sagtProfessor Carl Beierkuhnlein. Das solltenseine Studierenden untersuchen, in derHypothesengeneration und der Metho-denwahl von Lehrenden begleitet. IhreErkenntnis verblüfft: Gerade endemischeArten, die es nur auf der Insel gibt, habenvon der Infrastruktur sogar profitiert, weilsie sich über weitere Strecken verbreitenkonnten – etwa Aeonium-Arten, die fürdie Kanaren typischen Dickblattgewächse.„Genau das ist der Reiz an unserem Stu- Foto: © Prof.Carl Beierkuhnleindium“, sagt Beierkuhnlein: „Wir könnenneue Fragen stellen – und das nicht erst Geländepraktikum in denim Promotions-, sondern schon im Mas- Alpen: Professor Carlterstudium. Und wir stoßen dabei manche Beierkuhnlein (links) imvorgefasste Meinung um.“ Gespräch Steckbrief: qq der Kreditpunkte: 120 Zahl Regelstudiendauer: 4 Semester qq Abschluss: Master of Science qq Unterrichtssprache: englisch qq Charakteristik: konsekutiv, Präsenzstudium qq 57
  • Fachhochschule Eberswalde High-Tech im Wald Die Forstwirtschaft ist ohne moderne Informationstechnik nicht mehr denkbar. Ein neuer Studiengang kombiniert traditionelle Methoden mit IT-Anwendungen – und macht so aus einem traditionsbewussten Fach ein international vernetztes Erfolgsmodell S chwere Schuhe und robuste Jacken haben – inzwischen mit modernsten Mitteln. die Studierenden von Professor Dr. Alfred „Auch in der Forstwirtschaft ändern Schultz natürlich immer noch an, wenn sie sich die Methoden, so dass man ohne in den Wald aufbrechen. Ansonsten aber IT-Kenntnisse nicht mehr klarkommt“, sind sie mit High-Tech-Geräten ausgerüs- sagt Professor Alfred Schultz. Er selbst ist tet: Notebooks haben sie dabei, Satelliten- Mathematiker, und schon allein das zeigt, Navigation und allerhand Messgeräte. dass der Studiengang interdisziplinär „Den Förster, wie er noch vor zehn oder angelegt ist: Natürlich spielt die Forstwirt- zwölf Jahren typisch war, gibt es heute schaft mit ihren klassischen Disziplinen zunehmend weniger“, konstatiert Alfred von der Bodenkunde bis zur Botanik noch Schultz: „Im Wald haben inzwischen eine Rolle, aber es gibt große Schnittmen- zahlreiche informationstechnologische gen mit geografischen Informationssyste- Methoden Einzug gehalten, darunter auch men, Datenbanken, der rechnergestützten solche wie das GPS, die ursprünglich für Datenanalyse und etlichen weiteren die militärische Anwendung erfunden Informatikbereichen. „Der Förster kennt nicht worden sind.“ Früher war ein Förster noch für weni- Schultz lehrt an der Fachhochschule ger als 1.000 Hektar Wald zuständig; die- mehr jeden Baum, son- in Eberswalde, gelegen 30 km nordöstlich se Zahl hat sich inzwischen vervielfacht. vom Berliner Stadtrand. „Hochschule Möglich machen das moderne Verfahren dern arbeitet immer für nachhaltige Entwicklung“ nennt sich im Hintergrund: Die regelmäßige Be- die Einrichtung mit ihren 1.800 Studie- standsaufnahme geschieht mit Hilfe von mehr am Schreibtisch“ renden, und den Namen macht sie sich Satellitentechnik, verschiedenste Sensoren zum Programm: Mit ihren Fächern zielt ermöglichen auch in anderen Bereichen sie komplett auf den ländlichen Raum eine vollautomatische Datenerfassung. – Forstwirtschaft, Landschaftsnutzung Die Waldarbeiter mit ihren sogenannten und Naturschutz lassen sich in Eberswal- „Erntemaschinen“, die Bäume vollau- de ebenso studieren wie Ökolandbau, tomatisch fällen, werden ebenfalls per Holztechnik, Regionalmanagement oder GPS-Daten zu ihrem Einsatzgebiet gelotst. Tourismus. Diese Spezialisierung hat sich Selbst die schnellstmögliche Route aus so gut bewährt, dass die kleine Hoch- dem Dickicht zum Sägewerk stammt aus schule in Sachen Drittmittel-Forschung dem Computer. „Der Förster kennt nicht ausgesprochen erfolgreich ist. mehr jeden Baum, sondern arbeitet immer Mit dem Masterstudiengang „Forest mehr am Schreibtisch“, sagt Schultz: Information Technology“ knüpfen die „Diese Entwicklung lässt sich nicht mehr Eberswalder nahtlos an die Tradition zurückdrehen.“ ihrer Hochschule an: Bis ins Jahr 1830 Die Besonderheit des Eberswalder reicht die Geschichte zurück, die Preußen Programms liegt in der grenzüberschrei- wollten damals in der neu gegründeten tenden Zusammenarbeit mit der Natur- „Höheren Forstlehranstalt“ die Grundla- wissenschaftlichen Universität Warschau. gen für eine nachhaltige Bewirtschaftung Während des ersten Semesters sind alle58 der geschundenen Wälder legen. Um die Studierenden in Eberswalde, wo es um Nachhaltigkeit geht es heute immer noch Grundlagen der IT, um Datenbanktechnik,
  • Foto: © Tripod - Fotolia.com Schweres Gerät statt Waldromantik: Die Eberswalder haben ihren Studiengang der Zeit angepasstLandschaftsökologie und Ökosystem- Dass er mit dem Masterstudiengangmodellierung geht. Das zweite Semester in eine Lücke gestoßen ist, merkt Profes-findet komplett in Polen statt, wo sowohl sor Alfred Schultz an seinen Absolventen:eine Vertiefung der Kenntnisse als auch Die meisten von ihnen finden gleich imdie praktische Anwendung auf dem Anschluss an das Studium problemlosProgramm stehen. Für das dritte und einen Arbeitsplatz. Manche kommen beivierte Semester können die Studieren- institutionellen oder privaten Waldbesit-den ihren Studienort selbst wählen – je zern und in Forstbetrieben unter, die alsnachdem, ob sie sich für die ökologischen Dienstleister sämtliche Arbeiten im WaldZusammenhänge, für Management, Geo- verrichten, andere in wissenschaftlichenmatik oder einen anderen Schwerpunkt Einrichtungen, Forschungsprojekten oderentscheiden. Die Veranstaltungen finden Ingenieurbüros. Die Absolventen pro-allesamt auf Englisch statt; daher auch die fitieren davon, dass sie sich dank ihrerinternationale Zusammensetzung der Teil- umfassenden Kenntnisse im forstlichennehmer: Zu jeweils einem Drittel kommen Bereich und in den Informationstechno-sie aus Deutschland und Polen; das übrige logien sehr gut gegenüber MitbewerbernDrittel stellen Bewerber aus weiteren behaupten können. Damit ist EberswaldeLändern von Spanien über die USA bis hin international an der Spitze – so wie schonzu verschiedenen Entwicklungsländern. 1830 bei der Gründung der preußischen Einen vergleichbaren Studiengang Forstlehranstalt.wie Forest Information Technology gibt esnirgendwo in Deutschland, denn er grenzt Steckbrief:sich durch den Schwerpunkt auf dasThema Wald deutlich von anderen Ange- qq der Kreditpunkte: 120 Zahlboten wie etwa Umweltinformatik ab. Das Regelstudiendauer: 4 Semester qqInteresse an dem Masterprogramm ist Abschluss: Master of Science qqrege; die Bewerber haben meistens einen Unterrichtssprache: englisch qqBachelor-Abschluss in Forstwirtschaft, bis- C  harakteristik: konsekutiv, Präsenzstudium, qqweilen aber auch in Biologie, Geographie Double-Degree 59oder anderen verwandten Fächern.
  • Hochschule RheinMain Foto: © Campus Geisenheim Lernen mit Aussicht: Die Arbeit im Freien gehört für die Geisenheimer Studierenden zum Programm60
  • Forschen im Weinberg Auf ihrem gemeinsamen Campus in Geisenheim stellen die Hochschule RheinMain und die örtliche Forschungsanstalt die Weichen für den Weinbau der Zukunft. Die Studiengänge sind so erfolgreich, dass sich Interessenten aus aller Welt im Mittelrheintal bewerbenW enn Professor Dr. Otmar Löhnertz aus Das besondere Augenmerk auf die der Tür tritt, hat er Rebstöcke vor sich, Forschung ist historisch gewachsen. Im soweit das Auge reicht: Bis zum hügeligen Jahr 1872 entstand hier die Königlich Preu- Horizont erstreckt sich das Weinbaugebiet ßische Lehranstalt für Obst- und Weinbau. im Rheingau, und der Campus Geisenheim In den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts liegt rechtsrheinisch mittendrin. 72 Hektar kam es zu einer Zäsur, als nach neuen Land gehören den Wissenschaftlern, auf Vorgaben vom Land Lehre und Forschung 36 Hektar bauen sie Wein an. Löhnertz getrennt werden sollten. Die Geisenheimer geht mit großen Schritten voraus in die reagierten darauf mit einer Zweiteilung Reihen der Rebstöcke. „Kommen Sie mit“, ihrer Institution: Die Lehre wurde der sagt er und winkt, „ich zeige Ihnen, woran damaligen Fachhochschule Wiesbaden wir derzeit forschen!“ (heute Hochschule RheinMain) zugeschla- Löhnertz ist Dekan des Fachbereichs gen; die Forschungsaktivitäten blieben Geisenheim, in dem die Hochschule bei der eigenständigen Forschungsanstalt RheinMain alle die Bereiche angesie- Geisenheim. An ihr arbeiten heute 13 delt hat, die primär mit Pflanzen und Fachgebietsleiter, die gleichzeitig Professo- deren Weiterverarbeitung zu tun haben. ren der Hochschule sind, und etwa 30 Wis- Von Landschaftsarchitektur reicht das senschaftler mit Dozentenstatus. Personell Spektrum bis hin zu Internationaler und räumlich sind die beiden Einrichtun- Weinwirtschaft. Alle diese Studiengänge gen somit eng verbunden. Durch diese sind forschungsorientiert – darauf sind Konstruktion und eine Zusammenarbeit die Geisenheimer besonders stolz. Otmar mit der Universität Gießen hat Geisenheim Löhnertz nimmt Besucher gern mit zu als bundesweit erste Hochschule auch ein einem Rundgang über den Campus, vorbei Doktorandenkolleg eingerichtet, an dem an langen Reihen von Gewächshäusern derzeit 60 Studierende eingeschrieben und Versuchsfeldern der Gartenbau- sind. Ihre Arbeit ist eng verknüpft mit der Studierenden. Dann, ein ganzes Stück Lehre im Masterbereich, so dass alle Stu- entfernt von den Labors der Hochschule, dierende von der Forschung profitieren. bleibt er vor einem Feld stehen, auf dem Derzeit gibt es drei Masterstudiengän- allerlei metallene Apparate verteilt sind. ge mit naturwissenschaftlich-technischer Hier bauen die Geisenheimer gerade einen Ausrichtung: Oenologie, Getränketechnik neuen Versuch auf: „Wir werden Reben in und den internationalen Studiengang einer künstlich veränderten Atmosphäre Vinifera. Sie umfassen jeweils vier Semes- kultivieren“, sagt er. Über riesige CO2- Tanks wird der Kohlendioxid-Gehalt um 20 Prozent erhöht und somit auf ein Niveau gebracht, das für das Jahr 2050 als wahr- ter und 120 Kreditpunkte. Das Angebot ist eng mit den Bachelor-Studiengängen R R scheinlich gilt. Welche Auswirkungen wird Studien- und Forschungsprogramm, das die Be- das auf Pflanzen haben und letzten Endes teiligten zur Promotion führt. Anders als bei den auf Reife und Geschmack der Trauben? In üblichen Doktorarbeiten forschen hier mehrere diesem Weinberg in Geisenheim nehmen Studierende in einem strukturierten Rahmen die Forscher wie in einer Zeitmaschine die an einer gemeinsamen Aufgabe. Wird auch als 61 künftige Entwicklung vorweg. Graduiertenkolleg bezeichnet.
  • Hochschule RheinMain verzahnt. Wer seinen Bachelor-Abschluss Forschungsaufgaben in Unternehmen und in den Fächern Weinbau und Oenologie, Institutionen der Weinbranche“, so heißt Weinwirtschaft, Agrar- und Ernährungs- es in der Selbstdarstellung des Studien- wissenschaften oder Getränketechnologie gangs, sind für die Master-Absolventen gemacht hat, kann anschließend in einen mögliche Einsatzbereiche. beliebigen der angebotenen Masterstudi- Ähnlich ist die Ausrichtung des Master- engänge wechseln. Das gibt den Absolven- studiengangs Vinifera, der allerdings als Foto: © Campus Geisenheim ten die Möglichkeit, flexibel ihre eigenen Ergebnis einer internationalen Kooperation Schwerpunkte zu setzen. angeboten wird. Neben den Geisenhei- Dass es dabei um weit mehr geht als mern sind daran die Universitäten in Lissa- eine bloße handwerkliche Ausbildung bon, Madrid, Montpellier und Udine/Turin zum Winzer, wird spätestens auf dem Weg beteiligt – „da sind also die wichtigsten durch die Flure des Forschungsgebäudes Weinbauländer Europas vertreten“, sagt deutlich. Der Neubau mit großen Glasfron- Dr. Manfred Stoll, der Studiengangsleiter.  ten zu den umliegenden Weinbergen ist Hinzu kommen enge Kooperationen mit erst 2009 bezogen worden; hier reihen sich Universitäten in Australien, Kalifornien die Labors aneinander. An den Wänden oder Südafrika. Das erste Studienjahr wird hängen großformatige Plakate, auf denen von allen Partnern gemeinsam in Montpel- die Studierenden ihre Forschungsprojekte lier angeboten, Arbeitssprache ist Englisch. vorstellen. Um den „Zelltod als Ursache Anschließend entscheiden sich die für Fermentationsprobleme“ geht es Studierenden je nach ihrem persönlichen High-Tech-Labor gleich neben den dabei, um den „typischen Geschmack Schwerpunkt für eine der angeschlossenen Reben: Die angehenden Weinexperten griechischer Weine“ oder den „Impact Hochschulen. Seit 2008 gibt es diesen sind auch fit im Bereich Mikrobiologie of malolactic bacteria on wine flavour“. internationalen Masterstudiengang, der in Auf einem der langen Flure liegt das das Erasmus-Mundus-Programm der EU Büro von Dr. Christian von Wallbrunn; der aufgenommen ist. Für die 30 Plätze pro Mikrobiologe ist Leiter der Studiengangs Jahr gibt es bis zu 350 Bewerber aus aller Oenologie. In den Labors seiner Arbeits- Welt. „Wir haben viele Interessenten aus gruppe liegt ein Duft nach Wein in der Luft. großen Weinbaubetrieben, derzeit gibt „Wir untersuchen gerade Hefen“, erläutert es eine besonders große Nachfrage aus Wallbrunn: Aus der Ernte von sechs Asien“, sagt Stoll. Geisenheim ist in der Weinbergen nehmen seine Studierenden Kooperation einer der renommiertesten von der Beerenreife bis zur Spontangärung Partner: Zehn der 30 Studierenden ent- Proben, von denen sie dann in den Labors scheiden sich für den deutschen Standort, die Hefen identifizieren. Hunderte Petri- weil Geisenheim in der Branche weltweit schalen stehen fein säuberlich sortiert auf einen hervorragenden Ruf genießt. den Tischen, die Proben werden der Reihe Schon 1996 ist in Geisenheim ein Dop- nach untersucht. „Die Naturwissenschaf- peldiplom mit Italien angeboten worden. ten spielen in unserem Studiengang eine Und auf dem Campus geht es ohnehin zentrale Rolle“, sagt Christian von Wall- international zu: Viele ausländische Inter- brunn. Auf vier Semester ist das Curriculum essenten schreiben sich in Geisenheim ein, angelegt; angeboten werden die Module und den einheimischen Studierenden steht in Zusammenarbeit mit der Justus-Liebig- dank lang etablierter Partnerschaften die Universität Gießen. Dort verbringen die Welt offen. „Im Prinzip haben wir überall Studierenden ihre ersten beiden Semester, dorthin, wo auf der Welt Wein angebaut der Schwerpunkt liegt auf molekularer wird, gute Kontakte“, sagt der Geisenhei- Phytopathologie, Pflanzenproduktion, Bio- mer Dekan Otmar Löhnertz. Die Gründung metrie und Umweltchemie. Anschließend des europäischen Vinifera-Studiengangs wechseln sie nach Geisenheim, wo in ers- war deshalb eine logische Weiterentwick- ter Linie die Verbindung zum Weinbau her- lung, ermöglicht durch die gemeinsame gestellt wird. „Viele unserer Absolventen Master-Struktur aller beteiligten Univer- bleiben anschließend in der Forschung“, sitäten. Ein Studium ausschließlich in sagt Studiengangsleiter Wallbrunn: „Wer Hörsälen und Labors ist Vinifera dabei sich mit seinem Studium vor allem auf nicht: Immer wieder müssen die Studie- die Arbeit in einem Weingut vorbereiten renden auch raus in die Natur. „Man muss möchte, dem reicht der Bachelor als be- nicht nur den Beamer bedienen können, rufsqualifizierender Abschluss.“ Tatsächlich sondern braucht auch Gummistiefel“, sagt ist die Quote der Bachelor-Absolventen Löhnertz. Auch mal bei bitterem Frost die62 hoch, die anschließend direkt in die Be- Reben schneiden oder im Keller die Tanks rufspraxis wechseln. „Führungs- oder auch und Fässer reinigen – das gehört mit dazu.
  • Auf einen Blick„Wer hier studiert hat, der weiß späterim Beruf genau, wovon er redet“, heißtes in Geisenheim, und auf diese Verknüp-fung von Praxis und Theorie sind sie hierbesonders stolz. Unter dem Büro von Studiengangslei-ter Dr. Manfred Stoll führen die Treppennoch zwei Stockwerke in den Keller hinab.„Technicum“ heißt dieser Teil des Campus:Dort sind alle Stationen nachgebaut, die esauch in großen Weingütern gibt; die Filtra-tion, Entschwefelung, Pasteurisation undauch eine Flaschenfüllanlage. Und nochein Stockwerk tiefer lagern die großenFässer, in denen der Wein reift. Edelstahl- Foto: © Campus Geisenheimbehälter stehen hier neben Korbflaschen,alte Eichenholz-Barriques neben gläsernenFässern, in denen die Studierenden denGärungsprozess beobachten können. Eine enge Verbindung aus Theorie undPraxis, aus Forschung und Anwendungbietet auch der Masterstudiengang inGetränketechnologie. „Wir kümmern uns Das neue Hochschulgebäude auf dem Campus Geisenheimum das, was die Kollegen aus dem Wein-bau unberücksichtigt lassen“ – so fasstStudiengangsleiter Professor Dr. Frank Willdas Angebot schmunzelnd zusammen.Um Heißgetränke wie Kaffee, Tee undKakao geht es darin, aber immer wiederauch um Fruchtsäfte. „Die Deutschen sind Eine neue Hochschule für GeisenheimWeltmeister im Konsum von Säften, proKopf und Jahr haben wir einen Verbrauch Die bisherige enge Verknüpfung zwischen der Hochschulevon 40 Litern“, sagt Will. Deshalb ist diese Rhein-Main und der Forschungsanstalt Geisenheim soll nachAusrichtung auch bei den Studierenden dem Willen des hessischen Wissenschaftsministeriums zumbeliebt; im Masterstudiengang immer in Januar 2013 aufgelöst werden. Die Forschungsanstalt wird inKombination mit naturwissenschaftlichen eine eigenständige Hochschule überführt. Bislang verfügen beideGrundlagen. Auch Inhalte aus den Berei- Einrichtungen teilweise über eine gemeinsame Infrastruktur;chen der Biotechnologie und Gentechnik Professoren und Wissenschaftler der Forschungsanstalt lehrensind Bestandteil des Curriculums. Und auch in Seminaren der FH. Als „Campus Geisenheim“ wird diesenatürlich die Getränkeentwicklung, die Kooperation unter Studierenden bezeichnet. Mit dem nun ver-stark praxisorientiert ist. Die Ergebnisse folgten Konzept der eigenständigen Hochschule sollen Forschungdieser Forschung lassen sich in Geisenheim und Lehre auch organisatorisch unter einem Dach zusammenge-auf dem Campus besichtigen – etwa in der führt werden.Mensa: Dort ist die Campunade erhältlich;eine Limonade, die die Studierenden selbstkreiert haben. Unter den Kommilitonenist das Getränk ein Verkaufsschlager. Unddass ihre Entwicklungen auch darüberhinaus das Zeug zum Markterfolg haben,konnten die Studierenden gleich auchbeweisen: Die Campunade steht in derRegion um Geisenheim in den Regalenaller Getränkemärkte. 63
  • Hochschule Hochschule Albstadt- Albstadt- Sigmaringen Sigmaringen Die Polizei im Internet Die Hochschule Albstadt-Sigmaringen hat mit einem Masterstudiengang in digitaler Forensik das Feld der Online-Sicherheit in Deutschland aufgerollt – und baut auf diese Erfahrungen jetzt ein bundesweit vernetztes Kompetenzzentrum auf D as Beweisstück schien unspektakulär: „Ich Forensik beide Aspekte kennen: Wie sie habe eine verschlossene und unversehrte die Spuren finden können ebenso wie die CD bekommen, welche eine Festplatten- Frage, wie sie juristisch sauber dokumen- kopie beinhaltet“, schreibt der Ermittler tiert werden. in sein Protokoll. „Es war meine Aufgabe, Die Fäden des Studiengangs laufen im diese Kopie nach Hinweisen auf Diebstahl baden-württembergischen Ort Balingen von Geld zu untersuchen.“ Hinter dieser mit seinen 35.000 Einwohnern zusam- trockenen Wortwahl verbirgt sich die Suche men. Wer mit der Bahn hierhin unterwegs nach Spuren eines Verbrechenstypus, der ist, fährt durch die liebliche Hügelland- der Polizei immer mehr Sorgen bereitet. schaft der Schwäbischen Alb. Entlang der Im Internet breiten sich Kriminelle aus, die Schienenstrecke erheben sich in jedem Ort Kreditkartendaten ausspionieren, Kin- große Fabrikhallen. Hier schlägt das Herz derpornographie verbreiten oder Betriebs- des baden-württembergischen Mittelstan- geheimnisse auskundschaften. „Die Täter des; die Arbeitslosigkeit ist minimal und sind den Ermittlern leider oft einen Schritt der Wohlstand der Region lässt sich an voraus“, sagt Steve Kovács. den zahlreichen Neubaugebieten und den Er ist Programmleiter des Studiengangs fein herausgeputzten Altstadt-Fassaden Der Erfindergeist hat die Digitale Forensik, der das ändern will. Die ablesen. Der Erfindergeist hat diese Teilnehmer sind Ermittler von Behörden Gegend geprägt – und der Studiengang Schwäbische Alb ge- und privaten Sicherheitsfirmen, die gegen Digitale Forensik beweist, dass diese die digitalen Verbrecher aufrüsten. „Wir Innovationskraft bis heute hier anzutref- prägt. Im Kompetenzzen- machen immer wieder Schlagzeilen, in fen ist. Federführend für das Programm denen es heißt: „Hier lernen Sie an der ist die Hochschule Albstadt-Sigmaringen, trum für IT-Sicherheit ist Universität das Hacken“, sagt Steve Kovács die sich für den Studiengang mit den und schmunzelt. Denn im Prinzip stimmt Universitäten in Erlangen-Nürnberg und er bis heute anzutreffen das, was es so stark vereinfacht bis in Tübingen zusammengeschlossen hat. Jeder die Nachrichten bringt: Die Studierenden der Partner bringt seine spezielle Expertise lernen die Tricks und Kniffe der digitalen ein: Aus dem benachbarten Tübingen mit Verbrecher, die sich Zugriff auf fremde der renommierten juristischen Fakultät Webseiten und private Daten verschaffen. stammen die Inhalte zu den rechtlichen „Natürlich müssen wir wissen, wie die Aspekten, aus Erlangen wesentliche Teile Gegenseite arbeitet“, so Kovács, „denn nur der spezifischen IT-Hintergründe. Die so können wir sie überführen!“ Hochschule Albstadt-Sigmaringen selbst Dieses Überführen ist der eigentli- hat 17 Professoren im Bereich Informati- che Inhalt des Studiengangs. So wie bei onstechnik und Informatik, außerdem ist Verbrechen in der realen Welt die DNA- sie auf dem Feld der Weiterbildung bereits Spuren und Fingerabdrücke am Tatort erfahren. gesichert werden, werten die Absolventen „Mit dem Studiengang haben wir of- die Spuren am virtuellen Tatort aus – auf fene Türen eingerannt“, sagt Steve Kovács. Festplatten und Servern bleiben nach Er hat sein Büro in der Nähe des Bahnhofs Internet-Angriffen von Kriminellen immer von Balingen; am Empfang liegen die aktu- Indizien zurück, die für ein Gerichtsverfah- ellen Ausgaben von Computerzeitschriften64 ren dokumentiert werden müssen. Dafür und Polizei-Publikationen aus, auf dem Flur lernen die Studierenden der digitalen stapeln sich kistenweise die Studienbriefe.
  • © Johannes Gerhardus Swanepoel | Dreamstime.com Klare Beweise: Die Studierenden suchen auf Computern nach den Spuren von VerbrechenDie insgesamt 63 Studierenden, die sich absolviert, aber nicht alle. Knapp die Hälfteauf die ersten beiden Jahrgänge verteilen, der Teilnehmer hat ein Verwaltungsstudiumwerden von hier aus mit den Lernunterla- ohne spezielle IT-Kenntnisse hinter sich“,gen und den ausgiebigen Online-Tutorien bilanziert Steve Kovács.versorgt. „Die Teilnehmer kommen aus Für die beteiligten Hochschulen ist die-dem gesamten deutschsprachigen Raum ses unterschiedliche Vorwissen die größtevon Kiel bis Basel“, sagt Steve Kovács. Herausforderung. Die ersten Module desDeshalb ist das Programm als Fernstudium Studiums beschäftigen sich deshalb mitangelegt, das alle vier bis sechs Wochen Grundlagen der Informatik, die allerdingsdurch ein langes Wochenende als Präsenz- auf die spezielle Stoßrichtung zugeschnit-phase in Balingen ergänzt wird. ten sind. „Es reicht für die digitale Forensik Die Hälfte der Bewerber stammt aus aus, wenn man Codes und Befehle verste-dem öffentlichen Dienst, es sind vor allem hen kann und sich zum Beispiel mit derBeamte der Polizei, der Landeskriminaläm- Kryptoanalyse auskennt. Man muss alsoter oder des Bundeskriminalamts. Die übri- nicht unbedingt ein Programmiertalentgen Teilnehmer stammen aus der Industrie. sein“, sagt Kovács. Ein wesentlicher TeilFast alle größeren Unternehmen unter- des Studiums besteht aus juristischen Rah-halten inzwischen eigene Ermittlungsab- menbedingungen und ethischen Aspekten:teilungen, die sich mit digitalen Angriffen Wie weit darf man zur Aufklärung einesbeschäftigen, von der Online-Industriespio- Verbrechens gehen, welche Spuren sindnage bis hin zum versuchten Diebstahl von als Beweise zugelassen und wie sichertKundendaten. Weil es dabei fast immer um man sie? „In dieser Kombination gibt es imsensible Daten geht, behalten die Firmen ganzen deutschsprachigen Bereich keinendie Aufklärung lieber in der eigenen Hand, anderen Studiengang“, sagt Programm-anstatt sich damit an die Behörden zu leiter Kovács. Im angelsächsischen Raumwenden. Wer bislang in diesem Bereich haben die Baden-Württemberger zwararbeitet, hat sich das Fachwissen meistens einige Vorbilder, aber die könnten allenfallsautodidaktisch beigebracht. Der Studien- zur groben Orientierung dienen: „Dort istgang soll Wissenslücken schließen und die Rechtslage völlig anders als bei uns, soNachwuchs für die immer bedeutsamer dass diese Studiengänge Teilnehmern auswerdenden Posten ausbilden. „Viele der Deutschland nicht für die tägliche PraxisBewerber haben einen ersten Studiengangim Bereich Informatik oder Elektrotechnik helfen. Ermittler haben dort andere Voll- machten und Befugnisse als hierzulande.“ R R 65
  • Hochschule Albstadt- Sigmaringen  Foto: © iStockphoto | Sami Suni Ermüdende Feinarbeit: Die Auswertung einer Festplatte kann stunden- und tage- lang dauern – aber die Profis entschlüs- seln so gut versteckte Geheimnisse Die Bewerberzahlen in Balingen ein berufsbegleitender Masterstudiengang steigen von Jahr zu Jahr, innerhalb der für IT-Compliance sowie etliche Zertifi- Branche spricht sich das Angebot flugs her- katsangebote. um. Anders als bei den vielerorts üblichen Die Vorteile der Bündelung in einem Lehrgängen bekommen die Teilnehmer Kompetenzzentrum liegen auf der Hand: nicht nur Handlungswissen für ein aktuel- Das Know-How innerhalb des Netzwerks les Problem vermittelt, sondern sie lernen lässt sich auf die verschiedenen Berei- die technischen Hintergründe. Obwohl che anwenden, einige Module können die Verbrecher immer neue Methoden vielleicht sogar in unterschiedlichen Die Verbrecher ersinnen ersinnen und sich die technischen Möglich- Studienangeboten eingesetzt werden. „Wir keiten beständig ändern, können sie sich wollen mit dem Netzwerk zum etablier- immer neue Methoden. dadurch auf dem Laufenden halten. ten Ansprechpartner auf dem Gebiet der Auf den Erfolg ihres Studiengangs IT-Sicherheit werden“, verkündet Steve Die Studierenden lernen, Digitale Forensik will die Hochschule Kovács: „Wenn ein Unternehmen Experten Albstadt-Sigmaringen weiter aufbauen. aus diesem Feld sucht oder ein Ministerium wie sie Schritt halten Den Anschub dafür liefert das Bundesmi- seine Mitarbeiter weiterbilden will, dann nisterium für Bildung und Forschung, das sollen sie automatisch bei uns anrufen.“ können fünf Millionen Euro in den Aufbau eines Schon jetzt hat das Thema der „Open Competence Center for Cyber Secu- Datensicherheit in Balingen seine Spuren rity“ investiert. Entstehen soll es wiederum hinterlassen. „Wenn man weiß, welche in Balingen, das Netz der akademischen Verbrechen im Netz alle möglich sind und Kooperationspartner aber ist über ganz wie schnell man zum Opfer wird“, sagt Deutschland gespannt: Die Eberhard Programmleiter Kovács, „dann verändert Karls Universität Tübingen ist dabei, die man automatisch sein Verhalten am Friedrich-Alexander-Universität Erlangen- Computer.“ Zu öffentlichen Vorträgen zu Nürnberg, die Hochschule Darmstadt, die dem Thema sind inzwischen viele Balinger Ruhr-Universität Bochum, die Technische gekommen. Und Kovács selbst überlege Universität Darmstadt, die Hochschule sich neuerdings genau, welche Daten er Offenburg und die Freie Universität Berlin. als E-Mail versendet, welche Videos er sich Hinzu kommt ein gutes Dutzend exter- online anschaut und welche Mail-Anhänge ner Partner, vom Software-Unternehmen er öffnet. Denn eines Tages selbst als Opfer Microsoft über die Wirtschaftsprüfungs- eines Datendiebstahls zum Fallbeispiel im gesellschaft PricewaterhouseCoopers bis Studienfach Digitale Forensik zu werden – hin zum Bundesamt für Sicherheit in der das will er nun wirklich nicht. Informationstechnik. „Viele dieser Koope- rationen haben wir uns für den Studien- Steckbrief: gang Digitale Forensik aufgebaut“, sagt Steve Kovács: „Das übertragen wir jetzt qq der Kreditpunkte: 120 Zahl auf das Kompetenzzentrum.“ Bis 2015 Regelstudiendauer: 6 Semester qq laufen die Vorbereitungsarbeiten, dann Abschluss: Master of Science qq sollen zahlreiche weitere Studienangebote C  harakteristik: berufsbegleitend, weiterbil- qq66 starten. Geplant sind ein berufsbegleiten- dend, Fernstudium mit Präsenzphasen der Bachelor-Studiengang für IT-Sicherheit,
  • Auf einen BlickSpurensuche am Tatort InternetDie Beweissicherung nach Verbrechen im virtuellen Raum – das ist die wichtigste Aufgabe der digita-len Forensiker. Wenn sie Datenträger nach Spuren von Hackern oder Spionen untersuchen, müssen siedabei extrem vorsichtig vorgehen. Manche Fehler können Beweismaterial zerstören, wenn die Ermittlerzum Beispiel durch Öffnen einer Datei die darin gespeicherten Zeitangaben der letzten Benutzung über-schreiben. Um die Ergebnisse juristisch verwendbar zu machen, müssen sie ein exaktes Protokoll führen.Im vorliegenden Beispielfall, in dem es um mutmaßlichen Diebstahl geht, dauerte die Untersuchung derFestplatte beinahe zwei Tage; die einzelnen Schritte sind mit exakter Uhrzeit in einem handschriftlichenProtokoll notiert, das 17 Seiten umfasst. Hinter den für Laien kaum verständlichen Angaben verbirgt sichdie allmähliche Lösung eines Kriminalfalls.Download d. BackTrack4-VMWare-Images von www.backtrack-linux.org/downloads MD 5 af139d2a085978618dc53cabc67b9269 Kopieren von treasury-Dateien Kopieren des Inhalts des versteckten gmpg- Ordners und Abmelden als root Überprüfung d. Integrität der gesicherten Daten anhand der von Autopsy zur Verfügung gestellten md5-Hashsumme ,Anpassung der Rechte an robert.de.rainault-Dateien notwendig Prüfung der Hashwerte erfolgreich Beenden von Autopsy Erzeugung eines cheque- und cheque.sig Ordners ,mit Unterverzeichnissen rich, poor, robert.de.rainault ,Verschiebung d. cheque- und cheque.sig-Dateien in die zugehörigen Verzeichnisse→ Erzeugung eines bash-history-Verzeichnisses ,Verschie- hex-Dateien eigenes Unterverzeichnis bung d. gefundenen B:bash-history-Dateien in dieses Verzeichnis (auch vermutliche bash_history-Dateien) ,zu- gehörige hex-Dateien im Unterverzeichnis ,Löschen der doppelten Dateien (Resultat aus Suchanfrage) … (nächster Tag) Beenden von Autopsy Herunterfahren VMWare Maschine 67
  • B
  • n nce Cha rter a lisie vidu aphien indi iogr b u ngs BildStudium ist nicht gleich Studium – eine Binsenweisheit, eigentlich. Aber inden Masterstudiengängen haben die Hochschulen die Möglichkeit, nochmehr als zuvor ein unverwechselbares, ein einzigartiges Curriculum zugestalten. Die Studierenden wissen das zu schätzen: Wesentlich länger als früher suchen sie heute nach dem Programm, das am besten zu ihnen und ihren Plänen passt. Sie entscheiden sich bewusst für Hochschulen, die nicht das gleiche anbieten wie alle anderen auch, sondern eben etwas besonders Innovatives, besonders Zukunftsträchtiges. Und: Die Studierenden, die sich für einen Master entscheiden, schließen ihn nicht mehr zwangsläufig nahtlos an das Bachelorstudium an. Viele wollen erst einmal Berufserfahrung sammeln und diese Eindrü- cke aus der Praxis dann später theoretisch hinterfragen. Oder sie erkennen, dass sie für eine neue berufliche Herausforderung mehr Rüstzeug aus der Hochschule benötigen, und kommen dann eben zurück. Diese offene Herangehensweise öffnet ungeahnte Perspekti- ven – für Studierende genauso wie für die Hochschulen.
  • FernUniversität in Hagen Das individualisierte Studium Voraussetzung für berufsbegleitende Studiengänge ist eine Didaktik, die perfekt auf die Bedürfnisse der Studierenden abgestimmt ist. Die FernUniversität in Hagen hat damit drei Jahrzehnte Erfahrung Z wei Schlagworte fallen Professor Dr. Hel- Frage, wie man mit Neuen Medien lernt – mut Hoyer ein, wenn er seine Studieren- und verknüpft die Forschung denkbar eng den beschreiben soll: Aufstiegsorientiert mit der Lehre: Er leitet den Masterstudien- seien sie und sie haben eine individuelle gang „Bildung und Medien: eEducation“, Bildungsbiografie – das sind die Charak- der zugleich ein Erprobungsfeld für neue teristika, um die herum an der FernUniver- Methoden darstellt. Didaktisch hat Bastia- sität in Hagen in den vergangenen fast 40 ens den Studiengang deshalb weitgehend Jahren ein umfassendes Studienangebot von den herkömmlichen Formen eines aufgebaut worden ist. „Unser Zugang Fernstudiums gelöst: „Früher bekamen Sie zur Bildung ist die breite Öffnung für als Teilnehmer einen Studienbrief, haben Interessierte mit den unterschiedlichsten vielleicht einmal ein Telefonat mit einem Biographien“, sagt Professor Hoyer, der Lehrenden geführt, und dann kam die Rektor der FernUniversität. In zahlreichen Prüfung“, sagt er. Bei ihm gibt es auch innovativen Masterstudiengängen haben noch Studienbriefe, sei es in klassischer „Lern- und Arbeitswelt die Hagener ihre langjährigen Erfahrun- Papierform oder auch einmal als Podcast gen mit zeitgemäßen Inhalten kombiniert. – aber vor allem setzt Bastiaens darauf, verschmelzen immer Dass die FernUniversität mit diesem die Studierenden zu aktivieren. Beispiels- Angebot eine Lücke schließt, zeigt der weise gleich im ersten Semester: „Die weiter miteinander. Es Blick auf die Statistik: Durchschnittlich 29 Studierenden sollen in den ersten drei Wo- Jahre alt sind die insgesamt knapp 80.000 chen eine Liste mit bildungswissenschaft- ist entscheidend, dafür Studierenden, 80 Prozent von ihnen lichen Blogs erstellen und deren Inhalte sind berufstätig – und 40 Prozent haben über diese Zeit hinweg verfolgen“, sagt ein passendes System bereits ein anderes Studium abgeschlos- Bastiaens. Solche Zwischenaufgaben wäh- sen. „Die Wahl des Studiengangs basiert rend des Jahres sind so gut aufeinander anzubieten“ auf der individuellen Bildungsbiographie abgestimmt, dass sie sich nach und nach und der persönlichen Zielsetzung“, erklärt zu einer Hausarbeit ausweiten. So arbeitet Rektor Helmut Hoyer: „Daraus resultiert, Bastiaens nach der ersten Analyse mit den dass der gleiche Studiengang sowohl für Studierenden gemeinsam die Kriterien eine Verbreiterung der fachlichen Basis als für ein gutes Blog heraus. Dann schreibt auch für eine berufliche Neuausrichtung jeder Teilnehmer ein 15-seitiges Konzept dienen kann. Wesentlich ist dabei immer, für ein eigenes Blog, das er dann mehrere dass unsere Angebote berufsbegleitend Wochen lang selbst führt. Dabei stelle und in Teilzeit studierbar sind.“ Diese sich gleich ein doppelter Lerneffekt ein, Flexibilisierungen des Studienverlaufs sei- hat Professor Bastiaens beobachtet: Die en, gepaart mit einer Individualisierbarkeit Studierenden beobachten die bildungs- der Studienplanung, wichtige Rahmen- wissenschaftlichen Debatten und setzen bedingungen: „Wir wollen für potentielle die Inhalte zugleich um. „Wenn ich ihre Studierende die Hürden senken!“ Einträge lese, bekomme ich viel besser Wie das gelingen kann, erforscht mit, was sie gelernt haben und ob sie die70 Professor Dr. Theo Bastiaens. Der Medien- didaktiker sucht nach Antworten auf die Inhalte des Studiengangs verfolgen, als bei einer dreistündigen Klausur“, sagt R R
  • Experten für verfahrene Situationen: Der Masterstudiengang in Mediation gehört zu den Vorzeigeprogrammen in Hagen 71
  • FernUniversität Hagen Bastiaens. Er spricht in diesem Zusam- Flughäfen ausgebaut werden sollen, eine menhang von „authentischen Lernaufga- neue Mülldeponie entsteht oder eine ben“; was sie bewirken und wie sie sich Umgehungsstraße geplant wird. Wegen anwenden lassen, erforscht er jenseits der dieses breiten Anwendungsbereichs sind Anwendung im eigenen Studiengang auch die Aufnahmekriterien für Bewerber breit für andere wissenschaftliche Disziplinen. gefasst: Viele Juristen nehmen teil, auch Mit neuen Methoden arbeiten auch Psychologen und Wirtschaftswissenschaft- die Studierenden im weiterbildenden ler gehören zur Zielgruppe. Programm Master of Mediation. Hier Das Curriculum umfasst die juristi- werden Mediatoren ausgebildet – Fach- schen Rahmenbedingungen ebenso wie leute, die dabei helfen, Streitigkeiten Handlungswissen über die Aufgabe des außergerichtlich beizulegen. „Vor allem Mediators. „Die Studierenden bringen im Familienrecht und bei Streitfällen zwi- einen jeweils eigenen Zugang zu dem schen Unternehmen spielt die Mediation Bereich mit“, sagt Stefan Kracht: So wirk- eine immer größere Rolle“, sagt Dr. Stefan ten die Juristen in Mediationsverfahren Kracht, der geschäftsführende Leiter oft gezielt auf ein bestimmtes Ergebnis des Studiengangs. Auch im öffentlichen hin, während die Psychologen eher auf Bereich setzen die Konfliktparteien oft die Parteien zugehen und sich in die Rolle auf die Hilfe eines Mediators – wenn eines Moderators zurückziehen. „Bei uns Auf einen Blick Individualität durch riesige Auswahl: Weitere Kooperationspartner wie das Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie oder die Leuphana Universität Lü- Der Studiengang infernum neburg steuern jeweils spezialisierte Module bei. Die Studie- renden müssen Veranstaltungen aus allen Bereichen belegen, Als bewusst breit angelegtes Modellprojekt hat die FernUni- haben innerhalb dieser Vorgaben aber viel Wahlfreiheit. Wer versität in Hagen ihren Studiengang in Umweltwissenschaften das Studium mit einem Zertifikat oder einem universitären entwickelt: Aus fast 30 Modulen können sich die Studierenden Zeugnis abschließen will, muss umweltrelevante Kenntnisse gemäß ihrer eigenen Interessen ihr persönliches Curriculum nachweisen, aber noch kein Erststudium abgeschlossen haben. zusammenstellen. Beteiligt sind mehrere Kooperationspartner; Das Master-Programm hingegen setzt ein Erststudium in einer derzeit wird zudem eine internationale Einbettung des Studi- beliebigen Fachrichtung voraus. 630 Teilnehmer sind derzeit engangs konzipiert. „Diese Vielseitigkeit ist für viele Interes- eingeschrieben. Die Tendenz ist stark steigend: Allein in den senten der Grund, sich bei uns einzuschreiben“, sagt Studien- vergangenen drei Jahren hat sich die Zahl verdoppelt. gangsleiter Professor Dr. Helmut Breitmeier. Als Ergänzung zum ohnehin schon breiten Angebot planen die infernum nennen die Hagener ihr Angebot; eine Kurzform Hagener derzeit ein internationales Modul. Neun Universitäten der offiziellen Bezeichnung „interdisziplinäres Fernstudium konzipieren Angebote unter dem gemeinsamen Motto „the Umweltwissenschaften“. Entstanden ist das Programm im Jahr lived experience of climate change“; jede der beteiligten Hoch- 2000, das Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und schulen steuert Inhalte aus ihrem Schwerpunkt-Forschungsge- Energietechnik (UMSICHT) in Oberhausen ist als gleichbe- biet bei. Auf einer virtuellen Lernplattform sollen Studierende rechtigter Partner beteiligt. Die Idee ist es, den Studierenden aus mehreren Ländern zusammenarbeiten können. „Unser aus unterschiedlichen Perspektiven ein umfassendes Bild von Ansatz zeigt sehr gut, wie innovativ sich ein weiterbildender den Umweltwissenschaften zu vermitteln: Die angebotenen Studiengang anlegen lässt und wie viele unterschiedliche Part- Module teilen sich auf in die drei Säulen Sozial-, Rechts- und ner dabei ihr Wissen einbringen können“, sagt Studiengangs- Wirtschaftswissenschaften (darin geht es etwa um Umwelt- leiter Helmut Breitmeier. recht, Nachhaltigkeitsmanagement, Umweltpolitologie und verwandte Bereiche), Natur- und Ingenieurwissenschaften (die wählbaren Schwerpunkte liegen beispielsweise bei Umwelt- Steckbrief: verfahrenstechnik oder Biotechnologie) sowie Querschnitts- themen (Technikfolgenforschung, Umweltrisiken, angewandte qq der Kreditpunkte: 60-120 (je nach vorherigem Studienabschluss) Z  ahl Systemanalyse und Ähnliches). Die erste Säule wird von Regelstudiendauer: 4 Semester qq72 Hagener Wissenschaftlern angeboten, die Natur- und Ingeni- Abschluss: Master of Science qq eurwissenschaften betreut das Fraunhofer-Institut UMSICHT. Charakteristik: weiterbildend, Fernstudium qq
  • Blickpunkt Studierendelernen die Juristinnen und Juristen, sichbei Ergebnisvorschlägen auch einmalzurückzuhalten“, so Dr. Kracht. Inhalt-lich sei der Master of Mediation wiegeschaffen für den Einsatz von Blended Aus dem Plenarsaal zurückLearning: „Die Inhalte über die Neutrali- an die Universitättät des Mediators zum Beispiel muss ichnicht in Präsenzseminaren erklären, die Dass ich heute Jura studiere, war am Ende meiner Schulzeit beimkönnen sich die Studierenden genauso besten Willen nicht abzusehen: Ich habe meinen Realschulab-gut anlesen“, sagt Kracht. „Die Präsenz- schluss gemacht und dann erst mal eine Lehre als Elektrotech-phasen verwenden wir dann darauf, in niker absolviert. Daneben habe ich mein Fachabitur nachgeholt.der Praxis Fälle zu trainieren, wo die Mein erster Job war in einem Bergwerk im Ruhrgebiet, natürlichNeutralität gefragt ist. Da vertun wir keine unter Tage – und da wurde mir schnell klar, dass ich dort nichtZeit mit Dingen, die unsere Teilnehmerin- bleiben wollte. Das war für mich die Motivation, Elektroingeni-nen und Teilnehmer auch alleine lernen eurwesen zu studieren; ein klassisches Präsenzstudium an derkönnen.“ Nach diesem Muster ist der Fachhochschule Gelsenkirchen. Danach habe ich in Münchenganze Studiengang aufgebaut, an dessen eine gute Arbeit gefunden als Softwareentwickler.Ende die Studierenden zwei eigene Fälle Mein Traum war aber ein anderer: Seit meiner Jugend bin ichbearbeiten müssen. In ihrer Heimatstadt Stenograph, schon mit 14 Jahren war ich bei uns daheim imsuchen sie selbst nach realen Mandanten, Steno-Verein. Dieses Hobby wollte ich zum Beruf machen undderen Streit sie mediieren – bei Bedarf mit habe mich deshalb im Niedersächsischen Landtag als Parlaments-Unterstützung von erfahrenen Tutoren aus stenograph beworben. Die Voraussetzung dafür – ein abgeschlos-Hagen. In der Abschlussprüfung wird dann senes Hochschulstudium – hatte ich ja schon erfüllt. Ich wurdeeiner dieser beiden Fälle aufgegriffen; von tatsächlich ausgewählt und noch einmal drei Jahre lang aus-diesem praktischen Beispiel aus fragen gebildet. Mein Wissensdurst aber war damit noch nicht gestillt.die Prüfer dann auch die theoretischen Ich habe mir immer gesagt, in meinem zweiten Leben studiereLerninhalte ab. ich Jura. Aber so lange wollte ich dann doch nicht warten: 2004 Die Zukunft, davon ist FernUniversi- – zwischenzeitlich vom Niedersächsischen Landtag zum Land-täts-Rektor Helmut Hoyer überzeugt, liege tag NRW gewechselt – habe ich mich an der FernUniversität inim Angebot solcher berufsbegleitender Hagen für den rechtswissenschaftlichen Bachelor eingeschriebenMasterstudiengänge. „Lern- und Arbeits- und wieder angefangen zu studieren. Jura hat mir so gut gefal-welt verschmelzen immer weiter mitein- len, dass ich an den Bachelor gleich noch den Master anschließe.ander und es ist entscheidend, dafür ein Damit beschäftige ich mich derzeit.passendes System anzubieten“, sagt er.Die moderne Technik habe das verein-facht, aber das Prinzip sei immer nochunverändert geblieben: Den Kern bilde derStudienbrief mit wichtigen Inhalten, dervon zwei Schalen umschlossen werde, derInformation und der Kommunikation. „Beider Information ist das Internet mit vielen Foto: © FernUniversität in Hagendigitalisierten Texten, mit der verbes-serten Literaturrecherche und ähnlichenAspekten ein großer Mehrwert, und bei Thilo Rörtgen (Jahrgangder Kommunikation der Studierenden 1970) ist Parlamentssteno-untereinander ist natürlich auch durch graph. Nebenbei studiert er Jura. Das Fach, sagt er, habedie Technik vieles in Bewegung geraten“, ihn schon immer fasziniertso Hoyer. Die Verengung auf das Mediumallerdings greife zu kurz, wenn man überdie Zukunft des berufsbegleitenden Stu-dierens spreche. Multimedialität allein sei Manchmal ist es natürlich stressig, neben meiner Arbeit alskein hinreichendes Kriterium für einen gut Parlamentsstenograph noch ein Fernstudium zu machen. Meineaufbereiteten Studiengang. Entscheidend Strategie ist es, dass ich über das Jahr irgendwie die Einsendeauf-sei, dass die Studierenden das Lernen gaben bestehe – mich richtig in den Stoff reinzuknien, das schaffemöglichst gut in ihren Alltag integrieren ich aber erst zwei Monate vor den Prüfungen. Der nächste großekönnen – und dazu sei nicht zwangsläufig Schritt ist jetzt die Masterarbeit, mit der ich in diesen TagenHigh-Tech erforderlich: „Ich kann mich anfange. In den juristischen Bereich will ich danach aber nichtdoch auch sehr gut mit einem Stapel wechseln; dafür macht mir meine Arbeit zu viel Spaß. Aber einePapier auf meine Terrasse setzen!“ Leitungsposition im Parlament übernehmen, das würde ich nach 73 dem Studium wirklich gern.
  • Freie Universität Berlin Die andere Geschichte Der Public History-Studiengang ist schon kurz nach seinem Start zum beliebtesten historischen Masterangebot an der Freien Universität Berlin geworden. Die Bewerber kommen aus ganz Deutschland – und lernen nicht nur die Arbeit in Archiven, sondern zusätzlich die Vermittlung der Vergangenheit. So zeigen die Berliner, wie auch ein traditionsreiches Studienfach von Innovationen profitieren kann A uch so kann das Geschichtsstudium ZZF. Nach ihrem eigenen Studium hat sie aussehen: Die Studierenden sollen einen beim Haus der Geschichte in Bonn eine Audio-Spaziergang über den Berliner Stelle angetreten, und schon die erste Kurfürstendamm erstellen. Es geht um das Aufgabe stellte sie vor Fragen, mit denen Pogrom an Juden im Jahr 1931, also noch sie sich noch nie beschäftigt hatte: „Ich vor der Machtergreifung der Nazis. Was ist sollte drei Bilder auswählen, die für die damals eigentlich passiert, wie waren die Gründung der Bundesrepublik aussage- Reaktionen auf diesen ersten Ausbruch kräftig sind“, erinnert sie sich. Aber was der Gewalt? Die Studierenden suchen heißt schon aussagekräftig? „Mir kam in historischen Zeitungen nach Meldun- sofort ein Portrait von Konrad Adenauer in gen und Kommentaren, sie analysieren den Sinn, aber das war der falsche Ansatz: Gerichtsdokumente aus dem Archiv, sie Ich sollte das Thema ja nicht illustrieren, sprechen mit den letzten noch lebenden sondern es wurden Bilder gebraucht, die Zeitzeugen. Aus den Ergebnissen erstellen aus sich selbst sprechen und einen Hin- sie zusammen mit einem Theaterdrama- tergrund vermitteln.“ In ihrem Studium, Für das Studium bewer- turgen eine Art Audio-Guide, der unmittel- stellte Zündorf da fest, war sie bestens auf bar am Schauplatz in die Vergangenheit den Umgang mit Archiven und histo- ben sich junge Histori- führt. rischen Quellen vorbereitet – aber um Im Studiengang Public History an der Fotos, Filme oder gar Zeitzeugenberichte ker aus ganz Deutsch- Freien Universität Berlin gehören solche war es dabei nie gegangen. Die Absol- Aufgaben zum Curriculum. „Wir haben venten des Studiengangs Public History land – 130 Interessenten ihn bewusst als anwendungsorientierten haben solche Schwierigkeiten nicht mehr: Studiengang gestaltet“, sagt Studien- Sie werden auf die Arbeit mit diesen gibt es pro Jahr für 20 gangleiter Professor Dr. Paul Nolte. „Das verschiedenen Quellentypen und ihre Stichwort der Anwendung bezieht sich im Anwendung in der Geschichtsvermittlung Plätze Fach Geschichte vor allem auf Museen, ausgiebig vorbereitet. Gedenkstätten und andere historische Im deutschen Sprachraum waren die Lernorte. In den vergangenen Jahren ist Berliner Pioniere, als sie 2008 ihr Public deren gesellschaftliche Bedeutung stark History-Programm gestartet haben. Im gewachsen“, erläutert er. Neben den fach- angelsächsischen Bereich hingegen ist die wissenschaftlichen Inhalten behandelt das Anwendungsorientierung auch bei den Programm deshalb vor allem die Darstel- Historikern inzwischen längst etabliert. lung und Vermittlung von Geschichte. Dort hat Paul Nolte diese Studienrichtung Der Schwerpunkt des Studiengangs liegt auch kennengelernt, als er an den Univer- auf dem 20. Jahrhundert; im Zentrum für sitäten Harvard und Chapel Hill geforscht Zeithistorische Forschung Potsdam (ZZF) hat. „So etwas Ähnliches konnte ich hat die FU einen renommierten Kooperati- mir in Deutschland gut vorstellen. Den onspartner gewonnen. endgültigen Anstoß haben wir in einem „Wie sehr ein solcher Studiengang Gespräch mit den Kollegen vom ZZF in den Absolventen helfen kann, habe ich Potsdam, allen voran Martin Sabrow,74 selbst gemerkt“, sagt Dr. Irmgard Zündorf, bekommen. Mit ihnen gemeinsam haben Mitkoordinatorin des Studiengangs am wir das Konzept für einen gemeinsamen
  • Von wegen staubige Archive: Die Public History-Studierenden wollen Geschich- te aufarbeiten – wie etwa mit einem Audio-Guide über das erste Judenpogrom auf dem Berliner Kurfürstendamm im Jahr 1931 Motiv: © Projektgruppe “Geschichte darstellen”Studiengang ausgearbeitet“, so Nolte. Vor habe: Immer mehr Historiker arbeiteten den ersten guten Erfahrungen inzwi-dem Start der Planung hat er mit seinen in Museen, Medien oder Politik – nur das schen weitgehend verstummt. Von einemLehrstuhlmitarbeitern einen Workshop or- Studienangebot habe darauf über Jahre „Schmalspurstudium, bei dem Power-ganisiert, zu dem Public History-Experten hinweg schlicht nicht reagiert, sondern point-Meister herangebildet werden“,aus mehreren Ländern zusammenkamen. die Illusion genährt, jenseits des schuli- hatte eine Zeitung zum Start der PublicAus deren gesammelten Erfahrungen ist schen Lehramts vor allem Professoren zu History höhnisch geschrieben. Solchedann das Berliner Curriculum entstanden. rekrutieren. Kommentare werden jetzt immer seltener, Bei den Studierenden hat das Team Ihren Public History-Studiengang weil sich der Studiengang bewährtum Professor Nolte offene Türen einge- haben die Berliner weitgehend autonom hat. Und auf die Frage von skeptischenrannt. Die Bewerberzahlen waren vom angelegt. So stellen sich die Studierenden Kollegen, ob denn die Absolventen auchersten Jahrgang an wesentlich höher als auch in den fachwissenschaftlichen Mo- richtige Historiker seien, hat Professordie Zahl der Studienplätze; inzwischen dulen ihr Studium nicht aus dem Lehran- Nolte längst eine Antwort parat: „Dasgehen jedes Jahr etwa 130 Anmeldungen gebot anderer historischer Masterstudi- sind Historiker“, sagt er dann, „diefür die 20 Plätze ein. „Drei Viertel davon engänge zusammen, sondern besuchen einfach anders an den Forschungsgegen-sind bundesweite Bewerbungen“, sagt Seminare, die gezielt für sie angeboten stand herangehen.“Christine Gundermann, die Studien- werden. Viele Forscher vom ZZF, die sichgangskoordinatorin – und die meisten mit der jüngsten Geschichte auseinan- Steckbrief:Kandidaten seien hoch motiviert. „Ich dersetzen, sind in die Lehre eingebunden.merke das an den Fragen, wie intensiv Kennzeichnend für den Studiengang ist qq der Kreditpunkte: 120 Zahlsie sich mit unserem Angebot beschäftigt darüber hinaus die kleine Arbeitsgruppe: Regelstudiendauer: 4 Semester qqhaben. Die bewerben sich ganz gezielt auf Dass die 20 Studierenden eines Jahrgangs Abschluss: Master of Arts qqdieses Programm!“ fast alle Seminare gemeinsam haben, Charakteristik: konsekutiv, Präsenzstudium qq Unter den historischen Masterstu- wirke sich unmittelbar aus. „Die redendiengängen an der FU Berlin ist Public sich mit Namen an und gehen ganzHistory längst das gefragteste Modell: Der anders aufeinander ein“, sagt Paul Nolte.fachwissenschaftliche Master etwa bietet Ein „begeisterndes Erlebnis“ sei das fürdreimal mehr Plätze an, hat aber weniger ihn als Lehrenden: „Da entsteht eine ganzBewerber. Professor Nolte erklärt sich das andere Studieratmosphäre!“mit einer Entwicklung, die schleichend Die Kritik am Studiengang, die 75schon vor zwei Jahrzehnten angefangen anfangs manchmal zu hören war, ist nach
  • Universität München Die Versicherungs-Theoretiker Der Studiengang soll ein klares wissenschaftliches Profil haben – darüber waren sich die Münchner Ludwig-Maximilians-Universität und die Versicherungskonzerne von vornherein einig, als sie gemeinsam den „Executive Master of Insurance“ konzipiert haben. Entstanden ist ein berufs- begleitender Studiengang, in dem die Theorie im Mittelpunkt steht Foto: © Istockphoto.com | Ivelin Radkov Mathematik plus Jura plus Betriebswirtschaft: Der Münchner Studiengang dreht sich um die Feinheiten des Versicherungswesens D er Ort ist perfekt gewählt: Bad Kohlgrub die Münchner Ludwig-Maximilians-Univer- liegt eine gute Autostunde vor den Toren sität ist er eines der Aushängeschilder im Münchens. Wer hierher fährt, passiert Bereich der berufsbegleitenden Master- die malerische Kulisse des Staffelsees; im programme. „Wir richten uns an Young Hintergrund erheben sich die ersten Berg- Professionals aus der Versicherungsbranche ketten der Alpen. An diesen Ort ziehen sich und bieten ihnen eine maßgeschneiderte die Studierenden des „Executive Master Vorbereitung auf verantwortungsvolle of Insurance“ (EMI) regelmäßig zurück. Funktionen“, sagt Andreas Richter. Die „Das ist genau der richtige Ort dafür“, Seminare finden teilweise in der Münchner sagt Professor Dr. Andreas Richter: „Weit Universität statt, aber ganz bewusst auch genug weg vom Alltag und doch schnell zu in abgelegenen Kongresshotels wie eben in erreichen für unsere Teilnehmer!“ Bad Kohlgrub: Wer sich für das Programm76 Die Distanz zum Alltag gehört zu den einschreibt, soll den Blick lösen von Mün- wichtigen Elementen des Studiengangs. Für chen, dem größten Versicherungsstandort
  • in Deutschland, der auch weltweit zu den „In der Arbeitsgruppe haben wir durchaus gleichen Anforderungen wie bei anderenwichtigsten Plätzen der Branche zählt. intensiv diskutiert, aber das ging ganz Studiengängen an unserer Fakultät auch.“ Die renommierte Münchner Fakultät für sicher nicht zu Lasten der akademischen Die Beteiligung der Versicherungsunterneh-Betriebswirtschaft verfolgt dabei ihr Kon- Qualität“, sagt Andreas Richter: „Natürlich men hat nicht zuletzt praktische Gründe:zept weiter, das sie schon vor der Einfüh- mussten wir uns als Hochschule in diesen Viele tragen für ihre Mitarbeiter die Kostenrung von Bachelor und Master entwickelt Diskussionen das letzte Wort vorbehalten, von immerhin 25.000 Euro, die währendhat: Innerhalb des Faches bietet sie meh- allerdings ist es in keinem Fall auch nur des Studiums entstehen, und stellen sie fürrere Spezialisierungsrichtungen an, unter annähernd zu Kontroversen gekommen.“ die intensivsten Seminarphasen von derdenen die Studierenden auswählen können Das Studium ist bewusst für eine kleine regulären Arbeit frei.– ein Ansatz, den sie mit dem Executive Gruppe ausgelegt. Zwischen 14 und 18 Auf vier Semester erstreckt sichMaster of Insurance auch in den Bereich Teilnehmer gibt es pro Jahrgang, während der Studiengang. In dieser Zeit müssendes lebenslangen Lernens überträgt. der Finanzkrise waren es auch schon ein- die Teilnehmer um die 500 Präsenz- „Die Versicherungswirtschaft hat früh mal nur neun. Einige der Studierenden sind Unterrichtseinheiten absolvieren. Über diedie Auswirkungen der Hochschulrefor- mit Ende 20 erst wenige Jahre im Beruf, beiden Jahre hinweg verteilen sie sich aufmen erkannt“, sagt Professor Andreas andere haben mit Ende 40 schon die ersten vier bis fünf komplette Seminarwochen undRichter. Der Betriebswirt hat die Gesamt- Karriereschritte genommen. Weil sämtliche ein rundes Dutzend Wochenendblöcke. Beileitung des Studiengangs übernommen, Seminare auf die konkreten Bedürfnisse in diesem dicht gedrängten Programm kannden die Ludwig-Maximilians-Universität der Versicherungswirtschaft zugeschnitten der Abstand von München bisweilen helfengemeinsam mit dem Berufsbildungswerk sind, können alle Teilnehmer gleichermaßen – zum Beispiel bei den Seminaren in Badder Versicherungswirtschaft und einem davon profitieren, unabhängig von der Kohlgrub.knappen Dutzend der größten Unterneh- Fachrichtung ihres ersten Hochschulab-men in der Branche auf die Beine gestellt schlusses. Wirtschaftsabsolventen lernen in Steckbrief:hat. Die Zielrichtung ist klar: Absolventen den Kursen über allgemeine Betriebs- undunterschiedlicher Fachrichtungen von der Volkswirtschaftslehre versicherungsspezifi- qq der Kreditpunkte: 90 ZahlBetriebswirtschaft über die Mathematik bis sche Inhalte, Juristen erfahren Details über Regelstudiendauer: 4 Semester qqhin zu Jura sollen sich in die Feinheiten des Recht und Regulierung der Versicherungs- Abschluss: Executive Master of Insurance qqVersicherungswesens einarbeiten. märkte und Mathematiker können neue C  harakteristik: berufsbegleitend, weiterbil- qq Kennzeichnend für den Münchner Aspekte an den quantitativen Methoden dend, PräsenzstudiumStudiengang ist die enge Zusammenarbeit kennenlernen. „Wer bestimmtes Vorwissenmit der Wirtschaft: Mit finanzieller Start- hat, den können wir natürlich von manchenhilfe haben die Versicherungskonzerne die Prüfungen freistellen“, sagt ProfessorEntwicklung des Curriculums unterstützt; in Andreas Richter, „aber die Praxis hat ge-jedem Semester ergänzen Experten aus der zeigt, dass die Teilnehmer trotzdem in allePraxis mit eigenen Seminaren die Perspek- Seminare gehen.“tive der Professoren. „Uns allen ist es aber Die strikt wissenschaftliche Orientie-wichtig, dass wir einen inhaltlich getrie- rung hat auch zur Folge, dass die gestan-benen, wissenschaftlichen Studiengang denen Versicherungsprofis an manchenanbieten“, sagt Andreas Richter. Ausdrück- Seminarwochenenden gleich mehrerelich sei das Angebot keine ausgelagerte Prüfungen ablegen. So etwas gibt es nurWeiterbildung für die beteiligten Unterneh- bei den wenigsten Executive-Studien-men: „Wir haben ein waschechtes Produkt gängen, „aber hier gelten nun einmal dieunserer Fakultät entwickelt, an dem einsehr großer Teil der Professorenkollegenbeteiligt ist.“ Die Bedeutung von Schlüssel- Weiterbildende Studienprogramme, die sich anqualifikationen falle im Lehrplan geringer Führungskräfte in der Wirtschaft richten und 77aus als bei vielen MBA-Studiengängen: auf ihre speziellen Bedürfnisse ausgerichtet sind.
  • Universität Kaiserslautern Führung für die Schule Die Universität Kaiserslautern bildet in einem spezialisierten Master- studiengang künftige Schulleiter aus. Um Management-Kompetenzen und juristische Hintergründe geht es darin. Im Mittelpunkt steht die Fähigkeit, den Wandel im Bildungsbereich mitzugestalten D ie Diagnose ist eindeutig: Fast alle Bundes- bis hin zur Messung der Unterrichtsqualität länder befürchten für die kommenden Jahre und zu Trends in der Schulpolitik. „Im Kern einschneidende Probleme, frei werdende geht es darum, unsere Absolventen in die Schulleiterstellen zu besetzen. „Wir bewe- Lage zu versetzen, den Lernkulturwandel gen uns also in einem Bereich mit Zukunft“, zu gestalten“, sagt Rolf Arnold und nennt sagt Professor Dr. Rolf Arnold von der einige Beispiele: „Welche Angebote muss Universität Kaiserslautern. Schulmanage- eine Führungskraft machen, damit der ment heißt der Studiengang, mit dem er angestrebte Wandel an der Schule gelingt? bundesweit Pionierarbeit geleistet hat: Seit Wie führt man sinnvolle Mitarbeitergesprä- dem Jahr 2000 schon bereitet er Pädagogen che, wie lässt sich ein Team leiten? Es geht auf die Führung von Bildungseinrichtungen aber auch um die Einbindung von Eltern, vor, seit 2004 ist Schulmanagement als Schulaufsicht und örtlichen Behörden.“ postgradualer Masterstudiengang akkre- Gezielt stellen die Lehrenden dabei die ditiert. Theorie und die Forschung in den Mittel- „Uns geht es darum, eine moderne punkt: „Die Teilnehmer kommen aus der „Die Teilnehmer kom- Sicht auf die Schulentwicklung zu vermit- Praxis und wünschen sich deshalb vor allem teln“, sagt Rolf Arnold, „wohlgemerkt nicht wissenschaftliche Anregungen, die sie an- men aus der Praxis und auf die Schulverwaltung.“ Hintergrund schließend selbst umsetzen können“, sagt ist der beständige Wandel, der gerade Arnold: „Praxis haben sie schon in ihrem wünschen sich deshalb im Schulwesen in vollem Gange ist: Die Alltag zu genüge!“ einzelnen Einrichtungen bekommen immer Auf diese speziellen Anforderungen in vor allem wissenschaftli- größere Freiheiten, sowohl organisatorisch der weiterbildenden Lehre haben sich die als auch pädagogisch-konzeptionell. Von Kaiserslauterner gut eingestellt – „natürlich che Anregungen. Praxis den Schulleitern erfordert das Kompe- haben gestandene Absolventen andere Be- tenzen, die weit über die Inhalte der dürfnisse als die Teilnehmer an grundstän- haben sie schon in ihrem klassischen Lehrerbildung hinausgehen. digen Studiengängen.“ Dazu zählt auch das Der Studiengang in Kaiserslautern, der als Voneinander-Lernen: Alle haben schließlich Alltag zu genüge!“ berufsbegleitendes Fernstudium konzi- Erfahrungen an ihren Schulen gesammelt, piert ist, soll darauf vorbereiten. Dass die von denen die Kommilitonen profitieren Universität mit ihrem Angebot einen Nerv können. Über die Jahre hinweg ist das getroffen hat, zeigen die Bewerberzahlen: didaktische Konzept des Studiengangs Bis zu 180 neue Einschreibungen pro Jahr immer wieder verändert worden, wobei der verzeichnet sie – manche der Teilnehmer Vernetzung der Studierenden untereinander streben einen Posten in einer Schulleitung eine wachsende Bedeutung zukommt. Viele an, häufig belegen aber auch amtierende Teilnehmer des Fernstudiengangs gründen Schulleiter den Masterstudiengang, um sich dazu Regionalgruppen, in denen sie sich re- weiterzuqualifizieren. gelmäßig zum Erfahrungsaustausch treffen. Inhaltlich decken die Module des Weit über den Austausch zu den Studi- Kaiserslauterner Fernstudiengangs das enmaterialien hinaus dienen sie oft auch gesamte Spektrum der Schulleiter-Aufgaben nach Abschluss des Studiums als Plattform78 ab: Vom Lernkulturwandel reicht es über für regelmäßige Treffen und Diskussionen. Organisationsentwicklung und Schulrecht „Viele Teilnehmer kommen nicht vorrangig
  • Foto: © Bernhard Schurian | Fraunhofer FIRST Den Überblick behalten: „Bei uns studieren engagierte Lehrer, die um eine neue Perspektive auf Schule ringen“zu uns, um sich neue Karriereoptionen Vorpommern beispielsweise war unlängstzu eröffnen“, bilanziert Rolf Arnold: „Es eine ganze Gruppe dabei.sind engagierte Lehrer, die um eine neue Für die Lehre baut die UniversitätPerspektive auf Schule ringen und in ihrem Kaiserslautern auf die Mitwirkung vonAlltag etwas verbessern wollen.“ Dozenten unterschiedlicher Universitäten. Von seiner Zielrichtung her ist der Studi- „Unser Erfolgsmodell ist die Vernetzung“,engang mit den Angeboten vieler Lehrer- sagt Professor Arnold. Aus der eigenenbildungseinrichtungen vergleichbar, wie es Universität, schätzt er, stammten nur etwasie in jedem Bundesland gibt: Dort stehen fünf Prozent des Know-Hows, das vermitteltnicht nur klassische Fortbildungen auf dem wird. Der ganze Rest gehe auf ProfessorenProgramm, sondern oft auch spezielle Kurse anderer Hochschulen zurück, die sich etwafür angehende Schulleiter. Die allerdings auf Management, Kostenrechnung odergehen weniger in die Tiefe, allein schon aus Schulrecht spezialisiert haben. „Wichtigzeitlichen Gründen: Vier Semester beträgt ist, dass die akademische Leitung beiin Kaiserslautern die Regelstudienzeit, der jemandem liegt, der im Fach verankert ist.wöchentliche Arbeitsaufwand liegt bei etwa Aber darüber hinaus ist es sinnvoll, auf ein15 Stunden. „Im deutschsprachigen Raum breites Netzwerk von Kollegen zurückzu-bieten wir damit das breiteste Schulent- greifen. Das ist ja letztlich genau das, wiewicklungsprogramm an“, sagt Professor Ar- Universität funktionieren soll: als Verbin-nold, der den Studiengang gemeinsam mit dung zwischen dem unterschiedlichenseinem Dortmunder Kollegen Professor Dr. Fachwissen“, so Rolf Arnold.Hans-Günter Rolff wissenschaftlich leitet. Trotz der föderalen Struktur im Schul- Steckbrief:wesen schreiben sich Interessenten ausganz Deutschland in Kaiserslautern ein. qq der Kreditpunkte: 60 ZahlBisweilen schicken Bundesländer einige Regelstudiendauer: 4 Semester qqAspiranten auf ein Schulleiteramt gezielt Abschluss: Master of Arts qqnach Kaiserslautern und übernehmen sogar C  harakteristik: berufsbegleitend, weiterbil- qqdie Gebühren, die pro Semester bei knapp dend, Blended Learning mit hohen Fernstudien- 79über 700 Euro liegen. Aus Mecklenburg- Anteilen
  • Universität Heidelberg Zwei Perspektiven auf die Kunst In einer viel beachteten Kooperation der Universität Heidelberg mit der Pariser École du Louvre werden zwei Schulen der Kunstgeschichte vereint. Die Studierenden können dabei auf eine hervorragende Ausstattung der Forschungseinrichtungen und Museen zurückgreifen – so steht ihnen etwa der ganze Louvre offen Foto: © Eichberger Arbeiten vor Originalen: Kunstgeschichts- Studierende bei ihrer Exkursion zum Altar im österreichischen Stift Klosterneuburg I n Straßburger Museen führte sie die renommierten École du Louvre in Paris Reise und nach Colmar, sie fuhren den anbietet. Oberrhein entlang und bestaunten die Unter den kunstgeschichtlichen riesige Kuppelkirche von St. Blasien im Studiengängen ist dieses internationale Schwarzwald. „Arbeiten vor Origina- Programm besonders prestigeträchtig. len“ nennen die Kunsthistoriker solche Das zeigt allein schon die Nachfrage: Exkursionen, und dass der Heidelberger Jeweils etwa 30 Interessenten gibt es pro Professor Dr. Michael Hesse dabei oft das Jahrgang, ausgewählt werden in Deutsch- deutsch-französische Grenzland ansteuert, land und Frankreich je sieben oder acht ist nicht verwunderlich: Seine Studie- Bewerber. Dabei sind die Zugangshürden renden kommen aus dem binationalen von vornherein vergleichsweise hoch: Masterprogramm für Kunstgeschichte Neben einem abgeschlossenen Studium80 und Museologie, das die Ruprecht-Karls- der Kunstgeschichte zählt die sichere Universität Heidelberg gemeinsam mit der Beherrschung beider Sprachen zu den ent-
  • scheidenden Kriterien. Bewerben können den in einer knappen Woche eine ganzesich die Interessenten entweder in Paris Reihe von Kunstwerken und Denkmälern.oder in Heidelberg, dort werden sie dann Eine dieser Exkursionen war jene an denzum Auswahlgespräch vor eine hochkarä- Oberrhein: In Straßburger und Baslertige Jury geladen. „Die Kandidaten haben Museen nahmen sie die Ausstellungs- Foto: © Hugon | Dreamstime.comeinen weiten Horizont, das merken wir konzeption ins Auge, sie diskutierten mitimmer wieder“, sagt Studiengangsleiter Direktoren und Kuratoren der Einrichtun-Michael Hesse. Viele von ihnen haben gen und standen schließlich staunend voreinen internationalen Hintergrund: „Von der klassizistischen Kuppelkirche von St.den baltischen Staaten bis zum Libanon Blasien. „Solche Exkursionen sind in dersind Studierende vieler Nationalitäten Kunstgeschichte eigenständige Veranstal-vertreten.“ Das von der Deutsch-Franzö- tungen im gleichen Rang wie Vorlesungensischen Hochschule geförderte Programm und Seminare“, sagt Michael Hesse. Dassist der weltweit erste integrierte internati- sie in seinem internationalen Studiengangonale Masterstudiengang im Fachbereich auf die wenigen Studierenden und die bisKunstgeschichte. dahin gelernten Inhalte maßgeschneidert Die Studierenden aus allen Ländern sind, gehört zu den Erfolgsfaktoren desverbringen das erste Jahr in Paris und Programms – genauso wie die Begleitung Foto: © Wladyslaw at de.wikipediakommen dann ab dem dritten Semester durch Lehrende aus beiden Ländern, dienach Heidelberg. Inhaltlich schlagen sie jeweils ihre eigenen Akzente setzen.in dieser Zeit eine Brücke zwischen den Organisatorisch ist der Studiengangunterschiedlichen Ausrichtungen beider zwischen Paris und Heidelberg verteilt. Sobeteiligter Institutionen. Während in unterliegen die Prüfungen in den erstenFrankreich umfassende Objektkenntnis- beiden Semestern der Prüfungsordnungse, Denkmalpflege und Museologie im der École du Louvre, das dritte SemesterMittelpunkt stehen und eher praxisnah sowie die Masterarbeit fallen unter dievermittelt werden, dreht sich die Lehre Bestimmungen der Heidelberger Universi-in Deutschland um die theoretische Un- tät. An beiden Hochschulen gibt es jeweilsterfütterung und die analytisch-kritische einen Tutor, die zentrale OrganisationFähigkeit. Auch können die Studierenden und Koordination wird von Heidelbergihre Kenntnisse hier je nach gewähltem aus erledigt. Das Programm schließt mitFokus punktuell vertiefen. Dabei sind es dem Master ab, hinzu kommt separat einevor allem die internationale Zusammen- Diplomierung durch die École du Louvre.setzung der Gruppe und die gemeinsamen Auf dem Arbeitsmarkt kommen Prachtvolle Orte zum Studieren:Diskussionen, die für die Studierenden die Absolventen nach allen bisherigen Der Louvre (oben) steht den Teilnehmern des Kunstgeschichtsprogramms daslehrreich sind. Und natürlich die vorzüg- Erfahrungen problemlos unter. Die fran- ganze Jahr über offen, zur Kuppelkir-liche Ausstattung an beiden Orten: Die zösischen Studierenden nehmen häufig che von St. Blasien (unten) führt einefranzösische Hochschule befindet sich im am Concours für die begehrten Stellen in StudienfahrtLouvre, zu dem die Studierenden täglich staatlichen Institutionen teil, die Deut-Zugang haben. Und die Ruprecht-Karls- schen können oft an ihre Praktika etwaUniversität verfügt im Bereich Kunst- im Bereich der Kultur- und Denkmalpflegegeschichte über eine deutschlandweit anknüpfen. „Der große Vorteil aber isteinzigartige Bibliothek. eigentlich“, sagt Professor Hesse, „dass In der Semesterzeit nehmen die für die meisten wegen der internationalenStudierenden überwiegend an den Vor- Ausrichtung die Ländergrenzen kaumlesungen und Seminaren des jeweiligen mehr eine Rolle spielen. Sie finden überallInstituts teil; nur wenige Veranstaltungen ihren Weg.“werden explizit für den Studiengangangeboten. „Wir empfehlen jeweils die Steckbrief:Veranstaltungen, die besonders gutzu unserem Programm passen“, sagt qq der Kreditpunkte: 120 ZahlProfessor Michael Hesse. Statt einer in Regelstudiendauer: 4 Semester qqsich geschlossenen Abfolge von spezi- A  bschluss: Diplôme de muséologie, qqellen Seminaren sei es die besondere Diplôme de second cycle und Master of ArtsKombination der bestehenden Angebote, U  nterrichtssprachen: deutsch und qqdie den Studiengang ausmache. Und französischnatürlich die Exkursionen, die für die C  harakteristik: konsekutiv, Präsenzstudium, qqkleine internationale Gruppe veranstaltet Multiple Degreewerden: Mit Professoren aus Deutschland 81und Frankreich erkunden die Studieren-
  • Fazit Deutsche Hochschulen auf dem Weg zum individualisierten Angebot Innovative Masterstudiengänge bringen eine wertvolle Vielfalt in die deutschen Hochschulen. Bereichernd ist nicht nur der neue Typus von Studierenden, den sie anziehen – sondern auch die veränderte Perspektive auf traditionsreiche Disziplinen und Inhalte. Von Dr. Peter A. Zervakis D as falsche Vorurteil hält sich immer noch: gaben, die unsere Hochschulen meistern Ein Masterstudiengang, so besagt es, sei müssen. Und: Es sind Aufgaben, an denen nichts anderes als das, was nach dem auch die Hochschulen selbst wachsen Bachelor-Abschluss noch bis zum früheren können. Diplom oder Magister fehle. Wie weit diese Welche Dynamik entstehen kann, Vorstellung an der Realität vorbeigeht, wenn Wissenschaftler den Blick von ihrem wird bei der Lektüre dieses Magazins eigenen Fach lösen und in angrenzende deutlich. An deutschen Hochschulen Bereiche schauen, ist offenkundig. Warum ist eine Vielfalt an unterschiedlichsten also nicht Forstwissenschaft mit Informa- Masterstudiengängen entstanden, die tionstechnologie zusammenführen (Seite eine echte Bereicherung für die Studien- 58)? Warum nicht die Wirtschaftswissen- landschaft sind. Von diesem reichhaltigen schaften mit Area Studies kombinieren Angebot, auch das wird klar, profitieren (Seite 46) oder als Kunsthistoriker die die Studierenden – sie bestimmen mehr als wissenschaftliche Tradition eines anderen jemals zuvor, worauf sie sich spezialisieren Landes aufnehmen (Seite 80)? Gleich meh- möchten, zu welchem Zeitpunkt in ihrem rere Beispiele zeigen, dass sich auch der Leben sie studieren und welche Hochschu- Mut auszahlen kann, fachwissenschaftliche le die richtige für sie ist. Schranken ganz aufzuheben: In den Stu- In dieser konsequenten Angebotsori- diengang Global Change Ecology werden entierung liegt die größte Stärke der Mas- Psychologen genauso aufgenommen wie terstudiengänge. Sie sind eine Antwort auf Naturwissenschaftler und Soziologen (Seite die Veränderungen in der Gesellschaft: Es 54), und der Master in Humanitarian Action sind eben nicht mehr die 20-Jährigen aus steht Medizinern ebenso offen wie Kommu- Akademikerfamilien, die unsere Hochschu- nikationswissenschaftlern (Seite 50). len prägen. Viele sind die ersten in ihrer Solche sonst nur in der Forschung Familie, die studieren. Andere gehen nach üblichen Kooperationen über Ländergren- der Schule zunächst in den Beruf und mer- zen hinweg, solche fächerverbindenden ken später, dass sie eigentlich noch mehr Ansätze zur Lösung der drängenden Prob- erreichen wollen. Wieder andere haben leme unserer Zeit sind die großen Stärken als Absolventen den Einstieg ins Berufsle- des Bachelor- und Mastersystems – und ben geschafft und möchten sich dann für einer der wichtigsten Gründe dafür, dass anspruchsvollere Aufgaben qualifizieren. die neuen Studiengänge eben tatsächlich In der Politik lautet der Sammelbegriff weitaus mehr sind als ein umgebautes für dieses Phänomen „individualisierte Diplom- oder Magisterprogramm. Bildungsbiographien“. Wer aber hinter Ein gänzlich neues Feld öffnet sich den diesem technokratischen Begriff schaut, Hochschulen im Bereich der Weiterbildung sieht – bildungshungrige Menschen. Ihnen nach dem Bachelor-Studium und mit gerecht zu werden und ihnen den Zugang mindestens einem Jahr Berufserfahrung.82 zum Studium zu ermöglichen, das zählt Der technologische und wissenschaftliche zu den wichtigsten gesellschaftlichen Auf- Fortschritt ist so groß geworden, dass die
  • © Anthonycz | Dreamstime.comChancen gestufter Studiengänge: Vielfältige Ausbildungs- und Berufswege schaffenHalbwertszeit des Wissens in manchen „atypisch“ charakterisierten BildungswegeDisziplinen und Branchen immer kürzer schon heute geworden sind: Der Hoch-wird. Die Auswirkung bekommen die schulkompass der Hochschulrektorenkonfe-Hochschulen unmittelbar zu spüren: In den renz verzeichnet für das Sommersemestervergangenen Jahren hat das Interesse an 2012 mehr als 6.400 Masterstudiengänge.weiterbildenden Masterstudiengängen Rund 12 Prozent von ihnen sind weiterbil-signifikant zugenommen. Wachsende dende Angebote.Anforderungen an die Qualifikation von Die Nachfrage nach solcher professio-Erwerbstätigen befördern die Nachfrage neller Weiterbildung an den Hochschulennach Weiterbildung auf Hochschulniveau. ist offenkundig. Arbeitgeber wollen sie Wie groß das Potenzial ist, das hinter für ihre hochqualifizierten Mitarbeiter,dieser Entwicklung zu Tage tritt, zeigt ein und die Erfahrung an den besonders weitBlick ins Ausland. In den anglo-ameri- fortgeschrittenen Hochschulen zeigt, dasskanischen Ländern ist wissenschaftliche es in den meisten Fällen die MitarbeiterWeiterbildung schon lange gang und gäbe. selbst sind – häufig Akademiker –, dieAber auch wer in der Nähe nach Beispielen sich weiterqualifizieren möchten, die nachsucht, wird fündig: Die Schweiz hat in den neuen Anregungen, nach neuem Wissenvergangenen Jahren ein verzweigtes Sys- und neuen Horizonten suchen.tem an wissenschaftlichen Weiterbildungs- Diese neue Gruppe von beruflichangeboten geschaffen, das bei Studieren- erfahrenen Studierenden einzubinden, istden und Arbeitgebern großen Anklang eine zentrale Aufgabe für die Hochschu-findet. Alle Hochschulen des Landes halten len. Und zugleich eine ungeahnte Chanceeigene Studiengänge für die neue Klientel der gestuften Studiengänge, vielfältigebereit – der Anteil der Studierenden in Ausbildungs- und Berufswege zu schaffen,weiterbildenden Studiengängen nimmt um mehr Absolventen für die internationa-dort, gemessen an der Gesamtzahl der le Arbeitswelt lebensbegleitend wissen-Eingeschriebenen, kontinuierlich zu. schaftlich zu qualifizieren. In Deutschland geht der Trend in diegleiche Richtung. Der Blick in die Sta- qq  r. Peter A. Zervakis leitet das Projekt D 83tistik zeigt, wie wichtig diese früher als nexus der HRK
  • Lexikalischer Teil Die wichtigsten Begriffe auf einen Blick qq Aufbaustudiengang Lernmaterialien, Videomitschnitte von Vorlesungen eine bestimmte Anzahl von Kreditpunkten, die und der digitale Kontakt zwischen Studierenden sich nach dem Arbeitsaufwand berechnet. Das Weiterbildender Masterstudiengang, der nicht → und Dozenten. Vorgehen ist an allen europäischen Hochschulen konsekutiv ist. Häufig Programme für berufser- einheitlich, so dass sich die Leistungen nach dem fahrene Studierende, die nach einigen Jahren in Erasmus-Mundus-Programm qq European Credit Transfer and Accumulation System der Arbeitswelt noch einmal an die Hochschule (ECTS) vergleichen lassen. zurückkehren. Gemeinsame Studiengänge, die von mehreren eu- ropäischen Universitäten angeboten und von der Lehrdeputat qq qq Blended Learning Europäischen Union gefördert werden. Zielgruppe sind neben europäischen Studierenden auch Zahl der im Arbeitsvertrag geregelten Stunden, die Kombiniert die Vorteile der persönlichen Kom- Teilnehmer aus aller Welt. ein Hochschullehrer für die Lehre aufwendet. munikation aus Präsenzveranstaltungen an der Hochschule mit dem effektiven und flexiblen Ei- Executive-Studiengang qq MBA-Programm qq genlernen. Wird auch als integriertes oder hybrides Lernen bezeichnet. Weiterbildendes Studienprogramm, das sich an Kurzform für einen Master of Business Administ- Führungskräfte in der Wirtschaft richtet und auf ration. Ein postgraduales Management-Studium, qq Doktorandenkolleg ihre speziellen Bedürfnisse ausgerichtet ist. das Absolventen anderer Fachrichtungen wirt- schaftswissenschaftliche Methoden und Ansätze Studien- und Forschungsprogramm, das die qq Track Fast vermittelt. Beteiligten zur Promotion führt. Anders als bei den üblichen Doktorarbeiten forschen hier mehrere Möglichkeit, während des Masterstudiums bereits MINT qq Studierende in einem strukturierten Rahmen an Leistungen für eine anschließende Promotion zu einer gemeinsamen Aufgabe. Wird auch als Gradu- erbringen, die dann in kürzerer Zeit abgeschlossen Bezeichnung für die Fachbereiche Mathematik, iertenkolleg bezeichnet. werden kann. Informatik, Naturwissenschaften und Technik Double Degree / Dual Degree qq Graduiertenkolleg qq Modul qq Bei einem gemeinsamen Studiengang verleihen → kDoktorandenkolleg In Bachelor- und Masterstudiengängen werden zwei beteiligte Hochschulen den Absolventen die Inhalte in verschiedene Teilbereiche gegliedert, jeweils einen Abschluss nach ihrem eigenen qq Degree Joint die als Module bezeichnet werden. Sie bestehen Landesrecht – im Unterschied zu einem h Joint jeweils aus mehreren Vorlesungen und Seminaren Degree. Mehrere an einem Studiengang beteiligte Hoch- und werden üblicherweise mit eigenen Modul- schulen zertifizieren den Abschluss des Studiums Abschlussprüfungen beendet. Duales Studium qq mit einem gemeinsamen Zeugnis. Multiple Degree qq Kombiniert die praktische Ausbildung in einem Konsekutiver Masterstudiengang qq Unternehmen mit der theoretischen Fundierung an Bei einem gemeinsamen Studiengang verleihen einer Hochschule. Die Studierenden durchlaufen Anders als ein hweiterbildender Masterstudien- mehrere beteiligte Hochschulen den Absolven- beide Teile parallel und schließen den Ausbildungs- gang schließt er direkt an ein vorheriges Studium ten einen oder mehrere Abschlüsse nach ihrem teil in der Regel mit der Gesellenprüfung vor der an, meistens an ein Bachelor-Programm, und baut Landesrecht. IHK und das Studium mit dem Bachelor ab. sowohl inhaltlich als auch fachlich auf dieses auf. Es setzt keine Berufserfahrung voraus. Öffentliche Wissenschaft qq qq E-Learning Kreditpunkte qq Zur öffentlichen Wissenschaft gehören Veranstal- Lernen sowie Kommunikation und Interaktion mit tungen, bei denen Forscher sich einem breiteren Hilfe von elektronischen und digitalen Medien. In den Bachelor- und Masterstudiengängen Publikum präsentieren, das üblicherweise nicht mit Dazu gehören unter anderem online verfügbare bekommen Studierende für erbrachte Leistungen Hochschulen und Wissenschaft in Kontakt kommt.84
  • PräsenztageqqFernstudiengänge sind üblicherweise unterteilt inLerninhalte, die sich die Teilnehmer in Eigenregieaneignen, und gebündelte Vor-Ort-Termine ander Hochschule. Letztere werden als Präsenztagebezeichnet. Strukturfonds der Europäischen UnionqqDie Strukturfonds dienen als Bestandteil derEU-Regionalpolitik der Förderung der regionalenWirtschaftsentwicklung in strukturschwachenGegenden. Dabei wird nachgeordnet auch das Zielder Anpassung und Modernisierung des Bildungs-,Ausbildungs- und Beschäftigungssystems verfolgt. Weiterbildender MasterstudiengangqqProgramm für berufserfahrene Studierende, dienach einigen Jahren in der Arbeitswelt nocheinmal an die Hochschule zurückkehren. ZertifikatskurseqqInhaltlich zusammenhängende Seminare, die miteinem universitären Zertifikat abschließen undeinen thematischen Aspekt abdecken. Zertifikatewerden bisweilen auch für den erfolgreichenBesuch einzelner Seminare verliehen.
  • Impressum Erfolgsmodell Master Offen für internationale Kooperationen und individuelle Bildungsbiographien Projekt nexus – Konzepte und gute Praxis für Studium und Lehre Herausgegeben von der Hochschulrektorenkonferenz Ahrstraße 39, 53175 Bonn Tel.: 0228/ 887-0 Telefax: 0228/ 887-110 nexus@hrk.de www.hrk-nexus.de Verantwortlich Dr. Peter A. Zervakis, Leiter des Projekts nexus der HRK Autor Kilian Kirchgeßner Redaktion Florian Gröblinghoff, Barbara Kleinheidt, Monika Schröder, Jochen U. Schwarz Recherche, Verifikation und Endredaktion Team HRK-Projekt nexus Visuelle Konzeption, Gestaltung, Illustration, Bildredaktion Völker + Eicke, www.ve7.de Bonn, September 2012, I. Auflage ISBN 978-3-942600-11-8 Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird in dieser Broschüre auf die Nennung der männlichen und weiblichen Form verzichtet. Es sind selbstverständlich immer beide Geschlechter gemeint. Nachdruck und Verwendung in elektronischen Systemen - auch auszugsweise – nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung durch die Hochschulrektorenkonferenz. Die HRK übernimmt keine Gewähr für die Aktualität, Richtigkeit und Vollständigkeit der bereitgestellten Informationen der abgedruckten Texte. Reprinting and use in electronic systems of this document or extracts from it are subject to the prior written approval of the German Rectors‘ Conference. The German Rectors‘ Conference does not guarantee the topicality, accuracy and completeness of the printed documents.
  • ** Lebenslanges Lernen