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  • 1. Auswirkungen von demographischenEntwicklungen auf die berufliche Ausbildung
  • 2. Die Berufsbildungsforschungsinitiative des BMBFZur Stärkung der Attraktivität und Zukunftsfähigkeitdes Berufsbildungssystems sowie zur Erhöhung derIntegrationschancen von Jugendlichen an der erstenund zweiten Schwelle bedarf es einer konsistentenund konsequenten Berufsbildungspolitik. Mit Blickauf die Komplexität der für die Berufsbildungspolitikentscheidungsbeeinflussenden Faktoren und Rahmen-bedingungen sollen die Erkenntnisse der Berufsbil-dungsforschung eine Grundlage für die politischeEntscheidungsfindung sein.Die im Jahr 2006 gestartete Initiative des BMBF un-terstützt durch das Bundesinstitut für Berufsbildungorientiert sich kontinuierlich in seiner inhaltlichenAusrichtung an programmatischen bildungspoli-tischen Anforderungen. Das Ziel der im Rahmen derBerufsbildungsforschungsinitiative durchgeführtenForschungsvorhaben ist es, Informationen, Daten undVorschläge in Form von Expertisen und empirischenUntersuchungen für bildungspolitisches Handeln zugenerieren. Darüber hinaus soll diese Initiative zu einerIntensivierung der Kommunikation zwischen Wissen-schaft und Politik beitragen.ImpressumHerausgeber AutorenBundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) Dr. Iris PfeifferReferat Grundsatzfragen der beruflichen Bildung Simone Kaiser53170 Bonn Prognos AG, BerlinBestellungen Geschäftsführer:Schriftlich an den Herausgeber Christian BöllhoffPostfach 30 02 35 Goethestraße 8553182 Bonn 10623 Berlin Tel.: +49 30 52 00 59-200oder per Tel.: 01805 - 262 302 Fax: +49 30 52 00 59-201Fax: 01805 - 262 303 www.prognos.com(0,14 Euro/Min. aus dem deutschen Festnetz) E-Mail: info@prognos.comE-Mail: books@bmbf.bund.deInternet: http://www.bmbf.deGestaltungHauke Sturm Design, BerlinProduktionW. Bertelsmann Verlag, BielefeldBonn, Berlin 2009
  • 3. Auswirkungen von demographischenEntwicklungen auf die berufliche Ausbildung
  • 4. InHAlT InhaltsverzeichnisInhaltsverzeichnis..................................................................................................................................................................................................Abbildungsverzeichnis......................................................................................................................................................................................... 4Tabellenverzeichnis .............................................................................................................................................................................................. 6Zusammenfassung.................................................................................................................................................................................................7 Ziele und Herangehensweise................................................................................................................................................................... 1.1 Zielsetzung des Projektes .......................................................................................................................................................................11 1.2 Projektdesign........................................................................................................................................................................................... 12 1.3 Trendanalyse und Trenddarstellung ................................................................................................................................................... 12 1.4 Delphi-Befragung ................................................................................................................................................................................... 13 1.5 Szenarioanalyse....................................................................................................................................................................................... 142 Gesellschaftspolitischer Hintergrund ....................................................................................................................................................6 2.1 Wandel zur Wissensgesellschaft.......................................................................................................................................................... 16 2.2 Demographischer Wandel .................................................................................................................................................................... 18 2.3 Globalisierung und Internationalisierung......................................................................................................................................... 19 2.4 Neue Technologien................................................................................................................................................................................. 213 Konsequenzen des gesellschaftspolitischen Wandels für die berufliche Ausbildung ................................................................. 22 3.1 Konsequenzen des gesellschaftspolitischen Wandels aus Sicht der Experten ........................................................................... 254 Ausbildungsanfänger in Deutschland................................................................................................................................................... 29 4.1 Mittelfristige Entwicklungen................................................................................................................................................................ 31 4.2 Herausforderungen und Perspektiven .............................................................................................................................................. 32 4.3 Ergebnisse der Delphi-Befragung ....................................................................................................................................................... 325 Die Situation der Bildungsanbieter....................................................................................................................................................... 34 5.1 Mittelfristige Entwicklungen............................................................................................................................................................... 36 5.2 Herausforderungen und Perspektiven ...............................................................................................................................................37 5.3 Ergebnisse der Delphi-Befragung ....................................................................................................................................................... 38
  • 5. 2 InHAlT6 Angebot an dualen Ausbildungsplätzen ...............................................................................................................................................4 6.1 Mittelfristige Entwicklungen............................................................................................................................................................... 42 6.2 Herausforderungen und Perspektiven .............................................................................................................................................. 43 6.3 Ergebnisse der Delphi-Befragung ....................................................................................................................................................... 447 Verwertbarkeit beruflicher Ausbildung ...............................................................................................................................................46 7.1 Mittelfristige Entwicklungen............................................................................................................................................................... 49 7.2 Herausforderungen und Perspektiven .............................................................................................................................................. 50 7.3 Ergebnisse der Delphi-Befragung ........................................................................................................................................................ 518 Organisation beruflicher Bildung .......................................................................................................................................................... 53 8.1 Mittelfristige Entwicklungen............................................................................................................................................................... 55 8.2 Herausforderungen und Perspektiven .............................................................................................................................................. 56 8.3 Ergebnisse der Delphi-Befragung ........................................................................................................................................................579 Szenarien Zeitraum 206–2025 ..............................................................................................................................................................60 9.1 Variante I: Angebot und Nachfrage stehen in einem ausgewogenen Verhältnis ....................................................................... 61 9.1.1 Beschreibung des Szenarios..................................................................................................................................................... 61 9.1.2 Funktionen und Wirkungsweisen der Deskriptoren ......................................................................................................... 63 9.1.3 Zentrale Einflussfaktoren auf die berufliche Ausbildung ................................................................................................. 63 9.1.4 Empfehlungen für das Szenario 2016–2025: „Trotz umfangreicher Reformen sinkende Ausbildungsbeteiligung von Unternehmen“...................................................................................................................... 64 9.2 Variante II: Das Angebot an Ausbildungsplätzen übersteigt deutlich die Nachfrage............................................................... 65 9.2.1 Beschreibung des Szenarios.................................................................................................................................................... 65 9.2.2 Funktionen und Wirkungsweisen der Deskriptoren ......................................................................................................... 67 9.2.3 Zentrale Einflussfaktoren auf die berufliche Ausbildung ................................................................................................. 67 9.2.4 Empfehlungen für das Szenario 2016–2025: „Vielfalt der Ausbildung als Strategie gegen den Fachkräftemangel“........................................................................................................................................................... 68 9.3 Variante III: Die Nachfrage nach Ausbildungsplätzen übersteigt deutlich das Angebot ......................................................... 69 9.3.1 Beschreibung des Szenarios.................................................................................................................................................... 69 9.3.2 Funktionen und Wirkungsweisen der Deskriptoren .......................................................................................................... 71 9.3.3 Zentrale Einflussfaktoren auf die berufliche Ausbildung .................................................................................................. 71 9.3.4 Empfehlungen für das Szenario 2016–2025: „Duale Ausbildung verliert im Wettbewerb“.........................................720 Übergreifende Empfehlungen für eine zukunftsfähige berufliche Ausbildung............................................................................ 73 10.1 Stärkere Verzahnung zwischen dualer Ausbildung und Hochschule ...........................................................................................73 10.1.1 Befund .........................................................................................................................................................................................73 10.1.2 Empfehlung ................................................................................................................................................................................73 10.2 Integration in die berufliche Ausbildung durch Basisqualifikation und Durchlässigkeit verbessern ....................................74 10.2.1 Befund .........................................................................................................................................................................................74 10.2.2 Empfehlung ................................................................................................................................................................................74
  • 6. InHAlT 3 10.3 Flächendeckender Aufbau branchenspezifischer regionaler Aus- und Weiterbildungszentren ............................................75 10.3.1 Befund .........................................................................................................................................................................................75 10.3.2 Empfehlung ............................................................................................................................................................................... 76 10.4 Mobilität von Jugendlichen erhöhen ................................................................................................................................................. 76 10.4.1 Befund ........................................................................................................................................................................................ 76 10.4.2 Empfehlung ................................................................................................................................................................................77 10.5 Neue Instrumente zur Finanzierung der beruflichen Aus- und Weiterbildung..........................................................................77 10.5.1 Befund .........................................................................................................................................................................................77 10.5.2 Empfehlung ................................................................................................................................................................................77 10.6 Förderung der Integration von Jugendlichen mit Migrationshintergrund .................................................................................78 10.6.1 Befund .........................................................................................................................................................................................78 10.6.2 Empfehlung ................................................................................................................................................................................78 10.7 Sicherung einer bedarfsgerechten Ausbildungsinfrastruktur ...................................................................................................... 79 10.7.1 Befund ........................................................................................................................................................................................ 79 10.7.2 Empfehlung ............................................................................................................................................................................... 79 10.8 Systematisierung von Angeboten zur Bildungsberatung und Berufswahl ................................................................................. 80 10.8.1 Befund ........................................................................................................................................................................................ 80 10.8.2 Empfehlung ................................................................................................................................................................................ 81 10.9 Qualität und Transparenz von Ausbildungsangeboten sichern..................................................................................................... 81 10.9.1 Befund ......................................................................................................................................................................................... 81 10.9.2 Empfehlung ................................................................................................................................................................................ 81 literatur......................................................................................................................................................................................................83
  • 7. 4 ABBIlDunGSVErZEIcHnISAbbildungsverzeichnisAbbildung 1: Die Arbeitsschritte im Projekt.......................................................................................................................................................11Abbildung 2: Angebots-Nachfrage-Relationen ................................................................................................................................................ 12Abbildung 3: Einflussfaktoren der Arbeitswelt................................................................................................................................................. 16Abbildung 4: Arbeitsplätze in Deutschland – Entwicklung nach Tätigkeiten 1995 – 2010 (in %) .............................................................. 17Abbildung 5: Arbeitsplätze in Deutschland – Entwicklung nach Qualifikationsniveau 1995 – 2010 (in %) ............................................ 17Abbildung 6: Erwerbspersonenpotenzial nach Altersklassen ....................................................................................................................... 19Abbildung 7: Entwicklung der Beschäftigung nach Qualifikation .............................................................................................................. 20Abbildung 8: Internationalisierungs- und Globalisierungsprozesse in der beruflichen Ausbildung ................................................... 26Abbildung 9: Benachteiligung von Jugendlichen mit Migrationshintergrund in der beruflichen Ausbildung ..................................27Abbildung 10: Privatisierung von Einrichtungen beruflicher Ausbildung ...................................................................................................27Abbildung 11: Auswirkungen des technologischen Wandels auf die Integrationschancen bildungsferner Ausbildungsbewerber.................................................................................................................................................................. 28Abbildung 12: Bildungsabschlüsse von Absolventen allgemeinbildender Schulen im Jahr 2007............................................................ 29Abbildung 13: Konkurrenzverhältnis akademischer und beruflicher Bildung ........................................................................................... 33Abbildung 14: Systematisierung des Systems der beruflichen Ausbildung.................................................................................................. 34Abbildung 15: Zukunftsperspektiven von Bildungsdienstleistern ................................................................................................................ 39Abbildung 16: Infrastrukturrückbau nach Regionen ....................................................................................................................................... 40Abbildung 17: Zukünftige Bedeutung des Übergangssystems....................................................................................................................... 40Abbildung 18: Kooperation und Konkurrenz in der beruflichen Ausbildung ............................................................................................. 44Abbildung 19: Zukünftige Bedeutung der Verbundausbildung .................................................................................................................... 45Abbildung 20: Entwicklung der vorzeitig gelösten Ausbildungsverträge, absolut, 2000 bis 2005.......................................................... 46Abbildung 21: Berufswechselquoten................................................................................................................................................................... 48Abbildung 22: Arbeitsmarktungleichgewichte................................................................................................................................................. 49Abbildung 23: Zusammenhang zwischen Fachkräftemangel und Verwertbarkeit der beruflichen Ausbildung.................................. 51Abbildung 24: Verwertbarkeit schulischer Ausbildungsformen.................................................................................................................... 52Abbildung 25: Bildungsausgaben im dualen System nach Finanzierungsträgern 2006 ........................................................................... 55
  • 8. ABBIlDunGSVErZEIcHnIS 5Abbildung 26: Ausmaß von Modularisierung in der beruflichen Ausbildung..............................................................................................57Abbildung 27: Europäische Vergleichbarkeit beruflicher Bildung................................................................................................................ 58Abbildung 28: Strukturelle Veränderungen beruflicher Bildung .................................................................................................................. 58Abbildung 29: Lernformen in der beruflichen Ausbildung ............................................................................................................................. 59Abbildung 30: Übersicht der Deskriptoren......................................................................................................................................................... 63Abbildung 31: Übersicht der Deskriptoren......................................................................................................................................................... 67Abbildung 32: Übersicht der Deskriptoren.......................................................................................................................................................... 71
  • 9. 6 TABEllEnVErZEIcHnISTabellenverzeichnisTabelle 1: Ausgewählte Deskriptoren und jeweilige Ausprägungen ............................................................................................................. 14Tabelle 2: Bevölkerung Deutschlands nach Altersklassen, ausgewählte Jahre............................................................................................ 18Tabelle 3: Einnahmen und Ausgaben der Gebietskörperschaften, absolut und Veränderung in % p.a., 2004 bis 2030 ....................... 24Tabelle 4: Entwicklung der deutschen Studienanfänger seit 2000................................................................................................................ 30Tabelle 5: Übergangsquote von der Schule an die Hochschule in Deutschland .......................................................................................... 30Tabelle 6: Neueintritte in das berufliche Bildungssystem ............................................................................................................................... 35Tabelle 7: Beschäftigte, Auszubildende und Ausbildungsquote .................................................................................................................... 42Tabelle 8: Betriebe, Ausbildungsbetriebe und Ausbildungsbetriebsquote .................................................................................................. 42Tabelle 9: Ausbildungsbetriebsquote für Deutschland nach Betriebsgröße................................................................................................ 43Tabelle 10: Lösungsquoten in %, 2000 bis 2005 .....................................................................................................................................................47Tabelle 11: Übernahmequoten nach Betriebsgrößen......................................................................................................................................... 48Tabelle 12: Bruttoinlandsprodukt und Hauptverwendungskomponenten, absolut und Veränderung in %, 2004–2030 ..................... 50
  • 10. ZuSAMMEnFASSunG 7ZusammenfassungAuftrag und Methode Entwicklung zentraler RahmenbedingungenMit der vorliegenden Studie werden Trends und Szenarien fürdie berufliche Bildung für den Zeitraum von heute bis 2035 Die Zukunft der beruflichen Bildung ist vor dem Hintergrundvorgestellt. Im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Wandels zu sehen.und Forschung sollen dabei die folgenden Konstellationen am Vier zentrale Entwicklungen prägen Deutschland in denAusbildungsmarkt berücksichtigt werden: nächsten Jahren: Das Angebot an Ausbildungsplätzen übersteigt die Nach- Der Strukturwandel wird eine starke strukturelle Verschie- frage. bung der Beschäftigung nach sich ziehen und die Beschäfti- gung in Dienstleistungsberufen stärken. Für die berufliche Die Nachfrage nach Ausbildungsplätzen übersteigt das Bildung bedeutet dies, mit dynamischen Entwicklungen im Angebot. Hinblick auf Kompetenz- und Tätigkeitsprofile umgehen zu müssen, die zugleich eine deutlich stärkere Leistungsdifferen- Angebot und Nachfrage nach Ausbildungsplätzen sind zierung erfordern als bislang. ausgewogen. Der demographische Wandel sorgt für eine schrumpfen-Dabei sollen sich die Szenarien auf drei unterschiedliche de Bevölkerung, die zugleich deutlich älter wird. Dadurch wirdZeiträume beziehen: die Zahl der ausbildungsberechtigten Jugendlichen deutlich zurückgehen, und zwar um knapp 1,5 Millionen (20%) bis 2035.1) Heute bis 2015: In diesem Zeitraum wird der Wendepunkt Diese Entwicklungen treten regional unterschiedlich und bei der Zahl der Schulabsolventen erreicht. zeitlich versetzt auf. Neben Auswirkungen auf den Bedarf an Infrastruktur wird es zu einem Fachkräftemangel kommen,2) 2015 bis 2025: In diesem Zeitraum wird das Minimum der dessen Konsequenzen kontrovers diskutiert werden. Schulabsolventen erreicht. Die Globalisierung führt zu steigenden Anforderungen3) 2025 bis 2035: In diesem Zeitraum wird der Wendepunkt an die Internationalisierung der Unternehmen und geht mit bei der Zahl der Erwerbstätigen erreicht. einer zunehmenden Bedeutung von Abstimmungsprozessen auf europäischer Ebene einher. Gleichzeitig wird die interna-Für die Entwicklung der Szenarien wurden drei Arbeitsschritte tionale Mobilität von Jugendlichen zunehmen, was sowohl diedurchgeführt: Auswanderung als auch die Einwanderung betrifft und damit neue Anforderungen an interkulturelle Kompetenzen sowie1) Trendanalysen, die Entwicklungen der Vergangenheit den Umgang mit Migranten stellt. betrachten und diese weiter fortschreiben. Dabei werden mögliche Trendbrüche in die Überlegungen zur Fortschrei- Die technologische Entwicklung prägt einerseits die bung einbezogen. Branchen und Tätigkeitsfelder der Beschäftigten und wirkt andererseits unmittelbar auf die Ausgestaltung der Ausbil-2) Delphi-Befragung von Experten der beruflichen Bildung dung selbst. Verbunden wird dies insbesondere mit steigenden aus Verwaltung, Politik, Wirtschaft und Bildungseinrich- Leistungsanforderungen. tungen, die anhand von ausgewählten Thesen zukünftige Entwicklungen der beruflichen Bildung bewerten und Vor dem Hintergrund der genannten Rahmenbedin- zeitlich einordnen. gungen werden zukünftige Entwicklungen in folgenden Bereichen der beruflichen Bildung analysiert:3) Entwicklung von 12 Zukunftsszenarien, die für die vorgege- benen Konstellationen zum Verhältnis von Angebot und  Zahl der Ausbildungsanfänger und Veränderungen in Nachfrage nach Ausbildungsplätzen mit ausgewählten ihrer Bildungsentscheidung Indikatoren systematisch entwickelt werden. Die Zahl der Jugendlichen, die dem Ausbildungsmarkt potenziell zur Verfügung stehen, wird demographisch bedingt zurückgehen. Bis 2030 schrumpft die Altersgrup-
  • 11. 8 ZuSAMMEnFASSunG pe der Jugendlichen und jungen Erwachsenen zwischen  Zukünftige Verwertbarkeit beruflicher Ausbildung 17 und 25 Jahren – diejenige Altersgruppe, die die Ausbil- für die Unternehmen vor dem Hintergrund einer zuneh- dungsplatznachfrage im Wesentlichen bestimmt – um menden Konkurrenz um Fachkräfte und gestiegener rund ein Fünftel. Gleichzeitig verändert sich die Bildungs- Flexibilitätsanforderungen entscheidung der Jugendlichen. Der Trend zu höheren Schulabschlüssen hält an, gleichzeitig erhöhen die Stu- Veränderte ökonomische Rahmenbedingungen können diengangsreformen des Bologna-Prozesses die Attrakti- die Verwertbarkeit der beruflichen Ausbildung für die vität einer akademischen Ausbildung. Die Konkurrenz Unternehmen verringern: Berufliche Qualifikationen zwischen dualer Ausbildung und Hochschulausbildung können schneller veralten, flexiblere Arbeitnehmer die um den Fachkräftenachwuchs nimmt vor diesem Hinter- Dynamik von Arbeitsplatz- und Berufswechsel erhöhen. grund zu. Dennoch reduzieren sich die Einstellungs- und Übernah- mechancen für Auszubildende dadurch nicht. Im Gegen- Anpassungs- und Modernisierungsbedarf für die Bildungs- teil werden sich Einstellungs- und Übernahmechancen für anbieter in den einzelnen Säulen des Systems beruflicher ausreichend qualifizierten Fachkräftenachwuchs sogar Bildung erhöhen. Diese Entwicklung ist jedoch an eine Vorausset- zung gebunden: Die Dualität der beruflichen Ausbildung Veränderte sozioökonomische Rahmenbedingungen bleibt auch bei einer formalen Gleichstellung schulischer machen quantitative und qualitative Anpassungen Ausbildungsformen eine wesentliche Voraussetzung für innerhalb des Systems der beruflichen Bildung notwen- den Arbeitsmarkterfolg. dig. Auf der quantitativen Seite wird der Rückbau von Infrastruktur notwendig werden. Auszubildende werden  Organisation beruflicher Bildung in einem einheitlichen daher häufiger als bisher in bundes- oder landesweiten europäischen Bildungsraum Fachklassen gebündelt werden. In qualitativer Hinsicht ergeben sich neue Herausforderungen für die Bildungs- Ein einheitlicher europäischer Bildungsraum wird mittel- dienstleister insbesondere durch eine höhere Autonomie fristig für die berufliche Ausbildung erreicht werden: Die und Verantwortung der regionalen Akteure. Dezentrale Vergleichbarkeit und Anerkennung beruflicher Qualifi- Steuerungs- und Koordinierungsmechanismen gewinnen kationen wird sich deutlich erhöhen. EU-weite Vorgaben an Bedeutung. Bildungsdienstleister, die bisher bspw. im zu beruflichen Kompetenzen werden hierfür das zentrale Rahmen der außerbetrieblichen Ausbildung innerhalb des Instrument darstellen. Durch die stärkere Kompetenzori- Übergangssystems tätig waren, sind von dieser Entwick- entierung werden informelle Formen des Lernens nicht lung besonders betroffen. Sinkende Schülerzahlen werden nur für die Gestaltung der lebenslangen Bildungsbiogra- zu einer Verkleinerung des Übergangssystems führen. phie immer wichtiger, sondern gewinnen auch in der Bildungsanbieter in diesem Bildungsbereich müssen vor beruflichen Ausbildung an Bedeutung. diesem Hintergrund neue Märkte erschließen, wollen sie ihren Bestand zukünftig sichern. Zahl und Art der angebotenen dualen Ausbildungsplätze sowie Formen der betrieblichen Zusammenarbeit in der dualen Ausbildung Das unternehmerische Verhalten wird durch den erwart- baren Fachkräftemangel kaum beeinflusst. Die Ausbil- dungsbereitschaft bleibt im Wesentlichen stabil. Dies betrifft auch die qualifikatorischen Anforderungen an den Fachkräftenachwuchs. Sind Ausbildungsanfänger nicht ausreichend qualifiziert, werden sie auch trotz Fachkräf- temangel nicht eingestellt. Eher bleiben Ausbildungs- plätze unbesetzt. Deutlich verändern wird sich jedoch das Verhältnis ausbildender Unternehmen untereinander. Die Konkurrenz um geeignete Auszubildende macht eine Zusammenarbeit der Unternehmen in der Ausbildung bspw. im Rahmen von Verbundausbildungen oder in über- betrieblichen Bildungsstätten unwahrscheinlicher.
  • 12. ZuSAMMEnFASSunG 9Szenarien Parallel zu dieser Entwicklung haben die Anforderungen der Unternehmen an die duale Ausbildung zugenommen. Durch umfangreiche Investitionen in die allgemeinbildendeDie zukünftigen Entwicklungen in diesen Schwerpunkt- und berufliche Bildung konnte diesen neuen Anforderungenbereichen sind nicht unabhängig voneinander zu betrach- Rechnung getragen werden. Die hohen Investitionen habenten, da sie in komplexen Wirkungszusammenhängen sich ausgezahlt.zueinander stehen. Die Szenarien berücksichtigen dieseWirkungszusammenhänge und beschreiben auf der Grund- Gleichzeitig wurden im Bereich der beruflichen Bildunglagen unterschiedlicher Annahmen zu den Angebots- und umfangreiche Strukturreformen umgesetzt. Der Erwerb vonNachfrageverhältnissen auf dem Ausbildungsmarkt für drei Einstiegs- und Teilqualifikationen und von zusätzlichen Zertifi-Betrachtungszeiträume kohärente Zukunftsoptionen für die katen ist umfassend möglich, die Orientierung an beruflichenunterschiedlichen Bereiche beruflicher Bildung. Kompetenzen in der beruflichen Ausbildung hat zugenom- men. Die Durchlässigkeit zwischen einzelnen Berufsgruppen, Beispielhaft werden drei Szenarien für den Zeitraum von zwischen dem Übergangssystem und der dualen Ausbildung2016 bis 2025 dargestellt. sowie zwischen der dualen Ausbildung und der akademischen Bildung konnte dadurch umfassend erhöht werden.Szenario – Trotz umfangreicher reformen sinken-de Ausbildungsbeteiligung von unternehmen Die Vielfalt der Angebote beruflicher Bildung nimmt(Angebot und nachfrage stehen in einem ausge- dadurch zu. Gleichzeitig reizt der Wettbewerb um die bestenwogenen Verhältnis) Köpfe auch private Bildungsanbieter an, sich stärker im Bereich der beruflichen Ausbildung zu engagieren. DieseAngebot und Nachfrage nach Ausbildungsplätzen entwickeln Anbieter finden und gestalten damit einen neuen Markt: Vorsich in einer wirtschaftlich wenig dynamischen Zeit parallel dem Hintergrund der Wissensgesellschaft sind immer mehrrückläufig. Der Rückgang der Schulabsolventen geht einher Menschen bereit, auch privat in die berufliche Ausbildung zumit einer Rückbesinnung der Unternehmen auf die Weiterbil- investieren.dung vorhandener Fachkräfte und die vermehrte Einstellungvon Hochschulabsolventen. Szenario 3 – Duale Ausbildung verliert im Wettbe- werb (nachfrage nach Ausbildungsplätzen über- Die Anforderungen an die duale Ausbildung sind deutlich steigt das Angebot)gestiegen. Mit entsprechenden schulischen Reformen und er-heblichen Investitionen in die berufliche Ausbildung ist es je- Trotz zurückgehender Schülerzahlen bekommen nicht alledoch gelungen, diesen Anforderungen erfolgreich zu begegnen. Ausbildungssuchenden einen Ausbildungsplatz im dualen System, sondern die Unternehmen ziehen sich mehr und mehr Dennoch können nicht alle Jugendlichen in gleichem Maße aus der beruflichen Ausbildung zurück. Ein deutlicher Ausbil-vom ausgeglichenen Ausbildungsmarkt profitieren: Jugendli- dungsplatzmangel ist das Resultat. Gründe für diesen Rückzugche mit Migrationshintergrund gehören auch mittelfristig zu der Unternehmen aus der beruflichen Ausbildung sind dabeiden benachteiligten Gruppen am Ausbildungsmarkt. Ähn- fehlende finanzielle Ressourcen aufgrund einer ungünstigenliches gilt für Frauen in technischen und naturwissenschaft- wirtschaftlichen Entwicklung sowie eine mangelnde Qua-lichen Berufen. Trotz Förderung der für diese Berufe notwen- lität der dualen Ausbildung sowie der allgemeinbildendendigen Kompetenzen in der Vergangenheit, konnte in diesem Schulen.Bereich keine Änderung des traditionellen geschlechtsspezi-fischen Berufswahlverhaltens erreicht werden. Vor diesem Hintergrund nutzen die Unternehmen ver- stärkt andere Märkte zur Deckung ihres Fachkräftebedarfs.Szenario 2 – Vielfalt der Ausbildung als Strategie Ältere Arbeitnehmer werden kontinuierlich betrieblich quali-gegen den Fachkräftemangel (Angebot an Aus- fiziert und die Bemühungen, sie länger in den Unternehmenbildungsplätzen übersteigt die nachfrage) zu halten, ausgeweitet. Zusätzlich werden verstärkt Hoch- schulabsolventen eingestellt sowie internationale Arbeits-Der Rückgang der Schülerzahlen führt zu einem erheblichen kräfte angeworben.Nachwuchskräftemangel aufseiten der Unternehmen. Zahl-reiche Ausbildungsplätze bleiben aufgrund fehlender geeig- Die schlechte Qualität der beruflichen Ausbildung wirdneter Bewerber unbesetzt. Vor diesem Hintergrund gewinnen auch nicht durch private Bildungsangebote und Bildungs-betriebliche Maßnahmen zur besseren Integration älterer anbieter aufgefangen. Aufgrund der fehlenden NachfrageArbeitnehmer und zur Förderung des lebenslangen Lernens vonseiten der Unternehmen investieren sie insbesondere ineinen deutlichen Bedeutungsaufschwung. Die Förderung tertiäre Ausbildungsformen sowie die Weiterbildung.betrieblicher Weiterbildung wird zur zentralen Strategie derUnternehmen zur Sicherung des Fachkräftenachwuchses.
  • 13. 0 ZuSAMMEnFASSunGKonsequenzenDie Szenarioanalyse erlaubt über ihre Abbildung von Wir-kungszusammenhängen nicht nur die Beschreibung vonZukunftsoptionen, sondern insbesondere auch die Ableitungder zentralen politischen Stellhebel, die für die Sicherung derZukunftsfähigkeit des Systems der beruflichen Bildung ent-scheidend sind. Die Konsequenzen, die aus der Identifikationder Stellhebel resultieren, werden begründet, priorisiert undin Empfehlungen konkretisiert.Diese umfassen:1) Stärkere Verzahnung zwischen dualer Ausbildung und Hochschule2) Integration in die berufliche Ausbildung durch Basis- qualifikation und Durchlässigkeit verbessern3) Flächendeckender Aufbau branchenspezifischer regio- naler Aus- und Weiterbildungszentren4) Mobilität von Jugendlichen erhöhen5) Neue Instrumente zur Finanzierung der beruflichen Aus- und Weiterbildung6) Förderung der Integration von Jugendlichen mit Migra- tionshintergrund7) Sicherung einer bedarfsgerechten Ausbildungsinfra- struktur8) Systematisierung von Angeboten zur Bildungsberatung und Berufswahl9) Qualität und Transparenz von Ausbildungsangeboten sichern
  • 14. ZIElE unD HErAnGEHEnSWEISE 1 Ziele und Herangehensweise1.1 Zielsetzung des Projektes sollen damit in die Lage versetzt werden, frühzeitig auf Entwicklungen zu reagieren und ggf. erforderliche Maß- nahmen zu initiieren. Ein Ignorieren der sich deutlich ab-Detaillierte Prognosen zur mittel- bis langfristigen Bevölke- zeichnenden Umfeldveränderungen könnte dramatischerungsentwicklung und eine inzwischen auch im öffentlichen Auswirkungen für die Leistungsfähigkeit des bundesdeut-Diskurs sehr präsente Diskussion um gesellschaftliche und schen Systems der beruflichen Ausbildung und damit derökonomische Auswirkungen des demographischen Wandels gesamten Wirtschaft haben. Ausgehend vom aktuellenmachen es inzwischen möglich und notwendig, konkrete und Entwicklungsstand ist es das Ziel des Forschungsvorhabens,tragfähige Konzepte für die gesellschaftliche Zukunft Deutsch- die wichtigsten Auswirkungen der demographischen Verän-lands zu entwickeln. In seiner Bedeutung für eine wettbe- derungen auf die berufliche Ausbildung bis zum Jahr 2035werbsfähige, wissensbasierte Gesellschaft kommt dabei dem zu untersuchen. Vor diesem Hintergrund soll ein realistischesBereich der beruflichen Bildung und Ausbildung eine wichtige Bild der zu erwartenden Entwicklungen gezeichnet undstrategische Position zu. rechtzeitig auf Handlungserfordernisse und -optionen hin- gewiesen werden. Angesichts der komplexen Problemlage von unterschied-lichen Einflussfaktoren und vielschichtigen Anforderungen Die Studie „Auswirkungen der demographischen Verände-werden im Projekt „Auswirkungen von demographischen rungen auf die berufliche Ausbildung“ soll eine aus Fakten,Entwicklungen auf die berufliche Ausbildung“ mögliche breitem Expertenwissen und realistischen Erwartungenalternative Entwicklungsszenarien und tragfähige Hand- begründete Orientierung für politisches Handeln, adminis-lungsoptionen für die Einrichtungen der beruflichen Bildung trative Planungen und Entscheidungen von Akteuren deraufgezeigt. Akteure in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft Bildungspolitik bieten. Abb. : Die Arbeitsschritte im Projekt Modul 1 Indikatorenanalyse und Rahmenbedingungen Modul 2 Modul 3 Expertenworkshop Delphi-Befragung I Modul 4 Deskriptorenanalyse Modul 5 Modul 6 Hearing-Cross-Impact-Analyse Delphi-Befragung II Modul 7 Szenarioentwicklung Modul 8 Modul 9 Hearing Bewertung Berichtslegung Dokumentation Quelle: Prognos AG 2008
  • 15. 2 ZIElE unD HErAnGEHEnSWEISE1.2 Projektdesign frage-Relationen zu entwickeln. Für den Zeitraum bis 2015 sollten zudem unterschiedliche Entwicklungen für Ost und West angenommen werden. Insgesamt waren damit 12 Szena-Die Arbeitspakete des Forschungsvorhabens „Demographische rien zu erstellen (vgl. Abbildung 2).Entwicklung und ihre Auswirkungen auf die berufliche Bil-dung“ dienen der Gewinnung eines differenzierten Einblicks Die Angebots-Nachfrage-Relationen für die unterschied-in die Zukunft der beruflichen Bildung. Die Forschungsleitfra- lichen Zeiträume sind aufgrund der weitgehend feststehendenge lautet: demographischen Entwicklung nicht gleich wahrscheinlich. Ziel der vorliegenden Studie war damit nicht die Darstellung „Welche kurz-, mittel- und langfristigen Auswirkungen der wahrscheinlichsten Zukunftsszenarien, sondern vielmehrdes demographischen Wandels lassen sich auf verschiedene die Darstellung unterschiedlicher denkbarer EntwicklungspfadeRahmenbedingungen der beruflichen Bildung erkennen?“ und ihrer zentralen Stellhebel.Die Abbildung 1 zeigt das für die Untersuchung zur Bedeutungdes demographischen Wandels für die Zukunft der Berufsaus-bildung entwickelte Projektdesign und gibt eine Übersichtüber die einzelnen Arbeitsschritte und anzuwendendenMethoden. 1.3 Trendanalyse und Trend- darstellung Aufbauend auf einer Trendanalyse der vorhandenen Stu-dien und Erkenntnisse werden Experten im Rahmen von Work-shops und einer Delphi-Befragung zu ihren Einschätzungen Im Rahmen einer Trendanalyse wurden Trends und Prognosender zukünftigen Entwicklungen befragt. Diese bilden die in sechs Themenbereichen erarbeitet, die die wesentlichenGrundlage für die Definition von zentralen Bestimmungsgrö- Entwicklungen für die Zukunft der beruflichen Bildung inßen, die die wesentlichen Parameter für die zu erarbeitenden Deutschland skizzieren. Die definierten Themenfelder und dieSzenarien darstellen (Deskriptoren). Die Deskriptoren werden zugeordneten Indikatoren konstituieren damit gleichzeitigsystematisch auf ihre gegenseitigen Wirkbeziehungen hin die relevanten Variablengruppen für die Delphibefragunganalysiert und anschließend in einer zweiten Befragungsrunde und die Beschreibung der geplanten Szenarien im späterenerneut den Experten vorgelegt. Projektverlauf. Die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung Die Trendanalysen wurden für die sechs Themenfeldervorgegebenen Rahmenbedingungen definieren den Raum fürdie Szenarioentwicklung: Auftrag war es, für die Zeiträume  Gesellschaftspolitische Rahmenbedingungen der beruf-2007–2015, 2016–2025 sowie 2026–2035 Szenarien zur Zukunft lichen Bildung in Deutschland und Europa,der beruflichen Ausbildung für alle denkbaren Angebots-Nach- Abb. 2: Angebots-nachfrage-relationen 205 2025 2035 Wendepunkt Minimum Wendepunkt Schulabsolventen Schulabsolventen Erwerbstätige Ost West bundesweit bundesweit nachfrage Angebot nachfrage = Angebot nachfrage Angebot Quelle: Prognos AG 2008 auf Grundlage der Projektausschreibung
  • 16. ZIElE unD HErAnGEHEnSWEISE 3 Ausbildungsanfänger in Deutschland, 3) sog. Trendbrüchen und Wildcards1, also Entwicklungen, die vom heutigen Standpunkt betrachtet als unwahrscheinlich Situation der Bildungsanbieter, eingestuft werden müssen, jedoch wesentliche Auswir- kungen auf die berufliche Bildung haben können. Angebot an dualen Ausbildungsplätzen, Insbesondere für den Zeitraum bis 2035 besteht die Heraus- Verwertbarkeit beruflicher Ausbildung sowie forderung darin, nicht nur aktuelle Entwicklungen und Diskussionen fortzuschreiben, sondern auch Entwicklungs- Organisation der beruflichen Bildung linien zu antizipieren, für die zum derzeitigen Zeitpunkt nur in eingeschränktem Umfang Anzeichen zu erkennen sind.durchgeführt. Die Trendanalyse unterscheidet zwischen der Darstellungder Ausgangslage anhand eines Stützzeitraums und der Be-schreibung der potenziellen Entwicklungen in der Zukunft. 1.4 Delphi-Befragung Der Stützzeitraum beschreibt die Entwicklung der beruf- Für die Validierung der Aussagen zur zukünftigen Entwick-lichen Bildung in den letzten Jahren bis hin zum aktuellen lung in der beruflichen Bildung wurde eine zweistufigeRand. Die Darstellung in den Themenfeldern erfolgt anhand Delphi-Befragung durchgeführt. Mit einer Delphi-Befragungausgewählter Indikatoren, die den Status quo und zukünftige wird die Wahrscheinlichkeit und der Zeitpunkt zukünftigerEntwicklungen in ihrer quantitativen und qualitativen Dimen- Entwicklungen durch Experten eingeschätzt.sion beschreiben. Die Auswahl der Indikatoren beschränktsich auf Faktoren, die zur Beantwortung der Frage nach der Erste Befragungswelle der zweistufigen Delphi-Zukunft der beruflichen Bildung wesentlich und relevant Befragungbeitragen (Zweckmäßigkeit). Daneben ist die Auswahl insbe-sondere der quantitativen Kennzahlen von ihrer Verfügbarkeit In einer ersten Runde der Delphi-Befragung wurden insgesamtbestimmt. Hier wird auf bestehende Datenquellen der offi- 500 Experten/innen mit einem rund 20-seitigen Fragebogenziellen Statistik bzw. eigene Daten und Trendberechnungen angeschrieben. Dabei dienten die Ergebnisse der Delphi-Befra-zurückgegriffen. gung zum einen der Plausibilisierung der Trendanalysen, vor allem aber auch der Identifikation zentraler Einflussfaktoren Die Trendanalysen haben den Charakter von modifizierten (Deskriptoren) für die Zukunft der beruflichen Ausbildung. DieBusiness-as-usual-Fortschreibungen. Das bedeutet, die heute Rücklaufquote der ersten Befragungsrunde lag bei 33,8%absehbaren Trends werden in die Zukunft fortgeschrieben, (N = 169).wobei wahrscheinliche politische Reaktionen auf die ein-tretenden Entwicklungen in die Betrachtung einbezogen Zweite Befragungswelle der zweistufigen Delphi-werden. Befragung Die zukünftige Entwicklung der beruflichen Bildung In der zweiten Runde der Delphi-Befragung wurden dieselbenwird auf Basis dieser Bestandsaufnahme dargestellt, und die Experten/innen mit einem leicht modifizierten Fragebogenzentralen zukünftigen Herausforderungen für das System der erneut angeschrieben. Dabei wurden die Ergebnisse der erstenberuflichen Bildung werden abgeleitet. Dabei wird unterschie- Befragungsrunde den Experten mitgeteilt mit der Bitte, dieden zwischen eigenen Einschätzungen an den Gesamtbewertungen zu prüfen und ggf. anzupassen. Sollten abweichende Meinungen1) zukünftigen Entwicklungen, die aufgrund relativ fest- beibehalten werden, wurden diese schriftlich begründet. stehender Rahmenbedingungen (z.B. Verkürzung der Schulzeit) oder stabiler Trends in der Vergangenheit bereits Durch diesen Reflexionsprozess wird ein Austausch der heute absehbar sind, Teilnehmerinnen und Teilnehmer untereinander ermöglicht, der die Ergebnisse fokussiert und validiert. In der zweiten Be-2) zukünftigen Trends, die heute bereits sichtbar sind und dis- fragungsrunde lag die Rücklaufquote bei 27,2% (N = 136). kutiert werden, ohne dass schon erkennbar ist, in welchem Rahmen sich diese Entwicklungen tatsächlich manifestie- ren werden, da sie bspw. von politischen Entscheidungen abhängig sind (z.B. zunehmende Privatisierung des Bil- dungssektors) und Wildcards sind plötzliche zufällige und unerwartete Ereignisse in der Zukunft, die eine sehr geringe Wahrscheinlichkeit haben, aber wesent- liche Änderungen bewirken (z.B. Fall der Mauer).
  • 17. 4 ZIElE unD HErAnGEHEnSWEISE1.5 Szenarioanalyse Demographische Entwicklung der 2 AusbildungsbevölkerungDie Szenarien selbst wurden in vier aufeinander aufbauenden – Ausbildungsbevölkerung sinktmethodischen Schritten entwickelt. Im Mittelpunkt der einzel- – Trend wird gestopptnen Schritte stand dabei: Entwicklung des sektoralen FachkräftebedarfsArbeitsschritt 1 Identifikation der wichtigen Einfluss- – Die Nachfrage nach hoch qualifizierten Fachkräften faktoren im Dienstleistungssektor ist höher als nach einfachen 3 DienstleistungenArbeitsschritt 2 Definition der Wirkungszusammenhänge – Nachfrage nach hoch qualifizierten Fachkräften im zwischen den Einflussfaktoren Dienstleistungssektor ist niedriger als nach einfachen DienstleistungenArbeitsschritt 3 Berechnung von möglichen und wahr- scheinlichen Zukunftsoptionen Internationale Mobilität der Auszubildenden 4 Nimmt zuArbeitsschritt 4 Auswahl der Szenarien und damit Bestim- Behält Niveau mung plausibler Zukunftsoptionen neue Technologien in der AusbildungIm Folgenden werden die einzelnen Arbeitsschritte der Szena- – Umfangreicher Einsatz neuer Technologien imrioentwicklung im Überblick dargestellt. 5 Bildungsbereich – Technologische Lösungen finden nur in Einzelfällen Anwendung. Deskriptorenanalyse Integration von MigrantenDie Deskriptorenanalyse legt fest, welche Aspekten und Ent- 6 – Gelingt schlechterwicklungen im Rahmen der Szenarien thematisiert werden. – Gelingt besserDie Deskriptorenanalyse definiert damit auch den Rahmenund die Reichweite der Szenarioanalyse. Für jeden Deskriptor Bildungsbeteiligung von Mädchenwerden mögliche zukünftige Ausprägungen definiert, die sich 7 – Erhöht sichgegenseitig ausschließen. Bezogen auf den Deskriptor „An- – Status quo bleibt bestehengebots- Nachfrage-Relation auf dem Ausbildungsmarkt“ lauten Übergangsquoten an Hochschulen und in diedie alternativen Ausprägungen beispielsweise A = Angebot 8 duale Ausbildungentspricht der Nachfrage, B = Angebot übersteigt Nachfrage, – Attraktivität dualer Ausbildung geringerC = Nachfrage übersteigt Angebot. – Attraktivität dualer Ausbildung höher Um die Plausibilität der Szenarien einschätzen zu können, Bedeutung des Übergangssystemswird die Eintrittswahrscheinlichkeit der einzelnen Ausprä- 9 – Nimmt zugungen bewertet. Tabelle 1 zeigt die 19 Deskriptoren (fett – Nimmt abgedruckt) mit ihren jeweiligen Ausprägungen. regionalisierung in der beruflichen Ausbildung 0 – Nimmt zu – Nimmt ab Tabelle : Ausgewählte Deskriptoren Attraktivität vollzeitschulischer Ausbildungsgänge und jeweilige Ausprägungen – Duale Ausbildung wird gegenüber vollzeitschulischer Ausbildung bevorzugt – Vollzeitschulische Ausbildung als gleichwertiges Angebots-nachfrage-relation auf dem Äquivalent zur dualen Ausbildung Ausbildungsmarkt – Angebot und Nachfrage stehen in einem ausgewo- leistungsanforderungen in der beruflichen genen Verhältnis 2 Ausbildung – Das Angebot übersteigt deutlich die Nachfrage – Nehmen zu – Die Nachfrage übersteigt deutlich das Angebot – Bleiben unverändert
  • 18. ZIElE unD HErAnGEHEnSWEISE 5 Ausprägungen der Deskriptoren. Ziel ist, Interdependenzen Alter(n)sgerechte Personalpolitik zwischen den einzelnen Einflussfaktoren auf Ebene der 3 – Alter(n)sgerechte Personalpolitik möglichen Ausprägungen zu bestimmen. Leitfrage für die – Jugendzentrierte Personalpolitik Erstellung der Cross-Impact-Matrix ist, inwiefern das Eintreten einer bestimmten Entwicklung die Eintrittswahrscheinlichkeit Ausbildungsquote einer anderen möglichen Entwicklung beeinflusst. Während 4 – Sinkt die Vernetzungsmatrix die Stärke der gegenseitigen Beein- – Steigt flussung bestimmt, wird in der Cross-Impact-Matrix deren Wirkungsrichtung (positiver oder negativer Zusammenhang) Übernahmequoten berücksichtigt. 5 – Steigen – Sinken 3. Szenarienberechnung Flexibilisierung der beruflichen Ausbildung Ein Zukunftsszenario definiert sich über die spezifische 6 – Modularisierung tritt ein Kombination von Deskriptorausprägungen. Da sich die Aus- – Modularisierung tritt nicht ein prägungen, die ein Deskriptor annehmen kann, gegenseitig ausschließen, definieren sie die Rahmenbedingungen für Zunahme privater Bildungsangebote ein spezifisches Szenario eindeutig. Vor diesem Hintergrund 7 – Private Angebote nehmen zu verfolgt die Szenarioberechnung ein doppeltes Ziel: – Status quo bleibt erhalten  Für jede Deskriptorausprägung soll – unabhängig von ih- Qualität der primären und sekundären Bildung rer Eintrittswahrscheinlichkeit – ein rechnerisch mögliches 8 – Nimmt zu Szenario ausgegeben werden. Damit wird ein möglichst – Bleibt gleich breites Spektrum an möglichen zukünftigen Entwick- lungen aufgezeigt. Auch zunächst weniger naheliegende Bedeutung der Erstausbildung vor dem Hinter- Szenarien sollen in die Zukunftsbetrachtung mit einbezo- 9 grund des lebenslangen lernens gen werden können. – Nimmt ab – Verbleibt im Status quo  Bestimmte Ausprägungskombinationen sind wahrschein- licher als andere. Ausschlaggebend für diese HäufungQuelle: Prognos AG 2008 bestimmter Kombinationen ist die spezifische Ausprägung von kritischen und treibenden Deskriptoren. Damit auch dieser Aspekt in der Szenarioanalyse berücksichtig werden2. Definition der Wirkungszusammenhänge kann, wird bei der Ausgabe der unterschiedlichen Szena- rien auch die Häufigkeit des Auftretens einer spezifischenDie Deskriptoren sind in ihren Wirkungen nicht unabhängig Kombination gezählt. Damit wird in der Szenarioberech-voneinander, sondern stehen in komplexen Abhängigkeitsbe- nung ein Anhaltspunkt für die Eintrittswahrscheinlichkeitziehungen: Sie überlagern und verstärken, widersprechen und spezifischer Szenarien mitgeliefert. Je häufiger eine be-hemmen sich. Welche Ausprägung ein Deskriptor innerhalb stimmte Ausprägungskombination auftritt, desto größereines Szenarios annimmt, hängt entscheidend davon ab, in ist rechnerisch die Eintrittswahrscheinlichkeit dieseswelcher Wirkungsbeziehung er zu anderen Einflussfaktoren Szenarios.steht. Die Analyse der Wirkungsbeziehungen zwischen denausgewählten Deskriptoren wurde in einem zweistufigen Die Berechnung der Szenarien wurde mit der Software Szeno-Verfahren vorgenommen: Plan durchgeführt.2. Vernetzungsmatrix 4. Szenarienauswahl und -interpretationDie Vernetzungsmatrix beschreibt den grundsätzlichen Zu-sammenhang zwischen den Deskriptoren. Die Interdepen- Aus den berechneten Szenarien wurden im letzten Schritt derdenzen zwischen den Deskriptoren werden in einer Matrix Szenarioanalyse für jeden der vier definierten Betrachtungs-dargestellt. Leitfrage ist, wie stark der Einfluss von Deskriptor A zeiträume Szenarien ausgewählt und interpretiert. Ziel dabeiauf Deskriptor B ist. war es, die zukünftigen Rahmenbedingungen und Entwick- lungen in ihrer Auswirkung auf das System der beruflichen2.2 cross-Impact-Matrix Ausbildung zu beschreiben und die Wirkungszusammenhän- ge innerhalb der Szenarien zu identifizieren.Die Cross-Impact-Matrix präzisiert die Wirkungszusammen-hänge aus der Vernetzungsmatrix für die unterschiedlichen
  • 19. 6 GESEllScHAFTSPOlITIScHEr HInTErGrunD2 Gesellschaftspolitischer HintergrundDie Arbeitswelt von morgen wird durch vier wesentliche Me- de Gewerbe und die Bauwirtschaft langfristig an Bedeutunggatrends geprägt (vgl. Abb. 3). Der sich im Zuge der Globali- verlieren und in ihren Anteilen an der Bruttowertschöpfungsierung verschärfende internationale Wettbewerb und ein zurückgehen, gehen vom Dienstleistungssektor weiter Wachs-immer rascherer technologischer Wandel in einer wissens- tumsimpulse aus. Mit 1,6 % p.a. wird dieser langfristig etwasund informationsbasierten Ökonomie erfordern ein immer stärker wachsen als die Gesamtwirtschaft (mit rund 1,4 % p.a.)höheres Ausbildungsniveau und höhere Flexibilität. Dabei und zudem seinen Anteil an der Bruttowertschöpfung bis zumkann dieser Bedarf nicht nur durch exzellentes akademisch Jahr 2030 auf fast drei Viertel erhöhen (71,8%).ausgebildetes Personal gedeckt werden. Die Vermittlung be-rufsbezogener Kompetenzen im Rahmen einer hochwertigen, Mit dem Strukturwandel geht zudem eine starke struk-anspruchsvollen und kontinuierlichen beruflichen Aus- und turelle Verschiebung der Beschäftigung einher. Mit demWeiterbildung ist vorrangig. Wechsel zur Dienstleistungsgesellschaft ist – bezogen auf die Abb. 3: Einflussfaktoren der Arbeitswelt Die Arbeitswelt von morgen wird durch vier zentrale Trends geprägt: WIrTScHAFTlIcHEr GlOBAlISIErunG ng STruKTurWAnDEl Se • Zunahme internationaler tu lb or st • Übergang in wissensbasierte Konkurrenz tw or • Verkürzung der Produktzyklen ga Dienstleistungsgesellschaft an ni • Verringerung der Halbwerts- er • Anstieg der Qualifikationsniveaus • Projektzentrierte sa nv Arbeitsorganisation zeit von Fachwissen tio ge n • Selbstbeschäftigung Ei • Flexibilisierung der Unternehmensorgani- sation • Diskontinuität der t ei Ko (Erwerbs-)biographien gk nEuE TEcHnOlOGIEn DEMOGrAFIScHEr op hi • Wechselhäufigkeit er fä WAnDEl rn des Fachwissens at • Dominanz der Verbund- le io technologien n • Stagnation/Rückgang des e sf ng • IuK-Technologie erlaubt ä Erwerbspersonenpotenzials hi a sl gk - Flexibilität von Arbeitszeit • Verlängerung der Lebens- n ei be und -ort arbeitszeit t le - Dezentrale Produktion • Anstieg der Erwerbsbeteiligung Quelle: Prognos AG 2008 Erwerbstätigenstrukturen – die Zunahme der Beschäftigung2.1 Wandel zur Wissensgesellschaft in den Dienstleistungsberufen bei gleichzeitiger Abnahme im primären und sekundären Sektor verbunden. Das Ausmaß derDie zentrale Entwicklung der vergangenen Jahrzehnte in Verschiebung in den Tätigkeitsstrukturen in Deutschland istDeutschland (wie in anderen entwickelten Volkswirtschaften) bereits heute quantifizierbar: Der Arbeitskräftebedarf für pro-ist der Wandel von der Industrie- zur Dienstleistungsgesell- duktionsorientierte Tätigkeiten und primäre Dienstleistungen,schaft. Der wirtschaftliche Strukturwandel führt zur Auswei- welcher in den 90er-Jahren noch drei Viertel des Gesamtbe-tung des Dienstleistungssektors bei gleichzeitigem Rückgang darfs ausmachte, wird bereits bis 2010 nur noch zwei Drittelvon Landwirtschaft und Industrie. In der Vergangenheit wie betragen. In gleichem Umfang werden sekundäre Dienstleis-auch in Prognosen für die zukünftige Entwicklung zeigt sich, tungen wie Betreuung, Beratung, Lehre, Management sowiedass sich der sektorale Strukturwandel weiter fortsetzen wird. Forschung und Entwicklung an Bedeutung gewinnen (vgl.Während sekundäre Wirtschaftsbereiche wie das Produzieren- Abbildung 4).
  • 20. GESEllScHAFTSPOlITIScHEr HInTErGrunD 7 Abb. 4: Arbeitsplätze in Deutschland – Entwicklung nach Tätigkeiten 995–200 (in %) 995 200 III 4,6 7,7 Betreuen, Beraten, Sekundäre Lehren, Publizieren u. Ä. Dienstleistungen 35,4% 6,7 8,4 Organisation, Management 22,8% 5,0 5,5 Forschung, Entwicklung 4,2 II Allgemeine Dienste (Trans- Primäre 3,2 portieren, Lagern, Reinigen, Dienstleistungen Bewirten etc.) 7,4 36,2% 42,4% 7,7 Bürotätigkeiten ,4 3,5 Handelstätigkeiten 6,6 I Produktions- 7,2 5,3 Reparatur orientierte Einrichtung und Wartung 6,0 28,3% Tätigkeiten von Maschinen 6,9 2,7 Gewinnen, Herstellen 34,9% Quelle: Prognos / IAB-Projektion Abb. 5: Arbeitsplätze in Deutschland – Entwicklung nach Qualifikationsniveau 995–200 (in %) 995 200 Führungsaufgaben, Organisation höher qualifizierte 4 und Management, qualifizierte 35 Tätigkeiten Forschung und Entwicklung, Betreu- ung, Beratung, Lehren u.Ä. Fachtätigkeiten in der Produktion, mittel qualifizierte Maschinen einrichten u.Ä., Fach- Tätigkeiten 46 verkäufer, Sachbearbeiter, 44 Assistententätigkeit in Forschung und Entwicklung, nicht akade- mische Betreuung u.Ä. einfache Hilfstätigkeiten in Produktion, Reini- Tätigkeiten 20 6 gung, Bewirtung, Lagerhaltung, Transport, einfache Bürotätigkeiten, Verkaufshilfen u.Ä. Quelle: Prognos / IAB-Projektion
  • 21. 8 GESEllScHAFTSPOlITIScHEr HInTErGrunD Mit dem Strukturwandel steigen die Anforderungen an 2.2 Demographischer Wandeldas Qualifikationsniveau der Arbeitskräfte. Bis 2010 wird derAnteil der höher qualifizierten Tätigkeiten (Führungsaufga-ben, Organisation, qualifizierte Forschung und Entwicklung Die weltweiten demographischen Verhältnisse werden sichetc.) bereits über 40% sämtlicher Berufstätigkeiten ausma- in den kommenden 25 Jahren dramatisch verändern. Wäh-chen, während der Anteil mittel qualifizierter Tätigkeiten rend in allen anderen Kontinenten die Bevölkerung wächst,weitgehend stabil bleiben und derjenige der einfachen (Hilfs-) geht in Europa die Bevölkerungszahl um über 4 % zurück. AlsTätigkeiten zurückgehen wird. Der Trend zur wissensbasierten Konsequenz der konstant niedrigen Geburtenraten, einerDienstleistungsgesellschaft wird damit zu einer zunehmenden zunehmenden Lebenserwartung und eines moderaten SaldosBedrohung für die berufliche Existenz gering qualifizierter der Auswanderung wird auch in Deutschland die Bevölke-Personen (vgl. Abbildung 5). rungszahl langfristig schrumpfen. Zwar nimmt sie noch bis zum Jahr 2011 leicht auf etwas mehr als 83 Millionen zu, geht Aber auch der Dienstleistungscharakter beruflicher Tä- aber dann bis zum Ende des Prognosezeitraums um rund zweitigkeiten außerhalb des Dienstleistungssektors ist gestiegen, Millionen zurück. Entscheidender als die Veränderungen dersoziale Kompetenzen oder Kundenorientierung sind auch in absoluten Bevölkerungszahl ist der dahinterstehende WandelProduktionsberufen unverzichtbar. Die Aufnahme und Mitge- der Altersstruktur. Während mit steigender Lebenserwartungstaltung dieses Wandels in den Beschäftigungsstrukturen stellt die Besetzungsstärken der älteren Kohorten größer werden,eine der großen Herausforderungen für das Ausbildungssys- ist jeder nachwachsende Jahrgang zahlenmäßig schwächertem dar. Die Erhaltung der hohen sozialen und arbeitsmarkt- besetzt als der vorhergehende (vgl. Tab. 2).bezogenen Integration der Auszubildenden und Absolventendes dualen Systems einerseits und die Sicherstellung von aus- Der demographische Wandel wirkt unmittelbar auf diereichendem Fachkräftenachwuchs andererseits bedarf der Erwerbstätigenstruktur und hat gravierende Auswirkungenvorausschauenden politischen Gestaltung. auf das Arbeitskräfteangebot. Die Altersgruppe der unter Tabelle 2: Bevölkerung Deutschlands nach Altersklassen, ausgewählte Jahre Alter in Jahren Veränderung 2005–30 Mio. Personen 2005 2010 2020 2030 % 0 bis 19 16,6 15,4 14,4 13,8 –16,5 20 bis 34 14,8 15,3 14,7 13,1 –1 1,1 35 bis 49 20,3 19,0 15,6 16,0 –2 1,0 50 bis 64 15,1 16,4 19,5 16,3 7,9 65 bis 79 12,2 12,4 12,5 15,7 28,9 80 und älter 3, 7 4,2 5,8 6,1 65,4 Summe 82,6 82,8 82,6 8 1, 1 –1,8 Anteile in % 2005 2010 2020 2030 % 0 bis 19 20,0 18,6 17,5 17,1 –14,9 20 bis 34 17,9 18,5 17,8 16,2 –9,5 35 bis 49 24,5 22,9 18,9 19,7 –19,5 50 bis 64 18,3 19,8 23,6 20,2 9,9 65 bis 79 14,7 15,0 15,2 19,3 31 , 3 80 und älter 4,5 5,1 7,0 7,5 68,5 Summe 100,0 100,0 100,0 100,0 0,0 Quelle: Statistisches Bundesamt, Prognos Deutschland Report 2030
  • 22. GESEllScHAFTSPOlITIScHEr HInTErGrunD 9 Abb. 6: Erwerbspersonenpotenzial nach Altersklassen 100% 12,9 15,0 16,5 21,7 19,8 80% 33,8 41,1 42,1 60% 35,8 38,1 40% 40,7 33,4 32,3 30,8 32,9 20% 12,6 10,6 10,6 9,7 9,9 0% 1991 2005 2010 2020 2030 55+ 40–54 25–39 15–24 Quelle: Prognos Deutschland Report 203020-Jährigen schrumpft in den kommenden Jahren um 16,5%. und Produktion in internationaler Arbeitsteilung statt undDie Altersgruppe der 20- bis 64-Jährigen – die Kohorte, die das führen so zu hohen Anforderungen an die Flexibilität derArbeitskräfteangebot im Wesentlichen bestimmt – nimmt im Belegschaften. Als Konsequenzen der internationalen Öffnunggleichen Zeitraum um 9,4 % ab. Diese Entwicklung hat auch der Arbeitsmärkte werden diskutiert:eine Verschiebung in der Altersverteilung des Erwerbsper-sonenpotenzials zur Folge (vgl. Abbildung 6).  Die umfangreiche Verlagerung von Tätigkeiten und der entsprechenden Arbeits- und Ausbildungsplätze in das Ausland.2.3 Globalisierung und  Die Vergrößerung des in Deutschland verfügbaren Arbeits- Internationalisierung kräftepotenzials durch zuwandernde Arbeitskräfte.  Die Eröffnung zunehmender Beschäftigungsoptionen imDie fortschreitende Globalisierung und die verstärkte Verla- Ausland für deutsche Arbeitnehmer.gerung von Produktionsprozessen in das Ausland werden biszum Jahr 2035 erhebliche strukturelle Veränderungen auf Dabei hängt der Grad der individuellen Betroffenheit ent-dem deutschen Arbeitsmarkt nach sich ziehen. Die Zunahme scheidend von der Qualifizierung ab. Während die Gesamtbe-internationaler Konkurrenz führt zu neuen Herausforde- schäftigung in Deutschland nicht zwangsläufig zurückgeht,rungen an die interkulturellen Kompetenzen der Mitarbeiter. wirken der steigende internationale Wettbewerb und dieGleichzeitig verkürzen sich Produktzyklen, finden Herstellung damit einhergehenden Anpassungsprozesse im Inland zu
  • 23. 20 GESEllScHAFTSPOlITIScHEr HInTErGrunDUngunsten der gering qualifizierten Beschäftigten. Unter der rung und die steigende Arbeitskräftemobilität beeinflusst.vereinfachten Annahme, dass sich dieser Trend weiter fortset- Dabei bietet die kulturelle und soziale Heterogenität der Zu-zen wird, gehen im Niedriglohnsegment weitere Arbeitsplätze wanderungspopulation ein großes Entwicklungspotenzial fürverloren, während die Zahl der Erwerbstätigen mit beruflicher die deutsche Gesellschaft und stellt zugleich eine erheblicheund Hochschulausbildung weiter zunimmt (vgl. Abb. 7). Herausforderung nicht zuletzt für das Ausbildungswesen dar. Abb. 7: Entwicklung der Beschäftigung nach Qualifikation 30.000 25.000 20.000 Erwerbstätige in Tsd. 15.000 10.000 5.000 0 1975 1985 1995 2005 2015 2025 ohne Ausbildung mit beruflicher Ausbildung mit Hochschulausbildung Quelle: Prognos Deutschland Report 2030Zuwanderung als demographische notwendigkeit Europäische Ausbildungspolitik mit dem Zielund Konsequenz aus der zunehmenden Internatio- der Harmonisierungnalisierung Für Deutschland steht die berufsbildungspolitische Zusam-Mit Ausnahme der Gastarbeiterabkommen – und in jüngster menarbeit in und mit der Europäischen Union im Vorder-Zeit durch das Zuwanderungsgesetz – war die Zuwanderung grund. Zukünftige Anforderungen an das System der beruf-nach Deutschland in der Vergangenheit stets ungesteuert. Vor lichen Bildung werden sich insbesondere im europäischendem Hintergrund der demographischen Entwicklung und be- Kontext ergeben: Gemeinsame Bildungsziele und der Kopen-sonders des in zunehmendem Maß virulenten Fachkräfteman- hagen-Prozess, nicht nur die Mobilitätsförderung, auf dergels wird der Druck seitens der Wirtschaft steigen, selektiv weiterhin der Schwerpunkt europäischer Kooperation imZuwanderung zu erleichtern. Bildungsbereich liegt, sondern auch die gegenseitige Aner- kennung von Abschlüssen weisen bereits heute auf die Deutschland wird daher auch zukünftig ein Zuwande- verstärkte Harmonisierung der Bildungspolitiken in Europarungsland sein: Im Hinblick auf den langfristigen durch- hin.schnittlichen Wanderungssaldo der vergangenen 50 Jahrekann zukünftig eine Nettozuwanderung von rund 200.000 Mit der Vision eines gemeinsamen europäischen Bildungs-Personen pro Jahr angenommen werden. Diese Entwicklung raumes soll es allen Bürgern Europas ermöglicht werden,wird maßgeblich durch die zunehmende Internationalisie- Bildungs- und Arbeitsplatzangebote bedarfsgerecht und
  • 24. GESEllScHAFTSPOlITIScHEr HInTErGrunD 2bestmöglich zu nutzen. Im Fokus der aktuellen Aktivitäten Der technologische Wettbewerb wird zur Herausforderung,zur Schaffung eines gemeinsamen und einheitlichen europä- denn nur mit einer hohen technologischen Leistungsfähig-ischen Bildungsraumes steht auch die berufliche Bildung. In keit wird es gelingen, die bestehenden Lohnkostennachteileder Kopenhagen-Erklärung verständigen sich die Bildungsmi- Deutschlands zu kompensieren.nister gemeinsam mit den europäischen Sozialpartnerverei-nigungen auf vier wesentliche Prioritäten für die europäische Für die kommenden 25 Jahre zeichnen sich Trends bzw.Zusammenarbeit in der beruflichen Bildung: Bereiche ab, die unmittelbaren Einfluss auf die Entwicklung technischer Neuerungen ausüben werden: Statt einzelner Stärkung der europäischen Dimension, Technologien werden themenübergreifende Verbundtechno- logien im Vordergrund stehen. Zukünftige Ausbildungsgänge Verbesserung der Transparenz, Information und Beratung, erfordern daher mehr denn je die Verknüpfung von Kompe- tenzen unterschiedlicher Disziplinen. Zugleich ermöglichen Anerkennung der Kompetenzen und Qualifikationen IuK-Technologien die Flexibilisierung von Arbeitszeit und sowie -ort sowie die Dezentralisierung von Wertschöpfungs- und Produktionsprozessen. Einzelne Branchen werden zunehmend Verbesserung der Qualitätssicherung. wichtiger werden. Als Beispiele seien genannt: Medizintechnik und personenbezogene Dienstleistungen, Informations- und Kommunikationstechnologien, Life Sciences oder Umwelt- technologien. Dies zeigt auch der Technologiereport der Prognos AG.2.4 Neue Technologien Um die Chancen, die diese Entwicklungen eröffnen, nutzenVor dem Hindergrund einer schrumpfenden Bevölkerung und zu können, müssen in Deutschland die Investitionen in For-eines noch stärker rückläufigen Erwerbspersonenpotenzials schung und Entwicklung, aber auch in die Ausbildung jungerwird es für die künftige wirtschaftliche Entwicklung Deutsch- Menschen forciert werden. Es wird zunehmend schwierigerlands entscheidend darauf ankommen, Wachstumspotenziale werden, die steigenden Qualifikationsanforderungen durchaus Innovationen und technischem Fortschritt zu schöpfen. ein entsprechendes Angebot an Fachkräften zu erfüllen.2 Vgl.: Reinberg, Alexander / Hummel, Markus (003): Steuert Deutsch- land langfristig auf einen Fachkräftemangel zu?, in: IAB Kurzbericht Nr. 9, S. –7.
  • 25. 22 KOnSEQuEnZEn DES GESEllScHAFTSPOlITIScHEn WAnDElS3 Konsequenzen des gesellschaftspolitischen Wandels für die berufliche AusbildungDie skizzierten Entwicklungen (Wandel zur Wissensgesell- Demographischer Wandelschaft, Demographie, Globalisierung und Internationalisierungsowie neue Technologien) werden sich in den nächsten 30 Jah- Der demographische Wandel führt dazu, dass die Anzahl derren direkt und indirekt auf die berufliche Ausbildung auswir- ausbildungsberechtigten Jugendlichen zwischen 17 und 25ken. Jahren im Prognosezeitraum bis 2035 um knapp 1,5 Millionen und damit um 20% abnimmt. Dabei treten diese Entwick-Wissensgesellschaft lungen regional in durchaus unterschiedlicher Intensität und zeitlich versetzt auf.Mit dem Wandel zur Wissensgesellschaft wird es wichtig, dieberufliche Ausbildung als geeignete „Fachkräfteschmiede“ zu Der demographische Wandel führt in seiner Konsequenzbewahren. Herausforderungen, die für das System der beruf- nicht nur zu einem steigenden Durchschnittsalter der Beschäf-lichen Ausbildung diskutiert werden, sind: tigten in den Betrieben, sondern insbesondere auch dazu, dass die Zahl von Nachwuchskräften für und in den Betrieben Schwierigkeiten bei der überbetrieblichen Normierung weiter zurückgeht. und Standardisierung der beruflichen Ausbildung, da die größere Vielfalt der Beschäftigungsfelder und Qualifika- Für das berufliche Bildungssystem ergeben sich daraus die tionsanforderungen neue und flexiblere Tätigkeitsprofile folgenden beispielhaften Herausforderungen: erfordern.  Die sinkende Zahl an Schulpflichtigen geht mit sinkenden Die Entwicklung neuer Kompetenz- und Tätigkeitsprofile, Zahlen bei den Ausbildungsanfängern einher, was die die der Flexibilisierung und Dynamisierung betrieblicher Übergangsquoten an der ersten Schwelle verbessern wird Organisations- und Arbeitskonzepte sowie der hetero- (siehe Kapitel 4). genen Zusammensetzung der Auszubildenden gerecht werden.  Infrastrukturen und Bildungsanbieter für berufliche Bildung besonders in den neuen Bundesländern können Die Gestaltung einer stärkeren Leistungsdifferenzierung nicht mehr ausgelastet werden und werden geschlossen, insbesondere durch die Förderung von Höherqualifizie- was finanzielle Mittel freisetzt (siehe Kapitel 5). rung im Rahmen der beruflichen Ausbildung, um den un- ternehmerischen Bedarf an praxiserfahrenen und zugleich  Die duale Ausbildung in den Betrieben ist durch den theoretisch qualifizierten Nachwuchskräften decken zu Strukturwandel, alternde Belegschaften und fehlende können. Nachwuchskräfte vor neue Anforderungen gestellt (siehe Kapitel 6).Vier wesentliche Kompetenzen erhalten vor diesem Hinter-grund eine neue Bedeutung:  Der fehlende Nachwuchs junger Fachkräfte führt zu ver- besserten Übergangsquoten an der zweiten Schwelle und1) Eigenverantwortung in der projektzentrierten Arbeits- sinkender Jugendarbeitslosigkeit bei gleichzeitig verstärk- organisation, tem Auftreten von Mismatch-Phänomenen bei Gering- qualifizierten (siehe Kapitel 7).2) Kooperationsfähigkeit zur Arbeit in interdisziplinären Teams,  Die geringe Anzahl von Jugendlichen bei gleichzeitig zunehmender Spezialisierung der Berufswelt sowie die3) Selbstorganisation in flexibilisierten Unternehmens- Harmonisierungsbemühungen der EU erfordern einen organisationen sowie flexiblen Umgang mit Ausbildungsinhalten (siehe Kapi- tel 8).4) nachhaltige Beschäftigungsfähigkeit und lebenslange Lernfähigkeit zur erfolgreichen Gestaltung diskontinuier- licher Erwerbsbiografien.
  • 26. KOnSEQuEnZEn DES GESEllScHAFTSPOlITIScHEn WAnDElS 23Internationalisierung und Globalisierung qualifizierte Tätigkeiten, z.B. in Forschung und Entwicklung, in Deutschland verbleiben bzw. nach Deutschland verlegtInternationale Mobilität von Jugendlichen und werden. Diese Verschiebung von Arbeitsplätzen wird sich mit-Auszubildenden telfristig auch auf die Berufsausbildung auswirken.Für die Zu- und Abwanderung von Auszubildenden liegen Grundsätzlich werden außerdem die Anforderungen ankeine Angaben vor, da die amtliche Statistik keine qualifika- die internationale Mobilität und interkulturelle Kompetenztorischen Merkmale der abwandernden Personen erfasst. Es steigen. Für die Ausbildung der Fachkräfte gewinnen da-ist zu vermuten, dass vor dem Hintergrund der zunehmenden mit Zusatzqualifikationen wie Sprachkenntnisse, kulturelleEuropäisierung bzw. Mobilisierung im europäischen Ausbil- Offenheit und Flexibilität an Bedeutung und müssen bei derdungsmarkt, durch die gezielte Förderung der grenzüber- Neugestaltung zukünftiger Berufsbilder stärker berücksichtigtschreitenden Verbundausbildung oder auch der begrenzten werden.Auslandsaufenthalten die Zahl international mobiler Jugend-licher in Zukunft ansteigen wird. Finanzsituation der öffentlichen HaushalteJugendliche mit Migrationshintergrund in Deutschland Bildung – und damit auch die berufliche Bildung als ein Teilbereich – ist ein öffentliches Gut, das in erheblichem Um-Ausländische Jugendliche verfügen derzeit über deutlich fang öffentliche Ausgaben bindet. Die Lage der öffentlichenschlechtere Chancen im deutschen Ausbildungssystem: Haushalte ist seit Jahren äußerst angespannt und hat sich vorAusländische Jugendliche erreichen seltener hochwertige allem durch steigende Zins- und Versorgungslasten in denSchulabschlüsse. 20% eines Altersjahrgangs ausländischer Jun- vergangenen Jahren verschärft. Für eine dauerhafte Kon-gen bleiben ohne Hauptschulabschluss. Zudem hat eine 2004 solidierung wird daher die zukünftig erwartete verbessertedurchgeführte Befragung der BA sowie des BIBB zur Situation konjunkturelle Entwicklung nicht ausreichen. Die öffentlichenauf dem Lehrstellenmarkt ergeben, dass Jugendliche mit Mi- Haushalte in Deutschland leiden an einem strukturellen Defi-grationshintergrund bei gleichen Ausgangsbedingungen und zit, das auch mittelfristig bestehen bleiben wird.ähnlichen Bewerbungsstrategien geringere Chancen auf einevollqualifizierende Ausbildung haben: Während 2006 40% der Gleichwohl ging die Verschlechterung der finanziellenbefragten Jugendlichen ohne Migrationshintergrund ein po- Lage der öffentlichen Haushalte in den vergangenen Jahrensitiver Ausstieg aus der Ausbildungssuche gelungen ist, waren nicht zulasten des Bildungsbereichs. Ausgaben für Bildungdies unter den Jugendlichen mit Migrationshintergrund nur blieben anteilig an den Gesamthaushalten von Bund und29%.3 Aufgrund der angespannten Arbeitsmarktlage ist aber Ländern stabil bzw. sind leicht angestiegen. Der Bund erhöhteauch der Übergang an der zweiten Schwelle in den letzten seinen Anteil seit dem Jahr 2000 kontinuierlich von 1,89% aufJahren deutlich problematischer geworden. 3,23% 2007, auf Länderseite waren es im Jahr 2000 19,45% und 2007 20,60%.4 Im internationalen Vergleich liegt Deutschland Gleichzeitig erhalten Migranten der 2. und 3. Generation mit seinen gesamten Bildungsausgaben jedoch unterhalb desetwa ebenso häufig die Hochschulreife wie Deutsche ohne Durchschnitts: So liegt der OECD-Durchschnitt für Bildungs-Migrationshintergrund. Personen aus sonstigen EU-15-Staaten ausgaben 2005 bei 5,8% des Bruttoinlandsproduktes. Deutsch-bzw. sonstigen Staaten verfügen sogar deutlich häufiger über land erreicht demgegenüber nur 5,1%.5einen Hochschulabschluss als Deutsche ohne Migrationshin-tergrund. Dem deutschen Bildungssystem gelingt es also, Es ist nicht zu erwarten, dass sich die Situation der öffent-qualifizierte Migranten zu fördern und zu integrieren, nicht lichen Haushalte maßgeblich verbessert. Stattdessen werdenjedoch die Bildungshemmnisse bei Problemgruppen auszu- steigende Belastungen den finanziellen Handlungsspielraumgleichen. Insbesondere beim Übergang in das Beschäftigungs- zunehmend einschränken. Dies wird auch die Bereitstellungsystem sind systematischere Anstrengungen und Unterstüt- öffentlicher Mittel für die Gestaltung der beruflichen Ausbil-zungsangebote notwendig. dung betreffen.Verlagerung von Arbeitsplätzen in das AuslandFür Unternehmen wird zunehmend das Ausland als Arbeits-und Produktionsstätte interessant. Fraglich ist, inwieferndiese Offshoring-Aktivitäten auch die berufliche Ausbildungbetreffen. Derzeit findet vor allem eine Verlagerung niedrigqualifizierter Arbeitsplätze in das Ausland statt, während hoch Vgl. Destatis (008): Bildungsfinanzbericht 008 – Ausgaben für Bil- dung – Tabellenteil, Tabelle ..3 Befragt wurden dabei Jugendliche, die bei der Berufsberatung als OECD (008): Bildung auf einen Blick 008. OECD-Indikatoren, Paris, Ausbildungsstellenbewerber gemeldet waren. S. 7.
  • 27. 24 KOnSEQuEnZEn DES GESEllScHAFTSPOlITIScHEn WAnDElS Tabelle 3: Einnahmen und Ausgaben der Gebietskörperschaften, absolut und Veränderung in % p.a., 2004 bis 2030 in Mrd. € 2004 200 205 2020 2025 2030 Einnahmen 579 707 85 92 ’03 ’50 Verkäufe 41 52 59 66 73 81 Produktions- und Importabgaben 260 336 388 439 489 538 Einkommen- und Vermögensteuern 221 256 298 340 383 434 Unterstellte Sozialbeiträge 21 25 29 35 43 51 Übrige Einnahmen 36 38 40 41 43 45 Ausgaben 659 770 867 980 ’6 ’266 Vorleistungen 82 97 110 124 138 153 Arbeitnehmerentgelt 154 175 204 238 283 331 Vermögenseinkommen 63 88 95 104 114 132 Subventionen 26 26 25 23 19 14 Monetäre Sozialleistungen 123 142 159 180 204 227 – Pensionen und Beihilfen 38 46 58 72 88 104 – Kindergeld 35 37 40 42 46 49 – Arbeitslosenhilfe 19 23 23 23 24 23 – Geldleistungen der Sozialhilfe 16 16 16 16 16 16 – Übrige soziale Geldleistungen 16 20 23 27 31 36 Soziale Sachleistungen 23 27 29 32 34 37 Lfd. Transfers innerhalb des Staates 90 101 117 137 166 199 Bruttoinvestitionen 30 33 36 39 42 46 Übrige Ausgaben 69 81 92 103 115 127 Finanzierungssaldo –80 –63 –52 –60 –85 –6 Quoten in % 2004 200 205 2020 2025 2030 Steuerquote 2.7 22.6 22.4 22.2 2.9 2.8 Investitionsquote 4.6 4.4 4.2 4.0 3.8 3.6 nettoneuverschuldungsquote –3.6 –2.4 –.7 –.7 –2. –2.6 Verschuldungsquote 67.7 73.2 7.5 70.3 7. 75. in % p.a. 04–0 0–5 5–20 20–25 25–30 04–30 Einnahmen 3.4 2.9 2.5 2.3 2.2 2.7 Verkäufe 4.0 2.4 2.3 2.1 2.0 2.6 Produktions– und Importabgaben 4.3 3.0 2.5 2.2 2.0 2.8 Einkommen- und Vermögensteuern 2.5 3.1 2.6 2.5 2.5 2.6 Unterstellte Sozialbeiträge 2.6 3–3 3–6 4–2 3.8 3.5 Übrige Einnahmen 1.2 0.9 0.7 0.9 0.9 0.9 Ausgaben 2.6 2.4 2.5 2.6 2.5 2.5 Vorleistungen 2.9 2.6 2.4 2.2 2.1 2.4 Arbeitnehmerentgelt 2.2 3.0 3.2 3.5 3.2 3.0 Vermögenseinkommen 5.7 1.7 1.8 1.9 2.9 2.9 Subventionen –0.3 –0.7 –1.9 –3.5 –6.4 –2.5 Monetäre Sozialleistungen 2.4 2.3 2.6 2.5 2.2 2.4 – Pensionen und Beihilfen 3.4 4.6 4.5 4.0 3.4 4.0 – Kindergeld 1.0 1.6 1.4 1.4 1.2 1.3 – Arbeitslosenhilfe 3.0 0.1 0.5 0.1 –0.3 0.8 – Geldleistungen der Sozialhilfe 0.3 –0.2 0.1 0.0 –0.2 0.0 – Übrige soziale Geldleistungen 4.0 2.3 3.2 3.0 2.8 3.1 Soziale Sachleistungen 2.9 1.6 1.7 1.5 1.2 1.8 Lfd. Transfers innerhalb des Staates 2.0 3.0 3.2 3.9 3.7 3.1 Bruttoinvestitionen 1.8 1.5 1.5 1.8 1.7 1.7 Übrige Ausgaben 2.7 2.6 2.3 2.2 2.1 2.4 Quelle: Prognos Deutschland Report 2030
  • 28. KOnSEQuEnZEn DES GESEllScHAFTSPOlITIScHEn WAnDElS 25 Auf der anderen Seite können aufgrund demographisch veränderten Anforderungen berücksichtigt werden. Es gilt,bedingter Einspareffekte zusätzliche Finanzmittel für die auch im Bereich der Neuen Technologien AusbildungsplätzeInvestition in qualitative Verbesserungen der beruflichen anzubieten bzw. die Ausbildungsbereitschaft der Unterneh-Bildung entstehen (demographische Rendite). Der Rückgang men zu erhöhen sowie eine qualitativ hochwertige Ausbildungder Schüler- und Auszubildendenzahlen bietet die Chance, die anzubieten.Pro-Kopf-Ausstattung im Bildungs- und Ausbildungsbereicherheblich zu erhöhen und damit die Qualität zu verbessern. Neue Technologien in der AusbildungDurch Investitionen in den gesamten Bildungsbereich, undinsbesondere in die frühzeitige und umfassende Kompe- Der Einzug neuer Technologien in das Bildungs- und damittenzentwicklung bei Kindern und Jugendlichen, können so auch in das Ausbildungswesen ist eine Frage der Ausrüstungqualitative Verbesserungen erzielt werden, die sich im spä- und der Lehrmethoden. Die technologischen Fortschritteteren Bildungsverlauf positiv auswirken. Hierzu liegen für den stellen vor diesem Hintergrund auch eine LösungsmöglichkeitBereich der beruflichen Ausbildung bislang keine Investitions- demographischer Herausforderungen dar, da sie über einerechnungen vor, jedoch wird zum Thema „Bildungsrenditen verstärkte Virtualisierung von Ausbildungselementen denim frühkindlichen Bereich“ derzeit viel diskutiert, wovon u.U. demographiebedingten Rückbau von Infrastrukturleistungenauch die berufliche Ausbildung profitieren kann.6 der beruflichen Ausbildung auffangen können. Zukünftig wird es darum gehen, die technischen Entwicklungen über Zudem bieten neue Formen der Kooperation zwischen die Förderung von bundes- und landesweiten Fachklassen undöffentlichen und privaten Akteuren die Möglichkeit, Investi- Ausbildungsverbünden, aber auch den umfassenden Einsatztionen in die berufliche Ausbildung zu erhöhen. Neue Formen von Open-Access-Angeboten in der Ausbildung zu unterstüt-der Private-Public Partnerships oder Innovationspakte mit So- zen.zialpartnern ermöglichen es, privates Kapital in die Gestaltungder beruflichen Ausbildung zu investieren und gleichzeitigden staatlichen Bildungsauftrag fortzuführen. Auch Privatisie-rungen im Bildungsbereich werden derzeit verstärkt diskutiertund durchgeführt. Ähnlich den Entwicklungen im Hochschul- 3.1 Konsequenzen des gesellschafts-bereich ist zu vermuten, dass sich dieser Trend weiter fortfüh- politischen Wandels aus Sichtren wird. der Expertenneue Technologien Im Rahmen der Delphi-Befragung wurden die befragtenDer Bedeutungszuwachs neuer Technologien hat konkrete Experten auch nach ihrer Einschätzung der Konsequenzen desAuswirkungen auf die berufliche Ausbildung, denn nur durch gesellschaftspolitischen Wandels gefragt. Die oben dargestell-den konsequenten Einsatz und die aktive Weiterentwicklung ten Herausforderungen und Konsequenzen wurden von denneuer Technologien können Unternehmen wettbewerbsfähig Experten dabei grundsätzlich bestätigt und hinsichtlich ihrerbleiben. Auswirkungen auf die berufliche Bildung konkretisiert.Für die berufliche Ausbildung bedeutet dies, dass Internationalisierung und Globalisierung die Nachfrage nach und das Angebot an beruflicher Ausbil- Internationale Mobilität von Jugendlichen und dung in neuen Technologien steigen wird und Auszubildenden gleichzeitig die Anwendung technologischer Neuerungen Auch aus Sicht von Experten werden Internationalisierungs- in der beruflichen Ausbildung immer wichtiger wird. und Globalisierungsprozesse zukünftig auch die berufliche Ausbildung erreichen. Im Zuge dieser Entwicklung wird sichAusbildung in neuen Technologien die Mobilität von Auszubildenden erhöhen und internationale (Unternehmens-)Kooperationen in der Ausbildung zunehmenUm die technologische Leistungsfähigkeit der deutschen Wirt- (vgl. Abbildung 8).schaft zu gewährleisten, wird es immer wichtiger, qualifizierteFachkräfte auf allen Ebenen – Ausbildung und Hochschulbil- Dabei wird diese Entwicklung jedoch nicht von den Auszu-dung – auszubilden. Damit ändern sich die Anforderungen bildenden selbst forciert, sondern die treibenden Kräfte für diesean die Ausbildungsinhalte und die Auszubildenden. Durch Entwicklung sind die Unternehmen. Die ImplementierungAnpassungen oder Entwicklung neuer Berufe müssen diese von neuen internationalen Ausbildungskooperationen zieht erst zeitlich verzögert eine höhere internationale Mobilität Vgl. Anger, Christina / Plünnecke, Axel / Tröger, Michael (007): Rendi- ten der Bildung – Investitionen in den frühkindlichen Bereich, Institut der Auszubildenden nach sich. Dies bezieht sich jedoch vor der Deutschen Wirtschaft Köln. allem auf inländische Auszubildende und begrenzte zeitliche
  • 29. 26 KOnSEQuEnZEn DES GESEllScHAFTSPOlITIScHEn WAnDElS Abb. 8: Internationalisierungs- und Globalisierungsprozesse in der beruflichen Ausbildung Wahrscheinlichkeit: mittel hoch Internationale Mobilität 48% 24% der Azubis steigt (N = 168) Internationale Kooperationen nehmen 59% 12% zu (N = 133) Unternehmen verlagern Ausbildungsteile ins 14% 1% Ausland (N = 131) 0% 20% 40% 60% 80% 100% Angabe in gültigen % Quelle: Prognos AG 2008Auslandsaufenthalte im Rahmen einer dualen Ausbildung Finanzsituation der öffentlichen Haushalteim Inland. Eine flächendeckende Anwerbung ausländischerAuszubildender, um den Fachkräftemangel zu decken, wird Trotz der geringen finanziellen Spielräume öffentlicher Haus-auch zukünftig nicht stattfinden. Auch werden Unternehmen halte wird sich diese Situation aus Sicht der befragten ExpertenAusbildungsaktivitäten zukünftig nicht ins Ausland verlagern. zukünftig nicht zulasten der öffentlichen Bildungsfinanzie- rung durch Bund und Länder auswirken. Die Wahrscheinlich- Trotz zunehmender internationaler Mobilität bleibt ein keit, dass Einrichtungen beruflicher Ausbildung zukünftigAuslandsaufenthalt und eine internationale Orientierung der privatisiert werden und die Finanzierung durch die öffent-Eigeninitiative der Auszubildenden überlassen. 85% der Exper- lichen Haushalte damit substanziell verändert wird, wird nurten sind der Ansicht, dass sich verpflichtende Auslandsaufent- von 6% der Experten als hoch eingeschätzt (vgl. Abbildung 10).halte nicht bzw. nur mit geringer Wahrscheinlichkeit zu einem Weitere 13% der Experten sehen eine zunehmende KonkurrenzStandard in der beruflichen Ausbildung entwickeln. für die traditionelle duale Ausbildung durch private Ausbil- dungsangebote innerhalb der dualen Ausbildung. Kosten-Jugendliche mit Migrationshintergrund in Deutschland pflichtige duale Ausbildungsgänge halten sogar nur 2% für sehr wahrscheinlich. Auch mehrheitlich privatisierte Berufs-Die Integration von Jugendlichen mit Migrationshintergrund bildungszentren sowie Fach- und Berufsschulen wird es nachist auch auf dem Arbeitsmarkt der Zukunft eine wichtige Einschätzung von 78% bzw. 89% der Experten zukünftig nichtAufgabe. Zurückgehende Schülerzahlen machen die umfas- geben.sende Ausschöpfung von Beschäftigungspotenzialen dieserZielgruppe notwenig. Dabei ist es aus Sicht der Experten ent- Die absolute Höhe der Ausgaben wird demographisch be-scheidend, die bestehenden schulischen Benachteiligungen dingt dennoch sinken: Vier Fünftel der Experten halten es fürvon Migranten aufzubrechen. Nur dann haben Jugendliche realistisch, dass zurückgehende Schülerzahlen zu Einspar-mit Migrationshintergrund verbesserte Chancen auf dem effekten im Bereich der beruflichen Ausbildung führen werden.Ausbildungsmarkt (vgl. Abbildung 9). Dabei gehen die Experten davon aus, dass diese frei werdenden Mittel nicht zur Qualitätssteigerung im System der beruflichen Ausbildung reinvestiert werden, sondern für andere staatliche Aufgaben aufgewendet werden.
  • 30. KOnSEQuEnZEn DES GESEllScHAFTSPOlITIScHEn WAnDElS 27 Abb. 9: Benachteiligung von Jugendlichen mit Migrationshintergrund in der beruflichen Ausbildung These: Es werden vermehrt Jugend- 3% ... mit Migrations- liche ausgebildet, die bisher auf hintergrund dem Ausbildungsmarkt benach- (N = 130) 2,5% teiligt waren. Davon profitieren Jugendliche ... 2% 1,5% Angabe der Mittelwerte mit 0 = Eintrittswahrscheinlichkeit ist null 1 = Eintrittsswahrscheinlichkeit ist gering 1% 2 = Eintrittswahrscheinlichkeit ist mittel 3 = Eintrittsswahrscheinlichkeit ist hoch 0,5% 0% ... ohne ... mit niedrigem Bildungsabschluss Bildungsabschluss (N = 129) (N = 129) Quelle: Prognos AG 2008 Abb. 0: Privatisierung von Einrichtungen beruflicher Ausbildung Wahrscheinlichkeit These: Einrichtungen der beruflichen Ausbildung werden Hoch 6,0% zunehmend privatisiert (N = 130) Mittel 50,0% Gering 43,0% Null 1,0% 0% 20% 40% 60% 80% 100% Angabe in gültigen % Quelle: Prognos AG 2008
  • 31. 28 KOnSEQuEnZEn DES GESEllScHAFTSPOlITIScHEn WAnDElS Abb. : Auswirkungen des technologischen Wandels auf die Integrationschancen bildungsferner Ausbildungsbewerber Wahrscheinlichkeit These: Zunehmender Einsatz Hoch 74,0% neuer Technologien ver- schlechtert die Zukunfts- chancen zur Ausbildung für bildungsferne Gruppen (n = 3) Mittel 23,0% Gering 3,0% Null 0,0% 0% 20% 40% 60% 80% 100% Angabe in gültigen % Quelle: Prognos AG 2008neue Technologien verschlechtern sich die Chancen bildungsferner Jugendlicher auf Integration in die berufliche Ausbildung bereits kurzfristigDer technologische Wandel wirkt sich auf die Ausbildung in (vgl. Abbildung 11). Darüber hinaus werden Belastungs- undzweifacher Hinsicht aus. Zum einen gewinnt die Ausbildung Überforderungssituationen in der dualen Ausbildung häu-in neuen Technologiefeldern an Bedeutung. Damit verän- figer.dern sich Berufe, Tätigkeitsbereiche und Qualifizierungsan-forderungen. Zum anderen halten neue Technologien auch Der technologische Wandel verändert jedoch nicht nur dieEinzug in die Ausbildungs- und Lernmethoden. Beiden Ent- Ausbildungsinhalte und Anforderungen, sondern hat auchwicklungen schreiben die befragten Experten einen großen Ausbildungs- und Lernmethoden in der Ausbildung selbst.Einfluss auf die zukünftige Gestalt der beruflichen Ausbildung Zwei Drittel der befragten Experten gehen davon aus, daszu. Ausbildungselemente in der beruflichen Ausbildung zukünf- tig verstärkt virtuell vermittelt werden. Der Einsatz neuer Berufe, Tätigkeitsbereiche und Qualifizierungsanforde- Technologien ist aus Sicht der Experten dabei weitgehendrungen in der beruflichen Ausbildung werden sich in der Folge kostenneutral. Nur ein Fünftel geht von höheren Ausbildungs-des technologischen Wandels ausdifferenzieren. Gleichzeitig kosten aufgrund des Einsatzes neuer Technologien aus. Insge-steigen die Anforderungen an die Qualifikation und Kompe- samt stellt der stärkere Einsatz neuer Technologien für zweitenz von Auszubildenden und Ausbildern. Hinsichtlich der Drittel der Experten einen Qualitätsgewinn in der beruflichenQualifikationsanforderungen an die Ausbilder gewinnen Ausbildung dar.dabei nonformale Kompetenzen sowie Soft Skills gegenüberfachlichen Kompetenzen immer mehr an Bedeutung. Die Nachfrage nach mittleren Schulabschlüssen undSchulabsolventen mit Hochschulzugangsberechtigung in derdualen Ausbildung nimmt vor dem Hintergrund steigenderAnforderungen zu. In der Konsequenz dieser Entwicklungen
  • 32. AuSBIlDunGSAnFänGEr In DEuTScHlAnD 294 Ausbildungsanfänger in DeutschlandDie Zahl der Ausbildungsanfänger wird wesentlich über die Schulen sank zwischen 1995 und 2007 um 7,5% von 9,9 Millio-Alterskohorte der Ausbildungsbevölkerung sowie deren nen auf 9,2 Millionen Schüler. Auf den Ausbildungsmarkt wirktAusbildungsentscheidung beeinflusst. Vor dem Hintergrund dieser Rückgang allerdings erst mit Verzögerung: Die Zahl derdes demographischen Wandels, eines im Vergleich wenig Schulabsolventen/-abgänger stieg im gleichen Zeitraum umintegrativen Bildungssystems sowie des Wandels hin zu einer 12% von 861.669 auf 964.848 Absolventen/Abgänger.8wissensbasierten Gesellschaft werden derzeit für beide Indika-toren zentrale Veränderungen erkennbar, was für die Zukunft Seit 1992 hat sich dabei die Bedeutung einzelner Abschluss-des Berufsbildungssystems in Deutschland eine erhebliche arten verschoben. Besonders der Anteil der Absolventen mitHerausforderung darstellt. Hauptschulabschluss ist gesunken. Damit hat der Anteil derje- nigen Absolventen mit mittleren und höheren Abschlussarten Eine der wichtigsten Einflussgrößen für die Entwicklung weiter zugenommen. Dies gilt besonders für Absolventen mitder Nachfrage in der beruflichen Ausbildung ist die Alters- Fachhochschulreife. Ihr Anteil hat sich in diesem Zeitraum vonverteilung. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 0,7% (1992) auf 1,5% (2007) nahezu verdoppelt.9 Abb. 2: Bildungsabschlüsse von Absolventen allgemeinbildender Schulen im Jahr 2007 7,3% ohne Hauptschulabschluss 26,8%Þ mit allgemeiner HochschulreifeÞ 23,7% mit Hauptschulabschluss 1,5%Þ mit FachhochschulreifeÞ 40,7% Quelle: Statistisches Bundesamt, mit Realschulabschluss Bildung und Kultur, S. 256Þlebten zum Jahresende 2007 82,2 Millionen Menschen in der Absolventen allgemeinbildender Schulen erreichten imBundesrepublik. Der Anteil der schulpflichtigen Bevölkerung Entlassjahr 2007 die in Abbildung 12 dargestellten Schulab-zwischen 6 und 18 Jahren betrug dabei 12%, der Anteil der Aus- schlüsse.bildungsbevölkerung zwischen 17 und 25 Jahren 9,5%.7 Demo-graphisch bedingt sind die Schülerzahlen in den letzten Jahrenbereits gesunken. Die Zahl der Schüler an allgemeinbildenden 8 Vgl. Destatis (008): Bildung und Kultur. Allgemeinbildende Schulen. Fachserie , Reihe , Tabelle 3., Tabelle ..7 Vgl. Destatis (007): Bevölkerung und Erwerbstätigkeit. Bevölkerungs- 9 Vgl. Destatis (008): Bildung und Kultur. Allgemeinbildende Schulen. fortschreibung. Fachserie , Reihe .3, Tabelle .. Fachserie , Reihe , Tabelle ..
  • 33. 30 AuSBIlDunGSAnFänGEr In DEuTScHlAnD Für die Absolventen mit Studienberechtigung ist festzustel- eines Kindes aus.10 Da die schulische Vorbildung auch für dielen, dass ein immer geringerer Teil diese Berechtigung auch Zugangschancen zum System der beruflichen Ausbildungtatsächlich in Anspruch nimmt. Zwar hat die absolute Zahl der entscheidend ist, werden ungleiche Zugangschancen und Bil-Studienanfänger seit 2000 zugenommen und sich auch der dungsdisparitäten auch innerhalb des Systems der beruflichenAnteil der Studierenden an der altersspezifischen Bevölkerung Ausbildung reproduziert.erhöht (vgl. Tabelle 4). Analysen der Ausbildungsplatzsuche von Bewerbern für betriebliche Ausbildungsplätze zeigen, dass die Bildungs- und Tabelle 4: Entwicklung der deutschen Berufsentscheidung von einer hohen inhaltlichen und regio- Studienanfänger seit 2000 0 nalen Flexibilität charakterisiert wird. Eine gemeinsam von der BA und BIBB durchgeführte repräsentative Befragung von Lehrstellenbewerbern 2004 belegt die hohe berufliche und Studienanfänger Anteil an der regionale Mobilität der Bewerber. Über 70% der Bewerber ha- altersspezifischen ben sich im Rahmen ihrer Ausbildungsplatzsuche auf mehr als Bevölkerung einen Beruf beworben. Die regionale Mobilität ist besonders in % in den neuen Bundesländern stark ausgeprägt, wo sich knapp 2000 314.539 33,5 40% der Ausbildungsplatzsuchenden auf Lehrstellen beworben 2001 344.659 36,1 haben, die über 100 km vom Wohnort entfernt sind.11 2002 358.792 37,1 2003 377.395 38,9 2004 358.704 37,1 Tabelle 5: Übergangsquote von der Schule 2005 355.961 37,0 an die Hochschule in Deutschland 2006 344.822 35,7 2007 1) 358.673 36,6 Studienberechtigtenjahrgang in % 1) Für 2007 vorläufige Zahlen Quelle: Autorengruppe Bildungsberichterstattung 2008 1980 86,9 1985 78,3 1990 83,9 Gleichzeitig verringerten sich jedoch die Übergangsquoten 1995 75,9der Absolventen mit Studienberechtigung an Hochschulen(vgl. Tabelle 5). Betrug die Übergangsquote der Studienberech- 1996 76,8tigten an Universitäten und Fachhochschulen 1990 noch 83,9%, 1997 74,2so bewegt sie sich 2006 voraussichtlich nur noch zwischen 68%und 74%. 1998 73,9 1999 76,0 An dieser Entwicklung wird deutlich, dass die zunehmendeNeigung zu höheren Schulbildungsabschlüssen und die stei- 2000 76,1gende Zahl der Abiturienten nicht zwangsläufig zu einem hö- 2001 74,6heren Anteil von Absolventen mit Studienberechtigung führt,die sich für ein Hochschulstudium entscheiden. Vielmehr 2002 77–80spiegelt sich in diesen Zahlen auch die gestiegene Nachfrage 2004 71–7 7nach Auszubildenden mit (Fach-)Abitur für die berufliche Aus-bildung wider. Es ist zu vermuten, dass die Studierenden ihre 2005 69–76Studienberechtigung immer mehr als eine zusätzliche Mög-lichkeit im Rahmen ihrer Bildungsentscheidungen begreifen. 2006 68–74 Quelle: Autorengruppe Bildungsberichterstattung 2008 Darüber hinaus hängt die Bildungsentscheidung inDeutschland in besonderem Maße von der sozialen Herkunftdes Einzelnen ab. Bildungschancen sind schichtspezifischsehr ungleich verteilt. Dabei wirkt sich u.a. ein hoher Berufs- 0 Vgl. BMBF (Hrsg.) 00: Bildung und Lebenslagen in Deutschland bildungsabschluss und beruflicher Status der Eltern sowie ein – Auswertungen und Analysen für den zweiten Armuts- und Reich-hohes Elterneinkommen positiv auf die Bildungsentscheidung tumsbericht der Bundesregierung, Bonn. Vgl. http://www.bibb.de/de/wlk9.htm.
  • 34. AuSBIlDunGSAnFänGEr In DEuTScHlAnD 3Gender-Mainstreaming 4.1 Mittelfristige EntwicklungenIn der Bildungsbeteiligung zeigen sich auch aktuell ge- Eine veränderte Altersstruktur führt zu einerschlechtsspezifische Ungleichgewichte: Im Jahr 2006 er- erheblichen Verringerung der Ausbildungs-reichten Mädchen systematisch höhere Bildungsabschlüsse bevölkerungals Jungen. Der höhere Bildungsgrad von Mädchen ist dabeisowohl bei deutschen als auch bei ausländischen Jugendlichenfestzustellen – eine Entwicklung, die seit den 90er-Jahren Das Bevölkerungsmodell der Prognos AG prognostiziert aus-sichtbar ist.12 In der Konsequenz offenbaren sich geschlechts- gehend vom Basisjahr 2004 einen Rückgang der Bevölkerungspezifische Unterschiede auch in der beruflichen Bildung, und auf 81,1 Millionen Menschen bis 2030. Die in das Bildungs- undzwar sowohl in der Ausbildungsbeteiligung als auch zwischen Ausbildungssystem hineinwachsenden Alterskohorten wer-den einzelnen Ausbildungsgängen. den sich durch diese Entwicklung bis zum Jahr 2035 deutlich verkleinern: Während im dualen System als auch im Übergangssystemdie männlichen Auszubildenden dominieren (58,2% bzw. Die Anzahl der schulpflichtigen Kinder und Jugendlichen57,3%), beträgt der Anteil der weiblichen Neuzugänge bei den zwischen 6 und 18 Jahren wird sich nach Prognosen in denvollschulischen Ausbildungsgängen 69,0%.13 Bemerkenswert nächsten Jahrzehnten weiter verringern. Bis zum Jahr 2030ist ebenfalls, dass der Anteil der Mädchen an den Neuzugän- nimmt diese Alterskohorte im Vergleich zum Jahr 2004 umgen in allen drei Säulen seit 2000 gesunken ist.14 Ursache knapp 1,9 Millionen ab. Dies entspricht einem Rückganghierfür ist die steigende Tendenz von jungen Frauen, eine von über 18%. Die Gruppe der 17- bis 25-Jährigen – diejenigeakademische Ausbildung zu beginnen. Trotz guter schulischer Kohorte, die die Ausbildungsplatznachfrage im Wesentlichenund akademischer Ausbildung sind die beruflichen Perspekti- bestimmt – sinkt im Zeitraum von 2004 bis 2030 von 7,7 Millio-ven junger Frauen hinsichtlich Aufstiegschancen, Einkommen nen auf 6,2 Millionen und damit um 19,7%.und Prestige im Vergleich zu denen junger Männer jedochweiterhin schlechter. Detailanalysen unterhalb dieser aggregierten Ebene zei- gen, dass diese Veränderungen regional in unterschiedlicherZu den Herausforderungen der Zukunft wird es daher gehören, Intensität und zeitlich versetzt auftreten. In den ostdeutschen Bundesländern erreicht die Zahl der Schulpflichtigen bereits1) geschlechterspezifische Ungleichgewichte im Bildungs- 2009 ihren Tiefstand, in Westdeutschland sinkt ihre Anzahl niveau, wie die mangelnde schulische Qualifizierung von dagegen kontinuierlich bis 2023. Ähnlich stellt sich die Ent- männlichen Jugendlichen, gezielt abzubauen, wicklung für die Ausbildungsbevölkerung dar. Während in Ostdeutschland die Zahl der Jugendlichen im Ausbildungsalter2) Mädchen und junge Frauen vermehrt für Berufe und Aus- aufgrund des Geburtenknicks im Zuge der Wiedervereinigung bildungsgänge zu interessieren, die attraktive berufliche bereits 2016 am niedrigsten ist und anschließend bis 2030 Perspektiven eröffnen. wieder leicht ansteigt, wird in Westdeutschland die niedrigste Zahl von Jugendlichen zwischen 17 und 25 Jahren erst im Jahre 2030 erreicht. Im Vergleich ist der Rückgang dieser Altersko- horte von 2004 bis 2030 in Ostdeutschland mit 37,3% (gegen- über 14,5% in Westdeutschland) weitaus dramatischer. Der Trend zu höheren Schulabschlüssen hält an Die Vorausberechnung der Absolventenzahlen der KMK bestätigt in ihrer Prognose bis zum Jahr 2020 den anhaltenden Trend zu höheren Schulabschlüssen. Gegenüber der Fachhoch- schulreife und der allgemeinen Hochschulreife verlieren alle anderen Abschlüsse sowie der Anteil derjenigen, die die Schule Vgl. Konsortium Bildungsberichterstattung (Hrsg.) (00): Bildung in Deutschland. Ein indikatorengestützter Bericht mit einer Analyse ohne Abschluss verlassen, an Bedeutung.15 Doppeljahrgänge zu Bildung und Migration in Deutschland, Bielefeld, S. 73; oder auch bzw. der Ausfall von Jahrgängen aufgrund der Verkürzung der BMFSFJ (Hrsg.) (00): Gender-Datenreport. . Datenreport zur Gleich- Schulzeit bis zum Abitur von 13 auf 12 Schuljahre wurden, so- stellung von Frauen und Männern in der Bundesrepublik Deutschland, München; sowie Autorengruppe Bildungsberichterstattung (Hrsg.) weit zum Erhebungszeitraum bekannt, in der Prognose bereits (008): Bildung in Deutschland. Ein indikatorengestützter Bericht mit berücksichtigt. einer Analyse zu Übergängen im Anschluss an den Sekundarbereich I, Bielefeld, S. 7, Tab. D7-A.3 Vgl. Autorengruppe Bildungsberichterstattung: Bildung in Deutsch- KMK (Hrsg.) (00): Vorausberechnung der Schüler- und Absolventen- land 008, S. 30, Tab. H3-3A. zahlen der Kultusministerkonferenz (Dokumentation Nr. 73), Berech- Vgl. ebd., S. 38, Abb. H3-9A. nung auf Basis des Jahres 003.
  • 35. 32 AuSBIlDunGSAnFänGEr In DEuTScHlAnD4.2 Herausforderungen und wie bspw. die zukünftige Entwicklung des Arbeitsmarkts für Akademiker. Auf allen vier Ebenen werden derzeit innerhalb Perspektiven des Hochschulsystems erhebliche Veränderungen erkenn- bar. Noch nicht absehbar sind derzeit die Auswirkungen der Einführung von Studiengebühren17 bzw. die Umstellung aufVor dem Hintergrund dieser Entwicklungen müssen die das MA-/BA-System im Rahmen des Bologna-Prozesses. DamitAnforderungen, die auf der Nachfrageseite für das System der zusammenhängende Entwicklungen wie der zunehmendeberuflichen Ausbildung entstehen, differenziert betrachtet Praxisbezug der Curricula, die kürzere Studiendauer und nichtwerden: zuletzt die Kosten des Studiums werden damit indirekt auch Auswirkungen auf die Ausbildungsnachfrage haben.Ausschöpfung der Ausbildungspotenziale wirdangestrebt Eine erste Studie des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft zu Berufswegen und Berufschancen von Bache-Für die gesellschaftliche und ökonomische Entwicklung wird lor-Absolventen ergab, dass der neue Studienabschluss sowohles zukünftig entscheidend sein, Beschäftigungs- und Ausbil- vonseiten der Absolventen als auch von den Unternehmen gutdungspotenziale umfassend auszuschöpfen und damit dem angenommen wird. Die befragten Unternehmen betrachtenFachkräftemangel entgegenzuwirken. Dazu gehört nicht die neuen Bachelor-Abschlüsse mehrheitlich als vollwertigennur, formal immer höher qualifizierte Schulabsolventen für akademischen Abschluss mit vergleichbaren Karrierechan-hochwertige Ausbildungsformen zu gewinnen, sondern um- cen. Allerdings äußern die Unternehmen auch die Absicht,gekehrt die Integrationsfähigkeit des Systems der beruflichen diese Einschätzungen ggf. wieder zu revidieren, sollte sichBildung auch für weniger Qualifizierte zu erhalten. Vor dem im Verlauf der Zeit zeigen, dass die neuen Bachelor-Absol-Hintergrund der alternden Bevölkerung wird darüber hinaus venten nicht entsprechend qualifiziert sind. Eine skeptischeredie Forderung lauter, die Befähigung zu lebenslangem Lernen Haltung wird den neuen Bachelor-Abschlüssen vor allem inals zentralen Bestandteil der Ausbildungscurricula und der forschungsnahen Bereichen oder analytisch-strategisch sehrbetrieblichen Praxis stärker zu betonen und umzusetzen. anspruchsvollen Tätigkeiten entgegengebracht.18 Bestätigen sich diese ersten Ergebnisse auch nach der flächendeckendenWettbewerb um die besten Köpfe verschärft sich Einführung der neuen Abschlüsse, ist zu vermuten, dass Bache-auch für das System der beruflichen Ausbildung lor-Abschlüsse für die berufliche Ausbildung eine ernst zu neh- mende Konkurrenz im Wettbewerb qualifizierter AbsolventenVor dem Hintergrund einer Entwicklung hin zu einer wis- mit Hochschulzugangsberechtigung darstellen.sensbasierten Ökonomie wird der Trend zu höheren Schul-abschlüssen weiter anhalten. Da die steigende Zahl der Eine gegenläufige Entwicklung könnte sich allerdings ausSchulabsolventen mit Studienberechtigung derzeit nicht mit einer sinkenden Bildungsrendite ergeben. Investitionen insteigenden Übergangsquoten an die Hochschulen einhergeht, akademische Bildung lohnen sich nicht mehr in gleichem Um-spiegelt sich in diesen Zahlen auch die gestiegene Nachfrage fang wie früher.19 Dabei bleibt auch abzuwarten, wie sich dienach Auszubildenden mit Hochschulzugangsberechtigung im noch relativ neue Entwicklung vermehrt prekärer Berufsein-Rahmen der beruflichen Ausbildung. Zu fragen bleibt, wie sich stiege auch unter Akademikern auf die zukünftige Bildungs-das System der beruflichen Ausbildung zukünftig im Wettbe- rendite und damit ein zentrales Kriterium für die Studienent-werb und in Ergänzung zu alternativen Bildungsangeboten scheidung von Schulabsolventen auswirkt.20von Berufsakademien, Fachhochschulen und Universitätenplatzieren kann. Es bleibt offen, ob die hohe Nachfrage nachAuszubildenden mit Hochschulzugangsberechtigung weiteranhält und wie bisher mit einer verringerten Studienneigungeinhergeht oder ob es den Hochschulen stärker gelingt, 4.3 Ergebnisse der Delphi-BefragungJugendliche für ein Studium zu gewinnen. Die zunehmendeDeregulierung und Professionalisierung der Hochschulen im Die im Rahmen der Delphi-Erhebung befragten ExpertenHinblick auf Profilbildung, Marketing und (internationalen) sehen eine deutliche Konkurrenz zwischen dualer AusbildungWettbewerb16 könnte sich im langfristig zu erwartenden Wett- und Hochschulbildung. Insbesondere die im Rahmen desbewerb als strategischer Vorteil für die Hochschulen gegen- 7 Bis auf NRW und Niedersachsen wurden Studiengebühren erst nach über den beruflichen Bildungsanbietern erweisen. 00 eingeführt und sind damit in der aktuellen Statistik noch nicht abgebildet. In der Studienentscheidung überlagern sich finanzielle, or- 8 Vgl. Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft (Hrsg.) (00): Kar-ganisatorische sowie strukturelle und konjunkturelle Aspekte riere mit dem Bachelor, Berufswege und Berufschancen, Essen. 9 Frietsch, Rainer (00): Entwicklung der privaten Bildungsrenditen 980 – 00, Mannheim. Vgl. Prognos AG (Hrsg.) (007): Unternehmen Hochschule. Die Zukunft 0 Grühn, Dieter / Hecht, Heidemarie (007): Generation Praktikum? der Hochschulen im Wettbewerb, Berlin. Prekäre Beschäftigungsformen von Hochschulabsolventen, Berlin.
  • 36. AuSBIlDunGSAnFänGEr In DEuTScHlAnD 33 Abb. 3: Konkurrenzverhältnis akademischer und beruflicher Bildung Wahrscheinlichkeit: mittel hoch Attraktivität dualer Ausbildung ist höher 30% 3% (N = 125) Attraktivität der Hochschule ist höher 44% 32% (N = 159) 0% 20% 40% 60% 80% 100% Angabe in gültigen % Quelle: Prognos AG 2008Bologna-Prozesses erfolgte Stärkung der Berufsorientierung Wahrscheinlichkeit ist von einem andauernden Mangel anwird als Vorteil für die Hochschulen gesehen. Die Vorteile Auszubildenden auszugehen. Dieser setzt in den östlicheneines Hochschulstudiums werden damit bis 2015 erheblich Bundesländern deutlich früher ein, führt jedoch trotz feh-zunehmen und die Berufsausbildung für Absolventen mit lender Ausbildungsplätze in den westlichen BundesländernHochschulzugangsberechtigung in ihrer Attraktivität deutlich nicht zu Wanderungsbewegungen von Auszubildenden in denschwächen. Eine Gegenbewegung kann aus Sicht der Experten Osten.vor allen durch hohe Studiengebühren ausgelöst werden (vgl.Abbildung 13). Nur geringe Chancen werden einer erfolgreichen Reform des Schulsystems von den Experten eingeräumt. Zwar wird Insgesamt ist daher nicht mit einem Gegentrend zur schulische Bildung als zentraler Stellhebel für die Sicherungsinkenden Zahl von Ausbildungsanfängern in Deutschland der Qualität in der beruflichen Bildung gesehen, jedoch bleibtzu rechnen. Die Wahrscheinlichkeit eines weiterhin beste- die Einschätzung pessimistisch, dass die notwendigen Prozessehenden Mangels an Ausbildungsplätzen bis zum Ende des so umgesetzt werden, dass die Qualität der Schulabgänger sichBetrachtungszeitraums 2035 ist extrem gering. Mit großer bis 2035 entscheidend verbessert.
  • 37. 34 DIE SITuATIOn DEr BIlDunGSAnBIETEr5 Die Situation der BildungsanbieterIn Anlehnung an die Systematik des Konsortiums Bildungsbe- Im Übergangssystem sind heterogene (Aus-)Bildungsan-richterstattung21 können im System der beruflichen Ausbil- gebote zusammengefasst, die in der Regel allgemeinbildendedung in der Bundesrepublik drei Säulen unterschieden werden mit beruflichen Bildungs- und Qualifizierungsteilen kombi-(vgl. Abbildung 14):22 nieren. Die Angebote des Übergangssystems vermitteln dabei keinen qualifizierten beruflichen Abschluss. Sie zielen auf die Ausbildung im Rahmen des dualen Systems, Herstellung bzw. Erweiterung der Ausbildungsfähigkeit und werden teilweise durch die Bundesagentur für Arbeit finan- vollschulische Ausbildung und ziert. Einen großen Anteil am Übergangssystem haben dabei die Berufsfachschulen, an denen allgemeinbildende Schulab- (Aus-)Bildung im Rahmen eines Überganssystems, dass schlüsse nachgeholt werden können und gleichzeitig beruf- nicht zu einem qualifizierenden Berufsabschluss führt. liche Grundkenntnisse vermittelt werden. Darüber hinaus sind das schulische Berufsvorbereitungsjahr sowie das schulischeVom dualen System unterscheiden sich die beiden anderen Berufsgrundbildungsjahr von besonderer Bedeutung.Systeme durch folgende Charakteristika: Vor dem Hintergrund dieser Klassifizierung lassen sich für Das Schulberufssystem umfasst vor allem die Ausbildung die Vergangenheit erhebliche Verschiebungen im System deran Berufsfachschulen außerhalb und innerhalb des Geltungs- beruflichen Ausbildung erkennen, in denen sich wesentlichebereichs von BBiG und HwO, die Erstausbildung an Fachschu- sozioökonomische Entwicklungen widerspiegeln und auslen sowie die Ausbildung an Schulen des Gesundheitswesens. denen zentrale zukünftige Herausforderungen für das SystemGemeinsam ist den Angeboten dabei, dass sie zu einem qua- der beruflichen Bildung abgeleitet werden können.lifizierten Berufsabschluss führen. Im Mittelpunkt dieser Aus-bildungsgänge stehen dabei Ausbildungen im Bereich per- Die Neueintritte in das System der beruflichen Ausbildungsonennaher Dienstleistungen (bspw. Kinder- und Altenpfleger, sind zwischen 1995 und 2006 um knapp 18,7% gestiegen.Kosmetiker, Ergotherapeuten etc.) bzw. medizinisch-tech- Betrachtet man die absoluten Zahlen, ergeben sich für diesennische Assistentenberufe. Zeitraum folgende Veränderungen (vgl. Tab. 6).23 Abb. 4: Systematisierung des Systems der beruflichen Ausbildung Duale Ausbildung (nur Schüler Schulberufssystem Übergangssystem (ohne mit Ausbildungsvertrag) qualifizierten Berufsabschluss) • Teilzeitberufsschule im Rahmen • Ausbildung an Berufsfachschulen • BGJ (ohne Anerkennung), BVJ einer Berufsausbildung innerhalb BBiG/HwO • Berufsfachschulen, die keinen • Außerbetriebliche Ausbildung • Ausbildung an Berufsfachschulen beruflichen Abschluss vermitteln, außerhalb BBiG/HwO eventuell aber das Nachholen eines • Kooperatives Berufsgrund- allgemeinbildenden Abschlusses bildungsjahr • Ausbildung an Schulen des eröffnen Gesundheitswesens • Schüler auf Berufsschulen ohne • Fachschulen (nur Erstausbildung) Ausbildungsvertrag • Maßnahmen der BA (Jugend- sofortprogramm und Maßnahmen nach SGB III) Quelle: Konsortium Bildungsberichterstattung 2006 Heute Autorengruppe Bildungsberichterstattung genannt. Zur Abgrenzung der Teilsysteme vgl. Konsortium Bildungsbericht- 3 Vgl. Autorengruppe Bildungsberichterstattung: Bildung in Deutsch- erstattung: Bildung in Deutschland, S. 8. land 008, S. 9, Abb. E-.
  • 38. DIE SITuATIOn DEr BIlDunGSAnBIETEr 35 Tabelle 6: neueintritte in das berufliche Bildungssystem Veränderung 995 2004 2006 2006 zu 995 Anzahl Anzahl in % Duales System 547.062 535.322 551.434 4.372 0,8% Schulberufssystem 180.27 1 21 1.531 212.984 32.713 18,1% Übergangssystem 341.137 505.197 503.401 162.264 47,6% Quelle: Autorengruppe Bildungsberichterstattung 2008 Zusätzlich zu diesen quantitativen Steigerungen zeichnen den zentrale Integrationsdefizite des Systems der beruflichensich jedoch auch qualitative Verschiebungen innerhalb der Ausbildung erkennbar:Berufsbildungsstrukturen ab:24 2006 erhielten von den Neuzugängen ohne Hauptschulab- Das System der dualen Ausbildung verliert tendenziell an schluss 78,7% einen Platz im Übergangssystem. Auch unter den Bedeutung. Der Anteil an den Neueintritten in das System Neuzugängen mit Hauptschulabschluss war 2006 noch mehr der beruflichen Bildung ist zwischen 2000 und 2006 von als jeder Zweite (50,8%) im Übergangssystem. Erst die Neuzu- 47,8% auf 43,5% gesunken. gänge mit einem mittleren Schulabschluss erreichen in der Mehrheit einen Ausbildungsplatz in der dualen Ausbildung Der Anteil vollzeitschulischer Ausbildung nahm dagegen (47,4%) bzw. im Schulberufssystem (24,4%) und damit Zugang zwischen 2000 und 2006 zu. Der Anteil an den Neueintrit- zu einem qualifizierenden Berufsabschluss. Die Neuzugänge ten stieg von 14,4% auf 16,8%. mit Hochschul- bzw. Fachhochschulreife absolvierten dagegen zu 67,4% eine Ausbildung in der dualen Ausbildung und zu Auch das Übergangssystem erfährt einen Bedeutungsge- 28,5% im Schulberufssystem. 2006 sind damit zwei Drittel der winn: Der Anteil an den Neuzutritten stieg von 2000 bis Ausbildungsplätze in der dualen Ausbildung von Absolventen 2006 von 37,8% auf 39,7%. mit mittlerem Schulabschluss bzw. Hochschulreife besetzt worden, im Schulberufssystem sogar 83%.25 Diese VerteilungIn den skizzierten Verschiebungen zeigen sich die Auswir- bestätigt damit auch Ergebnisse des BIBB-Expertenmonitorskungen des sozioökonomischen Strukturwandels: 2005, wonach die Anforderungen am Ausbildungsplatz in den letzten 15 Jahren gestiegen sind und sich die Ansprüche an die Die abnehmende Bedeutung des industriellen Sektors Bewerber erhöht haben.26 artikuliert sich im Rückgang der dualen Ausbildung an den Neuzugängen. Dabei kann dieser Bedeutungsver- Die Chancen von Absolventen mit bzw. ohne Hauptschul- lust innerhalb der dualen Ausbildung nicht durch einen abschluss auf eine qualifizierte berufliche Ausbildung sind an- Anstieg von Ausbildungsplätzen im Dienstleistungssektor gesichts dieser Entwicklung deutlich verringert. Vor dem Hin- kompensiert werden. tergrund der geringen sozialen Mobilität in Deutschland sind besonders männliche Jugendliche mit Migrationshintergrund Nach der oben dargestellten Charakterisierung von voll- von diesem Exklusionsprozess bedroht (vgl. auch Abschnitt 3). zeitschulischen Ausbildungsangeboten artikuliert die Die hohe Integrationsfähigkeit gerade auch von Jugendlichen Zunahme in diesem Bereich die zunehmende Bedeutung aus bildungsfernen Schichten – bislang als eine zentrale Stärke personenbezogener Dienstleistungen. des bundesdeutschen Ausbildungssystems gewertet – wird durch diese Polarisierungstendenzen zunehmend in Frage ge- Die Ausweitung des Übergangsystems weist darauf hin, stellt. Für die soziale Teilhabe des Einzelnen, aber auch vor dem dass der Übergang von der Schule in Ausbildung bzw. in Hintergrund eines zunehmenden Fachkräftemangels, ist dies Beschäftigung zunehmend problematischer geworden eine höchst problematische Entwicklung. Qualifizierungs- und ist. Beschäftigungspotenziale werden hier nicht ausgeschöpft.Betrachtet man die Zugangschancen zu den einzelnen Säulen Vgl. Autorengruppe Bildungsberichterstattung: Bildung in Deutsch- land 008, S. 8, Tabelle H3-3A.der beruflichen Bildung nach Art des Schulabschlusses, wer- Ehrenthal, Bettina / Eberhard, Verena / Ulrich, Joachim Gerd (00): Ausbildungsreife – auch unter Fachleuten ein heißes Eisen, Fachbeitrag Vgl. ebd., S. 7, Tabelle E-A sowie S. 98, Abb. E-3. im Internet, Bonn, S. .
  • 39. 36 DIE SITuATIOn DEr BIlDunGSAnBIETEr In diesen Entwicklungen – abnehmende Bedeutung der betrieblichen Ausbildungsplätzen: Während in Westdeutsch-dualen Ausbildung sowie abnehmende Integrationsfähigkeit land der Anteil der nicht betrieblichen Plätze in den Jahrendes Systems der beruflichen Ausbildung – überlagern und zwischen 2000 und 2006 bei rd. 5 % lag, betrug dieser Anteil inverstärken sich individuelle Problemlagen sowie ein unzu- Ostdeutschland im gleichen Zeitraum zwischen einem gutenreichendes Angebot an betrieblicher Ausbildung. Ein enger Viertel und fast einem Drittel aller Ausbildungsverträge.27Ausbildungsmarkt lässt alternative Angebote wie bspw. eine Die Entwicklung der öffentlichen Förderung von außerbe-Ausbildung im Schulberufssystem attraktiver werden, erhöht trieblichen bzw. betriebsnahen Ausbildungsplätzen ist damitgleichzeitig aber auch die Hürden für den Zugang zur qualifi- für die zukünftige Entwicklung der Bildungsanbieter vonzierenden Ausbildung bei individuellen Beeinträchtigungen entscheidender Bedeutung.der Beschäftigungs- und Ausbildungsfähigkeit. Politischkommt dem Übergangssystem damit eine doppelte Funk- Vor diesem Hintergrund ist die zukünftige Rolle dertion zu: Die Ausbildungs- und Beschäftigungsfähigkeit der Bildungsanbieter noch weitgehend offen. Es ist zu fragen,Teilnehmer soll hergestellt bzw. verbessert und gleichzeitig die inwieweit die Bildungsanbieter den neuen technologischenSituation auf dem Ausbildungsmarkt durch diese Angebote und soziodemographischen Anforderungen gerecht werdenentschärft werden. und damit eventuell auch neue Märkte und Tätigkeitsfelder erschließen können oder ob die sinkende Nachfrage nach den traditionellen Leistungen von Bildungsanbietern auch ihr Verschwinden zur Folge hat.5.1 Mittelfristige Entwicklungen Im Folgenden sollen bereits erkennbare Trends und mög-Über den drohenden Verlust der Integrationsfähigkeit des liche Entwicklungen für einzelnen Bildungsanbieter getrenntSystems der beruflichen Ausbildung hinaus geraten die Bil- betrachtet werden.dungsanbieter durch den sozioökonomischen Strukturwandelvon zwei Seiten unter Druck: Autonomie und regionalisierung beruflicher Schulen als zentrale Modernisierungsstrategie Zum einen stellt der technologische Wandel das Systemder beruflichen Ausbildung vor neue qualitative Herausfor- Um die konstatierte fehlende Anpassungsfähigkeit derderungen. Es stellt sich die Frage, inwieweit innerhalb der beruflichen Schulen zu überwinden, wird derzeit vor allemtraditionellen Strukturen der Dynamik der sich ändernden die Erhöhung von Autonomiespielräumen sowie die stärkereRahmenbedingungen ausreichend Rechnung getragen wer- regionale Einbettung und Vernetzung beruflicher Schulenden kann. Dabei wird in Frage gestellt, dass die notwendige diskutiert. Beide Aspekte – sowohl die größere staatlicheFlexibilität und Professionalität innerhalb des bestehenden Unabhängigkeit als auch die regionale Einbettung – werdenSystems erreicht werden kann. idealtypisch im Konzept der regionalen Kompetenznetze diskutiert, zu denen sich berufliche Schulen weiterentwickeln Zum anderen stellt auch der demographische Wandel sollen. Innerhalb dieses Konzepts werden zentrale Elementedie Bildungsanbieter vor neue Herausforderungen. Vor dem der Modernisierungsdiskussion von beruflichen SchulenHintergrund einer sinkenden Ausbildungsbevölkerung ver- zusammengefasst. Sie sollen sich in diesen Netzwerken zu-ändert sich die Situation der Bildungsanbieter. Ging es in der künftig als regional und kundenorientierte Bildungsdienst-Arbeit der Bildungsanbieter in der Vergangenheit zentral um leister verstehen und damit auf neue Bedarfe sehr viel flexi-die Abschwächung der Auswirkungen des Ausbildungsplatz- bler reagieren können als im traditionellen System. Zentralesmangels, wird es vor dem Hintergrund des demographischen Charakteristikum innerhalb dieses Konzeptes ist die höhereWandels zukünftig nun darum gehen, den jeweiligen Fach- Autonomie der beruflichen Schulen. Dazu gehört vor allemkräftebedarf einzelner Regionen bzw. einzelner Unternehmen die eigenverantwortliche Bewirtschaftung von Personal-zu decken und vor dem Hintergrund des drohenden Fachkräf- und Sachmitteln. Aus- und Weiterbildung werden inner-temangels die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit bestimmter halb dieser Netzwerke enger verzahnt, der Innovations- undRegionen sicherzustellen. Technologietransfer zwischen regionalen Ausbildungsnach- fragern und -anbietern verbessert. Damit soll vor allem den Die demographischen Herausforderungen sind in Ost- erhöhten Qualifizierungs- und Fachkräftebedarfen kleinerdeutschland besonders hoch. Zum einen fällt der Rückgang und mittlerer Unternehmen besser Rechnung getragender Ausbildungsbevölkerung deutlicher aus als in West- werden können. Flexibilität, Qualität und Passgenauigkeitdeutschland und setzt auch deutlich früher ein (vgl. Kapitel 4), der beruflichen Ausbildung sollen durch die Kompetenznetzezum anderen spielen aufgrund der angespannteren Lage auf erhöht werden.dem Ausbildungsmarkt über- und außerbetrieblich tätigeund öffentlich geförderte Bildungsträger zur Ergänzung des 7 Vgl. BMBF (Hrsg.) (00): Berufsbildungsbericht 00, Bonn, Berlin, betrieblichen Ausbildungsangebots eine zentrale Rolle. Dies S. ; BMBF (Hrsg.) (008): Berufsbildungsbericht 008, Bonn, Berlin, wird auch deutlich am Verhältnis von betrieblichen und nicht S. .
  • 40. DIE SITuATIOn DEr BIlDunGSAnBIETEr 37 Erste Reformansätze in diese Richtung sind bereits erkenn- dieser Untersuchung mögliche Entwicklungsperspektiven fürbar. Beispielsweise steuert Hamburg die beruflichen Schulen die Bildungsträger identifiziert werden.über Ziel- und Leistungsvereinbarungen und erhöht überdiese Outputsteuerung deren Autonomie. Modellversuche zu Im Mittelpunkt der Reformbemühungen stehen für dieregionalen Kompetenznetzwerken werden beispielsweise in Bildungsträger dabei vor allem die Erschließung neuer Kun-Niedersachen aktuell durchgeführt. Vor dem Hintergrund der denkreise sowie die Ausweitung und Modifizierung traditio-Privatisierungsdiskussion im gesamten Bildungswesen und neller Tätigkeitsfelder. Zentral sollte dabei die Abhängigkeitder Autonomiegewinne, die jüngst für die Hochschulen erzielt von öffentlichen Mitteln reduziert und zunehmend über diewerden können, steht zu vermuten, dass sich dieser Trend auch Finanzierung durch private Mittel ersetzt werden. Dabei sindbei den beruflichen Schulen verstärken wird. als neue Kundenkreise sowohl Privatpersonen als auch private Unternehmen interessant. Zusätzlich werden die neuen Herausforderungen unddie damit verbundene qualitative Herausforderung durch Vor diesem Hintergrund ist davon auszugehen, dass sichden vorhersehbaren Mangel an Lehrkräften an beruflichen auch die Tätigkeitsfelder der Bildungsträger verändern: An-Schulen verschärft. Die KMK prognostiziert bis 2015 für die be- gebote im Rahmen der beruflichen Erstausbildung rücken inruflichen Schulen 600 nicht besetzte Stellen für Lehrpersonal.28 den Hintergrund. Stattdessen rücken Leistungen der Aus- undHält der oben beschriebene Trend zu schulischen Ausbildungs- Weiterbildung sowie Personaldienstleistungen im Bereich derformen und zur Ausweitung des Übergangssystems an, wird beruflichen Bildung in den Mittelpunkt einer zukunftsfähigensich dieser gravierende Mangel noch zusätzlich erhöhen und Entwicklungsstrategie. Auch externes Ausbildungsmanage-sich der Engpass noch weiter zuspitzen. ment für Unternehmen kann hierbei eine Rolle spielen. Gleichzeitig ergeben sich auch bei den verbleibenden Tä- tigkeiten im Bereich der Erstausbildung Veränderungen: Das5.2 Herausforderungen und Angebot an einzelnen Ausbildungsmodulen sowie berufsü- bergreifender Kurse sollte ausgeweitet werden, und auch im Perspektiven verstärkten Engagement in Ausbildungsverbünden liegt ein potenziell zukunftsträchtiger Arbeitsbereich. Auch können imÜber die begonnenen Reformschritte zur Modernisierung der Aufbau neuer (kostenpflichtiger) schulischer Bildungsgängeberuflichen Schulen hinaus ist auch die zukünftige Rolle und oder einer verstärkten internationalen Orientierung weitereBedeutung anderer Bildungsanbieter im Wesentlichen noch Betätigungsfelder gesehen werden.offen. Darüber hinaus ist die Frage nach der notwendigenQualifikation des Ausbildungspersonals ein wichtiger Aspekt Überbetrieblichen Bildungsstätten kann zukünftigin der Reformdiskussion. im System der beruflichen Ausbildung eine wich- tige rolle zukommenTrotz hohen Veränderungsdrucks ist die zukünftigeBedeutung und das leistungsprofil von Bildungs- Für die Sicherung der Qualität der beruflichen Ausbildungträgern noch weitgehend offen kommt den überbetrieblichen Bildungsstätten eine erhebliche Bedeutung zu. Dies gilt umso mehr vor dem Hintergrund derDie veränderten Rahmenbedingungen stellen die Bildungsträ- neuen technologischen Herausforderungen. Für den Ausbauger vor allem in Ostdeutschland vor neue Herausforderungen. des Leistungsangebots überbetrieblicher BildungsstättenObwohl durch eine sehr heterogene Struktur gekennzeich- bestehen dabei durchaus noch Potenziale:30 Analog zur Diskus-net, stellt sich für alle Bildungsträger die Frage, wie sie vor sion an den beruflichen Schulen wünschen sich die Betriebedem Hintergrund des demographischen Wandels und einer von den überbetrieblichen Bildungsstätten zukünftig einedadurch möglicherweise sinkenden öffentlichen Förderung stärkere Orientierung an der jeweiligen Betriebspraxis sowieder Erstausbildung ihr Überleben im Bildungsmarkt sichern die Vermittlung von Kompetenzen beim Umgang mit neuenkönnen. Eine Studie des BIBB zur Rolle der Bildungsträger in Technologien. Dazu gehört auch eine stärkere Kunden- undden neuen Ländern ergab, dass die Bildungsträger vor diesem Auftragsorientierung in der überbetrieblichen Ausbildung.Hintergrund einen hohen Veränderungsdruck wahrnehmen Gleichzeitig soll auch eine stärkere Flexibilisierung und Indivi-und ihre Situation insgesamt relativ pessimistisch einschätzen dualisierung des Angebots bspw. durch Zusatzqualifikationen– konkrete Veränderungsaktivitäten und Bemühungen zur für leistungsstarke und Förderangebote für weniger leistungs-strategischen Anpassungsbemühungen sind jedoch noch starke Auszubildende erreicht werden.relativ wenig erkennbar.29 Dennoch können auf Grundlage8 Vgl. KMK (Hrsg.) (003): Lehrereinstellungsbedarf und -angebot in der Bildungsträger. Abschlussbericht zum Projekt, Halle. Bundesrepublik Deutschland. Modellrechnung 00 – 0, Bonn, S. . 30 Vgl. Autsch, Bernhard u.a. (00): Perspektiven von ergänzenden über-9 Grünert, Holle / Burkart, Lutz / Wiekert, Ingo (00): Zukunftsperspek- betrieblichen Maßnahmen in der Ausbildung des Handwerks unter tiven der Berufsausbildung in den neuen Ländern und die Rolle der besonderer Berücksichtigung berufspädagogischer Aspekte, Bonn.
  • 41. 38 DIE SITuATIOn DEr BIlDunGSAnBIETEr Über diese inhaltlichen Potenziale hinaus werden inner- Haupt- und auch Realschulen hinweisen bzw. inwieweit hierhalb der Studie auch organisatorische Reformnotwendig- über eine Differenzierung des Berufsbildungssystems einekeiten angesprochen, über die die Zukunftsfähigkeit der höhere Integrationsfähigkeit des Systems gerade auch nachüberbetrieblichen Bildungsstätten gesichert und ausgebaut unten erreicht werden kann.werden kann. Hierzu gehört analog zu den Reformbemü-hungen an den beruflichen Schulen zentral die Professio- Bedarfsgerechte Anpassung der regionalennalisierung des Managements der überbetrieblichen Bildungs- Infrastrukturstätten durch ein adäquates Marketing und Qualitätsmanage-ment. Nur über einen solchen Wandel des Selbstverständnisses Vor dem Hintergrund sinkender Schülerzahlen und derkann zukünftig eine erfolgreiche Posi-tionierung am Markt schrumpfenden Ausbildungsbevölkerung bleibt offen, wie vorerreicht werden. Auch überbetriebliche Bildungsstätten allem in ländlichen Gebieten der Zugang zu den Infrastruktur-sollten sich vor diesem Hintergrund zukünftig als regionale leistungen im Rahmen der beruflichen Ausbildung sicherge-Bildungsdienstleister verstehen, ihre kooperative Funktion stellt werden kann. Den unterschiedlichen Zeithorizonten undan der Schnittstelle der Lernorte von Ausbildungsbetrieb Ausmaßen, mit denen einzelne Länder und Regionen von denund Berufsschule betonen und ausbauen und damit den demographischen Entwicklungen betroffen sind, sollte dabeineuen Bedarfen der Ausbildungsbetriebe besser Rechnung Rechnung getragen werden. Die besondere Herausforderungtragen.31 liegt dabei nicht nur in der Bereitstellung der notwendigen Infrastruktur für die Ausbildungsnachfrager, sondern auch inAdäquate Qualifikation der Berufschullehrer als der inhaltlichen Ausrichtung der Infrastruktur am jeweiligenoffene Frage Bedarf der Ausbildungsanbieter und der Region.Ausgangssituation für die Diskussion der Qualitätssicherung Während die demographische Entwicklung bisher vorwie-und -verbesserung des Lehrpersonals an beruflichen Schulen gend in ihren negativen Konsequenzen diskutiert wird, solltenist eine auch im internationalen Vergleich sehr hohe Hetero- auch die Chancen dieser Entwicklung zukünftig stärker betontgenität sowohl der beruflichen Schulen selbst als auch der werden: Durch die demographische Entwicklung werden auchSchülerinnen und Schüler an beruflichen Schulen. Diese finanzielle Ressourcen freigesetzt, die zu einer möglichen Re-Vielfalt wird durch die föderale Verantwortungsteilung für investition und qualitativen Verbesserung bestehender Struk-die beruflichen Schulen noch zusätzlich erhöht. Die Hetero- turen zur Verfügung stehen.32genität ist auch in der Qualifikation der Berufsschullehreranzutreffen – dies gilt trotz des seit 1973 von der KMK festge-schriebenen Lehrerbildungsmodells, das sowohl den Statusals auch die Ausbildung des Berufsschullehrers am Vorbild des 5.3 Ergebnisse der Delphi-BefragungGymnasiallehrers orientiert. Zentral geht es innerhalb dieserReformdebatten um die Art und Tiefe der fachlich-inhaltlichen Veränderte Formen der regulierung beruflicherQualifikationen von Berufsschullehrern. Offen ist dabei, ob die Bildungadäquate fachliche Ausbildung auf Hochschulniveau erfolgensoll oder ob nicht vielmehr eine fundierte berufliche Aus- und Was sich jenseits der Finanzierungsverantwortung zukünftigWeiterbildung und damit Lehrkräfte aus der Praxis sehr viel verändern wird, ist jedoch die Art und Weise der Regulierungbesser geeignet wären, die zukünftigen inhaltlichen Anforde- der beruflichen Bildung. Alle Experten sind sich zwar einig,rungen im Rahmen ihrer Lehrtätigkeit zu erfüllen. dass sich die öffentlichen Akteure zukünftig nicht vollständig aus der Regulierungsverantwortung zurückziehen. DennochErhalt und Ausbau der Integrationsfähigkeit des gewinnen dezentrale Steuerungs- und Koordinationsmecha-Systems der beruflichen Ausbildung als wichtige nismen an Bedeutung. Die Autonomie der Akteure vor OrtHerausforderung wird sich erhöhen. Dies gilt insbesondere für die Autonomie beruflicher Schulen, die sich nach Einschätzung von knappDie soziale und ökonomische Herausforderung für das Ausbil- drei Viertel der Experten zukünftig weiter erhöhen wird – auchdungssystem wird darin bestehen, seine Integrationsfähigkeit wenn sie nicht vollständig in kommunale Trägerschaft über-wieder zu erreichen. Die nachlassende Integrationsfähigkeit gehen. Regionale Kompetenzzentren als Mechanismus derdes Systems der beruflichen Ausbildung wirkt dabei nicht dezentralen Koordination und Profilbildung werden ebenfallsnur auf das System selbst, sondern auch auf das Schulsystem an Bedeutung gewinnen.zurück. Die bestehenden Entwicklungen entwerten untereBildungsabschlüsse systematisch. Dabei wird zukünftig vorallem zu fragen sein, inwieweit diese Polarisierungstendenzenauf eine mangelnde Ausbildungsreife der Absolventen von 3 Vgl. Prognos AG (00): Demographie als Chance: Demographische Entwicklung und Bildungssystem – finanzielle Spielräume und Reform-3 Vgl. ebd. bedarf, Stuttgart.
  • 42. DIE SITuATIOn DEr BIlDunGSAnBIETEr 39 Abb. 5: Zukunftsperspektiven von Bildungsdienstleistern Öffentlich finanzierte Nachfrage sinkt Privat finanzierte Nachfrage steigt 1,93 (N = 127) West 1,68 (N = 129) 2,06 (N = 129) Ost 1,28 (N = 130) Angabe der Mittelwerte mit 0 = Eintrittswahrscheinlichkeit ist null 2 = Eintrittswahrscheinlichkeit ist mittel 1 = Eintrittswahrscheinlichkeit ist gering 3 = Eintrittswahrscheinlichkeit ist hoch Quelle: Prognos AG 2008Die Zukunft von Bildungsdienstleistern begonnen haben und vor allem strukturschwache Regioneninsbesondere in Ostdeutschland ist ungesichert und Ostdeutschland betreffen (vgl. Abbildung 16). Der Zugang zu den Bildungsangeboten wird dabei jedoch nicht durchDie Zukunftsperspektiven für Bildungsträger werden von den virtuelle Bildungsangebote kompensiert. Stattdessen werdenbefragten Experten sehr kritisch gesehen. Ursächlich für die landes- und bundesweite Fachklassen eingerichtet, in denenneuen Herausforderungen ist eine bereits bis 2015 sinkende öf- die Auszubildenden überregional gebündelt werden.fentliche Nachfrage nach außerbetrieblicher Ausbildung, dieinsbesondere in Ostdeutschland nicht durch die gleichzeitige Der Rückbau der Infrastruktur wird dabei alle Einrich-Zunahme der privaten Nachfrage kompensiert werden kann tungen beruflicher Bildung betreffen. Vor dem Hintergrund(vgl. Abbildung 15). der oben dargestellten besonderen Problematik außerbetrieb- licher Bildungsstätten sind diese Einrichtungen vom notwen- Die Hauptgründe für den Nachfragerückgang aufseiten digen Rückbau besonderes früh betroffen.der öffentlichen Hand sehen die Experten dabei vor allem imdemographisch bedingten Rückgang der Ausbildungsbevölke- Vor dem Hintergrund der zunehmenden Bedeutung vonrung sowie in einem ausgeglichenen Ausbildungsmarkt. Bildung und Qualifizierung ist bemerkenswert, dass vier Fünf- tel der befragen Experten davon ausgehen, dass diese durchBereitstellung einer bedarfsgerechten den demographischen Wandel frei werdenden Mittel nicht inInfrastruktur wird schwierig die berufliche Bildung reinvestiert werden.Vor dem Hintergrund des demographischen Wandels geraten Sinkende Schülerzahlen führen zu einernicht nur private Bildungsdienstleister zunehmend unter Verkleinerung des ÜbergangssystemsDruck, sondern die Aufrechterhaltung der Bildungsinfrastruk-tur insgesamt wird vor neue Herausforderungen gestellt. Eine Mit 77% geht die Mehrzahl der Experten davon aus, dass derausreichende Versorgung mit Angeboten der beruflichen Rückbau der Infrastruktur beruflicher Bildung auch zu einerBildung kann aus Sicht der Experten zukünftig nicht mehr Verkleinerung des Übergangssystems führt (vgl. Abbildung 17).flächendeckend zur Verfügung gestellt werden. Der Rück- Aus Sicht der Experten wirkt diese Entwicklung hauptsächlichbau der Infrastruktur wird dabei bis 2015 zumindest bereits durch den Rückgang der Ausbildungsbevölkerung verursacht.
  • 43. 40 DIE SITuATIOn DEr BIlDunGSAnBIETErKnapp vier Fünftel sehen hier den Hauptgrund für den Rück- Der Bedeutungsverlust des Übergangssystems im Vergleichgang. Diese demographische Entwicklung wird für knapp zwei zum Status quo bedeutet aus Sicht der Experten jedoch nicht,Drittel der Experten zumindest zusätzlich durch eine neue dass der damit verbundene finanzielle Aufwand automatischpolitische Schwerpunktsetzung verstärkt. zurückgeht. 64% gehen davon aus, dass die Kosten zur Finan- zierung des Übergangssystems zukünftig steigen werden. Abb. 6: Infrastrukturrückbau nach regionen These: regional betrifft diese 3 strukturschwache Entwicklung besonders ... regionen (N = 162) 2,5 2 1,5 Angabe der Mittelwerte mit 0 = Eintrittswahrscheinlichkeit ist null 1 = Eintrittswahrscheinlichkeit ist gering 1 2 = Eintrittswahrscheinlichkeit ist mittel 3 = Eintrittswahrscheinlichkeit ist hoch 0,5 0 West Ost (N = 159) Quelle: Prognos AG 2008 (N = 161) Abb. 7: Zukünftige Bedeutung des Übergangssystems Wahrscheinlichkeit: mittel hoch Übergangssystem 64% 13% wird kleiner (N = 119) Übergangssystem wächst 52% 6% (N = 119) 0% 20% 40% 60% 80% 100% Angabe in gültigen % Quelle: Prognos AG 2008
  • 44. AnGEBOT An DuAlEn AuSBIlDunGSPläTZEn 46 Angebot an dualen AusbildungsplätzenNach wie vor hat die duale Ausbildung für das System der dern mit 20.546 unvermittelten Bewerben gegenüber 15.953beruflichen Ausbildung einen zentralen Stellenwert. Die meis- freien Stellen.36ten Neuzugänge in das System der beruflichen Ausbildungkommen nach wie vor im Rahmen der dualen Ausbildung Zum 31. Dezember 2006 standen nach Angaben des BMBFunter. Der rechnerische Anteil der neuen Ausbildungsverträge 1.412.578 betrieblichen Ausbildungsplätzen 158.037 außer-an allen Schulabgängern 2007 betrug 66%.33 betriebliche Ausbildungsplätze gegenüber. Der Anteil der betrieblichen Ausbildungsverträge betrug damit knapp 89,9%. Das Verhältnis zwischen Ausbildungsangebot und Dabei unterschied sich die Verteilung zwischen betrieblichen-nachfrage fiel insbesondere in den Jahren 2004 bis 2006 sehr und außerbetrieblichen Ausbildungen in Ost- und West-ungünstig aus. 2006 betrug die Angebots-Nachfrage-Relation deutschland erheblich: Der Anteil der außerbetrieblichennur 94,6. Das bedeutete, dass auf 100 Ausbildungsplatzbewer- Ausbildung betrug in Ostdeutschland 28,4%, in den altenber rechnerisch nur 94,6 Ausbildungsstellen entfielen. 2007 Bundesländern nur 5%.37hat sich infolge des wirtschaftlichen Aufschwungs die Situa-tion auf dem Ausbildungsmarkt allerdings wieder entspannt. Die Entwicklung der außerbetrieblichen Ausbildungsver-2007 standen 654.967 Ausbildungssuchenden wieder 644.057 träge ist im Wesentlichen abhängig von politischen Finan-Ausbildungsplätze gegenüber. Vor diesem Hintergrund stieg zierungszusagen und -entscheidungen und wird derzeitauch die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge hauptsächlich finanziert über die Regelförderung der BA imerstmals wieder deutlich. 2007 wurden 625.914 neue Verträ- Rahmen des SGB III und Sonderprogramme des Bundes sowiege abgeschlossenen, dies bedeutete gegenüber 2006 eine der Länder.Zunahme von 8,6%. Damit konnte nach einer Phase einer starksinkenden Angebots-Nachfrage-Relation erstmals wieder Neben der außerbetrieblichen Ausbildung sind auch dieein Verhältnis von 98,3 Ausbildungsplatzangeboten für Verbundausbildung und damit auch überbetriebliche Bildungs-100 Bewerber erreicht werden.34 stätten wichtige Elemente der dualen Ausbildung. Beide Instru- mente zielen sowohl auf die Erhöhung der Ausbildungsbereit- Die sektorale Betrachtung macht deutlich, dass zwischen schaft von Unternehmen als auch auf die Sicherung und Erhö-2000 und 2006 vor allem das Ausbildungsplatzangebot im hung der Ausbildungsqualität in KMU. Mit der Reform des Be-Handwerk überproportional zurückgegangen ist (–20,1%). rufsbildungsgesetzes (BBiG) 2005 wurde die Bedeutung der Ver-Auch hat sich der Anteil der Ausbildungsverträge im Hand- bundausbildung (und der überbetrieblichen Bildungsstätten)werk an allen abgeschlossenen Verträgen von 35% auf 30,3% nochmals gesetzlich betont. Darüber hinaus fördern EU, Bundverringert und verzeichnet damit den größten Rückgang und Länder über spezifische Programme Verbundausbildungunter allen Sektoren. Dieser Rückgang wurde fast vollständig und die Einrichtung überbetrieblicher Ausbildungsstätten.kompensiert von einer steigenden Zahl an Ausbildungen imBereich Industrie und Handel. Ihr Anteil an allen Ausbildungs- Die Ausbildungsquote für Deutschland ist seit 1999 relativverträgen stieg im gleichen Zeitraum von 50,6% auf 55,6%.35 konstant bei knapp über 6% (vgl. Tabelle 7). Auch die Ausbil- dungsbetriebsquote nach Betriebsgröße hat sich in diesem Bereits auf Grundlage des bei den Arbeitsagenturen ge- Zeitraum nur marginal verändert (vgl. Tabelle 8).meldeten Ausbildungsangebots ist ein Mismatch von Angebotund Nachfrage auf dem Ausbildungsmarkt zu erkennen. 2007 Auch wenn die Zahl der Ausbildungsbetriebe von 2005betrug die Zahl der unbesetzten Ausbildungsplätze 18.359, auf 2006 um fast 18.000 Betriebe zugenommen hat, so zeigtdenen 29.102 Ausbildungssuchende ohne Ausbildungsplatz die Betrachtung seit 1999, dass trotz sehr konstanter Aus-gegenüberstanden. In den neuen Bundesländern und Berlin bildungs- und Ausbildungsbetriebsquote sowohl die Zahlist das Verhältnis dabei mit 8.551 Bewerben gegenüber 2.338 der Auszubildenden als auch die Zahl der Ausbildungsbetrie-offenen Stellen deutlich schlechter als in den alten Bundeslän- be abgenommen hat.33 Vgl. BMBF (Hrsg.) (008): Berufsbildungsbericht 008, Bonn, Berlin, Die Ausbildungsbeteilung der Unternehmen hängt S. 7 f. Aufgrund unterschiedlicher Abgrenzungen stimmen die Anga- ben zu Neuzugängen in das duale System des Berufsbildungsberichts dabei zentral von der Betriebsgröße ab: je größer das Unter- nicht mit den Angaben des Konsortiums Bildungsberichterstattung nehmen, desto größer auch die Ausbildungsbeteiligung überein. Diese Differenzen beeinflussen die Aussagen zu grundle- (vgl. Tabelle 9). Ausbildungsquote und Ausbildungsbetriebs- genden Entwicklungen nicht.3 Vgl. Autorengruppe Bildungsberichterstattung: Bildung in Deutsch land 008, S. 7, Tabelle E-A. 3 Vgl. ebd., S. 30, Tab. .3 Vgl. BMBF: Berufsbildungsbericht 008, S. . 37 Vgl. BMBF (Hrsg.): Berufsbildungsbericht 008, S. .
  • 45. 42 AnGEBOT An DuAlEn AuSBIlDunGSPläTZEn Tabelle 7: Beschäftigte, Auszubildende und Ausbildungsquote Differenz 1999 bis 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2006 Beschäftigte 27.756.492 27.979.593 27.864.091 27.360.497 26.746.384 26.381.842 26.205.969 26.636.361 –1.120.131 Auszubildende 1.759.931 1.779.376 1.787.469 1.738.013 1.704.034 1.700.093 1.706.858 1.728.332 –31.599 Ausbildungsquote 6,3 6,4 6,4 6,4 6,4 6,4 6,5 6,5 +0,2 Quelle: Autorengruppe Bildungsberichterstattung 2008; eigene Berechnungen 2009 Tabelle 8: Betriebe, Ausbildungsbetriebe und Ausbildungsbetriebsquote Betriebe/ Ausbildungs- Änderung betriebe/ 2004 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 Ausbildungs- gegenüber betriebsquote 1999 Betriebe 2.127.831 2.118.252 2.107.467 2.079.157 2.041.662 2.024.039 2.003.217 2.021.053 –106.778 Ausbildungs- 501.326 501.616 496.476 483.959 478.096 481.763 482.439 485.054 –16.272 betriebe Ausbildungs- 23,6% 23,7% 23,6% 23,3% 23,4% 23,8% 24,1% 24,0% +0,4% betriebsquote Quelle: Autorengruppe Bildungsberichterstattung 2008 Tabelle 9: Ausbildungsbetriebsquote für Deutschland nach Betriebsgröße Ausbildungsbetriebsquote in % 1999 2004 2005 2006 1 bis 9 Beschäftigte 16,6 16,9 17,1 16,9 10 bis 49 Beschäftigte 47,4 47,5 48,0 48,2 50 bis 499 Beschäftigte 68,9 69,9 70,5 70,4 500 und mehr Beschäftigte 91,4 90,7 90,8 90,5 Quelle: Berufsbildungsbericht 2006quote verhalten sich in Bezug auf die Unternehmensgröße  Wirtschaftliche Entwicklung operationalisiert über diejedoch genau gegensätzlich. Während die Ausbildungsbe- Entwicklung der Erwerbstätigkeittriebsquote für kleine Unternehmen geringer ist als in Großun-ternehmen, ist die Ausbildungsquote in kleinen Unternehmen  Fachkräftebedarf (Ersatz- und Neueinstellungen)höher als in Großunternehmen.  Ausbildungstradition des Betriebes Als zentrale Indikatoren für die zukünftige Ausbildungsbe-reitschaft der Unternehmen in der dualen Ausbildung werden  Ausbildungsreife der Schulabsolventen und Bewerbervor allem folgende Merkmale diskutiert:
  • 46. AnGEBOT An DuAlEn AuSBIlDunGSPläTZEn 43 Staatliche Unterstützung / Subventionen 6.2 Herausforderungen und Betriebs- und Praxisbezug der Ausbildungsinhalte sowie Perspektiven Organisation und bürokratischer Aufwand der AusbildungDie Entwicklungen dieser wichtigen Indikatoren sowie unternehmen in neu entstehendenerkennbare Trends werden im Folgenden beschrieben und Wirtschaftszweigen beteiligen sich wenigerhinsichtlich ihrer Auswirkungen auf die duale Ausbildung an dualer Ausbildunganalysiert. Vor dem Hintergrund, dass die Ausbildungsbereitschaft von Unternehmen auch von einer bereits bestehenden Ausbil- dungstradition abhängt, ist zu vermuten, dass gerade in den6.1 Mittelfristige Entwicklungen hochdynamischen neu entstehenden Wirtschaftsbereichen die Ausbildungsneigung deutlich geringer ausfallen wird. Daunklarer Ausbildungs- und Ersatzbedarf in den diesen Wirtschaftszweigen in einer wissensbasierten Gesell-unternehmen schaft voraussichtlich eine immer höhere Bedeutung zukom- men wird, wird eine entscheidende zukünftige Herausforde-Sowohl der Bedarf an Ersatz- als auch an Neueinstellungen rung darin bestehen, den Unternehmen adäquate Anreize zuhängt u.a. von der Altersstruktur der Betriebe ab. Wenn die bieten, sich an der dualen Ausbildung zu beteiligen.Mitarbeiter länger im Unternehmen verbleiben, kann derBedarf an Ersatz- und Neueinstellungen der Betriebe sinken. Anforderungen an Auszubildende werdenHier ist zu vermuten, dass sich zukünftig weitreichende Ver- deutlich zunehmenänderungen ergeben. Die Altersstruktur in den Betriebenwird sich aufgrund des demographischen Wandels deutlich Vor dem Hintergrund des Strukturwandels, der damit einher-zugunsten der Älteren verschieben. Darüber hinaus ist zu gehenden technologischen Entwicklung und der neuen An-vermuten, dass vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels, forderungen an die individuelle Beschäftigungsfähigkeit wer-der vielfältigen politisch initiierten Unterstützungsleistungen den die Anforderungen an Auszubildende und angehendezur Beschäftigung älterer Arbeitnehmer und zahlreicher Kam- Fachkräfte zukünftig weiter zunehmen. Es ist zu fragen, in-pagnen, die auf einen Bewusstseinswandel der Betriebe zielen, wieweit die bestehenden Schulstrukturen diesen neuen Anfor-der Trend zur Beschäftigung älterer Arbeitnehmer tendenziell derungen tatsächlich gerecht werden können. Dies gilt umsozunimmt. Fraglich ist, ob die Beschäftigung Älterer so weit mehr, wenn die mangelnde Integrationsfähigkeit der dualenzunimmt, dass es zu einer Verdrängung jüngerer Arbeitneh- Ausbildung, z.B. für Hauptschüler, weiterhin bestehen bleibtmer und zu einer Abnahme von Ausbildungsplätzen in den (vgl. Kapitel 5). Die beachtliche Zahl von über 18.000 nichtBetrieben kommt. besetzten gemeldeten Ausbildungsstellen 2007 verweist auf einen erheblichen qualifikatorischen Mismatch auf dem Aus- Unterstützt wird dieser Trend durch den Wandel der bildungsmarkt.Tätigkeitsstrukturen hin zu einer stärkeren Dienstleistungs-orientierung. Dieser Wandel macht es älteren Arbeitnehmern Entwicklung staatlicher Finanzierungs- undzunehmend möglich, länger als bisher berufstätig zu sein. Unterstützungsleistungen zur Erhöhung der Ausbildungsbeteiligung noch offen Nach dem Beschluss der schrittweisen Erhöhung des Ren-teneintrittsalters auf 67 Jahre werden erstmals mit Beginn des Staatliche Unterstützungsleistungen zur Erhöhung derJahres 2012 die Erwerbstätigen ab der Alterskohorte des Jahr- Ausbildungsbeteiligung können erhebliche Auswirkungengangs 1947 nicht mit 65 aus dem Arbeitsmarkt ausscheiden, auf das Angebot an Ausbildungsplätzen haben. Gleichzeitigsondern ihm schrittweise länger zur Verfügung stehen. Die Er- sind Prognosen über zukünftige politische Entscheidungenhöhung des Renteneintrittsalters erreicht ihre volle Wirkung kaum zu treffen. Unmittelbar abhängig von gesellschaftlichenim Jahr 2029, wenn die Erwerbstätigen ab der Alterskohorte Koalitionen und politischen Rationalitäten ist die Identifika-der 1964 geborenen erstmals mit 67 Jahren in Rente gehen. Das tion von Trends hier von hohen Unsicherheiten geprägt. Dasdem Arbeitsmarkt faktisch zur Verfügung stehende Erwerbs- Spektrum der aktuellen Debatte reicht von wiederkehrendenpersonenpotenzial wird sich durch diese Entwicklungen Argumenten zur Einführung von Ausbildungsplatzabgabenerhöhen. Dadurch kann auch der Bedarf an Auszubildenden für nicht ausbildende Unternehmen über verstärkte Selbst-für die Unternehmen sinken. Falls die vergleichsweise hohen verpflichtungen der Sozialpartner (vgl. Ausbildungspakt) bisBeschäftigungspotenziale unter der älteren Bevölkerung hin zur Ausweitung finanzieller Anreize für Ausbildungsbe-zukünftig besser genutzt und ausgeschöpft werden, kann sich triebe, wie sie derzeit vor allem zur Unterstützung leistungs-dies negativ auf das Ausbildungsangebot auswirken. schwacher Jugendlicher in vielfältiger Form bestehen.
  • 47. 44 AnGEBOT An DuAlEn AuSBIlDunGSPläTZEn6.3 Ergebnisse der Delphi-Befragung Ausgestaltung einzelner Berufsbilder wird nur ein geringer Einfluss auf die zukünftige Ausbildungsentscheidung von Unternehmen zugesprochen.Wie reagieren Unternehmen auf die sinkende Zahl der Schul-abgänger und den zu erwartenden Fachkräftemangel? Ins- Eine geringe Wahrscheinlichkeit wird der Ausweitung ko-gesamt wird die Ausbildungsbereitschaft im Wesentlichen operativer Modelle, z.B. der Verbundausbildung, Ausbildungs-stabil bleiben. Die befragten Experten gehen davon aus, dass netzwerken o.Ä., zugesprochen (vgl. Abb. 18). Dies gilt auch füres zu einer deutlichen Steigerung der Konkurrenz um Be- überbetriebliche Ausbildungsteile und -stätten. Die Unterneh-werber („War for Talents“) kommen wird. Da sich die Alters- men werden stattdessen in einem intensiven Wettbewerb umstruktur in den Unternehmen zugunsten älterer Mitarbeiter Köpfe gesehen.verschieben wird, werden Ausbildungsaktivitäten tendenziellintensiviert und jüngere Mitarbeiter eine stärkere Wertschät- Die Verbundausbildung wird als Instrument struktur-zung erfahren. schwacher Regionen zwar bestehen bleiben, sich jedoch auf die östlichen Bundesländer konzentrieren. In Westdeutsch- Insgesamt wird von den Experten nicht mit einer Auswei- land werden auch in Zukunft trotz Fachkräftemangel Aus-tung der Ausbildungsquote gerechnet. Potenzial besteht bildungsverbünde nur wenig verbreitet sein (vgl. Abb. 19).lediglich bei jungen und technologieintensiven sowie Dienst- Der Bezugsraum bleibt im Wesentlichen national: Auch inleistungsunternehmen, also in Unternehmen, die heute über grenznahen Regionen wird die Zahl grenzüberschreitendereine unterdurchschnittliche Ausbildungsbeteiligung verfü- Verbünde kaum zunehmen (58% der Experten).gen. Hauptgrund für eine Ausweitung der Ausbildungsan-strengungen wird in externen Faktoren wie dem Fachkräfte-mangel gesehen. Ausbildungsimmanenten Faktoren wie der Abb. 8: Kooperation und Konkurrenz in der beruflichen Ausbildung These: Die Zahl geeigneter 3 ... die Ausbildungsbereitschaft Bewerber für die vorhandenen der unternehmen abnimmt Ausbildungsplätze sinkt, (N = 129) 2,5 wodurch ... 2 1,5 Angabe der Mittelwerte mit 0 = Eintrittswahrscheinlichkeit ist null 1 = Eintrittswahrscheinlichkeit ist gering 1 2 = Eintrittswahrscheinlichkeit ist mittel 3 = Eintrittswahrscheinlichkeit ist hoch 0,5 0 ... unternehmen Ein- ... die Konkurrenz gangsvoraussetzungen um Bewerber senken zunimmt (N = 128) (N = 129) ... die Kooperation zwischen unternehmen zunimmt (N = 128) Quelle: Prognos AG 2008
  • 48. AnGEBOT An DuAlEn AuSBIlDunGSPläTZEn 45 Abb. 9: Zukünftige Bedeutung der Verbundausbildung These: Der Anteil der Verbund- 3 strukturschwache ausbildungsplätze nimmt zu. regionen (N = 164) regional betrifft diese Entwick- 2,5 lung besonders … 2 1,5 Angabe der Mittelwerte mit 0 = Eintrittswahrscheinlichkeit ist null 1 = Eintrittswahrscheinlichkeit ist gering 1 2 = Eintrittswahrscheinlichkeit ist mittel 3 = Eintrittswahrscheinlichkeit ist hoch 0,5 0 West Ost (N = 163) (N = 162) Quelle: Prognos AG 2008
  • 49. 46 VErWErTBArKEIT BEruFlIcHEr AuSBIlDunG7 Verwertbarkeit beruflicher AusbildungDie wesentliche Funktion der beruflichen Bildung ist es, das Damit setzt die Verwertbarkeit der ausbildungsbezoge-Beschäftigungssystem mit kompetenten und qualifizierten nen Qualifikationen einerseits Signale für die BerufswahlNachwuchskräften zu versorgen. In Zeiten des beschleunigten nachfolgender Generationen. Darüber hinaus hängt diesozioökonomischen Strukturwandels ist der Übergang von Zukunftsfähigkeit des Drei-Säulen-Modells der beruflichender Berufsausbildung in den Beruf nicht mehr selbstverständ- Bildung entscheidend davon ab, inwieweit die Ausbildungs-lich, sondern im Gegenteil eher schwierig geworden. An der qualifikationen bei einer anschließenden beruflichen TätigkeitSchwelle zum Berufsleben offenbaren sich die beruflichen und genutzt werden können. Arbeitsmarktresultate von Ausbil-materiellen Entwicklungschancen in Abhängigkeit von der dungsabsolventen sind also nicht zuletzt Kriterium, um dieAusbildung der Jugendlichen. Nicht zu vernachlässigen ist der erfolgreiche Gestaltung des Systems der beruflichen Bildungindividuelle und gesellschaftliche Nutzen, der als Ertrag von zu messen.Bildung und Bildungsinvestitionen abgeleitet werden kann.Diese sogenannte Bildungsrendite38 spiegelt sich letztlich Bereits die Wahl der Berufsausbildung – Ausbildung imim qualifikationsabhängigen Einkommen wider, dem die dualen System, vollschulische Ausbildung oder ein Start in diegetätigten Investitionen in die Ausbildung gegenübergestellt berufliche Ausbildung über die Schleife des Übergangssystemswerden müssen. – bestimmt den Erfolg des späteren Berufseinstiegs. Die enge Abb. 20: Entwicklung der vorzeitig gelösten Ausbildungsverträge, absolut, 2000 bis 2005 180.000 160.000 140.000 120.000 100.000 80.000 60.000 40.000 20.000 0 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 Deutschland Früheres Bundesgebiet (ohne Berlin) Neue Länder (einschl. Berlin) Quelle: Statistisches Bundesamt 200838 „Als Bildungsrendite wird üblicherweise der prozentuale Zugewinn am Verflechtung des Bildungs- und Beschäftigungssystems im Arbeitseinkommen verstanden, den ein Individuum aufgrund einer zu- Rahmen der betrieblichen Ausbildung (duales System) führt sätzlichen Bildungsmaßnahme bzw. einer zusätzlichen Humankapital- investition erzielt“ (Pohlmeier, Winfried [00]: Bildungsrendite. Vortrag tendenziell zu einem reibungsloseren Berufseinstieg der vorbereitet für den BMBF-Workshop „Investition in das Humankapital, S. ). Absolventen als die vollschulische Ausbildung oder eine au-
  • 50. VErWErTBArKEIT BEruFlIcHEr AuSBIlDunG 47 Tabelle 0: lösungsquoten in %, 2000 bis 2005 lösungsquoten für Ausbildungsverträge 2000 bis 2005 land 2000 200 2002 2003 2004 2005 2006 Deutschland 20,2 23,7 24,1 21,9 21,0 19,9 19,8 Alte Länder 23,4 23,3 23,5 21,6 20,4 19,3 18,9 Neue Länder und Berlin 24,7 25,0 26,1 22,8 23,0 21,7 23,0 Quelle: Statistisches Bundesamt 2008ßerbetriebliche Ausbildung. Ohne abgeschlossene Berufsaus- zubildenden (rund 69%) löst den Ausbildungsvertrag im ersten,bildung steigt die Wahrscheinlichkeit, dass kein reibungsloser nur 10% im letzten Ausbildungsjahr.Berufseinstieg gelingt, erheblich an. Rund 45% aller jugend-lichen Arbeitslosen (Personen unter 25 Jahren) haben keine Für die Gruppe derjenigen, die ihre Ausbildung ersatzlosabgeschlossene Berufsausbildung. Darunter fallen auch die beenden und auf eine weitere Ausbildung verzichten, ver-Teilnehmer des Übergangssystems. Die Zunahme der Neuzu- schlechtern sich die Chancen für eine erfolgreiche Integrationgänge im Übergangssystem zeigt, dass diese Risikogruppe des in den Arbeitsmarkt erheblich. Als Ursache werden nebenArbeitsmarktes in den letzten Jahren deutlich gewachsen ist.39 Veränderungen in der Erwerbslandschaft und der sinkenden Nachfrage nach niedrig qualifizierten Tätigkeiten auch die Die Zahlen zur Vertragsauflösungsquote40 bei Auszubil- mangelnde soziale Durchlässigkeit und die soziale Undurch-denden liegen durchschnittlich unter den Abbruchquoten im lässigkeit unserer Gesellschaft diskutiert.43tertiären Bereich von Studienanfängern an Hochschulen (Uni-versitäten und Fachhochschulen). Nicht nur im Vergleich zu Das Modell des internen Arbeitsmarktes, nach dem Be-anderen Bildungswegen, sondern insbesondere auch bei der triebe auf den eigenen ausgebildeten Nachwuchs zurückgrei-Betrachtung des zeitlichen Verlaufs wird deutlich, dass die vor- fen, galt in der Vergangenheit als einer der entscheidendenzeitige Lösung von Ausbildungsverträgen seltener wird. Heute Vorteile der deutschen Wirtschaft im internationalen Ver-wird etwa jeder fünfte Ausbildungsvertrag wieder gelöst (19,8% gleich. Der Blick in die Übernahmequoten der Betriebe zeigtin 2006).41 In den neuen Ländern einschl. Berlin sind die Quo- deutlich, dass die Zahl erfolgreicher Übernahmen von Lehrlin-ten insgesamt etwas höher, jedoch gehen sie im Betrachtungs- gen nach Beendigung der Ausbildung stark gesunken ist.zeitraum ebenfalls zurück (s. Abbildung 20; Tab. 10). Die Übernahmequoten waren auch in der Vergangenheit Eine genauere Betrachtung zeigt, dass knapp zwei Drittel in Abhängigkeit von Betriebsgröße, Wirtschaftszweig und(62%) der Auszubildenden, die einen Vertrag vorzeitig lösen, Regionen heterogen, jedoch wird die negative Entwicklungim Ausbildungssystem verbleiben und auf betrieblichem oder der Übernahmequoten in den letzten Jahren vor allem alsvollschulischem Weg eine Ausbildung abschließen. Aus zahl- Resultat der ökonomisch-konjunkturellen Entwicklung gewer-reichen Studien ist bekannt, dass als Gründe für die vorzeitige tet: Die schlechte gesamt- und einzelwirtschaftliche Lage derAuflösung von Ausbildungsverträgen ungeklärte Fragen der Unternehmen äußert sich in Zurückhaltung bei verbindlichenBerufswahl und der beruflichen Orientierung zu Beginn einer Personalentscheidungen (vgl. Tab. 11).Ausbildung im Vordergrund stehen. Enttäuschte Erwartungen(42%) werden am häufigsten genannt.42 Der größte Teil der Aus- Weniger erfolgreich gelingt der Übergang an der zweiten Schwelle den Absolventen vollschulischer Ausbildungen bzw.39 Blossfeld, Hans-Peter (993): Die Bedeutung der Bildung im Arbeits- Ausbildungen im Übergangssystem. Die Lebensverlaufsstudie einkommensverlauf – Theoretische Ansätze im Lichte der Ergebnisse des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung zeigt, dass sich einer Längsschnittuntersuchung, in: Reinar Lüdeke (Hrsg.): Bildung, die Übergangsphase zwischen Schule und Aufnahme der Erst- Bildungsfinanzierung und Einkommensverteilung I, Berlin, S. 8–0; Struck, Olaf/ Simonson, Julia (000): Übergänge im Erwerbsleben. erwerbstätigkeit für diese Gruppen zusätzlich verlängert.44 Theoretische Konzepte und empirische Befunde zur betrieblichen Lebenslaufpolitik. in: George, Rainer / Struck, Olaf (Hrsg.): Generatio- tina, K. S. / Baumert, J. / Leschinsky, A. / Mayer, K. U. / Frommer, L. (Hrsg.): nenaustausch im Unternehmen, München/Mehring, S. –. Das Bildungswesen in der Bundesrepublik Deutschland, Reinbek, 0 Dabei ist die Vertragslösung nicht immer mit einem endgültigen Hamburg, S. –8. Abbruch der betrieblichen Ausbildung gleichzusetzen. Oftmals verblei- 3 Dietrich, Hans / Abraham, Martin (00): Eintritt in den Arbeitsmarkt, ben die Auszubildenden im System der betrieblichen Ausbildung und in: Abraham, Martin / Hinz, Thomas (Hrsg.): Arbeitsmarktsoziologie, wechseln den Beruf oder Betrieb. Wiesbaden, S. 9–98. BMBF (Hrsg.): Berufsbildungsbericht 008, S. , Übersicht 7. Z.B. Hillmert, Steffen (00): Ausbildungssysteme und Arbeitsmarkt. Vgl. für diese Diskussion: Baethge, Martin (003): Das berufliche Lebensverläufe in Großbritannien und Deutschland im Kohortenver- Bildungswesen in Deutschland am Beginn des . Jahrhunderts, in: Cor- gleich.
  • 51. 48 VErWErTBArKEIT BEruFlIcHEr AuSBIlDunG Tabelle : Übernahmequoten nach Betriebsgrößen Übernahmequoten nach Betriebsgröße, in % 2000 bis 2006 2000 200 2002 2003 2004 2005 2006 Alte länder1 bis 9 Beschäftigte 45,7 44,3 46,6 49,3 39,1 47,0 44,410 bis 49 Beschäftigte 59,7 50,6 51,4 53,9 51,7 49,7 56,050 bis 499 Beschäftigte 65,3 65,5 61,8 57,5 59,0 57,4 57,3500 und mehr Beschäftigte 72,4 76,9 72,1 69,4 66,2 68,0 72,5Insgesamt 60,4 58,8 57,0 56,7 53,8 55,0 57,0 neue länder1 bis 9 Beschäftigte 48,8 41,3 39,6 30,2 37,1 31,9 43,510 bis 49 Beschäftigte 49,5 45,9 49,8 43,8 48,7 49,4 47,050 bis 499 Beschäftigte 40,7 43,7 42,4 39,4 41,4 33,5 41,5500 und mehr Beschäftigte 48,3 35,9 43,5 36,9 33,2 30,0 45,8Insgesamt 46,0 42,7 44,1 38,7 41,2 37,4 44,2 Quelle: Autorengruppe Berufsbildungsberichterstattung 2008 Abb. 2: Berufswechselquoten Anteile in % 30 Männer 25 20 Frauen 15 10 1977 1980 1983 1986 1989 1992 1995 1998 2001 2004 Absolventenjahrgänge Quelle: Beschäftigten- und Leistungsempfängerhistorik 1977–2004; die Werte für 1991 können wegen Änderungen im Meldeverfahren nicht ausgewiesen werden. © IAB
  • 52. VErWErTBArKEIT BEruFlIcHEr AuSBIlDunG 49 Der gelungene Übergang im erlernten Beruf gilt als zu- lungen für die erfolgreiche Verwertung von Abschlüssen dersätzlicher Erfolgsindikator: Durch einen Verbleib im erlernten beruflichen Ausbildung auf dem Arbeitsmarkt:Berufsfeld können Auszubildende und Betriebe optimal an dieerlernten Fähigkeiten und sozialen Bindungen der Lehrzeit  Wirtschaftliche Entwicklung als Rahmenbedingung füranschließen. In den vergangenen Jahren ist der Übergang die Übernahme- und Einstellungspraxis der Betriebeinnerhalb des erlernten Berufsfeldes durchschnittlich 80% derAusbildungsabsolventen gelungen.45 Die Berufswechselquote  Strukturwandel als Einflussfaktor für die Übernahmen inunter den Ausbildungsabsolventen ist dabei im Stützzeitraum der dualen Ausbildungleicht angestiegen (vgl. Abbildung 21). Hauptursache für denBerufswechsel ist die Nichtübernahme durch den ausbilden-  Fachkräftebedarf der Unternehmen vs. Qualifikationen derden Betrieb, was in vielen Fällen zunächst zu einer Phase der Auszubildenden (qualifikatorischer Mismatch)Arbeitslosigkeit führt. Studien belegen, dass zwischen Wech-selhäufigkeit und konjunktureller Lage Zusammenhänge Wirtschaftliche Entwicklung beeinflusst diebestehen.46 Übernahme- und Einstellungspraxis Die Übernahme- und Einstellungsbereitschaft der Betriebe hängt entscheidend von der wirtschaftlichen Entwicklung ab.7.1 Mittelfristige Entwicklungen Gemäß den Prognosen des Prognos Deutschland Reports wird das Bruttoinlandsprodukt in Deutschland bis zum Jahr 2030Wesentliche Fragestellungen für die zukünftige Gestaltung um jahresdurchschnittlich 1,4% zunehmen (vgl. Tab. 12). Dieund Entwicklung der beruflichen Bildung beziehen sich auf Wirtschaftsleistung steigt in diesem Zeitraum nominal vondie quantitative und qualitative Dimension des Übergangs heute 2,22 Billionen Euro auf 4,35 Billionen Euro an. Zwar zeigtzwischen Ausbildung und Beruf: Wie groß ist der Anteil der- die gesamtwirtschaftliche Entwicklung in diesem Zeitraumjenigen, die ihre Ausbildung vorzeitig beenden und nicht in keine Dynamik, jedoch gelangt die deutsche Wirtschaft all-den Beruf eintreten? Welchen Umfang haben die Übergangs- mählich auf einen höheren Wachstumspfad.quoten? Mit welcher Qualifikation treten die Jugendlichen inden Arbeitsmarkt ein? Von welchen Determinanten hängt der Der Strukturwandel beeinflusst auch dieErfolg beim Berufseintritt ab? Übernahmequoten Dabei bilden insbesondere absehbare Veränderungen Insbesondere in den traditionell ausbildungsstarken Wirt-in drei Bereichen den Rahmen für die zukünftigen Entwick- schaftszweigen wie bspw. dem produzierenden Gewerbe oder Abb. 22: Arbeitsmarktungleichgewichte Arbeitslosenquote niedrig hoch hoch Mangel Mismatch Abgeschlossener Überangebot Teilarbeitsmarkt niedrig Vakanz Quelle: Prognos AG 2008 Vgl. hierzu: Seibert, Holger (007): Wenn der Schuster nicht bei seinem auch im Baugewerbe sind die Übernahmequoten um rund 10% Leisten bleibt …, in: IAB-Kurzbericht Nr. /007. gesunken. Lediglich bei den Dienstleistungsbranchen blieben Haas, Anette (00): Arbeitsplatzmobilität nach Abschluss einer dualen Berufsausbildung. IAB-Historikdatei 99 bis 997. IAB Werkstattbe- die Übernahmequoten in den letzten Jahren stabil oder stiegen richt 03/00. leicht an.
  • 53. 50 VErWErTBArKEIT BEruFlIcHEr AuSBIlDunG Tabelle 2: Bruttoinlandsprodukt und Hauptverwendungskomponenten, absolut und Veränderung in %, 2004–2030 in Mrd. € 2004 200 205 2020 2025 2030 Bruttoinlandsprodukt 2.119 2.312 2.508 2.687 2.857 3.016 Private Konsumausgaben 1.239 1.322 1.432 1.528 1.616 1.693 Konsumausgaben des Staates 394 397 418 444 480 517 Bruttoanlageinvestitionen 397 441 497 547 589 620 Exporte 855 1.198 1.414 1.623 1.832 2.041 Importe 765 1.049 1.257 1.664 1.664 1.860 Außenbeitrag 90 149 157 164 168 181 in % p.a. 2004-0 200-5 205-20 2020–25 2025–30 2004–30 Bruttoinlandsprodukt 1,5 1,6 1,4 1,2 1,1 1,4 Private Konsumausgaben 1,1 1,6 1,3 1,1 0,9 1,2 Konsumausgaben des Staates 0,1 1,0 1,2 1,6 1,5 1,1 Bruttoanlageinvestitionen 1,8 2,4 1,9 1,5 1,0 1,7 Exporte 5,8 3,4 2,8 2,5 2,2 3,4 Importe 5,4 3,7 3,0 2,7 2,2 3,5 Quelle: Prognos AG, Deutschland Report 2030Auf dem Ausbildungsmarkt besteht einqualifikatorischer Mismatch 7.2 Herausforderungen und PerspektivenBereits heute beklagen Unternehmen, ihren Fachkräftebedarfnicht decken zu können. Der Widerspruch zwischen fehlenden Angesichts des prognostizierten Fachkräftemangels kann esAusbildungsplätzen und nicht zu besetzenden offenen Stellen sich die Gesellschaft nicht leisten, Jugendliche ohne adäquatespiegelt wider, was in der Diskussion über den Fachkräfteman- Ausbildung und Arbeit zu lassen. Vielmehr gilt es, möglichstgel häufig übersehen wird: Dass es sich nicht nur um ein allen Jugendlichen eine Chance zu geben, ihre Fähigkeiten zuquantitatives, sondern auch um ein qualitatives Problem am entfalten und sich in der Arbeitswelt zu bewähren.Arbeitsmarkt handelt (s. Abbildung 22). Gering qualifizierte Jugendliche bleiben eine Aussagen, dass das Arbeitskräfteangebot – bedingt durch Problemgruppe für den Arbeitsmarktdie demographische Entwicklung und Abwanderung – zurück-gehen wird, bleiben an der Oberfläche, wenn nicht aufgezeigt Insbesondere für niedrig qualifizierte Jugendliche, Teilnehmerwerden kann, für welche Tätigkeiten in welchen Branchen des Übergangssystems bzw. diejenigen, die die AusbildungFachkräfte benötigt werden. Der Mismatch wird durch Berufs- ohne einen Abschluss verlassen, wird es zukünftig immerwahlentscheidungen verstärkt, die sich nicht am Marktbedarf schwieriger werden, den Übergang in Beschäftigung zu schaf-orientieren. Eine entsprechende Entwicklung ist für die aka- fen. Auch die erwartbare quantitative Entlastung aufgrunddemischen Berufe in den Ingenieur- und Naturwissenschaften der sinkenden Anzahl an Ausbildungsanfängern wird dasseit einigen Jahren zu beobachten. Auch die Berufswahlpräfe- Übergangssystem nicht überflüssig werden lassen. Trotz einerrenzen von Jugendlichen in der dualen Ausbildung orientie- möglichen Entspannung durch die Vermittlung einer größe-ren sich nur selten am Marktbedarf. Mit Kfz-Mechaniker und ren Anzahl Jugendlicher in die reguläre Ausbildung werdenFriseurin stehen seit Jahren Berufswünsche ganz oben, die nur weiterhin Jugendliche ohne Ausbildungsplatz bleiben.eingeschränkt Perspektiven für die Jugendlichen beinhalten. Steigende nachfrage nach qualifizierten Absolventen Für qualifizierte Absolventen der dualen Ausbildung ist anzu- nehmen, dass sich die Übergangsquoten verbessern. Für die
  • 54. VErWErTBArKEIT BEruFlIcHEr AuSBIlDunG 5Absolventen vollschulischer Ausbildungen ist die Entwicklung Durchführung einer Ausbildung bedeutet insbesondere fürschwer einzuschätzen. Aufgrund der zu erwartenden Zunah- kleine und mittlere Betriebe eine in vielen Fällen erheblicheme und Aufwertung der vollschulischen Ausbildungsgänge Investition, die sich nur rentiert, wenn der Auszubildende demkönnte sich der Übergang in Beschäftigung auch hier verbes- Betrieb langfristig als Nachwuchskraft zur Verfügung steht.sern. Sinkende Übernahmequoten signalisieren damit u.U. auch sin- kende Renditen für Unternehmen bei eigener Ausbildung desDie Modularisierung reduziert Abbrüche, erhöht Fachkräftenachwuchses, die sich mittelfristig negativ auf dieaber die Dynamik der Berufswechsel Ausbildungsbereitschaft von Unternehmen auswirken können.Die zunehmende Modularisierung der beruflichen Ausbildung Diese negativen Auswirkungen sind dabei relativ unab-wird sich auf die Berufswahlorientierung und damit die Ab- hängig von den Gründen der Aufweichung. Eine unsicherebruchquoten auswirken. Einerseits ist damit zu rechnen, dass wirtschaftliche Lage, eine fehlende BedarfsgerechtigkeitBerufsorientierung und Berufswahl durch die Vielzahl (neuer) der beruflichen Ausbildung und negative Erfahrungen mitBerufe und Berufsbilder erschwert werden. Je komplexer das Auszubildenden bzw. deren Ausbildungsreife können sich hierSystem der beruflichen Ausbildung, desto schwieriger wird gegenseitig verstärken.es für die Jugendlichen, „ihren“ Beruf zu finden. Andererseitsist davon auszugehen, dass durch die zunehmenden Wahl-möglichkeiten und die Übertragbarkeit von Teilleistungenin unterschiedliche Ausbildungsfelder und -gänge Fehlent- 7.3 Ergebnisse der Delphi-Befragungscheidungen bei der Berufswahl nicht mehr automatisch zumvorzeitigen Abbruch führen. Vorzeitige Vertragslösungen Übernahmequoten werden zukünftig nicht sinkenaufgrund falscher Berufswahl sollten so minimiert werden. Trotz der Abhängigkeit von konjunkturellen EntwicklungenDie Aufweichung von Übernahmequoten kann auf sehen die Experten keinen Grund zu der Annahme, dass sichdie Ausbildungsbereitschaft von unternehmen die Übernahmequoten und damit die Verwertbarkeit der be-zurückwirken ruflichen Ausbildung zukünftig deutlich verringern werden. Nicht einmal jeder zehnte Experte hält ein solches Negativ-Insgesamt kann die konstatierte Aufweichung der Übernah- szenario für plausibel. Auch eine zunehmende Konkurrenzmepraxis der Betriebe als Bedrohung für die betriebliche um Fachkräftenachwuchs wird sich nicht in einer höherenAusbildung wahrgenommen werden. Die Aufnahme und Zahl an Ausbildungsabbrechern bzw. der vorzeitigen Vertrags- Abb. 23: Zusammenhang zwischen Fachkräftemangel und Verwertbarkeit der beruflichen Ausbildung These: Der Mangel an qualifizierten Fachkräften führt zu einer steigenden Übernahme- und Einstellungspraxis der Betriebe. Dies gilt für Absolventen ... Wahrscheinlichkeit: mittel hoch ... der dualen 59% 39% Ausbildung (N = 130) ... der vollzeitschulischen Ausbildung 56% 4% (N = 130) 0% 20% 40% 60% 80% 100% Angabe der Mittelwerte mit 0 = Eintrittswahrscheinlichkeit ist null 2 = Eintrittswahrscheinlichkeit ist mittel 1 = Eintrittswahrscheinlichkeit ist gering 3 = Eintrittswahrscheinlichkeit ist hoch Quelle: Prognos AG 2008
  • 55. 52 VErWErTBArKEIT BEruFlIcHEr AuSBIlDunG Abb. 24: Verwertbarkeit schulischer Ausbildungsformen These: Trotz formaler Gleichstellung von vollzeitschulischer und dualer Ausbildung bevorzugen unter- nehmen an der zweiten Schwelle Absolventen der dualen Ausbildung (n = 29) Wahrscheinlichkeit Hoch 86% Mittel 12% Gering 1% Null 1% 0% 20% 40% 60% 80% 100% Angabe in gültigen % Quelle: Prognos AG 2008lösungen niederschlagen. Hier wird sich nach Einschätzung Arbeitsplatz trotz Fachkräftemangel nicht. Weniger als 10% derder Experten im Vergleich zum Status quo keine signifikante Experten sehen für diese Gruppen durch den Fachkräfteman-Veränderung ergeben. gel erhöhte Einstellungschancen. Damit kann für die Zukunft von einer gleichbleibenden Dualität auch zukünftig zentrale Voraussetzunghohen Attraktivität und Verwertbarkeit der beruflichen Aus- für Verwertbarkeitbildung ausgegangen werden. Investitionen in Ausbildungwerden sich für die Unternehmen auch zukünftig lohnen. Im Trotz aktueller Tendenzen, schulische Ausbildungsteile undGegenteil wird die Ausbildung von qualifiziertem Fachkräf- -formen formal mit der dualen Ausbildung gleichzustellen,tenachwuchs für die Unternehmen eher noch attraktiver. ist die Dualität der Ausbildung für die Unternehmen nach Einschätzung der Experten auch zukünftig ein entscheidendesnachfrage nach qualifizierten Absolventen steigt Kriterium für die Verwertbarkeit der beruflichen Ausbildung. 56% halten es für unwahrscheinlich, dass zunehmend mehr Tä-Der Fachkräftemangel wird die Verwertbarkeit der beruf- tigkeiten eine vollzeitschulische Ausbildung voraussetzen. Imlichen Ausbildung bereits kurzfristig bis 2015 erhöhen. Für Gegenteil werden an der zweiten Schwelle Absolventen dualerqualifizierten Fachkräftenachwuchs werden sich aus Sicht der Ausbildungsformen von den Unternehmen auch zukünftigExperten zukünftig die Einstellungs- und Übernahmechancen bevorzugt werden (vgl. Abbildung 24).verbessern. Alternde Belegschaften wirken sich hier nicht aufdie Übernahmequoten in den Betrieben aus. Im Gegenteil: Trotz der Bemühungen um die formale Aufwertung schu-Für Absolventen einer dualen Ausbildung wird von 98% der lischer Ausbildungsgänge und -formen ist es vor diesem Hin-Experten mit steigenden Übernahmequoten gerechnet. Für tergrund aus Sicht der Experten auch unwahrscheinlich, dassAbsolventen vollzeitschulischer Ausbildungsgänge sehen 62% alle Ausbildungsberufe zukünftig sowohl vollzeitschulischder Experten höhere Einstellungschancen (vgl. Abbildung 23). als auch dual erlernt werden können. Nur für 2% der Experten stellt dies eine realistische Zukunftsoption dar. Auf der anderen Seite führt der Fachkräftemangel je-doch nicht dazu, dass Unternehmen ihre Anforderungen anSchulabsolventen und potenzielle Auszubildende senken. FürJugendliche im Übergangssystem und Ausbildungsabbre-cher erhöhen sich die Chancen auf einen Ausbildungs- oder
  • 56. OrGAnISATIOn BEruFlIcHEr BIlDunG 538 Organisation beruflicher BildungVor dem Hintergrund einer dynamischen technologischen ren. Hier wird die eingeschränkte Vergleichbarkeit derEntwicklung, steigender Flexibilitäts- und Qualifizierungsan- deutschen mit der europäischen Systematik kritisiert.forderungen in einer wissensbasierten Ökonomie sowie derHarmonisierungsbestrebungen der EU werden auch an die In aktuellen Reformprozessen wird dieser Handlungsbe-Gestaltung, Organisation und Finanzierung der beruflichen darf in Teilen bereits aufgegriffen. Flexibilisierungs- undBildung neue Anforderungen gestellt. Verschärft werden die Modernisierungsprozesse wurden z.B. mit der Novelle desAnforderungen durch den in Kapitel 5 skizzierten tenden- Berufsbildungsgesetzes (BBiG) 2005 eingeleitet. Im Folgen-ziellen Bedeutungsverlust der dualen Ausbildung, die Aus- den werden zentrale, bereits umgesetzte Reformschritteweitung des Übergangssystems und den damit verbundenen kurz geschildert. Anschließend werden weiter gehendeIntegrationsdefiziten. Reformvorschläge diskutiert und in ihrer Bedeutung für die zukünftige Entwicklung der Organisation der beruflichenModernisierung und Flexibilisierung im rahmen Ausbildung bewertet.des BBiG Zum 1. August 2007 existierten in Deutschland 344 aner-In Anbetracht dieser Entwicklungen wird ein zunehmender kannte Ausbildungsberufe.47 Anpassungen der Ausbildungs-Modernisierungs- und Flexibilisierungsbedarf für die be- ordnungen werden je nach Reform- und Anpassungsbedarfenrufliche Bildung diskutiert. Dabei stehen unterschiedliche in den einzelnen Berufs- und Wirtschaftszweigen beständigAspekte in der Kritik, die sich wie folgt zusammenfassen lassen: vorgenommen. Dennoch hat die Dynamik der Anpassungen in den letzten Jahren erheblich zugenommen. Während im Von einer erhöhten ökonomischen und technologischen Zeitraum von 1980 bis 1996 jährlich im Durchschnitt gut Dynamik wird die Notwendigkeit abgeleitet, Ausbil- 11 Ausbildungsberufe neu eingeführt oder modernisiert wor- dungsinhalte schneller und flexibler an aktuelle und sich den sind48, waren es im Zeitraum von 1996 bis 2008 durch- ändernde Bedarfe von Unternehmen anzupassen. schnittlich 23 pro Jahr.49 Dem Anpassungsbedarf der Ausbil- dungsinhalte sowie der wachsenden Bedeutung neuer Berufs- Ein flexibles Ausbildungssystem, das das Postulat des felder wird damit bereits Rechnung getragen. Betrachtet man lebenslangen Lernens ernst nimmt und gleichzeitig den die Gesamtsumme der modernisierten bzw. neu geschaffenen bestehenden Integrationsdefiziten effektiv begegnen Berufe, wird deutlich, dass zwischen 1996 und 2008 mit will, sollte die Durchlässigkeit zwischen den unterschied- 294 Berufen rund 85% der bestehenden Ausbildungsberufe lichen Säulen der beruflichen Ausbildung erhöhen. Damit Gegenstand von Neuordnungsprozessen waren.50 verbunden ist die Forderung nach einer verbesserten vertikalen Integration von Formen der beruflichen Aus- Die Verfahrensvereinfachung zur Modernisierung und Ein- bildung, die nicht zu einem qualifizierten Berufsabschluss führung neuer Ausbildungsberufe wurde mit der Novellierung führen, sowie die verbesserte Integration weiterführender des BBiG 2005 vorangetrieben. Auch der Forderung nach einer allgemeinbildender Schulabschlüsse sowie von tertiären stärkeren vertikalen Integrationsfähigkeit des Systems der Ausbildungsformen. beruflichen Ausbildung ist durch jüngste Reformen in Teilen bereits Rechnung getragen worden. Die Monoberuflichkeit des deutschen Systems der be- ruflichen Ausbildung wird infrage gestellt. Eine stärkere  Über die mögliche Gleichstellung von schulischen Berufs- Flexibilisierung erfordert eine ausgeprägte Kompetenz- ausbildungszeiten in anerkannten Ausbildungsberufen orientierung anstelle der Orientierung an abgegrenzten mit betrieblichen Ausbildungszeiten werden neue Koope- Berufen. Gefordert wird damit eine verbesserte horizontale rationsformen zwischen Schulen und Betrieben in der Integration einzelner Ausbildungsberufe und -formen. Der beruflichen Ausbildung möglich. Damit können nicht nur Übergang zwischen einzelnen Berufen soll erleichtert, die fehlende betriebliche Ausbildungskapazitäten ausgegli- Flexibilität der Ausbildungsabsolventen erhöht werden. chen und/oder Potenziale besser ausgeschöpft werden Gleichzeitig würde die Integration von leistungsschwä- cheren Jugendlichen in das System der beruflichen Ausbil- 7 Vgl. BMBF (Hrsg.): Berufsbildungsbericht 008, S. 0. dung verbessert. 8 Vgl. Euler, Dieter / Severing, Eckart (00): Flexible Ausbildungswege in der Berufsbildung, Nürnberg / St. Gallen, S. 7. 9 Vgl. BIBB (Hrsg.) (008): Neue und modernisierte Ausbildungsberufe  Ein einheitlicher europäischer Ausbildungsmarkt verlangt 008. Kurzbeschreibungen, S. . vergleichbare und anschlussfähige Zertifizierungsverfah- 0 Vgl. ebd.
  • 57. 54 OrGAnISATIOn BEruFlIcHEr BIlDunG (bspw. durch Ausbildungsverbünde in der Trägerschaft von werden. Auch die verstärkte Förderung europäischer Schulen), sondern es wird auch die vertikale Integration Ausbildungsverbünde trägt dieser Entwicklung Rechnung. verbessert. Die Reformen streben an, es Betrieben zu erleichtern, gemäß Die Anrechnung von Qualifikationen, die in berufsvor- ihren Bedürfnissen Fachkräfte flexibel und passgenau durch bereitenden Maßnahmen erworben werden, wurde entsprechende Ausbildungsgänge zu qualifizieren. Umge- erleichtert. Zertifizierbare Qualifikationsbausteine wurden kehrt will man auch den Auszubildenden so ein bedarfs- zu einem zentralen Element der Berufsvorbereitung gerechtes und leistungsdifferenziertes Angebot machen. gemacht und verkürzen so Warteschleifen und Ausbil- Leistungsschwächere Jugendliche sollen besser in qualifizie- dungszeit. Die Effizienz der Ausbildungszeit erhöht sich, rende berufliche Ausbildungen integriert und Aufstiegs- bzw. Mehrfachbeschulungen werden vermieden. Weiterqualifizierungen für besonders leistungsstarke Jugend- liche erleichtert werden. Schülerinnen und Schülern von vollzeitschulischen Aus- bildungsangeboten wurde der Zugang zu Kammerprü- Finanzierung beruflicher Bildung fungen erleichtert. Charakteristisch für die Finanzierung der beruflichen Aus- Berufliche Ausbildungsabschlüsse können zukünftig bildung in Deutschland ist ihre Mischfinanzierung über die besser mit weiterführenden Schulabschlüssen verbunden unterschiedlichen Gebietskörperschaften sowie die Ausbil- werden. Die formale Gleichwertigkeit allgemeinbildender dungsbetriebe. und beruflicher Bildung wird weiter ausgebaut. Die Bildungsausgaben je Teilnehmer im dualen System sind Zusatzqualifikationen werden als eigenständige, geson- im Vergleich unterschiedlicher Bildungsgänge am höchsten. dert zu zertifizierende Leistungen eingeführt. Fort- und 2005 betrugen die Kosten für einen Bildungsteilnehmer im Weiterbildung können damit schon während der beruf- dualen System 10.900 Euro. 2.200 Euro je Teilnehmer entfielen lichen Ausbildung begonnen werden dabei auf die Ausbildungsteile in den Berufsschulen, weitere 8.700 Euro auf die betrieblichen Ausbildungsteile. DamitAuch die horizontale Integration der beruflichen Ausbildung sind die Kosten für die duale Ausbildung fast doppelt so hochmit der damit verbundenen stärkeren Kompetenzorientierung wie die Kosten je Bildungsteilnehmer an Universitäten, diewurde in den letzten Jahren verstärkt: 5.700 Euro betrugen – allerdings ohne Berücksichtigung der Forschungsausgaben. Die Ausbildungsvergütung ist in den Ausbildungsordnungen wurden flexibilisiert. Durch die aufgeführten Kosten nicht berücksichtigt.53 Schaffung von Wahlmöglichkeiten zwischen einzelnen Fachrichtungen, Schwerpunkten und Wahlqualifikationen 2006 betrugen die Gesamtkosten für die duale Ausbildung sowie die Zusammenfassung zu verwandten Berufsgrup- nach Schätzungen des BMBF 34,763 Milliarden Euro.54 Die Trä- pen und die mögliche Definition von Einsatzgebieten wird ger dieser Gesamtkosten sind in Abbildung 25 wiedergegeben. die Modularisierung vorangetrieben. Die Ausgaben für die beruflichen Schulen betrugen im Jahr Die dreijährigen Ausbildungsgänge der dualen Ausbil- 2005 7,2 Milliarden Euro. Knapp 2,9 Milliarden Euro entfal- dung wurden verstärkt durch zweijährige Ausbildungs- len dabei auf Teilzeitberufsschulen im dualen System (in der berufe ergänzt (in Ausnahmefällen auch nur 18-monatige obigen Gesamtsumme mit eingerechnet), 2,4 Milliarden Euro Ausbildungsdauer). Der Anteil neu abgeschlossener zwei- entfallen auf die Berufsfachschulen. Knapp 1,6 Milliarden ent- jähriger Ausbildungsverträge hat zwischen 1995 und 2004 fallen auf weitere berufliche Schulformen, darunter auch die deutlich zugenommen und ist von 2,6% auf 6,5% gestie- Ausgaben für das Berufsvorbereitungsjahr sowie das Berufs- gen.51 2005 und 2006 wuchs der Anteil nochmals auf 7,6% grundbildungsjahr.55 bzw. 8,4%.52 Gleichzeitig ist die Weiterqualifizierung aus einer verkürzten Ausbildung in die dreijährige Ausbildung in vielen Fällen möglich. Darüber hinaus wurde in der No- vellierung des BBiG 2005 die Möglichkeit zur Anrechnung einschlägiger Vorqualifikationen explizit betont. Den Anforderungen einer steigenden Internationalisie- rung wurde Rechnung getragen, indem Ausbildungs- 3 Vgl. Autorengruppe Bildungsberichterstattung: Bildung in Deutsch- abschnitte im Ausland nun als gleichwertig anerkannt land 008, S. 3 f. Vgl. BMBF (Hrsg.) (007): Berufsbildungsbericht 007, Bonn, Berlin, Übersicht . Dabei sind die Aufwendungen der Betriebe mit Brutto- Vgl. BMBF (Hrsg.): Berufsbildungsbericht 00, S. 37. kosten eingegangen. Vgl. BMBF (Hrsg.): Berufsbildungsbericht 008, S. 3, Übersicht 30. Vgl. ebd., S. .
  • 58. OrGAnISATIOn BEruFlIcHEr BIlDunG 55 Abb. 25: Bildungsausgaben im dualen System nach Finanzträgern 2006 11,2% BA 9,1% Bund und Länder 79,6% Betriebe Quelle: Berufsbildungsbericht 2007, eigene Berechnungen8.1 Mittelfristige Entwicklungen die Verständlichkeit zu erhöhen und mögliche Bildungswege erkennbar zu machen. Dabei baut die Entwicklung einesDie Flexibilisierung und Modularisierung der EQF auf sehr unterschiedliche Erfahrungen und Ansätze derberuflichen Ausbildung wird weiter zunehmen Mitgliedstaaten auf. Während einige Länder wie bspw. Groß- britannien, die Niederlande, Italien etc. bereits nationaleVor dem Hintergrund der oben geschilderten Reformen ist Qualifikationsrahmen etabliert haben, stecken andere nochdavon auszugehen, dass sich das System der beruflichen Aus- in den Kinderschuhen. Der EQF fördert nicht nur die Mobilitätbildung weiter flexibilisiert und modularisiert. Dies gilt umso zwischen den Bildungssystemen der europäischen Mitglied-mehr, wenn die einzelnen Bundesländer die neuen Autono- staaten, sondern auch die Vernetzung zwischen dem Berufs-miespielräume umfassend ausschöpfen und innerhalb der no- bildungs- und dem Hochschulsystem sowie zwischen den imvellierten Rahmengesetzgebung beginnen, den Wettbewerb formalen Bildungssystem erworbenen Kompetenzen undum Best Practices der beruflichen Ausbildung zu forcieren. denen anderer Lernorte, wie bspw. im Betrieb.56 Der derzei- tige Vorschlag zur Gestaltung des EQF sieht unterschiedliche Auch über die bestehende Gesetzgebung hinaus werden Bezugsebenen vor, die auf erworbenen Kompetenzen beruhenvon der Bundesregierung weitere Initiativen und Anstöße in und nicht auf den üblichen Einteilungen formaler Ausbil-Richtung einer stärkeren horizontalen und vertikalen Inte- dungsstrukturen, wie sie bspw. auch im deutschen berufsbezo-grationsfähigkeit unterstützt. Diese Bemühungen spiegeln genen System vorherrschen.sich z.B. auch in den Themenschwerpunkten des Innovati-onskreises berufliche Bildung, die im Frühjahr 2006 definiert Transparenz und Anerkennung über Europass undwurden. EcVET als zentrale MaßnahmenEuropäische Diskussion verstärkt Trend zur Wesentlich für die erfolgreiche Umsetzung des EQF sindModularisierung zusätzliche Mechanismen zur Offenlegung, Übertragung und Anrechnung von Qualifikationen und Kompetenzen.Weiter forciert wird diese Entwicklung durch die Europä-ischen Diskussionen und Bemühungen um den Europäischen Vgl. McCullough, Colin u.a. (00): Berufsausbildung in Europa – auf Qualifikationsrahmen (EQF). Als Instrument soll er dazu die- dem Weg zu einer gemeinsamen Strategie, in: Jens U. Prager / Clemens nen, Barrieren zwischen den Bildungsbereichen abzubauen, Wieland (Hrsg.): Von der Schule in die Arbeitswelt, Gütersloh, S. 3–3.
  • 59. 56 OrGAnISATIOn BEruFlIcHEr BIlDunG Über den seit 2005 vorliegenden Europass sollen Qualifika- 8.2 Herausforderungen undtionen und Kompetenzen sichtbar und verständlich gemachtwerden. Durch die einheitliche Darstellung des Kompetenz- Perspektivenprofils eines Bewerbers in den fünf Bereichen des Europasses– Lebenslauf, Zeugniserläuterung, Diplomzusatz, Mobilitäts- Die Beruflichkeit des Ausbildungssystems wirdnachweis, Sprachenportfolio – wird die Aussagekraft der Zeug- infrage gestelltnisse erhöht und Akzeptanz der erworbenen Qualifikationenin anderen Ländern erhöht. Weitgehend offen ist vor dem Hintergrund dieser Entwick- lungen die zukünftige Rolle und Bedeutung der Berufsorien- Als „Weiterentwicklung“ des Europasses soll mit einem tierung im deutschen System der beruflichen Ausbildung. Bis-europäischen Kreditpunktesystem für die berufliche Bildung her ist unklar, ob die europäischen Modularisierungsprozesse(ECVET) insbesondere die Bewertung von Qualifikationen, zu einer weitgehenden Atomisierung von Beruflichkeit führenaber auch die Transparenz der Berufsqualifikationen erhöht (angelehnt an das englische System der National Vocationswerden. Qualifications) oder ob Modularisierung und Flexibilisierung künftig als standardisierte Strukturierung und Systematisie- Mit der Betonung der Monoberuflichkeit, einer vor diesem rung von Teilqualifikationen einer nach wie vor abgegrenztenHintergrund eher schwach ausgeprägten Binnendifferenzie- Beruflichkeit verstanden werden. Letzteres würde für das deut-rung im Hinblick auf Niveauabstufungen und erwerbbare sche System der beruflichen Ausbildung zwar eine Modernisie-Teilqualifikationen ist das deutsche System der beruflichen rung bedeuten, aber nicht einen völligen Systembruch.Ausbildung kaum kompatibel mit den europäischen Verein-heitlichungsbemühungen. Der allenfalls implizit mögliche Staatliche Verantwortung für die Finanzierung desNachweis informell erworbener Kompetenzen verstärkt die Systems der beruflichen Bildung auch zukünftigUnterschiedlichkeit. Vor dem Hintergrund der skizzierten hocheuropäischen Bemühungen ist zu erwarten, dass das deutscheSystem der beruflichen Ausbildung noch erhebliche Verände- Die Entwicklung der zukünftigen Finanzierung der beruf-rungen bis zum Jahr 2035 erfahren wird. lichen Ausbildung ist noch weitgehend offen. Allerdings ist zu vermuten, dass trotz Privatisierungs- und Autonomiedis-Duale Studiengänge gewinnen an Bedeutung kussionen auch und besonders an beruflichen Schulen die staatliche Verantwortung für ihre Finanzierung weiterhinCharakteristisch für duale Studiengänge ist die Kombination sehr hoch sein wird. Dafür sprechen auch die Erfahrungen undund Integration von betrieblicher Ausbildung und Hochschu- Ergebnisse der Autonomiediskussionen an den Hochschulenle. Über diese Kooperationsformen wird dabei meist sowohl – denjenigen Bildungseinrichtungen, für die die Autonomieein Hochschuldiplom als auch ein Berufsabschluss in einem von staatlicher Verantwortung in den letzten Jahren bereitsanerkannten Ausbildungsberuf erworben. Dabei war vor allem deutlich erhöht werden konnte.58in den Jahren 1998 bis 2002 ein regelrechter Boom neu einge-richteter dualer Studiengänge zu erkennen. Von Schulabgän- Dennoch bleibt zu konstatieren, dass je erfolgreicher undgern wird das Angebot gut angenommen. Auf einen Ausbil- flächendeckender Autonomiespielräume auch an beruflichendungs- bzw. Studienplatz bewerben sich ca. 50 Absolventen.57 Schulen erhöht werden können, je stärker berufliche SchulenVor dem Hintergrund des anhaltenden Bedarfs zur Höherqua- sich als regionaler Bildungsdienstleister mit klarem Profil ver-lifizierung ist zu vermuten, dass dieser Trend auch in Zukunft stehen, desto eher können auch finanzielle Spielräume für dasanhalten wird. Mit der Einführung von Studiengebühren wird System der beruflichen Schulen erhöht werden und stärker alsdie Attraktivität dieses Angebots weiter erhöht, da der duale bisher auch private Finanzierungsquellen erschlossen werden.Studiengang zumeist durch die Betriebe finanziert wird. Darüber hinaus fließen große Teile der öffentlichen Bil- dungsausgaben in das Übergangssystem. Vor diesem Hinter- grund wird für die zukünftige Finanzierung des Systems der beruflichen Ausbildung auch entscheidend sein, inwiefern die Integration auch lernschwächerer Jugendlicher in berufsquali- fizierende Berufsabschlüsse verbessert werden kann. Umgekehrt ist die zukünftige Ausbildungsbereitschaft der Betriebe weitgehend eine offene Größe. Falls zukünftig die Ausbildungsbereitschaft der Betriebe zurückgeht, ist zu vermuten, dass der Staat noch stärker als bisher in die Verant-7 Vgl. Waldhausen, Verena / Werner, Dirk (00): Innovative Ansätze in der Berufsausbildung. Höhere Durchlässigkeit und Flexibilität durch Zusatzqualifikationen und duale Studiengänge, Köln, S. 33 ff. 8 Vgl. Prognos AG (Hrsg.): Unternehmen Hochschule.
  • 60. OrGAnISATIOn BEruFlIcHEr BIlDunG 57 Abb. 26: Ausmaß von Modularisierung in der beruflichen Ausbildung These: Es kommt zu einer umfassenden Modularisierung des Ausbildungssystems (n = 22) Wahrscheinlichkeit Hoch 22% Mittel 54% Gering 24% Null 0% 0% 20% 40% 60% 80% 100% Angabe in gültigen % Quelle: Prognos AG 2008wortung genommen werden wird und sich damit auch die Einschätzung der Experten erreicht. Knapp vier Fünftel der Ex-staatliche Verantwortung für die Finanzierung der beruflichen perten halten es dabei auch für wahrscheinlich, dass gleichzei-Bildung weiter erhöht. tig die Beruflichkeit des Ausbildungssystems der Orientierung an berufsübergreifenden Kompetenzen weicht. Vergleichbarkeit und Anerkennung beruflicher8.3 Ergebnisse der Delphi-Befragung Bildung in Europa verbessert sichFlexibilisierung und Modularisierung der Im Zuge der europäischen Harmonisierungsbestrebungenberuflichen Ausbildung wird sich zukünftig die Vergleichbarkeit von beruflicher Aus- bildung in Europa verbessern. Dies gilt sowohl für die Anerken-In der aktuellen Diskussion um die Zukunft der beruflichen nung von Berufsabschlüssen wie auch für die AnerkennungAusbildung spielt eine stärkere modulare Gestaltung der von Teilqualifikationen. Trotz dieser Entwicklung wird dieberuflichen Ausbildung eine wichtige Rolle. Dennoch besteht duale Ausbildung allerdings ein rein deutsches Modell blei-unter den Experten noch weitgehend Uneinigkeit dahin ben. Duale Ausbildungsgänge werden im europäischen Aus-gehend, ob eine stärkere Modularisierung in der beruflichen land auch zukünftig nicht angeboten werden (vgl. AbbildungAusbildung zukünftig tatsächlich umgesetzt wird. Der Anteil 27). Im Zuge dieser Entwicklung wird es nach Einschätzungder Experten, die von einer umfassenden Modularisierung des von 79% der Experten auch EU-weite Vorgaben zu den Kom-Ausbildungssystems ausgehen, ist fast ebenso hoch wie der An- petenzen geben, die in der beruflichen Ausbildung erlerntteil derjenigen Experten, die die Wahrscheinlichkeit für eine werden sollen. Die europäische Anerkennung und Vergleich-solche Entwicklung als gering einschätzen (vgl. Abbildung 26). barkeit ist dabei jedoch nicht kurzfristig zu erreichen. Sie wird erst bis 2025 erreicht sein. Inhaltlich verbinden die Experten mit einer stärkerenModularisierung vor allem die Einführung zertifizierbarerTeilqualifikationen sowie die Reduzierung von Berufsbildern.Das Ziel, durch eine stärkere Modularisierung die vertikaleund horizontale Durchlässigkeit zu erhöhen, wird dabei nach
  • 61. 58 OrGAnISATIOn BEruFlIcHEr BIlDunG Abb. 27: Europäische Vergleichbarkeit beruflicher Bildung These: Europäische Harmonisierungsprozesse führen zu ... Wahrscheinlichkeit mittel hoch ... Anerkennung der Abschlüsse 58% 29% (N = 130) ... Vergleichbarkeit der Abschlüsse 57% 25% (N = 130) ... Anerkennung von Teilqualifikationen 52% 25% (N = 130) ... Ausweitung dualer Ausbildung nach Europa 14% 2% (N = 130) Wahrscheinlichkeit 0% 20% 40% 60% 80% 100% Angabe in gültigen % Quelle: Prognos AG 2008 Abb. 28: Strukturelle Veränderungen beruflicher Bildung Akademisierung dualer Wahrscheinlichkeit Ausbildung 49% 7% (N = 131) mittel hoch Dualisierung vollzeit- schulischer Ausbildung 61% 21% (N = 130) Dualisierung der Hochschulausbildung 42% 24% (N = 131) 0% 20% 40% 60% 80% 100% Angabe in gültigen % Quelle: Prognos AG 2008
  • 62. OrGAnISATIOn BEruFlIcHEr BIlDunG 59Die Struktur der dualen Ausbildung wird sich wahrscheinlich, dass duale Ausbildung und Studium auchzukünftig nicht verändern zukünftig nebeneinander bestehen werden. Auch Berufs- und Fachhochschulen werden nach Ansicht von 96% der ExpertenDie duale Ausbildung wird zukünftig stärker als bisher in Kon- nicht zusammengeführt.kurrenz zu alternativen Ausbildungsformen stehen. SchulischeAusbildungsgänge werden formal mit der dualen Ausbildung lebenslanges lernen wird in Zukunft zur realitätgleichgestellt, gleichzeitig wird der Praxisbezug und die Nähezu Unternehmen auch in der Hochschulausbildung und in Aus Sicht fast aller Experten wird lebenslanges Lernen zu-vollzeitschulischen Ausbildungsgängen immer wichtiger. künftig wichtiger und damit zur gesellschaftlichen Realität.Trotz dieser stärkeren Konkurrenz wird sich die Struktur der Für 30% der Experten findet lebenslanges Lernen mit hoherdualen Ausbildung vergleichweise wenig verändern: Der Wahrscheinlichkeit informell statt. Für formale LernformenAnteil der Experten, die eine Akademisierung der dualen treffen diese Einschätzung nur 15%. Diese Entwicklung spiegeltAusbildung für wahrscheinlich halten, ist deutlich geringer sich auch in der beruflichen Ausbildung wider: Informelle(vgl. Abbildung 28). 90% der Experten sind der Ansicht, dass und selbstorganisierte Formen des Lernens werden zukünftigdie berufliche Ausbildung auch zukünftig die Anforderungen immer bedeutsamer (vgl. Abbildung 29).der Unternehmen erfüllt. 70% der Experten halten es für Abb. 29: lernformen in der beruflichen Ausbildung These: Folgende lernformen prägen zukünftig die Ausbildung: Wahrscheinlichkeit mittel Zertifizierung informeller hoch Kompetenzen 57% 22% (N = 130) Selbstorganisiertes Lernen 56% 32% (N = 133) Informelles Lernen (N = 129) 56% 28% 0% 20% 40% 60% 80% 100% Angabe in gültigen % Quelle: Prognos AG 2008
  • 63. 60 SZEnArIEn ZEITrAuM 206–20259 Szenarien Zeitraum 2016–2025  Wirtschaftliche Dynamik: Die Wirtschaftsleistung steigt gemessen am BIP ( jährliches Wachstum zwischen 1,2% und 1,4 %) weiter an, verbleibt jedoch auch weiterhin ohne große Dynamik (Prognos Deutschland Report 2030).  Erwerbsbevölkerung: Die Zahl der Erwerbspersonen geht von über 43 Millionen auf rund 40,9 Millionen in 2025 zurück (Prognos Deutschland Report 2030).  Arbeitsmarktentwicklung: Die Zahl der Arbeitslosen sinkt bis zum Jahr 2025 unter die 3-Millionen-Grenze und liegt bei etwa 6,9 % (Prognos Deutschland Report 2030).  Zahl der Schulpflichtigen: In Gesamtdeutschland sinkt die Zahl der Schulpflichtigen zwischen 2016 und 2025 leicht auf einen Anteil von 10,5 % an der Gesamtbevölkerung (10,9 % in 2015). In Westdeutschland erreicht sie ihren Tiefststand in 2023, in Ostdeutschland erreicht sie im selben Jahr ihren Höchststand (Prognos Deutschland Report 2030).  Ausbildungsbevölkerung: Rückgang in Gesamtdeutschland auf 7,7 % (von 8,5 % in 2015). Nach Erreichen des Tiefststandes in Ostdeutschland im Jahr 2016 steigt sie leicht wieder an, in Westdeutschland sinkt die Zahl der Jugendlichen hingegen stetig (Tiefststand erst 2030) (Prognos Deutschland Report 2030).  Ausbildungsmarkt 2025: Noch nie standen dem Ausbildungsmarkt so wenig junge Leute zur Verfügung, die Absolven- tenzahlen sinken bis zum Jahr 2020 deutlich auf 790.000 Jugendliche. Damit entspannt sich die Situation auf dem Ausbil- dungsmarkt bezogen auf das quantitative Verhältnis von Angebot und Nachfrage (Vorausberechnung der Schüler- und Absolventenzahlen bis 2020 durch die KMK, Fortschreibung durch Prognos).Im Folgenden wird eine Auswahl der erarbeiteten Szenarien  Puffernde Faktoren:dargestellt. Im Anschluss an das jeweilige Szenario werden die Wirken weder deutlich auf andere Deskriptoren, nochrelevanten Deskriptoren anhand ihrer Wirkungsweise syste- werden sie von anderen Einflussfaktoren besonders starkmatisiert. Jeder Deskriptor wird einer der folgenden Funktions- beeinflusst. Auf die zukünftige Gestalt der beruflichengruppen zugeordnet: Ausbildung wirken diese Einflussfaktoren damit schwach. Diese Deskriptoren liegen im III. Quadranten. Kritische Faktoren: Wirken stark auf andere Einflussfaktoren, werden gleich-  Getriebene Faktoren: zeitig aber auch stark von anderen Faktoren beeinflusst. Di- Werden von anderen Faktoren stark beeinflusst, gleichzei- ese Deskriptoren beeinflussen die Zukunft der beruflichen tig wirken sie nur schwach auf andere Deskriptoren. Damit Ausbildung sehr stark, haben über ihre hohe Passivität aber ist die Wirkung dieser Deskriptoren zukünftig vor allem auch eine ambivalente Wirkungen. Diese Deskriptoren indirekt. Diese Einflussfaktoren liegen im IV. Quadranten. liegen im I. Quadranten. Treibende Faktoren: Wirken sehr stark auf andere Einflussfaktoren, werden jedoch nur vergleichsweise schwach von anderen Faktoren beeinflusst. Hier finden sich die zentralen Stellhebel für die zukünftige Gestalt der beruflichen Ausbildung. Diese Deskriptoren liegen im II. Quadranten.
  • 64. SZEnArIEn ZEITrAuM 206–2025 69.1 Variante I: Angebot und Nachfrage stehen in einem ausgewogenen Verhältnis9.. Beschreibung des SzenariosTrotz umfangreicher reformen sinkende Ausbildungsbeteiligungvon unternehmenSeit dem Jahr 2016 ist der Ausbildungsmarkt in Deutschland in einem ausgeglichenen Verhält- Sinkendenis. Es ist vor allem der demographische Wandel, der hierzu führt: Die in das Bildungs- und Ausbildungs-Ausbildungssystem hineinwachsenden Kinder und Jugendlichen werden immer weniger bevölkerungund reduzieren so die Nachfrage nach Ausbildungsplätzen. Während es hier in früherenJahren deutliche regionale Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland gab, betrifft derBevölkerungsrückgang mittlerweile die gesamte Bundesrepublik. Der Nachfrageüberhangder vergangenen Jahre kann abgebaut werden, und die Ausbildungsplatzlücke schließt sich Internationalenahezu. Zudem führt der Prozess der Internationalisierung dazu, dass sich die internationale MobilitätMobilität der Auszubildenden erhöht und sich so neue Ausbildungsmärkte vor allem im euro-päischen Umland eröffnen. Denn auf der anderen Seite reicht die wirtschaftliche Dynamik nicht aus, um die Ausbil- Ausbildungs- unddungsbereitschaft der Unternehmen zu stabilisieren bzw. zu erhöhen. Zudem gelingt es nicht Übernahmequotenin ausreichendem Maße, zusätzliche Arbeitsplätze zu schaffen. In der Folge sinkt nicht nur die sinkenAusbildungsquote, sondern auch die Übernahmequote der Betriebe. Die Ausbildung bedeutetfür die Unternehmen eine erhebliche finanzielle Investition, die sie immer seltener leisten.In diesen Zeiten haben die Unternehmen angefangen, sich nicht mehr nur auf die jungen Ar-beitskräfte zu verlassen, sondern die in den Unternehmen vorhandenen Personalressourcenbesser zu nutzen. Immer mehr tragen auch die politischen Bemühungen zur Sensibilisierung Alternsgerechteder Unternehmen für den demographischen Wandel Rechnung, und die Personaler in den Personalpolitik und LLLUnternehmen setzen die schon lange geforderte alters- und alternsgerechte Personalpolitikum. Nicht nur die ausgeprägte Jugendzentrierung findet hier ein Ende, sondern auch dieherausragende Bedeutung der Erstausbildung. Tatsächlich ist es so, dass Veränderungen Höherqualifizierungwie der Strukturwandel, die zunehmende Bedeutung der Wissensgesellschaft und höherqualifizierter Tätigkeiten, aber auch die Verlängerung der Lebensarbeitszeit zu einer stärkerlaufbahnbegleitenden Qualifizierung nach dem Leitbild des lebenslangen Lernens führen. Anders als in früheren Zeiten sehen sich die Auszubildenden bzw. jungen Fachkräfte einer BildungsqualitätKonkurrenz älterer Arbeitnehmer gegenüber, die sie so nicht kennen. Dabei unterstützt die steigtqualitative Verbesserung der primären und sekundären Bildung grundsätzlich die Aus-gangsposition der Ausbildungsbewerber und Auszubildenden. Die verbesserte schulischeVorbildung führt jedoch auch dazu, dass sich der Anteil der Jugendlichen mit Hochschulzu-gangsberechtigung weiter erhöht. Die Attraktivität der dualen Ausbildung scheint für diese Hochschulengut qualifizierten Schulabsolventen deutlich geringer zu sein; die Übergangsquoten an die attraktiverHochschulen steigen weiter an. Gleichwohl ist es so, dass die positiven Entwicklungen, die der von den Unternehmen in derVergangenheit oft beklagten „mangelnden Ausbildungsreife“ entgegenwirken, zwar für die MangelhafteBreite der Jugendlichen gelten, jedoch nicht zu einer umfassenden Integration aller Jugend- Integration vonlichen führen. Migranten gehören auch in den Jahren 2016 bis 2025 zu den benachteiligten MigrantenGruppen am Ausbildungsmarkt und können nicht von den skizzierten Veränderungen profi-tieren. Dabei sind es immer noch sprachliche und kulturelle Hindernisse, die eine Integrationverhindern. Auch geschlechterbedingte Unterschiede in der Bildungsbeteiligung können nichtabgebaut werden. Die Förderung technischer und naturwissenschaftlicher Kompetenzen in derVergangenheit konnte die Berufswahl der Mädchen kaum beeinflussen und den Entscheidungs- Tradiertebzw. Wahlhorizont letztlich nicht nachhaltig erweitern. Sinkende Ausbildungs- und Übernah- Rollenbildermequoten verunsichern die Bewerberinnen und lassen tradierte Rollenbilder verharren.
  • 65. 62 SZEnArIEn ZEITrAuM 206–2025 Auch wenn die Ausbildungsbereitschaft der Unternehmen nicht gesteigert werden kann, gelingt es durch strukturelle Anpassungen im System der beruflichen Ausbildung, den Ausbil-Steigende Leistungs- dungsmarkt positiv zu beeinflussen. Um den veränderten Anforderungen Rechnung tragenanforderungen zu können, wurden in den vergangenen Jahren die Gesamtausgaben für Ausbildung deutlich erhöht und zur Qualitätssteigerung investiert. Durch die gezielte Anpassung der Ausbildungs- inhalte an die gestiegenen Leistungsanforderungen in der beruflichen Ausbildung hat sich die Qualität der Ausbildung erhöht, und die Ausbildungsinhalte haben sich an den wach- senden Bedarf theoretischen Wissens in der beruflichen Ausbildung angepasst. Das früher bestehende Ungleichgewicht zwischen vollzeitschulischer und dualer Ausbildung ist nichtÄquivalenz der mehr vorhanden, und beide Ausbildungsformen sind an der zweiten Schwelle gleichermaßenAusbildungsformen anerkannt. Die vollzeitschulischen Angebote können damit nicht nur fehlende betriebliche Ausbildungsplätze ergänzen, sondern bestehen als gleichwertige Ausbildungsformen auf dem Ausbildungsmarkt. Es entsteht ein neuer Markt, der zunehmend auch durch private BildungsanbieterZunahme privater wahrgenommen wird. Private Angebote ergänzen einerseits die öffentlichen und betrieb-Bildungsangebote lichen Ausbildungsangebote, die vor dem Hintergrund der notwendigen Schließung von Infrastruktureinrichtungen weiter zurückgehen. Der demographische Wandel, aber auch der Rückgang der öffentlichen Förderung wirken sich dabei deutlich stärker auf die außer- und überbetrieblichen Bildungsstätten aus als auf Berufsschulen. Andererseits ergänzen die privaten Angebote nicht nur die Versorgung mit Ausbildungsangeboten, sondern eröffnen zudem auch mehr Freiheiten und Handlungsspielräume, um moderne und neue Konzepte inZunehmende der Ausbildung anzuwenden. Private Ausbildungsangebote treiben den Einsatz neuer Tech-Technologisierung und nologien, aber auch kooperative Formen der Ausbildung in regionalen BildungsnetzwerkenRegionalisierung gezielt voran. Die Entwicklung des sektoralen Fachkräftebedarfs hin zu einer stärkeren Nachfrage nach hoch qualifizierten Fachkräften ist eine Folge des Wandels hin zu einer wissensbasierten Gesellschaft und Ökonomie. Diese Entwicklung hat auch Auswirkungen auf die berufliche Ausbildung, die sich nicht nur in neuen und veränderten Ausbildungsberufen zeigt, sondern auch Folgen auf die Organisation von Ausbildung hat. Die Bedeutung des Übergangssys-Übergangssystem tems nimmt immer weiter ab, da die dort vermittelten Teil- und Ersatzqualifikationen durchverliert an Bedeutung die Teilnehmer nicht verwertet werden können. Diese Erkenntnis ist umgesetzt durch eine stärkere Flexibilisierung der Ausbildung. Durch ein modular gestaltetes Ausbildungssystem ist es möglich, flexibel kombinierbare und zertifizierbare Teil- und Schlüsselqualifikationen zu vermitteln und auch als Instrument zur Erhöhung der Integrationsfähigkeit einzusetzen. VorModularisierung allem für gering qualifizierte Jugendliche hat sich so der Einstieg in das Erwerbsleben deutlich verbessert.
  • 66. SZEnArIEn ZEITrAuM 206–2025 639..2 Funktionen und Wirkungsweisen der Deskriptoren Abb. 30: Übersicht der Deskriptoren Sinkende Treibende Faktoren Ausbildungsquote Kritische Faktoren Sinkende Übernahmequoten Abnehmende Bedeu- Modularisierung der Steigende Nachfrage nach tung der Erstausbildung Ausbildung Höherqualifizierten Sinkende Ausbildungs- Altersgerechte Äquivalenz vollzeit- bevölkerung Personalpolitik schulischer Ausbildungen Zunahme privater Umfangreicher Bildungsangebote Leistungsan- Erhöhte Bildungs- Zunehmende Einsatz neuer Steigende Steigende forderungen beteiligung von Regionalisierung Technologien Hochschul- internationale nehmen zu Mädchen Übergangs- Mobilität Abnehmende quoten Bedeutung des Geringe Inte- Übergangssystem gration von Migranten Steigende Ausgeglichenes Bildungsqualität Verhältnis zwischen Angebot Nachfrage Puffernde Faktoren Getriebene Faktoren Quelle: Prognos AG 20089..3 Zentrale Einflussfaktoren für die berufliche Ausbildung Sinkende Ausbildungsbevölkerung Sinkende Übernahmequoten der Betriebe Stärkere Nachfrage nach wissensintensiven Tätigkeiten Abnehmende Bedeutung der Erstausbildung vor dem Hintergrund des LLL Alter(n)sgerechte Personalpolitik Modularisierung Zunahme privater Bildungsangebote Sinkende Ausbildungsquote Äquivalenz vollzeitschulischer Ausbildungen
  • 67. 64 SZEnArIEn ZEITrAuM 206–2025 9..4 Empfehlungen für das Szenario 206–2025: „Trotz umfangreicher reformen sinkende Ausbildungsbeteiligung von unternehmen“ . Sicherung von Qualität und Transparenz in der beruflichen Ausbildung, um Ausbildungsengagement und Ausbildungsbereitschaft zu erhalten Die Ausbildungslandschaft hat sich in Quantität und Qualität deutlich verändert. Durch die Modularisierung der Ausbildungsgänge ist die früher zwei- bis dreijährige Ausbildung heute ähnlich dem Kurssystem an den Hochschulen gestaltet und setzt sich aus unterschiedlichen Bestandteilen theoretischer und praktischer Lerneinheiten zusammen. In Ergänzung der rückläufigen öffentlichen und betrieblichen Bildungsangebote haben sich die Anbieter- strukturen auf dem Ausbildungsmarkt diversifiziert. Hoch qualifizierte Tätigkeiten und technologische Neuerungen stellen zudem immer mehr Anforderungen an die Ausbildungs- inhalte. Die Beschreibung einheitlicher Kompetenzstandards für alle Ausbildungsgänge durch den Deutschen bzw. Europäischen Qualifikationsrahmen bildet eine Grundlage. Das Kreditpunktesystem für die berufliche Bildung (European Credit Transfer System in Vocatio- nal Education and Training, ECVET) ist ein Instrument zur Herstellung von Transparenz über erworbene Kompetenzen. Mögliche Instrumente zur Sicherung von Qualität und Transparenz sind:  Einführung eines individuellen „Ausbildungsbuches“, das Stand der Ausbildung und absolvierte Ausbildungskurse dokumentiert  Akkreditierung von Ausbildungsgängen und Anbietern  Regelmäßige Evaluationen zur Überprüfung von Ausbildungsanbietern und Ausbildungs- angeboten
  • 68. SZEnArIEn ZEITrAuM 206–2025 659.2 Variante II: Das Angebot an Ausbildungsplätzen übersteigt deutlich die Nachfrage9.2. Beschreibung des SzenariosVielfalt der Ausbildung als Strategie gegen den FachkräftemangelIm Zeitraum zwischen 2016 bis 2025 führt der kontinuierliche Geburtenrückgang und damit Sinkende Ausbildungs-die rückläufige Zahl von Schulabsolventen, die an der ersten Schwelle auf den Ausbildungs- bevölkerungmarkt strömen, zu einem Nachwuchskräftemangel bei den Unternehmen. Trotz bereitssinkender Ausbildungsquoten übersteigt das Angebot an Ausbildungsplätzen deutlich dieNachfrage, sodass zahlreiche Ausbildungsplätze unbesetzt bleiben. Neben diesen rein zahlenmäßigen Entwicklungen verschiebt sich der Fachkräftebedarfauch in Bezug auf die nachgefragten Tätigkeiten: Die Nachfrage nach hoch qualifizierten SteigendeFachkräften im Dienstleistungssektor ist höher als nach einfachen Dienstleistungen. Mit Nachfrage nachdiesem Wandel in den Tätigkeitsstrukturen geht ein Anstieg des Qualifikationsniveaus einher. HöherqualifiziertenDie Ansprüche an die Kompetenzprofile der Arbeitskräfte verändern sich, mit der Folge,dass die Qualifikationsanforderungen an die Auszubildenden immer weiter ansteigen. Umdiesen Wandel aufzunehmen und mitzugestalten, werden die Bildungsausgaben deutlicherhöht und es vollzieht sich eine Steigerung der Leistungsanforderungen in der beruflichen Leistungsanforde-Ausbildung. Durch umfangreiche Investitionen in die Qualität des Lehrpersonals und die rungen nehmen zuAusstattung der Bildungseinrichtungen ist es gelungen, die duale Ausbildung zukunftsfähigzu gestalten und zu organisieren. „Arbeitsqualifikationen“ werden zunehmend berufsüber-greifend und handlungsbezogen angeboten und enthalten stärker theoretische Inhalte.Durch die Durchsetzung der Produkte und Produktionsverfahren mit wissensbasierten Ele-menten werden Schlüsselqualifikationen immer wichtiger, und Kompetenzen wie Team- oderSelbstlernfähigkeit, Sprachen, abstraktes Denkvermögen, kulturelle Offenheit etc. gewinnenan Bedeutung. Um die Anforderungen einer zukunftsfähigen Gesellschaft erfüllen zu können, wurdenumfangreiche Anstrengungen zur Verbesserung des primären und sekundären Bildungs- Bildungsqualitätangebotes unternommen. Als Resultat dieser Entwicklungen sind Schulabsolventen heute steigtbesser qualifiziert und verfügen über höhere Schulabschlüsse der Fachhochschul- undHochschulreife. Durch die Einführung von dualen Studiengängen und eine Ausweitung vonBA- und MA-Studiengängen auf den gesamten Hochschulbetrieb hat sich zudem die Studien- Hochschulendauer verkürzt, der Praxisbezug erhöht und damit die Wettbewerbsfähigkeit der Hochschul- attraktiverausbildung deutlich gesteigert. Ein größer werdender Teil der Jugendlichen mit Hochschul-zugangsberechtigung entscheidet sich gegen die Aufnahme einer dualen Ausbildung und füreine Hochschulausbildung. Fit für die Zukunft zu sein bedeutet für Ausbildungsbewerber und Auszubildende auch, dieHerausforderungen einer immer stärker globalisierten Welt anzunehmen. Während früherder nationale und internationale Ortswechsel im Rahmen der Ausbildung den Hochschulenund ihren Studierenden vorbehalten war, ist heute die internationale Mobilität von Auszu- Internationalebildenden fast selbstverständlich. Dabei sind es nicht nur Teilqualifikationen, die im Rahmen Mobilitäteines Auslandsaufenthaltes erworben werden: Durch die fortschreitende Internationalisie-rung der beruflichen Ausbildung gibt es immer mehr Jugendliche, die sich für eine Ausbil-dung im Ausland entscheiden. Es sind vor allem die gut qualifizierten Schulabsolventen, dieden Standort verlassen und damit die Nachfragesituation am deutschen Ausbildungsmarktweiter schwächen. Um die nationale und internationale Anschlussfähigkeit des deutschen Ausbildungs-systems zu erhöhen, ist die berufliche Ausbildung deutlich flexibilisiert worden. Ein breites ModularisierungAngebot an zusätzlichen Teilqualifikationen und Zertifikaten gewährleistet die notwendige
  • 69. 66 SZEnArIEn ZEITrAuM 206–2025 Flexibilität der beruflichen Ausbildung im Hinblick auf andere Ausbildungsformen, aber auch der Hochschulbildung sowie der Fort- und Weiterbildung. Nicht zuletzt, weil im europäi-Äquivalenz der schen und internationalen Umland vollzeitschulische Ausbildungsformen dominieren, ist esAusbildungsformen wichtig, dass sich das deutsche System international anpassungsfähig zeigt. Im Wettbewerb um Nachwuchskräfte ist dies ein wichtiger Standortvorteil. Vollzeitschulische Ausbildungs- gänge werden daher auch in Deutschland zunehmend anerkannt. Ein modular gestaltetes Ausbildungssystem schränkt die Bedeutung des Übergangssystems als „Auffangbecken“ nichtÜbergangssystem vermittelter Ausbildungsplatzbewerber ein: Indem das reguläre System auch Einstiegsqualifi-schrumpft kationen ermöglicht, gelingt es, die Jugendlichen unmittelbar in das berufliche Ausbildungs- system zu integrieren.Integration von Trotz des Überangebots an Ausbildungsplätzen gelingt die Integration von MigrantenMigranten gelingt nicht. Obwohl durch die verbesserten Bildungsangebote auch aufseiten der Migranten qua-nicht lifikationsbezogene Schwächen und Nachteile abgebaut sind, können Migranten nicht vom allgemeinen Wettbewerb um Ausbildungsanfänger profitieren. Sprachliche und kulturelle Barrieren verhindern weiterhin ihre Integration. Die Mädchen hingegen profitieren von der angebotsseitigen Öffnung des Ausbildungsmarktes: Die gezielte Förderung von technischen und naturwissenschaftlichen Kompetenzen hat dazu geführt, dass sich die Bildungsbeteili-Bildungsbeteiligung gung von Mädchen weiter erhöht hat. Geschlechterbedingte Unterschiede in der Auswahl vonvon Mädchen steigt Ausbildungsberufen und -inhalten werden zunehmend geringer. Das Ausbildungssystem muss sich anpassen. Dabei geht es vor allem auch darum, die „Ab-Neue Technologien wanderung“ von Schul- und Ausbildungsabsolventen in andere Ausbildungsformen, an die Hochschulen und in andere Länder zu verhindern. Durch den umfangreichen Einsatz neuer Technologien wie Internet 3.0 oder den Einsatz bundesweiter Fachklassen soll die Ausbildung „interessanter“ und zukunftsfähig gemacht werden. Es gelingt so zudem, den demographisch bedingten Rückbau von öffentlichen Infrastrukturleistungen auszugleichen.Alter(n)sgerechte Die Unternehmen reagieren auf den Nachwuchskräftemangel, indem sie sich von derPersonalpolitik und LLL Jugendzentrierung hin zu einer alters- und alternsgerechten Personalpolitik bewegen. Die Förderung der besseren Integration auch älterer Arbeitnehmer und des Bewusstseins für den demographischen Wandel trägt Früchte. Das zeigt sich auch darin, dass die herausgehobene Bedeutung der Erstausbildung vor dem Hintergrund des lebenslangen Lernens abnimmt. Mehr und mehr Unternehmen realisieren, dass sie nicht ausreichend junge Nachwuchskräfte bekommen können, und beginnen, sich auch auf andere Zielgruppen zu konzentrieren.Regionale Die Sicherung des Fachkräftebedarfs erfolgt zunehmend auch auf alternativen Wegen,Initiativen denn die Unternehmen sehen, dass sie es alleine nicht schaffen. Die Förderung regionaler (Aus-)Bildungsnetzwerke in den vergangenen Jahren hat eine Dynamik entfaltet, die zu einer ausgeprägten Kooperation von Unternehmen, Bildungsträgern, politischen und weiteren ausbildungsrelevanten Akteuren führt. Über eine Professionalisierung und Erweiterung des regionalen Ausbildungsangebotes versuchen die Unternehmen, den Wettbewerb um Nachwuchskräfte zu gestalten. Der „Wettbewerb um Köpfe“ ruft auch private Bildungsan- bieter auf den Plan, die unter den steigenden Anforderungen ihr Marktpotenzial suchen und finden. Moderne Techniken, flexible Lösungen, die Möglichkeit von passfähigen Anschluss- qualifizierungen bieten Raum, die staatlichen Angebote gezielt zu ergänzen. Indem Bildung und Qualifikation für den Einzelnen in der Wissensgesellschaft immer wichtiger werden, sind auch immer mehr Menschen dazu bereit, für ihre Ausbildung zu bezahlen.
  • 70. SZEnArIEn ZEITrAuM 206–2025 679.2.2 Funktionen und Wirkungsweisen der Deskriptoren Abb. 3: Übersicht der Deskriptoren Treibende Faktoren Steigende Nachfrage Sinkende Kritische Faktoren nach Höherqualifizierten Ausbildungsquote Abnehmende Bedeutung Modularisierung der Erstausbildung (LLL) der Ausbildung Rückläufiger Sinkende Ausbildungs- Umfangreicher Übergang in bevölkerung Äquivalenz vollzeit- Einsatz neuer den Arbeits- schulischer Ausbildungen Technologien markt Zunehmende Leistungs- Altersgerechte anforderungen Personalpolitik Zunehmende Steigende Zunahme privater Regionalisierung internationale Bildungsangebote Mobilität Steigende Bildungsqualität Attraktivität dualer Abnehmende Erhöhte Bildungs- Ausbildung Bedeutung des beteiligung von geringer Übergangssystems Mädchen Angebot über- Geringe Puffernde Faktoren steigt Nachfrage Integration von Getriebene Faktoren Migranten Quelle: Prognos AG 20089.2.3 Zentrale Einflussfaktoren auf die berufliche Ausbildung Sinkende Übernahmequoten Steigende Nachfrage nach Höherqualifizierten Sinkende Ausbildungsquote Sinkende Ausbildungsbevölkerung Abnehmende Bedeutung der Erstausbildung vor dem Hintergrund des LLL Modularisierung der Ausbildung Umfangreicher Einsatz neuer Technologien Äquivalenz vollzeitschulischer Ausbildungen Zunehmende Leistungsanforderungen Alter(n)sgerechte Personalpolitik
  • 71. 68 SZEnArIEn ZEITrAuM 206–2025 9.2.4 Empfehlungen für das Szenario 206–2025: „Vielfalt der Ausbildung als Strategie gegen den Fachkräftemangel“ . Internationale Abschlüsse anerkennen, um den Markt potenziellen nachwuchses zu vergrößern Der demographische Wandel hat zu einem deutlichen Rückgang der Ausbildungsbevölke- rung geführt. Auf dem Ausbildungsmarkt besteht ein deutlicher Überhang des Ausbildungs- angebotes, die Unternehmen haben Schwierigkeiten, ihren Bedarf an Nachwuchskräften zu decken. Immer mehr Unternehmen verbreitern ihre Personalstrategie und werben neue Arbeitskräfte bspw. aus Hochschulen an bzw. verfolgen eine langfristige Personalentwicklung ihrer Mitarbeiter. Angesichts der weiter rückläufigen Bevölkerungszahlen und des hohen internationalen Wettbewerbs reichen diese Aktivitäten nicht aus. Es gilt, die europäische und internationale Zusammenarbeit in der beruflichen Ausbildung zu verstärken. Mit der Einführung des EQR, des DQR und des ECVET sind die Grundlagen für die Anerkennung inter- nationaler Schul- und Ausbildungsabschlüsse und die Förderung von Mobilität innerhalb und zwischen den nationalen Bildungs- und Beschäftigungssystemen in Europa gegeben. Beispielhafte Aktivitäten sind:  Einrichten einer zentralen Stelle zur Prüfung und Bewertung internationaler Abschlüsse (vgl. Zentralstelle für Ausländisches Bildungswesen beim Sekretariat der Kultusminister- konferenz für Schulabschlüsse)  Beratungsstelle für Unternehmen zur Begleitung der internationalen Aktivitäten  Vermittlungsstelle für interessierte Jugendliche und Unternehmen („Ausbildungs-Börse“) 2. Internationale Auszubildende rekrutieren, um dem Mangel an nachwuchskräften entgegenzuwirken Das deutsche Berufsbildungssystem ist international anerkannt und gilt insbesondere auf- grund der dualen Ausbildung als Erfolgsmodell. Über internationale Kooperationen kann der Bekanntheitsgrad und die Anziehungskraft des deutschen Ausbildungssystems besser vermarktet werden und so neue Ausbildungsbewerber gewonnen werden. Beispielhafte Aktivitäten sind:  Internationale Kooperationen für Berufsschulen nach dem Vorbild der „Schulpartner- schaften“ an den allgemeinbildenden Schulen initiieren.  Kampagne: „Deutschland das Land der Ausbildung“ 3. Förderung des „regaining“ von nachwuchs- und Fachkräften, um die dauerhafte Abwanderung zu verhindern Der internationale Austausch zu Ausbildungszwecken wird intensiv betrieben. Von zentraler Bedeutung ist dabei, die dauerhafte Abwanderung von Fachkräften aus Deutschland zu ver- hindern bzw. ihr entgegenzuwirken. Das „Regaining“ von Arbeitskräften muss eine zentrale Aufgabe des Ausbildungs- und Arbeitsmarktes sein. Denkbare „Regaining“-Instrumente:  Informationsbroschüre und aktives Marketing „Standort Deutschland“  Angliederung der Marketingaufgaben an bestehende Strukturen bspw. der Außenhan- delskammern oder der Goethe-Institute  „Tag der offenen Tür“ in Außenhandelskammern zur Informationen über den Arbeits- markt in Deutschland
  • 72. SZEnArIEn ZEITrAuM 206–2025 699.3 Variante III: Die Nachfrage nach Ausbildungs- plätzen übersteigt deutlich das Angebot9.3. Beschreibung des SzenariosDuale Ausbildung verliert im WettbewerbEntgegen aller Prognosen zu einer demographisch bedingten Entspannung am Ausbildungs- Sinkende Ausbildungs-markt besteht die Ausbildungsplatzlücke weiterhin. Der starke Bevölkerungsrückgang führt bevölkerungnicht dazu, dass alle ausbildungssuchenden Jugendlichen einen Ausbildungsplatz bekom-men. Die sinkende Ausbildungsbereitschaft der Unternehmen der vergangenen Jahre setzt Rückläufige sich weiter fort. Immer mehr Unternehmen ziehen sich aus der Ausbildung zurück und sind Ausbildungsquote nicht mehr bereit, in junge Menschen zu investieren. In den Unternehmen hat sich einePersonalstrategie durchgesetzt, die sich stark auf die vorhandenen Personalressourcen stütztund in eine alternsgerechte Unternehmensorganisation mündet. Unterstützt wird dieseEntwicklung durch die breite Anerkennung und Umsetzung des Leitbildes des lebenslangenLernens. Das Konzept hat sich von einem Schlagwort zu einer anerkannten Personalentwick- Alternsgerechtelungsstrategie entwickelt, das die Erstausbildung als ersten Schritt für eine kontinuierliche be- Personalpolitik und LLLrufliche Kompetenzentwicklung versteht. In einer Wirtschaft, in der die Nachfrage nach hochqualifizierten Fachkräften zu ungunsten einfacher Dienstleistungen wächst, kommt dem Höherqualifizierung kontinuierlichen Kompetenzerwerb der Arbeitskräfte im Erwerbsleben eine entscheidende gefragt Bedeutung zu. Ein Grund der sinkenden Ausbildungsbereitschaft ist die wirtschaftliche Entwicklung, diees vor allem kleinen und mittleren, aber zunehmend auch großen Unternehmen nicht erlaubt,finanziell, aber auch personell und zeitlich in Auszubildende zu investieren. Da außer- undüberbetriebliche Bildungsstätten demographisch bedingt an Bedeutung verlieren und ge-schlossen werden müssen, wird die Situation vor allem für die KMU weiter verschärft. Immermehr geraten auch berufliche Schulen in den „Sog“ der Schließungen, sodass in den Regionen Keine Anpassungdie Organisation der Ausbildung für Unternehmen (und Auszubildende) immer schwieriger an steigende Leistungs-wird. Dem System der beruflichen Ausbildung ist es nicht gelungen, sich den Herausforde- anforderungenrungen einer zukunftsfähigen Arbeitswelt zu stellen. Frei werdende Mittel werden nicht zurQualitätssteigerung reinvestiert und öffentliche Ausgaben reduziert. Dies führt dazu, dass esauch Gestalt und Ruf der beruflichen Ausbildung sind, die die Unternehmen verstärkt dazuveranlassen, ihre Nachwuchskräfte auf anderen „Märkten“ – ältere Arbeitnehmer, Hochschul-absolventen, internationale Arbeitskräfte – zu suchen. Die berufliche Ausbildung verliert als„Fachkräfteschmiede“ immer mehr an Bedeutung. Bemühungen, die Qualität der schulischen Vorbildung der Jugendlichen zu erhöhen und Schulische Qualität mit dem Argument der „mangelnden Ausbildungsreife“ aufzuräumen, sind gescheitert. unverändert Besonders deutlich macht das die unverändert schlechte Situation von Migranten auf demAusbildungsmarkt. Die Leistungsanforderungen in der Ausbildung sind nicht mit den Anfor-derungen der Unternehmen gestiegen. Was an theoriebasiertem Wissen vermittelt werdenmuss, passiert weiter zu großen Teilen an den Hochschulen. Die Säulen der beruflichen Ausbil- Vollzeitschulischedung haben sich zugunsten vollzeitschulischer Ausbildungsgänge verschoben, von denen die Ausbildung anerkanntUnternehmen einen Ausgleich der fehlenden Ausbildungsreife und die Vermittlung theore-tischer Wissensgrundlagen erwarten. Gleichzeitig werden so die betrieblichen Ausbildungs-kosten reduziert. Mit der Flexibilisierung der Ausbildung wurde nicht die erhoffte Anschlussfähigkeit Modularisierungerreicht: Zwar konnte die Bedeutung des Übergangssystems reduziert werden, indem einemGroßteil der Auszubildenden Teilqualifikationen und Basiskompetenzen für die schulische
  • 73. 70 SZEnArIEn ZEITrAuM 206–2025Internationale Ausbildung anerkannt werden, die Betriebe ziehen sich dennoch mehr und mehr aus derMobilität nimmt zu Ausbildung zurück. Durch die mangelnden Perspektiven und die geringe Qualität der Ausbil- dung in Deutschland sehen immer mehr Jugendliche die Notwendigkeit, mobil zu werden. Der Fachkräftebedarf im europäischen Ausland und die erfolgreiche Umsetzung des EQF erhöht die Zahl von Jugendlichen deutlich, die sich auch international um Ausbildungsplätze bemühen.Regionalisierung Auch Ansatzpunkte wie die Regionalisierung oder die Öffnung des Ausbildungsmarktesgestoppt für private Bildungsanbieter und -angebote können die Attraktivität der Ausbildung nicht erhöhen. Die politische Förderung regionaler Netzwerkstrategien zum Ausgleich fehlender Ausbildungsplätze ist eingestellt worden, und ein Eigenengagement der Unternehmen erfolgt nicht. Sie konkurrieren vielmehr um die gut qualifizierten Ausbildungsabsolventen, die der Markt hervorbringt. Berufswechsel mit dem Ende der Ausbildung bzw. in den ersten Jahren der Berufstätigkeit nehmen zu. Für private Bildungsanbieter hat sich der Ausbildungs- markt nicht als gewinnträchtig gezeigt. Obwohl mit dem Rückgang der öffentlich finan-Privater Markt nicht zierten Nachfrage das Potenzial für die privat finanzierte Berufsausbildung weiter zunimmtentwickelt und ihnen durch gesetzliche Grundlagen der Markt geöffnet wurde, hat sich der gewünschte Wettbewerb auf dem Ausbildungsmarkt nicht eingestellt. Die privaten Träger sehen ihr Potenzial weiterhin im Bereich der Hochschulen und in anderen Bereichen wie bspw. der Se- niorenbildung.Keine neuen Der Bedeutungszuwachs neuer Technologien für das Arbeitsleben, aber auch für Lehr- undTechnologien Lernmethoden ist an der beruflichen Ausbildung vorübergegangen. Besondere IT-Lösungen oder virtuelle Seminare finden nur in Einzelfällen Anwendung. Die berufliche Ausbildung konzentriert sich weiterhin auf die traditionellen Berufe. Den Wettbewerb um Nachwuchs- kräfte haben vor allem die dualen Studiengänge gewonnen.Hochschulen Für die Jugendlichen erhöht sich der Leistungsdruck. Diejenigen, die eine Hochschul-attraktiver zugangsberechtigung haben, führt der Weg an die Hochschulen. Jugendliche mit guten mittleren Abschlusszeugnissen, die sich mit ihrer Berufswahl stark an den Interessen der Un- ternehmen orientieren, finden zumeist einen Ausbildungsplatz. Dennoch bleiben vor allemMangelhafte Migranten, aber auch Mädchen, die immer noch stark in traditionellen BerufswahlmusternIntegrationsfähigkeit verhaftet sind, als Ausbildungsbewerber übrig.
  • 74. SZEnArIEn ZEITrAuM 206–2025 79.3.2 Funktionen und Wirkungsweisen der Deskriptoren Abb. 32: Übersicht der Deskriptoren Treibende Faktoren Kritische Faktoren Sinkende Ausbildungsquote Sinkende Modularisierung der Übernahmequoten Ausbildung Unveränderte Leistungs- Abnehmende Abnehmende anforderungen Attraktivität Bedeutung der Regionalisierung dualer Ausbildung Erstausbildung Unveränderte Bildungsqualität Alter(n)sgerechte (LLL) geringer Personalpolitik Die Nachfrage über- Einsatz neuer Techno- Äquivalenz vollzeit- steigt das Angebot logien nur in Einzelfällen schulischer Ausbildungen Sinkende Ausbildungsbevölkerung Abnehmende Bedeutung Gleichbleibende des Übergangssystems Bildungsbeteiligung von Mädchen Unveränderte Steigende inter- private Bildungs- nationale Mobilität angebote Steigende Nachfrage nach Höherqualifizierten Geringe Integration von Migranten Puffernde Faktoren Getriebene Faktoren Quelle: Prognos AG 20089.3.3 Zentrale Einflussfaktoren auf die berufliche Ausbildung Sinkende Übernahmequoten Abnehmende Regionalisierung Unveränderte Qualität der primären und sekundären Bildung Nachfrage übersteigt das Angebot Einsatz neuer Technologien nur in Einzelfällen Alternsgerechte Personalpolitik Äquivalenz vollzeitschulischer Ausbildungen Abnehmende Bedeutung der Erstausbildung vor dem Hintergrund des LLL Sinkende Ausbildungsquote Modularisierung der Ausbildung Attraktivität dualer Ausbildung geringer (steigende Übergangsquoten an die Hochschulen) Sinkende Ausbildungsbevölkerung
  • 75. 72 SZEnArIEn ZEITrAuM 206–2025 9.3.4 Empfehlungen für das Szenario 206–2025: „Duale Ausbildung verliert im Wettbewerb“ . Sicherung und Förderung der sozialen Verantwortung der unternehmen für die Ausbildung, um Jugendliche zu integrieren Der größte Teil der Jugendlichen erwirbt mit dem Abschluss der Schule eine Hochschulzu- gangsberechtigung und entscheidet sich für eine Ausbildung an der Hochschule. Gleich- zeitig hat der allgemeine Strukturwandel den Trend zur Höherqualifizierung immer weiter verschärft und führt zu einer hohen Nachfrage nach hoch qualifizierten Dienstleistungstätig- keiten. Vor allem für diejenigen Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die dem allgemei- nen Trend an die Hochschulen nicht folgen können, stehen keine Ausbildungsangebote zur Verfügung. Um der verschärften Situation am Ausbildungsmarkt entgegenzutreten, müssen Unter- nehmen die – soziale – Verantwortung für die eigene Nachwuchssicherung, aber auch die Leistungsfähigkeit der Wirtschaft und Gesellschaft insgesamt annehmen. Eine möglichst große Zahl an Jugendlichen soll Perspektiven für den Einstieg in die berufliche Ausbildung und den Arbeitsmarkt erhalten. Beispielhafte Aktivitäten sind:  Aufrechterhalten der Ausbildungspaktes  Förderung der sozialen Verantwortung von Unternehmen zu Ausbildungszwecken durch steuerliche Vergünstigungen oder Prämienregelungen 2. Durch „Beratung und Matching“ ausbildungswillige unternehmen und Jugendliche erfolgreich vermitteln und so die Ausbildungsquote erhöhen Die erfolgreiche Vermittlung von ausbildungswilligen Jugendlichen an ausbildende Un- ternehmen wird in einer immer bunteren Bildungslandschaft deutlich schwieriger. Sowohl aus Sicht des einzelnen Jugendlichen und seiner Eltern als auch aus Sicht des Unternehmens gewinnen Beratungs- und Vermittlungsangebote immer mehr an Bedeutung. Instrumente können sein:  Fortführung und Ausweitung von Programmen zur Förderung der passgenauen Vermitt- lung Auszubildender. Wichtige Elemente sind hierbei eine individuelle Unterstützung von Unternehmen und Auszubildenden durch den flächendeckenden Einsatz von: – „Ausbildungsmanagern“, welche den Bewerbungs- und Auswahlprozess im Rahmen der Ausbildung für beide Seiten unterstützen – „Ausbildungsberatern“, die gezielt als Mentoren für Auszubildende und Unternehmen eingesetzt werden  Flächendeckende Implementierung eines Netzwerks regionaler Bildungsberatungsbüros mit einem Beratungs- und Informationsangebot zu allen Stationen der Bildungsbiographie
  • 76. ÜBErGrEIFEnDE EMPFEHlunGEn 7310 Übergreifende Empfehlungen für eine zukunftsfähige berufliche AusbildungDie dargestellten Szenarien zeigen auf, dass bestimmte Hand- Verkürzung der Ausbildungsdauer für Jugendliche, die ihrerlungsfelder wiederholt auftreten. So stellt die Integration von Ausbildung ein Hochschulstudium anschließen wollen. Aus-gering Qualifizierten eine wesentliche Herausforderung der bildungsabschluss und Diplom können insgesamt schnellerzukünftigen Bildungspolitik dar. Ein ähnlicher Bedarf wird für erreicht werden. Aus der Perspektive der Hochschulen werdenden Aufbau einer Infrastruktur gesehen, die mit Beratungsan- durch die engere Zusammenarbeit neue Möglichkeiten zumgeboten zu Bildungsmöglichkeiten Eltern, junge Erwachsene Wissens- und Technologietransfer ermöglicht. So können neueund Personalverantwortliche aus Unternehmen durch die finanzielle und personelle Ressourcen erschlossen werden.vielfältigen Bildungswege leitet. Handlungsfelder, denen einübergeordneter Stellenwert zukommt, werden im Folgenden 0..2 Empfehlungnochmals ausführlich begründet und entsprechende Lösungs-ansätze skizziert. Es wird die stärkere Öffnung der Hochschulen für beruflich er- worbene Kompetenzen empfohlen. Neben der Anerkennung von Kompetenzen gehört dazu auch die quantitative Auswei- tung entsprechend verzahnter Angebote.10.1 Stärkere Verzahnung Wichtigkeit zwischen dualer Ausbildung  Mittlere Wichtigkeit, durch steigende Anforderungen an und Hochschule Kompetenzen und Qualifikationen aller Mitarbeiter sowie die hohe Bedeutung des lebenslangen Lernens in einer0.. Befund wissensbasierten ÖkonomieErgebnisse Delphi DringlichkeitDie Verbesserung und Ausweitung der Schnittstellen zwischen  Hohe Dringlichkeit, da steigende Leistungsanforderungendualer Ausbildung und Studium stellt ein übergreifendes bereits jetzt wirksam werden, Unternehmen bereits heuteHandlungsfeld für die nachhaltige Gestaltung der beruflichen über Fachkräftemangel klagen und die Studienquote inAusbildung dar. Trotz steigender Leistungsanforderungen Deutschland im internationalen Vergleich immer nochwerden nach Einschätzung der im Delphi befragten Experten vergleichsweise gering ist.Hochschule und duale Ausbildung nebeneinander bestehenbleiben. Die stärkere Verzahnung von dualer Ausbildung und Denkbare LösungsansätzeHochschulausbildung ist daher für die Qualitätssicherung und-entwicklung der beruflichen Ausbildung entscheidend.  Begabte Absolventen der dualen Ausbildung als wichtige Zielgruppe für tertiäre Bildungsgänge an HochschulenErgebnisse Szenarien neu definieren und gewinnen, bspw. durch spezifische Stipendien und finanzielle FörderungIn den Szenarien wird deutlich, dass der stärkeren Verzahnungdabei eine doppelte Funktion zukommt: Auf der einen Seite  Berufliche Qualifikationen bei der Aufnahme eines Studi-kann die Anerkennung der dualen Ausbildung sowohl bei Be- ums anerkennen und anrechnen, bspw. durch verkürztetrieben als auch bei gut qualifizierten Schulabsolventen erhöht oder komprimierte Studienordnungenwerden. Niveau und Qualität der dualen Ausbildung erhöhensich, steigenden Leistungsanforderungen kann besser Rech-  Zentrale und bundeseinheitliche Definition von Hoch-nung getragen werden. Gleichzeitig kann auf der anderen Sei- schulzugangskriterien für Absolventen dualer Ausbil-te dem wachsenden Bedarf an wissenschaftlich qualifizierten dungsgängeBeschäftigten Rechnung getragen werden.  Kooperation zwischen Kammern, Unternehmen und Neben den vertieften fachlichen Kenntnissen der Auszu- Hochschulen in der beruflichen Ausbildung fördern undbildenden liegen weitere Vorteile für die Betriebe in einer weiterentwickelngeringeren Fluktuation begabter Auszubildender sowie einer
  • 77. 74 ÜBErGrEIFEnDE EMPFEHlunGEn Flächendeckende Verfügbarkeit dualer Studiengänge 0.2.2 Empfehlung erreichen, Berufsakademien in allen Bundesländern flächendeckend einführen, Kapazität dieser Studiengänge Die unterschiedlichen bestehenden Angebote des Übergangs- ausbauen, dies gilt insbesondere für berufsbegleitende systems (BVJ, BGJ, EQJ etc.) werden durch die Einführung einer Studiengänge. einheitlichen und arbeitsmarkrelevanten (anerkannten) beruflichen Basisqualifikation für einfache Tätigkeiten ersetzt.Verantwortlichkeit Gleichzeitigkeit wird die Durchlässigkeit der dualen Ausbil- dung weiter erhöht, die berufliche Basisqualifikation muss voll Bildungs- und Hochschulpolitik fallen in die Zuständigkeit auf anschließende Weiterqualifikationen und Ausbildungsmo- der einzelnen Bundesländer, Hochschulbau und -entwick- dule angerechnet werden. lung, Zulassungsstandards und Anerkennungsfragen kön- nen daher nur auf Ebene der Länder entschieden werden. Wichtigkeit Koordinierungsorgan für bundeseinheitliche Regelungen Hoch, da Integrationsproblematik zunimmt: auf der Basis freiwilliger Selbstverpflichtungen der Länder ist die KMK.  2006 waren 40% der Ausbildungssuchenden Altbewerber. Die Hälfte der Altbewerber war dabei bereits zwei Jahre oder länger auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz. Dabei verschlechtern sich Vermittlungschancen, je älter der Bewerber wird und je länger die Ausbildungsplatz-10.2 Integration in die berufliche Aus- suche andauert. bildung durch Basisqualifikation  Knapp 40% aller Neuzugänge im System der beruflichen und Durchlässigkeit verbessern Ausbildung waren 2006 im Übergangssystem zu verzeich- nen.59 Nach wie vor besteht hier die Gefahr von Maßnah-0.2. Befund menkarrieren: Bildungsmaßnahmen im Übergangssystem werden mehrfach hintereinander durchlaufen, ohne dassErgebnisse Delphi dies mit einem nachhaltigen Zuwachs an verwertbaren Kompetenzen oder verbesserten Chancen auf dem Arbeits-Die Integration von gering qualifizierten Jugendlichen in die markt verbunden wäre.berufliche Ausbildung und den Arbeitsmarkt ist auch zukünf-tig ein zentrales Handlungsfeld. Steigende Leistungsanforde- Dringlichkeitrungen und die Einführung neuer Technologien verschlech-tern nach Einschätzung der Experten die Zugangschancen für  Hohe Dringlichkeit, da Exklusionstendenzen bereits heutediese Gruppe. deutlich erkennbar sind und sich mit steigenden Anforde- rungen weiter verschärfen werden.Ergebnisse Szenarien Denkbare LösungsansätzeIn den Szenarien wird deutlich, dass eine sinkende Aus-bildungsbevölkerung die Integrationsproblematik nicht  Einführung einer einjährigen beruflichen Basisqualifi-zwangsläufig entschärft. Auch vor dem Hintergrund des kation, die das erste Ausbildungsjahr der dualen Ausbil-Fachkräftemangels bleiben adäquate Qualifikationen und dung vollständig ersetzt. Die klassische duale AusbildungKompetenzen der Schulabsolventen das entscheidende Ein- schließt sich (dann in verkürzter Form) erst an diese beruf-stellungsmerkmal. liche Basisqualifikation an. In der Folge besteht für die Zukunftsfähigkeit des Systems  Besteht kein Ausbildungsvertrag oder wird keine weiterfüh-der beruflichen Ausbildung eine doppelte Herausforderung. rende Schule besucht, ist das Absolvieren der beruflichenAuf der einen Seite sollen über eine Diversifizierung des Sys- Basisqualifikation für alle unter 18-Jährigen verpflichtend.tems der beruflichen Ausbildung neue Einstiegs- und Inte-grationsmöglichkeiten für Jugendliche mit Startschwierig-  Die Aufteilung von schulischem und betrieblichem Lern-keiten geschaffen werden. Auf der anderen Seite muss die ort ist an der bestehenden Form der dualen AusbildungDurchlässigkeit des Systems der dualen Ausbildung weiter orientiert: Der schulische Teil der Basisqualifikation findeterhöht werden, sodass Einstiegs- und Teilqualifikation nicht dabei an den Berufsschulen statt, betriebspraktische Erfah-ohne Anschluss- und Weiterqualifizierungsmöglichkeiten rungen werden in einem Praktikumsbetrieb gesammelt.verbleiben. 9 Bildung in Deutschland 008, S. 9, Abb. E-.
  • 78. ÜBErGrEIFEnDE EMPFEHlunGEn 75 Die berufliche Basisqualifikation wird branchenspezifisch  Durch die verpflichtende Anrechung der Basisqualifikation angeboten. Beispielsweise sind die Bereiche Pflege, Tech- auf weiterführende Qualifizierungen wird der bestehen- nik, Bau, Verkauf etc. denkbar. den Praxis entgegengewirkt, nach der die Anrechung einzelner im Übergangssystem erworbener Kompetenzen Im Mittelpunkt steht die Vermittlung fachpraktischer in der dualen Ausbildung bereits möglich ist, in der Praxis Kompetenzen in den Praktikumsbetrieben. Dies wird allerdings noch selten durchgeführt wird. Nicht zuletzt ist ergänzt durch die zielgerichtete Schulung methodischer, hier die fehlende Akzeptanz der Anrechnung in den Betrie- sozialer und personaler Kompetenzen in den schulischen ben entscheidend für die Nichtinanspruchnahme dieses Teilen, bspw. durch Kurse zur Dienstleitungs- und Kunden- Anrechungsanspruchs. orientierung, Telefonschulungen, Kassenkurse etc. Über einen Kompetenztest am Ende des Schuljahres werden die Verantwortlichkeit erworbenen Kompetenzen nachgewiesen und festgehal- ten. Die Zuständigkeit für die Reform und Modernisierung der Aus- bildungsordnungen liegt bei den Sozialpartnern sowie dem Die berufliche Basisqualifikation ist zukünftig die aner- Bund und den Ländern, die in einem kooperativen Verfahren kannte Zugangsvoraussetzung für sämtliche einfache Inhalte und Verfahren festlegen. Tätigkeiten in allen Branchen (Verkaufstätigkeiten im Einzelhandel, Hilfstätigkeiten am Bau und im Handwerk, einfache pflegerische Aufgaben etc.). Um die Weiterqualifizierung zu ermöglichen und die 10.3 Flächendeckender Aufbau Durchlässigkeit zu erhöhen, muss die berufliche Basis- branchenspezifischer regionaler qualifikation voll auf eine mögliche anschließende weitere (Teil-)Qualifizierung oder duale Ausbildung angerechnet Aus- und Weiterbildungszentren werden. Durch die berufliche Basisqualifikation entsteht für den Auszubildenden kein Zeitverlust. 0.3. BefundÜber eine solche Umsetzung ist die Basisqualifizierung an- Ergebnisse Delphischlussfähig an bestehende Strukturen und Diskussionen. ImVergleich zu bestehenden Angeboten des Übergangssystems Die Konkurrenz um geeignete Auszubildende wird sich durchweist sie jedoch deutliche Vorteile auf: den demographischen Wandel deutlich erhöhen. Die Chancen für kooperative Elemente in der Ausbildung werden sich vor Durch die Verbindung von schulischen und betrieblichen diesem Hintergrund nach Einschätzung der Experten nicht er- Elementen können die Vorteile beider Lernorte genutzt höhen. Trotz dieser ungünstigen Ausgangssituation schreiben werden: Unternehmen können potenzielle Auszubilden- die Experten überbetrieblichen Ausbildungsabschnitten eine de und Mitarbeiter kennenlernen, gleichzeitig kann die hohe Bedeutung für die Qualitätssicherung und -entwicklung Ausbildungs- und Beschäftigungsfähigkeit der Schulabsol- der dualen Ausbildung zu. venten weiter erhöht werden. Ergebnisse Szenarien Die Einstellungschancen nach dem Absolvieren der Ba- sisqualifikation erhöhen sich für Jugendliche mit Start- Der sich verschärfende Wettbewerb um die besten Köpfe wird schwierigkeiten: Der Jugendliche verfügt bereits über eine auch in den Szenarien thematisiert. Dies stellt insbesondere Grundqualifikation für einfache Tätigkeiten, ggf. konnten KMU vor neue Herausforderungen, da sie hinsichtlich der Auszubildender und Unternehmen sich bereits im Rahmen Personalrekrutierung oft finanziell und personell gegenüber des Praktikums kennenlernen. Darüber hinaus stellt das Großunternehmen benachteiligt sind. Zusätzlich verschärft Unternehmen den Absolventen der Basisqualifikation über wird der Wettbewerb um eine geringer werdende Zahl poten- einen normalen Arbeitsvertrag an, das Unternehmen muss zieller Auszubildender durch steigende Anforderungen an die sich nicht mehr im Rahmen eines Ausbildungsvertrags Technologisierung. langfristig binden. Vor diesem Hintergrund sind die Verbindung von Perso- Eine Stigmatisierung der Jugendlichen im Übergangs- nalrekrutierungsstrategien mit Angeboten zum lebenslangen system als „BVJ-ler“ etc. wird vermieden, indem jeder Lernen, die zunehmende Verzahnung von Aus- und Weiterbil- Auszubildende die Basisqualifikation absolviert und sich dung und die Aktualisierung von Wissen über die gesamte erst danach entscheidet, ob er eine vollständige duale Bildungs- und Arbeitsbiographie hinweg zentrale Kriterien Ausbildung absolviert. für die Zukunfts- und Wettbewerbsfähigkeit von Unterneh- men.
  • 79. 76 ÜBErGrEIFEnDE EMPFEHlunGEn0.3.2 Empfehlung VerantwortlichkeitFlächendeckender und abgestimmter Aufbau regionaler Aus- Die Verantwortlichkeit für regionale Bildungszentren liegenund Weiterbildungszentren, um neue Spielräume für einen in der Region selbst. Vor dem Hintergrund der Notwendig-hochwertigen Technologieeinsatz in der beruflichen Bildung keit eines bedarfsgerechten Ausbaus und der Initiierung vonzu schaffen und insbesondere KMU bei der Personalrekrutie- Konzentrationsprozessen sollten dennoch auf Bundes- undrung und -bindung zu unterstützen. Regionale Ressourcen, vor Landesebene koordinierte Verfahren in Zusammenarbeit mitallem regionale Entwicklungs- und Kooperationspotenziale anderen Ressorts (Bundesministerium für Wirtschaft, Bun-sollen für eine Qualitätssteigerung der beruflichen Bildung desministerium für Arbeit) implementiert werden, um übergenutzt werden und damit die regionale Wettbewerbsfähig- entsprechende Anreizsysteme eine zielgerichtete Entwicklungkeit insgesamt erhöhen. zu unterstützen.Wichtigkeit Hoch, zunehmende Technologisierung und zunehmende Schwierigkeiten von KMU bei der Stellenbesetzung ma- 10.4 Mobilität von Jugendlichen chen die rasche Implementierung passender Instrumente erhöhen erforderlich. 0.4. BefundDringlichkeit Ergebnisse Delphi Mittel, denn die Förderung regionaler Bildungsnetzwerke ist bereits ein Förderschwerpunkt der Bundesregierung im Da die internationale Aufstellung von Unternehmen immer Bereich Bildung: Jobstarter-Programm, Förderprogramm weiter zunimmt, gehen die Experten auch von einer zuneh- Lernende Regionen, Ausbau von ÜBS zu Kompetenzzentren. menden Internationalisierung der Ausbildung aus. Diese Hier können die vorhandenen Programme entsprechend wird vor allem durch länderübergreifende Kooperationen der den unten stehenden Empfehlungen angepasst werden. Unternehmen in der Ausbildung realisiert.Denkbare Lösungsansätze Auch im Inland werden die Anforderungen an die Mobi- lität von Jugendlichen deutlich zunehmen, da eine flächen- Eine schrumpfende Erwerbsbevölkerung macht es not- deckende Infrastruktur in strukturschwachen Regionen nicht wendig, Ressourcen branchenspezifisch zu konzentrieren. aufrechterhalten werden kann. Eine vollständige Kompensa- Regionen brauchen zukünftig nicht mehr mehrere Bran- tion durch virtuelle Bildungsangebote ist unwahrscheinlich, chen in der Aus- und Weiterbildung abzudecken, sondern stattdessen werden landes- und bundesweite Fachklassen Konzentrationsprozesse können gezielt und bedarfsge- eingerichtet. recht forciert werden. Statt einer Breitenförderung muss zunehmend die Förderung von Exzellenz in der Aus- und Ergebnisse Szenarien Weiterbildung in den Mittelpunkt gerückt werden. Auch die Szenarien verweisen darauf, dass durch den Fachkräf- Über die starke Spezialisierung der Aus- und Weiterbil- temangel regionale und internationale Mobilität wichtiger dungszentren sollen zusätzliche finanzielle Mittel für eine wird. Der Abbau von Infrastruktur, die regionale Spezialisie- technologisch hochwertige Ausstattung erschlossen wer- rung und die Internationalisierung erhöhen den Bedarf, sich den (bspw. über EU-Mittel, private Spenden durch die Her- schon in der Ausbildung national bzw. international zu orien- steller etc.). Auch in der Kooperation mit Hochschulen und tieren. Zugleich wird der Fachkräftemangel dazu führen, dass Forschungseinrichtungen vor Ort sowie in der Anbindung verstärkt Nachwuchskräfte aus dem Ausland gesucht werden. an regionale Wirtschaftscluster liegen hier Potenziale. Vor diesem Hintergrund ergeben sich als neue Herausfor- Im Mittelpunkt steht die Förderung innovativer Koopera- derungen die Erhöhung der Mobilität deutscher Jugendlicher, tionen und Strukturen, nicht die Förderung bestimmter die Gewinnung ausländischer Jugendlicher für eine qualifi- Institutionen oder Träger. Neben Schulen, Berufsschulen, zierte Ausbildung sowie der Regain junger deutscher Fachkräf- Kammern und Unternehmen (insbesondere KMU) sollen te aus dem Ausland. auch private Bildungsanbieter in die regionalen Bildungs- zentren mit einbezogen werden. Innovative Träger- und Finanzierungsmodelle wie bspw. Bildungsstiftungen oder Bildungsfonds können dabei helfen, institutionelle Barrie- ren zu überwinden.
  • 80. ÜBErGrEIFEnDE EMPFEHlunGEn 770.4.2 Empfehlung 10.5 Neue Instrumente zurBereitstellung regionaler Infrastruktur für Jugendliche aus Finanzierung der beruflichendem In- und Ausland, um den Umzug in eine fremde Umge- Aus- und Weiterbildungbung zu erleichtern. Nutzung vorhandener Infrastrukturen imAusland, um Beratungsangebote für Ausbildung in Deutsch- 0.5. Befundland zu etablieren und Bildungsangebote im Ausland nachdem Vorbild der dualen Ausbildung zu schaffen. Ergebnisse DelphiWichtigkeit Insbesondere die Ergebnisse der Delphi-Befragung zeigen, Hoch, da bereits heute das Verhältnis von Angebot und dass die rückläufigen Schülerzahlen bereits kurzfristig zu Nachfrage auf dem Ausbildungsmarkt in einem Missver- Einspareffekten im System der beruflichen Ausbildung führen: hältnis steht. Frei werdende Mittel werden nicht mehr für die berufliche Ausbildung aufgewendet und stehen dem System nicht mehrDringlichkeit zur Verfügung. Hoch, da ein hoher zeitlicher Vorlauf beim Aufbau entspre- Ergebnisse Szenarien chender Infrastrukturen einzukalkulieren ist und schon heute branchenspezifischer und regionaler Fachkräf- Durch die Szenarien wird der drohende Qualitätsverlust und temangel besteht. die damit verbundene sinkende Attraktivität der beruflichen Ausbildung deutlich. Steigende Leistungsanforderungen undDenkbare Lösungsansätze sich wandelnde Bedürfnisse der Wirtschaft werden in vielen Szenarien nicht vom Ausbildungssystem aufgegriffen. Die Regionale „Kümmerer“, also Ansprechpartner, die in Zu- Anforderungen an die Ausbildungsanfänger werden stabil sammenarbeit mit den Betrieben günstige Wohnmöglich- gehalten und nicht angepasst. keiten organisieren, Unterstützung bei Behördengängen leisten und bei sonstigen Problemen des Alltags helfen Die Schere zwischen möglicher und notwendiger Finan- zierung der beruflichen Ausbildung wird zunehmend breiter, Ausbau von internationalen Schulpartnerschaften für die und das System der Mischfinanzierung gerät immer mehr berufsbildenden Schulen unter Druck: Die Förderung deutscher Schulen im internationalen  Die Kostenanteile der verschiedenen Akteure (öffentliche Ausland, das nicht oder nur in geringem Umfang vom Hand, Betriebe und Individuen) verschieben sich. demographischen Wandel betroffen ist, um frühzeitig sprachliche und kulturelle Barrieren abzubauen  Steigende Qualifizierungs- und Leistungsanforderungen können vielfach nur durch private Angebote aufgenom- Vermarktung des dualen Systems im internationalen Aus- men und vermittelt werden, da die öffentlichen Mittel land durch Kampagnen und Unterstützung beim Ausbau stagnieren. nationaler Ausbildungsstrukturen im Ausland  Individuen müssen immer mehr auch auf kostenpflichtigeVerantwortlichkeit Angebote beruflicher Ausbildung und weiterer Qualifizie- rungen im Erwerbsverlauf zurückgreifen, um eine qualita-Die Verantwortlichkeit für den Aufbau regionaler Strukturen tiv hochwertige Ausbildung zu erhalten.obliegt den Städten und Kommunen; die Aktivitäten im Aus-land werden durch den Bund initiiert und gemeinsam mit den 0.5.2 Empfehlungentsprechenden Partnern (z.B. Goethe-Institute) umgesetzt. Empfehlungen für neue Instrumente der Finanzierung der beruflichen Ausbildung müssen die Besonderheiten der Mischfinanzierung und die unterschiedlichen Bedürfnisse der verschiedenen Akteure aufgreifen. Für die öffentliche Hand bedeutet dies, demographisch bedingt frei werdende Mittel zur Sicherung von Qualität und Modernität der beruflichen Ausbildung in das System zu reinvestieren. Für Betriebe und Individuen bedeutet es, das durchschnittliche Bildungs- und Qualifikationsniveau zu erhöhen und die individuelle und
  • 81. 78 ÜBErGrEIFEnDE EMPFEHlunGEnbetriebliche Personalentwicklung bewusst als eine lebenslauf- 10.6 Förderung der Integrationbezogene Qualifizierungsstrategie zu verstehen. von Jugendlichen mit Betriebe und Individuen müssen in die Lage versetzt Migrationshintergrundwerden, ihre Aus- und Weiterbildungsbeteiligung zu erhö-hen. Finanzierungsinstrumente müssen bestehende Nach-teile – sozioökonomischer Hintergrund, starke Korrelationzwischen Vorbildung und Bildungsverhalten, finanzielle 0.6. BefundEinschränkungen bei Individuen und Betrieben etc. – gezieltausgleichen. Zudem kann es über eine stärkere Nachfrageori- Internationale und nationale Leistungsvergleiche zeigen, dassentierung auf dem Markt für Aus- und Weiterbilder zu einem Jugendliche mit Migrationshintergrund nicht nur im Bildungs-qualitativ verbesserten Angebot kommen; hierzu sind subjekt- wesen, sondern auch auf dem Ausbildungsmarkt bei gleichenfinanzierte Instrumente einzuführen. Ausgangsbedingungen und ähnlichen Bewerbungsstrategien geringere Chancen auf einen Ausbildungsplatz haben. In derWichtigkeit Altersgruppe der 20- bis 29-Jährigen blieben im Jahr 2003 mehr als ein Drittel zugewanderter Jugendlicher ohne Berufs- Hoch, denn kostenpflichtige Angebote in der Ausbildung abschluss. nehmen zu, und die Weiterbildungsteilnahme in Deutsch- land ist zwar gestiegen, hängt jedoch stark von externen Ergebnisse Delphi Faktoren (Vorbildung, Betriebsgröße etc.) ab. Die Delphi-Befragung liefert erste Hinweise auf eine Entspan-Dringlichkeit nung der Situation in der Zukunft: Bereits bis zum Jahr 2015 wird die Integration in den Ausbildungsmarkt weniger über Hoch, da Qualifizierung der entscheidende Faktor für die die Herkunft der Jugendlichen als über den Schulabschluss Wettbewerbsfähigkeit (des Einzelnen und der Wirtschaft) determiniert. Bei steigenden formalen Qualifikationen von ist. Schulabsolventen werden Zuwanderer im Vergleich zu Jugendlichen mit niedrigen oder keinen BildungsabschlüssenDenkbare Lösungsansätze am wenigsten benachteiligt. Einführung des Bildungskontos und -sparens als obligato- Ergebnisse Szenarien risches Instrument: Mit Beginn der Ausbildung erhalten Auszubildende ein Bildungskonto mit einer staatlichen Die Szenarien weisen jedoch darauf hin, dass die Gewinnung Ersteinlage als Anreiz. und Sicherung der Potenziale der Jugendlichen mit Migra- tionshintergrund heute und zukünftig von hoher Bedeutung Einführung von „Ausbildungsgutscheinen“ für unter- ist. Steigende Leistungsanforderungen, zunehmende Migra- schiedliche Nachfrager: Im Rahmen der Gutscheine tionsströme und sinkende Nachwuchszahlen führen in den können die individuellen Merkmale des Bildungsnach- Szenarien oftmals dazu, dass die Integrationseffektivität des fragers nicht nur auf der Seite der Auszubildenden und Ausbildungssystems nicht ausreicht und neue Möglichkeiten Arbeitskräfte berücksichtigt werden, sondern auch KMU für diese Zielgruppe eröffnet werden müssen. sachgerecht gefördert werden. 0.6.2 Empfehlung Anpassung von Leistungshöhen bestehender Finanzie- rungsinstrumente (Meister-BAföG, steuerliche Berücksich- Das System der beruflichen Ausbildung muss so gestaltet tigung von individuellen Weiterbildungsaufwendungen, sein, dass es den steigenden Ansprüchen einer globalisierten Prämien- und Darlehensregelungen) und technologisierten Arbeitswelt und Gesellschaft gerecht werden kann, ohne seine eigene Integrationsfähigkeit zuVerantwortlichkeit gefährden. Dabei geht es einmal darum, möglichst allen Jugendlichen den Weg in die Ausbildung zu eröffnen. Vor demDie Verantwortlichkeit für die Einführung neuer Finanzie- Hintergrund der sinkenden Zahl von Ausbildungsanfängernrungsinstrumente richtet sich im Einzelnen nach der Auswahl gewinnt jedoch ebenso die Integration von Jugendlichen mitdes Ansatzes. Migrationshintergrund aus volks- und betriebswirtschaftlicher Sicht (Nachwuchskräftesicherung) immer mehr an Bedeutung. Der Nationale Integrationsplan bietet einen guten Rahmen, der durch gezielte Maßnahmen und Unterstützungsleistungen gefüllt werden muss.
  • 82. ÜBErGrEIFEnDE EMPFEHlunGEn 79Wichtigkeit 10.7 Sicherung einer bedarfsgerech- Hoch, denn die Ausbildungsbeteiligungsquote auslän- ten Ausbildungsinfrastruktur discher Jugendlicher ist mit knapp 24% weniger als halb so groß, wie die der deutschen Jugendlichen. 0.7. BefundDringlichkeit Ergebnisse Delphi Hoch, im langfristigen Zeitraum ist eher mit einer Entspan- Nach Einschätzung der Experten wird die Schließung von nung zu rechnen. Infrastruktureinrichtungen und eine damit verbundene Reduzierung des Ausbildungsangebots mittelfristig wirksam.Denkbare Lösungsansätze Der Abbau der Infrastruktur betrifft dabei vor allem struk- turschwache Regionen und die ostdeutschen Bundesländer. Erweiterung des Erkenntnisstandes im Hinblick auf die Alle Einrichtungen der beruflichen Bildung stehen vor diesen berufliche Aus- und Weiterbildung von Migranten und Herausforderungen, jedoch sind außerbetriebliche Bildungs- Migrantinnen durch wissenschaftliche Studien und For- stätten früher betroffen. schung Während die öffentlich finanzierte Nachfrage nach Definition interkultureller Bildung als fester Bestandteil in Leistungen sinkt, steigt die Nachfrage nach privat finanzierten der beruflichen Ausbildung bspw. durch die Aufnahme in Leistungen schon ab dem Jahr 2007 deutlich an. die Ausbilder- Eignungsverordnung, Fortbildungen von Lehrkräften zur Wahrnehmung des Sprachbildungsauf- Ergebnisse Szenarien trags, Steigerung der Sprachfähigkeit von Auszubildenden durch Fremdsprachenunterricht oder die Integration von Auch in den Szenarien wird deutlich, dass die Einrichtungen Muttersprachenunterricht der beruflichen Bildung zukünftig vor neuen Herausforde- rungen stehen werden. In den Szenarien zeigen sich unter- Auflösen vorhandener Stereotype, bspw. die Verbesserung schiedliche Schwerpunkte: der Wahrnehmung von kultureller Heterogenität als be- triebswirtschaftliches Potenzial  Verhältnis öffentlicher und privater Angebote Begleitung des Übergangs der Jugendlichen von der Schu-  Anbieterstrukturen und Art und Umfang öffentlicher le in die Ausbildung und während der Ausbildung bspw. Bildungsträger durch Mentoring-Programme, berufsbegleitende Nach- qualifizierungen etc.  Leistungsumfang und Angebotsspektrum der Bildungs- anbieterVerantwortlichkeit Der demographisch bedingte Rückgang der Ausbildungs- Die Steigerung der Integrationseffektivität des Ausbil- bevölkerung führt folglich absehbar dazu, dass bestehende dungssystems in Bezug auf Jugendliche mit Migrationshin- Infrastruktur überflüssig wird und rückgebaut werden muss. tergrund ist Bestandteil des staatlichen Bildungsauftrags. Gleichzeitig besteht auch weiterhin der Bedarf, den ausbil- Entsprechend den Mischzuständigkeiten von Bund und dungswilligen Jugendlichen auf der einen Seite und den Ländern sind beide Ebenen gefordert. Für das BMBF be- ausbildungswilligen Betrieben auf der anderen Seite eine steht die Möglichkeit, Fördermaßnahmen aufzusetzen. flächendeckende Ausbildungsinfrastruktur zur Verfügung zu stellen, um die Funktionsfähigkeit des Ausbildungssystems zu erhalten. 0.7.2 Empfehlung Der bereits begonnene Rückbau der bestehenden Ausbil- dungsinfrastruktur muss den notwendigen Bedarfen von Aus- bildungsanfängern und ausbildenden Unternehmen folgen. Die demographisch bedingte Schließung von Infrastrukturein- richtungen muss durch den Auf- und Ausbau bedarfsgerechter Angebote aufgefangen bzw. ergänzt werden. Dabei ist auch das Verhältnis zwischen staatlichen Interventionen und pri- vaten Angeboten neu zu bestimmen.
  • 83. 80 ÜBErGrEIFEnDE EMPFEHlunGEn Auf der Seite der Auszubildenden sind Angebote zu schaf- 10.8 Systematisierung von Angebotenfen, welche den Jugendlichen flächendeckend den Zugang zueiner Ausbildung ermöglichen und gleichzeitig die geringe zur Bildungsberatung undMobilität der Auszubildenden berücksichtigen. Für die Unter- Berufswahlnehmen sind insbesondere qualitative Elemente nachgefrag-ter Qualifizierungsanforderungen und betriebliche Einschrän- 0.8. Befundkungen (vor allem bei KMU) von Bedeutung.Wichtigkeit Ergebnisse Delphi Hoch, denn die Schließung von Infrastruktureinrichtungen Mehr als die Hälfte der Experten geht davon aus, dass es zu hat bereits begonnen; wichtig ist ein gesteuerter Rückbau. einer stärkeren Diversifizierung der Ausbildungslandschaft kommt, die durch die zunehmende Modularisierung, die stei-Dringlichkeit gende Konkurrenz mit den Hochschulen sowie die Zunahme betriebspraktischer Anteile in vollzeitschulischen Ausbil- Hoch, neben der Nutzung bestehender Förderprogramme dungsgängen entsteht. sollten bereits heute Modellprojekte erprobt werden, um dem übergreifenden Trend mittelfristig begegnen zu kön- Auch die wenig flexible Berufswahl von Mädchen und nen. Jungen verweist auf einen geringen Kenntnisstand der beruflichen Möglichkeiten. Die Delphi-Befragung zeigt, dassDenkbare Lösungsansätze Experten zumindest mittelfristig von einem Berufswahlverhal- ten ausgehen, das den traditionellen Rollenbildern verhaftet Neben Bundes- und Fachklassen sollten virtuelle Bildungs- bleibt. angebote stärker gefördert und für die berufliche Ausbil- dung nutzbar gemacht werden. Aufbau und Gestaltung Ergebnisse Szenarien von Fernstudiengängen an Hochschulen können interes- sante Hinweise geben. Auch in den Szenarien wird die zunehmende Differenzierung der beruflichen Ausbildung hinsichtlich der Tätigkeitsbe- Die Mobilität der Jugendlichen sollte durch Angebote wie reiche, Ausbildungsorganisation und Qualifizierungsanforde- bspw. Internatsplätze erhöht werden (siehe hierzu Empfeh- rungen deutlich. Darüber hinaus wird sehr stark deutlich, dass lung 10.4: Mobilität von Jugendlichen erhöhen). die quantitativen und qualitativen Veränderungen der Ausbil- dungslandschaft die Vermittlung von Ausbildungsbewerbern Regionale Bildungszentren als Weiterentwicklung und an ausbildende Betriebe (insbesondere KMU) erschweren. Zusammenschluss heute bestehender Ausbildungsein- richtungen (Berufsschulen, außer- und überbetriebliche Die Szenarien verweisen ebenso darauf, dass trotz guter Bildungsstätten) sind auch vor dem Hintergrund des Ausgangsvoraussetzungen der Mädchen das geschlechtsspezi- gesteuerten Rückbaus wichtig und weiter zu fördern fische Berufswahlverhalten nur langsam aufgebrochen wird. (siehe hierzu Empfehlung 10.3: Flächendeckender Aufbau branchenspezifischer regionaler Aus- und Weiterbildungs- Die Ausbildungslandschaft hat sich in Quantität und zentren). Qualität bereits heute deutlich verändert und wird sich durch Prozesse wie die zunehmende Modularisierung und dieVerantwortlichkeit stetige Anpassung von Ausbildungsinhalten und -gängen z.B. aufgrund technologischer Neuerungen weiter diversifizieren.Aufgrund der föderalen Strukturen und der unterschiedlichen Insbesondere vor dem Hintergrund notwendiger lebenslangerRessortzuständigkeiten ist die Verantwortlichkeit unklar. Not- Qualifizierungsstrategien ist eine bildungsbereichs- und trä-wendig ist eine gemeinsame Strategie aller politisch Verant- gerübergreifende Information und Beratung für Jugendliche,wortlichen, die über das BMBF initiiert werden kann. Eltern und Unternehmen notwendig. Bildungs-, Ausbildungs- und Berufsentscheidungen können nur auf der Grundlage umfassender Kenntnisse über vorhandene Bildungsangebote getroffen werden. Dies liegt auch im Interesse der Unterneh- men, die auf der Suche nach „passenden“ Nachwuchskräften für die unterschiedlichen Berufsfelder sind. „Passend“ bezeich- net dabei zum einen die Ausbildung in Berufen, die geeignet sind, das unternehmerische Tätigkeitsspektrum abzubilden, und zum anderen die Suche nach Persönlichkeiten, die diesen Ausbildungsplatz ausfüllen können.
  • 84. ÜBErGrEIFEnDE EMPFEHlunGEn 80.8.2 Empfehlung  Entwicklung einheitlicher Standards für Matchingange- bote und Professionalisierung des Personals durch dieDer Bedarf an umfassenden Beratungsangeboten für Bildungs- Definition von Qualifikationsanforderungen und Kompe-entscheidungen wächst kontinuierlich und muss durch ein tenzenbundesweites Angebot befriedigt werden. Da bereits viele An-gebote bestehen, sollten Anstrengungen sich vor allem darauf Verantwortlichkeitrichten, Ausbildungsberatung sowie Angebote zur Vermitt-lung von Ausbildungsbewerbern an ausbildende Stellen weiter- Notwendig ist eine gemeinsame Strategie aller politisch Ver-zuentwickeln und zu systematisieren. Dies betrifft z.B. Ange- antwortlichen, die über das BMBF initiiert werden kann.bote der Bundesagentur für Arbeit und bestehende Förderpro-gramme – wie bspw. das BMWi-Programm zur „PassgenauenVermittlung von Auszubildenden an ausbildungswilligeUnternehmen“ oder Bestandteile der Programme Jobstarter,Lernende Regionen (Themen- und Forschungsschwerpunkt 10.9 Qualität und Transparenz vonBildungsberatung) etc., die anhand vorgegebener Kriterien Ausbildungsangeboten sichern(Zielgruppe, Teilnehmerkreis, Ressortverantwortung, föderaleZuständigkeit etc.) systematisiert und aufeinander abge- 0.9. Befundstimmt werden sollten. So kann ein kohärentes und bundes-weites Angebot etabliert werden. Bestehende Aktivitäten zur Die Vielfalt der Bildungsangebote geht auch mit einer zuneh-Harmonisierung im Rahmen des Nationalen Forums Beratung menden Diversifizierung der Anbieterstrukturen einher (vgl.in Bildung, Beruf und Beschäftigung bieten Anknüpfungs- auch Kapitel 6.8.1).punkte, müssen aber gezielt erweitert werden. Ergebnisse DelphiWichtigkeit Die Experten sagen zwar voraus, dass die Vielfalt der AngeboteHoch, da und Anbieter zunimmt, jedoch wird es keinen signifikanten Anstieg privater Bildungsangebote geben (nur 13% stimmen die Abbruchquoten in der beruflichen Ausbildung trotz einem solchen Trend zu). Stattdessen werden schulische Aus- der schwierigen Situation am Ausbildungsmarkt zu hoch bildungsangebote an Bedeutung gewinnen. sind. Ein Fünftel aller Ausbildungsverträge wurde 2006 vorzeitig gelöst; die Abbruchquoten der Hochschulen sind Ergebnisse Szenarien ebenfalls kritisch. Die Szenarien verweisen darauf, dass die Vielfalt des Bildungs- das Berufswahlverhalten (die 10 beliebtesten Ausbil- systems weiter zunehmen wird. Um den Anforderungen an dungsberufe für Männer und Frauen) seit Jahren konstant Flexibilität und Durchlässigkeit Genüge zu tun, werden immer ist. 2007 sind die beliebtesten Berufe bei den Mädchen mehr alternative Angebote entwickelt, die sich im Hinblick auf Einzelhandels- und Bürokauffrau sowie Friseurin, bei den Umfang, Dauer, Trägerschaft etc. unterscheiden. Jungen Kfz-Mechatroniker, Einzelhandelskaufmann sowie Industriemechaniker 0.9.2 EmpfehlungDringlichkeit Der Sicherung und Entwicklung von Qualität kommt mit zunehmender Vielfalt eine wachsende Bedeutung für die Zu- Hohe Dringlichkeit, da schon heute in der bildungspoli- kunft der dualen Ausbildung zu. Das neue Berufsbildungsge- tischen Diskussion auf die fehlende berufliche Orientie- setz (BBiG) betont, dass Qualitätssicherung eine gemeinsame rung von Schülerinnen und Schülern verwiesen wird. Diese Aufgabe aller Akteure beruflicher Bildung ist. Auf europäi- wird mit der zunehmenden Vielfalt an Bildungsmöglich- scher Ebene erhält die Qualitätsdiskussion durch die Arbeiten keiten weiter zunehmen. zum EQF einen hohen Stellenwert. Zwar wird Qualität in der beruflichen Ausbildung durch Rahmenvorgaben gesichert,Denkbare Lösungsansätze jedoch ist in vielen Feldern unbekannt, inwiefern die Vorgaben tatsächlich erreicht werden. Die Diskussion um sinnvolle Qua- Ermittlung von vorhandenen Bedarfen für Beratungs- und litätssicherungssysteme bzw. Qualitätsentwicklungsprozesse Matchingangebote aufseiten der Jugendlichen und der steht jedoch noch am Anfang und sollte zielgerichtet vorange- Betriebe als Ausgangspunkt für die Systematisierung trieben werden. Verankerung von Beratungsstrukturen (z.B. Bildungsbü- ros) in allen Kommunen
  • 85. 82 ÜBErGrEIFEnDE EMPFEHlunGEnWichtigkeitHoch, da die Überlegungen zur Qualitätssicherung und -ent-wicklung in der beruflichen Ausbildung dem Stand der De-batte in anderen Bildungsbereichen (Fort- und Weiterbildung,Schulbildung, tertiäre Bildung) deutlich hinterherhinken,obwohl der Handlungsbedarf vergleichbar ist.DringlichkeitHoch, da die zunehmende Konkurrenz mit anderen Bildungs-gängen steigt und die Einschätzung der Qualität wichtigesEntscheidungskriterium für die Auswahl von Bildungsgängenist.Denkbare Lösungsansätze Diskussion und Verbreitung systematischer Evaluationsan- sätze für alle Beteiligten (ausbildende Betriebe, berufsbil- dende Schulen, Bildungseinrichtungen) Diskussion und Verbreitung von weiteren Verfahren der Qualitätssicherung, wie z.B. Akkreditierung, Qualitäts- normen etc.VerantwortlichkeitNotwendig ist die systematische Entwicklung und Prüfung derverschiedenen Ansätze im Rahmen von Modellvorhaben undPilotprojekten z.B. durch das BMBF.
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  • 88. Diese Druckschrift wird im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit vom Bundesministeriumfür Bildung und Forschung unentgeltlich abgegeben. Sie ist nicht zum gewerblichenVertrieb bestimmt. Sie darf weder von Parteien noch von Wahlwerberinnen/Wahlwer-bern oder Wahlhelferinnen/Wahlhelfern während eines Wahlkampfes zum Zweck derWahlwerbung verwendet werden. Dies gilt für Bundestags-, Landtags- und Kommunal-wahlen sowie für Wahlen zum Europäischen Parlament.Missbräuchlich ist insbesondere die Verteilung auf Wahlveranstaltungen und anInformationsständen der Parteien sowie das Einlegen, Aufdrucken oder Aufkleben par-teipolitischer Informationen oder Werbemittel. Untersagt ist gleichfalls die Weitergabean Dritte zum Zwecke der Wahlwerbung.Unabhängig davon, wann, auf welchem Weg und in welcher Anzahl diese Schrift derEmpfängerin/dem Empfänger zugegangen ist, darf sie auch ohne zeitlichen Bezug zueiner bevorstehenden Wahl nicht in einer Weise verwendet werden, die als Parteinahmeder Bundesregierung zugunsten einzelner politischer Gruppen verstanden werdenkönnte.

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