Neue Risiken für die
       Welternährung

        Joachim von Braun, IFPRI
Symposium zu Ehren von Prof. Franz Heidhues
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“Hunger” in den Entwicklungsländern

Millions of
hungry people
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39 Länder waren 2005 von
Ernährungskrisen (“food emergencies”)
              betroffen




                               ...
• Was macht die Welternährung unsicher?
   • Wie Risiko und Unsicherheit der
       Welternährung analysieren?
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• Konzeptionelles
Risiko und Unsicherheit: Konzept

• 1- bekannte Risiken: Ursachen, Wahrscheinlichkeiten und
  Konsequenzen sind bekannt; R...
Generelle Risikobereiche
      fuer die sich Davos 2006 interessierte

1.   Wirtschaftliche Risiken
2.   Umweltbezogene Ri...
Alte und neue Ernährungsprobleme und Risiken

Problemlagen               Direkte Ursachen        Indirekte Ursachen und   ...
Neue, neu erkannte und alte Risiken der
      Welternährung im Einzelnen
Risiko 1: Tempo der landw. Transformation
                         2005 – 2020
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Risiko: Tempo der landw. Transformation
  Beschaeftigung 2005 – 2020 in Milliarden

                      Landw.          ...
Risiko 2: Globalisierungsrisiko vermehrte
Ungleichverteilung von Einkommen und Kapital



• Hypothese: “die Wirkung von
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Regressionsanalyse zu
       Einkommen (GDP/Kopf) und Unterernährung

    Koeffizienten           1990-1992     1995-1997 ...
Einkommen (GDP/Kopf) und Unterernährung

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   Undernourishment
   (% of pop)
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Umweltbezogene Risiken

• Desaster
• Klimawandel
• Dürre
Ist die Welt unsicherer geworden?
                                      Lives lost to and number of natural disasters, 199...
Schock und Falle
Variations in the Earth’s surface temperature, 1000 to 2100
Dürre – eines der größten Ernährungsrisiken



Sequenzen von Dürreperioden > lokale
  Knappheiten > drastische Preissteige...
Überleben von Erwachsenen nach Saison
        der Geburt (1949 cohort)
            Schock und Falle

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Geo- und lokalpolitische Risiken

Konflikte, Kriege und Ernährung…
• Korrelation: ja, aber
• Kausalitäten zweiseitig:
  Er...
Technologische Risiken

 Risiken treten erst durch den unsachgemäßen
           Einsatz von Technologie auf.
Technologie f...
Getreide- und Energie Preis
                              1995–2005
Price index (1995 =
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Soziale Risiken

• Verfall staatlicher sozialer Sicherung
• Reduzierte kommunale oder familiäre
  Absicherung
• Diskrimini...
Gesundheitsrisiken

Frühkindliche Unterernährung (-9 / + 24 M. )
HIV/AIDS
Malaria
Vogelgrippe…
Mikronährstoffdefizite

Hab...
Risiken und Unsicherheiten in unseligen
             Kombinationen
Risiko-Kombinationen und Szenarien

Was wenn …
• Mehrere der bekannten Risiken zugleich eintreffen?
• Unbekannte neue Risi...
Betrachtungsrahmen: “Severity” und
                 “likelihood” von Risiken
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Szenarien mit IMPACT-IFPRI Modell:
                       Unterernährte Kinder in 2050
                         Afrika süd...
Implikationen für die Forschung zu
       Ernährungssicherung
Wandel der Konzepte in der ökonomischen
            Forschung zur Ernährung
                 früher                       ...
Nicht außer Acht lassen wie Arme selbst
     mit Risiko und Unsicherheit umgehen


•   Diversifizierung
•   Innovation
•  ...
Implikationen für die Forschung zur
                Ernährungssicherung



1. Von Punktschätzungen zu Bandbreiten und
   W...
Und Wer soll was tun?
    Wandel der Akteure in der Ernährungspolitik

•   nationale Politik bleibt zentral, aber…
•   lok...
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Neue Risiken für die Welternährung

  1. 1. Neue Risiken für die Welternährung Joachim von Braun, IFPRI Symposium zu Ehren von Prof. Franz Heidhues Hohenheim, 14. Juli 2006
  2. 2. “Hunger” in den Entwicklungsländern Millions of hungry people 900 824 815 800 797 Developing world 700 673 651 600 630 Developing world without China 500 1990 1995 2002 Source: FAO 2005
  3. 3. 39 Länder waren 2005 von Ernährungskrisen (“food emergencies”) betroffen Timor-Leste Maldives Aceh Province (Indonesia) 39 countries are facing food emergencies
  4. 4. • Was macht die Welternährung unsicher? • Wie Risiko und Unsicherheit der Welternährung analysieren? • Was tun?
  5. 5. • Konzeptionelles
  6. 6. Risiko und Unsicherheit: Konzept • 1- bekannte Risiken: Ursachen, Wahrscheinlichkeiten und Konsequenzen sind bekannt; Risiko kann abgesichert werden • 2- unbekannte Risiken: obwohl das Risiko verstanden wird, kann man die Wahrscheinlichkeit des Eintreffens nicht abmessen; Erfordert Flexibilität im Risikomanagment. • 3- Unsicherheit: Risiken, die noch nicht zum Vorschein gekommen sind; die systematischen Verbindungen unbekannt. Vielzahl von Risikokombinationen. Fazit: Der Welternährungsforschung mangelt es derzeit an Beachtung der zweiten und dritten Kategorie
  7. 7. Generelle Risikobereiche fuer die sich Davos 2006 interessierte 1. Wirtschaftliche Risiken 2. Umweltbezogene Risiken 3. Geopolitische Risiken 4. Technologische Risiken 5. Soziale Risiken 6. Gesundheitsrisiken
  8. 8. Alte und neue Ernährungsprobleme und Risiken Problemlagen Direkte Ursachen Indirekte Ursachen und Anzahl der Betroffenen Risiken Unterernährung Defizit an Kalorien 1. wirtschaftliche mind. 1,2 Mrd. und Proteinen; oft in Risiken Interaktion mit Infektionskrankheiten 2. umweltbezogene Mangel an Mikro- Unzureichende Risiken ca. 2 Mrd. bis 3 Mrd. Nährstoffen Versorgung mit Vitaminen und 3. geo- & lokal- Mineralstoffen politische Risiken Untergewicht bei Geburt Mangelernährung von 15.5% aller Geburten oder/und Gewichtsverfall Müttern; mangelnde weltweit (ca. 20.6 4. technologische in den ersten beiden Pflege und Millionen) Risiken Lebensjahren Gesundheitsprobleme ; verkürztes Stillen 5. soziale Risiken Übergewicht und Überhöhter Konsum ca. 1,2 Mrd. bis 1,7 Mrd. resultierende chronische von Kalorien (oft bei Krankheiten gleichzeitigem 6. Gesundheitsrisiken Mangel an Vitaminen und Mineralstoffen)
  9. 9. Neue, neu erkannte und alte Risiken der Welternährung im Einzelnen
  10. 10. Risiko 1: Tempo der landw. Transformation 2005 – 2020 % 100 50 Labor GDP 0 Y
  11. 11. Risiko: Tempo der landw. Transformation Beschaeftigung 2005 – 2020 in Milliarden Landw. Ländl. Städt. Insges. Nicht- Landw. 2005 0.9 0.6 1.5 3.0 2005-2020 - 0.3 +0.4 +0.4 +0.5 von Braun, 2005; Database Tarantino 2005, UN World Population Prospects und ILO Labor Statistics
  12. 12. Risiko 2: Globalisierungsrisiko vermehrte Ungleichverteilung von Einkommen und Kapital • Hypothese: “die Wirkung von Wirtschaftswachstum für die Verbesserung der Ernährungslage nimmt ab, weil es die Armen nicht erreicht”
  13. 13. Regressionsanalyse zu Einkommen (GDP/Kopf) und Unterernährung Koeffizienten 1990-1992 1995-1997 2001-2003 GDP/Kopf -0.00836 -0.0098 -0.0083401 (-4.08) (-4.72) (-4.87) (GDP/Kopf)2 0.0000006515 0.00000084 0.00000074 (2.46) (3.13) (3.27) Africa dummy 9.04776 10.699 11.476 (3.13) (3.60) (4.48) Rsq 0.42 0.49 0.47 Punkt-Elastizität bei -0,34 -0,39 -0,40 GDP pro Kopf von US$1000 Note: t-Statistik in ( )
  14. 14. Einkommen (GDP/Kopf) und Unterernährung 60 Undernourishment (% of pop) Log. (1990-1992) Log. (2001-03) 50 Log. (1995-1997) 40 30 20 10 0 0 1000 2000 3000 4000 5000 6000 GDP per Capita (in constant 2000 US$) GDP per capita data obtained from World Bank (2005) Undernourishment data obtained from FAO (2005) Aber: z.B. Pakistan, Peru,…
  15. 15. Umweltbezogene Risiken • Desaster • Klimawandel • Dürre
  16. 16. Ist die Welt unsicherer geworden? Lives lost to and number of natural disasters, 1990–2005 300 600 Number of deaths Number of disasters Deaths to natural disasters (thousands) 250 500 Number of natural disasters 200 400 150 300 100 200 50 100 0 0 1990 1991 1992 1993 1994 1995 1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005* Source: EM-DAT 2005 and author’s estimate for 2005
  17. 17. Schock und Falle
  18. 18. Variations in the Earth’s surface temperature, 1000 to 2100
  19. 19. Dürre – eines der größten Ernährungsrisiken Sequenzen von Dürreperioden > lokale Knappheiten > drastische Preissteigerungen > Abbau von Kapitalstöcken, Migration > Hunger > langfristige Ernährungs- und Gesundheitsproblemen. Züchtung dürreresistenter Sorten hohe Priorität in der internationalen Agrarforschung
  20. 20. Überleben von Erwachsenen nach Saison der Geburt (1949 cohort) Schock und Falle 1 0,9 Rainy 0,8 Dry 0,7 0,6 0,5 0,4 Jahre 1 3 5 7 9 11 13 15 17 19 21 23 0 5 10 15 20 25 30 35 45 Moore et al., 1997
  21. 21. Geo- und lokalpolitische Risiken Konflikte, Kriege und Ernährung… • Korrelation: ja, aber • Kausalitäten zweiseitig: Ernährungsprobleme < > Konflikte ? • Darfur, Kongo, Nord-Korea, etc. Bezug zu natürlichen Ressourcen, internationalen Beziehungen
  22. 22. Technologische Risiken Risiken treten erst durch den unsachgemäßen Einsatz von Technologie auf. Technologie für die Nutzung von Bioenergien in Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion? Die Abhängigkeit von Erdölenergie-getriebener Technologie kann die Versorgung mit Nahrungsmitteln unter neuen Stress setzten. Weltweit lawinenartige Investition in Bio-Energie die landwirtschaftliche Rohstoffe nachfragen wird.
  23. 23. Getreide- und Energie Preis 1995–2005 Price index (1995 = 100) 350 Oil 300 Wheat Rice Maize 250 200 150 100 50 0 1995 1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 Sources: FAO Commodities and Trade Division, USDA and OPEC Joachim von Braun, IFPRI, Dec. 6, 2005; CGIAR, AGM.
  24. 24. Soziale Risiken • Verfall staatlicher sozialer Sicherung • Reduzierte kommunale oder familiäre Absicherung • Diskriminierung: nicht neu, aber neuerdings in seinen Tragweiten besser erkannt (Frauen, ethnische D., religiöse D.)
  25. 25. Gesundheitsrisiken Frühkindliche Unterernährung (-9 / + 24 M. ) HIV/AIDS Malaria Vogelgrippe… Mikronährstoffdefizite Haben unterschiedliche Risiko- Wahrscheinlichkeiten und zeitliche Abläufe
  26. 26. Risiken und Unsicherheiten in unseligen Kombinationen
  27. 27. Risiko-Kombinationen und Szenarien Was wenn … • Mehrere der bekannten Risiken zugleich eintreffen? • Unbekannte neue Risiken hinzutreten? Wir wollten gern wissen… • Wann? • Wie wahrscheinlich ? • Wie schwerwiegend ?
  28. 28. Betrachtungsrahmen: “Severity” und “likelihood” von Risiken Severity Öl Preis High Severity Schock Low Likelihood High Severity Avian Flu – High Likelihood Stop der Globalisierung Massen- migration aus dem kl. Bauernsektor Low Severity Low Severity Low Likelihood High Likelihood Source: adapted from World Economic Forum 2006 Likelihood
  29. 29. Szenarien mit IMPACT-IFPRI Modell: Unterernährte Kinder in 2050 Afrika südlich der Sahara 50 45 40 35 Million children 30 Progressive Policy 25 Actions 20 Policy Failure 15 Technology and 10 Resource Management Failure 5 0 1997 2015 2030 2050 Quelle: IFPRI IMPACT Projektionen (September 2004)
  30. 30. Implikationen für die Forschung zu Ernährungssicherung
  31. 31. Wandel der Konzepte in der ökonomischen Forschung zur Ernährung früher heute • Defizite in der Produktion; • Variabilität in Versorgung und Handel; • nationalen und internationalen • Nicht-Preisschocks Preisschwankungen; • Land-, Wasser-, Inputaspekten • Umwelt und Ökosystem- der Versorgung und Ernährung; Beziehungen • aggregierte Konzepte (nationale, • kommunale, sowie inter- & intra- regionale); Haushaltskonzepte; Recht & Institutionen • Einkommensbezogenen Untersuchungen; • Gesundheit und Pflege • statischen Konzepten; • „Vulnerabilität“ • Kalorienmangel • Diät und alle Nahrungsinhaltsstoffe
  32. 32. Nicht außer Acht lassen wie Arme selbst mit Risiko und Unsicherheit umgehen • Diversifizierung • Innovation • Netzwerke • Migration • Sparen Und auch diese autonomen Strategien unterstützen Risiken und Chancen liegen nahe beieinander Aber: Schocks führen oft in Fallen
  33. 33. Implikationen für die Forschung zur Ernährungssicherung 1. Von Punktschätzungen zu Bandbreiten und Wahrscheinlichkeiten 2. Optimierung zwischen Politikbereichen: 1) Wachstums- 2)soziale Sicherungspolitik und 3)Desastervorsorge 3. Versicherungsansätze vermehrt verfolgen >Forschung & Technologie dienen der Risikovorsorge
  34. 34. Und Wer soll was tun? Wandel der Akteure in der Ernährungspolitik • nationale Politik bleibt zentral, aber… • lokale Regierungen zunehmend relevant, • NGOs lokal und weltweit, • Privater Sektor (international und national) Fazit: Die globale institutionelle Architektur zur Gestaltung der Welternährung > sollte neue Akteure mehr einbeziehen  muss Risiken und Unsicherheiten antizipieren  und helfen Chancen wahrzunehmen

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