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Presse FLInfo JUBEL Solargruppe 17.10.2011 ( Ab Seite 18 !)
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Presse FLInfo JUBEL Solargruppe 17.10.2011 ( Ab Seite 18 !)

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  • 1. 04 / 2011Herausgeber: Presseverein fl!nfo, Landstrasse 140, 9494 SchaanRedaktionsleitung: Barbara Jehle, info@flinfo.li / www.freieliste.liDas Veto – eine Kolumne Liechtenstein wird immer liberaler Zwar wurde die Initiative «Hilfe statt Strafe» abgelehnt, dennoch zeigt sich im knappenMan hat sich politisch dafür zu verantwor- Abstimmungsresultat, dass die Liechtensteiner-ten, wenn man dem Souverän Volk den Innen viel liberaler sind, als PolitikerInnenWeg verstellt. Genau dieser Verantwor-tung trachtet der Erbprinz zu entkommen, und auch JournalistInnen vermuten.wenn er seine Neins prophylaktisch durch Das Abstimmungsergebnis kann den PolitikerInnen Mut machen,die Gegend schmeisst. Seite 3 bis 5 sich an umstrittene gesellschaftliche Themen zu wagen, vor denen sie befürchten, sich im vermeintlich konservativen LiechtensteinDie Gleichstellung «die Finger zu verbrennen». Der liberale Geist, der sich in Liech- tenstein breit macht, hat sich auch im Juni in der Abstimmung zurGleicher Lohn für Mann und Frau wird eingetragenen Partnerschaft gleichgeschlechtlicher Paare (Part-nach einer Schätzung im Jahr 2932 real. nerschaftsgesetz) gezeigt. Die Abstimmungskämpfe wurden hochBei diesen Perspektiven kann es um die emotional geführt, vermutlich gerade, weil sie WertediskussionenBesetzung einer unabhängigen Stabstelle ausgelöst haben. Fortsetzung Seite 2Chancengleicheit keinen Aufschub geben.Seite 6 bis 8Inhalt Seite 3 Das Veto. Seite 6 Die Gleichstellung. Seite 9 Das AusländerInnenstimmrecht.Seite 11 Fristenregelung. Seite 12 Die Energiewende. Seite 16 Eine Randnotiz wert. Seite 18Die Propagandaregierung. Seite 18 Jugendseite. Seite 19 Solargenossenschaften.
  • 2. 04/ 2011 2 EDITORIAL Angesichts dieser taktischen Störma- növer war das Ergebnis mit 47,7 Prozent Ja-Stimmen und 52,3 Prozent Nein-Stim- men erstaunlich knapp: Die Zentrums- gemeinden haben einer Fristenregelung zugestimmt. Die Freie Liste betrachtet es als Auftrag der StimmbürgerInnen an die Politik, eine konsensfähige Lösung für diese gesellschaftspolitische Problematik herbeizuführen. Denn: Noch ist alles beim Alten. Die Kriminalisierung von Schwan- gerschaftsabbrüchen in Liechtenstein ist unverändert gegeben. Der im Raum ste-Solche Diskussionen sind wichtig in einer hende Vorschlag von VU und FBP, das Ausblick LandesspitalDemokratie, sie drängten aber jüngst auch Problem in’s Ausland zu verlagern, ist Ein Nein bedeutet nicht: Nein zu einemobjektive Information und Sachlichkeit an Scheinheiligkeit nicht zu überbieten. neuen Landesspital. Es ist von allen Sei-in den Schatten. Die StimmbürgerInnen Gleich zwei Alternativvorschläge stehen ten unbestritten, dass es ein neues Spitalmussten einen Abstimmungsk(r)ampf über im Oktober-Landtag zur Debatte. Einer- braucht. Der grosse Konflikt zwischen densich ergehen lassen, der eine objektive Mei- seits eine Exportinitiative, welche vorsieht, Befürwortern und Gegnern ist vielmehr:nungsfindung schwierig machte. Er wurde dass eine Fristenregelung (und damit auch Soll ein Spital gebaut werden, das sich anmit kaum greifbaren Killer-Argumenten eine ergebnisoffene Beratung) im Land einem Leistungsauftrag orientiert, der sowie «schädlich für die Gesellschaft» und weiterhin verboten bleibt, aber straffrei ziemlich alles erlaubt und auf Konkurrenzmit einem guten Schuss Patriotismus ange- wird, wenn sie im Ausland vorgenommen zu den umliegenden Spitälern ausgelegtreichert. Dies gilt genauso für die aktuelle wird, andererseits eine überparteiliche Mo- ist? Oder soll ein Spital gebaut werden,Diskussion um den Kredit für den Neubau tion, welche sich an der schweizerischen nachdem ein mit den umliegenden Spi-des Landesspitals. Gesetzgebung orientiert. Mit der Motion tälern abgesprochenes Leistungsangebot Nun, dies ist Demokratie…auf parla- wird grundsätzlich nur die Stossrichtung ausgearbeitet worden ist? Nur mit einemmentarischer Grundlage...der in Liechten- vorgegeben; sie lässt der Regierung und koordinierten Leistungsangebot kann fürstein noch die Erbmonarchie voransteht. dem Landtag Gestaltungsspielraum, wäh- uns alle in puncto Qualität und vor allem rend der Initiativvorschlag nur angenom- Kosteneffizienz ein besseres Ergebnis er-Rückblick auf «Hilfe statt Strafe» men oder abgelehnt werden kann. Es ist zu zielt werden. Wie der AbstimmungskampfGerade die Abstimmung «Hilfe statt Stra- hoffen, dass der Landtag seiner Rolle als läuft, und dass es in dieser unübersicht-fe» stand unter besonderen, erstmaligen Souverän gerecht wird und versucht, trotz lichen Lage überhaupt schon zu einer Ab-Vorzeichen: Der Erbprinz kündigte bereits angedrohtem Veto des Erbprinzen gegen stimmung kommt, liegt am Versagen derim Vorfeld die Nicht-Sanktionierung einer das Schweizer Modell eine gute Regelung Politik. Der Spitalneubau wäre an sichallfälligen Befürwortung an. Diese Dro- auszuarbeiten. ein reines Sachthema, das aber völlig ver-hung wirkte und erklärt die tiefe Stimmbe- Landtagsabgeordnete müssen als Ver- politisiert worden ist. Innerhalb der po-teiligung von nur 61 Prozent. treter des Volkes frei und unabhängig Ge- litischen Gremien (Regierung, Landtag, Die VU- und FBP-Fraktionen im setzesentwürfe einbringen und ausarbei- Parteien) ist es zu grossen ZerwürfnissenLandtag waren unfähig oder vielmehr, die ten können. Wenn sie gezwungen würden, und Spannungen gekommen. Geldinteres-Grossparteien haben im Vorhaben versagt, sich bei der Ausarbeitung vorgängig mit sen und Ränkelspiele dominieren, übereinen formulierten Kompromissvorschlag dem Erbprinzen abzusprechen, wäre die ein Kooperationsangebot aus St. Galleneinzubringen, der den StimmbürgerInnen Balance des Systems empfindlich gestört. wird der Mantel des Schweigens gelegt, eingleichzeitig zur Abstimmung vorgelegt Ein Parlament, das sich in vorauseilendem von Parlamentariern beidseits des Rheinswerden konnte. Der Abstimmungskampf Gehorsam gegenüber dem Fürstenhaus angestossenes Regierungsgespräch verkamkonzentrierte sich auf die seltene Spät- übt, schafft sich als unabhängiger Souverän zu einer Farce. Kurz: jegliche Gespächs-Abtreibung bei schweren Behinderungen. selbst ab. Es sind also nicht die Parlamenta- kultur ist abhanden gekommen. Nun mussDie Fälle wurden hochgespielt mit dem rier, die mit dem Einbringen einer Motion das Volk Schiedsrichter spielen.Ziel, die Fristenregelung abzuwürgen. das System stören, sondern der Erbprinz Die Freie Liste hat sich die Argumente All dies hatte System, denn beabsich- greift einseitig in das parlamentarische der «Bürgerinitiative pro Landesspital»tigt war, den Abstimmungskampf darauf System ein. Die Rollen des Souveräns und die des Referendumskomitees an einerauszurichten, Liechtenstein quasi als letz- Volk und des Souveräns Fürst müssen ein- Mitgliederversammlung angehört und da-te Bastion gegen jegliche Regelung für gehalten werden. Nach Ansicht der Freien nach die Nein-Parole zum Verpflichtungs-Schwangerschaftskonflikte zu verteidigen. Liste hat sich das Fürstenhaus aus den de- kredit beschlossen. Zuerst koordinieren,Hoch waren die Mittel, die dafür bei den mokratischen Meinungsbildungsprozessen dann bauen. Eigentlich ist es so einfach.Gegnern zur Verfügung standen – ein ent- herauszuhalten.scheidender, aber wenig beachteter Faktor Wolfgang Marxerin Abstimmungskämpfen. Präsident der Freien Liste
  • 3. 04/ 2011 3 DAS VETOKolumne von Stefan SprengerDas erste und das letzte WortVerkehre man mit Geistern, so solle man diesen wahrlich historischen Zeiten japst hauptes ist, was den Zeitpunkt im Gesetz-das Gespräch mit der Formel «Das erste und keucht und nach Atem ringt? gebungsprozess angeht, ebenfalls am Endeund das letzte Wort gehören mir» begin- angesiedelt: Sie folgt der im Parlament be-nen, denn, so geht die Sage, die Geister Bevor einem als Souverän Volk in der Be- schlossenen Vorlage und sanktioniert sie –hätten, lungenlos wie sie wären, vom Atem vor- und Benachmundung durch die Fami- oder eben nicht.des Menschen zu schöpfen, um sprechen lie Liechtenstein aber die Puste ganz aus-zu können. Diese Luftentnahme müsse geht, schaue man sich das Sanktionsrecht Wenn Herr Liechtenstein junior am sel-und könne durch die erwähnte Eingangs- und dessen erstaunlichen Gestaltwandel in ben Tag, an dem Frick & Quaderer eineformel eingegrenzt werden. den Händen des Erbprinzen genauer an. Motion zur Fristenregelung im Landtag Die Art und Weise, mit der Herr Das Sanktionsrecht dient dem Schutz einreichen – also nichts tun, was die RechteLiechtenstein junior das Sanktionsrecht der Verfassung. Es wird staatsmännisch eines der beiden Souveräne verletzt –, diesowohl als erstes als auch als letztes Wort ausgeübt, das heisst mit dem Blick auf die Verweigerung der Sanktion ankündigt, soin der Diskussion der Fristenregelung zur Gesamtheit des staatlichen Gefüges. Die tut das Staatsoberhaupt dabei drei ausser-Anwendung bringt, hat nun tatsächlich Sanktionsverweigerung kann, sollte ein ordentliche Dinge und zwar gleichzeitig:etwas Atemberaubendes. Als Erfinder Gesetz die verfassungsgegebenen Rechte 1. Der Erbprinz unterteilt das Sank-des doppelten Instant-Vetos – Nein! Und eines der Souveräne verletzen, als Ultima tionsrecht in zwei Rechte, in a) ein An-abermals Nein!! – ist ihm bereits jetzt ein Ratio in Form einer Notbremse dienen. kündigungsrecht, ob er sanktionieren wirdPlatz in den politischen Annalen des Lan- Sanktionieren bedeutet ursprünglich stra- oder nicht, und b) ein Vollzugsrecht derdes als Grosstrotz sicher. fen. Wichtig dabei ist der kausal-sequen- Sanktion. Wirklich den Schnauf verschlagen tielle Aspekt: Eine Tat wird sanktioniert, 2. Der Thronfolger keilt die Ankündi-haben einem aber die Reaktionen der nicht weil sie möglich, sondern weil sie ge- gung der Nichtsanktion in den Beginn desmeisten Politiker: Um Gottes & Fürsten schehen ist. Die Sanktion folgt deshalb der Gesetzgebungsprozesses und beeinflusst& Vaterlandes-Willen keine neue Ver- Tat. Das Sanktionsrecht des Staatsober- ihn dadurch so stark, dass er entweder einefassungsdiskussion! Auch wenn sie vonhis Erbprinz himself angezettelt wird. Da «Der Erbprinz unterteilt das Sanktionsrecht in zwei Rechte,bekommen unsere Politiker den liechten-steinischen Verfassungsfehdehandschuh in a) ein Ankündigungsrecht, ob er sanktionieren wird oder nicht,an den Kopf geworfen, und – anstatt laut- und b) ein Vollzugsrecht der Sanktion.»hals loszubrüllen – schlucken sie leer undsagen tapfer: Tut überhaupt nicht weh,Durchlaucht, und bitte jetzt ein Bier imSchlossgarten, und noch eins und nocheins. Danach lügen wir uns im LandtagLiechtenstein als moralischen Leuchturmzurecht. Wen wundert’s also, dass man bei«Da bekommen unserePolitiker den liechtensteini-schen Verfassungsfehdehand-schuh an den Kopf geworfen,und – anstatt lauthals loszu-brüllen – schlucken sie leerund sagen tapfer: Tut über-haupt nicht weh, Durchlaucht» Stefan Sprenger ist Autor und lebt in Schaan.
  • 4. 04/ 2011 4 DAS VETO Trockenübung bleibt oder nur in den Bah- «Dieses Land ist zuallererst eine Zivilgesellschaft, nen läuft, die Durchlaucht genehm sind und zu dessen Sanktion führen. die fähig und bereit ist, für sich und seine Angelegen- 3. Alois übt das Sanktionsrecht nicht heiten Verantwortung zu übernehmen, auch in der als Staatsmann, sondern als Privatperson mit den ihm oder seiner Familie eigenen Frage der Abtreibung.» Moralvorstellungen aus. Beginnen wir, um den Geist dieser Umdeutung des Sanktionsrechts in ein- Sanktionsakrobatik auch wahrhaftig wür- Es war eine Strategie der Familie Liech- Ankündigungs- und ein Vollzugsrecht äus- digen zu können, hinten: Bei allem Ver- tenstein, den politischen Prozess während serst munter in der Schaffung eben jener ständnis für die existentielle Dimension der Verfassungsdiskussion gesamthaft zu Verfassungswirklichkeit. Woher der Ge- der Fristenregelung ist das Sanktionsrecht umfassen, indem sie im Rahmen ihrer sinnungswandel? Haben sich die Fürstens weder die Kanzel für Katechismen jegli- Verfassungsinitiative sowohl als Initia- auf das Blockieren im Vorfeld verlegt, um cher Coleur noch die Wallstatt für Mo- tor als auch als Endkontrolleur auftrat, die volle Wucht der Auseinandersetzung narchentrotz. Der derzeitige inflationäre dadurch Widerstände in Regierung und mit einer Zivilgesellschaft zu vermeiden, Privatgebrauch der Sanktionsverweige- Landtag umging und direkt dem Volk fiele ihr Sanktionsbeil verfassungskonform rung durch den Erbprinzen verwandelt aufsitzen konnte. Clever ausgedacht, effi- und wortwörtlich erst am Schluss? Eine eine Notfallsicherung in eine Themenkeu- zient durchgezogen und in der langfristigen Sanktionsverweigerung als Notbremse le. Dass sich in der Frage der Abtreibung Wirkung für die Kohabitation von De- wiegt schwer. Man hat sich politisch dafür der Erbprinz persönlich dafür einsetzen mokratie und Monarchie in diesem Staat zu verantworten, wenn man dem Souve- werde, «die gesellschaftlichen und recht- ausgesprochen toxisch. Wenn Herr Liech- rän Volk nach dem Motto «Einer gegen lichen Rahmenbedingungen für Frauen tenstein junior nun das damals eingeübte Alle» den Weg verstellt. Genau dieser und Paare im Schwangerschaftskonflikt Spiel in einer ihm unbequemen Sachfrage Verantwortung trachtet der Erbprinz zu zu verbessern» (Pressemitteilung des Für- wieder versucht, sei er daran erinnert, dass entkommen, wenn er seine Neins prophy- stenhauses vom 28.9.11), ist ehrenwert er – und nur er – Verfassungsgalle herauf- laktisch durch die Gegend schmeisst. Und und allezeit unbenommen, legitimiert aber beschwört. Dieses Land ist zuallererst eine genau aus dieser Verantwortung darf man seinen privaten Vetofuror nicht. Zivilgesellschaft, die fähig und bereit ist, ihn nicht entschlüpfen lassen, will man ver- für sich und seine Angelegenheiten Ver- meiden, dass das Sanktionsrecht zu einer«Alois übt das Sanktionsrecht antwortung zu übernehmen, auch in der monarchischen Unlusthupe verkommt. Frage der Abtreibung. Es steht dem Mo-nicht als Staatsmann, sondern als narchen weder zu, die Meinungsbildung Angesichts dieser Flausen aus absolutisti-Privatperson mit den ihm oder im Souverän Volk zu beengen oder gar zu schem Geist sei nochmals an die eingangs ersticken, noch in ethischen Fragen für es erwähnte Formel erinnert, diesmal aus derseiner Familie eigenen Moralvor- zu entscheiden. Perspektive des anderen Souveräns undstellungen aus.» zur Durchlüftung des Staates Liechten- Es war in jenen Jahren eine weitere Stra- stein: Das erste und das letzte Wort gehö- tegie der fürstlichen Familie, auf der Wort- ren dem Volk. wörtlichkeit der Verfassung zu beharren und der Verfassungswirklichkeit – wie sie «Das Sanktionsrecht als beispielsweise in Norwegen der Fall ist, wo sich der König hütet, seine Rechte auch zu monarchische Unlusthupe» gebrauchen – eine Karachoabfuhr sonder- gleichen zu erteilen. Nun finden wir aber ausgerechnet den Erbprinzen mit seiner «Man hat sich politisch dafür zu verantworten, wenn man dem Souverän Volk nach dem Motto ‹Einer gegen Alle› den Weg verstellt. Genau dieser Verantwortung trachtet der Erbprinz zu entkommen, wenn er seine Neins prophylaktisch durch die Gegend schmeisst.»
  • 5. 04/ 2011 5 DAS VET0
  • 6. 04/ 2011 6 DIE GLEICHSTELLUNG«Wir sind vielleicht nichtmal im Jahr 2932 am Ziel»Fast 1000 Jahre wird es in Liechtenstein gemäss einer Berechungdauern, bis Gleichberechtigung erreicht ist: Bernadette Kubik-Rischerklärt, warum diese Schätzung sogar zu «optimistisch» ist, wennGleichstellungsfragen nicht stärker gefördert und die StabstelleChancengleichheit nicht rasch neu besetzt wird.Frau Kubik-Risch, wie geht es Ihnen in Das Frauennetz schlägt eine Ombudsstelle in Gibt es in anderen Ländern Ombudsstellen?dem Wirbel um die Stabstelle Chancen- Kombination mit einem Amt für Menschen- Ja, wobei die Ausgestaltung je nach Landgleichheit? Sie stemmen ja momentan ein rechte vor. unterschiedlich ist. Sollte in Liechtenstein60-Prozent-Pensum als Stabstellenleiterin Ja, eine Ombudsstelle ist unabhängig und eine Ombudsstelle eingerichtet werden,und haben parallel eine neue berufliche könnte auch die Beschwerden unabhängig müsste sich diese nicht nur mit FragenHerausforderung angetreten. bearbeiten. Das würde sogar noch einen der Gleichstellung von Frau und MannBernadette Kubik-Risch: (lacht) Durch- Schritt vorwärts bedeuten. Eine Ombuds- befassen, sondern mit vielen weiteren The-zogen. Ich habe gekündigt, mich für eine stelle müsste nicht bei der Regierung ange- men – wie Behinderung, Rassismus undNeuorientierung entschieden und gleich- siedelt werden, damit die Aufgaben auch Integration.zeitig gemerkt, dass die Nachfolge nicht wirklich unabhängig wahrgenommen wer- Die Regierung sagt in der Interpellations-geregelt ist und eine Übergangslösung nö- den können. beantwortung zum Stimm- und Wahlrechttig wird. Über die letzten 15 Jahre hat Können Sie ein Beispiel nennen, warum die für AusländerInnen, dass diese gar nicht andie Stabsstelle verschiedene Netzwerke Unterordnung unter die Regierung proble- diesen Rechten interessiert seien.und längerfristige Projekte aufgebaut. Mir matisch ist? Ich habe mich gewundert, als ich das inwürde es sehr leid tun, wenn diese ein- Die Stabsstelle ist heute für einige Aufga- der Zeitung gelesen habe. Was ich höre,schlafen und nach einem Unterbruch ein ben nach dem Gleichstellungsgesetz un- ist, dass die AusländerInnen eine Stim-Neustart gemacht werden müsste. Dies abhängig. Zum Beispiel könnte die Stabs- me haben wollen. Dies kam auch in denkostet Energie und Geld. Die laufenden stelle unabhängig Untersuchungen durch- Diskussionen in der Kommission für Inte-Projekte müssen deshalb unbedingt weiter führen. Tatsächlich ist es aber so, dass grationsfragen klar zum Ausdruck. Es istbetreut werden. die Stabsstelle eine Budgetkompetenz von schade, viele AusländerInnen haben diesDas klingt absolut logisch – warum sieht die 5000 Franken hat. Nehmen wir an, dass auch in der Zeitung gelesen und hätten sichRegierung dies anders? eine Untersuchung zur Lohngleichheit bemerkbar machen können. Da haben sieIch glaube nicht, dass die Regierung dies bzw. Lohnungleichheit durchgeführt wer- sicher auch noch Nachholbedarf.anders sieht. Sie hat aber wohl damit den soll. Diese wird mehr als 5000 Franken Es braucht mehr Selbstbewusstsein.gerechnet, dass die Reform schneller von- kosten und muss somit von der Regierung Ja, genau.statten geht. Wenn die Stabstelle mit dem bewilligt werden. Die Öffentlichkeitsarbeit Kürzlich ging die Kleinstaatenkonferenz mitAmt für Soziale Dienste (ASD) zusam- ist eine weitere Aufgabe, die unabhängig dem Thema Gleichstellung von Mann undmengeführt wird, müssen unter anderem wahrgenommen werden sollte. Auch dies Frau über die Bühne. Wie steht Liechtensteinverschiedenste Gesetze abgeändert wer- ist bei der heutigen Ausgestaltung kaum punkto Frauenförderung im Vergleich da?den und die Vorbereitung dazu braucht möglich. Wir haben festgestellt, dass es in der recht-Zeit. Warum braucht es dringend eine möglichst lichen Ausgestaltung und in der tatsäch-Es steht die Befürchtung im Raum, dass unabhängige Stelle für Gleichstellung? lichen Gleichstellung zum Teil recht grossedie Stabstelle Chancengleichheit aufgelöst Es sind gesetzliche Vorgaben, die wir über Unterschiede gibt: EU-Staaten – oder auchwird. Wie denken Sie jetzt, nach einem EWR-Richtlinien übernommen haben, die wir als EWR-Mitgliedsland sind verpflich-Gespräch zwischen dem Frauennetz und der uns dazu verpflichten und es sind Kon- tet, Richtlinien der EU zu übernehmen.Regierung, darüber? ventionen der UNO – wie beispielsweise Davon hat die rechtliche GleichstellungEine Zusammenführung mit dem ASD die «UNO Frauenkonvention», die uns bei uns stark profitiert.bedeutet eine Auflösung der Stabstelle: unabhängige Stellen empfehlen. Unter an- Die Fristenregelung jedoch wurde nicht vonDas ist einfach eine Tatsache. Sie ist dann derem wird Liechtenstein empfohlen, die der EU übernommen.eine Abteilung eines Amtes. Das heisst Kapazität der Stabsstelle zu stärken und Ja, wobei ich zuversichtlich bin, dass eszwar nicht, dass Chancengleichheitsthe- eine unabhängige Menschrechtsinstitution auch in Liechtenstein bald eine Fristenre-men keinen Raum mehr haben, aber es einzusetzen. Die Unabhängigkeit würde gelung gibt. Ich hoffe nach wie vor, dassheisst klar, dass es keine separate Einheit die Gleichstellungsthemen stärken und da- wir nicht wie bei der Einführung des Frau-mehr dafür gibt. mit die Gleichstellung auch schneller vor- enstimmrechts immer sagen müssen: wärts bringen. Fortsetzung auf S. 8
  • 7. 04/ 2011 7 DIE GLEICHSTELLUNG
  • 8. 04/ 2011 8 DIE GLEICHSTELLUNG sind. Es wäre bei den Perspektiven wirk- tenstein so weit ist, gehen schnell mal fünf lich fehl am Platz, von einer Zwängerei zu bis sechs Jahre ins Land und es geschieht sprechen. Eine Frauenquote in Politik und keine Auseinandersetzung. Dabei könnten Wirtschaft ist ein Instrument, um endlich wir die Kleinheit des Landes als Chance mal einen Schritt weiter zu kommen. Wenn sehen und innovativ und mutig sein. ein ausgeglichenes Verhältnis erreicht ist, Sie wirken so gelassen, kommt nie Wut auf, braucht es das Instrument Quote nicht wenn Sie im Job mit einer Ungerechtigkeit mehr. konfrontiert werden? In gesellschaftspolitischen Themen hinkt Ich trage das nicht nach aussen. Ich handle Liechtenstein anderen Ländern nach. – wenn möglich – nicht aus einer Emotion Vieles kommt bei uns später als in ande- heraus, sondern überlege mir, wie ich län- ren Ländern, das ist so. Wir warten an- gerfristig handeln könnte, damit sich etwas scheinend lieber ab. Wir schauen, was die bewirken lässt. anderen machen, orientieren uns an den Was möchten Sie an dieser Stelle noch los- Nachbarn. Trotzdem müssen wir zu allem werden? immer wieder von neuem Diskussionen Ich hoffe, dass die neue Stelle für Chan-Bernadette Kubik-Risch: «Von Zwängerei führen und das ist wichtig und gut. Ein Bei- cengleichheit mit genügend Ressourcen –zu sprechen, ist bei den Perspektiven fehl spiel ist das Partnerschaftsgesetz: Die Freie finanziellen wie personellen – sowie mitam Platz.» Liste hat es schon vor Jahren gefordert, es den nötigen Kompetenzen ausgestattet hiess aber, man müsse zuerst die Abstim- wird, damit alle Themen mit Sorgfalt und mung in der Schweiz abwarten. Bis Liech- Umsicht behandelt werden können. (bj)Liechtenstein ist das letzte EuropäischeLand, welches die Fristenregelung einge-führt und das Selbstbestimmungsrecht derFrau anerkannt hat.Denken Sie in der Stabstelle Chancengleich-heit auch über die Forderung einer Quoten-regelung für Frauen in Politik und Führungs- Keine Zeit für Übergangslösungenpositionen nach? Durch die Kündigung der Stabsstellenleiterin Bernadette Kubik-Risch ist dieJa, die Erfahrungen an der Kleinstaa- Stelle seit Mai 2011 vakant. Die portionenweise Verlängerung eines 60-Prozenttenkonferenz haben uns ermutigt. Island -Pensums der Stelleninhaberin bis Juni 2012 verlagert das Problem lediglich aufkennt Quoten für Frauen und auch dort einen späteren Zeitpunkt. Auch die von Regierungschef Tschütscher zugesicher-sind nicht alle darüber begeistert. In Liech- te Umwandlung der Praktikantenstelle in eine befristete 100-Prozent-Stelle isttenstein würden sie auch heftig diskutiert nur ein erster Schritt aus einer prekären personellen Unterbesetzung der Stabs-werden: Aber das gehört einfach dazu. stelle für Chancengleichheit.Wir dürfen dies nicht scheuen. Die UNO Die Feststellung, dass man den Abschluss der Verwaltungsreform abwartenempfiehlt uns dringend Frauenquoten. wolle, untermauert diese Übergangslösung. Tatsache ist, dass die Stabsstellenlei-An der nächsten Gesprächsrunde mit den terin allerspätestens im Juni 2012 nicht mehr im Amt sein wird. Um diese Stelle,Frauen-Landtagsabgeordneten werden wir wie von Landtag und Regierung 2005 beschlossen, mit 200 Stellenprozent zudas Thema besprechen. besetzen, braucht es a) eine unbefristete 100-Prozent-Stelle für eine Mitarbeite-Es wird wieder mal der Spruch fallen: «Tut rin und b) eine Leiterin, welche dort anknüpfen kann, wo wir heute sind. Nur sodoch nicht so verzwängt! Und: Irgendwann kann die Kontinuität in der Chancengleichheitsarbeit gewährleistet werden undwird die Zeit reif sein und es wird ganz von die Stabsstelle ihre gesetzlich definierten Aufgaben wahrnehmen. Daran ändertallein mehr Frauen in wichtigen Positionen auch eine Verwaltungsreform nichts – denn wie immer diese ausgestaltet seinhaben.» wird, das Frauennetz besteht darauf, dass die Regierung den eigenen AuftragWir haben seit 25 Jahren das Frauen- nach 200 Stellenprozent erfüllt und vor allem, dass sie UNO und EWR-Richtli-stimmrecht; es ist viel zu langsam vorwärts nien nachkommt.gegangen, trotz vielfältiger Massnahmen. Die Verwaltungsreform bildet unseres Erachtens den idealen Hintergrund,Wir müssen effizientere Wege finden, die Stabsstelle für Chancengleichheit, die ein breit gefächertes Aufgabenfeld ab-sonst sind wir noch nicht mal im Jahr 2932 deckt, in ein Amt für Menschenrechte umzuwandeln. Denn nur ein eigenes Amtam Ziel. unter adäquater Leitung kann den komplexen Aufgaben gerecht werden. Um dieNicht mal im Jahr 2932? hohe Kompetenz der Stabsstelle für Chancengleichheit zu erhalten, ist es daherWenn die Fortschritte im gleichen Tempo zwingend notwendig, die Stelle der Stabsstellenleiterin noch im November 2011vor sich gehen wie bisher, so die Berech- auszuschreiben.nung der «International Labour Organisa-tionen» (ILO), dauert es noch 962 Jahre, Der Kommentar der Arbeitsgruppe SCG Frauennetz Liechtensteinbis Frauen hierzulande gleichberechtigtin den Unternehmensführungen vertreten
  • 9. 04/ 2011 9 DAS AUSLÄNDERINNENSTIMMRECHTKommentar von Claudia Heeb Mischt euch ein!Die wertvollste Ressource in einem Kleinstaat ohne Bodenschätzesind die Menschen, die sich engagieren: Liechtenstein kann es sichlangfristig gar nicht leisten, auf AusländerInnen zu verzichten.Liechtenstein hat die Grösse einer Klein-stadt. Es hat ungefähr die Einwohnerschaftvon Chur zur Verfügung, um einen im Ver-hältnis zur Grösse immensen Politik- undStaatsapparat zu tragen. Der Kleinstaatstösst wegen seiner beschränkten politi-schen Ressourcen an die Grenzen. Über-lastete Firmenchefs würden neue Mitar-beiterInnen einstellen, um die Herausfor-derungen zu meistern. Auf Verwaltungs-ebene tut dies die Regierung auch. Vieleeinflussreiche Stellen in der Verwaltung,an den Gerichten, werden mit AusländerInnen besetzt. Doch wenn es darum geht,für die demokratische Mitgestaltung «neueMitdenkerInnen» zu rekrutieren, tun sichLandtag und Regierung schwer. Der Aus-länderanteil mit 33 Prozent sei einfachzu hoch, als dass bedenkenlos Mitbestim-mungsrechte vergeben werden könnten. Auch dem Stimm- und Wahlrecht fürAuslandliechtensteinerInnen stehen Land-tag und Regierung ablehnend gegenüber.Es gebe gar kein Bedürfnis, keinen po-litischen Auftrag von diesen Gruppen,schreibt die Regierung in der Interpella-tionsbeantwortung im September. Dassdem nicht so ist, zeigen nun Auslandliech-tensteinerInnen mit einer Petition. Die«Kleinstadt» Liechtenstein bietet nicht Liechtenstein hat zu viele Lasten auf zu wenigen Schultern zu verteilen,allen LiechtensteinerInnen Studien- und um sich in Europa gut zu positionieren.Arbeitsplätze, deshalb gehen viele ins Aus-land, momentan sind es laut Interpellati-onsbeantwortung 3307 Menschen. Viele Darüber reden und handeln!von ihnen leben nur wenige Kilometer von In der Frage der Auslandliechtensteine-Liechtenstein entfernt und wollen nach der rInnen ist die Zeit zum Handeln gekom- EinmischenBerufstätigkeit oder nach dem Studium men: Betroffene haben mit der Petition ihr und aufmischen!wieder nach Liechtenstein zurückkehren, Interesse bekundet und dank der Demo- AusländerInnen gesucht:wie es in der Petition heisst. kratiebewegung liegt in Bälde eine Studie Die Redaktion veröffentlicht Ein Stimm- und Wahlrecht würde ihre vor, die Grundlagen über Zahl, Verteilung gerne Feedbacks und Diskussi-bestehende Bindung ans Land intensivie- und Interessen der Auslandliechtensteine- onsbeiträge zum Thema Auslän-ren und Liechtenstein könnte von ihnen rInnen liefert. derInnenstimm- und Wahlrecht:profitieren. Für die Mehrheit der Aus- Schon lange besteht auch Handlungs- Bitte senden an info@flinfo.li.landliechtensteinerInnen wäre es das ein- bedarf in der politischen Integration vonzige politische Mitspracherecht. Anders als AusländerInnen, die in Liechtenstein le-EU-BürgerInnen können sie nirgends in ben: Die Europäische Kommission gegenEuropa abstimmen, ausser sie haben eine Rassismus und Intoleranz hat schon imDoppelbürgerschaft. Jahr 2002 angemahnt, dass den Zugezo- genen eine politische Mitgestaltungsmög- lichkeit geboten werden soll.
  • 10. 04/ 2011 10 DAS AUSLÄNDERINNENSTIMMRECHT / FRISTENREGELUNG Ca. 7680 AusländerInnen leben in Liechtenstein nicht zu ihrer Heimat gewor- den AusländerInnen tatsächlich so wenigLiechtenstein; 85,5 Prozent von ihnen den ist und sie bestens integriert sind. Interesse an politischer Mitbestimmungschon seit über 10 Jahren. Wenn nun die Die Regierung erklärt in der Inter- vorhanden ist. Meiner Beobachtung nachRegierung schreibt, dass der Ausländeran- pellationsbeantwortung, dass sie die Ein- ist das Interesse gross – dieses wird auchteil im Vergleich zu anderen Ländern, die bürgerungsbedingungen reflektieren und bei der Stabstelle Chancengleichheit vonein Stimm- und Wahlrecht für Auslände- auch die politische Teilhabe von Auslän- den AusländerInnen-Vereinen immer wie-rInnen kennen, extrem hoch ist, muss das derInnen in Kommissionen fördern möch- der deponiert. Vor allem gibt es aber auchrelativiert werden. In den meisten europä- te. Das wäre ein Schritt in die richtige ein sehr grosses Bedürfnis nach doppelterischen Ländern können sich niedergelas- Richtung. Sie stellt aber auch fest, dass Staatsbürgerschaft und liberaleren Einbür-sene AusländerInnen nach fünf bis zehn die AusländerInnen kaum Interesse am gerungsgesetzen.Jahren einbürgern lassen, in Liechtenstein Stimm- und Wahlrecht bekunden und es Offenbar haben sich AusländerInnenerst nach 30 Jahren. Der grosse Anteil an damit kein Thema für sie sei. Die Regie- bisher jedoch zu leise bemerkbar gemacht:AusländerInnen ist also «hausgemacht». rung möchte also vorerst nicht handeln. Sie Daher mein Appell. Liebe Ausländer-Dazu kommt, dass Liechtenstein keine möchte es sich «noch» leisten, nicht vom Innen, mischt euch in die Diskussion ein,doppelte Staatsbürgerschaft kennt und sich politischen Potential der AusländerInnen seid laut, damit euch die Politik hört!AusländerInnen oft nicht dazu entschlies- zu profitieren. Das ist nach der zu Beginnsen können, ihre angestammte Nationali- des Artikels dargelegten Logik erstaunlich.tät abzugeben. Das heisst aber nicht, dass Ebenso würde es mich erstaunen, wenn bei Helen Konzett Bargetze Fristenregelung Eine Zeittabelle und ein Begriffsfeld zum Nachdenken
  • 11. 04/ 201102/ 2010 11 DIE FRISTENREGELUNG
  • 12. 04/ 2011 12 DIE ENERGIEWENDEMacht sich Liechtenstein tungen ausgeschnitten. Dies schon zu einer Zeit, als noch kaum jemand von Solarener-für eine Energiewende bereit? gie gesprochen hat», sagt Marxer. Forderungen wurden herumgeschobenFür eine Abkehr von Atom- und Kohlestrom braucht es politischen Die 90er Jahre waren eine Zeit, in der am Strom vor allem der Preis interessierte.Willen und die Unterstützung der Bevölkerung: Eine Spurensuche Das bekam die Solargenossenschaft 1994zeigt, wer den Weg für alternative Energiequellen geebnet hat zu spüren, als sie mit einer Petition vom Landtag verlangte, dass der durch Solar-und welche Akteure eine Energiewende antreiben könnten. anlagen gewonnene Strom kostengerecht vergütet wird. Die Forderung wurde he- rumgeschoben, der Prozess verzögert «wie es nur ging». Der Boden für nachhaltige Energie war auf politischer Ebene noch nicht da, trotz merkbarem Interesse der Bevölke- rung. Bei jedem Regierungswechsel muss- ten die Genossenschaftler neu verhandeln und praktisch von vorne beginnen. Der Vorwand der Politik war laut Marxer im- mer derselbe: Die Menschen in Liech- tenstein seien nicht bereit, mehr Geld für nachhaltige Energie auszugeben. Den grossen Wendepunkt markiert eine Studie aus dem Jahr 2007. Die Solargenossen- schaft hatte damals in Zusammenarbeit mit der Energieberatungsfirma Lenum AGDer Solarstrompionier Helmuth Marxer mit Enkelin und Enkel: «Eine Energiewende kann es nur eine grosse Umfrage gemacht. Es wurdegeben, wenn die Menschen bereit sind, für Strom mehr zu bezahlen.» gefragt, ob Private und Unternehmen be- reit wären, für Strom etwas mehr zu bezah- len, wenn dies den erneuerbaren EnergienIn Liechtenstein häufen sich Schlagzei- Marxer weiss, welche Entscheidungsträger zugute käme. Dreiviertel der Kleinen- undlen, die für nachhaltige Energiegewinnung beim Strom ein grünes Gewissen haben. Mittleren Unternehmen (KMU) gaben an,Gutes ahnen lassen: «Forschung zu Tiefen- Die Wegbereitung der Solarener- dass sie mehr bezahlen würden. Bei dengeothermie und Windkraft», «Uni macht gie war oft schwierig. Die Solargenos- Privatpersonen lag die Zustimmung garStudie zu Erneuerbares Liechtenstein», senschaftlerInnen mussten viele Hürden bei 86 Prozent. Die Bevölkerung war also«eine Vision für das Jahr 2020». überwinden. Sie haben sich so einen Er- schon vor dem Fukushima-Schock weit Es wird visioniert und es tut sich et- fahrungsschatz angeeignet, wie man in der interessierter an grüner Energie und vorwas: Li-Strom wird in Liechtenstein neu Erschliessung von regenerativen Energie- allem opferbereiter, als die Politik ange-Normalstrom werden und soll den Ver- quellen auf einen Grünen Zweig kommt. nommen hatte.brauch des herkömmlichen Strom-Mix’ Ihr Engagement ist heute förmlich Bei der Solargenossenschaft löste dieaus Kohle- und Atomstrom verdrängen. sichtbar: «Heute habe ich einen anderen Umfrage einen grossen MotivationsschubEs gibt derzeit viele Akteure, die sich für Blick als früher. Wenn ich durchs Land aus. Sie nahm einen neuen Anlauf undein erneuerbares Liechtenstein einsetzen: fahre, sehe ich Solarpanels auf den Rhein- forderte einmal mehr die kostengerechteGemeinderätInnen und sogar Jugendliche brücken in Vaduz und Bendern, auf Pri- Einspeisevergütung. Die Regierung reali-bauen Solargenossenschaften auf (siehe marschuldächern und auf dem Dach des sierte, dass sie bei der Bevölkerung damitS. 18). Rheinpark-Stadions.» Helmuth Marxer offene Türen einrennt und schlug dem Macht sich Liechtenstein also bereit sieht aber auch im ganzen Land Flächen Landtag endlich ein Einspeisegesetz vor.für eine Energiewende? Sind die Men- auf Industriehallen oder Bauernhöfen, die Dieses passierte den Landtag ohne Wider-schen bereit, «grüne Energie» zu unterstüt- noch nicht für Solarkraft genutzt worden stand und löste hierzulande endlich einenzen, auch wenn es finanziell weh tut? sind. In Liechtenstein sei viel Zeit für Inno- Solarboom aus. Die Solargenossenschaft Am ehesten können diese Fragen Hel- vation ungenutzt verstrichen, sagt Marxer. hatte ihr wichtigstes Ziel erreicht, wenn-muth Marxer und seine KollegInnen aus Die Genossenschaftler sind seit 1992 vom gleich auch nur Anlagen bis zu einer Grös-der Solargenossenschaft beantworten. Sie Thema «alternative Energie» elektrisiert: se von 40 kWp vom Gesetz profitierensind die Pioniere in Liechtenstein, die den «Seit bald 20 Jahren organisieren wir Vor- können. Dies ist der Grund, weshalb heuteWeg für die Nutzung nachhaltiger Ener- träge und Ausstellungen und haben jeden auf Bauernhöfen oft nur halbe Anlagengie für die Bevölkerung geebnet haben. Schnipsel zum Thema Energie aus Zei- stehen.
  • 13. 04/ 201102/ 2010 13 DIE ENERGIEWENDEErfolgsrezept: Nichts «Närrsches» fordern Christoph Ospelt, der Gründer der Marxer geht davon aus, dass die Be-Die Gemeinden hatten beim Kraftwerkbau Energieberatungsfirma Lenum AG und völkerung für diese Idee aufgeschlossen ist:eine Vorreiterrolle, allen voran Triesen Mitglied der Energiekommission, findet das grüne Bewusstsein hat sich schon öfterund Vaduz. Die Gemeinde Vaduz hat für den Begriff «Energiewende» für Liechten- gezeigt. Eine neue Massnahme der LKW500’000 Franken Anteilscheine der Solar- stein ebenfalls zu ambitioniert, gibt aber wird vielleicht bald einen Beweis dafürgenossenschaft gekauft. Das Geld wurde weniger der Politik die Schuld: «Ich bin liefern. Der teurere Li-Strom-Natur sollfür die damals grössten Liechtensteiner So- selbst progressiv, sehe aber in der Ener- in einigen Monaten den herkömmlichenlarkraftwerke, an der Rheinbrücke und auf giekommission, dass es in Liechtenstein Strom-Mix als Normalstrom ersetzen; her-dem Rheinpark-Stadion, verwendet. Um Bedingungen gibt, die schnelle Fortschrit- kömmlicher Strom, der mehrheitlich aussolche Projekte durchzubringen, braucht te schwierig machen.» Da sei zum einen Kohle- und Atomstrom zusammengesetztes neben Ausdauer viel Feingefühl: «Man das rapide Wachstum der Industrie und ist, kann nur noch beziehen, wer diesenmuss mit den Leuten diskutieren und he- der Bevölkerung, das eine Senkung des anfordert. Wer bereit ist, diese Ökostrom-rausfinden, was aus ihrer Sicht machbar ist. Energieverbrauchs und eine Steigerung Preiserhöhung auf sich zu nehmen, wirdWenn man einfach irgendetwas Gewagtes, des Prozentsatzes an nachhaltiger Energie wohl auch gegen eine allgemeine Strom-«Närrsches» vorschlägt, heisst es schnell: schwierig mache: Es sei herausfordernd, im kostenerhöhung zugunsten alternativerdas wollen wir nicht!», sagt Marxer. gleichen Tempo neue Energiequellen zu Energie nicht viel einwenden. Vorwärts in eine nachhaltige Ener- generieren, wie die Stromnachfrage steige. Für die Politik könnte das Resultatgie-Zukunft ging es bisher nur mit eher Nachhaltige Energiequellen hätten zudem eine Handlungsaufforderung im Sinnekleinen Schritten. Die Bilanz: In Liech- immer eine Kehrseite, deshalb stosse die Marxer’s sein, durch eine neue Strom-tenstein werden heute Solarstrommengen Energiepolitik gerade auch wegen ökolo- preispolitik alternative Energie zu fördern.produziert, die knapp 2000 sparsame Haus- gischen Einwänden oft an Grenzen. Das Falls sich die Regierung nicht ange-halte versorgen können. Marxer stellt fest, zeige sich besonders gut in der Wasser- sprochen fühlt, wie Marxer befürchtet,dass Gemeinden und Organisationen ge- kraft. Ospelt spielt auf das Grossprojekt besteht immerhin Hoffnung auf parlamen-genüber alternativer Energie viel offener Rheinkraftwerk an (siehe flinfo 3/11). tarischer Ebene. Neben der Freien Liste,sind als PolitikerInnen auf Landesebene. die schon lange eine alternative Energie-Gemeinden werden selbst aktiv, indem Eine Strompreiserhöhung für die Wende politik fordert, interessiert sich seit demsie Solarkraftwerke installieren oder mit Helmuth Marxer sieht diese Hürden Fukushima-Schock auch die FBP für denHolzschnitzeln Energie gewinnen. Sie sind auch, glaubt aber, dass es auf politischer Energiehaushalt: FBP-Landtagsabgeord-in den letzten Jahren sehr kreativ gewor- Ebene durchaus eine Chance gäbe. Da- nete werfen der Regierung vor, dass dieden. Organisationen fördern Solarenergie für bräuchte es viel Goodwill: Eine echte «Vision 2020», die Ende Jahr veröffent-meist, indem sie Anteilscheine der Genos- Energiewende könne eingeleitet werden, licht wird, zu wenig weit gehe. Sie sei am-senschaft kaufen oder Geld spenden. Die wenn die Politik willens sei, den Grund- bitionslos. Liechtenstein nehme durch sieSolargenossenschaft steckt dies momen- satz der Nachhaltigkeit in der Verfassung keine Vorreiterrolle in der Energiepolitiktan unter anderem in Forschungsprojekte: aufzunehmen. Liechtenstein müsste sich ein. Konkrete politische Forderungen vonSie führt zwischen Balzers und Triesen gesetzlich verpflichten, die Nachhaltigkeit der FBP-Landtagsfraktion sind bisher aberfür mögliche Windenergiestandorte Mes- auch durchzusetzen. Dazu gehöre der of- keine bekannt. Wie ernst ihr eine nachhal-sungen durch, an denen sich für einmal fizielle Verzicht auf Atomstrom. «Was tige Energiepolitik ist, könnte sie bald mitauch der Staat und die Liechtensteinischen Liechtenstein jetzt braucht, sind weniger einer schwarz-weissen Lobby im LandtagKraftwerke (LKW) mit einem Zustupf Visionen, sondern endlich griffige Mass- beweisen. Visionen müssen nicht mehrbeteiligt haben. nahmen.» Der Staat kommt laut Marxer gefordert werden, die gibt es ausreichend. Es wird zu Windenergie geforscht, nicht darum herum, eine Lenkungsabgabe Nun müssen politische Entscheide undebenso zu einer neuen Variante eines auf den Strompreis zu erheben. «Wer mehr Taten folgen. Wie Liechtenstein mit prak-Rheinkraftwerks. Auch eine Studie zur verbraucht, soll auch mehr bezahlen, damit tischen Massnahmen eine EnergiewendeTiefengeothermie wurde dieses Jahr abge- genug Kapital für die Erschliessung alter- schaffen könnte, wird auf den folgendenschlossen: Für Marxer bedeutet dies aber nativer Energiequellen da ist.» Seiten dargestellt. (bj)noch kein Einläuten einer Energiewen-de. Konkrete politische Massnahmen aufLandesebene würden immer noch fehlen.Lange Zeit sei es ausschliesslich die Wirt-schaft gewesen, welche die Strompolitik Solargenossenschaftbestimmt und der sich die Regierung und Die Solargenossenschaft ist im Jahr 1992 mit dem Ziel gegründet worden, dieder Landtag gebeugt habe. «Solange die Nutzung der Sonnenenergie zu fördern. Dies erreicht sie einerseits durch Veran-Wirtschaft den Energiepreis bestimmt, staltungen über erneuerbare Energien, Energieeffizienz und Energiesparen undwird es keine Wende geben», sagt Marxer. andererseits durch den Bau von eigenen Solaranlagen. Seit der Gründung wur-Der Regierung sei das Thema Energie den schon über 60 öffentliche Veranstaltungen organisiert und vier eigene Solar-eigentlich wurst. «Sie hat bisher nichts anlagen gebaut. Das Genossenschaftskapital beträgt knapp 1066000 Franken.Konkretes gemacht, als die Beiträge fürPhotovoltaik und Elektrovelos gekürzt.»
  • 14. 04/ 2011 14 DIE ENERGIEWENDEDie Superheldinnen und -heldenfür ein erneuerbares LiechtensteinSie klingt nach einem Liechtenstein-Kli- Energieerzeugung von Grossanlagen im gasemissionen sinken gemäss diesem Zu-schee – die Begründung, warum laut «Er- Ausland bauen. kunftszenario bis im Jahr 2050 um 62 Pro-neuerbares Liechtenstein» dringend ge- Dass Liechtenstein eine Energiewende zent. Im Jahr 2070 wird sich Liechtensteinhandelt werden muss: Liechtenstein lebt braucht ist klar, dass sie unter diesen Vo- gemäss enkeltauglichem Innovationsszena-energetisch auf grossem Fuss – und in raussetzungen schwierig ist, auch. rio selbst mit Energie versorgen können.grossen Häusern. Der Bedarf von ener- Peter Droege und sein Team von Bis in’s Jahr 2040 kann die Abhängigkeitgieintensivem, beheiztem Wohnraum liegt der Universität Liechtenstein haben in von importierten nicht erneuerbaren En-mit einem Mittel von 71m2 ein Drittel hö- der Studie «Erneuerbares Liechtenstein» ergiequellen von 90 Prozent auf immerhinher als bei den Nachbarländern. Liechten- untersucht, wie es um den Energiehaus- 50 Prozent reduzieren werden.stein stellt in der Motorisierung Rekorde halt im Verpflichtungsjahr 2050 steht und In der Studie werden viele, meist tech-auf und es verbraucht viel Strom – wegen ob sich Liechtenstein bis dann selbst mit nische Massnahmen und Tipps gezeigt, dieder starken Industrie markant mehr als die Energie versorgen kann. Die Resultate es für ein Innovationsszenario braucht.Nachbarländer. sind ernüchternd. Haushaltet Liechten- Sie sind SuperheldInnen, mit denen die Liechtenstein hat sich mit anderen In- stein im gewohnten Trott mit seiner Ener- Illustratorin metamoris «zu einem erneu-dustriestaaten verpflichtet, bis ins Jahr gie, wird es seine Treibhausgasemissionen erbaren Liechtenstein» verführen möchte.2050 die Treibhausgase um mindestens bis in 40 Jahren nur um 14 Prozent sen- Die SuperheldInnen haben eins gemein-80 Prozent gegenüber 1990 zu reduzieren. ken können. Der Selbstversorgungsgrad sam: Sie sind eher klein und unscheinbar,Aber nicht nur das: Der Kleinstaat muss an regenerativer Energie stagniert gar. aber gemeinsam stark, sie passen gut inswie die anderen Länder von klimaschäd- Liechtenstein wird erst im 23. Jahrhundert Ortbild und bringen das Ökosystem nichtlichen und landschaftszerstörenden Ener- klimaneutral und noch nicht einmal im durcheinander. Das macht sie so attraktiv.giequellen wegkommen und möglichst viel Jahr 2100 zum Energie-Selbstversorger. Sie sind keine Grossprojekte und passengrüne Energie selbst produzieren. Die besseren Nachrichten sind die Werte gut zur Politik der kleinen Schritte, auch Laut Studie zeichnet sich eine welt- im sogenannten Innovationsszenario: Die wenn sie zum Teil futuristisch anmuten.weite Energiekrise ab, deshalb muss sich Forscher haben auch berechnet, was sich (bj)Liechtenstein fit für eine Energieautarkie in Liechtenstein mit vereinten, innovativenmachen und kann nicht weiter auf die Kräften erreichen lässt: Die Treibhaus- Solarenergie wird der Star unter den Superhelden Die Solarenergieforschung macht rasch Fortschritte und ermöglicht, dass die Kraft der Sonne bald noch viel effizienter genutzt werden kann. Sie hat gegenüber anderen alternativen Energiequellen den Vor- teil, dass sie keinen Lärm macht, Tieren nicht gefährlich wird und das Ortsbild wenig beeinträchtigt. Sie passt ausser in denkmalgeschützte Dorfkerne überall hin, wo es Infrastruktur gibt. Wahre und bisher kaum genutzte Solarhelden können die Mobilitätsflächen werden: Gigantische 400 Hektar Verkehrsflächen stehen zur Verfügung: Parkplätze, Stras- sen, Bahnareale und das Flugplatzareal bei Bendern werden im Inno- vationsszenario erschlossen. In der innovativen Zukunft fahren Liech- tensteinerInnen Elektroautos mit Solarzellen auf den Dach und werden selbst zu Stromhändlern. Sie können den Strom bei Spitzenlasten weiterverkaufen. In den Batterien der Elektroautos kann Strom für Stunden oder Tage zwischengespeichert werden. So können Autobe- sitzer aushelfen, wenn Strom knapp wird und Pumpspeicherwerke oder Speicherseen nicht genügend ausgleichenden Strom produzieren. Das klingt futuristisch, ist aber technisch machbar. Im Innovationsszenario nimmt der Krafstoffbedarf im Jahr 2050 stark ab. Elektrofahrzeuge sind mindestens dreimal effizienter als Benzin- und Dieselfahrzeuge. Die Elektroautos sind sozusagen der Schlüssel für eine Energiewende. Solarman und die Universität empfehlen, die solare Nutzung be- schleunigt auszubauen, die Stromerzeugung damit deutlich, bis ins Jahr 2050 auf ca. 70 GWh/a, zu steigern.
  • 15. 04/ 2011 15 DIE ENERGIEWENDE Wasserkraft: Die alte Heldin mit neuem Ökopotential Auch wenn hierzulande kaum ein Bach noch nicht für Watergirl angezapft worden ist, kann die Wasserkraft in Liechtenstein durch kleinere Massnahmen deutlich gesteigert werden. Sie ist speziell interessant, weil sie so effizient ist: Ihr Nutzungsgrad liegt bei 60 bis 80 Prozent. Ihre Laune, dass sie je nach Jahreszeit wegen unterschiedlichen Wassermengen schwankt, kann dank neuer Technolo- gie aufgehoben werden. Watergirl empfiehlt vor allem so genannte Wasserwir- belturbinen: Sie sehen ein bisschen aus wie grosse Häuschenschnecken, durch die das türkise Wasser der Hochalpen wirbelt. Sie sind nicht nur ökologisch verträglich, sondern dienen auch dem Hochwasserschutz. Fische können diese ohne Probleme passieren und sie sind leicht und unkompliziert zu bauen. Nach einer Schätzung gibt es 66 Standorte in Liechtenstein, wo solche Kraftwerke gut realisiert werden können. Ihr Ertrag läge bei jährlich über 30 GWh. Auch für die Nutzung des kräftigen Rheins gibt es eine kleine, ökologisch verträgliche Variante, die Watergirl empfiehlt: Strombojen. Diese neuen, schwimmenden Strömungskraftwerke sind im Flussboden verankert und trei- ben knapp unter der Wasseroberfläche. Sie sind ca. 250 Zentimeter gross; zehn solcher Bojen würden 2,5 GWh pro Jahr erzeugen.Windenergie liegt noch im DornröschenschlafDer Windman liebt den Föhn, ist aber auch ein wenig irritiert, dass der Wind inLiechtenstein oft die Richtung wechselt. Windman braucht Studien für die Ab-schätzung seines genauen Potentials. In Dorfzentren werden im Innovations-szenario kleine Windkraftwerke von «Solarman» ausgestochen. In Peripherienwird aber für Windenergie doch einiges an Potential erwartet. Durch Wind kann laut Schätzung 1 bis 2 Prozent des Gesamtstromver-brauchs bis ins Jahr 2025 erreicht werden. Bis ins Jahr 2050 könnte dieserBetrag auf 7 Prozent gesteigert werden. Für eine genauere Prognose brauchtes aber Abklärungen. Enstehen könnten Windkraftanlagen zwischen Balzers und Triesen, zwi-schen Schaan und Schellenberg und zwischen Triesen und Sareiserjoch. DieSolargesellschaft forscht gerade für ein Windkraftwerk in der Nähe von Schel-lenberg. Strom ist rar, Stromsparen attraktiv Was rar ist, ist exklusiv. Ecowoman möchte dazu verführen, mit dem durch die vielen SuperheldInnen produzierten Strom wertschätzend umzugehen. Weil Liechtenstein kräftig an EinwohnerInnen und Beschäftigten wächst, reicht es nicht, nur mehr Strom zu produzieren, sondern der Stromverbrauch muss redu- ziert werden. Die schlimmste Energiefresserin ist die Raumwärme, in privaten Haushalten macht sie über zwei Drittel des Energiebedarfs aus. Durch Sanie- rungen können erhebliche Verbesserungen erreicht werden. Ecowomen empfiehlt den GesetzgeberInnen, die Sanierungsrate durch Verordnungen und Subventionen anzuheben. In Liechtenstein wird bisher eine Sanierungsrate von 1 Prozent pro Jahr geschätzt. Im Innovationsszenario wird die Sanierungsrate auf 2 Prozent pro Jahr angehoben. Und: Ecowoman empfiehlt Bewegung: Schnell aufstehen und den Fernse- her ganz abschalten, spart gegenüber Stand-by-Betrieb viel Energie. Ecowo- man ist nicht nur für Sparen, sondern auch für Konsum: Sie empfiehlt neue effiziente Kühlschränke und Elektrogeräte.
  • 16. 04/ 2011 16 EINE RANDNOTIZ WERT.... Wolfgang Marxer Parteibesetzung beim unabhängigen Radio Die Freie Liste erhielt eine Einladung der Regierung, für die Neubesetzung des Verwaltungsrates des Liechtensteinischen Rundfunks (LRF) eine Nomination einzureichen. Gemäss Koalitionsvereinbarung stehe der Freien Liste ein Sitz zu, heisst es in der Einladung. Zumindest die Freie Liste hegte bei der Einführung des Corporate-Gover- nance-Gesetzes, welches u.a. die Besetzung der strategischen Führungsebene (Verwaltungsrat, Stiftungsrat usw.) von öffentlichen Unternehmen vom Land- tag an die Regierung delegierte, die Hoffnung, dass damit auch eine grössere Parteiunabhängigkeit erzielt wird – und sicher nicht die Koalitionsvereinbarung (zwischen FBP und VU) die Basis für die Besetzung von Verwaltungsräten bildet. Die Freie Liste fordert eine öffentliche Ausschreibung von neu zu besetzenden Mandaten, um bestmöglich qualifizierte und parteiunabhängige Personen zu finden. Gerade bei einem öffentlichen Medienunternehmen wie dem «Radio L» betrachten wir eine parteiunabhängige Besetzung des Verwaltungsrats als ober- stes Gebot. Die Freie Liste hat daher entschieden, von der Nomination eine/r KandidatIn Abstand zu nehmen. Helen Marxer Abenteuerliche Abstimmungserklärungen Das Vaterland hat in einem Kommentar zur Abstimmung «Hilfe statt Strafe» eine abenteuerliche Erklärung für die vielen Ja-Stimmen. Da der Kommentator einen höheren Nein-Anteil erwartet hatte, behauptet er, ein Teil der eigentlich Nein-Stimmenden habe am Sinn einer Teilnahme gezweifelt. Natürlich kann man spekulieren, was die Daheimgebliebenen gestimmt hätten, aber die Spekulatio- nen sollten nicht nur in eine Richtung betrieben werden. Dann macht er auch noch Abstimmende aus, die nur deshalb Ja gestimmt hätten, um das Fürstenhaus abzustrafen. Auch an dieser Interpretation sind Zweifel angebracht. Helen Marxer Rechnen mit der «Gruppe lebenswert» Die «Gruppe lebenswert» ist eine schlechte Gewinnerin, wenn sie schreibt, noch nie sei eine Initiative so hoch abgelehnt worden, nämlich gleich drei Mal: Erstens vom Landtag mit 70 Prozent (Übrigens waren es 17 zu 7 Stimmen. Die fehlende 25. Stimme, wahrscheinlich ein Abwesender, kann man nicht einfach zu den Ab- lehnenden zählen), dann der Erbprinz und dann das Volk. Eine tolle Argumen- tation, die viel über das Demokratieverständnis der Gruppe lebenswert aussagt: Zählen fast 48 Prozent Ja-Stimmen des Volkes zu wenig, um fairerweise von einer knappen Ablehnung zu sprechen? Helen Marxer Förderung der Mütterquote Nach Meinung des Vereins Credo zerstört der Wertezerfall und Genderwahn nicht nur Liechtenstein, sondern wohl ganz Europa. Hans Gassner schreibt: «Es ist schon toll, wie man überall den Frauenanteil fordert und fördert. Nur leider wird bei den Forderungen vergessen, die Frauenquote der Mütter zu fördern und zu erhöhen.» Helen Marxer Praktischer Katholizismus Der Erbprinz nimmt die Absage des Erzbischofs für die Messe auf der Schlosswie- se eher gelassen und von der praktischen Seite her. Dem «Vaterland» verrät er, die Messe im Rahmen des Staatsfeiertags sei zwar immer sehr schön und für ihn als Katholik auch praktisch gewesen, da er am Feiertag nicht jeweils eine separate heilige Messe besuchen musste, aber er käme auch ohne klar.
  • 17. 04/ 201102/ 2010 17 REGIERUNGSPROPAGANDA Die Regierung alsKommentar der Freien ListeAbstimmungspropagandistinIn Abstimmungsbroschüren hat die Regierung eine Pflicht zuausgewogener Information. Es ist demokratiepolitisch heikel, dassdie Exekutive in der Spitalkreditsdebatte nun einseitig dieBefürworterseite mit Geldmitteln und Meinungsmache fördert.Anfang Oktober schickte ein Mitarbeiter Beschwerde eingereicht, die beanstandete, Chancengleichheit in einer Demokratieder Regierung allen Staatsangestellten per dass die Regierung in der Abstimmungs- Seit diesem Entscheid sind Abstimmungs-E-Mail eine Einladung zu «Informations- information, zu einseitig informierte. Der informationen ausgewogen. Sie enthaltenveranstaltungen» zum Neubau Landesspi- Staatsgerichtshof stellte daraufhin Fol- jeweils die Haltung der Regierung oder destal. Es handelte sich dabei weniger um gendes fest: Landtags: Es wird eine Abstimmungsemp-«Informationsveranstaltungen», sondern «Auf Seite 3 der Information der fehlung gegeben, gleichzeitig werden abermehr um Werbeveranstaltungen für den Fürstlichen Regierung werden die im auch die Argumente der InitiantInnenKredit zum neuen Landesspital – gegne- Landtag gegen die Einführung des Staats- oder des Referendumskomitees erwähnt.rischen Stimmen wurden auf dem Podi- vertragsreferendums vorgebrachten Argu- Sie bekommen gleich viel Platz.um kein Platz eingeräumt. Die Einladung mente zusammengefasst. An keiner Stelle Zieht man eine Analogie zwischenüberrascht, weil sie von der Exekutive aber werden die Motive der Initianten den Abstimmungsinformationen und derstammt, also der «Umsetzerin» des Willens erwähnt oder der Zweck der Initiative aktuellen Kampagne für den Neubau-der Souveräne. In Sachen Landesspital hat erläutert. Damit hat die Regierung ihre kredit, ist es zwar erlaubt, dass die Re-sich diese Exekutive als einseitige Propa- Pflicht zur objektiven und ausgewogenen gierung eine Empfehlung abgibt, es gehtgandistin erwiesen. Abstimmungsinformation verletzt. Sie hät- aber zu weit, dass die Regierung einseitig Die Regierung hielt ihre Meinung zum te vielmehr zur Sicherstellung einer umfas- Werbung betreibt. Wenn schon Staats-Spitalneubau nie hinter dem Busch: Allein senden Meinungs- und Willensbildung der mittel für Kampagnen verwendet werden,schon die Frage, ob sich eine Regierung Stimmbürger sowohl die für wie auch die müssten fairnesshalber gleich wie in dennicht besser mit ihrer Meinung zurück- gegen die Initiative vorgebrachten wesent- Abstimmungsinformationen Gegner undhält, wäre in Liechtenstein einmal eine lichen Argumente zur Darstellung bringen Befürworter Raum finden und finanziellDiskussion wert. In der Schweiz wird der müssen.» (Siehe: Liechtensteinische Ent- unterstützt werden. Fairness bedeutet inRegierung empfohlen, zurückhaltend mit scheidsammlung, LES 4/91, S. 135). einer Demokratie, dass Voraussetzungenpersönlichen Haltungen zu hausieren. geschaffen werden, damit mit gleich lan- Dass die Regierung aber einseitig den gen Spiessen gekämpft werden kann. DasBefürwortern des Kredits Geld für Kam- sollte zumindest das Ziel sein, der sich einepagnen spricht, ist unfair und demokratie- Exekutive verpflichtet fühlt. Die Rolle derpolitisch heikel. 100000 Franken hat die Regierung in Abstimmungskämpfen mussRegierung der Kampagne für den Neubau in Liechtenstein endlich wieder neu disku-gesprochen, weitere 80000 Franken flos- tiert werden.sen vom Spital in den Topf. Für beideBeträge kommen letztlich die Steuerzahlerauf, unter denen sich auch Gegner desKredits befinden. Die Exekutive schlägtsich auf die Seite der Befürworter und be-dient nur einen Teil der Bevölkerung.«Die Informationspflicht wurde verletzt»Die Abstimmung über den Neubaukreditfür das Landesspital ist nicht der ersteAnlassfall, bei dem über eine saubereTrennung zwischen Informationspflichtund Propaganda der Regierung diskutiertwird. Schon 1989 hat die Freie Liste eine
  • 18. 04/ 201102/ 2010 18 JUGENDSEITEDenn sie wissen, was sie tunJUBEL-SchülerInnen vermessen Dächer, suchen SponsorInnen undinstallieren bald in luftiger Höhe erste Solaranlagen. Ihr Ziel ist«die Welt retten» und die «Solarvorherrschaft in Liechtenstein».Die SchülerInnengruppe des JUBEL-Projekts mit ihrem Leiter: (von links) Cassandra Kind, Hatizda Salihovic, Natascha Marrone, Sergio Rodri-guez, Achill Kind, Michael Riveiro, Alex Fernandes Da Silva, Elena Oehri, Alexander Liebigt (drei SchülerInnen fehlen auf dem Bild).«Wir sind jetzt in einer Phase, in der wir ergieberatungsfirma Lenum AG geholt. ber etwas beisteuern werden sie vermut-in unserem Solarprojekt viel Medienar- Die Jugendlichen haben unter Anleitung lich durch einen Standverkauf an einembeit betreiben müssen», so begrüsst eine der Fachkräfte berechnet, welche Dächer Weihnachtsmarkt. Den Jugendlichen istSchülerin des Projekts «JUBEL Solar» die in Liechtenstein überhaupt für ihr Pro- es recht, dass einzelne Dachbesitzer, dieJournalistInnen und räumt damit gleich jekt in Frage kommen. Von der Idee, alle beim Projekt mitmachen, selbst für einauch Zweifel aus, dass Jugendliche nicht Schulhäuser mit Solarpanels auszustatten, Solarkraftwerk aufkommen, wie dies diestrategisch vorgehen können und nicht sind sie wieder abgekommen. Auf den Gemeinde Schellenberg beim Bau ihresgenau wissen, was sie tun. meisten Schuldächern sind schon kleine neuen Sportzentrums tun wird. Anderer- Die elf Jugendlichen aus der Jugend- Kraftwerke installiert, andere haben eine seits wollen sie aber auch eigene Anlagenbeteiligung Liechtenstein (JUBEL) und ungünstige Lage. Überhaupt gut ausgerich- besitzen, den Strom verkaufen und denihr Leiter Achill Kind haben schon viel tete, nicht vermietete Dächer zu finden, Gewinn in weitere Anlagen investieren:Ausdauer bewiesen, bis ihr Projektziel Dä- war schon mal gar nicht so einfach. Ihr Fernziel – «alle Dächer Liechtensteins,cher mit Solaranlagen zu bestücken, nun oder zumindest so viele wie möglich», wielangsam Formen annimmt. Die Teenager Die Post als JUBEL-Kraftwerk die SchülerInnen sagen, «mit Solaranla-zwischen 13 bis 15 sind gerade in der Fündig geworden sind die Jugendlichen gen zu bebauen». Als Vorbild dient ihnenheissen Phase der Sponsorensuche: Sie schliesslich beim Postgebäude in Schaan. die Siedlung Ota im Norden von Tokio,schreiben Firmen an, die die ersten Photo- Die Besitzer fanden das Projekt toll und in der dieses Szenario schon real ist. Aufvoltaik-Anlagen finanzieren helfen sollen. haben ihre Zusage gegeben, dass sie das dem Weg zur «Solarenergievorherrschaft Zuvor haben die Jugendlichen von Dach zur Verfügung stellen. Die JUBEL- in Liechtenstein» braucht es gute Partne-«Greenpeace Jugendsolar» gelernt, welche Teens möchten bald ein Gespräch mit rInnen: Deshalb haben die JugendlichenVorarbeit für ein solches Projekt geleistet der Regierung führen, damit ihnen vom bei den Liechtensteinischen Kraftwerkenwerden muss. Sie haben sich auch sogleich Staat Geld gesprochen wird, um dort ihre (LKW) angeklopft. «Die Verantwortlichenprofessionelle Unterstützung bei der En- erste Anlage installlieren zu können. Sel- waren vom Engagement der Jugendlichen
  • 19. 04/ 2011 19 SOLARGENOSSENSCHAFTENbegeistert», sagt der Projektleiter Achill willkommen sein werden, damit die heu- Solarstrom für alleKind, «sie haben gleich versichert, dass die tigen Teenager später selbst die FrüchteLKW den produzierten Strom vergüten ernten und in der Expansionsphase dabei Die Gemeinden sollen, wenn es nach denund die Jugendlichen bei der Umsetzung sein können. Freie-Liste-GemeinderätInnen geht, abder Anlagen unterstützen werden.» Die Vom Erfolg ihres Projekts sind sie fest Sommer 2012 Solargenossenschaften er-JUBEL-Projektleute folgten einem Tipp überzeugt; schon die Startphase hat ihnen möglichen. René Hasler und Claudia Robi-der Fachleute und machten sich auf die gezeigt, dass sie auf offene Ohren stossen. nigg-Büchel haben entsprechende AnträgeSuche nach einer geeigneten Organisati- Eine Schülerin hat eine Vermutung, wa- in Vaduz und Mauren bereits erfolgreichonsform. rum dies so ist: «Wir sind die Zukunft, des- durchgebracht. Sie stecken nun gerade mitten in einer halb sind wir einfach viel überzeugender inVereinsgründung und haben in Zusam- Umweltthemen als Erwachsene, die schon «Es war kein Antrag, an dem sich diemenarbeit mit dem Hochbauamt schon die vor uns tot sind.» Achill Kind bestätigt, Geister scheiden», sagt Claudia Robinigg-Statuten ausgearbeitet: «Durch eine solche dass mit dem Charme der Jugend vieles Büchel zufrieden. «Mauren ist Energie-Trägerschaft nehmen uns die Erwachsenen leichter geht: «Jugendliche strahlen eine Stadt, deshalb darf sich die Gemeindeernster. Sie wissen, dass wir vertrauens- ungeheure Kraft aus, mit der sie manchmal nicht ausruhen und muss nachhaltigewürdig sind», erklärt eine Schülerin diesen mehr erreichen können als PolitikerInnen Energie von Jahr zu Jahr mehr fördern.»Schritt. und UnternehmerInnen.» (bj) Das Energielabel sei ein sehr guter Boden für die Förderung von Solarenergie. DerVon der Jugendgruppe zur Genossenschaft Gemeinderat hat Robinigg-Büchels Vor-Schon der Zeithorizont des Projekts macht schlag in Mauren gutgeheissen, dass zuersteine solide Trägerschaft nötig. Denn bis Mitmachen bei der Energiebeauftragte der Gemeinde einedie Solaranlagen rentabel werden und sich Analyse erstellt: Als erster Schritt müssenfür weitere Investitionen amortisieren, JUBEL-Solar: «Ich rette geeignete Dächer gefunden werden. Insind die SchülerInnen auch schon in ihren die Welt» einem weiteren Schritt soll eine Genos-Mittzwanzigern. Dass sie bis dann noch senschaft oder einen Verein gegründet JUBEL (Jugendbeteiligungdabei sein werden, davon sind die meisten werden, der die Finanzierung der Anlagen Liechtenstein) ist das Parlamentangehenden Solar-JungunternehmerInnen trägt. Die Idee ist, dass so auch Menschen, aller SchülerInnen der 1. bis 4.überzeugt. «Es gibt für alle etwas zu tun: die nicht über eine geeignete Dachfläche Klassen der liechtensteinischenIch werde die Anlagen installieren», sagt verfügen, Solarstrom beziehen können. In Sekundarschulen. Klassensspre-ein Schüler, der sich vor allem auf die Ar- Mauren und Vaduz wird im Juli 2012 fest- cherInnen nehmen an der JU-beit auf den Dächern freut. Eine Schülerin stehen, wie eine solche Genossenschaft or- BEL-Vollversammlung teil, woergänzt, dass alle entsprechend ihren Fä- ganisiert wird. Bis dahin muss geklärt sein, Ideen und Projekte diskutierthigkeiten ihr Plätzchen und ihr Arbeitsfeld wie die Nutzungsrechte aussehen und wer und anschliessend Gästen (Po-im Verein finden werden. In den Verein- für die Haftung und Wartung der Anlagen litikerInnen und Fachpersonen)statuten haben die JUBEL-SchülerInnen aufkommt. präsentiert werden. In Arbeits-bereits festgehalten, dass auch Erwachsene Claudia Robinigg-Büchel freut sich da- gruppen werden die Projekte rüber, dass ihr Antrag im Dorf sehr gut dann mit erwachsenen Begleit- ankommt: «Ich werde öfters von Leuten personen umgesetzt. Wer Inter- ausserhalb des Gemeinderats darauf an- esse hat, sich bei JUBEL bzw. für gesprochen.» Einige Bekannte gratulieren das vorgestellte Solarprojekt zu ihr, weil durch das Projekt die Umweltpoli- engagieren, kann mit dem Leiter tik gefördert werden kann. Andere freuen Achill Kind Kontakt aufnehmen. sich, weil ein noch junger Wirtschaftszweig Gesucht werden auch Sponsoren. angekurbelt wird: Im nächsten Jahr schon Tel. 00423 239 91 14 oder E-Mail können Aufträge an heimische Firmen achill@aha.li vergeben werden. Bis dahin hat Claudia Robinigg-Büchel noch einiges zu tun: Sie muss abklären, wie die Kooperation mit den LKW über die Bühne gehen wird. Wie erfolgreich weitere Gemeinderäte mit ihren Anträgen sein werden, zeigt sich in den nächsten Monaten. Die Erfolge von Mauren und Vaduz zeigen, dass grössere Gemeinden bereits über personelle und fi- nanzielle Ressourcen für nachhaltige Ideen verfügen. (bj)
  • 20. 10/ 201004/ 2011 20 FREIE LISTE – FAIR UND GUT Veganer Mittagstisch Sacha Schlegel: Die Idee «Es gibt so viele Problem in der Welt. Was kann ich da schon tun? Eine in Vaduz vegane Ernährung ist ein persönlicher Schritt für eine Verbesserung. Mittwoch, 26. Oktober Veganes Essen hat viele Vorteile: Es enthält keine dick-machenden um 12.12, Benefactum, Haus an Fette. Es gibt kein Tierleid des Essens wegen. Die Fleisch-Poduktion der Herrengasse 13, Vaduz verbraucht unheimlich viel an Ressourcen, wie z.B. Wasser: Durch vega- ne Ernährung können Ressourcen gespart werden. Ich wollte die vegane www.benefactum.li/mittagstisch Ernährung selber mal testen und habe meine Ernährung am 1. Januar 2011 umgestellt ... und lebe heute noch ... kern gesund soweit. Mit meiner Frau Ursula habe ich jemanden gefunden, der die vegane Küche unter- stützt und vegan kocht. Am «Morgenland Festival» bin ich durch Karin Pfister auf die Idee eines Mittagstisch gestossen, und jetzt gibt es ihn.»Bio-fair-regional-vegetarischer ee Ess-Mittagstisch in Mauren Die Id rivates Karin Pfister: im Mo na t ihr p isch m it Bio und inmal ittagst stützen ffnen e chen M s unterDonnerstag, 20. Oktober, 24. November, auen ö «Z wei Fr v egetaris de m Erlö es Er-15. Dezember, r einen n. Mit hhaltig mer fü r odukte ein nac unter-In der Hub 8 in Mauren zim elten P lkosten sonen fair gehand r Materia ressierte Per – so zug de Inte rungenAnmeldungen und Kontakt: wir n ach Ab pr ojekt. re n Erfah ehen erungs it unse te entst nähru ngssich Start m Projek karin.pfister@adon.li ne beim solche wir ger einden s tützen der en Gem ch in an dass au .» können NAU FRUF SPENDE ützung Tandem Projekt für Asylsuchende Unterst fo ist auf Ihre nft Das fl!n in Zuku Die Gruppe Mumas (für einen menschenwürdigen Umgang sen, u m auch angewie en: rschein mit Asylsuchenden) baut gerade ein Tandem Projekt auf. sig zu e Druck: Gutenberg AG, Schaan. Papier Plano Jet hochweiss äs regelm Asylsuchende in Liechtenstein sollen TandempartnerInnen zugeordnet bekommen, die ihnen bei kleinen Dingen des 253-1 Schaan PC 90-3 fl-info, 5 Lebens in Liechtenstein helfen, mit ihnen Deutsch sprechen verein 7 6164 Presse 00 019 und sie zu Terminen oder Vorstellungsgesprächen beglei- LI20 0 880 00 IBAN ten. Die Asylsuchenden wissen so, wo sie direkte Unter- stützung bekommen und sollen in ein möglichst autonomes Leben begleitet werden. Informationen zu diesem Projekt gibt es unter: www.mumas.li