JeaMY Lee  TRAUMDieVEKTOR   Tetralogie    LESEPROBE
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für miranda imgrid
Impressum                      Copyright: © 2012 Jeamy Lee                      www.traumvektor.com                      D...
Intro    Dank an die Zeit ...    All jenen gewidmet, die keine haben.   Mein Dank gilt auch allen Personen, die an der Ent...
InhaltImpressum .............................................................................................................
II Aufstieg .................................................................................................................
III ›Unität‹ ................................................................................................................
IV Interferenz .........................................................................................................51...
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I Ursprung»Die Philosophie steht in diesem großen Buch geschrieben, dem Uni-versum, das unserem Blick ständig offen liegt. ...
Prolog                                       Prolog»Im richtigen Licht werfen auch kleine Ereignisse große Schatten.«2E   ...
Prologwerden. Nicht einmal wir, die sie Götter nannten, waren in der Lage,dieses Naturgesetz zu brechen.   Götter!   Natür...
Prologdem riesigen Spiegelturm standen, der uns lange als Basis gedient hat-te und bald als letztes Monument hoch technisi...
Instinkt                              InstinktI     hre Nackenhaare stellten sich auf. Sie war beunruhigt, ihre Sinne     ...
InstinktHorizont. Westlich und östlich von ihr gab es nur riesige Bäume. Vomeinen zum anderen Ende der Welt.   Sie wusste,...
Instinktfen starke Schmerzwellen den Körper der Waldbewohnerin. Dann dieselähmende Angst und die Ahnung des bevorstehenden...
Spiegel                               SpiegelI     ch versuchte, die augen zu öffnen. doch die überraschende hellig-     ke...
Spiegelschaft über meinen körper wieder zu erlangen, die mir so vollkommenentglitten war.   »ich schwöre bei allem, was mi...
Spiegel   »ja, wer bin ich? ein 26 jahre junger, dynamischer, aufstrebender, er-folgreicher programmierer.   eher ein ausg...
Spiegelwie heißt es so schön in diesem alten chinesischen sprichwort: ›sex alleinmacht nicht glücklich!‹ oder so ähnlich.«...
Schicksal                            Schicksal   »Da vorne ist ja der Bastard.«   Hastor zeigte auf ein grünes, kugelförmi...
Schicksallandschaft hatte. In der Umgebung dieser Siedlung waren reiche Erzla-gerstätten entdeckt worden, die man abbaute ...
Schicksaleinmal, wie viele dieser Kugelschiffe überhaupt existierten oder wie ihreBesatzung aussah. Und nun schien eines ih...
Schicksal   »Ja, in der Tat, vielleicht spielen diese Ausgeburten des dunkelstenSchwarzen Loches des Universums nur mit un...
Geburt                               GeburtI     ch wankte unsicheren schrittes in die küche und ließ einen starken     ka...
Geburt   ich glitt immer tiefer in die welt der träume vergangener tage undkonnte an nichts anderes mehr denken. ich sah i...
Geburt   vor mir lungerten zwei kleine spiralgalaxien herum, die offenbar ge-rade miteinander kollidierten. ja sie schienen...
Geburt   »war ich wirklich tot oder nur verrückt geworden? ein nervenkollaps.eine art bewusstseinsspaltung, hervorgerufen ...
Geburttion bis ins Unendliche verzögerte. Viele seiner Freunde waren in denGrenzkriegen umgekommen. In vielen Fällen war n...
Geburt   Umgekehrt war das Imperium davon überzeugt, die Verwüstung derAußenplaneten ging auf das Konto der Reptorianer. D...
Geburtmehr als 14 000 km² (35C QMIL)8 war schlagartig verglüht. Ein riesigesLoch war von dem fremden Schiff in einen der Be...
Geburt    »Die Sensoren haben bis jetzt nur Stoffe von einheimischen Pflanzenund Tieren registriert. Auch die Metallspuren i...
Geburt   am schluss hatten sich neun planeten und dutzende monde gebildet,die um eine junge, im vollen glanz erstrahlende ...
Geburtin einem unbeschreiblichen gewitterregen der gefühle. es glich einemgleichzeitigen megaorgasmus von körper, geist un...
Geburt   ich konnte nichts tun als warten und das machte mich wahnsinnig. ichsaß, stand, schwebte hier und konnte nur zuse...
Geburt   wieder tauchten jene farben auf, welche am beginn meiner traumreisezu sehen waren.   »es geht nachhause.«   vor m...
Geburtrissen. unzählige abschürfungen, rissquetschwunden und blutergüssequälten mich.   einige zeit später versuchte ich e...
Die Traumvektor Tetralogie - Leseprobe
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Die Traumvektor Tetralogie - Leseprobe

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„Die Traumvektor Tetralogie“ oder „Wie eine Packung Gemüsesuppe die Universen veränderte“.

Es gibt ein Geheimnis, das älter ist, als das Universum selbst.

Mehr als 650 Seiten (Taschenbuch, Format 22,8 x 15,4 x 4,8 cm) erzählen von faszinierenden Welten jenseits unserer Vorstellungskraft.

Welten, in denen weder Raum noch Zeit existieren. Welten, die so anders sind, dass auch jene Wesen sie lange nicht verstehen konnten, die unserem Universum schon vor Äonen den Rücken gekehrt haben, um sie zu erkunden und hinter ihr Geheimnis zu kommen. Nun stehen sie kurz davor, das Rätsel zu lösen, doch dazu bedürfen sie der Hilfe der Menschen.

Doch die Menschheit darf und wird nie etwas davon erfahren.

Diese Auflage wurde mit vielen Links zu Hintergrund- und Zusatzinformationen versehen, um dem Leser, sofern er gewillt ist, die Möglichkeit zu geben, etwas mehr über das geschichtliche, philosophische, soziale und wissenschaftliche Umfeld der handelnden Personen zu erfahren.

Mehr: http://www.traumvektor.com

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  1. 1. JeaMY Lee TRAUMDieVEKTOR Tetralogie LESEPROBE
  2. 2. JeaMY Lee TRAUMDieVEKTOR Tetralogie LESEPROBE
  3. 3. für miranda imgrid
  4. 4. Impressum Copyright: © 2012 Jeamy Lee www.traumvektor.com Druck und Verlag: CreateSpace www.createspace.com ISBN 978-1-4775-0086-6 1. Auflage 2011: ISBN 978-1-4716-4453-5 2. verbesserte Auflage 2012: ISBN 978-1-4775-0086-6 LESEPROBETitelgestaltung:Jeamy Lee, Hintergrund erstellt mit Mandelbulber.1Urheberrechtshinweis:Alle Rechte vorbehalten. Kein Teil dieses Buches darf in irgendeinerForm (Druck, Fotokopie oder einem anderen Verfahren) ohne schriftli-che Genehmigung des Autors oder des Verlages reproduziert oder un-ter Verwendung elektronischer Systeme verarbeitet, vervielfältigt oderverbreitet werden.Die Berner Übereinkunft zum Schutze von Werken der Literatur undKunst ist ein völkerrechtlicher Vertrag, der 1886 in Bern angenommenwurde.2Jegliche Ähnlichkeiten mit lebenden oder toten Personen, Unternehmen,Begebenheiten und Handlungen sind rein zufällig und vom Autor nichtgewollt. Aktualisiertes Video- und Webverzeichnis mit vielen Links zu Hintergrund- und Zusatzinformationen über das geschichtliche, philosophische, soziale und wis- senschaftliche Umfeld der handelnden Personen: www.traumvektor.eu1 Mandelbulber: http://sites.google.com/site/mandelbulber/home2 Wikipedia: Berner Übereinkunft zum Schutz von Werken der Literatur und Kunst.
  5. 5. Intro Dank an die Zeit ... All jenen gewidmet, die keine haben. Mein Dank gilt auch allen Personen, die an der Entwicklung desInternets1 beteiligt waren und sind2. In jener Zeit, als diese Geschichteseinen Anfang nahm, konnten sich nur wenige vorstellen, welchen Stel-lenwert dieses Medium in nicht allzu ferner Zukunft einnehmen würde.Alle Informationen, die man damals mühsam aus vielen verschiedenenBüchern, Lexika, Zeitungsartikel und den sich langsam, aber doch stetigausbreitenden Mailboxnetzen, wie etwa dem FidoNet3, zusammentra-gen musste, sind heute überall und jederzeit in Echtzeit abrufbar: »Infor-mation at Your Fingertips4« ist heute allgegenwärtig! Dieser Roman wurde daher mit vielen Links zu Hintergrund- undZusatzinformationen versehen, um dem Leser, sofern er gewillt ist, dieMöglichkeit zu geben, etwas mehr über das geschichtliche, philosophi-sche, soziale und wissenschaftliche Umfeld der handelnden Personenzu erfahren. Diese Verweise sollen auch als Anregung dienen, selbstnachzuforschen und vielleicht sogar an der Verbreitung des Wissensmitzuwirken; Wissen sollte ein Grundrecht sein und bleiben und fürjeden Menschen zugänglich und jederzeit und überall verfügbar sein. Das Internet ist der richtige Schritt in diese Richtung. Jeder, der die-ses Medium nutzt, sollte im Rahmen seiner Möglichkeiten dafür Sorgetragen, dass dies auch in Zukunft so bleibt und dieses Medium uns nochlange Zeit in dieser Form erhalten bleibt! Mein Dank gilt allen β-Lesern, allen voran Maximilian, der auch Zeitgefunden hat, das Werk Korrektur zu lesen. Mein besonderer Dank gilt Esther Koch für ihre Geduld beim Korrek-turlesen und die vielen nützlichen Anmerkungen.1 »Das Internet (von engl. interconnected network) ist ein weltweites Netzwerk beste- hend aus vielen Rechnernetzwerken, durch das Daten ausgetauscht werden.« – Wiki- pedia: Internet2 »Die Geschichte des Internets lässt sich in drei Phasen einteilen. In der Frühphase ab Mitte der 1960er Jahre wurden die Grundlagen gelegt, die Technologie demons- triert und zur Anwendungsfähigkeit entwickelt. Gleichzeitig mit dem Wechsel von der militärischen zur akademischen Forschungsförderung Ende der 70er Jahre begann das Wachstum und die internationale Ausbreitung des Internet. [...] 1990 begann mit der Abschaltung des Arpanet die kommerzielle Phase des Internets.« – Wikipedia: Geschichte des Internets3 »Das FidoNet ist ein sogenanntes Mailboxnetz, das sich in den 1980er und 1990er Jah- ren über die ganze Welt verbreitete, dann aber durch das Internet sehr stark verdrängt wurde.« – Wikipedia: FidoNet4 Bill Gates - Comdex 1994 Keynote »Information at Your Fingertips 2005«
  6. 6. InhaltImpressum ...................................................................................................................6Intro ...............................................................................................................................7I Ursprung .................................................................................................................13Prolog ..........................................................................................................................14Instinkt ........................................................................................................................17Spiegel.........................................................................................................................20Schicksal .....................................................................................................................24Geburt .........................................................................................................................28 1 31 2 35 3 37 4 39 5 45 6 49 7 55Traum..........................................................................................................................66Tibira ...........................................................................................................................69 1 72Absturz .......................................................................................................................75 1 78 2 80Entfernungen .............................................................................................................85Meldona ......................................................................................................................89 1 90 2 91 3 92Realität ........................................................................................................................93 1 96 2 98 3 99Suche .........................................................................................................................101 1 104 2 106 3 107 4 108 5 109Erkenntnis ................................................................................................................111 1 112 2 114 3 118Kontakt .....................................................................................................................123 1 126Trauer........................................................................................................................131Erde ...........................................................................................................................133Hastor .......................................................................................................................142Flug............................................................................................................................147Narbe.........................................................................................................................158Sonnentöter ..............................................................................................................165
  7. 7. II Aufstieg ................................................................................................................183Pyramide ..................................................................................................................184Isu ..............................................................................................................................205Verwandlung ...........................................................................................................207 1 214Dilmu ........................................................................................................................221Zwilling ....................................................................................................................234Rebellen ....................................................................................................................252 1 258Vorahnung ...............................................................................................................264 1 266 2 269Kampf .......................................................................................................................275Felder ........................................................................................................................282 1 288Schwester..................................................................................................................299Regelkreise ...............................................................................................................309Reality-TV ................................................................................................................318 1 322 2 324 3 327Flut ............................................................................................................................329Thailand ....................................................................................................................343 1 344 2 348
  8. 8. III ›Unität‹ ...............................................................................................................353Erwachen ..................................................................................................................354 1 357 2 359Ebbe ...........................................................................................................................365Exodus ......................................................................................................................373Überfahrt ..................................................................................................................378 1 386Suzanet .....................................................................................................................391Mitsuhunda ..............................................................................................................400 1 403 2 403 3 405Landung ...................................................................................................................409 1 410 2 413 3 414 4 415Uhr.............................................................................................................................423 1 431Mars ..........................................................................................................................434 1 435 2 439Maori .........................................................................................................................444Drilling......................................................................................................................447 1 454 2 460Fragen .......................................................................................................................463Neuordnung ............................................................................................................475 1 477Reise ..........................................................................................................................483Susanka .....................................................................................................................485 1 492D’Narga ....................................................................................................................495Weltregierung ..........................................................................................................496 1 501Neustart ....................................................................................................................503 1 506
  9. 9. IV Interferenz .........................................................................................................515Multiversum ............................................................................................................516Überlagerung ...........................................................................................................523Machtwechsel ..........................................................................................................529 1 530 2 53403:55...........................................................................................................................546 1 552 2 554 3 555 4 558 5 561Alternativen .............................................................................................................5641990.1.........................................................................................................................568 90.2 571 90.3 573 90.4 576 90.5 578 90.6 584 90.7 586MOX ..........................................................................................................................589Endzeit ......................................................................................................................595 1 603Anker ........................................................................................................................615 1 619Rückkehr ..................................................................................................................625Experiment ...............................................................................................................627 1 627 2 628 3 632 4 637 5 638 6 644Mandira ....................................................................................................................654Ausbruch ..................................................................................................................659 1 663 2 668 3 669Epilog ........................................................................................................................671Anhang/Denkanstöße ...........................................................................................675Literaturverzeichnis ................................................................................................676Webverzeichnis .......................................................................................................679Videoverzeichnis .....................................................................................................688Recherchemaschinen ..............................................................................................693
  10. 10. 12
  11. 11. I Ursprung»Die Philosophie steht in diesem großen Buch geschrieben, dem Uni-versum, das unserem Blick ständig offen liegt. Aber das Buch ist nichtzu verstehen, wenn man nicht zuvor die Sprache erlernt und sich mitden Buchstaben vertraut gemacht hat, in denen es geschrieben ist. Es istin der Sprache der Mathematik geschrieben, und deren Buchstaben sindKreise, Dreiecke und andere geometrische Figuren, ohne die es dem Men-schen unmöglich ist, ein einziges Wort davon zu verstehen; ohne dieseirrt man in einem dunklen Labyrinth herum.«Galileo Galilei, 162311 »Galileo Galilei (* 15. Februar 1564 in Pisa; † 8. Januar 1642 in Arcetri bei Florenz) war ein italienischer Philosoph, Mathematiker, Physiker und Astronom, der bahnbrechen- de Entdeckungen auf mehreren Gebieten der Naturwissenschaften machte.« – Wikipe- dia: Galileo Galilei 13
  12. 12. Prolog Prolog»Im richtigen Licht werfen auch kleine Ereignisse große Schatten.«2E s gibt Zeiten, in denen man sagen wird, hier und heute hat alles angefangen: Der Weg zurück zum Ursprung, wenn man es pathe- tischer wollte, in die Heimat. Oder zumindest an einen Ort, dersich so anfühlte, auch wenn er es nicht wirklich sein konnte, da sich einezu große Kluft von Raum und Zeit zwischen uns und der Geschichteaufgetan hatte, als wäre man nach all den unzählbaren Jahrtausendenendlich zu Hause angekommen. Doch wir wussten es besser. Dies hier war weder ein Anfang noch einWendepunkt, nicht einmal besonders erwähnenswert und hätte auch nieden Weg in die Geschichtsbücher der Menschheit gefunden, finden dür-fen, wäre uns nicht ein kleiner aber entscheidender Fehler unterlaufen.Eine Unachtsamkeit, die uns Äonen später beinahe zum Verhängnis wer-den sollte und das Überleben nicht nur der Menschheit über Jahrtausendehinweg nur von zwei Dingen abhängig machen sollte: unserer Meister-schaft im Improvisieren und der Anhäufung besonders glücklicher Um-stände. Menschen würden von Wundern sprechen, obwohl es so etwaswie Wunder nicht gibt – doch der Mensch liebte das Unerklärliche, daherwurde jedes Ereignis außerhalb seines geistigen Fassungsvermögens so-gleich als untrügliches Zeichen eines allmächtigen Gottes gewertet. So klein dieses auslösende Ereignis damals auch gewesen sein moch-te, im Laufe der Zeit wurde es zu einem immer größeren Störfaktor. DasChaos und seine seltsamen Auswüchse machten uns klar, dass auch hierletztendlich die alte Weisheit »Wahrscheinlichkeiten existieren nicht zuihrem Vergnügen« mit unerbittlicher Beharrlichkeit und Unnachgiebig-keit auf ihre Erfüllung pochte. Es war von Anfang an ein außerordentlich waghalsiges Abenteuergewesen, auf das wir uns damals, auch wenn alles gegen einen Erfolgsprach, einlassen mussten. Ja, mussten! Ein Scheitern hätte alles infragegestellt. Alles. Wir mussten es versuchen und wären beinahe gescheitert.Wir waren von falschen Annahmen ausgegangen, hatten die erwähntekleine Unregelmäßigkeit im Gefüge übersehen, welche im Prinzip nurunserem Hochmut zuzuschreiben war, unseren Allmachtsfantasien.Wir hatten den menschlichen Forschergeist und Erfindungsreichtum alsvernachlässigbar aus unseren Berechnungen eliminiert. Trotzdem odergerade deshalb, gerade weil diese Anomalie mit vielen Unannehmlich-keiten verbunden war, hatte sie eine neue Tür aufgestoßen. Eine, die unsmit der wohl wichtigsten Eigenschaft des Universums vertraut machte:Nichts konnte den Lauf der Geschichte verändern oder gar stoppen. Dereinzige Ausweg, der uns blieb, war der, sie von Anfang an neu zu schrei-ben. Alles, was geschehen war und geschehen wird, musste neu erdacht2 Rham (21 201 v. NZ): Die Geschichten der Universen.14
  13. 13. Prologwerden. Nicht einmal wir, die sie Götter nannten, waren in der Lage,dieses Naturgesetz zu brechen. Götter! Natürlich waren wir keine Götter; sind nie Götter gewesen. Höchs-tens uralt und technisch fortgeschrittener als es sich ein Mensch in seinenkühnsten Träumen hätte vorstellen können. Mehr als auch ich es mir inmeinen wildesten Fantasien hätte ausdenken können. Und trotz unsererÜberlegenheit, unseres beinahe unendlichen Wissens hatten wir das letz-te Zeitalter, das Zeitalter der Dunkelheit und Kälte nicht abwenden oderes auch nur soweit verkürzen können, dass ein Überleben der Zivilisati-onen in diesem oder den anliegenden Universen möglich gewesen wäre. Uns Göttern konnte dieses Zeitalter zwar nichts anhaben, dennochmussten auch wir uns vorsehen und sichere Zufluchtsorte aufsuchen.Für alle anderen Lebewesen allerdings bedeutete der Todeskampf desUniversums den sicheren Untergang. Deshalb mussten wir jetzt han-deln. Jetzt, in den nächsten fünfzig Milliarden Erdjahren oder alle unsereAnstrengungen waren umsonst gewesen. Fünfzigtausend Millionen Jahre! Wie konnte man einem Menscheneinen solch immens langen Zeitraum verdeutlichen, ohne dass er dabeian die Grenzen seiner Vorstellungskraft stoßen und an den eigenen geis-tigen Fähigkeiten verzweifeln würde? Vom Kollaps des Gasnebels, wel-cher zur Sonne wurde und der Entstehung des Sonnensystems mit allenPlaneten und sonstigen Gesteins- und Metallbrocken, bis zum Auftretendes ersten aufrecht gehenden »Australopithecus afarensis« in Zentralaf-rika namens »Dinknesh3« hatten 4,5 Milliarden Jahre Normalzeit im Ein-steinraum ausgereicht. Für unser Vorhaben hatten wir mehr als elfmal soviel Zeit zur Verfügung, und dennoch war sie äußerst knapp bemessen,würde kaum reichen, unsere Pläne umzusetzen. Konnte ein Mensch dasje begreifen? Trotz allem, ich werde es immer wieder versuchen, werde es ihnenso lange erklären, bis sie es verstanden haben. Bis sie verstanden haben,welchen Einfluss sie auf die Entwicklung der Universen hatten und ha-ben. Und würde man diesen Plan in einen kurzen Satz pressen wollen,dann könnte auch ein Mensch vielleicht eines Tages die Tragweite desUnternehmens verstehen: Wir hatten nichts Geringeres vor, als das ge-samte Universum in seiner Unendlichkeit und darüber hinaus alle Uni-versen vor der endgültigen Vernichtung zu bewahren. Zeit war daherkostbar. Zu kostbar, als auch nur ein einziges Jahrtausend mit dem Be-trachten zeitlos schöner Sonnenuntergänge zu verbringen. Ich drehte mich um, wandte meinen Blick von den Ufern des Ara-gar und der scharfen schwarzen Horizontlinie ab, die die einbrechendeNacht verkündete und der wartenden Gruppe »Götter« zu, die neben3 »Lucy oder Dinknesh (amharisch: Du Wunderbare) bezeichnet den Skelettfund eines Australopithecus afarensis [...] Das Fossil wurde benannt nach dem Beatles-Song Lucy in the sky with diamonds. Lucy hat wahrscheinlich vor 3,2 Millionen Jahren gelebt.« – Wiki- pedia: Lucy 15
  14. 14. Prologdem riesigen Spiegelturm standen, der uns lange als Basis gedient hat-te und bald als letztes Monument hoch technisierter Zivilisationen aufeinem verlassenen und in überschaubarer Zeit leeren Planeten zurück-bleiben würde. Jenem unscheinbaren Gesteinsbrocken am Rande einerSpiralgalaxie, auf dem alles begann: dem Planeten ἔρα4. Wir ließen unsere Körper, die wir nur aus sentimentalen Gründen ge-formt hatten, um Sonnenuntergänge, das Rauschen der Flüsse und dievielen anderen Sinneseindrücke, die nur diese Körper uns geben konnte,genießen zu können, zurück und lenkten unsere Aufmerksamkeit wie-der auf die Unendlichkeit, die vor uns lag.4 »Die Erde (von urgermanisch *erþō; griechisch ἔρα ‚éra‘) ist der Heimatplanet der Menschheit und Millionen anderer Arten. Mit einer durchschnittlichen Entfernung von 149,6 Millionen km zur Sonne ist sie der der Sonne am drittdichtesten gelegene Planet im Sonnensystem. Ihr Durchmesser beträgt über 12.700 km und sie ist etwa 4,6 Milliar- den Jahre alt.« – Wikipedia: Erde16
  15. 15. Instinkt InstinktI hre Nackenhaare stellten sich auf. Sie war beunruhigt, ihre Sinne alarmiert. Vor ihr lag ein dichtes Gewirr aus Zweigen und Blättern, und genau dort hatte sich gerade etwas bewegt und ein kurzes, fastunhörbares Geräusch verursacht. Ihr Instinkt versuchte, sie zu beruhigen. Dort in diesen Dornenheckenkonnte unmöglich ein Feind lauern. Allerdings war es besser vorsichtigzu sein als tot. Möglicherweise wartete in diesem Gebüsch eine besonde-re Überraschung auf sie. Eine, die sie trotz ihres hohen Alters noch nichtkannte. Leise, wachsam, auf einen Angriff gefasst, schlich sie näher an dasDickicht heran. Ihre Augen suchten nervös nach der Ursache desGeräusches. Ihre empfindliche Nase versuchte aus den unzähligen Gerüchen, dieauf sie einströmten, einen herauszufiltern der Gefahr bedeuten konnte. Und dann trug der Wind einen sehr bekannten Duft heran. Einen derihr sofort das Wasser im Mund zusammenlaufen ließ und ihren Jagdin-stinkt aktivierte. »Futter«, dachte sie freudig erregt und bewegte sich nun noch behut-samer auf das Dickicht zu, in dem sie ihre »Mahlzeit« vermutete, daraufbedacht ihre Anwesenheit so gut es ging zu verschleiern. Der Geruch wurde immer intensiver. Als sie meinte, nahe genug zu sein, legte sie sich flach auf den Bo-den und verharrte regungslos in ihrer typischen Angriffsposition. Nichtskonnte sie jetzt noch von ihrem Vorhaben ablenken. Sie war zur Jägerin geworden. Ihre Muskeln warteten auf den Angriffsbefehl. Ihr geschmeidigerKörper glich einem gespannten Bogen, der sich im richtigen Augenblickentladen, wie ein Pfeil losschnellen und die Mahlzeit mit tödlicher Si-cherheit erlegen würde. Die nächste unachtsame Bewegung ihres Opferswürde die Letzte sein. Bald würde sie ihr wohl verdientes Frühstück ge-nießen und sich endlich ausruhen können. Ein ohrenbetäubender Knall zerriss die natürliche Geräuschkulissedes Waldes, dem ein nicht enden wollender Donner folgte. Sie reagier-te sofort, wartete nicht auf den vermeintlichen todbringenden Angriff,brachte sich mit schnellen, geschmeidigen Bewegungen auf dem nächs-ten höheren Baum in Sicherheit und suchte auf einem der weit ausla-denden Äste einen bequemen Ruheplatz. Die Sekunden und Minutenverstrichen. Nichts geschah. Der Angriff hatte wohl nicht ihr gegolten. Von dort oben hatte sie einen grandiosen Ausblick auf ihr Jagdrevier.Sie war inmitten eines Waldes ungeheurer Ausdehnung, der von Hun-derten Flüssen spinnennetzartig durchzogen war. Weit im Norden er-streckte sich ein gigantischer Gebirgszug über den gesamten sichtbaren 17
  16. 16. InstinktHorizont. Westlich und östlich von ihr gab es nur riesige Bäume. Vomeinen zum anderen Ende der Welt. Sie wusste, weit im Westen lebten eigenartige Geschöpfe, die »Anun-naki« genannt wurden. Es waren sehr freundliche Wesen, die gelegent-lich etwas Nahrung für die Jägerin und ihre Artgenossen am Waldrandzurückließen. Es gab viele Waldbewohner, die sich sehr gut mit diesenFremden vertrugen. Einige Mitglieder ihrer Rasse hatten dem Wald sogar endgültig denRücken gekehrt und lebten nun in den Dörfern der Anunnaki. Vielleicht würde sie auch einmal dorthin gehen. Dann musste sie nichtmehr dem Essen nachjagen und würde vor allem Schutz vor ihren Fein-den finden. Aber noch war die Zeit nicht reif für einen solchen großenund endgültigen Schritt. Sie entspannte sich und begann ihr Fell zu säubern. Am Horizont sahsie den Grund für den Donner. Ihre Neugier war geweckt. Normalerweise machten die fliegendenTiere der Anunnaki nicht so einen Lärm. Auch hatte sie so eines, wiedieses dort oben am Himmel, noch nie zuvor gesehen. Es war sehr groß,dunkel, ähnelte einem Ball mit seltsamen Beulen. Es raste direkt undohne die Geschwindigkeit zu verringern auf den Bergkamm zu. Undnoch etwas war an diesem grünen Vogel anders. Er hatte etwas Beängsti-gendes an sich, doch sie konnte nicht verstehen, was sie so beunruhigte.Sie wollte sich schon abwenden und wieder der Jagd widmen, als sie einGefühl der Angst, Verzweiflung und eine Ahnung des nahenden Todesüberfiel. Sie war verwirrt. Es gab keinen Grund für diese Empfindungen. Ihrdrohte keine Gefahr, doch woher kam dann diese unbegründete Furcht? Die Kugel am Horizont verlor weiter an Höhe und wollte anscheinendauf einem der Berge landen. Nun konnte die Jägerin mit ihren schar-fen Augen zwei weitere, kleinere Vögel der Dorfbewohner erkennen. Siemachten anscheinend Jagd auf die Kugel. Kurz darauf schossen Blitze aus den kleinen Tieren, welche den grü-nen Vogel einholten und in ein grelles rotes Licht hüllten. Beinahe gleich-zeitig trafen heftige Wellen des Schmerzes den Körper der Waldbewoh-nerin. Sie fiel beinahe vom Baum und konnte sich, trotz ihrer scharfenKrallen, nur mit Mühe festhalten. Und wieder diese Angst. Doch es war weit und breit nichts zu erken-nen, das dieses unverständliche Angstgefühl hätte erklären können. Die Tiere des Waldes schienen verrückt geworden zu sein. Es hatteden Anschein, als flohen sie vor einem unbekannten Feind. Sie hetztenin irgendeine Richtung davon. Blieben genauso plötzlich wieder stehen.Sahen sich um, konnten nichts Bedrohliches erkennen, beruhigten sich,um Augenblicke später, scheinbar grundlos, erneut loszurennen. Die grüne Kugel flog weiter auf die Bergkette zu. Sie versuchte wohl,sich dort vor den blauen Jägern zu verstecken. So hatte es zumindest denAnschein. Wieder trafen Blitze den grünen Vogel und wieder durchlie-18
  17. 17. Instinktfen starke Schmerzwellen den Körper der Waldbewohnerin. Dann dieselähmende Angst und die Ahnung des bevorstehenden Todes. Die Tieream Boden empfanden wohl ähnlich. Sekunden später sah die Waldbewohnerin das Raumschiff mit einemder Berge kollidieren und in einem grellen Blitz verschwinden. Dort, wovor wenigen Augenblicken noch ein Berg in den Himmel geragt hatte,sah man nur noch eine Rauch- und Feuersäule. Auch die Gefühle derAngst und Verzweiflung peinigten sie nicht mehr. Ein alles erschütternder Donner folgte dem Lichtblitz, begleitet voneiner gewaltigen Druckwelle, welche den Baum und die darauf sitzen-de Jägerin mit sich riss. Die Wucht der Explosion hatte den Berg ausra-diert und hinterließ einen tiefen Krater von einigen Dutzend KilometernDurchmesser, welcher von den umliegenden Flüssen sofort mit tosen-dem Rauschen und Gurgeln in Besitz genommen wurde. Einen Augenblick später hatte auch das Katzenwesen aufgehört zuexistieren. 19
  18. 18. Spiegel SpiegelI ch versuchte, die augen zu öffnen. doch die überraschende hellig- keit des morgens veranlasste mich, sie sofort wieder zu schließen. in meinem kopf dröhnte es wie unter einer glocke, nur um ein vielfa-ches lauter. mein magen hatte ein starkes bedürfnis sein innerstes nachaußen zu stülpen und befand sich dem gefühl nach schon in höhe meineskehlkopfes. meine verknoteten gehirnwindungen versuchten herauszufinden, wieich letzte nacht den weg nachhause gefunden hatte. doch wie ich feststel-len musste, wies mein gedächtnis hier eine extrem breite lücke auf. ichwusste nur noch, dass mir spät am abend furchtbar übel geworden warund ich daraufhin einige whisky-cola hinunter spülte, mit der absicht,meinen revoltierenden magen zu beruhigen. meinem gehirn war das, soweit ich die ereignisse der letzten stundennoch in erinnerung hatte, nicht gerade gut bekommen. zumindest wares, wenn ich seinen zustand richtig interpretierte, wenig erfreut überdiesen etwas unglücklich gewählten besänftigungsversuch des magensgewesen. also hatte es, schnell beleidigt, wie es war, wieder einmal meinbewusstsein ausgeschaltet und mich ohne mein wissen und vor allemohne mein wollen nachhause gehen, wahrscheinlich eher torkeln lassen. nun lag ich also hier in meinem bett und fühlte mich nicht geradewohl, um nicht zu sagen beschissen. ich kroch ganz unter die decke undversuchte noch einmal meine augen zu öffnen. langsam und vorsichtig. ja es ging. schmerzhafte blitze zuckten durch mein gehirn, hinterließen einenluftleeren raum, in dem es sich kurz danach der donner gemütlich mach-te. die welt zeigte sich mir zwar noch in ihrem verschwommensten kleid,doch meine augen waren jetzt offen. das grauenhafte gewitter wollte nicht aufhören, und langsam hatte ichden verdacht, die leise ahnung, dass jedes einzelne meiner neuronen diewut an mir ausließ und sich für mein gestriges trinkgelage rächen wollte. rächen wollte mit ganz einfachen mitteln: durch einen schmerzhaf-ten selbstmord. andere wiederum schlossen sich fühlbar in gruppen zu-sammen und feuerten ununterbrochen auf mich los. jede noch so kleinebewegung meinerseits veranlassten sie, ihr werk nur noch intensiverfortzusetzen. mir war übel, zum kotzen. ich versuchte mich zu erinnern, was wohl der grund für meinen gest-rigen außerplanmäßigen alkoholvernichtungstrip gewesen war. so wieich mich fühlte, musste es ein sehr triftiger grund gewesen sein. dann fieles mir ein und der schmerz wurde dadurch nur noch größer. nun sah ich sie vor mir. klar und deutlich. unsagbare seelische qualbreitete sich in meinem körper aus und schnürte mir die kehle zu. ichversuchte meine gedanken in andere bahnen zu lenken, um die herr-20
  19. 19. Spiegelschaft über meinen körper wieder zu erlangen, die mir so vollkommenentglitten war. »ich schwöre bei allem, was mir heilig ist, bei der mutter göttin, sollteich diesen tag überleben, rühre ich keinen tropfen dieses zellenmorden-den gesöffs mehr an.« »höchstens ein paar wodka«, meldete sich eine meiner vielensubpersönlichkeiten. »halt’s maul du säufer! du bist schuld an meinem desaströsen zu-stand«, dachte ich resignierend. die projektion der uhrzeit an der wand sprang gerade auf 8:55. ichhatte vorgehabt um neun uhr vor meinem computer zu sitzen und end-lich dieses verdammte modul, das schon seit tagen an meinen kostbarennerven zerrte, zum laufen zu bringen. konnten sich diese durchgestylten managertypen denn nie einig wer-den? waren sie nicht in der lage, einen einmal eingeschlagenen weg bei-zubehalten und ihre so unentbehrlichen analysen jedweder art endlichabzuschließen? manager. ein haufen wichtigtuerischer idioten. keine ahnung, nichteinmal den geringsten funken einer vorstellung von den aufgaben, fürdie sie bezahlt werden. trotzdem tun sie so, als hätten sie alles unter kontrolle und wären die-jenigen, ohne deren aufopferndes, stressbehaftetes wirken diese weltschon längst untergegangen wäre, sich nicht weiterdrehen würde. dabeiwäre ohne sie vieles so viel einfacher. viele probleme, mit deren lösungsie stunden und tage verbrachten, würden ohne sie erst gar nicht daslicht der welt erblicken. ach was, weshalb rege ich mich auf? der heutige tag ist so oder so ver-loren, jetzt kommt es nur noch darauf an, ihn zu überleben. »grauenhaftes gebräu. weshalb bist du auch auf whisky-cola umge-stiegen? wärst du bei wodka geblieben, wäre es nie so weit gekommen«,ätzte die einzige subpersönlichkeit, die noch bei bewusstsein war. »du hast ja recht. oh gott, ist mir schlecht. ich muss unter die dusche.« ich versuchte ganz vorsichtig aufzustehen und langsam zur tür zugehen, doch der boden war heute extrem uneben. es fühlte sich an, alsbefände ich mich auf einer achterbahn. »ausziehen, unter die brause, wasser aufdrehen und warten, was da-nach geschieht.« »ist das jetzt kaltes oder warmes wasser?« »egal.« »mal sehen, ob ich noch weiß, wer und was ich bin oder ob sich genaudiese neuronetze schon umgebracht haben.« »es wird langsam kalt. etwas warmes wasser kann nicht schaden«,meldete sich irgendjemand aus einer undefinierbaren region meines hin-terkopfes. es war also zumindest eine weitere persönlichkeit da drinnennoch am leben. 21
  20. 20. Spiegel »ja, wer bin ich? ein 26 jahre junger, dynamischer, aufstrebender, er-folgreicher programmierer. eher ein ausgelaugter, träge gewordener, unterbezahlter sklave, ohnedie geringste hoffnung auf einen etwas höheren lohn und kreativereaufgaben für meine, durch diesen job unterbeschäftigte und zu tode ge-langweilte rechte hirnhälfte. zumindest in dieser firma hatte ich keineaussicht auf eine tief greifende änderung meiner lage.« »du solltest dich lieber auf einen einsamen berg in schottland zurück-ziehen und schafe züchten, dann müsstest du nicht mehr mit solchensinnlosen arbeiten deine kostbare lebensenergie vergeuden.« »wenn die so weitermachen, sollte ich mir wirklich überlegen, ob esnicht besser wäre, den job zu wechseln. vielleicht gibt es irgendetwas,was nicht so deprimierend ist, wie der andauernde kampf gegen schlechtgelaunte computer, selbstmordgefährdete programme und inkompeten-te teamleiter oder ›senior programmer‹, wie sie heute heißen.« »überlege ich es mir genauer, schafe züchten wäre doch etwas.« ich drehte den wasserhahn ab und stellte mich vor den spiegel. »und wenn meine frau ...« war das in meinem spiegel ich? »du siehst ja heute wieder hervorragend aus. so kann dir sicher keinweibliches wesen widerstehen. sähe dich deine frau in diesem zustand,würde sie sicher vor schreck davonlaufen.« »du hast doch keine frau, nicht mehr.« diese lapidare feststellung meines logiksektors brachte mein seeli-sches gleichgewicht ein weiteres mal in eine akute seitenlage. »du hattest ja keine zeit für sie. sie hatte nie gelegenheit, mit dir überihre probleme, ihre wünsche und träume zu sprechen. das hast du jetztdavon. andere dinge waren wohl wichtiger.« »nein! das ist nicht wahr! das weißt du genauso gut wie ich.« »warum hattest du dann nie zeit für die ›kleinigkeiten‹ des lebens? mitihr abends am strand spazieren gehen, den sonnenuntergang genießen.mit ihr ab und zu essen gehen, ins kino, theater. warum?« »ich konnte nicht. ich ...« »... du warst zu feige, gefühle zu zeigen, gefühle, die du für sie emp-findest. du musstest ja härte zeigen, du bist ja ein mann. welche ironie!« »sie weiß doch, dass ich sie liebe. ich bin mir doch auch sicher, dass esumgekehrt genauso ist ..., war. ich ...« »vielleicht. doch was ist falsch daran, es ihr zu sagen. in ihre augen zublicken und ein leises ›ich liebe dich‹ zu hauchen. ist es so schwer? hät-test du dich nicht auch gefreut, wenn sie es zu dir gesagt hätte?« »ja, schon, aber sie hat es nicht getan. vielleicht wäre ich dann aufge-taut und alles ...« »hätte und wäre, nichts als leere worte, blabla. hättest du damit be-gonnen, wäre sie vielleicht offener zu dir gewesen, und alles wäre an-ders verlaufen. verstehst du? jetzt ist es zu spät, darüber nachzugrübeln.22
  21. 21. Spiegelwie heißt es so schön in diesem alten chinesischen sprichwort: ›sex alleinmacht nicht glücklich!‹ oder so ähnlich.« »du weißt nichts über diese frau, obwohl du fünf jahre mit ihr zusam-mengelebt hast. das ist jetzt die strafe dafür. darum siehst du jetzt so aus.du hast immer gesagt, du weinst einer frau keine träne nach. wenn siegehen will, dann soll sie gehen.« »vermutlich war es bisher ja auch so, doch sieh dich an, du trauerge-stalt. sieh genau hin. lohnt sich das wirklich? rote geschwollene zombie-augen, darunter schöne blaue ringe, kamikaze-neuronen, einen revoltie-renden magen, schwäche, müdigkeit.« »kann sein, sie ist es wert, dass du so leidest ...« »... sie ist es ...« »... doch ändert es irgendwas an der tatsache? vielleicht solltest du ein-fach mit einem riesigen blumenstrauß zu ihr gehen, sie um verzeihungbitten, dich mit ihr aussprechen und um eine zweite chance winseln. eineandere alternative sehe ich nicht, nicht mehr. alkohol und selbstmitleidsind keine ...« der spiegel zerbrach klirrend in hunderte scherben. eine seife warganz unmotiviert dagegen gedonnert. »verdammter spiegel«, dachte ich mürrisch, »warum musst du auchimmer recht haben.« 23
  22. 22. Schicksal Schicksal »Da vorne ist ja der Bastard.« Hastor zeigte auf ein grünes, kugelförmiges Objekt auf demHauptmonitor. »Welche krankhaften Hirne wohl in den Schöpfern dieser Missbildun-gen stecken mögen? Ich hoffe, ich kann diesen Verrückten bald Auge inAuge gegenüberstehen und ihnen eigenhändig ihre verfluchten Hälseumdrehen, falls sie überhaupt so etwas wie Augen und Hälse besitzen.« Ähnliche Schiffe wie dieses hier waren vor ungefähr einem Jahr ausdem Nichts aufgetaucht und verbreiteten Angst und Schrecken im ge-samten Imperium. Sie vernichteten ohne ersichtlichen Grund jede Le-bensform, die ihre Wege kreuzte, mit rücksichtsloser und brutalsterGewalt. Die Erbauer dieser Schiffe waren anscheinend keinem bestimmtenPlan gefolgt, denn jedes der bisher entdeckten 768 Raumschiffe war ein-zigartig. Es gab welche, deren Ausmaße die Durchmesser kleiner Mondeerreichten und andere, die gerade mal dreißig Meter groß waren. Ihre Oberfläche war seltsam zerfurcht und mit kleinen dunkelbrau-nen Flecken übersät. Man hätte meinen können, eine durch grässlicheBrandwunden verunstaltete Haut vor sich zu haben. Anhand der Ober-flächenstrukturen konnten die Schiffe eindeutig identifiziert werden, siewaren so verschieden, wie die Gehirnstrukturen der Mardukianer. Dieeinzige Ähnlichkeit der Schiffe untereinander bestand ausschließlich inder dunkelgrünen, matten Grundfarbe. Deshalb wurden diese Schiffe imbekannten Universum auch »Narbenschiffe« genannt. So eine »Narbe« hing nun über einem Planeten mit der Bezeichnung»Marduk« am Rande der westlichen Hemisphäre der Galaxis. Marduk, von den einheimischen auch »Niburu« genannt, war erst vorungefähr dreihundert Standardumlaufzeiten entdeckt und zur Besiede-lung freigegeben worden. Zwei Drittel der Oberfläche waren mit Wasser bedeckt und nur zweider vier größten Landmassen wiesen lebensfreundliche Lebensbe-dingungen auf. Die beiden anderen wanden sich um den Nord- bzw.Südpol und waren unter Kilometer dicken Eisschichten begraben. DieDurchschnittstemperaturen lagen dort mindestens sechzig Grad unterdenen, die von den Mardukianern als angenehm empfunden wurden. Die ersten Siedler hatten drei Gebiete auf dem größten Kontinent Mar-duks für ihre Stützpunkte ausgewählt. Eine Siedlung war an der süd-lichen Spitze dieses »Superkontinents« errichtet worden, der eigentlichaus zwei Teilen bestand, die nur durch eine kaum fünfhundert Kilometerbreite Landbrücke verbunden waren. Sie war auf einer Hochebene angelegt worden, von der man, von dereinen Seite aus, einen wunderbaren Ausblick auf das Meer, und von deranderen, eine herrliche Fernsicht auf eine unendliche, bewaldete Hügel-24
  23. 23. Schicksallandschaft hatte. In der Umgebung dieser Siedlung waren reiche Erzla-gerstätten entdeckt worden, die man abbaute und auf dem Imperiums-markt gegen Luxusgüter eintauschen konnte. Die zweite Stadt lag auf der Ostseite jener Halbinsel, die beide Land-massen verband. Sie versteckte sich inmitten einer üppigen Vegetationeines Deltas, das zwei sich kurz vor dem Meer vereinende Flüsse bil-deten. »Tibira«, so hatte man diese Stadt genannt, war im Laufe derZeit zur eigentlichen Hauptstadt und zum Handelszentrum Marduksaufgestiegen. Auch wenn in den letzten dreihundert Jahren mehrere eigenständigeStädte an verschiedenen Orten des Planeten gegründet und auch auto-nom verwaltet wurden, so waren ihre Handelsbeziehungen doch engmit Tibira verknüpft. Nicht zuletzt wegen des größten Raumflughafensdes Planeten, der sich nicht weit von hier in nordwestlicher Richtungbefand. Ein Berg war dafür zu einem Drittel abgetragen und das dadurchentstandene Plateau zum Raumflugzentrum ausgebaut worden. Die dritte große Niederlassung fand man in einer hügeligen, frucht-baren Talsenke, in der ein Fluss mit Tausenden Seitenarmen träge da-hinfloss. Er entsprang dem höchsten Gebirge dieses Planeten, den»Himmel-Bergen«. Darüber hinaus gab es mehrere automatische Forschungsstationenauf den Polkontinenten, die Messdaten über die spärliche, aber dochvorhandene Tier- und Pflanzenwelt in die Hauptstadt übermittelten. Da der Planet weit abgelegen von den Haupthandelsrouten lag undweit vom Zentrum des Imperiums entfernt war, er lag Tausende Licht-jahre5 außerhalb der bisherigen Grenzen des Reiches, wähnte man sichhier in relativer Sicherheit vor der kriegerischen, mordenden, fremdenRasse. Und nun war sie urplötzlich auch über Marduk aufgetaucht. Die »Narbe«, die Hastor, der Navigator an Bord der Sippar und Thot,der Kapitän, jetzt sahen, war mit Sicherheit nicht voll funktionstüchtig.Denn wäre sie es gewesen, hätte sie schon längst das Feuer eröffnet unddie Sippar und die restlichen sieben Schiffe der Flotte wären nur noch alsPlasmawolke über einem toten Planeten existent gewesen. Denn auch jedes Leben auf ihm wäre ausgelöscht worden. Vernichtetohne Kompromisse und auch nur die leiseste Hoffnung, dies irgendwieverhindern zu können. Nicht einmal ein Flottenverband mit hundert-facher Übermacht hatte es bisher geschafft, eines dieser Schiffe zu zer-stören oder auch nur von ihren todbringenden Angriffen auf bewohnteWelten abzubringen. Es gab bis heute keinen einzigen noch so kleinen Anhaltspunkt, wiedieser unbekannten Macht beizukommen war. Man wusste noch nicht5 »Ein Lichtjahr ist die Strecke, die eine elektromagnetische Welle wie das Licht in ei- nem julianischen Jahr im Vakuum zurücklegt. Das sind etwa 9,5 Billionen Kilometer (9,5 · 1012 km).« – Wikipedia: Lichtjar. Das Lichtjahr ist eine astronomische Längen- einheit und nicht, wie der Name vermuten lassen könnte, eine Zeiteinheit. Der sonnen nächste Stern, Proxima Centauri, ist ca. 4,2 Lichtjahre entfernt. 25
  24. 24. Schicksaleinmal, wie viele dieser Kugelschiffe überhaupt existierten oder wie ihreBesatzung aussah. Und nun schien eines ihrer Kampfschiffe einen Defektzu haben und hing über diesem Planeten fest. Thot nahm die Bereitmeldungen der einzelnen Stationen entgegen. Er war ein kleiner, sehniger Mann, den man viel eher für einen geni-alen Physiker, der nie sein Labor verließ und daher nur selten Sonnen-licht sah, als für einen erfahrenen, kampferprobten Befehlshaber einesKampfschiffes halten würde. Seine Haut war fast weiß, im Gegensatz zum dunklen Grauton, denHumanoide seiner Abstammung normalerweise hatten. Seine dunkel-blauen Augen saßen in tiefen Höhlen, als wollten sie sich dort verste-cken. Die Haare hingen in langen stahlblauen Strähnen in sein kantiges,vom langen harten Leben zerfurchtes Gesicht. Sein Mund war schmalund hatte fast den gleichen Farbton wie seine Haut, zeigte jedoch immerein freundliches, spitzbübisches Lächeln, das so gar nicht zu den trauri-gen Augen passen wollte. Sein Schiff war kampfbereit. Er nickte seinem Feuerleitoffizier zu unddieser gab den Befehl zum Angriff. Die Sippar und die sieben anderenImperiumsschiffe eröffneten fast gleichzeitig das Feuer. Die grüne Kugelwich zurück und raste der Planetenoberfläche entgegen. Keine Gegenwehr. Hastor überprüfte nun wohl schon zum hundertsten Mal den Zustandder Schiffsaggregate. »Systeme arbeiten normal, keine Unregelmäßigkeiten zu entdecken.Wir sollten die Verfolgung aufnehmen.« Leichte Verlagerungen der Energieverteilung in den Steuereinheitenbewirkten eine sofortige Änderung der Flugrichtung. Die Sippar hattedie Verfolgung aufgenommen. Sie tauchte mit hoher Geschwindigkeitin die obere Atmosphäre des Planeten ein und verwandelte sich augen-blicklich in einen lodernden Glutball. Ein zweites Schiff löste sich aus derAngriffsformation und folgte der Sippar in kurzem Abstand. Die rest-lichen Schiffe verteilten sich auf unterschiedlichen Umlaufbahnen undhatten wohl die Aufgabe, eine Flucht der »Narbe« zu verhindern. Die Koordination des Angriffs geschah in gespenstischer Lautlosig-keit und wurde scheinbar mit spielerischer Leichtigkeit durchgeführt.Kein einziges Wort wurde gesprochen. Solche oder ähnliche Einsätze waren wohl schon des Öfteren durchge-führt worden, nur die angespannten Mienen der Besatzungsmitgliederdeuteten darauf hin, welch hohes Maß an Konzentration ein solches, per-fekt aufeinander abgestimmtes Manöver erforderte. »Hoffentlich zerstört es nicht den Planeten. Könnte ja sein, dass es soviel Unheil wie möglich anrichten will, bevor wir es vernichten«, melde-te sich Hastor nach einer Weile zu Wort. »Wieso glaubst du, dass wir es zerstören können, vielleicht spielt esnur mit uns«, fragte ihn der Kapitän.26
  25. 25. Schicksal »Ja, in der Tat, vielleicht spielen diese Ausgeburten des dunkelstenSchwarzen Loches des Universums nur mit uns. Ein beruhigender Ge-danke. Dann sollten wir alles tun, um ihnen den Spaß nicht zu verder-ben«, meinte der Feuerleitoffizier sarkastisch und aktivierte den Ener-giefluss zu den vorderen Plasmabänken. In kurzen Intervallen verließenhoch energetische Plasma Schockwellen die Fokussiereinrichtungen undhinterließen glühende Bahnen überall dort, wo sie auf Luftmolekülestießen. Das zweite Schiff feuerte gleichzeitig. Dutzende Blitze zuckten in Rich-tung der grünen »Narbe« und hüllten sie in eine Feuerwand. Sie verlorrasch an Höhe und raste auf das »Himmel-Berg-Massiv« zu. Etwas an ihrer Steuerung schien nicht zu funktionieren. Die Kugelsackte durch, fing sich wieder, um dann in schlingernden, rollenden Be-wegungen weiter an Höhe zu verlieren. »Die Besatzung scheint besoffen zu sein. Möglicherweise sieht sie unsdoppelt und ergreift deshalb die Flucht«, bemerkte der Kapitän in einemAnflug von Galgenhumor. Die Schiffe feuerten ein zweites Mal. Thot sah sich plötzlich mit einem aufsteigenden Gefühl der Angstkonfrontiert. Er dachte, Angst wäre in dieser Situation an sich eine ganz norma-le Reaktion. Sie waren zwar in relativer Sicherheit, doch es bestand dieMöglichkeit, dass dieses Schiff sie, noch während es abstürzte, mit in denTod riss. Ja, er hatte von irgendwoher die Gewissheit, dieses Schiff werde ab-stürzen und nichts von ihm übrig bleiben. Doch bevor sich weitere Ge-danken in sein Bewusstsein drängen konnten, sah er das Kugelschiff ei-nen Berg rammen und in einer gewaltigen Explosion vergehen. Es existierte nicht mehr, und nach einer Sekunde der Sprachlosigkeitund des Staunens über den unvorhergesehenen Ausgang dieser Kon-frontation brach Jubel an Bord der Sippar aus. Diese »Narbe« war daserste dieser fremden Schiffe gewesen, welches durch die konzentrierteFeuerkraft eines mardukianischen Flottenverbandes zerstört wordenwar und unter Umständen fanden sich in den Trümmern Hinweise, wieman dieser furchtbaren Bedrohung begegnen konnte. 27
  26. 26. Geburt GeburtI ch wankte unsicheren schrittes in die küche und ließ einen starken kaffee aus meiner nagelneuen espressomaschine in eine tasse lau- fen. danach leerte ich eine flasche mineralwasser und überlegte, wieich meinen furchtbaren kater wohl am besten und schnellsten loswerdenkonnte. allerdings hatte ich mit einem kleinen problem zu kämpfen: meinemgehirn. es war mir bei der suche nach einer lösung wenig hilfreich. sei-ne windungen wirkten immer noch ein wenig verkrampft und zucktenin seltsamen, schmerzhaften verrenkungen. ich versuchte zwar, es zurmitarbeit zu überreden, um schneller ein gegenmittel zu finden, aber esjammerte nur in einem fort »warum gerade ich«‚ »womit habe ich dasverdient« und »lass mich in ruhe sterben«. es war heute nicht gerade beibester laune. da eine weitere diskussion mit meinen gepeinigten hirnwindungenzu nichts führen und in dieser situation wohl nur noch der instinkt meinüberleben sichern würde, ging ich geradewegs zum erste hilfe kasten,nahm eine kopfschmerztablette heraus, schluckte sie hinunter und schüt-tete ein glas soda hinterher. mein magen antwortete sofort mit lautemprotestgeschrei und dirigierte meinen körper kurzfristig auf die toilette,wo ich mich übergab. nun war mir etwas wohler. mir fiel ein, warum auch immer, eine ge-müsesuppe wäre in meinem ausnahmezustand nicht das schlechteste,sogar sehr angebracht, wirkte möglicherweise wunder. doch woher neh-men? ich durchsuchte die schränke nach zutaten und siehe da, ich fandsie, einige päckchen gemüsesuppe. es dauerte nur sekunden und derduft frischer, konservierter gemüsesuppe stieg in meine nase. ich warzufrieden mit mir. ich setzte mich auf einen der stühle, meine füße machten es sich aufdem tisch bequem. ich schlürfte genüsslich eine weitere tasse kaffeeund spürte seine wiederbelebende wirkung. mein zustand besserte sichzusehends. »die kleinen koffeine betäuben wohl die verrückt gewordenen neu-ronen mit ihrem aroma. ich liebte diesen duft von frischen, verbrühtenkaffeebohnen.« wieder dachte ich an meine frau, nein exfrau. ein nicht existentes mes-ser aus einem imaginären raum grinste mich spöttisch an und stach mirmitten ins herz. die qual der trennung fraß sich unaufhaltsam immertiefer in meine seele und ich konnte nichts dagegen tun, mich nicht da-gegen wehren. mein magen verkrampfte sich wieder. ich kämpfte mit dem mute derverzweiflung gegen die süßen bilder der vergangenheit, versuchte dieherrschaft über meinen geist zurückzuerlangen. ohne erfolg.28
  27. 27. Geburt ich glitt immer tiefer in die welt der träume vergangener tage undkonnte an nichts anderes mehr denken. ich sah in ihre wunderschönenbraunen augen, sah ihre gelockten braunen, schulterlangen haare, sahihren mit einem bezaubernden lächeln verzierten mund. ich spürte ihrenwarmen körper, schmiegte mich an sie, küsste sie auf ihre wangen, aufihre nase. wir waren außerhalb von raum und zeit, schwebten über wolken, wa-ren eins mit dem universum, lachten, tanzten, liefen über rote wiesen ... etwas zerrte an meinem körper. alles in mir schrie »ich falle« und kurze zeit später registrierte diesesunbewusste etwas einen dumpfen aufprall. »moment mal, da stimmt doch etwas nicht.« rote wiesen lagen noch im bereich des möglichen. doch ich und tan-zen? unmöglich! verwundert öffnete ich die augen. vielmehr glaubte ich sie zu öffnen,denn was ich da sah, konnte nicht die wirklichkeit sein. daher schloss ich sie gleich wieder und fühlte, jetzt bewusst, eine nichterklärbare kraft auf meinen körper wirken. mir war, als würde ich fallenund das mit einer sehr hohen geschwindigkeit. um nicht zu sagen, miteiner extrem übertrieben hohen geschwindigkeit. der versuch, meine augen wieder zu öffnen, schlug fehl. mein gehirnwar in panik geraten und weigerte sich, meinen befehlen zu gehorchen,gab den lidern die anweisung, sich nicht von der stelle zu rühren. nacheiner langen zeit beharrlichen und guten zuredens bewegten sie sichschlussendlich doch noch zögernd nach oben. meine nackenhaare stellten sich augenblicklich auf. ich fiel wirklich,stürzte in ein regenbogenfarbiges undefinierbares etwas. um mich her-um gab es nichts, was als sinnvoller, realer gegenstand eines wohnhau-ses hätte identifiziert werden können. auf meinen pupillen spiegelten sich die farben des sonnenspektrumswider. sie bildeten konzentrische kreise, verwandelten sich in ellipsen,welche sich dann in einer spirale auflösten, auf dessen zentrum ich mitenormer geschwindigkeit zusteuerte. vor mir schwirrten, auf besoffenen pfaden, unzählige kugeln ausleuchtendem gas, in für mein gemüt unerträglichen, beinahe schmerz-haften farbkompositionen aus grün, rot und gelb. um diese gasbällchen, oder waren es lumineszierende festkör-per?, kreisten mit hoher geschwindigkeit, in engen bahnen, kleinelichtpünktchen. sternensysteme? planetensysteme? atome? ohne vorwarnung änderte sich die szene. nun schwebte ich mitten imweltraum. ich vermutete zumindest, dass es der weltraum sein musste,da meine umgebung jetzt so ähnlich aussah, wie jener weltraum, den ichaus filmen kannte. 29
  28. 28. Geburt vor mir lungerten zwei kleine spiralgalaxien herum, die offenbar ge-rade miteinander kollidierten. ja sie schienen wirklich zusammenzusto-ßen. ihre zentren rasten direkt aufeinander zu. zeitweise ging ein ruckdurch beide und unzählige sterne wurden in hohem bogen aus ihnenhinauskatapultiert. ich sah genauer hin und erkannte, dass die galaxi-en enorm schnell rotierten. wäre diese situation real gewesen, dann ver-gingen mit jeder sekunde, die ich hier zusah, millionen von jahren. alsokonnte es nicht real sein. nun glichen sie eher einem wütenden, ausschwärmenden bienen-schwarm, denn zwei anmutigen galaxien. die sterne wirbelten in un-kontrollierten bahnen umher, und eine große anzahl verlor sich in denweiten des universums und kreuzte nun einsam durch den schwarzen,leeren raum. im kern dieser wirren versammlung von milliarden heißergaskugeln zuckten ununterbrochen helle blitze und kündeten vom todzahlreicher sonnen. »wo war ich? was war geschehen? war ich vom stuhl gekippt und mitdem kopf etwas zu hart am boden aufgeschlagen?« ich erinnerte mich jetzt an den dumpfen knall. ja, so musste es sein, ichwar bewusstlos. doch weshalb konnte ich mir den kopf darüber zerbre-chen, wo ich doch bewusstlos war? »war ich tot? habe ich mir beim fallen mein genick gebrochen und binauf dem weg ... wohin? war dies das leben danach?« »waren diese lichterscheinungen die gleichen gewesen, wie jene, vondenen ins leben zurückgekehrte, klinisch tote menschen immer wiedererzählten?« »das sterben hatte ich mir anders vorgestellt. nicht so banal, etwas fei-erlicher, wenigstens etwas abenteuerlicher.« »wohin musste ich jetzt? vielleicht sollte ich jemanden nach dem wegfragen? bloß wen?« meine überlegungen wurden durch einen nebel abgelenkt, der sich inmein blickfeld schob. ich blickte von schräg oben, wo immer das auchsein mochte, auf ihn hinunter. ein stern mit fünf planeten im schlepptau,flog mit hoher geschwindigkeit heran und raste mitten durch die dunkle,alles licht aufsaugende wolke. diese erlitt anscheinend einen schweren schock und kollabierte, wur-de rasch kleiner, dichter und rotierte immer schneller. ehe ich auch nurahnen konnte, was hier geschah, tauchte ein gleißend heller, in weiß-und gelbtönen lodernder glutball vor mir auf, der sich zuerst sehr raschaufblähte, um sich danach langsam seinem scheinbaren enddurchmesserzu nähern. mir stockte der atem. wenn ich meinen augen trauen konnte, hatte ichsoeben die geburt eines sternes in zeitraffer miterlebt. nur konnte ich ih-nen nicht trauen, denn dieser vorgang, den ich gerade beobachtet hatte,konnte sich doch unmöglich jetzt und hier ereignet haben. »bin ich gott?« »ich glaube nicht.«30
  29. 29. Geburt »war ich wirklich tot oder nur verrückt geworden? ein nervenkollaps.eine art bewusstseinsspaltung, hervorgerufen durch die große seelischebelastung in verbindung mit meiner trinkorgie gestern nacht?« »wie lange war ich schon hier? sekunden, stunden, millionen jahre?ich sollte versuchen hier rauszukommen. wo ist hier der ausgang? hörtmich den niemand?« »nur keine panik.6« ich versuchte etwas mir bekanntes aus meiner küche zu entdecken. ohne erfolg.1 Die Sippar schwebte bewegungslos über dem Krater, den die explo-dierende »Narbe« zurückgelassen hatte. Die einzelnen Stationen führtenMessungen durch, um den Absturz des fremden Raumschiffes später inSimulationen möglichst genau rekonstruieren zu können. Hastor hatte die langweilige Aufgabe, das Schiff in ruhiger Lage,knapp über der Wasseroberfläche zu halten, was hieß, dass er nichts zutun hatte. Dieses Schiff meisterte diese banale Aufgabe ohne Schwierig-keiten von alleine und besser als die meisten Piloten im Einflussbereichdes Imperiums es je vollbracht hätten. Sicher, Hastor war kein Durchschnittspilot. Im Gegenteil, er war einerder besten unter den »Navigatoren«, die ohnehin schon eine Sonderstel-lung in der Hierarchie der Offiziere der Imperiumsflotte einnahmen. Erhätte es jederzeit mit dem Computersystem der Sippar aufnehmen kön-nen und hatte dieses Schiff schon oft aus Situationen heraus manövriert,an denen ein Computer einfach an mangelnder Intuition gescheitertwäre. Doch weshalb sollte er sich mit Dingen belasten, die auch ohnesein Zutun zur vollsten Zufriedenheit gelöst wurden? Er warf nur ab und zu einen Blick auf die Statusanzeigen und verge-wisserte sich, dass alles nach Plan verlief. »Ich bin froh, dass dieses Loch nicht unser Grab geworden ist. Außer-dem ist es für meinen Geschmack ein wenig zu groß ausgefallen«, mur-melte Hastor mehr zu sich selbst als zu seinem Vorgesetzten. Er war schon bei Hunderten Kampfeinsätzen an den Grenzen des Im-periums gegen den bis zum Erscheinen der »Narben« mächtigsten Feind,die reptilartigen Reptorianer, dabei gewesen, hatte das Gefühl der Angstzur Genüge ausgekostet und zu oft jenen Hauch des Todes gespürt, dereinen in besonders aussichtslosen Situationen überfiel und die Zeit zueinem zähen Brei werden ließ, der jede Wahrnehmung und jede Reak-6 »Per Anhalter durch die Galaxis (auch: Per Anhalter ins All, Originaltitel: The Hitchhiker’s Guide to the Galaxy) ist das bekannteste Werk des englischen Schriftstel- lers Douglas Adams. Es handelt sich um eine Mischung aus Komödie bzw. Satire und Science Fiction, die zuerst als Hörspielserie vom BBC-Radio ausgestrahlt wurde. […] Die Geschichte erlangte schon früh Kultcharakter, wobei der charakteristische Humor des Autors besonderen Anklang fand.« – Wikipedia: Per Anhalter durch die Galaxis 31
  30. 30. Geburttion bis ins Unendliche verzögerte. Viele seiner Freunde waren in denGrenzkriegen umgekommen. In vielen Fällen war nur pures Glück dafürverantwortlich gewesen, dass er heute noch unter den Lebenden weilendurfte. Der Krieg war für ihn zum Lebensinhalt geworden. In unzähligen Kämpfen hatte er ungezählte Feindschiffe angegriffenund viele von ihnen existierten heute nur noch als Plasmawolken. Er hat-te auch Dutzende Imperiumsschiffe sich in gleißende Glutbälle auflösensehen und mit ihnen das Leben Tausender Soldaten. Und trotzdem hatte man sich der Hoffnung hingeben können, irgend-wann als Sieger aus diesem Krieg hervorzugehen. Doch der Kampf gegen diese fremde Macht, in den noch fremdarti-geren Kugelschiffen, die ohne Vorwarnung aus dem unbekannten Uni-versum aufgetaucht war und jedes Leben zerstörte, spielte sich in völliganderen Dimensionen ab. Milliarden humanoide und nichthumanoide Lebewesen waren in die-sem schrecklichen Krieg schon getötet worden. Zum ersten Mal in derGeschichte des Imperiums gab es einen Gegner, der unbesiegbar schien. Da er übermächtig war und kein Lebewesen der Galaxie verschonte,war man gezwungen gewesen, auch mit den Reptorianern eine Allianzeinzugehen und Seite an Seite mit ihnen zu kämpfen. Als die ersten Meldungen über die vollständige Zerstörung einigerPlaneten in den Randbezirken und Bilder über den grausamen Tod derdort ansässigen Siedler auf den Zentralwelten eingetroffen waren, hat-te man zuerst die Reptorianer dafür verantwortlich gemacht. Man ver-mutete zunächst eine neue Superwaffe hinter diesen Anschlägen undglaubte, sie wollten sich mit diesem rücksichtslosen Vorgehen Respektverschaffen. Die pausenlosen Beteuerungen der Reptilwesen, sie hätten nichts mitden Angriffen auf friedliche Welten zu tun, hielten das Imperium nichtdavon ab, vier bewohnte Planeten im Einflussbereich der Reptorianerauszulöschen, was dem Krieg neue Nahrung gab. Er wurde nun noch heftiger und brutaler geführt als je zuvor. Bis da-hin hatte man sich mehr oder weniger auf Gefechte zwischen Schlacht-schiff Verbänden in unerforschten Raumabschnitten beschränkt, die bei-de Parteien für sich in Anspruch nahmen. So waren bis zu diesem Vorfallnie bewohnte Planeten in die Kriegshandlungen mit einbezogen wordenund der Krieg verlief bis zu diesem Zeitpunkt für die Öffentlichkeit bei-nahe unbemerkt. Nun aber starben Millionen intelligente Lebewesen in einem abso-lut sinnlosen Krieg, in dem es nicht mehr um Gebietsansprüche ging,sondern nur noch um verletzte Eitelkeiten. Die Reptorianer vermutetenin der Zerstörung der Imperiumsplaneten einen Schachzug des Imperi-ums, um einen Vorwand zu finden ungeschützte Planeten der Reptoria-ner anzugreifen und in ihr Gebiet einzudringen.32
  31. 31. Geburt Umgekehrt war das Imperium davon überzeugt, die Verwüstung derAußenplaneten ging auf das Konto der Reptorianer. Die unaufhörlicheAusrottung ganzer Systeme schien diese Vermutung noch zu verhärten. Doch diese gegenseitigen Schuldzuweisungen hatten ein jähes Ende,als während eines Kampfes in einem von Reptorianern kontrolliertenRaumsektor eines dieser fremden Kugelschiffe auftauchte und mit ei-nem Schlag die Kampfverbände beider Seiten und ein nahe gelegenes,glücklicherweise unbewohntes Sternensystem in eine riesige Gaswolkeverwandelte. Mehr als 1 TAN7 Tote und die plötzliche Erkenntnis, hinterdiesen zerstörerischen Kräften verbargen sich weder das Imperium nochdie Reptorianer, sondern eine bisher unbekannte Rasse. Nun war man gezwungen gewesen, sich an einen Tisch zu setzen undeine gemeinsame Vorgehensweise gegen diesen unheimlichen Feind zuentwickeln. Dies war der einzige positive Aspekt am Erscheinen dieser neuenMacht und zeigte einmal mehr, wie zynisch und hinterhältig das Lebensein konnte. Die Auseinandersetzung mit den Reptorianern hatte ein jä-hes Ende gefunden. Jemand, von dem man geglaubt hatte, ihn bedin-gungslos bekämpfen zu müssen, stellte sich nun als vertrauenswürdigerPartner heraus. Und sollte dieser Krieg jemals ein für die Allianz positi-ves Ende finden, so würde das Imperium wieder um ein Volk und eineKultur größer und reicher geworden sein. Es gab nur wenige Krieger, die eine Schlacht gegen ein unbeschädig-tes Schiff der Narben überlebt hatten, und daher war Hastor dankbar,dass er noch in der Lage war, über diese Dinge nachdenken zu können.Er war glücklich darüber, dass diese narbige Kugel beschädigt und nichtkampfbereit gewesen war. Er wusste zwar nicht, wem er danken sollte, hatte aber das erste Malin seinem Leben das Gefühl, dass es etwas unerklärlich Großes und dasgesamte Universum Umschließendes, etwas über den Dingen Stehendesgeben musste. Vielleicht hatten die Ausführungen seines Lehrers überein lebendiges und sich langsam begreifendes Universum doch einenwahren Kern und genau dieses Gefühl zum Inhalt. Er blickte auf das 3D-Abbild eines neu entstandenen Tales, welcheslangsam von den Flüssen in Besitz genommen wurde. Ein Areal von7 SEDU S 16 QUM Q 162 256 (auch Zahlenwert hoch zwei) GAF R 163 4096 (auch Zahlenwert hoch drei) TAN T 164 65536 (auch Zahlenwert hoch vier) BAN B 165 1 048 576 (auch Zahlenwert hoch fünf) VOL V 166 1,678 107 (auch Zahlenwert hoch sechs) DANA D 167 2,648 108 (auch Zahlenwert hoch sieben) GIS G 168 4,296 109 (auch Zahlenwert hoch acht) MARU M 169 6,872 1010 (auch Zahlenwert hoch neun) ENFA E 1610 1.1 1012 (auch Zahlenwert hoch zehn) 33
  32. 32. Geburtmehr als 14 000 km² (35C QMIL)8 war schlagartig verglüht. Ein riesigesLoch war von dem fremden Schiff in einen der Berge gesprengt worden. Die Aufzeichnungen der Flottenschiffe zeigten, dass die »Narbe« nochkurz vor ihrer Explosion einen Schuss auf den Berg abgegeben hatte, umsich vielleicht einen Weg freizumachen und danach in einem Feuerballverglüht war. Das Schiff war also nicht wie bisher angenommen mit demBerg kollidiert und dadurch zerstört worden. »Könnte eine Art Selbstzerstörung gewesen sein«, riss Thot ihn ausseinen Gedanken. »Deutet alles darauf hin«, antwortete Hastor, noch ein wenig ge-fangen im nun allmählich schwindenden Gefühl der Einheit mit demUniversum. »Wollte sich sicher unseren Untersuchungen entziehen und hat esvorgezogen zu sterben. Sind wir wirklich so grausam?« Er erhob sich aus seinem Sessel, streckte sich einige Male und ließ sichvom Automaten einen Becher schwarzen Soak geben. »Willst du auch eine Tasse?« Er wartete die Antwort gar nicht ab und stapfte mit zwei Bechern zuseinem Kapitän. Er reichte ihm einen davon und schlürfte genüsslich amAnderen. »Danke.« Thot sog den Duft des Getränkes ein und machte einen großenSchluck. Er lehnte sich in seinem Sessel zurück und spürte bald die be-lebende Wirkung dieses aus den Samenkörnern einer mardukianischenStrauchart gewonnenen Getränkes. »Ich weiß es nicht. Doch falls diese Fremden in dieser Tonart weiter-machen und nicht aufhören, wahllos Planeten auszulöschen, ist es wirk-lich besser für sie, im Falle einer drohenden Gefangennahme, Selbstmordzu begehen. Ich bin mir nicht sicher, was ich mit ihnen anstellen würde.« »Leider wird es wohl noch einige Zeit dauern, bis wir einen dieserSirakis9 haben. Bisher konnten wir ja noch nicht einmal ein winziges Teil-chen lokalisieren, das wir mit Sicherheit der »Narbe« zuordnen können.Keine Rest-Ionenstrahlung, keine Radioaktivität, keine Reste von Anti-materie oder irgendwelche exotischen Partikel. Nichts. Möchte wissen,womit das Ding angetrieben wurde und vor allem, womit es sich in dieLuft gejagt hat.« Hastors Blick streifte über endlose Datenreihen und Messkurven under versuchte, etwas Ungewöhnliches in ihnen zu erkennen. Doch die Kolonnen von Zahlen und die daraus resultierenden Mess-kurven, die dort vorbeihuschten, waren ihm alle nur zu vertraut.8 1 MIL 4,0412 km 1 QMIL 16,33 km² 35C QMIL: (3*16^2 + 5*16^1+ 12*16^0) * 16,33 = 860 * 16,339 Bastard, Bestie, Monster, Monstrum, Ungeheuer, Untier.34
  33. 33. Geburt »Die Sensoren haben bis jetzt nur Stoffe von einheimischen Pflanzenund Tieren registriert. Auch die Metallspuren in der Luft sind von hier.« »Ja, ich weiß. Bis auf diese paar Moleküle einer unbekannten orga-nischen Verbindung, die zur Besatzung gehören könnten. Aber alles inallem ein sehr enttäuschendes Ergebnis unserer Untersuchungen.« »Es scheint, als habe sich der Bastard in Luft aufgelöst. Vielleicht wur-de er gar nicht zerstört, vielleicht ist er irgendwo da draußen und machtsich über unsere Bemühungen lustig. Es ist zum Verrücktwerden.« Thots Augen starrten auf die hellblaue Wand, auf der normalerweisedas Hologramm des umgebenden Weltalls abgebildet war, und suchtendort offenbar nach einem Hinweis für die Richtigkeit seiner Mutmaßung. »Ich hatte gehofft, wir können wenigstens eine klitzekleine Kleinigkeitdieses Rätsels lösen und sie mit diesem Wissen ein wenig ärgern, leider...« Thot kaute gedankenverloren am Becherrand der Plastiktasse, dieWorte seines Navigators glitten ungehört an ihm vorüber. »Vielleicht findet sich noch etwas, wir sind ja erst seit zwei Stundenhier und müssen ein sehr großes Gebiet absuchen.« Hastor wusste, dass dies nur Wunschdenken war und nichts mit derRealität zu tun hatte. Denn insgesamt waren acht Imperiumsschiffe ander Suche nach auffälligen Mustern beteiligt, und die einzige Ausbeuteder Anstrengungen bisher war dieses unbedeutende kleine Molekül ge-wesen. Gäbe es noch etwas Interessanteres zu finden, wäre man längstdarauf gestoßen.2 der stern erregte wieder meine aufmerksamkeit. er hatte nun einegelbliche färbung angenommen. »das deutete auf eine oberflächentemperatur zwischen 5500 und 6500celsius hin«, erklärte mir meine forscher-subpersönlichkeit um michabzulenken. »danke«, gab ich knapp zurück. er sieht aus, wie die sonne. »ja, doch das tun milliarden andere auch.« einige partikel des staubnebels, in dem die noch junge sonne eingebet-tet war, diskutierten heftig miteinander, einigten sich nach einiger zeitund schlossen sich zu immer größer werdenden klumpen zusammen.einzelne brocken konnten einander nicht ausstehen und führten kriegeum die besten umlaufbahnen. sie fielen übereinander her, mit dem ef-fekt, dass sie in tausende kleine stücke zerbrachen und jemand ande-rer ihren platz einnehmen konnte. nachdem einige zeit verstrichen war,jahrhunderte?, jahrtausende?, kamen die kleinen steinchen unterwürfigzurück und vereinigten sich mit den nun schon zu stattlichen größenangewachsenen planeten. 35
  34. 34. Geburt am schluss hatten sich neun planeten und dutzende monde gebildet,die um eine junge, im vollen glanz erstrahlende sonne tänzelten. es gabauch noch unzählige gesteinsbrocken, die in wilden bahnen um denstern kreisten. sie kollidierten noch relativ oft mit den planeten und kor-rigierten damit ein wenig deren umlaufbahnen. es sind zwar neun planeten, ihre anordnung wich jedoch von der»meines« sonnensystems ab. wenn ich schon gott sein durfte, so hatte ichdoch wenigstens gehofft, die entstehung »meiner« sonne und »meiner«planeten miterleben zu dürfen. »schade.« »es ist trotzdem aufregend gewesen, doch möchte ich jetzt wiedernachhause.« wie es aussah, hörte mir niemand zu und so musste ich noch ein weil-chen an diesem seltsamen ort verbringen. »ich würde gerne etwas näher an die planeten heran. von hier aussieht man ja nur kleine staubkörnchen im grenzenlosen nichts.« als hätte jemand meinen gedanken gehört, schwebte ich auch schonüber einem der planeten und konnte deutlich seine oberfläche erkennen.ich war so überrascht von dieser positionsveränderung, dass ich minu-ten benötigte, mich wieder einigermaßen zu beruhigen. »das ist ja herrlich. fortbewegung alleine durch die kraft der gedan-ken. wie ein magier, ein geist, ein gott?« ich versuchte es noch einmal und dachte mich auf den dritten plane-ten. kaum hatte sich mein wunsch in einem imaginären neuronengittermanifestiert, war ich auch schon dort. »endlich etwas, was auch mir spaß macht.« ich steigerte mich in einen wahren rausch. »beamte10« mich von einemende des systems zum anderen. »landete« auf planeten, monden, aste-roiden. segelte über berge, sauste durch schluchten und schreckte nichtmal davor zurück, mich auf die oberfläche der sonne zu denken. ich»spielte« mit den protuberanzen, ließ mich von ihnen einhüllen, tauchtein die wabernde oberfläche, schwamm auf planetengroßen blasen, drifte-te auf ihnen nach oben, wo sie platzten und in kleinen stichflammen demweltall entgegenstrebten, doch sofort von der gravitation eingefangenwurden und sich wieder mit der »siedenden« oberfläche vermischten. ich wagte mich immer tiefer in sie hinein und bildete mir ein, ich könn-te die energien spüren, die von ihr ausgingen. ein gewaltiges glücksge-fühl durchströmte mich, steigerte sich mit jedem meter, den ich dem zen-trum näherkam. eine gigantische kraft ließ jede einzelne meiner zellenvibrieren, brachte sie in resonanz mit dem pulsschlag der sonne. ich warin ihr, ich war eins mit ihr, ich war sie. ihre kräfte entluden sich in mir10 »Teleportation (von griechisch τῆλε tele „fern“ und lateinisch portare „tragen, brin- gen“) bezeichnet den Transport einer Person oder eines Gegenstandes von einem Ort zu einem anderen, ohne dass das Objekt dabei physisch den dazwischen liegenden Raum durchquert. « – Wikipedia: Teleportation36
  35. 35. Geburtin einem unbeschreiblichen gewitterregen der gefühle. es glich einemgleichzeitigen megaorgasmus von körper, geist und seele. ich ließ mich treiben und gab mich, nach diesem trip auf den gipfeldes seelischen hochgefühls, der nachfolgenden vollkommenen entspan-nung hin.3 sehr viel später nahm ich die erforschung meines sonnensystemswieder auf. der erste planet war, soweit ich es einschätzen konnte, nichtgrößer als fünftausend kilometer im durchmesser. der zweite musste un-gefähr die größe der erde haben. dicke wolkenbänder zogen über seineoberfläche, wolken, die mit sicherheit kein tröpfchen wasser enthielten. »erinnert mich ein wenig an die venus. wenn sie es ist, muss der nächs-te planet die erde sein.« ich lenkte meine aufmerksamkeit auf den dritten planeten, wurdeaber enttäuscht. er war relativ klein. zu klein, dass auf ihm einmal lebenentstehen konnte. die nächsten beiden planeten boten bessere bedingun-gen. doch in den minuten, in denen ich sie beobachtete, tat sich nichts;außer den üblichen veränderungen auf der oberfläche, hervorgerufendurch meteoriteneinschläge, vulkanausbrüche und kontinentalverschie-bungen. beide verfügten zwar über eine atmosphäre, doch leben in einerform, wie ich es kannte, zeigte sich nicht. »vielleicht muss ich nur lange genug warten. kann ja sein, ich bin zumhüter dieses systems geworden, zu einem gott. wenn das hier das lebennach dem tod ist, dann weiß ich allerdings nicht, ob ich mich darüberfreuen soll.« ich musste über meine eigenen gedanken schmunzeln. sie waren soabsurd, dennoch staunte ich über meine gelassene reaktion. ich beobach-tete ein sternensystem in der entstehungsphase, jahrmillionen vergingenund ich tat so, als wäre dies alles die natürlichste sache der welt. »verdammt. was wird hier gespielt? bin ich in der virtuellen realitäteines supercomputers gelandet? gutes programm. die enterprise11 crewhätte ihre freude mit diesem holodeck12 gehabt.«11 »Raumschiff Enterprise: Das nächste Jahrhundert (englisch Star Trek: The Next Ge- neration, Abk.: TNG) ist eine US-amerikanische Science-Fiction-Fernsehserie, die die erste Fortsetzung der Serie Raumschiff Enterprise darstellt und im Star-Trek-Universum spielt.« – Wikipedia: Raumschiff Enterprise: Das nächste Jahrhundert12 »In den Star-Trek-Serien wird das Holodeck als ein Raum dargestellt, in dem beliebige virtuelle Welten mittels einer Kombination aus Holografie- und Replikatoren-Technik simuliert werden können. Im Unterschied zu tatsächlich existierenden Virtuellen- Realität- und CAVE-Systemen können die dargestellten Umgebungen, Gegenstände und Personen aber nicht nur visuell und akustisch, sondern auch haptisch realistisch wahrgenommen werden, so dass beim Benutzer ein Gefühl völliger Immersion erzeugt wird.« – Wikipedia: Star-Trek-Technologie 37
  36. 36. Geburt ich konnte nichts tun als warten und das machte mich wahnsinnig. ichsaß, stand, schwebte hier und konnte nur zusehen. irgendeiner eingebung folgend betrachtete ich meinen körper. ich er-schrak. er war furchtbar in die länge gestreckt und das war untertrieben.meine füße verschwanden irgendwo in der unendlichkeit und bewegtensich, als wären sie aus gummi. sie waren an stellen geknickt, wo sie nichtgeknickt hätten sein dürfen. meine armen arme waren ebenso verrenkt.gott sei dank hatte ich keinen spiegel und so blieb mir der blick in meinesicherlich verunstaltete visage erspart. nun war ich überzeugter denn je, verrückt zu sein. irgendwo tief inmeinem hinterkopf jedoch stieg so etwas wie eine ahnung auf, doch nochhatte sie den weg in mein bewusstsein nicht gefunden. ich glaubte ihreinfach noch nicht. die galaxien, die geburt des sternes und die entste-hung der planeten, mein gummikörper. es gab da einen zusammenhang,den ich noch nicht erkannte, nicht erkennen wollte. der gedanke, der sichirgendwo in meinem unterbewusstsein versteckte, war zu grotesk. ich widmete mich wieder den planeten. die ersten fünf schienen ausfesten bestandteilen zu bestehen, die restlichen waren riesige gasbällemit wunderschönen ringen aus eis-, metall- und gesteinsbrocken. ir-gendwie war mir dieses system sehr vertraut, obwohl die inneren fünfnicht in mein schema passen wollten und der äußerste, pluto13, fehlte. diese anordnung der planeten schien im universum wohl eine artstandard zu sein. ich ging davon aus, dass auf dem vierten und fünftenplaneten leben entstehen konnte. eventuell auch auf dem zweiten. aufihnen waren alle dafür notwendigen bedingungen vorhanden. sie hatten eine geeignete atmosphäre, die oberflächen waren sehr ak-tiv. da auch wasser im flüssigen zustand vorhanden war, nahm ich an,dass auch die oberflächentemperaturen erträgliche werte hatten. wes-halb sollte also nicht eine form von leben auf ihnen entstehen und au-ßerdem, wer sagte den, dass nur erdähnliche planeten geeignet waren,leben hervorzubringen? vielleicht bildete sich gerade auf einem der gas-riesen ein »außerirdischer«? es muss im weltall nur so wimmeln von »aliens« ... meine überlegungen wurden unterbrochen, als sich eine änderungder lage anbahnte, welche durch das verschwinden des sternensystemesangekündigt wurde. »endlich passiert hier was«, dachte ich etwas erleichtert und harrte derdinge, die jetzt auf mich zukommen sollten. zuerst geschah nichts und ich wollte schon einen fluch ausstoßen, alsdas universum, in dem ich mich befand, zu kreisen begann. oder viel-leicht drehte ich mich im kreis. der tanz wurde immer schneller. »jetzt weiß ich, wie sich ein kreisel anfühlt«, ging es mir durch denkopf. mir wurde übel.13 Pluto wurde zwar im Jahre 2006 von der IAU (International Astronomical Union – http://www.iau.org/) zum Zwergplaneten degradiert, doch in diesem Universum wird er bis in alle Ewigkeit ein Planet bleiben.38
  37. 37. Geburt wieder tauchten jene farben auf, welche am beginn meiner traumreisezu sehen waren. »es geht nachhause.« vor mir, noch weit entfernt, sah ich ein grünes licht auftauchen. neines war kein licht es war eher wie eine helle oberfläche, ein ... »ein wald«, stieß ich hervor. ich konnte mich nicht erinnern, mich jemals so über den anblick eineswaldes gefreut zu haben. doch die freude schlug sogleich in ein gefühl der besorgnis um. jetztwünschte ich mich wieder in diesen unbekannten raum zurück, dennder wald kam rasend schnell auf mich zu. ich fiel ihm aus einer mir un-bekannten höhe entgegen. »neiiin ...« »nein, nicht schon wieder sterben«, waren die letzten gedanken, an dieich mich später erinnern konnte. ich schlug auf einem der riesenbäume auf. seine äste brachen geradeschnell genug ab, um mir nicht alle knochen zu brechen, doch langsamgenug, um meinen fall etwas zu bremsen. nachdem ich etwa siebzig me-ter eines baumes kahl geschlagen hatte, fiel ich auf einen anderen, etwaskleineren, buschartigen und blieb in seiner krone hängen. an dies alleskonnte ich mich später nur noch bruchstückhaft erinnern, denn zu die-sem zeitpunkt hatte mein gehirn schon längst alle systeme abgeschaltetund es liefen nur noch die notaggregate. ich war bewusstlos.4 wieder einmal brummte mir furchtbar der schädel. ich erinnerte michvage an den wahnwitzigen traum von farbmustern, sternentstehung,dem gefühl, eins mit der sonne, dem universum, gott gewesen zu seinund an meinen sturz vom himmel. ich durchlebte noch einmal den auf-prall und war froh, dass alles nur ein traum gewesen war. ich öffnete die augen. »etwas stimmt heute nicht. diese himmelblaue zimmerdecke ist mirnoch nie aufgefallen. außerdem riecht es so eigenartig, irgendwie riechtes nach wald.« ich zuckte zusammen und richtete mich blitzartig auf, das hieß, ichwollte mich blitzartig aufrichten, der plötzlich auftretende schmerz hin-derte mich jedoch daran. ein jeder meiner knochen teilte mir seinen schmerz gesondert mit, da-nach jede sehne, jeder muskel. ich hatte also doch nicht geträumt. sicherwaren mehrere rippen gebrochen oder zumindest angeknackst. und sowie es sich anfühlte, hatte mir jemand auch die haut vom körper ge- 39
  38. 38. Geburtrissen. unzählige abschürfungen, rissquetschwunden und blutergüssequälten mich. einige zeit später versuchte ich es, etwas vorsichtiger, noch einmal. »eine schöne einflugschneise habe ich mir da angelegt. hoffentlichverklagt mich kein umweltschützer wegen vorsätzlicher zerstörung derumwelt.« ich blickte nach unten, mir wurde schwindlig. bis zum waldboden wa-ren es noch etwa dreißig meter. und ich soll meinen zerschundenen körper da runter bringen? warumhat dieser blöde baum auch meinen schönen flug beendet. nur ein paarmeter weiter und ich wäre unten gewesen. »und vielleicht tot«, warf mein logikmodul ein. »o.k., ist ja schon gut, ich werde es schon schaffen. na dann, packenwir es an.« vorsichtig und unter größten schmerzen hangelte ich mich von ast zuast dem boden entgegen. »also, ein affe war ich in meinem letzten leben mit sicherheit nicht.« es war mein glück, dass die äste ziemlich dicht wuchsen und ich sofast ohne probleme bis nach unten klettern konnte. abgesehen von denpaar zusätzlichen schrammen, die ich mir holte, als meine füße auf einemnassen ast den halt verloren und ich ein paar meter abstürzte, geschahnichts weiter aufregendes. es dauerte aber dennoch fast eine stunde, bisich es endlich geschafft hatte. unten angekommen, war ich völlig erschöpft und vom sintflutartigenregen, der ohne vorwarnung eingesetzt hatte, bis auf die knochen durch-nässt. neben mir bildete sich ein rinnsal aus regenwasser. mein körperschrie förmlich danach und verlangte ein paar schluck des kühlen nas-ses. ich ließ ihn gewähren und er saugte sich damit voll. danach gönnteich mir eine kurze pause und versuchte dahinterzukommen, was gesche-hen war. »wo war ich? blauer himmel. wald mit großen bäumen. extrem hoheluftfeuchtigkeit. große hitze. plötzlich auftretender regen.« »regenwald. ja ich war in einem regenwald.« »verdammte schei ..., was mache ich so früh am morgen in einem re-genwald? ich glaube, es ist besser, wenn in zukunft nicht mehr soviel al-kohol in mich reinschütte. es wird tatsächlich mit jedem mal schwierigervorherzusagen, wo ich am morgen danach aufwachen werde.« »regenwald, regenwald, regenwald«, kicherte eine stimme in meinemgehirn. »schnauze!« war mein traum wirklichkeit geworden? war ich wirklich in einemregenwald oder war ich nur im traum aufgewacht und lag noch schnar-chend in meinem bett? »regenwald!«40

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