Your SlideShare is downloading. ×
Nowhere To Go
Nowhere To Go
Nowhere To Go
Nowhere To Go
Upcoming SlideShare
Loading in...5
×

Thanks for flagging this SlideShare!

Oops! An error has occurred.

×
Saving this for later? Get the SlideShare app to save on your phone or tablet. Read anywhere, anytime – even offline.
Text the download link to your phone
Standard text messaging rates apply

Nowhere To Go

380

Published on

German-language article (Suedostasien) on forced migration in Komodo National Park.

German-language article (Suedostasien) on forced migration in Komodo National Park.

Published in: Education
0 Comments
0 Likes
Statistics
Notes
  • Be the first to comment

  • Be the first to like this

No Downloads
Views
Total Views
380
On Slideshare
0
From Embeds
0
Number of Embeds
0
Actions
Shares
0
Downloads
1
Comments
0
Likes
0
Embeds 0
No embeds

Report content
Flagged as inappropriate Flag as inappropriate
Flag as inappropriate

Select your reason for flagging this presentation as inappropriate.

Cancel
No notes for slide

Transcript

  1. 50 ____________________________________________________________ Indonesien: Migration_______ Schlussfolgerung Weiterhin hat sie angeordnet, dass 50 Literatur Prozent der neuen Siedler aus der Aragon, Lorraine. 2001 Communal Violence in Poso, Central Sulawesi: Where People Eat Trotz der Behauptung vieler, örtlichen Bevölkerung stammen. Die Fish and Fish Eat People. Indonesia 72: Transmigration wäre die Hauptursa- Beamten hoffen, die Miteinbeziehung 45-79. Davidson, Jamie S. The Politics of Violence on che der Konflikte in der Zeit nach Su- Ortsansässiger werde die Probleme an Indonesian Periphery. South East Asia hartos Sturz gewesen, beschloss die aufgrund sozialer Eifersucht minimie- Research 11: 59-89. Duncan, Christopher R. 2005. Unwelcome G u- Regierung die Weiterführung des ren. Die zukünftigen Auswirkungen ests: Relations between Internally Dis- Programms, wenngleich in abgewan- der neuen Transmigrationsprojekte placed Persons and Their Hosts in North Sulawesi, Indonesia. Journal of Refugee delter Form. Die Regierung hofft, und ob sie zu neuen Ausbrüchen Studies 18: 25-46. dass diese Modifikationen das Kon- kommunaler Gewalt führen, bleiben --. 2005. The Other Maluku: Chronologies of Conflict in North Maluku. Indonesia 80 fliktpotential minimieren werden. So abzuwarten. ! (forthcoming). werden zum Beispiel Wiederansied- Klinken, Gerry van. 2001. The Maluku Wars: Der Text wurde von Anke Hollerbach Bringing Society Back In. Indonesia 71 lungsstätten nun in Koordination mit aus dem Englischen übersetzt. Palmer, Blair. 2004. Memories of Migration: den Empfängerregionen und auch Butonese Migrants returning to Buton after nur mit deren Zustimmung selektiert. the Maluku Conflicts 1999–2002. Antropo- logi Indonesia (Special Volume 2004. Nowhere to Go Die Lage einheimischer Bevölkerungsgruppen in indonesischen Nationalparks von Henning Borchers In einer Diskussion um Migrationsprozesse in Südostasien kommt man nicht umhin, das Phänomen der Zwangsumsiedlung im Kontext des Natu r- schutzes in Betracht zu ziehen. Seit der Einführung des Nationalparkko n- zepts durch die ehemaligen Kolonialregierungen setzte sich die Maßna h- me der Zwangsumsiedlung von einheimischen und indigenen Gesellscha f- ten, die ursprünglich in den zu Schutzgebieten erklärten Territorien ansä s- sig waren, als gängige Praxis der Schaffung und Verwaltung von Natu r- schutzgebieten durch. Internationalen Vorgaben der sozialen Gerechtigkeit zum Trotz gebiert sich Umweltschutz in Naturreservaten und Nationalparks auch heute noch allzu oft allein zum Nachteil einheimischer Bevölkeru n- gen. chen Zwecken und zum Gefallen ei- Das Nationalparkkonzept ner urbanen Mittelschicht und Elite verbreitete sich zuerst erfolgreich in Das abzugrenzen, findet ihren Ursprung in Nordamerika und Europa, wurde aber Nationalparkkonzept Nordamerika. Dort wurde 1872 mit in zunehmendem Maße auch in den Yellowstone der erste Nationalpark Kolonien durchgesetzt. Die Gründung »In the modern world … a erklärt, und mit ihm der Mythos der vieler namhafter Nationalparks in Afri- country without a national park can Wildnis und des unberührten Landes ka, Süd- und Südostasien geht auf hardly be recognized as civilized«, (no man‹s land) begründet. Von An- die Kolonialzeit zurück. Dies ging in Julian Huxley, Director General of fang an war das Konzept eines Na- der Regel mit der Missachtung tradi- UNESCO, 1960s. tionalparks maßgeblich von der Idee tioneller Siedlungs- und Nutzungs- Die Idee, Naturräume zu unberührter Natur beeinflusst, entge- rechte traditioneller Bevölkerungen schützen, um sie zu wissenschaftli- gen der Tatsache, dass auch ameri- einher. Nachdem die Kolonien ihre kanische Parks in der Regel von indi- Unabhängigkeit erlangten, wurde das Der Autor ist Entwicklungsethnologe. genen Bevölkerungsgruppen schon Nationalparkkonzept von nationalen Er lebt in Neuseeland und befindet seit bis zu Tausenden von Jahren Regierungen institutionalisiert und ist sich zurzeit zu Forschungszwecken in besiedelt und zumeist nachhaltig ge- nun die populärste und am weitesten Indonesien. nutzt worden waren. verbreitete Strategie des Naturschut- südostasien 3/05
  2. _______ Indonesien: Migration ____________________________________________________________51 zes. An die zehn Prozent der globa- gradierung der Umwelt verantwortlich geblich an der Finanzierung von Na- len Landmasse sind geschützte Ge- gemacht werden können — die Ur- turschutzprojekten in der Dritten Welt biete, zum Großteil Nationalparks. heber schwerwiegender Umwelt- beteiligt und haben die Rhetorik der Die Folge sind einige Millio- schäden sind allzu oft Außenseiter — sozialen Gerechtigkeit in ihren Finan- nen conservation refugees, Heimat- man denke nur an die großflächige zierungsmechanismen im Natur- losigkeit, kultureller Zerfall, Arbeitslo- Abholzung der Tropenwälder für die schutzbereich verankert. sigkeit und Armut. Allzu oft wurden Märkte Amerikas, Europas und Ost- Internationale Naturschutzor- ansässige Bevölkerungsgruppen oh- asiens. ganisationen wie zum Beispiel WWF, ne die Vorgabe von Conservation Inter- konkreten und so- national, und The ziokulturell ange- Nature Conservancy messenen ökonomi- (TNC), die in großem schen Alternativen Maße an der Erhal- ihrer Heimat verwie- tung und dem sen. Dies führt nicht Schutz biologischer nur zu landlosen Vielfalt auch in Län- Flüchtlingen. Es dern der Dritten Welt kommt zudem zu beteiligt sind, kom- Spannungen mit Be- men nicht umhin, völkerungen in den international aner- Anrainergebieten, in kannter ›best-prac- denen die Vertriebe- tice‹ gerecht zu wer- nen Zuflucht suchen. den, um sich wei- Solche Konflikte terhin finanzielle Un- können den Grund- terstützung zu si- stein für lang anhal- chern. tende Auseinander- Nicht selten setzungen legen, kommt es dabei al- da Nutzungs- und lerdings zu Konflik- Siedlungsrechte ten zwischen Natur- auch außerhalb der schutz — nach wie Schutzgebiete oft vor Sachverständnis traditionellen Richtli- und Priorität solcher nien folgen. Im Falle Organisationen — einiger afrikanischer und der Notwendig- Nationalparks zum keit sozioökonomi- Beispiel liegt die scher Entwicklung. Ratio zwischen Leitgedanke hier Flüchtlingen und ih- scheint eine Entwe- ren neuen ›Gastge- der-oder-Strategie bern‹ teilweise bei zu sein, die, ent- eins zu eins oder sprechend der zwei zu eins. Diese Erkenntnisse wurden Ideologie verantwortlicher Mei- mittlerweile in internationalen Ab- nungsmacher innerhalb dieser Or- kommen und Konventionen institutio- ganisationen, oft dem Naturschutz Internationale nell verankert, zum Beispiel durch die Vorrang gibt, bestimmt durch die Hy- Mechanismen des während des Erdgipfels in Rio de Ja- pothese einer globalen Biodiversi- sozialverträglichen neiro 1992 anerkannte Convention on tätskrise. Letztendlich, so das Argu- Naturschutzes Biological Diversity. Darin wird so- ment, sind diese Organisationen zioökonomischen Komponenten des nicht für die Armutsbekämpfung ver- Innerhalb der letzten Jahr- Naturschutzes gleichermaßen Bedeu- antwortlich. zehnte hat sich der globale Diskurs tung beigemessen. Die Konzepte der Soziale Gerechtigkeit besteht grundlegend gewandelt, vor allem nachhaltigen Nutzung natürlicher in diesem Fall weiterhin nur auf dem durch die Dokumentation von Fall- Ressourcen sowie des benefit- Papier, wobei einheimische Bevölke- studien die belegen, dass Natur- sharing haben sich somit als Teil ei- rungen nach wie vor den größten schutzstrategien, die den einheimi- ner holistischen Naturschutzstrategie Preis für den Naturschutz zahlen — schen Bevölkerungen weder Mitspra- etabliert, ganz im Sinne der Nationalparks in diesem Fall werden cherecht noch Lebensgrundlagen ›Nachhaltigen Entwicklung‹. zu Hoheitsgebieten der Wissenschaft garantieren, allzu oft zu Armut und Die Asian Development Bank und des Tourismus, wohingegen langwierigen sozialen Konflikten füh- (ADB), die Weltbank, die Global Envi- ganze Dorfgemeinschaften, die mit- ren. Zudem ist es mittlerweile aner- ronmental Facility (GEF), die Interna- unter seit Jahrhunderten diese Gebie- kannt, dass einheimische Bevölke- tional Finance Corporation (IFC) so- te besiedelten und von — in der Re- rungsgruppen oft nicht für die De- wie die Europäische Union sind maß- gel nachhaltiger — Ressourcennut- südostasien 3/05
  3. 52 ____________________________________________________________ Indonesien: Migration_______ zung ihren Lebensunterhalt bestritten, Menschenrechtsverletzung und des lich am Management indonesischer nun ihrer Existenzgrundlage beraubt Raubbaus in indonesischen Natur- Nationalparks beteiligt, nicht allein werden. schutzgebieten bezichtigt. Nicht nur, aufgrund ihres ökologischen Fach- dass ansässige Bevölkerungen über wissens. Auch mangelt es der Zen- Jahrzehnte hinweg zwangsumgesie- tralregierung am nötigen Budget, um Die Lage in Indonesien delt wurden. Die Regierung vergibt Indonesiens Naturschutzgebiete er- zudem zunehmend Konzessionen an folgreich und nachhaltig zu verwalten. Die holländische Kolonialre- nationale oder internationale Unter- So sind internationale NGOs mittler- gierung gründete die ersten Naturre- nehmen unter anderem im Bergbau weile mitunter die Hauptakteure im servate und Parks Indonesiens An- und der Holzwirtschaft. Diese Unter- Management der biologischen Vielfalt fang des 20. Jahrhunderts. Größere nehmen rauben den weiterhin prä- Indonesiens und werden dabei im Zwangsumsiedlungen fanden aller- senten Gemeinschaften die Lebens- großen Maße vor allem von der Welt- dings erst im Rahmen der Transmi- grundlage und haben außerdem bank, der GEF sowie der ADB mitfi- grasi-Programme der indonesischen schwerwiegenden Einfluss auf das nanziert. Ironischerweise sind es oft Zentralregierung statt. So wurden in ökologische Gleichgewicht. Zudem internationale Naturschutzprojekte, den 1970ern und 1980ern einige bleibt marginalisierten Einheimischen die einheimische Bevölkerungen in zehntausend Einheimische aus Zen- oft keine andere Wahl als sich für den Ruin treiben. tralsulawesis Lore Lindu Region — selbige Unternehmen auf Niedrig- 1982 zum Nationalpark erklärt — lohnbasis zu verdingen. Die Hingabe zwangsumgesiedelt. Das Projekt der indonesischen Regierung, die Beispiel Komodo wurde von der Weltbank mitfinanziert. von ihr ratifizierten Konventionen Nationalpark Versuche Einheimischer, ihre traditio- durchzusetzen, erscheint hierbei in nelle Heimat zurückzufordern schei- einem fraglichen Licht. Die Inseln, die den endemi- terten 1999 unter Mithilfe des indo- Doch sind nicht nur am schen Komodo Monitor beherbergen, nesischen Militärs. Raubbau beteiligte Industrien für die wurden bereits 1915 von der hollän- Die indonesische Regierung katastrophale Lage der in National- dischen Kolonialregierung unter wird von Nicht-Regierungsorgani- parks ansässigen Bevölkerungen Schutz gestellt. Die indonesische sationen (NGOs) auf nationaler Ebe- verantwortlich. Internationale Natur- Zentralregierung designierte das ne, wie zum Beispiel WALHI, der schutzorganisationen sind maßgeb- Areal 1980 offiziell zu einem ihrer er- südostasien 3/05
  4. _______ Indonesien: Migration ____________________________________________________________53 sten Nationalparks. Bereits 1977 wur- de Komodo als Biosphärenreservat anerkannt, und die UNESCO erklärte den Park 1991 zudem als Weltna- turerbe. Der Konflikt zwischen Natio- nalparksbehörden und der einheimi- schen Bevölkerung verschärfte sich bereits durch die Nationalparksdesi- gnation, da traditionelle Nutzungs- rechte verstärkt eingeschränkt wur- den. Zunehmend erfuhr auch der Artenreichtum der umliegenden Ge- wässer internationale Beachtung und Schutz, und seit 1995 unterstützt die amerikanische NGO The Nature Con- servancy (TNC) die Regierung im Management des Parks. Allerdings hat sich die Lage der Bevölkerungen sowohl innerhalb als auch außerhalb des Parks seitdem weiterhin ver- schlechtert, da die Priorität der TNC klar ökologischen Richtlinien folgt, ausgestatteten Flotten, die sich im Frage von den Rechten der traditio- und harsche Regulierungen — ohne Park bedienen, ausgeht. nellen Bewohner. Alternativen zu schaffen — dazu Allerdings richten sich die Der Nationalpark wurde kürz- führen, dass einheimische Fischer Regulierungen und Einschränkungen lich privatisiert, gegen den Willen ein- nicht umhin kommen, Richtlinien zu der Ressourcennutzung vor allem heimischer Bevölkerungen und des missachten, um ihren Familien die gegen die im Park ansässigen Dorf- Regionalparlaments. Der IFC finan- Lebensgrundlage zu sichern. Dies gemeinschaften. So besteht die Mög- ziert das Projekt, welches TNC und führte bereits zu mehreren gewaltsa- lichkeit, dass die momentane Strate- einem Hotelmagnaten aus Malaysia men Auseinandersetzungen zwi- gie der Unterentwicklung der Bevöl- Managementrechte für 30 Jahre im schen Parkwächtern — unterstützt kerung innerhalb des Nationalparks Park zuteil werden lässt. Es ist un- von Polizei und Militär — und Fi- das Ziel verfolgt, Parkbewohner dazu wahrscheinlich, dass sich der Luxus- schern. Dabei wurden Fischer ge- zu ›ermutigen‹, ihre Dörfer zu verlas- und Tauchtourismus, den die Joint schlagen, gefoltert und sogar er- sen um nach Flores oder Sumbawa, Venture anvisiert um den Park zu fi- schossen — zuletzt im Februar die beiden an den Park angrenzen- nanzieren, letztendlich zum Vorteil der 2003. den Inseln, überzusiedeln. Tatsäch- einheimischen Bevölkerung gebiert. Migrationsprozesse in Ko- lich stellt die ›Schaffung von Anreizen ! modo sind zweigestalt: Zum einen zur freiwilligen Umsiedlung‹ einen Teil haben viele Fischer von an den Park der Managementstrategie dar. Aller- angrenzenden Gemeinden auf die dings würde es sich in diesem Fall Literatur Hauptinseln im Park übergesiedelt klar um Zwangsumsiedlung handeln, Borchers, H. (2004). Jurassic Wilderness- Ecotourism as a Conservation Strategy in um der Ressourcenarmut in der ei- da den Parkbewohnern das Leben in Komodo National Park, Indonesia. Stutt- genen Region zu entfliehen — Ko- dem Maße erschwert wird, dass ih- gart: Ibidem. Cernea, M.M. and K. Schmidt-Soltau (2003). modo verfügt über einen Ressour- nen auf lange Sicht keine andere National Parks and Poverty Risks-Is Popu- cenreichtum, der weit über dem der Wahl bleibt. Dutzende Fischer mit- lation Resettlement the Solution? Chapin, M. (2004). A challenge to conserva- schon größtenteils erschöpften Res- samt Familien wurden bereits des tionists. World Watch Institute. sourcen der weiteren Umgebung Parks verwiesen. Ozinga, S. (2003). Parks with People. World Rainforest Movement/FERN. liegt. Oft werden diese Formen der Auf der Strecke bleiben dann WALHI (2004). State Crime in the Name of Migration durch Heirat ›legitimiert‹. vor allem jene Parkbewohner, die Conservation. Background paper prepared for 60 t h Session of the UN Commission for Wenn Migration in den Park auch per traditionell Anrecht auf Residenz im Human Rights, March April 2004, Geneva. Gesetz stark limitiert ist, so lässt die Park und Nutzung der Ressourcen Natur indonesischer Bürokratie doch haben. Dies sind zumeist die am immer noch das eine oder andere ehesten Benachteiligten und politisch Hintertürchen offen. Marginalisierten. Die Frage allerdings, Zum anderen stellt das Phä- wer nun traditionell Anrecht darauf hat nomen einer stetig wachsenden Be- im Park zu sein, ist höchst umstritten. völkerung ein großes Problem für die TNC selbst behauptet, dass es allein Nationalparksbehörden dar, da dies schon durch Migration in den Park auch vermehrten Druck auf die Res- und Heirat zwischen verschiedenen sourcen bedeutet. Weitaus größer ethnischen Gruppen mittlerweile kei- allerdings ist der Druck, der von den ne ›Einheimischen‹ mehr gibt — und vielen auswärtigen und auch besser vermeidet so die politisch knifflige südostasien 3/05

×