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Diplomarbeit Slackline Diplomarbeit Slackline Document Transcript

  • Eberhard-Karls-Universität Tübingen Institut für Sportwissenschaften Wissenschaftliche Arbeit für die Diplomprüfung in Sportwissenschaft Slacklinen - ein neuer Trendsport? Hintergründe und Perspektiven Vorgelegt von: Patrick Engel Sieben-Höfe-Str. 105 72072 Tübingen patrickengel@humannature.de Tübingen, den 12.06.08
  • Danksagung Recht herzlich möchte ich mich bei den Personen bedanken, die bei der Erstellung dieser Arbeit mitgewirkt und mich in verschiedenen Bereichen unterstützt haben. Mein besonderer Dank gilt Herrn Dr. Gunter Volck. Er ermöglichte es mir, diese Arbeit im Rahmen meines Studiengangs zu schreiben und unterstützte mich ausgiebig bei der Findung der Problemstellung. Einen zweiten großen Dank möchte ich Herrn Tillmann Müller aussprechen. Ohne ihn wäre die Idee für das Thema dieser Arbeit wahrscheinlich nicht entstanden. Außerdem danke ich ihm zum einen für die aufgebrachte Zeit in Telefongesprächen, zum anderen für sein Engagement mir sein Fachwissen mitzuteilen um dies in die Arbeit mit einfließen zu lassen. Natürlich bedanke ich mich auch für all die Tricks die ich von ihm erlernen konnte sowie das von ihm und der Firma Slackline-Tools zur Verfügung gestellte Material. Des Weiteren danke ich meiner Frau Kristin. Sie musste in der Zeit während der Diplomprüfungen und der Erstellung dieser Diplomarbeit viel erdulden. Vielen Dank für das erbrachte Verständnis. Auch meine Eltern waren während meiner gesamten Studienzeit für mich da und unterstützten mich wo sie nur konnten. Ohne euch wäre ich nicht hier! Zuletzt möchte ich mich bei all jenen bedanken, die auf ihre Art und Weise zum Gelingen dieser Arbeit beigetragen haben, die ich jedoch nicht alle namentlich erwähnen kann. Ohne die Studienteilnehmer, die sich die Zeit zum Ausfüllen und zurückschicken des Fragebogens nahmen, wäre diese Studie überhaupt nicht möglich gewesen. Allen Slacklinern kann ein Dank dafür ausgesprochen werden, dass sie durch ihren Enthusiasmus diese wunderbare Form des Balancierens vorantreiben und anderen Menschen zugänglich machen. Remember, it´s „Just One Foot In Front Of The Other!“ (Chris Carpenter) Patrick Engel (Tübingen, 12. Juni 2008) II
  • Eid quot;Hiermit versichere ich, dass ich die vorgelegte Arbeit selbständig und nur mit den angegebenen Quellen und Hilfsmitteln (einschließlich Quellen des www und anderer elektronischer Medien) angefertigt habe. Alle Stellen der Arbeit, die ich anderen Werken dem Wortlaut oder dem Sinne nach entnommen habe, sind kenntlich gemacht.quot; Tübingen, den 12.06.2008 ______________________________________ III
  • Inhaltsverzeichnis Inhaltsverzeichnis....................................................................................................................................................... IV Abbildungsverzeichnis.................................................................................................................................................V Tabellenverzeichnis......................................................................................................................................................V 1 Einleitung ................................................................................................................................................................1 2 Slacklinen ................................................................................................................................................................4 2.1 Historische Entwicklung.................................................................................................................................4 2.2 Darstellung und Eigenschaften unterschiedlicher Slacklines....................................................................7 2.2.1 Lowlines ...................................................................................................................................................7 2.2.2 Highlines...................................................................................................................................................9 2.3 Diskussionsansatz zur Definition des Slacklinens .................................................................................... 10 3 Trendsport............................................................................................................................................................ 13 3.1 Gesellschaftliche Veränderungen und ihre Auswirkungen auf den Sport allgemein .......................... 13 3.2 Begriffsproblematik „Trendsport“.............................................................................................................. 17 3.3 Trends als Metaphern .................................................................................................................................. 19 4 Ansätze und Modelle zur Zuordnung von Sportarten zum Trendsport .................................................... 20 4.1 Charakteristische Merkmale von Trendsportarten im Allgemeinen und Slacklinen im Besonderen. 21 4.2 Modelle zur Entwicklung von Trendsportarten ........................................................................................ 31 4.2.1 Phasenmodell nach Schwier................................................................................................................. 32 4.2.2 Trendsportentwicklung nach Lamprecht und Stamm......................................................................... 33 4.2.3 Akzeptanz – Kriterien nach Volker Nagel .......................................................................................... 37 5 Problemstellung................................................................................................................................................... 38 5.1 Anwendung des Modells von Schwier auf Slacklinen.............................................................................. 39 5.2 Anwendung des Modells von Lamprecht und Stamm auf Slacklinen .................................................... 40 6 Untersuchungsdesign.......................................................................................................................................... 43 6.1 Explorative Umfrage zum Slacklinen im deutschsprachigen Raum ...................................................... 43 6.2 Durchführung der Befragung und Auswertung ....................................................................................... 44 6.3 Darstellung und Interpretation der Ergebnisse ........................................................................................ 44 6.3.1 Soziodemographische Merkmale......................................................................................................... 45 6.3.2 Fakten bezüglich Slacklinen................................................................................................................. 49 6.3.3 Hintergrundwissen über Slacklinen ..................................................................................................... 55 6.3.4 Fragen zu Merkmalen eines Trendsports nach Jürgen Schwier......................................................... 57 6.3.5 Fragen nach Volker Nagel.................................................................................................................... 68 6.3.6 Funktionsfragen .................................................................................................................................... 78 6.4 Zusammenfassung der Ergebnisse ............................................................................................................. 83 7 Zusammenfassung und Ausblick ...................................................................................................................... 84 8 Literaturverzeichnis ........................................................................................................................................... 87 9 Anhang.................................................................................................................................................................. 89 IV
  • Abbildungsverzeichnis Abb. 1: Scott Balcom, Erfinder des Slacklinens (Balcom, 2005, Titelbild)______________________________ 6 Abb. 2: Scott Balcom auf der „Spireline“ im Yosemite Valley (Quelle: www.slackline.net)________________ 6 Abb. 3: Slackliner beim Ausführen von Tricks. (Quelle: www.slackline-tools.de, 2007) __________________ 24 Abb. 4: Europas höchst gelegene Highlinebegehung am Dent du Géant im Mont Blanc Massiv, (Quelle: www.slackline-tools.de, 2007) _______________________________________________________ 25 Abb. 5: Damian Cooksey, Frontflip beim Event in Scharnitz (Quelle: www.slackline-event.com, 2008) _____ 26 Abb. 6: Damian Cooksey auf einer 100m langen Line beim Treffen in Scharnitz. (Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Bild:100m_slackline_scharnitz1.jpg, 2008) ______________________ 28 Abb. 7: Phasen der Entwicklung von Trendsportarten ____________________________________________ 36 Abb. 8: Balanceakt über den Dächern von München. Heinz Zak auf einer Highline bei der Neueröffnung von quot;Sport Schusterquot; in der Rosenstraße in München (Quelle: www.alpin.de, 2008)_________________ 40 Abb. 9: Altersverteilung der Slackliner aus der Studie ____________________________________________ 45 Abb. 10: Geschlechterverteilung der Slackliner aus der Studie _____________________________________ 45 Abb. 11: Prozentuale Verteilung der englischen und deutschen Bezeichnungen für Tricks ________________ 52 Abb. 12: Motivation zum Slacklinen (n=476) ___________________________________________________ 53 Abb. 13: Einteilung der Motivation in drei Bereiche _____________________________________________ 54 Abb. 14: Prozentuale Verteilung des Bekanntheitsgrades von Slackline-Sets nach Herstellern ____________ 55 Abb. 15: Prozentuale Verteilung der bekannten Slackline-Events ___________________________________ 59 Abb. 16: Prozentuale Verteilung der Tendenzen zur Beschleunigung und Entschleunigung _______________ 61 Abb. 17: Kategorien der genannten Slackline-Adjektive __________________________________________ 63 Abb. 18: „Ja-Nein“ Verteilung in Bezug zum eigenen Slackline-Stil _________________________________ 63 Abb. 19: Kategorienunterteilung der verschiedenen genannten Slackline-Stile _________________________ 64 Abb. 20: Verteilung der Angaben bezüglich des Stils nach Könnensgrad _____________________________ 65 Abb. 21: Darstellung der verschiedenen Slackliner-Charaktereigenschaften __________________________ 66 Abb. 22: „Ja-Nein“ Verteilung zur äußerlichen Attraktivität des Slacklinens __________________________ 70 Abb. 23: Prozentuale Verteilung in Bezug zum finanziellen Aufwand ________________________________ 72 Abb. 24: Prozentuale Verteilung aus Frage 28__________________________________________________ 73 Abb. 25: Kategorisierung der Antworten aus Frage 28 ___________________________________________ 74 Abb. 26: Prozentuale Verteilung der Antworten zu Frage 29_______________________________________ 76 Abb. 27: Prozentuale Verteilung der Antworten zu Frage 30_______________________________________ 76 Abb. 28: Prozentuale Verteilung der Antwortkategorien bezüglich Trendsport im Allgemeinen ____________ 78 Abb. 29: Prozentuale Verteilung der Haltung gegenüber Slackline-Workshops ________________________ 80 Abb. 30: Prozentuale Verteilung der ermittelten Einrichtungen aus Frage 33 _________________________ 81 Abb. 31: Kinder beim Kinderjugendfestival in Stuttgart (Quelle: www.slackline-tools.de, 2008) ___________ 83 Abb. 32: Ein Kind auf der Slackline (Quelle: www.slackline-tools.de, 2008) __________________________ 83 Tabellenverzeichnis Tab. 1: Angaben der Slacklineerfahrung in Jahren ______________________________________________ 46 Tab. 2: Häufigkeit des Slacklinens pro Woche __________________________________________________ 46 Tab. 3: Könnensstand der Studienteilnehmer ___________________________________________________ 46 Tab. 4: Angaben bezüglich einer Highlinebegehung _____________________________________________ 46 Tab. 5: Regelmäßigkeit des Trainings ________________________________________________________ 47 Tab. 6: Teilnahme an einem Slackline-Wettkampf _______________________________________________ 47 Tab. 7: Analyse des Könnensstandes in Bezug zur Wettkampfteilnahme ______________________________ 47 Tab. 8: Zugang der Studienteilnehmer zum Slacklinen____________________________________________ 49 Tab. 9: Erlernen des Slacklinens ____________________________________________________________ 50 Tab. 10: Ausübungsform des Slacklinens ______________________________________________________ 51 Tab. 11: Übersicht der genannten Idole _______________________________________________________ 57 Tab. 12: Interesse der Teilnehmer an Slackline-Events ___________________________________________ 59 Tab. 13: Prozentuale Verteilung der Erwartungen an Slackline-Events ______________________________ 60 Tab. 14: Vergleich der Fragen 16 und 17______________________________________________________ 62 Tab. 15: Darstellung von Frage 32 __________________________________________________________ 67 Tab. 16: prozentuale Verteilung der Fragen 21, 22, 23 des Fragebogens _____________________________ 69 Tab. 17: Spontane Nutzbarkeit des Slacklinens und Antwortkategorien zu Frage 25 ____________________ 71 Tab. 18: Ortsunabhängigkeit des Slacklinens___________________________________________________ 71 Tab. 19: Antwortenspektrum zu Slacklinen als Trendsport ________________________________________ 79 V
  • Slacklinen – ein neuer Trendsport? 1 Einleitung „Als Individuen balancieren wir vielfach unbewusst auf bekanntem Terrain, es ist nur natürlich dass wir diese Eigenschaft aktiv erfassen und sie entsprechend fördern. Als Slackliner balancieren wir mit vollem Bewusstsein im Streben nach Vervollkommnung und Erfüllung. Versuch es einfach. Sei du, wenn du auf einer Slackline gehst; probier etwas aus, oder helfe einfach einem Kind Fahrradfahren zu lernen, du wirst spüren, das Gleichgewicht im Leben durchströmt alles. Das Arbeiten an seinen eigenen Grenzen – erkennen, bewältigen und zurücksehen – kann jedem auf seinem Weg helfen.“ (Jungshannß, o.D., S.6) Slacklinen, eine noch junge, aufstrebende Bewegungsform1, erfreut sich zunehmender Beliebtheit. In den letzten Monaten erschienen verstärkt Berichte und Reportagen in elektronischen Medien, Printmedien und in Form von Fernsehberichterstattungen, welche sich mit diesem bisher relativ unbekannten Trend auseinandersetzen. Slacklines werden auf der einen Seite an immer exotischeren und entlegeneren Orten auf der Welt gespannt, z.B. im Mont Blanc Massiv. Auf der anderen Seite steigt das Interesse von Schulen2, Vereinen und Rehabilitationseinrichtungen am Slacklinen. Was genau zeichnet nun Slacklinen aus und rechtfertigt eine intensive Beschäftigung mit dieser neuen Bewegungsform? Heinz Zak brachte Slacklinen etwa um das Jahr 2000 nach Europa und veranstaltete im Juli 2006 das „1. Internationale Slackline-Treffen in Scharnitz“ (Österreich). Die angereisten Slackliner konnten dort Erfahrungen austauschen und gemeinsam Spaß haben. Dieser erste Event in Scharnitz leitete die weitere Verbreitung dieser seit den achtziger Jahren in den USA praktizierten Sportart sowie Neuformierungen weiterer Slacklinegruppen in Deutschland und Nachbarländern ein, was auf ihre steigende Popularität hindeutet. In den Parkanlagen von Städten und Gemeinden sieht man zunehmend zwischen den Bäumen gespannte Bänder und darauf balancierende Bewegungskünstler. Ein erstes deutschsprachiges Forum im Internet wurde bereits im Jahre 2004 gegründet. Seit 2005 kann man fertig zusammengestellte Slackline-Sets in ausgewählten Sportfachgeschäften kaufen. 1 Der Begriff „Bewegungsform“ wurde hier anstelle des Begriffes „Sportart“ gewählt, dies wird im Kapitel zur Begriffsproblematik Trendsport weiter ausgeführt. 2 Vgl. http://www.soap-box-derby.de/slacklinen-der-neue-trendsport-95.htm, http://www.schulebewegt.ch/index.cfm?id=82, http://fudder.de/artikel/2007/06/05/gesucht-freiburgs-sportlichste-schule/ 1
  • Slacklinen – ein neuer Trendsport? Blieb es im Jahre 2006 bei diesem einzigartigen Event in Scharnitz, gab es 2007 bereits mehr als zehn Slackline-Treffen und die Anzahl aktiver Slackliner und Events wächst seither stetig an. Nicht nur namhafte Hersteller aus dem Klettersport bieten mittlerweile Sets zum Verkauf an, auch kleine Unternehmen beschäftigen sich intensiv mit dieser Bewegungsform und tüfteln an neuen Materialien und Aufbauarten. Anfängerkurse, in denen Abspanntechniken und die ersten Schritte gezeigt werden, erfreuen sich großer Beliebtheit. Da es sich beim Slacklinen um ein neues, noch unerforschtes Feld handelt, das jedoch ein sehr dynamisches Wachstum aufweist, soll in dieser Arbeit sowohl die bisherige Entwicklung des Slacklinens betrachtet, als auch eine Prognose für die zukünftige Entwicklung dieser Bewegungsform versucht werden. Darüber hinaus steht die Frage im Raum, ob Slacklinen zu den Trendsportarten gezählt werden kann oder lediglich ein kurzlebiger Sporttrend bleibt. In einem ersten Schritt wird daher eine historische Betrachtung des Slacklinens vorgenommen. Die junge Bewegungspraxis wird hinsichtlich ihrer Entstehungs- und Entwicklungsgeschichte dargestellt und die verschiedenen Disziplinen mit ihren Anforderungen werden aufgelistet und erläutert. In einem weiteren Schritt erfolgt der Versuch einer Definition des Begriffes Slacklinen, um ein Basiswissen als Grundlage für weitere Analysen zu schaffen. Das zweite Kapitel beschäftigt sich mit Trendsport. Dabei werden zunächst die gesellschaftlichen Hintergründe für die Ausbreitung von Trendsportarten dargestellt, Veränderungen hinsichtlich der Werte einer Gesellschaft beleuchtet und die Frage diskutiert, warum sich Menschen Trendsportarten zuwenden. Die Unterkapitel beschäftigen sich mit Begrifflichkeiten des Phänomens Trendsport. Hierbei werden die Begriffe ‚Trend’ und ‚Sport’ erläutert, auf die Problematik der Trendsportdefinition eingegangen und der Begriff Slackline im Hinblick auf „Trends als Metaphern“ untersucht. Eine Verknüpfung der Theorien des Trendsports mit dem Slacklinen findet im Anschluss statt. Die charakteristischen Merkmale von Jürgen Schwier, durch die sich möglicherweise Trends im Feld des Sports auszeichnen, werden dargestellt und auf Slacklinen übertragen. Welche Merkmale treffen auch auf Slacklinen zu und inwiefern lässt es sich dadurch dem klassischen Trendsport zuordnen? Zwei häufig angewandte Modelle aus der Trendsportforschung werden anschließend vorgestellt und auf ihre Relevanz für die Entwicklung des Slacklinens untersucht. Zum einen handelt es sich um das semiotische Modell nach Jürgen Schwier, zum anderen um das an einem Produktlebenszyklus orientierte Modell nach Markus Lamprecht und Hanspeter Stamm. 2
  • Slacklinen – ein neuer Trendsport? Abschließend kommt ein Konzept von Volker Nagel zur Anwendung, welches ursprünglich zur Analyse des Trendsports Inlineskaten entwickelt wurde. Dessen Fragen werden modifiziert in der empirischen Untersuchung (Fragebogen) auf Slacklinen bezogen. Im Rahmen dieser Arbeit wurde eine schriftliche Befragung unter Slacklinern durchgeführt (siehe Kapitel 6: Untersuchungsdesign). Hierfür kommt ein Fragebogen zum Einsatz, welcher durch seinen speziellen Aufbau sowohl einen Bezug zu den charakteristischen Merkmalen nach Schwier als auch zu den Akzeptanz-Kriterien nach Nagel herstellen soll. Die im Anschluss ausgewerteten und interpretierten Ergebnisse stützen entweder die theoretische Analyse im ersten Teil der Arbeit oder führen zu einer Verwerfung der aufgestellten Hypothesen zu Slacklinen als Trendsport. 3
  • Slacklinen – ein neuer Trendsport? 2 Slacklinen Um eine genauere Vorstellung von der noch jungen Sportart und damit ein Grundwissen zu erhalten, werden im Folgenden die Ursprünge des Slacklinens und seine Entwicklung dargestellt, wobei insbesondere verschiedene Disziplinen des Slacklinens und deren Charakterisierung im Mittelpunkt stehen. Abschließend erfolgt der Versuch einer Definition des Begriffs Slacklinen. 2.1 Historische Entwicklung Die historischen Wurzeln des Slacklinens lassen sich auf das Ende der 1970er Jahre zurückverfolgen. Bis dahin balancierten Kletterer schon seit den 60er Jahren im Yosemite Nationalpark in den USA (Kalifornien) zum Zeitvertreib an Ruhe- und Regentagen auf Tauen und Absperrketten an Parkplätzen. Aufgrund des lockeren Durchhangs nannten sie ihr neu entdecktes ‚Sportgerät’ slackchain. Anfangs erschien es den Protagonisten unmöglich auf der lockeren Kette zu laufen. Nach intensivem Üben wurde es zur Routine und die Kletterer suchten sich neue Herausforderungen. Kurze Zeit später wurden die ersten Tricks und Übungselemente entwickelt, wie beispielsweise das Drehen, Hinsetzen, Liegen und auch das Surfen, d.h. stehend auf der Kette hin und her schaukeln (vgl. Müller, 2007, S.3-4). Scott Balcom, ein junger Kletterer, schreibt in seinem Buch Walk the Line3 von der Beobachtung zweier junger Männer im Yosemite-Tal im Sommer 1983, die auf einem fix gespannten Stahlseil im Wald balancierten. Seine besondere Aufmerksamkeit galt jedoch nicht dem gespannten Stahlseil, sondern dem daneben gespannten Band, welches die jungen Männer zu Trainingszwecken nutzten. Balcom und sein Freund Chris Carpenter, der ihn begleitete, waren sofort fasziniert von den federnden Eigenschaften des Bandes. Balcom selbst war nach eigenen Aussagen bei dem Versuch, ein Band zum Balancieren zu spannen, gescheitert, daher schienen ihm die Leistungen der beiden unglaublich: „Here was Adam Grosowski and Jeff Ellington with a command over the squirrellyness that made it look like a dance“ (Balcom, 2005, S.114). Adam Grosowksi und Jeff Ellington gelten seitdem als Pioniere, die anstelle einer starren Kette ein dynamisches Schlauchband aus dem Klettersport mit Karabinern zum Balancieren 3 Dieses Buch kann als erste und bisher einzige Slacklineliteratur bezeichnet werden. 4
  • Slacklinen – ein neuer Trendsport? zwischen zwei Bäumen spannten. Nach Ellington ist noch heute eine Flaschenzugvariante4 zum straffen Spannen von Slacklines benannt. Scott Balcom kehrte mit seinen Eindrücken zu seinem Bruder Ric Piegh und seinen Freunden Charles Tucker und Darrin Carter zurück5. Sie kauften sich im Bergsportladen ein entsprechendes Band und spannten dies zwischen zwei Bäumen. Mit etwas Übung konnten alle darauf laufen und Tricks vollführen. Die Eigenschaften des Bandes wurden gegenüber denen der Kette als weit überlegen eingestuft. Das bei normaler Beanspruchung im Klettersport als statisches Material – d.h. mit minimaler Gebrauchsdehnung – eingeordnete Band hatte, wenn man es über einige Meter spannte und darauf balancierte, eine angenehme Dehnung, vergleichbar mit den Eigenschaften eines sehr starken Gummibandes. Von diesem einzigartigen Gehgefühl waren alle Beteiligten begeistert (vgl. Müller, 2007, S.3-4). Die folgenden Jahre waren dadurch geprägt, dass immer mehr Kletterer im ‚Camp Four’ (ein Klettercamp im Yosemite Nationalpark in Kalifornien, welches immer noch als der bekannteste Treffpunkt der Kletterszene gilt) Slacklinen ausübten. Die Grenzen des Slacklinens wurden immer wieder aufs Neue herausgefordert. Man experimentierte mit verschieden starken Bändern, Längen, Abspannmechanismen und schließlich auch mit der Höhe, in der das Band gespannt wurde. So entstanden verschiedene Disziplinen, welche im nächsten Kapitel vorgestellt werden. Scott Balcom gelang nach intensivem mentalem Training die erste Highlinebegehung am Lost Arrow Spire6 am 13. Juli 1985. Damit inspirierte er viele nachfolgende Highliner, unter anderem seinen Freund Darrin Carter, den man damals aufgrund seines immensen Ehrgeizes als erfolgreichsten Slackliner im Highlinesport betitelte. Carpenter berichtet in The evolution of slacklining by Chris Carpenter über Carter: „A demon inside Darrin was born. He could feel within himself that his purpose in life now made sense“ (Carpenter, o.D., S.5). Darrin Carter beging als erster ungesichert und allein aus sportlicher Motivation die 15m lange Slackline in über 900m Höhe über der Talsohle des Yosemite Valley (vgl. Junghannß, o.D., S.3f). Die Highline am Lost Arrow Spire wurde dadurch zu einem Mythos, um den sich zahlreiche Legenden und Geschichten ranken. 4 Bei diesem Prinzip wird reine Muskelkraft zum Spannen verwendet. Es ist somit möglich längere Distanzen zu spannen als mit einer Ratsche. Der Flaschenzug klemmt sich durch das ineinander Wickeln des Bandes selbst ab und benötigt keinen zusätzlichen Knoten. 5 Mitteilung von Scott Balcom in einer E-Mail am 14.01.2008 6 Eine Felsnadel im Yosemite Valley, die etwa 17m hervorragt (siehe Abb. 2) 5
  • Slacklinen – ein neuer Trendsport? Abb. 1: Scott Balcom, Erfinder des Slacklinens Abb. 2: Scott Balcom auf der „Spireline“ im Yosemite (Balcom, 2005, Titelbild) Valley (Quelle: www.slackline.net) Ric Piegh gründete 1998 ‚Slackline Brothers Inc.’ und bot das erste zusammengestellte Slackline-Set7 zum Verkauf an. ‚Asana Pack Works’ war die nächste Firma, ehe im Jahre 2004 Scott Balcom ‚SlackDaddy’ gründete und ebenfalls Slackline-Sets anbot8. Alle weiteren Sets, die seitdem auf den Markt gekommen sind, wurden mit einem Ratschensystem ausgestattet. Erst ‚Slackline-Tools’, ein weiteres kleines im Frühjahr 2007 in Deutschland gegründetes Unternehmen, bietet wieder Sets basierend auf der traditionellen Methode des Flaschenzuges nach Jeff Ellington zum Verkauf an. Heinz Zak, Extremkletterer und Bergfotograf aus Österreich, wurde auf diese Bewegungs- praktik durch seine Kletterreisen ins Camp Four aufmerksam. In Europa gilt er als Slacklinepionier, der diese Form des Balancierens um die Jahrtausendwende nach Europa brachte. Das erste Slackline-Set, das in Europa auf den Markt kam, wurde von ihm in Zusammenarbeit mit der Seilerei Peter (Allgäu) für ‚Mountain Equipment’9 entwickelt. Dieses Set ist seit 2005 in Sportfachgeschäften käuflich erwerbbar. Außerdem wohnte Zak Dean Potters10 legendärer ungesicherter Highlinebegehung 2003 am Lost Arrow Spire bei und dokumentierte diese Überschreitung in Foto und Film und später im Film Highliner. Im Juli 2006 eröffnete Zak das „1. Internationale Slackline-Treffen in Scharnitz“. Dort begrüßte er rund 250 aktive Slackliner aus Deutschland, Österreich, Norwegen, Neuseeland, Russland und der Schweiz, die sich dort zwei Tage lang zum Austausch von Ideen, Tricks 7 Ein Slackline-Set besteht meist aus 2 Rundschlingen für den Fixpunkt (z.B. ein Baum oder ein Holzpfosten), Materialien für einen Spannmechanismus und der eigentlichen Slackline, welche in verschiedenen Längen erhältlich ist. Die fertigen Sets werden in der Regel in passenden Beuteln zur Aufbewahrung verpackt und mit einer Aufbauanleitung angeboten. 8 Mitteilung von Scott Balcom in einer E-Mail am 14.01.2008 9 Mountain Equipment ist ein britischer Hersteller hochwertiger Outdoorausrüstung. Zum vertriebenen Slackline-Set siehe: http://www.globetrotter.de/de/shop/detail.php?mod_nr=me_73601&k_id=&hot=0 10 Dean Potter ist ein bekannter Extremkletterer, der häufig mit ungesicherten Kletteraktionen Schlagzeilen macht. Er war der vierte, der die Highline am Lost Arrow Spire im Jahre 1998 beging. 6
  • Slacklinen – ein neuer Trendsport? und Erfahrungen eingefunden hatten. Das weitere Programm bestand aus der Vorstellung des Films Highliner und einem Konzert der Hardrockband ‚Caveman’. Man feierte bis in die späte Nacht und manche sprachen danach von einer Woodstock-Stimmung (vgl. Hempel, 2006). Dieser Event scheint in Europa den Grundstein für weitere Slacklinetreffen gelegt zu haben. Im Jahr 2007 fanden bereits mehr als 10 solcher Zusammenkünfte in ganz Deutschland statt, welche sich großer Beliebtheit erfreuten und auf denen bereits erste Wettkämpfe mit nicht offiziellen Regeln ausgetragen wurden. Seit einem Slackline-Treffen im Herbst des Jahres 2007 in Radolfzell gibt es in deutschsprachigen Foren Diskussionen und Planungen für die Gründung eines Slacklineverbandes mit einheitlichen Regeln für die Durchführung von Wettkämpfen. 2.2 Darstellung und Eigenschaften unterschiedlicher Slacklines In diesem Kapitel wird eine Einteilung des Slacklinens in verschiedene Disziplinen vorgenommen. Dabei ist der Autor der Ansicht, dass generell zwischen ‚Lowlines’, d.h. Höhen aus denen ein gefahrloses Abspringen noch möglich ist11, und ‚Highlines’, die aus Sicherheitsaspekten in nicht weniger als 8m12 bis in beliebige Höhen gespannt werden können, zu unterscheiden ist. 2.2.1 Lowlines Niedere Slacklines, als ‚Lowlines’ bezeichnet, können weiter in ‚Tricklines’, ‚Rodeo- oder Freestylelines’, ‚Longlines’, ‚Jumplines’ (häufig Sprunglines genannt) und als neuere Disziplin ‚Wasserlines’ differenziert werden. Die Trickline stellt die gebräuchlichste Art der Lowlines dar. Anfänger beginnen normalerweise auf einer Trickline und lernen auf der etwa knie- bis hüfthohen Line die ersten Schritte und Tricks. Der Untergrund sollte weich und sicher sein, am besten Gras- oder Sandboden. Mit Hilfe eines „Spotters“13 kann die Angst beim Aufsteigen auf die Slackline überwunden werden. Sobald die ersten Schritte klappen kann sich der Anfänger den verschiedensten Tricks zuwenden, angefangen z.B. mit einer Drehung, Hinsetzen oder 11 Lowlines reichen bei Anfängerlines von Kniehöhe bis zu einer Höhe von 2-3m (Longlines). 12 Das zusätzliche Sicherungsband für den Slackliner, welches an einen Klettergurt geknotet wird, hat etwa eine Länge von 2m. Rechnet man zusätzlich die Dehnung der highline leash und den Durchhang der Slackline unter Last bei einem Sturz und die Größe einer Person dazu, dann sollten mindestens etwa 8m Höhe vorhanden sein, damit der Slackliner bei einem unkontrollierten Sturz nicht auf dem Boden aufkommt. 13 Ein Partner, der neben dem Anfänger steht, kann Hilfestellung beim Aufsteigen auf die Line geben, vgl. auch das Verb „spotten“. 7
  • Slacklinen – ein neuer Trendsport? Hinlegen auf der Line. Den Tricks sind keine Grenzen gesetzt, auch Anfänger können hier bereits ihre Kreativität voll entfalten. Longlines stellen eine weitere, derzeit sehr beliebte spielerische Art von Slacklines dar. Entsprechend dem Wortsinn geht es darum, immer längere Entfernungen zwischen den Fixpunkten auf der Slackline zu absolvieren. Allerdings herrscht unter Slacklinern bisher keine Klarheit darüber, ab welcher Länge man von einer Longline spricht, so dass eine individuelle Einteilung möglich ist. Für Anfänger sind z.B. schon 20m eine fast unlösbare Aufgabe. Zum Zeitpunkt dieser Arbeit liegt der Weltrekord von Damian Cooksey bei einer Länge von über 154m14. Aktuell werden bereits Versuche mit einer 200m langen Line durchgeführt und so die Grenzen von Mensch und Material ausgetestet. Bei langen Lines besteht die Schwierigkeit darin, das Band hart genug zu spannen, um nicht aufgrund des Durchhangs in der Mitte den Boden zu berühren. Dabei kommen oft teure Gerätschaften wie z.B. ein Kettenzug zum Einsatz, mit dem es möglich ist, eine hohe Vorspannung von über 1t aufzubringen. Für die Messung der aufgebrachten Kraft und der auftretenden Kräfte bei der Belastung durch einen Slackliner werden häufig Kraftmesser in den Aufbau integriert. Lines von über 100m Länge müssen daher mindestens in zwei bis drei Metern Höhe angebracht werden – eine große technische, physische und psychische Herausforderung. Eine weitere Variante stellt die Jumpline dar. Diese wird im Unterschied zur Trickline sehr hart und üblicherweise über eine Länge von ca. 8m gespannt. Eine sehr harte Vorspannung ist hierbei notwendig, um ähnlich wie bei einem Trampolin die dynamischen Impulse der Line für Sprünge nutzen zu können. Beliebte Sprünge sind ein Salto vorwärts oder rückwärts als Abgang oder mit Landung auf der Line, Drehsprünge und Sprünge in die Höhe oder Weite. Rodeo- bzw. Freestylelines sind nicht fest gespannt sondern werden mehr oder weniger quot;schlappquot; aufgehängt und ähneln somit dem klassischen Schlappseil aus dem Zirkus. Aufgrund des Durchhangs ist das Begehen solcher Lines wesentlich schwieriger, außerdem können schwere Stürze passieren, da die Line ruckartig auf eine Seite ausweichen kann. Die Tricks auf diesen Lines beschränken sich im Normalfall auf Gehen, Umdrehen, quer Stehen, Liegen und Surfen, wobei letzteres eher einem langsamen und kontrollierten hin und her Schwingen entspricht. Slacklinen auf Rodeolines stellt ein gutes Training für Longlines dar, da in beiden Fällen die Line sehr ruhig unter dem Schwerpunkt des Slackliners gehalten werden muss. 14 Gelaufen am 10.Juli 2007 in München, Quelle: http://en.wikipedia.org/wiki/Slackline 8
  • Slacklinen – ein neuer Trendsport? Eine neuartige Form der Balancierkunst sind so genannte Wasserlines, Slacklines über Wasser. Durch den fehlenden festen Untergrund als Möglichkeit zum Absteigen und als optischen Fixpunkt, ist das Begehen einer solchen Line anfangs meist wesentlich schwieriger als über festem Grund. Nach einer gewissen Übungsphase kann man Wasserlines jedoch gut nutzen um die Landung bei speziellen Sprung-Tricks wie beispielsweise Salti ohne Verletzungsgefahr zu üben, wobei aber auch Stürze ins Wasser nicht immer schmerzfrei sind. Einen Unterschied in der Begehung gibt es außerdem zwischen stehenden und fließenden Gewässern, da die Wasserbewegung zusätzlich ablenkt und das Gleichgewichtsempfinden stört. 2.2.2 Highlines Das Highlinen findet als Königsdisziplin des Slacklinens immer mehr Anhänger. Wagemutige sichern sich mit der so genannten highline leash an einer redundant15 befestigten Slackline in Schwindel erregender Höhe, d.h. in einer Höhe, aus der ein einfacher und gefahrloser Absprung auf den Untergrund nicht mehr möglich ist. Die Abstände bis zum Boden reichen von wenigen Metern bis zu einigen hundert Metern. Einen besonderen Nervenkitzel bieten Lines über einem natürlichen Abgrund oder einer Schlucht. Bei dieser Disziplin spielt nicht mehr allein die Gleichgewichtsfähigkeit eine Rolle, sondern vor allem der psychische Faktor der Höhe. Der Bau von Highlines wird weiterhin absoluten Experten vorbehalten sein, doch es zeichnet sich ab, dass immer mehr Anfänger und Fortgeschrittene diesen Kick ausprobieren und sich dabei „neu erleben“ wollen. Highlines nehmen inzwischen einen festen Platz in Workshops ein, wobei sich Anfänger in der Regel nicht um den Aufbau kümmern müssen, diesen jedoch erlernen können. Diese grobe Unterteilung in Lowlines und Highlines ist ein Vorschlag des Autors, da es bisher keine offiziellen Standards zur Bezeichnung von Slacklines gibt. Die Einteilung in Lowline und Highline soll damit hauptsächlich zwei Extreme hervorheben, welche sich nicht nur hinsichtlich ihrer Aufbauart, sondern auch hinsichtlich der physischen und psychischen Komponente unterscheiden. Des Weiteren obliegt es jedem Slackliner selbst zu definieren, ab welcher Länge er z.B. von einer Longline spricht oder welche Vorspannung er für eine Trickline oder Sprungline wählt. Es gibt zudem keine Regeln und Richtlinien für den Aufbau einer Slackline. Die Freiheit, die eigene Line so abzuspannen, wie man es aufgrund der vorhandenen Gegebenheiten für richtig hält, ist vermutlich das, was Slacklinen so reizvoll 15 Dabei handelt es sich um zwei separate Systeme, welche im Fall eines Linerisses vor dem Absturz schützen. 9
  • Slacklinen – ein neuer Trendsport? macht. Claudius Biehl wird auf der Website der Firma Slackline-Tools unter der Rubrik ‚Philosophie’ folgendermaßen zitiert: „Slacklinen, ein Sport, der widerspiegelt, was in der heutigen Gesellschaft immer wieder gefragt ist: Flexibilität, Lockerheit, Spannung, Kreativität, Anpassungs- fähigkeit, Konzentration, Fokussierung, Wille und natürlich Balance. Zur Erprobung all dessen bietet Slacklinen den idealen Raum, auch indem es Raum innovativ nutzt – im kreativen Sich-Bewegen zwischen Bäumen, Himmel und Erde. Der Sport erschließt sich aber nicht nur diesen Raum, sondern auch den öffentlichen. Slacklinen wird nicht „verbannt“ in die Sporthallen oder Spielfelder, sondern geschieht meist in Parks zwischen spazierenden Menschen oder mitten in der Stadt und findet immer wieder faszinierte Zuschauer. Der Slackliner wird damit auch zum Künstler – jedoch zum Künstler einer Sportart, die jeder erlernen kann und grundsätzlich jedem zugänglich ist bzw. gemacht werden kann“ (Biehl, 2007). 2.3 Diskussionsansatz zur Definition des Slacklinens Nach dieser Kurzbeschreibung der Sportart und ihrer Disziplinen wird nun der Versuch einer Definition von Slacklinen unternommen. Dabei sollen sowohl verschiedene Begrifflichkeiten geklärt als auch auf das verwendete Material und bestimmte Merkmale dieser Bewegungsform eingegangen werden. Bereits hinsichtlich des Laufmediums, auf dem sich der Slackliner bewegt, existieren verschiedene Begriffe. In den meisten Beschreibungen wird der Begriff „Schlauchband“16 verwendet, z.B. unter www.slackliner.at oder in Presseartikeln. Fest steht, dass zu den Anfangszeiten des Slacklinens tatsächlich auf diesem aus dem Klettersport stammenden Material balanciert wurde. Heutzutage jedoch kommt das Schlauchband nur noch selten zum Einsatz. Die meisten angebotenen Slackline-Sets in Deutschland werden inzwischen aus kosten- und aufbautechnischen Gründen mit einem gewebten Flachband aus dem Industriebedarf zusammengestellt17. Das deutschsprachige Forum unter www.slackliner.de verwendet in seiner Beschreibung der Bewegungsform lediglich den Ausdruck „Band“. Dieser Ausdruck ist nach Meinung des 16 Ein in Schlauchform gewebtes Band, das beim Klettern zum Sichern und zum Standplatzbau verwendet wird. 17 Siehe die Sets von Slackline-Tools, Mountain Equipment, Singing Rock und Gibbon und die Sets von Seilereien wie Slackstar und Sicherungsprofi. Lediglich das Set von AustriAlpin wird mit einem Schlauchband geliefert. 10
  • Slacklinen – ein neuer Trendsport? Autors bereits zutreffender, weil allgemeiner gehalten. Das Wort „Kunstfaserband“ trifft laut Slacklineexperten am besten auf das verwendete Material zu, da es sowohl das gewebte Schlauchband aus dem Klettersport als auch die für den Industriebedarf hergestellten und gewebten Gurtbänder mit einschließt. Slacklines aus Naturfasern wurden nach Kenntnis des Autors bislang nicht hergestellt. Eine Internetrecherche von Presseartikeln18 ergab, dass sehr häufig das Wort „Seil“ für das Laufmedium verwendet wird. Dieser nach Meinung des Autors fälschlicherweise verwendete Begriff lässt sich dadurch rechtfertigen, dass auch Laien sofort verstehen, um was es beim Slacklinen geht. Zwar bedeutet das Wort line aus dem Englischen übersetzt ‚Band’, ‚Schnur’ oder ‚Seil’ (vgl. Duden Oxford, 1992, S.196), doch geht es beim Slacklinen ausschließlich um das Balancieren auf einem „Band“, genauer auf einem Kunstfaserband mit 25mm und 35mm Breite19. Da Slacklinen in unserer Gesellschaft noch weitgehend unbekannt ist und in den Kinderschuhen steckt, wird übergeordnet und vereinfacht der Begriff „Seil“ verwendet. Es bleibt abzuwarten, ob der Begriff „Slackline“ jemals so bekannt wird wie beispielsweise der eingedeutschte Ausdruck Nordic Walking. Was die Bewegungsform betrifft, erscheint in vielen Kurzbeschreibungen häufig der Begriff „Seiltanzen“. Die Tübinger Zeitung Schwäbisches Tagblatt verwendet z.B. in einem Artikel über die Eröffnung des Slackline-Platzes am Institut für Sportwissenschaft der Universität Tübingen die Überschrift „Seiltanz über Schluchten“. Es ist nicht zu leugnen, dass eine Verwandtschaft zum Seiltanz besteht und dass Gemeinsamkeiten vorhanden sind, dennoch ist es vom Seiltanzen abzugrenzen20. Scott Balcom (2005) beschreibt in seinem Grundlagenwerk Walk the Line den Unterschied zwischen Seiltanz und Slacklinen folgendermaßen: „Wenn Passanten im Park jemanden auf einer Slackline sehen, denken viele sofort an Zirkus und Seiltänzer auf einem Stahlseil. ... Eine Slackline kann sehr straff gespannt sein, ist aber kein Seil sondern ein flaches Nylonband, welches zwischen zwei Ankerpunkten so straff gespannt wird, dass man darauf gehen kann.“ (Balcom zitiert nach Mountains2bRedaktion, 2007) Viele Anhänger der Bewegungsform sehen es daher als ihre Aufgabe an, Passanten eine korrekte Auskunft auf die Frage, ob man aus dem Zirkus sei, zu geben. Ein weit verbreiteter 18 z.B. Schwäbisches Tagblatt am 04.09.07; www.tagesspiegel.de am 07.01.08 19 Die Firma Gibbon bietet auch eine 50mm-Gurtvariante an. 20 Vgl. Müller (2007, S.5ff) „Slacklinen – eine gleichgewichtsorientierte Sportart“ und M2b Redaktion (2007) „Themenspecial Trendsport Slackline“. 11
  • Slacklinen – ein neuer Trendsport? Ehrenkodex ist es, interessierten Personen durch „spotten“ erste Erfahrungen auf einer Slackline zu ermöglichen (vgl. Mahler, 2006). Eine weitere Besonderheit von Slacklines ist die Dynamik und Dehnbarkeit des Bandes unter der Last des Slackliners. Es kann in verschiedene Richtungen ausweichen, was vom Slackliner ein ständiges aktives Ausgleichen erfordert. Nach Meinung des Autors könnte man auch umgekehrt argumentieren: das Band bewegt sich nicht von selbst, sondern kann sich nur durch die vom Slackliner zugeführte Energie hin und her bewegen: „Die Line ist der Spiegel Deiner selbst“, so Müller (2006, S.19). Dies bedeutet, dass sich die Slackline genau so verhält wie ihr Begeher, sie verändert sich jedoch nicht ohne sein Zutun. Wer sich ruhig auf der Line bewegt, muss nicht viel ausgleichen. Abschließend soll auf den amerikanischen Begriff des slacklining und seine Verwendung im deutschsprachigen Raum eingegangen werden. Generell ersetzt die deutsche Sprache bei vielen jungen Sportarten aus dem englischsprachigen Raum die Endung –ing durch die Endung –en. Mountainbiking wird zu Mountainbiken, snowboarding zu Snowboarden und inlineskating zu Inlineskaten usw21. Müller erklärt diesen Zusammenhang zwischen Verbbildung und Eindeutschung ausführlich. Er begründet die Begrifflichkeiten ‚Slacklinen’ und die Kurzform ‚Slacken’ mit den entsprechenden Begriffen ‚Mountainbiken’ oder auch ‚Biken’ und ‚Boarden’, welche inzwischen weit verbreitet und laut Müller deutsche Wortschöpfungen sind (2007, S.11f). Nach Klärung der Begrifflichkeiten könnte eine Definition des Slacklinens nach Meinung des Autors folgendermaßen lauten: „Slacklinen ist eine Bewegungsform, bei der man auf einem Kunstfaserband, gespannt zwischen zwei Befestigungspunkten, meist Bäumen, balanciert und Tricks vollführen kann. Aufgrund der Materialeigenschaft ist die Slackline elastisch und dehnt sich unter der Last des Slackliners. Sie verhält sich dadurch dynamisch und erfordert vom Slackliner ein Zusammenspiel aus Balance, Konzentration und Koordination.“ Diese Definition beinhaltet zum einen eine Beschreibung der Bewegungspraxis, zum anderen integriert sie das verwendete Material und das Anforderungsprofil aus sportwissenschaftlicher Sicht. 21 Dieser Ansatz der „Sporting“-arten findet sich auch bei Opaschowski 1997, S.108. 12
  • Slacklinen – ein neuer Trendsport? 3 Trendsport Die moderne Sportlandschaft verändert sich ständig: Neben traditionellen Sportarten tauchen immer wieder neue Bewegungsformen auf, was zu einem zunehmend unüberschaubaren Sportangebot führt. Häufig fällt in diesem Zusammenhang der Begriff „Trendsport“, mit dem viele neu aufkommende Bewegungspraktiken etikettiert werden. Auch Slacklinen wird in vielen Presseartikeln bzw. im Internet oft als Trendsport bezeichnet22. Doch ist es wirklich den Trendsportarten zuzuordnen? Sind bei der noch jungen Bewegungspraktik Merkmale vorhanden, welche auch für andere klassische und etablierte Trendsportarten charakteristisch sind? Was macht den Reiz dieser neuen Bewegungsform aus, die nüchtern betrachtet eigentlich kein Novum darstellt, sondern in ähnlicher Form dem Seiltanzen auf einem Stahlseil entspricht, welches aber bisher nur dem Akrobaten im Zirkus vorbehalten war? Was fasziniert immer mehr Menschen am Slacklinen und welche Bedeutung lässt sich den zahlreichen neu gegründeten, auf Slacklinen spezialisierten kleinen Unternehmen beimessen? Kann sich Slacklinen tatsächlich etablieren und in den Trendsportartenkanon einfügen oder verschwindet es bald wieder von der Bildfläche? Diese Fragen stehen im Fokus der folgenden Ausführungen zum Thema Trendsport. 3.1 Gesellschaftliche Veränderungen und ihre Auswirkungen auf den Sport allgemein Dieses Unterkapitel beschreibt die in einer Gesellschaft notwendigen Voraussetzungen, welche zur Wahrnehmung einer Bewegungsform wie Slacklinen führen können. Dabei werden zunächst gesellschaftliche Veränderungen und ihre Auswirkungen auf den Sport nachgezeichnet, bevor der Übergang zum Phänomen Trendsport und ein theoretischer Vergleich mit dem Slacklinen stattfindet. Im Zeitalter der globalen Transformation moderner Gesellschaften von einer Industriegesellschaft hin zu einer Wissens- und Informationsgesellschaft, unterliegen die verschiedenen Gesellschaftssysteme in Deutschland einem grundlegenden Wandel. Dieser Wandel ist einerseits bedingt durch fortschreitende Individualisierung und Globalisierung, andererseits spielen auch Rationalisierung, Technisierung sowie ökonomische und mediale Entwicklungen eine Rolle. Ein umfassender Werte- und Strukturwandel ist erkennbar und findet einen breiten Niederschlag, auch im Bereich der Freizeit und des Sports (vgl. Digel, 2001, S.27-30). 22 http://www.funsporting.de/funsporting+NEWS+Trends+Slacklinen_0238.htm; http://www.soap-box-derby.de/slacklinen-der-neue-trendsport-95.htm; 13
  • Slacklinen – ein neuer Trendsport? Das Phänomen Sport hat sich mittlerweile zu einem unverzichtbaren Bestandteil unserer Alltagskultur entwickelt. Durch den Prozess der Versportlichung unserer Gesellschaft hat der Sport eine fast einmalige Bedeutung und Beliebtheit erlangt, die sich durch fortschreitende Ausdifferenzierung auf das gesamte Spektrum des Sports erstrecken, vom Breiten- über Leistungs- bis hin zum Spitzensport. Der moderne Sport, so wie er in den verschiedenen Institutionen und Organisationen unserer Gesellschaft verankert ist, konnte sich durch Differenzierung, Pluralisierung und eine damit einhergehende Komplexitätssteigerung zu einem Massenphänomen entwickeln (vgl. ebd.). Die Versportlichung unserer Gesellschaft ging Hand in Hand mit einem Wertewandel, wie Digel (1990, S.659) eindrücklich belegt: „Die ehemals eher einheitliche Wertestruktur des Sports, die sich in erster Linie durch Fleiß, Bedürfnisschub, Anstrengung und Leistung in Training und Wettkampf ausgezeichnet hat, hat sich mit neuen Werten vermischt. Der Sport hat dabei seine traditionelle Symbolkraft durch eine Hinwendung zu vermehrter Rationalität und Wissenschaftlichkeit, durch einen offenen finanziellen Materialismus, und durch eine Hinwendung zum Individualismus und zum praktischen Hedonismus verloren. Das Prinzip des Fair-Play wird durch eine Erfolgsideologie unterhöhlt, und an Stelle der Solidarität ist der Eigennutz getreten. Im Sport ist es zu einer einseitigen Überbetonung der Interessen des Einzelmenschen und zu einer einseitigen Überbewertung von Lust, Vergnügen und Genuß gekommen.“ Die im Zitat angesprochene Individualisierung bildet ein wichtiges Merkmal im Zusammenhang mit dem Wandel im Sport, insbesondere im Trendsport, ab. Der derzeitige Sportboom wurde vor allem durch das Streben nach Individualisierung ausgelöst. Die Menschen verfügen über mehr Freizeit, eine höhere Bildung und allgemeinen Wohlstand. Doch die heutige Arbeitswelt und die traditionelle Sportwelt bieten kaum noch Möglichkeiten zur freien Entfaltung, die Experimentier- und Risikofreude kann immer weniger ausgelebt werden. Im Freizeitsport finden sich zwar verschiedene Gelegenheiten zur Bedürfnisbefriedigung (vgl. Breuer & Sander, 2003, S.39), es ist jedoch eine abnehmende Bindungswilligkeit der Menschen in ihrer freien Zeit festzustellen, d.h. sie wollen sich nicht an einen Verein binden und dadurch weitere Regeln befolgen und Verpflichtungen eingehen. „Aus diesem Grunde bleibt festzuhalten, dass der Organisation des traditionellen Sports heute eine informell, überwiegend hedonistisch orientierte Sportkultur gegenüber steht“ (Breuer & Sander, 2003, S.38). Es steht nicht der „Ernst“ im Vordergrund, sondern vorwiegend die 14
  • Slacklinen – ein neuer Trendsport? sinnliche Erfahrung, ein spielerisches Erleben und Spontaneität. An die Stelle einer klar definierten Bindung zum Verein sind wachsende Ich-Bezogenheit und Individualisierung getreten (vgl. Breuer & Sander, 2003, S.39). Diesbezüglich bietet besonders der Trendsport aufgrund seiner Vielfältigkeit für jeden Menschen genügend Möglichkeiten zur individuellen Entfaltung und Freizeitgestaltung. Auch Slacklinen stellt als junge, aufstrebende Bewegungsform eine Möglichkeit der individuellen Freizeitgestaltung bereit. Aufgrund der Tatsache, dass bislang kein Verein bzw. Verband mit Vorschriften bezüglich des Aufbaus einer Slackline-Anlage oder Regeln zum Slacklinen existiert, können jegliche Vorzüge der freien Entfaltung genutzt werden. Die Kreativität hinsichtlich der Gestaltung einer Slackline-Session wird positiv gefördert. Es besteht immer die Möglichkeit, sich einen individuellen „Lieblingsplatz“ zu suchen und sich für eine Sinnrichtung des Slacklinens zu entscheiden: Ästhetik, Vervollkommnung von Tricks, Variation der Länge der Slackline oder Verbesserung der Konzentrations- und Gleichgewichtsfähigkeit. Jeder der sich dem Slacklinen zuwendet, hat die Möglichkeit genau das zu finden, wonach er sucht. Selbst wenn innerhalb heterogener Gruppen verschiedene Werte und Ziele beim Slacklinen vorkommen, so können doch mehrere Menschen gemeinsam Spaß haben. Aspekte der sportlichen Herausforderung sind sowohl sozialen als auch psychischen Aspekten (wie z.B. der Förderung des sozialen Umgangs, der Gruppendynamik oder der Konzentrationsfähigkeit) untergeordnet. Für den Trendsport und dessen Entstehung ist des Weiteren die Globalisierung als zentraler Aspekt zu erwähnen. Der Trendsport gilt als markantes gesellschaftliches Beispiel globaler Veränderungsprozesse, wobei der Sport dabei nicht ausschließlich als einfache körperliche Aktivität, sondern als Bestandteil der Kultur einer Gesellschaft zu betrachten ist (vgl. Stumm, 2004, S.11f). Die Herausbildung bisher bekannter Trendsportarten wurde durch zwei Phänomene begünstigt. „Zum einen stellen das IOC (Internationales Olympisches Komitee, Anm. des Verfassers) und die internationalen Sportverbände im organisierten Sport globale Entscheidungsträger dar, die sich im Laufe des 20. Jahrhunderts zu globalen Organisationen entwickelt haben“ (Stumm, 2004, S.41). Zum anderen trugen der moderne Freizeitsport und die Sportartikelindustrie einen entscheidenden Teil dazu bei, dass eine Ausdifferenzierung und Vielfalt im Sport die Folge war und Trendsportarten in diesem Kontext hervorgebracht werden konnten (vgl. Stumm, 2004, S.41). „Die ‚Geburtsorte’ zahlreicher innovativer Bewegungsformen liegen in Kalifornien und haben sich von dort aus in andere Länder erfolgreich entfaltet“ (Stumm, 2004, S.59) – zur Erinnerung: auch Slacklinen wurde im 15
  • Slacklinen – ein neuer Trendsport? Yosemite Valley in Kalifornien erfunden. Dies stellt einen bemerkenswerten Zusammenhang in diesem Kontext dar und ist für den Sachverhalt der Entstehungsgeschichte des Slacklinens ein relevanter Ansatzpunkt. Der Prozess der Globalisierung lässt sich am Beispiel des Slacklinens sehr gut nachzeichnen. Die Protagonisten in den 80er Jahren waren Amerikaner, der Geburtsort befindet sich ebenfalls im Bundesstaat Kalifornien. Dort wurde von der Avantgarde der neuen Bewegungskunst lange Zeit getüftelt, und Slacklinen wurde zunächst nur regional im Klettercamp im Yosemite Nationalpark betrieben. Im Zuge der Globalisierung erreichte Slacklinen durch einzelne Anhänger der Sportart bald Europa. Während in Amerika fast zwanzig Jahre vergingen, bis fertig zusammengestellte und abgestimmte Sets zum Verkauf angeboten wurden, geschah dies in Deutschland innerhalb von nur fünf Jahren. Das ursprünglich von den Amerikanern verwendete Material mit Knoten und die herkömmliche Abspannmethode mit Flaschenzug fanden in den in Deutschland kommerziell vertriebenen industriellen Sets kaum Beachtung. Bei diesen Sets, welche in Zusammenarbeit mit Seilereien entwickelt wurden, werden Ursprungsmaterialien durch industrielle Materialien wie Ratschen, Rundschlingen und Schäkeln ersetzt. Auch beim eigentlichen Medium, dem Band, wich man auf Industriematerial aus, welches vorwiegend zur Ladungssicherung auf Lastwägen verwendet wird. Im Rahmen der Ausdifferenzierung des Sportsystems und seiner Unübersichtlichkeit scheint Trendsport zu einem Begriff geworden zu sein, der als Synonym für jede neue aufkommende Bewegungspraktik steht. Dabei wechselt und entwickelt er sein Bild ständig. Die Art des Sports, die zum jetzigen Zeitpunkt als Trendsport gilt, kann wenige Monate später bereits wieder aus dem engen Kreis der Trendsportarten verschwunden sein. Nachdem die gesellschaftlichen Veränderungen zusammengefasst dargestellt wurden, steht nun eine Untersuchung der Frage an, ob es sich beim Slacklinen um einen neuen Trendsport handelt, bzw. ob es dazu werden kann. Diesbezüglich wird im Vorfeld auf die Problematik des Begriffs Trendsport eingegangen und anschließend hinterfragt, ob es sich bei dem Begriff „Slackline“ um eine Metapher handelt. 16
  • Slacklinen – ein neuer Trendsport? 3.2 Begriffsproblematik „Trendsport“ Der Begriff des Trendsports stellt im deutschsprachigen Raum eine Besonderheit dar und subsumiert zugleich eine scheinbar unübersichtliche Vielfalt neuer Bewegungspraktiken. Im Duden wird dabei von „Sportarten, die im Trend liegen“ gesprochen (Duden, 1999, S.745). Damit bleibt jedoch weiterhin unklar, was der Begriff Trendsport letztlich umfasst. Die Schwierigkeit einer Definition des Begriffes Trendsport erwächst aus eben dieser nicht eindeutigen Festlegung und Eingrenzung des Sports. Ursprünglich stammt das Wort „Sport“ aus der lateinischen Sprache und entwickelte sich im Französischen zu (se) de(s)porter, „(sich) zerstreuen“, „(sich) vergnügen“ (vgl. Breuer & Sander, 2003, S.43). Aus dieser Begrifflichkeit wurde im Englischen das Wort sport, eine Kurzform von disport („Zerstreuung“, „Vergnügen“). Die deutsche Sprache des 19. und früheren 20. Jahrhunderts benutzte das Wort „Sport“ „als umfassende Bezeichnung für alle mit der planmäßigen Körperschulung und mit der körperlichen Betätigung im Wettkampf und Wettspiel zusammenhängende Belange“ (Breuer & Sander, 2003, S.43). In diesem Kontext wird Sport auf den modernen Wettkampfsport reduziert, der sich international verbreitete (vgl. Breuer & Sander, 2003, S.43). Der Sport hat sich jedoch mit der Entstehung des modernen Freizeitsports ausdifferenziert und damit den organisierten Wettkampfcharakter in Frage gestellt. Sport wird somit nicht nur im traditionellen Sinne interpretiert, sondern als körperliche Aktivität angesehen, die als wichtiger Bestandteil der Gesellschaften gilt (vgl. Stumm, 2004, S.60). Um der Problematik einer Eingrenzung des Begriffs ‚Sport’ zu begegnen, „wird allgemein versucht, mit sog. Komposita (Wortzusammensetzungen) den Bewegungsformen eine bestimmte Bedeutung zu geben, so dass beispielsweise von Wettkampfsport, Freizeitsport, Breitensport, Gesundheitssport, Extremsport oder eben auch ‚Trendsport’ gesprochen wird“ (Stumm, 2004, S.61). In diesem Zusammenhang erwächst aus dem Begriff Trend eine weitere Unklarheit, da er für unterschiedlichste Phänomene verwendet wird (vgl. Wopp, 2006, S.13), zum einen als Vorhersage (z.B. Wetterprognose), zum anderen als Bezeichnung für neue Entwicklungen und Produkte. Nach Wopp bezeichnet der Begriff Trend zudem etwas, das in eine bestimmte Richtung verläuft. Laut Duden wurde er dem Englischen to trend entlehnt und meint dort, „sich neigend“, „sich erstreckend“ oder „in eine bestimmte Richtung verlaufend“ (zitiert nach Wopp, 2006, S.14). „Trends sind von Menschen bewirkte Grundrichtungen von Entwicklungen in der Gesellschaft, durch die Handlungen großer Bevölkerungsgruppen 17
  • Slacklinen – ein neuer Trendsport? nachhaltig beeinflusst werden“ (Wopp, 2006, S.14). Wie lang eine Entwicklung bzw. ein Trend anhält, kann laut Stumm nicht vorhergesagt werden: „Die Dauer eines Trends bleibt relativ offen. Der Zeitraum richtet sich lediglich nach statistischen Fakten und kann daher sowohl auf einen Tag (z.B. an der Börse) oder auf mehrere Monate bzw. Jahre (z.B. Inflation, Arbeitslosigkeit) bezogen werden und sowohl eine positive als auch negative Konnotation haben“ (Stumm, 2004, S.61). Der Begriff Trendsport wird dabei generell zur Kennzeichnung von neuartigen und lifestylegerecht aufbereiteten Bewegungspraktiken verwendet, denen kurz- oder mittelfristig ein erhebliches Verbreitungspotenzial vorhergesagt werden kann. Schwier verwendet den Begriff Trendsport „zur Kennzeichnung jener Veränderungstendenzen des Sports, die (explizit oder implizit) mit bewegungskultureller Erneuerung und Innovation hervorgehen“ (Schwier, 2002, S.18). Trends im Sport sind ferner dadurch gekennzeichnet, dass sie unsere gewohnten Sportvorstellungen überschreiten und zuvor unbekannte oder vernachlässigte Auslegungen des menschlichen Sich-Bewegens in den Horizont rücken. Trendsportarten weisen diesbezüglich den Charakter des ‚Andersseins’ auf und stehen dadurch in Gegensatz zum traditionellen Sport. In diesem Zusammenhang hat Schildmacher (1998, S.16f) zentrale Bewegungsrichtungen des Trendsports23 ermittelt: • Vom Indoor-Sport zur Outdoor-Variante (z.B. Beachvolleyball) • Vom normierten zum unnormierten Sport (z.B. vom Basketball zum Streetball) • Vom großen Mannschafts- zum kleinen Gruppensport (Sportspielvarianten) • Vom geschützten zum risikoreichen Sport (Extrem- und Risikosport) • Vom verbindlichen zum unverbindlichen Sport (z.B. vom Verein zur Szene) Stumm (2004, S.65) definiert Trendsportarten folgendermaßen: „Trendsportarten stellen innovative Bewegungspraktiken dar, die sich von dem klassischen etablierten Sport (zunächst) abgrenzen und sich in einem mittel- bzw. langfristigen mindestens relativen Wachstum der Nachfragesteigerung über lokale Grenzen hinweg entfalten.“ Bezug nehmend auf den Begriff „Sportart“ schreibt Wopp hingegen in seinem Handbuch zur Trendforschung im Sport, dass „Sportarten“ als Wettkampf organisierbar sind, weil sie eindeutig definierte, messbare Ziele mit einem internationalen Regelwerk haben. Dazu gehören z.B. alle Disziplinen der Sportfachverbände. Es gibt jedoch Bewegungs- und 23 Schildmachers so genannte „Trends im Sport“ stellen eine weitere Möglichkeit zur Untersuchung von Trendsportarten dar, werden jedoch in dieser Arbeit nicht weiter erläutert. 18
  • Slacklinen – ein neuer Trendsport? Spielformen, in denen keine Wettkämpfe durchgeführt werden, die jedoch aus Sicht der Handelnden als sportlich bezeichnet werden. Dazu gehören z.B. viele Angebote aus dem Gesundheitssport, wie Nordic Walking oder Rückenschulen. Solche Praxisformen werden als „Sportformen“ bezeichnet (vgl. Wopp, 2006, S.75). Dieser Sicht folgend ist Slacklinen noch keine „Sportart“ bzw. „Trendsportart“, sondern eine Sport- bzw. Bewegungsform. Aufgrund seiner geschichtlichen Entwicklung kann man jedoch, im Unterschied zur Mode, von einem sportiven Trend sprechen, da es sich über mehrere Jahre im Bewusstsein der Sporttreibenden verankert und als Praxis etabliert hat (vgl. Schwier, 1998, S.7), aber noch kein einheitliches Regelwerk besitzt und noch nicht in einem Verein oder Verband organisiert ist. Zum Zeitpunkt der Erstellung dieser Arbeit finden erste Gespräche zur Gründung eines Slacklineverbandes statt, welcher z.B. Wettkampfregeln aufstellt24. Erste Kooperationen mit Verbänden anderer Sportarten bestehen bereits. Hierfür lässt sich z.B. aktuell das Engagement von Harald Dippe nennen, der für den bayerischen Turnverband Slackline-Schnupperkurse anbietet und regelmäßig Lehrer, Therapeuten, Trainer und Interessierte zum Thema Slacklinen weiterbildet (vgl. Dippe, 2008). Im Gegensatz dazu vertreten Slackliner zum Teil die Ansicht, dass durch die Gründung von Verbänden und Vereinen der „Spirit“ des Slacklinens verloren ginge. Diesen Standpunkt teilt auch Thomas Huber, Extremkletterer und Hauptdarsteller des Filmes Am Limit: „Weltweit gibt’s keinen einzigen Club.“ Vereinsmeierei sei den Gleichgewichtskünstlern laut Huber eher zuwider, die Slackliner seien als „freakige Gesellschaft“ auch in Zukunft nicht an einer offiziellen Vereinigung interessiert (vgl. Tagesspiegel 07.04.07). 3.3 Trends als Metaphern Ein Hinweis darauf, dass Trends oft als Metaphern verwendet werden, ist im Handbuch zur Trendforschung im Sport von Christian Wopp zu finden. Wopp stellt folgende These auf: „Trends sind häufig sogenannte „Magic Words“ in Form von Metaphern als massive Verdichtungen von Themen, die im Bewusstsein großer Bevölkerungsgruppen verankert sind“ (Wopp, 2006, S.22). Es lässt sich die Vermutung aufstellen, dass es sich bei dem Begriff ‚Slackline’ um ein solches „Magic Word“ handelt. Nimmt man den Wortteil slack heraus, so kann man ihm eine Mehrdeutigkeit beimessen. Das Nomen slack als Teil des Wortes ‚Slackline’ bedeutet übersetzt „Durchhang“ (Langenscheidts Taschenwörterbuch, 24 Diskussionsthema mit dem Titel „Slackline-Wettkampf-Regeln“ unter www.slackline.at, 28.08.2008 19
  • Slacklinen – ein neuer Trendsport? 1990, S.541). Dieser ist gegeben, wenn eine gespannte Line unter der Last ihres Begehers durchhängt. Verwendet man den Begriff slack als Adjektiv, so lässt es sich, wie bereits erwähnt, aus dem Englischen mit „locker“, „lässig“ und „lose“ (Langenscheidts Taschenwörterbuch, 1990, S.541) übersetzen. Daraus könnte man ableiten, dass dies auch als Synonym für die Gemeinschaft der Slackliner steht. Der Zeitungsartikel „Lässiger Sport auf lockerem Band“ aus dem Konstanzer Südkurier (2006) gibt durch das Zitat „...und die Stimmung unter den Slacklinern ‚lässig’“ einen Hinweis darauf25. Heinz Zak sagte in seiner Begrüßung zum „1. Internationalen Mountain Equipment Slackline-Treffen“: „Das Wichtigste ist, dass wir eine lässige Zeit miteinander haben“ (vgl. Hempel, 2006). ‚Lässig’ meint in diesem Sinne die Entspanntheit und Zwanglosigkeit der Gruppierung. Slackliner genießen die Freiheit sich eine Sinnrichtung des Slacklinens herauszusuchen, spannen ihre Slackline nach Lust und Laune und genießen das Aufblühen im eigenen Tun. Slacklinen in lockerer, geselliger Runde, in der es keinen Zwang zur Überbietung der anderen gibt, ist vermutlich ein Lebensstil, durch den viele Menschen im Alltag abschalten und Abstand gewinnen können. Interessant erscheint die Tatsache, dass das Verb to slack in die deutsche Sprache mit „locker werden“ oder „sich lockern“ (Duden Oxford, 1992, S.322) übersetzt wird und metaphorisch interpretiert eine Aufforderung enthält sich auf der Slackline zu lockern und nicht verkrampft darauf zu stehen. Diesen Umstand beschreibt Scott Balcom treffend wenn er sagt: „It´s important to be relaxed. If you relax completely, you would fall off. – Try to relax almost completely“ (Balcom, 2005, S.58). Auch nach Müller bildet diese Metapher des „sich lockerns“ bzw. des „Lockerseins“ einen der Grundzüge der Slacklinebewegung ab (vgl. Müller, 2007, S.12). 4 Ansätze und Modelle zur Zuordnung von Sportarten zum Trendsport Nach der Einführung ins Slacklinen und der Darstellung der Trendsportproblematik ist nun in diesem Kapitel anhand typischer Merkmale (Schwier, 1998, 2002) und anhand zweier klassischer Trendsport-Entwicklungsmodelle (Schwier sowie Lamprecht und Stamm) eine mögliche Einordnung des Slacklinens in den Kanon der Trendsportarten zu prüfen. Im Anschluss werden die von Volker Nagel aufgestellten Akzeptanz-Kriterien, welche als Basis für die im Fragebogen modifizierten Fragen dienen, dargestellt. 25 Im empirischen Teil der Arbeit soll dieser Sachverhalt der „Magic Words“ nochmals aufgegriffen und mittels einer Frage nach drei Adjektiven zur Charakterisierung des Slacklinens weiter verfolgt werden. 20
  • Slacklinen – ein neuer Trendsport? 4.1 Charakteristische Merkmale von Trendsportarten im Allgemeinen und Slacklinen im Besonderen Die Trendsportmerkmale nach Schwier (1998, S.10f und 2002, S.22f) werden im folgenden Kapitel erläutert und auf Slacklinen angewendet. Schwier weist darauf hin, dass nicht jedes Merkmal in einer Praxis mitwirken muss, um einen Sport als Trendsport zu charakterisieren. Darüber hinaus betont er, dass die Merkmale keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben und dass auch Gegentrends, wie z.B. der Trend zur Entschleunigung, denkbar sind. Schwier unterscheidet im Wesentlichen sieben Merkmale: Stilisierung, Tempo, Virtuosität, Extremisierung, Ordalisierung sowie Sampling (vgl. Schwier, 1998, S.10) und Trend zum Event (ebd. 2002, S.28). Der ‚Aspekt der Stilisierung’ beschreibt die Tatsache, dass die Ausübung der Sportart oder der Bewegungsform über das eigentliche Sporttreiben im traditionellen Sinn hinausgeht. „Man geht eben nicht zum Skaten, sondern man führt – wenn auch als Teilzeitstylist – das Leben eines Skaters“, so Schwier (1998, S.10). Roy Wiemers beschreibt im Film Elements – Ein Slackline Abenteuer Slacklinen aus seiner Sicht folgendermaßen: „Ich würde sagen dass Slacklinen gar kein Sport für mich ist. Es ist eine Steigerung oder ein Gewinn für Dich. Es gehört einfach zum Leben dazu.“ Sporttreiben an sich wird immer mehr zum selbstverständlichen Moment eines Lebensstils, wobei die Distinktion26 und der Spaß am Sich-Unterscheiden, also an der Betonung des Andersseins, eine zentrale Rolle spielen. Slacklinen kommt somit dem von Schwier festgestellten Bedarf nach Selbstinszenierung und Differenz in komplexen Gesellschaften entgegen. Das Ausführen einer Bewegungsform wird zur kulturellen Ausdrucksform, „deren Code von Außenstehenden nicht vollständig zu dechiffrieren ist“ (Schwier, 1998, S.10). Dabei spielen die Sprache, Dresscodes und Gesten innerhalb der Szene27 eine wichtige Rolle. Jede Szene und jedes Individuum innerhalb einer Szene kreiert ihren bzw. seinen eigenen Stil, jede Gruppierung von Slacklinern hat ihre eigene Sprache. Nur die Angehörigen der jeweiligen Szene wissen, was unter den individuell festgelegten Bezeichnungen der Tricks zu verstehen ist. Die Freiheit, jeden Trick im eigenen Jargon auszudrücken, stellt eindeutig eine Stilisierung der Gruppen dar. Der Aspekt der Kleidung ist für das Stilisierungsmerkmal gesondert zu nennen. Natürlich lebt man auch das Leben eines Slackliners, die Kleidung ist meist locker, leger und lässig, vorwiegend Kleidung aus dem Klettersport. Die Ausübung einer Trendsportart wird der 26 „Die Unterscheidung des Subjekts von den anderen“ (Schulze, 2000, S.109). 27 „Eine Szene ist ein Netzwerk von Publika, das aus drei Arten der Ähnlichkeit entsteht: partielle Identität von Personen, von Orten und von Inhalten. Eine Szene hat ihr Stammpublikum, ihre festen Lokalitäten und ihr typisches Erlebnisangebot“ (Schulze, 2000, S.463). 21
  • Slacklinen – ein neuer Trendsport? Außenwelt durch entsprechende Kleidung demonstriert. Aus dem Skateboarden in die Modewelt übertragen sind z.B. die so genannten „Skaterschuhe“, welche kaum ein Sohlenprofil aufweisen und auch von ‚Nicht-Skatern’ getragen werden. Aus verschiedenen Trendsportarten haben sich Kleidungsmarken und -stile entwickelt, z.B. aus dem Klettersport („Prana“, „Chillaz“, „Monkey“, „Lost Arrow“, „E9“ u.a.), dem Snowboarden („Quicksilver“, „Zimtstern“, „Roxy“ u.a.), dem Windsurfen („Chiemsee“) und dem Skateboarden („Vans“). Beim Slacklinen findet zwar bisher keine speziell entwickelte Kleidung Verwendung. Die Herstellung und der Vertrieb foreninterner und von Slacklineherstellern eigens bedruckter T- Shirts, Mützen und Hosen können jedoch als erstes Ausdrucksmittel eines Lebensstils und damit einer Distinktion interpretiert werden. Die Kletterartikelhersteller „Lost Arrow“ und „Mammut“ haben bereits eine Kollektion mit Slacklinemotiven auf T-Shirts herausgebracht. Ebenso zu erwähnen sind T-Shirts mit den Aufdrucken bisheriger Slackline-Events. Es bleibt abzuwarten, ob sich weitere Hersteller, die traditionell im Klettersport beheimatet sind, dem Slacklinen zuwenden, oder ob sich eventuell ein neuer Industriezweig für speziell entwickelte Slacklinebekleidung bildet. Die rege Beteiligung in den Foren zeigt das allgemeine Interesse an diesem jungen Sport und an einem Austausch. Jeder Slackliner legt Wert darauf, seine „Sportart“ bekannter zu machen. Man ist von der Form des Sich-Bewegens auf dem schmalen Band überzeugt und versucht, diese Bewegungsform im Kanon der Sportarten zu etablieren, anstatt eine kleine elitäre Gruppe zu bleiben, getreu der Aufforderung: „Join Slackline Brothers Inc. in our quest to bring slackline to the world. Learn just how easy it is to become a member of this unique sport. You´ll be amazed, and hopefully intrigued enough to try it for yourself“ (Slackline Brothers Inc., 2006). Mit dem ‚Aspekt der Virtuosität’ ist Schwier der Ansicht, dass „in gewisser Hinsicht eine Neuentdeckung der ästhetischen Dimension des Sports“ stattfindet, welche die „traditionelle Hegemonie des binären Sieg-Niederlage-Codes und die damit verbundene rationale Leistungsproduktion stilbildend überschreitet“ (vgl. Schwier, 1998, S.11). Das Einüben, Perfektionieren und Neuerfinden von Tricks stehen im Vordergrund. Die kreative Auseinandersetzung mit der Bewegungsaufgabe und dem Bewegungserlebnis, verbunden mit freudigem Experimentieren und spielerischem Verbessern, sind zwei der wichtigsten Anreize, die Trendsportarten bieten können, wohingegen das Streben nach sportlichem Erfolg weitgehend nachgeordnet ist. 22
  • Slacklinen – ein neuer Trendsport? Schwier vertritt die Ansicht, dass die Virtuosität des Sich-Bewegens bei den jugendlichen Szenen der Skater, Streetballer, Surfer, Snowboarder, BMXer und Mountainbiker wohl am auffälligsten akzentuiert ist (vgl. Schwier, 1998, S.11). Hauptsächlich Sportarten wie Snow- oder Skateboarden, Windsurfen und Wellenreiten haben Bewegungen, die sich immer weiter perfektionieren lassen, zum Selbstzweck. Auch wenn diesen Sportarten ein relativ leicht zu erlernendes Bewegungsmuster zugrunde liegt, können sich Freaks von der breiten Masse durch neue, oft selbst erfundene und besonders schwierige Bewegungsformen abheben. So genannte Risiko- und Spannungselemente, d.h. Elemente, die nicht nur großen Trainingsaufwand sondern auch Mut erfordern, erweitern die Bewegungsvielfalt einer Sportart. Dies können zum Beispiel ‚Halfpipes’ oder Sprünge sein. Diese Elemente dienen gleichzeitig der Spezialisierung innerhalb einer Trendsportart und ermöglichen somit deren Ausdifferenzierung. So unterscheiden sich zum Beispiel die Mountainbikefahrer der Spezialdisziplinen Downhill und Cross Country nicht nur im verwendeten Material, sondern auch in der Kleidung. Vergleicht man Slackliner mit Skatern oder Snowboardern, so sind auch hier die Perfektionierung und Einübung von Tricks ein deutliches Indiz für die zentrale Rolle der Virtuosität. Beim Slacklinen scheint es vordergründig nicht um ein Überbietungsideal zu gehen. Slackliner sehen vielmehr das ästhetische Gelingen von Bewegungshandlungen als eigentlichen Sinn ihrer Balancierkunst. Die korrekte Ausführung von Tricks ohne Sturz von der Line lässt den Wunsch entstehen, diesen Augenblick immer wieder neu zu erleben. Dies betrifft nach Ansicht des Verfassers nicht nur Könner, welche im Erlernen neuer Tricks den eigentlichen Sinn des Slacklinens sehen, sondern auch Anfänger, die das sichere Stehen auf der Line und das erstmalige Meistern der vorgegebenen Länge als Bewegungshandlung immer wieder aufsuchen und als reizvoll empfinden. Es ist nicht verwunderlich, dass Slackliner es als „Sucht“ bezeichnen, ständig ihr Bewegungsrepertoire und ihren Bewegungshorizont erweitern zu wollen und dadurch zu wiederholtem Aufbau ihrer Slackline motiviert werden. „Wo dann der erste Schritte ging, das war einfach super und man wollte immer mehr, länger und höher. Einmal ausprobiert und Suchtgefahr. Ich habe es probiert und ich musste es immer wieder, das Gefühl ist immer noch da, einfach super“ (Straub, 2008). Slacklinen bietet somit eine kreative Plattform, welche durch die einzelnen Disziplinen (siehe Kapitel 2.2) Differenzierungsmöglichkeiten schafft. „If you dream it, you can do it, es gibt keine Grenze. Slacklinen ist so eine junge Sportart, bei der jeder Slackliner was Neues erfinden kann“ (Jakob, 2008). Demzufolge sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Angehörige lokaler Szenen unterrichten sich gegenseitig in neuen Bewegungshandlungen, 23
  • Slacklinen – ein neuer Trendsport? egoistisches Verhalten wird selten beobachtet28. Da Slacklinen keine Bewegungen vorschreibt, entwickelt jeder seinen individuellen Stil, individuelle Techniken und damit eine eigene Persönlichkeit. „Not only is it a good trainer for other sports, mainly board sports, but it´s also a sport that hasn´t been well-defined in terms of tricks. You can make your own style“ (Hestra, 2004). Dieses Zitat betont erneut die Individualisierungstendenz von Trendsportarten im Allgemeinen und Slacklinen im Besonderen. Lokale Gruppierungen geben ihren Bewegungshandlungen verschiedenste Bezeichnungen und unterscheiden sich damit von anderen Gruppen. Die so genannten Tricks und Moves sind häufig aus Amerika, dem Ursprungsland, übernommen worden. Dies spornt viele Jugendliche an selbst neue Bewegungen zu entwickeln, sodass die Szene fortlaufend innovative und immer anspruchsvollere Bewegungskunststücke hervorbringt (vgl. Schwier, 2002, S.26). Dies unterstützt wiederum die identitätsstabilisierende und distinktive Funktion von Trendsportarten. Der Aspekt der Stilisierung und der Virtuosität gehen somit Hand in Hand. Abb. 3: Slackliner beim Ausführen von Tricks. (Quelle: www.slackline-tools.de, 2007) Des Weiteren sind die Aspekte der ‚Extremisierung’ und ‚Ordalisierung’ zu nennen, welche hauptsächlich mit der Disziplin des Highlinens gleichzusetzen sind. Schwier ist der Ansicht, dass bei zahlreichen etablierten Trendsportarten der Suche nach dem Extremen, nach der letzten Grenze und dem ultimativen Limit eine herausragende Rolle zugeschrieben werden kann. Nach Schwier (1998) muss scheinbar immer wieder ein neues (subjektiv) unerreichbares Ziel gefunden werden, um sich lebendig zu fühlen, wobei die Intensität immer wieder wie zuvor erlebt werden muss. Thomas Jakob erläutert im Film Elements – Ein Slackline Abenteuer (2008) eindrucksvoll: „Highlinen bedeutet für mich eine extreme Auseinandersetzung mit meinem Unterbewusstsein. Sich einer psychischen Grenzsituation auszusetzen. Diese Grenze, an die man sich begibt, jedes Mal wieder zu überschreiten und einfach ruhig zu bleiben.“ Wendet 28 Der verfasser gehört seit Beginn seiner Slacklinekarriere verschiedenen Slackline-Gruppen an und kann dies bestätigen. 24
  • Slacklinen – ein neuer Trendsport? man nun das Merkmal der Extremisierung auf die Slacklinedisziplin Highlinen an, so muss festgestellt werden, dass diese Disziplin bisher von verhältnismäßig wenigen Leuten betrieben wird. Zwar entdecken immer mehr neue Anhänger dieser Bewegungskunst diese Disziplin als besonderen Reiz für sich, aufgrund der hohen psychischen Anforderungen wird das Highlinen nach Meinung des Verfassers jedoch weiterhin nur denjenigen vorbehalten bleiben, die sich im Aufbau der Line und der Sicherung äußerst kompetent fühlen. Lediglich Workshops eröffnen auch Neulingen die Möglichkeit, einmal diesen Kick zu erleben. Die an immer exotischeren Orten aufgebauten Highlines, z.B. die bereits genannte Begehung zweier Konstanzer Slackliner am Dent du Géant im Mont Blanc Massiv in 4008m Höhe (vgl. www.slackline-tools.de) und damit Europas höchste Highline, oder die Highline in Tasmanien am Totem Pole29 sowie die erfolgreiche Überschreitung einer Gletscherspalte, sind ein weiteres Indiz für das Merkmal der Extremisierung als Trend beim Slacklinen (speziell für das Highlinen). Besonders abgelegene und sehr ausgesetzte Orte werden ausgewählt, um sich mit den Lorbeeren des „Erstbegehers“ schmücken zu können. Abb. 4: Europas höchst gelegene Highlinebegehung am Dent du Géant im Mont Blanc Massiv, (Quelle: www.slackline-tools.de, 2007) In enger Verbindung mit dem Trend zur Extremisierung behandelt Schwier den Trend zur Ordalisierung30. Ein extrem ordalisches Verhalten zeigten Darrin Carter und Dean Potter: sie begingen unter Einsatz ihres Lebens ungesichert die über dem Yosemite-Tal auf einer Länge von 15m gespannte Spire-Line, nur um dadurch die Sinnhaftigkeit des eigenen Daseins 29 http://www.bergsteigen.at/de/bericht.aspx?ID=12839 30 „Das Ordal bezeichnete ursprünglich ein Gottesurteil oder ein rituelles Gerichtsverfahren in Stammeskulturen und traditionellen Gesellschaften, bei dem ein Akteur in der Begegnung mit dem Tod seine Unschuld bzw. seine Existenzberechtigung nachweisen sollte“ (Schwier, 1998, S.11). 25
  • Slacklinen – ein neuer Trendsport? unmittelbar zu bekräftigen. Ein Schritt daneben, ein kurzer Konzentrationsverlust und die Extremisten wären 900m tief in den Abgrund gestürzt. Das ungesicherte Überschreiten dieser Highline lässt sich laut Schwier mit der „Möglichkeit zur Erfindung neuer Extreme“ (1998, S.11) erklären. Das Merkmal der Ordalisierung in Bezug auf das Highlinen findet sich in Personen wieder, die sich freiwillig in lebensbedrohliche Situationen begeben (vgl. Schwier, 1998, S.11). „Man setzt sich einer Situation aus, die man hinterher eigentlich genießt, aber vorher eigentlich fürchtet. Währenddessen bin ich woanders“ (Jakob, 2008). Schildmacher beschreibt: „Der Körper wird der Psyche unterworfen und das Abtasten der eigenen Grenzen ist ein Schritt auf der Suche nach Authentizität“ (Schildmacher, 1998, S.18). Charles Tucker aus Kalifornien, genannt Chongo, Kletterlegende und dritter Begeher der Spire-Line, verriet den Teilnehmern des „1. Internationalen Mountain Equipment Slackline-Treffens“: „Mit soviel Luft unter den Füßen hatte ich Angst wie noch nie zuvor in meinem Leben“ (Tucker zitiert in Hempel, 2006). Einzig der Aspekt der Extremisierung ist auch im Bereich der Lowlines erkennbar, und zwar bei der Longline, Jumpline und bei der Trickline. Bei den beiden zuletzt genannten Disziplinen machen vermutlich der Aspekt der Virtuosität durch das Einüben und Perfektionieren von Tricks und der Aspekt der Extremisierung den Reiz aus. Immer spektakulärere Moves werden einstudiert, z.B. „720“ (Doppelschraube um die Längsachse), Salto vorwärts und rückwärts mit Landung auf der Line (ebenso Varianten mit halben Drehungen) sowie extrem komplexe Sprungkombinationen. „Es gibt nicht viele, die das so exzessiv betreiben wie wir das jetzt machen und versuchen, auch was möglich ist ein wenig raus zu schieben, einfach ein wenig mehr zu machen, mal schauen wo die Grenzen sind“ (Müller, 2008). Abb. 5: Damian Cooksey, Frontflip beim Event in Scharnitz (Quelle: www.slackline-event.com, 2008) Bei der Longline geht es im Sinne der Extremisierung eher darum die vorgegebene Länge zu meistern, wofür sehr ruhiges Gehen erforderlich ist. Ist die Line einmal in Schwingung 26
  • Slacklinen – ein neuer Trendsport? geraten, ist es sehr schwierig diese aufgrund ihres Eigengewichts wieder zu beruhigen31. Die Fähigkeit sich über einen längeren Zeitraum konzentrieren zu können, ist dabei eine entscheidende Voraussetzung und wird mit zunehmender Länge der Line immer stärker gefordert. Bezüglich der Länge der gespannten Longlines ist derzeit kein Ende abzusehen. Wie bereits erwähnt, liegt der Weltrekord zum Zeitpunkt der Erstellung dieser Arbeit bei einer Länge von über 150m, aufgestellt von Damian Cooksey im Herbst 2007. In Selbstversuchen erreichte der Verfasser selbst schon bei Längen von 40m trotz langsamem Gehen Pulswerte von über 150 Schlägen pro Minute – ein Beweis für die große körperliche und psychische Belastung solcher Begehungen. Besonderes bei dieser Disziplin des Slacklinens ist in letzter Zeit ist ein regelrechter Wettstreit entstanden. Meistens werden bei Events spontan so genannte contests32 veranstaltet. Bei der Longline geht es hierbei vorrangig um das erfolgreiche Begehen einer vorgegebenen Länge, bei Jumplines wurde hierfür beispielsweise schon von einem highjumpcontest gesprochen. Dabei überwindet man nach einem Absprung von der Slackline eine Stange in einer bestimmten Höhe, um danach wieder erfolgreich auf der Slackline zu landen. Die „Helden“ der Länge und der Höhe weisen Unerfahrene in das Geheimnis des ‚Longlinens’ und des ‚Springens’ ein und geben hilfreiche Tipps. Dies unterstreicht wiederum die Zusammengehörigkeit der community33, die contests stellen dabei einen friedlichen Wettbewerb dar. Nichts desto trotz zeigt das Abspannen von immer längeren Lines ein extremes Verhalten. „Die Extremisierung stellt im Feld des Sports einen dynamischen und quasi unaufhaltsam fortschreitenden Prozess dar, denn eine sportive Leistung und körperliche Belastung, die einmal erreicht oder gar überschritten wird, kann nicht mehr als Limit dienen“ (Schwier, 2002, S.27). Nachdem Damian Cooksey im März 2007 einen damals gültigen Weltrekord von 123,5m Länge aufstellte, wurde er mit der einleitenden Frage interviewt: „What inspired you to walk the world's longest slackline?“ Auf diese Frage antwortete er: „Just too to see what my own personal limits were, it's not about breaking other people's records, it's about finding your own personal limits and going beyond them. Walking a slackline is an individual experience“ (vgl. Avery, 2007). Auch auf der Ebene der Lowlines ist obiges Phänomen in ähnlicher Weise präsent: Hat man beispielsweise eine Länge geschafft, so kann man in gewisser Weise, in Anlehnung an das Modell von Schwier, durchaus von „Ordalisierung“ sprechen, zwar nicht unter Einsatz des 31 Viele sprechen dabei von so genannten ‚Wellen’ die durch die Line gehen und deren Begehen sehr schwierig gestalten. 32 Kleine Wettkämpfe mit kurzfristig festgelegten Regeln. 33 community: „Gemeinschaft“ (Langenscheidts Taschenwörterbuch, 1990, S.124) 27
  • Slacklinen – ein neuer Trendsport? eigenen Lebens, wohl aber unter dem Aspekt der Selbstmeisterung und des kurzfristigen „Heldseins“. Abb. 6: Damian Cooksey auf einer 100m langen Line beim Treffen in Scharnitz. (Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Bild:100m_slackline_scharnitz1.jpg, 2008) Der ‚Trend zum Sampling’ bedeutet nach Schwier, dass bereits existierende Sportdisziplinen und -praktiken aus ihrem angestammten Kontext herausgelöst und neu kombiniert oder sogar ‚re-mixed’ werden. Ganz im Trend dieses Samplings liegen die immer häufiger stattfindenden Multi-Sport-Events. Interessant ist, dass es nicht zur simplen Addition von Sportarten kommt, sondern dass eine eigene Symbolik entsteht (z.B. Triathlon) (vgl. Schwier, 1998, S.12). Der Aspekt des Sampling steht beim Slacklinen für die Mischung verschiedener Sportarten bzw. Bewegungsformen. Das Balancieren auf der Line greift z.B. Aspekte des Seiltanzens auf, während das vielfältige Ausprobieren neuer Tricks den Rückgriff auf turnerische Elemente belegt (z.B. ein Salto vorwärts oder rückwärts als Abgang oder mit Landung auf der Line). Auch die Kombination von Slacklinen und gleichzeitigem Jonglieren mit Bällen oder Keulen lässt sich diesem Aspekt zuordnen. Elemente des Yoga oder Thai Chi und die Suche nach der inneren Mitte rücken Slacklinen in den Bereich der meditativen Bewegungsformen. In Verbindung mit dem ‚Trend zum Event’ lassen sich die Slackline-Treffen bzw. -Festivals nennen. Hierbei steht das gemeinsame Spannen und Begehen von Lines im Vordergrund. Tipps und Tricks zum Aufbau, der Technik und zur Bewegung werden ausgetauscht oder neue Techniken vorgestellt. Die Tatsache, dass bei Slackline-Events unterschiedlichste Lines gespannt werden und somit die verschiedensten Disziplinen vertreten sind, lässt weitere Rückschlüsse auf den Aspekt des Samplings zu. Das Experimentieren mit unterschiedlichen Längen, Härten, Höhen usw. bietet die Möglichkeit sich ein großes Bewegungsrepertoire anzueignen und damit Bewegungserfahrung zu sammeln. Die Treffen werden meistens von lokalen Slacklinegruppen organisiert und mit einem Rahmenprogramm wie Filmpräsentationen, kleinen Wettbewerben und Live-Bands untermalt mit dem Ziel einen 28
  • Slacklinen – ein neuer Trendsport? nach Schwier benannten „Happening-Charakter“ (1998, S.12) zu erzeugen, die junge Sportart vorzustellen und damit ihren Bekanntheitsgrad zu erhöhen (vgl. ‚Woodstock-Stimmung’ Hempel, 2006). Thomas Jakob (2008) erklärt seine Einstellung zu Slackline-Treffen folgendermaßen: „Festivals wie das in Landshut sind eine super Möglichkeit andere Slackliner zu treffen, sich auszutauschen in Bezug auf Material und neue Tricks. Hier trifft sich eigentlich die ganze Slacklinecommunity.“ Slackline-Events sind ein Beweis dafür, dass die aktiven Teilnehmer (Sportler) und passiven Zuschauer auf der Suche nach Gemeinschaft sind und damit die bei großen Sport-Events starre Trennung von Athleten und Zuschauern aufheben wollen. Das eigene Sich-Bewegen wird mit dem Genuss professioneller Darbietungen, mit einer Partykultur und mit Produktwerbung verbunden (vgl. Schwier, 2002, S.28). Der Eventcharakter von Slackline-Treffen ist häufig von Internationalisierung geprägt. Auf großen Events werden so genannte „Stargäste“ aus aller Welt begrüßt. Damian Cooksey aus Amerika, Jan Galek aus Polen aber auch Charles Tucker, genannt „Chongo“, einer der Urväter des Slacklinens, wurden schon zu Events in Europa eingeladen. Globalistisches Denken und Austauschen von Erfahrungen sind hierbei die wichtigsten Aspekte der Events neben dem gemeinsamen Praktizieren der Bewegung und dem gemeinsamen Feiern. In Surf the Line – Meister im Slacklinen gekrönt beschreibt Harald Dippe (2008) in einer Zeitschrift des bayerischen Turnverbandes den letzten Event folgendermaßen: „Genau genommen fanden zwei Meisterschaften statt. Die des Vereinigten Königreiches - und ein internationaler Vergleich all jener begeisterten Anhänger, die dafür um die halbe Welt flogen. So fanden die Teilnehmer aus den USA, Deutschland und Österreich ein grandioses Ambiente und einen perfekt organisierten Wettkampf vor. ... Wie jung dieser Sport ist, wurde sehr schnell deutlich: es gibt keine Regeln und keine einheitlichen Sportgeräte. Deshalb bewerteten die Teilnehmer sich gegenseitig, was reibungslos funktionierte.“ Die Namensgebung des „1. Internationalen Mountain Equipment Slackline-Treffen“ zeigt, dass der Outdoorartikelhersteller Mountain Equipment die innovative Bewegungsform als Event-Marketing-Plattform nutzte und gleichzeitig die Aufnahme der neuen Bewegungsform in seine Produktpalette signalisierte. Bei Trendsportarten ist ferner zu beobachten, dass derartige Veranstaltungen zum Teil verschiedene Trendsportarten kombinieren (z.B. Surfen und Inlineskaten, Snow- und Skateboarden), und eine Nähe dieser Bewegungsformen zu bestimmten Musikrichtungen 29
  • Slacklinen – ein neuer Trendsport? bzw. juvenilen Stilen (z.B. Hip-Hop) thematisieren (vgl. Schwier, 2002, S.29). Slacklinen wird 2008 erstmals im Rahmen zweier Sportevents neben anderen Sportarten vertreten sein: Zum einen wird beim Surfweltcup 2008 in Österreich neben der Surfaction eine große Urban Style Area geplant, die als Rahmenprogramm neben „Parcour“, Skaten, Dirt-Biken und anderen „stylischen“ Sportarten auch eine „Slackline Area“ enthalten soll34. Zum anderen wird Slacklinen beim „The North Face Ice-Climbing World Cup“ in Saas Fee/Schweiz als „Side-Event“ vertreten sein35. In Slackline-Shows und Workshops für Anfänger soll Slacklinen damit tausenden Besuchern präsentiert werden. Diese Art von Eventisierung lässt vermuten, dass Slacklinen selbst in naher Zukunft zu den dominierenden Trendsportevents der Sportarten Inlineskaten, Streetball, Snowboarden, Wind- und Kitesurfen und Beachvolleyball gehören wird. Veranstaltungen dieser Art werden von Sponsoren im Vergleich zu „herkömmlichen“ Sportveranstaltungen bevorzugt unterstützt, sodass auch Slacklinen davon profitieren wird (vgl. Schwier, 2002, S.29). Trendsportarten zeichnen sich nach Schwier (1998, S.10) durch eine enorme Ausführungsgeschwindigkeit, hohe Aktionsdichte und einen abrupten Wechsel der Anforderungen aus. Über Geschwindigkeit erreicht der Sportler unter anderem den Ausdruck eines eigenen, individuellen Stils. Beim Slacklinen ist hier nach Ansicht des Autors eher ein Gegentrend, der Trend zur Entschleunigung, zu beobachten. Dieser ‚Trend zur Entschleunigung’ lässt sich mit dem Slacklinen besser in Zusammenhang bringen als der Trend zur Beschleunigung. Ein konkreter Hinweis ist auf dem amerikanischen Internetauftritt der Slackline Brothers Inc., die Slacklinen als „moving meditation“ bezeichnen, zu entdecken (vgl. Slackline Brothers Inc., o.D.). Man erkennt damit deutlich die Fokussierung auf die langsamen und ruhigen, konzentrierten Bewegungen, die Slacklinen auszeichnen. Ein weiterer Hinweis für die eher meditative Auslegung der Bewegungskunst findet sich auf der Website von „Slackline-Yoga“. Dort sind verschiedene Anleitungen zu Yoga-Techniken, welche auf die Slackline übertragen werden können, aufgeführt. Das Team um Slackline- Yoga hat eine einleitende DVD mit dem Titel Yogaslackers – Slackasana herausgebracht. Interessant ist die Tatsache, dass das Merkmal der Extremisierung und die Tendenz zur Entschleunigung beim Slacklinen nicht als Widerspruch gelten müssen. Greift man nochmals die Disziplinen Highline und Longline auf, so sind bei beiden Disziplinen Aspekte der Extremisierung ersichtlich. Jedoch kann diese Art der Extremisierung nur erfolgreich für den Slackliner verlaufen, wenn eine Entschleunigung stattgefunden hat. Die Entschleunigung 34 Mündliche Mitteilung von Tillmann Müller am 15.02.2008 35 http://www.mountain-life.ch/iwc/index.html, zugriff am 08.05.2008 30
  • Slacklinen – ein neuer Trendsport? beschreibt dabei eine „gezielte Verlangsamung einer [sich bisher ständig beschleunigenden] Entwicklung, einer Tätigkeit o.Ä.“36. Beschleunigung ist inzwischen charakteristisch für viele Lebensbereiche der Gesellschaft, sodass dieser Trend sehr häufig wieder aufgegriffen wird, um zur Ruhe zu kommen und wieder zu sich selbst zu finden. Abschalten vom Alltag, die Seele baumeln lassen, die Hektik des Alltags vergessen – diese Aspekte werden vermutlich beim Slacklinen auch in Zukunft eine wichtige Rolle spielen. Seine Gedanken frei machen, sich nur auf das Wesentliche konzentrieren, dies sind nach Selbstversuchen des Autors entscheidende Merkmale, die zur erfolgreichen Begehung einer Highline oder einer Longline beitragen. Demzufolge schließt eine Extremisierung eine Entschleunigung beim Slacklinen nicht aus. Zusammenfassend lässt sich Slacklinen nur schwer einem bestimmten Bereich zuordnen. Einerseits weisen die Tricks und Moves in Richtung Turnen und Akrobatik, andererseits spiegelt sein meditativer Charakter Elemente des Yoga und Thai Chi wieder, während seine Dynamik und der Szenestil Ähnlichkeiten zum Skate- und Snowboarden erkennen lassen. Kann Slacklinen inzwischen als etwas Eigenständiges bezeichnet werden oder gehört es weiterhin in den Bereich des Klettersports, in dem es seinen Ursprung hat? Fällt es aufgrund seiner Disziplinen Highline und Longline gar in die Rubrik des Risiko- und Extremsports? Die theoretische Analyse auf Basis des Merkmalskatalogs nach Jürgen Schwier hat gezeigt, dass dem Slacklinen alle genannten Merkmale eines Trendsports zugeschrieben werden können. Erste Indizien sprechen somit dafür, dass es sich beim Slacklinen nach den erwähnten Gesichtspunkten um einen Trendsport handelt. 4.2 Modelle zur Entwicklung von Trendsportarten Um den hochkomplexen Vorgang der Entwicklung von Trendsportarten zu untersuchen, existieren in der Sportwissenschaft verschiedene Modelle, die sich jeweils auf verschiedene Ebenen beziehen. Für die vorliegende Arbeit soll Slacklinen unter Berücksichtigung zweier häufig verwendeter Modelle analysiert werden. Hierfür wurde zum einen das Modell aus kultursemiotischer Perspektive nach Jürgen Schwier gewählt, wonach Trendsportarten notwendigerweise Produkte sind, die ein aktives Zutun der sozialen Akteure erfordern. Die Entstehungsgeschichte des Slacklinens steht hierbei im Mittelpunkt der Analyse. Zum anderen wird das Modell von Lamprecht und Stamm herangezogen, welches auf der Grundlage der Innovations- und Produktlebenszyklen basiert und ein idealtypisches 36 siehe http://www.duden-suche.de/suche/trefferliste.php, 2008 31
  • Slacklinen – ein neuer Trendsport? Entwicklungsmuster von Trendsportarten herausarbeitet. Demzufolge wird mit diesem Modell das Produkt bzw. „Gerät“ Slackline einer genauen Betrachtung unterzogen. Im Anschluss werden die Akzeptanz-Kriterien aus dem Hamburger Modell „Netzwerk Inline- Skating“ von Volker Nagel vorgestellt. Diese Kriterien wurden ursprünglich aus einer Analyse von Trendsportarten wie Skateboarden, Snowboarden und anderen heraus entwickelt und auf Inlineskaten angewandt. In modifizierter Form finden diese Kriterien Eingang in den Fragebogen der empirischen Untersuchung dieser Arbeit. 4.2.1 Phasenmodell nach Schwier Schwier geht in seinem Phasenmodell zur Entstehung von Trendsportarten davon aus, dass Entwicklungen im Sport einem ständigen Wechsel von statischen und dynamischen Phasen unterliegen. Er entwickelt dabei sechs idealtypische Phasen (vgl. Schwier, 1998, S.12f): 1. Phase der Erfindung und/oder Innovation Am Anfang entdecken meist jugendliche Einzelpersonen oder Gruppen zufällig oder gezielt eine neue Bewegungsform. Aufgrund ihrer hohen Experimentierfreudigkeit und ihres hohen Anspruchs zählen häufig jugendliche Szenen zu den Avantgarden bzw. Vorreitern einer neuen Bewegungsform. Dies stellt gleichzeitig einen idealen Ausgangspunkt für das Hervorbringen neuer Sportarten oder Disziplinen dar. 2. Phase der Verbreitung im eigenen Milieu In dieser Phase wird die neue Bewegungsform innerhalb der Szene ausprobiert und durch spielerische Handlungsprozesse weiterentwickelt. Die „Rohform“ wird somit zu einer „eigenständigen bewegungskulturellen Ausdrucksform“. 3. Phase der Entdeckung durch etablierte Milieus Während der schrittweisen Verbreitung der Bewegungsform im eigenen Milieu werden Trendscouts37 und Trendagenturen auf die neue Bewegungsform aufmerksam. Die neue Aktivität erhält eine Bezeichnung und wird als Trendhypothese gehandelt. 4. Phase der kulturindustriellen Trendsetzung Der neue Trendsport wird nun auf seine Vermarktungschancen hin überprüft. Die Industrie greift ihn auf und „stylt“ ihn gegebenenfalls durch. Über Medien, Werbung und Eventmarketing zieht er das Interesse einer immer breiteren Öffentlichkeit an. Erste moralische und gesundheitliche Aspekte werden von Interessierten vorgetragen. 37 Trendscout = jemand, der Trends nachspürt (http://www.duden-suche.de/suche/trefferliste.php, 2008) 32
  • Slacklinen – ein neuer Trendsport? 5. Phase der Trenddiffusion Diese Phase ist hauptsächlich dadurch gekennzeichnet, dass sich verschiedene Zielgruppen in der neuen Trendsportart engagieren. Sie passen den Sport für sich an und integrieren ihn in den eigenen Lebensstil. Die etablierten Sportarten, die sich von dem neuen Trend unmittelbar gefährdet sehen, versuchen dem entgegenzuwirken. 6. Phase der Etablierung In der letzten Phase setzt sich der neue bewegungskulturelle Trend durch oder verliert an Dynamik, in beiden Fällen verliert er den Charakter des Trends. Es kommt zur Gründung von Institutionen, Verbänden und Vereinen, der Trendsport wird in die Palette des etablierten Sports aufgenommen. 4.2.2 Trendsportentwicklung nach Lamprecht und Stamm Lamprecht und Stamm sprechen verschiedenen Trendsportarten Eigenschaften von Produkten zu und zählen den Sport „zu den innovationsfreudigsten und wachstumsstärksten Bereichen unserer Wirtschaft“ (Stamm und Lamprecht, 1997). Dieses Modell beschäftigt sich, angelehnt an das klassische Modell des Produktlebenszyklus, somit stärker mit den wirtschaftlichen Aspekten des Trendsports. Außerdem betonen die Autoren: „zu den zentralen Merkmalen von Trendsportarten [gehört], dass die Verknüpfung neuer Bewegungsformen mit Lebensstil- elementen, technologisch hoch stehenden Geräten und kommerziellen Vermarktungs- mechanismen viel enger ist als bei den traditionellen Sportarten“ (Lamprecht und Stamm, 1998, S.371). Damit eine Bewegungsform als Trendsport gelten kann, muss sie zwingend die Reihenfolge Einführung, Wachstum, Reife, Sättigung und Niedergang durchlaufen haben. Stamm und Lamprecht verändern das Modell des Produktlebenszyklus, um es den Besonderheiten einer kulturellen Entwicklung anzupassen und benennen folgende fünf Phasen: 33
  • Slacklinen – ein neuer Trendsport? 1. Start- oder Inventionsphase In dieser Phase wird die eigentliche Idee der Trendsportart geboren. Sehr oft kennt sie verschiedene ursprüngliche Wurzeln und ist durch die Kreativität verschiedener Personen geprägt. Es gibt oft verschiedene Mythen über die Geburtsstunde einer Trendsportart, die durch die ökonomisch Erfolgreichen in ihrem Sinne bearbeitet und verbreitet werden. Sehr häufig, so Lamprecht und Stamm, handelt es sich bei Trendsportarten um gelungene Anpassungen herkömmlicher Sportarten. 2. Innovationsphase In dieser Phase verlässt die Erfindung den engen Kreis der Pioniere und damit die Geburtstätte, was jedoch nicht in unmittelbarem Anschluss erfolgen muss. Die Erfindung hat weiterhin starken Pioniercharakter. Tüfteln und Ausprobieren sind hierfür kennzeichnend, und das Gerät bzw. Produkt ist auf eine kleine Gruppe von Avantgarden beschränkt. Das Produkt ist zwar noch nicht ausgereift, jedoch kommen erste Kleinserien auf den regionalen Markt, so Lamprecht und Stamm. Pioniere werden dadurch zu Geschäftsgründern. Die Sport- und Massenmedien zeigen noch relativ wenig Interesse. Die Bewegungsformen weisen häufig ein Rebellen-Image auf und bekommen ein Kultpotential zugestanden, das den Übergang von Phase 2 zu Phase 3 erleichtert. 3. Entfaltung und Wachstum Die neue Bewegungsform bzw. das neue Produkt zieht die Aufmerksamkeit weiterer Kreise auf sich und erlebt dadurch ihren bzw. seinen Durchbruch. Dabei erfolgen einerseits Verbesserungen am Produkt, andererseits steigt dessen Attraktivität durch die Herausbildung neuer Lebensstilgruppen und Szenen, die sich damit identifizieren können. Eine gesteigerte Medienpräsenz zum einen und die Verbreitung in Verkaufsregalen zum anderen lösen einen Konflikt zwischen etablierten und neuen Sportarten aus. Dadurch steigt vor allem für Jugendliche, die in der neuen Bewegungsform einen Weg zur Distinktion sehen, wiederum die Attraktivität dieser neuen Bewegungsform. Sie bekommt einen „subkulturellen Charakter“. Spaß ist mindestens so wichtig wie sportliche Herausforderungen, die Party am Vorabend gehört dazu, wohingegen systematisches Training, Disziplin und Wettkampf verpönt sind. Die vorwiegend Jugendlichen beobachten sich selbst und geben sich gegenseitig Tipps. Lamprecht und Stamm zufolge „hat die Trendsportart als Trend, nicht aber als Sportart“ am Ende der Phase 3 ihren Höhepunkt erreicht. 34
  • Slacklinen – ein neuer Trendsport? 4. Reife und Diffusion Die Phase der Reife und Diffusion ist vor allem durch die Aussicht auf Gewinne geprägt, welche die industrielle Massenproduktion der Sportgeräte bringen soll. Voraussetzung für das Erreichen dieser Stufe ist zum einen, dass die Bewegungsform relativ einfach zu erlernen ist, zum anderen, dass sie ein zukunftsträchtiges Marktpotenzial beinhaltet. Nur dann, so Lamprecht und Stamm, kann sie den harten Kern der Subkultur verlassen und von sportlichen Erwachsenen aufgegriffen werden, die sowohl von der Sportart als auch von dem damit verbundenen Lebensgefühl begeistert sind. Verbunden mit der Verbreitung ist eine zunehmende Institutionalisierung. Schulen, Vereine, Verbände und häufig auch Fremdenverkehrsorganisationen greifen den Sport auf, um damit ihre eigene Attraktivität zu steigern. Zudem wird das Wettkampfwesen professionalisiert und kommerzialisiert. Diese Veränderungen werden von der ursprünglichen Szene als Verlust des Speziellen und Unkonventionellen aufgefasst, bringen aber häufig großen finanziellen Erfolg für professionelle Sportler mit sich. 5. Sättigung (und Niedergang) Die Sportart hat nun einen derart hohen Grad an Institutionalisierung und Ausdifferenzierung erreicht, dass sie sich kaum noch von traditionellen Sportarten unterscheidet. Sie ist in feste Verbandsstrukturen eingebettet und in verschiedene Segmente aufgeteilt, so dass unterschiedlichste Zielgruppen sie ausüben können. Im Wettkampfsport hat die Sportart einen hohen Professionalisierungs- und Kommerzialisierungsgrad erreicht und ist damit zum Bestandteil der Olympischen Spiele geworden. Als Normalsportart hat sie nun ihren Kultcharakter verloren und tritt in Konkurrenz zu einem breiten Sportangebot. Die Autoren betonen, dass ihr Modell nicht der Entwicklung aller Trendsportarten gerecht werden und dass eine Sportart, die sich nicht in dieses Modell einpassen lässt, trotzdem Trendsportart sein könne. Sie verweisen aber darauf, dass eine „Trendsportart im engeren Sinne [...] zumindest die Phasen 1 bis zum Anfang der Phase 4 durchlaufen“ haben muss, um als solche zu gelten. Zudem tauchen in den letzten Jahren verstärkt „neue“ Bewegungsformen auf, die als Trendsportarten tituliert werden. Diese sind häufig nicht aus einer Szene erwachsen, sondern vielmehr von Marketingfachleuten konzipiert worden. Als Beispiele werden Carving-Ski, Big-Foots und Wakeboard genannt. Lamprecht und Stamm zufolge scheint es zurzeit einen Trend zur „Schein-Innovation“ zu geben. Sie betonen die Notwendigkeit der Unterscheidung von „echten“ Trendsportarten, Randsportarten und „kommerzialisierten Scheintrends“. Danach bewegen sich Randsportarten häufig in den ersten 35
  • Slacklinen – ein neuer Trendsport? Phasen des Modells, wohingegen Scheintrends eher die letzten Phasen des Modells durchlaufen, was zu einer hohen Verbreitung und einem beschleunigten Wachstum einer Sportart führt. Wenn diese These den Tatsachen entspricht, müsste es in der Folge tatsächlich zu einer Phase des Niedergangs kommen, da die eigentliche Szene fehlt, welche eine bestimmte Sportart auf einem gewissen Niveau stabilisiert. Abb. 7: Phasen der Entwicklung von Trendsportarten 36
  • Slacklinen – ein neuer Trendsport? 4.2.3 Akzeptanz – Kriterien nach Volker Nagel Die Akzeptanz-Kriterien nach Volker Nagel wurden anhand einer vergleichenden Analyse verschiedener Trendsportarten bzw. Mode-Sportgeräte entwickelt und auf Inlineskaten angewendet. Die Fragen lauten im Einzelnen (1998, dvs Informationen 13, S.27): 1. Wie schnell lässt sich die Beherrschung des neuen Gerätes/der neuen Bewegungsform erlernen? 2. Wie schnell erschließen sich positive Bewegungserlebnisse? Ist ein hohes Potential an positiven Bewegungssensationen gegeben? 3. Gibt es größere, weit verbreitete, etablierte Sportarten bzw. Sportartengruppen, die in enger Verwandtschaft zum neuen Gerät/zur neuen Bewegungsform liegen? 4. Ergeben die mit dem neuen Gerät/der neuen Bewegungsform möglichen Aktivitäten ein äußerlich attraktives, den dominierenden Zeitgeist verkörperndes Bild (Werbesprache: dynamisch, ungebunden, easy, ...)? 5. Ist das neue Gerät/die neue Bewegungsform „bequem“ und spontan nutzbar? Ist es/sie wohnortnah einsetzbar und ortsunabhängig? Wie steht es mit der Handhabbarkeit und dem finanziellen Aufwand? 6. Ist das neue Gerät auch dauerhaft interessant und reizvoll? Birgt es vielfältige Bewegungs- und Erlebnismöglichkeiten in sich? 7. Ist das Gerät/die Bewegungsform positiv für gemeinsame Aktivität für Paare oder in heterogenen Gruppen? Eine Anwendung dieser Fragen auf Slacklinen erscheint als sinnvoll, da sie eine Aussage über die weitere Verbreitung dieser Bewegungsform ermöglichen. Um dies zu überprüfen werden die Fragen modifiziert und direkt in die explorative Umfrage übernommen. Beim Slacklinen könnte es sich um einen Trendsport handeln, sofern die Ergebnisse der Fragen zu den Akzeptanz-Kriterien im positiven Bereich liegen. 37
  • Slacklinen – ein neuer Trendsport? 5 Problemstellung Der theoretische Teil dieser Arbeit gibt einen Überblick über die historische Entwicklung des Slacklinens und die Problematik der Begrifflichkeit „Trendsport“. Drei bedeutsame Ansätze aus sportwissenschaftlicher Sicht wurden im weiteren Verlauf dieser Arbeit nachgezeichnet, wobei sich hinter jedem „Modell“ ein anderer Zugang verbirgt. Aus eben diesem Sachverhalt lässt sich die genannte Problematik um die mögliche Zugehörigkeit einer Bewegungspraktik zum Trendsport begründen. Dies bedeutet, dass nur bedingt feststellbar ist, wann eine Bewegungspraktik im Allgemeinen und Slacklinen im Besonderen zum Kanon des Trendsports gehört bzw. wann es diesen Kreis wieder verlässt und dem etablierten Sport zuzuschreiben ist. Somit können in diesem Zusammenhang sowohl Slacklinen als auch andere neu aufkommende Bewegungspraktiken immer nur unter Bezugnahme zum jeweils angewendeten Modell bzw. zur verwendeten Herangehensweise den Trendsportarten zugeschrieben werden oder nicht. Aufgrund der soeben formulierten und konkretisierten Problemstellung lassen sich im Folgenden 3 Hypothesen als Grundlage für die Untersuchung aufstellen: Anhand der Merkmale nach Jürgen Schwier lässt sich die Zugehörigkeit einer neu aufkommenden Bewegungsform zum Trendsport erklären. Demnach kann dieser Merkmalskatalog auch auf Slacklinen angewendet werden. H1: Slacklinen ist aufgrund des Merkmalskatalogs nach Jürgen Schwier ein Trendsport. Anhand des Phasenmodells nach Schwier bzw. Lamprecht und Stamm lassen sich Trendsportarten dadurch klassifizieren, dass sie bestimmte Phasen der Entwicklung (siehe Kapitel 4.2.1 und 4.2.2) durchlaufen haben. H2-1: Nach dem Phasenmodell von Jürgen Schwier ist Slacklinen ein Trendsport. H2-2: Nach dem Phasenmodell von Markus Lamprecht und Hanspeter Stamm ist Slacklinen ein Trendsport. Die Akzeptanz-Kriterien nach Volker Nagel lassen sich modifiziert in der empirischen Untersuchung auf das Slacklinen anwenden um eine Prognose für eine weitere Verbreitung des Slacklinens geben zu können. H3: Slacklinen wird sich aufgrund des positiven Befundes bezüglich der Akzeptanz-Kriterien nach Volker Nagel weiter verbreiten können und ist somit ein Trendsport. H1 und H3 werden mittels empirischer Untersuchung überprüft, während H2-1 und H2-2 im folgenden Kapitel diskutiert werden. 38
  • Slacklinen – ein neuer Trendsport? 5.1 Anwendung des Modells von Schwier auf Slacklinen Vergleicht man nun Slacklinen aus kultureller Sicht mit den einzelnen Phasen, so lässt sich die Phase der Erfindung mit der Nutzung der „modernen“ Slackline als Trainingsgerät von Adam Grosowski und Jeff Ellington gleichsetzen. Sieht man von der Nutzung der slackchain in den Siebzigern ab, so ist die Phase der Etablierung im eigenen Milieu damit gleichzusetzen, dass Balcom vom Zeitpunkt seiner Beobachtung ab ein Band zum Balancieren zwischen den Bäumen spannte. Der damalige Zeitraum stand unter dem Motto des Ausprobierens und Tüftelns mit dem Ziel, das Sportgerät technisch zu verbessern. Die Gruppe um Scott Balcom kann somit als erste Subkultur verstanden werden. Durch die Aufenthalte im Camp Four und die Erstbegehung der Lost Arrow Spire Line von Balcom, sowie die weiteren Begehungen von Darrin Carter (1993) und Chongo (1994 und 1995) wurden auch andere Kletterer auf diese neue Aktivität aufmerksam. Slacklinen verbreitete sich damals, in der Phase der Entdeckung durch etablierte Milieus, jedoch nur langsam in der dortigen Szene. Seine Anhänger waren damit beschäftigt, Slacklinen weiterhin zu verfeinern, neue Tricks zu entdecken und die Bewegungsform als Zeitvertreib unter Gleichgesinnten zu nutzen. Da das Yosemite Valley als Mekka des Klettersports galt und auch heute nichts von seiner Anziehungskraft verloren hat, begaben sich neben Kaliforniern Kletterbegeisterte aus aller Welt dort hin, um an den Big Walls38 zu klettern. So auch der bereits erwähnte Heinz Zak, Extremkletterer aus Österreich, welcher heute als Pionier in Sachen Slacklinen gilt. Er brachte Slacklinen nach Europa – und somit auf einen anderen Kontinent und in eine andere Kultur (vgl. Hempel, 2006). Die Jahre bis zum ersten Slackline-Treffen 2006 (vgl. Kapitel 2.1) waren hier zu Lande weiterhin dadurch geprägt, dass diese Bewegungspraxis lediglich von Kletterern ausgeübt wurde. Erst durch Zaks Engagement im Hinblick auf die Veranstaltung des „1. Internationalen Mountain Equipment Slackline-Treffens“, ist in Europa von einer Phase der kulturindustriellen Trendsetzung zu sprechen. Das Sportkaufhaus Schuster in München engagierte im Juni 2006 zu seiner Eröffnung Heinz Zak dafür, eine Highline über die Rosenstraße vom mehrstöckigen Verkaufshauses zur anderen Straßenseite zu begehen und mit der Aufmerksamkeit erregenden Aktion für das Kaufhaus zu werben. 38 Big Walls stellen sehr lange Kletterrouten dar. Die Nose am El Capitan gilt z.B. als solch eine Big Wall. Hierbei sind fast 1000 Höhenmeter zu bezwingen. 39
  • Slacklinen – ein neuer Trendsport? Abb. 8: Balanceakt über den Dächern von München. Heinz Zak auf einer Highline bei der Neueröffnung von quot;Sport Schusterquot; in der Rosenstraße in München (Quelle: www.alpin.de, 2008) Der stetige Anstieg der Zahl der Slackliner ist wohl auch auf derartige werbewirksame Aktionen Einzelner zurückzuführen. Jedes Land weist eine eigene community im Internet mit Foren auf, in denen ein reger Austausch stattfindet. Andere Sportarten sehen im Slacklinen an sich keine Gefährdung, lediglich in der Eventisierung und im Betreiben der Bewegungsform durch viele Protagonisten. Bereits durchgeführte Kurse und Workshops haben möglicherweise dazu beigetragen, dass Slacklinen immer mehr Anhänger fand, die nicht der Kletterszene entstammen und Slacklinen trotzdem für ihren Lebensstilkontext als geeignet empfinden. Seit Mitte 2007 wurden bereits erste Medienagenturen für professionelle Filmbearbeitungen engagiert und im April 2008 erschien der Film Elements - Ein Slackline Abenteuer auf DVD. Die Unterstützung des Outdoorartikelherstellers Mountain Equipment und des Kaufhauses Sport Schuster aus München erfolgte gezielt zu Zwecken des Eventmarketings. Die Medien greifen inzwischen das Thema auf, berichten in den verschiedensten Fitness-, Outdoor- und Klettermagazinen darüber und produzierten bereits erste Kurzfilme für Fernsehreportagen. Wie die Anwendung des Modells von Schwier zeigt, kann Slacklinen historisch betrachtet sehr gut in die verschiedenen Phasen eingegliedert werden. Es befindet sich zum Zeitpunkt dieser Arbeit etwa im Übergang von der vierten (Phase der kulturindustriellen Trendsetzung) zur fünften Phase (Phase der Trenddiffusion). Somit kann H2-1 (Nach dem Phasenmodell von Jürgen Schwier ist Slacklinen ein Trendsport) bestätigt werden. 5.2 Anwendung des Modells von Lamprecht und Stamm auf Slacklinen Um die Slackline als Gerät in Zusammenhang mit dem Modell von Lamprecht und Stamm zu bringen und eine Beurteilung der aktuellen Entwicklungsphase vorzunehmen, setzt der Verfasser die Phase der Invention mit der Nutzung der Slackline aus Trainingszwecken von Adam Grosowski und Jeff Ellington gleich. Diese beiden jungen Männer verwendeten 40
  • Slacklinen – ein neuer Trendsport? Bandmaterial aus dem Klettersport und nutzten zum Spannen eine selbst entwickelte Flaschenzugvariante, die noch heute den Namen des Erfinders trägt und deshalb kurz „Ellington“ genannt wird. Die Innovationsphase kann in Bezug auf Slacklinen dem Zeitpunkt des Ausprobierens und Tüftelns um die Gruppe von Scott Balcom zugeschrieben werden. Slacklinen verlässt damit seine eigentliche Geburtsstätte. Durch die Gründung von Slackline Brothers Inc. und dem damit verbundenen „Slackline Brothers Tightening System!“ durch Ric Piegh kommt eine erste Kleinserie auf den (regionalen) Markt. Sofern der neue Sport bestehende Infrastrukturen nutzt, führen in dieser Phase Konflikte mit etablierten Sportarten häufig dazu, dass sich ein Rebellen-Image und Kultpotenzial um diesen neuen Sport aufbaut, das die Entwicklung weiter vorantreibt und somit den Einstieg in die dritte Phase ermöglicht. Die Autoren heben hervor, dass die Nutzung einer bestehenden Infrastruktur absolut notwendig für das Erreichen der nächsten Stufe ist, da sich die Sportart ansonsten nicht weiterentwickeln wird. In der Phase der Entfaltung und des Wachstum schaffte Slacklinen durch die Zunahme der Anhängerzahl den Durchbruch. Die Einrichtung von Foren zeigt, dass die Anhänger der Bewegungskunst sich zusammenschließen, sich als community sehen, sich austauschen und gemeinsame Treffen organisieren. Der Aspekt des Tüftelns bezüglich der verwendeten Materialien und Abspannsysteme steht dabei im Vordergrund. Slacklinen ist damit noch nicht als neue Sportart, sondern eher als kulturelle Bewegung zu verstehen. Hierbei ist auch eine Überschneidung mit dem Modell von Schwier zu erkennen, da Lamprecht und Stamm das Modell des Produktlebenszyklus um die Besonderheiten einer kulturellen Entwicklung veränderten. Mit dem größeren Interesse am Slacklinen wuchs die Nachfrage nach entsprechender Literatur zu diesem Thema. Scott Balcom, der Erfinder des Slacklinens, veröffentlichte 2004 sein Buch Walk the Line. Im selben Jahr gründete er die Firma Slackdaddy und bietet seitdem ein Slackline-Set zum Verkauf an. Damit entwickelte sich der subkulturelle Charakter. Es etablierten sich kleine Unternehmen am Markt mit eigenen Vertriebswegen abseits der traditionellen Vermarktung. In der nächsten Phase, der Phase der Reife und Diffusion, wurden die etablierte Sportindustrie, die Massenmedien und damit auch die branchenfremde Industrie, die den neuen Sport als Imageträger für ihre Produkte gewinnen will, auf Slacklinen aufmerksam. In Europa steht das Engagement von Heinz Zak für diese Phase. Die ersten käuflich erwerbbaren Sets und die Eröffnung des „1. Internationalen Mountain Equipment Slackline-Treffens“ sind Anzeichen der Phase der kulturindustriellen Trendsetzung. Der Sport wurde von der Industrie aufgegriffen und modifiziert. Erstmals konnte man ein fertig zusammengestelltes Set in 41
  • Slacklinen – ein neuer Trendsport? Europa kaufen. Damit war Mountain Equipment die erste Firma, die Slacklinen in ihre Produktpalette integrierte und versuchte, durch die Zusammenarbeit mit dem Sporthaus Schuster in München und der Finanzierung des ersten Festivals ihr Image zu verbessern und sich einen Namen zu machen. Seit diesem Event konnte die Bewegungsform den harten Kern der Subkultur verlassen und in Slackline-Workshops von sportlichen Erwachsenen aufgegriffen werden. Durch weitere Events im Jahre 2007 und den Versuch eines Slacklinewettkampfes wuchs der Wunsch einiger Anhänger nach einem Verband, was eine zunehmende Institutionalisierung vermuten lässt. Von einer Phase der Sättigung und des Niedergangs kann bis dato noch nicht gesprochen werden, da bisher eine Institutionalisierung und eine verbreitete Kommerzialisierung fehlen. Diese Analyse belegt, dass Slacklinen sich nach dem Modell von Lamprecht und Stamm zwischen der dritten und vierten Phase befindet. Kleine neu gegründete Unternehmen sind stets bemüht, die käuflichen Slackline-Sets mit neueren Erfindungen zu optimieren. Slacklinen soll durch den einfachen Aufbau eines Sets jedem zugänglich gemacht werden. Die hohen Besucherzahlen von Slackline-Events und -Kursen liefern ein weiteres Indiz für die dritte Phase. Lediglich der Aspekt wachsenden Interesses an der Gründung eines Slackline-Verbandes zur Ausrichtung von Wettkämpfen unter einheitlichem Regelwerk gibt einen Hinweis darauf, dass sich Slacklinen im Übergang von der dritten zur vierten Phase befindet. Gemäß dieser theoretischen Analyse nach dem Modell von Lamprecht und Stamm hat Slacklinen sämtliche einen „echten“ Trendsport konstituierende Phasen (1-3 bzw. Anfang 4) nach Lamprecht und Stamm durchlaufen. Slacklinen entstand nicht aufgrund einer Marketing- Idee (vgl. „Schein-Innovation“), sondern besitzt einen kulturellen Hintergrund und entwickelte sich in einer kleinen lokalen Szene über Jahre hinweg. Slackliner sind stets daran interessiert den Bekanntheitsgrad der Bewegungsform zu steigern, nicht aus wirtschaftlichem Interesse, sondern aufgrund ihrer Philosophie, die positiven Bewegungserlebnisse auf der Line auch anderen zugänglich zu machen und zu teilen. Hypothese H2-2 (Nach dem Phasenmodell von Markus Lamprecht und Hanspeter Stamm ist Slacklinen ein Trendsport) kann somit als bestätigt gelten. Nach der detaillierten Analyse des Slacklinens in den vorausgegangenen Kapiteln lässt es sich in Bezug auf die aufgeführten Modelle kaum anzweifeln, dass es sich beim Slacklinen um einen echten Trendsport handelt. Dafür liefert sowohl die theoretische Analyse des Merkmalskatalogs nach Jürgen Schwier als auch die Untersuchung des Entwicklungsstandes nach Schwier sowie Lamprecht und Stamm eindeutige Beweise. 42
  • Slacklinen – ein neuer Trendsport? 6 Untersuchungsdesign Für den empirischen Teil dieser Arbeit wurde eine Befragung unter Slacklinern mittels Onlineversand eines Fragebogens durchgeführt. Der in Frage kommende Personenkreis ist auf Slackliner in Deutschland und Österreich limitiert. Da über diese Grundgesamtheit bisher kaum Datenmaterial vorhanden ist, wurde im Rahmen dieser Arbeit eine explorative Erhebung durchgeführt. Im Vorfeld konnte nicht eindeutig ermittelt werden, wie viele Slackliner im deutschsprachigen Raum aktiv diese Bewegungsform ausüben und den Fragebogen erhalten werden. Aus diesem Grund wurde dieses Verfahren als geeignet eingestuft, um möglichst viele aktive Slackliner zu erreichen und so ein präzises Bild des Slacklinesports und seiner Anhänger zu zeichnen. 6.1 Explorative Umfrage zum Slacklinen im deutschsprachigen Raum Der für die Untersuchung verwendete Fragebogen wurde unter Microsoft Word (Office 2004 für Mac) in Form eines Formulars erstellt, welches ein direktes und einfaches Ausfüllen am Computer ermöglicht. Der Fragebogen wurde in deutschsprachigen Slackline-Foren39, in bestehenden Gruppen des studiVZ Ltd.40 und bei Freunden aus der Slacklineszene publik gemacht. Der Fragebogen untergliedert sich in einen Einstieg, einen Bereich Trendsport und einen soziodemographischen Teil. Der Einstieg soll Interesse wecken und zusätzlich erste Fakten über die Art und Weise der Ausübung der Bewegungsform erfragen. So werden das Wissen und verschiedene Meinungen der Befragten bezüglich Slacklinen ermittelt (Fragen 1-4, 6-9, 14-15 und 31-33). Der Kern des Fragebogens bezieht sich auf den Bereich Trendsport. Es werden einerseits die Merkmale nach Jürgen Schwier abgefragt (Frage 5, 10-13 und 16-20), andererseits werden mit modifizierten Fragen (21-30) die Akzeptanz-Kriterien nach Volker Nagel analysiert. Ein soziodemographischer Teil schließt den Fragebogen ab (Frage 34 – 40). In einem Begleitschreiben wurden der Hintergrund der Arbeit kurz skizziert, die Anonymität sowie der Datenschutz betont und Hinweise zur Beantwortung und Versand des Fragebogens gegeben. 39 http://www.slackline.at und http://www.slackliner.de 40 Eine Austausch-Plattform mit mehr als 8 Millionen Mitgliedern. Für Slacklinen standen 10 verschiedene Gruppen zur Verfügung. 43
  • Slacklinen – ein neuer Trendsport? 6.2 Durchführung der Befragung und Auswertung Die Studie wurde im Jahr 2008 durchgeführt, die Pretest-Phase begann Anfang Februar 2008. Ausgewählte Slackliner der Szene erhielten den Fragebogen, welcher nach einigen Feedback- Gesprächen modifiziert und optimiert wurde. Die eigentliche Testphase begann am 19. Februar 2008 und endete mit einem spätesten Rücklaufdatum am 15. März. Der Autor dieser Arbeit erhielt 102 verwertbare Fragebögen an die eigens dafür eingerichtete E-Mailadresse – studie@humannature.de – zurück. Die Auswertung des statistischen Datenmaterials erfolgte mit Hilfe des Tabellen- kalkulationsprogrammes Microsoft Excel (Office 2004 für Mac). Dabei wurden zunächst für jede Frage Variablen definiert, mögliche Antworten codiert und in eine Datenmatrix übertragen. Daraus diesen wurden im Anschluss anschauliche Diagramme, Tabellen und Häufigkeitsverteilungen erstellt. Bei der offenen Fragestellung für Frage 14 und den häufig vorkommenden Hybridfragen, die im zweiten Teil das „Warum“ hinterfragen, wurden die gewonnenen Antworten mit Hilfe von Microsoft Excel (Office 2004 für Mac) zunächst in Tabellenform erfasst, nach ihrer Häufigkeit geordnet und in übergeordnete Gruppen klassifiziert. Anschließend wurden die gewonnenen Kategorien für die Darstellung von Abbildungen und Tabellen verwendet. 6.3 Darstellung und Interpretation der Ergebnisse Bei der Interpretation der Ergebnisse werden die Ergebnisse bestimmter Fragen einzeln dargestellt und im Anschluss interpretiert. In ausgewählten Fällen wie z.B. bei thematisch in Verbindung stehenden Fragen erfolgt eine zusammenfassende Interpretation, um auf mögliche Zusammenhänge zu verweisen. Um eine Häufigkeitsverteilung bei Fragen mit Mehrfachantwortmöglichkeiten zu erhalten, wurde ausgehend von der Gesamtanzahl (n) der Befragten (n) die Zahl derjenigen Personen abgezogen, die keine Angaben machten („missing values“). Dies ergibt die Zahl der „valid cases“ (VC). Darauf hin wurde die Zahl der Antworten insgesamt („total responses“ = TR) ermittelt. Die angegebene Prozentzahl bezieht sich auf die TR in Bezug auf die VC. Daraus ergibt sich eine Gesamtsumme von 100%. Bei der nachfolgenden Auswertung der Ergebnisse wird mit der Darstellung der soziodemographischen Daten (letzter Abschnitt des Fragebogens) begonnen (Kapitel 6.3.1). Die einleitenden Fragen bezüglich Zugang zum und Ausübung des Slacklinens werden anschließend ausgewertet (Kapitel 6.3.2). In Kapitel 6.3.3 folgen Fragen zum Hintergrundwissen der Teilnehmer zum Thema (1-4, 6-9). Anschließend wird der Kernteil 44
  • Slacklinen – ein neuer Trendsport? des Fragebogens (Frage 5, 10-13 und 16-20) behandelt: Trendsportmerkmale nach Jürgen Schwier und modifizierte Akzeptanz-Kriterien nach Volker Nagel (Kapitel 6.3.4 und 6.3.5). Abschließend erfolgt die Analyse der Funktionsfragen41. 6.3.1 Soziodemographische Merkmale In diesem Kapitel werden Fragen zu Geschlecht und Alter, sowie weitere Fragen zum Slacklinen allgemein (Häufigkeit, Könnensstand, Highlinebegehung, Interesse an regelmäßigem Training und Teilnahme an einem Wettkampf) aufgeführt. Darstellung der Ergebnisse Aus Abbildung 9 ist die Altersstruktur der Umfrageteilnehmer zu entnehmen. Den größten Anteil stellen die 19- bis 24-jährigen mit 37,3% und die 25- bis 29-jährigen Slackliner mit 34,3%. Das Durchschnittsalter der insgesamt 71 männlichen Teilnehmer beträgt 26 Jahre, das der 31 Slacklinerinnen ebenfalls. 70% aller Slackliner aus der Studie sind männlich, 30% weiblich (vgl. Abb. 10). Abb. 9: Altersverteilung der Slackliner aus der Studie Abb. 10: Geschlechterverteilung der Slackliner aus der Studie 41 Diese dienen der Überleitung in andere Fragekomplexe, bzw. lassen sich nicht in einen bestimmten Bereich einordnen. 45
  • Slacklinen – ein neuer Trendsport? Aus Tabelle 1 lässt sich ablesen, dass die meisten Slackliner seit einem halben bis ganzen Jahr (38,2%) oder ein bis zwei Jahren (33,3%) die Bewegungsform ausüben. Im Durchschnitt gaben 14,7% an über eine mehr als 2-jährige Slacklineerfahrung zu verfügen. Bei der offenen Fragestellung, nach der Dauer des Slacklinens pro Woche, fällt auf, dass Männer mehr Zeit dafür aufwenden als Frauen. Circa ein Viertel (26,8%) der männlichen Befragten üben zwischen zwei und vier Stunden, mehr als ein Drittel (39,4%) über vier Stunden pro Woche, wohingegen umgekehrt mehr als ein Drittel der Slacklinerinnen weniger als 1 Stunde Übungszeit pro Woche angeben (vgl. Tab. 2). Ein Viertel der Frauen üben die Bewegungskunst zwischen einer und zwei Stunden aus. Bezüglich des Könnensgrades (vgl. Tab. 3) sehen sich 21,1% der Männer und mehr als die Hälfte der Frauen (51,6%) als Anfänger. Am häufigsten bezeichnen sich die Slackliner als Fortgeschrittene. Lediglich ein kleiner Anteil der Männer sieht sich als Profi im Slacklinen. Eine Highline haben bereits 39,2% der Umfrageteilnehmer begangen, 46,5% der Männer und 22,6% der Frauen (vgl. Tab. 4). Tabelle 5 zeigt, dass 60,8% der Befragten Lust an regelmäßigem Training haben, wobei der Anteil der Frauen geringfügig größer ist. Von beiden Geschlechtern wird die Frage „Hättest Du Lust an einem Wettkampf teilzunehmen?“ nahezu gleich mit einem Gesamtdurchschnitt von 89,2% verneint. Ergänzend wird der Könnensstand in Bezug zum Interesse an einem Wettkampf gesetzt, wobei deutliche Meinungsunterschiede zwischen den Könnensstadien festzustellen sind. Tab. 1: Angaben der Slacklineerfahrung in Jahren Tab. 2: Häufigkeit des Slacklinens pro Woche Jahre Gesamt Männlich Weiblich Std. pro Woche Gesamt Männlich Weiblich Weniger als halbes 13,7% 11,3% 19,4% Weniger als eine 20,6% 12,7% 38,7% Halbes bis ganzes 38,2% 35,2% 45,2% Ein bis zwei 22,5% 21,1% 25,8% Ein bis zwei 33,3% 36,6% 25,8% Zwei bis vier 23,5% 26,8% 16,1% Mehr als zwei 14,7% 16,9% 9,7% Mehr als vier 33,3% 39,4% 19,4% Tab. 3: Könnensstand der Studienteilnehmer Tab. 4: Angaben bezüglich einer Highlinebegehung Könnensstand Gesamt Männlich Weiblich Gesamt Männlich Weiblich Anfänger 30,4% 21,1% 51,6% Ja 39,2% 46,5% 22,6% Fortgeschritten 62,7% 69,0% 48,4% Nein 60,8% 53,5% 77,4% Profi 6,9% 9,9% 0,0% 46
  • Slacklinen – ein neuer Trendsport? Tab. 5: Regelmäßigkeit des Trainings Tab. 6: Teilnahme an einem Slackline-Wettkampf Gesamt Männlich Weiblich Gesamt Männlich Weiblich Ja 60,8% 59,2% 64,5% Ja 10,8% 12,7% 6,5% Nein 39,2% 40,8% 33,5% Nein 89,2% 88,7% 93,5% Tab. 7: Analyse des Könnensstandes in Bezug zur Wettkampfteilnahme Ja Nein Anfänger 0,00% 100,00% Fortgeschrittene 10,9% 89,1% Profis 57,1% 42,9% Interpretation Es scheint, als wäre Slacklinen in erster Linie eine Angelegenheit für junge Männer zwischen 20 und 30 Jahren, jedoch wird die Bewegungsform durchaus auch von Mädchen bzw. Frauen mittleren Lebensalters ausgeübt. Nach Aussagen von Freunden des Autors dieser Arbeit konnte man noch vor einigen Jahren kaum eine Frau auf einer Slackline beobachten, weshalb eine dreißigprozentige Quote auf weiblicher Seite durchaus als positiv zu bewerten ist. Eine Interpretation des Könnensstandes legt die Vermutung nahe, dass sich Slackliner nur dann als reine Anfänger bezeichnen, wenn sie die ersten Gehversuche auf der Slackline absolvieren und sich bereits als Fortgeschrittene betrachten, sobald sie die ersten Tricks beherrschen. Die Tatsache, dass keine der Frauen sich als Profi bezeichnet, kann zum einen darauf zurückgeführt werden, dass Frauen bislang in eher geringem Maße in dieser Bewegungsform vertreten waren, zum anderen darauf, dass Slacklinen sowie dessen Herkunftsbereich Klettern traditionell als Männerdomäne zu bezeichnen sind. Hinzu kommt der Aspekt, dass Männer gerne zu Überschätzung ihrer Fähigkeiten neigen und Frauen sich diesbezüglich eher zurückhaltend äußern. Überraschenderweise haben bereits 22,6% der Frauen einen Balanceakt in Schwindel erregender Höhe absolviert. Dies lässt sich höchst wahrscheinlich darauf zurückführen, dass der Fragebogen auch in Workshops verteilt wurde, die gelegentlich die Begehung einer Highline beinhalten. Die männlichen Bewegungskünstler treffen sich offenbar eher spontan und in lockerem Rahmen in Kleingruppen (ähnlich wie z.B. zum Skaten), während Frauen Slacklinen als einen festen Termin z.B. in Form eines Kurses oder Workshops einplanen. Dies begründet sich mit der Tatsache, dass Slacklinen (noch) nicht institutionalisiert ist. Der Anteil der Frauen bei 47
  • Slacklinen – ein neuer Trendsport? einem regelmäßig stattfindenden Slacklinekurs bzw. -workshop ist tendenziell höher als bei spontanen Slacklineaktionen42. Slackliner treffen sich gerne in geselliger Runde um gemeinsam Spaß zu haben, anstatt auf Wettkämpfe zu gehen, wie der hohe Prozentsatz der Ablehnung einer Teilnahme an Wettkämpfen belegt. Folgende Antworten spiegeln diese Einstellung wieder: • „weil ich Slacklinen für mich betreibe“ • „weil es für mich kein Wettkampfsport ist“ • „weil ich zum Abspannen und zum Ausgleich zur Arbeit slacke, da brauche ich keinen Wettkampf-Stress“ • „weil es das Slacklinen auszeichnet, dass es keine Regeln gibt, man kann die Line so hart oder locker spannen wie man will und Tricks ausprobieren die einen reizen, da kann man eigentlich keine Regeln gebrauchen“ • „weil es beim Slacklinen nicht um das Messen mit anderen geht, dabei geht der Reiz verloren“ • „weil Slacklinen für mich Spaß und geselliges Miteinander und Wettkampf aber immer Konkurrenz bedeutet“ Eine weitere Auffälligkeit liefert in diesem Zusammenhang die Analyse des Könnensstandes in Bezug zur Wettkampfteilnahme (vgl. Tab. 7). Die Daten können vermutlich so aufgefasst werden, dass das Interesse an einem Wettkampf mit zunehmendem Könnensstand steigt. Daher würden Anfänger nicht an einem Wettkampf teilnehmen, vier der sieben Profis (57,1%) dagegen schon. Fortgeschrittene schätzen ihr Können vermutlich als noch nicht ausreichend für eine Wettkampfteilnahme ein. Zudem besteht die Möglichkeit, dass man die neue Bewegungsform gerade für sich im Kontext des eigenen Lebensstils entdeckt und dabei die Sinnhaftigkeit des Slacklinens erst für sich erforscht. Führte man dieselbe Umfrage mit denselben Teilnehmern in etwa 2 Jahren erneut durch, so würden sich vermutlich mehr Anfänger als Fortgeschrittene und mehr Fortgeschrittene als Profis bezeichnen. Demnach würde sich die prozentuale Verteilung und die Lust an einem Wettkampf teilzunehmen möglicherweise verändern. 42 Mündliche Mitteilung von Tillmann Müller. In seinen Anfängerkursen konnte er auf einen Anteil von etwa 80% Frauen verweisen. Ein ähnliches Bild ergibt sich in den Kursen vom Verfasser dieser Arbeit. 48
  • Slacklinen – ein neuer Trendsport? 6.3.2 Fakten bezüglich Slacklinen Dieses Unterkapitel beschäftigt sich mit den einleitenden Fragen nach dem Zugang zum Slacklinen, der Art und Weise und Motiven für die Ausübung des Slacklinens und dem allgemeinen Wissen der Umfrageteilnehmer zum Thema. Frage 1: „Wie bist Du auf Slacklinen aufmerksam geworden?“ Darstellung der Ergebnisse Die Auswertung von Frage 1 zeigt, dass knapp die Hälfte der Befragten ‚durch Freunde’ auf Slacklinen aufmerksam wurde. Andere Nennungen waren ‚durch die Medien’ (13,2%), oder ‚durch Beobachtungen im Park’ (14,0%). ‚Durch den Verein’ bekamen lediglich 2,5% Zugang zum Slacklinen. Bei dieser Hybridfrage waren Mehrfachnennungen möglich. 10,7% aller teilnehmenden Slackliner gaben ‚durch Klettern’ an und 2,5% ‚durch eine Fortbildung’, wie beispielsweise „Erlebnispädagogik“ oder „medizinische Trainingstherapie“. Unter ‚sonstiges’ (7,4%) wurden Antworten wie z.B. ein Vortrag von Heinz Zak oder den „Huberbuam“43 zusammengefasst (vgl. Tab. 8). Tab. 8: Zugang der Studienteilnehmer zum Slacklinen durch durch durch durch durch durch durch durch (Lebens-) Freunde Medien Beobachtungen Verein Klettern Fortbildung sonstiges Partner !quot; 56,3% !quot; 19,7% !quot; 26,8% !quot; 2,8% !quot; 0,0% !quot; 9,9% !quot; 2,8% !quot; 8,5% #quot; 61,3%quot; #quot; 6,5% #quot; 22,6% #quot; 3,2% #quot; 3,2% #quot; 19,4% #quot; 3,2% #quot; 9,7% ges. 48,8% ges. 13,2% ges. 14,0% ges. 2,5% ges. 0,8% ges. 10,7% ges. 2,5% ges. 7,4% Interpretation Der geringe Prozentsatz der Antwort ‚durch den Verein’ lässt sich ein weiteres Mal damit erklären, dass Slacklinen (noch) nicht institutionalisiert ist und Slackliner vermutlich nicht gebunden, sondern unabhängig sein wollen. Dies bestätigt das Zitat von Alexander Huber in Kapitel 3.2. Ortsungebunden zu sein, ohne Regeln und Bindung an einen Verein sind vermutlich Gründe, warum im Gegensatz dazu die Variable ‚durch Freunde’ so oft genannt wird. Die Variable ‚durch Beobachtungen’, mit welcher etwa ein Viertel der Männer und Frauen die Frage beantworten, zeigt, dass Slacklinen vermutlich häufig in Parks und auf öffentlichen Plätzen ausgeführt und von vielen dort zum ersten Mal wahrgenommen wird. 43 Thomas und Alexander Huber sind professionelle Extremkletterer und Hauptdarsteller im Film Am Limit, der im Yosemite Nationalpark gedreht wurde. Alexander Huber begeht selbst auch Highlines. Dean Potter und Chongo haben Gastauftritte im Film. 49
  • Slacklinen – ein neuer Trendsport? Die weitere Angabe ‚durch Klettern’ versteht sich fast von selbst – zur Erinnerung: Slacklinen hat in diesem Bereich seinen Ursprung und wird auch hierzulande in Kletterhallen und Klettergebieten betrieben. Dass Slacklinen, vor allem im Jahr 2007, bereits des Öfteren in den Medien war, könnte den – wenn auch geringen – prozentualen Anteil erklären, dass manche durch Medien auf Slacklinen aufmerksam wurden. Auch das Interesse des Verfassers dieser Arbeit wurde durch eine Fernsehberichterstattung über diese Bewegungsform geweckt. Als überaus aufschlussreich ist die Aufführung der verschiedenen Fortbildungen zu werten. Slacklinen hat vermutlich längst seinen „Playground“ verlassen und wird in anderen Bereichen erprobt und eingesetzt. Jedoch bleibt abzuwarten, ob es sich dort etablieren wird. Frage 2: „Wie hast Du Slacklinen erlernt?“ Darstellung der Ergebnisse Eine Auswertung dieser Frage ergibt, dass knapp die Hälfte aller Männer (48,2%) und etwas mehr als die Hälfte aller Frauen (55,6%) die Bewegungsform ‚alleine’ gelernt haben, ein Drittel offensichtlich ‚von Freunden’ (33,1%). Tabelle 9 zeigt außerdem, dass Frauen Slacklinen nicht ‚in einem Verein’ und nicht vom (Lebens-) Partner’ gelernt haben. Tab. 9: Erlernen des Slacklinens Von In einem Vom (Lebens-) Alleine Im Verein Mit Freunden Freunden Kurs Partner männlich 48,2% 34,1% 9,4% 2,4% 1,2% 4,7% weiblich 55,6% 30,6% 13,9% 0,0% 0,0% 0,0% gesamt 50,4% 33,1% 10,7% 1,7% 0,8% 3,3% Interpretation Der auffallend hohe Prozentsatz (50,4%) derjenigen, die Slacklinen alleine gelernt haben, ist nicht überraschend. Als Zugangsmöglichkeiten für Anfänger boten sich bislang nicht viele Gelegenheiten. In Deutschland gibt es nur wenige Profis, die ihr Wissen an Anfänger weitergeben können, weshalb die meisten Slackliner Autodidakten sind. Des Weiteren lässt sich aus der Tabelle erneut ablesen, dass Slacklinen einen geselligen Charakter besitzt und man es offensichtlich ‚von Freuden’ (33,1%) erlernen kann. Vertrauen in die Mitglieder des Freundeskreises und neue Freundschaften können dadurch aufgebaut werden, es entsteht der Charakter der peer group44. Viele der Befragten, die ‚von Freunden’ ankreuzten, haben sicherlich auch ‚mit Freunden’ Slacklinen erlernt. 44 Eine Gruppe oder Gruppierung von meist Jugendlichen oder Personen gleicher Altersgruppe, welche gemeinsamen Interessen, Neigungen oder Hobbys nachgehen. 50
  • Slacklinen – ein neuer Trendsport? Frage 3: „Mit wem betreibst Du vorwiegend Slacklinen?“ Darstellung der Ergebnisse Slacklinen wird vorwiegend (51,1%) in Gruppen mit Gleichgesinnten, also ‚mit Freunden’, betrieben (siehe Tab. 10). 29,3% der Slackliner üben die Bewegungsform hauptsächlich ‚alleine’ aus. 14,4% gehen ‚mit dem (Lebens-) Partner’ slacklinen, 5,2% der Befragten üben Slacklinen ‚mit Vereinsmitgliedern’ aus. Tab. 10: Ausübungsform des Slacklinens Mit Mit Alleine Mit Freunden Vereinsmitgliedern (Lebens-) Partner Männlich 30,5% 3,9% 49,2% 16,4% Weiblich 26,1% 8,7% 56,5% 8,7% gesamt 29,3% 5,2% 51,1% 14,4% Interpretation Bei der Hinterfragung des „Warum“ im zweiten Teil dieser Frage nennen 53 Teilnehmer ‚Spaß’, weitere 20 ‚lernen, austauschen, inspirieren’ als Gründe. Der Aspekt des gegenseitigen ‚Motivierens’ wird von 11 Personen als Antwort gegeben. Die Begründungen für Slacklinen ‚mit Freunden’ sind unter anderem: • „große Motivation durch das gegenseitige ‚pushen’“ • „schauen was andere können, Tricks abschauen“ • „weil es riesigen Spaß macht sich einfach gechillt in einem Park zu treffen um zu slacken...und man lernt dadurch immer mehr Leute kennen.“ • „weil es mit Freunden am meisten Spaß macht. Man trifft sich, ‚settet’ eine Line und lernt immer wieder was Neues dazu. Man hat Phasen zwischendrin, kann zu zweit laufen, zusammen macht es einfach noch mehr Spaß.“ • „um mit Freunden Zeit zu verbringen, in der Sonne zu chillen und kleine Erfolgserlebnisse zu haben.“ • „alleine finde ich eher langweilig und bin froh wenn ich jemand habe mit dem ich slacken gehen kann.“ Die häufigsten Antworten auf das „Warum“ in Bezug auf die Variable ‚Alleine’ lassen sich mit „Abschalten und Entspannung“ zusammenfassen (17 Nennungen). 8 Personen begründen ihre Vorliebe, alleine Slacklinen zu gehen, mit „Konzentration“, 10 Teilnehmer damit, „weil andere keine Zeit haben“. 51
  • Slacklinen – ein neuer Trendsport? Frage 4: „Kennst Du verschiedene Tricks?“ Darstellung der Ergebnisse Während lediglich 10% aller männlichen Slackliner keine Tricks kennen, beläuft sich dieser Prozentsatz bei Frauen auf 39%. Unabhängig vom Geschlecht listen 56% aller Teilnehmer Tricks in einer deutschen Bezeichnung auf, wohingegen nur ein Viertel englische Bezeichnungen verwendet (siehe Abb. 11). Abb. 11: Prozentuale Verteilung der englischen und deutschen Bezeichnungen für Tricks Interpretation Diese Frage soll klären, ob die Bezeichnung eines Tricks in der deutschen Sprache geläufig ist, oder ob Amerikanismen verwendet werden. Amerikanismen kommen in Trendsportarten sehr häufig vor, vornehmlich als Bezeichnung für die Bewegungsform selbst und für Tricks. Dies begründet sich aus dem Sachverhalt, dass Trendsportarten (vgl. Kapitel 3.1 und den Sachverhalt der Globalisierung) meistens ihren Ursprung in Amerika und dort speziell in Kalifornien haben. Zunächst ist überraschend, dass über ein Drittel der Frauen keine Tricks nennen. Eine mögliche Erklärung wäre, dass sich 51,6% der weiblichen Befragten in Bezug auf ihren Könnensstand als Anfängerinnen sehen, deren Slackline-Einheiten sich vermutlich ausschließlich auf das sichere Begehen einer Line beschränken. In Bezug zum Gesamtergebnis lässt sich der etwa doppelt so hohe Prozentsatz an deutschen Begriffen für Tricks dahingehend interpretieren, dass sich die Kultur um Slacklinen derzeit sehr stark im deutschsprachigen Raum ausbreitet und vorangetrieben wird. Viele der „neuen“ Tricks werden in Deutschland entwickelt und erhalten somit vermutlich deutsche Bezeichnungen. 52
  • Slacklinen – ein neuer Trendsport? Frage 6 „Wozu betreibst Du Slacklinen?“ Darstellung der Ergebnisse Unter den 40 Fragen des Fragebogens weist diese Frage die meisten Nennungen (n=476) auf. Aus Abbildung 12 ist ersichtlich, dass die Variablen ‚zur Entspannung’ (86 Nennungen bzw. 84,3%) und ‚als Gleichgewichtstraining’ (85 Nennungen bzw. 83,3%) am häufigsten angegeben werden. ‚Zur Konzentrationsübung’ und ‚um Freunde zu treffen’ folgen mit 73 und 67 (71,6% bzw. 65,7%) Nennungen. Abb. 12: Motivation zum Slacklinen (n=476) Interpretation Diese Frage gibt Aufschluss über die bereits im Vorfeld vermuteten vielfältigen Sinndimensionen des Slacklinens. Auffallend ist, dass über 80% der Befragten Slacklinen als Gleichgewichtstraining und zur Entspannung durchführen. Dies zeigt die Absicht, durch die Ausübung des Slacklinens eine innere und äußere Balance zu erlangen. Hierzu ist sicherlich auch die Variable ‚Konzentrationsübung’ (71,6%), die speziell den Aspekt der Fokussierung aufgreift, zu rechnen – ein Aufblühen im eigenen Tun und Dasein, das Verschmelzen von innerer und äußerer Balance, möglicherweise sogar das Erleben von Flow45. 45 Der Begriff Flow lässt sich auf Mihaly Csikszentmihalyi (1987) zurückführen und beschreibt „das holistische Gefühl beim völligen Aufgehen in einer Tätigkeit.“ 53
  • Slacklinen – ein neuer Trendsport? Als ‚Training für andere Sportarten’ nutzen 44,1% der Befragten diese Bewegungsform und nennen folgende andere Sportarten in der Reihenfolge ihrer Häufigkeit: „Klettern“, „Wintersport“ (Skifahren, Snowboarden, Skilanglauf), „für jede andere Sportart“, „Radsport“, „Surfen“ und „Eisschnelllauf“. Bei der Erstellung des Fragebogens wurde diese Frage in drei Bereiche unterteilt, welche den Teilnehmern nicht explizit ersichtlich waren. Die Antwortmöglichkeiten 1-3 beziehen sich auf ‚physische Faktoren’, ‚soziale Faktoren’ sind in den Antworten 4-6 und ‚psychische Faktoren’ in den Antworten 7-9 abgebildet. Abbildung 13 zeigt die prozentuale Verteilung dieser Bereiche. ‚Psychische Faktoren’ ist mit 40% die häufigste Nennung. Die Möglichkeit die Balancierkunst aufgrund von ‚sozialen Faktoren’ auszuüben und sich dadurch mit Freunden zu treffen bzw. neue Leute kennen zu lernen, sowie mit dem Partner etwas gemeinsam zu unternehmen, stellt für 27% aller Befragten eine Motivation dar, während es 33% auch aufgrund ‚physischer Faktoren’ und dem damit verbundenen Gleichgewichts- und Kräftigungstraining betreiben. Abb. 13: Einteilung der Motivation in drei Bereiche 54
  • Slacklinen – ein neuer Trendsport? 6.3.3 Hintergrundwissen über Slacklinen In diesem Kapitel werden Fragen zum grundlegenden Wissen über Slacklinen (Bekanntheit verschiedener Slackline-Sets und Namen von berühmten Slacklinern) dargestellt. Frage 7: „Welche Slackline-Sets der folgenden Hersteller sind Dir bekannt? Darstellung der Ergebnisse Bei dieser Frage dient nicht die Gesamtzahl der genannten Slackline-Sets (n=299) als Basis zur Errechnung der prozentualen Verteilung, sondern jede Variable wird in Bezug zu den 102 Teilnehmern gesetzt. Demnach sind die Sets von ‚Mountain Equipment’ (63,7%), ‚Slackline- Tools’ (62,2%) und ‚AustriAlpin’ (53,9%) die bekanntesten. Das Set des „Entdeckers“ (Scott Balcom) ‚Slackdaddy’ ist lediglich 13,7% der befragten Slackliner bekannt (vgl. Abb. 14). Abb. 14: Prozentuale Verteilung des Bekanntheitsgrades von Slackline-Sets nach Herstellern Interpretation Mit dieser Frage möchte der Verfasser dieser Arbeit etwas über das vorhandene Wissen der Befragten in Bezug zur Geschichte des Slacklinens erfahren. Durch das Erfragen der Bekanntheit verschiedener Slackline-Sets soll herausgefunden werden, ob auch die Sets von den „Erfindern“ (Scott Balcom und Ric Piegh) bekannt sind. Diese kamen zuerst auf den amerikanischen Markt (‚Slackline Brothers Inc.’ und ‚Slackdaddy’). Damit könnte diese Frage gleichzeitig ein Indiz dafür liefern, ob die Geschichte des Slacklinens bekannt ist und welche Rolle darin die „Ursprungssets“ spielen, oder ob lediglich jene Sets bekannt sind, welche im deutschsprachigen Raum verkauft werden. 55
  • Slacklinen – ein neuer Trendsport? Es verwundert nicht, dass das am häufigsten genannte Slackline-Set (63,7%) von Mountain Equipment kommt, welches in Zusammenarbeit von Heinz Zak und der Seilerei Peter für diese Firma zusammengestellt und als erstes Set auf dem europäischen Markt verkauft wurde. Der hohe Bekanntheitsgrad des Slackline-Sets der zum Zeitpunkt der Erstellung dieser Arbeit noch sehr jungen Firma Slackline-Tools (62,7%) könnte darin begründet sein, dass in diesem Set die traditionelle Methode des Flaschenzugs wieder zum Einsatz kommt. Vermutlich kennen einige Slackliner dieser Umfrage das erwähnte Set aus Workshops. Die häufige Nennung des Sets von AustriAlpin lässt sich möglicherweise darauf zurückführen, dass das Set zum einen äußerst klein, handlich und tragbar, zum anderen relativ kostengünstig ist und ebenfalls schon relativ früh auf den Markt kam. Durch den Einsatz eines Schlauchbandes wird das Begehen dieser Line als angenehm und „weich“46 empfunden, was einen weiteren Grund für die Beliebtheit und somit den hohen Bekanntheitsgrad darstellen könnte. Das Bekanntsein weiterer Sets war zu vermuten. Daher wurde bei der Erstellung des Fragebogens die Möglichkeit zur Nennung zweier weiterer Sets eingeräumt. Aufgrund der Verteilung des Fragebogens in deutschsprachigen Foren war zu erwarten, dass auch das Set von Slackliner.de (14,7%) genannt wird. Weitere genannte Slackline-Sets sind von Slackstar, Gibbon, Slackliner.at und von anderen Seilereien. Der relativ geringe Prozentanteil der Sets der Pioniere ist wohl darauf zurückzuführen, dass die Befragung im deutschsprachigen Raum stattgefunden hat, sowie auf die Tatsache, dass der größte Teil der Befragten als Könnensstand ‚Fortgeschrittene’ und ‚Anfänger’ angaben und sich evtl. (noch) gar nicht mit der historischen Entwicklung des Slacklinens befasst hat. In Amerika könnte das Ergebnis durchaus umgekehrt ausfallen. Insgesamt 62 Personen besitzen eines oder mehrere eigene Slackline-Sets (siehe Frage 8), am häufigsten das Set von ‚Slackline-Tools’ (40,3%), gefolgt vom ‚Mountain Equipment Slackline-Set’ (29,0%) und dem Set von ‚Slackliner.de’ (16,1%). Frage 9: „Welche der folgenden Namen sind Dir bekannt?“ Darstellung der Ergebnisse Bei dieser Frage erhalten ‚Heinz Zak’ und ‚Dean Potter’ mit 28% bzw. 25% die meisten Nennungen. ‚Scott Balcom’ und ‚Chongo’ folgen mit jeweils 12%, ‚Chris Carpenter’ und ‚Shawn Snyder’ mit jeweils 8%. Den geringsten Bekanntheitsgrad bei den Befragten haben ‚Charles Tucker’ mit 5% sowie ‚Ric Piegh’ mit 2%. 46 Ein Schlauchband ist weniger scharfkantig als ein Band aus dem Industriebereich, welches normalerweise in Ratschen zum Einsatz kommt. 56
  • Slacklinen – ein neuer Trendsport? Interpretation Diese Frage stellt einen Bezug zur Geschichte bzw. dem Bekanntheitsgrad berühmter Slackliner her. Es ist nicht verwunderlich, dass Heinz Zak die Rangliste anführt, schließlich gilt er in Europa als Pionier und veranstaltete das erste Treffen in Europa. Zudem ist er in der Kletterszene eine ebenso bekannte Persönlichkeit wie Dean Potter, der durch unzählige ungesicherte Kletteraktionen und Highlinebegehungen Schlagzeilen macht und als Nebenrolle im Film Am Limit ebenfalls ungesichert auf einer Highline balanciert. Chongo spannte mit Scott Balcom und dessen Bruder Ric Piegh (Begründer der Firma Slackline Brothers Inc.) die ersten Highlines, vermutlich ist er den Slacklinern eher aufgrund seiner Nebenrolle im genannten Film sowie durch seine Anwesenheit beim „1. Internationalen Mountain Equipment Slackline-Treffen“ bekannt. Seinen bürgerlichen Namen Charles Tucker kennen aber vermutlich nur diejenigen, die sich intensiv mit der Geschichte des Slacklinens befassen und selbst nach älteren amerikanischen Artikeln recherchieren. Chris Carpenter beobachtete mit Scott Balcom im Yosemite Nationalpark im Sommer 1983 Jeff Ellington und Adam Grosowski. Der geringe Prozentsatz von 8% kann ebenfalls auf die Tatsache zurückgeführt werden, dass die Geschichte des Slacklinens den meisten Befragten weitgehend unbekannt ist. Shawn Snyder (8%) dürfte vermutlich nur denjenigen ein Begriff sein, die sich intensiver mit der Disziplin des Highlinens auseinandersetzen. 6.3.4 Fragen zu Merkmalen eines Trendsports nach Jürgen Schwier In diesem Kapitel werden die Ergebnisse der Fragen zu den Trendsportmerkmalen nach Jürgen Schwier dargestellt und interpretiert. Die Ergebnisse sollen Aufschluss darüber geben, inwiefern Slacklinen schon zu den Trendsportarten gezählt werden kann oder noch eine „exotische“ Bewegungsform darstellt. Frage 5: „Hast Du ein „Slackliner-Vorbild“?“ Darstellung der Ergebnisse Wie aus Tabelle 11 zu entnehmen ist, geben lediglich 17,6% der Befragten an, ein „Slackliner-Idol“ zu haben. ‚Tillmann Müller’ führt die Liste der Idole mit 38,9% an, gefolgt von ‚Heinz Zak’ mit 22,2%. ‚Dean Potter’ (16,7%), ‚Damian Cooksey’ (11,1%), ‚Chongo’ (5,6%) und ‚Andi Lewis’ (5,6%) wurden als weitere Idole genannt. Tab. 11: Übersicht der genannten Idole Damian Tillmann Idol ? Heinz Zak Chongo Dean Potter Andi Lewis Cooksey Müller ja 17,6% 22,2% 11,1% 5,6% 38,9% 16,7% 5,6% nein 82,4% - - - - - - 57
  • Slacklinen – ein neuer Trendsport? Interpretation Mit dieser Frage sollen eventuelle Rückschlüsse auf das Merkmal der Ordalisierung (vgl. Kap. 4.1) gezogen werden. Dabei beruft sich der Autor dieser Arbeit auf das Zitat von Jürgen Schwier (1998, S.12): „Der Trend zur Ordalisierung von Risikosportarten und die Nachfrage an entsprechende „Helden“ wird in näherer Zukunft wohl anhalten. Darüber hinaus könnte ferner eine Tendenz zur massenmedialen Inszenierung sportlicher Ordale oder ordalischer Game Shows (z.B. „American Gladiators“) wirksam werden.“ Der Aspekt des „Heldentums“ steht in diesem Kontext in Beziehung zur Frage nach dem Idol. Zu vielen Events werden „Stargäste“ und „Altmeister“ eingeladen, die Tricks auf der Low- sowie Highline vorführen bzw. den Spirit des Slacklinens weitergeben. Dies legt den Schluss nahe, dass eben jene Protagonisten für viele als Idole gelten, denen nachzueifern es sich lohnt. Bei dieser Frage ist von Interesse, ob vordergründig Idole genannt werden, die bereits waghalsige Aktionen auf der Highline durchgeführt haben oder mit Unternehmungen ihr Leben aufs Spiel setzten und damit ein ordalisches Verhalten aufwiesen (z.B. Dean Potters ungesicherte Überschreitung der Spire-Line). Viele begeisterte Slackliner betrachten diese Idole möglicherweise als Helden. Tillmann Müller, Teilhaber der Firma Slackline-Tools, beging neben anderen die höchstgelegene Highline in Europa im Mont Blanc Massiv erfolgreich. Nachforschungen ergaben, dass er an der Universität Konstanz bereits Slackline-Kurse und Workshops erfolgreich abgehalten hat. Als Gründe für seine Nennung als Idol gaben die Befragten Antworten wie: „für mich kann er es am besten“, „die Energie neue Tricks zu lernen“, „er hat es mir beigebracht und verkörpert dieses Gefühl einfach perfekt“, „er lebt das Slacklinen, hat die richtige Philosophie dazu“ und „der ist der Hammer (begnadeter Slacker)“. Die häufigen Nennungen Müllers als Idol können somit vermutlich durch den Aspekt der Integration des Slacklinens in seinen Lebensstil erklärt werden. Dies inspiriert sicherlich viele andere Slackliner in seinem Umfeld und besonders diejenigen, welche Slacklinen sowie die Philosophie dazu von Müller persönlich erlernten. Slacklinen zu leben, sich mit der Thematik intensiv zu befassen, eine Firma für Slackline-Sets zu gründen – all dies erfordert ein enormes Engagement und Liebe zu dieser Bewegungsform. Für Heinz Zak als Idol werden ähnliche Gründe aufgeführt: „weil er alles kann“, „über ihn kam der Sport ins Land“ und „einfach der absolute Vorzeigeslacker“. 58
  • Slacklinen – ein neuer Trendsport? Frage 10: „Hast Du schon von Slackline-Treffen gehört?“ Darstellung der Ergebnisse Abbildung 15 zeigt, dass die meisten an der Umfrage beteiligten Slackliner schon von Slackline–Events gehört haben (83,3%). Das ‚Mountain Equipment Slackline-Treffen in Scharnitz’ überwiegt mit 36%, gefolgt von ‚Walk the Line in Radolfzell’ mit 18,7%. Das ‚DAV Summer Slacking in Landshut’ und ‚Slackfest in Chemnitz’ folgen mit 16,7% und 12,0%. Abb. 15: Prozentuale Verteilung der bekannten Slackline-Events Aus den Antworten zu Frage 11 (siehe Tab. 12) kann man folgern, dass Slackliner im Allgemeinen an solchen Events interessiert sind (78,4%). Lediglich etwa ein Fünftel der Befragten (21,6%) zeigt eine negative Haltung gegenüber solchen Treffen. Hiervon geben 45,5% ‚zu viele Menschen auf einem Haufen’ und ‚eine zu große Kommerzialisierung’ als Gründe an, 54,5% begründen ihre Ablehnung nicht. Tab. 12: Interesse der Teilnehmer an Slackline-Events Gesamt „Zu viele Menschen auf einem Haufen“ „Zu große Kommerzialisierung“ Keine Angabe Ja 78,4% - - - Nein 21,6% 27,3% 18,2% 54,5% Nach einer Teilnahme an Events befragt, antworten lediglich 34,3% der Slackliner mit einem „Ja“ und nennen hierbei vor allem den Event in Scharnitz, gefolgt von den Events in Radolfzell und Landshut. 59
  • Slacklinen – ein neuer Trendsport? Interpretation Fragen 10, 11 und 12 behandeln das Merkmal der Eventisierung. Die häufige Nennung des ‚1. Internationalen Mountain Equipment Slackline-Treffens’ ist nicht verwunderlich, es stellt, wie bereits erwähnt, den ersten Event seiner Art in Europa dar. Auffallend ist die Nennung von Treffen in verschiedenen Ländern (Deutschland mit Treffen in Radolfzell, Landshut, Chemnitz und Tübingen, Österreich (Scharnitz), Polen und den USA). Somit kann man vermuten, dass in Deutschland und den umliegenden Ländern – davon vorwiegend in Österreich aufgrund seines viel genutzten Forums www.slackline.at – Slacklinen in verschiedenen Gruppen betrieben wird, welche sich um die Organisation von Events kümmern und damit den Bekanntheitsgrad des Sports vorantreiben wollen. Dem Verfasser sind weitere Gruppierungen in Freiburg, Berlin, Stuttgart, München und Wangen im Allgäu bekannt. Frage 13: „Was erwartest Du von einem Slackline-Event?“ Darstellung der Ergebnisse Aus Tabelle 13 ist ersichtlich, dass 21,1% der Befragten den ‚Aufenthalt mit Gleichgesinnten’ und 19,5% ‚neue Tricks lernen’ als wichtig erachten, wohingegen Wettkämpfe mit 4,4% eine untergeordnete Rolle spielen. Die Faktoren ‚Party/Spaß’ (19,0%) sowie die Möglichkeit, sich ‚Informationen über Slacklinen einholen’ (13,8%) und ‚technisch auf dem Laufenden halten’ (12,2%) bieten weitere Anreize für die Teilnahme an einem Slackline-Event. ‚Shows’ sind den bereits aufgeführten Erwartungen mit 9,9% untergeordnet. Tab. 13: Prozentuale Verteilung der Erwartungen an Slackline-Events Aufenthalt mit Neue Tricks Technisch auf dem Informationen über Show Wettkämpfe Party/Spaß Gleichgesinnten lernen Laufenden halten Slacklinen einholen 9,9% 4,4% 19,0% 21,1% 19,5% 12,2% 13,8% Interpretation Die Antwortenverteilung belegt, dass der gesellige Charakter des Slacklinens offensichtlich auch bei Events im Vordergrund steht: gemeinsames Fachsimpeln, sich in Sachen Technik austauschen, neue Tricks weitergeben und vor allem Spaß haben. Dabei bestätigt sich auch die Vermutung aus Kapitel 4.1, dass das Merkmal der Eventisierung beim Slacklinen bereits Einzug gehalten hat, wobei die weitere Entwicklung abzuwarten bleibt. 60
  • Slacklinen – ein neuer Trendsport? Frage 16: „Welcher Tendenz würdest Du beim Slacklinen eher zustimmen?“ Darstellung der Ergebnisse Die Auswertung der Antworten ergibt, dass die Umfrageteilnehmer mit einem Anteil von 65% beim Slacklinen eher eine ‚Tendenz zur Entschleunigung’ sehen. Knapp ein Drittel (30%) stimmt einer Tendenz zur Beschleunigung zu, 5% machen keine Angabe (vgl. Abb. 16). Abb. 16: Prozentuale Verteilung der Tendenzen zur Beschleunigung und Entschleunigung Interpretation Die Analyse dieser Frage hinterfragt das Merkmal des Tempos nach Jürgen Schwier. Damit soll die Vermutung des Verfassers in Kapitel 4.1, dass Slacklinen eher den Gegentrend „Entschleunigung“ verkörpert, überprüft werden. Als Interpretationsansatz bietet sich ein Vergleich dieser Frage mit der folgenden (Frage 17 im Fragebogen) an, welche die Eingliederung des Slacklinens in einen bestimmten Bereich erfragt. Bereits im Vorfeld der Untersuchung kam die Überlegung auf, ob diejenigen, die Slacklinen in die Bereiche ‚Skate- und Snowboarden’ sowie ‚Turnen, Akrobatik’ eingliedern, in der vorigen Frage eher der ‚Tendenz zur Beschleunigung’ zustimmen würden. Die Sportarten Skate- und Snowboarden sowie das Turnen mit ihrer jeweils eigenen Dynamik, sowie verschiedenen Tricks, Übungen und Sprüngen lassen eindeutig Rückschlüsse auf Beschleunigung (und damit indirekt auf das Merkmal des Tempos nach Jürgen Schwier) zu. Es ist durchaus möglich, dass Slackliner, die sich in der Disziplin der Jumpline und evtl. auch Highline zuhause fühlen, eher eine ‚Tendenz zur Beschleunigung’ sehen. Tabelle 14 listet die aus dem Vergleich resultierende Häufigkeitsverteilung auf, wobei jeweils zwei Prozentwerte angegeben werden. Aus der Verteilung ergibt sich, dass eine ‚Tendenz zur Beschleunigung’ häufig mit einer Zuweisung des Slacklinens zum Bereich ‚Turnens und Akrobatik’ (51,4%) 61
  • Slacklinen – ein neuer Trendsport? korreliert. 18,9% ordnen die Bewegungsform dem ‚Klettern’ und 10,8% der Befragten dem ‚Snow- und Skateboarden’ zu. Interessanterweise schreiben 34,6% der Studienteilnehmer, welche eine ‚Tendenz zur Entschleunigung’ annehmen, Slacklinen ebenfalls ‚Turnen und Akrobatik’ zu. Allerdings kommt für ein Viertel der Befürworter der Entschleunigung eine weitere mögliche Zuordnung des Slacklinens zum Bereich ‚Yoga, Thai Chi und Meditation’ in Frage. Nur wenige betrachten die Bewegungsform als ‚etwas eigenes’ und kennzeichnen dies in dem Wortlaut „Slackline“ und „etwas eigenes“. Vereinzelt wurde Slacklinen unter „sonstiges“ als eine Art „Koordinations- und Konzentrationstraining“ und eine „Kombination aus Yoga und Turnen“ bezeichnet. Tab. 14: Vergleich der Fragen 16 und 17 Yoga, Koordinations-, Kombination Snow-, Turnen, Etwas Thai Chi, Klettern Konzentrations- aus Yoga u. Skateboard Akrobatik eigenes Meditation training Turnen Beschleunigung 10,8% 5,4% 51,4% 0,0% 18,9% 8,1% 5,4% Entschleunigung 7,4% 25,9% 34,6% 7,4% 8,6% 7,4% 8,6% Keine Angabe 0,0% 0,0% 2,4% 1,6% 0,0% 0,0% 0,0% Frage 18: „Mit welchen drei Begriffen (Adjektiven) würdest Du Slacklinen charakterisieren?“ Darstellung der Ergebnisse Bei dieser Frage war eine große Anzahl verschiedener Adjektive zu erwarten. Daher wurden die genannten Begriffe zusammengefasst und nach ihrer Häufigkeit geordnet. Eine anschließende Kategorisierung teilte die Adjektive in verschiedene Aspekte des Slacklinens vor. Daraus resultierend konnten die Antworten dabei grundsätzlich in fünf verschiedene Bereiche unterteilt werden: ‚Gegenstand Slackline’, ‚Szene’, ‚Mentale Aspekte’, ‚Physische Aspekte’ und ‚Bewegung Slackline’ (vgl. Abb. 17). Unter den ‚Mentalen Aspekt’ mit 28,2% fallen Begriffe wie „entspannend“, „beruhigend“, „ausgleichend“ und „konzentriert“, wobei ersterer am häufigsten genannt wird. Begrifflichkeiten zur ‚Bewegung Slackline’ mit den Adjektiven „dynamisch“, „außergewöhnlich“, „neu“, „faszinierend“, „vielfältig“ und „spannend“ kommen zu 26,9% vor. Die Begriffe „anstrengend“, „schwierig“ und „herausfordernd“ sind dem Bereich der physischen Aspekte (23,3%) zugehörig. Eine geringere Anzahl an Nennungen erhält der Begriff „spaßig“, welcher der Kategorie ‚Szene’ zugeordnet wurde. Nur wenige Nennungen können Adjektive des Bereichs ‚Gegenstand Slackline’ (4,8%) (bspw. „benutzerfreundlich“, „unaufwändig“ und „spontan“) vorweisen. 62
  • Slacklinen – ein neuer Trendsport? Abb. 17: Kategorien der genannten Slackline-Adjektive Interpretation Slacklinen stellt auf physischer Ebene eine anfangs schier unlösbare Bewegungsaufgabe dar. Wackelige Knie und das Verlieren des Gleichgewichts auf der Slackline sind dabei völlig normal. Aufgrund des hohen prozentualen Anteils scheint es notwendig, auch dem mentalen Aspekt eine hohe Beachtung zu schenken. Beim Slacklinen handelt es sich somit um eine Bewegungsform, die sehr viel Konzentration erfordert und nur dann gelingt, wenn der Körper auch auf mentaler Ebene leistungsbereit ist. Frage19: „Glaubst Du, dass Du einen eigenen Stil hast?“ Darstellung der Ergebnisse 61% verneinen diese Frage, 39% der Slackliner geben einen eigenen Stil an (siehe Abb. 18). Abb. 18: „Ja-Nein“ Verteilung in Bezug zum eigenen Slackline-Stil 63
  • Slacklinen – ein neuer Trendsport? Interpretation Diese Frage steht in Zusammenhang mit dem Stilisierungsmerkmal nach Jürgen Schwier. Nach dem Beschreiben eines eigenen Stils weitere Anzeichen für eine Stilisierung herausgearbeitet werden (vgl. Abb. 19). Auffallend ist dabei, dass beinahe die Hälfte der Befragten (42,5%) ihren Stil als „eigenen Stil“ charakterisiert, dabei jedoch nicht weiter ins Detail geht. Weitere Bezeichnungen für Stile sind: „langsam und kontrolliert“ (22,5%), „anmutig und ästhetisch“ (17,5%), „kraftvoll statt Technik (7,5%). 5% betiteln ihren Stil als „zittrig, wackelig“ und „schnell, hohes Tempo, viele Tricks“. Abb. 19: Kategorienunterteilung der verschiedenen genannten Slackline-Stile Unterzieht man diese Frage einem Vergleich mit dem angegebenen Könnensgrad der Slackliner aus Frage 37, so geben bereits fünf ‚Anfänger’ einen eigenen Stil an, welchen sie als „wackelig, zittrig“ bzw. „kraftvoll statt Technik“ bezeichnen. Die Angaben der ‚Fortgeschrittenen’ sind über das gesamte Antwortenspektrum gestreut, wobei hauptsächlich „eigener Stil“ genannt wurde. Alle ‚Profis’ weisen sich einen bestimmten Stil zu, der als „langsam und kontrolliert“, „anmutig, ästhetisch“ und „eigener Stil“ beschrieben wird. Je fortgeschrittener jemand in der Bewegungsform des Slacklinens ist, desto eher wird er seinen eigenen Stil entwickeln und definieren. Diese Annahme steht in engem Zusammenhang mit der Beobachtung, dass sich Slacklinen bislang in einem Entwicklungsstadium befindet und sich nur diejenigen einen eigenen Stil zuschreiben, welche der Bewegungsform bereits seit längerem treu sind. Die Aussagen der Befragten würden sich vermutlich im Verlauf der Zeit ändern, z.B. bei einer erneuten Befragung derselben Teilnehmer in einigen Jahren. 64
  • Slacklinen – ein neuer Trendsport? Abb. 20: Verteilung der Angaben bezüglich des Stils nach Könnensgrad Frage 20: „Wie würdest Du den Typ „Slackliner“ charakterisieren?“ Diese Frage zielt ein weiteres Mal auf das Merkmal der Stilisierung nach Jürgen Schwier ab. Die angegebenen Stichworte (n=216) wurden zusammengefasst und anschließend ihrer Häufigkeit nach geordnet. Dabei wurde vom üblichen Verfahren abgewichen, da die prozentualen Angaben nicht in Beziehung zur Summe der genannten Stichworte stehen, sondern sich auf die „valid cases“ beziehen. Die Zahl der valid cases ist in diesem Fall auf n=98 begrenzt, da vier der Befragten keine Angaben machten und als „missing value“ gelten. Darstellung der Ergebnisse Die Charaktereigenschaften „lässig“ und „hilfsbereit“ dominieren bei den Antworten (über ein Drittel), gefolgt von den Kategorien „kreativ, Spaß am Probieren und Experimentieren“ und „sportlich“. „Naturverbunden“ (19,4%), „ehrgeizig“ (16,3%), „alternativ“ (13,3%) sowie „konzentrationsfähig“ (11,2%) folgen als weitere Charakterbeschreibungen. 7,1% sehen in Slacklinern „lustige, lebensfrohe“ Menschen, 4,1% bezeichnen sie als „jung und dynamisch“ und 2% als „risikofreudig“. Fast ein Viertel der Befragten sind der Meinung, dass man „den Slackliner“ charakterlich nicht beschreiben und abgrenzen kann und weisen ihm daher das Attribut „kein bestimmter Typ“ (23,5%) zu (vgl. Abb. 21). 65
  • Slacklinen – ein neuer Trendsport? Abb. 21: Darstellung der verschiedenen Slackliner-Charaktereigenschaften Interpretation Das Wort „lässig“ ruft einen Zusammenhang zum Kapitel „Trends als Metaphern“ mit der Aufführung des Begriffes slack als Adjektiv in Erinnerung und stützt somit die theoretischen Ausführungen. Im theoretischen Teil dieser Arbeit wird ebenfalls das Ethos vieler Slackliner angeführt, Passanten bei Fragen Auskunft über den Sport zu geben und gegebenenfalls Hilfestellung beim Ausprobieren zu leisten. Diese Einschätzung spiegelt sich in der häufigen Nennung der Kategorie „hilfsbereit“. Dass Slacklinen durchaus der Kreativität förderlich ist und der Umsetzung anderer Bewegungsaufgaben dienen kann, zeigt die Häufigkeit der Antwort „kreativ, Spaß am Probieren und Experimentieren“. Der Spaß am Experimentieren und Ausprobieren wird mit Sicherheit gefördert und kann einen Ausgleich zur Arbeitswelt und dem Berufsleben bieten. Als äußerst interessant erscheint die Kategorie „kein bestimmter Typ“. Dies beschreibt letztlich, dass jeder Mensch Slacklinen ausprobieren und erlernen kann, was auch die Meinung des Verfassers stützt. Man muss weder „Super-Sportler“ noch im Klettersport bewandt sein oder einen turnerischen Background haben, kann klein oder groß, dick oder dünn, sportlich oder unsportlich, talentiert oder untalentiert sein – jeder kann im Slacklinen genau das finden was er möchte. Slacklinen bietet somit die Möglichkeit zur Selbsterkundung und zum Spiel mit dem Gleichgewicht, es ist jedem zugänglich. 66
  • Slacklinen – ein neuer Trendsport? Frage 32: „In welchem Maße stimmst Du der folgenden Aussage zu?“ Darstellung der Ergebnisse Bei dieser Frage wurden vier Aussagen vorgegeben, welche die Befragten jeweils bewerten sollten. Dabei wurde erneut der soziale Charakter des Slacklinens hinterfragt (Antwortmöglichkeit a). Die Aussagen b) – d) stellen nochmals einen Bezug zum Extremisierungsmerkmal nach Schwier her. Für a) ergibt sich aus Tabelle 15, dass für ein Fünftel der Befragten der gesellige Charakter des Slacklinens voll zutrifft, für knapp die Hälfte trifft dies eher zu. Diesen Sachverhalt für nicht zutreffend erachten 28% der Slackliner, für 5% der Befragten trifft diese Aussage überhaupt nicht zu. 36% der Slackliner sehen es als voll zutreffend, dass sie sich ständig verbessern und mehr Tricks lernen wollen, 12% sehen dies als eher zutreffend und 17% als eher nicht zutreffend, lediglich 1% gaben ihre Bewertung unter ‚trifft überhaupt nicht zu’ ab. In Bezug zu Aussage c) (Ich will immer längere Lines gehen können) konzentriert sich die Mehrzahl der Befragten bei den Möglichkeiten ‚trifft eher nicht zu’ (46%) und ‚trifft eher zu’ (49%). Für 38% trifft diese Aussage voll zu. Bei Aussage d) zur Begehung einer Highline ist die Stimmverteilung breit gefächert. 39% und damit den meisten Zuspruch erhält ‚trifft voll zu’ gefolgt von 31% bei ‚trifft eher zu’. Knapp ein Drittel distanzieren sich eher von dieser Aussage und teilen zu 20% ihre Antworten unter ‚trifft eher nicht zu’ und 10% unter ‚trifft überhaupt nicht zu’ auf. Tab. 15: Darstellung von Frage 32 Trifft Trifft eher Trifft eher Trifft voll In welchem Maße stimmst Du der folgen Aussage zu? überhaupt nicht zu zu zu nicht zu Beim Slacklinen ist mir der gesellige Charakter a) 5% 28% 47% 20% am wichtigsten! Ich will mich beim Slacklinen ständig verbessern b) 1% 17% 12% 36% und mehr Tricks lernen! c) Ich will eine immer längere Line gehen können! 1% 46% 49% 38% d) Ich will bald eine Highline begehen können! 10% 20% 31% 39% Interpretation Die Ergebnisse zeigen, dass die prozentuale Verteilung der Antworten zu den vier Aussagen eher im positiven Bereich (‚trifft voll zu’ und ‚trifft eher zu’) liegt. Für den Antwortenbereich b) bis d) deutet dies auf eine zunehmende Extremisierung hin. Die Aussagen, dass Slackliner ihre Tricks ständig verbessern (36% und 12%), immer längere Lines (38% und 49%) und auch bald eine Highline begehen wollen (39% und 31%) zeigen, dass sie die individuellen 67
  • Slacklinen – ein neuer Trendsport? Grenzen immer weiter verschieben möchten und bestätigen das Extremisierungsmerkmal nach Schwier. In Slackliner-Kreisen beobachtete der Verfasser bereits einzelne Slackliner, die den Moment nach einer erfolgreichen Longline-Begehung zwar genossen, jedoch kurze Zeit später bereits auf der Suche nach einem größeren Abstand der Fixpunkte waren. Reichte die Länge des Bandes nicht aus, so wurde bei den Slacklineherstellern ein längeres Band bestellt. Immer höher gespannte Highlines an immer exotischeren Orten stehen ebenfalls für eine Verschiebung des bisherigen Limits in Richtung Extremisierung und für die Tendenz unter Highlinern, sich fast unüberwindbaren Herausforderungen auszusetzen. Das vorherige Kapitel stellt die Ergebnisse des Bereichs Trendsport aus dem Fragebogen dar, die der Erfragung des Merkmalskatalogs nach Schwier dienten. Zusammenfassend bestätigte die empirische Untersuchung die theoretische Analyse der Merkmale angewendet auf Slacklinen aus Kapitel 4.1. Somit kann H1 (Slacklinen ist aufgrund des Merkmalskatalogs nach Jürgen Schwier ein Trendsport) als bestätigt angesehen werden. 6.3.5 Fragen nach Volker Nagel In diesem Kapitel werden die Ergebnisse der modifizierten Fragen nach Volker Nagel dargestellt. Die Interpretation dient dazu, eine Prognose und damit eine Aussage bezüglich Arbeitshypothese H3 (Slacklinen wird sich aufgrund des positiven Befundes bezüglich der Akzeptanzkriterien nach Volker Nagel weiter verbreiten können und ist somit ein Trendsport) abzugeben. Darstellung der Ergebnisse Die prozentuale Verteilung bei Frage 21 zeigt, dass 67,3% glauben, Slacklinen lasse sich ‚schnell’ erlernen, 7,9% glauben sogar ‚sehr schnell’. Bezüglich der Schwierigkeit des Erlernens der neuen Bewegungsform (Frage 22) erhält weder der Pol ‚sehr einfach’ noch der Gegenpol ‚sehr schwierig’ eine Zuweisung. Als ‚Einfach’ erachten hingegen 54,5% und als ‚eher schwierig’ 35,6%, das Erlernen der neuen Bewegungsform, 9,9% sind der Meinung es sei ‚schwierig’. Der Großteil der Befragten vermutet, dass sich ‚schnell’ (59,4%) positive Bewegungserlebnisse erschließen (Frage 23), ‚sehr schnell’ meinen 20,8%, ‚eher langsam’ glauben 18,8% und 2,0% denken, dass dies nur langsam möglich ist (vgl. Tab. 16). 68
  • Slacklinen – ein neuer Trendsport? Tab. 16: prozentuale Verteilung der Fragen 21, 22, 23 des Fragebogens Frage 21: Wie schnell lässt sich Deiner Meinung nach das Slacklinen erlernen? Sehr langsam Langsam Eher langsam Schnell Sehr schnell 1,0% 5,0% 18,8% 67,3% 7,9% Frage 22: Wie schwierig schätzt Du das Erlernen des Slacklinens ein? Sehr schwierig Schwierig Eher schwierig Einfach Sehr einfach 0,0% 9,9% 35,6% 54,5% 0,0% Frage 23: Was denkst Du wie schnell sich positive Bewegungserlebnisse erschließen? Sehr langsam Langsam Eher langsam Schnell Sehr schnell 0,0% 2,0% 18,8% 59,4% 20,8% Interpretation Der Großteil der Ergebnisse liegt im positiven Bereich, d.h. es findet überwiegend ein schnelles bzw. einfaches Erlernen der neuen Bewegungsform statt, was sich in reizvollen Bewegungserlebnissen ausdrückt. Dies könnte eine positive Grundhaltung gegenüber der Bewegungsform widerspiegeln und mit ein Grund für das neu aufkommende Interesse am Slacklinen sein. Eher schwierig ist hingegen die Interpretation im Vergleich mit anderen Sportarten bzw. Bewegungsformen. Gegenüber etablierten Trendsportarten wie z.B. Skateboarden, Snowboarden und Inlineskaten ließe sich mutmaßen, dass Slacklinen einfacher erlernbar ist. Die genannten Trendsportarten sind jeweils mit einer gewissen Geschwindigkeit verbunden und stellen deswegen hohe Anforderungen an das Bewegungslernen. Zur Sicherung eines Anfängers ist in der Regel ein Könner anwesend, welcher dem Anfänger entsprechende Tipps zum Erlernen der Bewegung gibt. Beim Slacklinen ist die Hilfestellung vergleichsweise einfach. Natürlich können Anfänger bei den ersten Versuchen ohne einen Spotter herunterstürzen, jedoch geschieht dies meistens aus geringer Höhe, sodass der weiche Untergrund (z.B. Grasboden) einen Sturz abfedert. Bereits die ersten Momente auf einer Slackline können auch mit Spotter ein positives Gefühl auslösen. Relativ schnell klappen das alleinige Aufsteigen auf das Band und das ruhige Stehen. Dieser Moment wird von vielen Anfängern als Anreiz zu weiteren Versuchen empfunden mit dem Ziel, die Balance länger halten zu können. 69
  • Slacklinen – ein neuer Trendsport? Frage 24: Empfindest Du Slacklinen sei ein äußerlich attraktives Geschehen? Darstellung der Ergebnisse Diese Frage bejahen 91,2% aller Umfrageteilnehmer, die restlichen 8,8% sind gegenteiliger Meinung. Abb. 22: „Ja-Nein“ Verteilung zur äußerlichen Attraktivität des Slacklinens Interpretation Als attraktiv wird Slacklinen vor allem aufgrund seines ‚geschmeidigen Bildes’ und seiner ‚spektakulären und faszinierenden Wirkung auf Passanten’ empfunden (vgl. Abb. 22). Dies stellt wieder den Bezug zu Jürgen Schwier her: Das Ausführen einer Bewegungsform wird zur kulturellen Ausdrucksform, „deren Code von Außenstehenden nicht vollständig zu dechiffrieren ist“ (Schwier, 1998, S.10). Slacklinen sieht von außen betrachtet spektakulär aus und fügt sich bei Könnern zu einem geschmeidigen Bild aus rhythmischen und harmonischen Bewegungen zusammen. Die eigentliche Schwierigkeit, d.h. eine Line begehen, Tricks vollführen und dabei die Balance aufrecht zu halten, ist jedoch von Außenstehenden nicht vollständig zu erkennen. Das Zitat von Schwier weist auf einen zentralen Aspekt des Slacklinens hin. Das völlige Aufgehen in der Ausübung von Tricks, „sich nicht von Passanten aus der Konzentration bringen zu lassen“, ist gleichzeitig Ausdrucksform dieser Kultur. Die Bewegungskünstler geben sich als Slackliner, zeigen gerne was sie können und genießen es dabei bestaunt zu werden. 70
  • Slacklinen – ein neuer Trendsport? Frage 25 („Ist Slacklinen Deiner Meinung nach ‚bequem’ und spontan nutzbar?“) stellt für die Zuordnung der Bewegungsform Slacklinen eine äußerst wichtige Komponente dar. Darstellung der Ergebnisse Unschwer lässt sich erkennen, dass 84,3% die Balancierform für bequem und spontan nutzbar halten. Unter den Antworten können drei Bereiche differenziert werden: „Nur 2 Bäume, Fixpunkte nötig“ (29,3%), „leicht transportabel, schnell aufgebaut“ (54,3%) und „keine extra Kleidung nötig“ (2,6%). Als negativ merkt ein Teil der Befragten an, dass die Slackline „nicht überall zu kaufen“ ist (2,6%) und dass „man es aufbauen muss“ (10,3%) (vgl. Tab. 17). Tab. 17: Spontane Nutzbarkeit des Slacklinens und Antwortkategorien zu Frage 25 Nur 2 Bäume, leicht transportabel, keine extra nicht überall zu man muss es Gesamt Fixpunkte nötig schnell aufgebaut Kleidung nötig kaufen aufbauen ja 84,3% 29,3% 54,3% 2,6% - - nein 15,7% - - - 2,6% 10,3% Interpretation Der „Gegenstand Slackline“ und der Materialumgang scheinen bei dieser Frage eine zentrale Rolle für Slackliner zu spielen. Eine Slackline bzw. ein Set wird vermutlich als bequem und spontan angesehen, wenn es gut in einem Rucksack verstaut und zu einem geeigneten Platz mit zwei Bäumen transportiert werden kann. Auch die kurze Aufbauzeit und dass ‚keine extra Kleidung nötig’ ist könnte in diese Kategorie fallen. Die Kategorie ‚man muss es aufbauen’ steht laut Meinung mancher Befragter offensichtlich einer spontanen Nutzung im Weg. Frage 26: „Ist Slacklinen Deiner Meinung nach ortsunabhängig?“ Darstellung der Ergebnisse 79,4% betrachten Slacklinen als einen ortsunabhängigen Sport und beziehen sich darauf, dass „überall 2 Bäume vorhanden“ (67,7%) sind und die Slackline „tragbar“ (13,1%) ist. 20,6% verneinen diese Ortsunabhängigkeit damit, dass Bäume nicht überall bzw. „nur in gewissen Plätzen vorhanden“ sind (vgl. Tab. 18). Tab. 18: Ortsunabhängigkeit des Slacklinens Bäume nur in gewissen Plätzen Gesamt überall 2 Bäume vorhanden tragbar vorhanden Ja 79,4% 67,7% 13,1% - Nein 20,6% - - 19,2% 71
  • Slacklinen – ein neuer Trendsport? Interpretation Diese Frage hängt eng mit der vorherigen Frage zusammen. Ursprünglich listete Volker Nagel diese beiden Fragen zusammengefasst auf und untersuchte, ob das Gerät/die Bewegungsform wohnortnah einsetzbar und ortsunabhängig sind. Eine getrennte Beantwortung dieser Frage erschien dem Verfasser dieser Arbeit jedoch sinnvoll. Für die von Nagel untersuchte Sportart, das Inlineskaten, wird lediglich ein geeigneter Untergrund zum Rollen benötigt. Diesen findet man direkt vor der Haustür, in Form von Gehwegen, Radwegen und wenig befahrenen Straßen. Slacklinen zeigt eine ähnliche Ortsunabhängigkeit: Eine Slackline wird an einem Platz mit zwei Bäumen bzw. Fixpunkten aufgebaut, was sich z.B. in städtischen Parkanlagen gut realisieren lässt. Im Vergleich zu Sportarten wie Joggen oder Mountainbiken ist Slacklinen aufgrund der benötigten Fixpunkte hingegen als stärker abhängig von einem geeigneten Platz einzustufen. Frage 27: „Wie siehst Du den finanziellen Aufwand?“ Darstellung der Ergebnisse Fast zwei Drittel aller Befragten sind sich einig, dass Slacklinen keinen besonders hohen finanziellen Aufwand benötigt. Etwas mehr als ein Drittel schätzt den finanziellen Aufwand als mittel ein, lediglich 1% glaubt der finanzielle Aufwand sei hoch (vgl. Abb. 23). Abb. 23: Prozentuale Verteilung in Bezug zum finanziellen Aufwand Interpretation Da die Preise für Slackline-Sets schon unter 50 Euro beginnen, ist nachzuvollziehen, dass so viele Slackliner dies als kostengünstige Bewegungsform betrachten. Anfänger sowie Fortgeschrittene können für diesen geringen Geldbetrag qualitativ gute Sets mit einer Länge von 15m bekommen. Darauf lassen sich ohne weiteres viele Tricks erlernen und sie können ebenso als Sprungline verwendet werden. 72
  • Slacklinen – ein neuer Trendsport? Die Grenze zwischen einem mittleren bis hohen finanziellen Aufwand ist nur schwer zu ziehen und wird individuell verschieden ausfallen. Wendet man für Slackline-Material zwischen 70 und 150 Euro auf, so erhält man dafür qualitativ hochwertige Profisets mit entsprechend längeren Lines. Womit lässt sich der Betrag für ein Slackline-Set am ehesten vergleichen? In einem Fitnessstudio der oberen Kategorie ist ein monatlicher Zahlungsbetrag von 50 Euro keine Seltenheit. Laufschuhe kosten zwischen 80 und 150 Euro, sollten bei häufigem Gebrauch jedoch aufgrund des nachlassenden Dämpfungssystems schon nach etwa einem halben bis dreiviertel Jahr ausgetauscht werden. Ein gutes Mountainbike beginnt bei circa 1000 Euro, Skateboarder und Inlineskater bezahlen für ihre Sportgeräte in der Regel über 100 Euro. Für ein Snowboard mit Schuhen und entsprechender Bekleidung samt Helm sind mehrere 100 bis 1000 Euro fällig. Im Vergleich zu anderen Sportarten handelt es sich beim Slacklinen somit um einen eher kostengünstigen Sport. Anfängern genügt in der Regel ein Set bzw. eine Slackline für die Ausübung aller Disziplinen des Lowlinebereiches. Des Weiteren benötigt man wie bereits erwähnt keine spezielle Sportkleidung bzw. Schuhe. Außerdem könnten sich mehrere Personen das „Sportgerät“ Slackline teilen und gemeinsam nutzen, was bei anderen zum Vergleich herangezogenen Sportarten kaum möglich ist. Frage 28: „Denkst Du Slacklinen wird dauerhaft interessant und reizvoll sein?“ Darstellung der Ergebnisse In dieser Frage sind sich die Umfrageteilnehmer nahezu einig. 89% vertreten die Meinung, Slacklinen wird dauerhaft interessant und reizvoll sein, 9% verneinen diese Frage, 2% können nicht in die Auswertung eingehen, da keine Bewertung abgegeben wurde. Bei den Befürwortern lassen sich vier Bereiche, bei den Gegnern entsprechend drei Antwortbereiche unterscheiden (vgl. Abb. 24 und 25). Abb. 24: Prozentuale Verteilung aus Frage 28 73
  • Slacklinen – ein neuer Trendsport? Abb. 25: Kategorisierung der Antworten aus Frage 28 Interpretation Am häufigsten (38,2%) wird als Begründung für einen überdauernden Anreiz des Slacklinens der Aspekt genannt, dass es immer neue Schwierigkeiten aufzuweisen vermag (vgl. Kap. 5.1). Durch kreatives Ausprobieren auf der Slackline entstehen neue Bewegungen und Kombinationsmöglichkeiten von Bewegungen, sodass man sich stets neue Ziele setzen kann (z.B. bei der Disziplin des Lowlinens die Unterdisziplin Longline oder die etwas neuere Unterdisziplin ‚Wasserline’, die völlig andere Anforderungen an den Slackliner stellt). Auch neue Ideen wie z.B. das Verbinden der Augen und damit der Wegfall eines optischen Fixpunktes und die Reduktion der Sinne auf den Tastsinn oder das Balancieren verschiedener Gegenstände (z.B. Tabletts mit gefüllten Wasserbechern) erhöhen den Reiz dieser Bewegungsform. Auch Jonglieren und das Aus- und Anziehen von Kleidungsstücken während des Slacklinens stellen selbst Könner vor eine große Herausforderung. Der „Zusammenhang der Physis und Psyche“ (18,6%) als überdauernder Reiz hat seinen Ursprung in der Ansicht vieler Slackliner, dass Slacklinen als ganzheitliches Bewegungsprogramm interessant erscheint. Die ständig erforderliche Konzentration zur Bewältigung der Slackline schärft die Sinne und richtet den Fokus auf das Tun selbst. Der Körper erfährt durch das ständige Anspannen und Entspannen des Muskelapparates einen kräftigenden Effekt. Es entsteht ein neues Körpergefühl, dessen Verbesserung als weiterer Anreiz gesehen werden kann. Die Aussage, Slacklinen werde sich weiterentwickeln, weist auf eine mögliche zukünftige Etablierung des Slacklinens als Sportart hin. Für Schulen und Kindergärten könnte es im Sinne der Bewegungserziehung reizvoll sein, Erwachsene könnten im Rahmen der 74
  • Slacklinen – ein neuer Trendsport? Betrieblichen Gesundheitsförderung davon profitieren47. In der Erlebnispädagogik, bei Incentives48 und in der medizinischen und psychischen Therapie wäre es ebenso denkbar. Die genannten Antworten „Trend, wird wieder abklingen“ (5,9%), „schwer dran zu bleiben, man muss üben“ (4,9%) und „nicht für die große Allgemeinheit“ (1,0%) zeigen eher eine negative Haltung gegenüber der Beständigkeit des Slacklinens. Nach Meinung des Verfassers ist die Antwortkategorie „schwer dran zu bleiben“ keine slacklinespezifische Antwort, sondern eine auf den Sport im Allgemeinen übertragbare. Ohne Fleiß kein Preis – wenn man sich in einer Sportart im Allgemeinen und beim Slacklinen im Besonderen verbessern möchte (Perfektion von z.B. Tricks), ist regelmäßiges Üben die Voraussetzung. Jedoch steht dies in keinen Zusammenhang zu der Frage, ob Slacklinen dauerhaft interessant und reizvoll sein wird. Die Antwort „Trend, wird wieder abklingen“ zeigt, dass die Befürworter dieser Kategorie Slacklinen vermutlich zum jetzigen Zeitpunkt als einen Trend betrachten. Im Allgemein klingt etwas, das zu einem bestimmten Zeitpunkt ein Trend ist, auch wieder ab. Nordic Walking lässt sich hierfür als Beispiel nennen. Die Sportart erfuhr vor etwa fünf Jahren einen enormen Zuwachs an Aktiven und Kursteilnehmern. Die Bewegungsform war ein Trendsport, jedoch hat sie sich mittlerweile dem etablierten Sport angefügt und wird als Breiten- bzw. Freizeitsport angesehen. Dieser Sachverhalt ist jedoch beim Slacklinen noch nicht eingetreten, denn Slacklinen erlebt zum Zeitpunkt der Erstellung dieser Arbeit erst einen Zulauf an Interessierten. Der Verfasser ist daher der Ansicht, dass diese Antwort zwar berechtigt ist, da dieser Sachverhalt für gewöhnlich regelmäßig bei einem Trend eintritt, jedoch auf Slacklinen noch nicht übertragbar ist. Zusammenfassung Frage 29 und 30: „Ist Slacklinen positiv für gemeinsame Aktivitäten für Paare bzw. in heterogenen Gruppen?“ Darstellung der Ergebnisse Slackliner stimmen im Wesentlichen überein, dass diese Bewegungsform als gemeinsame Aktivität für Paare (80,4%) und heterogene Gruppen (89,2%) geeignet ist. Lediglich 10% bzw. 7% der Befragten verneinen dies (vgl. Abb. 26 und 27). 47 Dies wurde laut Aussage von Tillmann Müller bereits in einem Unternehmen am Bodensee erprobt. 48 Incentives sind Geld- oder Sachprämien, Reisen oder Veranstaltungen die von Unternehmen eingesetzt werden um Einzelpersonen oder Gruppen zu beeinflussen, zu motivieren oder zu belohnen. Die ursprüngliche Bedeutung ist vergleichbar mit dem deutschen Begriff Anreiz. 75
  • Slacklinen – ein neuer Trendsport? Abb. 26: Prozentuale Verteilung der Antworten zu Frage 29 Abb. 27: Prozentuale Verteilung der Antworten zu Frage 30 Interpretation Diese beiden Fragen sollen abklopfen, ob Slacklinen für eine Ausübung in heterogenen Gruppen oder als Paar geeignet ist. Dieses Merkmal spielt eine nicht unbedeutende Rolle bei der Frage, ob sich ein Trendsport etablieren kann oder wieder abklingt. Für eine erfolgreiche Verbreitung der Trendsportart ist damit nicht Leistung ein entscheidender Faktor, sondern der gemeinsame Spaß am Ausüben einer Tätigkeit. Dass dies beim Slacklinen zweifelsohne gegeben ist, zeigen die Prozentwerte von 80% bzw. 89% der Befürworter. Im Vergleich zum Joggen oder Radfahren stellt z.B. ein Leistungsunterschied beim Slacklinen keinen Hinderungsgrund dar, gemeinsam die Bewegung auszuüben. „Du bist mir zu schnell beim Joggen“ oder „So weite Strecken wie Du halte ich beim Radfahren nicht durch“ sind Aussagen, die leicht nachvollziehbar sind. Die Bewegungsform Slacklinen kann zumeist von mehreren Personen am selben Ort ausgeübt werden. Zudem besteht die Möglichkeit sich eine Slackline zu teilen oder eventuell zwei verschiedene Lines zu spannen. Beim Sichern hilft man sich gegenseitig, gibt den anderen Tipps oder entspannt sich in der Sonne und beobachtet die anderen. 76
  • Slacklinen – ein neuer Trendsport? Sehr gut lässt sich diese Art der sportlichen Betätigung nach Meinung des Autors z.B. auf Schulklassen übertragen, die als heterogene Gruppen mit spezieller Gruppendynamik gelten. In Schulprojekten wurde dies vom Verfasser bereits erfolgreich umgesetzt. Für Slacklinen in heterogenen Gruppen und als Paar sprechen folgende ausgewählte Antworten: • „Ja, weil sich jeder auf sich konzentrieren kann und man immer doch gemeinsam etwas macht und zwischendurch auch Zeit zum reden hat“ • „Ja, weil Männer und Frauen es gleich gut beherrschen können und es unheimlich entspannt“ • „Ja, weil es ganz egal ist auf welcher Leistungsstufe man steht, man sich gegenseitig helfen kann und gemeinsam einfach Zeit verbringen und dabei chillen kann“ • „Ja, weil man zu zweit auf der gleichen Line ein ganz neues Gefühl von Nähe, Distanz und Abhängigkeit bekommt“ • „Ja, weil man gemeinsam neue Tricks erfinden kann“ • „Ja, weil gemeinsame Erfolgerlebnisse und Körperkontakte schweißen zusammen“ • „Ja, weil Berührungsängste abgebaut und Schlüsselqualifikationen wie z.B. Teamarbeit erlernt werden können“ Ablehnend standen einige Studienteilnehmer der Frage nach dem gemeinsamen Ausüben des Slacklinens mit einem Partner mit der Begründung gegenüber, es sei von Vorteil, beim Slacklinen seine Ruhe zu haben und nicht von einem Partner bevormundet zu werden. Das vorherige Kapitel stellt die Ergebnisse der modifizierten Akzeptanz-Kriterien nach Volker Nagel aus dem Fragebogen dar. Diese dienen der Überprüfung der Hypothese H3 (Slacklinen wird sich aufgrund des positiven Befundes bezüglich der Akzeptanz-Kriterien nach Volker Nagel weiter verbreiten können und ist somit ein Trendsport). Aufgrund des weitgehend positiven Befundes der Ergebnisse kann man davon ausgehen, dass sich Slacklinen weiter verbreiten wird (und es somit auch zu den Trendsportarten gezählt werden kann). H3 kann demnach als bestätigt gelten. 77
  • Slacklinen – ein neuer Trendsport? 6.3.6 Funktionsfragen In diesem Kapitel werden die Ergebnisse der Funktionsfragen dargestellt, welche gleichzeitig eine Prognose für Slacklinen erlauben. Frage 14: „Was zeichnet Deiner Meinung nach einen Trendsport aus?“ Darstellung der Ergebnisse Ein Drittel (34,9%) der Befragten sind sich darin einig, dass sich ein Trendsport durch eine ‚steigende Teilnehmerzahl und eine schnelle Verbreitung’ auszeichnet. 22,6% sehen in einem Trendsport etwas neues, plötzlich Auftretendes, 17,8% glauben dass ‚Spaß, keine Regeln, Ortsungebundenheit’ kennzeichnend sind, während 11% einem Trendsport ‚innovative und abstrakte Ideen’ zuschreiben (vgl. Abb. 28). Abb. 28: Prozentuale Verteilung der Antwortkategorien bezüglich Trendsport im Allgemeinen Interpretation Bei dieser Frage wurde nach der subjektiven Meinung der Umfrageteilnehmer in Bezug auf Trendsport im Allgemeinen gefragt. Offensichtlich sind die Befragten der Ansicht, ein Trendsport unterscheide sich vom etablierten Sport nicht durch Wettkämpfe und das Befolgen von Regeln, sondern durch den damit verbundenen Spaß an der Bewegung und die Ortsungebundenheit. Großen Zuwachs erfährt ein Trendsport nach Meinung des Autors vor allem aufgrund des vorherrschenden Zeitgeistes49 und durch innovative und abstrakte Ideen. Die häufige Nennung der Antwortkategorie ‚steigende Teilnehmerzahlen, schnelle 49 Zeitgeist: für eine bestimmte geschichtliche Zeit charakteristische allgemeine Gesinnung, geistige Haltung (Duden – Das Bedeutungswörterbuch, 2002, S.1070) 78
  • Slacklinen – ein neuer Trendsport? Verbreitung’ könnte damit begründet werden, dass in kurzer Zeit viele Menschen von einer jungen und neuen Bewegungsform begeistert sind, sie ausprobieren und in ihrem Lebensstilkontext integrieren was dazu führen kann, dass der neue Trendsport überall zu sehen ist. Die bedeutende Rolle der Medien bei der Verbreitung einer neu aufkommenden Bewegungsform darf ebenfalls nicht unterschätzt werden, wie der Anteil von 9,6% am Gesamtergebnis zeigt. Vermutlich tragen sie einen entscheidenden Teil dazu bei, dass Menschen erst durch deren Berichterstattungen auf eine junge und unbekannte Bewegungsform aufmerksam werden. Ein geringer Prozentsatz der Befragten ist der Ansicht, ein Trendsport sei ein von der Sportartikelindustrie entworfenes Produkt oder eine Marketingstrategie, welche der Umsatzsteigerung dienen soll. Die Aussage ein Trendsport sei aus den USA, deckt sich mit den Aussagen zur Globalisierung in Kapitel 3.1. Frage 15: „Ist Slacklinen Deiner Meinung nach ein Trendsport?“ Darstellung der Ergebnisse Über ein Drittel der Umfrageteilnehmer sehen im Slacklinen einen Trendsport. Als Gründe für diese Entscheidung geben 19,2% ‚neu’, 2,9% ‚aus den USA’, gut ein Drittel ‚immer mehr Leute kennen und machen es’ und ‚Spaß, keine Regeln, Erfolge in kurzer Zeit’ (11,5%) an. 15,4% der Befragten ordnen Slacklinen nicht dem Trendsport zu bzw. sind sich nicht sicher. Laut den Befragten sprechen Argumente wie ‚nicht die Dimension von Trendsport erreicht, nicht populär genug’ (15,4%) dagegen. Die Antworten ‚noch zu sehr ein Randsport’ (3,8%) sowie ‚noch sehr jung und neu’ (11,5%) stehen für eine nicht eindeutige Zuordnung (vgl. Tab. 19). Tab. 19: Antwortenspektrum zu Slacklinen als Trendsport Ja, weil Nein, weil Bin mir nicht sicher, weil Spaß, keine Nicht die Dimension Kommt Immer mehr Leute Regeln, von Trendsport Noch zu sehr Noch sehr Neu aus den kennen und machen es Erfolge in erreicht, nicht ein Randsport jung und neu USA kurzer Zeit populär genug 19,2% 2,9% 35,6% 11,5% 15,4% 3,8% 11,5% 69,2% 15,4% 15,4% 79
  • Slacklinen – ein neuer Trendsport? Interpretation Mit dieser Frage soll ein direkter Bezug zur Bewegungsform Slacklinen hergestellt werden. Bei der prozentualen Verteilung der Antworten fällt ins Auge, dass die Unterkategorien für die Zustimmung zum Trendsport fast identisch mit vier Antwortkategorien aus der vorherigen Frage sind. ‚Neu’ ist in Frage 14 mit dem Wert 22,6% vertreten, in Frage 15 mit 19,2%. ‚Steigende Teilnehmerzahlen, schnelle Verbreitung’ (34,9%) verglichen mit ‚immer mehr Leute kennen und machen es’ (35,6%) zeigt ebenfalls einen Zusammenhang zwischen den beiden Fragen. Auch ‚Spaß, keine Regeln, ortsungebunden’ (17,8%) aus Frage 14 ist prozentual vergleichbar mit der ähnlichen Kategorie ‚Spaß, keine Regeln, Erfolge in kurzer Zeit’ (11,5%) aus Frage 15. Einen ähnlich geringen Prozentsatz weisen die Variabeln ‚kommt aus den USA’ (1,4% und 2,9%) in beiden Fragen auf. Die Ähnlichkeit der Antworten beider Fragen belegt, dass Slacklinen von den meisten Befragten als Trendsport gesehen wird. Frage 31: „Sind Deiner Meinung nach Slackline-Workshops sinnvoll?“ Darstellung der Ergebnisse Eine negative Haltung gegenüber Slackline-Workshops besitzen ein Viertel der Befragten, zwei Drittel halten sie jedoch für durchaus sinnvoll, 7% machten keine Angabe (vgl. Abb. 29). Abb. 29: Prozentuale Verteilung der Haltung gegenüber Slackline-Workshops Interpretation Die negative Haltung gegenüber Slackline-Workshops lässt sich am besten mit einer Auswahl aussagekräftiger und unverändert aus dem Fragebogen übernommener Antworten belegen: „nein, weil ich mir das lieber selber beibringe – mit Freunden lerne“, „nein, weil es kein richtig und falsch gibt solange man es richtig aufbaut“, „nein, weil jeder seinen eigenen Stil und Weg finden muss um da rauf zu kommen“ und „nein, weil man von Freunden kostenfrei und mit weniger Konkurrenz lernen kann“. Positive Äußerungen betonen vor allem den 80
  • Slacklinen – ein neuer Trendsport? Sicherheitsaspekt: „ja, weil gerade auch das Sicherheitsrisiko dem Anfänger näher gebracht werden soll (Spanntechniken, Rücksicherung, Baumschutz,...)“, „ja, weil man in der Gruppe schneller und besser lernt als alleine“, „ja, weil sie den Einstieg erleichtern und Tricks für Fortgeschrittene vermitteln“, „ja, weil schnelleres ‚ungefährlicheres’ lernen mit mehr Erfolgserlebnis“, „ja, weil unter Anleitung ist der Einstieg leichter und sicherer da der Materialumgang und die Bewegungstechnik durch Input von einem erfahrenen Trainer erleichtert werden kann“ und „ja, weil man einen einfachen Zugang dazu erhalten kann, unter professioneller Anleitung es erlernen kann und auf die Sicherheit und Gefahren hingewiesen wird“. Frage 33: „Für welche Einrichtungen könnte Deiner Meinung nach Slacklinen interessant sein?“ Mit dieser Frage soll zum einen eine Prognose der Slackliner bezüglich eines zunehmenden Interesses an dieser Bewegungsform abgefragt werden, zum anderen, in welchen Bereichen möglicherweise die weitere Verbreitung stattfindet. Darstellung der Ergebnisse Das Balkendiagramm (vgl. Abb. 30) listet die prozentuale Verteilung der bereits vorgegebenen Ankreuzmöglichkeiten sowie die weiteren, von den Umfrageteilnehmern genannten Einrichtungen auf. Für ‚Schulen’ (34%) und für ‚Reha-/Therapiezentren’ (31,1%) wurde es zu gut einem Drittel als interessant erachtet, zu einem Viertel für ‚Vereine’. ‚Erlebnispädagogik/Incentives’ (3,4%), ‚Kindergärten’ (1,7%), ‚Sportevents’ (0,4%) und ‚Jugendcamps/soziokulturelle Veranstaltungen’ (3,8%) wurden als weitere Bereiche genannt, in denen sich Slacklinen eventuell etablieren könnte. Abb. 30: Prozentuale Verteilung der ermittelten Einrichtungen aus Frage 33 81
  • Slacklinen – ein neuer Trendsport? Interpretation Die Ergebnisse zeigen, dass durch die Auflistung der verschiedenen Einrichtungen und Bereiche unterschiedliche Aspekte des Slacklinens im Vordergrund stehen. Die Förderung sozialer Interaktionen in Gruppen bzw. Schulklassen ohne Wettkampfcharakter durch eine neuartige Bewegung, die bisher noch nicht explizit im Sportunterricht an Schulen vermittelt wird, dürfte Slacklinen für die Institution Schule interessant machen. In Rehabilitations- und Therapiezentren könnte eher der physische Aspekt des Slacklinens zum tragen kommen. Verschiedene Kleingeräte werden dort erfolgreich zur Kräftigung der Muskulatur, z.B. nach Bänderrissen und Knieoperationen, eingesetzt. Slacklinen könnte spielerische Abwechslung in das Training bringen und zur Stabilisierung der betroffenen Gelenke durch Stärkung der dazugehörigen Muskeln und Bänder beitragen. Auch als Therapieform für Menschen mit ADHS-Syndrom wäre Slacklinen denkbar. Geduld ist eine wesentliche Voraussetzung für erste erfolgreiche Schritte auf der Slackline. Zudem fördert die Bewegungsform die Konzentrationsfähigkeit, was eine Heilung und Besserung dieses Syndroms durchaus positiv beeinflussen könnte. Slacklinen eignet sich darüber hinaus gut als Ergänzungstraining zu anderen Sportarten. In verschiedenen Vereinen könnte es eine attraktive Alternative zum Trainingsalltag bieten und gleichzeitig die Gleichgewichtsfähigkeit verbessern. Prädestiniert für ein derartiges Ergänzungstraining sind z.B. Sportarten wie Skilanglauf und Biathlon50, Skispringen (z.B. zur Verbesserung der Landungsphase) oder Skiabfahrt51. Aber auch andere Sportarten, die ein ausgesprochen gutes Gleichgewichtsvermögen erfordern, wie z.B. Klettern, Mountainbiken, Wellenreiten, Snowboarden und viele andere, können vom Slacklinen profitieren. Im Kindergarten könnte Slacklinen den psychomotorischen Bereich ergänzen. Durch Wahrnehmung und Bewegung erschließt sich das Kind in den ersten Lebensjahren seine Umwelt und könnte durch Slacklinen zusätzlich in dieser Hinsicht gefördert werden. In Jugendcamps und bei soziokulturellen Veranstaltungen würde beim Slacklinen wiederum der Gruppencharakter im Vordergrund stehen. Gegenseitiges Helfen und Sichern kann das Gefühl der Gruppenzugehörigkeit fördern und das Vertrauen der Kinder untereinander stärken. Slacklinen könnte ein fester Bestandteil der Freizeitgestaltung solcher Jugendevents werden. Bei Sportevents anderer Sportarten käme Slacklinen möglicherweise als Side-Event zum Einsatz. 50 Der Norweger Ole Einar Bjoerndalen trainiert zusätzlich sein Gleichgewicht auf einer Slackline (vgl. Mountains2b (2007), „Themenspecial Trendsport Slackline“) 51 Der amerikanische Skiabfahrtläufer Bode Miller betreibt bereits Slacklinen (vgl. http://www.nationalgeographic.com/adventure/0511/sports/bode_miller2.html, Zugriff am 08.05.02008 82
  • Slacklinen – ein neuer Trendsport? Abb. 31: Kinder beim Kinderjugendfestival in Stuttgart Abb. 32: Ein Kind auf der Slackline (Quelle: www.slackline-tools.de, 2008) (Quelle: www.slackline-tools.de, 2008) 6.4 Zusammenfassung der Ergebnisse Die vorliegende Umfrage ist zum einen geeignet ein differenziertes Bild über Slackliner im deutschsprachigen Raum zu zeichnen. Zum anderen dient sie dazu, die theoretische Sichtweise des Verfassers und die Analyse der genannten Herangehensweisen der Kapitel „Charakteristische Merkmale von Trendsportarten allgemein und Slacklinen im Besonderen“ und „Modelle zur Entwicklung von Trendsportarten“ sowie „Akzeptanz-Kriterien nach Volker Nagel“ zu überprüfen. Die Ergebnisse der zuletzt genannten Herangehensweise zeigen, dass die Befragten zum größten Teil den Fragen zustimmen und Slacklinen ein positives Fazit hinsichtlich der Akzeptanz-Kriterien zugeschrieben werden kann. Eine weitere Verbreitung der Bewegungsform könnte durch die Dichte dieser positiven Merkmale begünstigt werden und wird vom Verfasser als wahrscheinlich angesehen. Damit kann Hypothese H3 (Slacklinen wird sich aufgrund des positiven Befundes bezüglich der Akzeptanz-Kriterien nach Volker Nagel weiter verbreiten können und ist somit ein Trendsport) als bestätigt gelten. Die Hinterfragung des Merkmalskatalogs in der empirischen Untersuchung deckt sich ebenfalls mit der Ansicht des Verfassers aus dem theoretischen Teil, was zur Bestätigung von H1 (Slacklinen ist aufgrund des Merkmalskatalogs nach Jürgen Schwier ein Trendsport) führt. Insgesamt gesehen führte der bewusst umfangreiche und sehr offen gehaltene Fragebogen zu einer großen Antwortvielfalt. Slacklinen wird auf verschiedene Art und Weise mit den unterschiedlichsten Motiven betrieben – ein Ergebnis, welches das Individualisierungs- theorem aus Kapitel 3.1 stützt. 83
  • Slacklinen – ein neuer Trendsport? 7 Zusammenfassung und Ausblick Ziel dieser Arbeit ist die Überprüfung der Frage, ob es sich beim Slacklinen um einen Trendsport handelt oder nicht. Im ersten Teil der Arbeit wurde ein historischer Überblick über Slacklinen und seine bisherige Entwicklung bis in die Gegenwart erarbeitet. Anschließend erfolgte die Einteilung der jungen Bewegungsform in verschiedene Bereiche bzw. Disziplinen. Hierbei kristallisierten sich zwei grundlegende Unterscheidungen von Slacklines heraus, der Bereich Lowline mit verschiedenen Unterdisziplinen und der extremere Bereich des Highlinens. In der Diskussion über eine Begriffsdefinition für Slacklinen wurde zunächst seine Verwandtschaft zum Seiltanzen erörtert und das verwendete Material analysiert um darauf basierend eine Definition für diese Bewegungsform zu formulieren. Das zweite Kapitel beschäftigte sich ausführlich mit dem Phänomen Trendsport. Gesellschaftliche Veränderungen, die sich auch auf den Sportbereich auswirkten, bildeten die Einleitung zur Thematik. Mögliche Gründe für eine Partizipation an Trendsportarten lassen sich aus Veränderungen im Sport allgemein ableiten. Schließlich wurde die Problematik des Begriffs „Trendsport“ erörtert. Im nächsten Kapitel wurden verschiedene Ansätze und Modelle zur Zuordnung von Sportarten zum Trendsport aufgeführt. Dabei wurde der Merkmalskatalog nach Jürgen Schwier beschrieben und in Zusammenhang mit dem Slacklinen gebracht. Alle genannten Merkmale eines Trendsports können aufgrund der theoretischen Analyse und der Umfrageergebnisse auch dem Slacklinen zugeschrieben werden, was ein erstes Indiz für eine Zuordnung zum Trendsportbereich sein könnte. Zwei verschiedene und viel beachtete Modelle zur Entwicklung von Trendsportarten wurden anschließend nachgezeichnet: das semiotische Modell nach Jürgen Schwier und das am Produktlebenszyklus orientierte Modell nach Lamprecht und Stamm. Nach der konkreten Problemstellung erfolgte die Anwendung der Modelle zur Entwicklung von Trendsportarten auf Slacklinen. Sowohl nach dem semiotischen Modell nach Jürgen Schwier als auch nach dem am Produktlebenszyklus orientierten Modell nach Lamprecht und Stamm konnte Slacklinen in seinem aktuellen Entwicklungsstadium einer Phase zugeordnet werden. Daraus lässt sich folgern, dass diese Bewegungspraktik dem Trendsportkanon zugeschrieben werden kann. Als äußerst interessant erschienen dem Verfasser dieser Arbeit die Akzeptanz-Kriterien nach Volker Nagel. Daher wurden sie in den Sachverhalt dieser Arbeit in einem separaten Kapitel aufgenommen. Da der Inhalt dieser Fragen viel versprechend bezüglich einer Hinterfragung des Slacklinens als Trendsport klang, wurden die 84
  • Slacklinen – ein neuer Trendsport? Fragen modifiziert, auf Slacklinen angepasst und in den Fragebogen der empirischen Untersuchung in der entsprechenden Reihenfolge übernommen. Zusammenfassend ist festzustellen, dass Slacklinen aufgrund der vorliegenden Befunde und unter Bezugnahme zu den aufgeführten sportwissenschaftlichen Modellen dem Trendsportkanon zugeordnet und als „echter“ Trendsport gelten kann. Slacklinen weist sowohl auf kultureller Ebene als auch auf Ebene des „Gerätes“ eine geschichtliche Entwicklung auf, welche darüber hinaus durch unterschiedliche Mythen vorangetrieben wurde und immer noch wird. Als weitere Begründung für diese Zuordnung können einige Trendsportmerkmale nach Schwier ins Feld geführt werden, durch welche sich auch das Slacklinen auszeichnet. Schließlich sprechen die Ergebnisse zu den modifizierten Akzeptanz- Krizterien nach Volker Nagel für die Bezeichnung von Slacklinen als Trendsport. Auf das Inline-Skaten bezogen bemerkte Nagel: „Diese Dichte positiver Merkmale machte und macht eine weite und dauerhafte Verbreitung sehr wahrscheinlich“, was nach der Auswertung des Fragebogens auch auf Slacklinen zutreffen könnte. Nach Meinung des Verfassers kann diese Arbeit dazu beitragen, ein klareres und präziseres Bild über Slackliner und deren Motivation bzw. Art und Weise der Ausübung dieser Balancierform zu erhalten. Dies ist jedoch nur ein erster Schritt, eine Art Grundlage in Richtung weiterer und tiefgründigerer Forschungen in diesem Bereich. Das umfangreiche Themengebiet Slackline bietet vielen Teildisziplinen der Sportwissenschaft weitere Untersuchungsmöglichkeiten, z.B. der Biomechanik und Bewegungslehre sowie der Sportpsychologie und Sportpädagogik. Slacklinen stellt nach Meinung des Verfassers eine wesentliche Bereicherung sowohl für die Bewegungskultur des Freizeitsports als auch für die Sparte Ergänzungstraining im Leistungssport dar. Dieser Bewegungsform kann besonders die Möglichkeit zum ganzheitlichen Training durch die gleichzeitige positive Förderung der physischen (z.B. Förderung der Gleichgewichtsfähigkeit, stabilisierende Wirkung auf Haltemuskulatur und Bänder im Fußgelenksbereich) und psychischen Fähigkeiten (z.B. Förderung der Wahrnehmungsfähigkeit, speziell Konzentrationsschulung) zugesprochen werden, was sie zu einem äußerst interessanten Sport macht. Zugleich wirkt sich Slacklinen positiv auf die innere und äußere Balance aus und sorgt damit für Ausgeglichenheit. Besonders im Kinder- und Jugendbereich bietet Slacklinen durch seinen hohen Aufforderungscharakter eine Möglichkeit, dem gravierend zunehmenden Bewegungsmangel in dieser Personengruppe zu begegnen. Aufgrund der schnellen Erschließung positiver 85
  • Slacklinen – ein neuer Trendsport? Bewegungserlebnisse und des benutzerfreundlichen Handlings (schneller und einfacher Aufbau einer Line) kann es zudem einen wichtigen Beitrag für die Erschließung neuer Räume, z.B. städtischer Bewegungsräume, leisten. Dadurch kann unter anderem eine sozialpädagogische Wirkung erreicht werden, indem Jugendliche von der Straße geholt werden, im Slacklinen evtl. einen neuen Inhalt finden bzw. neue Freundschaften knüpfen und es in ihren Lebensstilkontext integrieren können. Slacklinen kann somit als motivierender Sport angesehen werden, mit dem verschiedene Gruppen (s.o.) angesprochen werden können. Dieses aufgeführte Wertepotential des Slacklinens bietet meiner Meinung nach einen Anreiz für neue und weitere Forschungen mit dem Ziel, das Wissen über diese aufstrebende Bewegungsform erweitern. 86
  • Slacklinen – ein neuer Trendsport? 8 Literaturverzeichnis Balcom, S. (2005). Walk the line. The Art of Balance and the Craft of Slackline. Ashland, Oregon (USA): SlackDaddyPress. Breuer, C. & Michels, H. (2002). Trendsport: Modelle, Orientierungen und Konsequenzen. Aachen: Meyer & Meyer. Breuer, G. & Sander, I. (2003). Die Genese von Trendsportarten – im Spannungsfeld von Sport, Raum und Sportstättenentwicklung. Hamburg: Czwalina. Brockhaus-Enzyklopädie (1986). 19. Auflage, in 5 Bänden, Mannheim: Brockhaus Csikszentmihalyi, M. (1987) Das Flow-Erlebnis. Stuttgart: Klett-Cotta. Digel, H. (1986). Über den Wandel der Werte in Gesellschaft, Freizeit und Sport. In: Deutscher Sportbund (Hrsg.): Die Zukunft des Sports. Materialien zum Kongress „Menschen im Sport 2000“, S. 14 – 43. Schorndorf. Digel, H. (1990). Wertewandel im Sport. Eine These und deren begriffliche, theoretische und methodische Schwierigkeiten. In: Anders, G. (Hg.): Vereinssport an der Wachstums- grenze? Sport in der Krise der Industriegesellschaften; Witten 1990, S.59-85. Digel, H. (2002). Einflüsse gesellschaftlicher Entwicklungen auf Schule und Sport. In: Sekretariat der ständigen Konferenz der Kultusminister der Länder in der Bundesrepublik Deutschland – Berliner Büro (Hrsg) Perspektiven des Schulsports. Dokumentation Fachtagung am 10./11. Dezember 2001 in Karlsruhe (S. 21-41). Duden (1999). Duden, das große Wörterbuch der deutschen Sprache: in zehn Bänden. 3. Auflage, Mannheim: Duden. Duden (2002). Duden – Das Bedeutungswörterbuch: in zwölf Bänden, Band 10, 3. neu bearbeitete und erweiterte Auflage, Mannheim, Leipzig, Wien, Zürich: Dudenverlag. Dudenredaktion und Oxford University Press (Hrsg.) (1992). Duden Oxford. Kompaktwörterbuch Englisch: englisch-deutsch, deutsch-englisch. Mannheim; Leipzig; Wien; Zürich: Dudenverlag. Lamprecht, M. & Stamm, H. (1998). Vom avantgardistischen Lebensstil zur Massenfreiheit. Eine Analyse des Entwicklungsmusters von Trendsportarten. In: Sportwissenschaft 28, 3-4, 370-387. Langenscheidt (1990). Langenscheidts Taschenwörterbuch Englisch, Erster Teil Englisch- Deutsch von Helmut Willmann (vollständige Neubearbeitung). Berlin, München: Langenscheidt KG. Mahler, A. (2006). Lässiger Sport auf lockerem Band. Südkurier Nr. 299, 28.12.2006, S.19. 87
  • Slacklinen – ein neuer Trendsport? Müller, T. (2007). Slackline – eine Gleichgewichtsorientierte Sportart – Untersuchung zur Gleichgewichtsfähigkeit von Slacklinern. Unveröffentlichte Examensarbeit. Fachbereich Sportwissenschaft, Universität Konstanz. Nagel, V. (1998). Inline-Skating vernetzen – Ein Beispiel sportwissenschaftlicher Projektarbeit im „Trendsport”. In: dvs-informationen 13 (S. 26-31). Opaschowski, H. W. (1997). Deutschland 2010 – Wie wir morgen leben. Die Sportwelt 2010. Zwischen Individualisierung und Inszenierung, Hamburg. Schildmacher, A. (1998). Trends und Moden im Sport. In: dvs-infomationen 13, S.14-19. Schulze, G. (2000). Die Erlebnisgesellschaft: Kultursoziologie der Gegenwart. 8. Auflage, Frankfurt/Main: Campus-Verlag. Schwier, J. (1998). „Do the right things“ – Trends im Feld des Sports. In: dvs-informationen 13. Schwier, J. (2002). Was ist Trendsport? In: Trendsport: Modelle, Orientierungen und Konsequenzen, Aachen: Meyer & Meyer. Stumm, P. (2004). Sport und Globalisierung: Trendsportarten in Deutschland, Italien und Spanien. Wiesbaden: Roswitha Stumm Buchverlag. Stamm H. & Lamprecht M. Innovationen im Sport: Wie gut Ideen zu Trendsportarten werden, In: Neue Züricher Zeitung, Nr. 217, 19.09.1997, S.60. Wopp, C. (2006). Handbuch zur Trendforschung im Sport. Aachen: Meyer & Meyer. Internetquellen: Avery, R. (2007). Damian Cooksey Walks the World's Longest Slackline. Zugriff am 08.05.2008 unter URL: http://blog.mountainhardwear.com/2007/03/damian_cooksey_ walks_the_world.html Bewegtes Klassenzimmer, Zugriff am 20.05.08 unter URL: http://www.schulebewegt.ch/ index.cfm?id=82 Biehl, C. (2007). Slacklinen – eine Metapher fürs Leben. Zugriff am 21.01.2008 unter URL: www.slackline-tools.de/philosophie08.html Carpenter, C. (o.D.). The evolution of slacklining by Chris Carpenter. Zugriff am 22.01.08 unter URL: http://forum.slackline.com/modules.php?name=News&file=article&sid=11, Dippe, H. (2008). Surf the Line – Meister im Slacklinen gesucht. In: BayernTurner, April 2008 Zugriff am 16.04.08 unter URL: http://www.turnverband-bayern.de/ fileadmin/user_upload/temp/download/BayernTurner/04_08/Slackline.pdf 88
  • Slacklinen – ein neuer Trendsport? „Entschleunigung“ (2008). Zugriff am 12.05.08 unter URL: http://www.duden- suche.de/suche/trefferliste.php Gesucht: Freiburgs sportlichste Schule (2007). Zugriff am 20.05.08 unter URL: http://fudder.de/artikel/2007/06/05/gesucht-freiburgs-sportlichste-schule/ Hempel, M, (2006). Woodstock-Stimmung beim ersten internationalen Mountain-Equipment Slackline-Treffen,. zugriff am 08.05.08 unter URL: http://www.slackline-event.com/ remembers.htm Junghannß, S. (o.D.). Die Entwicklung des Slacklining von Chris Carpenter – aus dem Englischen übersetzt. Zugriff am 07.01.08 unter URL: http://www.slackfest.de/ galerie_docs.html Junghannß, S. (o.D.). Nicht gerade ein Slacker. Zugriff am 07.01.2008 unter URL: http://www.slackfest.de/galerie_docs.html Mountains2b Redaktion (2007). Themenspecial Trendsport Slackline. Zugriff am 13.01.08 unter URL: http://www.mountains2b.com/1075-Specials_Themenspecials_ TrendsportSlackline-.htm Seiltanz über Schluchten: Bilder und ein Video vom quot;Slackliningquot; (2007). Zugriff am 18.05.08 unter URL: http://www.tagblatt.de/index.php?artikel_id=35647618 „Slackline“ (2008). Zugriff am 12.04.08 unter URL: http://en.wikipedia.org/wiki/Slackline „Slackline Brothers Inc.“ (2008). Zugriff am 06.01.08 unter URL: http://www.slacklinebrothers.com/StoreFront.bok Slacklinen der neue Trendsport (2008). Zugriff am 20.05.08 unter URL: http://www.soap- box-derby.de/slacklinen-der-neue-trendsport-95.htm Tagesspiegel.de (2007). Gehen wir Seiltanzen im Park. Zugriff am 07.01.08 unter URL: http://www.tagesspeigel.de/berlin/;art270,1968064 „Trendscout“ (2008). Zugriff am 21.05.08 unter URL: http://www.duden- suche.de/suche/trefferliste.php Walk the line: Trendsport Slacklinen (o.D.), Zugriff am 20.05.08 unter URL: http://www.funsporting.de/funsporting+NEWS+Trends+Slacklinen_0238.htm „YogaSlackers“ (2008). Zugriff am 31.01.08 unter URL: http://www.yogaslackers.com Filme: Runschke, S. (2008). Elements – Ein Slackline Abenteuer. Waiblingen: AtelierBusche.Media. 9 Anhang 89
  • Patrick Engel Sieben-Höfe-Str. 105 72072 Tübingen Institut für Sportwissenschaft _____________________________________________________________________________________________________ Fragebogen an alle Slacklinerinnen und Slackliner Liebe Slacklinerinnen, liebe Slackliner, derzeit arbeite ich im Rahmen meines Studiums der Sportwissenschaft an der Eberhard-Karls-Universität in Tübingen an meiner Diplomarbeit zu dem Thema „Slackline – ein neuer Trendsport?“ Um einen umfassenden Überblick über die Slackliner und deren Bewegungskultur zu erhalten habe ich einen Fragebogen konzipiert. Durch die gewonnen Erkenntnisse möchte ich die theoretische Analyse stützen oder verwerfen. Die Meinungen und ehrlichen Aussagen eines jeden Slackliners und Slacklinerin spielen dabei für meine Arbeit eine wichtige Rolle. Um ein aussagekräftiges Ergebnis zu erzielen bin ich auf Deine Mitarbeit angewiesen. Zum Ausfüllen benötigst Du etwa 15 Minuten Zeit. Als spätester Rücklauftermin gilt der 15. März. Ich bedanke mich schon im Voraus recht herzlich für Deine Mithilfe sowie die investierte Zeit. Durch Deine Teilnahme trägst Du dazu bei, weitere Aufschlüsse über das Slacklinen zu erhalten. Bitte speichere den Fragebogen nach dem Ausfüllen unter Word ab und sende ihn mir an die E-Mailadresse studie@humannature.de zurück. Viel Spaß beim Ausfüllen! Patrick Engel Hinweise zum Ausfüllen: - Alle Daten werden anonym und streng vertraulich behandelt, Namen der ausfüllenden Personen werden daher nicht abgefragt, jedoch sind Altersangaben und das Geschlecht ein wichtiges Merkmal. - Die meisten Fragen haben mehrere Antwortmöglichkeiten. Bitte setze beim zutreffenden Rechteck mit der Maus ein Kreuz - Bei offenen Fragen und Fragen mit Zahlenangaben verwende bitte die vorgegebenen grauen Felder indem Du einfach mit der Maus hineinklickst und anschließend mit der Tastatur ausfüllst. 1
  • 1 Wie bist Du auf Slacklinen aufmerksam geworden? (Mehrfachnennung möglich) Durch Freunde Durch einen Verein Durch die Medien Durch den (Lebens-)Partner Durch Beobachtungen im Park 2 Wie hast Du Slacklinen gelernt? Alleine Im Verein Von Freunden Vom (Lebens-)Partner In einem Kurs 3 Mit wem betreibst Du vorwiegend Slacklinen? (Mehrfachnennung möglich, bitte nur Stichworte) Alleine, wenn ja, warum? Mit Vereinsmitgliedern, wenn ja, warum? Mit Freunden, wenn ja, warum? Mit (Lebens-)Partner, wenn ja, warum? 4 Kennst Du verschiedene Tricks? Nein Ja wenn ja, welche drei Tricks machst Du am liebsten? (Stichworte) 1. 2. 3. 5 Hast Du ein „Slackliner-Vorbild“? Nein Ja wenn ja, wen? warum gerade diese Person? 6 Wozu betreibst Du Slacklinen? (Mehrfachnennung möglich) als Training für eine andere Sportart, wenn ja welche: als Kräftigungstraining als Gleichgewichtstraining um Freunde zu treffen um neue Leute kennen zu lernen um mit dem Partner etwas zu machen zur Entspannung zur Selbstverwirklichung zur Konzentrationsübung 7 Welche Slackline-Sets der folgenden Hersteller sind Dir bekannt? (Mehrfachnennung möglich) Slackline Brothers Inc. Slackdaddy Mountain Equipment AustriAlpin Slackline-Tools Mammut andere: 1. 2. 2
  • 8 Besitzt Du eines der oben genannten Sets? nein ja wenn ja, welches? 9 Welche der folgenden Namen sind Dir bekannt? Scott Balcom Ric Piegh Chongo Charles Tucker Chris Carpenter Dean Potter Heinz Zak Shawn Snyder 10 Hast Du schon von Slackline-Events gehört? Nein Ja wenn ja, von welchem? 11 Hast Du Interesse an solchen Events? Ja Nein wenn nein, warum? Weil 12 Wenn ja, warst Du schon bei einem Event? Nein Ja wenn ja, bei welchem? 13 Was erwartest Du von einem Slackline-Event? (Mehrfachnennung möglich) Show Wettkämpfe Party/Spaß Aufenthalt mit Gleichgesinnten neue Tricks lernen mich technisch auf dem Laufenden zu halten Informationen über das Slacklinen einholen 14 Was zeichnet Deiner Meinung nach einen Trendsport aus? (Bitte nur Stichworte!) 15 Ist Deiner Meinung nach Slacklinen ein Trendsport? Ja, weil Nein, weil Bin mir nicht sicher, weil 16 Welcher Tendenz würdest Du beim Slacklinen eher zustimmen? Tendenz zur Beschleunigung Tendenz zur Entschleunigung 3
  • 17 In welche der folgenden Bereiche würdest Du Slacklinen eingliedern? (bitte nur eine Nennung!) Skateboarden, Snowbaorden Yoga, Thai-Chi, Meditation Turnen, Akrobatik sonstiges: 18 Mit welchen 3 Begriffen (Adjektiven) würdest Du Slacklinen charakterisieren? 1. 2. 3. 19 Glaubst Du dass Du einen eigenen „Slackline-Stil“ hast? Nein Ja wenn ja, wie würdest Du ihn beschreiben: (in Stichworten!) 20 Wie würdest Du den Typ „Slackliner“ charakterisieren? (in Stichworten!) 21 Wie schnell lässt sich Deiner Meinung nach Slacklinen erlernen? sehr langsam eher langsam schnell sehr schnell langsam 22 Wie schwierig schätzt Du das Erlernen des Slacklinens ein? sehr schwierig eher schwierig einfach sehr einfach schwierig 23 Was denkst Du wie schnell sich positive Bewegungserlebnisse erschließen lassen? sehr langsam eher langsam schnell sehr schnell langsam 24 Empfindest Du Slacklinen sei ein äußerlich attraktives Geschehen? Ja, weil Nein, weil 25 Ist Slacklinen Deiner Meinung nach „bequem“ und spontan nutzbar? Ja, weil Nein, weil 26 Ist Slacklinen Deiner Meinung nach ortsunabhängig? Ja, weil Nein, weil 4
  • 27 Wie siehst Du den finanziellen Aufwand? hoch mittel gering 28 Denkst Du Slacklinen wird dauerhaft interessant und reizvoll sein? Ja, weil Nein, weil 29 Ist Slacklinen positiv für gemeinsame Aktivitäten für Paare? Ja, weil Nein, weil 30 Ist Slacklinen positiv für gemeinsame Aktivitäten in heterogenen Gruppen? Ja, weil Nein, weil 31 Sind Deiner Meinung nach Slackline-Workshops sinnvoll? Ja, weil Nein, weil 32 In welchem Maße stimmst Du der trifft trifft eher trifft eher trifft voll folgenden Aussage zu überhaupt nicht zu zu zu nicht zu _____________________________________________________________________________________________________ a Beim Slacklinen ist mir der gesellige Charakter am wichtigsten! _____________________________________________________________________________________________________ b Ich will mich beim Slacklinen ständig verbessern und mehr Tricks lernen! _____________________________________________________________________________________________________ c Ich will eine immer längere Line gehen können! _____________________________________________________________________________________________________ d Ich will bald eine Highline begehen können! _____________________________________________________________________________________________________ 33 Für welche Einrichtungen könnte Deiner Meinung nach Slacklinen interessant sein? Schulen Vereine Reha- /Therapiezentren sonstige: 34 Du bist Jahre alt. 35 Geschlecht: w m 36 Du slackst seit Jahren und gehst im Durchschnitt etwa Stunden pro Woche slacklinen. 5
  • 37 Du siehst Dich als: Anfänger Fortgeschrittener Profi 38 Welches Spannsystem verwendest Du um Deine Slackline aufzubauen? (Mehrfachnennung möglich) Traditioneller Flaschenzug Ratsche Anderes System: 39 Bist Du schon eine Highline gegangen? Nein Ja wenn ja, wie oft? Ca. mal 40 Hast Du Interesse an einem regelmäßigen Training? Ja Nein Hättest Du Lust an einem Wettkampf teilzunehmen? Ja, weil Nein, weil Ich bedanke mich nochmals recht herzlich für Deine Mitarbeit und bitte Dich, mir den Fragebogen per E-Mail an studie@humannature.de zurück zu senden. Für Rückfragen stehe ich gerne jederzeit zur Verfügung! Patrick Engel Sieben-Höfe-Str. 105 72072 Tübingen tel: 07071 / 995661 mobil: 0172 / 7359771 mail: patrickengel@humannature.de 6