Klimaschutz: Plan B 2050 (Kurzfassung)
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Klimaschutz: Plan B 2050

Klimaschutz: Plan B 2050
Energiekonzept für Deutschland
(Kurzfassung)

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Klimaschutz: Plan B 2050 (Kurzfassung) Klimaschutz: Plan B 2050 (Kurzfassung) Document Transcript

  • Energie Klimaschutz: Plan B 2050 Energiekonzept für Deutschland (Kurzfassung) www . greenpeace . de
  • 02 Die Energie- und Klimaschutzpolitik steht an einem Inhalt Scheideweg. In nächster Zeit werden Weichen gestellt, die darüber bestimmen, ob Deutschland die von der 03 Vorwort Wissenschaft geforderten Emissionssenkungen bis Mitte 04 Zielsetzung der Studie des Jahrhunderts erreichen kann – oder ob wir beim Klimaschutz scheitern. 06 Die Klimaschutzpolitik der Regierung Merkel Greenpeace und das Aachener Ingenieur- und Beratungs- unternehmen EUtech zeigen mit diesem Energiekonzept, 07 Zukunftsfähige Energie für Deutschland wie bis 2050 die deutschen Treibhausgas-Emissionen um rund 90 Prozent gesenkt werden können. Vorausset- 08 Energie sparen und Effizienz steigern zung für den Erfolg ist der konsequente Ausbau der Erneuerbaren Energien, eine zielstrebige Verbesserung 10 Erneuerbare ausbauen und Brennstoffe optimal der Energieeffizienz sowie eine optimale Brennstoff- nutzen ausnutzung in einer Übergangszeit, in der auf fossile 12 Keine Utopie – Energieträger noch nicht vollständig verzichtet werden ökologisch und ökono- kann. misch notwendig Der Ausstieg aus der riskanten Atomkraft wirkt als Motor 14 Fazit für den Umbau des Kraftwerksparks. Er kann beschleu- 15 Klimaschutz-Programm nigt und bis 2015 abgeschlossen werden, ohne dass für Deutschland dies die Versorgungssicherheit gefährdet. Darüber hinaus wird bis 2040 schrittweise die besonders klimaschäd- liche Kohleverstromung beendet. Erdgaskraftwerke und Hinweis von EUtech: Dieser Bericht wurde von EU- tech mit der gebotenen Sorgfalt und Gründlichkeit Kraft-Wärme-Kopplung dienen als Brückentechnologien, im Rahmen der Allgemeinen Geschäftsbedingungen für den Kunden und für seine Zwecke erstellt. um die schwankende Einspeisung von Wind- und Son- EUtech gewährleistet die vertrauliche Behandlung der Daten. nenstrom abzufedern. Bis 2050 werden die Erneuer- EUtech übernimmt keine Haftung für die Anwendun- gen, die über die im Auftrag beschriebene Aufga- baren Energien schließlich den gesamten Strombedarf benstellung hinausgehen. EUtech übernimmt ferner gegenüber Dritten, die über diesen Bericht oder decken. Teile davon Kenntnis erhalten, keine Haftung. Es können insbesondere von dritten Parteien ge- genüber EUtech keine Verpflichtungen abgeleitet werden. Impressum Herausgeber Greenpeace e.V. Große Elbstr. 39, 22767 Hamburg, Tel. 040/306 18-0, Fax 040/306 18-100, mail@greenpeace.de, www.greenpeace.de Politische Vertretung Berlin Marienstr. 19–20, 10117 Berlin, Tel. 030/30 88 99-0 Autoren Sigrid Achner (EUtech), Dr. Katja Barzantny (EUtech), Sebastian Vomberg (EUtech), Dr. Helmuth-M. Groscurth (arrhenius Institut für Energie- und Klimapolitik), Wolfgang Hassenstein (Kurzfassung), Andree Böhling, Thomas Breuer V.i.S.d.P.: Andree Böhling Redaktion Anja Oeck Produktion Birgit Matyssek Gestaltung Zimmermann und Spiegel Titelfoto Paul Langrock/Zenit/Greenpeace Fotos S. 3: Holde Schneider/Greenpeace, S. 5: Nick Cobbing/Greenpeace Grafiken Carsten Raffel Litho ORC, Kohlhöfen 18, 20355 Hamburg Druck EDP, Virchowstraße 12, 22767 Hamburg Aufl age 10.000 Zur Deckung unserer Herstellungskosten bitten wir um eine Spende : Postbank Hamburg, BLZ 200 100 20, KTO 97 338 - 207 Gedruckt auf 100 % Recyclingpapier Stand 8 / 2009
  • Greenpeace Studie 03 Vorwort Kaum ein Thema wird im Wahljahr 2009 Allerdings trifft dieser Umbau auf mächti- in Deutschland so kontrovers diskutiert wie gen Widerstand. Mit allen Mitteln versuchen die Energiepolitik. Spätestens seit den die großen Stromkonzerne, Fortschritte spektakulären Pannen beim versuchten Wie- beim Klimaschutz zu verhindern. Der rasan- deranfahren des Atomkraftwerks Krümmel te Zuwachs bei den Erneuerbaren Energien, bei Hamburg beobachten weite Teile der die bereits rund 17 Prozent des Strombedarfs Bevölkerung genau, wie sich die Parteien in decken, ist bisher fast vollständig an ihnen der Energiefrage positionieren. Die Unter- vorbeigegangen – er wurde von mittelstän- schiede sind deutlicher als in jedem anderen dischen Unternehmen getragen, in denen Politikbereich: CDU und FDP möchten im bereits hunderttausende Jobs entstanden Fall eines Wahlsiegs den Atomausstieg rück- sind. RWE, Eon, Vattenfall und EnBW gängig machen und verlängerte Laufzeiten fürchten zunehmend um ihre Marktanteile auch für die ältesten und störanfälligsten und leiten dennoch bis jetzt nur Bruchteile Andree Böhling Energie-Kampaigner Meiler durchsetzen. Die SPD bleibt ihrer ihrer Investitionen in die Erneuerbaren Tradition treu und unterstützt trotz galop- Energien. Sie halten an ihren Dinosaurier- pierendem Klimawandel noch immer den Kraftwerken fest, weil sich mit billiger Kohle Bau von Kohlekraftwerken mit gigantischen und abgeschriebenen Altreaktoren noch CO2-Emissionen. Dadurch droht eine der immer die größten Gewinne erzielen lassen. größten Erfolgsgeschichten des Umwelt- und Gleichzeitig stellen sich die Energieriesen Klimaschutzes erstickt zu werden: der bei- in millionenschweren Imagekampagnen spiellose Boom der Erneuerbaren Energien als sympathische Klimaschützer dar – und in Deutschland. sichern sich durch Lobbyarbeit die Unter- stützung einflussreicher Politiker. Bleibt zu Denn es wird immer deutlicher: Ineffiziente, hoffen, dass immer mehr Menschen diesen starre Großkraftwerke sind mit effektivem Schwindel durchschauen. Klimaschutz grundsätzlich nicht vereinbar. Schon aus technischen Gründen kann es Die neuesten Befunde der Klimaforschung nicht klappen, die Erneuerbaren Energien sind dramatisch: Der globale Treibhausgas- auf das bestehende Energieversorgungssys- Ausstoß steigt weiter und liegt derzeit am tem einfach aufzusatteln. Vielmehr kommt oberen Rand der Emissionsszenarien, die es in den nächsten Jahren darauf an, ein den Berechnungen des Weltklimarats IPCC dezentrales Netz flexibler Kraftwerke auf- für den Temperaturanstieg zugrunde liegen. zubauen, welche die Schwankungen von Und es zeigt sich, dass die Auswirkungen Wind- und Sonnenstrom ausgleichen kön- der Erwärmung bisher unterschätzt wur- nen. Notwendig ist also das genaue Gegenteil den und die gefürchteten Kipp-Punkte im von Atomreaktoren oder riesigen Braun- Klimasystem der Erde offenbar schneller kohlekraftwerken, die sich nicht schnell und erreicht werden als bisher angenommen. gefahrlos regulieren lassen. Notwendig ist Die Klimaschutz-Bemühungen müssen eine rasche, konsequente Umstrukturierung also drastisch verschärft werden – in allen des gesamten Kraftwerksparks: eine Energie- Bereichen. Das Ziel heißt: eine weitgehend Revolution für Deutschland! emissionsfreie Wirtschaft bis Mitte des Jahrhunderts. Andree Böhling, Greenpeace
  • 04 Klimaschutz: Plan B 2050 Zielsetzung der Studie 100 % 90 Enquête: minus 80% 80 70 60 Greenpeace und EUtech haben im Juni 2007 mit dem Energiekonzept 50 „Klimaschutz: Plan B“1 einen Weg 40 beschrieben, wie Deutschland seine CO2-Emissionen bis zum Jahr 2020 30 um 40 Prozent senken und zugleich 20 einen beschleunigten Atomausstieg bis 2015 umsetzen kann. Greenpeace-Energiekonzept: minus 90% 10 Seitdem hat sich in der Klimaschutz- politik und in der Energiewirtschaft 0 viel getan. Im August 2007 beschloss 1990 2000 2010 2020 2030 2040 2050 die Bundesregierung während ihrer Kabinettsklausur in Meseberg ein am- Treibhausgas-Emissionen in Deutschland bis 2050 bitioniertes Klimaschutzprogramm, Empfehlungen der Enquête-Kommission für nachhaltige Energieversorgung (2002) das jedoch in der Folge völlig unzu- und Greenpeace-Energiekonzept (Basisjahr 1990: 100 Prozent / bis 2007 reale Werte) reichend in Gesetzesform gegossen wurde: Viele der vorgesehenen, be- grüßenswerten Maßnahmen wurden Ein solcher Blick in die Zukunft ist trotz vie- Seit dem Erscheinen des Stern-Reports2 über auf Druck von Lobbyverbänden stark ler Unsicherheiten notwendig. Heute gebaute die ökonomischen Folgen von Klimawandel verwässert oder ganz fallen gelassen. Kohlekraftwerke sind auf eine Betriebsdauer und Klimaschutz im Oktober 2006 ist aber Unabhängig davon hat der Ausbau von 40 bis 50 Jahren ausgelegt, und auch in klar: Je länger die notwendigen Maßnah- der Erneuerbaren Energien noch ein- modernen Anlagen verursacht jeder einzel- men gegen die Erderwärmung hinausgezö- mal an Dynamik gewonnen und alle ne Kraftwerksblock CO2-Emissionen von gert werden, desto radikalere und teurere Erwartungen übertroffen. Parallel mehreren Millionen Tonnen pro Jahr. Beson- Umbrüche kommen auf die Wirtschaft zu. wurde allerdings – unterstützt von den ders klimaschädlich sind Braunkohlekraft- Im Umkehrschluss bedeutet das: Je schneller Regierungsparteien – auch der Bau werke, wie sie derzeit noch im Rheinischen wir handeln, desto größer die Chance, das mehrerer Kohlekraftwerke begonnen, und im Lausitzer Braunkohlerevier gebaut Reduktionsziel zu vertretbaren Kosten zu dutzende weitere sind geplant. werden. Eine Nachrüstung heute gebauter erreichen. Aber nicht nur die ökonomische, Kohlekraftwerke mit Anlagen zur Abschei- sondern auch die naturwissenschaftliche In dieser Studie wird das Greenpeace- dung und Speicherung von Kohlendioxid Logik zwingt zu schnellstmöglichem Han- Energiekonzept den neuen Rahmen- (CCS) ist sehr unwahrscheinlich: Sie würden deln: Je früher die Emissionen gesenkt bedingungen angepasst und zugleich die ohnehin niedrigen Wirkungsgrade der werden, desto weniger Schäden richten die der Zeitrahmen bis zum Jahr 2050 Kraftwerke noch einmal verschlechtern und Treibhausgase in der Atmosphäre an. erweitert. die Stromerzeugung drastisch verteuern. Darüber hinaus ist die unterirdische Spei- cherung mit unwägbaren Risiken verbunden und wird von Greenpeace abgelehnt.
  • Greenpeace Studie 05 Auf den ersten Blick suggeriert das Bild ein faszi- nierendes Abenteuer in eisiger Landschaft. Doch bei dem Wasserlauf handelt es sich um einen mit Schmelzwasser gefüllten Riss im Petermann-glet- scher Grönlands – ein alarmierender Beweis für den Klimawandel. In den Kajaks sitzen Mitarbeiter von Greenpeace sowie Wissenschaftler, die auf einer dreimonatigen Forschungsreise mit dem Greenpeace-Schiff „Arctic Sunrise“ Daten zur Klimaerwärmung sammeln. Aus der Klimaforschung kommen neue Inzwischen wird befürchtet, dass schon bei Deutschland, so das Ergebnis dieser Studie, alarmierende Befunde.3 Das Meereis der einem Anstieg der globalen Durchschnitts- kann seine Emissionen bis 2050 um rund Arktis ist in den vergangenen zwei Jahren temperatur um 1,5 Grad Celsius gegenüber 90 Prozent reduzieren. Um dieses Ziel zu so rasant geschmolzen, dass erste eisfreie dem vorindustriellen Niveau irreversible erreichen, ist auch eine Verschärfung des Sommer im Nordpolarmeer in weniger Schäden an den Ökosystemen auftreten kurzfristigen Klimaschutzziels notwendig: als zehn Jahren möglich erscheinen. Weil würden. Ein Anstieg um 2 Grad – bisher Bis 2020 müssen die Emissionen um 46 Pro- auch auf Grönland und an den Rändern die Zielmarke internationaler Klimaschutz- zent gegenüber dem Basisjahr 1990 sinken. der Antarktis die Gletscher immer schnel- bemühungen – sollte dringend vermieden ler tauen, befürchten Experten nun einen werden, weil dann katastrophale Ketten- 1 Greenpeace, EUtech: Klimaschutz: Plan B – Nationales Energiekonzept bis 2020 (2007) Anstieg des Meeresspiegels um bis zu 1,4 reaktionen im globalen Klimasystem nicht 2 Stern: Review on the Economics of Climate Change (2006) Meter allein in diesem Jahrhundert. Ebenso mehr ausgeschlossen werden können. 3 Greenpeace International: Racing Over the Edge – New schmelzen die Gebirgsgletscher schneller Science on climate change (2009) als vorhergesehen, wodurch zum Beispiel in Für den Klimaschutz heißt das: Die bisher weiten Teilen Asiens die Wasserversorgung angestrebte Emissionsminderung um 50 gefährdet ist. Infolge der globalen Erwär- Prozent weltweit und um 80 Prozent in den mung schrumpfen bereits die Ernteerträge Industrieländern bis zum Jahr 2050 wäre bei Weizen, Mais und Gerste. Milliarden unzureichend. Ziel muss vielmehr sein, die Menschen sind aufgrund der Klimaerwär- Emissionen in den Industriestaaten bis mung zunehmend von Hunger und Trink- Mitte des Jahrhunderts auf „null“ zu senken wasserknappheit, Dürren, Überschwemmun- oder diesem Wert zumindest so weit wie gen und Wirbelstürmen bedroht. möglich anzunähern. Der Trend des welt- weiten Anstiegs der Emissionen muss bis 2015 gestoppt und umgekehrt werden.
  • 06 Klimaschutz: Plan B 2050 Die Klimaschutzpolitik der Regierung Merkel 85,9 42,9 Deutschland wird oft als Klimaschutz- Champion bezeichnet, weil der Ausstoß an Treibhausgasen bereits um 22 Pro- 151,9 841,2 385,5 zent niedriger ist als im Basisjahr 1990, gesamt auf das sich die Emissionsbilanzen be- Energiewirtschaft ziehen. Allerdings sind die Emissionen Industrie bereits nach der Wiedervereinigung (energie- u. prozessbedingt) zwischen 1990 und 1993 infolge des Verkehr Zusammenbruchs der Schwerindustrie 174,9 Gewerbe, Handel, der ehemaligen DDR um knapp 100 Dienstleistungen (GHD) Millionen Tonnen zurückgegangen – Haushalte und sanken in den folgenden 14 Jahren lediglich um weitere 100 Millionen Tonnen. CO2-Emissionen in Deutschland nach Sektoren in Millionen Tonnen (2007) Das Tempo der Reduktion hat also stark nachgelassen. Schon um das Regierungs- ziel zu erreichen – minus 40 Prozent Emissionen bis 2020 – muss es wieder deut- ten Klimaschutz- und Energieprogramm Größte Sorgen bereitet die Energiewirt- lich anziehen. (IKEP) ausgeklammert oder auf Druck von schaft, deren Emissionen in den letzten Lobbyverbänden stark verwässert. Bei- Jahren deutlich auf 385,5 Millionen Tonnen Die von der Großen Koalition in Meseberg spiele hierfür sind die völlig unzureichende gestiegen sind. Sie verursacht inzwischen beschlossenen Klimaschutz-Eckpunkte Reform der Kfz-Steuer, die zu großzügige 46 Prozent der CO2-Emissionen (2007). weisen in die richtige Richtung. Doch viele Auslegung der Sanierungspflicht bei Alt- Dieser Anstieg erscheint zunächst paradox, der vorgesehenen Maßnahmen wurden an- bauten oder Ausnahmeregelungen beim haben doch im gleichen Zeitraum die Er- schließend bei der Umsetzung im Integrier- Ersatz von Nachtspeicherheizungen. EU- neuerbaren Energien exponentiell zugelegt. tech bezifferte im November 2007 für Allerdings hat auch die klimaschädliche Greenpeace die mögliche CO2-Minderung Kohleverstromung zugenommen, was zu durch das IKEP auf maximal 160 Millionen deutlich erhöhten Exportüberschüssen Tonnen pro Jahr bis 2020. Nach heutigem führte – 2007 wurden 19,1 Terawattstun- Stand sind 15 bis 30 Millionen Tonnen den exportiert, so viel wie zwei Atom- oder weniger zu erwarten. Mit den beschlosse- große Kohlekraftwerke produzieren. Diese nen Maßnahmen würde demnach nur eine Probleme werden sich weiter verschärfen, Emissionssenkung um knapp 30 Prozent weil derzeit mehrere Kohlekraftwerke bis 2020 erreicht. gebaut werden und Dutzende geplant sind.
  • Greenpeace Studie 07 Zukunftsfähige Energie für Deutschland 90 Fotovoltaik Windkraft 80 Biomasse Wasserkraft 70 60 Das „Greenpeace-Energiekonzept bis 50 2050“ zeigt – so weit das aus heutiger Sicht möglich ist –, wie die Treibhaus- 40 gas-Emissionen in den nächsten Jahrzehnten unter technisch und wirt- 30 schaftlich realistischen Annahmen reduziert werden können. Es bezieht 20 dabei alle Treibhausgas emittierenden Wirtschaftsbereiche ein – also neben 10 der Energiewirtschaft auch Industrie, Haushalte, Verkehr und Landwirtschaft. 0 Betrachtet werden die Einsparpotenziale 1990 1995 2000 2005 in den verschiedenen Sektoren und die Ausbaupotenziale einer klimaverträglichen Stromerzeugung aus Erneuerbaren Energien in Deutschland (Endenergie) in Terawattstunden (TWh) Energiewirtschaft. Aufgrund der umwelt- und klimapolitischen Vorgaben von Green- peace wurden für die Berechnungen der Energie- und Emissionsszenarien folgende Verzicht auf den Bau neuer Bei neuen Pkws: Reduzierung des Grundannahmen getroffen: Braunkohlekraftwerke Durchschnittsverbrauchs auf 3 Liter/100 Kilometer bis 2020 und 1,5 Liter (Kraft- Nationales Klimaschutzziel: Senkung der Kompletter Ausstieg aus der Kohle- stoffäquivalent) bis 2050; Einleitung eines Treibhausgas-Emissionen auf annähernd verstromung bis 2040 Technologiewechsels zu CO2-neutralen null bis 2050 Antrieben Errichtung ausschließlich hocheffizienter Vorgezogener und vollständiger Ausstieg Gas-und-Dampf-Kombikraftwerke (GuD) Forcierte Ausschöpfung der Effizienz- aus der Atomkraft bis 2015 oder Anlagen mit Kraft-Wärme-Kopplung potenziale in allen Sektoren (KWK) mit einem Gesamtwirkungsgrad Verzicht auf den Bau neuer von mindestens 80 Prozent Steinkohlekraftwerke Keine Anlagen zur Abscheidung und Speicherung von Kohlendioxid (CCS) Forcierter Ausbau der Erneuerbaren Energien, wobei insbesondere beim Energiepflanzenanbau Nachhaltigkeits- kriterien zu berücksichtigen sind
  • 08 Klimaschutz: Plan B 2050 Energie sparen und Effizienz Verkehr Haushalte Gewerbe, Handel, Dienstleistungen (GHD) Industrie Die nötigen Emissionsminderungen 600 lassen sich nur erreichen, wenn die Energieeffizienz in allen Bereichen deutlich steigt. Die Bundesregierung 400 hat sich im Rahmen der Nationalen Nachhaltigkeitsstrategie zum Ziel gesetzt, die gesamtwirtschaftliche „Energieproduktivität“ (Verhältnis 200 vom Bruttoinlandsprodukt zum Energieeinsatz) von 1990 bis 2020 zu verdoppeln. Bis heute ist dieser Wert 0 nur um 40 Prozent gestiegen. Die 2007 2020 2030 2040 2050 Effizienzgewinne müssen sich in den nächsten Jahren also klar verbessern. Strombedarf nach Sektoren bis 2050 in Terawattstunden pro Jahr (TWh/a) Greenpeace und EUtech haben im „Klima- schutz: Plan B“ mit einem Maßnahmen- katalog dargelegt, wie die notwendigen Verbesserungen erreicht werden können. Haushalte und Gewerbe, Gebäude: Wärmebedarf Dieser Katalog wurde hier den neuen Handel, Dienstleistungen: senken Rahmenbedingungen angepasst und Strom sparen In den privaten Haushalten werden derzeit erweitert. In den vergangenen Jahren ist der Strom- noch zwei Drittel der Endenergie für Raum- verbrauch der privaten Haushalte sowie des wärme verbraucht. Deshalb schlummert Industrie: Effiziente Sektors „Gewerbe, Handel, Dienstleitungen“ in verbesserter Wärmedämmung und mo- Technologien nutzen weiter gestiegen. Mit der Ökodesign-Richt- dernen Heizungsanlagen auch das größte Trotz bereits vorhandener ausgereifter, sehr linie der EU und entsprechenden nationa- Einsparpotenzial. Gebäude, die vor 1985 effizienter Anlagen ist die in der Industrie len Gesetzen wurden die Grundlagen für errichtet wurden – das sind drei Viertel eingesetzte Technik oft veraltet. Viele Spar- eine Trendumkehr geschaffen. Dennoch des aktuellen Bestandes – sind aus heutiger potenziale werden aus Unkenntnis nicht muss nachgebessert werden, wenn die an- Sicht völlig unzureichend isoliert, sofern sie genutzt. Noch immer wird oft die zunächst visierten Einsparungsziele erreicht werden nicht bereits saniert wurden. Letztendlich billigere Anlage angeschafft, obwohl die im sollen. müssen aber schrittweise alle Wohngebäu- Einkauf teurere, hocheffiziente Alternative Notwendige Maßnahmen: de, die vor der Energieeinsparverordnung langfristig durch niedrigere Betriebskosten Verabschiedung des seit langem ge- von 2002 gebaut wurden, saniert werden. deutlich Kosten einsparen würde. planten nationalen Energieeffizienz- Notwendige Maßnahmen: Notwendige Maßnahmen: gesetzes (EnEfG) Steigerung der Sanierungsquote durch Energieeffizienz-Benchmarks für Schaffung einer verbindlichen und verbesserte Förderung von Wärmedäm- elektrische Antriebe, Kompressoren, aussagekräftigen Energieeffizienz- mung und verschärfte Kontrollen Beleuchtungsanlagen etc., die in einer Kennzeichnung (Haushaltsgeräte, Deutlich kürzere Fristenregelung für festgelegten Übergangszeit nachprüfbar Unterhaltungselektronik, Computer etc.), die Außerbetriebnahme von Nacht- erreicht werden müssen die alle zwei Jahre angepasst wird speicherheizungen Einführung von Effizienzklassen für Verstärkter Einsatz Erneuerbarer neue Anlagen und ein Verkaufsverbot Energien zur Wärmeerzeugung auch für Anlagen, die nicht in die höchsten in Bestandsgebäuden (Förderung über Effizienzklassen fallen (Top-Runner- ein Bonusmodell im Rahmen des Prinzip) Erneuerbare-Energien-Wärmegesetzes) Einführung moderner Energie- managementsysteme, gefördert durch Steuererleichterungen
  • Greenpeace Studie 09 steigern 2000 Verkehr (Kraftstoffe) Haushalte 1800 Gewerbe, Handel, Dienstleistungen (GHD) 1600 Industrie 1400 1200 1000 800 600 400 200 0 2007 2020 2030 2040 2050 Wärme- bzw. Kraftstoffbedarf nach Sektoren bis 2050 in Terawattstunden pro Jahr (TWh/a) Verkehr: Verbrauch senken, Ab einer bestimmten Entfernung ver- Technologiewechsel einleiten pflichtender Gütertransport auf der Um die CO2-Emissionen des Verkehrs so Schiene (Vorbild: Schweiz); Pilotphasen weit wie möglich zu senken, ist eine Dop- für alternative Konzepte zur Verlage- pelstrategie erforderlich: ein konsequenter rung von Lkw-Verkehr Ausbau der öffentlichen Verkehrsmittel und eine deutliche Senkung des Kraftstoff- Andere Treibhausgase verbrauchs der Autos. Steuerliche Anreize Rund ein Achtel der Emissionen stellen die sollten den Wechsel zu „CO2-freien“ Fahr- Nicht-CO2-Treibhausgase CH4 (Methan), zeugen forcieren. Welche Technologie N2O (Lachgas) sowie SF6, FKW, H-FKW sich langfristig durchsetzt, ist noch nicht (fluorierte Treibhausgase). Ihre Treibhaus- sicher. In diesem Energiekonzept wurde wirksamkeit ist hier auf CO2-Äquivalente ein Wechsel zu Elektrofahrzeugen ange- umgerechnet. Bei ihnen lässt sich durch nommen. Als Folge steigt der Gesamtstrom- Maßnahmen in den Bereichen Industrie, verbrauch ab 2030 trotz sinkendem Bedarf Landwirtschaft, Verkehr, Energiewirt- in den anderen Sektoren wieder leicht an. schaft und Abfallbeseitigung ebenfalls Notwendige Maßnahmen: viel einsparen. Umfangreiche Infrastrukturmaßnah- men zur Verlagerung von Autoverkehr Greenpeace fordert die komplette Umstel- auf öffentliche Verkehrsmittel lung auf ökologische Landwirtschaft bis Fahrbeschränkungen, Innenstadt- 2050. Damit verbundene kleinere Viehbe- Maut, autofreies Wohnen etc. mit dem stände, eine effizientere Düngernutzung Ziel „emissionsfreie Städte“ und die verstärkte Nutzung von Gülle zur Gesetzliche Obergrenzen für den Biogaserzeugung führen zu deutlich niedri- CO2-Ausstoß sowie für das Gewicht geren Methan- und Lachgasemissionen. von Neufahrzeugen
  • 10 Klimaschutz: Plan B 2050 Erneuerbare ausbauen und Brennstoffe optimal nutzen Geothermie 450 Fotovoltaik Wind Offshore 400 Wind Onshore 350 Biomasse Wasserkraft* 300 Der Umbau des Kraftwerksparks ist für den Klimaschutz von überragender 250 Bedeutung. Das hat zwei Gründe: Auf- grund der zahlreichen Kohlekraftwerke 200 erzeugt der Energiesektor derzeit noch mit Abstand die meisten Treib- 150 hausgas-Emissionen (46 Prozent). 100 Zugleich stehen in diesem Bereich mit den Erneuerbaren Energien sichere, 50 weitgehend CO2-freie Alternativen zur Verfügung, die die Stromversor- 0 gung langfristig komplett übernehmen 2007 2020 2030 2040 2050 können. Weil der Kraftwerkspark ein hohes Durch- Stromerzeugung aus Erneuerbaren Energien bis 2050 in Terawattstunden pro Jahr (TWh/a) schnittsalter hat, müssen Erzeugungs- kapazitäten in den nächsten Jahren sowieso * erneuerbar (ohne Pumpspeicherkraftwerke) sukzessive ersetzt werden. Die jetzt getrof- fenen Investitionsentscheidungen legen die Struktur der Stromerzeugung auf Jahrzehn- Erneuerbare Energien: Das größte Potenzial hat die Wind- te fest. Für den Erfolg beim Klimaschutz den Boom fördern energie. Allein 2007 entsprachen die ist also entscheidend, dass diese Investitio- Die Entwicklung der Erneuerbaren Energi- neu errichteten Kapazitäten der Leistung nen in die richtigen Technologien gelenkt en übertrifft alle Prognosen. 2008 trugen von zwei großen Steinkohlekraftwerken. werden. sie zur Stromerzeugung nach Hochrech- In den nächsten Jahren können an den nungen bereits 17,2 Prozent bei. Durch bereits genutzten Landstandorten sinkende Anlagenpreise bei den Erneuer- zahlreiche Windräder durch leistungs- baren und zugleich steigende Kosten für stärkere Nachfolger ersetzt werden fossile Brennstoffe nähern sich die Kosten (Repowering). Weitere Flächen sollten der „neuen“ und „alten“ Energien einander ausgewiesen sowie pauschale Abstands- immer mehr an, sodass auch in Zukunft und Höhenregelungen abgeschafft wer- ein kräftiges Wachstum zu erwarten ist. den. Der landseitige Netzausbau muss Wichtigstes Instrument zur Förderung des insgesamt beschleunigt werden. Bei Booms bleibt das Erneuerbare-Energien- der Offshore-Windenergie wird eine Gesetz (EEG), das den sich verändernden ähnlich steile Entwicklung erwartet. Bedingungen angepasst werden muss. Im Greenpeace-Energiekonzept decken die Die Geothermie, die bisher noch in den Erneuerbaren Energien im Jahr 2020 etwa Anfängen steckt, spielt in der zukünf- 37 Prozent des Strombedarfs und über- tigen Strom- und Wärmeversorgung nehmen bis 2050 die gesamte Stromver- aufgrund ihres großen Potenzials und sorgung. ihrer kontinuierlichen Verfügbarkeit eine zunehmend wichtige Rolle. Um den Durchbruch der Technologie zu be- schleunigen, ist ein Anschubprogramm notwendig.
  • Greenpeace Studie 11 Geothermie Strom Biomasse Wärme fossil 300 200 100 0 2007 2020 2030 2040 2050 Kraft-Wärme-Kopplung bis 2050 Die Stromerzeugung durch Foto- Kraft-Wärme-Kopplung: Die Bundesregierung möchte laut Mese- voltaik hat sich von einem niedrigen hohe Wirkungsgrade erzielen berg-Programm den KWK-Anteil an der Ausgangswert zwischen 2005 und 2007 Weil in einer Übergangszeit auf fossile Stromerzeugung bis 2020 auf 25 Prozent verdoppelt. Technische Fortschritte Brennstoffe nicht vollständig verzichtet verdoppeln. Die konkret beschlossenen und sinkende Erzeugungspreise werden werden kann, ist es entscheidend, dass Fördermaßnahmen werden allerdings in den nächsten Jahrzehnten zu einem diese zukünftig optimal genutzt werden. voraussichtlich nur die Hälfte der vorgese- kontinuierlichen Wachstum führen. Die zweite Säule der Energieversorgung im henen CO2-Einsparung von 20 Millionen Auch die Solarthermie wächst auf- Greenpeace-Energiekonzept ist deshalb der Tonnen pro Jahr bringen. Das Greenpeace- grund der Einführung des Erneuerbare- Ausbau der Kraft-Wärme-Kopplung, bei Energiekonzept sieht ein deutlich schnel- Energien-Wärmegesetzes in den nächs- der in dezentralen Anlagen mit Wirkungs- leres Wachstum vor: Dies kann durch ten Jahren deutlich weiter. graden von mindestens 80 Prozent zugleich entschiedene Förderung und den Abbau Strom und Wärme erzeugt wird. KWK- von Investitionshemmnissen erreicht Die Nutzung der Biomasse hat sich Anlagen können mit fossilen Brennstof- werden. rasant entwickelt. Dem Wachstum sind fen (vor allem Erdgas) sowie mit Biogas aus Gründen der Nachhaltigkeit und und -masse betrieben werden, in Zukunft begrenzter Ackerflächen allerdings Gren- wird die Geothermie eine immer größere zen gesetzt. Biomasse sollte in Zukunft Rolle spielen. Erdgas-KWK dient also als vor allem in hocheffizienten KWK- „Brückentechnologie“ auf dem Weg zur Anlagen eingesetzt werden. Vollversorgung durch die Erneuerbaren. Die Wasserkraft wird bis 2020 durch die im EEG besonders geförderte „kleine Wasserkraft“ noch um rund 16 Prozent wachsen. Danach ist unter den derzeiti- gen Bedingungen kein nennenswerter Zuwachs mehr zu erwarten.
  • 12 Klimaschutz: Plan B 2050 Keine Utopie – ökologisch und ökonomisch notwendig 100 installierte Leistung im Kraftwerkspark 90 Gas Heizöl 80 Braunkohle Steinkohle 70 Das Greenpeace-Energiekonzept bis Atomkraft 2050 beruht zwangsläufig auf vielen 60 Annahmen. Der Umbau der Energie- versorgungssysteme über mehrere 50 Jahrzehnte wird sicherlich nicht exakt so verlaufen wie hier dargestellt. 40 Dennoch ist ein solcher Ausblick hilfreich und notwendig: Das Konzept 30 beweist, dass ein schneller Atom- ausstieg bis 2015 sowie ein schritt- 20 weiser Kohleausstieg bis spätestens 10 2040 machbar sind. Es zeigt, welche Schritte für das Erreichen der Klima- 0 schutzziele jetzt unternommen wer- 2007 2020 2030 2040 2050 den müssen. Und es verdeutlicht die Konsequenzen heute getroffener Fehlentscheidungen. Genutzte Großkraftwerke (fossil und nuklear) Leistung in Gigawatt Eine Leistungslücke droht nicht Die halbstaatliche Deutsche Energie-Agentur Erneuerbare Energien (Dena) prognostizierte Anfang 2008 eine fossile Kraft-Wärme-Kopplung Leistungslücke bei der Stromversorgung ab etwa Mitte des nächsten Jahrzehnts.1 Um fossile Großkraftwerke 600 Engpässe zu vermeiden, empfahl sie eine Laufzeitverlängerung für Atomreaktoren 500 3 3 und den verstärkten Ausbau der Kohlekraft. Die These von der drohenden „Stromlücke“ 1 400 löste ein erhebliches Medienecho aus. 2 Inzwischen wurde von mehreren Institu- 300 ten und einem Gutachten der Bundesregie- rung zur Sicherheit der Stromversorgung 200 Entwarnung gegeben.2 Auch eine durch EUtech im Auftrag von Greenpeace durch- 100 geführte Analyse3 zeigt, dass mit deutlich mehr KWK-Anlagen, Erneuerbaren Energi- en und Effizienzgewinnen gerechnet werden 0 kann als von der Dena angenommen. Mit- 2007 2020 2030 2040 2050 telfristig können außerdem Stromimporte aus Sonnenkraftwerken in Wüstengebieten Deckung des Strombedarfs bis 2050 in Terawattstunden pro Jahr (TWh/a) einen maßgeblichen Beitrag zur Energie- 1) Schätzung, 2) als verbleibender Wert errechnet, 3) leichtes Überangebot an Erneuerbarem und KWK-Strom ab 2040 versorgung leisten. Sie wurden in diesem Szenario noch nicht berücksichtigt.
  • Greenpeace Studie 13 Die Volkswirtschaft und Mehr Sicherheit, mehr Jobs Erneuerbare Energien wird diese Abhängig- die Haushalte gewinnen Der im Oktober 2006 erschienene „Stern- keit deutlich reduzieren – von derzeit Anders als von den Atom- und Kohlekon- Report“ hat die ökonomischen Dimensionen 71 Prozent auf nur noch 11 Prozent im Jahr zernen suggeriert, wird der Ausstieg aus der des Klimaproblems auf beeindruckende 2050. Auch der Erdgasbedarf nimmt Stromerzeugung in zentralen Großkraft- Weise deutlich gemacht. Je länger entschie- trotz höheren Einsatzes im Stromsektor werken keine steigenden Stromkosten mit dene Schritte gegen die Erderwärmung bis 2020 absolut um 7,5 Prozent und bis sich bringen. Während die Brennstoffkosten hinausgezögert werden, desto höher werden 2030 um 26 Prozent ab. Die Umsetzung des immer weiter klettern und der Emissions- auch die Kosten für Klimaschutz- und An- Greenpeace-Energiekonzepts verringert handel die Kohleverstromung in Zukunft passungsmaßnahmen. Im Sinne des Vorsor- die Abhängigkeit von Erdgasimporten. deutlich verteuern wird, sinken die Kosten geprinzips gibt es deshalb keine Alternative 1 Deutsche Energie-Agentur (Dena): Kurzanalyse der der Erneuerbaren stetig. So liegen beim zu einem möglichst schnellen und radikalen Kraftwerks- und Netzplanung in Deutschland bis 2020 (2008) Greenpeace-Konzept die absoluten jährlichen Umbau der Energieversorgungssysteme. 2 Monitoring-Bericht des Bundesministeriums für Wirtschaft Stromgestehungskosten im Jahr 2020 um und Technologie nach § 51 EnWG zur Versorgungssicherheit im Bereich der leitungsgebundenen Versorgung mit zehn Prozent unter denen eines Referenz- Dabei zeigt sich, dass dieser Umbau schon Elektrizität (2008) szenarios ohne verstärkte Klimaschutzmaß- jetzt beträchtliche Chancen für die Wirt- 3 Greenpeace, EUtech: Sicherheit der Stromversorgung in nahmen und im Jahr 2030 etwa auf gleicher schaft mit sich bringt. Allein 2008 entstan- Deutschland – Stellungnahme zur Dena-Kurzstudie „Kraftwerks- und Netzplanung in Deutschland bis 2020“ Höhe. den in Deutschland im Bereich der Erneuer- (2008) baren Energien 30.000 neue Arbeitsplätze, 4 Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und In einer wirtschaftlichen Bewertung müssen insgesamt waren 278.000 Menschen in der Reaktorsicherheit: Entwicklung der erneuerbaren Energien in Deutschland im Jahr 2008 (2009) den Kosten für den Ausbau von Erneuerba- Branche beschäftigt4 (positive Bruttobeschäf- 5 Umweltbundesamt: Beschäftigungseffekte des Klimaschutzes ren Energien und für Energieeffizienz auch tigungseffekte). Eine aktuelle Studie für in Deutschland (2008) die auf diese Weise vermiedenen Brenn- das Umweltbundesamt5 zeigt ferner, dass stoffkosten gegenübergestellt werden. Das negative Beschäftigungseffekte infolge höhe- Greenpeace-Energiekonzept zeigt, dass die rer Strompreise gesamtwirtschaftlich durch bis 2020 notwendigen Investitionen von steigende inländische Investitionen und 110 Milliarden Euro im gleichen Zeitraum Exporte von Erneuerbare-Energien-Anlagen zu Einsparungen bei Energieimporten und mehr als ausgeglichen werden (positive CO2-Emissionen in Höhe von 145 Milliar- Nettobeschäftigungseffekte). den Euro führen. Ähnliches gilt für Privat- verbraucher: In einem durchschnittlichen Der Umbau der Energiewirtschaft macht die Haushalt werden die Kosten für Strom und Versorgung außerdem sicherer. Deutschland Wärme um etwa 14 Prozent gegenüber ist seit Jahrzehnten stark von Energieimpor- einem „Business as usual“-Szenario sinken! ten abhängig, etwa bei Uran, Erdöl und Erdgas. Auch Steinkohle wird bereits zu zwei Dritteln importiert. Nur bei der Braun- kohle – deren Nutzung aus Gründen des Klimaschutzes so bald wie möglich beendet werden sollte – gab es 2007 einen leichten Exportüberschuss. Eine Senkung des Primär- energiebedarfs und eine Umstellung auf
  • 14 Klimaschutz: Plan B 2050 Fazit 1000 andere Treibhausgase 900 (CO2-Äquivalente) Verkehr 800 Gewerbe, Handel, Dienst- leistungen / Haushalte 4 700 Angesichts der neuesten Prognosen Industrie 3 600 der Klimafolgenforschung und der Energiewirtschaft 2 weiter ungebremst ansteigenden 500 globalen Treibhausgas-Emissionen ist eine drastische Verstärkung der 400 Klimaschutzbemühungen erforder- lich. Die Industrieländer müssen ihre 300 Wirtschaft bis Mitte des Jahrhunderts 200 weitgehend „dekarbonisieren“, den Ausstoß von Kohlendioxid und anderen 100 Treibhausgasen also nahezu voll- ständig stoppen. 0 2007 1 2020 2030 2040 2050 Das Greenpeace-Energiekonzept zeichnet den Weg, wie Deutschland seine Emis- Treibhausgas-Emissionen bis 2050 sionen bis 2050 um rund 90 Prozent redu- in Millionen Tonnen CO2 pro Jahr zieren kann. Für einen langfristigen Erfolg 1) nach NIR 2009, 2) bis 2020 inkl. Emissionen aus zentraler Wärmeerzeugung; ab 2020 nur Stromerzeugung ist auch eine Verschärfung des Klima- 3) Energie- und prozessbedingte Emissionen, 4) einschl. Militär, übrige Feuerungsanlagen schutzziels für 2020 notwendig: Bis dahin müssen die Emissionen um 46 Prozent ge- genüber dem Basisjahr 1990 sinken. Dafür reichen die bisher beschlossenen Klima- einbar, denn sie können nicht flexibel auf und die Versorgungssicherheit steigt. Auch schutzmaßnahmen der Großen Koalition die schwankende Einspeisung von Wind- beim Erdgas, dessen prozentualer Anteil bei weitem nicht aus. Selbst vollständig und Solarstrom reagieren. Der Atomaus- an der Stromversorgung aufgrund der Effi- umgesetzt würde das Regierungsziel, die stieg wirkt daher als Motor für den Umbau zienzgewinne zunächst zunimmt, sinken Emissionen bis 2020 um 40 Prozent zu des Kraftwerksparks und kann – wie von die absoluten Importe bereits bis 2020. Die reduzieren, klar verfehlt. Greenpeace gefordert – bereits bis 2015 deutsche Volkswirtschaft profitiert dop- abgeschlossen werden. Ab 2030 werden pelt: durch vermiedene Brennstoffkosten Das Greenpeace-Energiekonzept basiert keine großen Kohlekraftwerke mehr ge- sowie durch Exportmöglichkeiten bei auf zwei Säulen: Die Steigerung der Ener- nutzt; ab 2040 wird auch die kohlebefeuer- den Erneuerbaren Energien und Effizienz- gieeffizienz in allen Sektoren führt zu deut- te Kraft-Wärme-Kopplung vollständig technologien. lichen Energieeinsparungen. Der zügige beendet. und konsequente Umbau des Kraftwerks- Der bisher von der Bundesregierung parks macht die Energieversorgung sicher Durch den schnellen Atomausstieg und den geförderte Bau weiterer neuer Kohlekraft- und klimaverträglich. Bis 2050 decken schrittweisen Kohleausstieg drohen weder werke sollte umgehend gestoppt werden. Erneuerbare Energien den gesamten Strom- eine „Stromlücke“ noch steigende Strom- Diese Projekte drohen zu Investitionsrui- bedarf. In einer Übergangszeit dienen kosten. Vielmehr nimmt die Abhängigkeit nen zu werden. Bei einer konsequenten hocheffiziente Gaskraftwerke mit Kraft- von Energieimporten kontinuierlich ab, Klimaschutzpolitik – die in Zukunft von Wärme-Kopplung als Brückentechnologie. jeder Bundesregierung erwartet werden Insbesondere Atomkraftwerke und große muss – werden sie nur noch maximal 20 Braunkohlekraftwerke sind mit dem Um- Jahre lang laufen können. Deutschland stieg auf Erneuerbare Energien nicht ver- braucht mehr als eine Energiewende: Not- wendig ist eine Energierevolution.
  • Klimaschutz-Programm für Deutschland 25 45 93 Um dieses Energie- und Klimaschutz- konzept umzusetzen, müssen zahl- reiche Maßnahmenpakete realisiert 468 50 werden. Greenpeace fordert, folgende gesamt Maßnahmen vorrangig einzuleiten: 165 Verschärfung der kurz-, mittel- und lang- Geothermie fristigen Klimaschutzziele Fotovoltaik 90 Wind Offshore Umstrukturierung der Energieversorgung: Wind Onshore Atomausstieg bis 2015, sukzessiver Biomasse Kohleausstieg bis 2040, Förderung der dezentralen und hocheffizienten Strom- Wasserkraft* und Wärmeerzeugung Vorrang für Erneuerbare Energien: Strommix im Jahr 2050 Fortsetzung und Anpassung des Erneu- in Terawattstunden pro Jahr (TWh/a) erbare-Energien-Gesetzes, Beseitigung * erneuerbar (ohne Pumpspeicherkraftwerke) von Hemmnissen für den Ausbau von Windenergie und Geothermie (Netzausbau, Anschubprogramm und Vorrangregelung für Geothermie) Schnellere Erschließung der Potenziale Maßnahmenbündel zur Minderung der zur Energieeinsparung im Gebäude- Nicht-CO2-Treibhausgase in Land- Verbesserte Förderung und beschleunig- bereich: verbesserte Förderung der wirtschaft, Industrie, Verkehr, Energie- ter Ausbau der Kraft-Wärme-Kopplung energetischen Sanierung, strengere wirtschaft und Abfallbeseitigung Kontrollen, verstärkter Einsatz Erneuer- barer Energien auch im Bestand Klimaschutzprogramm für die Landwirt- (gefördert durch ein Bonusmodell) schaft: Roadmap für eine vollständige ökologische Viehhaltung und Landwirt- Rationellerer Stromeinsatz in allen Sekto- schaft ren: Energieeffizienzgesetz, Top-Runner- Prinzip und Energieeffizienz-Benchmarks in der Industrie Ausschöpfung aller Einsparpotenziale im Verkehr: gesetzliche Obergrenzen für Verbrauch und Fahrzeuggewicht, För- derung der öffentlichen Verkehrsmittel, Einleitung eines Technologiewechsels zu alternativen Antrieben, alternative Kon- zepte für Personen- und Güterverkehr
  • Das Greenpeace-Energiekonzept bis 2050 zeigt, wie die Treibhausgas-Emissionen um 90 Prozent reduziert wer- den können – eine Energie-Revolution für Deutschland. Klimaschutz ist machbar! 3845 2346 1692 TWh/a TWh/a TWh/a 2007 2020 2030 Erneuerbare Energien Erdgas Öl 1423 1286 TWh/a TWh/a Steinkohle Braunkohle Atomkraft Energieeffizienz 2040 2050 Primärenergiebedarf bis 2050 in Terawattstunden pro Jahr (TWh/a) Greenpeace ist eine internationale Umweltorganisation, die mit gewalt- freien Aktionen für den Schutz der Lebensgrundlagen kämpft. Unser Ziel ist es, Umweltzerstörung zu verhindern, Verhaltensweisen zu ändern und Lösungen durchzusetzen. Greenpeace ist überparteilich, politisch und finanziell unabhängig und nimmt keine Gelder von Regierungen, S 149 1 Parteien oder der Industrie.