Beerenbuch

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Beerenbuch

  1. 1. Sigrid Oldendorf-CasparDas Beerenbuch
  2. 2. Sigrid Oldendorf-Caspar Das BeerenbuchGesunde Vielfalt • Anbau im Garten • Vollwertige Rezepte
  3. 3. Inhalt InhaltBeerenliebe ........................................................................................................... 7Gesunde Beerenschätze ........................................................................ 10Was sind Beeren? ........................................................................................ 18Beeren im Garten ........................................................................................ 20Johannisbeeren ......................................................................................................................... 23Stachelbeeren .............................................................................................................................. 29Himbeeren .................................................................................................................................... 34Brombeeren ................................................................................................................................. 40Gartenerdbeeren und Walderdbeeren ......................................................................... 46Waldheidelbeeren und Kulturheidelbeeren .............................................................. 54Preiselbeeren ............................................................................................................................... 60Cranberrys ...................................................................................................................................... 64Schwarze Holunderbeeren .................................................................................................. 70Sanddornbeeren ....................................................................................................................... 77Beeren kaufen und sammeln ......................................................... 83Beeren kaufen ............................................................................................................................ 83Wilde Beeren sammeln .......................................................................................................... 83Beeren genießen .......................................................................................... 86Frische Beeren lagern ............................................................................................................. 86Beeren waschen und putzen ............................................................................................ 87Backtemperaturen und Backzeiten ................................................................................. 88Rezepte mit Beeren .................................................................................. 89Rezepte mit Johannisbeeren .............................................................................................. 90Rezepte mit Stachelbeeren .................................................................................................. 98Rezepte mit Himbeeren ...................................................................................................... 103 5
  4. 4. InhaltRezepte mit Brombeeren ................................................................................................... 112Rezepte mit Erdbeeren ........................................................................................................ 119Rezepte mit Heidelbeeren ................................................................................................. 132Rezepte mit Preiselbeeren ................................................................................................. 140Rezepte mit Cranberrys ....................................................................................................... 144Rezepte mit Holunder ......................................................................................................... 154Rezepte mit Sanddornbeeren ......................................................................................... 157Rezepte mit gemischten Beeren .................................................................................... 162Gefüllte Vorratskammern ................................................................ 171Im Kälteschlaf ........................................................................................................................... 171Beerenkompott ....................................................................................................................... 171Saft und Sirup .......................................................................................................................... 173La vie est dure sans confiture ......................................................................................... 177Die Autorin ...................................................................................................... 187Rezeptindex ................................................................................................... 1886
  5. 5. Beerenliebe BeerenliebeObst aus dem eigenen Garten – frisch geerntet, welch köst-liche Vorstellung! Zwar gibt es in den Geschäften stets eineschöne Auswahl, aber immer haben die Früchte einen mehroder weniger weiten Transport hinter sich und sind eher vorTagen als vor Stunden geerntet worden. Wer dagegen selbstpflanzt und pflückt, kann Frischobst genießen, das unmittelbarvom Garten in die Küche gebracht wird und sofort nach demWaschen verzehrfertig ist. Ideal für den Anbau im eigenen Garten sind Beeren. DennErdbeer- oder Heidelbeerpflanzen benötigen wenig Platz, ge-deihen sogar in Kübeln, wenn nur Terrasse oder Balkon zurVerfügung steht. Ein Johannisbeerbusch passt in jede kleineEcke eines Gärtchens, und mit den Nachbarn kann man sichvielleicht auf eine Himbeerhecke als Abgrenzung zwischen denGärten einigen. Von den Früchten, die in diesem Buch vorge-stellt werden, beanspruchen nur Holunder und Sanddorn mehrRaum. Aber sicherlich haben einige Leser auch einen Garten,der Bäumen und größeren Sträuchern genügend Platz bietet. 7
  6. 6. Beerenliebe Allen, die Hobbyobstbauer sind oder es werden wollen, seigesagt, dass es nicht nur die optimale Frische ist, die für dasGärtnern spricht. Zusätzlich macht es gute Laune, sich mit derNatur zu beschäftigen – zu pflanzen und die Schützlinge zubeobachten, wie sie wachsen, blühen und Früchte hervorbrin-gen. Gartenarbeit ist eine Form der Entspannung. Die körper-liche Bewegung tut gut und der Kopf kommt auf andere Ge-danken. Als Entschädigung für die Mühen gibt es zur Krönungdas köstliche Obst auf den Tisch, das sich auch zu allerleiKuchen, Getränken, Suppen, Saucen, süßen Hauptgerichten,Desserts und Konfitüren verarbeiten lässt. Dieses Buch bietetdazu eine Auswahl bewährter und neuer Rezepte, die zusätz-lich variiert werden können. Damit wirklich Früchte aus dem eigenen Anbau auf denTisch kommen – und nicht doch gekaufte Beeren, weil dieErnte nur gering war – werden in diesem Buch die wichtigstenGrundsätze für Auswahl, Standort und Pflege beschrieben.Fleiß und Wissen müssen nämlich zusammenkommen, umkeine Enttäuschung zu erleben, also erst die Pflanzen zu er-werben und dann statt der eigenen Ernte doch die Früchtekaufen zu müssen. Aber keine Angst, es ist nicht kompliziert,mit einem Körbchen voll Erdbeeren oder Johannisbeeren, umnur sie als Beispiele zu nennen, belohnt zu werden. Weiter informiert Sie das Buch über den gesundheitlichenWert der Früchte. Das bedeutet zum einen, dass es für einigeBeeren direkte Anwendungsmöglichkeiten gibt, wenn es umakute Beschwerden wie Erkältungssymptome oder Blasenent-zündung geht. Darüber hinaus liegt der Wert der vielen gutenInhaltsstoffe der kleinen runden Beeren vor allem in der Vor-beugung und langfristig positiven Wirkung. Sie wappnen denKörper gegen die genannten akuten Krankheiten und sind Be-standteile einer gesunden Ernährung, die über meist harmloseAlltagsbeschwerden hinaus vor Krebs und sogenannten Zivili-sationsbeschwerden schützt, wie wissenschaftliche Untersu-8
  7. 7. Beerenliebechungen mehr und mehr untermauern. Dabei setzen sie amUrsprung der Krankheiten an, das heißt, sie verhindern derenEntstehung und Entwicklung. Keineswegs ist es egal, was wiressen. Essen ist im Gegenteil die einfachste und natürlichsteMethode, um sich aktiv vor schlimmen und angsteinflößendenKrankheiten zu schützen. Wir haben es in der Hand, unsereNahrung so auszuwählen und gegebenenfalls die Zusammen-stellung so zu verändern, dass unser Körper das bekommt, wasihm gut tut. Der alte Slogan »Esst mehr Obst« hat nichts anAktualität verloren und ist positiver als Ratschläge wie Fettmeiden, Zucker meiden, Koffein meiden oder Alkohol meiden.Hier geht es nicht um Verzicht, sondern um zusätzlichen Ge-nuss. Kurz: Dieses Buch informiert umfassend über alles, was Bee-ren interessant macht und was an Wissen gebraucht wird, umsie selbst gepflückt und zubereitet genießen zu können. Ich freue mich immer auf die Ernte im eigenen Garten undgenieße gern die Früchte der Saison. 9
  8. 8. Gesunde Beerenschätze Gesunde BeerenschätzeBeeren in allen Variationen sind kleine Schatzkammern, gefülltmit Vitaminen, allen voran Vitamin C, Mineralstoffen wie Kali-um und Calcium sowie gesunden sekundären Pflanzenstoffen.Diese Pflanzenstoffe – zum Beispiel Polyphenole, Phenolsäu-ren und Flavonoide – haben als wirkungsvolle Antioxidantieneine entzündungshemmende Wirkung und schützen vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Arteriosklerose, vorschneller Zell-alterung und anderen degenerativen Erkrankungen. Darüberhinaus bestätigt ihnen die Medizin, dass sie der Entstehungvon Tumoren vorbeugen. Frische, selbst gepflückte Beeren, die direkt nach der Erntegegessen werden, haben die meiste Power. Ihre gesundheits-fördernden, lebenswichtigen Inhaltsstoffe nehmen mit der Zeitder Lagerung ab. So sind in den meisten Beeren nach dreiTagen schon etwa fünfzig Prozent des Vitamin C abgebaut.Eingefrorene Beeren dagegen kommen frischen Beeren nahe,so sie sofort nach der Ernte gefrostet wurden. Mehr zum The-ma Haltbarmachung lesen Sie ab Seite 171. Schauen wir uns zunächst die Vitamine und Mineralstoffeim Einzelnen an, von denen in Beeren gute Portionen stecken,um zu wissen, warum der Körper diese Vitamine und Mineral-stoffe benötigt:❖ Vitamin C, Ascorbinsäure, ist bekannt dafür, dass es die körpereigene Abwehr von Krankheiten stärkt. Daher wird auf eine gute Versorgung mit Vitamin C in Erkältungszeiten besonders viel Wert gelegt. Obst – besonders Beerenobst – enthält dieses Vitamin von Natur aus. Greifen Sie daher zu Beeren, um Ihren Körper gut zu versorgen und Ihre Abwehr zu stärken. Dann benötigen Sie keine Nahrungsergänzungs- mittel. Im Winter sind Vollfruchtsäfte, für welche die ganze Frucht verarbeitet wird, die beste Alternative zu Beeren aus der Tiefkühltruhe. Sehr beliebt ist dabei der Sanddorn. Aber10
  9. 9. Gesunde Beerenschätze nicht nur die allseits bekannte Wirkung als kleiner Helfer fürs Immunsystem, das sich gerade mit lästigen und listigen Erkältungsviren herumschlägt, zeichnet das Vitamin C aus. Es ist außerdem beteiligt am Aufbau des Bindegewebes so- wie der Knochen, bei der Energiegewinnung, der Stressver- arbeitung und an Entgiftungsprozessen, es verbessert die Aufnahme des Mineralstoffs Eisen und hemmt die Bildung krebsfördernder Nitrosamine aus Nahrungsmitteln wie ge- pökeltem Fleisch. Umgekehrt führt ein Mangel zu Müdig- keit und Leistungsschwäche, Verstimmungen, Infektan- fälligkeit und – bei erheblichem Mangel – zu Skorbut mit Blutungen unter der Haut und im Muskelgewebe sowie »Säuglingsskorbut« mit Störungen bei der Knochenbildung.❖ Auch B-Vitamine wie Niacin und Folsäure sind in Beeren- früchten enthalten. Niacin ist wichtig zur Energiegewin- nung, Folsäure zur Zellneubildung. Gemüse, Nüsse und Samen, Getreide, Hefe und Weizenkeime liefern jedoch noch mehr davon als Obst, und teilweise kann der Körper die B- Vitamine aus diesen Nahrungsmitteln leichter aufnehmen.❖ Vitamin A, ein fettlösliches Vitamin, ist in der Beerenfami- lie vor allem beim Sanddorn zu finden. Vitamin A ist das klassische Augenvitamin, das auch dem Funktionserhalt von Haut und Schleimhäuten dient und zusammen mit Vitamin C und Vitamin E ein hochwirksames Antioxidationsmittel ist. Betacarotin – eine Vorstufe von Vitamin A – und Vita- min C gelten neben Vitamin E als gute Radikalfänger. Das heißt, sie können die gefäß- und zellschädigenden Radikale im Körper ausschalten und schützen auf diese Weise vor Arteriosklerose und Krebs. Radikale sind Schadstoffe aus der Umwelt, zum Beispiel aus Abgasen oder Zigarettenrauch, sie entstehen aber auch im körpereigenen Stoffwechsel – in besonders großen Mengen, wenn unser Organismus Stress, hohen körperlichen oder psychischen Belastungen und Krankheiten ausgesetzt ist. Die sogenannten Antioxidanti- 11
  10. 10. Gesunde Beerenschätze en Vitamin C, Vitamin E und Betacarotin werden sowohl allgemein zur Vorbeugung als auch bei Krankheiten emp- fohlen, um diesen Einhalt zu gebieten.Steht bei den Vitaminen in Beeren das Vitamin C an allerersterStelle, sind es unter den Mineralstoffen das Kalium und dasCalcium, die besonders reichlich enthalten sind. Einige Beerenliefern uns darüber hinaus reichlich Eisen und Magnesium.❖ Kalium ist der »Gegenspieler« des Natriums, das wir durch unseren Salzkonsum meist zu reichlich mit der Nahrung aufnehmen, während die Kaliumaufnahme manchmal un- ter dem Soll bleibt. Wichtig ist Kalium für die Reizleitung von Nerven- und Muskelzellen, das Wachstum der Zellen, den richtigen osmotischen Druck in den Zellen und die Ak- tivierung zahlreicher Enzyme im Körper. Mangelsymptome sind Muskelschwäche – auch des Herzmuskels –, verlang- samter Stoffwechsel und Lethargie.❖ Calcium dient dem Aufbau und Erhalt der Knochen und Zähne, ist wichtig für das Nervensystem und die Blutgerin- nung, Bestandteil vieler Enzyme und fördert die Muskel- spannung. Eine Unterversorgung ist besonders im Wachs- tumsalter kritisch, da bei Mangel nur eine geringere Kno- chendichte aufgebaut werden kann, was dann im Alter eine erhöhte Osteoporoseanfälligkeit zur Folge haben kann. Posi- tive Effekte einer guten Calciumversorgung wurden bei Blut- hochdruck, beim prämenstruellen Syndrom und zur Vorbeu- gung von Dickdarmkrebs beobachtet.12
  11. 11. Gesunde Beerenschätze Beeren als Antioxidantien Beeren sollten in der jeweiligen Saison unbedingt genossen werden, denn sie bieten uns große Mengen antioxidativer Inhaltsstoffe wie Vitamin C, Carotinoide und Polyphenole wie Ellagsäure, Anthocyanidine und Proanthocyanidine. Die beste Konservierungsmethode ist das Einfrieren – tiefgefro- rene Früchte sind auch dem Saft überlegen. Die aufgetauten Früchte lassen sich sehr gut mit Quark und Joghurt zu Brot- aufstrichen und Desserts kombinieren oder im Müsli ver- wenden. Vollfruchtsaft, eine Saftspezialität, bei der die gan- ze Frucht zu einem dickflüssigen Saft gepresst und konserviert wird, erreicht annähernd die guten Werte tiefgefrorener Früchte. Vollfruchtsaft eignet sich auch zur spontanen Ver- wendung und ist nach Öffnen der Flasche im Kühlschrank längere Zeit haltbar. Der Sauerstoff, den wir atmen, unterstützt grundlegende Körperfunktionen, gleichzeitig kann er aber die Form hoch- reaktiver Moleküle, sogenannter freier Radikale annehmen. Diese können ernste Krankheiten hervorrufen. Antioxidanti- en sind Moleküle, die freie Radikale in harmlose Substan- zen verwandeln und ihnen damit ihr schädliches Potenzial nehmen können. Unsere Zellen enthalten diese schützen- den Antioxidantien von Natur aus – manchmal jedoch in nicht ausreichender Menge. Unsere Ernährung kann uns in höchstem Maße vor dem oxidativen Stress, hervorgerufen durch freie Radikale, schüt- zen. Vollkornprodukte und viele Gemüse- und Obstarten lie- fern Zink, Selen, Niacin und Riboflavin, die äußerst wichtig für das Funktionieren schützender Enzyme in unserem Kör- per sind. Ganz besonders wirksam sind Vitamin C und Vita- min E. Auch Betacarotin, das unser Körper zu Vitamin A um- wandeln kann, hat ein sehr hohes antioxidatives Potenzial. 13
  12. 12. Gesunde BeerenschätzeLange Zeit verkannt wurden die Stoffe, die zunächst unterdem Begriff sekundäre Pflanzenstoffe mehr Aufmerksamkeiterhielten. Inzwischen hat man erkannt, wie bedeutsam dieseStoffe für den Schutz unserer Körperzellen und die Abwehrschädlicher freier Radikale sind. Sekundäre Pflanzenstoffeschützen vor vorschneller Zellalterung und wirken entzün-dungshemmend, sie halten die Blutgefäße geschmeidig underschweren so die Entstehung von Arteriosklerose und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Auch gegen andere gesundheitlicheBeeinträchtigungen wie Makulaschäden am Auge, Nervener-krankungen wie Alzheimerkrankheit und bösartige Zellwuche-rungen wie Krebs helfen sie präventiv. Deshalb spricht die Wis-senschaft inzwischen kaum noch von sekundären, sondernvielmehr von bioaktiven Pflanzenstoffen. Zu diesen Schutzstof-fen zählen viele unterschiedliche chemische Verbindungen.In farbenfrohen Früchten sind zum Beispiel meist große Men-gen an Polyphenolen enthalten. Bis heute hat man über vier-tausend verschiedene Polyphenole identifiziert, zu denen unteranderem die Flavonoide und deren Untergruppe, die Antho-cyane, zählen. Besonders große Mengen an Polyphenolen sindunter anderem in Beeren und vor allem in wild wachsendenBeeren zu finden. Die große Gruppe der Polyphenole und ihrreichliches Vorkommen in allen Beeren machen diese Früchtezu Lebensmitteln mit hohem Gesundheitspotenzial. Anderegesunde bioaktive Pflanzenstoffe wie Schwefelverbindungen,Saponine oder Terpene stecken hauptsächlich in Gemüse- undObstsorten, die nicht zu den Beeren zählen, wie in Kohl- undZwiebelgewächsen, Spargel und Zitrusfrüchten. Unter anderem schützt sich eine Pflanze mit bioaktiven Sub-stanzen auf natürliche Art vor Infektionen durch Pilze, Virenoder Bakterien und vor Fraßschäden durch Insekten. Für unsMenschen offenbaren sich diese bioaktiven Substanzen in denFarben der Pflanzen – beispielsweise im leuchtenden Blau oderViolett von Heidelbeeren, Holunderbeeren, Brombeeren oder14
  13. 13. Gesunde BeerenschätzeSchwarzen Johannisbeeren oder im Rot der Erdbeeren, Preisel-beeren oder Himbeeren –, im speziellen Geschmack und imGeruch. So sind der typische Geschmack und Geruch von Kohl-und Zwiebelgewächsen auf deren hohe Gehalte an bioaktivenSubstanzen zurückzuführen. Dabei produziert eine Pflanzeumso mehr schützende Substanzen, je stärker sie der »widri-gen« Umwelt ausgesetzt ist. Wird sie vorsorglich mit syntheti-schen Mitteln gespritzt – wie es im konventionellen Anbauüblich ist –, muss sie weniger dieser sie schützenden Stoffebilden. Deshalb ist davon auszugehen, dass Obst- und Gemü-sesorten aus ökologischem Anbau mehr bioaktive Schutzstoffeenthalten als Obst und Gemüse aus konventioneller Landwirt-schaft. So wie bioaktive Substanzen eine Pflanze schützen, kom-men sie auch unserer Gesundheit zugute. Die Gehalte dereinzelnen Inhaltsstoffe variieren dabei sehr zwischen den ein-zelnen Früchten. Es gibt große Unterschiede zwischen denArten und Sorten, und in manchen Fällen kommt ein bestimm-ter Wirkstoff nur in ganz bestimmten Pflanzen oder Pflanzen-teilen vor. Bis die einzelnen Substanzen noch genauer erforschtsind, gilt als generelle Empfehlung, dass Obst und Gemüse 15
  14. 14. Gesunde Beerenschätzeunverzichtbare Bestandteile einer ausgeglichenen, vollwerti-gen und gesunden Ernährung sind. Wer dann noch zwischenden einzelnen Arten und Sorten abwechselt, hat die bestenChancen, alle positiven Effekte zu nutzen. Einige Beispiele sei-en genannt:❖ Als hochwirksamer Inhaltsstoff von Beeren, in diesem Fall vor allem von Himbeeren und Erdbeeren, gilt unter Wissen- schaftlern die Ellagsäure, ein Polyphenol. Unter allen bio- aktiven Wirkstoffen, die in Beeren enthalten sind, ist die Ellagsäure nach bisherigem Wissen die Substanz mit der größten krebshemmenden Wirkung. Ihre Wirkung liegt da- rin begründet, dass sie die Aktivierung möglicherweise schädigender zu tatsächlich krebserregenden Substanzen verhindert. Außer in Erdbeeren und Himbeeren sowie Brom- beeren kommt sie in manchen Nüssen, vor allem in Walnüs- sen, vor. Himbeeren und Brombeeren enthalten zwar men- genmäßig mehr Ellagsäure als Erdbeeren, doch steckt die Ellagsäure der Himbeeren und Brombeeren vor allem in de- ren Kernchen, die Ellagsäure der Erdbeeren dagegen in de- ren Fruchtfleisch. Es ist anzunehmen, dass die Ellagsäure aus dem Fruchtfleisch für unseren Körper leichter verfügbar ist als diejenige aus den Kernchen.❖ Heidelbeeren werden wegen ihrer Gerbstoffe schon lange bei akutem Durchfall eingesetzt. Seit einiger Zeit gelten die Früchte auch als geeignetes Mittel, um Kreislaufprobleme und bestimmte Augenkrankheiten wie Retinopathien – Netz- hauterkrankungen – zu behandeln. Retinopathien werden unter anderem durch das unkontrollierte Wachstum kleiner Blutgefäße in der Netzhaut verursacht. Dieser Prozess wird auch Angiogenese genannt und ist vergleichbar dem Pro- zess, der das Tumorwachstum durch die Bildung neuer Blutgefäße beschleunigt. Man nimmt an, dass für die angio- genesehemmende Wirkung der Heidelbeeren die Antho- cyanidine, die zu den Polyphenolen zählen, verantwortlich16
  15. 15. Gesunde Beerenschätze sind. Heidelbeeren enthalten diese Klasse von Substanzen, die auch die blauschwarze Farbe der Beeren hervorruft, in großer Menge. Wie ihre Farben vermuten lassen, stecken diese gesunden Polyphenole auch in Brombeeren und an- deren blauschwarzen und dunkelvioletten Früchten wie Ho- lunderbeeren, Schwarzen Johannisbeeren, Schlehen oder dunkelroten Kirschen.❖ In Nordamerika setzten schon die Indianer die Cranberry, eine Verwandte der europäischen Moos- und Preiselbeeren, zur Behandlung von Blasenentzündungen ein. Inzwischen gibt es dafür eine wissenschaftliche Erklärung: Bestimmte Inhaltsstoffe aus der Gruppe der Proanthocyanidine verhin- dern das Andocken der krankheitsauslösenden Bakterien an Zellen der Harnröhre und sorgen so dafür, dass die einge- drungenen Bakterien ausgeschwemmt werden. Proantho- cyanidine scheinen darüber hinaus wie Anthocyanidine eine angiogenesehemmende Wirkung zu haben.Kurz gesagt verdienen Beeren einen Vorzugsplatz in einer ge-sundheitsorientierten Ernährungsweise. Und wie angenehmist es da, dass die Einbeziehung dieser köstlichen Früchte indie tägliche Ernährung auch ihres Geschmacks wegen begeis-tert! 17
  16. 16. Was sind Beeren? Was sind Beeren?Beim Stichwort Beere denkt wohl jeder an diese Eigenschaf-ten: klein, rund, weich. So wollen wir es auch in diesem Buchhalten. Die Botanik dagegen definiert Beeren so: »Eine Beere isteine aus einem einzigen Fruchtknoten hervorgegangeneSchließfrucht.« Damit zählen Obst- und auch Gemüsearten zuden Beeren, von denen man es kaum vermutet. Umgekehrttragen einige Früchte das Wort Beere im Namen, die im botani-schen Sinne keine Beeren sind. Zu den Beeren zählen nach der botanischen Definition:❖ Johannisbeeren❖ Stachelbeeren❖ Jostabeeren❖ Heidelbeeren❖ Preiselbeeren❖ CranberrysWeiterhin zählen zu den Beeren Weintrauben, Bananen, Dat-teln, Kürbisse, Zucchini, Gurken, Paprikas, Tomaten, Kakis,Kiwis, Auberginen, Papayas, Granatäpfel, Avocados, Zitronen,Orangen, Melonen und Kakaofrüchte. Ist die Außenschicht hart, wie etwa beim Kürbis oder beiGurken, so spricht der Botaniker von einer Panzerbeere. Wirwollen die gemüsigen Beeren für dieses Buch nicht berück-sichtigen, da sie nach allgemeinem Verständnis keine Beerensind. Ebenso schließen wir einige Obstarten aus, die zwar nachbotanischer Definition Beeren sind, aber allgemein nicht alssolche angesehen werden. Trauben – auch Weinbeeren ge-nannt – bleiben ebenfalls außen vor, da sie den Rahmen diesesBuches sprengen würden. Den Trauben und dem Wein sindzahlreiche eigene Bücher gewidmet.18
  17. 17. Was sind Beeren? Umgekehrt nehmen wir für dieses Buch diejenigen Früchtehinzu, die allgemein als Beeren angesehen werden, nach bota-nischer Definition jedoch keine Beeren sind. Das sind:❖ Erdbeeren, botanisch Sammelnussfrüchte❖ Himbeeren, botanisch Sammelsteinfrüchte❖ Brombeeren, botanisch Sammelsteinfrüchte❖ Boysenbeeren und Loganbeeren, botanisch Sammelstein- früchte❖ Holunderbeeren, botanisch Steinfrüchte❖ Sanddornbeeren, botanisch Nüsse, gelegentlich auch den Schein-Steinfrüchten zugeordnetDieses Buch geht also vom allgemeinen Beerenbegriff aus –Beeren sind demnach: klein, rund, weich und süß. 19
  18. 18. Beeren im Garten Beeren im GartenBeerensträucher oder -stämmchen, ein Beet oder eine Beeren-hecke passen oft auch da, wo kein Platz für große Bäume ist.Das Schöne kann mit dem Nützlichen verbunden werden. Brom-beeren oder Himbeeren wachsen auch am Zaun, an einer Wandoder können den Zier- vom Gemüsegarten trennen. TypischeWaldpflanzen wie Heidelbeeren, Erdbeeren und Himbeerengedeihen selbst im Halbschatten. Auf schmalen Streifen kön-nen verschiedene Johannisbeersträucher (rot, weiß, schwarz),Stachelbeerbüsche (grün, gelb, rot) und Jostabeeren gepflanztwerden. Zur Unterpflanzung der Sträucher und als Bodende-cker bieten sich zum Beispiel die kleinen Monatserdbeeren an,die anders als die großfrüchtigen Züchtungen ausdauernd sind,oder Cranberrys. So ein »fruchtiger« Pflanzstreifen zur windi-gen Nordseite kann die Gemüsebeete schützen. Jedenfalls sollten in einem genügend großen Garten unbe-dingt einige Beeren zum Obstsortiment gehören. Neben Johan-nisbeeren, Erdbeeren, Himbeeren und Brombeeren sind auchHolunder oder Sanddorn in der Küche willkommen. Beerenaus dem eigenen Garten sind der Frische wegen ein Genuss.Diese Selbstversorgung ist gesund, schmeckt ausgezeichnetund bringt Abwechslung auf den Tisch. Ich möchte Sie ermuntern, einfach mal loszulegen, ohneaus dem Anbau eine Wissenschaft zu machen. Erwerbsanbau-er müssen selbstverständlich anders vorgehen, aber Erfolge wieMisserfolge gehören immer zur Landwirtschaft. Die Natur istnicht genormt, das Wetter schlägt mitunter Kapriolen und al-lerlei Getier, Wildpflanzen und Pilze wollen auch leben. Sokann zwar auch einmal eine Masseninvasion bestimmter Schäd-linge vorkommen, aber im Normalfall wird die Ernte nur men-genmäßig je nach Jahr unterschiedlich ausfallen. Mit »Konkurrenz« können sowohl Pflanzen als auch Hobby-gärtner meist auskommen. Das heißt, es reicht, mit ganz kon-20
  19. 19. Beeren im Gartenventionellen Maßnahmen wie Unkrautzupfen, Wässern undbei Bedarf Schachtelhalm- oder Brennnesseltee dafür zu sor-gen, dass sich die Pflanzen entwickeln können. Damit auch Sie herrliche Beeren aus dem eigenen Gartenernten können, zunächst einige allgemeine Hinweise, bevordie Beerenarten einzeln näher besprochen werden.❖ Achten Sie bei der Sortenwahl auf den Erntezeitpunkt. Wer zum Beispiel jedes Jahr im Juli zwei bis drei Wochen nicht zu Hause ist, sollte frühere oder spätere Sorten wählen.❖ Ist ausschließlich Frischverzehr oder auch Vorratshaltung gewünscht? Wer die Beeren nur frisch essen möchte, kann durch geschickte Kombination verschiedener Sorten eine Staffelung der Ernte erreichen. Umgekehrt ist es besser, nicht mehrmals jeweils drei Gläser Konfitüre zu kochen, sondern einmal eine größere Menge. Bei Himbeeren beispielsweise gibt es sogenannte einmal tragende und zweimal tragende Sorten. Letztere liefern vom Sommer bis in den Herbst Früch- 21
  20. 20. Beeren im Garten te, während sich bei den ersteren die Ernte auf einen Zeit- punkt konzentriert.❖ Einige Beerenarten eignen sich auch für die Topf- oder Kübel- kultur. Damit können all diejenigen köstliche Beeren ern- ten, die zwar keinen eigenen Garten haben, jedoch Terrasse oder Balkon mit etwas mehr Platz als nur für einen Tisch und Stühle. Benötigt wird je nach Beerenart ein ausreichend großer Topf, ein sonniger Platz, regelmäßig Wasser und je- des Jahr eine Düngung.❖ Schon bei der Pflanzung sind Kompostgaben günstig. Das gilt besonders bei schweren, lehmigen Böden. Später dient es der Gesunderhaltung, wenn in den Boden immer wieder Kompost eingearbeitet wird und mit Rindenhumus gemulcht wird.❖ Pflanzen mit Wurzelballen wachsen besser an und können von Frühjahr bis Herbst jederzeit in den Garten gesetzt wer- den. Pflanzen mit losen Wurzeln sollten dagegen eher im Herbst gepflanzt werden und brauchen einen Rückschnitt, damit sie gut anwachsen.❖ Am besten entfernen Sie nach der Ernte immer einige alte Triebe. Dadurch bleiben die Büsche licht und bilden neue, tragende Triebe. Sehr wichtig ist dieser regelmäßige Schnitt bei Himbeeren.❖ Schädlinge sind bei Beeren selten. Gegen Mehltau, die häu- figste Plage, hilft vorbeugend das regelmäßige Auslichten und im akuten Fall eine Behandlung mit Schachtelhalmtee.Die nachfolgenden Pflanzenporträts enthalten jeweils einigeTipps zur Pflege und gegen die häufigsten Schädlinge undKrankheiten. Darüber hinaus ist der Gartenfachhandel kompe-tenter Ansprechpartner, wenn Beratung benötigt wird. Spezia-lisierte Bücher ermöglichen es bei Interesse, sich ins ThemaGärtnern unter dem einen oder anderen Aspekt näher einzuar-beiten.22
  21. 21. Beeren im Garten »Learning by Doing« heißt ein geflügeltes Wort im Engli-schen. Und in der Tat werden Anleitungen erst dann richtigklar, wenn sie direkt in der Praxis umgesetzt werden. Beherzi-gen Sie als Neuling daher zunächst, was in den Pflanzenport-räts zu den Standortansprüchen steht. Das ist wichtig, damitein Misslingen nicht vorprogrammiert ist. Schnitt und Dün-gung haben dann zumindest bis nach der ersten Ernte Zeit.Die Basispflege besteht lediglich darin, Bei- oder Unkräuter kleinzu halten, bei Bedarf zu wässern und einzugreifen, wennunglücklicherweise Schädlinge oder Krankheiten auftreten.Damit ist die erste Ernte schon so gut wie gesichert. Viel Erfolg!JohannisbeerenDie Johannisbeeren (Gattung Ribes), in Österreich Ribiselgenannt, gehören zu den Stachelbeergewächsen (Grossu-lariaceae). Namensgeber für diese Beerenobstgattung ist derJohannistag (24. Juni), weil zu dieser Zeit die ersten Sorten reifwerden. Johannisbeeren werden unterteilt in Rote Johannis-beere (Ribes rubrum), Weiße Johannisbeere (weiße Selektio-nen aus Ribes rubrum) und Schwarze Johannisbeere (Ribesnigrum). Eine Kreuzung aus Schwarzer Johannisbeere und Sta-chelbeere ist die Jochelbeere. Für diese hat sich das Synonym»Jostabeere« eingebürgert, wobei »Josta« eigentlich eine Sorteist (siehe auch Seite 33). Bei den Ribes-Arten und -Sorten handelt es sich um sommer-grüne Sträucher, die einen bis eineinhalb Meter hoch werdenkönnen. Die grünen, bis fünffach gelappten Laubblätter riechenauffällig herb und sitzen gestielt an den Zweigen. Jeweils meh-rere Einzelblüten sind in einer Blütentraube zusammengefasst.Die Blüten sind zwittrig oder eingeschlechtig, öffnen sich vonApril bis Mai und werden von Insekten bestäubt. Einige Johan-nisbeersorten sind auch selbstbefruchtend, das heißt, sie sindnicht auf die Bestäubung durch Insekten angewiesen, um Früch- 23
  22. 22. Beeren im Gartente auszubilden. Ein gesunder Johannisbeerstrauch wird durch-schnittlich fünfzehn Jahre alt. In dieser Zeit bringt er fünfzig bissechzig Kilogramm Beeren hervor. Hauptverbreitungsgebiet der winterkahlen Sträucher sinddie gemäßigten Klimagebiete der Nordhalbkugel, aber auch inSüdamerika in den Anden gibt es einige Arten. Johannisbeeren im Garten Johannisbeeren können als Busch, als Hecke oder als Spindel gezogen werden. Im Erwerbsobstbau werdenRote und Weiße Johannisbeeren als ästige Hecke oder Spindel-hecke an quer gespannten Drähten kultiviert, Schwarze Jo-hannisbeeren können aufgrund anderer Wuchseigenschaftennur als Busch gezogen werden. Der Standort sollte nicht zu schattig sein und keine stauen-de Nässe aufweisen. Je sonniger Johannisbeeren stehen, destoreicher tragen sie und desto mehr gesunde Inhaltsstoffe ent-halten die Beeren. Grundsätzlich ist die Johannisbeere einerobuste Obstart, die verhältnismäßig geringe Ansprüche an denBoden stellt. Um einen guten Wuchs sicherzustellen, solltenJohannisbeeren besonders in den ersten Jahren mit Kompostgedüngt werden – allerdings dürfen Sie den Boden hierbei nuroberflächig bearbeiten, weil die Wurzeln der Sträucher knappunter der Erdoberfläche verlaufen und leicht verletzt werdenkönnen. Besonders günstig ist auch eine Schicht Mulch aushalb verrottetem Laub, Rindenmulch, Beinwell oder Brennnes-seln unter den Sträuchern. Bei der Pflanzung ermöglicht ein guter Humusanteil im Bo-den der Pflanze einen besseren Start. Daher gilt es reichlichKompost in die Pflanzgrube einzuarbeiten. Als Pflanzabstandsollten mindestens eineinhalb, besser zwei Meter zwischenden Büschen gewählt werden, damit auch in späteren Jahrendie Ernte von allen Seiten durchgeführt werden kann. Sollendie Johannisbeeren als ästige Hecke wachsen, bei der pro Pflan-24
  23. 23. Beeren im Gartenze beispielsweise drei Leittriebe mit jährlich neuen Seitentrie-ben erzogen werden, reicht auch ein Pflanzabstand von untereinem Meter. Setzen Sie die Pflanzen etwa zehn Zentimetertiefer ein, als Sie in der Baumschule standen. Die Rote und Weiße Johannisbeere trägt am ein- und mehr-jährigen Holz. Die Schwarze Johannisbeere trägt nur am ein-jährigen Holz. Die beste Fruchtqualität findet man an den dies-jährigen Kurztrieben der einjährigen Langtriebe. Sie sindzwischen fünfzehn und dreißig Zentimeter lang. SchneidenSie nach der Ernte Langtriebe, die mehr als vier Jahre alt sind –zu erkennen am dunklen Holz –, ab: Je älter die Triebe sind,desto geringer ist die Ernte, und durch das Auslichten habenjunge Triebe mehr Platz. Lassen Sie pro Jahr zwei bis drei kräf-tige Jungtriebe stehen, die Sie bis auf vier Knospen einkürzen,und schneiden Sie diejenigen Triebe und Zweige heraus, dienach innen, sich überkreuzend oder zu dicht wachsen, damitdie Sträucher schön luftig gedeihen. 25
  24. 24. Beeren im Garten Zu den Hauptkrankheiten bei Johannisbeeren zählen derEchte Mehltau (insbesondere bei Schwarzen Johannisbeeren)mit weißlichem Pilzbewuchs auf Triebspitzen und gekrümm-ten Blättern und die Blattfallkrankheit, bei der die Blätterzunächst bräunliche Flecken bekommen, dann vertrocknen undabfallen. Beide Krankheiten werden durch Pilze verursacht.Gegen diese kann biologisch mit Schachtelhalmtee vorgegan-gen werden – ein Kilogramm frischer oder hundertfünfzigGramm getrockneter Schachtelhalm auf zehn Liter Wasser, ei-nen Tag ziehen lassen, anschließend eine halbe Stunde leiseköcheln lassen, dann abseihen. Die befallene Pflanze wird mitdem erkalteten Sud, im Verhältnis 1:5 mit Wasser verdünnt,übergossen. Abgefallene Blätter und befallene Triebspitzenmüssen vernichtet werden, um einem weiteren Befall, auchim nächsten Jahr, vorzubeugen. Johannisbeeren können außerdem unter anderem von Blatt-läusen heimgesucht werden. Dagegen hilft der klassische Brenn-nesselauszug – ein Kilogramm frisch geerntete Brennnesselnauf zehn Liter Wasser, einen Tag durchziehen lassen. Johannisbeergallmilben leben und brüten im Inneren derKnospen. Die Knospen schwellen dadurch schon im Winterund zeitigen Frühjahr stark an und treiben nicht aus. DieseRundknospen sollten im März und April abgesammelt werden.Stark befallene Triebe sollten abgeschnitten werden. Taucht der Stachelbeerspanner auf Johannisbeeren auf, sam-meln Sie die Raupen und Kokons am besten ab. Ein weiterer Schädling ist der Johannisbeerglasflügler, einSchmetterling. Dessen Larven bohren sich durch Schnittwun-den ins Mark der Triebe und bringen diese zum Absterben.Schneiden Sie befallene Triebe aus und vernichten Sie diese. Gegen Vogelfraß schließlich hilft ein Netz.26
  25. 25. Beeren im GartenRote Johannisbeersorten für den Garten – eine Auswahl:❖ Jonkheer van Tets: reift früh, ab Ende Juni, deshalb Blüte spätfrostgefährdet; mittelstarker Wuchs; hohe Neigung zum Verrieseln (die Beeren fallen vor allem aufgrund von schlech- ter Witterung von den Trauben); anfällig gegenüber der Blatt- fallkrankheit; fruchtet am kurzen Holz; Frucht dunkelrot, mittellange Trauben mit großen Beeren, angenehmer Ge- schmack bei Vollreife; hohe Saftausbeute; hoher Ertrag.❖ Rotet: reift mittelspät, bis Ende Juli; starker Wuchs; verrieselt wenig; kaum anfällig gegenüber Krankheiten und Schädlin- gen; fruchtet am langen Holz; Frucht dunkelrot, sehr lange Trauben mit gleichmäßig großen Beeren, guter Geschmack; hohe Saftausbeute, vielseitig verwendbar; hoher Ertrag.❖ Rovada: reift mittelspät; ausladender Wuchs, der gestützt werden sollte; verrieselt wenig; fruchtet am langen Holz; Frucht rot, lange Trauben mit mittelgroßen Beeren, die bei Regen platzen können; gut lagerbar; sehr hoher Ertrag; Hauptsorte in Mitteleuropa.Weiße Johannisbeersorten für den Garten – eine Auswahl:❖ Primus: reift mittelfrüh; schwacher Wuchs; Frucht gelblich weiß, klein, süß und aromatisch; mittlerer Ertrag.❖ Weiße aus Jüterbog: reift mittelfrüh, bis Mitte Juli; starker, aufrechter, verzweigter Wuchs; kaum anfällig für Krankhei- ten und Schädlinge; Frucht gelblich weiß, groß und mild aromatisch; mittlerer Ertrag.❖ Blanka: reift mittelspät bis spät; starker, aufrechter Wuchs; Frucht gelblich, lange kompakte Trauben mit mittelgroßen Beeren; hoher Ertrag.Schwarze Johannisbeersorten für den Garten – eine Auswahl:❖ Silvergieters Schwarze: reift früh bis mittelfrüh, ab Anfang Juli, deshalb Blüte spätfrostgefährdet; mittelstarker, aufrech- ter Wuchs; anfällig gegenüber Gallmilben; Frucht schwarz, 27
  26. 26. Beeren im Garten lange, lockere Trauben mit mittelgroßen, süß aromatischen Früchten; mittelhoher Ertrag.❖ Titania: reift mittelfrüh, ab Mitte Juli; starker, aufrechter, bis mannshoher Wuchs; mehltauresistent; Frucht schwarz, kur- zer Traubenstiel mit großen Beeren; für Frischverzehr und Saft geeignet; hoher Ertrag. Johannisbeeren in der Küche Rote, Weiße und Schwarze Johannisbeeren eignen sich zum Rohverzehr, in sommerlichen Obstsalaten undfür Desserts, Kuchen und Torten. Gerne werden sie auch mitanderen Beeren gemischt, beispielsweise für die bekannte RoteGrütze. In haltbarer Form ist Johannisbeergelee beliebt – es hatgegenüber der Johannisbeerkonfitüre den Vorteil, dass es keineKernchen mehr enthält. Ernten Sie die ganzen Trauben undstreifen Sie die Beeren erst nach dem Waschen von den Stielen. Johannisbeeren für die Gesundheit Johannisbeeren sind ausgezeichnete Vitamin-C-Lie- feranten, und vor allem die Schwarze Johannisbeereist sehr mineralstoffreich. Die Blätter der Schwarzen Johannis-beere verwendet man gelegentlich in Arzneitees, sie wirkenschweißtreibend und anregend auf die Nieren. Die Schwarze Johannisbeere ist unter gesundheitlichen As-pekten interessanter als die in der Küche beliebtere Rote Johan-nisbeere, denn Schwarze Johannisbeeren enthalten reichlichgesunde Anthocyane. Das Kernöl der schwarzen Beere ent-hält einen sehr hohen Anteil an Gamma-Linolensäure, einerFettsäure, an der es Menschen, die an Neurodermitis leiden,mangeln kann. Gamma-Linolensäure aus rein biologischenQuellen wie dem Kernöl der Schwarzen Johannisbeere kann inkonzentrierter Form als Nahrungsergänzungsmittel zugeführtwerden und diese Erkrankung lindern. Schon im 12. Jahrhun-dert verwendete man die Johannisbeere bei Hautproblemen.28
  27. 27. Beeren im GartenStachelbeerenDie Stachelbeere (Ribes uva-crispa) ist ein zu den Stachelbeer-gewächsen (Grossulariaceae) zählender winterkahler Strauch.Ihren Ursprung haben die Stachelbeeren wahrscheinlich imHimalayagebiet. Kultiviert wird diese Obstart seit dem 14. oder15. Jahrhundert. Besonders im England des 18. und 19. Jahr-hunderts erlebte sie eine Blütezeit. Innerhalb weniger Jahr-zehnte wurden damals über vierhundert Sorten gezüchtet. Der verzweigte Strauch wird zwischen sechzig und hun-dertzwanzig Zentimeter hoch. An den Zweigen sitzen ein- bisdreiteilige Dornen und bis fünffach gelappte grüne Blätter. Esgibt auch dornenlose Sorten. Dornen sind im Unterschied zuStacheln Holzauswüchse, die sich schwer abbrechen lassen,während man Stacheln als Rindenauswüchse leicht abbrechenkann. Rosen beispielsweise haben Stacheln. Die grünlich rotbraunen Blütenglöckchen der Stachelbeerestehen meist einzeln, nur selten zu zweit oder zu dritt undwerden von Insekten besucht. Sie öffnen sich sehr früh im Jahr,manchmal schon Ende März und sind deshalb – besonders inSüd- oder Südwestlagen, die eine frühe Blüte wahrscheinlichermachen – spätfrostgefährdet. Wie bei den Johannisbeeren gibtes auch bei den Stachelbeeren Sorten, die selbstbefruchtendsind, also für die Bestäubung keine Insekten brauchen. Stachel-beeren tragen wie die Rote Johannisbeere am ein- und mehr-jährigen Holz. Die saftigen Beeren reifen je nach Sorte von Juni bis Augustund haben Durchmesser von einem bis zwei Zentimeter. IhreFarben reichen von weißlichem Grün und Grün über Gelb bishin zu hellem Rot und Dunkelrot. 29
  28. 28. Beeren im Garten Stachelbeeren im Garten Die Pflanze bevorzugt nährstoffreichen, feuchten Lehmboden ohne Staunässe. Reichern Sie durchläs-sigen Sandboden deshalb mit Humus an und wässern Sie re-gelmäßig bei Trockenheit. Der Standort der Stachelbeere solltehell, aber nicht in praller Sonne und windgeschützt sein, dasonst Sonnenbrandgefahr besteht. Stachelbeeren gedeihen aberauch an schattigen Plätzen. Für den Pflanzabstand sollten Sieetwa zwei Meter wählen – dann ist später eine bequeme Ernteringsherum möglich. Setzen Sie die Stachelbeersträucher etwazehn Zentimeter tiefer ein, als sie in der Baumschule standen. Stachelbeerbüsche sind recht robuste Gewächse, die auchohne viel Pflege meist eine gute Ernte hervorbringen. Ein regel-mäßiger Schnitt nach der Ernte oder im Herbst wirkt einermühsamen Ernte, bei der man sich im Zweiggewirr an denDornen sticht, und vielen kleinen statt großen Beeren entgegen.Bei der Stachelbeere sollten Sie die sich überkreuzenden unddie nach unten und innen wachsenden Triebe herausschnei-den. Schneiden Sie alte, dunkle Triebe heraus und lassen Siejedes Jahr einige kräftige Jungtriebe heranwachsen, die Sie imHerbst bis auf vier Knospen kürzen. Übrig bleibt ein Busch oderHochstämmchen mit drei bis fünf starken Haupttrieben undvielen Kurztrieben. Wenn im zeitigen Frühjahr organischer Dünger wie Laub-kompost breitflächig um die Pflanze herum ausgestreut undflach in den Boden eingearbeitet wird, fördert dies die Bildunggroßer, saftiger Beeren. Die Wurzeln der Stachelbeere befindensich nur knapp unter der Erdoberfläche, weshalb Sie den Bo-den im Bereich der Pflanze nicht umgraben sollten. Stachel-beersträucher lieben wie Johannisbeeren eine Mulchschichtzu ihren Füßen (siehe Seite 24). Mehltau ist die häufigste Erkrankung der Stachelbeere. Aufbefallenen Blättern, unreifen Früchten und den Spitzen derTriebe findet man einen weißen Pilzbelag. Wie bei der Johan-30
  29. 29. Beeren im Gartennisbeere kann dagegen mit Schachtelhalmtee vorgegangenwerden (siehe Seite 26). Die befallene Pflanze wird mit demerkalteten Sud übergossen. Abgefallene Blätter und befalleneTriebe müssen vernichtet werden, um einem weiteren Befall,auch im nächsten Jahr, vorzubeugen. Wählen Sie bei starkemBefallsdruck mehltauresistente Sorten. Blattläuse verursachen Missbildungen an den Blättern. Auchbei Stachelbeerbüschen hilft gegen sie ein Brennnesselauszug– ein Kilogramm frisch geerntete Brennnesseln auf zehn LiterWasser, einen Tag durchziehen lassen. Spinnmilben lassen die Blätter vertrocknen. Bei mäßigemBefall hilft wie bei den Johannisbeeren das Entfernen der starkbefallenen Zweige und der angeschwollenen Rundknospen(siehe auch Seite 26). Bei einem Befall mit Stachelbeerblattwespen sind die Blät-ter zerfressen. Die grünen, länglichen Larven sind gut zu er-kennen und können abgesammelt werden. 31
  30. 30. Beeren im Garten Zu spät erkannt wird oft der Stachelbeerspanner, die Raupeeines Schmetterlings. Plötzlich sind dann die Sträucher kahlgefressen. Vorbeugend wird das Entfernen des Falllaubes emp-fohlen, bei rechtzeitigem Erkennen des Schädlings das Absam-meln der Raupen und Kokons. Generell gilt: Wer Schädlinge nicht chemisch bekämpfenmöchte, sollte schon beim Pflanzen widerstandsfähige Sortenwählen und Nützlinge wie Meisen im Garten fördern.Grüne und gelbe Stachelbeersorten für den Garten – eineAuswahl:❖ Invicta: reift früh, ab Mitte Juni; starker, aufrechter Wuchs; kurze weiche Dornen; mehltauresistent; Frucht grüngelb, leicht behaart, mittelgroß, oval mit dicker Schale; leicht pflückbar; hoher Ertrag.❖ Reverta: reift früh, ab Mitte Juni; mehltauresistent; empfind- lich gegenüber Frost; Frucht gelbgrün, leicht behaart und sehr süß, platzanfällig bei Regen.❖ Weiße Triumphbeere: reift mittelfrüh, ab Anfang Juli; robuster, aufrechter Wuchs; etwas anfällig gegenüber Mehl- tau, ansonsten wenig anfällig gegenüber Krankheiten und Schädlingen; frostfest; Frucht grün mit dünner Schale, leicht behaart, groß und fein aromatisch; hoher Ertrag.❖ Weiße Neckartal: reift mittelfrüh, ab Anfang Juli; starker, dichter Wuchs; anfällig gegenüber Mehltau, ansonsten we- nig anfällig gegenüber Krankheiten und Schädlingen; Frucht grünlich weiß, mittelgroß und dünnschalig mit ausgezeich- netem Geschmack; hoher Ertrag.❖ Reflamba: reift spät; starker, sparriger Wuchs; lange Dor- nen; wenig anfällig gegenüber Mehltau; Frucht grün, groß, eiförmig, platzfest mit süßem, aromatischem Geschmack; Beeren halten sich lange am Strauch; hoher Ertrag.32
  31. 31. Beeren im Garten Jostabeeren Die Jostabeere oder Jochelbeere (Ribes × nidigrolaria) ist eine Kreuzung aus den beiden Arten Schwarze Johannisbee- re (Ribes nigrum) und Stachelbeere (Ribes uva-crispa). Der Name »Jostabeere« wurde aus den Namen der Kreuzungs- partner gebildet. Um mehltauresistente Beerensorten zu züchten, wurden erste Kreuzungen zwischen der Wilden Johannisbeere (Ribes succirubrum) und mehreren Stachel- beersorten (Ribes uva-crispa) bereits Anfang des letzten Jahr- hunderts durchgeführt. Das Ergebnis war die Jochelbeere. Stärkere Verbreitung – vor allem in Hausgärten – findet die Hybride aber erst seit den 1970er-Jahren. Jostabeeren wachsen in Trauben und sind größer als Schwarze Johannisbeeren, aber kleiner als Stachelbeeren. Sie reifen recht früh von Mitte Juni bis Juli, ihre hübschen Blüten sind deshalb spätfrostgefährdet. Im reifen Zustand sind Jostabeeren schwarz bis schwarzrot mit ähnlichem Aro- ma wie Schwarze Johannisbeeren und hohem Vitamin C- Gehalt. Jostabeerensträucher benötigen genauso viel Platz wie Stachelbeersträucher – gelegentlich wachsen sie noch üp- piger, vor allem in die Breite. Pflanzen Sie Jostabeeren- sträucher deshalb am besten im Abstand von knapp zwei Metern. Sorten sind beispielsweise Josta und Jostine, letz- tere mit besonders feinem Aroma. Aus Jostabeeren lassen sich hocharomatische Konfitüren und Saft herstellen. Die Früchte schmecken aber auch roh sehr gut. 33
  32. 32. Beeren im GartenRote Stachelbeersorten für den Garten – eine Auswahl:❖ Rokula: reift früh, ab Mitte Juni; dornenreich; mehltauresis- tent; Frucht dunkelrot, unbehaart, klein, zarte Schale und guter Geschmack, platzanfällig bei Regen; hoher Ertrag.❖ Pax: reift mittelfrüh, ab Anfang Juli; dornenlos; mehltau- resistent; Frucht rot, leicht behaart und groß; hoher Ertrag. Stachelbeeren in der Küche Stachelbeeren schmecken als Kompott und Kuchen- belag, Marmelade und Hauswein. Stachelbeeren für die Gesundheit Stachelbeeren enthalten im rohen Zustand sehr viel Vitamin C, reichlich Mineralstoffe, Ballaststoffe undsekundäre Pflanzenstoffe, die vor allem in Schalen und Kernenstecken. Durch ihren hohen Fruchtsäuregehalt wirken – vorallem knapp reif gepflückte – Stachelbeeren leicht abführend.HimbeerenDie Himbeere (Rubus idaeus) ist eine Pflanzenart der GattungRubus, die zur Familie der Rosengewächse (Rosaceae) zählt.Die Gattung umfasst mehrere tausend Arten, am bekanntes-ten sind Himbeere und Brombeere. Von Natur aus sind Himbeeren rot. Außer den bekanntenroten Beeren gibt es gelbe Zuchtformen und seltener solchemit schwarzen Beeren. Himbeerruten werden bis zu zwei Meterhoch. An den Ruten sitzen die grünen, unterseitig hellen, ge-zähnten bis siebenteilig gefingerten Blätter und feine Stacheln. Je nach Sorte bilden die Pflanzen zwischen Mai und Augustan den Ruten sitzende rispenförmige Blütenstände mit weißenBlüten, die von Juni bis zum ersten Frost im Spätherbst zu Früch-ten reifen. Himbeeren sitzen lose an den Blütenböden und kön-nen beim Pflücken leicht von diesen abgezogen werden.34
  33. 33. Beeren im Garten Die natürlichen Verbreitungsgebiete der Himbeere sind lichteWälder, Waldlichtungen und Waldränder der gemäßigten biskühlen Klimazonen, im Gebirge wächst sie in Lagen bis zwei-tausend Meter Höhe. Himbeeren sind Pionierpflanzen und ge-hören zu den ersten Pflanzen, die kahle Flächen nach einerRodung neu besiedeln. Himbeeren im Garten Die Himbeere bevorzugt halbschattige Lagen mit ho- her Luftfeuchtigkeit und kühlen Sommertempera-turen. Die Pflanzen mögen keine Staunässe und wachsen ambesten in lockerer, humusreicher, leicht saurer Erde. Ihr sehrempfindliches Wurzelsystem ist anfällig gegenüber Wur-zelkrankheiten. Die Vermehrung erfolgt in der Regel durchWurzelausläufer, manchmal auch über Absenker und Samen.Himbeeren sind selbstbefruchtend, es fördert jedoch den Frucht-ansatz und die Fruchtqualität, wenn Sie zwei oder mehr Sor-ten kombinieren. Vor der Pflanzung ist es gut, die Wurzeln der Ruten fünf-zehn Minuten zu wässern, besser noch in Ackerschachtelhalm-brühe zu tauchen, das beugt Wurzelkrankheiten vor. GebenSie für die Ackerschachtelhalmbrühe auf hundert Gramm Acker-schachtelhalm einen Liter Wasser und lassen Sie die Brühemindestens zwölf Stunden stehen. Abgestorbene und abge-knickte Wurzeln sollten Sie vorsichtig abschneiden, gesundeWurzeln um einen Zentimeter kürzen und die Jungtriebe aufetwa fünfundzwanzig Zentimeter einkürzen. Etwas Kompostim Pflanzloch schätzen Himbeeren sehr. Immer gut angießenund aufkeimendes Unkraut sofort herausziehen. Im Pflanzge-fäß auf dem Balkon oder der Terrasse benötigt eine Himbeer-pflanze mindestens einen Quadratmeter Platz. Wenn Sie dieHimbeeren regelmäßig mit Nadelkompost, Grasschnitt, Rinden-humus, Laub oder Laubkompost mulchen, haben Unkräuterkaum eine Chance. Mischen Sie wenn möglich einige Bein- 35
  34. 34. Beeren im Gartenwellblätter unter den Mulch – Beinwell versorgt Ihre Himbee-ren mit dem für sie sehr notwendigen Nährstoff Kalium. Himbeeren können Sie ausgezeichnet als Hecke entlang ei-nes Drahtrahmens ziehen. Lassen Sie pro Laufmeter etwa zehnFruchtruten stehen und binden Sie diese am quer gespanntenDraht auf. Während und nach der Reifezeit wachsen aus denWurzeln neue Ruten nach. Man unterscheidet Sommer- und Herbsthimbeeren. Sommerhimbeeren tragen von Juni bis Juli an vorjährig her-angewachsenen Ruten. Diese Ruten vertrocknen nach derReifezeit und werden anschließend dicht über dem Bodenabgeschnitten. Die tragenden Ruten für das kommende Jahrwachsen ab Mai aus den Wurzeln hervor. Binden Sie dieseJungtriebe auf, sobald sie groß genug sind. Herbsthimbeeren blühen zweimal: Die ersten Blüten bildensich im Spätsommer an den Triebspitzen der diesjährigen, abMai herangewachsenen Jungtriebe. Die Himbeeren werden abAugust reif. Im Winter trocknen die abgetragenen oberen Teileder Triebe ein und können ab November bodennah abgeschnit-ten werden. Sie können diese Triebe jedoch auch stehen las-sen: Blütenknospen am unteren Teil, die sich im Spätsommernoch nicht geöffnet haben, entwickeln sich dann im folgendenJahr wie bei den Sommerhimbeeren und ermöglichen einezweite kleinere Ernte. Wie bei den Sommerhimbeeren vertrock-nen die abgetragenen Ruten und werden anschließend knappüber dem Boden abgeschnitten. Für einen guten Herbstertragempfiehlt es sich allerdings, diese kleinere zweite Ernte bereitsetwa drei Wochen nach Erntebeginn abzubrechen und dieRuten abzuschneiden. So haben die Jungtriebe genügend Kraftfür eine gute Entwicklung. Eine wichtige Krankheit bei Himbeeren ist die Rote Wurzel-fäule (Phytophthora fragariae var. rubi), die durch einen Pilzverursacht wird. Die befallenen Ruten sterben kurz vor derErnte innerhalb kürzester Zeit ab und vertrocknen. Aus der36
  35. 35. Beeren im GartenWurzel wachsen weniger Jungtriebe hervor und langfristig stirbtder Wurzelstock. Kompost – flach in den Boden eingearbeitet,um die empfindlichen Wurzeln nicht zu verletzen – kann vor-beugend gegen die Rote Wurzelfäule helfen, weil die Bodenpil-ze im Kompost gegen die Phytophthora wirken. Es gibt auchHimbeersorten mit Resistenz gegenüber Wurzelkrankheiten. Eine weitere wichtige Krankheit ist die Rutenkrankheit, dieebenfalls durch einen Pilz verursacht wird. Dieser dringt durchkleine Verletzungen an den Ruten in diese ein, die Ruten be-kommen zunächst dunkle Flecke, dann wird die Rinde braunund platzt auf, und die Rute stirbt kurz vor der Ernte ab. Ach-ten Sie darauf, dass Ihre Himbeeren nicht zu dicht stehen,denn ein enges Beieinander fördert den Befall. Schneiden Siebefallene Ruten bodennah ab und vernichten Sie diese. Vor-beugend wirken Schachtelhalmtee (siehe Seite 26) und eineschützende Mulchschicht. 37
  36. 36. Beeren im Garten Gegen Blattläuse, die auch vor Himbeeren nicht Halt ma-chen, hilft Brennnesselbrühe (siehe Seite 26). Diese könnenSie auch vorbeugend gegen andere Schädlinge an Himbeerenanwenden: Das sind vor allem der Himbeerkäfer, dessen Nach-kommen als Würmchen in den Früchten heranwachsen, undder Himbeerblütenstecher, dessen Weibchen seine Eier in dieBlüten legt und diese anschließend so ansticht, dass die Blü-ten abknicken. Der Himbeerkäfer befliegt die Pflanzen ab April,knabbert zunächst an den Blättern und kann dadurch ent-deckt werden.Rote Sommerhimbeersorten für den Garten – eine Auswahl:❖ Meeker: reift mittelspät, ab Anfang Juli; starker Jungtrieb- wuchs; frostempfindlich, empfindlich gegenüber Trocken- heit; widerstandsfähig gegenüber Rutenkrankheiten und Wurzelsterben; Frucht mittelgroß, fest, gut haltbar mit aus- gezeichnetem Aroma; sehr hoher Ertrag.❖ Rubaca: reift mittelspät, ab Anfang Juli; robust, starker Wuchs; widerstandsfähig gegenüber Wurzelkrankheiten; Frucht mittelgroß, rundlich, weich mit gutem Geschmack; hoher Ertrag.❖ Zeva 2: reift mittelspät, ab Anfang Juli; starker Wuchs mit zahlreichen Jungtrieben; wenig anfällig gegenüber Krank- heiten und Schädlingen; wenig anspruchsvoll an den Stand- ort; Frucht dunkelrot, mittelgroß bis groß mit bestem Aroma; sehr hoher Ertrag.❖ Schönemann: reift mittelspät, ab Anfang Juli; widerstands- fähig gegenüber Rutenkrankheiten, anfällig gegenüber Wur- zelkrankheiten; Frucht groß, länglich, gut haltbar mit gutem etwa säuerlichem Geschmack; hoher Ertrag; Hauptsorte in Deutschland.❖ Glen Ample: reift mittelspät, ab Anfang Juli; starker, auf- rechter Wuchs; stachellos; etwas frostempfindlich; Frucht groß, fest mit sehr gutem Geschmack; hoher Ertrag.38
  37. 37. Beeren im Garten❖ Nootka: reift mittelspät, ab Anfang Juli; mittelstarker Wuchs; Frucht dunkel, groß, weich und sehr aromatisch; mittlerer Ertrag.Rote Herbsthimbeersorten für den Garten – eine Auswahl:❖ Autumn Bliss: reift ab Mitte August, lange Ernte; starker Wuchs mit stabilen Ruten; robust; widerstandsfähig gegen- über Rutenkrankheiten; Frucht groß, mittelfest mit mittle- rem Aroma; sehr hoher Ertrag.❖ Rumiloba: reift sehr spät; starke Ruten; Frucht sehr groß mit aromatischem Geschmack; mittlerer Ertrag.Gelbe und schwarze Himbeersorten für den Garten – eineAuswahl:❖ Golden Everest: Sommerhimbeere; reift mittelspät, ab An- fang Juli; starker Wuchs mit zahlreichen Jungtrieben; wenig anfällig gegenüber Krankheiten und Schädlingen; Frucht gelb, groß und aromatisch.❖ Golden Bliss: Sommerhimbeere; reift mittelspät, ab Anfang Juli; wenig anfällig gegenüber Wurzelkrankheiten und Ruten- krankheit; gedeiht auch in Kübeln; Frucht gelb, groß und aromatisch; hoher Ertrag.❖ Black Jewel: Sommerhimbeere; reift mittelspät, ab Mitte Juli bis August; mittelstarker Wuchs; robust; wenig anfällig ge- genüber Krankheiten und Schädlingen; Frucht schwarz, rundlich, groß mit süßem, edlem Aroma; hoher Ertrag.❖ Goldfrucht: Herbsthimbeere; reift ab Mitte August bis Mitte Oktober; Frucht goldgelb, süß, kräftig duftendes Aroma. 39
  38. 38. Beeren im Garten Himbeeren in der Küche Himbeeren haben ein hervorragendes Aroma, und wer wenigstens ein kleines Plätzchen – entlang eines Zau-nes, am Rand – im Garten hat, sollte nicht auf sie verzichten.Am besten schmecken sie roh verzehrt, aber auch Marmelade,Gelee, Kompott – denken Sie an den Klassiker Vanilleeis mitheißen Himbeeren – oder Saft sind Delikatessen in der Küche.Die Früchte behalten überdies beim Backen ihr Aroma undschmecken deshalb auch ausgezeichnet im Kuchen, beliebtsind sie beispielsweise im Käsekuchen. Himbeeren für die Gesundheit Himbeeren sind reich an Vitaminen, Mineralstoffen und Ballaststoffen. Die in ihnen enthaltenen Antho-cyane und Ellagsäure wirken als bioaktive Pflanzenstoffe ge-gen freie Radikale (siehe auch Seite 13). Himbeerblättertee –vor allem aus den Triebspitzen – ist wohlschmeckend und wirdfür Umschläge bei Hautentzündungen, zum Gurgeln bei Hals-und Mandelentzündungen und zum Trinken bei Bronchial-katarrh, Heiserkeit, Grippe, Durchfall und zur Blutreinigungempfohlen. Der Tee soll außerdem einen günstigen Einfluss aufWehen haben und die Entbindung erleichtern. Der Fruchtsaftwird bei Fieber und Nierenerkrankungen eingesetzt.BrombeerenDie Echte Brombeere (Rubus fructicosus) zählt wie die Him-beere (Rubus idaeus) zur Gattung Rubus aus der Familie derRosengewächse (Rosaceae). Allein in Mitteleuropa sind dieBrombeeren, auch Schwarzbeeren oder Kratzbeeren genannt,mit über siebzig Arten vertreten. Brombeeren sind Kletterpflanzen, deren Ranken bis mehre-re Meter hoch wachsen. Die Ranken haben je nach Sorte un-terschiedlich viele Stacheln – es gibt auch stachellose Sorten –40
  39. 39. Beeren im Garten Loganbeeren und Boysenbeeren Durch Kreuzungen von Himbeeren mit Brombeeren entstand unter anderem die Loganbeere. Die Loganbeere (Rubus loganobaccus) ist eine Kreuzung aus einer kalifornischen Wildbrombeere und einer Himbee- re. Loganbeerensträucher haben eine ähnliche Wuchsform wie Brombeeren, wobei ihre Ranken wie bei Himbeeren mit feinen Stacheln besetzt sind. Der Strauch verliert im Herbst sein Laub und kann bis zu fünf Meter hoch werden. Er ist frostempfindlich und sollte in winterkalten Lagen dick mit Strohmatten oder Folie eingepackt werden. Logenbeeren blühen im Juli und August. Die Früchte sind groß, länglich und zapfenförmig, purpurrot und recht säuerlich. Erst wenn die Beeren vollreif sind, verlieren sie etwas an Säure und munden auch roh genossen. Loganbeeren lassen sich gut zu Konfitüren oder Kompott verarbeiten. Die Boysenbeere ist eine Rückkreuzung der Loganbeere mit der Himbeere und Brombeere. Der Strauch ist weniger frostempfindlich als die Loganbeere, aber bei Temperaturen unter zwölf Grad Minus erfriert auch er, sodass in kalten Wintern ein entsprechender Schutz notwendig ist. Boysen- beeren sind groß, weich, von tiefroter bis schwarzer Farbe und haben ein fein säuerliches, wenig ausgeprägtes Aroma. Marmelade aus Boysenbeeren schmeckt gut auf frisch ge- backenen Vollkornbrötchen.und verholzen nach einiger Zeit. An den Ranken sitzen diegrünen, unterseitig hellen, gezähnten bis siebenteilig gefinger-ten Blätter. Sie werden im Winter nicht abgeworfen. Die Sta-cheln dienen der Pflanze als Kletterhilfe und Fraßschutz. Brombeeren vermehren sich wie Himbeeren über Samen,Wurzelausläufer und Absenker. Für einen Absenker senken Sie 41
  40. 40. Beeren im Garteneine Ranke auf die Erde, fixieren diese dort und bedecken siemit Erde, sodass die Triebspitze aus der Erde sieht. An derRanke bilden sich Wurzeln, und die neue Ranke kann dannvon der Mutterpflanze abgetrennt werden. Brombeeren blühen an speziellen Seitentrieben der letztjäh-rig herangewachsenen Triebe. Zwischen Juni und August öff-nen sich die weißen bis rosafarbenen Blüten, aus denen sichdie blauschwarzen Früchte entwickeln. Im Unterschied zurHimbeere sind die Früchte fest an die Blütenböden gebunden.Reife Brombeeren gibt es von Juli bis Oktober. Brombeeren im Garten Brombeeren bevorzugen ähnliche Standorte wie Him- beeren (siehe Seite 35). Am besten gedeihen sie insonnigen bis halbschattigen Lagen mit ausgeglichenem mil-den Klima. Frühe, kalte und schneearme Winter behagen ih-nen weniger. Der Boden sollte möglichst humusreich undfeucht, aber ohne stauende Nässe sein. Auch Brombeeren schät-zen eine Mulchschicht aus Nadelkompost, halb verrottetemLaub oder Rindenhumus zu ihren Füßen. Pflanzen Sie ranken-de Sorten mit einem Abstand vor drei bis vier Metern und auf-recht wachsende Sorte mit einem Abstand von einem Meterzwischen den Pflanzen. Ziehen Sie Brombeeren am besten wieHimbeeren entlang eines quer gespannten Drahtes. Lassen Siedabei pro Jahr vier bis sieben Jungtriebe pro Laufmeter oder vierbis acht Jungtriebe pro Pflanze stehen und binden Sie diese amDraht auf. Stachellose und aufrecht wachsende Brombeersor-ten können auch eine Gartenlaube, Veranda oder einen Zaunbegrünen. Wegen des starken Wuchses sollten alle Brom-beersorten regelmäßig geschnitten werden. Schneiden Siehierbei die Tragranken nach der Ernte bodennah ab. Da diePflanzen sehr schnell aus den Wurzeln nachwachsen, ist die-ser Schnitt auch bei Krankheiten am besten.42
  41. 41. Beeren im GartenBrombeeren können an der Rankenkrankheit leiden, die wiedie Rutenkrankheit der Himbeeren durch einen Pilz verursachtwird und sich ähnlich wie diese äußert (siehe Seite 37). Eineweitere Pilzerkrankung, die Brombeeren im ungünstigen Fallzu schaffen macht, ist der Falsche Mehltau. Hierbei verfärbensich einzelne Blätter ausgehend von einer kleinen Fläche braunund unreife Früchte vertrocknen. Entfernen Sie befallene Pflan-zen und Ranken, sobald Sie die Anzeichen bemerken, weilsich der Erreger leicht verbreitet.Brombeersorten für den Garten – eine Auswahl:❖ Waldo: reift sehr früh, ab Ende Juni mit langer Erntezeit; mittelstarker Wuchs; stachellos; Frucht sehr groß und sehr aromatisch; hoher Ertrag. 43
  42. 42. Beeren im Garten Sträucher im Frühjahr oder Herbst pflanzen? Beerensträucher mit Wurzelballen können im Frühjahr in die Erde gebracht werden – nur darf der Boden nicht mehr ge- froren sein. Ein Pflanzschnitt ist bei diesen Sträuchern nicht notwendig. Ware mit Wurzelballen oder im Topf ist allerdings teurer als wurzelnacktes Pflanzgut. Für wurzelnackte Sträu- cher gilt der alte Gärtnergrundsatz, dass die beste Pflanz- zeit der Herbst ist. Denn dann können diese Beerensträucher noch vor dem Winter einwurzeln und haben einen Entwick- lungsvorsprung vor den im Frühjahr gepflanzten Gehölzen. Damit sie gut anwachsen, müssen sie vor dem Pflanzen ein- gekürzt werden. Der Boden sollte locker und feucht sein – lesen Sie Nähe- res über Standortwünsche und Düngung bei den einzelnen Pflanzenbeschreibungen in diesem Buch. Ganz wichtig ist es, auf ausreichenden Abstand zu achten. Steht Beerenobst nämlich zu eng, tritt vor allem in verregneten Sommern oft Grauschimmel auf. Zu wenig Abstand ist ein Fehler, der immer wieder passiert und später kaum korrigiert werden kann. Wer seinen Beerensträuchern etwas Gutes tun möchte, breitet nach dem Pflanzen eine Mulchdecke um sie aus. Diese kann aus angetrocknetem Rasenschnitt, kurzem Stroh oder verrottetem Stallmist bestehen. Vorteile des Mulchens: Der Unkrautwuchs wird eingedämmt, der Boden bleibt fein- krümelig und gleichmäßig feucht. Da die meisten Beeren- sträucher Flachwurzler sind, ist Hacken eher nachteilig, da die Wurzeln dabei beschädigt werden können. Auslichten, besonders im unteren Bereich der Sträucher, ist sinnvoll, um Schimmelbefall vorzubeugen – die Pflanzen trocknen nach Regengüssen besser ab. Außerdem fördert dies die Entwicklung großer Beeren. Wer seine Sträucher über Jahre nicht auslichtet, hat irgendwann eine Ernte, die44
  43. 43. Beeren im Garten nur noch aus kleinen Beeren besteht. Aber keine Eile, im ersten Jahr einfach wachsen lassen. Die Pflanze muss sich zunächst selbst entwickeln, um Beeren produzieren zu kön- nen. Seien Sie daher nicht enttäuscht, wenn die erste Ernte sehr klein ausfällt oder gar ausbleibt. Manche Arten tragen sogar generell erst im zweiten oder dritten Jahr.❖ Loch Ness: reift früh, von Anfang Juli bis Ende August; star- ker Wuchs; halb aufrecht; stachellos; anfällig gegenüber Fal- schem Mehltau; Frucht sehr groß, gut haltbar, mit gutem Aroma; sehr hoher Ertrag.❖ Arapaho: reift mittelfrüh, ab Ende Juli; aufrechter Wuchs; stachellos; widerstandsfähig gegen Krankheiten; frosthart; Frucht groß mit ausgezeichnetem Geschmack; sehr hoher Ertrag.❖ Sandbrombeere, Black Diamond, Theodor Reimers, Himalaya: reift mittelfrüh, ab Anfang August bis Mitte Sep- tember; sehr starker Wuchs mit bis zu sechs Meter langen Trieben; stark bestachelt; anfällig gegenüber Mehltau, ansonsten wenig anfällig gegenüber Krankheiten und Schäd- lingen; frostgefährdet, deshalb Winterschutz nötig; Frucht groß, bei Vollreife süß und hocharomatisch; guter Ertrag.❖ Chester Thornless: reift spät, Ernte bis zum Frost; rankend; stachellos; Frucht groß und wohlschmeckend; mittlerer Er- trag. Brombeeren in der Küche Nur voll ausgereifte Brombeeren besitzen die ganze Aromafülle. Ernten Sie die Früchte deshalb am bes-ten, wenn sie wirklich reif sind und sich fast von selbst ablösen.Genießen Sie die Beeren roh oder bereiten Sie Konfitüre, Geleeoder Brombeersaft aus ihnen. Rote, noch nicht reife Beeren 45
  44. 44. Beeren im Gartenenthalten sehr viel Pektin. Wenn Sie einige unreife Brombee-ren beim Konfitüre- oder Geleekochen pektinarmer Früchtedazugeben, geliert die Konfitüre oder das Gelee besser. Brombeeren für die Gesundheit Brombeeren sind reich an Vitaminen, Mineralstoffen und gesunden gefäßschützenden sekundären Pflan-zenstoffen. So enthalten sie beispielsweise viel Vitamin C undVitamin A, die Mineralstoffe Kalium und Magnesium, das Spu-renelement Kupfer und Ellagsäure (siehe Seite 16). Leicht war-mer Brombeersaft hilft bei Fieber, Heiserkeit und überanstreng-ter Stimme. Brombeerblätter sind reich an Gerbstoffen, sieenthalten Anthocyane und Spuren von ätherischem Öl. Brom-beerblättertee – vor allem aus Blättern der Triebspitzen – istwohlschmeckend und wird in der Naturheilkunde unter ande-rem zur Blutreinigung eingesetzt. Auch gegen großporige, un-reine Haut wird er empfohlen – und zwar äußerlich. Für eineGesichtskompresse übergießen Sie eine Handvoll junge Brom-beerblätter mit einem Viertelliter kochendem Wasser, lassendies fünfzehn Minuten ziehen und seihen es anschließend ab.Tränken Sie ein sauberes Tuch mit dem Sud und legen Sie esauf das zuvor gereinigte Gesicht. Mit einem Sud aus getrockneten Brombeerblättern oder jun-gen Trieben werden seit alters her graue und braune Farbtöneerzeugt.Gartenerdbeeren und WalderdbeerenDie Gartenerdbeere (Fragaria × ananassa) zählt zur Gattungder Erdbeeren (Fragaria) innerhalb der Familie der Rosenge-wächse (Rosaceae). Sie entstand aus einer Kreuzung der klei-nen dunkelroten Scharlacherdbeere und der großfrüchtigenChileerdbeere. Scharlacherdbeere und Chileerdbeere wurdenzunächst als Zierpflanzen aus Amerika in Mitteleuropa ange-46
  45. 45. Beeren im Gartenbaut. Mittlerweile sind aus der ersten Kreuzung weltweit übertausend Kultursorten entstanden. Es gibt auch Kreuzungenzwischen Sorten der Gartenerdbeere und der hierzulandeschon seit der Steinzeit heimischen Walderdbeere (Fragariavesca). In der Antike wurde die Walderdbeere »frega« oder »fre-gum« von »fragare« (lateinisch: duften) genannt. Im Mittel-alter kultivierte man die kleinen Walderdbeeren bereits auf gro-ßen Flächen. Auch Methoden, die Erdbeeren früher oder späterheranreifen zu lassen, waren schon entwickelt. Lediglich dieGröße der Frucht konnte man noch nicht beeinflussen. Erdbeeren sind mehrjährige krautige Pflanzen mit gestauch-tem Spross und Blattrosette. Ihre dunkelgrünen, bis fünfteiliggefingerten, gezähnten Blätter sind bei den meisten Sortenweich und seidig behaart. Die Blätter haben lange Stiele undwachsen grundständig aus dem Wurzelstock. Erdbeeren ver-mehren sich über Samen und Ausläufer. Eine Mutterpflanzekann innerhalb eines Jahres von Mai bis zum frühen Herbst biszu dreißig Ausläufer, auch Kindel genannt, bilden. Diese Aus-läufer wachsen an fadenförmigen Verbindungen aus dem Sprossder Mutterpflanze, bewurzeln sich und können dann unab-hängig von der Mutterpflanze existieren. Die Verbreitung durch Samen erfolgt durch Tiere wie Mäu-se, verschiedene Vögel, Käfer und Schnecken, welche die rei-fen Erdbeeren fressen und die Samen – die kleinen grünlichenNüsschen auf der roten Frucht – mit ihrem Kot ausscheiden. Die weißen, mitunter auch gelblichen Erdbeerblüten ste-hen zu mehreren in einer Trugdolde an der Spitze eines auf-rechten Blütenschaftes. Sie öffnen sich je nach Witterung rechtfrüh im Jahr am Ende der Kälteperiode und sind deshalb spät-frostgefährdet. Ab Ende Mai können dann je nach Sorte dieersten Erdbeeren geerntet werden. Der Erntezeitraum einmaltragender Sorten erstreckt sich über drei bis vier Wochen. Durchdie geschickte Kombination früher und später einmal tragen- 47
  46. 46. Beeren im Gartender Sorten und immer tragender Sorten mit einem längerenBlüh- und Erntezeitraum von April bis Oktober können Sie denganzen Sommer über Erdbeeren genießen. Entfernen Sie dieBlüten der immer tragenden Sorten hierbei so lange, bis dieErntezeit der einmal tragenden Sorten beginnt. Dadurch scho-nen Sie die Kräfte der immer tragenden Erdbeeren für die spä-tere Reife. Immer tragende Sorten sind kleiner als einmaltragende Sorten. Außerdem sind sie im ungünstigen Fall krank-heitsanfälliger, weil die Erreger durch den langen Erntezeit-raum einen guten Nährboden für ihre Entwicklung vorfinden. Erdbeeren im Garten Die natürlichen Verbreitungsgebiete der Erdbeeren sind Waldlichtungen mit nährstoffreichen Lehmbö-den der gemäßigten Klimazonen. Im Garten sollten Sie IhrenErdbeerpflanzen einen vollsonnigen und möglichst wind-geschützten Standort bieten. Ein gut durchlässiger, humusrei-cher, leicht saurer Boden behagt den Pflanzen am meisten.Kleinwüchsige Erdbeersorten wachsen auch auf dem sonni-gen Balkon. Schlecht gedeihen Erdbeeren in nasskalter undverdichteter Erde, wodurch auch die Anfälligkeit gegenüberGrauschimmel steigt. Sehr kalte, windausgesetzte und schnee-arme Standorte sind ebenfalls eher ungeeignet für eine gesun-de Erdbeerkultur. Pflanzen Sie Erdbeeren im Falle eines dich-ten Lehmbodens am besten auf einen kleinen Wall, den Sie mitreichlich Kompost anreichern und auflockern. Eine Gabe Kom-post ins Pflanzloch behagt allen Erdbeerpflanzen. Die einzel-nen Pflanzen sollten einen Abstand zwischen fünfunddreißigund fünfundvierzig Zentimetern haben, denn auch ein zu dich-tes Beieinander fördert die Krankheitsanfälligkeit. Erdbeerensollten beim Pflanzen so eingesetzt werden, dass das Rhizomnur sehr knapp aus der Erde schaut. Es ist frostempfindlich undvertrocknet leicht. Zu tief sollten die Pflanzen allerdings auchnicht gesetzt werden, weil dadurch die Wurzeln verfaulen kön-48
  47. 47. Beeren im Gartennen. Pflanzen Sie Erdbeeren am besten im August oder Sep-tember. Ausgezeichnet eignet sich übrigens ein Beet, auf demzuvor Bohnen standen. Eine Schicht Mulch aus halb verrotte-tem Laub, Rindenstückchen oder Nadelstreu um die Pflanzenverteilt, verschafft den Erdbeeren eine angenehme Waldatmos-phäre. Zwischen den Erdbeerpflanzen können Sie vor der ErnteStrohmulch verteilen oder die Pflanzen auf einer speziellenMulchfolie ziehen, die im Gartenfachhandel auch für den Haus-garten erhältlich ist. Stroh und Folie verhindern das Wachstumvon Beikräutern, die ansonsten regelmäßig entfernt werdenmüssen, weil Erdbeeren recht empfindlich auf konkurrierendePflanzen reagieren. Außerdem bleiben die Früchte auf der Stroh-oder Folienunterlage sauber und trocknen nach einem Regen-guss schneller ab. Zur Gesundheitsvorsorge empfiehlt es sichaußerdem, im frühen Frühjahr die braunen Blätter der Pflan-zen zu entfernen, weil auf diesen gegebenenfalls Krankheits-erreger oder Pilzsporen überwintert haben. Wenn Sie Ihre Erd- 49
  48. 48. Beeren im Gartenbeeren bei heißem Wetter gießen müssen, tun Sie das am bes-ten morgens, damit die Pflanzen danach möglichst rasch wiederabtrocknen. Feuchtigkeit fördert Schimmel. Legen Sie alle drei Jahre ein neues Erdbeerbeet an, weilErdbeeren maximal drei Jahre lang Früchte tragen, und haltenSie eine Pause von vier Jahren ein, bis Sie auf derselben Garten-fläche wieder Erdbeeren pflanzen, weil Erdbeeren selbstunver-träglich sind. Bei feuchtwarmem Wetter zwischen Blüte und Ernte undzu dichtem Bestand kann die Grauschimmelfäule (Botrytis ci-nerea) Erdbeerpflanzen Probleme machen. Die Pilzsporen über-wintern auf abgestorbenen Pflanzenteilen. Der Pilz siedeltzunächst unsichtbar in der befallenen Frucht. Sobald sich de-ren Stärke in Zucker verwandelt, wächst der Pilz weiter, dieFrucht bekommt braune Flecke und einen grauen Schimmel-pelz. Entfernen Sie befallene Pflanzenteile, damit es nicht zueiner Infektion der Nachbarpflanzen kommt, und achten Sieauf bereits beschriebene vorbeugende Maßnahmen. Auch Wurzelkrankheiten wie die Rote Wurzelfäule (Phyto-phthora fragariae) und die Rhizomfäule (Phytophthora cacto-rum) können Erdbeeren zu schaffen machen. Befallene Pflan-zen bleiben kümmerlich oder gehen plötzlich ein, indem dieBlätter verwelken. Die Sporen dieser Pilze überdauern im Erd-reich und halten sich besonders in nasskalten, verdichtetenBöden und dichten Pflanzenbeständen. Vorbeugende Maßnah-men wie ein möglichst günstiger Standort, gesunde Jungpflan-zen oder eine optimale Pflanztiefe gelten als bester Schutz. Esgibt auch resistente Sorten. Schachtelhalmtee und Brennnes-selbrühe halten auch Erdbeeren gesund (siehe Seite 26). Einige Säugetierarten, Weichfresser unter den Vögeln, Wir-bellose wie Schnecken und einige Käfer nutzen die Erdbeeregern als Nahrungsquelle. Diese tierische Konkurrenz kann zumÄrgernis werden, da sie beträchtliche Mengen der Ernte weg-frisst. Netze, Einsammeln von Schnecken und Förderung von50
  49. 49. Beeren im GartenInsektenfressern wie Meisen im Garten sind hier geeignetebiologische Maßnahmen, um den größten Teil der Ernte zusichern.Einmal tragende Gartenerdbeersorten für den Garten – eineAuswahl:❖ Honeoye: reift früh mit später Blüte, deshalb für spätfrost- gefährdete Lagen; robust; anfällig gegenüber Wurzelfäule; Frucht dunkelrot glänzend, guter, etwas säuerlicher Ge- schmack erst bei Vollreife, bei schwülheißer Witterung, star- kem Behang und viel Blattmasse auch bittere Früchte; ho- her Ertrag.❖ Elvira: reift früh; anfällig gegenüber Mehltau; Frucht groß, druckempfindlich, sehr gut schmeckend; hoher Ertrag.❖ Lambada: reift früh bis mittelfrüh; kann dicht gepflanzt wer- den; sehr anfällig gegenüber Mehltau; Frucht hellrot und mittelgroß, der Geschmack dieser Sorte wird sehr gelobt; mittlerer Ertrag.❖ Senga Sengana: reift mittelfrüh; anfällig gegenüber Grau- schimmel bei Überdüngung; Frucht dunkelrot durchgefärbt und klein bis mittelgroß, sehr guter Geschmack; eignet sich bestens zum Einkochen und Tiefgefrieren; hoher Ertrag.❖ Polka: reift mittelfrüh; robust; Frucht dunkelrot durchgefärbt, wenig haltbar, ausgezeichnetes Walderdbeeraroma; eignet sich gut für Marmelade und zum Tiefgefrieren; hoher Er- trag.❖ Korona: reift mittelfrüh; bei ungünstiger Witterung anfällig gegenüber Fruchtfäule; anfällig gegenüber Blattkrankheiten; Frucht rot bis dunkelrot, anfangs groß, im Ernteverlauf klein werdend, sehr weich, sehr guter Geschmack; hoher Ertrag.❖ Malling Pegasus: reift mittelspät; kräftiger Wuchs; sehr ro- bust gegenüber Blatt- und Wurzelkrankheiten; Frucht groß, mäßig fest mit gutem bis sehr gutem Geschmack. 51
  50. 50. Beeren im Garten❖ Symphony: reift spät; sehr robust und kräftig, auch für schwe- re Böden; wenig anfällig gegenüber Blatt- und Wurzelkrank- heiten; Frucht mittelrot mit grüner Spitze, gutes Aroma mit angenehmer Säure; hoher Ertrag.❖ Mieze Schindler: reift spät, ab Ende Juni; nicht selbst- befruchtend, deshalb zweite Sorte zur Befruchtung nötig; etwas anfällig gegenüber Grauschimmel; frosthart; Frucht dunkelrot und klein, hocharomatisch mit süßem Walderd- beeraroma, wenig lagerfähig; mittlerer Ertrag.❖ Tenira: reift spät ab Anfang Juli; robust; kaum anfällig ge- genüber Mehltau, Wurzelkrankheiten und Grauschimmel; Frucht intensiv rot und groß, sehr guter Geschmack; gut haltbar und gut geeignet zum Tiefgefrieren; mittlerer Ertrag.Immer tragende Gartenerdbeersorten für den Garten – eineAuswahl:❖ Mara des Bois: Frucht mittelrot, eher klein und weich, aus- geprägtes Walderdbeeraroma, wenig haltbar.❖ Ostara: etwas anfällig gegenüber Grauschimmel; Frucht mittelgroß, sehr guter Geschmack; hoher Ertrag.Neben Erdbeersorten mit der typischen Wuchsform gibt es auchbodendeckende oder hängende Sorten und solche, die »klet-ternd« an Zäunen gezogen werden können. Vielfach handeltes sich bei diesen Sorten um Kreuzungen zwischen Walderd-beere und Gartenerdbeere, Beispiele sind die Sorten Florikaund Spadeka. Daneben sind auch Monatserdbeeren wie Rügen, eine grö-ßere ausläuferfreie Verwandte unserer heimischen Walderd-beere aus südlichen Gefilden, oder Sweetheart, eine stärkerwüchsige, ausläufertreibende Monatserdbeere mit großenFrüchten, die sich auch für Balkonkästen und Schalen eignet,erhältlich. Monatserdbeeren sind Zuchtformen der Walderd-beere und dieser auch im Aroma sehr ähnlich, nur etwas grö-52
  51. 51. Beeren im Gartenßer. Sie reifen von Juni bis September und sind etwas anfälliggegenüber Frost und Wurzelfäule. Walderdbeeren sind im Garten hervorragende Bodendecker,beispielsweise zwischen Himbeer-, Brombeer-, Johannisbeer-oder Stachelbeersträuchern. Sie verdrängen Beikräuter undhalten den Boden bei heißer Witterung angenehm feucht. Erdbeeren in der Küche Ihr volles Aroma haben Erdbeeren, wenn sie ganz ausgereift sind. Die Früchte reifen nach der Ernte nichtnach, sodass nicht ausgereifte Früchte weniger aromatischschmecken. Das ist meist bei weit gereisten Erdbeeren der Fall,weil diese aufgrund der Anfälligkeit der reifen Früchte gegenü-ber Druck und Grauschimmel und der Erfordernisse des wei-ten Transportes unreif gepflückt werden. Es lohnt sich, Erdbee-ren im eigenen Garten zu haben oder die Früchte während derheimischen Saison regional zu kaufen. Pflücken Sie Erdbeeren stets mit Stiel und Kelchblättern,und entfernen Sie diese erst nach dem Waschen, um Aroma-verluste zu vermeiden. Verzehren Sie frische Erdbeeren ambesten gleich nach der Ernte. Im Kühlschrank halten sie sichzwei bis drei Tage. Wenn Sie klein geschnittene Erdbeerenzuckern möchten, sollten Sie das erst kurz vor dem Verzehrtun, weil der Zucker reichlich Saft aus den Früchten zieht. Gartenerdbeeren sind das klassische Marmeladenobst. Zuden beliebten Kombinationen gehören Süßspeisen, in denensich Rhabarber und Erdbeeren ergänzen. Am besten schmecken Erdbeeren aber einfach roh – mitMilch, Quark oder Sahne kombiniert – und haben dann auchihren höchsten Gesundheitswert. Genießen Sie auch Wald-erdbeeren am besten frisch, weil die Früchte beim Kochenleicht bitter werden und ihr hocharomatischer Geschmackdabei leidet. Behandeln Sie die kleinen Früchte außerdem sehrvorsichtig, weil sie äußerst druckempfindlich sind. 53
  52. 52. Beeren im Garten Erdbeeren für die Gesundheit Erdbeeren enthalten mehr Vitamin C als Orangen und Zitronen. Darüber hinaus sind sie reich an Ellagsäure(siehe Seite 16), B-Vitaminen und Folsäure, Calcium, Magnesi-um und Kalium. Außerdem sind sie gute Quellen für die Spuren-elemente Eisen, Zink und Mangan. Erdbeeren werden in derNaturheilkunde zur Blutbildung, bei Herzbeschwerden undLeber- und Gallenleiden eingesetzt. Letzteres ist mittlerweileauch wissenschaftlich untermauert. Die Polyphenole der Erd-beere – insbesondere die Ellagsäure – wirken entzündungs-hemmend und schützen vor Arteriosklerose, Infarkt und ande-ren degenerativen Erkrankungen wie Krebs. Die Blätter derWalderdbeere helfen in Form von Erdbeerblättertee bei Leber-und Gallenleiden und gegurgelt bei Entzündungen im Mund-raum. Die Blätter der Kulturformen sind hierfür nicht geeignet.Waldheidelbeeren undKulturheidelbeerenDie Waldheidelbeere (Vaccinium myrtillus), auch Blaubeere,Schwarzbeere, Wildbeere, Waldbeere, Bickbeere oder Heubee-re genannt, ist eine Art aus der Gattung der Heidelbeeren (Vac-cinium) in der Familie der Heidekrautgewächse (Ericaceae). Waldheidelbeersträucher werden zehn bis fünfzig Zentime-ter hoch und wachsen stark verzweigt. Sie können recht altwerden. An den grasgrünen, unbehaarten, kantigen Zweigensitzen grüne, eiförmig bis elliptisch geformte, fein gezähnte Blätt-chen, die sich im Spätsommer rot färben, bevor sie abfallen.Anhand des fehlenden Laubes lässt sich der Heidelbeerstrauchwährend des Winterhalbjahres leicht vom Preiselbeerstrauchunterscheiden, der seine Blätter auch im Winter behält (sieheauch Seite 60). Je nach Witterung öffnen sich von April bis Maidie weißlichen bis grünlich rötlichen Blütenköpfchen. Sie wach-54
  53. 53. Beeren im Gartensen einzeln aus den Blattachseln und erinnern ein wenig ankleine runde Lampions. Von Juli bis Ende September reifen dieblauschwarz durchgefärbten, bei Reife blaugrau bereiften Bee-ren heran. Die Beeren haben Durchmesser bis maximal einenZentimeter. Heidelbeeren vermehren sich über Samen, die durchden Kot Heidelbeeren fressender Tiere verbreitet werden, undüber Ausläuferwurzeln. Die natürlichen Lebensräume der Waldheidelbeere sindbodensaure, halbschattige Standorte, überwiegend in Nadel-wäldern – insbesondere in lichten Kiefernwäldern –, Moorge-bieten und Heidelandschaften, wo sie im geselligen Beieinandergroße Flächen bedecken können. In den Alpen wachsen sie inLagen bis über zweitausend Meter Höhe. Schneearme undsehr kalte Winter und Spätfröste behagen der Pflanze nicht. Siekann erfrieren, wobei der Wurzelstock allerdings meist nichtbetroffen ist und im Frühjahr wieder austreibt. Heidelbeerenschätzen einen frischen, gut durchlüfteten, humosen und sau-ren Boden mit einem pH-Wert zwischen 4 und 5. Die Sträu-cher entwickeln ein sehr feines, dichtes und flaches Wurzelge-flecht. Mykorrhizapilze, mit denen die Heidelbeeren wie alleHeidekrautgewäsche symbiotisch leben, erleichtern die Nähr-stoffaufnahme der Wurzeln. Kulturheidelbeeren sind im Unterschied zu Waldheidelbee-ren doppelt bis mehrfach so groß, haben ein helles Fruchtfleischund schmecken weniger aromatisch. Die Sträucher können biszwei Meter hoch werden. Kulturheidelbeeren wurden aus derAmerikanischen Heidelbeere (Vaccinium corymbosum) gezüch-tet. Deren natürliche Lebensräume – lichte Wälder und Moore– und Standortansprüche ähneln denen der Waldheidelbeere. 55
  54. 54. Beeren im Garten Heidelbeeren im Garten In den Wäldern findet man immer weniger wild wach- sende Heidelbeeren. Leider gibt es von der Waldhei-delbeere bisher auch keine Kulturvariante. Für den Anbaustehen nur Kulturpflanzen zur Verfügung, die aus der Amerika-nischen Heidelbeere gezüchtet wurden. Heidelbeeren habenvöllig andere Ansprüche an den Boden als anderes Beerenobst:Benötigt wird ein leicht sandiger, humoser, feuchter und durch-lässiger Boden ohne Staunässe und starke Trockenheit. Na-türlicherweise kommen diese Bedingungen in der Nähe vonKiefernwäldern vor. Wer in einer entsprechenden Gegendwohnt, wird mit dem Anbau der Kulturheidelbeere Erfolg ha-ben. Wenn Sie den Pflanzen solch einen Standort dagegen na-türlicherweise nicht bieten können, müssen Sie einige Müheaufwenden, um den Boden vor der Pflanzung entsprechendvorzubereiten. Anderenfalls können Sie sich nur über eine klei-ne Ernte freuen. Die besten Pflanzzeiten für Heidelbeeren sind die Zeit vonAnfang August bis November und das Frühjahr. Wenn Sie alsoeinen Gartenboden haben, der sich eigentlich nicht für denAnbau von Heidelbeeren eignet, graben Sie an einem sonnigen– viel Sonne begünstigt den Geschmack der Beeren – bis halb-schattigen, windgeschützten Standort pro Pflanze ein etwadreißig Zentimeter tiefes und etwa achtzig Zentimeter breitesLoch. Dieses füllen Sie mit humoser Erde, am besten Walder-de, gemischt mit reichlich Rinde, Rindenmulch oder Nadel-kompost, um Bedingungen wie in einem Heidewald zu schaf-fen. Sie können das Pflanzloch außerdem vor dem Befüllen miteiner Gartenfolie auslegen oder eine Schicht Steinchen oderKies einfüllen. Die Erdmischung sollte stets feucht – aber nichtnass – und möglichst kalkfrei gehalten werden. In regenarmenPerioden müssen Sie die Heidelbeeren gießen. Sie können die einzelnen Pflanzen in Grüppchen oder inReihen einsetzen. Die Pflanztiefe beträgt etwa dreißig Zenti-56
  55. 55. Beeren im Gartenmeter. Zwischen den einzelnen Pflanzen ist ein Abstand vonein bis eineinhalb Metern sinnvoll. Frühe und späte Sorten kön-nen in unmittelbarer Nachbarschaft gedeihen und ermöglicheneine Ernte über mehrere Wochen. Wenn Sie zwei oder mehrSorten gesellig zueinander pflanzen, erhöhen Sie außerdemdie Fruchtbarkeit der Pflanzen. Eine Mulchschicht aus Rin-denmulch, halb verrottetem Laub oder Nadelkompost um diePflanzen hat mehrere Vorteile: Sie verhindert das Wachstumvon Beikräutern, vermindert den Wasserverlust, schützt vorHitze und Kälte und liefert den Sträuchern Nährstoffe. Heidelbeersträucher wachsen langsam, sodass Sie die Sträu-cher in den ersten Jahren nach der Pflanzung nicht zurück-schneiden müssen. Schneiden Sie im Winter lediglich die Trieb-spitzen, die einmal getragen haben, und falls nötig ältere,trockene Triebe heraus. Die Pflanzen treiben aus den Wurzel-stöcken jährlich Jungtriebe, an denen sich im folgenden JahrBlüten und Beeren entwickeln. Heidelbeeren sind äußerst ro-bust und kaum anfällig gegenüber Krankheiten. Meist ist esder ungünstige Standort, der ihnen zu schaffen macht. 57
  56. 56. Beeren im GartenKulturheidelbeersorten für den Garten – eine Auswahl:❖ Duke: reift früh, ab Anfang Juli bis Anfang August; dichter Wuchs; sehr frosthart; Frucht hellblau, sehr groß, fest, mit gutem Aroma, gut haltbar; hoher Ertrag.❖ Spartan: reift früh, ab Anfang Juli bis Anfang August; etwas anfällig gegenüber Fruchtfäule; Frucht sehr groß mit ausge- zeichnetem Geschmack; mittlerer Ertrag.❖ Bluecrop: reift mittelfrüh, ab Mitte Juli bis Mitte August; starkes Jungtriebwachstum; breiter Wuchs; schöne Laubfär- bung; Frucht sehr groß mit gutem Geschmack; sehr gut halt- bar; hoher Ertrag.❖ Brigitta Blue: reift spät, ab Mitte August bis Mitte Septem- ber; etwas frostanfällig; Frucht mittelgroß und aromatisch; eher geringer Ertrag.❖ Darrow: reift spät, ab Mitte August bis Mitte September; Frucht sehr groß, fest, sehr gut schmeckend; mittlerer Er- trag. Heidelbeeren in der Küche Heidelbeeren sind reif, wenn sie bis zu den Stielan- sätzen blau gefärbt sind. Die reifen Beeren lösen sichleicht von den Ansätzen. Früher verwendete man zur Erntewild wachsender Waldheidelbeeren manchmal einen soge-nannten Heidelbeerkamm. Dieses Pflückwerkzeug besteht auseinem Kasten mit aufgesetztem Kamm. Mit diesem kämmteman die Sträucher, wobei die reifen Beeren in den Kasten fie-len. Die Ernte mit dem Heidelbeerkamm ist heute verboten,weil die Pflanzen dabei stark verletzt werden. Heidelbeeren schmecken am besten frisch verzehrt, im Kühl-schrank halten sie sich etwa zwei Tage. Beliebte Spezialitätenmit Heidelbeeren sind zum Beispiel Heidelbeerkompott, Hei-delbeermarmelade, Heidelbeereis, Heidelbeerkuchen oder Hefe-klöße und Pfannkuchen mit Heidelbeeren. Kulturheidelbeerenhaben eine größere Gelierkraft als Waldheidelbeeren und sie58
  57. 57. Beeren im Gartenenthalten mehr Zucker. Sie halten sich im Gegensatz zu denempfindlichen, weicheren Waldheidelbeeren einige Tage imKühlschrank. Heidelbeeren für die Gesundheit Frische Heidelbeeren sind reich an Vitamin C, B-Vita- minen, Betacarotin und Mineralstoffen, insbesondereMagnesium. Die in ihnen reichlich enthaltenen Anthocyane,die blauen Farbsubstanzen in den Beeren, färben beim VerzehrZunge und Zähne blau. Diese Substanzen wirken antioxidativund entzündungshemmend, sie schützen vor Erkrankungendes Herz-Kreislauf-Systems, helfen bei Entzündungen von Hautund Schleimhaut, verbessern das Nacht- und Dämmerungsse-hen und beugen der Tumorentwicklung vor. Heidelbeeren zäh-len nach derzeitigem Wissen zu den antioxidativ wirksamstenObst- und Gemüsearten überhaupt, wobei Waldheidelbeerenmehr Vitamine, Mineralstoffe und sehr viel mehr Anthocyaneenthalten als Kulturheidelbeeren. Heidelbeersaft wird bei Ent-zündungen des Mund- und Rachenbereichs empfohlen undauch äußerlich bei Wunden angewendet. Getrocknete Heidel-beeren wirken aufgrund ihres Gerbstoffgehaltes heilend beiDurchfällen. Im frischen Zustand können Heidelbeeren abfüh-rend wirken, also nicht verwechseln. Auch die Heidelbeerblätter werden in der Naturheilkundebei Durchfällen, Blasenschwäche, Magenbeschwerden undHusten genutzt. 59

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