FAKTEN ZUR ENTWICKLUNGVON HAUPTINDIKATOREN FÜR ARMUT IN ÖSTERREICH SEIT 2008Die EU-Strategie „Europa 2020“ aus dem Jahr 20...
2Langfristige Entwicklung seit 2004: Höhere Intensität von ArmutslagenIm Unterschied zu den seit dem Jahr 2008 beobachtete...
3DEFINITIONEN:EUROPA 2020-Zielgruppe = Armutsgefährdung ODER Erwerbslosigkeit ODER DeprivationEin Europa 2020-Ziel ist, di...
4Hintergrund:Armut und Ausgrenzung kann es auch in reichen Ländern gebenArmut ist ein erzwungener Mangel an Verwirklichung...
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FAKTEN ZUR ENTWICKLUNG VON HAUPTINDIKATOREN FÜR ARMUT IN ÖSTERREICH SEIT 2008
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Faktenblatt zu armut_und_sozialer_eingliederung_070580 kopie

  1. 1. FAKTEN ZUR ENTWICKLUNGVON HAUPTINDIKATOREN FÜR ARMUT IN ÖSTERREICH SEIT 2008Die EU-Strategie „Europa 2020“ aus dem Jahr 2010 definiert Ziele zur Armutsbekämpfung. Um den Fortschrittdabei messen zu können, wird der europäisch verbindliche Indikator „Armuts- oder Ausgrenzungsgefährdung“herangezogen. Er umfasst die drei Zielgruppen „Armutsgefährdung“, „erhebliche materielle Deprivation“ und„Personen in Haushalten mit keiner oder sehr niedriger Erwerbstätigkeit“. Nationale Indikatoren vertiefen undergänzen die Analysen mit spezifischen Informationen zur Entwicklung der Lebenssituation in Österreich.Europa 2020-Zielgruppe 2011 kleiner als 2008Im Jahr 2011 umfasst die Europa 2020-Sozialzielgruppe 1,4 Millionen Armuts- oder Ausgrenzungsgefährdete inÖsterreich. Diese Zahl hat sich im Vergleich zum Jahr 2008 – dem Basisjahr der Europa 2020-Strategie – um125.000 Personen verringert. 2011 waren 12,6% der Bevölkerung armutsgefährdet, 3,9% erheblich materielldepriviert und 8% (der Personen unter 60 Jahren) lebten in Haushalten mit keiner/sehr niedrigerErwerbsintensität. Da diese Merkmale in Kombination auftreten können, ist die Zahl der Armuts- oderAusgrenzungsgefährdeten geringer als die Summe der drei Einzelindikatoren.28% der Ausgrenzungsgefährdeten mehrfach benachteiligtdavon: ausschließlich 2 Merkmale gleichzeitig 3 Merkmale gleichzeitigArmuts-oderAusgrenzungsgefährdete(1.407.000)Armutsgefährdung(1.051.000)Armutsgefährdung(690.000) Armutsgefährdung undkeine/sehr geringeErwerbsintensität (181.000)und/oderkeine/sehr geringeErwerbsintensität (519.000)keine/sehr geringe Erwerbs-intensität (211.000) Armutsgefährdung und Armutsgefährdung underhebliche materielleDeprivation (80.000)keine/sehr geringeErwerbsintensität undund/odererhebliche materielleDeprivation (100.000)erhebliche materielleDeprivation (325.000)erhebliche materielleDeprivation (118.000)keine/sehr geringeErwerbsintensität underhebliche materielleDeprivation (26.000)in allen 3 MerkmalenBenachteiligte3 Merkmale der Armuts- od.Ausgrenzungsgefährdung(inkl. Überschneidungen)ausschließlich in EINEMMerkmal benachteiligtMehrfachbenachteiligte (mind. 2 von 3 Merkmale) (388.000)Ein gleichzeitiges Vorliegen mehrerer Indikatoren ist als höhere Intensität der Betroffenheit zu werten. 388.000Personen sind in mindestens zwei der drei Bereiche benachteiligt – das entspricht rund 5% der österreichischenGesamtbevölkerung oder 28% der Armuts- oder Ausgrenzungsgefährdeten. Davon sind 100.000 Personen (1%insgesamt bzw. 7% der Armuts- oder Ausgrenzungsgefährdete) in allen drei Bereichen benachteiligt.Rückgang von manifester Armut im Jahr 2011Im Jahr 2011 waren 5,2% der Bevölkerung bzw. 431.000 Personen von manifester Armut (nationale Definition)– das heißt von Armutsgefährdung und finanzieller Deprivation (nationale Definition, mind. 2 von 7 Merk-malen) betroffen. Manifeste Armut war im Jahr 2011 erstmals deutlich rückläufig. Ein Rückgang um 80.000Personen verglichen mit dem Vorjahr bedeutet, dass die Quote manifester Armut wieder unter den Wert desJahres 2008 gefallen ist.Trendwende bei verfestigter Deprivation im Jahr 2010Laut EU-SILC 2011 waren 9,7% bzw. 781.000 der in Österreich lebenden Menschen von verfestigter Deprivation(nationale Definition) betroffen. Der Kreis jener Personen, die seit mindestens zwei Jahren mit finanziellerDeprivation konfrontiert sind, hat sich seit 2010 wieder verringert. Das Niveau der verfestigten Deprivation istaber nach wie vor über dem des Jahres 2008.
  2. 2. 2Langfristige Entwicklung seit 2004: Höhere Intensität von ArmutslagenIm Unterschied zu den seit dem Jahr 2008 beobachteten Entwicklungen hat sich seit dem Jahr 2004 weder dieAnzahl der Armutsgefährdeten noch der armuts- oder ausgrenzungsgefährdeten Personen langfristig deutlichverändert. Angestiegen ist hingegen die Intensität von Armutslagen. Verglichen mit 2004 ist bis zum Jahr 2011die Gruppe jener Personen, die von mindestens zwei der drei Problembereiche – Armutsgefährdung,erhebliche materielle Deprivation und Haushalt mit keiner oder sehr niedriger Erwerbsintensität – betroffensind, um 106.000 auf 388.000 Personen gewachsen. Ihr Anteil unter den Ausgrenzungsgefährdeten stieg von19% auf 28%.Wichtige Indikatoren zu Armut und sozialer Eingliederung auf einen BlickDie Tabelle zeigt Trends in EU-weit harmonisierten sowie nationalen Hauptindikatoren zu Armut seit 2008. Fürlängerfristige Entwicklungen und einen ausführlicheren Indikatorenüberblick siehe:http://www.statistik.at/web_de/statistiken/soziales/armut_und_soziale_eingliederung/index.html2008 2009 2010 2011in 1.000 in % in 1.000 in % in 1.000 in % in 1.000 in % Indexwert1)Europa 2020 IndikatorenArmuts- oder Ausgrenzungsgefährdung 1.532 18,6 1.406 17,0 1.373 16,6 1.407 16,9 91Bereiche der Armuts- oder AusgrenzungsgefährdungArmutsgefährdung 1.018 12,4 993 12,0 1.004 12,1 1.051 12,6 102Keine/sehr niedrige Erwerbsintensität 503 7,8 461 7,2 497 7,7 519 8,0 103Erhebliche materielle Deprivation 524 6,4 395 4,8 356 4,3 325 3,9 61Wichtige nationale IndikatorenManifeste Armut 495 6,0 488 5,9 511 6,2 431 5,2 87Verfestigte Deprivation 713 9,0 957 11,9 855 10,6 781 9,7 108Q: STATISTIK AUSTRIA, EU-SILC. - 1) Indexwert; fixiert auf das Jahr 2008 (2008 = 100%). Durch den Index wird die prozentuelle Veränderung des Anteils imVergleich zu 2008 ausgedrückt, so bedeutet 105 eine Steigerung um 5%.
  3. 3. 3DEFINITIONEN:EUROPA 2020-Zielgruppe = Armutsgefährdung ODER Erwerbslosigkeit ODER DeprivationEin Europa 2020-Ziel ist, die Zahl der von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedrohten Personen in der EU biszum Jahr 2020 um 20 Millionen zu senken (Ausgangswert 2008: rund 120 Millionen). Die Zielgruppe umfasstPersonen, auf die mindestens eines von drei Kriterien zutrifft: Armutsgefährdung oder keine/sehr niedrigeErwerbsintensität im Haushalt oder erhebliche materielle Deprivation. Die Österreichische Bundesregierunghat sich zum Ziel gesetzt, die Zahl der rund 1,4 Millionen in diesem Sinne Armuts- undAusgrenzungsgefährdeten um mindestens 235.000 Personen bis zum Jahr 2020 zu verringern.Armutsgefährdung = geringes EinkommenAls armutsgefährdet gelten in der Europäischen Union jene Haushalte, deren (äquivalisierte)Haushaltseinkommen unter dem Grenzwert von 60% des Medians aller Haushaltseinkommen des Landesliegen. Schwellenwert für Armutsgefährdung war in Österreich in EU-SILC 2011 ein Betrag von 1.066 Euro proMonat für Alleinlebende, plus 320 Euro pro Monat für jedes Kind und 533 Euro pro Monat für jeden weiterenErwachsenen.Geringe Erwerbsintensität = mangelnde Arbeitsmarkteinbindung der HaushaltsmitgliederEin Haushalt mit geringer Erwerbsintensität schöpft maximal 20% seines Erwerbspotenzials aus.Deprivation = Einschränkungen bei GrundbedürfnissenUm die Einschränkungen der Lebensführung (Deprivation) direkt berücksichtigen zu können, sind Kriterien fürGrundbedürfnisse festzulegen. In Österreich wurde im Jahr 2008 erstmals breiter Konsens über eine solcheListe von 7 Merkmalen für den „absolut notwendigen Mindestlebensstandard in Österreich“ erzielt. Ein Jahrspäter wurde auch von der EU ein Kriterienkatalog von 9 Merkmalen aufgestellt. Festzulegen ist auch, abwelcher Zahl der Merkmale jemand als depriviert gilt. In Österreich wurde die Schwelle bei 2 oder mehr voninsgesamt 7 Merkmalen gezogen. Die heutige EU-Definition für „erhebliche materieller Deprivation“ (in„Armuts- oder Ausgrenzungsgefährdung“ verwendet) geht hingegen von mindestens 4 von 9 Merkmalen aus.Die Wahl der Kriterien und des Schwellenwertes bestimmt, wie viele Menschen als depriviert gezählt werden.Diese Entscheidungen haben aber meist keinen Einfluss darauf, welche Bevölkerungsgruppen besondersbetroffen sind und ob die Zahl über die Zeit zu- oder abnimmt.Manifeste Armut = Geringes Einkommen UND DeprivationGeringes Einkommen bedeutet in reichen Gesellschaften nicht automatisch Armut, wenn z.B. die Versorgungmit öffentlichen Dienstleistungen auch ohne Geld gewährleistet ist, oder Vermögen vorhanden ist.Armutsgefährdung wird aber sichtbar, wenn es gleichzeitig zu Einschränkungen bei Grundbedürfnissen kommt.Die nationale Plattform gegen Armut hat deshalb im Juni 2012 einen nationalen Indikator für manifeste Armutangenommen. Dieser Indikator bezieht sich auf jene Personen, die gleichzeitig armutsgefährdet sind (60% vomMedian) und nach dem nationalen Kriterienkatalog bei mindestens 2 von 7 Merkmalen depriviert sind.Verfestigte Deprivation = 2 Jahre oder länger depriviertIm Laufe ihres Lebens sind viele Menschen irgendwann mit materiellen Einschränkungen konfrontiert.Entscheidend ist, ob damit ein länger andauernder Prozess sozialer Ausgrenzung beginnt. Um solcheEntwicklungen frühzeitig zu erkennen, berechnet Statistik Austria die Zahl jener Menschen, die schon in zweiaufeinanderfolgenden Jahren von finanzieller Deprivation (nach nationaler Definition) betroffen sind.EU-Definition (4 von 9)Erhebliche materielle DeprivationNationale Definition (2 von 7)Finanzielle Deprivation− Zahlungsrückstände (Miete, Betriebskosten, Kredit…),− unerwartete Ausgaben nicht leistbar,− Wohnung angemessen warm halten nicht leistbar,− Regelm. Fleisch, Fisch bzw. vegetarisch essen nicht leistbar− einmal im Jahr Urlaub nicht leistbar,− PKW nicht leistbar,− Waschmaschine nicht leistbar,− Farbfernsehgerät nicht leistbar,− weder Telefon noch Handy leistbar− Arzt- / Zahnarztbesuche nicht leistbar;− neue Kleidung kaufen nicht leistbar;− Freunde 1x/ Monat einladen nicht leistbar
  4. 4. 4Hintergrund:Armut und Ausgrenzung kann es auch in reichen Ländern gebenArmut ist ein erzwungener Mangel an Verwirklichungschancen in einer Gesellschaft.1Ausgrenzung entsteht,wenn Einschränkungen beginnen sich von selbst verstärken, also zum Beispiel in bestimmten Wohngegendenoder Bevölkerungsgruppen und auch zwischen den Generationen weitergegeben werden. In reichenGesellschaften ist geringes Einkommen nur eines von vielen Kriterien, an denen solche Armutslagen sichtbarwerden.Die Definition von Armut als Spiegel der GesellschaftsverfassungJede Definition von Armut hängt von gesellschaftlichen Grundwerten ab. Die Messung von Indikatoren fürArmut wird deshalb überhaupt nur in einem politischen Konsens möglich. Der EU-Indikator fürArmutsgefährdung wurde im Jahr 2000 von den Mitgliedsstaaten als Strukturindikator für die sogenannteLissabon Strategie beschlossen und im Jahr 2010 für die Europa 2020 Strategie modifiziert. In Österreich wirdtraditionell die breite Einbindung in Arbeitsmarkt, Wohnen, Bildung und Gesundheit betont. Im Jahr 2008wurden deshalb ergänzende nationale Kriterien für soziale Eingliederung entwickelt. Der Indikatorenkatalogwurde durch ein Komitee aus Fachleuten und Sozialpartnerorganisationen ausgewählt und im Jahr 2012 durchdie nationale Plattform gegen Armut überarbeitet bzw. ergänzt.Gesetzlicher Auftrag zur Erhebung von Lebensbedingungen und Indikatoren für ArmutIn allen EU-Staaten sind die Nationalen Statistikinstitutionen durch eine gemeinsame Verordnung desEuropäischen Rats und des Europäischen Parlaments verpflichtet, Statistiken zu Einkommen undLebensbedingungen (EU-SILC) zu erstellen.2Hauptzweck ist die jährliche Berechnung von Indikatoren zurArmut. Statistik Austria muss strenge Qualitätsvorgaben erfüllen und internationale Definitionenberücksichtigen. In Österreich werden seit 2004 in dieser Erhebung jährlich etwa 6.000 Haushalte befragt.1Diese Ansicht geht insbesondere auf den Ökonomienobelpreisträger Amartya Sen zurück.2VERORDNUNG(EG)1177/2003 DES EUROPÄISCHEN PARLAMENTS & RATES vom 16. Juni 2003 für die Gemeinschaftsstatistik über Einkommen undLebensbedingungen (EU-SILC): „Damit sie ihren Aufgaben insbesondere im Anschluss an die Tagungen des Europäischen Rates in Lissabon, Nizza, Stockholmund Laeken im März bzw. Dezember 2000 und im März bzw. Dezember 2001 gerecht werden kann, sollte die Kommission über die Einkommensverteilung, denUmfang und die Zusammensetzung von Armut und sozialer Ausgrenzung in den Mitgliedstaaten auf dem Laufenden gehalten werden.“ Die Methode derDatenerfassung ist durch 5 Durchführungsverordnungen der EU-Kommission genau geregelt: VO(EG) Nr. 1980/2003 (Definitionen), VO(EG) Nr. 1981/2003(Feldarbeit), VO(EG) Nr. 1982/2003 (Stichprobe), VO(EG) Nr. 1983/2003 (Variablen), VO(EG) Nr. 28/2004 (Qualität). Auch national wurde die Durchführung derErhebung in einer Verordnung des Bundesministeriums für Soziales, Arbeit und Konsumentenschutz (ELStV 2010) geregelt.

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