Studie der Statistik Austria im Auftrag des BMASKARMUTS- UND AUSGRENZUNGSGEFÄHRDUNGIN ÖSTERREICHErgebnisse aus EU-SILC 201...
IMPRESSUMMedieninhaber und Herausgeber: Bundesministerium für Arbeit, Soziales und Konsumenten-Redaktion: Nadja Lamei (Pro...
VORWORTVorwortDie vorliegende Studie dokumentiert die Einkommens- und Lebensbedingungen in Österreich auf Basis derEU-SILC...
VORWORTIm Fokus der vorliegenden Studie stehen die sogenannten „Working Poor“, die armutsgefährdeten erwerbs-tätigen Perso...
VORWORTVorwortDie vorliegende Publikation von Statistik Austria widmet sich Gefährdungslagen sozialer Ausgrenzung undsetzt...
VORWORTGrundlage des vorliegenden Berichts sind Daten aus der EU-SILC Erhebung 2011 zu Einkommen, Armut undLebensbedingung...
INHALTSVERZEICHNIS5INHALTSVERZEICHNIS1. AUFBAU UND ZUSAMMENFASSUNG DES BERICHTS 111.1 Aufbau des Berichts 111.2 Zusammenfa...
INHALTSVERZEICHNIS66. ÜBERSCHNEIDUNGEN IN DEN PROBLEMBEREICHEN SOZIALERARMUTS- ODER AUSGRENZUNGSGEFÄHRDUNG 816.1 Lebenssta...
GRAFIKVERZEICHNIS7GRAFIKVERZEICHNISGrafik 1: Armuts- oder Ausgrenzungsgefährdung in den EU-27-Staaten 20Grafik 2: Überlapp...
GRAFIKVERZEICHNIS8Grafik 31: Erwerbshindernisse und Langzeitbeschäftigungslosigkeit 109Grafik 32: Bildungsaktivität 109Gra...
ÜBERSICHTSTABELLEN9ÜBERSICHTSTABELLENÜbersicht 1: Teilgruppen der Armuts- oder Ausgrenzungsgefährdung 2004 und2008 bis 201...
ÜBERSICHTSTABELLEN10Übersicht 28: Hauptaktivität der 18- bis 59-Jährigen nach Erwerbsintensität desHaushalts 77Übersicht 2...
AUFBAU UND ZUSAMMENFASSUNG DES BERICHTS111. AUFBAU UND ZUSAMMENFASSUNG DES BERICHTSDie EU-Strategie „Europa 2020“ für inte...
AUFBAU UND ZUSAMMENFASSUNG DES BERICHTS12Homepage von Statistik Austria und der des BMASKzur Verfügung gestellt:www.statis...
AUFBAU UND ZUSAMMENFASSUNG DES BERICHTS131.2 ZusammenfassungIm Jahr 2011 umfasst die Europa 2020-Sozialziel-gruppe 1,4 Mil...
AUFBAU UND ZUSAMMENFASSUNG DES BERICHTS14Einkommensgruppe des30 bis85 Perzentils– die mitt-leren Einkommen – gegenüber dem...
AUFBAU UND ZUSAMMENFASSUNG DES BERICHTS15unverändert: 5,4% aller regelmäßig Erwerbstätigenhaben 2011 ein Haushaltseinkomme...
AUFBAU UND ZUSAMMENFASSUNG DES BERICHTS16Ausgrenzungsgefährdeten sogar stärker als für dieGesamtbevölkerung. Inzwischen be...
EUROPÄISCHE INDIKATOREN UND ZIELGRÖSSEN FÜR SOZIALE EINGLIEDERUNG IM RAHMEN DER STRATEGIE „EUROPA 2020“172. EUROPÄISCHE IN...
EUROPÄISCHE INDIKATOREN UND ZIELGRÖSSEN FÜR SOZIALE EINGLIEDERUNG IM RAHMEN DER STRATEGIE „EUROPA 2020“18In den jährlichen...
EUROPÄISCHE INDIKATOREN UND ZIELGRÖSSEN FÜR SOZIALE EINGLIEDERUNG IM RAHMEN DER STRATEGIE „EUROPA 2020“19Die Größenordnung...
EUROPÄISCHE INDIKATOREN UND ZIELGRÖSSEN FÜR SOZIALE EINGLIEDERUNG IM RAHMEN DER STRATEGIE „EUROPA 2020“20Ausgrenzungsgefäh...
EUROPÄISCHE INDIKATOREN UND ZIELGRÖSSEN FÜR SOZIALE EINGLIEDERUNG IM RAHMEN DER STRATEGIE „EUROPA 2020“212011: 211.000, +/...
EUROPÄISCHE INDIKATOREN UND ZIELGRÖSSEN FÜR SOZIALE EINGLIEDERUNG IM RAHMEN DER STRATEGIE „EUROPA 2020“22knapp die Hälfte ...
EUROPÄISCHE INDIKATOREN UND ZIELGRÖSSEN FÜR SOZIALE EINGLIEDERUNG IM RAHMEN DER STRATEGIE „EUROPA 2020“23Übersicht1:Teilgr...
EUROPÄISCHE INDIKATOREN UND ZIELGRÖSSEN FÜR SOZIALE EINGLIEDERUNG IM RAHMEN DER STRATEGIE „EUROPA 2020“24reichen betroffen...
EUROPÄISCHE INDIKATOREN UND ZIELGRÖSSEN FÜR SOZIALE EINGLIEDERUNG IM RAHMEN DER STRATEGIE „EUROPA 2020“25den Nicht-Ausgren...
EUROPÄISCHE INDIKATOREN UND ZIELGRÖSSEN FÜR SOZIALE EINGLIEDERUNG IM RAHMEN DER STRATEGIE „EUROPA 2020“26österreichischer ...
EUROPÄISCHE INDIKATOREN UND ZIELGRÖSSEN FÜR SOZIALE EINGLIEDERUNG IM RAHMEN DER STRATEGIE „EUROPA 2020“27Übersicht 3: Ausg...
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ARMUTSGEFÄHRDUNG UND „WORKING POOR“ IN ÖSTERREICH293. ARMUTSGEFÄHRDUNG UND „WORKING POOR“ IN ÖSTERREICHIn diesem Kapitel e...
ARMUTSGEFÄHRDUNG UND „WORKING POOR“ IN ÖSTERREICH30Erhebung aus Gründen erschwerter Erreichbarkeitunterrepräsentiert, was ...
ARMUTSGEFÄHRDUNG UND „WORKING POOR“ IN ÖSTERREICH31Werden die Einkommensbestandteile mit Hilfe der imobigen Abschnitt besc...
ARMUTSGEFÄHRDUNG UND „WORKING POOR“ IN ÖSTERREICH32interpretiert werden. Mit einer Höhe von 21.319 Europro Jahr hat demnac...
ARMUTSGEFÄHRDUNG UND „WORKING POOR“ IN ÖSTERREICH33Im Folgenden wird der Monatswert immer als Jahres-zwölftel mit 1.066 Eu...
ARMUTSGEFÄHRDUNG UND „WORKING POOR“ IN ÖSTERREICH34Alternative ArmutsgefährdungsschwellenFür eine EU-weite und vergleichba...
ARMUTSGEFÄHRDUNG UND „WORKING POOR“ IN ÖSTERREICH35rücksichtigt sind in diesem Wert allfällige Ansprücheauf Miet- oder Woh...
ARMUTSGEFÄHRDUNG UND „WORKING POOR“ IN ÖSTERREICH36Haushaltseinkommen sehr wahrscheinlich nicht zumBesseren gewendet hat.2...
ARMUTSGEFÄHRDUNG UND „WORKING POOR“ IN ÖSTERREICH37Die Gruppe der Armutsgefährdeten besteht aus268.000 Kindern und Jugendl...
ARMUTSGEFÄHRDUNG UND „WORKING POOR“ IN ÖSTERREICH38Nach Bildungsabschluss und Staatsbürgerschaftzeigt sich: Je höher der B...
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  1. 1. Studie der Statistik Austria im Auftrag des BMASKARMUTS- UND AUSGRENZUNGSGEFÄHRDUNGIN ÖSTERREICHErgebnisse aus EU-SILC 2011EinkommenManifeste ArmutEinkommenslückeVerfestigteDeprivationZahlungsproblemeÜberbelagPrekäre WohnqualitätBelastende WohnumgebungSehr hoher WohnungsaufwandRegistrierte WohnungslosigkeitArbeitsmarktferneHaushaltseinkommen aus Erwerbsarbeitunter der ArmutsgefährdungsschwelleWorkingPoorLangzeitbeschäftigungslosigkeitBildungsaktivitätBildungsferneJugendlicheGesundheitseinschränkungenSoziale LebenserwartungsdifferenzenVorschulischeBildungLebensstandardWohnraum ErwerbslebenErwerbshindernisseBildungschancenGesundheitSehr niedrigeErwerbsintensitätMehrfach-AusgrenzungsgefährdeteErhebliche materielle DeprivationArmutsgefährdungSOZIALTELEFONBürgerservice des SozialministeriumsTel.: 0800 - 20 16 11Mo bis Fr 08:00 - 12:00 UhrDo 08:00 - 16:00 UhrPFLEGETELEFONTel.: 0800 - 20 16 22Mo bis Do 08:00 - 16:00 UhrFr 8:00 - 13:00 UhrFax: 0800 - 22 04 90pflegetelefon@bmask.gv.atBROSCHÜRENSERVICETel.: 0800 - 20 20 74broschuerenservice@bmask.gv.athttps://broschuerenservice.bmask.gv.atALLGEMEINE FRAGENpost@bmask.gv.atBUNDESMINISTERIUM FÜRARBEIT, SOZIALES UNDKONSUMENTENSCHUTZStubenring 1, 1010 WienTel.: +43 1 711 00 - 0www.bmask.gv.at
  2. 2. IMPRESSUMMedieninhaber und Herausgeber: Bundesministerium für Arbeit, Soziales und Konsumenten-Redaktion: Nadja Lamei (Projektleitung EU-SILC), Matthias Till(Nationale Indikatoren für soziale Eingliederung), Marc Plate, Thomas Glaser, Richard Heuberger,Layout: Waltraud Unger (Sta-Lektorat: Verlags- und Herstellungsort: Druck: BMASK1. Auflage: ISBN 978-3-85010-318-3Alle Rechte vorbehalten:Zu beziehen bei BMASK-Bestellservice 0800/20 20 74 oder https://broschuerenservice.bmask.gv.atJede Verwertung (auch auszugsweise) ist ohne schriftliche Zustimmung des Medieninhabersunzulässig. Dies gilt insbesondere für jede Art der Vervielfältigung, der Übersetzung, derMikroverfilmung, der Wiedergabe in Fernsehen und Hörfunk, sowie der Verarbeitung undEinspeicherung in elektronische Medien, wie z. B. Internet oder CD-Rom.
  3. 3. VORWORTVorwortDie vorliegende Studie dokumentiert die Einkommens- und Lebensbedingungen in Österreich auf Basis derEU-SILC-Daten, die jährlich in allen Mitgliedstaaten der Europäischen Union erhoben werden. Sie präsentiertneben der Einkommensarmut auch die Entwicklung der sozialen Ungleichheit, die Lebensbereiche Wohnen,Bildung und Gesundheit sowie die sozialen Teilhabechancen in Österreich.Die Ergebnisse zeigen, dass die Anzahl der armutsgefährdeten Menschen trotz Krise stabil blieb, vor allemwegen der Steuerreform 2008, der Lohnabschlüsse, der Einführung der Bedarfsorientierten Mindestsicherungund weiteren sozial- und beschäftigungspolitischen Maßnahmen. Gerade in wirtschaftlich schlechten Zeitenhaben die Sozialleistungen eine stabilisierende Funktion für die individuellen und gesellschaftlichen Lebens-bedingungen. Sie verringern die Armutsgefährdung deutlich und tragen zur Aufrechterhaltung des privatenKonsums und damit letztlich auch zur wirtschaftlichen Erholung bei. Jede Person profitiert in den einzelnenLebensabschnitten – als Kind, im Erwerbsalter und in der Pension – vom Sozialstaat.Wie bereits in den früheren Veröffentlichungen der EU-SILC-Daten in der Sozialpolitischen Studienreihe stellendie Indikatoren der Europa 2020-Strategie einen Schwerpunkt der Publikation dar. Mit dieser Strategie hatsich die EU das Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2020 20 Millionen Menschen aus Armut und sozialer Ausgrenzungherauszuführen. Zur Umsetzung hat Österreich im Gegensatz zu anderen Mitgliedstaaten auch quantitativeZiele festgelegt: Die Zahl der von Armut oder Ausgrenzung bedrohten Menschen soll in diesem Zeitraum um235.000 Personen verringert werden. Aktuelle Daten zeigen, dass Österreich auf einem guten Weg ist, diesesZiel zu erreichen.Die im Jahr 2012 von Statistik Austria, der Österreichischen Armutsplattform und dem BMASK überarbeitetennationalen Eingliederungsindikatoren vertiefen und ergänzen die Analysen mit spezifischen Informationenzur Entwicklung der Lebenssituation in Österreich. Verbesserungen gab es in den Bereichen Bildung undGesundheit, in den anderen Bereichen Wohnraum, Erwerbsleben und Lebensstandard werden ambivalenteEntwicklungen aufgezeigt. Die steigenden Armutsgefährdungsschwellen und sinkenden Zahlen von Niedrig-lohnbezieherInnen zeigen Verbesserungen der Einkommenssituation auf, während die Anstiege bei verfestigterDeprivation und Langzeitbeschäftigungslosigkeit auf Verschlechterungen für bestimmte Personengruppenhindeuten. Auch die Anzahl der von hohen Wohnkosten betroffenen Personen nimmt stetig zu. Aktuelle Datenweisen auch auf eine Verringerung der manifesten Armut hin.BMASK
  4. 4. VORWORTIm Fokus der vorliegenden Studie stehen die sogenannten „Working Poor“, die armutsgefährdeten erwerbs-tätigen Personen. Ihr Anteil hat sich in Österreich seit 2005 kontinuierlich verringert und liegt derzeit mit5,4% weit unter dem EU-27-Durchschnitt von 8,9%. Gründe für die positive Entwicklung sind die höhereBeschäftigungsquote von Frauen, der relativ geringe Anteil prekärer und gering entlohnter Beschäftigungs-formen und der hohe Anteil kollektivvertraglich geregelter Beschäftigungsverhältnisse. Mit Blickauf steigendeTeilzeitquoten bei Frauen und Männern sowie auf immer noch bestehende bildungs- und geschlechtsspezi-fische Lohnungleichheiten stellen die „Working Poor“ jedoch eine bedeutende Zielgruppe einer gerechtenArbeits- und Sozialpolitik dar.Als Arbeits- und Sozialminister ist es mir ein wichtiges Anliegen, die Arbeitsmarktintegration weiter zu er-höhen, und damit auch monetäre Armut von vornherein zu vermeiden. Dabei sollen alle Personen, die einespezielle Förderung zur Arbeitsmarktintegration benötigen, besonders unterstützt werden. Nur Erwerbsarbeit,die ausreichend bezahlt wird, kann die Spirale von Armut und sozialer Ausgrenzung verhindern. Gleichzeitigmuss der Sozialstaat gesichert werden, um eine Wahrung und Verbesserung des Lebensstandards für alleMenschen in Österreich auch in Zukunft zu gewährleisten.Bundesminister Rudolf Hundstorfer
  5. 5. VORWORTVorwortDie vorliegende Publikation von Statistik Austria widmet sich Gefährdungslagen sozialer Ausgrenzung undsetzt damit die im Vorjahr begonnene Berichterstattung über die Sozialzielgruppe im Sinne der Europa2020-Strategie fort. Ihre Zusammensetzung und zahlenmäßige Entwicklung in Österreich wird vor demHintergrund der europäischen und nationalen Ziele zur Reduktion von Armuts- oder Ausgrenzungsgefähr-dung dargestellt. Im Fokus der Analyse stehen diesmal die sogenannten „Working Poor“ – Menschen, dietrotz regelmäßiger Erwerbstätigkeit armutsgefährdet sind. Ergänzend zu den europäisch vergleichbarenIndikatoren werden österreichspezifische Aspekte von sozialer Ausgrenzung im Monitoring des natio-nalen Indikatorensets zur sozialen Eingliederung präsentiert. Ziel des Berichts ist es somit, verschiedeneDimensionen von Ausgrenzungsgefährdung zu beschreiben und durch diese Gesamtschau an Indikatorenein zuverlässiges Bild über die Lage der Ausgrenzungsgefährdeten sowie über (multiple) Betroffenheit vonProblemlagen zu erhalten.Die EU-Strategie „Europa 2020“ für intelligentes, nachhaltiges und integratives Wachstum in Europa aus demJahr 2010 umfasst unter anderem Ziele zur Armutsbekämpfung. Die Mitgliedstaaten haben ihre Beiträge undZielsetzungen festzulegen: In Österreich wurde das Reduktionsziel hinsichtlich von Armut oder Ausgrenzungbedrohter Personen mit 235.000 Personen bis zum Jahr 2020 angegeben. Um den Fortschritt messen zukönnen, wird der europäisch verbindliche Indikator „Armuts- oder Ausgrenzungsgefährdung“ herangezogen.Er umfasst die drei Zielgruppen „Armutsgefährdung“, „erhebliche materielle Deprivation“ und „Personen inHaushalten mit keiner oder sehr niedriger Erwerbstätigkeit“. Der umfassenden statistischen Analyse dieserZielgruppen und einer zeitnahen Berichterstattung zu Problemlagen und Veränderungen kommt besondereBedeutung zu. Neben den Charakteristika der jeweiligen Gruppen für Österreich stehen auch immer zeitlicheEntwicklungen sowie Vergleiche auf europäischer Ebene im Mittelpunkt.Besonderes Augenmerk wird in der vorliegenden Studie der Schnittmenge zwischen Erwerbsarbeit und Ar-mutsgefährdung geschenkt. Trotz ihrer niedrigeren prozentuellen Betroffenheit stellen Erwerbstätige einegroße Gruppe der Armutsgefährdeten dar. Möglichen Gründen für das Phänomen der „Working Poor“ wirdnachgegangen. Die Berichterstattung zu den Europa 2020-Armutszielen wird um ein Kapitel zur Rolle derSozialleistungen für Umverteilung und Armutsreduktion ergänzt. Der im Auftrag des BMASK erstellte undjährlich aktualisierte Katalog zu nationalen Eingliederungsindikatoren erweitert die Befunde zu Armut undsozialer Eingliederung in Österreich.STAT/APA-Fotoservice/Preiss
  6. 6. VORWORTGrundlage des vorliegenden Berichts sind Daten aus der EU-SILC Erhebung 2011 zu Einkommen, Armut undLebensbedingungen. Diese Erhebung wird seit 2003 jährlich von Statistik Austria im Auftrag des BMASKdurchgeführt und ist seit 2010 in einer nationalen Verordnung (BGBl. II Nr. 277/2010) geregelt.Methodische Details und Kohärenzvergleiche der Studie sowie ein umfassender Tabellenband sind auf denWebsites von Statistik Austria und des BMASK abrufbar.Dr. Konrad PesendorferFachstatistischer GeneraldirektorSTATISTIK AUSTRIA
  7. 7. INHALTSVERZEICHNIS5INHALTSVERZEICHNIS1. AUFBAU UND ZUSAMMENFASSUNG DES BERICHTS 111.1 Aufbau des Berichts 111.2 Zusammenfassung 132. EUROPÄISCHE INDIKATOREN UND ZIELGRÖSSEN FÜR SOZIALE EINGLIEDERUNGIM RAHMEN DER STRATEGIE „EUROPA 2020“ 172.1 Aufbau der Strategie „Europa 2020“ 172.2 Definition der Europa 2020-Sozialzielgruppe: Armuts- oder Ausgrenzungs-gefährdete 192.3 Entwicklung und Struktur der Europa 2020-Sozialzielgruppe: Armuts- oderAusgrenzungsgefährdete 192.3.1 Teilgruppen der Armuts- oder Ausgrenzungsgefährdung 202.3.2 Sozialstruktur der armuts- oder ausgrenzungsgefährdeten Personen 243. ARMUTSGEFÄHRDUNG UND „WORKING POOR“ IN ÖSTERREICH 293.1 Armutsgefährdung 293.1.1 Ausmaß und Intensität der Armutsgefährdung 303.1.2 Soziale Zusammensetzung der betroffenen Bevölkerung 363.1.3 Dauerhafte Armutsgefährdung zwischen 2008 und 2011 383.2 Im Fokus: Armutsgefährdung trotz Erwerbsarbeit – „Working Poor“ 403.2.1 Armutsgefährdung von Personen im Erwerbsalter 403.2.2 „Working Poor“ in Österreich und der EU 423.2.3 Das Zusammenspiel zwischen individuellen Erwerbsfaktoren und demHaushaltskontext 453.2.4 „Working Poor“ in der Längsschnittbetrachtung 553.2.5 Schlussfolgerungen 594. ERHEBLICHE MATERIELLE DEPRIVATION (EU-DEFINITION) 614.1 Zusammensetzung der Zielgruppe 664.2 Armutsgefährdung und erhebliche materielle Deprivation 684.3 „Working Poor“ und erhebliche materielle Deprivation 705. PERSONEN IN HAUSHALTEN MIT KEINER ODER SEHR NIEDRIGERERWERBSINTENSITÄT 735.1 Zusammensetzung der Zielgruppe 745.2 Niedrige Erwerbsintensität und Armutsgefährdung 795.3 Spezifische Entstehungszusammenhänge niedriger Erwerbsintensität 79
  8. 8. INHALTSVERZEICHNIS66. ÜBERSCHNEIDUNGEN IN DEN PROBLEMBEREICHEN SOZIALERARMUTS- ODER AUSGRENZUNGSGEFÄHRDUNG 816.1 Lebensstandard der Mehrfach-Ausgrenzungsgefährdeten 826.2 Risikofaktoren für mehrfache Ausgrenzungsgefährdung 837. UMVERTEILUNGSWIRKUNG DER SOZIALLEISTUNGEN 857.1 Anteil der Sozialleistungen und Pensionen am Haushaltseinkommen 857.2 Armutsgefährdung nach Haupteinkommensquelle 877.3 Armutsgefährdung vor und nach Sozialleistungen und Pensionen 887.4 Umverteilungswirkung der Sozialleistungen im europäischen Vergleich 918. ÖSTERREICHS INDIKATOREN FÜR SOZIALE EINGLIEDERUNG 938.1 20 Nationale Indikatoren 938.2 Kaufkraftgewinne und Erholung bei manifester Armut 968.3 Wohnen wird besser, aber auch teurer 1028.4 Erwerbsbeteiligung und Löhne steigen mäßig 1068.5 Steigende Bildungsaktivität 1098.6 Gesundheitsungleichheiten bleiben bestehen 1129. ANHANG 1159.1 Methodisches zu EU-SILC 1159.2 Literatur 116
  9. 9. GRAFIKVERZEICHNIS7GRAFIKVERZEICHNISGrafik 1: Armuts- oder Ausgrenzungsgefährdung in den EU-27-Staaten 20Grafik 2: Überlappung von Problembereichen der Europa 2020-Zielgruppearmuts- oder ausgrenzungsgefährdeter Personen 21Grafik 3: Teilgruppen der Ausgrenzungsgefährdung im Zeitverlauf 24Grafik 4: Armutsgefährdung in den EU-27-Staaten 30Grafik 5: Äquivalisiertes Haushaltseinkommen: Einkommensverteilung 2010und 2011 31Grafik 6: Armutsgefährdungslücke der äquivalisierten Medianeinkommen 36Grafik 7: Armutsgefährdung von Erwerbspersonen in den EU-27-Staaten 43Grafik 8: Armutsgefährdung von Erwerbspersonen und Arbeitslosenquoten inden EU-27-Staaten 44Grafik 9: Zufriedenheit mit der Haupttätigkeit für „Working Poor“ und Personenin prekären Beschäftigungsformen 49Grafik 10: Erheblich materiell deprivierte Personen in den EU-27-Staaten – Quote 63Grafik 11: Prozentsatz der erheblich materiell deprivierten Personen und Personenin anderen Haushalten nach Anzahl der Deprivationsmerkmale 64Grafik 12: Ausgewählte Deprivationsmerkmale bei armutsgefährdeten Personen 69Grafik 13: Keine oder sehr niedrige Erwerbsintensität in den EU-27-Staaten 73Grafik 14: Personen in Haushalten mit keiner oder sehr niedriger Erwerbsintensitätnach Altersgruppen und Geschlecht 76Grafik 15: Verteilung der unter 60-Jährigen in Haushalten mit keiner oder sehrniedriger Erwerbsintensität auf Dezilgruppen des äquivalisiertenNettohaushaltseinkommens 78Grafik 16: Teilgruppen der Mehrfach-Ausgrenzungsgefährdeten 81Grafik 17: Lebensstandard der Mehrfach-Ausgrenzungsgefährdeten im Vergleich 83Grafik 18: Armutsgefährdungsquote nach Haupteinkommensquelle des Haushalts 88Grafik 19: Armutsgefährdung vor und nach Sozialleistungen und Pensionen derEU-27-Staaten 92Grafik 20: Median-Haushaltseinkommen (standardisiert und preisbereinigt) 97Grafik 21: Einkommenslücke 2004 bis 2011 98Grafik 22: Manifeste Armut 99Grafik 23: Verfestigte Deprivation 101Grafik 24: Überbelag 102Grafik 25: Prekäre Wohnqualität 103Grafik 26: Belastende Wohnumgebung 103Grafik 27: Sehr hoher Wohnkostenanteil 104Grafik 28: Arbeitsmarktfernenquote 106Grafik 29: Haushaltseinkommen aus Erwerbsarbeit unter Gefährdungsschwelle 107Grafik 30: Löhne unter 2/3 des Bruttomedianlohns 108
  10. 10. GRAFIKVERZEICHNIS8Grafik 31: Erwerbshindernisse und Langzeitbeschäftigungslosigkeit 109Grafik 32: Bildungsaktivität 109Grafik 33: Bildungsferne Jugendliche 110Grafik 34: Besuch von vorschulischen Bildungseinrichtungen 111Grafik 35: Mehrfache Gesundheitseinschränkungen 112Grafik 36: Fernere Lebenserwartung mit 35 Jahren 1981/82 bis 2006/07 113
  11. 11. ÜBERSICHTSTABELLEN9ÜBERSICHTSTABELLENÜbersicht 1: Teilgruppen der Armuts- oder Ausgrenzungsgefährdung 2004 und2008 bis 2011 23Übersicht 2: Soziale Zusammensetzung der Armuts- oder Ausgrenzungsgefährdeten 25Übersicht 3: Ausgewählte Haushaltsmerkmale der Armuts- oder Ausgrenzungs-gefährdeten 27Übersicht 4: Bestandteile des Haushaltseinkommens in EU-SILC 30Übersicht 5: Armutsgefährdungsschwelle bei 60% des Medians für unterschiedlicheHaushaltstypen 32Übersicht 6: Armutsgefährdungsschwelle und Armutsgefährdungsquote imZeitverlauf 33Übersicht 7: Einkommen und Lücke der Armutsgefährdeten bei unterschiedlichenSchwellen 35Übersicht 8: Armutsgefährdungsquote nach Geschlecht und Alter im Zeitverlauf 37Übersicht 9: Armutsgefährdungsquote nach Haushaltstyp im Zeitverlauf 37Übersicht 10: Häufigkeit des Auftretens von Armutsgefährdung 2008 bis 2011 39Übersicht 11: Armutsgefährdung von Personen im Erwerbsalter nach Haupttätigkeitim Vorjahr 41Übersicht 12: „Working Poor“ in Österreich 2004 und 2008 bis 2011 44Übersicht 13: Soziodemographisches Profil von Erwerbstätigen im Erwerbsalternach Armutsrisiko 47Übersicht 14: Armutsgefährdung in prekären Beschäftigungsformen und beiniedrigem Einkommen (weniger als 2/3 des Medianstundenlohns) 49Übersicht 15: „Working Poor“ nach Haushaltstyp 51Übersicht 16: Erwerbsintensität des Haushalts und Armutsgefährdung 52Übersicht 17: Erwerbstätigkeit der Frauen und Armutsgefährdung in Familien (in %) 53Übersicht 18: Personen in „Working Poor“ Haushalten nach Haushaltsmerkmalen 54Übersicht 19: Häufigkeit des Auftretens von „Working Poor“ 2008 bis 2011 55Übersicht 20: Änderungen im Erwerbsstatus im Vergleich zum Vorjahr 56Übersicht 21: Änderungen im Erwerbsstatus von 2010 auf 2011 für niedrige undhöhere Einkommen 58Übersicht 22: Bestimmungsmerkmale für erhebliche materielle Deprivation 63Übersicht 23: Betroffenheit der Gesamtbevölkerung in den Bestimmungsmerkmalenerheblicher materieller Deprivation im Zeitverlauf 66Übersicht 24: Erheblich materiell deprivierte Personen nach soziodemographischenMerkmalen 67Übersicht 25: Erheblich materiell deprivierte Personen nach Haushaltsmerkmalen 68Übersicht 26: Erhebliche materielle Deprivation und deren Bestimmungsmerkmalefür „Working Poor” und nicht armutsgefährdete Erwerbstätige 70Übersicht 27: Personen in Haushalten mit keiner oder sehr niedriger Erwerbsintensitätnach Alter, Geschlecht und Staatsbürgerschaft 75
  12. 12. ÜBERSICHTSTABELLEN10Übersicht 28: Hauptaktivität der 18- bis 59-Jährigen nach Erwerbsintensität desHaushalts 77Übersicht 29: Ausgewählte Haushaltsmerkmale der unter 60-Jährigen nach Erwerbs-intensität 78Übersicht 30: Risiko von 18- bis 59-Jährigen, in einem Haushalt mit keiner oder sehrniedriger Erwerbsintensität zu leben 80Übersicht 31: Mehrfach-Ausgrenzungsgefährdete nach soziodemographischenMerkmalen 84Übersicht 32: Anteil der Sozialleistungen und Pensionen am verfügbaren Haushalts-einkommen 86Übersicht 33: Armutsgefährdung vor und nach Sozialleistungen und Pensionen nachHaushaltszusammensetzung 89Übersicht 34: Armutsgefährdung vor und nach Sozialleistungen und Pensionen inausgewählten Risikogruppen 91Übersicht 35: Österreichs Indikatoren für soziale Eingliederung 94Übersicht 36: Indikatoren für soziale Eingliederung (Armuts-/ Ausgrenzungsgefährdete) 95
  13. 13. AUFBAU UND ZUSAMMENFASSUNG DES BERICHTS111. AUFBAU UND ZUSAMMENFASSUNG DES BERICHTSDie EU-Strategie „Europa 2020“ für intelligentes,nachhaltiges und integratives Wachstum in Europaaus dem Jahr 2010 umfasst Ziele in den BereichenBeschäftigung, Bildung, Energieverbrauch, Inno-vation und Armutsbekämpfung, die allesamt dazubeitragen sollen, die Auswirkungen der Finanzkrisein den nächsten zehn Jahren zu überwinden.1In denjährlichen Nationalen Reformprogrammen (NRP)2sind die Beiträge und Zielsetzungen der einzelnenStaaten zur Realisierung dieser Kernziele zu nennen.Im NRP Österreichs für das Jahr 2011 wurde das Zielhinsichtlich von Armut und/oder sozialer Ausgren-zung bedrohter Personen mit einer Reduktion um235.000 Personen bis zum Jahr 2020 angegeben.Für die Messung des Fortschritts wird der europä-isch verbindlich festgelegte Indikator „Armuts- oderAusgrenzungsgefährdung“ herangezogen. Er umfasstdie drei Zielgruppen Armutsgefährdung, erheblichematerielle Deprivation und Personen in Haushaltenmit keiner oder sehr niedriger Erwerbstätigkeit.1.1 Aufbau des BerichtsDer vorliegende Bericht beginnt mit einem Überblicküber die Europa 2020-Strategie (Kapitel 2.1) und setztmit der Definition der Sozialzielgruppe des fünftenEU-Kernziels der Europa 2020-Strategie, die Reduktionder „Armuts- oder Ausgrenzungsgefährdeten“ (Kapitel2.2) fort. Daraufhin erfolgt eine detaillierte Analyseder Struktur und Entwicklung dieser SozialzielgruppeArmuts- oder Ausgrenzungsgefährdete (Kapitel 2.3)sowie der drei Zielgruppen Armutsgefährdete (Kapi-tel 3), Personen in erheblich materiell depriviertenHaushalten (Kapitel 4) und Personen in Haushaltenmit keiner oder sehr niedriger Erwerbsintensität(Kapitel 5). Neben den Charakteristika der jeweiligenGruppen für Österreich stehen immer auch zeitlicheEntwicklungen sowie Vergleiche auf europäischerEbene im Mittelpunkt. Der Fokus für die Berichter-stattung über Armutsgefährdung liegt diesmal aufden Erwerbstätigen, die armutsgefährdet sind, densogenannten „Working Poor“, und ihren Haushalten(Kapitel 3.2). Ergänzend zu den Detailanalysen für dasJahr 2011 und Trendergebnissen seit 2004 werdenauch Längsschnittergebnisse zur Armutsgefährdungfür 2008 bis 2011 sowie zu armutsgefährdeten Er-werbstätigen präsentiert. Die Berichterstattung zuden Europa 2020-Armutszielen wird um eine Darstel-lung der Mehrfachbenachteiligungen innerhalb derArmuts- oder Ausgrenzungsgefährdeten (Kapitel 6)sowie einen Abschnitt zur Rolle der Sozialleistungenfür Umverteilung und Armutsreduktion (Kapitel 7) er-gänzt. Der im Auftrag des BMASK erstellte und jährlichaktualisierte Katalog zu nationalen Eingliederungs-indikatoren erweitert im abschließenden Kapitel 8die Befunde zu Armut und sozialer Eingliederung inÖsterreich. Informationen über die Datengrundlageund Methodik sind im Anhang des Berichts (Kapi-tel 9.1) zu finden.Der umfassende Tabellenband zu EU-SILC 2011 in-klusive der EU-Indikatoren zu Armut und sozialerEingliederung wird als separate Publikation auf der1 Die Datenbasis der Europa 2020-Indikatoren bilden EU-SILC 2008 bis 2018, deren endgültige Auswertungen im Jahr 2020 vorliegen werden.2008 als letztverfügbares Jahr zum Zeitpunkt der Beschlussfassung bildet daher das Basisjahr für die SILC-Auswertungen zur Armuts- oderAusgrenzungsgefährdung.2 Die Nationalen Reformprogramme der jeweiligen Jahre können über die Website des Bundeskanzleramts http://www.bka.gv.at/site/4892/default.aspx abgerufen werden.
  14. 14. AUFBAU UND ZUSAMMENFASSUNG DES BERICHTS12Homepage von Statistik Austria und der des BMASKzur Verfügung gestellt:www.statistik.at > Statistiken > Soziales > Armut und so-ziale Eingliederung oder www.bmask.gv.at > Soziales> Allgemeine Sozialpolitik > ArmutDer online publizierte „Tabellenband zu EU-SILC 2011“umfasst folgende Themen:» Einkommensverteilung,» Ausstattung mit Konsumgütern und finanzielleEinschränkungen,» Wohnen,» Gesundheit,» Armutsgefährdung und soziale Ausgrenzunginkl. Tabellen zur Europa 2020-Zielgruppe unddauerhaften Armutsgefährdung,» Lebenszufriedenheit,» Bildung,» Kinderbetreuung,» Arbeit,» Risikogruppen in Bezug auf Armutsgefährdung,» Verteilung von Bestandteilen des Jahresein-kommens,» Intergenerationale Übertragung von Benachtei-ligungen (EU-SILC Modul 2011),3» EU-Indikatoren zur sozialen Eingliederung ausEU-SILC 2011 und Vergleichswerte 2010,Des Weiteren enthält der Tabellenband zu EU-SILC2011 das Kapitel „Erläuterungen und Definitionen“,welches die verwendeten Definitionen und Hinweisezur Berechnung der dargestellten Indikatoren undGliederungsmerkmale sowie eine Übersicht über diewesentlichsten Änderungen im Vergleich zum Berichtzu EU-SILC 2010 enthält.Die anonymisierten Mikrodaten, die diesem Berichtzugrunde liegen, sind seit Anfang 2013 verfügbar.3 Analysen dazu sind als Artikel „Intergenerationelle soziale Mobilität“ in den Statistischen Nachrichten veröffentlicht (Altzinger et al 2013).
  15. 15. AUFBAU UND ZUSAMMENFASSUNG DES BERICHTS131.2 ZusammenfassungIm Jahr 2011 umfasst die Europa 2020-Sozialziel-gruppe 1,4 Millionen Armuts- oder Ausgrenzungs-gefährdete in Österreich. Davon sind 1,05 MillionenMenschen armutsgefährdet. Der Schwellenwert fürArmutsgefährdung liegt bei 1.066 Euro verfügbaresHaushaltseinkommen pro Monat für Alleinlebende(Jahreswert mal 12 bzw. 914 Euro mal 14) plus320 Euro pro Monat (bzw. 274 mal 14) für jedes Kindund 533 Euro pro Monat (bzw. 456 mal 14) für jedenweiteren Erwachsenen. Die Sozialzielgruppe Armuts-oder Ausgrenzungsgefährdete schließt zusätzlich350.000 Personen mit Einkommen über der Armuts-gefährdungsschwelle ein. Sie sind erheblich materielldepriviert oder leben in Haushalten mit keiner odersehr niedriger Erwerbsintensität.1,4 Millionen Armuts- oder Ausgrenzungs-gefährdete in ÖsterreichDie Zahl der Armuts- oder Ausgrenzungsgefährdetenwird in EU-SILC 2011 insgesamt um 34.000 Personenhöher geschätzt als im Vorjahr, eine Veränderung,die innerhalb der statistischen Zufallsschwankungliegt. Verglichen mit 2008, dem Basisjahr der Euro-pa 2020-Strategie, konnte die Zahl der insgesamtAusgrenzungsgefährdeten dennoch bedeutsam,nämlich um 125.000, reduziert werden. Betrachtetman die Armuts- oder Ausgrenzungsgefährdung imgesamten EU-SILC Zeitverlauf von 2004 bis 2011, sozeigen sich Zahl und Quote der Ausgrenzungsgefähr-dung relativ unverändert.28% der Ausgrenzungsgefährdeten in mehr-fachen BenachteiligungenVerglichen mit dem Jahr 2004 haben sich jedoch dieÜberschneidungen in den Problembereichen der Ar-muts- oder Ausgrenzungsgefährdeten verändert: Soist die Gruppe jener Personen, die von mindestenszwei der drei Problembereichen – Armutsgefährdung,erhebliche materielle Deprivation und Haushalt mitkeiner oder sehr niedriger Erwerbsintensität – betroffensind, seit 2004 um 106.000 auf 388.000 Personengewachsen. Ihr Anteil unter den Ausgrenzungsge-fährdeten stieg somit von 19% auf 28%. Verglichenmit dem Basisjahr der Europa 2020-Strategie, 2008,blieben die Mehrfach-Ausgrenzungsgefährdeten inihrer Größe aber relativ unverändert und machenweiterhin 5% der Gesamtbevölkerung aus. DerLebensstandard dieses Personenkreises ist im Ver-gleich zu dem nicht ausgrenzungsgefährdeten Teilder Bevölkerung als äußerst prekär einzustufen: 43%der Mehrfach-Ausgrenzungsgefährdeten haben einEinkommen unter der Bedarfsorientierten Mindestsi-cherung (9.035 Euro jährlich) zur Verfügung, 70% sindper nationaler Definition finanziell depriviert, 23%mehrfach gesundheitlich beeinträchtigt, und 20%wohnen in einer Umgebung, die von mindestens zweider drei Belastungen Lärm, Umweltverschmutzungund/oder Kriminalität geprägt ist. Hinsichtlich derWohnausstattung ist die Wohnqualität jedoch beinur 10% als prekär einzustufen.Haushaltseinkommen steigen unterschied-lich starkDasmittlereäquivalisierteHaushaltseinkommenbeträgt2011 21.319 Euro jährlich. Damit hat ein Einpersonen-haushalt mit mittlerem Lebensstandard im Medianein um 3,4% höheres Einkommen zur Verfügung alsim Vorjahr. Im Mittel sind die HaushaltseinkommendemnachstärkergestiegenalsdieInflation.Jedochfälltder Anstieg für die verschiedenen sozialen Gruppenunterschiedlich stark aus: Während der Median desäquivalisierten Haushaltseinkommens der unteren30% der Einkommensbeziehenden einen unter-durchschnittlichen Anstieg um 1,3% erfuhr und dieobersten 15% der Einkommensbeziehenden in ihremMedianeinkommen nahezu konstant(-0,5%) blieben,stieg der Median des Haushaltseinkommens für die
  16. 16. AUFBAU UND ZUSAMMENFASSUNG DES BERICHTS14Einkommensgruppe des30 bis85 Perzentils– die mitt-leren Einkommen – gegenüber demVorjahr um 4,1%.Einkommenssituation der Ausgrenzungsge-fährdeten verbessert sich nur schwachDer ungleich starke Anstieg der Einkommen hat zurFolge, dass sich der Unterschied in der Einkommenssi-tuation der Armuts- oder Ausgrenzungsgefährdeten undjener des restlichen Teils der Bevölkerung vergrößert.Dies wird erstens anhand des nationalen IndikatorsKaufkraft, bei dem das äquivalisierte Haushaltsein-kommen um die Inflation preisbereinigt wird, deutlich:Während die Kaufkraft der Ausgrenzungsgefährde-ten im Vergleich zu 2008 um nur 1,3% stieg, ist derAnstieg der Kaufkraft der Gesamtbevölkerung um6,2% ungleich höher ausgefallen. Zweitens kommtdie Einkommensungleichheit auch in der Armutsge-fährdungslücke, die sich auf das mittlere Einkommender Armutsgefährdeten bezieht, zum Ausdruck. DieArmutsgefährdungslücke ist seit 2008 von 15% auf19% angestiegen. Demnach liegt 2011 das jährlicheHaushaltseinkommen der Armutsgefährdeten imMittel 2.429 Euro unter der Armutsgefährdungs-schwelle. In Summe bedürfte es 2,6 Mrd. Euro, umdas Einkommen aller armutsgefährdeten Personenüber die Armutsgefährdungsschwelle zu heben, dasentspricht 0,86% des Bruttoinlandsprodukts.Sinkende Erwerbsbeteiligung der Ausgren-zungsgefährdetenWie auch im Vorjahr bleibt der Anteil an Personen inHaushalten mit keiner oder sehr niedriger Erwerbsin-tensität auf dem Niveau von 2008: 8% bzw. 519.000der in Österreich lebenden Menschen befinden sichin solchen Haushalten. Ihr Anteil an den Ausgren-zungsgefährdeten unter 60 Jahren stieg jedoch imselben Zeitraum von 41% auf 47% (bzw. bezogen aufdie Gesamtgruppe der Ausgrenzungsgefährdeten von33% auf 37%) an. Dieser Personenkreis ist besondersvon Armut gefährdet, da sein Einkommen nahezugänzlich von der Höhe der erhaltenen Sozialleis-tungen abhängt: Während ohne Sozialleistungen indieser Gruppe 96% armutsgefährdet wären, sind esmit Sozialleistungen deutlich weniger, wenngleichimmer noch mehr als die Hälfte (54%). Diese Gruppeder von Armutsgefährdung Betroffenen in Haushaltenmit keiner oder sehr niedriger Erwerbsbeteiligungwuchs in den vergangenen Jahren stetig – wenngleichvon Jahr zu Jahr schwach – an und erreicht 2011 denhistorischen Höchstwert von 281.000 Personen.Während insgesamt also der Anteil an Personen inHaushalten, deren Haushaltsmitglieder in Summeweniger als 20% der potenziellen Erwerbsintensitätdes Haushalts erwerbstätig sind, über die Jahrekonstant bleibt, zeichnet sich für die Ausgrenzungs-gefährdeten ein Rückgang der Erwerbsbeteiligungauf individueller Ebene ab. Dies wird im nationalenIndikator Arbeitsmarktfernenquote sichtbar: Währendsich die Arbeitsmarktfernenquote für die Gesamtbe-völkerung im Vergleich zu 2008 kaum verändert hat,ist sie für die Ausgrenzungsgefährdeten von 48,2%auf 56,6% gestiegen.Mehr Arbeitseinkommen unter der Armuts-gefährdungsschwelle bei gleichbleibenderZahl armutsgefährdeter ErwerbstätigerIm selben Zeitraum (2008 bis 2011) wächst auch dieAnzahl an Haushalten, deren Arbeitseinkommenunter der Armutsgefährdungsschwelle liegen. Davonsind im Jahr 2011 20% der gesamten Bevölkerung inErwerbshaushalten und 88% der Ausgrenzungsge-fährdeten in Erwerbshaushalten betroffen.Wird nicht nur das Einkommen aus Erwerbstätigkeit,sondern das gesamte Haushaltseinkommen inklusivestaatlicher und privater Transferleistungen betrach-tet, bleibt die Gruppengröße armutsgefährdeterErwerbstätiger im Zeitraum von 2008 bis 2011 relativ
  17. 17. AUFBAU UND ZUSAMMENFASSUNG DES BERICHTS15unverändert: 5,4% aller regelmäßig Erwerbstätigenhaben 2011 ein Haushaltseinkommen unter der Ar-mutsgefährdungsschwelle. Die Zahl dieser „WorkingPoor“ beträgt 198.000 Personen. Zählt man Angehörigedazu, leben 471.000 Personen in Haushalten, diemindestens ein erwerbstätiges Mitglied haben undarmutsgefährdet sind.Ein Anstieg der Armutsgefährdung ausArbeitseinkom-menbeigleichzeitigkonstanterZahlarmutsgefährdeterErwerbstätiger bei Berücksichtigung des gesamtenHaushaltseinkommenslässtsichdadurcherklären,dassTransferleistungen für die Reduktion der Armutsgefähr-dungvon Erwerbstätigen an Bedeutungzunehmen.SoführtenSozialleistungen und Pensionen im Jahr 2008nochzu einer Reduktion der Armutsgefährdungsquoteder Erwerbstätigen um 63,2%, während sie 2011 dieArmutsgefährdungsquote um 70,1% reduzierten.Fortgesetzte Entspannung in der Leistbar-keit von GrundbedürfnissenHinsichtlich der Einkommenssituation undder Erwerbs-beteiligung spitzt sich die Lage der Ausgrenzungs-gefährdeten im Vergleich zur Gesamtbevölkerung zu.Sie entspannt sich aber hinsichtlich der Leistbarkeitvon Grundbedürfnissen. So leben 2011 wieder etwasweniger Menschen in deprivierten Haushalten als imJahr zuvor und deutlich weniger als noch 2008. Zudiesem Ergebnis kommen sowohl der EU-Indikatorfür erhebliche materielle Deprivation, demzufolgesich die Gruppe von 6,4% auf 3,9% verringerte, alsauch der österreichische Indikator für finanzielleDeprivation, demzufolge sich die Gruppe von 20,1%auf 15,0% verringerte.Rückgang der manifesten Armut und verfes-tigten DeprivationAuch der Personenkreis jener Menschen, die gleichzei-tig von monetärer Armutsgefährdung und finanziellerDeprivation (nationale Definition) betroffen sind, dersogenannten manifesten Armut, ist 2011 rückläufig.Der bedeutsame Rückgang um 80.000 Personenverglichen mit dem Vorjahr führt dazu, dass dasNiveau der manifesten Armut erstmals wieder unterjenes von 2008 sinkt: 2011 betrifft manifeste Armut5,2% der Bevölkerung, d.h. 431.000 Personen. Auchder Kreis jener Menschen, die seit mindestens zweiJahren mit finanzieller Deprivation konfrontiert sind,wie es im nationalen Indikator verfestigte Deprivationzum Ausdruck kommt, verringert sich wie bereits imJahr zuvor auch 2011 weiter. 9,7% der in Österreichlebenden Personen, 781.000 Menschen, sind ausfinanziellen Gründen in der Erfüllung ihrer Grund-bedürfnisse in den letzten beiden Jahren erheblicheingeschränkt.Steigende Wohnqualität und Bildungsbetei-ligung der AusgrenzungsgefährdetenWohnenwirdbesser,aberauchteurer.Diesgiltsowohlfürdie Gesamtbevölkerung alsauch für die Ausgrenzungs-gefährdeten: Wenngleich die Wohnüberbelagsquotemit 11,7% (gesamt: 5,3%) und die Quote für prekäreWohnungsqualitität mit 5,4% (gesamt: 2,8%) für dieAusgrenzungsgefährdeten noch immer doppelt sohoch sindwie für die Gesamtbevölkerung,verzeichnensie in den letzten Jahren einen stärkeren Rückgangals insgesamt. Auch die Mehrfachbelastung in derWohnumgebung ist 2011 erstmals wieder zurückge-gangen, in etwa auf das Niveau von 2008 (13,1%).Demgegenüber stehen jedoch steigendeWohnkosten.Der Anteil der Personen, derenWohnungsaufwand einVierteldesjährlichverfügbaren Haushaltseinkommensübersteigt, befindet sich 2011 auf einem historischenHöchstwert. Insbesondere für die Gruppe der Ausgren-zungsgefährdeten ist er im Vergleich zu 2008 sehrstark gestiegen (von 43,2% auf 53,7%).Auch die non-formale und informelle Bildungsak-tivität ist seit 2008 im Steigen begriffen, für die
  18. 18. AUFBAU UND ZUSAMMENFASSUNG DES BERICHTS16Ausgrenzungsgefährdeten sogar stärker als für dieGesamtbevölkerung. Inzwischen beteiligen sich 30%der Ausgrenzungsgefährdeten an Bildungsaktivitäten(gesamt: 38%).Soziodemographische Risikogruppen17% aller in Österreich lebenden Personen sind vonArmuts- oder Ausgrenzungsgefährdung betroffen.Bei der Gesamtbetrachtung der Indikatoren zurEuropa 2020-Strategie zeichnen sich bestimmtesoziodemographische Gruppen mit erhöhtem Aus-grenzungsgefährdungsrisiko ab. Kinder unter 16Jahren sind mit einer Ausgrenzungsgefährdungsquotevon 20% überdurchschnittlich stark betroffen. AuchUnterschiede zwischen den Geschlechtern bestehen,die überwiegend auf Ungleichheit in höherem Alterzurückzuführen sind: So haben Frauen ab 65 Jahrenein Ausgrenzungsgefährdungsrisiko von 21%, wäh-rend das Risiko von Männern in dieser Altersgruppe12% beträgt. Des Weiteren weisen Personen, die übermaximal einen Pflichtschulabschluss verfügen, undPersonen mit nicht österreichischerStaatsbürgerschaftdeutlich erhöhte Ausgrenzungsgefährdungsrisiken(27% bzw. 34%) auf.In Haushalten ohne Pension gilt: Unabhängig vomGeschlecht sind alleinlebende Menschen deutlichstärker von Ausgrenzungsgefährdung betroffen alsder Durchschnitt. In Haushalten mit Pension bestehenbei den Alleinlebenden jedoch starke Geschlechter-unterschiede: 16% der alleinlebenden Männer mitPensionsbezug sind ausgrenzungsgefährdet, währendes bei den pensionsbeziehenden alleinlebendenFrauen 32% sind.Des Weiteren zeigt die Kinderanzahl in Mehrperso-nenhaushalten keinen linearen Zusammenhang mitAusgrenzungsgefährdung: Mehrpersonenhaushalteohne Kind, mit einem Kind und mitzwei Kindern habendurchwegs unterdurchschnittliche Gefährdungsrisiken;in einigen Indikatoren sind Mehrpersonenhaushaltemit einem Kind sogar weniger stark gefährdet alsMehrpersonenhaushalte ohne Kinder. Ein deutlicherhöhtes Risiko haben jedoch Alleinerziehende(36%) und Mehrpersonenhaushalte mit drei odermehr Kindern (29%).
  19. 19. EUROPÄISCHE INDIKATOREN UND ZIELGRÖSSEN FÜR SOZIALE EINGLIEDERUNG IM RAHMEN DER STRATEGIE „EUROPA 2020“172. EUROPÄISCHE INDIKATOREN UND ZIELGRÖSSEN FÜR SOZIALE EIN-GLIEDERUNG IM RAHMEN DER STRATEGIE „EUROPA 2020“Im Jahr 2010 haben sich die europäischen Regierungenauf eine Strategie des intelligenten, nachhaltigen undintegrativen Wachstums bis zum Jahr 2020 geeinigt.Diese „Europa 2020“ Strategie ist unter anderemdarauf ausgerichtet, die Beschäftigung, Bildung undTeilhabe am gesellschaftlichen Leben zu verbessern.Erstmals wird darin eine quantitative Vorgabe für dieVerringerung von Armut und sozialer Ausgrenzungauf europäischer Ebene genannt. Dieser Abschnittgibt einen Überblick über die Strategie „Europa2020“. Im zweiten Teil wird die Sozialzielgruppe„Armuts- oder Ausgrenzungsgefährdete“, die imFokus des fünften Kernziels der Strategie „Europa2020“ steht, bestimmt.2.1 Aufbau der Strategie „Europa 2020“Ausgehend von der Mitteilung der Europäischen Kom-mission „Europa 2020-Strategie für ein intelligentes,nachhaltiges und integratives Wachstum“ (2010)wurden fünf messbare Kernziele für die EU-Ebenebeschlossen:1. Beschäftigung: Unter den 20- bis 64-Jährigenwird eine Beschäftigungsquote von 75% angestrebt,unter anderem durch die vermehrte Einbeziehungvon Jugendlichen, älteren ArbeitnehmerInnen,Geringqualifizierten sowie Personen mit Migra-tionshintergrund.2. Innovation: Das öffentliche und private Investi-tionsvolumen für Forschung und Entwicklung sollinsgesamt 3% des BIP erreichen.3. Klimaschutz: Treibhausgasemissionen sollen um20% gegenüber dem Niveau des Jahres 1990 verrin-gert werden, der Anteil der erneuerbaren Energienam Gesamtenergieverbrauch soll auf 20% steigen,und es wird eine Erhöhung der Energieeffizienz um20% angestrebt.4. Bildung: Der Anteil der frühen SchulabgängerInnensoll auf unter 10% gesenkt werden, und der Anteilder 30- bis 34-Jährigen, die ein Hochschulstudiumabgeschlossen haben oder über einen gleichwerti-gen Abschluss verfügen, soll auf mindestens 40%ansteigen.5. Armut und soziale Ausgrenzung: Die soziale Ein-gliederung soll insbesondere durch die Verminderungder Armut gefördert werden, wobei angestrebt wird,mindestens 20 Millionen Menschen aus Gefähr-dungslagen herauszubringen. Dies entspricht einerReduktion um zwei Millionen pro Jahr. Derzeit sind120 Millionen Menschen in der EU armuts- und/oderausgrenzungsgefährdet. Die angestrebte Reduktionentspricht somit rund 1,5% (pro Jahr).Diese fünf EU-Kernziele sollen durch nationale Ziel-setzungen der Mitgliedstaaten umgesetzt werden.Zur Förderung des intelligenten, nachhaltigen undintegrativen Wachstums wurden außerdem siebenLeitinitiativen formuliert. Für soziale Eingliederung istdas vor allem die sogenannte Plattform gegen Armut,welche die beteiligten AkteureInnen sowohl auf nati-onaler wie auch auf europäischer Ebene koordiniert.Die Europäische Kommission überprüft die Situationjährlich mit Hilfe von Indikatoren (s. Kapitel 2.3 zuden Europa 2020-Indikatoren zur Armuts- oder Aus-grenzungsgefährdung).
  20. 20. EUROPÄISCHE INDIKATOREN UND ZIELGRÖSSEN FÜR SOZIALE EINGLIEDERUNG IM RAHMEN DER STRATEGIE „EUROPA 2020“18In den jährlichen Nationalen Reformprogrammen derMitgliedstaaten sind die konkreten Ziele, Maßnahmenund Budgetansätze enthalten, um die europäischenKernziele zu realisieren. Diese bilden eine Grundlagefür den jährlichen Wachstumsbericht der EuropäischenKommission.Die Ziele werden auf europäischer Ebene im Rahmensogenannter Leitinitiativen verfolgt. Die Umsetzungvon Zielen bleibt aber eine weitgehend nationaleAngelegenheit. In bestimmten Bereichen oder Regi-onen werden die Mitgliedstaaten dabei etwa durchden Sozialfonds oder den Informationsaustausch imRahmen der Offenen Methode der Koordinierung fürSozialschutz und soziale Eingliederung unterstützt.Die ersten Reformpläne zeigen, dass Ziele in manchenLändern deutlich ehrgeiziger formuliert werden als inanderen. Die im Wachstumsbericht vom Dezember2011 angegebenen nationalen Ziele lagen deutlichunter dem angestrebten Gesamtziel.4Dies ist unteranderem damit begründet, dass nicht alle Mitglied-staaten quantifizierbare Zielgrößen anstreben odersich nur auf bestimmte Teilgruppen konzentrieren.Im Nationalen Reformprogramm 2011 wird für Ös-terreich das Ziel formuliert, bis zum Jahr 2020 dieZahl der von Armut und/oder sozialer Ausgrenzungbetroffenen Personen um 235.000 zu reduzieren. Dasnationale Ziel entspricht damit einer Reduktion um23.500 Personen pro Jahr bzw. etwa 1,5% der heuteAusgrenzungsgefährdeten. Das Erreichen dieses Zielssteht dabei in enger Verbindung mit dem Beschäfti-gungsziel, wobei Österreich eine Beschäftigungsquotevon 77 bis 78% im Jahr 2020 erreichen will.Das Nationale Reformprogramm 2012 (BKA 2012)setzt folgende Schwerpunkte der Maßnahmen undVorhaben:» Erhöhung der Arbeitsmarktbeteiligung vonÄlteren, Jugendlichen, Frauen, Niedrigqualifi-zierten und Menschen mit Migrationshinter-grund,» Bekämpfung von Langzeitarbeitslosigkeit,» Gesundheitsprävention und Arbeitsmarkt(re)-integration von Menschen mit Behinderungenund gesundheitlichen Einschränkungen,» Verbesserung der Qualität der Arbeit,» Abbau der Diskriminierung von Frauen beiEinkommen und Erwerbseinbindung,» Förderung von Vereinbarkeit von Familie undBeruf,» Bekämpfung von Kinderarmut und der Verer-bung von Armut.In Österreich wird die Zahl der Ausgrenzungsgefährde-ten auf Basis von EU-SILC 2011 auf etwa 1,4 MillionenMenschen (rund 17% der Bevölkerung) geschätzt.5Gegenüber dem Jahr 2010 bedeutet dies einen leich-ten Anstieg, der jedoch innerhalb der statistischenSchwankungsbreite liegt. Seit 2008 ist die Zahl derPersonen jedoch um 125.000 Personen bzw. dieQuote um 1,7 Prozentpunkte gesunken.Auf europäischer Ebene konnten bisher noch keineFortschritte bei der Reduktion der Zahl der von Armutund/oder sozialen Ausgrenzung gefährdeten Personenfestgestellt werden. Kam es EU-weit zwischen 2008und 2009 zu einer leichten Reduktion um 1,4 Mio.Personen, so stieg die Zahl der Betroffenen 2010wieder an und liegt nun um rund 550.000 Personenüber dem Ausgangswert 2008 (23% der gesamtenBevölkerung). Für 2011 ist erneut ein Anstieg zuverzeichnen, derzeit liegt die Zahl der Ausgrenzungs-gefährdeten in der EU bei 120 Millionen Personen(24% der Gesamtbevölkerung) und damit um rund4,4 Millionen über dem Wert von 2008.4 http://ec.europa.eu/europe2020/pdf/targets_en.pdf5 Diese Zahl ist mit 95%iger Wahrscheinlichkeit in einem Bereich zwischen 1,3 und 1,5 Millionen bzw. zwischen 16% und 18% der Bevöl-kerung anzunehmen.
  21. 21. EUROPÄISCHE INDIKATOREN UND ZIELGRÖSSEN FÜR SOZIALE EINGLIEDERUNG IM RAHMEN DER STRATEGIE „EUROPA 2020“19Die Größenordnung der Zielgruppe macht deutlich,dass der Europa 2020-Indikator „Armuts- oderAusgrenzungsgefährdung“ keineswegs auf einekleine Minderheit abzielt, sondern breite Bevöl-kerungsschichten einschließt, die teilweise auchvon mehreren Problemlagen betroffen sind, diein den drei Indikatoren abgebildet werden (sieheKapitel 2.3).2.2 Definition der Europa 2020-Sozialzielgruppe: Armuts- oder Ausgren-zungsgefährdete2.3 Entwicklung und Struktur der Europa 2020-Sozialzielgruppe: Armuts-oder AusgrenzungsgefährdeteDie Europäische Kommission hat sich in der Europa2020-Strategie6zum Ziel genommen, bis zum Jahr2020 die Anzahl der von Armuts- oder Ausgren-zungsgefährdung betroffenen Menschen EU-weitum 20 Millionen zu reduzieren.7Die Ausgangsbasisbildet das Jahr 2008, in welchem rund 115 Millionen6 Vgl. Europäische Kommission (2010).7 Vgl. dazu auch die Abschnitte 2.1. und 2.2.ARMUTS- ODER AUSGRENZUNGSGEFÄHRDUNG:Als von Armut und sozialer Ausgrenzung bedroht gelten Personen, die mindestens eines der drei folgenden Kri-terien erfüllen:1. Personen, deren Haushalt über ein Einkommen verfügt, das geringer ist als 60% des nationalen äquivalisiertenMedianeinkommens (Armutsgefährdung).2. Personen, deren Haushalt vier oder mehr der folgenden neun auf EU-Ebene festgelegten Merkmale für erheblichematerielle Deprivation aufweist:» Es bestehen Zahlungsrückstände bei Miete, Betriebskosten oder Krediten.» Es ist finanziell nicht möglich, unerwartete Ausgaben zu tätigen.» Es ist finanziell nicht möglich, einmal im Jahr auf Urlaub zu fahren.» Es ist finanziell nicht möglich, die Wohnung angemessen warm zu halten.» Es ist finanziell nicht möglich, jeden zweiten Tag Fleisch, Fisch oder eine vergleichbare vegetarische Speisezu essen.» Ein PKW ist finanziell nicht leistbar.» Eine Waschmaschine ist finanziell nicht leistbar.» Ein Farbfernsehgerät ist finanziell nicht leistbar.» Ein Telefon oder Handy ist finanziell nicht leistbar.3. Personen, die jünger sind als 60 Jahre und in einem Haushalt mit keiner oder sehr niedriger Erwerbsintensitätleben. Dazu zählen jene Haushalte, in denen Personen im Erwerbsalter (hier: 18- bis 59-jährige Personen, aus-genommen Studierende) nicht oder nur in geringem Ausmaß erwerbstätig sind (im Laufe eines Jahres insgesamtweniger als 20% ihres Erwerbspotenzials).
  22. 22. EUROPÄISCHE INDIKATOREN UND ZIELGRÖSSEN FÜR SOZIALE EINGLIEDERUNG IM RAHMEN DER STRATEGIE „EUROPA 2020“20Ausgrenzungsgefährdete in der EU lebten. Im Jahr2011 ist die Zahl der Ausgrenzungsgefährdeten imVergleich zu dieser Ausgangsbasis leicht gestiegen:120 Millionen EU-BewohnerInnen werden zuletzt alsausgrenzungsgefährdet ausgewiesen. Der Anteilder Ausgrenzungsgefährdeten an der gesamtenEU-Bevölkerung bleibt mit 24% gegenüber 2008unverändert.:Österreich hat (gemeinsam mit Luxemburg) die viert-niedrigste Ausgrenzungsgefährdungsquote innerhalbder EU: Rund 17% der österreichischen Bevölkerungsind von Ausgrenzungsgefährdung betroffen (mit95% Vertrauenswahrscheinlichkeit zwischen 15,7%und 18,3%). Die Quote der Ausgrenzungsgefährdetenist mit rund 15% in Tschechien und den Niederlan-den am niedrigsten, gefolgt von Schweden (16%).Am höchsten ist sie in Bulgarien, dort befindet sichdie Hälfte der Bevölkerung in einer ausgrenzungs-gefährdeten Lebenslage.2.3.1 Teilgruppen der Armuts- oder Aus-grenzungsgefährdungFür Österreich ist von insgesamt rund 1,4 Millionenausgrenzungsgefährdeten Menschen auszugehen (mit95% Vertrauenswahrscheinlichkeit zwischen 1,3 und1,5 Millionen). Die Zielgruppe der Ausgrenzungsge-fährdeten besteht aus insgesamt sieben Teilgruppen,die sich aus der Kombination der ProblembereicheEinkommen, Deprivation undErwerbsintensitätergeben.Eine ausgrenzungsgefährdete Person gehört demnachimmer genau einer der folgenden Teilgruppen an:» A Armutsgefährdung (ohne erhebliche ma-terielle Deprivation und nicht in Haushalten mitkeiner oder sehr niedriger Erwerbsintensitätlebend; 2011: 690.000, +/- 78.000 Personen),» D Erhebliche materielle Deprivation (ohneArmutsgefährdung und nicht in Haushalten mitkeiner oder sehr niedriger Erwerbsintensitätlebend; 2011: 118.000, +/- 33.000 Personen),» E In Haushalten mit keiner oder sehr niedri-ger Erwerbsintensität (ohne Armutsgefährdungund ohne erhebliche materielle Deprivation;Grafik 1: Armuts- oder Ausgrenzungsgefährdung in den EU-27-Staaten05101520253035404550TschechienNiederlandeSchwedenLuxemburgÖsterreichFinnlandDänemarkFrankreichSlowenienDeutschlandSlowakeiBelgienMaltaGroßbritannienEstlandZypernPortugalSpanienPolenItalienIrland*GriechenlandUngarnLitauenLettlandRumänienBulgarienEU-27**Ausgrenzungsgefährdungin%derGesamtbevölkerungQ: Eurostat 2012, EU-SILC 2010 und 2011. Datenbank zum Stand 11.01.2013, eigene Darstellung.* Aktuellste Zahlen stammen aus 2010.** Eurostat Schätzung
  23. 23. EUROPÄISCHE INDIKATOREN UND ZIELGRÖSSEN FÜR SOZIALE EINGLIEDERUNG IM RAHMEN DER STRATEGIE „EUROPA 2020“212011: 211.000, +/- 37.000 Personen unter 60Jahren),» AE Armutsgefährdung UND in Haushalten mitkeiner oder sehr niedriger Erwerbsintensitätlebend (ohne erhebliche materielle Deprivati-on; 2011: 181.000, +/- 41.000 Personen unter60 Jahren),» AD Armutsgefährdung UND erhebliche ma-terielle Deprivation (nicht in Haushalten mitkeiner oder sehr niedriger Erwerbsintensitätlebend ; 2011: 80.000, +/- 30.000 Personen),» ED In Haushalten mit keiner oder sehr nied-riger Erwerbsintensität lebend UND erheblichematerielle Deprivation (ohne Armutsgefähr-dung; 2011: 26.000, +/- 11.000 Personen unter60 Jahren),» ADE Armutsgefährdung UND erhebliche mate-rielle Deprivation UND in einem Haushalt mitkeiner oder sehr niedriger Erwerbsintensitätlebend (2010: 100.000, +/- 37.000 Personenunter 60 Jahren).Die Personen in Teilgruppen A, AE, AD und ADE lebenallesamt unter der Armutsgefährdungsschwelle undgehören daherzurZielgruppe der rund1 Million Armuts-gefährdeten, die in Kapitel 3.1 dargestellt wird. Für dieEuropa 2020-Zielgruppe der Ausgrenzungsgefährdetenwird dieser Personenkreis um die Teilgruppen E, Dund ED mit gemeinsam 356.000 Menschen, die zwarüber der Armutsgefährdungsschwelle leben, aber vonmindestens einem der beiden anderen Problembe-reiche8betroffen sind, ergänzt. Zur Verdeutlichungder jeweiligen Überlappungen der Problembereichesei auf Grafik 2 verwiesen.Fast drei Viertel (72%) der Ausgrenzungsgefährdetensind ausschließlich von einem der drei Problem-bereiche betroffen. Die größte Teilgruppe (A) umfasst8 Erhebliche materielle Deprivation, siehe Kapitel 4; Haushalt mit keiner oder sehr niedriger Erwerbsintensität, siehe Kapitel 5.Grafik 2: Überlappung von Problembereichen der Europa 2020-Zielgruppe armuts- oderausgrenzungsgefährdeter PersonenAD 6%D 8%ADE 7%ED 2%1.051.000ArmutsgefährdeteAE 13%519.000in Haushalten mitkeiner/sehr niedrigerErwerbsintensitätE 15%A 49%325.000 erheblichmateriell DeprivierteQ: Statistik Austria, EU-SILC 2011.Die Größenverhältnisse der Flächen entsprechen nicht exakt den Populationsgrößen.
  24. 24. EUROPÄISCHE INDIKATOREN UND ZIELGRÖSSEN FÜR SOZIALE EINGLIEDERUNG IM RAHMEN DER STRATEGIE „EUROPA 2020“22knapp die Hälfte (49%) der gesamten Zielgruppe undbesteht aus Personen, die armutsgefährdet sind, aberweniger alsvier Deprivationsmerkmale aufweisen undnicht in einem Haushalt mit keiner oder sehr niedrigerErwerbsintensität leben. Die zweitgrößte Teilgruppe(E) besteht aus Personen, die in Haushalten mitkeiner oder sehr niedriger Erwerbsintensität leben,aber von keinen weiteren Problembereichen betroffensind. Sie machen 15% der Ausgrenzungsgefährdetenaus. Weitere 8% der Ausgrenzungsgefährdeten ge-hören zum Kreis der erheblich materiell depriviertenPersonen (D), die weder armutsgefährdet sind nochin einem Haushalt mit keiner oder sehr niedrigerErwerbsintensität leben.Die übrigen 28% der Ausgrenzungsgefährdeten be-finden sich in besonders prekären Lebenslagen, dasie von mindestens zwei Problembereichen gleich-zeitig betroffen sind. Das betrifft in Summe 388.000Menschen und entspricht einem Anteil von rund 5%der gesamten Bevölkerung in Österreich. Darunterbefindet sich auch jener Personenkreis (ADE), dersich in allen drei Gefährdungslagen befindet – alsoin einem armutsgefährdeten, erheblich materielldeprivierten Haushalt mit keiner oder sehr niedri-ger Erwerbsintensität lebt. Diese am stärksten vonsozialer Ausgrenzung bedrohte Teilgruppe macht 7%der Ausgrenzungsgefährdeten und 1,2% der Gesamt-bevölkerung aus – absolut betrachtet sind es um die100.000 Personen. Die häufigste Überschneidungvon Problembereichen besteht zwischen Armuts-gefährdung und keiner oder sehr niedriger Erwerbs-intensität (AE) mit 13% der Ausgrenzungsgefährdeten.Weitere 6% der Ausgrenzungsgefährdeten entfallenauf die Teilgruppe AD, jener Personenkreis also, dergleichzeitig von Armutsgefährdung und erheblichermaterieller Deprivation betroffen ist, aber nicht ineinem Haushalt mit keiner oder sehr niedriger Er-werbsintensität lebt. Lediglich 2% der Zielgruppesind nicht armutsgefährdet, aber von keiner odersehr niedriger Erwerbsintensität und erheblichermaterieller Deprivation (ED) betroffen.Zeitliche Entwicklung von Armuts- oderAusgrenzungsgefährdung und deren Teil-gruppenDie Zahl der Armuts- oder Ausgrenzungsgefährdetenwird in EU-SILC 2011 insgesamt um 34.000 Personenhöher geschätzt als im Vorjahr. Der Zuwachs ist maß-geblich auf den Anstieg der ausschließlich Armuts-gefährdeten (A) um 50.000 zurückzuführen, der nichtzur Gänze durch die Reduktion der ausschließlicherheblich materiell Deprivierten (D) um 20.000 Per-sonen ausgeglichen wurde. Verglichen mit 2008, demBasisjahr der Europa 2020-Strategie, konnte damitdie Zahl der insgesamt Ausgrenzungsgefährdetendennoch um 125.000 reduziert werden. Betrachtetman die Ausgrenzungsgefährdung im gesamtenEU-SILC-Zeitverlauf von 2004 bis 2011, so zeigensich Zahl und Quote der Ausgrenzungsgefährdungjedoch unverändert.Im längerfristigen Vergleich mit dem Jahr 2004hat sich die Zahl der Armutsgefährdeten ohneweitere Problemlagen (A) um 97.000 auf nunmehr690.000 Personen verringert. In Anbetracht derZahlen aus dem Jahr 2008 ist diese Gruppe seit denletzten drei Jahren jedoch nicht weiter gesunken.Die Veränderung von 2008 auf 2011 um 27.000 mehrausschließlich Armutsgefährdete deutet vielmehreinen Zuwachs an, der jedoch aufgrund der sta-tistischen Schwankungsbreite als nicht gesichertgilt. Sehr deutlich hat sich dagegen die Zahl derausschließlich erheblich materiell Deprivierten(D) vom Jahr 2008 auf nunmehr 118.000 Personenverringert. Für Personen in Haushalten mit keineroder sehr niedriger Erwerbsintensität, die ansons-ten von keinem anderen Problembereich betroffensind (E), bleibt die Gruppengröße im Zeitverlaufunverändert.Für mehrfache Benachteiligung zeichnet sich imZeitverlauf ein eindeutiges Bild. So ist die Gruppejener Personen, die in mindestens zwei Problembe-
  25. 25. EUROPÄISCHE INDIKATOREN UND ZIELGRÖSSEN FÜR SOZIALE EINGLIEDERUNG IM RAHMEN DER STRATEGIE „EUROPA 2020“23Übersicht1:TeilgruppenderArmuts-oderAusgrenzungsgefährdung2004und2008bis201120042008200920102011in1.000AnteilQuotein1.000AnteilQuotein1.000AnteilQuotein1.000AnteilQuotein1.000+/-in1.000*AnteilQuotein%in%in%in%in%Ausgrenzungsgefährdunginsgesamt1.448100181.532100191.406100171.373100171.40710810017TeilgruppenderAusgrenzungsgefährdungA(ArmutsgefährdungohneD,E)787541066343866848864147869078498D(erheblichematerielleDeprivation,ohneA,E)1531122631731701221381021183381E(inHHmitkeiner/sehrniedrigerErwerbsintensität,ohneA,D)22716320914322216321115321137153MehrfachbenachteiligteTeilgruppenZusammen**28219339726534525438328538863285AE12692136921219116612218141132AD816110371106819771803061ED2210423121102010261120ADE5341116819771100711003771Q:STATISTIKAUSTRIA,EU-SILC2004;2008bis2011.A:ArmutsgefährdungOHNEEoderD.E:HaushaltmitkeinerodersehrniedrigerErwerbsintensitätOHNEAoderD.D:ErheblichematerielleDeprivationOHNEAoderE.AE:AundEundnichtD.AD:AundDundnichtE.ED:EundDundnichtA.ADE:AundDundE.*StatistischeSchwankungsbreitebei95%-Vertrauenswahrscheinlichkeit.**RundungsbedingtkanndieSummederTeilgruppenum+/-1.000PersonenabweichenLesebeispiel:ImJahr2011gabes181.000armutsgefährdeteMenschen,dieineinemHaushaltmitkeinerodersehrniedrigerErwerbsintensitätlebten(AE).DiePersonenderTeilgruppeAEstellensomit13%derSozialzielgruppe„Armuts-oderAusgrenzungsgefährdete“bzw.2%derGesamtbevölkerungdar.
  26. 26. EUROPÄISCHE INDIKATOREN UND ZIELGRÖSSEN FÜR SOZIALE EINGLIEDERUNG IM RAHMEN DER STRATEGIE „EUROPA 2020“24reichen betroffen sind,9im Vergleich zu 2004 deutlichgrößer: 2011 befinden sich 106.000 mehr Menschenin mehrfachen Gefährdungslagen als 2004. Ihr An-teil unter den Ausgrenzungsgefährdeten stieg von19% auf 28% an. Besonders deutlich entwickeltesich die Gruppe jener Menschen, die in allen dreiGefährdungslagen gleichzeitig betroffen sind: Trotzeines leichten – statistisch nicht signifikanten –Absinkens der armutsgefährdeten und erheblichmateriell deprivierten Personen in Haushalten mitkeiner oder sehr niedriger Erwerbsintensität (ADE)von 2008 auf 2011 hat sich ihre Anzahl im Vergleichzum Jahr 2004 verdoppelt.Für die Entwicklung der Ausgrenzungsgefährdungin Österreich im Zeitraum 2004 bis 2011 legen dieBefunde somit die folgende Schlussfolgerung nahe:Trotz Wirtschaftskrise blieb die Zahl der Menschen,die von Ausgrenzungsgefährdung betroffen sind,unverändert bei rund 1,4 Millionen. Innerhalb derAusgrenzungsgefährdeten verschärfen sich jedochÜberlappungen in den Problembereichen, sodassheute 388.000 Personen von mindestens zwei Ge-fährdungslagen betroffen sind.2.3.2 Sozialstruktur der armuts- oder aus-grenzungsgefährdeten PersonenIn Österreich sind insgesamt 331.000 Kinder, Ju-gendliche und junge Erwachsene unter 20 Jahrensowie 622.000 Frauen und 455.000 Männer ab 20Jahren von Ausgrenzungsgefährdung betroffen (sie-he Übersicht 2). Auffällig an der Altersstruktur derAusgrenzungsgefährdeten ist, dass die Jüngeren(unter 20 Jahre) mit einem Anteil von 24% leichtüberproportional vertreten sind (gegenüber 21% bei9 Die mehrfach Benachteiligten setzen sich aus Personen der Teilgruppe AE + AD + ED + ADE zusammen.Grafik 3: Teilgruppen der Ausgrenzungsgefährdung im Zeitverlauf0100200300400500600700800900A D E AE AD ED ADE6901182111818026100663263209136103421167871532271268122532004 2008 2011TeilgruppenderAusgrenzungsgefährdetenin1.000Q: STATISTIK AUSTRIA, EU-SILC 2004, 2008 und 2011.A: Armutsgefährdung OHNE E oder D.E: Haushalt mit keiner oder sehr niedriger Erwerbsintensität OHNE A oder D.D: Erhebliche materielle Deprivation OHNE A oder E.AE: A und E und nicht D.AD: A und D und nicht E.ED: E und D und nicht A.ADE: A und D und E.
  27. 27. EUROPÄISCHE INDIKATOREN UND ZIELGRÖSSEN FÜR SOZIALE EINGLIEDERUNG IM RAHMEN DER STRATEGIE „EUROPA 2020“25den Nicht-Ausgrenzungsgefährdeten). Betrachtetman diese Alterskohorte im Detail, so zeigt sich, dassKinder unter 16 Jahren ein erhöhtes Risiko haben, ineinem ausgrenzungsgefährdeten Haushalt zu leben:Für sie beträgt die Ausgrenzungsgefährdungsquoterund 20%, während sie für Personen ab 16 Jahrenrund 16% beträgt. Auch nach Geschlecht zeigen sichUnterschiede: Frauen sind mit einer Quote von 18%häufiger von Ausgrenzungsgefährdung betroffen alsMänner (14%). Sie befinden sich etwas öfter in denTeilgruppen der ausschließlich Armutsgefährdeten(A) und den Personen in Haushalten mit keiner odersehr niedriger Erwerbsintensität (E).10Einen überproportionalen Anteil unter den Aus-grenzungsgefährdeten stellen Personen mit nicht10 Unterschiede in Personenmerkmalen beispielsweise Geschlechterunterschiede, sind bei Indikatoren wie Ausgrenzungsgefährdung, die imHaushaltszusammenhang berechnet werden, eingeschränkt erkennbar und auf Unterschiede in Einpersonenhaushalten zurückzuführen.Anmerkungen dazu siehe auch im Kapitel 3.1.2.Übersicht 2: Soziale Zusammensetzung der Armuts- oder AusgrenzungsgefährdetenMerkmaleAusgrenzungsgefährdete Nicht-Ausgrenzungsgefährdetein 1.000 Anteil in % Quote in % in 1.000 Anteil in %Insgesamt 1.407 100 17 6.909 100AlterBis 19 Jahre 331 24 19 1.445 2120 bis 39 Jahre 364 26 18 1.700 2540 bis 64 Jahre 470 33 15 2.587 3765 Jahre und älter 242 17 17 1.177 17Männer (ab 20 Jahren)Zusammen 455 32 14 2.694 3920 bis 39 Jahre 172 12 17 856 1240 bis 64 Jahre 210 15 14 1.305 1965 Jahre und älter 73 5 12 533 8Frauen (ab 20 Jahren)Zusammen** 622 44 18 2.770 4020 bis 39 Jahre 192 14 19 844 1240 bis 64 Jahre 260 18 17 1.282 1965 Jahre und älter 169 12 21 644 9StaatsbürgerschaftÖsterreich 1.096 78 15 6.298 91darunter eingebürgert (Nicht EU/EFTA) 85 6 30 203 3Nicht Österreich 311 22 34 610 9davon EU/EFTA 96 7 27 264 4davon sonstiges Ausland 216 15 38 346 5Höchster Bildungsabschluss*Max. Pflichtschule 480 34 27 1.289 19Lehre/mittlere Schule 433 31 13 2.857 41Matura 170 12 14 1.033 15Universität 60 4 8 676 10Q: STATISTIK AUSTRIA, EU-SILC 2011.* Kinder (0- bis 15-Jährige) sind in der Kategorie „Höchster Bildungsabschluss“ ausgeschlossen.** Rundungsbedingt kann die Summe der Teilgruppen um +/- 1.000 Personen abweichen.
  28. 28. EUROPÄISCHE INDIKATOREN UND ZIELGRÖSSEN FÜR SOZIALE EINGLIEDERUNG IM RAHMEN DER STRATEGIE „EUROPA 2020“26österreichischer Staatsbürgerschaft (22%; unter denNicht-Ausgrenzungsgefährdeten: 9%). Auch in dieserGruppe sind es Kinder unter 16 Jahren, die ein noch-mals erhöhtes Risiko der Ausgrenzungsgefährdunghaben, jedoch ist ihr Risiko ungleich höher als das derKinder mit österreichischer Staatsbürgerschaft: 45%der Kinder unter 16 Jahren mit nicht österreichischerStaatsbürgerschaft leben in einem Haushalt, der vonAusgrenzungsgefährdung betroffen ist. ZumVergleich:16% der Kinder mit österreichischerStaatsbürgerschaftleben in ausgrenzungsgefährdeten Haushalten.Rund ein Drittel der Ausgrenzungsgefährdeten(480.000 Menschen) verfügt maximal über einenPflichtschulabschluss. Dass Bildung vor sozialerAusgrenzung schützen kann, zeigt sich in der Aus-grenzungsgefährdungsquote nach Bildungsniveau:So sind Personen mit maximal einem Pflichtschul-abschluss zu 27% ausgrenzungsgefährdet, währendPersonen mit Universitätsabschluss nur zu 8% vonAusgrenzungsgefährdung betroffen sind.Übersicht 3 stellt ausgewählte Haushaltsmerkmale derAusgrenzungsgefährdeten dar. Hierbei zeigt sich einstarker Zusammenhang von Ausgrenzungsgefährdungund Urbanität: Mit einem Drittel der Ausgrenzungs-gefährdeten leben überdurchschnittlich viele vonihnen in Wien. Zwar lebt die Mehrheit der Ausgren-zungsgefährdeten, das sind 589.000 Menschen, inGemeinden mit weniger als 10.000 EinwohnerInnen,jedoch ist dieser Anteil mit 42% deutlich geringerals in nicht ausgrenzungsgefährdeten Haushalten(59%). Der Unterschied zeigt sich auch hinsichtlichmehrfacher Benachteiligungen, die inWien überdurch-schnittlich stark ausgeprägt sind: Rund 40% der inWien lebenden Ausgrenzungsgefährdeten sind vonmindestens zwei der Gefährdungslagen betroffen.Hinsichtlich der Haushaltskonstellationen zeigt sich:Personen in Haushalten mit Pension sind unter denAusgrenzungsgefährdeten leicht überproportionalvertreten (21% im Vergleich zu 18%). Ein überdurch-schnittliches Ausgrenzungsrisiko in Haushalten mitPension betrifft jedoch einzig alleinlebende Frauen,von denen jede Dritte ausgrenzungsgefährdet ist.Alleinlebende Männer oder Mehrpersonenhaushaltemit Pension haben hier kein erhöhtes Risiko.Für Haushalte ohne Pension gilt: Lebt eine Personalleine, so steigt die Ausgrenzungsgefährdungs-quote stark an – für Männer auf 30%, für Frauenauf 34%. So stellen Alleinlebende ohne Pensionmit 284.000 Personen auch einen beträchtlichenAnteil unter den Ausgrenzungsgefährdeten dar(20%). Leben Kinder im Haushalt, so führt das nurfür bestimmte Haushaltskonstellationen zu einemerhöhten Ausgrenzungsrisiko. Es befinden sich unterden Ausgrenzungsgefährdeten zwar vergleichsweisewenige Mehrpersonenhaushalte ohne Kinder (15%im Vergleich zu 25%), noch seltener sind aber Mehr-personenhaushalte mit einem Kind vertreten (8%zu 19%). Auch Mehrpersonenhaushalte mit zweiKindern haben ein unterdurchschnittliches Aus-grenzungsrisiko und stellen in der Zielgruppe einenAnteil von 14% dar. Umgekehrt verhält es sich mitEin-Eltern-Haushalten und Mehrpersonenhaushaltenmit mindestens drei Kindern; sie finden sich unterden ausgrenzungsgefährdeten Haushalten mehr alsdoppelt so oft wie in anderen Haushalten.Mehr als eine halbe Million Ausgrenzungsgefährdeteleben in Haushalten, deren Einkommen haupt-sächlich aus Sozialleistungen bestehen. Haushaltemit Haupteinkommensquelle Sozialleistungen habendamit eine Ausgrenzungsgefährdungsquote von 68%.Das niedrigste Ausgrenzungsrisiko (8%) weisen Perso-nen in Haushalten mit Haupteinkommensquelle ausunselbständiger Arbeit auf. Nichtsdestotrotz beträgtihr Anteil unter den Ausgrenzungsgefährdeten knapp30%, das entspricht 388.000 Personen.
  29. 29. EUROPÄISCHE INDIKATOREN UND ZIELGRÖSSEN FÜR SOZIALE EINGLIEDERUNG IM RAHMEN DER STRATEGIE „EUROPA 2020“27Übersicht 3: Ausgewählte Haushaltsmerkmale der Armuts- oder Ausgrenzungs-gefährdetenAusgrenzungsgefährdete Nicht-Ausgrenzungsgefährdetein 1.000 Anteil in % Quote in % in 1.000 Anteil in %Insgesamt 1.407 100 17 6.909 100GemeindegrößenklasseWien 467 33 28 1.231 18Andere Gemeinden > 100.000 Einw. 141 10 20 566 8Gemeinden >10.000 und <=100.000 Einw. 210 15 16 1.063 15Gemeinden <=10.000 Einw. 589 42 13 4.048 59Haushalte mit PensionZusammen 289 21 19 1.241 18Alleinlebende Männer 20 1 16 108 2Alleinlebende Frauen 96 7 32 209 3Mehrpersonenhaushalt 173 12 16 924 13Haushalte ohne PensionZusammen 1.118 79 16 5.668 82Alleinlebende Männer 128 9 30 304 4Alleinlebende Frauen 156 11 34 303 4Mehrpersonenhaushalt ohne Kinder 215 15 11 1.748 25Haushalte mit Kindern 619 44 16 3.312 48Ein-Eltern-Haushalt 97 7 36 170 2Mehrpersonenhaushalt + 1 Kind 117 8 8 1.323 19Mehrpersonenhaushalt + 2 Kinder 193 14 13 1.305 19Mehrpersonenhaushalt + mind. 3 Kinder 213 15 29 514 7HaupteinkommensquelleUnselbständige Arbeit 388 28 8 4.649 67Selbständige Arbeit 92 7 13 594 9Sozialleistungen 559 40 68 262 4Pensionen 302 21 18 1.330 19Private Einkommen 67 5 48 73 1Q: STATISTIK AUSTRIA, EU-SILC 2011.
  30. 30. 28
  31. 31. ARMUTSGEFÄHRDUNG UND „WORKING POOR“ IN ÖSTERREICH293. ARMUTSGEFÄHRDUNG UND „WORKING POOR“ IN ÖSTERREICHIn diesem Kapitel erfolgt eine detaillierte DarstellungderArmutsgefährdunginÖsterreich.Dabeistehtsowohldie soziodemographischeStruktur alsauch diezeitlicheEntwicklung desarmutsgefährdeten Bevölkerungsteilsim Fokus der Analyse. Der zweite Abschnitt untersuchtjene Personen, die trotz Erwerbstätigkeit von Armuts-gefährdung betroffen sind. Neben der Präsentationaktueller Zahlen für diese Gruppe der „Working Poor“in Österreich soll auch den Gründen des Phänomens„Working Poor“ nachgegangen werden.3.1 ArmutsgefährdungIm Rahmen der Europa 2020-Strategie stellt die „Ar-mutsgefährdungsquote bei 60% des Medians“ einender drei zentralen Indikatoren zum Monitoring desLeitziels „Teilhabemöglichkeiten“ dar. Auch davorwar sie im Set der sogenannten Laeken-Indikatorenseit dem Jahr 2001 eine der wichtigsten Kenngrößenfür soziale Eingliederung.EU-weit liegt die Armutsgefährdungsquote für dasJahr 2011 bei 16%. Österreich liegt, wie im Vorjahr,auch 2011 mit 13% Armutsgefährdung innerhalbder EU an drittniedrigster Stelle, die niedrigste Ar-mutsgefährdungsquote hat Tschechien mit 10%. Amhöchsten ist der Prozentsatz der Armutsgefährdetenin Rumänien und Bulgarien, 2011 lebten dort rund22% der Gesamtbevölkerung unter der jeweiligennationalen Armutsgefährdungsschwelle.Der folgende Abschnitt informiert über das Ausmaßder Armutsgefährdung in Österreich 2011 und im Zeit-verlauf seit 2004. Alle dargestellten Ergebnisse geltenfür Privathaushalte in Österreich. Anstaltshaushaltesind nicht Teil der Stichprobe, somit werden etwa Ar-mutslagen von Wohnungslosen, Menschen in Alten-,Pflege- oder Kinderheimen oder Asylwerbenden nichterfasst. Andere Bevölkerungsgruppen wie MigrantIn-nen, Kranke oder Sozialhilfebeziehende sind in derEU-DEFINITION DER ARMUTSGEFÄHRDUNG:Die Armutsgefährdungsquote bei 60% des Medians weist den Anteil jener Personen an der Gesamtbevölkerungaus, deren äquivalisiertes Haushaltseinkommen einen bestimmten Schwellenwert unterschreitet. Zur Berechnungdes Haushaltseinkommens wird die Summe aller Bruttoerwerbseinkommen im Haushalt zuzüglich Kapitalerträgeund Pensionen sowie allfälliger Sozialtransfers gebildet. Nach Abzug von Steuern errechnet sich das Haushalts-nettoeinkommen. Das verfügbare Haushaltseinkommen ergibt sich dann nach Abzug und Hinzurechnung von Un-terhaltsleistungen und sonstigen Privattransfers zwischen den Haushalten. Die Äquivalisierung erfolgt anhand derinternational etablierten EU-Skala, welche die erste erwachsene Person im Haushalt mit einem Konsumäquivalentvon 1, jeden weiteren Erwachsenen mit 0,5 und jedes Kind (bis 13 Jahre) mit 0,3 gewichtet. Dadurch wird jeder Personim Haushalt das gleiche Einkommen als Äquivalent für einen bestimmten Lebensstandard im Vergleich zu einemEinpersonenhaushalt zugerechnet. Der Eurostat Definition folgend wird die sogenannte Armutsgefährdungsschwelleauf Basis von 60% des Medians berechnet und an die jeweilige Haushaltszusammensetzung angepasst. So könnenHaushalte unterschiedlicher Zusammensetzung und Größe miteinander verglichen und Bevölkerungsgruppen mitniedrigem Lebensstandard identifiziert werden.
  32. 32. ARMUTSGEFÄHRDUNG UND „WORKING POOR“ IN ÖSTERREICH30Erhebung aus Gründen erschwerter Erreichbarkeitunterrepräsentiert, was jedoch in der Hochrechnungberücksichtigt wird und so weitgehend ausgegli-chen werden kann. Die aus den Stichprobendatenhochgerechneten Ergebnisse sind Schätzungen fürVerteilungen in der Grundgesamtheit und unterliegeneiner Zufallsschwankung. Unterschiede zwischenUntergruppen und im Jahresvergleich müssen dahermit Rücksicht auf die Schwankungsbreiten interpre-tiert werden.3.1.1 Ausmaß und Intensität der Armutsge-fährdungZusammensetzung und Entwicklung deräquivalisierten HaushaltseinkommenDas hier verwendete Konzept der Armutsgefährdungorientiert sich zur Abbildung des materiellen Lebens-standards am Haushaltseinkommen von Personenin privaten Haushalten. Dieses setzt sich aus denfolgenden Einkommensbestandteilen zusammen(siehe Übersicht 4):Grafik 4: Armutsgefährdung in den EU-27-Staaten0510152025TschechienNiederlandeÖsterreichDänemarkSlowakeiLuxemburgSlowenienFinnlandUngarnFrankreichSchwedenZypernBelgienMaltaDeutschlandIrland*GroßbritannienEstlandPolenPortugalLettlandItalienLitauenGriechenlandSpanienRumänienBulgarienArmutsgefährdungin%derGesamtbevölkerungEU-27**Q: Eurostat 2012, EU-SILC 2010 und 2011. Datenbank zum Stand 11.01.2013, eigene Darstellung.* Aktuellste Zahlen stammen aus 2010.** Eurostat SchätzungÜbersicht 4: Bestandteile des Haushalts-einkommens in EU-SILCNettoeinkommen auf Personenebene*Unselbständigen Einkommen+ Selbständigen Einkommen+ Altersleistungen+ Arbeitslosenleistungen+ Hinterbliebenenleistungen+ Krankenleistungen+ Invaliditätsleistungen+ Ausbildungsleistungen+ Renten aus privaten SystemenNettoeinkommen auf Haushaltsebene*+ Einkommen aus Vermietung und Verpachtung+ Familienleistungen+ Sonstige Leistungen gegen soziale Ausgrenzung+ Wohnungsbeihilfen+ Erhaltene Transfers zwischen privaten Haushalten+ Zinsen, Dividenden+ Einkommen von Personen unter 16 JahrenAbzüge- Geleistete Transfers zwischen privaten Haushalten- Einkommensteuernachzahlungen/-erstattungen= HaushaltseinkommenQ: STATISTIK AUSTRIA, EU-SILC 2011.* Nach Steuern und SV-Beiträgen.
  33. 33. ARMUTSGEFÄHRDUNG UND „WORKING POOR“ IN ÖSTERREICH31Werden die Einkommensbestandteile mit Hilfe der imobigen Abschnitt beschriebenen EU-Skala nach Anzahlder Haushaltsmitglieder gewichtet, so erhält manäquivalisierte Einkommensbestandteile.Sie erreichenin EU-SILC 2011 (bezogen auf das Einkommensjahr2010) die folgenden Höhen:11Das äquivalisierte Ein-kommen aus Arbeit, Kapital und Grundbesitz12– dassogenannte Brutto-Markteinkommen – beträgt imMedian 22.258 Euro. Zuzüglich der Pensionen13beläuftsich das sogenannte Primäreinkommen (äquivalisiert)in Österreich im Median auf 24.845 Euro. Zieht mandavon Steuern und Abgaben ab und berücksichtigterhaltene Sozialleistungen14, ergibt sich im Medianein äquivalisiertes Sekundäreinkommen von 21.120Euro. Durch das Abziehen bzw. Hinzurechnen privaterTransferzahlungen wird das verfügbare äquivalisierteHaushaltseinkommen – auf dem die Armutsgefähr-dung basiert – berechnet; dieses beträgt im Median21.319 Euro.Der Median desäquivalisiertenverfügbaren Haushalts-einkommensliegtderBerechnungderArmutsgefährdungzugrundeundkannalsdasHaushaltseinkommeneinesEinpersonenhaushalts mit mittlerem Lebensstandard11 Für eine Verteilung des Haushaltseinkommens vor Äquivalisierung siehe Tabellenband zu EU-SILC 2011 (Statistik Austria 2012b): Tab. 1.1.und Tab. 11.1a-c.12 Summe aus den folgenden Brutto-Einkommensbestandteilen: (Un)Selbständigen Einkommen, Zinsen und Dividenden, Vermietung undVerpachtung, Private Renten sowie Einkommen von Personen unter 16 Jahren.13 Summe aus den folgenden Brutto-Einkommensbestandteilen: Altersleistungen und ab Erreichen des Pensionsalters Invaliditätspensionen.14 Summe aus den folgenden Einkommensbestandteilen: Hinterbliebenenleistungen, Krankenleistungen, Invaliditätsleistungen, Ausbil-dungsleistungen, Familienleistungen, Arbeitslosenleistungen, sonstige Leistungen gegen soziale Ausgrenzung sowie Wohnungsbeihilfen.Grafik 5: Äquivalisiertes Haushaltseinkommen: Einkommensverteilung 2010 und 20116810121416182022242628303234363840424446480 5 10 15 20 25 30 35 40 45 50 55 60 65 70 75 80 85 90 95 1002010 2011ÄquivalisiertesNettohaushaltseinkommen(in1.000EuroproJahr)% der BevölkerungArmutsgefährdungsschwellen der jeweiligen JahreQ: STATISITK AUSTRIA, EU-SILC 2010-2011.Lesebeispiel: 50% der Bevölkerung im Jahr 2011 haben ein äquivalisiertes Haushaltseinkommen von höchstens 21.319 Euro zur Verfügung.
  34. 34. ARMUTSGEFÄHRDUNG UND „WORKING POOR“ IN ÖSTERREICH32interpretiert werden. Mit einer Höhe von 21.319 Europro Jahr hat demnach ein Einpersonenhaushalt 2011pro Jahr im Mittel rund 700 Euro mehr zur Verfügungals im Jahr zuvor. Das entspricht einer Erhöhung um3,4%. Doch zeigt sich mit Blick auf die gesamte Ein-kommensverteilung (siehe Grafik5), dass der Anstiegfür bestimmte Einkommensgruppen unterschiedlichhoch ausfällt:Währendder Median desäquivalisiertenHaushaltseinkommens der unteren 30% der Einkom-mensbeziehenden einen unterdurchschnittlichenAnstieg um 1,3% erfuhr und die obersten 15% Ein-kommensbeziehenden in ihrem Medianeinkommennahezu konstant (-0,5%) blieben, stieg der MediandesHaushaltseinkommensfür die Einkommensgruppedes 30 bis 85 Perzentils – die mittleren Einkommen –gegenüber dem Vorjahr um 4,1%.Bei einer Inflation von 1,9% im Jahr 2010 (auf welchessich die EU-SILC 2011 Einkommensdaten beziehen)bedeutet dies: Die preisbereinigten Einkommender unteren 30% Einkommensbeziehenden sinken.Dieses Sinken fällt zwar schwächer als für die obers-ten 15%, eine Steigerung in den preisbereinigtenEinkommen erfahren aber besonders die mittlerenEinkommensgruppen (das 30 bis 85 Perzentil), diesedafür überdurchschnittlich stark.Der schwächere Anstieg der unteren Einkommenkönnte zur Folge haben, dass 2011 mehr Menschenvon Armutsgefährdung betroffen sind als im Jahr zuvoroder dass sich die Einkommenslage der Armutsge-fährdeten gegenüber demVorjahr verringert. Inwiefernsich diese Entwicklung tatsächlich vollzogen hat,lässt sich mithilfe von Armutsgefährdungsschwelle,-quote und -lücke zeigen.ArmutsgefährdungsschwelleDer Wertvon 60% des Medianäquivalenzeinkommensbestimmt die Höhe der Armutsgefährdungsschwelle.Die Armutsgefährdungsschwelle aus EU-SILC2011 liegtfür einen Einpersonenhaushalt bei 12.791 Euro pro Jahr.Dieser Betrag umfasst die Summe der Jahreseinkünfteaus Erwerbsarbeit, Sozialtransfers, Einkommen ausUnterhaltszahlungen und anderen Privateinkommen.Gehälter und Pensionen werden in Österreich meist14-mal undSozialleistungen meist 12-mal ausbezahlt.Daher werden zur besseren Lesbarkeit auch Monats-werte der Armutsgefährdungsschwelle ermittelt: EinZwölftel des Jahresschwellenwerts beträgt 1.066 Euro.Ein Vierzehntel desSchwellenwerts liegt bei 914 Euro.Ein Einpersonenhaushalt mit einem monatlichenErwerbseinkommen von weniger als 914 Euro ohnezusätzliche Einkünfte aus anderen Zahlungen wieWohnbeihilfe, Zusatzverdienste, Prämien oder privateTransfers läge mit seinem Haushaltseinkommen unterdem Schwellenwert und würde als armutsgefährdetgelten.Übersicht 5: Armutsgefährdungsschwelle bei 60% des Medians für unterschiedliche Haus-haltstypenHaushaltstypGewichtungsfaktornach EU-SkalaJahreswert(in Euro)Monatswert 1/12(in Euro)1/14(in Euro)Einpersonenhaushalt 1 12.791 1.066 9141 Erwachsener + 1 Kind 1,3 16.628 1.386 1.1882 Erwachsene 1,5 19.187 1.599 1.3702 Erwachsene + 1 Kind 1,8 23.024 1.919 1.6452 Erwachsene + 2 Kinder 2,1 26.861 2.238 1.9192 Erwachsene + 3 Kinder 2,4 30.699 2.558 2.193Q: STATISTIK AUSTRIA, EU-SILC 2011.
  35. 35. ARMUTSGEFÄHRDUNG UND „WORKING POOR“ IN ÖSTERREICH33Im Folgenden wird der Monatswert immer als Jahres-zwölftel mit 1.066 Euro dargestellt. Verglichen mitdem in der Berichterstattung 2010 publizierten Wertvon monatlich 1.031 Euro hat sich die Armutsgefähr-dungsschwelle um 3,4% erhöht; die Steigerung istimmer relativ zu der des medianen Einkommens imJahresvergleich zu sehen (siehe Seite 31).Die Anpassung der Armutsgefährdungsschwelle fürMehrpersonenhaushalte erfolgt mittels Gewichtunganhand der international etablierten EU-Skala. Da-durch erhöht sie sich für jede weitere erwachsenePerson im Haushalt um 533 Euro (Faktor 0,5) undfür jedes Kind (unter 14 Jahren) um 320 Euro (Fak-tor 0,3) pro Monat. Übersicht 5 zeigt beispielhaftArmutsgefährdungsschwellen für unterschiedlicheHaushaltstypen.ArmutsgefährdungsquoteLaut EU-SILC 2011 sind in Österreich 12,6% derBevölkerung armutsgefährdet (bzw. mit 95%Vertrauenswahrscheinlichkeit zwischen 11,5% und13,8%). Hochgerechnet auf die rund 8,32 MillionenPersonen umfassende Gesamtbevölkerung liegtdie Zahl der armutsgefährdeten Personen zwischen957.000 und 1.146.000 Personen.15Der Unterschiedin den Armutsgefährdungsquoten aus EU-SILC 2010und EU-SILC 2011 (2010: 12,1%; 2011: 12,6%) liegtim Bereich der statistischen Schwankungsbreite(Überschneidung der 95%-Konfidenzintervalle) undkann nicht von zufallsbedingten Veränderungenunterschieden werden.16In Zeitreihenanalysen zeigtdie Armutsgefährdungsquote über den gesamtenBerichtszeitraum relative Konstanz. Dies gilt fürPersonen in Privathaushalten bei gleich bleibenderDefinition von Armutsgefährdung. Armutsgefährdungals einkommensbasierte Maßzahl berücksichtigtkeine Veränderungen bei Kosten oder Bedarf wieetwa steigenden Lebenshaltungskosten.Übersicht 6 zeigt die Entwicklung der Armutsgefähr-dungsquoten und -schwellen seit 2004 und stelltzusätzlich dieSchwankungsbreiten der Ergebnisse dar.15 Rundungsbedingt kann es je nach Berechnungsmethode zu kleineren Abweichungen kommen.16 Die zugrunde liegende Fehlerrechnung ist eine im Normalfall hinreichende Annäherung an den tatsächlichen Wert. Aufgrund der teilwei-se verbundenen Stichproben ist der Vergleich zwischen den Erhebungswellen besser abgesichert, als wenn unabhängige Querschnitteverglichen würden. Für Differenzen zwischen zwei Jahren gelten daher etwa dieselben Schwankungsbreiten wie bei Vergleichen innerhalbderselben Querschnittstichprobe (vgl. Verma 2001, Statistik Austria 2012a).Übersicht 6: Armutsgefährdungsschwelle und Armutsgefährdungsquote im ZeitverlaufJahrArmutsgefährdungs-schwellein EuroArmutsgefährdung Konfidenzintervall 95%in % in 1.000untere Grenzein 1.000obere Grenzein 1.0002004 10.119 13,0 1.047 954 1.1392008 11.406 12,4 1.018 939 1.0982009 11.931 12,0 993 903 1.0832010 12.371 12,1 1.004 912 1.0962011 12.791 12,6 1.051 957 1.146Q: STATISTIK AUSTRIA, EU-SILC 2004; 2008 bis 2011.Armutsgefährdungsschwelle: Jahreswert bei 60% des Medians.Da für die Jahre 2004 bis 2008 rückwirkend Privatpensionen als Bestandteil des Haushaltseinkommens berücksichtigt wurden, weichendie ausgewiesenen Werte von den jeweiligen Jahrespublikationen ab.
  36. 36. ARMUTSGEFÄHRDUNG UND „WORKING POOR“ IN ÖSTERREICH34Alternative ArmutsgefährdungsschwellenFür eine EU-weite und vergleichbare Berichterstattungzu Armutsgefährdung wurde in der politischen Diskus-sion 60% des Medians des Äquivalenzeinkommensals kritischer Wert festgelegt.17Dieser Festlegung liegtkeine Bedarfsmessung zugrunde, daher können zurBeobachtung von Einkommensarmut auch andereSchwellenwerte definiert werden18(siehe Übersicht 7):Bei Anwendung einer sehr niedrigenSchwelle von 40%des Medians des Äquvalenzeinkommens (entspricht711 Euro pro Monat für einen Einpersonenhaushalt)liegt laut EU-SILC 2011 das Äquivalenzeinkommenvon 3% der Bevölkerung darunter. Wird die Schwellebei 50% des Medians festgelegt (888 Euro), haben7,1% ein äquivalisiertes Haushaltseinkommen unterdiesem Wert. 1.244 Euro entsprechen der Schwellebei 70% des Medians – hier haben 21% der Bevölke-rung weniger zur Verfügung. Auch diese alternativenArmutsgefährdungsschwellen zeigen im Zeitverlauf2004 bis 2011 relative Konstanz.Eine weitere Alternative bietetdiezeitlicheVerankerungdes Armutsgefährdungsschwellenwerts: Hierbei wirddie Armutsgefährdungsschwelle auseinem Referenzjahrmit der Inflationsrate fortgeschrieben. Bei zeitlicherVerankerung der Armutsgefährdungsschwelle desJahres 2008 liegt der Schwellenwert 2011 bei 1.006Euro monatlich – hier haben 10,6% der Bevölkerungein geringeres Haushaltseinkommen zur Verfügung.Zudem bieten sich politisch festgelegte Schwellen-werte als Alternative zu konventionellen statistischenArmutsgefährdungsschwellen an. Ein solcher lässtsich beispielsweise auf Basis des Ausgleichszulagen-richtsatzes für Pensionen berechnen. Dieser beträgt2011 793 Euro brutto 14-mal im Jahr, abzüglich derKrankenversicherung für Pensionsbeziehende (2011:5,1%). Netto entspricht das 10.541 Euro pro Jahr oder(dividiert durch 12) 878 Euro pro Monat. 561.000Personen bzw. 6,7% der Bevölkerung haben einÄquivalenzeinkommen unter dem Schwellenwert inHöhe der Ausgleichszulage.Auch die Bedarfsorientierte Mindestsicherung19(BMS)lässt sich als politischer Schwellenwert zur Bestim-mung niedrigen Einkommens heranziehen. Für einenEinpersonenhaushalt beträgt die BedarfsorientierteMindestsicherung im Jahr 2011 753 Euro pro Monat,darin inkludiert ist ein Wohnkostenanteil. Nicht be-17 Beschluss des Europäischen Rates von Laeken, Dezember 2001.18 Ein bedarfsgerechter Wert kann aus wissenschaftlicher Sicht weder durch einen einzigen Schwellenwert noch vergleichbar für verschie-dene Länder festgelegt werden. Die EU empfiehlt daher, mehrere Schwellenwerte als Richtwert zu niedrigem Einkommen darzustellen.19 Die Bedarfsorientierte Mindestsicherung trat im September 2010 zunächst in Wien, Niederösterreich und Salzburg in Kraft, Oberösterreichführte sie als letztes Bundesland am 1. 10. 2011 ein. In den Bundesländern existieren teilweise unterschiedlich detaillierte Regelungen,was z.B. Richtsätze für Kinder oder Wohnkostenanteile betrifft. Siehe BMASK (2012, S 148ff).ARMUTSGEFÄHRDUNG IM ZEITVERLAUF:Um die zeitliche Entwicklung der Armutsgefährdung abzubilden, werden die Querschnittergebnisse aus EU-SILC 2004bis 2011 ausgewiesen. Aufgrund von Zufallsschwankungen sind kleinere Veränderungen meist nicht interpretierbar.Erst wenn Ergebnisse über mehrere Jahre einen Trend verzeichnen, kann von einer realen Veränderung gesprochenwerden. Aufgrund des Stichprobenfehlers und der damit verbundenen Schwankungsbreite der Schätzwerte wirdim Folgenden auf die Darstellung von Nachkommastellen verzichtet. Geringe jährliche Veränderungen (etwa +/-1Prozentpunkt bei der Armutsgefährdungsquote) sind nicht signifikant (95%-Signifikanzniveau) und daher nichtinterpretierbar. Zwischen 2004 und 2005 sowie 2007 und 2008 hat ein Wechsel des Erhebungsinstituts statt-gefunden, Unterschiede sind damit z.T. erhebungsbedingt.
  37. 37. ARMUTSGEFÄHRDUNG UND „WORKING POOR“ IN ÖSTERREICH35rücksichtigt sind in diesem Wert allfällige Ansprücheauf Miet- oder Wohnbeihilfe, auf Pflegegeld und fürHaushalte mit Kindern auf Familienbeihilfe und denKinderabsetzbetrag. Die BMS wird 12-mal im Jahrausgezahlt, somit ergibt sich ein Jahreswert von9.035 Euro für einen Einpersonenhaushalt. 364.000Personen oder 4,4% der Bevölkerung hätten lautEU-SILC 2011 weniger äquivalisiertes Einkommen alsdiesen fiktiven Armutsgefährdungsschwellenwertzur Verfügung.ArmutsgefährdungslückeWie Grafik 6 zeigt, ist laut EU-SILC 2011 das Median-einkommen armutsgefährdeter20Haushalte im Mittelum 19% geringer als die Armutsgefährdungsschwelle.Für Einpersonenhaushalte liegt die Armutsgefähr-dungslücke demnach bei 2.429 Euro pro Jahr; dividiertdurch zwölf ergibt sich ein Monatswert von 202 Euro.Für 2010 betrug der Wert der Armutsgefährdungslücke17%. Der Anstieg um zwei Prozentpunkte liegt inner-halb der statistischen Schwankungsbreite und istdaher mitVorsicht zu interpretieren. Nichtsdestotrotzliefert der Befund einen Hinweis darauf, dass sich dieLebenslage der Armutsgefährdeten hinsichtlich ihrer20 Armutsgefährdung bei 60% des Medians als Armutsgefährdungsschwelle.ARMUTSGEFÄHRDUNGSLÜCKE:Die Armutsgefährdungslücke bildet die Intensität der Armutsgefährdung ab. Als Maß für die Streuung der Niedrig-einkommen um die Armutsgefährdungsschwelle drückt sie den Median der individuellen Abweichungen derÄquivalenzeinkommen (der Armutsgefährdeten) von der Armutsgefährdungsschwelle in Prozent dieser Schwelleaus. Sie misst so, ob die äquivalisierten Haushaltseinkommen der Armutsgefährdeten deutlich unter der Schwelleliegen oder nahe am Schwellenwert.Übersicht 7: Einkommen und Lücke der Armutsgefährdeten bei unterschiedlichenSchwellenArmutsgefährdungArmutsgefährdungs-schwelleArmutsgefährdungMedian-einkom-men derArmutsge-fährdetenin EuroArmutsgefährdungs-lückeJahres-wertMonats-wert*in % in 1.000 in %Jahreswertin Euroin Eurobei 40% des Medians 8.527 711 3,0 252 6.025 29 2.505bei 50% des Medians 10.659 888 7,1 594 8.832 17 1.827bei 60% des Medians 12.791 1.066 12,6 1.051 10.363 19 2.429bei 70% des Medians 14.923 1.244 20,6 1.713 12.000 20 2.923Schwelle auf Jahr 2008 verankert 12.066 1.006 10,6 879 9.727 19 2.339Ausgleichszulage**2011 netto 10.541 878 6,7 561 8.760 17 1.781Bedarfsorientierte Mindestsicherung***2011 9.035 753 4,4 364 7.596 16 1.437Q: STATISTIK AUSTRIA, EU-SILC 2011.* Monatswert entspricht 1/12 des Jahreswertes.** Ohne zusätzliche Zahlungen wie Einmalzahlung und Energiekostenzuschuss.*** Inkl. Wohnkostenanteil, ohne eventuelle Ansprüche auf Wohnbeihilfe, Familienbeihilfe, Kinderabsetzbetrag etc.
  38. 38. ARMUTSGEFÄHRDUNG UND „WORKING POOR“ IN ÖSTERREICH36Haushaltseinkommen sehr wahrscheinlich nicht zumBesseren gewendet hat.21Zu diesem Schluss kommtauch die Betrachtung der Einkommenssituation derGesamtbevölkerung.22Um den monetären Aufwand für Maßnahmen gegenArmut und soziale Ausgrenzung zu beziffern, kanndie Armutsgefährdungslücke auch als Prozentsatzdes Bruttoinlandsprodukts (BIP) ausgedrückt werden.Demnach wären 2,57 Milliarden Euro oder 0,9% desBIP 2011 notwendig, um den materiellen Lebensstan-dard aller Armutsgefährdeten dem Schwellenwert von60% des Medianeinkommens anzugleichen.23AllenArmutsgefährdeten dieses „Mindest“-Einkommen inder Höhe der Armutsgefährdungsschwelle zu ermögli-chen, würde bedeuten, die Armutsgefährdungslückezu schließen. Allerdings ist diese Berechnung statisch,etwaige Verhaltensänderungen, die durch derartigeTransfers ausgelöst würden, werden nicht berück-sichtigt. Das Äquivalenzeinkommen ist lediglichein indirektes Maß zur Bestimmung des materiellenLebensstandards. Bei gleichem Einkommen sindabhängig von Teilhabechancen und Kostenstrukturenganz unterschiedliche Lebensführungen möglich.3.1.2 Soziale Zusammensetzung der betrof-fenen Bevölkerung13% der Bevölkerung in Privathaushalten sind in Ös-terreich laut EU-SILC 2011 armutsgefährdet. Dies istein Durchschnittswert für die gesamte Bevölkerung– bestimmte Gruppen tragen ein deutlich höheresArmutsrisiko, während andere relativ gut abgesichertsind. Aufgrund der Konzeption von Armutsgefähr-dung als Haushaltsmerkmal ist die Identifikationindividueller soziodemographischer Merkmale alsRisikofaktoren nur eingeschränkt möglich.21 Vgl. hierzu Kapitel 2.3 Strukturmerkmale und Entwicklung der Europa 2020-Zielgruppe.22 Siehe Kapitel 3.1.1; Abschnitt „Zusammensetzung und Entwicklung der äquivalisierten Haushaltseinkommen“.23 Siehe Kapitel 8.1.ARMUTSGEFÄHRDUNG NACH PERSONENMERKMALEN:Armutsgefährdung ist ein Haushaltsmerkmal – mit einem äquivalisierten Haushaltseinkommen unter der Armutsge-fährdungsschwelle gelten alle Haushaltsmitglieder als armutsgefährdet. Auf die Einkommensverteilung innerhalbdes Haushalts und die tatsächliche Verfügungsmöglichkeit über finanzielle Ressourcen können keine Rückschlüssegezogen werden. Daher ist das Armutsrisiko von Personen nach individuellen Merkmalen wie dem Geschlecht nureingeschränkt vergleichbar. Zur Messung von Geschlechterdisparitäten im Lebensstandard bietet sich alternativder Vergleich von Einpersonenhaushalten an. Zu einer Analyse der Intrahaushaltsverteilung von Einkommen seiauf Mader, K. et al. 2012 verwiesen.Grafik 6: Armutsgefährdungslücke deräquivalisierten Medianeinkommen05.00010.00015.00020.00025.000MedianeinkommenGesamtbevölkerungMedianeinkommenArmutsgefährdete21.31910.363MedianinEuroArmutsgefährdungsschwelle12.791 EURArmutsgefähr-dungslücke (19%)}Q: STATISTIK AUSTRIA, EU-SILC 2011.Eurobeträge sind Jahreswerte.
  39. 39. ARMUTSGEFÄHRDUNG UND „WORKING POOR“ IN ÖSTERREICH37Die Gruppe der Armutsgefährdeten besteht aus268.000 Kindern und Jugendlichen, 341.000 Män-nern und 443.000 Frauen im Alter von 20 und mehrJahren.24Frauen haben gegenüber den Männern einum zwei Prozentpunkte erhöhtes Armutsgefährdungs-risiko (13% zu 11%). Hierbei sind es insbesonderealleinlebende Frauen ab 65 Jahren, die mit einerArmutsgefährdungsquote von 30% als Risikogruppezu bezeichnen sind. Insgesamt sind 109.000 allein-lebende Frauen im Pensionsalter armutsgefährdet.Diese Gruppe trägt auch maßgeblich zum Phänomender Altersarmut bei.Personen über 65 Jahre haben insgesamt eine Ar-mutsgefährdungsquote von 16%. Während Männerdieser Altersgruppe jedoch ein unterdurchschnitt-liches Armutsgefährdungsrisiko (11%) haben, sindFrauen mit einem Armutsgefährdungsrisiko von19% im Alter deutlich überdurchschnittlich oftbetroffen. Vergleichsweise stark von Armutsgefähr-dung betroffen sind auch Kinder und Jugendliche:16% der Kinder im Alter von 0 bis 15 Jahren lebenin einem armutsgefährdeten Haushalt.250- bis15-Jährige, die in einem Ein-Eltern- Haushalt odereinem Mehrpersonenhaushalt mit mindestens dreiKindern leben, haben mit 31% bzw. 27% ein starkerhöhtes Armutsgefährdungsrisiko. Dieses fällt für0- bis 15-Jährige in einem Mehrpersonenhaushaltmit einem Kind vergleichsweise gering (6%), ineinem Mehrpersonenhaushalt mit zwei Kinderndurchschnittlich (12%) aus.24 Vgl. Statistik Austria (2012b, Tab 5.1a).25 Vgl. Statistik Austria (2012b, Tab. 8.2).Übersicht 9: Armutsgefährdungsquotenach Haushaltstyp im ZeitverlaufArmutsgefährdungsquote in %2004 2008 2009 2010 2011Gesamt 13 12 12 12 13Haushalt mit PensionZusammen 15 16 16 15 13Alleinlebende Männer (6) 16 11 13 13Alleinlebende Frauen 24 24 28 26 26Mehrpersonenhaus-halt12 13 12 11 10Haushalt ohne PensionZusammen 13 12 11 11 12Alleinlebende Männer 21 16 17 19 23Alleinlebende Frauen 26 20 18 24 26Mehrpersonenhaus-halt ohne Kinder9 6 7 6 7Haushalt mit KindernZusammen 13 13 11 12 12Ein-Eltern-Haushalt 25 29 30 28 24Mehrpersonenhaus-halt + 1 Kind8 9 7 7 5Mehrpersonenhaus-halt + 2 Kinder9 10 7 11 10Mehrpersonenhaus-halt + mind. 3 Kinder23 20 20 18 26Q: STATISTIK AUSTRIA, EU-SILC 2004; 2008 bis 2011.Personen in Privathaushalten.Übersicht 8: Armutsgefährdungsquotenach Geschlecht und Alter im ZeitverlaufArmutsgefährdungsquote in %2004 2008 2009 2010 2011Gesamt 13 12 12 12 13AlterBis 19 Jahre 15 15 13 14 1520 bis 39 Jahre 12 11 12 12 1340 bis 64 Jahre 11 11 10 9 1065 Jahre und älter 17 15 15 15 16Männer (ab 20 Jahren) 11 10 10 10 1120 bis 39 Jahre 11 9 12 11 1240 bis 64 Jahre 11 10 9 9 1065 Jahre und älter 13 12 11 10 11Frauen (ab 20 Jahren) 14 13 13 13 1320 bis 39 Jahre 13 12 13 13 1340 bis 64 Jahre 11 11 10 10 1065 Jahre und älter 19 17 18 19 19Q: STATISTIK AUSTRIA, EU-SILC 2004; 2008 bis 2011.
  40. 40. ARMUTSGEFÄHRDUNG UND „WORKING POOR“ IN ÖSTERREICH38Nach Bildungsabschluss und Staatsbürgerschaftzeigt sich: Je höher der Bildungsabschluss, destoniedriger ist das Armutsgefährdungsrisiko. Wäh-rend Personen mit einem universitären Abschlusseine Armutsgefährdungsquote von 6% haben, sindPersonen, die über maximal einen Pflichtschulab-schluss verfügen, zu 21% armutsgefährdet. Unterden Armutsgefährdeten stellt diese Gruppe formalniedrig Gebildeter mit 369.000 Betroffenen einenbedeutsamen Anteil dar. Ein noch stärkeres Ar-mutsgefährdungsrisiko haben Personen mit nichtösterreichischer Staatsbürgerschaft. Von ihnensind 29% armutsgefährdet, das sind 265.000Betroffene.26Personen mit nicht österreichischerStaatsbürgerschaft haben auch unter Berücksich-tigung des Bildungsniveaus eine höhere Armuts-gefährdung als österreichische StaatsbürgerInnen:Personen mit maximal Pflichtschulabschluss undnicht österreichischer Staatsbürgerschaft sind miteiner Armutsgefährdungsquote von 37% doppeltso stark von Armut betroffen wie Personen mit ma-ximal Pflichtschulabschluss und österreichischerStaatsbürgerschaft (18%).3.1.3 Dauerhafte Armutsgefährdung zwi-schen 2008 und 2011Seit 2007 kann auf Basis der Längsschnittkomponentevon EU-SILC der Lebensstandard für ein jeweils vier-jähriges Panel dargestellt werden. So ist es möglich,das Armutsrisiko bestimmter Bevölkerungsgruppenüber einen längeren Zeitraum zu analysieren. ImFolgenden wird Armutsgefährdung im Längsschnittfür das Panel 2008 bis 2011 dargestellt.27Einkommen und Lebensstandard weisen vor allemdann einen deutlichen Zusammenhang auf, wenndas Einkommen über einen längeren Zeitraum gleichbleibt (vgl. BMASK/ Statistik Austria 2009, S. 108ff).Daher empfiehlt sich bei Verwendung des Äquiva-lenzeinkommens als Annäherung an den wahrenLebensstandard eine längerfristige Beobachtung. DerLebensstandard eines Haushalts, dessen Einkommen26 Vgl. Statistik Austria (2012b, Tab.5.1a).27 Ab EU-SILC 2011 können erstmals auch im Längsschnitt Ergebnisse für den Zeitraum bis zum aktuellen Berichtsjahr (2008 bis 2011) dar-gestellt werden. Längsschnittergebnisse erfolgten bisher um ein Jahr zeitversetzt.LÄNGSSCHNITTANALYSEN:Für die Analyse relevant sind all jene Personen, die vier Jahre in Folge befragt wurden und für die in jedem Erhe-bungsjahr Daten zur Armutsgefährdung vorliegen. Dies trifft im Vier-Jahres-Panel der Erhebungen EU-SILC 2008 bis2011 auf 2.453 Personen zu. Diese stammen aus 1.164 Haushalten, die am Ende des Panels im Datensatz verfügbarsind. Hochgerechnet entspricht das vierjährige Panel 7.825.000 Personen (in 3,583 Mio. privaten Haushalten)oder rund 94% der Querschnittbevölkerung. Die Differenz zur Gesamtbevölkerung in Privathaushalten 2011 liegtbei 491.000 Personen. Diese Personengruppe ist im Panel nicht erfasst, da sie im Zeitraum zwischen 2008 und2011 geboren wurde oder starb bzw. zugezogen ist oder Österreich verlassen hat oder in einen Anstaltshaushaltübersiedelt ist. Die Bevölkerungsstruktur des Längsschnitts wurde mittels Gewichtung so weit wie möglich an dieQuerschnittbevölkerung 2011 angepasst. Geringe Abweichungen der Längsschnittergebnisse zu den Querschnitt-ergebnissen können sich aufgrund der oben beschriebenen strukturellen Unterschiede zwischen Querschnitt- undLängsschnittbevölkerung dennoch ergeben. Die Haushaltsmerkmale eines Längsschnitthaushalts (zum BeispielEinkommen und Haushaltszusammensetzung) werden auf Basis des gesamten Querschnitthaushalts im letztenPaneljahr (hier 2011) ermittelt.

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