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Wadenswill Aquaponic Fischzucht in Berggebiet
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Wadenswill Aquaponic Fischzucht in Berggebiet

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Wadenswill Aquaponic Fischzucht in Berggebiet Document Transcript

  • 1. AQUAPONIC INNOVATIVE FISCHZUCHT IM BERGGEBIET Martina KunzHochschule Wädenswil, Umwelt und Natürliche Ressourcen, Fachstelle Ökotechnologie Grüental, CH - 8820 Wädenswil www.hsw.ch, www.aquaponic.ch, Tel. +41 44 789 95 86, m.kunz@hsw.ch Juni 2007
  • 2. Aquaponic – Innovative Fischzucht im Berggebiet Seite 1Fisch essen ist gesund!Fisch gilt als leicht bekömmliches Nahrungsmittel und enthält wertvolleVitamine, Eiweisse sowie Spurenelemente. Im Fisch enthaltene Fettsäurenwirken sich positiv auf Herz, Gehirn und Immunsystem aus. DieSchweizerische Gesellschaft für Ernährung empfiehlt, 1-2 mal pro WocheFisch zu essen. 57% der Bevölkerung kommen diesen Empfehlungen zwarnach, der Anteil der Personen, die selten oder nie Fisch essen, ist mit 38%aber ebenfalls gross. Die restlichen 5% essen an drei bis sieben Tagen proWoche Fisch. Durchschnittlich verzehren Herr und Frau Schweizer rund 6.5Kilogramm Fisch pro Kopf im Jahr.Die Fischproduktion in der Schweiz ist bescheidenDas Angebot an Schweizer Fisch deckt mit rund 3100 Tonnen pro Jahr nurknapp 7 % des gesamten Fischkonsums, der rund 48000 Tonnen beträgt. DieInland-Fischproduktion setzt sich zusammen aus Fängen der Berufs- undAngelfischerei sowie der Produktion in Fischzuchten. Jedes Jahr werdenungefähr 1’800 Tonnen Fische gefangen,wobei Felchen und Barsch (Egli) den Zuchtgrössten Anteil ausmachen. In den 39% BerufsfischereiFischzuchten dominiert die Regenbogen- 47%forelle als die am meisten gezüchteteArt. Eine Erhebung zur Speisefisch-produktion in der Schweiz (Bundesamt Anglerei 14%für Umwelt 2003/4) zeigt auf, dass von J a h r e s p r o d u k t i o n a n S c h we i z e r F i s c hinsgesamt 78 Betrieben die fünf grössten B u n d e s a m t f ü r U m we l t , 2 0 0 565 % der Jahresproduktion (792 t/Jahr) abdecken. Die Betriebe der KantoneWallis und Waadt produzieren 62 % der Speisefische in der Schweiz. DerKanton Graubünden trägt als grösster Schweizer Kanton weniger als 2 % zurgesamten Jahresproduktion in der Schweiz bei.H o c h s c h u l e W ä d e n s wi l Martina Kunz
  • 3. Aquaponic – Innovative Fischzucht im Berggebiet Seite 2Aquakulturen im AufwindWoher stammt denn nun der Hauptanteil der in der Schweiz konsumiertenFische? Zwei Drittel des Fischkonsums sind Meeresfische. Dies ist insofernmit einem bitteren Beigeschmack behaftet, als dass dieWelternährungsorganisation FAO rund 70 % der kommerziell genutztenFischbestände als «ausgebeutet» oder «überfischt» klassifiziert. Rund 20 %der in der Schweiz konsumierten Produkte aus Aquakultur ist eindem Meer, vor allem Lachs und Crevetten, Überbegriff für diestammen aus Aquakulturen. Dieser kontrollierte Aufzucht von aquatischen, also imWirtschaftsbereich verzeichnet seit Jahren Wasser befindlichen,einen immensen Aufschwung. Innerhalb der Organismen. Dies sind nebst Fischen auchletzten 50 Jahre ist der Anteil der Aquakultur Muscheln, Krebstierean der Gesamtfischproduktion weltweit von 3% und Pflanzen, insbesondere Algen.(1950) auf über 34% (2001) gestiegen! Aberauch die Aquakultur hat längst nicht das positive Image, das sie propagiert.Probleme entstehen unter anderen im Zusammenhang mit den Abwässern,die natürliche Ökosysteme gefährden, mit den eigens für dieFuttermittelproduktion gefangenen Fischen und mit dem Einsatz vonAntibiotika sowie anderen Medikamenten.Fisch essen ohne schlechtes GewissenDer Fischkonsum wird sowohl in der Schweiz als auch weltweit weiterhinsteigen. Gefragt sind nachhaltige, ökologisch vertretbare Lösungen, damitdie grosse Nachfrage nach gesundem Fisch auch in Zukunft gedeckt werden kann. Mit der Aquakulturanlage des Hotels Piz Vizan wird ein Schritt in diese Richtung unternommen. Die Pilotanlage verdeutlicht, dass innovative Formen des traditionellen Handwerks der Fischzucht in der Schweiz - und speziell in Bergregionen – durchaus über ein Entwicklungspotenzial verfügen. Auf dem Teller des Konsumenten vereinen sichThunfisch aus der Tube – unterdem Aspekt der Nachhaltigkeit in somit die Aspekte der lokalen Produktion,verschiedenster Hinsichtf r a g wü r d i g . der Innovation und der Gesundheit.Hochschule Wädenswil Martina Kunz
  • 4. Aquaponic – Innovative Fischzucht im Berggebiet Seite 3Aquaponic – ein geschlossener Kreislauf in jeder Hinsicht Auf 1500 Metern über Meer wird auf dem Das Wort Aquaponic setzt sich zusammen aus Aqua- Gelände des Hotels Piz Vizan ein kultur (Fischproduktion) und Aquaponic-System betrieben. Die Hydroponic (Pflanzen- produktion im erdlosen Wasserführung erfolgt grösstenteils im Substrat). geschlossenen Kreislauf. Verglichen miteiner herkömmlichen Fischzuchtanlage im Durchfluss-System ist derWasserverbrauch der Anlage rund 200-mal geringer.Die Fischzuchtanlage besteht aus einem Als Durchfluss-SystemeFischteich mit Regenbogenforellen und aus werden Anlagen mit kontinuierlichem Wasser-mehreren Filterkisten, in welchen Kräuter durchfluss bezeichnet. Daswachsen. Fische scheiden einen grossen Wasser wird nur einmal genutzt und verlässt dasTeil des Stickstoffs (N), den sie mit dem System nach wenigenFutter aufnehmen, direkt als Ammonium Stunden. In der Schweiz sind Durchfluss-Systeme in(NH 4 + ) über die Kiemen aus und reichern so der Forellenproduktion weitdas Teichwasser mit Nährstoffen an. verbreitet.Ammonium entsteht auch beim Abbau von Futterresten, abgestorbenenPflanzenteilen, Fischkot und anderen organischen Verbindungen. In tiefenKonzentrationen ist Ammonium für Fische nicht giftig, in Abhängigkeit vompH-Wert des Teichwassers kann daraus jedoch fischgiftiges Ammoniak (NH 3 )entstehen. Damit sich Ammonium im Teichwasser nicht anreichern kann,muss das Wasser laufend gereinigt werden. Diese Aufgabe übernehmen dieFilterkisten, die zugleich zur Pflanzenproduktion dienen. Das Wasser wirdauf die Höhe der Filterkisten gepumpt und mittels Holzrinnen gleichmässigverteilt. Die Filterkisten enthalten Tonkügelchen (Blähton), die sowohlSubstrat für die Pflanzen als auch Filtermedium für das Fischwasser sind.Auf der Oberfläche der Tonkügelchen befinden sich Mikroorganismen, diedas mit dem Wasser eingetragene Ammonium in Nitrat (NO 3 - ) umwandeln.Nitrat wiederum ist ein für Pflanzen wichtiger Nährstoff und wird von diesenaufgenommen. Nachdem das Wasser sich seinen Weg durch die Filterkistengebahnt hat, fliesst es zurück ins Fischbecken. So schwimmen die Fische ingebrauchtem, aber gereinigtem Wasser. Das Abwasser aus dem Fischteichwird somit im Aquaponic-System nicht als unerwünschtes Abfallproduktbehandelt, sondern vielmehr als wertvolle Wasser- und Düngerquelle in derPflanzenproduktion genutzt. Die vorhandenen Nährstoffe werden optimalverwertet!Hochschule Wädenswil Martina Kunz
  • 5. Aquaponic – Innovative Fischzucht im Berggebiet Seite 4Die Aquaponic-Anlage in Wergenstein – ein KurzbeschriebDie Aquaponic-Anlage inWergenstein wurde in Zusammen-arbeit mit der HochschuleWädenswil errichtet und wird seit2004 als Forschungs- undProduktionsanlage betrieben. DieAnlage besteht aus zwei Teichen(einem grösseren und einemkleineren), die sich auf derTerrasse des Hotels Piz Vizanbefinden. Im Laufe des Sommers Die Produktionsanlage in Wergenstein2004 wurden die ersten Versuche zur Eignung des im Gewächshausentwickelten Aquaponic-Systems unter Freiluftbedingungen durchgeführt. DerFischbesatz erfolgt nach den Richtlinien von Bio Suisse, wonach einemaximale Dichte von 20 Kilogramm Fisch pro Kubikmeter Wasser (m 3 ) nichtüberschritten wird. Die Besatzdichte lässt sich mit dem Endgewicht allereingesetzten Fische (in kg) und dem Teichvolumen (m 3 ) bestimmen. DieBesatzdichte betrug in Wergenstein bisher 2–13 kg/m 3 . Es wurdenRegenbogenforellen sowie Bachforellen im System getestet. Für dieeigentlichen Versuchsphasen im Zeitraum 2004 bis 2006, die 1–1.5 Jahredauerten, wurden nur Bachforellen eingesetzt. Die Fische sind beim Besatzzwischen 20 und 100 Gramm schwer, bei der Abfischung wiegen sie 350 –450 Gramm. Spalt- filter Holzrinne Fischfutter Filterkisten Schlamm Fischteich PumpeWasserkreislauf in AquaponicHochschule Wädenswil Martina Kunz
  • 6. Aquaponic – Innovative Fischzucht im Berggebiet Seite 5Das Hotel Piz Vizan veranstaltet im Oktober beliebte Fischessen, beiwelchen die im System aufgewachsenen Fische verköstigt werden. Auch imWinter stehen Forellen aus der hauseigenen Zuchtanlage auf dem Menüplan.Die Anlage kann jederzeit besichtigt werden.Regenbogenforelle (Oncorhynchus mykiss) Q u e l l e : H o c h s c h u l e W ä d e n s wi lFamilie Lachsartige (Salmonidae)Verbreitung Die heute in Europa verbreitete Regenbogenforelle ist ein Zuchtfisch, der aus der Vermischung von zwei verschiedenen eingeführten Arten entstanden ist. Sie ist somit in der Schweiz kein einheimischer Fisch und wird vom BAFU als nicht erwünschte Fischart taxiert. Wegen der grossen wirtschaftlichen Bedeutung in der Fischzucht wurde die Regenbogenforelle weltweit verbreitet.Habitat Sie ist weniger sauerstoffbedürftig und unempfindlicher gegenüber höheren Wassertemperaturen und herab- gesetzter Wasserqualität als die Bachforelle. Auch stellt sie geringere Ansprüche an die Gewässermorphologie.Temperatur 2 – 22 °C (winterhart), zur Produktion 18 °CGeschlechtsreife Regenbogenforellen werden mit 2 Jahren geschlechtsreif. Die Laichzeit erstreckt sich von Dezember bis Mai (Früh- und Spätlaicher). Zum Laichen gräbt das Weibchen in den Kies der Oberläufe von Flüssen mit ihrer Schwanzflosse eine Laichgrube, in welche sie ihre Eier legt. Das Männchen besamt anschliessend die Eier, worauf das Weibchen die Grube mit Sand und Kies wieder zudeckt.Grösse & Gewicht 30-90 cm & 1 - 3 kg, max. 120 cm und 24 kgNahrung Kleintiere aller Art, Insektenlarven, Kleinkrebse, Anfluginsekten bis hin zu kleinen Beutefischchen.Hochschule Wädenswil Martina Kunz
  • 7. Aquaponic – Innovative Fischzucht im Berggebiet Seite 6Die Regenbogenforelle ist die in der Schweiz am meisten gezüchteteFischart. Der Schweizer Jahreskonsum an Speiseforellen beträgt rund3000 t, wovon ca. 37 % durch Inlandproduktion gedeckt sind und 63 %importiert wird (BAFU Importstatistik 2005).Von Ananassalbei bis ZitronenmelisseDa das Fischwasser sehr nährstoffhaltig ist, sind in Aquaponic vielePflanzenarten einsetzbar. Trotzdem müssen bei der Pflanzenauswahlgewisse Voraussetzungen beachtet werden. Eine zentrale Aufgabe derPflanzen ist es nämlich, das Wasser von Stickstoff und organischenVerbindungen zu reinigen – nicht alle Pflanzen sind dazu gleich gut geeignet.Im Aquaponic-System wird ausserdem auf chemische Hilfsstoffe zurSchädlingsbekämpfung verzichtet, weil bei der Wasserführung imgeschlossenen Kreislauf eine Ansammlung von Reststoffen nichtauszuschliessen ist. Um die Gesundheit der Fische nicht zu beeinträchtigen,werden deshalb Schädlinge ausschliesslich auf biologischen Weg mitNützlingen bekämpft. Es empfiehlt sich daher, krankheitsresistente Artenbzw. Sorten anzubauen. Gemeinsam mit dem Hotel Piz Vizan wurdenPflanzen ausgewählt, die in der Küche des Restaurantbetriebs eingesetztwerden oder als Tischdekor den Gast erfreuen. Mit Gewürzkräutern wieAnanassalbei, Pfefferminze, Petersilie, Schnittlauch, Salbei undFilterkisten in der Aquaponic-Anlage in WergensteinBrunnenkresse wurden sehr gute Resultate erzielt. Edelweiss undSchnittrosen sind ebenfalls gut geeignet. Die Pflanzen gedeihen in denFilterkisten im Blähton-Substrat. Insgesamt kommen 40 Filterkisten (40 cm x60 cm) zum Einsatz, wobei die totale Fläche der Filteranlage rund 25 m 2beträgt.Hochschule Wädenswil Martina Kunz
  • 8. Aquaponic – Innovative Fischzucht im Berggebiet Seite 7Aktuell im Sommer 2007Im Juni 2007 wurden 102 Regenbogenforellen von 81 g Gewicht eingesetzt.Im Herbst dieses Jahres werden die Fische ein Gewicht von ca. 400 g proStück aufweisen und dann abgefischt. Die aktuelle Pflanzenliste umfasst:Pflanzenname Botanische BezeichnungSchnittlauch Allium schoenoprasumPfefferminze Mentha ssp.Echter Salbei Salvia officinalisZitronenmelisse Melissa officinalisAnanassalbei Salvia rutilansBrunnenkresse Nasturtium officinaleMajoran Origanum majoranaOregano Origanum vulgareWie weiter mit Aquaponic?Die Nachfrage nach Fisch ist in der Schweiz zweifellos vorhanden. DieAquaponic-Anlage in Wergenstein verbindet die Aspekte von Qualität undnachhaltiger Produktionsmethode und nimmt somit eine wichtige Aufgabe alsVorzeigeobjekt wahr. Mit dem Forschungsprojekt der Hochschule Wädenswilwerden Grundlagen zu Aquaponic erarbeitet und die technische Machbarkeitdes Systems ist belegt. Schweizer Landwirte könnten Fischzucht als neuenErwerbszweig erschliessen und einen Teil der Angebotslücke von SchweizerFisch abdecken. Mit der Entwicklung von Aquaponic wird ein wichtiger Schrittin Richtung nachhaltige Fischzucht unternommen.«Netzwerk Fisch»F ac hs te l le Ök o tech no lo gi e de r H S W www.aquaponic.chCe n ter da Ca pr icorns www.capricorns.chF ac hst el l enBAFU , Sektion F ischer ei und Aqu a tisc he Fa una www.bafu.admin.ch/fischereiSchw eiz erisch e F ische re iber a tun gss te lle , F IBER www.fischereiberatung.chF is c h- un d W il d fac hs te l le , FIW I www.itpa.vetsuisse.unibe.ch/fiwi/VerbändeSchw eiz erisch er F isch ere i- Ver ba nd , SF V www.sfv-fsp.chSchw eiz erisch er Ber ufs fischer ver ban d , SBFV www.schweizerfisch.chVer ban d Schw eiz er Fischzüc h ter , VSF www.fischzuechter.chSchweiz erischer Bauer n ver b a n d , S B V www.bauernverband.chNa ch ha lt ige F isc hp rod ukt ionWWF , Einka u fs füh rer F isc h www.wwf.ch/fischF a ir- fish www.fair-fish.chMar ine Stewa rdsh ip Co unc il, MSC http://de.msc.org/Hochschule Wädenswil Martina Kunz