Ich bin ein Bild. Bei Bild sind auf meinem Bild meist Brüste.                          Der ist schuld.
Das finden viele Menschen toll und klicken dann weiter.
Hier siehst du wieder Brüste. Oder Betrunkene beim Oktoberfest.
Du merkst gar nicht, wie oft du klickst.
Zwischendurch ein kleines Zitat.
Oder sinnlose Fakten.
Oder eine Umfrage.
Jetzt wieder ein belangloses Foto.
Mit mir hat man wenig Aufwand.
Ich bin eine verdammte Klickstrecke.
Das Arschgeweih des Internets.
Sogar Wahlomaten werden als Klickstrecke aufgebaut.
Frage 1: Würden Sie, wenn nächsten Sonntag ein Sonntag wäre...
Frage 2: Wollen Sie frische Luft in der Stadt?
Frage 3: Soll das Land weiter Deutschland heissen?
Und noch 42 weitere sinnvolle Fragen.
Gelangweilte Rehe & Hirsche finden in der Klickstrecke auch ihren Platz.
So geht das immer weiter...
und weiter...
und noch weiter...
Plötzlich.
Wieder ein Bild von einem halbnacktem Busen, der in ein Dirndl gepresst ist.
Klickstrecken sind auch total gut für Kinder.
So lernen die Kleinen sehr schnell das Zählen.
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4.000.000
Und immer weiter.
Alles total sinnbefreit.
Hier wiederholt sich versehentlich das Foto von Seite 2.
Der „Weiter“ Pfeil ist immer an der gleichen Position.
Damit auch Eingeschlafene beim Aufwachen sicher weiterklicken können.
Nicht denken.
Klicken!
Klick weiter, jetzt kommt ein Spoiler.
Werbung.
In den Untertiteln schreibt ein Verlag gerne seine Haltung.
Zwei Grüne in Stuttgart sind einer zu viel. So wird S21 nie gebaut.
Bis jetzt hast du 40 mal geklickt.
Manche Werbetreibende zahlen nach Page Impressions.
Nicht nach Klick auf eine Werbefläche.
Deswegen ist neben den Fotos ganz ganz viel Werbung.
Verlage sind träge Lebewesen.
Mit dem Leistungsschutzrecht geht das Internet, wie wir es kennen, verloren.
Wenn dir das nicht gefällt, kannst du bis 10.10.2012 diese e-Petition unterzeichnen.
Aber Verlage sind noch cleverer.
Ab 2013 wollen viele wieder den PaidContent einführen.
Wenn du einen Artikel lesen möchtest, dann zahlst du dafür.
Zahlt man dann auch für Klickstrecken?
Doppelter Gewinn?
Aber du hast sicherlich einen Adblocker?
Viele haben den aber nicht.
Beispiel anhand der Webseite einer Tageszeitung:
8 Werbeflächen neben einer sehr interessanten Klickstrecke namens...
„Warum Eichhörnchen Nüsse lieben.“
Die Klickstrecke umfasst 125 Fotos (126, aber ich lasse das doppelte Bild weg)
Klickt jemand alle Fotos durch bedeutet das:
125 x 8 = 1000 Page Impressions (Seitenabrufe)
1000 Page Impressions (Seitenabrufe) = ca. 5-7 EUR
Den Rest darf man sich ausmalen.
Ganz zu schweigen von der Usability solcher Fotostrecken.
Die günstige Wiederverwertung von altem Material muss man nicht erwähnen.
In Klickstrecken kann man wunderbar alten Mist wiederverwerten.
Und so wird es auch zukünftig in den Redaktionen heißen:
EyPrakti,Mach mal eine Klickstrecke mit 150 Fotos von der wachsenden Blume am Fenster.
Diese Klickstrecke brachte mir exakt:
NULL
EURO
Danke für deine Aufmerksamkeit.
Eine Klickstrecke endet nie.
Ganz ehrlich.
Wenn du beim letzten Bild angekommen bist, geht es wieder von vorne los.
Das Bild kommt dir bekannt vor?
Stimmt, es sind die Brüste von Seite 1.
Natürlich müssen und dürfen Verlage Geld verdienen.
Dennoch sollte der Leser das höchste Gut eines Verlages sein.
Und dieser wird mit Klickstrecken in den Hintern getreten.
Viele Verlage jammern, dass sich im Internet kein Geld verdienen lässt.
Vielleicht liegt es daran, dass man nicht einfach ein Print-Produkt wiederverwerten sollte?
Vielleicht daran, dass die einfache Übernahme von Meldungen der Nachrichtenagenturen                                   nic...
Egal.
Das führt zu nichts.
Erst wenn der letzte Banner gerodet,
der letzte Untertitel vergiftet,
der letzte PaidContent gefangen ist,
werden die Verlage feststellen,
dass man Leser nicht so verarschen sollte!
Ende, ehrlich?
EHRLICH.Der ist schuld.
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Klickstrecken - die Arschgeweihe des Internets

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Seit Jahren verdienen Verlage Geld mit Klickstrecken. Die wenigsten allerdings hinterfragen ihr Klickstrecken-Modell. Sehr schade, denn Klickstrecken sind alles andere als User-freundlich.

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Klickstrecken - die Arschgeweihe des Internets

  1. 1. Ich bin ein Bild. Bei Bild sind auf meinem Bild meist Brüste. Der ist schuld.
  2. 2. Das finden viele Menschen toll und klicken dann weiter.
  3. 3. Hier siehst du wieder Brüste. Oder Betrunkene beim Oktoberfest.
  4. 4. Du merkst gar nicht, wie oft du klickst.
  5. 5. Zwischendurch ein kleines Zitat.
  6. 6. Oder sinnlose Fakten.
  7. 7. Oder eine Umfrage.
  8. 8. Jetzt wieder ein belangloses Foto.
  9. 9. Mit mir hat man wenig Aufwand.
  10. 10. Ich bin eine verdammte Klickstrecke.
  11. 11. Das Arschgeweih des Internets.
  12. 12. Sogar Wahlomaten werden als Klickstrecke aufgebaut.
  13. 13. Frage 1: Würden Sie, wenn nächsten Sonntag ein Sonntag wäre...
  14. 14. Frage 2: Wollen Sie frische Luft in der Stadt?
  15. 15. Frage 3: Soll das Land weiter Deutschland heissen?
  16. 16. Und noch 42 weitere sinnvolle Fragen.
  17. 17. Gelangweilte Rehe & Hirsche finden in der Klickstrecke auch ihren Platz.
  18. 18. So geht das immer weiter...
  19. 19. und weiter...
  20. 20. und noch weiter...
  21. 21. Plötzlich.
  22. 22. Wieder ein Bild von einem halbnacktem Busen, der in ein Dirndl gepresst ist.
  23. 23. Klickstrecken sind auch total gut für Kinder.
  24. 24. So lernen die Kleinen sehr schnell das Zählen.
  25. 25. 1
  26. 26. 2
  27. 27. 3
  28. 28. 4.000.000
  29. 29. Und immer weiter.
  30. 30. Alles total sinnbefreit.
  31. 31. Hier wiederholt sich versehentlich das Foto von Seite 2.
  32. 32. Der „Weiter“ Pfeil ist immer an der gleichen Position.
  33. 33. Damit auch Eingeschlafene beim Aufwachen sicher weiterklicken können.
  34. 34. Nicht denken.
  35. 35. Klicken!
  36. 36. Klick weiter, jetzt kommt ein Spoiler.
  37. 37. Werbung.
  38. 38. In den Untertiteln schreibt ein Verlag gerne seine Haltung.
  39. 39. Zwei Grüne in Stuttgart sind einer zu viel. So wird S21 nie gebaut.
  40. 40. Bis jetzt hast du 40 mal geklickt.
  41. 41. Manche Werbetreibende zahlen nach Page Impressions.
  42. 42. Nicht nach Klick auf eine Werbefläche.
  43. 43. Deswegen ist neben den Fotos ganz ganz viel Werbung.
  44. 44. Verlage sind träge Lebewesen.
  45. 45. Mit dem Leistungsschutzrecht geht das Internet, wie wir es kennen, verloren.
  46. 46. Wenn dir das nicht gefällt, kannst du bis 10.10.2012 diese e-Petition unterzeichnen.
  47. 47. Aber Verlage sind noch cleverer.
  48. 48. Ab 2013 wollen viele wieder den PaidContent einführen.
  49. 49. Wenn du einen Artikel lesen möchtest, dann zahlst du dafür.
  50. 50. Zahlt man dann auch für Klickstrecken?
  51. 51. Doppelter Gewinn?
  52. 52. Aber du hast sicherlich einen Adblocker?
  53. 53. Viele haben den aber nicht.
  54. 54. Beispiel anhand der Webseite einer Tageszeitung:
  55. 55. 8 Werbeflächen neben einer sehr interessanten Klickstrecke namens...
  56. 56. „Warum Eichhörnchen Nüsse lieben.“
  57. 57. Die Klickstrecke umfasst 125 Fotos (126, aber ich lasse das doppelte Bild weg)
  58. 58. Klickt jemand alle Fotos durch bedeutet das:
  59. 59. 125 x 8 = 1000 Page Impressions (Seitenabrufe)
  60. 60. 1000 Page Impressions (Seitenabrufe) = ca. 5-7 EUR
  61. 61. Den Rest darf man sich ausmalen.
  62. 62. Ganz zu schweigen von der Usability solcher Fotostrecken.
  63. 63. Die günstige Wiederverwertung von altem Material muss man nicht erwähnen.
  64. 64. In Klickstrecken kann man wunderbar alten Mist wiederverwerten.
  65. 65. Und so wird es auch zukünftig in den Redaktionen heißen:
  66. 66. EyPrakti,Mach mal eine Klickstrecke mit 150 Fotos von der wachsenden Blume am Fenster.
  67. 67. Diese Klickstrecke brachte mir exakt:
  68. 68. NULL
  69. 69. EURO
  70. 70. Danke für deine Aufmerksamkeit.
  71. 71. Eine Klickstrecke endet nie.
  72. 72. Ganz ehrlich.
  73. 73. Wenn du beim letzten Bild angekommen bist, geht es wieder von vorne los.
  74. 74. Das Bild kommt dir bekannt vor?
  75. 75. Stimmt, es sind die Brüste von Seite 1.
  76. 76. Natürlich müssen und dürfen Verlage Geld verdienen.
  77. 77. Dennoch sollte der Leser das höchste Gut eines Verlages sein.
  78. 78. Und dieser wird mit Klickstrecken in den Hintern getreten.
  79. 79. Viele Verlage jammern, dass sich im Internet kein Geld verdienen lässt.
  80. 80. Vielleicht liegt es daran, dass man nicht einfach ein Print-Produkt wiederverwerten sollte?
  81. 81. Vielleicht daran, dass die einfache Übernahme von Meldungen der Nachrichtenagenturen nicht mehr ausreicht?
  82. 82. Egal.
  83. 83. Das führt zu nichts.
  84. 84. Erst wenn der letzte Banner gerodet,
  85. 85. der letzte Untertitel vergiftet,
  86. 86. der letzte PaidContent gefangen ist,
  87. 87. werden die Verlage feststellen,
  88. 88. dass man Leser nicht so verarschen sollte!
  89. 89. Ende, ehrlich?
  90. 90. EHRLICH.Der ist schuld.

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