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Jasenovac - die vernachlässigten tatsachen
 

Jasenovac - die vernachlässigten tatsachen

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Bitte, weiter senden: es gab auch ein Völkermord an den Kroaten. Die Serben veruschten es mit dem Mitos über das Lager Jasenovac zu decken. ...

Bitte, weiter senden: es gab auch ein Völkermord an den Kroaten. Die Serben veruschten es mit dem Mitos über das Lager Jasenovac zu decken.
In Bezug auf meine Herausgabe des Buches "DIE ENTBLÖßTE LÜGE ÜBER DAS LAGER JASENOVAC" ein kroatischer Pater sandte mir die Übersetzung eines Feuilletons das in der kroatischen Kirchenzeitung "Glas Koncila" veröffentlicht wurde. Hier ist der Artikel:
http://www.slideshare.net/emilcic/jasenovac-die-vernachlssigten-tatsachen


Im Feuilleton bringt die größte kroatische Kirchenzeitung, „Glas Koncila“, in mehreren Fortsetzungen den ersten Teil des Textes von dem Journalisten des „Privredni vjesnik (Wirtschaftsbote)“, den die kroatische Tageszeitung, „Jutarnji list (Morgenblatt)“, ohne begründete Erklärung nicht veröffentlichen wollte, nachdem der Text von Slavko Goldstein, dem persönlichen Berater des kroatischen Regierungspräsidenten Zoran Milanović, eine schlechte Zensur bekam.

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    Jasenovac - die vernachlässigten tatsachen Jasenovac - die vernachlässigten tatsachen Document Transcript

    • JASENOVAC - DIE VERNACHLÄSSIGTENTATSACHENVon Igor VukićIm Feuilleton bringt die größte kroatische Kirchenzeitung, „Glas Koncila“, in mehrerenFortsetzungen den ersten Teil des Textes von dem Journalisten des „Privredni vjesnik(Wirtschaftsbote)“, den die kroatische Tageszeitung, „Jutarnji list (Morgenblatt)“, ohnebegründete Erklärung nicht veröffentlichen wollte, nachdem der Text von SlavkoGoldstein, dem persönlichen Berater des kroatischen Regierungspräsidenten ZoranMilanović, eine schlechte Zensur bekam.Wo sind die Opfer von Jasenovac begraben?Die Menschen in der Gegend von Jasenovac erinnern sich an einen sehr kaltenWinter 1941/42, in dem viel Schnee lag und die Temperaturen bis auf Minus 30 Gradherunter fielen wobei der Fluss Save einige Male zugefroren war. Im Lager Jasenovac gab esdeshalb große Probleme, da es in der gefrorenen Erde, die buchstäblich hart wie Stein war,kaum möglich war, ein Grab für einen Toten auszugraben. Und außer den Todesfällen vonHäftlingen gab es auch andere Todesfälle. Am 28. Dezember 1941 beispielsweise kam derUstascha Božo Bunčić, gebürtig aus Udbina, bei einem Scharmützel mit den„Aufständischen“ ums Leben. Sie schossen auf das Lager aus dem Dorf Donja Gradina, dassich genau gegenüber vom Lager auf dem rechten Ufer der Save befindet. Dem Bericht desHauptquartiers des Ministeriums der Domobranen (Heimwehr) der NDH („Nezavisna DržavaHrvatska“ = „Unabhängiger Staat Kroatien“), vom 31. Dezember 1941, zufolge, tauchten inDonja Gradina „etwa 150 Tschetniks auf“. Im Feuerwechsel kamen zwei Ustaschas umsLeben und drei wurden verletzt (Hrvatski državni arhiv, fond MINORS, kut. 1 [KroatischesStaatsarchiv, Fond MINORS, Schachtel 1]). Bei diesem Angriff, der sehr selten in denbisherigen Büchern über das Lager erwähnt wird, kamen auch einige Lagerhäftlinge umsLeben: „Neben den Ustaschas kamen auch einige Lagerhäftlinge ums Leben. Zwei Tage aßenwir nichts und als wir endlich der Palenta wegen zur Küche gingen, pfiffen um uns die Kugelnherum“, schrieb der Lagerhäftling Milan Gavrić im Buch „Otkosi smrti“ („Die Schwaden desTodes“) (Narodna armija, Beograd, 1977.). „Der Verkehr wurde in diesem Winter 20 Tagelang, vom 20. Dezember 1941 bis zum 10. Januar 1942, über die vereiste Save abgewickelt.Gerade zu dieser Zeit haben die aufständischen Partisanen das Dorf Gradina eingenommen,und so kam es zu kleineren Gefechten“, schrieb in jenen Tagen Jelisava Vivoda, die Lehrerinaus Uštice in das Schultagebuch (Tagebuch der Ereignisse). Das Dorf Uštice ist zweihundertMeter von Gradina entfernt, getrennt durch den Fluss Una, der dort bei Jasenovac in dieSave mündet. Die Bewohner von Uštice mussten wegen den Gefechten mit den PartisanenTag und Nacht Wache halten, damit der Konflikt nicht auf ihr Dorf übergriff. Die Ustaschasaus Jasenovac erwiderten die Angriffe der Aufständischen in Gradina mit ihren1
    • Maschinengewehren und Minenwerfern. Auf der anderen Seite gab es jedoch keineGefallenen. Diese „Aufständischen“ waren später Angehörige des 2. Krajina-Partisanentrupps.Die Ustaschas überquerten dann am 15. Januar die Save und griffen Gradina an, aberdie Bewohner Gradinas wurden vorher gewarnt. Die Zivilisten brachten sich Tage zuvorbereits im Gebirge Kozara in Sicherheit. Vor dem stärkeren Angreifer (120 Ustaschas und 50Domobranen) zogen sich die Partisanen mit ihren Familien zurück. Dem Bericht desDomobranenministeriums zufolge, stießen die Kräfte der Ustaschas und Domobranen biszum Dorf Draksenić vor, 7 Kilometer südlich von Jasenovac. Das Dorf wurde eingenommenund angezündet wird im Bericht (HDA, MINORS, dnevno izvješće br. 17, kut. 1 [TagesberichtNr. 17, Schachtel 1]) mitgeteilt. Die Besatzung von Jasenovac machte anschließend einigeHundert Meter südlich von Gradina die Verteidigungslinie fest. Als Sicherheitsmaßnahmenwurden Holzbunker errichtet, die mit den Schützengräben verbunden waren.Oberst der JNA (Jugoslawischen Volksarmee): Ende 1941 gab es 1189HäftlingeDer Namensliste der Opfer der Gedächtnisstätten der Lager Jasenovac und StaraGradiška zufolge, welche fortlaufend aktualisiert wird, kamen dort 82.129 Menschen zuTode. Wo sind aber all die Opfer begraben? Wo endeten ihre Leichen? Es sind bereits 71Jahre vergangen, seit dem Ankommen der Häftlinge im Gebiet der Ziegelei und andererIndustriebetriebe der Familie Bačić in Jasenovac. Historiker und Fachleute geben heute nochzu diesem Thema und auf diese einfachen Fragen keine klaren Antworten. In diesemFeuilleton wird versucht anhand von Daten aus veröffentlichten Büchern, Erinnerungen derüberlebenden Häftlinge, Fachartikeln und den bisher vernachlässigten Archivdokumenten,die Ereignisse in diesem Lager zu beleuchten. Es soll aufgezeigt werden, dass die große Listeder angeblichen Opfer von Jasenovac stark abweicht, von den Ereignissen, die in denArhivdokumenten beschreiben sind.Zu Anfang des Jahres 1941 befindet sich das Lager nur auf dem linken Saveufer beiJasenovac. 1941 wurden - der Namensliste der Opfer zufolge - 9949 Häftlinge getötet. IhreLeichen müßten sich also ausschließlich auf dem Gebiet von Jasenovac, bzw. der DörferBročice und Krapje, den vorherigen zwei Lagerlokalitäten befinden. Im August undSeptember 1941 wurden nach Bročice und Krapje aus den Lagern in Gospić und Pag dieübriggebliebenen internierten Juden und Serben gebracht, weil die italienische Armee dieZone, wo sich die Lager befanden, wiedereinnahm. Die Häftlinge kamen über Jastrebarsko inBročice an und wurden in zwei Baracken untergebracht. Der Erinnerung des Jakob Danonzufolge, waren es etwa 600. Sie arbeiteten beim Errichten des Hochwasserdammes am FlussVeliki Strug. Die Häftlinge waren in zwei Baracken in Krapje untergebracht, wo siegemeinsam mit den Einwohnern von Jasenovac und der umliegenden Dörfer am Bau desHochwasserdammes zum Schutz vor Überflutung des Flusses Save arbeiteten. Am 14. und15. November 1941 endlich, wurden sie zusammen mit Barackenteilen in die Bačić-Ziegeleiumgesiedelt, wo das Lager Jasenovac bekannt auch unter dem Namen Lager III. Ziegelei biszum 22. April 1945 bestehen bleibt. Im Herbst kommen neue Häftlinge aus Zagreb, Karlovac,Sarajevo und anderen Orten dazu. Die jüdischen Kultusgemeinden aus Zagreb und Osijek, inZusammenarbeit mit den Behörden der NDH, stellen den Häftlingen Essen und Kleidung zu.Aufgrund von Postkarten und Formularen, auf welchen die Häftlinge von der jüdischen2
    • Gemeinde Bekleidungsgegenstände fordern, wurde Ende Oktober die Liste der inhaftiertenJuden in Krapje, Bročice und der Ziegelei aufgestellt. Es ist die Rede von 1450 Personen(Mario Kevo, „Počeci logora Jasenovac“ [„Die Anfänge des Lagers Jasenovac“], ScriniaSlavonica 3, S. 494). Dem Dokument aus der dreibändigen Sammlung von Antun Miletić„Koncentracioni logor Jasenovac, dokumenti“ („Das Konzentrationslager Jasenovac,Dokumente“) zufolge, gab es gegen Ende 1941 1189 Häftlinge im Lager (Buch 1, S. 117). Aufdieser Liste gibt es Personen, die den ganzen Krieg überlebt haben und es gibt auch 280unleserliche Namen, so dass sie im Abdruck nur mit Punkten gekennzeichnet sind. VojislavPrnjatović aus Sarajevo war vom 24. Dezember 1941 bis zum 30. März 1942 im LagerJasenovac, als er mit weiteren 12 serbischen Häftlingen entlassen und nach Belgradverfrachtet wurde. Seiner Schätzung nach gab es gegen Ende 1941 etwa 1100 Häftlinge imLager. Serbische Häftlinge gab es zu dieser Zeit relativ wenig. Drago Hadži-Čolaković schrieb,dass es etwa 450 gab (im Buch „Jasenovac“, Svjetlost, Sarajevo, 1948, S. 40). Von diesenZahlen weicht nur die Angabe aus der schriftlichen Mitteilung der jüdischen Kultusgemeinde,gesendet Mitte Dezember 1941 an die Staatsleitung, beträchtlich ab. In diesem Schreibenwird Geld zum Unterhalt der Inhaftierten in Jasenovac gefordert, deren es 4000 sind. Alldiese Zahlen sind weit weg von der „offiziellen“ Zahl der Getöteten im Jahr 1941. Auf derNamensliste steht, dass 1941 am meisten Serben umkamen und zwar deren 4240, und vonden Juden kamen angeblich 3147 um. Jedoch alle Erinnerungen der überlebenden Häftlingestimmen darin überein, dass es zu dieser Zeit am meisten Juden gab. Unter den Opfern sindauch 2233 Personen der Roma angeführt. Die überlebenden Häftlinge jedoch erwähnen fürdiese Periode überhaupt keine Romas. Besonders nicht in einer so hohen Zahl. Auf der Listesind auch 225 Kroaten-Katholiken. Aber die Überlebenden erinnern sich, dass es zu dieserZeit nur eine kleine kroatische Gruppe von einigen Dutzenden gab. Ein Teil davon warenArbeiter der Zagreber Straßenbahn, die wegen Kommunismus verdächtigt wurden.Im Jahre 1964 wurden 193 Skelette exhumiertDie Zahlen der Liste bestätigen auch nicht die Ergebnisse derNachkriegsausgrabungen. Ein Team von Anthropologen, angeführt von Vida Brodar, AlojzPogačnik und Srboljub Živanović, entdeckte im September 1964 auf dem Gebiet des LagersZiegelei 193 Skelette, davon 96 weibliche, 69 männliche, 6 von Kindern und 22 unbekanntenGeschlechts (die Leichen befanden sich zum größten Teil außerhalb der ausgegrabenenGruben). Wie auf dem Befund steht, den man im Kroatischen Geschichtsmuseum erlesenkann, sind auf den meisten Skeletten keine sichtbaren Verletzungen erkenntlich und einigedavon hatten Frakturen am Rücken, bzw. an den Schulterblättern, entstanden durch Schlägemit stumpfen Gegenständen. Es wurden Bekleidungsteile gefunden, bäuerliches undstädtisches Gewand, Riemenschuhe-Opanke, Flachschuhe und Goiserer, Kämme,Regenschirme und andere Gegenstände, ebenso Goldzähne bei Leichen älterer Personen.Auch umfangreiche Aussagen von fünfzehn Häftlingen, anwesend gerade zu dieser Zeit imLager, die man im Kroatischen Staatsarchiv und in der Geschichtsliteratur einsehen kann,bestätigen nicht, dass es zu dieser Zeit eine große Zahl von Gruppen- oderMassenerschießungen gab. Ihre Erinnerungen stimmen überein in der Beschreibung einigerFälle, von denen in der Fortsetzung des Feuilleton die Rede sein wird.Die Namensliste der Jasenovac-Gedenkstätte mit 9949 angeblich Getöteten im Jahr1941 steht in großer Diskrepanz mit den Beschreibungen des alltäglichen Lebens derHäftlinge zu jener Zeit.3
    • Die ersten Tötungen am 20. September 1941Häftlinge, welche zuerst in den Baracken in Bročice und Krapje ankamen, wurdendurchsucht und beraubt. Die Ustascha-Komandanten hielten ihnen dabei eine Rede, inwelcher man sie ermahnte, nicht zu fliehen, da die beim Fluchtversuch Gefangenenerschossen werden würden. Falls der Fluchtveruch gelingen würde, werde auch eine gewisseZahl von Häftlingen aus der Arbeitsgruppe und der Gruppe aus dem Heimatort desFlüchtlings erschossen werden. Am Anfang kam es zu keinen Gewaltakten bei der Arbeit. DerHäftling Drago Svjetličić sagte am 7. Juli 1942 bei dem Belgrader Flüchtlingskommissariataus, dass bis Ende September 1941 „das Regime verträglich war, da die Ustascha-Wachleute,alles ältere Personen, aus Osijek und hauptsächlich ziemlich anständig waren“. „Wir wurdennicht geschlagen und es kam bis zum 20. September 1941 zu keiner Mißhandlung bis eingewisser Abinun, ein Tapezierhelfer aus Zagreb, einen Fluchtversuch unternahm“ sagte 1945der Häftling Miroslav Auferber vor den Befragern der Landeskommission zur Feststellung derVerbrechen des Besatzters aus (HDA, ZKRZ-GUZ, Schachtel 10). Auferber beschreibt, wie dieUstaschas damals im Laufschritt die Häftlinge antrieben und auf einmal sah es aus, alswürden jene vorne versuchen zu fliehen. Die Wache eröffnete das Feuer und tötete dabeieinige Häftlinge. „Es war dies das erste Töten in Jasenovac“ sagte Auferber aus. SchwereArbeit, ungenügendes Essen, kaltes, regnerisches Wetter und Verlaustheit fingen an, dieHäftinge auszuzehren. Das erste serbische Opfer hieß Pero Zlokas aus einem Dorf zwischenSisak und Petrinja, der erkrankte und starb. Dem Buch des Häftlings Drago Hadži-Čolaković„Jasenovac“ (Svjetlost, Sarajevo, 1948, S. 41) zufolge kam Zlokas nach Jasenovac, weil er inder Gegend um Petrinja als Kurier der Aufständischen gefangen wurde.Besser angezogen und bereiter für den WinterDas Ankommen einer größeren Zahl von Menschen in die Lagerbarackenverschlechterte das Problem der Ernährung. Große Anstrengungen um genügend Essen zusichern, machte die jüdische Gemeinde. Dabei tat sich die Abteilung für die Lagerversorgungder jüdischen Kultusgemeinde aus Osijek hervor. Zwei ihrer Mitglieder, Andrija Ripp undVlado Grünbaum, besuchten am 19. Oktober 1941 Jasenovac wegen der Absprache um dieVersorgung des Lagers. Sie kamen mit der Erlaubnis der Sicherheitsbehörden von Osijek mitdem Judenstern an der linken Brustseite. Am Eingang zum Lager wollte ein Ustascha demGrünbaum seinen schönen Ledermantel ausziehen, aber ein Wachmann verhinderte diesund führte sie zu den Vorgesetzten. Zuerst sprachen sie mit Ante Remenar, dem Chef desVersorgungsbüros und anschließend mit dem Hauptkommandanten, dem „Vertrauten fürdie Lager“ Maks Luburić. Er sagte zu ihnen: „Seht, die Tatsache selbst, dass ihr hierher zu mirgekommen seid und wieder gehen werdet, verneint die Gerüchte dies wäre eineTötungsstätte“. Und tatsächlich „wir waren die einzigen Juden, die ins Lager kamen ohneinterniert zu werden“ sagte Grünbaum (HDA, ZKRZ-GUZ, Schachtel 11). Es wurdeabgesprochen, dass die jüdische Kultusgemeinde aus Osijek im Namen und auf Rechnungdes Lagers Essen (Kartoffeln, Bohnen, Weißkraut, Fett, Makkaroni, Zwiebel und Paprika) fürdie Häftlinge kaufen wird und das Versorgungsbüro des Lagers ihnen das Geldzurückerstatten wird. Grünbaum und Ripp kehrten bald zurück nach Jasenovac und habendiesmal 50 Nähmaschinen für die Werkstätten in Jasenovac-Lager herbeigeschafft. „Mitdiesen Maschinen haben wir den Winter für 500 Menschen erträglicher gemacht, die anihnen arbeiteten“ beurteilte Grünbaum.4
    • Die jüdische Gemeinde aus Zagreb schickte am 5. November 1300 Einzelpakete mitKleidung nach Jasenovac. Es wurde grobes Schuhwerk, versehen mit Holzsohlen, gekauft(260 Kuna das Paar) und den Häftlingen zugestellt. Aus Osijek und Slawonien kamen 150.000kg Weißkraut an, genauso viel Kartoffeln, 50.000 kg Zwiebel, 30.000 kg Bohnen undbeträchtliche Mengen an Kaffeersatz (ZKRZ-GUZ, Schachtel 11). Die jüdischen Gesandtenstellen in den Rundbriefen, die sie an andere Gemeinden der NDH verschicken fest, dass dieInhaftierten nun besser angezogen und bereiter für den Winter sind.Aber das Regime im Lager verschärft sich nach einigen Fällen von Flucht. Obendreinsind auch die neuen Wachleute nicht mehr so diszipliniert wie jene alten, so dass es zu Fällenmutwilligen Verhauens und Schießens auf die Häftlinge kommt. Angeblich deswegen, weilsie nicht gut genug arbeiteten oder es wurde nur der Verdacht auf Flucht geschöpft. In soeiner Schießerei wurde Salamon Pesah von einer Kugel in den Rücken getroffen. DenLagerärzten Stjepan Politzer und Leon Perić gelang es ihn zu heilen und Pesah war im April1945 noch am Leben. Die Ustascha-Wachleute machten bei den Baracken einen Käfig ausStacheldraht, den sog. „Sitz“, in welchem sie nach eigenem Ermessen die Verdächtigteneinsperrten und sie so bei Kälte und Regen ausharren ließen. Nach einer solchen Behandlungstarb Oton Gavrančić, einer der Anführer des Jugoslavenski sokol (Jugoslawischer Falcke),erinnert sich Dragutin Hadži-Čolaković. Manche Vergehen wurde in jenen Tagen auch mit 25Schlägen geahndet. „Vor dem Schlagen musste der Arzt den Verurteilten untersuchen undfeststellen, ob er ohne Furcht um sein Leben die Strafe ertragen konnte“ erzählte 1945 derehemalige Häftling Zdenko Schwartz (HDA, ZKRZ-GUZ, Schachtel 11).Gegen Ende Oktober 1941 wurde in Krapje eine größere Zahl von Häftlingenerschossen. Warum dies geschah ist aus den verfügbaren Dokumenten nicht ohne Weitereszu ersehen. Einer Version zufolge, kam es in Krapje zum Aufstand, hervorgerufen durchschlechtes Essen. Angeblich versuchten nachts einige Häftlinge die Wachen zu überwältigenund zu fliehen. In den Schriften der ZKRZ (der Landeskommission zur Feststellung derKriegsverbrechen) kann man die Aussage von Elsa Grün finden, der gesagt wurde, dass inJasenovac 87 Personen erschossen wurden, aus Vergeltung für das Legen einer Mine in derHauptpost. Diese Hinrichtung hat - mehreren Quellen zufolge - persönlich Vjekoslav Luburićbeaufsichtigt. Ljubo Miloš hat den Untersuchungsrichtern der (ersten jugoslawischenGeheimpolizei) OZNA 1947 erzählt, dass in diesem Fall Luburić sogar die Vollstreckungorganisierte, indem er aus Zagreb das mobile Standesgericht, mit dem Vorsitzenden IvanVidnjević voran, herbeischaffte. Die Geschichtsschreibung erwähnt an diesem Tag die Zahlder Opfer in einer Spannbreite zwischen 87 bis 800.Erschießungen als Strafe nach der FluchtIm September gelang es zwei serbischen Häftlingen zu fliehen. Branko Mraković undLjubo Popović flohen von der Arbeit im Wald und schliefen im Lager Bročice. Sieentwaffneten den Wachmann, flohen und verletzten dabei den Ustascha mit dem Beil imGesicht. Zur Strafe dafür wurden 26 Serben erschossen, die zwei Nächte vorher im Offenenim „Sitz“ aus Stacheldraht verbringen mussten (Hadži-Čolaković, Jasenovac, S. 47). NachAussagen von Überlebenden, verunglückten 40 Menschen während der Übersiedlung derHäftlinge von Krapje und Bročice in das Hauptlager. Bis Ende Dezember wurden imHauptlager Nummer 3, bzw. der Ziegelei, 25 Häftlinge (Serben und Juden), wegenangeblichem Angriff des Häftlings Branko Đujić auf den Ustascha, erschossen, mit welchem5
    • er im Dorf außerhalb des Lagers Karten spielte. Đujić war verantwortlich für dieNahrungsbeschaffung für die serbische Baracke, und so ging er öfters nach Jasenovac undkehrte in Špicmilers Gaststätte und anderswo ein. Er freundete sich mit den Ustaschas an,übertrieb aber mit dem Trinken, dem Erzählen von den Mithäftlingen nach.Einige Tage später kam es zu noch einer Erschießung. Diesmal aber unter demKommando von Vjekoslav Luburić. Nach Worten von Drago Hadži-Čolaković zufolge wurdeein Fähnrich bestraft, weil er den Revolver eines betrunkenen deutschen Offiziers stahl. DieVorposten-Soldaten wurden wegen Raubes in den umliegenden Dörfern erschossen. „Aufihren Grabplatten ließ Luburić schreiben: Hier ruhen 10 Ustaschas, erschossen, weil sie sichan den Ustaschavorschriften versündigten“ sagte Hinko Singer, ein Häftling aus Karlovac(HDA, ZKRZ-GUZ, Schachtel 9). Auf der rechten Seite der Gedenksäule stand die Drohung:„Hierher werden jene kommen, die sich an den Vorschriften versündigen“. Der Aussage vonHinko Mann zufolge, einem der Vorsteher der jüdischen Gemeinde in Zagreb, floh im Herbst1941 ein gewisser Hahn aus dem Lager. Er war ganz erschöpft da er im Lager in kurzer Zeit20 Kilo verlor und versteckte sich bei einem Freund in (Zagreber Stadtteil) Črnomerac. HinkoMann brachte ihn heimlich zum Domkapitel, zu Erzbischof Alojzije Stepinac. Es war dies amSonntag, einen Tag vor der Tagung der Bischofskonferenz, die vom 17. bis 20. Novembertagte. Hahn beschrieb was in Jasenovac geschieht und der Erzbischof sagte, er werdedarüber die übrigen Bischöfe benachrichtigen und einen Bericht nach Rom schicken.Auf dem Gebiet des Lager Jasenovac wurden 193 Skelette gefundenIn den Beschlüssen der Bischofskonferenz, abgehalten vom 17. bis 20. November1941, die dem „Poglavnik“ Ante Pavelić zugestellt wurden ist die Besorgniss „für all jene,welche leiden“ ausgedrückt worden und „ein menschlicher Umgang mit den Juden, soweitdies möglich ist, mit Rücksicht auf die deutsche Anwesenheit“ gefordert worden (Popisobjavljenih isprava [Verzeichnis der veröffentlichten Schriftstücke], Fontes [Zagreb] 2, S. 24).Nach allem zu urteilen, hat der erzbischöfliche, schriftliche und mündliche Einsatz dazuverholfen, dass die Behörden bald den Besuch einer internationalen Kommissionorganisierten. In dieser Kommission, die am 6. Februar 1942 in das Lager ging, war auch derSekretär des Bischofs, Stjepan Lacković wie auch Giuseppe Massucci, Sekretär des AbtesMarcone, des päpstlichen Legats in Zagreb mit dabei.In 130 Ausgrabungen wurden 282 Leichen gefundenAuf dem Gebiet des Lagers Jasenovac wurden nach dem Krieg 193 Skelette gefunden.Noch schockierender ist der Unterschied zwischen der jetzigen offiziellen Liste der Opfer vonJasenovac und dem Ergebnis der Exhumierungen auf dem rechten Flussufer der Save, aufdem Gebiet von Donja Gradina. Wenn man aus der Namensliste die Opfer trennt,umgekommen angeblich in Stara Gradiška (etwa 12.720), sieht es aus als ob nur in Jasenovacvon Anfang 1942 bis zum 22. April 1945 etwa 60.000 Häftlinge umgekommen wären, bzw.dass in diesen 1.200 Tagen vom Bestehen des Lagers durchschnittlich 50 Menschen jedenTag getötet worden wären. Die Gräber von so vielen Menschen zu finden, dürfte doch keinProblem sein.Im Jahre 1964 und 1976 wurden auf dem Gebiet von Donja Gradina große undumfangreiche Untersuchungen unternommen. Die Teams der Anthropologen bohrten imJahre 1976 Löcher mit einer besonderen Dachnowsky-Sonde, die Erde jedoch war so hart6
    • (obwohl dies im April war), dass man davon abließ. Die Bohrungen wurden weiter per Handmit einem Spiralbohrer unternommen. Die Ergebnisse können im Buch „Koncentracionilogor Jasenovac“ („Das Konzentrationslager Jasenovac“) von Radomir Bulatović aus dem Jahr1988 auf den Seiten von 184 bis 285 ersehen werden. Insgesamt wurden 1964 an Stellen, woErzählungen zufolge, die Massenhinrichtungen stattfanden, 130 Bohrungen gegraben. Eswurden 182 Leichen gefunden. In der Zwischenzeit wurde das Gebiet aus der Luftaufgenommen, um durch Absenkungen der Erde festzustellen, wo die Gruben sind.Später, 1976, wurden noch 191 zusätzliche Bohrungen gemacht. Die Untersuchungenführten die Ärzte Dr. Alojz Šercelj und Dr. Vida Brodar aus Ljubljana, wissenschaftlicheMitarbeiterin der Slowenischen Akademie der Kunst und Wissenschaft. In die reine,unberührte Erde wurde bis zu einer Tiefe von 1,5 Meter gebohrt und in die durchmischteErde bis 2,5 Meter. Von 191 Bohrungen wurden bei 23 Bohrungen einige menschlicheÜberreste gefunden: Knochen, ein Lederschuh, eine emaillierte Schüssel und Ähnliches. Inden übrigen Bohrungen fand man hauptsächlich „Pseudogley“ und dies ist, erklärte Šercelj,„Erde, die in Jahrtausenden im oxireduktionellen Prozess an einer Stelle sich schuf. Dasbedeutet gleichzeitig, dass es an der Stelle der Bohrung, wo wir auch auf das Pseudogleystießen, kein Grab gibt und geben kann“. Jene Stellen, die menschliche Überreste enthielten,waren eigentlich Gräber, welche schon 1964 entdeckt und gleich wieder zugeschüttetwurden.„Wir konnten nicht finden, wo die Gräber sind“Die Forscher der Geheimpolizei OZNA verlangten 1947 von Ljubo Miloš, er solle ihnenbeschreiben, wie die Ustaschas gegen Ende des Krieges die Spuren ihrer Verbrechenbeseitigten. Miloš antwortete, dass sie dies versuchten, aber „wir konnten nicht finden, wodie Gräber sind“. Angeblich musste auch der ehemalige Kommandant Miroslav Majstorovićdazukommen, um in den Wäldchen und im Gestrüpp von Donja Gradina bei der Suche nachGräbern mitzusuchen. Ohne besonderen Erfolg jedoch. Es sei bemerkt, dass 60.000 Leichen,hingelegt, eine neben der anderen, eine Fläche von 54.000 Quadratmetern einnehmenwürde (0,5 m x 1,8 m x 60.000). Diese Fläche ist etwa sechsmal größer, als der Ban JelačićPlatz in Zagreb. Die Fläche, auf welcher die jugoslawischen Spitzenphorensiker Sonden aufder Suche nach Leichen bohrten, betrug 9.700 Quadratmeter. Es ist wirklich ungewöhnlich,dass nach diesen umfangreichen Untersuchungen eine so kleine Zahl sterblicher Überrestegefunden wurde.Nataša Mataušić aus dem kroatischen Geschichtsmuseum, Autorin zweier sehrinformativer Bücher über das Lager („Jasenovac, logor smrti i radni logor“ [„Jasenovac, dasTodeslager und Arbeitslager“] aus dem Jahre 2003 und „Jasenovac: fotomonografija“[„Jasenovac: Fotomonographie“] aus 2008) konnte bei den Versuchen in der Aufklärung, wieviele Menschen im Lager selbst umkamen und wie viele in der Umgebung, auch nichtweiterhelfen. Auch nicht, wo man denn die kleinen Skelette der 20.000 Kinder suchen sollte,die der Namensliste nach in Jasenovac angeblich getötet worden wären. Die gleiche Fragemit der Berechnung der Fläche, welche die Leichen der Getöteten einnehmen würden,stellten wir auch an Nataša Jovičić, der Leiterin der Jasenovac-Gedenkstätte.Sie antwortete, „wir wüssten aus der Erinnerung und der Literatur, dass dieschlimmsten Hinrichtungen in Donja Gradina geschahen. Auf dem Gebiet des Lagers, wo sichjetzt die Gedenkstätte befindet, wurden die Leichen auf dem Gebiet der heutigen Limani7
    • (Anlegestellen-Molen) und auf einigen anderen Stellen, von denen wir die Lokalitäten haben,begraben. Demnach sind manche mathematische Kalkulationen nicht glaubwürdig“.Limani (Mole), der erste Lagerfriedhof, den Natascha Jovičić erwähnt, hat eineOberfläche von etwa 1000 Quadratmetern. 1964 bereits wurde er neben den übrigenLokalitäten exhumiert. In mehreren Grabstellen fand man die schon erwähnten 193 Leichen.Diese Angabe wurde 1999 bei der Gerichtsverhandlung in Zagreb gegen Dinko Šakić, 1944Lagerkommandant von Jasenovac hervorgebracht. In der nicht weit entfernten OrtschaftUštici, wo das Lager der Roma war, haben die Gruben eine ähnliche Gesamtfläche von 1218Quadratmetern, wie es auf dem Denkmal bei diesem Friedhof geschrieben steht. In der Nähevon Stara Gradiška befinden sich zwei Massengräber. In ihnen wurde gemäß - den Angabender Internetseite der Gedenkstätte - 1945 etwa 2000 Leichen exhumiert. Falls dies auchrichtig wäre (Angabe ohne Gewähr), wäre die Rede von Personen aus dem Lager StaraGradiška.Slavko Goldstein ohne eine klare AntwortWas ist inzwischen mit Jasenovac? Die Leiterin der Gedenkstätte Nataša Jovičić sagt,„dass auch eine große Zahl von Ermordeten in den Fluß Save geworfen wurde“. Im Winter1941/42 war dies wegen der vereisten Save nicht möglich. Aber auch sonst ist dieseErklärung nicht glaubwürdig.Nach den Dokumenten aus dem Buch von Antun Miletić wurden aus der Save etwa200 Leichen herausgeholt, und dies erst gegen Ende des Krieges. Da Leichen früher oderspäter an der Oberfläche schwimmen, wäre es schwierig, vorher die riesige Zahl obenaufschwimmender Leichen nicht zu bemerken. Nach den im Buch veröffentlichten Befunden,hatten einige dieser Leichen Domobranen -, und Partisanenuniformen an, und in denTaschen wurden Militärausweise gefunden. Dabei stellt sich auch die Frage über ihreMörder. Die Lagerhäftlinge trugen keine Militäruniformen. Zwischen Jasenovac und StaraGradiška gab es während der ganzen Kriegszeit einen lebendigen Verkehr entlang desFlusses. Die Häftlinge beförderten Material und Erzeugnisse, hergestellt in denLagerwerkstätten.Die Bestätigung dessen kann man auch in den Quellen der Partisanen finden. DiePartisanen führten im Mai 1942 von der bosnischen Seite aus einen echten Piratenangriffmit Booten auf einen Schlepper, der von Jasenovac nach Stara Gradiška fuhr. „Die Kämpferzielten auf die Besatzung, welche etwa 10 Schuss abfeuerte. Die Kämpfer stießen in dasBoot, beeilten sich zum Schlepper und warfen eine Bombe in den Motor. Der Ustascha-Hauptmann schoss aus seiner Pistole, bis er getötet wurde. Es wurden zwei Zivilisten imSchlepper gefunden. Von der feindlichen Besatzung rette sich einer mit einem Sprung in dieSave und schwamm davon. Im Schlepper wurden 1 Maschinengewehr, 5 Karabiner, 2Pistolen, 400 Schuss Munition, 2 Ustaschauniformen, 100 Meter Mais, 30 Meter Heu,Schmiedewerkzeug, einige hundert Meter Kabel, verschiedene Töpfe und 300 Liter Erdölbeschlagnahmt. Die Kämpfer nahmen den Motor heraus und versenkten den Schlepper(Zbornik dokumenata i podataka o Narodnooslobodilačkom ratu, tom IV/5, str. 151.[Sammelband der Dokumente und Unterlagen über den Volksbefreiungskrieg, Tomus IV/5, S.151]).8
    • Die Frage nach den Leichen der Häftlinge aus Jasenovac stellten wir auch demPublizisten Slavko Goldstein, der unter anderem auch das Buch „Jasenovac i Bleiburg nisuisto“ („Jasenovac und Bleiburg sind nicht das Gleiche“) veröffentlichte. Auch er hatte keineklare Antwort darauf. Auch die zahlreichen Geschichts- und Erinnerungsbücher, die seit 1945bis heute erschienen sind, geben keine Antworten. Ebenso gibte es keine präzisenErklärungen in zahlreichen Fachartikeln der Geschichte.Zum Vergleich: Während des Prozesses über die Untersuchungen derPartisanenverbrechen wurden die Leichen der hingerichteten Personen an verschiedenenStellen in Slowenien und Kroatien ordentlich aufgefunden und exhumiert.Donja Gradina ist rätselhaft, auch deswegen, weil sich dort Teile der Lagerwirtschaftbefanden. Dort „wurde Heu gepresst“ (Häftling Drago Čolaković) und der Wald gerodet(Radoslav Ratkić, Häftling vom August 1943 bis März 1944). Von dort kamen die Ruten fürdie Körbe, welche die Häftlinge flochten.Es gab eine sehr präzise KarteiDer Namensliste JUSP Jasenovac zufolge, fing das schlimmste Jahr 1942, mit 55.813angeblichen Opfern, mit der Verbesserung der Lebensumstände der Häftlinge an. NachNeujahr wurden sechs Montagebaracken herbeigeschafft, in der Größe von 24 m x 6 m undeiner Kapazität für 200 Personen. Die Häftlinge bauten auch eine Baracke für die Kantine undeine, in welcher das Krankenhaus mit der Ambulanz eingerichtet wurde. Es wurde auch eineHauptküche errichtet. Ein Vorkriegssägewerk wurde in Betrieb gesetzt und man fing auch an,andere Werkstätten und eine Kettenfabrik in Stand zu setzen. „In 15 Tagen bekam das Lagerwie durch eine Zauberhand ein ganz neues Bild, die den Kommissionsmitgliedern annehmbarsein sollte“ erzählte Vukašin Žegarac in Belgrad am 10. April 1942, nach der Entlassung ausdem Lager Jasenovac. Die Häftlinge bekamen bessere Nahrung und mehreren Quellenzufolge, gab es keine Massenerschießungen vor der Ankunft der Kommission. Aber am 5.Februar wurden 16 Häftlinge erschossen, worüber im Hrvatski državni arhiv, Zbirka izvornoggradiva NDH (Kroatisches Staatsarchiv, Sammlung des Quellenmaterials der NDH) einProtokoll darüber besteht. Dem Protokoll zufolge, „haben die Kommunisten-Häftlinge“ eineFlucht geplant und den Wachmann angegriffen. Der Erschießung wohnten die Vertreter derBezirksbehörde und der Gemeindearzt bei, und den Tod der Bestraften stellte der LagerarztDr. Gustav Leimdörfer fest.In der Kommission auch das Serbische Rote KreuzDie Kommission kam am 6. Februar an, und es führte sie der Chef des Ustascha-Aufsichtsamtes (UNS) Eugen Dido Kvaternik an. Mitglied der Kommission war auch GiuseppeMassucci, Sekretär des päpstlichen Legats Ramiro Marcone, weiterhin Stjepan Lacković,Sekretär des Erzbischofs und die Vertreter des Kroatischen Roten Kreuzes und desSerbischen Roten Kreuzes aus Belgrad (den Worten der Inhaftierten auch eine kleinere,vollere Dame). Es waren auch Berichterstatter aus Italien, Deutschland, Rumänien undUngarn sowie der deutsche Major Knäche und andere dabei.Oft wurde geschrieben, dass es in Jasenovac keine gute Häftlingsevidenz gab, dies istjedoch falsch. Es gab eine sehr präzise Kartei. Sie wurde den Kommissionsmitgliedern alsBeweis, dass es sich um ein geordnetes Lager handelt, präsentiert. Es wurde ihnen9
    • beschrieben, auf welche Weise die Ordnungsbehörden die Vorschläge über das Beförderndes Häftlings in das Lager unterbreiten, wie über sie genaue Personalakten mit Foto undPersonenbeschreibung herausgegeben werden und wie alles in die Lagerkartei verzeichnetwird, aus der dann Kopien nach Zagreb verschickt werden.Die Beschreibung dieses Evidenzsystems kann man in der Arbeit „Lišavanje slobode iprisilni rad u zakonodavstvu NDH“ („Freiheitsberaubung und Zwangsarbeit in derGesetzgebung der NDH“), dessen Autor Mario Kevo ist, finden. Die Arbeit wurde 2010 in derSammlung „Logori i prisilni rad u Hrvatskoj i Jugoslaviji 1941-1951“ („Lager und Zwangsarbeitin Kroatien und Jugoslawien 1941-1951“) veröffentlicht. Hier befinden sich auch dieFaximileformulare, in welchen die Entscheidungen eingeschrieben wurden, nach denen dieUNS jemanden in ein Arbeitslager schickt und Bestätigungen des Lagers darüber, dass auchjemand aufgenommen wurde. Es wurden auch Faximileabdrucke von „Entlassunsscheinen“veröffentlicht, bzw. die Bestätigung darüber, dass jemand nach der ausgehaltenen Strafe ausdem Lager entlassen wurde. Die Häftlinge bekamen wegen der Kommission um den ArmBänder mit der Nationalitätszugehörigkeit gebunden. Die Juden gelbe, Serben blau-weißeund Kroaten rot-weiße. Die größte Mehrheit trug gelbe Bänder.Pakete mit Nahrung und ArzneienAls die Besichtigung zu Ende war, folgten günstige Zeitungs- undGeheimdienstberichte über die Situation im Lager. Sogleich, am nächsten Tag wurden 13serbische Häftlinge in die Lagerleitung einberufen, und man teilte ihnen mit, dass sie nachHause gehen werden. Sie mussten nicht mehr arbeiten, bekamen neue Kleidung undzweifache Essensportionen. Am 30. März wurden sie nach Belgrad verfrachtet.Vom Frühling an können die Häftlinge ihren Familien Postkarten schreiben und vonihnen Pakete mit Nahrung und Arzneien erhalten. Nach der Erinnerung des Ante Miletić,Häftlings von Februar 1942 bis Mitte 1943 gab es bis Frühling 1942 zum Frühstückhauptsächlich Maisbrei, zum Mittagessen gekochte Rüben und Weißkraut und zumAbendessen Kartoffeln mit Kartoffelsuppe. Zum Mittagessen gab es manchmal auchPferdefleisch. Hinko Steiner sagt, dass sie auch öfters Rindsuppe, gekocht aus Rindsknochen,bekamen (HDA, ZKRZ, Schachtel 11).Zu Ostern 1942 wurde ein freier Tag bestimmt. Die Häftlinge bekamen ein Festessenmit gekochten Eiern und einem Stück Speck. Das Brot wurde im großen Ofen für dieUstascha und Häftlinge gebacken.Miletić wurde bald aus der Kettenfabrik zum Boten im Lagerkrankenhaus in derOrtschaft Jasenovac versetzt. „Hier gab es Essen, so viel man wollte. Ein echtes HotelEsplanade. In diesen Monaten aß ich Gries mit Milch, dass es für drei Leben reichen würde“sagte Miletić dem Autor dieses Feuilletons aus, in Zagreb im Februar 2012.Die jüdischen Gemeinden schickten regelmäßig Pakete mit Nahrung. Gemäß denEisenbahnlieferscheinen, aufbewahrt im Kroatischen Staatsarchiv, wurden am 17. Juni 1942700 Kilo Nahrung und Bekleidung gebracht. Dann am 1. Juli kam eine Sendung von 920 Kiloan und am 8. Juli wurde Nahrung und Kleidung von insgesamt 1079 Kilo zugestellt. Diejüdische Gemeinde aus Zagreb schickte in den vier Jahren etwa 50.000 Einzelpakete in die10
    • Lager oder etwa 600 wöchentlich, gemäß dem Bericht der Jüdischen Kultusgemeinde ausdem Jahre 1945 (HDA, ZKRZ, Mikrofilm Z-2944).Eine ungewöhnliche Gewissenhaftigkeit der „kaltblütigen Mörder“Im Frühling, aufgrund der großen Schneeschmelze durchbrach die Save den Dammund überflutete das Lager. Die meisten der Häftlinge wurden für zehn Tage nach StaraGradiška gebracht, bis das Wasser zurückging. Es blieben nur einige Dutzend Menschen inden Räumen auf den Stockwerken, zu denen das Wasser nicht drang. „Wir konnten dochnoch das ganze Vieh retten“ sagte Gjuro Schwartz (HDA, ZKRZ, Mikrofilm Z-2942). DieWärme, Feuchtigkeit und die schlechten hygienischen Zustände haben die Entwicklung vonEpidemien gefördert. Velika župa Vrhbosna (großer Gau Vrhbosnien) schickt seinerPolizeileitung ein Schreiben, dass in Jasenovac der Typhus ausgebrochen sei und „so werdenaus diesem Grunde bis auf Weiteres keine Häftlinge mehr aufgenommen“ (A. Miletić, Buch2, S. 177). Jetzt können tiefere Gräben für die Toten, wegen dem Hervorquellen derunterirdischen Gewässer, nicht mehr ausgegraben werden.Die Bezirksbehörde aus Novska hatte schon am 17. November 1941 demGesundheitsministerium geschrieben, dass unter den Häftlingen eine Epidemie von akutenDarmkrankheiten herrscht, sowie auch Verlaustheit. Und dies nicht nur bei den Häftlingen,sondern auch bei den Ustaschas, die sie bewachen. An Typhus starben auch sieben oder achtUstaschas von der Besatzung, die das Lager bewachte (Horvat, Buljan, Prešućene novljanskežrtve [Horvat, Buljan, Die verheimlichten Opfer von Novljan, S. 680]). An Typhus starb imNovember 1944 auch Zvonimir Brekalo, der Lagerseelsorger und katholische Priester.Die jüdische Gemeinde aus Osijek und die Abteilung für Seuchen desGesundheitsministeriums sprachen sich ab, über die Besorgung von Desinfektionsapparatur.Die Gemeinde Osijek kaufte am 4. Mai 1942 ein Mikroskop für das Laboratorium desJasenovac-Krankenhauses, welches 6000 Kuna kostete (Rechnung im HDU, Fond UNS,Schachtel 6).In Jasenovac wurden auch einzelne Todesfälle im Lager protokollmäßig verbucht. Aufder Web-Seite der Gedächtnisstätte kann man auch ein Faximile des Protokolls finden,worauf steht, dass am 1. März 1942 in der Krankenhausambulanz eine Frau tot aufgefundenwurde. Es wurde eine Kommission aus fünf Personen zusammengestellt (derGemeindevorsteher von Jasenovac Nikola Vidaković, gennant „Bradonja“- der „Bärtige“,zwei Lagerärze und zwei Ustaschas). Es wurde „ein natürlicher Tod festgestellt, und es wurdebefohlen, dass die Tote innerhalb einer Frist von 4 Stunden auf dem Lagerfriedhof zubegraben ist“. Das Protokoll wurde in fünf Exemplaren ausgestellt und der Bezirksbehörde inNovska geschickt, „dem Kommando der Sammellager in Jasenovac“, der Ustascha-Aufichtsbehörde, Büro 1, in Zagreb, der Ustascha-Aufsichtsbehörde, Büro III, in Zagreb undder Expositur des Verwaltungsbezirkes der Bezirkspolizei in Sisak.Eine ungewöhnliche Gewissenhaftigkeit von Menschen, die angeblich fähig sind,jeden Tag kaltblütig 152 Menschen umzubringen (so viel kommt heraus, wenn man die Zahlvon 55.813 Opfern aus der Namensliste durch 365 für dieses Jahr 1942 teilt). Die anHerzversagen Verstorbene hieß Barbara Lugarić, eine Kroatin aus Sisak. Auf der Namenslistedes JUSP Jasenovac steht bei ihrem Namen: von den Ustaschas im Lager getötet.11
    • Aus dem Lager zur Heilung der serbischen KinderGroße Verdienste in der Bekämpfung der ersten Typhusepidemie im Lager, die imFrühling 1942 ausgebrochen war, hat Dr. Josef Konforti, ein Arzt aus Travnik. Als Jude wurdeer am 17. März ins Lager gebracht. Schnell erkannte er die Ursache des rapiden Anstiegs vonErkrankungen, verbunden mit hohen Temperaturen. Der Lagerleitung mit Ljubo Miloš voranhielt er einen Vortrag über Maßnahmen zur Bekämpfung der Ansteckung (eine detaillierteAussage Konforti´s befindet sich im Buch „Sećanja Jevreja na logor Jasenovac“(„Erinnerungen des Juden an das Lager Jasenovac“), Beograd, 1972, S. 209-239. Konfortierklärte ihnen, dass den Flecktyphus eine Laus überträgt, die keinen Unterschied zwischeneinem Häftling und einem Wachmann macht. Deswegen müssen sich alle die Haare bis zurGlatze schneiden lassen und sich regelmäßig rasieren, öfters baden und die Kleidung und dasBett desinfizieren. Miloš nahm alle Ratschläge an und ordnete an, dass sie durchgeführtwerden. Konforti hat mit gewissem Berufsstolz in der Aussage hervorgehoben, dass dieMaßnahmen zur Sanierung des Lagers erfolgreich waren und ab Mitte Mai gab es keineKrankheitsfälle mehr. Jedoch der Typhus kam im Lager doch noch sporadisch vor, besonders,nachdem gefangene Partisanen ins Lager gebracht wurden.Häftlinge – Ärzte und KrankenpflegerIm Mai hat Vjekoslav Luburić Konforti zu einer Sitzung gerufen. Er sagte ihm, er solleÄrzte und Krankenpfleger organisieren, die zusammen mit dem Ustaschatrupp in einenEinsatz gehen werden. „Es wird lustig sein“ sagte Luburić. Einen Tag vor dem Einsatz, der am25. Mai geschah, hielten Konforti und andere Ärzte für zehn Soldaten „zehn Jungs inUstaschauniformen“ einen kurzen Kurs im Verbinden und Abbinden von Wunden. LuburićsTruppe von 500 Soldaten trat zum Durchbruch der Straße vor, welche die Partisanen inRichtung Draksenić nach Bosanska Dubica besetzten. Als Sanitätseinheit gehen mit ihnenauch die Ärzte-Häftlinge mit: Josef Konforti, Igor Gasparini und Marin Jurčev und einigeandere Häftlinge als Krankenpfleger.An diesem Tag fiel Igor Gasparini neben der Straße nach Dubica, bei der Hilfeleistungder verwundeten Ustaschas. In ihrem Bericht rühmten sich die Partisanen, dass sie einen„Ustascha-Arzt“ getötet hatten. Dem Ustascha-Trupp gelang es bis nach Dubica vorzustoßen,wo Konforti und Jakob Danon in Begleitung des Zugführers Mandila zum Bier- undKaffetrinken in ein Gartenrestaurant gingen. Vodnik half ihnen, bei der Post eine Postkartean die Familie zu schicken. „Die Schwestern in Split bekamen eine Ansichtskarte und an derBriefmarke sahen sie, dass sie aus Dubica abgeschickt worden war. Was ich jedoch dort tat,davon hatten sie keine Ahnung“ sagte Konforti.Unklares Schicksal der slowenischen PriesterNach der Rückkehr nach Jasenovac trat Marin Jurčev den Ustaschas bei und wurdeHauptmann und Leiter des neuen Krankenhauses, das in der Ortschaft Jasenovac gebautwurde. Er setzte mit den Häftlingen die Mitarbeit weiter fort und hielt Verbindungen mit denKommunisten und Partisanen aufrecht, weswegen er im Herbst 1944 gehängt wurde.Konforti wurde danach in das Kinderheim im Schloss Gornja Rijeka bei Križevci geschickt umdort von Juni bis August 300 serbische Kinder ärztlich zu behandeln, welche nach derSchlacht auf der Kozara dorthin gebracht wurden. Anfang 1943 schickte ihn die Lagerleitungzu einer neuen Dienstreise nach Kupinec, wo er die Familie des Vlado Maček, Vorsitzender12
    • der HSS (Kroatischen Bauernpartei) behandeln sollte. Von dort aus floh er dann zu denPartisanen. In seiner langen, detaillierten Erinnerungsschrift „Sećanja Jevreja …“(„Erinnerungen eines Juden …“) führt Konforti keine einzige Tötung im Lager an, die ergesehen hätte.Im Jahre 1942 endeten im Lager auch sieben slowenische katholische Priester,welche die Deutschen zu Anfang des Krieges aus Slowenien in die NDH vertrieben hattenund lebten in der nordkroatischen Gegend Hrvatsko Zagorje. Sie waren wegen Verbindungmit den Partisanen und ungenügender Loyalität mit den Behörden angeklagt. Hchw. FranjoRihar wurde in Donja Stubica angeklagt, dass er anlässlich des 10. April (Staatsfeiertag derGründung NDH) die heilige Messe für die Heimat nicht feiern wollte. Kurz nach seinemKommen in das Lager starb er an Typhus. Das Schicksal der übrigen Priester ist noch vielundurchsichtiger. Jakob Ratko Sem starb oder wurde getötet vor dem 20. September. Dieanderen inhaftierten Priester (Franc Grobler, Franc Kač, Ivan Kodrič, Anzelmo Polak und IvanRančigaj) arbeiteten als Krankenpfleger im Lagerkrankenhaus, dann aber wurden sie am 17.Oktober aus dem Lager gebracht und kamen nie wieder zurück. Überlebt hat nur AntonRantaša, der sich wegen Krankheit an diesem Tag in der Lagerambulanz befand.Als die Meldung über die Tötung bis zu Erzbischof Stepinac gelangte, schrieb er anPavelić einen Brief, in welchem er Jasenovac als einen Schandfleck und Verbrechen nannte.„Falls die Priester gegen den Staat handelten, warum hat man sie nicht zum Gerichtgebracht?“ – schrieb Stepinac. Ende Oktober hielt er eine scharfe Predigt in der erunmissverständlich den Rassismus und andere Ideologien, unvereinbar mit dem Christentumverurteilte.In einem Jahr wurden sechs Häftlinge erschossenGegen Ende des Krieges wurde in das Lager auch Hchw. Franjo Orešnik gebracht,auch ein Slowene der nach der Vertreibung aus Slowenien in Kutina und Velika Ludina seinenDienst ausübte. Im Dezember 1944 wurde er wegen dem Verdacht, den Partisanen zu helfeninhaftiert. Unter den Umgekommenen im Lager war auch der Theologiestudent MihajloLozinski, ansonsten Ukrainer und griechisch-katholisch aus dem Dorf Lipovljani, den dieDeutschen und Ustaschas im September 1944 aus Vergeltung für einen Partisanenangriffgefangennahmen. Mit ihm zusammen wurden auch 200 andere Bewohner von Lipovljani insLager gebracht. Lozinski starb, der Errinnerung von Überlebenden nach, an Typhus.In Jasenovac gab es auch einige Fälle, in denen Häftlinge wegen Ereignissen, die nichtdirekt mit dem Lager zu tun hatten, zur Strafe erschossen wurden. Dies zeigt das Schreibenvon A. Skelina, dem Vertreter des Verteidigungsministeriums, gesandt Ende November 1941den muslimischen Einheiten unter dem Kommando von Husko Miljković (HDA, FondMINORS, Schachtel 1). Miljković war zu dieser Zeit Vebündeter der Partisanen, mit denen ereinige NDH-Amtsleute entführte (einen Unterbezirksrat und einen Hauptmann und ihreFahrer). Skelin warnt, dass im Gegenzug Familienmitglieder von Partisanen verhaftetwerden. „Falls ich keine klare Antwort über das Schicksal unserer Leute bekomme, werdenMitglieder ihrer Familien und Mitglieder der kommunistischen Partei im Lager Jasenovacerschossen werden“ steht im Schreiben zu lesen.Aus dem Lager wurden Häftlinge zur Vergeltung für Partisanenangriffe nach Osijekund Zagreb zum Erschießen oder Hängen gebracht. Lidija Zlatić war in einer Gruppe von 5013
    • männlichen und weiblichen Häftlingen, welche aus Stara Gradiška nach Zagreb zumErschießen beordnet waren. Es kam aber das Urteil, dass 20 von ihnen erschossen würden,so dass die Übrigen zur Verbüßung der Strafe zurückkehrten. Das Osijeker Standesgerichtersuchte am 23. Oktober das Herbeischaffen des Braco Frank aus dem Lager Jasenovac zurVerhandlung, wegen illegaler kommunistischer Tätigkeit. Frank wurde zum Tode verurteilt(HDA, ZKRZ, Schachtel 10).Ivica Brkljačić, Kommandant des Lagers Jasenovac vom 29. März 1943 bis zum 30.April 1944, sagte vor den Untersuchungsrichtern der Landeskommission aus, dass er zuseiner Zeit einen schriftlichen Befehl aus Zagreb, aus der Abteilung für die Lagerverwaltungerhalten habe, zur Erschießung von sechs Häftlingen und dies ausführte. Dabei hat er aufeigene Initiative den Ante Došen ausgelassen, weil dieser sein „Pate und Nachbar“ war.Brkljačić fügte dabei hinzu, dass diese während seiner einjährigen Verwaltung im Lager auchdie einzigen Häftlinge waren, die erschossen oder auf eine andere Art umkamen. „Als ichLagerleiter in Jasenovac war, durfte weder geschlagen noch getötet werden. Noch zu Anfangmeines Dienstes bestrafte ich zwei Ustaschas, weil sie einen Ingenieur verschlagen hatten.Deswegen habe ich daheim viele Dankbarkeitsbriefe von verschiedenen Häftlingen, die sichbei mir später meldeten“ sagte Brkljačić aus (HDA, ZKRZ, Schachtel 251). Auch die Häftlingeaus dieser Zeitspanne beschreiben regelmäßig nur diese eine Erschießung.Aus der Lagerkasse wurde den Serben Entschädigung ausbezahltDie Partisanen verstärken in der ersten Hälfte von 1942 ihre Kampfhandlungensüdlich des Flusses Save, wobei ihnen die Gebirgsgegenden der Kozara und Prosara alsGuerillabasen zugutekommen. Sie bedrohen die umliegenden Städte, Verkehrswege und dasBergwerk in Ljubija. Die Ustaschabesatzung aus Jasenovac hatte bis April 1942 keineKonflikte mit der mehrheitlich serbisch-orthodoxen Bevölkerung der Nachbardörfer Mlakaund Jablanac am linken Saveufer, zwischen Jasenovac und Gradiška. Die Dorfbewohner sindinzwischen zum Katholizismus übergetreten. Die Herzegowiner aus der Einheit in Jasenovacbrachten von Zuhause ausgezeichneten Tabak mit und verkauften ihn den Dorfbewohnernaus Mlaka und diese wiederum den Partisanen. So teilten sich die unversöhnten Feinde dieTabaksfreuden.Rache für Gefallene mit den PartisanenDies währte nur bis zur Nacht zwischen dem 3. und 4. April, als die Partisanen ausdem Dorf Orahovo an der rechten Uferseite die Save nach Jablanac überquerten. „DieUstaschastreife, welche mit Booten versuchte, nach Jablanac zu gelangen, hatte keinenErfolg und auf Trockenem war es wegen der Überschwemmung nicht möglich, ins Dorf zugelangen“ steht im Bericht des Hauptquartiers des Domobranenministeriums zu lesen. DiePartisanen übersiedeln danach mit Booten über den Fluss auf die rechte Uferseite alle 350Einwohner von Jablanac, samt ihren 200 Schweinen und viel beweglichem Hab und Gut.Danach stecken die Partisanen und Dorfbewohner das Dorf und die orthodoxe Kirche inBrand.Einige katholische Familien siedelten über ins benachbarte Mlaka. Aber am 14. Aprilerfolgte der Partisanenangriff auf die Ustaschabesatzung in Mlaka. Es fielen drei Ustaschasund vierzehn wurden verletzt. Im Gegenangriff wurden die Partisanen zurückgeworfen unddas Dorf wieder eingenommen. Die Bewohner von Mlaka wurden auf dem Flusswege in die14
    • Lager Jasenovac und Stara Gradiška gebracht. Von dort aus gingen die Frauen zur Arbeitnach Deutschland, und die Männer wurden zuerst in das Lager „Sajmište“ (Marktplatz) inZemun und später zur Arbeit nach Deutschland und Norwegen transportiert. Es ist durchausmöglich, dass sich die Ustaschas wegen ihrer Gefallenen im Kampf mit den Partisanen inMlaka rächten. Mato Stančić, ein Lagerhäftling aus Jasenovac seit dem 10. März 1942, sagtevor den Vertretern der Landeskommission aus, dass am 23. Mai „30 Ältere aus Mlaka getötetwurden und die Übrigen wurden nach Deutschland zur Arbeit verschickt“.Die Partisanen versuchten noch einige Angriffe auf Jasenovac. Der Angriff am 17.April dauerte von 4 bis 6 Uhr morgens. „Mit Gewehrfeuer versuchten die Aufständischenden Übergang auf das linke Ufer der Save und den Angriff auf Jasenovac und das Lager. DerVersuch wurde ohne eigene Verluste vereitelt. Die Verluste der Aufständischen sind nichtbekannt“ (HDA, MINORS, Izvješća Glavnog stožera [Berichte des Hauptquartiers]). Derfolgende, vermerkte Angriff stammt vom 5. Mai. Um 23.30 Uhr kamen den Fluss Una entlangetwa 20 Partisanen. Bei Gradina haben sie die Ustaschawachen angegriffen. Am nächstenTag, wieder bei stockdunkler Nacht, folgte eine neue Schießerei. „Auf die Ustaschawachenschoss auch die serbisch-orthodoxe Bevölkerung, wobei ein Ustascha fiel. Wegen diesemVorfall ließ der Kommandant des Sammellagers alle Serbisch-orthodoxen in das Sammellagerinternieren“ steht im Tagesbericht des Hauptquartiers des Domobranenministeriums vom16. Mai 1942 geschrieben. Die Ustaschas siedeln von da an die orthodoxen Serben ausJasenovac und Uštice aus, jene also, welche bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht zur Arbeitnach Deutschland gingen oder noch nicht nach Serbien flüchteten. Sie schickten sie auch indas Lager Sajmište nach Zemun. Von dort aus wurden die arbeitsfähigen Männer der Donauentlang bis nach Wien und Linz verschifft und weiter nach Deutschland und Norwegen. DieÜbrigen wurden entlassen oder gingen nach Serbien. Aus den Arbeiten der Autoren, welchediese Fälle beschrieben haben (Filip Šikljan, „Mlaka i Jablanac, nestala sela“ („Mlaka undJablanac die verschwundenen Dörfer“) sowie von Buljan und Horvat, „Prešućene novljanskežrtve“ („Die verheimlichten Opfer von Novalja“) geht hervor, dass die Ustaschas dieserbische Bevölkerung aus diesen Dörfern umgesiedelt hatten, um einen Sicherheitskordonzum Schutze des Lagers und seiner Umgebung zu schaffen.Aus Jasenovac wurden aber nicht jene Serben weggebracht, die als Facharbeiter inden Lagerwerkstätten arbeiteten und einige serbische Frauen, die mit Kroaten verheiratetwaren. Im Lager haben z.B. die Brüder Slavko und Rajko Metlaš, Serben aus Jasenovacgearbeitet. Slavko war Aufseher im Elektrizitätswerk und Rajko in den Wirtschaftsanlagen.Slavko Metlaš hat den Krieg überlebt und lebte später in Belgrad. Rajko verschwand auf dem„Kreuzweg“ (nach Kriegende Kolonnen von zigtausenden, kriegsgefangenen, kroatischenSoldaten und zum Teil kroatischer Zivilbevölkerung von Bleiburg in Österreich bis Serbien,die zum größten Teil von den Partisanen umgebracht wurden) und der dritte Bruder Branko,ist als Domobran gefallen (Buljan, Horvat „Prešućene novljanske žrtve“, S. 678). Noch einSerbe, Milan Miljenović, war die ganze Zeit während des Krieges in der Lagerleitung bei derAbteilung der kaufmännischen Rechnungsführung beschäftigt. Bei der Befragung vor derLandeskommission zur Untersuchung der Verbrechen des Besatzers 1946 redete er sichheraus, dass „er von Natur aus ein zurückhaltender und ruhiger Arbeiter sei und keinebesonderen Einzelheiten beschreiben könnte wie jene anderen, jüngeren Leute“. Es kannangenommen werden, dass er sich fürchtete, wegen der Zusammenarbeit mit den Ustaschasnicht angeklagt zu werden.15
    • Die Lagerhäftlinge als Busfahrer von BuslinienDie Partisanen waren während des Krieges in der Nähe des Lagers. Slavko Odić undSlavko Komarica schrieben in dem 2008 erschienenen Buch „Zašto Jasenovac nijeoslobođen“ („Warum wurde Jasenovac nicht befreit“) über den Bericht einesPartisanenagenten, dem es gelang, sich von dem unteren Gebiet des Gebirges Kozara(„Potkozarje“) 1942 bis Jasenovac einzuschleusen und danach über eine Bekannte in dasLager zu gelangen, um zu sehen, was dort geschieht. Diese, allem Anschein nach,phantastische Geschichte scheint real zu sein, wenn man weiß, dass durch das Lager vomDamm neben der Save bis Jasenovac, von dem Dorfe Košutarica, östlich des Lagers, eineStraße führte. So gingen die Bewohner von Jasenovac fast während des ganzen Krieges aufdie andere Seite bis zu ihren Feldern. Dabei versammelten sie sich vor dem Eingangstor desLagers und danach passierten sie unter Führung eines Wachmanns das Lager. DieserPartisanenagent hieß Dragan Lucić und rühmte sich, wie er beim Ausspionieren des Lagersden Dienstplan der Wachmannschaft, ihre Bewaffnung in Erfahrung brachte und denPartisanen auch das Shema der Lagerverteidigung schickte (Antun Miletić, „Koncentracionilogor Jasenovac“ Buch I, S. 88).Neben Mlaka und Jablanac setzten sich die Diversanten der Partisanen aus Bosnienüber, in Richtung der Eisenbahnlinie Zagreb-Belgrad. Der ehemalige Häftling Srečko Kutnjakbeschrieb, wie die Lagerhäftlinge die Buslinie Stara Gradiška-Okučani-Stara Gradiškaaufrechterhielten. Eines Tages stieß der Bus mit den Fahrern Drago Vučković und VilimCrnković auf einen Partisanenhinterhalt. In der Schießerei wurde ein Ustascha aus derBegleitung getötet, einer verletzt, und Vilim Crnokvić wurde an der Schulter schwerverletzt.Der Bus konnte sich irgendwie bis zum Lager durchschlagen, wo Crnković im Krankenhausversorgt wurde (HDA, ZKRZ, Schachtel 216).Intervention des Pfarrers Augustin KraljNach den Partisanenangriffen hat die Ustaschabesatzung in Jasenovac die Stellungenverstärkt und die nachrichtendienstliche Aktivität entfaltet. Sie verfügten auch mitFliegerabwehr Geschütz (FLAK), so dass die Luftwaffe der NDH gewarnt wurde, ohnevorherige Anmeldung das Lagergebiet nicht zu überfliegen, da ansonsten ohne Vorwarnungdas Feuer eröffnet würde.Im Oktober 1942 kam es zu einem Vorfall in dem Dorf Crkveni Bok, das 12 kmwestlich von Jasenovac in Richtung Sunja entfernt ist. Unter dem Verdacht, dass dieserbischen Bewohner mit den Partisanen zusammenarbeiten, fielen die Ustaschas ausJasenovac in das Dorf ein und führten alle Dorfbewohner samt Frauen und Kindern in dasLager Jasenovac. Auf die Intervention des Dorfpfarres Augustin Kralj und andererDiensthabender, welche bis zum Staatsoberhaupt Pavelić und Regierungsminister der NDHvordrangen (in seinem Tagebuch erwähnt den Vorfall Mladen Lorković), wurden alleBewohner, bis auf acht, bald nach Hause gelassen. Den Dorfbewohnern wurde sogar aus derLagerkasse der Schaden für ihr gestohlenes und vernichtetes Eigentum entrichtet. Von denacht Einbehaltenen konnten vier von ihnen aus dem Lager entfliehen.Die Ermordungen von katholischen Priestern und die Aktion Crkveni Bok brachtendas Glas der Toleranz dem Benehmen von Luburić zufolge zum Überlaufen. Es wurde eineneue Untersuchungskommission ins Lager geschickt, voran mit dem hohem16
    • Regierungsvertreter Aleksander Seitz und Ivo Bogdan, dem Chef des Propagandaamtes. AufBeharren der deutschen Vertreter wurde Luburić entlassen und auf einige Zeit aus demLager entfernt. In Šumec einem Ort neben Lepoglava wurde er interniert. An seiner Stellewurde Stanko Šarac aus dem Innenministerium der Beauftragte für die Lager. Ljubo Milošging auch weg aus Jasenovac, er wurde in Zagreb wegen der Aktion in Crkveni Bok in Savskacesta eingesperrt. Luburić gewann im April 1944 wieder an Einfluss auf das Lager und LjuboMiloš wird dorthin erst im April 1945 zurückkehren.Entnommen in sechs Fortsetzungen vom 17. März bis 21. April 2013 aus der kroatischenkatholischen Kirchenzeitung „Glas Koncila“.17