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Outsider Music Theorie

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Some theory stuff about outsider music in a (more or less) system theoretical fashion (in German)

Some theory stuff about outsider music in a (more or less) system theoretical fashion (in German)

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  • 1. Outsider: Versuch einer Näherung Klaus Frieler Universität Hamburg Musikwissenschaftliches Institut Seminar 56.809, WiSe 08/09
  • 2. Start of definition
    • Voraussetzung für den Begriff des „ Outsiders “ ist das Vorhandensein eines Bezugssystems zu dem der Outsider als randständig oder als außerhalb begriffen werden kann
    • Genauer: Der Begriff „ Outsider “ kann nicht ohne den Begriff des „sozialen Systems“ gedacht werden.
  • 3. Differenzen
    • Inside/Outside bzw. Innen/Außen ist eine Leitdifferenz der Soziologie, aber auch der Biologie
    • Der Outsider als Hebelpunkt oder als Informationsquelle für (eine) allgemeine soziologische Theorie(n)?!
  • 4. Soziale Systeme
    • Was ist ein soziales System?
    • Was ist überhaupt ein System?
  • 5. Systeme
    • Eine System ist die (z. B.) Differenz/Unterscheidung System/Umwelt
    • Wer trifft diese Unterscheidung?
      • Z. B. Luhmann: Das (soziale) System selbst (Autopoiesis)
      • Varela/Maturana (Konstruktivismus)
      • Der Forscher durch der Analyse oder durch Messung?
      • Heisenberg-Schnitt
  • 6. (Soziale) Systeme
    • Oder: Eine System ist eine Kategorie von Elementen und Relationen (Operationen) zwischen diesen Elementen. Ein Ganzes.
    • Ein soziales System eine Organisation von Menschen, die miteinander in Beziehung treten
    • Beziehungen: Handlungen, Interaktionen, Kommunikationen (Memaustausch)…
  • 7. Systeme
    • Was sind die Elemente?
    • Zeitliche Konstanz von Elementen?
    • Beispiel: Opa‘s Axt
    • System endlicher Elemente kann erhalten werden, wenn die Elemente austauschbar sind unter Beihalt der Relationen
    • Stetiger Wechsel ist impliziert
    • Abstraktionsprozesse erhalten ein System auch…
  • 8. Soziale Systeme
    • Die Existenz/Identifikation von Systemen legt ihre Selbsterhaltung nahe
    • Autopoietische System erzeugen sich immer wieder selbst (Organismen, soziale Systeme)
    • Sie erhalten dabei ihre Grenzen (z. B. die Haut, die Zellwand, Immigrationsgesetzte, Bildungspolitik, Initiationsriten…)
    • An den Grenzen sozialer System erscheinen Outsider…
  • 9. Soziale Systeme
    • Der sich selbstorganisierende Organismus will (?) sich selbst erhalten.
    • Die Organisation von Organismen will(?) sich selbst erhalten
    • Durch die eigene Grenzschaffung steht er einer Umwelt gegenüber
    • Die Umwelt ist Ressource zur und Hindernis für die Selbsterhaltung zugleich.
  • 10. Soziale Systeme
    • Es gilt Regelmäßigkeiten in der Umwelt zu entdecken um sie einerseits effektiv auszunützen und sich andererseits effektiv vor ihr zu schützen
    • Luhman nennt das: Reduktion der Komplexität
    • Universal: Teleologische Ausrichtung des selbsterhaltenden Organismus
    • Erwartungen, Antizipation, Zweck, Sinn, Ziel
  • 11. Soziale Systeme
    • Genial: Das Nervensystem als selbstorganisierende, statistischer Lerner zur Lösung dieser Aufgabe
    • Genial: Die Bildung sozialer Systeme
    • Genial: Entwicklung eines symbolischen Kommunikationssystem zur Effizienzsteigerung
    • Meme als Informationseinheiten die symbolische Inhalte transportieren und die Entwicklung von Technik und Kultur ermöglichen und durch Reproduktion erhalten
  • 12. Soziale Systeme
    • Universal: Bildung von Erwartungshaltungen über die Umwelt.
    • Als Individuum sind die anderen Menschen Umwelt
    • Wie kann ich Menschen „berechenbar machen“?
    • Wie kann eine soziale Gruppe überleben?
    • Wie kann Selbstzerstörung vermieden werden?
  • 13. Homöostase
    • Das soziale System erzeugt zur Reduktion von Komplexität seine eigenen Erwartungshaltungen durch normative Erwartungen an ihre Mitglieder
    • Naturalisierung von Norm/Moral/Ethik
    • Konservative Implikation: Es soll so bleiben, weil es immer schon so war.
    • DOCH WAS IST MIT NEUEN SITUATIONEN UND GEFAHREN?
  • 14. Anpassung
    • Ein soziales System muss sich anpassen können, weil
      • sich die Umwelt wandelt
      • es sich selbst stetig ändert, keine Autopoiese ist perfekt
    • Wandlungsfähigkeit, Neugier, Kreativität sind notwendig für das Überleben eines sozialen System
    • Innovation wird erwartet!
  • 15. Erwartungen und Kontingenz
    • Erwartung und Antizipation sind allgegenwärtig
    • Regeln und Normen sind kristallisierte Erwartungen, Erwartungen sind kristallisierte Erfahrungen
    • Aber nicht alles ist determinierbar: Kontingenz als Problem und Chance zugleich
    • „ Durch Kontigenz erwächst Freiheit “
  • 16. Hi e r w E r d e n E xp e cta T io Ns V e r le t zt
  • 17. Outsider
    • Outsider 1. Ordnung: Stehen komplette außerhalb des betrachteten sozialen Systems, keine strukturelle Kopplung
    • Outsider 2. Ordnung: Stehen am Rand des sozialen Systems
    • Desto mehr am Rand desto mehr das (beobachtete, imaginierte) Eigenhalten* von erwarteten Eigenhalten* abweicht
    • * =Eigenschaften und Verhaltens(weisen)
  • 18. Outsider
    • In dieser Definition können auch Genies, Herrscher, Erfinder und andere „herausragende“ Personengruppen Outsider sein
    • Differenz: Innovation vs. deviantes Verhalten
    • Innovatoren weichen von den Erwartungen ab, doch werden ihre Innovationen als systemfördernd erkannt.
    • Beispiel: Der Erfinder des Feuers
  • 19. Outsider
    • Outsider in Bezug auf ein soziales System
    • Soziale Systeme verschiedenen Abstraktionsgrads durchdringen sich
    • Primärsystem: Naive „Realität“, direkte interaktive Kommunikationen
    • Sekundärsysteme: Wirtschaft, Politik, Religion, Kunst und Musik
    • Man kann in der Mitte des einen Systems und am Rand eines anderen Systems stehen
  • 20. Outsider
    • Outsider in Bezug auf ein soziales System
    • Soziale Systeme durchdringen sich
    • Primärsystem: Naive Realität, direkte interaktive Kommunikationen
    • Sekundärsysteme: Wirtschaft, Politik, Religion, Kunst und Musik
    • Man kann in der Mitte des einen Systems stehen und am Rand eines anderen
  • 21. Beispiel: Der Tanzmusiker (Howard S. Becker, 1963)
      • H. S. Becker, „Außenseiter“, 1963, London: Glencoe, (dt. 1971, Frankfurt: Fischer)
      • Beispiel: Außenseiter Tanzmusiker. Teilnehmende Beobachtung:
  • 22. Beispiel: Der Tanzmusiker (Howard S. Becker, 1963)
    • Professionelle „Tanzmusiker“ (Jazzer) sind aus verschiedenen Gründen prädestiniert für Outsidertum:
      • Sie arbeiten, wenn andere sich vergnügen
      • Sie schlafen, wenn andere arbeiten
      • Sie sind nicht primärproduktiv tätig
      • Sie haben besondere, außergewöhnliche Fähigkeiten
      • Des Dientsleisters Konflikt mit dem Kunden, von dem er abhängig ist
  • 23. Beispiel: Der Tanzmusiker (Howard S. Becker)
    • Kompensation/Lösungen für die inhärente Marginalisierung:
      • Bildung einer Subkultur
    • „ […] Musiker sind anders als andere Leute“ (Becker, S.77)
      • Überhöung der eigenen Devianz durch positive (Um)deutung:
    • „ Ich versteh Dinge die Spießer nie verstehen werden“ (Becker, S.77)
  • 24. Beispiel: Der Tanzmusiker (Howard S. Becker)
    • Doch ist der Tanzmusiker ökonomisch abhängig „ Spießer bezahlen dein Gehalt “ (S.83)
    • Dialektischer Antagonismus: Kunst vs Kommerz
    • Unkonventionalität als Abwehr der Macht des Kunden . (Beckers Hauptthese)
  • 25. Beispiel: Der Tanzmusiker (Howard S. Becker)
    • Isolierung und Selbstabsonderung
    • Ausweitung der Ablehnung auf die ganze Gesellschaft
    • Spezielle Berufsprache
    • Rituale
    • Kleidung („Baskenmütze und Ziegenbart“)
    • Unkonventielle kulturelle Interessen
    • Toleranz und Offenheit als Werte
  • 26. Beispiel: Der Tanzmusiker (Howard S. Becker)
    • Selbstreduktion zum Kunsthandwerker (aka Virtuosen)
    • Double Life („Mucke hier, Kunst dort“)
    • Aufgabe des Berufes
    • Auswanderung („Jazzer in Europa“)
    • Volle Selbstkommerzialisierung
    • Selten: Voller ökonomischer Erfolg mit der eigenen Kunst.
  • 27. Outsider: Was wir lernen können
    • Offenlegung sozialer und kultureller Regeln durch (unfreiweillige) Brechung und Dekonstruktion
    • Analyse von Subkulturen (als wichtige Elemente der „Pop“kultur)
    • (Kritische) Reflexion auf die eigenen Erwartungen und soziokulturellen Bedingheit der eigenen Wahrheiten
  • 28. Sun Ra
    • Geb. als Herman Poole „Sonny“ Blount am 22.5.1914 in Birmingham, Alabama
    • Gest. 30.5.1993
  • 29. Sun Ra
    • Eine der schillerndste und umstrittensten Persönlichkeiten des Jazz
    • Bandleader, Komponist, Pianist, Keyboarder, Sänger, Dichter, Philosoph, Engel vom Saturn
    • Pionier des phre Jazzs (und vieler andere Dinge)
    • Über 1000 Kompositionen auf über 120 Alben
    • Das Sun Ra Arkestra besteht seit Mitte der 1950er Jahre bis heute
  • 30. Sun Ra
    • Introvertierter Einzelgänger
    • Wuchs vor allem bei Großmutter und seiner Großtante Ida Howard auf
    • Musikalisches Wunderkind, guter Schüler
    • Chronische Krankheit (Cryptorchidismus)
    • Musik(lehrer)studium, aber nicht beendet, da ihm angeblich Bewohner des Saturn während einer UFO-Entführung dazu geraten haben.
  • 31. Sun Ra
    • Gefängnisaufenthalt nach Kriegsdientsverweigerung
    • Umzug nach Chicago 1945, Arbeit als Musiker
    • Beschäftigung mit Musik sowie Philosophie, Wissenschaft, Spiritualität, Okkultismus, Esoterik, Ägyptologie, Black Judaism u.ä.
    • 1952 Namensänderung Le Sony‘r Ra, Bühnenname „Sun Ra“
  • 32. Sun Ra
    • You've got this name " Herman " right there, but in the French language, it's spelled " Armand ". . .If you bring it down to " Arman " and turn it backward, you've got " name Ra ". . .If you turn it back, you've got " namreh ." Reh is an old name of "Ra “
    • „ Alexander “ [Name des Großvaters] , „ Zand-Ra. “ See, you've got this " Ra " right there. That's the " Sun Ra " right there, the „ Zun Ra “ ( Steingroot 1988 )
  • 33. Sun Ra
    • Gründung des Independentlabels „El Saturn“ Mitte der 50er zusammen mit dem Teenager Alton Abraham (langjähriger Manager)
    • Esoterischer „Buchklub“, Flugblätter, Pamphlete
    • Ende der 50er: Beginn der Kostümierung
    • Anfang der 60er in NYC : Radikalisierung, Free Jazz Experimente, erste Anerkennung durch die „ Beat Generation “
  • 34. Sun Ra
    • Umzug nach Philadelphia Ende der 60er
    • Die „Arkestra WG“
    • 1971 Lehrtätigkeit in Berkeley über „ The Black Man in the Cosmos “
    • 1972 Film „ Space is the Place “
    • 1980 Film „ A Joyful Noise “ (Robert Mugge)
    • Immer: Intensive Probenarbeiten und Konzerttätigkeiten
  • 35. Sun Ra
    • It's hard for a man to really give proper respect to anyone who says they're an angel or someone who says they're from other dimensions
    • ( Steingroot 1988 )

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