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Leicht gekürzter Text aus: Lester Frank Ward, "The Psychic Factors of Civilization", Kap. 38, S. 313-330, Boston, U.S.A., Ginn & Company Publishers, 1893, ...

Leicht gekürzter Text aus: Lester Frank Ward, "The Psychic Factors of Civilization", Kap. 38, S. 313-330, Boston, U.S.A., Ginn & Company Publishers, 1893,
gedruckt in: John Buck und Sharon Villines, "We the People: Consenting to a Deeper Democracy", Anh. A, Washington, DC, U.S.A., Sociocracy.Info Press, 2007 (www.sociocracy.info).
Übersetzt von Dinu C. Gherman und Tye M. Thomas.

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Soziokratie Soziokratie Document Transcript

  • physischer Gewalt. Diese oft genannten Naturge-Soziokratie setze werden jedes mal verletzt, wenn ein Straßen- räuber verhaftet wird und ins Gefängnis kommt.Lester Frank Ward (1841-1913) Früher konnte ein primitiver Staat allein mit roherDie Welt ist durch die Phasen der Autokratie und Gewalt eine gerechte und gleichmäßige VerteilungAristokratie in die der Demokratie gelangt und hat, von Wohlstand sicherstellen. Aber heute, da menta-durch eine normale Reaktion gegen die Macht des le Gewalt alles und physische Gewalt nichts mehrEinzelnen, bislang den Einfluss des Staates soweit bedeuten, hat er nicht mehr die Macht dazu. Dasminimiert, dass derselbe Geist, der sich vorher die- allein beweist, dass der Staat bei seiner Hauptauf-ses Staates bediente, um selbst voranzukommen, gabe gestärkt werden muss, dem Schutz der Ge-nun in eine fünfte Phase übergeht, nämlich die der sellschaft. Es gibt jedoch keine Argumentation, diePlutokratie. In Verbindung mit einer schwachen nur für eine Art des Schutzes, aber nicht ebenso fürDemokratie oder Physiokratie gedeiht sie beson- eine andere gilt. Es ist in höchstem Maße unlogischders gut und zielt darauf ab, diese beiden vollstän- zu sagen, die Selbstbereicherung durch physischedig zu überwinden. Ihren größten Rückhalt findet Gewalt sollte verboten, aber die durch mentalesie im weitverbreiteten Misstrauen gegen jede Re- Gewalt oder juristische Fiktion sollte erlaubt wer-gierung, und sie lässt nichts unversucht, um das den. Es ist absurd zu fordern, die durch Muskel-Feuer des Hasses anzufachen. Anstatt nach einem kraft begangene Ungerechtigkeit solle gesetzlichgrößeren und stärkeren Staat ruft sie nach einem reguliert, aber die durch den Intellekt begangenekleineren und schwächeren. Findig schreit sie nach solle unbelangt bleiben.individueller Freiheit, erinnert fortwährend an dieVerbrechen des Staates in dessen autokratischer Auch wenn die moderne Plutokratie keine Staats-und aristokratischer Phase und tut fälschlicherwei- form im gleichen Sinne wie die bereits erwähntense so, als drohe die unmittelbare Gefahr seiner ist, kann man dennoch leicht erkennen, dass ihreRückkehr. Laissez-faire und der extremste Individu- Macht ebenso groß ist wie die, die irgendein ande-alismus, die in allem außer bei der Durchsetzung rer Staat je ausgeübt hat. Der Prüfstein einer jedender eigenen bestehenden Rechte an praktische A- Staatsmacht ist üblicherweise die Art, in der er sei-narchie grenzen, werden laut befürwortet, und die ne Bürger besteuert, und die heftigsten Anklagen,Öffentlichkeit wird folglich blind für die Realität die je gegen die schlimmsten Formen der Tyranneigemacht. […] erhoben wurden, sind jene, die die unterdrückeri- schen Methoden erpresserischer Abgaben aufzäh-Die großen Übel, unter denen die Gesellschaft heu- len. Aber die Abgabe des Zehnten wird als Unter-te leidet, haben sich unter der Vormachtstellung drückung betrachtet und die eines Viertels vomdes Intellekts entwickelt. Sie haben sich heimlich Ertrag in irgendeiner beliebigen Industrie würdewährend des allmählichen Vordringens organisier- einen Aufstand rechtfertigen. Und doch gibt ester Gerissenheit bis in den Bereich nackter Gewalt heute viele Güter, für die Menschen das Doppelteausgedehnt. In diesem schwindenden Bereich be- und Dreifache der Kosten für Produktion, Trans-hält der Staat seine Macht, aber im wachsenden port und Vergütung mit fairen Löhnen und Profitenund inzwischen allumfassenden Feld psychischer bezahlen. In vielen Bereichen besteuern MonopoleEinflussnahme ist er machtlos. Niemand hat je be- den Verbraucher mit 25 bis 75 Prozent des realenhauptet, beim körperlichen Kräftemessen solle die Gebrauchswertes eines Gegenstands. Stellen SieBeute ausschließlich dem Stärksten zufallen. In all sich einmal eine Verbrauchssteuer in dieser Grö-diesen Fällen packt der Arm der Obrigkeit zu und ßenordnung vor! [...] Bei einem Monopol oder beisorgt für Gerechtigkeit. Aber bei den vielfältigen aggressivem Wettbewerb wird der Preis von Warenund weit ungleicheren Kämpfen, die jetzt zwischen bis zum maximalen Grenzwert erhöht, der für ei-den Köpfen ausgetragen werden bzw. mehr zwi- nen Gegenstand in profitablen Mengen gezahltschen dem Individuum und einem organisierten wird, und das völlig unabhängig von den Produk-System, dem Produkt ganzer Denkepochen, sagt tionskosten. Kein Staat der Welt hat oder hatte je-man üblicherweise, solche Dinge lasse man sich mals die Macht, eine solche Erpressung durchzu-besser selbst regulieren und das Recht des Stärke- setzen. Es ist eine regierende Macht im Interesseren walten. Aber jedem, der das Thema aufrichtig einiger weniger Privilegierter, die jene des mäch-betrachtet, muss klar sein, dass die erste und wich- tigsten Monarchen oder Despoten übersteigt, dertigste Aufgabe des Staates offen und absichtlich jemals ein Zepter geschwungen hat.verhindert wird, und zwar durch gewaltsame Ein-griffe, dem natürlichen Ergebnis aller Anwendung 1
  • Was also ist das Gegenmittel? Wie kann die Gesell- auch wenn es paradox klingt, die Demokratie, dieschaft diesem letzten Machtkampf des egoistischen jetzt die schwächste aller Staatsformen ist – zumin-Intellekts entkommen? Die Herrschaft der Gewalt dest bezogen auf die Kontrolle ihrer eigenen inne-hat sie durch die Errichtung des Staates abge- ren Elemente –, ist in der Lage, zur stärksten zuschafft. Sie hat die Autokratie durch die Aristokra- werden. Tatsächlich könnte keine andere Staatgs-tie ersetzt und diese durch die Demokratie, und sie form direkt in eine Regierung durch die Gesell-befindet sich nun in den Wirren der Plutokratie. schaft übergehen. Die Demokratie ist eine Phase,Kann sie ihr entkommen? Muss die Gesellschaft, durch die alle Regierungsformen gehen müssen –um die Kraft zu erlangen, mit der Plutokratie zu auf unterschiedlichen Wegen, die zur letzten ge-brechen, zurück zur Autokratie? Kein Autokrat sellschaftlichen Stufe führen, die alle Staatenhatte jemals ein Zehntel dieser Kraft. Muss sie sich schließlich erreichen müssen, um fortzubestehen.dann zermalmen lassen? Sie muss es nicht. Es gibtgenau eine Macht, die größer ist als jene, die heute Die Frage stellt sich, worin sich Demokratie unddie Gesellschaft maßgeblich beherrscht. Diese Soziokratie voneinander unterscheiden? Was istMacht ist die Gesellschaft selbst. Es gibt eine Regie- der Unterschied zwischen der Gesellschaft undrungsform, die stärker ist als Autokratie, Demokra- dem Volk? Wenn der Ausdruck „das Volk“ wirklichtie und selbst Plutokratie, und das ist die Soziokra- die einzelnen Menschen meinte, wäre der Unter-tie. schied kleiner. Aber dieses Klischee demokratischer Staaten, falls es denn überhaupt irgendetwas be-Das Individuum hat lange genug geherrscht. Für deutet, was sich beschreiben oder definieren lässt,die Gesellschaft ist der Tag gekommen, ihre Angel- steht schlicht für die Mehrheit der qualifiziertenegenheiten in die eigenen Hände zu nehmen und Wähler, egal wie klein diese Mehrheit auch seinihre eigenen Schicksale zu formen. Das Individuum mag. Es gibt eine Art und Weise, auf die Handlun-hat so gut gehandelt wie es nur konnte. Es hat auf gen einer Mehrheit als Handlungen der Gesell-die ihm einzig mögliche Weise gehandelt. Mit eige- schaft angesehen werden können. Zumindest lässtnem Bewusstsein, Willen und Intellekt ausgestattet sich das Recht der Mehrheit nicht leugnen, für diekonnte es gar nichts anderes tun als der eigenen Gesellschaft zu handeln. Denn sonst würde manBestimmung zu folgen. Es sollte weder verurteilt entweder der Regierung das Recht absprechen, ü-noch geschmäht werden. Man sollte ihm nicht berhaupt zu handeln, oder einer Minderheit daseinmal einen Vorwurf machen. Nein, es sollte ge- Recht zugestehen, für die Gesellschaft zu handeln.lobt und sogar imitiert werden. Die Gesellschaft Aber eine Mehrheit, die für die Gesellschaft han-sollte eine große Lektion daraus ziehen und den- delt, ist etwas anderes als die Gesellschaft, die fürselben Weg zum Erfolg einschlagen, den es so deut- sich selbst handelt, auch wenn sie, wie es immerlich vorgegeben hat. Sie sollte sich als Individuum der Fall sein muss, über eine von ihren Mitgliedernbegreifen, mit allen Interessen eines Individuums. gewählte Vertretung handelt. Alle demokratischenSie sollte sich dieser Interessen vollständig bewusst Regierungen basieren größtenteils auf der Regie-werden und sie mit demselben unbeugsamen Wil- rung einer vorherrschenden Partei. Die Wähler stel-len verfolgen, mit dem ein Individuuum seine Inte- len sich auf der einen oder anderen Seite einer Par-ressen verfolgt. Und nicht nur das; Sie muss sich teilinie auf, und die Siegerseite betrachtet sich ge-ebenso wie das Individuum vom sozialen Intellekt nauso als Staat wie es Ludwig XIV. tat. Die unterle-leiten lassen, ausgestattet mit all dem Wissen, wel- gene Partei betrachtet die Regierung dann in derches Individuen, durch harte Arbeit, Eifer und Be- Regel als etwas Fremdes und Feindseliges, wie ei-gabung, in ihre Hände gelegt haben und welches nen Eindringling, und denkt an nichts anderesdie soziale Intelligenz ausmacht. mehr als daran, genug Kraft zu schöpfen, um sie bei nächster Gelegenheit zu stürzen. Während ver-Die Soziokratie wird sich von allen anderen bishe- schiedene Fragen immer wieder vorgebracht undrigen Regierungsformen unterscheiden, und doch verteidigt oder angegriffen werden, ist es für denwird dieser Unterschied nicht so groß sein, dass Zuschauer offensichtlich, dass die Wettkämpfereine Revolution nötig wäre. Ebenso wie die absolu- sich für sie gar nicht interessieren, und sie nur da-te Monarchie unmerklich in eine beschränkte Mon- für benutzen, einen Vorteil zu erlangen und einearchie und in vielen Staaten sogar ohne Namens- Wahl zu gewinnen.änderung in eine mehr oder weniger reine Demo-kratie überging, ist die Demokratie in der Lage, Aus Sicht der Gesellschaft sind das Kindereien.reibungslos in Soziokratie überzugehen, ohne de- Schon ein leichtes Erwachen des sozialen Bewusst-ren ungewohnten Namen anzunehmen oder jenen seins wird sie verbannen und durch etwas Ge-zu ändern, für den sie heute bekannt ist. Denn, schäftsmäßigeres ersetzen. Einmal von diesem kin- 2
  • dischen Spielgeist befreit und die Aufmerksamkeit ist das günstigst mögliche System. Sie will Gewiss-auf die wahren Interessen der Gesellschaft gerich- heit darüber, ob ein nationales Telegraphensystemtet, wird man sehen, dass bei fast allen wichtigen dieses allgemein angestrebte Ziel gewährleistenFragen sich alle Parteien und alle Bürger einig sind, würde. Es ist zu erwarten, dass die Vertreter derund dass es keine Notwendigkeit für diesen Parti- existierenden Telegraphenfirmen versuchen wür-sanenkampf mit den öffentlichen Energien gibt. den, zu zeigen, dass das nicht gelingen würde. [...]Dies zeigt sich eindeutig bei jeder Veränderung im Aber warum sollte man sich von den, wenn auchParteikolorit der Regierung. Die siegreiche Partei, berechtigten, Interessen einer so kleinen Anzahldie die Regierung angeprangert hat, nur weil sie in von Personen beeinflussen lassen, wenn der ganzeden Händen ihres politischen Gegners war, rühmt Rest der Menschheit an der entgegengesetzten Lö-sich damit, dass sie das Land im Interesse guten sung interessiert ist? Die Untersuchung sollte eineRegierens revolutionieren wird, aber in dem Mo- selbstlose und streng wissenschaftliche sein, undment, in dem sie an die Macht kommt und die sollte die Frage auf die ein oder der andere WeiseBürde der nationalen Verantwortung spürt, stellt entscheiden. Würde man feststellen, dass es einensie fest, dass sie wenig tun kann und setzt die Ge- echten Vorteil gäbe, dann sollte man das Systemsetzte in der gleichen Weise durch, wie es ihre Vor- annehmen. Heute stellen sich dem amerikanischengänger getan haben. Volk eine große Anzahl solcher rein gesellschaftli- cher, jeden Bürger in diesem Land betreffen Fragen,Es gibt einen großen Unterschied zwischen all die- und ihre Lösung hätte zweifellos tiefgreifendenser Parteilichkeit und Verteidigung sogenannter Einfluss auf den Zustand der Zivilisation, der aufPrinzipien und der Beschäftigung mit den wirkli- diesem Kontinent erreicht werden kann. Dochchen Interessen und der notwendigen Belangen der nicht nur ist es unmöglich, diese Fragen zu lösen,Nation, wobei Letzteres die wahre Aufgabe einer es ist auch unmöglich, deren Untersuchung aufRegierung ist. Es ist eine gesellschaftliche Pflicht. Basis ihrer wirklichen Werte zu gewährleisten. DasDer für ihre Umsetzung nötige Druck ist die Kraft Gleiche gilt für andere Länder, und im Allgemei-des gesellschaftlichen Willens. Aber in der künstli- nen sind die vorherrschenden Demokratien derchen Aufregung der Partisanenkämpfe, in der pro- Welt außerstande, mit Fragen des gesellschaftlichenfessionelle Politiker und Demagogen einerseits und Wohls umzugehen.Agenten der Plutokratie andererseits sich in denOhren des Volkes uneinig anschreien, gehen die [... D]ie Preise der meisten von der Menschheitwahren Interessen der Gesellschaft, zumindest vo- konsumierten Gebrauchswaren haben keine direkterübergehend, aus den Augen verloren, werden ge- Beziehung zu den Kosten ihrer Herstellung undtrübt und verdunkelt, und die Menschen verlieren ihrem Transport bis zum Verbraucher. Es ist immerihr Verständnis für die wirklichen Probleme, ver- der höchste Preis, den der Verbraucher für eine Wa-gessen sogar ihre eigenen Interessen, die, obwohl re zu zahlen bereit ist, anstatt ohne sie auszukom-egoistisch, eine weit bessere Orientierung böten, men. Nehmen wir an, der Preis wäre durchschnitt-und das allgemeine Ergebnis ist in der Regel, dass lich doppelt so hoch wie die Kosten, die Waren zudiese vernachlässigt werden und Nationen auch produzieren, zu transportieren, zu handeln undweiterhin in den Händen bloßer Politiker verblei- auszuliefern, so dass in jeder dieser Transaktionenben, die leicht durch die gerissenen Vertreter der eine gerechte Entlohnung für alle Leistungen ent-Vermögenden gelenkt werden. halten wäre. Gibt es irgendjemanden in der Gesell- schaft, der lieber zwei Dollar für etwas zahlenDie Soziokratie wird all das ändern. Irrelevante würde, was fairerweise nur einen Dollar wert wä-Probleme werden beiseite gelegt werden. Die wich- re? Gibt es irgendeinen vernünftigen Grund dafür,tigen Ziele, auf die sich alle bis auf einige wenige eine solche Frage überhaupt zu diskutieren? GanzInteressierte einigen, erhalten ihr richtiges Maß an gewiss nicht. Das Individuum kann an diesem Zu-Aufmerksamkeit und Maßnahmen werden in ei- stand nichts ändern. Keine Demokratie kann ihnnem überparteilichen Geist mit dem alleinigen ändern. Aber ein Staat, der wirklich die InteressenZweck des Erreichens dieser Ziele in Betracht ge- der Gesellschaft verträte, würde das genauso we-zogen werden. Betrachten Sie zum Beispiel das nig tolerieren wie ein Individuum die ständige Er-Problem der Posttelegraphen. Niemand, der nicht pressung von Geld durch andere tolerieren würde,zufällig Aktionär einer existierenden Telegraphen- ohne einen Gegenwert zu erhalten.firma ist, würde lieber 25 Cents pro Nachricht be-zahlen, wenn er sie auch für zehn Cents versenden Und so wäre es überall. Die Gesellschaft würdekönnte. Wer würde diese Art von Fragen über- rational und ohne Angst, Gefälligkeiten oder Vor-haupt diskutieren wollen? Was die Gesellschaft will eingenommenheit zu allem Fragen stellen, was ihr 3
  • Wohlbefinden beträfe. Und wenn sich Hindernisse schen Politik sein wird. Obwohl dies noch keinfänden, würden diese entfernt, und wenn sich Ge- Vorbote einer großen sozialen Revolution seinlegenheiten ergäben, würden diese wahrgenom- muss, ist es gerade diese Art und Weise, in der einemen. Kurz gesagt, die Gesellschaft täte unter den- Reform in die angegebene Richtung erwartet wer-selben Bedingungen genau das, was auch ein intel- den sollte. Aber ob die aktuelle Bewegung nunligentes Individuum täte. Sie würde auf jede mög- dauerhaft sein wird oder nicht, die Samen der Re-liche Weise ihre Interessen verfolgen. form wurden im ganzen Land gesät, und früher oder später müssen sie sprießen, wachsen und ihreIch kann den Einwand voraussehen, dass dies ein Früchte tragen.Idealzustand sei, und dass er noch von keinemVolk erreicht wurde und allem Anschein nach auch Für eine lange Zeit wird soziales Handeln in ersternie erreicht werden kann. Jedoch wird kein unvor- Linie weiterhin negativ sein und darin bestehen,eingenommener Kritiker den üblichen, nicht ganz bestehende Übel zu beseitigen, wie sie auf diesenunberechtigten, Einwand erheben können, der al- Seiten dargelegt wurden, aber letztlich wird einelein sozialistischen Systemen gegenüber erhoben positive Phase erreicht werden, in der die Gesell-wird, nämlich den, sie setzten eine Veränderung schaft Maßnahmen zur eigenen Weiterentwicklungder „menschlichen Natur“ voraus. Denn bei der berücksichtigen und einführen wird. Auf die Fragehier angedeuteten Transformation wird die Dauer- der jeweiligen Bereiche des sozialen und individu-haftigkeit aller geistigen Attribute postuliert, und ellen Handelns kann hier nicht ausführlich einge-ich habe nicht nur darauf verzichtet, auf den mora- gangen werden, aber sicher ist, dass Ersteres sichlischen Fortschritt der Welt einzugehen, sondern weiterhin auf Letzteres ausdehnen wird, solangehabe nicht einmal die Kraft der Sympathie unter solche Übergriffe zum öffentlichen Nutzen sind. Esden gesellschaftlichen Kräften als Zivilisationsfak- gibt einen großen Bereich, in dem dieser Punkt un-tor erwähnt. Ich erkenne diesen als einen abgeleite- strittig ist, nämlich das Feld, das im modernenten Faktor an, der eine wichtige Rolle spielt, aber wirtschaftlichen Sprachgebrauch als „natürlichesich habe es vorgezogen, in diesem Fall bei den pri- Monopol“ bezeichnet wird. Die Argumente sind zumären und ursprünglichen egoistischen Einflüssen bekannt, als dass man sie hier wiederholen müsste,zu bleiben, da ich glaube, dass weder Meliorismus und die Bewegung ist bereits so weit fortgeschrit-noch Soziokratie auf bestimmte Gefühle oder auf ten, dass sie kaum weiterer Argumente bedarf. Beialtruistische Hilfen für ihre Unterstützung ange- dem, was aber darüber hinaus geht, gibt es Raumwiesen sind. Zumindest werden die Beweise ohne für viele Diskussionen und ehrliche Meinungsun-solche Zuhilfenahmen stärker sein, und wenn sie terschiede. Das liegt an der mangelnden Beschäfti-einen nachweislichen, legitimen Einfluss haben, so gung mit dem Thema. Das besondere Merkmal dererhöhen sie nur deren Gewicht. Staatsform, die ich Soziokratie genannt habe, liegt darin, dass sie direkt auf der Wissenschaft der So-Was den anderen Vorwurf angeht, so lautet die ziologie basiert, um die Fakten zu untersuchen, dieAntwort, dass Ideale notwendig sind, und dass Einfluss auf jeden Einzelnen haben. Nicht um ir-kein Ideal jemals vollständig verwirklicht wird. gendeiner Klasse von Bürgern die Möglichkeit zuWenn man zeigen kann, dass die Gesellschaft sich nehmen, zu ihrem Wohlergehen zu wirken, son-in Richtung irgendeines Ideals bewegt, ist die letzt- dern einzig und allein dazu, zu ermitteln, was demlich echte Verwirklichung dieses Ideals so gut wie Wohl der ganzen Gesellschaft dient.bewiesen. Beweise einer solchen Bewegung in derheutigen Gesellschaft sind reichlich vorhanden. In Die sozialistischen Argumente zugunsten einervielen Ländern wurden die Übergriffe des egoisti- Gesellschaft, die die gesamte industrielle Tätigkeitschen Individualismus bei einer Reihe wichtiger der Welt auf sich nimmt, schienen mir noch niePunkte gebändigt. In diesem Land wurde die Sorge schlüssig, vor allem, weil sie weitestgehend aussehr ernst genommen, die der Marsch der Plutokra- reiner Theorie und a priori-Schlussfolgerungen be-tie unter dem Schutzmantel der Demokratie aus- standen haben. Jeder, der bei der Beschäftigung mitlöst. Parteilinien weichen auf und es gibt unver- einem bestimmten Wissenschaftszweig vom Wesenkennbare Anzeichen dafür, dass ein großer Teil der wissenschaftlicher Beweise durchdrungen wurde,Menschen sich ernsthaft für den sozialen Fort- verlangt die Vorlage solcher Beweise, bevor erschritt im Land interessiert. Zum ersten Mal in der Schlussfolgerungen in einem anderen Feld ziehenGeschichte politischer Parteien hat sich eine deut- kann. Und das sollte die Haltung aller bzgl. dieserlich tatkräftige Partei gebildet, die alle Elemente breiteren Fragen zu sozialen Phänomenen sein. Dervon Dauerhaftigkeit besitzt und vielleicht schon wahre Ökonom kann kaum weiter gehen als zubald ein bestimmender Faktor in der amerikani- sagen, eine bestimmte Frage stünde noch offen, 4
  • und er sei bereit, logische Tatsachen zu akzeptieren, einseitigen Schriften von Herbert Spencer zum imsobald sie vorgebracht würden. Damit meine ich Wesentlichen gleichen Thema, und doch sind sichnicht, wir sollten nicht ins Wasser gehen, bevor wir beide Autoren offensichtlich in den besprochenenzu schwimmen gelernt hätten. Jedoch legt das die wesentlichen Punkten einig. Diese ehrliche Kenn-wahre Methode der Lösung solcher Fragen nahe. tlichmachung der wahren Absichten der Laissez-fai-Schwimmen lernt man durch eine Reihe von Ver- re-Schule ist völlig legitim, ebenso wie die ehrli-suchen, und auch eine Gesellschaft kann es sich chen Darlegungen der gegensätzlichen Seite derleisten, in bestimmte Richtungen Experimente Frage. Je mehr Licht auf alle Seiten geworfen wer-durchzuführen und die Ergebnisse zur Kenntnis zu den kann, desto besser, jedoch um soziale Problemenehmen. Es gibt jedoch auch andere Verfahren, wie wirklich aufklären zu können, muss es das trocke-sorgfältige Kostenabschätzungen und genaue Be- ne Licht der Wissenschaft sein, so wenig beeinflusstrechnungen der Auswirkungen auf Basis der ein- durch das Gefühl, als wären es die Bewohner derheitlichen Gesetze gesellschaftlicher Phänomene. Jupitermonde und nicht die dieses Planeten, die imDas Experiment ist die ultimative Übertrüfung ei- Blick des intellektuellen Teleskops liegen.ner bisherigen wissenschaftlichen Theorie undkann, in der Sozial- wie in der Naturwissenschaft,Hypothesen entweder etablieren oder zu Fall brin-gen. Aber in den Sozialwissenschaften, nicht weni-ger als in anderen Zweigen der Wissenschaft, muss Leicht gekürzter Text aus: Lester Frank Ward, "Thedie Arbeitshypothese stets das wichtigste Instru- Psychic Factors of Civilization", Kap. 38, S. 313-330,ment erfolgreicher Forschung sein. (PDF: http://www.webcitation.org/5nnPfDdEo), Boston, U.S.A., Ginn & Company Publishers, 1893.Bis das wissenschaftliche Stadium erreicht ist undals notwendige Einleitung dazu, sollten gesell- Gedruckt in: John Buck und Sharon Villines, „We theschaftliche Probleme klar formuliert werden, und People: Consenting to a Deeper Democracy“alle sie betreffenden Überlegungen nach ihrem di- (http://www.amazon.com/dp/0979282705), Anh. A,rekten Einfluss auf sie vorgetragen werden. Ich Washington, DC, U.S.A., Sociocracy.Info Press, 2007kenne keine Versuche dieser Art, die ich wärmer (http://www.sociocracy.info).empfehlen könnte, als die, die John Stuart Mill in Übersetzt von Dinu C. Gherman, unter Mitwirkungseinem kleinen Werk On Liberty und in seinen von Tye M. Thomas, Oktober 2011, veröffentlicht unterposthum erschienenen Chapters on Socialism ge- der Creative Commons-Lizenz CC-BY-SA, siehe Detailsmacht hat. Wegen ihrer umfassenden Kenntnis unter: http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/stehen sie in deutlichem Gegensatz zu den sehr 5