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Potential von Open Data
Bericht von Anna Henger, Stefan Roos

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  • 1. Dieser Bericht entstand im Rahmen der Vorlesung: „Digitale Nachhaltigkeit in der Wissensgesellschaft“ bei Dr. Marcus M. Dapp ETH Zürich HS10Open DataRohdaten und offene Staatskunst Verfasst von: Anna Henger, D-PHYS, hengera@student.ethz.ch Stefan Roos, D-ARCH, sroos@student.ethz.ch Der Bericht darf gemäss folgender Creative Commons Lizenz verwendet werden: Open Data - Rohdaten und offene Staatskunst von Anna Henger und Stefan Roos steht untereiner Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 2.5 Schweiz Lizenz.
  • 2. Open Data – Rohdaten und offene StaatskunstAnna Henger, Stefan Roos 12.12.2010 2
  • 3. Open Data – Rohdaten und offene Staatskunst InhaltsverzeichnisInhaltsverzeichnis1 Projektvorhaben....................................................................................................32 Einführung in Open Data......................................................................................4 2.1 Allgemein...............................................................................................................................4 2.2 Historisches..........................................................................................................................4 2.3 Was sind Open Data?...........................................................................................................4 2.4 Unterscheidung von Open Data zu Open Government.....................................................5 2.5 eGovernment.........................................................................................................................5 2.6 Nutzer.....................................................................................................................................6 2.7 Entwicklung von Open Government Data..........................................................................63 Beschreibung von Open Government Data........................................................6 3.1 Ziele von Open Government Data.......................................................................................6 3.1.1 Transparenz..................................................................................................................6 3.1.2 Innovation......................................................................................................................8 3.1.3 Partizipation...................................................................................................................8 3.2 Veröffentlichte Daten............................................................................................................9 3.3 Risiken.................................................................................................................................10 3.3.1 Datenschutz................................................................................................................10 3.3.2 Fehlinterpretationen....................................................................................................10 3.3.3 Diskriminierung und Missbrauch.................................................................................10 3.3.4 Kommerzielle Nutzung................................................................................................11 3.4 Kosten..................................................................................................................................114 Vor- und Nachteile für die Interessengruppen anhand von Beispielen........12 4.1 Bürger..................................................................................................................................12 4.2 Verwaltung...........................................................................................................................135 Empfehlungen für Regierungen und Behörden..............................................14 5.1 Generell...............................................................................................................................14 5.5.1 Aktuelle Situation in der Schweiz................................................................................15 5.5.2 Empfehlung.................................................................................................................166 Fazit.....................................................................................................................16Anna Henger, Stefan Roos 12.12.2010 3
  • 4. Open Data – Rohdaten und offene Staatskunst 1 Projektvorhaben1 ProjektvorhabenVerwaltungen, das öffentliche Wesen generell, wie aber auch die Wissenschaft oderOrganisationen produzieren eine grosse Menge an Daten die sie Hauptsächlich intern verwendet.In der Wissenschaft wird schon länger darüber diskutiert ob wissen freigegeben werden soll. NeueErrungenschaften können nur basierend auf bestehendem wissen aufbauen, das heisst aufForschungen die durch Vorgänger oder Zeitgenossen getrieben wurde. Werden die Resultate derForschung, die benützten Rohdaten, frei zugänglich gemacht erlaubt man anderen Forscherschneller zu neue Erkenntnisse und Innovationen zu gelangen. Natürlich kostet die Forschung undmit wichtigen Erkenntnisse möchte man Profit machen, oder Spesen amortisieren, aber anderseitsist es für die Allgemeinheit, interessanter wenn die Wissenschaft möglichst erfolgreich und schnellvorangetrieben wird.„If I have seen further it is by standing on the shoulders of giants.“1Isaac Newton, 1676„Creativity and innovation always builds on the past.“2Lawrence Lessig, 2001Seit kürzerem wird immer diskutiert ob auch die Daten die im Auftrag von Regierungen, das heisstvom öffentlichen Wesen, aufgenommen werden den Bürger frei zugänglich gemacht werdensollen, um einerseits, wie in der Wissenschaft Innovation und neue Produkte zu fordern, anderseitsaber auch um die Transparenz der Regierungen und die Beteiligung der Bürger an Politik undStaatsaufgaben zu erhöhen.Unser Ziel ist es das Konzept von Open Data, die Ziele, welche Daten freigegeben werden undwelche Kriterien sie erfüllen müssen, was sind die Interessen und Risiken, sowie die entstehendenKosten zu beschrieben. Infolge anhand von Beispiele die Aspekte Innovation und Verbesserungöffentlicher Dienstleistungen oder Beteiligung von Bürger an Staatsaufgaben tiefer untersuchenund dabei Vor- bzw. Nachteile für die Interessengruppen, Verwaltung und Bürger, analysieren undschildern. Mit den Beispielen möchten wir nicht nur Vor- und Nachteile aufzeigen sondern auchkonkret wie Bürger und Unternehmen mit den offenen Daten umgehen können/könnten.Im weiteren werden wir nach der Beschreibung des Konzeptes von Open Data und die Analysevon Beispiele unsere persönliche Empfehlung für Regierungen und Behörden zur Frage derVeröffentlichung von Daten schildern. Wir werden das Schwergewicht auf die Schweiz legen, dabeider aktuellen Stand bezüglich Open Data und die geplante Entwicklungen zitieren.1 Vorlesungsunterlagen Digitale Nachhaltigkeit von Dr. Marcus M. Dapp: C10-LE01AB.pdf auf http:/elbanet.ethz.ch2 Vorlesungsunterlagen Digitale Nachhaltigkeit von Dr. Marcus M. Dapp: C10-LE01AB.pdf auf http:/elbanet.ethz.chAnna Henger, Stefan Roos 12.12.2010 4
  • 5. Open Data – Rohdaten und offene Staatskunst 2 Einführung in Open Data2 Einführung in Open Data2.1 AllgemeinOpen Data ist ein Prinzip bzw. eine Philosophie, die den freien d.h. unbeschränkten Zugang zu(öffentlichen) Daten befürwortet. Dieses Prinzip geht aus dem Grundverständnis hervor, dassDaten Allgemeingut sind und aus diesem Grund für die Gesellschaft verfügbar gemacht werdenmüssen, wo immer dies mit datenschutzrechtlichen Vorgaben in Einklang zu bringen ist.Im Folgenden soll vor allem von Open Government Data die Rede sein. Im Unterschied zu OpenData im Allgemeinen, wo auch Daten aus der Wissenschaft, Wirtschaft und von NGOs miteinbezogen werden, handelt es sich bei Open Government Data um Daten der Verwaltung undRegierung, also um Daten, deren Erhebung durch Steuergelder finanziert ist.Da die Verwaltung nicht marktwirtschaftlich orientiert ist und somit nicht a priori Gewinne aus denvon ihr erhobenen Daten schöpfen muss, fordert die Open Data Bewegung, dass die soerhobenen Daten grundsätzlich der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt werden.2.2 HistorischesDer Begriff „Open Data“ ist noch vergleichsweise jung wenn man ihn mit der Open SourceBewegung, die seit etwa 25 Jahren existiert, oder der Open Access, die ihre Wurzeln in der 90erJahren hat, vergleicht.3 Die ersten Zitationen des Begriffes „Open Data“ sind ungefähr ins Jahr2002 zurückzuführen, in einem Interview an Jim Kent mit dem Titel: „Keeping Genome DataOpen“.4 Es handelt sich um einen Biologie Doktorand der ein Programm schrieb das garantiert dasdie (Roh)Daten der menschlichen Chromosomen frei zugänglich bleiben und nicht durchkommerzielle Patenten „abgeschlossen“ werden. Dahinter stecken die Bemühungen zurEtablierung eines Konzept und einer Praxis der Offenheit und Freiheit auch im Umgang mitRohdaten.Der Begriff „Open Data“ ist, wie oben beschrieben zwar jung, jedoch ist das Konzept in Ansätzeschon älter. Während dem Internationale Geophysikalische Jahr (1957-58) wurden Regeln für denAustausch von Daten erstellt und Welt-Datenzentren (WDC´s) eingerichtet, was während deskalten Krieges nicht üblich war.5Im Zusammenhang mit öffentlicher administrativer Daten, wodurch den Open Data Gedankenauch wirklich grosse öffentliche Aufmerksamkeit bekommen hat, ist der Begriff durch dieAktivitäten von USA und UK geprägt, die ihre Open Government Data vor eineinhalb- bzw. ein Jahrfreigeschalten haben (data.gov 05.2009/data.gov.uk 01.2010).Auch in der Wissenschaft wird dieser Gedanke weiter vorangetrieben, was etwa Projekte wieScience Commons oder die Verabschiedung der Panton Principles zeigen.2.3 Was sind Open Data?Der Ausdruck „Open“ wird in vielerlei Kontexten und mit verschiedensten Bedeutungen verwendet.Orientierung darüber gibt die Open Definition6, ein Projekt der Open Knowledge Foundation(OKFN).Diese Definition soll das Konzept der Offenheit im Kontext von Open Knowledge spezifizieren undeine gewisse Verbindlichkeit des Redens über Open Knowledge erreichen. Der allgemeine Begriffvon „Open knowledge“ umfasst Inhalte (Texte, Bücher und Filme), Daten sowie Informationen ausRegierung und öffentlicher Verwaltung.Alle Inhalte oder Daten, die mit einer Open-Definition-konformen Lizenz versehen sind, könnenohne weitere Klärung von Rechtsfragen abgefragt, kopiert, verteilt, kombiniert und erweitertwerden.3 Open Data im hbz-Verbund, Adrian Pohl, http://www.hbz-nrw.de/dokumentencenter/produkte/lod/.4 Interview mit jim Kent: http://www.oreillynet.com/pub/a/network/2002/04/05/kent.html5 petermrʼs blog: Open Data - the time has come. http://wwmm.ch.cam.ac.uk/blogs/murrayrust/?p=326 Einsehbar unter: http://www.opendefinition.org/okd/Anna Henger, Stefan Roos 12.12.2010 5
  • 6. Open Data – Rohdaten und offene Staatskunst 2 Einführung in Open DataDie Kurzform dieser Definition von Offen besagt:“A piece of content or data is open if you are free to use, reuse, and redistribute it — subject only,at most, to the requirement to attribute and share-alike.”7Abbildung 1: Arten von Wissen gemäß der Open Definition, http://www.hbz-nrw.de/dokumentencenter/produkte/lod/.2.4 Unterscheidung von Open Data zu Open GovernmentDer Begriff Open Government taucht seit dem Jahr 2009 auf und wurde von US-Präsident Obamageprägt.Im Unterschied zu Open Data befasst sich Open Government hauptsächlich mit der Öffnung vonStaat und Verwaltung gegenüber dem Volk. Open Government soll für mehr Transparenz vonRegierungen und für mehr Teilhabe sorgen. Open Data ist zusammen mit Open Source ebenfallsTeil des Konzepts von Open Government.Dabei wird ein laufender Dialog zwischen Bürgern und Verwaltung angestrebt.Über die Technologien des Web 2.0 (Wikis, Blogs…) lässt sich diese Interaktivität seit einiger Zeittechnisch umsetzen.Allerdings ist auch hier eine Grundvoraussetzung, dass das Konzept flächendeckend umgesetztwird und nicht auf einige wenige, unproblematische Aspekte begrenzt wird, um dieGlaubwürdigkeit zu wahren. Zudem muss berücksichtig werden, dass sich nur ein kleiner Teil derNutzer aktiv mittels Forenbeiträgen, Wiki Einträgen usw. an der Mitarbeit beteiligt. (Vgl. 90:9:1Regel nach Jakob Nielsen; 90% lesen nur, 9% schreiben von Zeit zu Zeit, 1% schreibt regelmäßig)Um auch den Masse der passiven Nutzer zur aktiven Teilhabe zu motivieren müssen diesemerken, dass sie mit minimalem Aufwand bereits mitgestalten können. Dementsprechend müssenauch die Anwendungen zur direkteren Demokratie aufgebaut sein.2.5 eGovernmentUnter eGovernment versteht man die Vereinfachung und Durchführung von Prozessen zurInformation, Kommunikation und Transaktion innerhalb und zwischen staatlichen, kommunalenund sonstige behördlichen Institutionen sowie zwischen diesen Institutionen und Bürgern bzw.Unternehmen durch den Einsatz von digitalen Informations- und Kommunikationstechniken.Im Gegensatz zu Open Government Data, wobei es sich um die freigaben von Rohdaten die nichtdem Datenschutz unterstehen oder geheim sind handelt und für Weiterbenützung vorgesehensind, daher keine persönliche Daten, handelt es sich hingegen bei eGovernment um ein Austauschzwischen Behörden und Bürger der auch persönlich/Privat (E-Voting, Persönliche Daten,...) seinkann.7 OKD: http://www.opendefinition.org/okd/Anna Henger, Stefan Roos 12.12.2010 6
  • 7. Open Data – Rohdaten und offene Staatskunst 2 Einführung in Open DataAbbildung 2: Dimensionen von E-Government, http://de.wikipedia.org/wiki/E-GovernmentDadurch entsteht der Vorteil für den Bürger, dass er besser im Kontakt mit den Behörden stehenkann und dessen Informationen „rund um die Uhr“ erreichbar sind. Es werden dadurchzeitaufwendige Prozesse vereinfacht, die Transparenz der Behörden erhöht und durch die erhöhteZugänglichkeit an Informationen wird eine intensivere Beteiligung erreicht.Für die Behörden entsteht der Vorteil der Kosteneinsparung. Allein der Deutsche Bund rechneteine Jährliche Kosteneinsparung von 400 Mio Euro bei einer Investition von 1,65 Mia Euro.Grösste Befürchtung von den Bürger ist der Datenschutz, die Nichteinhaltung ihrer Privatsphäre.Für die Behörden ist der Nachteil der grössere Sicherheitsaufwand für den Schutz der Daten.2.6 NutzerIm ersten Moment werden vor allem internetaffine Menschen auf die bereitgestellten Datenzugreifen, die sich für die jeweilige Thematik interessieren.Für die Gewinnung weiterer Nutzer bietet sich jedoch eine vereinfachte Suchfunktion, Gruppierungder Datensätze nach Themengebieten und nicht zuletzt die Bekanntmachung des Konzepts überdie Mainstreammedien an.Je nach Art der Daten ergeben sich unterschiedliche Zielgruppen für deren Nutzung. So wäre z.B.die in Karten verzeichnete Lage der von einer Ölpest betroffenen Gebiete, wie sie aktuell für denGolf von Mexiko online ist, zum einen für die Tourismusbranche von Interesse aber auch fürUmweltschützer oder Anwohner.Über ein Blog veröffentlichte Sitzungsprotokolle hingegen wären eher für die Mitglieder eineGemeinde hilfreich, da diese so schneller und bequemer einsehbar wären.2.7 Entwicklung von Open Government DataDie USA (05.2009) befolgt von UK (01.2010), Australien (10.2009 Beta Version) sowie Vancouver(09.2009 Beta Version) haben die Vorreiter Rolle im freischalten von Rohdaten aus Administrationund Verwaltung übernommen. Jedoch sind in vielen Staaten initiativen oder Vorbereitungen fürOpen Data Projekte im Gange. So zum Beispiel wurde in Österreich am 07.01.2010 eine Initiative gegründet, die OGD Austria8(Open Government Data Austria), mit dem Ziel öffentliche (nicht personenbezogene) Daten (GIS-Daten, Mikrozensus, Volkszählung, Umweltdaten, Verkehrsdaten, Daten versch. NPOs, NGOs,etc.) in Menschen- UND Maschinen-lesbarer Form der Bevölkerung und der Wirtschaft freiverfügbar zu machen. Nach dem Meetup am 8. April 2010 haben die Proponenten der Initiative mitder Formierung und Organisation begonnen.In der Schweiz gibt es Parlamentarische Gruppe Digitale Nachhaltigkeit die den nachhaltigen undinnovativen Umgang mit Informations- und Kommunikationstechnologien (ICT) fördert und sich fürden öffentlichen Zugang zu Wissensgütern einsetzt.9 Die Gruppe ist der Meinung, dass „OpenData“ für alle Staatsgewalten ohne Zweifel zukunftsweisend ist und promoviert durch Vorstosseihrer Mitglieder diese Angelegenheiten.8 Internet Seite von OGD Austria: http://gov.opendata.at/site/about9 http://www.digitale-nachhaltigkeit.ch/hintergrund/Anna Henger, Stefan Roos 12.12.2010 7
  • 8. Open Data – Rohdaten und offene Staatskunst 3 Beschreibung von Open Government Data3 Beschreibung von Open Government Data3.1 Ziele von Open Government Data3.1.1 TransparenzÖffnen sich Staat und Verwaltung im Sinne von Open Government Data gegenüber derBevölkerung und der Wirtschaft, aber auch nach Innen, so kann dies zu mehr Transparenz führen.Transparenz stärkt das Pflichtbewusstsein und liefert den Bürgern Informationen darüber, was ihreRegierung und ihre Verwaltung derzeit machen. Vorgänge und Entscheidungen in Politik,Verwaltung und Justiz werden von Außen nachvollziehbar gemacht.Wie eine repräsentative Verbraucherstudie von Forsa im Auftrag von SAS Deutschland feststellte,ist die Vertrauenskrise, der sich die politische Steuerung durch die Bürger ausgesetzt sieht, mitmehr Effektivität und mehr Transparenz zu überwinden.Im Gegensatz zu Wikileaks, die auch versuchen Regierungen Transparent zu machen, geht es beiOpen Government Data nicht um Kontrollierbarkeit, Aufsicht oder die Aufdeckung undVerhinderung von Bösem, sondern die Schaffung von Mehrwert, die Einbeziehung einer breiterenÖffentlichkeit in das Handeln von Politik und Verwaltung, die Nutzung von bislang nicht erkanntenoder nicht erschlossenen Potenzialen. Es geht nicht um “Geheimnisverrat”, sondern um diefreiwillige Bereitstellung von “normalem” Datenmaterial und das auch noch in maschinenlesbarerForm.Auf der Basis von Transparenz sollen im Kern die beiden Ziele “Stärkung der Partizipation(eParticipation)” und “Mehrwert aus der Nutzung von Verwaltungsdaten (Open Data)” verfolgtwerden. Es sollen zusätzliche Kompetenzen und Blickwinkel für Entscheidungsfindungeneinbezogen werden.Open Data soll von der Politik und der Verwaltung selber initiiert und getragen werden und nichtwie bei Wikileaks von anonyme „Whistleblower“. Es geht um transparente Zuständigkeiten undVerantwortlichkeiten, um Dialog und um Teamwork.10Abbildung 3: Der Transparenz-Kreislauf, http://blog.sunlightfoundation.com/2010/03/10/introducing-the-cycle-of-transparency/10 http://www.gov20camp.de/open-data-und-wikileaks-zwei-paar-schuhe/Anna Henger, Stefan Roos 12.12.2010 8
  • 9. Open Data – Rohdaten und offene Staatskunst 3 Beschreibung von Open Government DataWie Jake Bewer schreibt, sind wir immer noch mit einer Regierung konfrontiert die sich benimmtwie im 19 Jahrhundert bezüglich des Amtsgeheimnis. Es herrscht angst und Wiederstandgegenüber Regierungsinterne kulturelle-, politische- und Einstellungsänderungen. Es gibt immernoch eine grosse Diskrepanz zwischen den Guten Intentionen von Bürgern,Expertenkommissionen und Reporters, und die Übersetzung von dieser guten Intentionen ineffektive Resultaten. Das Problem ist, dass Leute Transparenz unterstützen in Theorie, jedochwissen nicht wie sie sich benehmen sollen um diese transparente Regierung zu schaffen von derdie Rede ist. Um die Vision einer transparenten Regierung zu erreichen, gibt es eine Vielzahl an„Sachen“ die dauerhaft geschehen müssen und sich einander unterstützen. Jake Bewer führt derTransparenz-Kreislauf ein, womit er auf einfacher weise schildert welche Akteuren und Aktionenzusammen wirken müssen um das Ziel einer Transparente Regierung zu erreichen. Jeder Akteurund jede Aktion ergänzt die andere im Kreislauf um jedes Element einfacher oder überhauptmöglich machen. Wichtig ist, dass jeder, vom Programmierer zum Akademiker zu Regierungsleutezu Reporter zu Aktivisten, sein platz im Kreislauf hat.113.1.2 InnovationAuf der Basis des Open Government Data sollen Regierungen und Verwaltungen kollaborativ sein.Kollaboration bietet innovative Werkzeuge, Methoden und Systeme, um die Zusammenarbeit überalle Verwaltungsebenen hinweg und mit dem privaten Sektor zu forcieren. Dadurch wird dasProfessionelle und alltägliche Erfahrungswissen der Bürger, was die Demokratie stärken undEffizienz und Effektivität in Regierung und Verwaltung erhöhen soll, für Politik und Verwaltungleichter zugänglich.Die öffentliche Verwaltung kann durch eine strategische Nutzung der Innovationskraft derAußenwelt ihr eigenes Innovationspotential vergrößernOffene Daten stärken auch den Wirtschaftsstandort. Viele der Applikationen, die es in anderenLändern bereits gibt, haben einen hohen lokalen Bezug. Damit wird für die lokale WirtschaftWertschöpfung generiert und die Lebensqualität verbessert.Man darf auch nicht vergessen, dass der Nutzen dieser Daten mit jedem Datensatz, der dazukommt, exponentiell steigt. In der Kombination der unterschiedlichen Daten können innovativeAnwendungen, Websites und wissenschaftliche Analysen entstehen.12Die Ideen, Vorschläge und Anregungen von Bürgern sollten künftig entgegengenommen undautomatisch an die zuständige Stelle mit Bitte um Prüfung weitergeleitet werden. Die Anzahl derImpulsgeber und der Impulse wird durch eine gezielte Ansprache Interessierter zunehmen. DerenVorschläge werden durch Datenportale, Wettbewerbe, einzureichende Prototypen, quelloffeneSoftware und Transparenz an Qualität gewinnen. Unternehmen können sich hier die künftige Basisfür neue Geschäftsfelder, Produkte und Dienstleistungen auf Basis frei zugänglicher Daten,Anwendungen und Prozesse legen. Dazu müssen sie mit Prototypen und innovativenUmsetzungen die Entscheidungsträger überzeugen.13Bei der Aufgabenverteilung zwischen Staat und Gesellschaft sollen verstärkt Bürger,Unternehmen, Verbände und Bürgerinitiativen eingebunden werden, um abgestimmt undgemeinsam Problemstellungen bestmöglich zu bearbeiten und zu erledigen. Die Technologienvereinfachen es zudem, die Bürger, Verbände und Unternehmen in vorhandene Prozessketten unddamit in die Aufgabenerfüllung einzubinden, wo immer dies sinnvoll, erforderlich und umsetzbarerscheint. Darüber hinaus erleichtern sie eine koordinierte Zusammenarbeit von allen Personen,die an einem Vorhaben mitwirken möchten. Dies kann in einer Schwarmauslagerung (CrowdSourcing) münden, bei der auf die Intelligenz und Arbeitskraft einer Masse unentgeltlich tätigerFreizeitaktivisten gesetzt wird, die sich über das Internet weltweit verteilt um die Lösung vonAufgaben und Problemen, die Erstellung von Inhalten oder Innovationen kümmern. Dieser Ansatzprägt nicht nur die Open Source Community im öffentlichen Sektor, sondern beeinflusst auch dieKonzepte zu Datenportalen der Verwaltung, zu Government Mashups, zu Government AppStores,zu „Apps for Democracy“‐ Wettbewerben und zum Government Hack Day.1411 Introducing the Cycle of Transparency: http://blog.sunlightfoundation.com/2010/03/10/introducing-the-cycle-of-transparency/12 Interview mit Peter Parycek, http://www.futurezone.at/stories/1664528/13 Jörn von Lucke: Open Government, Öffnung von Staat und Verwaltung - Gutachten für die Deutsche Telekom AG zur T-City Friedr.14 Jörn von Lucke: Open Government, Öffnung von Staat und Verwaltung - Gutachten für die Deutsche Telekom AG zur T-City Friedr.Anna Henger, Stefan Roos 12.12.2010 9
  • 10. Open Data – Rohdaten und offene Staatskunst 3 Beschreibung von Open Government Data3.1.3 PartizipationPartizipation verstärkt die Effektivität von Regierung und Verwaltung und verbessert die Qualitätihrer Entscheidungen, indem Individuen und Organisationen als Stakeholder, sowie das verstreuteWissen der Gesellschaft stärker in Willensbildungs‐ und Entscheidungsprozesse von Staat undVerwaltung eingebunden werden.Die Web 2.0‐Technologien ermöglichen es, nicht nur konventionelle Formen der Meinungsbildungdurch elektronische Formate zu ergänzen, sondern mit Text, Bild, Ton und Video auch vollkommenneue unkonventionelle Formen wie ein verteiltes Brainstorming, moderierte Dialoge, ergebnisoffenangelegte Bürgerbefragungen, Bewertungen und eine Meinungsbildgewinnung auf Knopfdruck.Konzepte einer „Collaborative Governance“ eröffnen eine echte gemeinschaftlicheEntscheidungsfindung. Smarte IT‐basierte Ansätze zur Folgenabschätzung, zur nachvollziehbarenArgumentation, zum Aufbau von Konsens, zur Mediation, zur Lösung von Problemen und zurEntschärfung von Konflikten können eine ausgewogene Entscheidungsfindung beiunterschiedlichen Interessengruppen beschleunigen. Zunehmend denkbar werden auch ganzneue Formen und Ausprägungen direkter Demokratie, bei denen an Stelle von Delegierten dieBürger zunehmend selbst ihre Interessen wahrnehmen. So könnten sie selbst entscheiden, wieweit sie ihre eigenen Interessen wahrnehmen wollen oder von anderen vertreten werden möchten.Zumindest technisch wäre es möglich, die Stimmvergabeentscheidung jederzeit zu ändern unddas einem Delegierten übertragene Stimmrecht zurückzufordern, um es einem Dritten zuübertragen oder selbst auszuüben.153.2 Veröffentlichte DatenDamit Datensätze sinnvoll verwendet werden können müssen diese den 8 Prinzipien von OpenGovernment Data entsprechen.1.: VollständigkeitIn den bereit gestellten Datensätzen dürfen nicht nur Fragmente freigegeben werden, sondern esmüssen alle Daten enthalten sein, die nicht unter berechtigte Datenschutz-, Sicherheits- oderZugangsbeschränkungen fallen.2.: PrimärquelleUm einen Informationsverlust durch Überarbeitung und Aufbereitung der Daten zu vermeidensollten die Daten in einem möglichst ursprünglichen Zustand veröffentlicht werden, was aber dieÜbersichtlichkeit und die Verständlichkeit der Daten einschränken kann3.: ZeitnahDie Veröffentlichung der Daten darf nicht herausgezögert werden, damit die Aktualität und damitder Nutzen der Daten nicht unnötig eingeschränkt wird.4.: ZugänglichDie Daten müssen für eine möglichst grosse Anzahl von Nutzern verfügbar sein. Dabei kommt esnicht nur darauf an, dass die Daten vorhanden sind, sondern auch leicht zu finden sind ggf. überTags oder Verlinkungen (Linked Open Data)5.: MaschinenlesbarAm besten bereits zur weiteren Nutzung strukturiert.6.: Nicht DiskriminierendEs darf keine Registrierung notwendig sein, um auf die Daten zugreifen zu können, um dieAnonymität der Nutzer zu wahren.7.: Nicht proprietärSollen die Daten glaubhaft sein, darf keine juristische Person die alleinigen Rechte über dieFormate haben. Proprietäre Daten widersprächen zudem der Idee, dass diese Allgemeingut sind.15 Jörn von Lucke: Open Government, Öffnung von Staat und Verwaltung - Gutachten für die Deutsche Telekom AG zur T-City Friedr.Anna Henger, Stefan Roos 12.12.2010 10
  • 11. Open Data – Rohdaten und offene Staatskunst 3 Beschreibung von Open Government Data8.: LizenzfreiDaten, die unter Patente, Urheberrechtsansprüche, Betriebsgeheimnisse usw. fallen können nichtsinnvoll veröffentlicht und entsprechend weiterverwendet werden.Um von Open Data sprechen zu können müssen diese Prinzipien überprüfbar sein. Zudem sollteeine Ansprechperson vorhanden sein um eventuellen Beschwerden nach zu gehen und denNutzern bei Fragen weiter zu helfen.16Betrachtet man was von den Vorreiter von Open Data (data.gov, data.gov.uk, data.australia.au,...)schon freigeschaltet wurde und gemäss einer Umfrage der Berliner Verwaltung lassen sichpotentielle Quellen für Open Data ableiten (Beispielhaft):17 • Umweltdaten (Feinstaub, CO2, Pollen) • Stadtplanung (Flächennutzungsplan, Bauvorhaben, Verkehr, Flughäfen) • Wohnen (Wohngeld, Mietspiegel, Immobilien, Grundstückpreise) • Familie (Elterngeld, Kindertagesstätten, Kindergärten) • Bildung (Schulen, Volkshochschulen, Hochschulen und Unis) • Gesundheit (Krankenhäuser, Apotheken, Notdienst, Beratungsstellen, Blutspende) • Bevölkerung (regionale Verteilung, Demographie, Kaufkraft, Arbeitslosigkeit, Kinder) • Verkehr (Baustellen, Staus, Sperrungen) • Nahverkehr (Verspätungen, Zugausfälle, Sonderfahrten) • Infrastruktur (Radwege, Toiletten, Briefkästen, Geldautomaten, Telefone) • Entsorgung (Termin in meiner Strasse, Recyclingstellen, Containerstandorte, Sondermüll) • Öffnungszeiten (Bibliotheken, Museen, Ausstellungen) • Märkte (Wochen-, Floh-, Weihnachtsmärkte) • Events (Strassenfeste, Konzerte, Sportereignisse) • Kontrolle (Badegewässer, Lebensmittel, Gaststätten, Preise) • Verwaltung (Formulare, Zuständigkeiten, Ämter, Öffnungszeiten) • Recht (Gesetze, Vorschriften, Beratung, Schlichter, Gutachter) • Polizeiticker (aktuelle Vorfälle, Fahndung, Kriminalitätsatlas)3.3 Risiken3.3.1 DatenschutzSo sprächen der Datenschutz, die Datenqualität, Probleme bei der Herleitung und damitdie Gefahr von Fehlinterpretation sowie das Missbrauchsrisiko gegen eine Öffnungstaatlicher Datenbanken. Es gebe zudem Bedenken gegen eine Vermischung vonstaatlichen und nicht-staatlichen Angeboten. Bedenken gab es auch hinsichtlich derkommerziellen Nutzung der durch Steuergelder finanzierten Daten sowie einer möglichenGefährdung etablierter Geschäftsmodelle.Datenschützer haben auf die Möglichkeit hingewiesen, aus anonymisierten nicht-personenbezogenen Daten durch Abgleich mit anderen Datensätzen letztlich doch Rückschlüsseauf Personen ziehen zu können.Ein weiteres Problem stellt der im Datenschutz verankerte „Grundsatz der Zweckgebundenheit“dar. Der besagt, dass personenbezogene Daten grundsätzlich nur zu den Zwecken verarbeitetwerden dürfen, für die sie erhoben beziehungsweise gespeichert worden sind. Hier scheint eingrundsätzlicher Wiederspruch zu der im Konzept von Open Data postulierten „Freigabe fürjedermann zu jeglichen Zwecken“ zu liegen.*1816 8 Open Data Prinzipien: http://opendata-network.org/2010/02/8-open-government-data-principles-vollstaendigkeit/17 IG Collaboratory Abschlussbericht2 Offene Staatskunst, https://sites.google.com/site/igcollaboratory/open-government/abschlussbericht2* Im Zusammenhang mit deutschem Datenschutzgesetz.18 IG Collaboratory Abschlussbericht2 Offene Staatskunst, https://sites.google.com/site/igcollaboratory/open-government/abschlussbericht2Anna Henger, Stefan Roos 12.12.2010 11
  • 12. Open Data – Rohdaten und offene Staatskunst 3 Beschreibung von Open Government Data3.3.2 FehlinterpretationenDie Veröffentlichung von grossen Datenmengen kann zu Missdeutungen und Fehlinterpretationenführen. Werden Daten etwa ohne eine Dokumentation zu den Methoden der Datenerhebungveröffentlicht, können diese falsch interpretiert werden. Diese rohen, noch nicht aufbereiteten undinterpretierten Daten erfordern vom Nutzer natürlich eine gewisse Medien- oder Datenkompetenz.Durch eine Veröffentlichung derartiger Rohdaten könnte es also zueiner Einschränkung der bisherigen exklusiven „Deutungshoheit“ durch Behörden oder Expertenkommen.193.3.3 Diskriminierung und MissbrauchDurch Zusammenführung und Abgleich verschiedener Datenbanken lassen sich eventuell Mustererkennen, die zu einer Stigmatisierung bestimmter Wohnbezirke oder Bevölkerungsgruppenführen können. Dies geschieht in der Tat schon heute, zum Beispiel durch so genannte Rating-Agenturen. Es wird befürchtet, dass durch eine umfangreiche Veröffentlichung von Daten indigitalen Formaten Missbrauch dieser Art einfacher wird und deshalb zunehmen könnte. Eineweitere Form der Diskriminierung durch Daten könnte von Anwendungen ausgehen, die zumBeispiel Kriminalitätsstatistiken oder Vorfälle von so genanntem „antisozialen-Verhalten“ darstellen.Dies kann z. B. zu einer Stigmatisierung bestimmter ohnehin schon benachteiligter Stadtbezirkeführen.203.3.4 Kommerzielle NutzungEs gibt Bedenken gegen eine kostenfreie Überlassung von durch Steuergelder finanzierte Datenfür kommerzielle Zwecke. Hier geht es also um die Frage nach angemessenen Preismodellen fürDaten des öffentlichen Sektors. Die Angst ist, dass aus kostenfrei Daten sehr profitable märkteentstehen könnten. Ansätze schlagen ein Preismodell vor, das sich an den so genanntenGrenzkosten orientiert. Nach diesem Modell sollten für Daten, deren Erhebung durch Steuergelderfinanziert ist, lediglich Kosten für das Kopieren und Verteilen zu entrichten sein und zwarunabhängig davon ob diese nun kommerziell oder nicht-kommerziell genutzt werden. Allerdingstendieren diese Kosten bei digitalen Informationen gegen Null. Die Erfahrungen aus anderenLändern haben im Übrigen gezeigt, dass gerade dort, wo die betreffenden Daten in grossemUmfang kostenlos genutzt werden, Geschäftsmodelle und Märkte entstehen können, zum Beispieldie Branche rund um Wetter- und Geodaten in den USA.213.4 KostenDie Öffnung und Veröffentlichung von Daten des öffentlichen Sektors wird Zeit und Geld kosten.Behördeninterne Prozesse bei der Datenerhebung und Datenverarbeitung sowie bei derVeröffentlichung müssen angepasst werden.Die Kosten entstehen bei der Erhebung, Aufbereitung, Prüfung und Distribution der Daten, bei derEinführung neuer Verfahren und Technologien, bei der Schulung und Weiterbildung vonMitarbeitern wie bei Kommunikation, Marketing und Organisation von Bürgerservice undFeedback.Es kommt des weiteren zu individuellen Verlusten, wenn Daten, die bisher an einzelne Nutzerverkauft wurden nun der Allgemeinheit kostenlos zur Verfügung gestellt werden.19 IG Collaboratory Abschlussbericht2 Offene Staatskunst, https://sites.google.com/site/igcollaboratory/open-government/abschlussbericht220 IG Collaboratory Abschlussbericht2 Offene Staatskunst, https://sites.google.com/site/igcollaboratory/open-government/abschlussbericht221 IG Collaboratory Abschlussbericht2 Offene Staatskunst, https://sites.google.com/site/igcollaboratory/open-government/abschlussbericht2Anna Henger, Stefan Roos 12.12.2010 12
  • 13. Open Data – Rohdaten und offene Staatskunst 3 Beschreibung von Open Government DataAbbildung 4: Open Data Loop, IG Collaboratory, https://sites.google.com/site/igcollaboratory/open-government/abschlussbericht2Anna Henger, Stefan Roos 12.12.2010 13
  • 14. Open Data – Rohdaten und offene Staatskunst 4 Vor- und Nachteile für die Interessengruppen anhand von Beispielen4  Vor- und Nachteile für die Interessengruppen anhand von Beispielen4.1 BürgerUnter dem Aspekt der Transparenz bietet Open Data den Vorteil, dass Bürger umfassend über dieSituation ihrer Verwaltung informiert werden. Dabei können sie davon ausgehen, dass dieveröffentlichten Daten nicht auf illegalem Weg beschafft wurden, wie es z.B. bei derInternetplattform Wikileaks meist der Fall ist.Da die acht Prinzipien von Open Data auch die Vollständigkeit müssen die Bürger beientsprechend umgesetzter Veröffentlichung nicht davon ausgehen, dass ihnen wichtigeInformationen vorenthalten werden. Dennoch könnten natürlich auch Daten veröffentlicht werden,die für Interessensgruppierungen innerhalb der Bevölkerung wie auch der Regierung unerwünschtsind.Die Verwaltung gibt bestenfalls auch sämtliche Daten heraus, die Zeichen für Missstände in derVerwaltung selbst sind. Dies erfordert jedoch ein hohes Maß an Kritikbereitschaft der Verwaltung,damit die Transparenz nicht bei den ersten Gegenstimmen verringert bzw. eingestellt wird.Es besteht jedoch die Gefahr, dass die veröffentlichten Daten mehr oder weniger geschönt sind.Dabei müssen die Daten noch nicht einmal gefälscht werden, es genügt ein etwas andererBlickwinkel in der Formulierung um die öffentliche Meinung in eine bestimmte Richtung zubeeinflussen. Ein weiterer Grund dafür, dass nach Möglichkeit Rohdaten veröffentlicht werdensollten, die nicht so weit aufbereitet sind, als dass sie Einfluss auf die Objektivität nehmen könnten.4.2 VerwaltungDie Bereitschaft der Verwaltung auch Fehler ihrerseits ein zu gestehen steigert das Vertrauen derBevölkerung in die Staatsorgane, da der Vorwurf der Vertuschung entfällt. Zudem nimmt dieVerwaltung durch die freiwillige Transparenz Organisationen, wie Wikileaks, die Möglichkeit,Skandale durch Veröffentlichung von Missständen hervor zu rufen.Sind die Daten lizenzfrei veröffentlicht, können auch Firmen z.B. auf Statistiken der Verwaltungzurückgreifen und diese kommerziell nutzen. Allerdings verliert die Verwaltung so eineEinnahmequelle durch den Verkauf der Daten.Die Verwaltung könnte auf diese Art jedoch an anderer Stelle Kosten einsparen. Da Open Dataauch Open Source mit einschließt haben Programmierer die Chance aus bereits vorhandenerSoftware, z.B. Programmen für Verwaltungsaufgaben, neue Programme zu entwickeln. ImGegenzug davon hätte die Verwaltung den Vorteil, dass sie kostengünstig an neue Programmeund Applikationen gelangt. Als Beispiel dafür seien die Wettbewerbe zu Apps4democracy genannt,die einen Preis für die nützlichste Entwicklung ausschreiben. Denkbar wäre dabei auch, dassVerbesserungsvorschläge der Bürger direkt zur Prüfung weitergeleitet werden. Dabei wäre durchdie Ideen der Bürger eine effektivere Arbeit der Verwaltung möglich.Doch auch hier ist die Verwaltung auf die Mithilfe der Gesellschaft angewiesen umVerbesserungen zu erhalten. Bleibt die Beteiligung der Bürger aus oder mangelhaft fehlen dieerhofften Innovationen. Zudem ist oft nicht ohne genaue Prüfung der eingereichten Vorschlägeerkennbar, ob diese qualitativ angemessen sind.Mehr Transparenz und direkte Rückmeldung der Bürger verlangt von der Verwaltung, dass diesein erhöhtem Maß auf die Bedürfnisse und Wünsche der Bürger eingeht. Dafür bekommt dieVerwaltung allerdings eine schnellere Rückmeldung zur aktuellen Situation, wenn sich die Bürgerbeispielsweise über Kritikblogs äußern können und sollen. Idealerweise ergibt sich hieraus einDialog zwischen Verwaltung und Bevölkerung. Gerade auf kommunaler Ebene könnte in einemGemeindeforum diskutiert werden, wo am sinnvollsten investiert werden kann.Anna Henger, Stefan Roos 12.12.2010 14
  • 15. Open Data – Rohdaten und offene Staatskunst 4 Vor- und Nachteile für die Interessengruppen anhand von BeispielenSchäden an öffentlichen Einrichtungen könnten von Bürgern mittels Smartphone dokumentiert undmit geringem Aufwand direkt an die zuständige Behörde übermittelt werden.Interessierte Bürger können durch Einsicht von Daten qualitativ hochwertigeVerbesserungsvorschläge einbringen, für die ohne freien Zugang zu den Daten das notwendigeHintergrundwissen fehlen würde.Unter dem Aspekt der Transparenz bietet Open Data den Vorteil, dass Bürger umfassend über dieSituation ihrer Verwaltung informiert werden. Dabei können sie davon ausgehen, dass dieveröffentlichten Daten nicht auf illegalem Weg beschafft wurden, wie es z.B. bei derInternetplattform Wikileaks meist der Fall ist. Viele Bürger fragen sich, was eigentlich mit ihrenSteuerabgaben geschieht. Die englische Seite wheredoesmymoneygo.org zeigt in Abhängigkeitdes Einkommens an, wie viel genau für die einzelnen Sektoren ausgegeben wird.Auf ähnliche Weise wird bei farmsubsidy.org veröffentlicht, welche Betriebe wie vielAgrarsubventionen erhalten. Da auch die Subventionen über Steuern finanziert werden ist es fürviele Bürger von Interesse zu wissen, dass dadurch vor allem auch Großbetriebe Unterstützungerhalten.Die Verwaltung gibt bestenfalls auch sämtliche Daten heraus, die Zeichen für Missstände in derVerwaltung selbst sind. Im Fall der Ölbohrplattform Deep Water Horizon stellte die Regierung dievorhandenen Daten online, obwohl die Behörden für das Unglück mitverantwortlich gemachtwurden. Dies erfordert jedoch ein hohes Maß an Kritikbereitschaft der Verwaltung,damit die Transparenz nicht bei den ersten Gegenstimmen verringert bzw. eingestellt wird.Die Bereitschaft der Verwaltung auch Fehler ihrerseits ein zu gestehen steigert das Vertrauen derBevölkerung in die Staatsorgane, da der Vorwurf der Vertuschung entfällt. Beim Hurrikan Katrina,der die Küsten von im Golf von Mexiko verwüstete wurde von den Bürgern vor allem mangelndeInformationsbereitschaft der Regierung kritisiert.Zudem nimmt die Verwaltung durch die freiwillige Transparenz Organisationen, wie Wikileaks, dieMöglichkeit,Skandale durch Veröffentlichung von Missständen hervor zu rufen.Anna Henger, Stefan Roos 12.12.2010 15
  • 16. Open Data – Rohdaten und offene Staatskunst 5 Empfehlungen für Regierungen und Behörden5  Empfehlungen für Regierungen und Behörden5.1 GenerellWie oben gesehen, impliziert die Veröffentlichung von Regierungs- und Verwaltungsdaten,eine Vielzahl an positive Konsequenzen für Bürger und Verwaltung. Jedoch, wie auchschon geschildert, gibt es Risiken, die man nicht unbeachtet lassen soll.Es muss beachtet werden, dass nicht jedes Volk, Gesellschaft oder Staat gleicheTraditionen oder Verhaltensmuster bezüglich Privatsphäre, Offenheit und Transparenz,auch im Bereich von Regierung und Verwaltung. So ist es nicht für jede Regierung gleichaufwendig zu einem Konzept von Open Government Data über zu gehen, einerseits vonder Gesetzgebung her, anderseits von der Überzeugungsarbeit an Bürger undAngestellten von öffentliche Institutionen die geleistet werden muss um die neue Doktrindurchzubringen.Unser Meinung nach sollte jede Regierung schritte in Richtung von Open Data machen,jedoch „step by step“ im Zusammenhang mit einer guten Planung, da es sich nicht umeine dringend notwendige Erneuerung handelt. Es ist wichtiger, dass die Schrittekonsequent und regelmässig passieren und dabei, da es eben auch viele Risiken gibt,diese gut überlegt sind. So können sich auch alle Leute an die neue Situation anpassenohne überfordert zu werden.Bei den Regierungen die schon Open Government Data praktizieren handelt sich umStaaten bei denen Offenheit und Transparenz schon zum Alltag in Regierung undVerwaltung gehörten (USA, Australien, Neuseeland, UK eher weniger). Trotzdem wurdeauch dort zuerst für eine Zeit eine Betaversion laufen lassen mit nur wenig Datensätzen,die jetzt von Jahr zu Jahr mehr werden.Der ganze Prozess für die Einführung von Open Government Data, wie schon gesagt,kann für jede Regierung unterschiedlich lang dauern, wichtig ist, dass etwas unternommenwird mit den nötigen Überlegungen.5.1 Schweizer Regierung5.5.1 Aktuelle Situation in der SchweizBeim "Zweiten Meeting zu Open Government Data in der Schweiz" wurde festgestellt, dass sichvielerorts Projekte im Bereich Open Government Data in der Startphase befinden bzw. bereitserfolgreich durchgeführt und weiterverfolgt werden (siehe bspw. geo.admin.ch, das Geoportal desBundes). Sowie, dass durch den Kontakt mit der britischen Stiftung Open Knowledge Foundationdie Verbindung ins internationale Netzwerk der Open Government Data-Promotoren hergestelltwerden konnte.Betreffend der Inventarisierung der verfügbaren bzw. noch nicht zugänglichen Behörden-Datenbestände wurde festgestellt, dass verschiedene Stellen beim Bund über die Fähigkeit zurErstellung solcher Verzeichnisse verfügen. Somit liegt es nahe, dass die Parlamentarische GruppeDigitale Nachhaltigkeit mit der Bundeskanzlei, dem Eidgenössischen Datenschutz- undÖffentlichkeitsbeauftragten, dem Bundesarchiv und weiteren Stellen der Bundesverwaltung inKontakt tritt, um eine Inventarisierung der bereits veröffentlichten oder für eine Veröffentlichung inBetracht kommenden Datenbestände des Bundes zu besprechen. Das Verzeichnis dieserDatenbestände sowie die zugehörigen Zugangsinformationen sollen so rasch wie möglich im Stilevon www.data.gov über eine offizielle Website des Bundes publiziert werden.Die Teilnehmer waren sich einig, möglichst bald (Januar oder Februar 2011) ein Event, etwa in derForm eines BarCamps, zum Thema Open Government Data zu organisieren. Dadurch soll dieZusammenarbeit von Politik, Behörden, Wirtschaft, Zivilgesellschaft und Kultur im Bereich OpenGovernment Data angestossen werden. Zu diesem Zweck hat sich aus den Teilnehmenden ein„Event-Komitee“ gebildet.22Wie schon oben zitiert, hat der Bundesrat die Freischaltung der Geodaten von Swisstopoangeordnet. In der Antwort des Bundesrates auf den Vorstoss von Wasserfallen Christian(07.12.2009) zu den Geodaten, geht der Bundesrat weiter und kündigt die Prüfung eines Free-22 Zweites Meeting zu Open Government Data in der Schweiz: http://www.digitale-nachhaltigkeit.ch/Anna Henger, Stefan Roos 12.12.2010 16
  • 17. Open Data – Rohdaten und offene Staatskunst 5 Empfehlungen für Regierungen und BehördenAccess-Zugangs zu weiteren Bundesdaten an.Antwort des Bundesrates:„Der Bundesrat hat die volkswirtschaftliche Bedeutung der Geoinformation erkannt und bei derErarbeitung des Geoinformationsgesetzes berücksichtigt. Das Geoinformationsgesetz fand in derparlamentarischen Behandlung breite Akzeptanz und wurde per 1. Juli 2008 in Kraft gesetzt. Am18. November 2009 hat der Bundesrat die Teilrevision der Geoinformationsverordnungverabschiedet. Er hat gleichzeitig einer interdepartementalen Arbeitsgruppe den Auftrag erteilt,Szenarien für eine Free-Access-Lösung für Geobasisdaten des Bundes auszuarbeiten. DerBericht wird Ende 2010 vorliegen und erstreckt sich auch auf die Prüfung eines Free-Access-Zugangs zu weiteren Bundesdaten. Zum jetzigen Zeitpunkt wäre es deshalb verfrüht, Aussagenzur freien Verfügbarkeit der Geobasisdaten des Bundes zu machen. Der Bundesrat wird Anfang2011 zur Thematik des Free-Access-Zugangs Stellung nehmen.“235.5.2 EmpfehlungIn Umfragen zeigt sich die grosse Mehrheit von Bevölkerung und Wirtschaft in der Schweizregelmässig sehr zufrieden mit den Leistungen „ihrer“ Verwaltung. Das ist nicht zuletzt daraufzurückzuführen, dass die Verwaltung ihre Leistungen dezentral, „kundennah“ erbringt. Es ist eineStärke des Föderalismus, dass die Entscheid Kompetenz möglichst nahe von der zu beurteilendenSituation angesiedelt ist. Die Motivation, eine gute Leistung zu erbringen ist so gross.24Jedoch soll diese Stärke jetzt auch in die elektronische Welt der Verwaltung übertragen werden, dadie Schweiz was eGovernment Ranglisten anbelangt eher zu hinderst anzutreffen ist.Wie in der aktuelle Situation in der Schweiz beschrieben, ist die Regierung daran erste Daten freizu gegeben und überlegt sich das selbe mit weitere Daten zu machen. Unserer Meinung nach istdas die Richtige Entscheidung, erste Schritte vorzunehmen. Wir würden der Regierung empfehlenim Zusammenhang mit den geplanten eGovernment Strategien auch Open Government Data zufördern, so dass die zwei Konzepte auch noch voneinander profitieren können.Die Schweizer Regierung hat eine gewisse mühe mit der Transparenz (Bankgeheimnis,Libyenaffäre,...), dadurch haben Bürger, sowie ausländische Regierungen, das Vertrauen in dieseRegierung verloren. Eine Open Government Data Strategie könnte unser Meinung nach etwasentgegenwirken, indem möglichst viele Daten veröffentlicht werden.23 Curia Vista – Geschäftsdatenbank, http://www.parlament.ch/D/Suche/Seiten/geschaefte.aspx?gesch_id=2009564424 eCH-White Paper, Vernetzte Verwaltung, Organisationskonzept für ein föderales E-Government Schweiz, www.ech.chAnna Henger, Stefan Roos 12.12.2010 17
  • 18. Open Data – Rohdaten und offene Staatskunst 5 Empfehlungen für Regierungen und Behörden6 FazitOpen Government Data ist ein sehr junges Konzept, was nur in wenigen Staaten oder Städteangewandt wird, jedoch ist die Ausbreitung und Entwicklung voll im Gange. Viele Regierungensind daran Open Data vorzubereiten und werden dabei von Gruppierungen gefordert undunterstützt.Das Thema ist seit kurzem sehr aktuell, viele sprechen davon, auch fälschlicherweise imZusammenhang mit Wikileaks, jedoch gibt es noch wenige Erfahrungen und Berichte über OpenData im Bereich von Regierung und Verwaltung.Die Einführung von Open Data benötigt minuziöse Abklärungen, Planung und Kosten, jedoch sindwir der Meinung, dass die Erträge aus dieser Strategie, den grossen Nutzen für Regierung,Verwaltung, Bürger und Standort, sehr gross sein können und so den Aufwand und die Risikenwett machen.Anna Henger, Stefan Roos 12.12.2010 18

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