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Robert Parker-Weinkritiker
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Robert Parker-Weinkritiker

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Am Anfang war er nur ein Jurist der gerne Wein trank. Doch Schritt für Schritt gelangte Parker mit seinen Weinkritiken zu Weltruhm.

Am Anfang war er nur ein Jurist der gerne Wein trank. Doch Schritt für Schritt gelangte Parker mit seinen Weinkritiken zu Weltruhm.

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  • 1. 2013Robert Parker - Weinkritiker Weinfunatiker Dieter Freiermuth 05.01.2013
  • 2. Am Anfang war er einfach ein Jurist, der gerne Wein trank. Doch Schritt für Schrittgelangte Parker mit seinen Weinkritiken zu Weltruhm. Nun tritt er ab und verkauft seinUnternehmen an die Asiaten. Von Manfred KlimekFoto: picture alliance/DPAGroßer Kritiker, große Merkfähigkeit: Er könne 200.000 Weine aus der Erinnerung beschreiben, sagt Robert Parker überseinen GeschmackssinnBild teilenBild teilenWEITERFÜHRENDE LINKS Kopfschmerzen: Was gegen den Kater nach der Silvesterparty hilft Studie: Wie man Wein am besten zuhause lagertDer Legende nach sind die Briten dafür verantwortlich. Sie bestimmten seit Jahrzehnten, welche Weine dieweltweit besten sind. Sie kauften den regionalen Winzern ihre Fässer ab, schifften sie nach London zurAssemblage und regelten die Auktionen zur Verteilung der teuersten Flaschen.Sie stellten auch die Weinkritiker, die in den großen Zeitungen der Welt über die großen Weine der Weltberichteten. Und diese Weine kamen meistens aus Frankreich, denn Italien oder Deutschland spielte in denEmpfehlungen der Weinpäpste nur eine untergeordnete Rolle. Das war ein komplexes System, das Jahrzehnteüberdauert hatte. Unangreifbar. Bis Robert Parker kam.GEBROCHENER HEGEMONVor Parker kam allerdings das "Judgement of Paris", eine legendäre Weinverkostung, die 1976 vom britischenWeinhändler Steven Spurrier durchgeführt wurde. Spurrier stellte führende französische Weine eher unbekanntenamerikanischen Abfüllungen gegenüber.
  • 3. Neun Mitglieder seiner hochkarätigen elfköpfigen Jury kamen aus Frankreich. Und sie gaben in derBlindverkostung allesamt den Weinen aus Kalifornien den Vorzug. Als das Ergebnis aufgedeckt wurde kam eszum Eklat. Man versuchte sich aus dem Ergebnis herauszureden. Doch die Vorherrschaft der Weine ausBurgund und Bordelais war gebrochen.EIN JURIST, DER GERNE WEIN TRANKRobert Parker war zu diesem Zeitpunkt bloß ein einfacher Anwalt in Baltimore. Er arbeitete in einer Bank,verdiente ausreichend Geld und trank gerne Wein. Also las er alles über Wein, auch die Kritiken in der New YorkTimes und anderen führenden Blättern.Er folgte den Empfehlungen und kam zu dem Ergebnis, dass ihm die bejubelten Weine selten schmeckten. Under bemerkte auch, dass er mit dieser Meinung nicht alleine dastand. Beflügelt vom Judgement of Paris begann er1978 seine eigenen Kritiken zu veröffentlichen und sie an Abonnenten zu verschicken. Nur ein kleines Feuer.Aber es sollte schnell größer werden. Und einen Flächenbrand auslösen.EINSILBIGER VERKOSTERParkers Einfluss fußt auf seiner verlässlichen Verkostungsmethode, denn Parker ist ein klar aufgestellter,grandios einsilbiger Verkoster. Wenn man seine Notizen über Jahre verfolgt und die von ihm verkosteten Weinetrinkt und selber bewertet, dann weiß man schnell, welche Weine Parker bevorzugt.Und wie man zu seinen Bewertungen steht. Parker mag saubere, kräftig-fruchtige, fette, alkoholreiche und perfektstrukturierte Weine. Als er zu beurteilen begann, hasste er die oft dünnflüssigen und fehlerhaften Abfüllungen derBordeauxwinzer. Und die Burgunder dieser Tage waren entweder großartig oder Schrott. Das ist bis heute derFluch dieser Region.KLARE FEINDEParker war der erste, der seinen Missmut ausdrückte, der das herrschende Bewertungssystem frontal angriff.Und er hatte klare Feinde: die alten, meist unsauber arbeitenden französischen Winzer, die jede Erneuerung ihrerInfrastruktur vor sich herschoben und Fehltöne als Terroir abtaten.1984 beendete Robert Parker seine Arbeit bei der Bank und begann seinen Lebensunterhalt als hauptberuflicherWeintester zu bestreiten. Sein Weinbrief "Wine Advocate" wurde inzwischen von ein paar tausend Leuten überAbonnement bezogen, darunter viele Weinhändler, die seinem Urteil folgend Einkäufe tätigten.TROTTELSICHERES SYSTEMParker führte auch eine neue Skala ein, er bewertete Weine nach Punkten. Ab 50 Punkte wird zu zählenbegonnen, ab 86 Punkten sind Weine überhaupt erst interessant und 100 Punkte kriegen nur jene Abfüllungen,die versprechen, eine Legende zu werden.Es ist ein einfaches System, trottelsicher und für jeden Einkäufer, Händler oder Konsumenten verständlich. DerHändler orientiert sich nach den Punkten und schreibt sie dem Konsumenten als unbestreitbares Urteil vor.Der Konsument ist endlich vom Stress der eigenen Einschätzung befreit und kann sich auf Parker berufen. Demverunsicherten Bürgertum - das Weinkultur zunehmend als Erweiterung des Lebensstandards begreift - wird Haltgegeben. So bahnt sich Parker seinen Weg.VON HUNDEN GEHETZTWie mächtig er ist erfuhr Parker schon in den späten 80er-Jahren, als er zum Verkosten an die Gironde reisteund so mancher prominente Chateaubesitzer nicht bereit war, seine Weine auszuhändigen Einer hetzte sogarseinen Hund auf den Amerikaner.Doch andere Chateaubesitzer erkannten ihre Chance und kooperierten. Sie änderten ihre Weine, damit Parkersie mochte. Ihr Verbündeter war der Önologe Michel Rolland, der vielen Winzern eine Art Parker-Paket anbot. Erkam in die Güter, sah die Möglichkeiten und erklärte, was in Garten und Keller zu tun sei. Und wie es zu tun sei.Wer Rolland engagierte konnte relativ verlässlich mit hohen Parker-Punkten rechnen. Das warf erste Schatten aufdas System.Dann fiel der Kommunismus. Und China wurde Wirtschaftsmacht. Zuerst waren es die Neureichen und ihreGastronomie, die in den Schwellenländern nach Parker-Punkten einkauften, später auch die breiter werdende
  • 4. Mittelschicht. Viele Winzer erzählen, sie würden heute keine einzige Flasche unter 90 Punkten nach Russlandoder China liefern. Parkers Punkte entscheiden über Wohl und Wehe.SYSTEM PARKERNachdem Parker nicht alles alleine kosten konnte, engagierte er ein Team. Und dieses Team – meistensvielsprachige US-Amerikaner - war es, das Parker auch auf die Nischen der Weinwelt aufmerksam machte, aufdie stetig wachsende Anzahl autochthoner Weine, die gerade bei jungen Weintrinkern beliebt sind.Parkers Nachteil: viele der neuen Winzer mochten mit dem System Parker nichts zu tun haben. So musste Parkersie auf seine Seite holen, plötzlich erhielt auch ein etwas delikater, alkoholarmer und mineralischerBlaufränkischer aus dem Burgenland 96 Parker-Punkte. Und wurde Weltstar.GERÜCHTE ÜBER BESTECHLICHKEITDas System Parker hat manche Moden der Weinwelt (z.B. Vin Naturel) nicht kommen sehen. Doch nach demnachträglichen Verkosten wurden die Lücken schnell geschlossen. Mit der Einbeziehung der Nischen ist Parkernoch mächtiger geworden.Diese Macht lässt sich auch durch Gerüchte über die Bestechlichkeit einzelner Mitarbeiter nicht beeindrucken.Das System Parker ist unangreifbar. Es ist trotz Anfeindungen ein fixer Maßstab geworden. Nicht einmal Parkersgrößte Feinde wollen in die Welt vor Parker zurück. Jetzt, wo er auch den schrägen Weinen ausreichend Punktegibt.ASIATEN STREBEN NACH DER MACHTUnd Robert Parker, inzwischen 65 Jahre alt, schnürt den Ranzen für seinen Ruhestand. Er verkauft einenwesentlichen Teil seiner Firma an eine Investorengruppe aus Singapur. Zusätzlich übergibt er auch dieChefredaktion an Lisa Perotti-Brown, die in Singapur lebt.Parker ist von nun an ein größtenteils asiatischer Weinführer, der amerikanische Mitarbeiter beschäftigt, die ihreZeilen im Wine Advocate zukünftig auch mit Werbeeinschaltungen teilen müssen. Die Zeiten zur Schau gestellterAutarkie sind vorbei.Doch den Asiaten geht es nicht nur um die Monetarisierung ihres Investments, sie streben auch nach Macht.Denn gerade der Besitz des weltweit mächtigsten Weinführers macht die Investorengruppe zum Big Player in deraufstrebenden Weinnation China, die bald schon den steigenden asiatischen Weinkonsum nahezu im Alleingangbefriedigen will. Auch diese Weine brauchen Parker Punkte. Und werden sie bekommen.WILLKOMMEN IN DER MARKENWELTDenn Parker mutiert von einer personenbezogenen Publikation zur Marke. Unter dem Namen Parker werdenauch weiterhin die weltweit wesentlichsten, weil geldwichtigen Bewertungen veröffentlicht.Niemand zu sehen, der dieses Monopol angreifen kann, denn Parker war der einzige Tester, der gleich begriffenhat, dass man sich nicht nur durch drei prominenten Regionen und das eigenen Land trinken muss; Parker wollteimmer die ganze Weinwelt bewerten, beeinflussen und führen.
  • 5. Jetzt bekommt er auch den Osten und Asien. Das wird ihm zwar noch öfter die Verdächtigung eintragen, einnivellierender Imperialist zu sein, doch mit dem Weingeschmack lässt sich prima spielen, er ist Teil derPopulärkultur geworden.JETZT KOMMEN DIE MEMOIRENSo wird Vielfalt zum Teil des Geschäfts. Gestern war das Barriquefass noch in Mode, heute ist es ein Beweis fürEinfalt. Doch schon morgen kann alles anders sein. Und die Moden - die den Weinbau erst seit zwanzig Jahrenbeherrschen - diktiert Parker.Ob das alles dann auch weiter so unabhängig zugehen wird? Man wäre ein Narr, wenn man Parkers BeteuerungGlauben schenken würde, er bliebe noch Jahre für die Firma tätig.Der Teilverkauf ist eine Übergangslösung. Und Parker will von nun an nur mehr das Bordelais und dieAnbaugebiete an der Rhone bereisen. Dort, wo man ihn inzwischen mit offenen Armen empfängt. Die restlicheZeit wird er das tun, was jeder Weltherrscher im Ruhestand tut. Er schreibt seine Memoiren.Quelle: http://www.welt.de/kultur/article112272285/Ein-Weinliebhaber-der-einen-Flaechenbrand-ausloeste.htmlJetzt "DIE WELT " im Mini Abo Testen: http://bee5.de/tX99NVinexus bietet eine eigene Rubrik " Parkers Beste " Jetz hier klicken:

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