Netzneutralität - Eine Einführung in das Thema
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Netzneutralität - Eine Einführung in das Thema

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Ausarbeitung vom Mai 2008 im Rahmen einer wissenschaftlichen Studienarbeit. ...

Ausarbeitung vom Mai 2008 im Rahmen einer wissenschaftlichen Studienarbeit.

Behandelt werden die folgenden Fragen:
- Was ist Netzneutralität und wie funktioniert das Prinzip?
- Wer sind die Befürworter und die Gegener? Welche Argumente bringen sie vor?
- Worin besteht das Problem, wenn man mit dem Prinzip bricht?

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Netzneutralität - Eine Einführung in das Thema Netzneutralität - Eine Einführung in das Thema Document Transcript

  • Netzneutralität – Eine Einführung in die Thematik von Daniel Haller
  • Daniel Haller Mai 2008NetzneutralitätInhaltsverzeichnis 1. Einleitung................................................................................................. 3 2. Prinzipien und Grundlagen der Netzneutralität.......................................3 2.1. Infrastruktur des Internet.........................................................................................3 2.2. Next Generation Networks und digitale Konvergenz..............................................4 2.3. Das Prinzip der Netzneutralität............................................................................... 4 3. Akteure und Interessengruppen...............................................................6 3.1. Befürworter............................................................................................................... 6 3.2. Gegner....................................................................................................................... 6 4. Politischer Status Quo.............................................................................. 6 4.1. Europa / EU...............................................................................................................7 4.2. USA............................................................................................................................7 4.3. Fallbeispiele für die Verletzung der Netzneutralität............................................... 8 5. Folgenabschätzung .................................................................................. 9 5.1. Argumentation der Netzbetreiber............................................................................ 9 5.2. Ökonomische Folgen.............................................................................................. 10 5.2.1 Innovation......................................................................................................... 10 5.2.2 Wachstum und Wettbewerb............................................................................. 11 5.3. Sozial und kulturell................................................................................................. 12 5.3.1 Informations- und Ideenvielfalt....................................................................... 12 5.3.2 Bildung und freier Zugang zu Informationen ................................................12 5.3.3 (Politische) Einflussnahme und Zensurmöglichkeiten................................... 13 6. Bewertung...............................................................................................13 7. Zusammenfassung und Fazit................................................................... 15 8. Anhang.................................................................................................... 17 9. Literaturverzeichnis............................................................................... 22 Seite 2/24
  • Daniel Haller Mai 2008Netzneutralität1. EinleitungDiese Arbeit beschäftigt sich mit dem Prinzip der Netzneutralität, das besagt, dass Dienst-und Zugangsanbieter (Provider) Daten im Netz unabhängig vom Herkunfts- oderBestimmungsort und Dienst (HTTP, VoIP, P2P, FTP, etc.) transportieren [1][2] .In den letzten 3-5 Jahren wurde dieses Prinzip vor allem von großen Netzbetreibern bzw.IP-Carriern und Telekommunikationsanbietern in Frage gestellt. Diese fordern einMitbestimmungsrecht hinsichtlich der Daten, die durch ihre Netze geleitet werden,entweder um die verfügbare Bandbreite aufzuteilen und gesondert zu berechnen, odereinfach um bestimmte Dienste und Anwendungen selektiv behandeln zu können.Diese Forderung führt insbesondere in den USA zu erbitterten Streitigkeiten zwischenBefürwortern und Gegnern.Die vorliegende Ausarbeitung beschäftigt sich daher mit der Frage ● was Netzneutralität eigentlich genau ist und wie sie funktioniert ● wer die Befürworter und Gegner sind und welche Argumente sie vorbringen ● worin das Problem bestehen könnte, wenn mit dem Prinzip gebrochen wird.2. Prinzipien und Grundlagen der NetzneutralitätWenn man über Netzneutralität spricht, ist es hilfreich, sich zuvor Klarheit über einigeandere Themen zu verschaffen, die damit mehr oder weniger unmittelbar zusammen-hängen. 2.1. Infrastruktur des InternetWer „ins Internet“ will, egal ob als einfacher Endanwender oder als Anbieter von Dienstenoder Inhalten, ist auf einen Netzbetreiber (auch Access- oder Internet Service Provider,ISP) angewiesen. Dieser Provider leitet die während der bestehenden Verbindunganfallenden Daten vom heimischen Router aus „ins Internet“ weiter.Für Netzbetreiber gibt es eine inoffizielle Klassifizierung, die von Tier1-Carriern bis zuTier3-Carriern reicht [3]: ● Tier1-Netzbetreiber (engl. Carrier) verfügen über große (Glasfaser-)Netzwerke auf globaler Ebene (zum Beispiel AT&T, KPNQWest, Deutsche Telekom oder Verizon [4]), und nutzen diese Leitungen zum Datentransport zwischen den einzelnen (regionalen) Teilnetzen. Es handelt es sich dabei um sog. Backbones, die das „ das Seite 3/24
  • Daniel Haller Mai 2008Netzneutralität Rückgrat des Internet“ bilden und über eine enorme Bandbreite im Terabit-Bereich verfügen . ● Tier2- und Tier3-Netzbetreiber sind vorwiegend im Endkundengeschäft und auf regionaler Ebene tätig. Klassische Beispiele hierfür sind in Deutschland z.B. HansaNet, NetCologne oder auch Arcor, Tiscali und 1&1.Provider ohne eigenes globales Netzwerk (Tier2- und Tier3-Carrier) müssen mit Tier1-Carriern sog. Transit-Verträge abschließen, damit diese die Daten in andere Netzeweiterleiten. An den Schnittstellen zwischen beiden Netzwerken werden sog. Edge-Routerinstalliert, und mit dem Border Gateway Protocol (BGP) wird festgelegt, welchen Weg dieDaten jeweils nehmen sollen (vgl. Anhang, Abbildung 1, [3][5]).Für die Weiterleitung der Daten wird eine Gebühr fällig: Die Kosten für den „Traffic“, d.h.den Netzwerkverkehr. Diese Kosten werden letzten Endes von den Netzbetreibern -egalwelcher Größenordnung- an die Endkunden weitergegeben. Internetnutzer zahlen daherzum Beispiel monatliche Gebühren für eine DSL-Flatrate, während die Betreiber vonDiensten oder Websites für den Traffic ihrer Server aufkommen [6]. Die Anbieter sindgegenüber dem Netzbetreiber alle gleichgestellt, unabhängig von Inhalt und Dienst. 2.2. Next Generation Networks und digitale KonvergenzDerzeit gibt es eine Reihe von verschiedenen Netzwerktypen: die klassischen IP-Netzwerke(Internet), Telefon- bzw. ISDN-Netzwerke, GSM- UMTS- oder Kabel-TV-Netzwerke.Digitale Konvergenz bezeichnet den Versuch der Netzbetreiber, diese verschiedenenNetzwerktypen auf eine einheitliche technologische Basis zu stellen: das Internet Protocol,kurz IP-Protokoll (vgl. Anhang, Abbildung 2, [7]).Künftig sollen nicht nur klassische Websites über IP-basierende Netzwerke transportiertwerden, sondern auch Sprach- oder TV-Daten („Triple Play“). Die dazu notwendigen Netzemüssen neben einer Reihe weiterer Merkmale vor allem über eine sehe hohe Bandbreiteund Dienstgüte verfügen, um als Next Generation Networks (NGN) klassifiziert zuwerden [8]. Darüber hinaus erlauben NGN den Betreibern eine weitaus bessere Kontrolleüber Geschwindigkeit und Inhalt der Datenpakete.Die Kosten für NGN sind enorm, insbesondere Tier1 und -2 Netzbetreiber wie Arcor oderdie Deutsche Telekom investieren Milliardenbeträge in ihre neuen VDSL-Netzwerke [9]. 2.3. Das Prinzip der NetzneutralitätJegliche Datenübertragung im Internet basiert auf dem Internet Protocol, IP. DiesesProtokoll arbeitet paketvermittelnd [10], d.h. anfallende Datenströme werden - im Seite 4/24
  • Daniel Haller Mai 2008NetzneutralitätUnterschied zu leitungsvermittelnden Übertragungsverfahren - in kleine Pakete unterteiltund unabhängig voneinander auf den Weg geschickt. Welchen Weg bzw. durch welchesNetzwerk die Pakete zum Ziel geroutet werden, ist aus technischer Sicht völlig egal. Erstam Ziel wird der Datenstrom aus den einzelnen Paketen wieder zusammengesetzt [11].Seit den Anfängen des Internet gilt dabei das Prinzip der Netzneutralität, das besagt, dassCarrier Datenpakete unabhängig (eben neutral) von Dienst und Inhalt durch die eigenenNetze zum Zielort leiten [3][2]. Kosten entstehen lediglich durch die Menge derDatenpakete (dem Traffic) der von den Netzbetreibern weitergeleitet wird (vgl. Kap. 2.1).Die Netzwerk-Architekten Jerome Saltzer, David Clark und David Reed haben dafür auchden Begriff des „End-to-End“-Designs des Internets geprägt: Anbieter von Inhalten undKonsumenten kommunizieren im Netz direkt und ohne Umwege miteinander, es gibt ausihrer Sicht keine weitere Partei mehr, die zwischen beiden steht, da der Netzbetreiber sichauf rein technischer Ebene lediglich um den Datentransport kümmert [12].Zu beachten ist in diesem Zusammenhang, dass mit steigender Verbreitung der NGN-Netzwerke immer mehr Dienste und Protokolle technologisch das IP-Protokoll zurDatenübertragung nutzen (vgl. Anhang, Abbildung 2). Im Internet basieren das„klassische“ World Wide Web und das FTP-Protokoll schon lange darauf, und mittelfristigist zu erwarten, dass auch die Festnetztelefonie umgestellt wird (VoIP), ebenso wie GSM-Netze, mobile Datendienste wie GPRS und UMTS und das kabelgebundene Fernsehen (IP-TV).Netzbetreiber sind dank NGN in der Lage, Inhalte aus bisher völlig verschiedenen Kanälenin den eigenen, konvergenten Netzwerken zu bündeln und sich neue Geschäftsfelder zuerschließen, in dem sie verschiedenste Dienste aus einer Hand anbieten (vgl. Anhang,Abbildung 3). Netzbetreiber würden so keine reinen technischen Dienstleister mehr sein,sondern gleichzeitig Anbieter von Inhalten werden [13].In den letzten Jahren wird das Prinzip der Netzneutralität von den Netzbetreibern jedochin Frage gestellt [13][14]. Diese fordern das Recht, Datenpakete in ihren Netzwerken nichtmehr einfach neutral weiterzuleiten, sondern abhängig von Dienst und Herkunftunterschiedlich zu behandeln und zum Beispiel bestimmte Daten schneller weiterzuleitenals andere (vgl. Anhang, Abbildung 5).Im übertragenen Sinn würde das bedeuten, zwei Straßen in eine Stadt zu bauen: EinenFeldweg und eine Autobahn. Die Nutzungsrechte für die Autobahn bekommt derMeistbietende, während alle anderen den Feldweg in die Stadt nutzen müssen, so einVergleich des BBC-Kommentators Bill Thompson [2].Diese Forderung sorgt für kontroverse Diskussionen zwischen den Befürwortern eines Seite 5/24
  • Daniel Haller Mai 2008Netzneutralitätfreien Internets (und freier Netze) sowie Anbietern von Inhalten auf der einen, und dengroßen Netzbetreibern auf der anderen Seite.3. Akteure und InteressengruppenDieses Kapitel soll klären, welche Interessensgruppen sich gegenüberstehen, wer sich fürdie Beibehaltung der Netzneutralität ausspricht und wer dagegen ist. 3.1. BefürworterDie Gruppe der Fürsprecher der Netzneutralität ist weitaus größer als die ihrer Gegner.Neben Internet- und Technologieunternehmen, wie zum Beispiel Google, Microsoft, ebayoder Amazon [15][16][17][18], die sich in der Open Internet Coalition [19] organisieren,handelt es sich dabei vor allem Privatpersonen, Non-Profit Organisationen, kleine undmittlere Unternehmen sowie eine Reihe mehr oder weniger bekannten Personen ausPolitik, Forschung und Lehre, die sich in in der „SaveTheInternet.com Coalition“zusammengeschlossen haben [20]. Einer ihrer profiliertesten Fürsprecher dürfte wohlder Jura-Professor, Autor und Vordenker Lawrence Lessig sein.Politisch gesehen ist die Netzneutralität in den USA ein vorwiegend von den Demokratenbesetztes Thema.In Deutschland macht sich unter anderem der Verband der Deutschen Internetwirtschaft„eco“ für die Beibehaltung der Netzneutralität stark [21]. 3.2. GegnerDemgegenüber stehen vor allem große Netzbetreiber und Telekommunikationsanbieter,die sich der in der Initiative „HandsOff.org“ zusammengeschlossen haben und gemeinsamentsprechende Lobbyarbeit betreiben.Mitglieder sind unter anderem Konzerne wie AT&T, 3M, Alcatel-Lucent, aber auchOrganisationen wie die „American Conservative Union“ oder dieTelekommunikationsgewerkschaft „Communications Workers of America“ [22].Aus politscher Sicht finden sich die Gegner der Netzneutralität in den USA mehrheitlichim traditionell wirtschaftsfreundlichen republikanischen Lager.4. Politischer Status QuoDie Entscheidung darüber, ob Netzbetreiber überhaupt Einfluss auf die Informationen in Seite 6/24
  • Daniel Haller Mai 2008Netzneutralitätihren Netzen nehmen dürfen oder nicht, ist weniger technischer, sondern vielmehrpolitischer Natur, da die Fürsprecher auf eine gesetzliche Regelung der Netzneutralitätsetzen. Allerdings herrschen in den USA und Europa unterschiedlicheRahmenbedingungen. 4.1. Europa / EUDie Diskussion über die Netzneutralität wird derzeit vor allem in den USA geführt,während sie in Europa bzw. der EU noch nicht so recht angekommen zu sein scheint. Hiergeht man davon aus, dass die Marktsituation und das Wettbewerbsrecht es nicht zulassen,dass Netzbetreiber in die Datenübertragung eingreifen [23][24].In Europa existiert bereits eine gesetzliche Regelung, die im Fall einer Verletzung derNetzneutralität den Regulierungsbehörden der Mitgliedsländer bestimmteRegulierungsmöglichkeiten einräumt: Die „Richtlinie 2002/19/EG des EuropäischenParlaments [...] über den Zugang zu elektronischen Kommunikationsnetzen undzugehörigen Einrichtungen[...]“ [25] besagt, dass die Regulierungsbehörden der Ländereingreifen können, um „einen angemessenen Zugang und eine geeigneteZusammenschaltung sowie Interoperabilität der Dienste[...]“ in einer Weisesicherzustellen, die „Effizienz fördert, den Wettbewerb stimuliert und den Endnutzerngrößtmöglichen Nutzen bringt“ (Artikel 5, Absatz 1).Es ist allerdings auch anzumerken, dass schon häufiger Trends und (Geschäfts-)Praktiken,die in den USA ihren Anfang nahmen, später auch in Europa angewandt wurden (sogeschehen bspw. beim „Digital Milienium Copyright Act“, der in Europa als „EU CopyrightDirective“ übernommen wurde [2]). 4.2. USAIn den USA stellt sich die Situation grundlegend anders als in Europa dar. Kern der hitziggeführten und andauernden Debatte ist, dass Befürworter der Netzneutralität dieses bisherals Selbstverständlichkeit angesehene Prinzip gesetzlich verankert sehen wollen, währendderen Gegner (vgl. Kapitel 3.2) sich vehement gegen eine derartige staatliche Regulierungwehren und durch den staatlichen Eingriff die freie Marktwirtschaft gefährdet sehen [22].Da sich der Status Quo in den USA ständig ändert und es bis heute keine gültige Regelunggibt, soll versucht werden, die andauernde Entwicklung nachzuvollziehen.Ursprünglich gab es in den USA keinerlei gesetzliche Regelung, die Providern neutrale(IP-)Datenübertragung vorschrieb. 2002 warnten daher erstmals die Jura-ProfessorenTim Wu und Lawrence Lessig davor, dass Provider mit diesem Prinzip brechen könnten.2005 wurde Ed Whitacre, Chef des US-Telekommunikationskonzerns AT&T (damals noch Seite 7/24
  • Daniel Haller Mai 2008NetzneutralitätSBC) in einem Interview konkret, als er andeutete, künftig Gebühren von Konzernen wieyouTube, Google oder Amazon für das Routing ihrer Daten durch SBC- (bzw. AT&T)Netzwerke zu verlangen. Damit waren natürlich nicht die regulären Gebühren für denanfallenden Traffic (vgl. Kapitel 2.1) gemeint, sondern eine Art zusätzliche „Datenmaut“ -eine Forderung, die anschließend auch von anderen Telekommunikationsanbieternvorgebracht wurde [26].In der Folge organisierten sich die Interessenverbände beider Lager (vgl. Kapitel 3) undbetrieben politische Lobbyarbeit. Im August 2005 veröffentlichte die USRegulierungsbehörde Federal Communications Commision (FCC) dann Richtlinien, indenen die Netzneutralität festgeschrieben waren [27] und die AT&T sogar akzeptierte. DerHaken dabei war, dass die FCC ist lediglich für DSL-Zugänge, nicht aber für die aufGlasfasertechnologie basierenden NGNs (vgl. Kapitel 2.2) zuständig ist [28], darüberhinaus galten die Richtlinien lediglich für 2 Jahre, sofern die Regierung bis dahin keinegesetzliche Regelung schafft [26].Ein echter Gesetzesentwurf, der die Netzneutralität sichern sollte, entstand erstmals 2006im Rahmen der Reformen zum US-Telekommunikationsgesetzes („TelecommunicationsAct of 1996“ [29]), der als „Internet Non-Discrimination Act of 2006“ bekannt wurde undim demokratisch dominierten Justizausschuss des US-Repräsentantenhauses auch eineMehrheit bekam [13].Aufgrund massiver Lobbyarbeit der Gegner und veränderter Mehrheitsverhältnisse nachder US-Präsidentschaftswahl 2006 wurde dieser Entwurf jedoch wieder gekippt. In derFolge wurden 6 (!) weitere Gesetzesentwürfe eingebracht [28], die zwar allesamt heftigeLobbyschlachten auslösten, von denen aber keiner eine verbindliche Mehrheit imJustizausschuss erringen konnten.Derzeit aktueller Stand ist der „Internet Freedom Preservation Act 2008“ (H.R. 5353), deram 12. Februar 2008 von den Abgeordneten Ed Markey und Chip Pickering dem Kongressvorgestellt wurde. Dieser Gesetzesentwurf sieht (erneut) vor, die Netzneutralität gesetzlichim US-Telekommunikationsgesetz festzuschreiben. Außerdem soll die FCC verpflichtetwerden, 8 „Breitband-Gipfel“ auszurichten, an denen Strategien erarbeitet werden sollen,mit denen „Offenheit, Wettbewerb, Innovation“ sichergestellt und bezahlbare sowieüberall verfügbare Breitband-Services bereit gestellt werden können [30]. Ob der Entwurfes aber dieses Mal ins US-Telekommunikationsgesetz schafft, bleibt fraglich. 4.3. Fallbeispiele für die Verletzung der NetzneutralitätDerzeit wird von den Betreibern an der Netzneutralität festgehalten, dieDatenweiterleitung in den Netzen erfolgt (noch) weitgehend neutral. Trotzdem gibt es Seite 8/24
  • Daniel Haller Mai 2008Netzneutralitätverschiedenartige, vereinzelte Fälle, in denen gegen dieses Prinzip verstoßen wurde.So erwägen UMTS-Netzbetreiber wie Vodafone oder der französische Konzern SFR VoIP-Dienste (vor allem Skype) in ihren Netzen zu blockieren, da vom Kunden bei der Skype-Nutzung lediglich das anfallende Datenvolumen, nicht aber das eigentliche Gesprächbezahlt werden müsste [31][32].Auch in den USA gab es ähnliche Fälle. 2005 wurden VoIP-Services vom DSL-Anbieter„Madison River Communications“ blockiert. Damals intervenierte die FCC, die für DSL-Verbindungen zuständig ist (vgl. Kapitel 4.2), woraufhin Madison River Communicationsdie Blockade wieder aufgab [33].Immer wieder im Gespräch ist das Blockieren von P2P-Diensten. So hat zum Beispiele die„International Federation of the Phonographic Industry“ (IFPI) vor wenigen Monaten inIsrael durchgesetzt, dass die drei größten nationalen Provider bestimmte Seiten mitBitTorrent-Trackern sperren müssen, um mutmaßliche Urheberrechtsverletzungen zuverhindern [34].Im Oktober 2007 wurde Arcor gezwungen, den Zugang zur Erotik-Website youPorn.comfür seine Kunden nach einer Klage aufgrund fehlender Altersverifikation zu sperren [35] -obwohl Arcor als Provider gar nicht dafür verantwortlich ist, geschweige denn Einfluss aufden Betreiber nehmen kann. Der Kläger selbst ist Anbieter eines Video-Erotikportals, wasden Verdacht nahe legt, dass hier schlichtweg unliebsame Konkurrenz ausgeschaltetwerden sollte.5. FolgenabschätzungDas Internet ist eine Erfolgsgeschichte, und die Netzneutralität war von Anfang an einwichtiger Erfolgsfaktor. Welche Gründe sollte es also geben, künftig mit diesem Prinzip zubrechen? Welche Argumente bringen die Befürworter und Gegner vor und welche Folgenhätte ein Bruch? 5.1. Argumentation der NetzbetreiberNetzbetreiber müssen hohe Summen in neue Netze (NGN) und die bestehendeInfrastruktur investieren [9]. Gleichzeitig verfallen die Preise die für den Datentransferund Festnetztelefongespräche (nicht zuletzt durch Neuerungen wie VoIP [36]), und esbestehen nach dem Boom des Internet um die Jahrtausendwende herum großeÜberkapazitäten an Leitungen [3].Verständlich, dass immer mehr Netzbetreiber durch den Kostendruck gezwungen sind, ihr Seite 9/24
  • Daniel Haller Mai 2008NetzneutralitätGeschäftsmodell erweitern und nach neuen Einnahmequellen zu suchen.Der AT&T Chef Ed Whitacre brachte die Argumentation der Netzbetreiber auf den Punkt,als er 2005 in einem Interview sagte: "Die wollen meine Kabel umsonst benutzen, aberdas werde ich sie nicht tun lassen, weil wir Geld investiert haben und deshalb etwaseinnehmen müssen“ (vgl. Kapitel 4.2, [24][26][37]). Mit „Die“ sind die Nutzer bzw. dieAnbieter von Inhalten gemeint, und mit „umsonst benutzen“ spielt Whitacre darauf an,dass für beide lediglich die (verhältnismäßig) geringen Traffic-Kosten anfallen.Aus rein ökonomischen Gründen sollen die neuen Breitband-Netze undHochgeschwindigkeitsverbindungen nach dem Willen der Betreiber in erster Liniedemjenigen zur Verfügung stehen, der bereit ist, dafür eine Extra-Gebühr zu zahlen [13].Wer wie bisher nur für den Traffic aufkommt, der wird über ggf. über langsamereVerbindungen zum Ziel geroutet (vgl. Anhang, Abbildung 5). Die Verletzung derNetzneutralität wird also mit den Investitionen gerechtfertigt, die für die neuen Netzenotwendig sind, bzw. mit der Notwendigkeit einen entsprechenden Return on Investmentzu erzielen.Nicht zuletzt wandeln sich Netzbetreiber heutzutage vom reinen Technik- undDienstleister hin zum Anbieter von Inhalten (vgl. Kapitel 2.2). Wenn die Möglichkeitbesteht, die eigenen Diensten und Inhalten besonders schnell zu transportieren, ergibt sichdadurch auch die Möglichkeit, sich aufgrund der besseren Verfügbarkeit und Dienstgüteeinen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen [33].Darüber hinaus werden gesetzliche Regelungen vollkommen abgelehnt, da sie als unnötigeRegulierung, Eingriff des Staates in die Marktwirtschaft und in die unternehmerischeFreiheit angesehen werden [22]. 5.2. Ökonomische FolgenFalls die Netzbetreiber ihre Forderung durchsetzen können, hat das weitreichendeökonomische Folgen auf die gesamte Internet-Wirtschaft. 5.2.1 InnovationIn seiner Rede vor dem „Senate Comitee on Commerce, Science and Transportation“ [38]geht Lawrence Lessig, Autor und Professor für Rechtswissenschaften, davon aus, dass eineAbkehr von der Netzneutralität eine massive Reduzierung der Innovationen im Internetzur Folge hat.Viele der heutigen großen und bekannten Angebote im Internet wurden ursprünglich vonLeuten entwickelt, die keine kommerziellen Ambitionen, geschweige denn geschäftliche Seite 10/24
  • Daniel Haller Mai 2008NetzneutralitätVerbindungen zu großen Netzbetreibern hatten. YouTube , MySpace oder Google wurdenvon Studenten in den sprichwörtlichen Hinterhöfen programmiert, ICQ von einem jungenIsraeli entwickelt und sogar das World Wide Web selbst wurde von Tim Berners-Lee,einem Wissenschaftler im CERN in der Schweiz, erfunden, um den Daten- undDokumentenaustausch zwischen Wissenschaftlern zu erleichtern und zu beschleunigen.Das Internet in seiner heutigen Struktur bietet hervorragende Voraussetzungen fürderartige Innovationen. Bedingt durch die End-to-End Architektur (vgl. Kapitel 2.2) ist esextrem unkompliziert und vergleichsweise günstig, neue Entwicklungen sehr schnell zupublizieren und einer großen Masse zugänglich zu machen. Dadurch können Innovationenjederzeit und überall entstehen, die Markteintrittsbarrieren sind extrem niedrig – eineGrundvoraussetzung für die genannten Erfolgsgeschichten.Eine Abkehr von der Netzneutralität würde diese Markteintrittsbarrieren erhöhen und dasInternet zwangsläufig stärker kommerzialisieren als das ohnehin schon der Fall ist. EinStart-Up wäre ggf. gezwungen, zunächst mit einem Netzanbieter verhandeln, der neueWettbewerber sehr einfach benachteiligen oder gar vollständig blockieren könnte, um sichselbst oder Vertragspartnern auf diese Art einen Vorteil zu verschaffen.Diese Meinung vertritt auch Lessig, wenn er sagt, dass „neue Innovationen immer vonAußenseitern kommen“, und das diese stagnieren werden, wenn „Insider sowohl dietechnische als auch die rechtliche Kontrolle über Innovationen im Internet“ bekämen [38]. 5.2.2 Wachstum und WettbewerbDie offene Struktur des Internet fördert die Konkurrenz der Anbieter untereinander undneue Mitbewerber können jederzeit in den Markt eintreten. Das Ergebnis ist Wettbewerbund damit letztlich auch Wachstum und Innovation.Ein wichtiger Wettbewerbsfaktor ist die Verfügbarkeit und die Dienstgüte des Angebots –Multimedia-Inhalte zum Beispiel müssen schnell und verzögerungsfrei an Anwenderausgeliefert werden. Wenn Netzbetreiber aber schnelle Verbindungen nur für diejenigenbereitstellen, die entsprechend zahlungskräftig sind, dann werden vor allem die großen,etablierten Anbieter in der Lage sein, sich diese zu leisten. Neue Wettbewerber hingegenwerden durch langsamere Verbindungen benachteiligt.Eine Verletzung der Netzneutralität würde also den den Wettbewerb zugunsten deretablierten, großen Anbieter verzerren, dadurch Wettbewerb und Wachstum verhindernund die Marktmacht der Netzbetreiber unverhältnismäßig stärken. Dieser Meinung istwohl auch Frank Patalong im Spiegel, wenn er vom „Survival of the Richest“ anstelle des„Survival of the Fittest“ spricht [6]. Seite 11/24
  • Daniel Haller Mai 2008NetzneutralitätNoch einen Schritt weiter geht John Windhausen [33], der die Ausgaben der Verbraucherin Unterhaltungselektronik und IT-Equipment mit in seine Betrachtung einbezieht. Diefreie Wahl der Endgeräte, die völlig unabhängig vom Netzbetreiber getroffen werden kann,sorgt dafür, dass Verbraucher das beste Equipment zum besten Preis kaufen können – undsomit für Wettbewerb in diesem Bereich. Demgegenüber stehen Angebote, die proprietäreEndgeräte benötigen (z.B. iTunes und iPods, T-Netboxen der Dt. Telekom, VoIP-Netze, dienur mit entsprechenden Geräten des Anbieters funktionieren), und dadurch einenWettbewerb in diesem Markt erschweren. 5.3. Sozial und kulturellBefürworter der Netzneutralität befürchten nicht nur ökonomische Folgen – ein derartigerParadigmenwechsel hätte auch soziale und kulturelle Folgen. Sie sehen vor allem eineZweiklassen-Gesellschaft im Netz kommen [37]: Große, finanzkräftige Anbieter, die sicheine schnelle, hoch verfügbare Anbindung ihres Angebots leisten, und die die„Autobahnen“ der Netzbetreiber nutzen können, stehen dabei auf der einen Seite. Auf deranderen Seite befinden sich Blogger, Start-Ups oder Kleinunternehmen, die ihr Angebotaus Kostengründen auf dem „Feldweg“ zu den Anwendern bringen müssen. 5.3.1 Informations- und IdeenvielfaltFür immer mehr Menschen wird das Internet als Ersatz zur Zeitung oder dem Fernsehenzur wichtigsten Informationsquelle. Die Vielfalt der angebotenen Informationen istgewaltig: In Nachrichtentickern, Mailing-Listen, Wikis, News-Groups, Video- undPodcasts, Datenbanken, Blogs, Foren und Communities kann man sich über jedes nurdenkbare Thema informieren. Es gibt professionelle, teilweise kommerzielle Angebote -genauso wie Angebote auf einer Grassroot-Ebene, die von engagierten Privatpersonen oderambitionierten Amateuren betrieben werden.Die technische und finanzielle Schwelle, die überwunden werden muss, um Informationenweltweit zugänglich zu machen, ist im Internet äußerst gering – erstmals in der Geschichteist es möglich, dass jedermann problemlos weltweit publizieren kann, daher wohl auchdiese umwerfende Informationsvielfalt. Aber gerade die weniger professionellen, nicht-kommerziellen Angebote oder das Grassroot-Phänomen werden es schwerer haben, wenndas Internet von großen, gewinnorientierten Unternehmen und Netzbetreibern dominiertwird (vgl. Anhang, Abbildung 4) 5.3.2 Bildung und freier Zugang zu InformationenHochschulen und andere Bildungsinstitutionen gehören zu den wichtigsten und „ältesten“Anlaufstellen im Internet und sind die erste Anlaufstelle, wenn man sich über Seite 12/24
  • Daniel Haller Mai 2008NetzneutralitätForschungsergebnisse informieren oder mit anderen Wissenschaftlern austauschen will.Diese nicht-kommerziellen Institutionen hätten kaum die Mittel, sich teure Verbindungenzu leisten – zum Beispiel um Vorlesungen mit Videobildern und Audio direkt ins Netz zustreamen. Viele der öffentlichen Bildungsinstitutionen konkurrieren außerdem mitprivaten, kommerziell orientierten Hochschulen, die ggf. aufgrund ihrer Finanzstärkebevorzugt würden [33].Auch das Blockieren oder Verlangsamen von P2P-Diensten zum Dateiaustausch inNetzwerken stellt ein Problem und eine Verletzung der Netzneutralität dar. DerartigeAnwendungen erzeugen durch den hohen Traffic oft auch hohe Kosten und sind von denNetzbetreibern im Allgemeinen nicht gern gesehen [39]. Allerdings werden eben nicht nururheberrechtlich fragwürdige Dateien über P2P-Dienste getauscht, sondern auch die OpenSource-Szene nutzt diese günstige, moderne und ressourcenfreundlicheDistributionsmöglichkeit, um zum Beispiel große Linux- oder OpenOffice-Images zuverteilen. 5.3.3 (Politische) Einflussnahme und ZensurmöglichkeitenWenn Netzbetreiber die Möglichkeit bekommen, auf die Datenpakte in ihrem NetzwerkEinfluss zu nehmen, stellt das eine Möglichkeit zur Zensur von deren Inhalten dar. Es gibteine Reihe von Ländern, die in der Informationsflut des Internet eine Gefahr sehen unddiese aus politischen Gründen einschränken wollen. Eines der populärsten Beispiele istsicherlich China [40], das von verschiedenen Suchmaschinen eine Zensur der Ergebnissefordert – sollten die Suchmaschinenbetreiber dieser Aufforderung nicht nachkommen,wäre es für einen Netzbetreiber einfach möglich, die Pakte des Anbieters ganz zublockieren bzw. gezielt zu filtern.Aber auch in Staaten wie den USA kann es zur (politisch motivierten) Zensur kommen:2007 übte die bekannte Grunge-Band Pearl Jam auf dem Lollapalooza-Festival in ChicagoKritik an der Politik von George W. Bush, die jedoch vom Webcast-Sponsor AT&T einfachherausgeschnitten wurde. Pearl Jam forderten in Folge des Vorfalls eine gesetzlicheFestschreibung der Netzneutralität, durch die das Vorgehen von AT&T rechtlichanfechtbar gewesen wäre [41][42].6. BewertungUm die ganze Thematik richtig einschätzen zu können, ist es hilfreich, sich einige Punktenochmals klar zu machen: ● Die Gewinne, die mit dem reinen Netzbetrieb gemacht werden, fallen seit Jahren. Seite 13/24
  • Daniel Haller Mai 2008Netzneutralität Die Gründe sind sinkende Gebühren für Traffic und Telefonverbindungen, sowie Überkapazitäten veralteter Netzwerke. ● Gleichzeitig machen die Anbieter von Inhalten und Diensten wie Skype, Google oder Amazon hohe Gewinne. Netzbetreiber wollen daher keine reinen Technikdienstleister mehr sein, sondern wandeln sich zum Anbieter von Inhalten und Diensten um ebenfalls „ein Stück von vom Kuchen abbekommen“. ● Next Generation Networks (NGN) sollen die verschiedenen Netztypen auf eine einheitliche technologische Basis stellen: IP. Dazu sind jedoch gewaltige Investitionen notwendig. ● Durch NGN entsteht ein neues Geschäftsfeld: Das „Triple Play“. Hier kommen Internet, Telefon und TV-Daten aus einem Netz und einer Hand.Vor diesem Hintergrund ist das Verhalten der Netzbetreiber durchaus nachvollziehbar.Unternehmen müssen Gewinne einfahren und maximieren, und für dieMilliardensummen, die in neue Netze investiert werden müssen, soll möglichst schnell einReturn on Investment erzielt werden. Es liegt in der Natur der Sache, mit getätigtenInvestitionen (den Netzen) Gewinne erzielen zu wollen – bei Netzbetreibern handelt essich schließlich nicht etwa um öffentliche Anbieter, sondern um private Unternehmen.Warum also keine Hochgeschwindigkeitsverbindungen für zahlende Kunden anbieten,wenn man doch gerade in solche Hochgeschwindigkeitsverbindungen investiert hat?Das Problem bei dieser Strategie besteht jedoch in den enormen Auswirkungen auf dasgesamte Internet und alle Anbieter von Inhalten. Das Internet ist bisher ein „Netz derGleichen“, ein basisdemokratisches Medium, was letztlich durch die Netzneutralitätsichergestellt wird. Dieses Prinzip wird aus ökonomischen Gründen in Frage gestellt – mitall den Konsequenzen die in Kapitel 5 aufgezeigt wurden.Problematisch ist auch das Vorhaben der Betreiber zu bewerten, die Daten von Anbieter zuAnbieter gezielt unterschiedlich handhaben zu wollen. Es wäre sowohl aus ökonomischerSicht, als auch im Rahmen der Netzneutralität vertretbar, wenn man stattdessen (End-)Kunden einen Tarif anböte, in dem zum Beispiel die Daten aller Videodienste bevorzugtbehandelt würden. Es ist aber etwas völlig anderes, ausschließlich Google VideoBandbreite und Dienstgüte zu garantieren, während die aufstrebende Konkurrenz vonmyVideo oder Sevenload auf langsame Verbindungen ausweichen muss (vgl. Anhang,Abbildung 5).Wenn Netzbetreiber künftig selbst Inhalte und Dienste anbieten, kann man annehmen,dass die eigenen Angebote in eigenen Netzwerk bevorzugt behandeln werden, während dieKonkurrenz die Daten über langsame „Feldwege“ versenden muss. Das verschafft dem Seite 14/24
  • Daniel Haller Mai 2008NetzneutralitätNetzbetreiber einen großen, wirtschaftlichen Vorteil und verzerrt letztlich denWettbewerb. Darüber hinaus muss man sich fragen, welche Auswirkungen es auf dieInformationsvielfalt und Freiheit hat, wenn sämtliche elektronischen Nachrichtenkanäle(Sprache, TV, Internet) im Rahmen des Triple Play durch einige weniger Anbieterkontrolliert werden können. Oder ob so etwas wie das „Grassroot-Phänomen“ im Internetauch unter anderen Voraussetzungen entstanden wäre?Es ist nicht zwingend zu erwarten, dass sich die Probleme, die sich durch einen Bruch derNetzneutralität ergeben, durch den Wettbewerb zwischen den Netzbetreiber von selbstlösen werden. Dazu gibt es einfach zu wenige große Anbieter – in den USA sogar nochweniger als in Europa. Daher ist die Forderung nach einem Eingriff des Gesetzgebersdurchaus berechtigt: Nur so lässt sich sicherstellen, dass das Netz so funktioniert wie esdas bisher tut, und damit Innovation, Wettbewerb und Chancengleichheit gesichert unddie Informationsvielfalt erhalten bleibt. Und da sich das Internet künftig auch auf andereMedienbereiche ausdehnen wird (TV, Telefonie) ist eine derartige gesetzliche Regelungwichtiger als je zuvor.In Europa ist um dieses Thema herum bisher noch keine richtige Diskussion ausgebrochen(vgl. Kapitel 4.1). Sollten sich in den Staaten jedoch die Netzbetreiber durchsetzen, ist miteiniger Wahrscheinlichkeit damit zu rechnen, dass auch in Europa Unternehmen dem USVorbild folgen (sofern es sich nicht ohnehin um dasselbe Unternehmen handelt) und mitmassiver Lobbyarbeit auf EU-Ebene beginnen werden. Unter Umständen steht uns alsobald dieselbe Diskussion wie in den Staaten bevor, und ob die Gesetzgeber in der EUfrüher oder später nicht einknicken und den Forderungen der Unternehmen nachgeben,ist fraglich.7. Zusammenfassung und FazitMittelfristig werden die verschiedenen Netztypen für TV- Sprach- oder Datendienste aufeine einheitliche technologische Basis gebracht werden. Dazu müssen die Netzbetreibergewaltige Investitionen tätigen, die sich durch neue Erlösmodelle amortisieren sollen.Diese Erlösmodelle sehen vor, die schnellen Netzwerke der neuen Generation nur gegenExtra-Gebühren für Anbieter zur Verfügung zu stellen.Kritiker sehen in diesem Vorhaben eine Verletzung der Netzneutralität, die besagt, dassNetzbetreiber Datenpakete unabhängig von Herkunft, Ziel oder Inhalt weiterleiten. DieFolgen bestünden in einer Verzerrung und Schwächung des Wettbewerbs, vermindertenInnovationen, höheren Kosten für Anbieter und User sowie einer Einschränkung derInformationsvielfalt und des freien Zugangs zu Informationen. Daher fordern die Seite 15/24
  • Daniel Haller Mai 2008NetzneutralitätBefürworter der Netzneutralität zur Sicherung eine gesetzliche Grundlage, während dieNetzbetreiber aus ökonomischen Gründen eine gesetzliche Regulierung vollständigablehnen und massive Lobbyarbeit betreiben.Vor allem in den USA ist daraus ein jahrelanger, erbitterter Streit zwischen beiden Lagernentstanden, der bis heute andauert. In Europa ist das Thema weniger aktuell, allerdingsverfolgt man auch hier die Auseinandersetzung aufmerksam und es ist anzunehmen, dassder Ausgang dieser Streitigkeiten auch die europäische Politik massiv beeinflussen wird.Dieser Streit wird entscheiden, ob eines der wichtigsten Erfolgsprinzipien, auf dem dasInternet seit seinen Anfängen beruht, verworfen wird oder nicht. Wird die Netzneutralitätnicht gesetzlich verankert, hat das weit reichende Auswirkungen und wird das Internet, sowie wir es heute kennen, deutlich verändern.Vielleicht hat aber auch Frank Patalong ganz einfach recht, wenn er schreibt, das Problemkönnte sich von selbst erledigen. Dann nämlich, wenn die Verbraucher auf ein„eingeschränktes“ Internet genauso reagieren wie Ende der 90er Jahre, als AOL und T-Online eine ähnliche Strategie verfolgten und ihr „eigenes Internet“ aufbauen wollten –und damit grandios scheiterten. Seite 16/24
  • Daniel Haller Mai 2008Netzneutralität8. Anhang Seite 17/24
  • Daniel Haller Mai 2008NetzneutralitätAbbildung 2: Digitale Konvergenz: Die Konsolidierung einzelner Netze zu einem großenNetzwerk auf IP-Basis (Next Generation Networks) [7] Seite 18/24
  • Daniel Haller Mai 2008NetzneutralitätAbbildung 3: Access Infrastructure: Increasing Competition / Service-Bündelunganstelle von Entzerrung der Struktur auf dem Deutschen Markt [7] Seite 19/24
  • Daniel Haller Mai 2008Netzneutralität Abbildung 4: Eine nicht ganz ernst gemeinte Preisliste... (Quelle unbekannt, per Mail) Seite 20/24
  • Daniel Haller Mai 2008Netzneutralität Abbildung 5: Zwei Wege, ein Ziel. Nur wer bereit ist, zusätzliche Gebühren an den Netzbetreiber zu zahlen, bekommt seine Daten auf der Autobahn übertragen. Alle anderen müssen auf langsame Feldwege ausweichen [37] Seite 21/24
  • Daniel Haller Mai 2008Netzneutralität9. Literaturverzeichnis[1] Wikipedia: Netzneutralität, 14.05.2008, URL: http://de.wikipedia.org/wiki/Netzneutralit%C3%A4t[2] BBC News: Why the net should stay neutral (BBC, 12.02.2006), 01.05.2008, URL:http://news.bbc.co.uk/2/hi/technology/4700430.stm[3] Holger Bleich / heise: Die Bosse der Fasern - Die Infrastruktur des Internet (ct Magazin 07/2005, S.88), 03.05.2008, URL: http://www.heise.de/ct/05/07/088/[4] Renesys Cooperation: Market Intelligence | Products and Services | Ranking IP-Carrier, 01.05.2008,URL: http://www.renesys.com/products_services/market_intel/#a-customer_retail[5] Klaus Landefeld, eco Kongress: NGN im Spannungsfeld zwischen Politik und Wirtschaft (2007),07.05.2008, URL: http://www.eco.de/dokumente/071122_Landefeld.eco.pdf[6] Frank Patalong, Spiegel Online: Web 3.0: Der böse Traum vom Zwei-Klassen-Internet (07.12.2006),07.05.2008, URL: http://www.spiegel.de/netzwelt/tech/0,1518,451672,00.html[7] Niklas Blum, eco Kongress 2007: Ist das Internet noch zu retten? (2007), 06.05.2008, URL:http://www.eco.de/dokumente/071122_Blum_Fokus_Fraunhofer.pdf[8] ITU-T TELECOMMUNICATION STANDARDIZATION SECTOR OF ITU: Next Generation Networks –Frameworks and functionalarchitecture models (12/2004), 13.05.2008, URL:http://www.itu.int/rec/dologin_pub.asp?lang=e&id=T-REC-Y.2001-200412-I!!PDF-E&type=items[9] PC Welt / dpa: Arcor will VDSL-Netz bauen - "Investitionen im Milliardenbereich" (PC Welt, 15.11.2007,S. 88), 08.05.2008, URL:http://www.pcwelt.de/start/dsl_voip/dsl/news/104316/investitionen_im_milliardenbereich/[10] Wikipedia: Paketvermittlung, 02.05.2008, URL: http://de.wikipedia.org/wiki/Paketvermittlung[11] Wikipedia: Routing, 02.05.2008, URL: http://de.wikipedia.org/wiki/Routing[12] Jerome H. Saltzer, David P. Reed, David D. Clark: End to End Arguments in System Design (M.I.T.Laboratory for Computer Science, 1984), 05.05.2008, URL:http://web.mit.edu/Saltzer/www/publications/endtoend/endtoend.pdf[13] Alfred Krüger, Telepolis: Expresszustellung kostet extra: Das Internet auf dem Weg in die Zweiklassen-Gesellschaft? (Telepolis, 01.06.2006), 03.04.2008, URL:http://www.heise.de/tp/r4/artikel/22/22791/1.html[14] Süddeutsche Zeitung: Das Zwei-Klassen-Netz (SZ, 28.10.2008), 07.05.2008, URL:http://www.sueddeutsche.de/computer/artikel/313/154910/?CMP=NLC-SDE071022&nlsource=taeglich[15] Eric Schmidt, Google CEO: A Note to Google Users on Net Neutrality, 03.05.2008, URL:http://www.google.com/help/netneutrality_letter.html[16] Jack Krumholtz, Microsoft: Freedom to Innovate Network: An open letter to Congress (07/2005),02.05.2008, URL: http://www.microsoft.com/freedomtoinnovate/industry/letter.aspx[17] ebay Government Relations: Net Neutrality: Ebays Point of View, 03.05.2008, URL:http://www.ebaymainstreet.com/federal/net-neutrality/[18] Paul Misener / politicsTV.com: Paul Misener of Amazon.com on net neutrality (politcs TV, 10/2006),02.05.2008, URL: http://www.youtube.com/watch?v=wlLuTLJe_vA[19] Open Internet Coalition: Preserving Consumer Choice & Economic Growth through an open Internet,06.05.2008, URL: http://www.openinternetcoalition.com/[20] SaveTheInternet.com: Save the Internet: Member List, 03.05.2008, URL:http://www.savetheinternet.com/=members Seite 22/24
  • Daniel Haller Mai 2008Netzneutralität[21] heise online: Internet-Wirtschaft sieht Netzneutralität in Gefahr (heise.de, 16.03.2007), 08.05.2008,URL: http://www.heise.de/newsticker/Internet-Wirtschaft-sieht-Netzneutralitaet-in-Gefahr--/meldung/86873[22] HandsOff.org: Hands off the Internet: Member Organizations, 03.05.2008, URL:http://handsoff.org/blog/member-organizations[23] heise online: Netzneutralität: (K)eine Debatte in Europa (heise.de, 27.02.2008), 05.05.2008, URL:http://www.heise.de/newsticker/Netzneutralitaet-K-eine-Debatte-in-Europa--/meldung/85968[24] Ben Schwan, Technology Review: "Das Internet könnte sich von heute auf morgen verändern" -Interview mit Harald Suma, eco Geschäftsführer (21.03.2007), 06.05.2008, URL:http://www.heise.de/tr/Das-Internet-koennte-sich-von-heute-auf-morgen-veraendern--/artikel/87118/0/0[25] Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften: RICHTLINIE2002/19/EG DES EUROPÄISCHENPARLAMENTS UND DES RATES (24.02.2002), 05.05.2008, URL:http://www.bmvit.gv.at/telekommunikation/recht/downloads/rl2002de019.pdf[26] Wade Roush/Ben Schwan für Technology Review: Netzneutralität: Der Kampf geht weiter (TechnologyReview 01/2007), 05.05.2008, URL: http://www.heise.de/tr/Netzneutralitaet-Der-Kampf-geht-weiter--/artikel/84210/from/rss09[27] Federal Communications Commision, FCC: New Principles Preserve and Promote the Open andInterconnected Nature of Public Internet (08/2005), 09.05.2008, URL:http://hraunfoss.fcc.gov/edocs_public/attachmatch/DOC-260435A1.pdf[28] Wikipedia (en): Network neutrality in the United States, 05.05.2008, URL:http://en.wikipedia.org/wiki/Network_neutrality_in_the_United_States[29] US Government: Telecommunications Act of 1996, 05.05.2008, URL:http://www.fcc.gov/telecom.html[30] SaveTheInternet.org: FAQ: Whats happening in Congress?, 05.05.2008, URL:http://www.savetheinternet.com/=faq#congress[31] de.internet.com: Vodafone Deutschland will Anrufe von VoIP-Anbietern blockieren (14.07.2005),10.05.2008, URL: http://de.internet.com/index.php?id=2036910[32] Steffan Heuer für Technology Review: Blockieren oder sabotieren? (18.11.2005), 10.05.2008, URL:http://www.heise.de/tr/Blockieren-oder-sabotieren--/artikel/66337[33] John Windhausen: Good Fences make bad Broadband - A public Whitepaper (06.02.2006),01.05.2008, URL: http://www.publicknowledge.org/content/papers/pk-net-neutrality-whitep-20060206[34] heise online: IFPI zwingt israelische Provider, bestimmte P2P-Seiten zu sperren (heise.de,03.08.2007), 05.05.2008, URL: http://www.heise.de/newsticker/IFPI-zwingt-israelische-Provider-P2P-Seiten-zu-sperren--/meldung/104753[35] heise online: Arcor muss YouPorn sperren (heise.de, 19.10.2007), 06.05.2008, URL:http://www.heise.de/newsticker/Arcor-muss-YouPorn-sperren-Update--/meldung/97676[36] Netzzeitung.de: Google fürchtet Macht der US-Telefonfirmen (06.01.2006), 09.05.2008, URL:http://www.netzeitung.de/wirtschaft/unternehmen/376223.html[37] Fiete Stegers, tagesschau.de: Zweiklassen Internet: Schöner, schneller, teurer? (12.07.2006),08.05.2008, URL: http://www.tagesschau.de/ausland/meldung108320.html[38] Lawrence Lessig: Hearing on "Network Neutrality", Senate Committee on Commerce, Science andTransportation (07.02.2006), 01.05.2008, URL: http://commerce.senate.gov/pdf/lessig-020706.pdf[39] Golem.de: FCC ermittelt gegen Comcast wegen Blockade von Filesharing (09.01.2008), 12.05.2008, Seite 23/24
  • Daniel Haller Mai 2008NetzneutralitätURL: http://www.golem.de/0801/56916.html[40] heise online: China zensiert Begriffe wie "Herr Hu Jintao" auf Suchmaschinen (heise.de, 21.10.2007),11.05.2008, URL: http://www.heise.de/newsticker/China-zensiert-Begriffe-wie-Herr-Hu-Jintao-auf-Suchmaschinen--/meldung/97710[41] heise online: AT&T schneidet Bush-Kritik aus Konzertwebcast (heise.de, 09.08.2007), 13.05.2008,URL: http://www.heise.de/netze/AT-T-schneidet-Bush-Kritik-aus-Konzertwebcast--/news/meldung/94143[42] heise online: AT&T räumt Beschneiden weiterer Konzert-Webcasts ein (heise.de, 14.08.2007),13.05.2008, URL: http://www.heise.de/netze/AT-T-raeumt-Beschneiden-weiterer-Konzert-Webcasts-ein--/news/meldung/94344 Seite 24/24