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    20090628 ve+20 d-saner 20090628 ve+20 d-saner Document Transcript

    • DossierDemografische Alterung und Arbeitskräftemangel:Eine neue Landkarte der Migration?In Krisenzeiten und dem damiteinhergehenden Abbau zahl­reicher Arbeitsplätze ist es heikel,das Thema Arbeitskräftemangelauf das Tapet zu bringen. Das än­dert jedoch nichts an der Bedeu­tung des Themas, ist doch der Ar­beitskräftemangel in der Schweizauf allen Qualifikationsstufen jenach Branche beim nächsten Kon­junkturaufschwung wieder mehroder weniger ausgeprägt. Um die­sen Mangel auszugleichen, greiftdie Schweiz bisher hauptsächlichauf Arbeitskräfte aus der Euro­päischen Union (EU) zurück. Ausanderen Regionen kommen gene­ Die Anzahl der älteren Personen wird beträchtlich ansteigen, während der Anteil der aktiven Bevölkerung ab 2018 rück- läufig sein dürfte. Mit dem dannzumal in vielen Branchen fehlenden Nachwuchs droht einem ganzen Teil der Wirtschaftrell nur hoch qualifizierte Per­ das Fundament wegzubröckeln. Bild: Keystonesonen für eine Arbeitserlaubnis inder Schweiz in Frage. Angesichts der Zahlen des Bundesamtes für Statistik Alternde Bevölkerung und Arbeitsmarktder Perspektiven bezüglich (BFS) – illustriert werden. Die aktive Bevöl- Die demografische Alterung ist ein bei- kerung von 25–44 Jahren umfasst im JahrBerufsbildung und Alterung der spielloses Phänomen, das die Schweiz und 2007 rund 2,22 Mio. Personen. Bis ins JahrBevölkerung könnte sich in Zu­ seine europäischen Nachbarländer gleicher- 2030 dürfte diese Gruppe um rund 130 000 massen bedroht. Die Zahl der älteren Ein- auf 2,09 Mio. und bis 2050 um 280 000 (ge-kunft eine Lockerung der Be­ wohnerinnen und Einwohner unseres Landes genüber 2007) auf 1,94 Mio. Personenschränkungen für diesen Per­ wird sich beträchtlich erhöhen, während der schrumpfen. Die materielle Abhängigkeit der Anteil der aktiven Bevölkerung ab 2018 rück- älteren Personen von der aktiven Bevölke-sonenkreis aufdrängen. läufig sein dürfte. Das Ausmass dieser Ent- rung wird sich bis 2050 verdoppelt haben. wicklung kann anhand einer repräsentativen Abgesehen von den steigenden Kosten für die Stichprobe der aktiven Bevölkerung von Renten und die Gesundheitsversorgung 2007 und der mittleren Projektionen in die droht mit dem dannzumal in vielen Bran- Jahre 2030 und 2050 – unter Verwendung chen fehlenden Nachwuchs einem ganzen Teil der Wirtschaft das Fundament wegzu- bröckeln. In Zukunft werden Spezialisten mit Be-1 Die Autoren haben die aktive Bevölkerung anhand des rufsabschluss – neben den Personen in den Bildungsniveaus in Hochqualifizierte, Qualifizierte so- wie Unqualifizierte aufgeteilt. Diese Aufteilung ist ihrer hoch qualifizierten Tätigkeitsfeldern – auf Meinung nach am besten geeignet, um die Bedeutung dem Arbeitsmarkt besonders gefragt sein. der Facharbeiter auf dem schweizerischen Arbeitsmarkt hervorzuheben. Im Gegensatz dazu teilen einige Statis- Speziell im Sekundär- und Tertiärsektor be- tiken des BFS die aktive Bevölkerung in zehn grosse Be- Prof. Dr. Raymond Saner Nicolas Velebit steht eine grosse Nachfrage nach solchen rufsgruppen auf, die zudem als Indikatoren verwendet Titularprofessor an der MA in Internationalen werden können. Im Rahmen dieser Klassifikation sind qualifizierten Arbeitskräften. In der Regel Universität Basel, Lehr- Beziehungen, HEI Genf, die Kategorien Hochqualifizierte (höhere Kader, intel- beauftragter Sciences Po, Forschungsassistent handelt es sich um Absolventen der Sekun- lektuelle und wissenschaftliche Berufe) sowie Unqualifi- zierte viel weniger umfangreich als die Gruppen der Paris, Direktor Diplomacy am CSEND, Genf därstufe II, d.h. einer Berufslehre, eines Gym- handwerklichen Berufe, welche die qualifizierten Tätig- Dialogue, CSEND, Genf velebit@csend.org nasiums oder einer Fachmittelschule.1 In der keiten umfassen (intermediäre Berufe, Büroangestellte, saner@diplomacydia­ Schweiz hat die überwiegende Mehrzahl der Dienstleistungs- und Verkaufspersonal, Bauern, Hand- logue.org werker, Arbeiter, Kondukteure und Monteure). Arbeitnehmenden dieses Bildungsniveau. 57 Die Volkswirtschaft Das Magazin für Wirtschaftspolitik 5-2009
    • Dossier Grafik 1 Die zuständigen Schweizer Behörden sind Schweiz: Alterspyramide und Entwicklung gemäss statistischem Referenzszenario, 2007, 2030 und 2050 sich bewusst, dass ein Rückgang der Arbeits- kräfte mit Berufsbildung ein echtes Problem Pyramide 2007 darstellt. Sie betreiben einen entsprechend Bevölkerung 25-44 Jahre grossen Aufwand, um die Jugendlichen zu ei- Anzahl Personen Alter ner Berufsausbildung zu animieren. Die Kampagne berufsbildungplus.ch ist eine der Männer 95 Frauen Antworten auf das Problem. Trotz ermuti- 85 genden Resultaten in den letzten Jahren wird 75 bei der Berufsbildung in nächster Zukunft ein deutlicher Rückgang im Nettobestand zu 65 verzeichnen sein. Dieser Rückgang erklärt 55 sich teilweise auch durch schwindendes Inte- 45 resse seitens der Jugendlichen aufgrund ver- änderter Prestige- und Gehaltsvorstellungen. 35 Der demografische Faktor ist jedoch unwi- 25 derruflich. So dürfte sich im Jahr 2017 die 15 Anzahl der Absolventen im ersten Lehrjahr auf 71 000 einpendeln, gegenüber schät- 5 zungsweise 81 000 im Jahr 2008.2 80 000 60 000 40 000 20 000 20 000 40 000 60 000 80 000 Die Schweiz setzt heute – wie bereits in der Vergangenheit – auf ausländisches Perso- Pyramide am 31. Dezember 2030 nal, um den Mangel an Arbeitskräften auf Bevölkerung 25-44 Jahre dem einheimischen Arbeitsmarkt zu behe- Anzahl Personen Alter ben. Zurzeit beträgt die aktive Bevölkerung der Schweiz rund 4,23 Mio. Personen. Rund Männer 95 Frauen ein Viertel davon, also 927 000 Personen, sind 85 ausländische Niedergelassene. Aufgrund der 75 bestehenden Gesetzeslage stammen 85% die- ser Ausländer aus EU-Ländern.3 An erster 65 Stelle der Herkunftsländer steht Italien, ge- 55 folgt von Deutschland. 45 Zwei Drittel der Arbeitskräfte mit einer Berufsbildung auf Sekundärstufe II in der 35 Schweiz stammen aus der EU, ein Fünftel da- 25 von allein aus Italien. Allerdings ist Italien 15 auch das Land, das innerhalb Europas sowie weltweit am stärksten von der demogra- 5 fischen Alterung betroffen sein wird, gefolgt 80 000 60 000 40 000 20 000 20 000 40 000 60 000 80 000 von Deutschland. Auch andere wichtige Be- zugsländer für Fachkräfte – wie Spanien, Pyramide am 31. Dezember 2050 Portugal und die neuen EU-Länder – werden Bevölkerung 25-44 Jahre mit ihrem eigenen Problem der Alterung zu Anzahl Personen Alter kämpfen haben. Diese Länder werden somit die Schweiz nicht nachhaltig mit Arbeitskräf- Männer 95 Frauen ten versorgen können. 85 75 Abfederung der finanziellen und 65 wirtschaftlichen Folgen 55 Verlagerungen ins Ausland dienen den 45 Interessen der Unternehmen. Kleine und 35 mittlere Unternehmen (KMU) können dadurch ihre Wettbewerbsfähigkeit steigern. 25 Gewisse schweizerische Industriebtriebe hal- 15 ten Verlagerungen ins Ausland für ein Mittel, 5 um an billigere und schwerer verfügbare Arbeitskräfte zu kommen. Nach einer Viel- 80 000 60 000 40 000 20 000 20 000 40 000 60 000 80 000 zahl von privaten Initiativen seitens der Anmerkung: Gemäss BFS ist das Referenzszenario das Szenario «Mittel», das die Quelle: BFS (2009, 2006a) / Die Volkswirtschaft in den letzten Jahren beobachteten Entwicklungen fortschreibt und die nach Unternehmen und angesichts der Tatsache, dem Inkrafttreten des bilateralen Abkommens zum freien Personenverkehr dass das Angebot von Ausbildungsplätzen feststellbaren Tendenzen berücksichtigt. sowie die Nachfrage danach in den nächsten 58 Die Volkswirtschaft Das Magazin für Wirtschaftspolitik 5-2009
    • Dossier Grafik 2 Jahren abnehmen werden, sind die zustän- Beschäftigte Erwerbsbevölkerung (Schweizer und Ausländer) nach Bildungsniveau, 2008 digen Ämter – insbesondere das Bundesamt für Berufsbildung und Technologie (BBT) – Schweizer Ausländer aktiv geworden und unterstützen in Ent- wicklungsländern Berufsbildungsprojekte, Erwerbsbevölkerung in 10002000 die im Interesse der Schweizer Wirtschaft lie- gen.4 Allerdings greifen Schweizer Unterneh-1800 men bereits seit langem zum Mittel der Ver-1600 lagerungen; es ist unwahrscheinlich, dass die demografische Alterung auf diesem Weg ab-1400 gefedert werden kann. Auch wenn das Poten-1200 zial der Verlagerungen im Dienstleistungs- sektor noch nicht ausgeschöpft ist, können1000 viele Arbeitsplätze prinzipiell nicht ausgela- 800 gert werden. In jüngster Zeit wurde die Aus- bildung zu Fachmann/Fachfrau Gesundheit 600 zur langen Liste der Berufsbildungen in der 400 Schweiz hinzugefügt. Sie gehört zur Katego- rie der nicht marktbestimmten Dienstlei- 200 stungen, welche nur schwer ausgelagert wer- 0 den können. Gerade der Gesundheitsbereich Sekundärstufe I Sekundärstufe II Tertiärstufe sieht sich angesichts der zunehmenden Alte- Quelle : BFS / Die Volkswirtschaft rung der ansässigen Bevölkerung mit einer Knappheit an Fachkräften konfrontiert, wel- Grafik 3 che alle Bereiche des medizinischen Perso- nals, des Pflegepersonals sowie der Ärzte- Nationalität der ständigen ausländischen Wohnbevölkerung mit Ausbildungsniveau auf Sekundärstufe II, 2008 schaft betrifft. Die Reform des Rentensystems hatte zum in % Ziel, das Rentenalter hinauszuzögern und Deutschland 12.0 den Anteil der von der aktiven Bevölkerung 19.8 Frankreich abhängigen Älteren zu reduzieren. Die Ab- 4.5 lehnung der Vorlage vom Volk im Jahr 2004 Italien zeigt den Widerstand vieler Menschen und Österreich Unternehmen gegen eine Heraufsetzung des Spanien und Griechenland Rentenalters. Eine Neuauflage in den näch- 22.5 sten Jahren scheint unwahrscheinlich. Falls Portugal 23.0 eine Reform des Rentensystems wirklich an- Westbalkan genommen wird, so dürfte sie kaum so aus- Übrige gestaltet sein, dass sie den Arbeitsmarkt 2.7 6.1 wirksam zu beeinflussen und die astrono- 9.4 mischen Kosten für Renten und Gesundheit Quelle : BFS / Die Volkswirtschaft herunterzuschrauben vermag. Es wäre generell sinnvoll, gegen den wie- derkehrenden Arbeitskräftemangel dauerhaft wirksame Massnahmen zu ergreifen. Damit hätte die Schweiz ein Mittel, um die Verände- rungen von Nachfrage und Angebot zu anti- zipieren. Heute existiert keine systematische Studie zum Thema Arbeitskräftemangel oder -überschuss nach Wirtschaftsbranchen oder Berufen in der Schweiz, da für eine verläss- liche Studie dieser Art eine Vielzahl von Pa- 2 Vgl. BFS (2008), S. 24. rametern berücksichtigt werden müsste.5 3 Die bilateralen Verträge der Schweiz über den freien Personenverkehr mit der EU begünstigen den Zugang von Arbeitskräften aus der EU gegenüber Arbeitskräften aus Nicht-EU-Ländern. 4 Die Handelskammer Schweiz-Indien und das BBT haben zum Beispiel im Jahr 2007 eine gemeinsame Initiative lanciert mit dem Ziel, Demografische Alterung und in Indien ein Berufsbildungssystem zu etablieren, das die Verlagerung eines Teils der Produktion der Maschinen- und Metallindustrie erlauben könnte. Dieses System bietet indischen Arbeitskräften eine Ausbildungschance und garantiert schweizerischen KMU im Migration von Arbeit Gegenzug die Möglichkeit, qualifizierte und billige Arbeitskräfte zu rekrutieren (vgl. Oberson 2008, S. 13–16). Die Auswirkungen der Alterung der Be- 5 Gemäss Prof. Yves Flückiger des Arbeitsobservatoriums der Universität Genf fehlen heute die Daten zur Durchführung einer solchen Studie. Überdies hat das angebotene Lohnniveau einen entscheidenden Einfluss auf den zu einem gegebenen Zeitpunkt festgestellten völkerung auf die Migrationsbewegungen Arbeitskräftemangel oder -überschuss. Denn dieser kann mehr oder weniger schnell resorbiert werden, je nach Dauer der zur Erlan- zwischen der Schweiz und Drittländern wur- gung eines Berufs notwendigen Ausbildung oder der sektoriellen Mobilität, die wiederum vom verlangten Ausbildungsniveau sowie von der Neuorientierungsfähigkeit der arbeitslosen Personen abhängt. Letztere wird von den Berufstätigen in der Beurteilung einer den bisher noch wenig untersucht. Für die Mangelsituation in ihrer Branche oft vergessen. Behörden scheint jedoch die Migration von 59 Die Volkswirtschaft Das Magazin für Wirtschaftspolitik 5-2009
    • Dossier Kasten 1 Arbeitskräften kein prioritäres Instrument des Nordens ergeben. Tatsache ist, dass diese zur Bekämpfung der Alterung zu sein. Die Programme erst am Anfang stehen und dass Bibliografie Projektionen des BFS setzen den Migrations- sie stellvertretend für eine neue Tendenz in – Bonoli Giuliano (2007), Politiques sociale, saldo auf dem Niveau des Durchschnitts der der Migration nach Europa sind. Angesichts Immigration et natalité: Pourrons-nous letzten zehn Jahre fest, d.h. bei 0,3%, was der demografischen Alterung in den Indus- éviter le Krach démographique?, in: Chap- einer Einwanderung von 20 000 Personen trieländern bekräftigt die UNO, dass der Mi- pelet Jean-Loup, Contributions à l’action pro Jahr entspricht. Zum Vergleich: Projekti- gration als Ersatz fehlender Arbeitskräfte publique, Lausanne, IDHEAP, S. 1–12. – Direktion für Wirtschaftspolitik (2007), onen in Italien und Deutschland rechnen mit durch aussereuropäische Arbeitnehmende in Outsourcing, Produktionsstruktur und einem jährlichen Bedarf an Einwanderern den nächsten Jahrzehnten eine positive und Wertschöpfungsquote, in: Konjunkturten- von 6500 bzw. 6000 pro Mio. Einwohner, um entscheidende Rolle für die betroffenen Län- denzen, Bern, SECO, Sommer. – Djajic Slobodan (2008), Reforming the den Bevölkerungsrückgang aufhalten zu der zukommt. System of International Migration, können.6 Die schweizerischen Projektionen Genève, The Graduate Institute of Inter- scheinen vergleichsweise bescheiden.7 Man national Relations and Development,. Fazit fragt sich, ob diese Zahlen verschiedenen – Oberson José (2008), Swiss-Indian Voca- tional Education and Training Initiative – Einflussgrössen – wie z.B. der Auswanderung Zahlreiche schweizerische Unternehmen A Public-Private Partnership Project, – genügend Rechnung tragen und die zu- haben heute Mühe, geeignete Fachkräfte zu Newsletter of the Swiss-Indian Chamber of künftigen Bedürfnisse des Arbeitsmarktes rekrutieren – ein Problem, das sich im Lauf Commerce (SICC), November–Dezember, tatsächlich reflektieren. In jedem Fall gehen der nächsten Jahrzehnte noch verstärken Zürich, S. 13–16. – Fibbi Rosita (2008), Politique d’asile et die Prognosen aufgrund der ökonomischen wird. Eine Vielzahl von Massnahmen wurde questions migratoires, in: Annuaire suisse Konvergenzen von einem Rückgang der stän- bereits gegen dieses Ungleichgewicht ergrif- de politique de développement, Faits et digen ausländischen Wohnbevölkerung mit fen. Eines der schnellsten und wirksamsten statistiques, Genf, Institut de hautes étu- Herkunftsländern in der EU aus, während Gegenmittel ist, auf ausländische Arbeits- des internationales et du développement, Bd. 27, Nr. 1, S. 197–217). gemäss denselben Statistiken die Einwande- kräfte zurückzugreifen. Die schweizerische – BFS (2006a), Szenarien zur Bevölkerungs- rung aus Drittländern gleich bleiben sollte. Wirtschaft ist sich dessen schon heute voll entwicklung 2005–2050, Bundesamt für Der Rückgang von Arbeitskräften aus der EU bewusst. Die Behörden setzen hingegen vor Statistik, Neuenburg. wird demnach einen beträchtlichen Verlust allem auf das Ausschöpfen der Arbeitsbeteili- – Bundesamt für Statistik (2006b), Bevölke- rungswachstum und demografische Alte- an qualifizierten Arbeitskräften zur Folge ha- gung der Bevölkerung. Zudem ist das Zulas- rung: ein Blick in die Zukunft. Hypothesen ben, wenn die Schweiz ihre restriktive Politik sungssystem für ausländische Arbeitskräfte und Ergebnisse der Bevölkerungsszenarien gegenüber Fachkräften aus Nicht-EU-Län- nur ungenügend auf die Nachfrage nach für die Schweiz 2005–2050, Neuenburg. – BFS (2008), Bildungsperspektiven. Szena- dern beibehält. Fachkräften ausgerichtet. Die demografische rien 2008–2017 für die Sekundarstufe II, Langfristig dürften die Alterung der Be- Alterung in den Industrieländern wird die Bundesamt für Statistik, Neuenburg,. völkerung in den Industrieländern, das ra- internationalen Migrationsströme gravie- – UNO (2001), Replacement Migration: Is It sante Bevölkerungswachstum in den Ent- rend verstärken und verändern. Davon wird a Solution to Declining and Ageing Popu- lations?, New York, Economic and Social wicklungsländern und die fortschreitende auch die Schweiz nicht verschont bleiben. Council (Ecosoc). Globalisierung eine beträchtliche Verstär- Ein Einwanderungssystem, das aussereuro- – Sheldon George (2008), Die Rolle der Be- kung der internationalen Migrationsströme päische Fachkräfte ausschliesst, dürfte aus rufsbildung in der Bekämpfung des Fach- bewirken. Verschiedene Industrieländer pro- diesen Gründen nur schwer zu halten sein. kräftemangels, Schlussbericht zu einem Auftrag des Bundesamtes für Berufsbil- fitieren bereits vom fast unerschöpflichen Zwar ist die Einwanderung weder die einzige dung und Technologie (BBT) an die For- Reservoir an Arbeitskräften der Entwick- Lösung, noch ist sie als völlig problemlos zu schungsstelle für Arbeitsmarkt- und Indus- lungsländer. So hat etwa Kanada bereits früh- betrachten. Das Ausmass des durch die de- trieökonomik (FAI) der Universität Basel. zeitig Verträge mit Ländern wie Mexiko oder mografische Alterung verstärkten Arbeits- – Sutherland James (2008), Programme des travailleurs étrangers temporaires, Sémi- den Philippinen abgeschlossen und immer marktungleichgewichts könnte jedoch die naire de recherche stratégique sur la mi- weiter ausgebaut, um der steigenden Nach- schweizerischen Behörden davon überzeu- gration temporaire, Ottawa, Ressources frage nach Fachkräften zu begegnen. Die en- gen, neue Modelle in der Einwanderungs- humaines et Développement des com- ge Zusammenarbeit mit den Herkunftslän- politik vorurteilsfrei zu prüfen. m pétences Canada. – Thom N., Moser R. et Egger M. (2008), dern garantiert, dass die Stakeholder ihre Arbeitsfähigkeit und Integration älterer Verpflichtungen auch einhalten (Rückkehr Arbeitskräfte in der Schweiz – Datenlage in die Herkunftsländer, Arbeitsbedingungen und Implikationen, in: Die Volkswirtschaft 1/2, S. 67–70. in den Gastländern etc.).8 Auch in Europa greifen Länder wie Spanien oder Frankreich immer mehr auf Arbeitskräfte aus Ländern des Südens zurück, die sie den Bedürfnissen ihrer Wirtschaft entsprechend ausbilden. Da- mit können diese Länder auf effiziente Weise die Befriedigung ihrer Nachfrage nach Ar- 6 Vgl. UNO (2001). beitskräften mit dem Kampf gegen illegale 7 Für das mittlere Szenario prognostizieren die Statistiken einen Höchststand von 8,2 Mio. Personen im Jahr 2036 Einwanderung verbinden. Gewisse Kreise se- und einen anschliessenden Bevölkerungsrückgang. Mit hen in diesen Praktiken eine Instrumentali- dieser Bevölkerungszahl hätte die Schweiz also einen Bedarf an 2400 Einwanderern pro Mio. Einwohner. Das sierung der Entwicklungszusammenarbeit; entspricht einem um den Faktor 2,7 tieferen Wert als andere betonen hingegen die neuen Ent- derjenige, der von der UNO für Italien berechnet wurde (vgl. BFS 2006b, S. 7). wicklungsperspektiven, welche sich daraus 8 Vgl. Djajic (2008), S. 12–13. sowohl für die Länder des Südens wie auch 60 Die Volkswirtschaft Das Magazin für Wirtschaftspolitik 5-2009
    • Note: This publication has been made available by CSEND.org with the agrement of the author. The Centre for Socio-Eco-Nomic Development (CSEND) aims atpromoting equitable, sustainable and integrated development through dialogue andinstitutional learning.Diplomacy Dialogue is a branch of the Centre for Socio-Eco-Nomic Development(CSEND), a non-profit R&D organization based in Geneva, Switzerland since 1993.