Sprache und Identität
Webinar am 26.11.2013
Prof. Dr.Nina Janich

Ich spreche, also bin ich ... ich?

Webinar „Sprache und...
Was heißt „Identität“?
 Wechselspiel von Abgrenzung und Solidarität:
wer/was bin ich – und wer/was bin ich nicht?
 Viels...
Was heißt „Identität“?
„Während persönliche Identität so etwas wie die
Kontinuität des Ich in der Folge der wechselnden
Zu...
„Identität“ und Spracherwerb
Ich spreche, also bin ich!
Objektpermanenz und vernünftiges Ich-Bewusstsein
kooperatives Ha...
„Identität“ und Muttersprache
In der BRD sind wir Gastarbeiter, Ausländer, noch
schlimmer: die Türken. In den Heimatländer...
„Identität“ und Muttersprache
Ich spreche Deutsch und X,
also bin ich Deutsche ... oder X?
 Territoriale Mehrsprachigkeit...
„Identität“ und Muttersprache
Ich spreche Deutsch und X,
also bin ich Deutsche ... oder X?
 freiwillige und unfreiwillige...
„Identität“ und Muttersprache
Anders gewendet:
Lommer bäde, sagte die Großmutter, und bekreuzigte sich.
Kumm, Herr Jesus, ...
„Identität“ und Muttersprache
Ich spreche Dialekt,
also bin ich keinesfalls was Besseres?
 Standardsprache: überregional,...
„Identität“ und Muttersprache
Ich spreche Dialekt,
also bin ich keinesfalls was Besseres?
Nord-Süd-Gefälle in Deutschland:...
„Identität“ und Muttersprache
Ich spreche Dialekt,
also bin ich keinesfalls was Besseres?
Hanni, sagte ich und zupfte die ...
„Identität“ und Gruppe
Geschlecht
Alter

Identität
Religion

Familie/
Bildungsschicht
Ausbildung/Beruf

Hobbies und Intere...
„Identität“ und Alter
Bottel kam auf meinem Rad und hielt mit quietschenden
Reifen direkt vor meinen Füßen. „Scheiße, Mann...
„Identität“ und Alter
Ich spreche „Jugendsprache“, also bin ich cool?
 transitorische Varietät: Spracherwerbsphase mit
Sp...
„Identität“ und Geschlecht
die Quasselstrippe
das Klatschweib
die Plaudertasche
die Tratschtante
die zänkische Alte
das st...
„Identität“ und Geschlecht
Ich spreche mehr, also bin ich eine Frau?
Ich spreche kooperativer, also bin ich eine Frau?
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„Identität“ und Profession
ich hatte das gefühl, (...) dass es tendenzen gab
seitens politikwissenschaftler1 und auch seit...
„Identität“ und Profession
Ich spreche Fachsprache, also bin ich Profi!
Funktionale Eigenschaften von Fachsprachen:
 Deut...
„Identität“ und Profession
Ich spreche Fachsprache, also bin ich Profi!
...Identitätsstiftung:
 Prestige von Fachsprachen...
Ich ... und die anderen
„Das oberste Interaktionsprinzip ist die Orientierung
des Sprechers am jeweiligen Hörer [...]. Der...
Ich ... und die anderen
Ich ... = multiple und dynamische Identität

Individualstil vs. Kooperationsprinzip
... und die an...
Literatur
Eichhoff-Cyrus, Karin M. (Hrsg.) (2004): Adam, Eva und die Sprache. Beiträge zur
Geschlechterforschung, Mannheim...
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Webinar sprache identitaet_2013_nov

  1. 1. Sprache und Identität Webinar am 26.11.2013 Prof. Dr.Nina Janich Ich spreche, also bin ich ... ich? Webinar „Sprache und Identität“ 26.11.2013 | Prof. Dr. Nina Janich | TU Darmstadt
  2. 2. Was heißt „Identität“?  Wechselspiel von Abgrenzung und Solidarität: wer/was bin ich – und wer/was bin ich nicht?  Vielschichtigkeit statt Einheitlichkeit: offene und dynamische Verbindung zu mehreren Bezugssystemen  Gleichgewicht zwischen Kontinuität und Veränderung: wird erworben und mit anderen ausgehandelt, angestrebt und erwartet, erfolgreich behauptet oder zerstört Webinar „Sprache und Identität“ 26.11.2013 | Prof. Dr. Nina Janich | TU Darmstadt
  3. 3. Was heißt „Identität“? „Während persönliche Identität so etwas wie die Kontinuität des Ich in der Folge der wechselnden Zustände der Lebensgeschichte garantiert, wahrt soziale Identität die Einheit in der Mannigfaltigkeit verschiedener Rollensysteme, die zur gleichen Zeit ,gekonnt’ sein müssen.“ (Krappmann 2000: 9) Webinar „Sprache und Identität“ 26.11.2013 | Prof. Dr. Nina Janich | TU Darmstadt
  4. 4. „Identität“ und Spracherwerb Ich spreche, also bin ich! Objektpermanenz und vernünftiges Ich-Bewusstsein kooperatives Handeln vs. strategisches Handeln Fundamentale Verfahren beim Sprechen: Referentialisierung – Alterisierung – Finalisierung (Schlieben-Lange 1983: 13-25, Völzing 1982) Webinar „Sprache und Identität“ 26.11.2013 | Prof. Dr. Nina Janich | TU Darmstadt
  5. 5. „Identität“ und Muttersprache In der BRD sind wir Gastarbeiter, Ausländer, noch schlimmer: die Türken. In den Heimatländern sind wir Deutschländer, die Alamannen, noch schlimmer: die Kapitalisten. Unsere Sprachen setzen sich aus mehreren Sprachen zusammen. Wir reden gemischt. (...) Wir sind in keiner Sprache mehr zuhaus. Wir sind auf der vergeblichen Suche nach der Antwort, wer wir eigentlich sind. Dabei ist unsere Angst, die eigene Sprache zu verlieren, genauso groß wie die Angst, eingedeutscht zu werden. (zitiert nach Oppenrieder/Thurmair 2003: 49 aus Ackermann „In zwei Sprachen leben“) Webinar „Sprache und Identität“ 26.11.2013 | Prof. Dr. Nina Janich | TU Darmstadt
  6. 6. „Identität“ und Muttersprache Ich spreche Deutsch und X, also bin ich Deutsche ... oder X?  Territoriale Mehrsprachigkeit (z.B. Schweiz)  Kollektive Mehrsprachigkeit (z.B. deutsche Sorben)  Individuelle Mehrsprachigkeit  Minderheiten vs. Migranten Webinar „Sprache und Identität“ 26.11.2013 | Prof. Dr. Nina Janich | TU Darmstadt
  7. 7. „Identität“ und Muttersprache Ich spreche Deutsch und X, also bin ich Deutsche ... oder X?  freiwillige und unfreiwillige Mehrsprachigkeit  Sprachenwahl und Sprachenabwahl  identitätsstiftende vs. identitätsbedrohende Mehrsprachigkeit (vs. Sprachkontakt) Webinar „Sprache und Identität“ 26.11.2013 | Prof. Dr. Nina Janich | TU Darmstadt
  8. 8. „Identität“ und Muttersprache Anders gewendet: Lommer bäde, sagte die Großmutter, und bekreuzigte sich. Kumm, Herr Jesus, sei unser Jast un seschne wat de uns bescheret has. Ich betete mit. In meinem reinen Hochdeutsch war Jesus unser Gast und segne, was du uns bescheret hast. Amen. Der Vater sah mich an. Wat sull dat? Das ist richtig, sagte ich. Ach, nä, äffte er. Dat es reschtesch, un wie mer kalle, dat es nit rechschtesch. Nein, sagte ich. (...) Wat denks de ejentlich, wer de bes! Denks de, dat de jet Besseres bes? Denk jo nit, dat de jet Besseres bes. Janix bes de, janix! (...) Ich verstummte nicht. Aber sprechen, wir mir der Schnabel gewachsen war, konnte ich nur noch auf dem Papier. (Ulla Hahn: Das verborgene Wort, S. 175f.) Webinar „Sprache und Identität“ 26.11.2013 | Prof. Dr. Nina Janich | TU Darmstadt
  9. 9. „Identität“ und Muttersprache Ich spreche Dialekt, also bin ich keinesfalls was Besseres?  Standardsprache: überregional, schriftlich fixiert, in der Schule erworben, (normiert), prestigebesetzt  Dialekt: areal definierte Varietät (oft außersprachlich beeinflusst), Erstsprache, oft sozial konnotiert Webinar „Sprache und Identität“ 26.11.2013 | Prof. Dr. Nina Janich | TU Darmstadt
  10. 10. „Identität“ und Muttersprache Ich spreche Dialekt, also bin ich keinesfalls was Besseres? Nord-Süd-Gefälle in Deutschland:  Bayern: 75% im Privaten, 50% bei der Arbeit  Norddeutschland: 50% in der Familie, 30% bei der Arbeit Webinar „Sprache und Identität“ 26.11.2013 | Prof. Dr. Nina Janich | TU Darmstadt
  11. 11. „Identität“ und Muttersprache Ich spreche Dialekt, also bin ich keinesfalls was Besseres? Hanni, sagte ich und zupfte die Cousine am Ärmel. Isch weiß wat. Ich hatte mir angewöhnt, mit Eltern, Verwandten und Nachbarn eine unbestimmte Mischung aus Kölsch und Hochdeutsch zu sprechen. Kölsch für Belangloses, Hochdeutsch fürs Wichtige. Reines Hochdeutsch für den Widerspruch. (Ulla Hahn: Das verborgene Wort, S. 197) Webinar „Sprache und Identität“ 26.11.2013 | Prof. Dr. Nina Janich | TU Darmstadt
  12. 12. „Identität“ und Gruppe Geschlecht Alter Identität Religion Familie/ Bildungsschicht Ausbildung/Beruf Hobbies und Interessen, politische Haltung etc. Webinar „Sprache und Identität“ 26.11.2013 | Prof. Dr. Nina Janich | TU Darmstadt
  13. 13. „Identität“ und Alter Bottel kam auf meinem Rad und hielt mit quietschenden Reifen direkt vor meinen Füßen. „Scheiße, Mann!“, sagte er. „Ich hab ewig gebraucht, um meinen Alten abzuhängen.“ „Meinen Alten“, sagte ich. Bottel nickte. „Die Kacke ist am Dampfen“, sagte er. „Sie glauben, ich hab völlig abgedreht, weil ich dem Psycho-Daddy, zu dem sie mich geschleift haben, die Wahrheit erzählt habe, und das Schwein hat gepetzt.“ „Du redest nicht wie ein Prinz, Bottel“, sagte ich. Ich versuchte mir vorzustellen, was Momma zu seiner Ausdrucksweise gesagt hätte. (Kirsten Boie: Der Prinz und der Bottelknabe, S. 213) Webinar „Sprache und Identität“ 26.11.2013 | Prof. Dr. Nina Janich | TU Darmstadt
  14. 14. „Identität“ und Alter Ich spreche „Jugendsprache“, also bin ich cool?  transitorische Varietät: Spracherwerbsphase mit Sprachspielen (bricolage), Medienverarbeitung und Expressivität (z.B. lästern)  Sprechstile in peer groups: Gruppenidentität  Abgrenzung, ggf. Protest Webinar „Sprache und Identität“ 26.11.2013 | Prof. Dr. Nina Janich | TU Darmstadt
  15. 15. „Identität“ und Geschlecht die Quasselstrippe das Klatschweib die Plaudertasche die Tratschtante die zänkische Alte das stille Mäuschen Webinar „Sprache und Identität“ 26.11.2013 | Prof. Dr. Nina Janich | TU Darmstadt
  16. 16. „Identität“ und Geschlecht Ich spreche mehr, also bin ich eine Frau? Ich spreche kooperativer, also bin ich eine Frau?  Stereotype über weibliches Gesprächsverhalten (schlechter, besser/standardnäher, kooperativer, mehr, weniger)  Sexus vs. Gender Webinar „Sprache und Identität“ 26.11.2013 | Prof. Dr. Nina Janich | TU Darmstadt
  17. 17. „Identität“ und Profession ich hatte das gefühl, (...) dass es tendenzen gab seitens politikwissenschaftler1 und auch seitens von politikwissenschaftler2, es tendenzen gab der abgrenzung zu sagen: wir machen politikwissenschaft, wir sind die experten von politikwissenschaft, es gibt ein begriffssystem, dieses begriffssystem ist konstitutiv und ihr seid die physiker. ich war ... physiker2 und ich gewissermaßen wurden dann eher in die physiker-schublade gesteckt (aus einem Interview mit einem Physiker über interdiszipl. Kooperation) Webinar „Sprache und Identität“ 26.11.2013 | Prof. Dr. Nina Janich | TU Darmstadt
  18. 18. „Identität“ und Profession Ich spreche Fachsprache, also bin ich Profi! Funktionale Eigenschaften von Fachsprachen:  Deutlichkeit  Verständlichkeit  Ökonomie  Anonymität aber auch: ... Webinar „Sprache und Identität“ 26.11.2013 | Prof. Dr. Nina Janich | TU Darmstadt (Roelcke 1999: 28)
  19. 19. „Identität“ und Profession Ich spreche Fachsprache, also bin ich Profi! ...Identitätsstiftung:  Prestige von Fachsprachen nach außen  Stiftung und Sicherung von Gruppenidentitäten nach innen (z.B. scientific community, Handwerkergilden) Webinar „Sprache und Identität“ 26.11.2013 | Prof. Dr. Nina Janich | TU Darmstadt
  20. 20. Ich ... und die anderen „Das oberste Interaktionsprinzip ist die Orientierung des Sprechers am jeweiligen Hörer [...]. Der Sprechstil eines Sprechers ist ein Zeichen dafür, wie er seine Beziehung zum Hörer definiert. Durch seine Sprache will er ein Bild von sich vermitteln und die Einschätzung seiner Person durch den (die) Hörer in seinem Sinne beeinflussen.“ (Last 1989: 50f) Webinar „Sprache und Identität“ 26.11.2013 | Prof. Dr. Nina Janich | TU Darmstadt
  21. 21. Ich ... und die anderen Ich ... = multiple und dynamische Identität Individualstil vs. Kooperationsprinzip ... und die anderen = Image/Fremdbild Webinar „Sprache und Identität“ 26.11.2013 | Prof. Dr. Nina Janich | TU Darmstadt
  22. 22. Literatur Eichhoff-Cyrus, Karin M. (Hrsg.) (2004): Adam, Eva und die Sprache. Beiträge zur Geschlechterforschung, Mannheim u.a. Janich, Nina/Thim-Mabrey, Christiane (Hrsg.) (2003): Sprachidentität – Identität durch Sprache, Tübingen. Darin besonders Beiträge von Oppenrieder/Thurmair (Mehrsprachigkeit), Eroms (Dialekt in der Literatur) Krappmann, Lothar (1987): Identität, in: Ammon, Ulrich/ Dittmar, Norbert/ Mattheier, Klaus J. (Hrsg.) (1987): Soziolinguistik. Ein internationales Handbuch zur Wissenschaft von Sprache und Gesellschaft, Bd. 2, Berlin/ New York, 132-139. Kresic, Marijana (2006): Sprache, Sprechen und Identität. Studien zur sprachlich-medialen Konstruktion des Selbst. München. Last, Annette (1989): „Heiße Dosen“ und „Schlammziegen“ – Ist das Jugendsprache?, in: Osnabrücker Beiträge zur Sprachtheorie 41, 35-68. Roelcke, Torsten (1999): Fachsprachen, Berlin (= Grundlagen der Germanistik 37). Schlieben-Lange, Brigitte (1983): Traditionen des Sprechens. Elemente einer pragmatischen Sprachgeschichtsschreibung, Stuttgart u.a Völzing, Paul-Ludwig (1982): Kinder argumentieren. Die Ontogenese argumentativer Fähigkeiten, Paderborn u.a. (= Informationen zur Sprach- und Literaturdidaktik 36). Webinar „Sprache und Identität“ 26.11.2013 | Prof. Dr. Nina Janich | TU Darmstadt

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