Ist JavaScript das neue Latein? Warum und welche Informatik in die Schule gehört

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Vortrag am 30-Jahres-Jubiläum der Schweizer Informatik Gesellschaft, 25.06.2013

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Ist JavaScript das neue Latein? Warum und welche Informatik in die Schule gehört

  1. 1. Prof. Dr. Beat Döbeli Honegger doebe.li/talks/si30 Ist JavaScript das neue Latein? Warum und welche Informatik in die Schule gehört
  2. 2. Früher war das Weltwissen in einem Buch zu finden...
  3. 3. Früher war das Weltwissen in einem Buch zu finden,... ... das ist auch heute noch so.
  4. 4. #Neuland?
  5. 5. Worüber wir uns einig sind: 1. Informatik ist die Leitwissenschaft der Informationsgesellschaft. 2. Informatik gehört zur Allgemeinbildung. 3. Informatische Themen sind in der Schule unterrepräsentiert.
  6. 6. Programmieren gehört zur Allgemeinbildung! doebe.li/f114 doebe.li/t14176 doebe.li/b4175
  7. 7. Programmieren gehört zur Allgemeinbildung! doebe.li/f114 doebe.li/t14176 doebe.li/b4175
  8. 8. JavaScript ist das neue Latein! Latein JavaScript doebe.li/a1160
  9. 9. JavaScript? «Mit der ersten Sprache erlernt man nicht nur ein Vokabular und eine Grammatik, sondern man erschliesst sich eine Gedankenwelt.» (1972) Niklaus Wirth doebe.li/b406
  10. 10. Programmieren ist das neue Latein! Latein JavaScript Programmieren
  11. 11. Programmieren? «Programming is used to implement algorithms on computers. While programming is a central activity in computer science, it is only a tool that provides a window into a much richer academic and professional field. That is, programming is to the study of computer science as literacy is to the study of literature.» http://doebe.li/b1669
  12. 12. Informatik ist mehr als Programmieren! doebe.li/a1157
  13. 13. Informatik ist das neue Latein! Latein JavaScript Programmieren Informatik
  14. 14. Warum Latein? Informatik ist das neue Latein? http://www.latigrec.ch/wieso/antworten
  15. 15. Warum Latein? Prof. Dr Carl August Zehnder Unsere Gesellschaft erlebt gegenwärtig eine gewaltige Entwicklung der computergestützten Informationstechnik (offene, weltweite Datennetze, Multimedia, virtuelle Welten). Dabei bildet die Erarbeitung klarer Begriffe in präziser Sprache eine notwendige Voraussetzung, um beruflich an der Front der Entwicklung in Forschung und Praxis tätig zu sein. Dies gilt auch in modernen Hightech-Bereichen und bei der Formulierung von Texten in der äusserst flexiblen englischen Sprache. Gelernt habe ich diese Präzision anhand von alten Sprachen, deren Sprachmechanik sich genau beobachten lässt: Latein und Griechisch. http://www.latigrec.ch/wieso/antworten/antwort3.php
  16. 16. Warum Latein? I. Latinum Viele Studiengänge der Phil I-Fakultäten in der Schweiz verlangen obligatorisch einen Abschluss in Latein, manche in Griechisch. Viele junge Leute, die das zu spät erkennen, müssen an der Universität zusätzlich zur Belastung des Studiums den Lateinabschluss nachholen. Sie verlieren dabei oft ein Jahr oder müssen sogar die Studienrichtung wechseln. Zudem entstehen der Universität dadurch enorme Kosten. http://www.latigrec.ch/wieso/antworten/antwort1.php
  17. 17. Darum Informatik! 1. Wissenschafts-Argument Informatik hat Simulation als dritte wissenschaftliche Methode neben Theorie und Experiment hervorgebracht.
  18. 18. Warum Latein? II. Kenntnis antiker Kultur Wer Latein oder Griechisch lernt, trifft bei der Lektüre der antiken Texte auf Themen aus den Bereichen Philosophie, Rhetorik, Politik und Theater. Das ist nicht nur spannend und faszinierend, es macht auch Freude, diese neuen Dinge kennen zu lernen - und für viele spätere Tätigkeiten in Beruf, Kultur, öffentlichem und privatem Leben ist diese Kenntnis überaus nützlich. http://www.latigrec.ch/wieso/antworten/antwort6.php
  19. 19. Darum Informatik! 2. Welterklärungsargument Um die heutige Informationsgesellschaft verstehen und erklären zu können, sind Informatikkenntnisse notwendig.
  20. 20. Warum Latein? III. Lateinische Fachbegriffe Zwar haben die meisten Fakultäten an der Universitäten das Lateinobligatorium abgeschafft. Aber ein Blick in das Fachvokabular der Medizin, (auch der Naturwissenschaften und der Jurisprudenz) zeigt, dass ohne Latein- und sogar Griechischkenntnisse ein Auswendiglernen von vermeintlich sinnlosen Begriffen notwendig ist. http://www.latigrec.ch/wieso/antworten/antwort2.php
  21. 21. Darum Informatik! 3. Konzeptwissenargument Wer Konzepte der Informatik begriffen hat, wird mit dem fortwährenden Produktewandel weniger Mühe haben.
  22. 22. Warum Latein? IV. Grundlagensprache Latein ist sowohl im Wortschatz als auch in der Struktur die Basis der meisten für uns relevanten modernen Sprachen. Das gilt natürlich besonders für die romanischen (Französisch, Italienisch, Spanisch, Portugiesisch). Und selbst in Englisch sind 50-60% aller Substantive, Adjektive und Verben lateinischen Ursprungs. Mit der Kenntnis der lateinischen Sprache fällt es daher leichter, Sprachen zu lernen. http://www.latigrec.ch/wieso/antworten/antwort4.php
  23. 23. Warum Latein? IV. Grundlagensprache Latein ist sowohl im Wortschatz als auch in der Struktur die Basis der meisten für uns relevanten modernen Sprachen. Das gilt natürlich besonders für die romanischen (Französisch, Italienisch, Spanisch, Portugiesisch). Und selbst in Englisch sind 50-60% aller Substantive, Adjektive und Verben lateinischen Ursprungs. Latein als Hilfe in anderen Fächern http://www.latigrec.ch/wieso/antworten/antwort4.php
  24. 24. Darum Informatik! 4. Computer als SchülerIn Mit der Informatik können SchülerInnen mathematische und physikalische Probleme beschreiben, explorieren und lösen.
  25. 25. Darum Informatik! 4. Computer als SchülerIn Mit der Informatik können SchülerInnen mathematische und physikalische Probleme beschreiben, explorieren und lösen. Informatik als Hilfe in anderen Fächern
  26. 26. Warum Latein? V. Problemlösekompetenz Das Lernen von Alten Sprachen fördert Eigenschaften, die für andere Schulfächer, das Studium und für den späteren Beruf wichtig sein können. Die Rede ist von der Analyse eines Problems, das zum Zweck der Übersichtlichkeit in seine Bestandteile zerlegt und nach der Klärung der einzelnen Komponenten wieder zu einem Ganzen zusammengefügt wird. http://www.latigrec.ch/wieso/antworten/antwort3.php
  27. 27. Warum Latein? V. Prof. Dr. Ralph Eichler ETH-Präsident Problemlösekompetenz "Mein Befund ist überraschend: Wer durch die erste Zwischenprüfung fällt, kann sich sprachlich zu wenig präzise ausdrücken. Das ist entscheidend, weil in den Naturwissenschaften - sicher viel stärker als in der Literatur - jedes Wort eine genaue Bedeutung hat. Dieses Textverständnis lernt man im Gymnasium in der Mathematik und den alten Sprachen. Wer Latein oder Griechisch hatte, ist oft auch an der ETH gut. Deshalb muss die nächste Maturareform die Kompetenz einer exakten Sprache stärker gewichten." http://www.latigrec.ch/wieso/antworten/antwort3.php
  28. 28. Darum Informatik! 5. Problemlöseargument Grundkonzepte der Informatik sind hilfreich beim analytischen Denken und Lösen von Problemen über die Informatik hinaus. «Die allgemeine Studierfähigkeit sowie die Fähigkeit zum Lösen anspruchsvoller Aufgaben der Gesellschaft setzen allgemeine kognitive Fähigkeiten voraus, so exaktes logisches Denken, konstruktive Lösungssuche, präzise Kommunikation, projektbezogenes Arbeiten, besonders auch im Team. Die Informatik bietet dazu Elemente an, welche die Erlangung dieser Kompetenzen in besonderem Masse fördern können.» (S.25)
  29. 29. Transfereffekte? Latein: begrenzt Informatik: offen Haag, L. & Stern, E. (2000). Non scholae sed vitae discimus? Zeitschrift für Pädagogische Psychologie 14, 146-157 Pea, R. & Kurland, D. (1984) On the cognitive effects of learning computer programming New Ideas Psychol. Vol. 2 No. 2 pp. 137-168 Haag, L. & Stern, E. (2003). In Search of the Benefits of Learning Latin Journal of Educational Psychology, 95, 174–178. VanLengen, C. A. & Maddux, C. (1990). Does Instruction in Computer Programming Improve Problem Solving Ability? CIS Educator Forum, Volume 2, Number 2 doebe.li/t15440 doebe.li/t15439 doebe.li/t14595 doebe.li/t15464
  30. 30. Transfereffekte? Allgemein: schwierig Prof. Dr. Elsbeth Stern ETH Zürich «Greeno et al. (1993) haben dies ausgiebig am Beispiel mathematischer Textaufgaben diskutiert. So wird z. B. die Beschleunigungsformel aus der Physik selten spontan auf die Zinseszinsrechnung angewendet, weil Geschwindigkeit eine kontinuierliche und Geld eine diskrete Größe ist.»
  31. 31. Warum Latein? VI. Alleinstellungsmerkmal Wer einen Latein- und/oder Griechischabschluss hat, zeichnet sich durch besondere Leistungsbereitschaft aus. Dadurch erhöhen sich seine Chancen, wenn es gilt, unter vielen Bewerbungen beachtet zu werden. Im Wirrwarr von weltweit unterschiedlichsten Schulsystemen ist ein Latein- und oder Griechischabschluss ein internationaler Standard, der eine breite Allgemeinbildung garantiert. http://www.latigrec.ch/wieso/antworten/antwort4.php
  32. 32. Darum Informatik! 6. Alleinstellungsmerkmal ?!
  33. 33. Darum Informatik! 6. Berufswahlargument «In der Schweiz fehlen xx Tausend Informatikerinnen und Informatiker. Es braucht Informatik in der Schule, damit mehr junge Leute eine Informatiklehre oder ein Informatikstudium beginnen...»
  34. 34. Latein Informatik Latinum Wissenschaftsargument Antike Kultur Welterklärungsargument Latein-Fremdwörter Konzeptwissenargument Grundlagensprache Computer als SchülerIn Problemlöseargument Problemlöseargument Alleinstellungsmerkmal Berufswahlargument
  35. 35. Es gibt gute Gründe für Informatik als Fach
  36. 36. Es gibt gute Gründe für Informatik als Fach ... ... aber es gibt auch andere Fächer mit guten Gründen
  37. 37. Digitalisierung Konvergenz Automatisierung Vernetzung Leitmedienwechsel
  38. 38. Klaus Haefner: «Menschliches Denken und Handeln wird an vielen Stellen durch technische Informationsverarbeitung verändert oder abgelöst werden.» Autonome Substituierbare 1982 http://doebe.li/b127 Unberechenbare
  39. 39. Nicholas Negroponte: 1982 doebe.li/b99 1995
  40. 40. Michael Giesecke: «Man kann nicht die Risiken der Buchkultur aufdecken, ohne beispielsweise die allgemein bildenden Schulen, die wahrheitssuchenden Wissenschaften und Universitäten, unsere rückkopplungsarme parlamentarische Demokratie und manches andere mehr in Frage zu stellen.» 1982 1995 doebe.li/b2961 2002
  41. 41. Thomas Friedman: Globalisierung 1.0: Staaten (1492 Kolumbus) Globalisierung 2.0: Unternehmen (1800-2000) Globalisierung 3.0: Menschen (Web 2.0 etc.) 1982 1995 doebe.li/b2512 2002 2005
  42. 42. Dirk Baecker: Sprache ▼ Stammesgesellschaft Schrift ▼ Antike Hochkultur Buchdruck ▼ Moderne Gesellschaft Computer ▼ Nächste Gesellschaft «Jedes neue Verbreitungsmedium konfrontiert die Gesellschaft mit neuen und überschüssigen Möglichkeiten der Kommunikation, für deren selektive Handhabung die bisherige Struktur und Kultur der Gesellschaft nicht ausreichen.» 1982 1995 doebe.li/b4152 2002 2005 2007
  43. 43. Wie soll die Schule auf den Leitmedienwechsel reagieren? doebe.li/f154
  44. 44. Wie soll die Schule auf den Leitmedienwechsel reagieren? Die Schüler sollen erst richtig lesen, schreiben und rechnen lernen. Die Schule muss nicht auf jeden Modetrend reagieren.
  45. 45. Wie soll die Schule auf den Leitmedienwechsel reagieren? Von: Es reicht, wenn sich alle Fächer etwas mit Medien beschäftigen. Bis: Der Leitmedienwechsel findet überall statt. Also müssen Medien auch überall eingesetzt werden.
  46. 46. Wie soll die Schule auf den Leitmedienwechsel reagieren? Ohne Fach fehlt die Verbindlichkeit. Dann geht es einfach unter. Integrative Konzepte sind nachweislich gescheitert.
  47. 47. Wie soll die Schule auf den Leitmedienwechsel reagieren? Es braucht beides. 3 Ohne Fach fehlt die Verbindlichkeit. Ohne Integration fehlt der Alltagsbezug. Deutsch gibt es schliesslich auch als Fach, obwohl in fast allen Fächern deutsch gesprochen wird.
  48. 48. Wie soll die Schule auf den Leitmedienwechsel reagieren? Es braucht beides. 3 Der Leitmedienwechsel ist geprägt von totaler Konvergenz. Die Welt ist heute vernetzt und globalisiert. Fächergrenzen sind rückständig. Wir müssen nicht über Details reden, sondern über vernetztes Lernen
  49. 49. Wie soll die Schule auf den Leitmedienwechsel reagieren? Es braucht beides. 3 Die heutige Idee der Schule ist geprägt von der Industriegesellschaft (Lernfabrik). Wir müssen uns von der bisherigen Idee des rein formalen Lernens verabschieden.
  50. 50. Wie soll die Schule auf den Leitmedienwechsel reagieren? Es braucht beides. 3 Die heutige Schule versucht Fertigkeiten zu vermitteln, die bald der Computer übernehmen wird. Wir müssen uns daran gewöhnen, dass uns Computer intellektuell überflügeln werden.
  51. 51. Wie soll die Schule auf den Leitmedienwechsel reagieren? Es braucht beides. 3
  52. 52. Weil es ein Leitmedienwechsel ist, ist es nicht nur ein Thema der Informatik.
  53. 53. Schulische ICT-Nutzung Medienbildung Informatikgrundlagen Anwendungskompetenzen Schulische ICT-Infrastruktur
  54. 54. Schulische ICT-Nutzung Medienbildung Informatikgrundlagen Anwendungskompetenzen Schulische ICT-Infrastruktur
  55. 55. Private ICT-Nutzung IM social networks Schulische ICT-Nutzung Medienbildung Computerspiele Informatikgrundlagen KIM, JIM, JAMES Private ICT-Infrastruktur Anwendungskompetenzen Schulische ICT-Infrastruktur
  56. 56. Private ICT-Nutzung Schulische ICT-Nutzung Medienbildung Informatikgrundlagen Anwendungskompetenzen Private ICT-Infrastruktur Schulische ICT-Infrastruktur
  57. 57. Informatische Bildung ist das neue Latein! Latein JavaScript Programmieren Informatische Bildung
  58. 58. Informatische Bildung: Den Wandel verstehen.
  59. 59. beat@doebe.li beat.doebe.li doebe.li/talks/si30

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