Von Lessing zu Lessig

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Folien zum Buchcamp-Vortrag "Von Lessing zu Lessig: Was Crowdfunder, Entrepreneurial Journalists und Selbstverleger von der res publica literaria der Aufklärung lernen können", weitere Infos unter http://autoimmunbuch.de

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  • Unzufriedenheit Autoren, Übersetzer, fr. Jornalisten, freier L. mit ihren Verlagen wg. Honorar, pausch. Rechteübertragung, Marketing usw.; CC Lessig. KSK-Eink. 2011: Wort: durchschn. 16.983 € Als im 18. Jh. Schriftstellerei und Verlegen als echte Berufe entstanden: ähnliche Kontroversen. Überlegungen zu einer Umverteilung des Verlegergewinns oder Ansätze zum Selbstverlag in größerer Zahl immer dann, wenn die Existenzbedingungen des Schriftstellers besonders bedroht sind. Häufiger begleitet von umfassenden ideologischen Entwürfen Res publica literaria = die „Republik der Gelehrten“, „Gelehrtenrepublik“ oder „gelehrte Republik“, bis in das 18. Jh. Begriff für die Verbindung des internationalen Wissenschaftsbetriebs, der „republic of letters“, der scientific community. Alle wissenschaftlich Publizierenden und alle, die in wissenschaftlichem Austausch miteinander standen - Bibliothekare, Archivare, Universitätsprofessoren, Historiker, Theologen, Privatgelehrte. Vorstellung, dass im Bereich der Wissenschaften weder Standesunterschiede noch Nationalität von Bedeutung waren. Während in Europa Monarchien herrschten, bildeten die Gelehrten eine Republik. Wichtigstes Medium im Austausch: briefliche Korrespondenz und ausgedehnte Reisen. 2. Hälfte des 17. Jahrhundert kam das literarische Journal als zentrales neues Medium hinzu. Entwicklung maßgeblich unterstützt durch den niederländischen Buchmarkt französischer Sprache, der auf Europa ausgerichtet war. Begrifflicheit: Buchhändler = oft auch das, was wir heute Verlage nennen. Verleger = Vorleger. Historisch waren die Drucker diejenigen, die z. B. das Korrektorat übernahmen („Fahnen“; Bsp. für frühes Crowdsourcing!)
  • 1710 Britain: Statute of Anne Most authors could only get their works published by selling the copyright in their works to a publisher or a group of publishers. Referring to Tonson's low payments but valuable publicizing (by including him in what the title page of the anthology called "Eminent hands"): ... Jacob creates Poets, as Kings sometimes do Knights, not for their honour, but for money. Certainly he ought to be esteem'd a worker of Miracles, who is grown rich by Poetry. What Authors lose, their Booksellers have won, So Pimps grow rich, while Gallants are undone. ] Pope verlegte seinen „Homer“ selbst (Subskription).
  • Christian Fürchtegott Gellerts „Fabeln“ (1746/1748) waren vll. das meistgelesene Buch des 18. Jh.; Gellert lebte vom mageren Professorensold (Moralphilosoph); Verleger Wendler (1713-1799) gab ihm pro Bogen „einen traurigen Dukaten“, insgesamt ein „Trinkgeld“ (lt. Ludwig Gleim) von 31 Gulden oder 20 Reichtstalern und 16 Groschen (24 gr. = 1 Rthlr.). Gellert starb arm, sein Wendler reich; errichtete eine Marmorsäule zu Gellerts Gedenken. Die Restauflagen und das Verlagsrecht für Gellerts Schriften wurden für 10.000 Rthlr. verkauft. G.: „Das Verhältnis Gellert-Wendler war während des ganzen Reichschen Zeitalters das Schulbeispiel derer, die den Buchhandel wegen des empörenden Mißvershältnisses zwischen Honorar und Verlegergewinn anklagten.“
  • Goldfriedrich 1909: „... führte dieser begierige Drang … dazu, daß man den Buchhändler aus dem Geschäfte des Schriftstellers überhaupt auszuschalten suchte. Erst eine Reihe gescheiterter Versuche ... hat die Zeit darüber belehrt, daß hier Unmögliches versucht wurde.“ 2 Motive für Selbstverlag: Autor findet keinen Verlag oder will mehr Gewinn machen. Grund fürs Scheitern: „Was im Buchhandel ein ganzer Geschäftsmechanismus ist, mit seinen wohleingefahrenen und vielverzweigten Geleisen des Kredits, der Geschäftsverbindung im Buchhandel und den Zweigen der Herstellung, des erleichterten Absatzes im Tauschverkehr, eines großen und mannigfaltigen Verlags, in dem Erfolg den Mißerfolg ausgleicht: das ist beim Selbstverleger eine einzige Unternehmung.“
  • Gottfried Wilhelm Leibniz, Gutachten zur Gründung einer »Societas subscriptoria inter eruditos«. Leiter Herzögl Bibl. von Hannover und Wolfenbüttel Überlegungen, wie Bücherabnehmer (private und Bibliotheken) vom Buchhandel unabhängig gemacht werden können). „Es könnten einige Buchhändler nach Gutbefinden hinzugezogen werden“. Wissenschaftlicher Literatur im Blick. Die Subskriptionsgelder sollten Herstellungskosten und Zinsen decken; Einnahmen aus dem Verkauf zum höheren Ladenpreis -> Fond zur Unterstützung bedürftiger Gelehrter und zu Versuchs- und Forschungszwecken. „Diese »Gesellschaft der Gelehrten« sollte das Erscheinen wissenschaftlicher Literatur in einer Zeit ermöglichen, in der der deutsche Buchhandel noch immer unter den verheerenden Folgen des Dreißigjährigen Krieges litt und für die Verlage kein ökonomischer Anreiz zur Herausgabe von akademischer Spezialliteratur bestand. Auch wenn Leibniz selbst seinen Vorschlag nicht verwirklichen sollte, so wurden doch in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts die ersten Zusammenschlüsse von Wissenschaftlern gegründet, die im Selbstverlag Forschungsliteratur herausgaben ...“ Sein Briefpartner Sebastian Kortholt warnte ihn vor der Macht der Buchhandelswelt („potentia gentis bibliopolis“), die allzu selbstbewusste Autoren, die den Handel an sich zu reißen versuchten, bekämpfen werde.
  • 1763: Bittschrift des Baseler Professors Johann Jacob Spreng an den Rat zu Basel „um Schutz gegen die unverschuldeten Anfechtungen der dortigen Buchführer, als wäre er ein Brotdieb, weil er selbst Verleger seiner Psalmen sei; sie hätten sich verbunden, ihm keinen Bogen mehr abzudrucken“ (G., FN 92) Eigentum der Produktionsmittel; geht heute so nicht mehr. Logische Konsequenz: Druckereien kaufen!
  • 1767, Heinrich Wilhelm Bachmann d. J. (Sohn eines Magdeburger Kaufmanns, Freund Klopstocks) gründet mit Johann Wilhelm Ludwig Gleim (Kanonikus in Halberstedt, eher stiller Teilhaber und Berater) die „Typographische Gesellschaft in Berlin“, ein Selbstverlagsunternehmen zur besseren Wahrung der Rechte von Autoren . Beide unerfahren in Sachen Buchhandlung und Druckerei. Soweit bekannt, sollten 12 Personen je eine Aktie zu 500 Talern erwerben. Auflagen sollten 1500 sein, Buchpreise unter dem Marktüblichen liegen. Man wollte inländische und kursächsische Privilegien erhalten, um den Nachdruck zu bekämpfen. Keine eigene Druckerei, sondern Kooperation mit dem Buchdrucker Winter. Ostermesse 1767 erste Werke. Der Buchhandel sah die Gründung gelassen bis herablassend (Reich). Seit Dez. 1767 Verhandlungen mit Bode über eine Fusion; Gespräche zogen sich in die Länge, wohl weil Bachmann sich in großen geschäftlichen Schwierigkeiten befand und nicht voll bei der Sache war. 1768 Auflösung. Gleim warf Bachmann Untätigkeit vor, Bachmann Gleim, er habe zu viel Mittelmäßiges empfohlen.
  • Gleim hatte Streit mit dem Drucker und Buchhändler Winter gehabt und wollte daher Schriftsteller von den Buchhändler-Verlegern unabhängig machen. Gleim 1764 Brief: „Warum wollen doch einmal nicht die guten Köpfe zusammentreten, um sich von der schändlichen Dienstbarkeit der Buchhändler loszureißen. … wie leicht wäre es dann, den König zu überzeugen, daß er … nicht den Bücherhandel als einen großen Zweig der Handlung den Sachsen und Holländern ganz allein überlaßen müßte.“ Geschäftsführer/Buchhalter wurde der Berliner Buchhändler Himburg, ein berüchtigter Nachdrucker und „Windbeutel“, der in Berlin teure Ladenlokale anmietete, die dann leer standen. Briefwechsel von Bekannten Gleims: „Was sagen Sie dazu? Hier schüttelt man den Kopf. Doch bitte ich Sie um alles in der Welt, schreiben Sie ihm nichts davon; er will es nicht wissen, ungeachtet es jedermann weiß.“
  • Bachmann wurde ganz Buchhändler, ging bankrott und beging 1776 in St. Petersburg Selbstmord. [+] Gleim blieb der Idee als solcher treu und meinte, sowohl Bodes als auch Bachmanns Projekt seien an der völligen Konzentration auf die Interessen der Schriftsteller und der Vernachlässigung der Bedingungen des Buchhandels gescheitert.
  • 1765, Johann Joachim Christoph Bode (geb. 1730, Übersetzer des Tristram Shandy usw., der Klopstock, Gleim, Gerstenberg, Zachariä, Sulzer, Basedow, Alberti usw. kannte) kauft in Hamburg eine Druckerei. 1766 Lessing (gerade Dramaturg am Hamburger Nationaltheater geworden) lernt Bode kennen.
  • G.: Lessing hielt den Buchhandel für ein Hindernis [guter] Literatur und wollte sie von ihm befreien ... Befreit von der Vermittelung des Kaufmanns und abgesondert von der Masse der mittelmäßigen und untermittelmäßigen litterarischen Produktion, sollten diese Werke in einer ... Centralstelle hergestellt werden und erscheinen … Die Selbstverleger sollten sich nach dem von ihm erdachten System an einen ... Kommissionär wenden, der erstens nur Werke der besten Schriftsteller, zweitens möglichst viel drucken lassen, drittens aber die Werke nicht selbst verkaufen sollte.“Die „Werke sollten bei Bode & Comp. gedruckt und vor den Messen im ganzen mit einem Auffschlage von 20% über die Druckkosten gegen Wechsel an einen Buchhändler verkauft werden.“ Veröffentlichungen in Gestalt eines Journals, „Deutsches Museum“. August 1767: Nachdruck der H. Dramaturgie unter der Firma „Dodsley & Compagnie“ – Engelhard Benjamin Schwickert in Leipzig, seit 1762 Buchhandlungsdiener bei Madame Dyck. Erleichtert durch die Geschäftsführung von Lessing/Bode: Gegen den Rat und die Warnung des Hamburger Buchhändlers Bohn wurde die Dramaturgie unter Umgehung von Leipzig als Kommissionsplatz nur direkt und nur gegen bar geliefert; der Leipziger Nachdruck fand daher vorzüglichen Absatz.
  • Lessing und Bode verloren direkt nichts, da das Theater der Verleger war. Aber zugleich erschien eine „Nachricht an die Herren Buchhändler“ von „J. Dodsley & Compagnie“, in der diese Scheinfirma sich aufspielte als „Mandatar einer neuen Buchhandelsgesellschaft, die das Ziel verfolgte, erstens sich gegen den Nachdruck durch genossenschaftlichen Nachdruck des besten Verlags des Nachdruckers zur Hälfte des Preises oder darunter zu schützen, zweitens aber ‚denjenigen, welche sich ohne die erforderlichen Eigenschaften in die Buchhandlung mischen (wie es zum Exempel die neu aufgerichtete in Hamburg und anderer Orten vorgebliche Handlungen mehrere), das Selbstverlegen zu verwehren und ihnen ohne Ansehen nachzudrucken; auch ihre gesetzten Preise allezeit um die Hälfte zu verringern’, und so ‚auf die unzählige Menge der Schleichhändler achtzugeben, damit nicht jeder in der Buchhandlung zu höckern und zu stören anfange’. Lessing nahm die Drohung für bare Münze und glaubte, sie gehe von Philipp Erasmus Reich aus, dem Lessing jede Niedertracht zutraute.“ (1758 hatten die beiden Streit gehabt um eine Übersetzung, die L. zu langsam lieferte; Reich gab den 1. Bogen in die Makulatur und erklärte den Vertrag für erloschen.) Reich deckte die Sache auf. Die Leipziger Buchhändler unter seiner Führung forderten zunächst Bestrafung, aber nachdem die Witwe um Gnade gefleht hatte, schlug Reich die Sache nieder.
  • L., Ostern 1769 im Nachwort: „Es ist die lautere Wahrheit, daß der Nachdruck, durch den man diese Blätter gemeinnütziger machen wollen [sic], die einzige Ursache ist, warum … sie nun gänzlich liegen bleiben. … Um ein paar Hausdieben das Handwerk zu legen, wollen sie selbst Straßenräuber werden? … Aber sie wollen zugleich das Selbstverlegen verwehren. Wer sind die, die das verwehren wollen? Haben sie wohl das Herz, sich unter ihren wahren Namen zu diesem Frevel zu bekennen? Ist irgendwo das Selbstverlegen jemals verbothen gewesen? Und wie kann es verbothen seyn? Welch Gesetz kann dem Gelehrten das Recht schmälern, aus seinem eigenthümlichen Werke alle den Nutzen zu ziehen, den er möglicher Weise daraus ziehen kann? ‚Aber sie mischen sich ohne die erforderlichen Eigenschaften in die Buchhandlung.’ Was sind das für erforderliche Eigenschaften? Daß man fünf Jahre bey einem Manne Pakete zubinden gelernt hat, der auch nichts weiter kann, als Pakete zubinden? Und wer darf sich in die Buchhandlung nicht mischen? Seit wann ist der Buchhandel eine Innung? Welches sind seine ausschließenden Privilegien? Wer hat sie ihm erteilt?… Ich kenne, wie schon gesagt, mehr als einen rechtschaffenen Mann unter den Buchhändlern, dessen Vermittelung ich ein solches Geschäft gern überlasse. … meine Verachtung und meinen Haß gegen Leute …, in deren Vergleich alle Buschklepper und Weglagerer wahrlich nicht die schlimmern Menschen sind. … Dodsley und Compagnie aber wollen bandenweise rauben.“
  • Gegennachricht von „Dodsley & Compagnie“: Der „Schleichhandel der Autoren“ wolle den „Untergang der Buchhandlung befördern“, indem sie „mehr als Geitz“ zeigten und außer ihrem Honorar noch den übrigen Verdienst der Buchhändler „an sich reißen“ wollten. Schwickert/„Dodsley & Co.“ im sog. Intermezzo, nach Lessings Nachwort: „Er verteidigt den Selbstverlag, den Schleichhandel der Autoren; er redet also hier als Buchhändler, … Sie wollen eine zweyte typographische Gesellschaft ausmachen, nachdem es der Magdeburger nicht geglückt ist, und Hr. Lessing wollte ihr Director seyn? … Uebrigens danken wir Hr. Lessingen, daß er unsern Umlauf selbst noch hat bekannter machen wollen, so wie er uns danken sollte, daß wir ihm einige Leser mehr verschafft haben.“ [Flame war, Trolle, Hip-hop-Poser, Piraten …]
  • Dazu Friedrich Nicolai in der Allg. Deutschen Bibliothek: „ Das Mißtrauen gegen Unbekannte, zumal gegen solche, die geflissentlich unbekannt bleiben wollen, ist eine rechtmäßige Vorsicht eines vernünftigen Kaufmannes; denn wie oft hat nicht ein Schelm die Miene eines ehrlichen Mannes angenommen, und daß Dodsley und Compagnie gleich ihren Handel mit dem Nachdrucke der Dramaturgie anfingen, lenkete das Urteil eben nicht zu ihrem Vorteil. Es ließ sich also (wir wissen es zuverlässig) kein einziger angesehener Buchhändler mit ihnen ein … Wie können sie unverschämter Weise die Gelehrten mit den Dorfkaufleuten vergleichen, die die Polizei zu unterdrükken suchen muß. Und wie unterstehen sich Dodsley und Compagnie im Namen aller Buchhändler zu reden, die dergleichen verkappte Büchertrödler nie unter ihre Zunft zählen werden. Ist es nicht unerhört, daß Leute, unter der Decke eines fremden Namens, einem berühmten Gelehrten, den sie durch den Nachdruck seiner Schriften ohnedem beleidigt haben, noch öffentlich aushöhnen dürfen!
  • 1768, Verlagsbuchhändler und Schriftsteller Friedrich Nicolai: „Bode war ein vortrefflicher Mann, hatte aber die Buchdruckerey nicht gelernt ... Lessing war auch ein vortrefflicher Mann, machte sich aber vom Buchhandel ebenfalls unrichtige Vorstellungen … Darüber hatte ich zuweilen mit ihm mündlich, halb im Scherz, halb im Ernst, gestritten … solide Buchhändler würden sich nie entschließen, das Risiko der Ideen eines Anderen ganz zu übernehmen. … ein Buchhändler könne auch selbst von gutem Verlage zu viel haben. … Aber Lessing war nicht zu bedeuten. … daß diejenigen Schriftsteller, welche der Gelehrte und der Mann von Geschmack für die besten erkennt, sehr oft für den Buchhändler in Ansehung des Debits nicht die besten sind. „Von den ‚gelehrten und vernünftigen’ Büchern, schrieb Nicolai an Lessing …, werden die Buchhändler nicht reich, sondern vom ‚dummen Zeuge’.“ G.: „Nicolai stellte ihm [L.] wiederholt vor, daß die Schriftsteller, die nach dem Urteile des Gelehrten und des Mannes von Geschmack die besten seien, damit nicht auch die besten seien für den Buchhändler. Er habe selber, setzte er mit Behagen hinzu, das ‚besondere Glück’, in seinem Verlage viele ‚schlechte’ Bücher zu besitzen, die gut abgingen. … Und er erinnerte ihn daran, daß ein solider Buchhändler sich nie dazu bequemen würde, einem andern das volle Risiko abzunehmen und ihm dafür 20% Gewinn ohne alles Risiko zuzugestehen …“ L. mokierte sich über Nicolais „Spötterchen über die Buchdrucker Bode und Lessing“ und ignorierte diese Kritik.
  • September 1768 sagte sich Lessing von seiner Verbindung mit Bode los. Bode führte die Druckerei weiter und verlegte auch, bis er 1778 nach Weimar ging und Rat wurde.
  • Lessing, „Leben und leben lassen. Ein Projekt für Schriftsteller und Buchhändler“ (Konzept im Nachlass): trotz des Scheiterns der Hamburgischen Dramaturgie und des Deutschen Museums am Konzept des Selbstverlagsbetriebs festgehalten. 1. Über Eigenthum an Geisteswerken: „Daß dem Verleger auf das Buch, welches er mit Genehmhaltung des Verfassers drucken läßt, ein Eigenthum zustehe, halte ich für unerwiesen. … Das Eigenthum des Verfassers aber, wenn die Nutzung mit inbegriffen wird, ist so gut, als keines. … Nun ist aus der Erfahrung klar, daß kein Verfasser, wenn er ein mahl mit seinem Werke zum Vorschein gekommen, wenn er einmahl eine oder mehrere Copien davon machen lassen, im Stande ist, zu verhindern, daß nicht auch wider seinen Willen Copieen davon genommen werden.“ ... 3. Das Project („Buchhandlung der Gelehrten“, unter Umgehung der Verleger): „Der Schriftsteller läßt auf seine Unkosten drucken; aber die Subscription geht lediglich durch die Hände der Buchhändler. … Man theile also den Preis, den das Buch haben soll …, in drey Theile. Ein Drittheil für den Druck, ein Drittheil für den Verfasser, und ein Drittheil für den Buchhändler, bei dem die Liebhaber unterzeichnen. … daß der Buchhändler Risico ganz und gar nicht dabei haben muß; und Mühe nur wenig. ... Der Schriftsteller kann nicht borgen; und nur darum ofpert er einen so ansehnlichen Theil seines Gewinnstes auf, damit ihm alles erspart werde, was das Zeit versplitternde Detail des Kaufmanns erfordert: Buchhalten, Mahnen, Einkassiren u. dergl.“
  • Seit 1768 Johann Jacob Reiske (Rektor der Nicolaischule zu Leipzig): „Der Brodtgelehrte ist in der Gewalt des Buchhändlers, und dieser richtet sich nach seinen Käufern. Die Wissenschaften müssen darüber zu Grunde gehen.“ Reiske verlegte selbst, auf Pränumerationsbasis.
  • G.: „und seine Gattin berichtet, daß eben diese Qual und Pein es gewesen sei, die ‚endlich sein Leben verkürzen halfen’. Er ‚quälte sich, bis an seinen Tod, mit einem Geschäfte, wozu er nicht gemacht war’.“
  • Christoph Martin Wieland 1771, Bildungsroman Agathon: Selbstverlag geplant, Subskription; da er trotz 500 Pränumeranten Druckkosten und Papier nicht bezahlen konnte, übertrug der Reich den Verlag. G. „Dieser Fall, daß der Selbstverleger mit seinem Unternehmen ‚ins Stecken gerieth’ und sich nun in die Arme des Verlegers warf, kam übrigens häufig vor.“ 1773, Zeitschrift „Der Teutsche Merkur“: der erfolgreichste Selbstverleger
  • Meine Absicht ist, zu versuchen, ob es möglich sei, daß die Gelehrten durch so eingerichtete Subskriptionen Eigentümer ihrer Schriften werden. Denn jetzt sind sie dies nur dem Scheine nach; die Buchhändler sind die wirklichen Eigentümer … Ich wünsche nichts so sehr, als bald Nachfolger zu haben … 1) Scharfe Lettern, vollkommene Schwärze der Farbe, Postpapier und dies durchgehends von gleicher Güte. 2) So korrekt, daß, wenn man fortfährt, wie ich anfangen will, Korrektion künftig das Unterscheidungszeichen der Subskriptions-bücher und der Verlagsbücher sein wird. II. … Namen der Subskribenten vorgedruckt … … in dem Falle eines Nachdrucks. Wird einer gemacht und der ehrlose Mensch, der ihn gemacht hat, entdeckt (dies ist ziemlich leicht, wenn man es recht will); so wird der Name desselben in die Zeitungen gesetzt. Ich trage die Kosten der Emballage und der Spedition auch da, wo umgeladen wird. Dagegen sind die Kollekteur verbunden: … Die Kollekteur lassen ihre Exemplare binnen 14 Tagen von der Zeit der Herausgabe an in Altona in Empfang nehmen und zugleich nach Abzuge der ihnen versprochenen pr. C. bezahlen. Beförderer der Subskription: Ich verstehe darunter nicht nur Gelehrte, sondern auch Liebhaber und Liebhaberinnen der Wissenschaften. Ich überlasse ihnen auf alle Weise, bei der Sache so zu verfahren, wie sie es dem Zwecke am gemäßesten finden; … [Crowdfunding: Sherpas, Unterstützer, Fürsprecher!]
  • Philipp Erasmus Reich, Fürst/Diktator der dt.Buchhändler: „ Wenn man die Aufsätze, welche Herr Klopstock zu Errichtung einer gelehrten Republik, und einige andere, welche seine Freunde in gleicher Absicht seit einiger Zeit an das Publicum ergehen lassen, unpartheyisch beurtheilen will; so wird man gar bald finden, daß es ihnen blos darum zu thun ist, den Buchhandel zu zerstören, indem man die Buchhändler verdächtig macht, und sich die Vortheile zuzueignen, deren sie bisher durch die Gelehrten genossen haben. …Gut, sagen Sie, aber dazu brauchen wir keine Buchhändler; jeder Gelehrter kann das Product seines Geistes selbst verlegen, selbst drucken lassen, selbst verkaufen, und dadurch den Fleiß seines Schweißes selbst einärndten ... Also wird der Gelehrte in Zürch, in Hamburg, in Berlin, in Koppenhagen, in Paris, in London, u.s.w. sein Werk in eigenen Verlag nehmen – und wie dann unter die Leute bringen?… Klopstock, Pope: schon berühmt. Außerdem: „In Paris und London findet dieses leichter statt“ als im zersplitteten D.. O meine Herren, verleihen Sie ihm die Weisheit, oder theilen Sie irgend einem andern Menschen das Vermögen mit, die Güte jedes Buchs zu beurtheilen, und zum voraus zu bestimmen, was Beyfall erhalten werde oder nicht. Welcher Vater liebet nicht seine Kinder, und welcher hält nicht seine Geburten für schön? [CF!]
  • Und nun, meine werthesten Herren Collegen, wende ich mich zu Ihnen! … Warum, habe ich oft gedacht, entfernet sich doch jener, der Herr von Trattner, so oft von diesem Gesetze aller Gesetze? Er will Künste und Wissenschaften in seinem Vaterlande ausbreiten helfen etc. Aber ist dieses der rechte Weg, und was noch mehr ist, breitet man gute Sitten durch Rauben und Plündern aus? Ist aber der Nachdruck etwas anders, als ein Diebstahl, ein Raub? Deutschland wird zwar von verschiedenen Fürsten regieret ...; allein alle Buchhändler in allen Provinzen Deutschlands machen nur einen Körper, nur eine Republik aus Ihr wahres Interesse würde dadurch nicht leiden, es würde befördert werden, wenn Sie allen Verkehr mit den Nachdruckern aufheben Thomas von Trattner, Wikipedia: Nicht nur, dass diese Autoren keinerlei Tantiemen bekamen, viele dieser Werke wurden von Trattner nach der österreichischen Zensur „entschärft“ und damit z.T. erheblich entstellt. Dadurch machte sich Trattner besonders in den norddeutschen Gebieten erbitterte Feinde unter den dortigen Buchhändlern und Verlegern … Zu seinen schärfsten Gegnern gehörte der Leipziger Verleger Philipp Erasmus Reich.
  • 1774 Christian Heinrich Wilcke (anonym), „Der gerechtfertigte Nachdrucker, oder: Johann Thomas von Trattners, des Heil. Römschem Reichs Ritters, wie auch Kayserl. Königl. Hofbuchdruckers und Buchhändlers in Wien, erwiesene Rechtmäßigkeit seiner veranstalteten Nachdrucke. Als eine Beleuchtung der auf ihn gedruckten Leipziger Pasquille“: „Lassen Sie immer darauf los drucken, meine Herren Schriftsteller, seyen Sie Ihre eigene [sic] Verleger und verkaufen Sie für baares Geld; uns aber müßen Sie erlauben, Ihre Produkte nachzudrucken und sie zu changieren.“ 1774 Klopstocks Gelehrtenrepublik erscheint – und enttäuscht. Der geplante 2. Teil erscheint nie.
  • Gottfried August Bürger Denn es ist himmelschreyend, daß derjenige, welcher mit Aufwand der Kräfte seines Leibes und seiner Seele ein unsterbliches Werk hervorgebracht hat, welches äußerlich vielleicht kein anderer Sterblicher hervorgebracht hätte, ein Werk, das Verleger, Buchhändler und Nachdrucker mästet, und ein ganzes Land unterrichtet, oder ergehet, nicht einmahl so viel Belohnung dafür haben soll, um die Apothekerrechnungen zu bezahlen. Soll der Gelehrte noch länger der Seidenwurm seyn, der zum Behuf fremder Behaglichkeit und Pracht spinnen, und wenn er ausgesponnen hat, im Mangel vollends dahin welken muß? … Der Verleger hat den zweyten Platz. Wer wollte nicht ihm, der seine Speculation, seine Mühe und sein Geld an einen Artikel gewagt hat, einen ansehnlichen und sichern Profit gönnen. … Endlich aber auch soll der Käufer das Seinige erhalten. Guten correcten Druck, auf gutem Papier, für billige Preise. … die Preise herabsetzen. Sie erwecken dadurch bey dem Publicum Gunst und Liebe für die Societät, und immer mehr Abscheu gegen den Nachdruck ... Ich werfe hiermit meinen Vorschlag in's Publicum. Edeldenkende und raffinirte Leute mögen ihn prüfen ... Leid aber sollte es mir doch darum thun, wenn die Ausführung nicht durch seine innerliche Unthunlichkeit, sondern durch Trägheit, Kleinmuth, Blödsinn oder Wetterlaune der Buchhändler verhindert werden sollte.
  • Boie an Bürger, Subskription Gedichtbände: "In Mecklenburg muß Sprengel [stud. jur.] dir schaffen. Warum wendest du dich nicht an die Wachenhusen [Frau eines Justizrats] in Schwerin? Wegen Kopenhagen muß du an die beiden Stolberge schreiben. Schick mir die Briefe. Für Köln, Bonn usw. will Sprickmann sorgen, auch für Osnabrück, Kleve und Wesel. Allerdings an die La Roche geschrieben, daß sie befördere! In Düsseldorf an Jacobis Bruder, einem warmen Freund deiner Muse. In Erlangen muß Miller Rat schaffen, sowie für Ulm, Hall, Memmingen, Heilbronn, Augsburg und das Bayerland. Ihm schick ein ganzes Paket. Für ganz Holstein sorg ich, sowie für Hameln. Nach Königsberg schreib mit Messgelegenheit an Penzel … Aber du mußt dich selbst in Göttingen unter den Musensöhnen der Gegend umhören. In Stettin muß Nicolai Rat schaffen. In Bremen Synd[ikus] Folking. Karlsruh – Kirchenrat Böckmann. In Gießen besser Prof. Höpfner: Warum in Weimar nicht gerad an Goethe geschrieben? Wenn du weißt, wo Klinger mit der Seylerschen Gesellschaft ist, schreib auch an ihn. Für Wetzlar sorgt Mad. Kestner: In Wien schreib an Denis und Riedel … Ich habe hier schon 40 Subskr. ohne große Mühe und komme allein in Han-nover auf 100. Ich bin jetzt darauf aus dir die Königin zu verschaffen und hoffe es dahin zu bringen. Überhaupt hab ich schon auf mehr Fürsten Jagd gemacht, wie auf den Churfürsten von der Pfalz, Herzog von Oldenburg, Mecklenburg, usw." [Economy of trust, soziales Kapital!]
  • 1784, Leopold Friedrich Günther von Goeckingk gründet das „Journal von und für Deutschland“, das anfangs im Selbstverlag erscheint und u. a. Ankündigungen über Pränumerationen oder Subskriptionen enthält. „… Wie der erste Herausgeber in seinem Vorbericht vom 8. Mai 1783 darlegt, war das englische Gentleman's Magazine das Vorbild für das Journal. Danach will er darin Nachrichten für das ganze Heilige Römische Reich zusammenfassen über Getreidepreise, meteorologische Daten, Beförderungen von Beamten und Konkurse. Darüber hinaus will er Preisaufgaben von Regierungen, Akademien u.a. sowie Ankündigungen über Pränumerationen oder Subskriptionen veröffentlichen. Weiterhin sollen die Inhalte der vornehmsten deutschen Journale sowie Ereignisse in Deutschland mitgeteilt werden. Hauptzweck aber ist die Vermittlung von Nachrichten über zeitgenössische Personen von einiger Bedeutung. Aber auch kurze Beschreibungen von Alterthümern, Handschriften, sehr seltenen Büchern, Gemälden usw. sollen ebenso aufgenommen werden wie kleine Reisebeschreibungen. Endlich sollen allgemeine Anfragen und die Antworten darauf veröffentlicht werden. Die Nachrichten sollen durch Korrespondenten bereitgestellt werden, die in vielen Städten des Reichs angesiedelt waren. Ganz ausdrücklich wird davon abgesehen, Rezensionen von wissenschaftlichen oder literarischen Werken aufzunehmen …“ [Newsletter, Blogs, Stimmt’s/Quora …]
  • Bürger und Goeckingk planten eine „Subskriptionsanstalt“ (eigene Druckerei, Vertrieb durch Kollekteure und Buchhändler) Geplantes Signet laut Goldfr.: „ein Greif, Adler oder dergl., in der einen Klaue ein offenes Buch, von einem Lorbeerkranz umwunden – in der anderen einen Geldbeutel“.
  • „ Subskriptionsanstalt“ scheiterte an Kapitalmangel.
  • Karl Christoph Reiche: Pfarrer, wegen rationalistischer Grundsätze seines Amtes enthoben; Buchhändler; Reformpädagoge. Konkurrent: Sekretär der Berliner Lotterie-Direktion, Friedrich Traugott Hartmann (ein Frühantisemit): Die Zeit sei gekommen, „da die deutschen Musen nicht länger ihre Knechtschaft ertragen und ihre Fesseln abschütteln wollen“. „Wer eine Kennntniß von Buchhändlern hat, der wird zugeben, daß sie von Jahr zu Jahr fetter werden.“ Reiches Projekt: Gelehrter lässt auf eigene Kosten drucken, legt Ausstattung und Preis selbst fest, übergibt Werk der Gelehrtenbuchhandlung zum Kommissionsvertrieb, gewährt dabei 33 1/3 % Rabatt, erhält Gegenwert ausschließlich in bar. GBH verpflichtet sich, nur an Buchhändler und Kontore zu liefern und nicht an Endkunden. Daneben Verlagskasse, die unabhängig wirtschaftete und den Schriftstellern Sicherheiten bot. Reaktionen Buchhandel teils besorgt (da die DGBH gut geplant schien), teils spöttisch. Brief an Reich: „Endlich wird die ganze Gesellschaft bankerut – indessen aber kann doch einstweilen diese Windmüllerei auf einige Zeit geschadet haben.“ Buchhandlungsdelegierte beschlossen zur Leipziger Ostermesse 1782, die Werke der DGBH zum Nachdruck freizugeben. Nicht realisiert. Projekt verwässert aufgrund wirtsch. Zwänge; Misswirtschaft
  • Reiche selbst wanderte nach Amerika aus und ist im Jahre 1794 in Philadelphia im größten Elend gestorben.
  • 1783, Karl Friedrich Bahrdt plant die „Deutsche Union“, eine den Illuminaten nachempfundene Geheimgesellschaft, mit der er den gesamten deutschen Buchhandel unter seine Kontrolle bringen will. Zeichnungen und Kupferstiche, sogar Dosen und Medaillen, auf denen Bahrdt bei seinem Mädchen abgebildet war. Prof. Philosophie und hebräischen Altertümer in Erfurt, Theologieprof. und Universitätsprediger in Gießen; „Nachdem ihm auch dort der Boden zu heiß geworden war …“ -> Stadtprediger in Dürkheim usw. Gründete Philathropin mit eigener Buchhandlung, die durch „äußerst herabgesetzte Preise die halbe Welt an sich ziehen“ sollte, und pädagogische Zeitung; „er ist ihr alleiniger Verfasser, Redakteur, Korrektor, Druckerfaktor, Herausgeber, Verleger und Händler“ Mal für, mal gegen Nachdruckerei. Nicholai nannte ihn Marktschreier. Wollte nach Friedrichs Tod das Monopol des Buchhandels in die Hände eines über ganz Deutschland verbreiteten Schriftstellerbundes, der ‚Deutschen Union’ zu bringen“. Angeblich hatten sich 22 Staatsmänner, Lehrer und Privatpersonen zu einem Plan vereinigt, der ein „durch keine menschliche Macht zu hindernes“ Mittel enthalte, „die Aufklärung und Bildung der Menschen zu befördern, und alle bisherigen Hindernisse desselben nach und nach zu zerstören“. Nach Art der Illuminaten.
  • Vielen Mitgliedern erschien das angestrebte Buchhandelsmonopol unerreichbar und nicht erstrebenswert, weil es krasse geistige Bevormundung bedeuten würde. Selbst wenn man die Hälfte aller Verleger und Buchhändler für die Union gewönne: „Können wir dadurch die Sündfluth anderer Schriften hemmen?“ Schriftsteller, die für den Aberglauben schreiben, würden dann umso leichter Verleger finden. Knigge sprach sich scharf gegen die Selbstverlagsidee und die ineffektive Pränumeration aus. Gute Werke würden sich von selbst empfehlen und vertreiben. Eines der eifrigsten Mitglieder: der Wiener Groß- und Buchhändler Georg Philipp Wucherer. Laut einer Schmähschrift der „große Spediteur der deutschen Union“, druckte die Drucksachen der Union, wollte ihr Universalbuchhändler und –verleger werden.
  • Als 1789 durch eine Schrift von Bode aufflog, wer der Gründer war, löste sich die Gesellschaft der 22 auf. Bahrdt wurde längere Zeit inhaftiert.
  • Idee dennoch so sexy, dass wir es erneut versuchen Internet, Druckkosten, Crowdfunding …: Chancen verbessert Herkömmliche Titelentscheidungen und Vetriebsmethoden vieler Verlage irrational Dank, Diskussion
  • Von Lessing zu Lessig

    1. 1. Von Lessing zu Lessig Was Crowdfunder, Entrepreneurial Journalists und Selbstverleger von der res publica literaria der Aufklärung lernen können Andrea Kamphuis
    2. 2. What Authors lose, their Booksellers have won, So Pimps grow rich, while Gallants are undone. Alexander Pope (1709) über seinen Verleger Jacob Tonson
    3. 3. Gellert: Fabeln (1746/1748) Verleger: Wendler Gesamthonorar: „Trinkgeld“ von 20 Reichstalern Restauflagen und Verlagsrecht: 10.000 Reichstaler
    4. 4. Gellert starb arm. Der reiche Verleger Wendler errichtete eine Marmorsäule zu seinem Gedenken.
    5. 5. Leipniz 1716: Gelehrtengesellschaft Schutz gegen Ignoranz und Habgier der Buchhändler Maßstab des Verlegers: nicht der wissenschaftliche Wert eines Werkes, sondern seine laienhaft-kaufmännische Ansicht über Absatz und Billigkeit des Erwerbs
    6. 6. Spreng (1763) an den Rat zu Basel „ Schutz gegen die unverschuldeten Anfechtungen der dortigen Buchführer, als wäre er ein Brotdieb, weil er selbst Verleger seiner Psalmen sei; sie hätten sich verbunden, ihm keinen Bogen mehr abzudrucken“
    7. 7. Gleim 1767 Bachmann
    8. 8. „Windbeutel“
    9. 10. 1765 Bode kauft eine Druckerei 1766 Bode begegnet Lessing
    10. 11. Hamburgische Dramaturgie (1767) „ Dodsley & Compagnie“ (London) Schwickert (Leipzig)
    11. 12. Nachricht an die Herren Buchhändler <ul><li>„ denjenigen, welche sich ohne die erforderlichen Eigenschaften in die Buchhandlung mischen, das Selbstverlegen zu verwehren und ihnen ohne Ansehen nachzudrucken; auch ihre gesetzten Preise allezeit um die Hälfte zu verringern“ </li></ul><ul><li>„ auf die unzählige Menge der Schleichhändler achtzugeben, damit nicht jeder in der Buchhandlung zu höckern und zu stören anfange“ </li></ul>
    12. 13. „ Aber sie mischen sich ohne die erforderlichen Eigenschaften in die Buchhandlung.“ Was sind das für erforderliche Eigen-schaften? Daß man fünf Jahre bey einem Manne Pakete zubinden gelernt hat, der auch nichts weiter kann, als Pakete zubinden?
    13. 14. Dodsley & Compagnie: <ul><li>„ Untergang der Buchhandlung befördern“ </li></ul><ul><li>„ er redet also hier als Buchhändler“ </li></ul><ul><li>„ Sie wollen eine zweyte typographische Gesellschaft ausmachen, nachdem es der Magdeburger nicht geglückt ist, und Hr. Lessing wollte ihr Director seyn?“ </li></ul><ul><li>„ Uebrigens danken wir Hr. Lessingen, daß er unsern Umlauf selbst noch hat bekannter machen wollen“ </li></ul>
    14. 15. Friedrich Nicolai (1769): Ist es nicht unerhört, daß Leute, unter der Decke eines fremden Namens, einem berühmten Gelehrten, den sie durch den Nachdruck seiner Schriften ohnedem beleidigt haben, noch öffentlich aushöhnen dürfen!
    15. 16. „ Spötterchen über die Buchdrucker Bode und Lessing“: <ul><li>„ daß diejenigen Schriftsteller, welche der Gelehrte und der Mann von Geschmack für die besten erkennt, sehr oft für den Buchhändler in Ansehung des Debits nicht die besten sind“ </li></ul><ul><li>selber das „besondere Glück“, in seinem Verlag viele „schlechte“ Bücher zu besitzen, die gut gingen </li></ul>
    16. 18. Leben und leben lassen. Ein Projekt für Schriftsteller und Buchhändler
    17. 19. Der Brodtgelehrte ist in der Gewalt des Buchhändlers, und dieser richtet sich nach seinen Käufern. Die Wissenschaften müssen darüber zu Grunde gehen. J. J. Reiske (1768)
    18. 21. 1771 Geschichte des Agathon 1773 Der Teutsche Merkur
    19. 22. Klopstock (1773): Subskriptionsplan zur Schrift „Die deutsche Gelehrtenrepublik“ Die wenigen Federzüge, die der Gelehrte dazu nötig hat, wirken wie der Druck auf einen Knopf, der einen ungeheuren Mechanismus in Bewegung setzt.
    20. 23. Reich (anonym, 1773): Zufällige Gedanken eines Buchhändlers über Herrn Klopstocks Anzeige einer gelehrten Republik Gesetzt nun, wenn man der Republik des Herrn Klopstocks eine Republik der Buchhändler entgegen setzte? Wenn man die brauchbaren Artikel sofort noch correcter und schöner, als die Originale wären, nachdruckte, und sie dem Publico um die Hälfte des Preißes anböte?
    21. 24. Herr von Trattner … will Künste und Wissen-schaften in seinem Vaterlande ausbreiten helfen etc. Aber ... breitet man gute Sitten durch Rauben und Plündern aus? Ist aber der Nachdruck etwas anders, als ein Diebstahl, ein Raub?
    22. 25. Der gerechtfertigte Nachdrucker (1774): „Lassen Sie immer darauf los drucken, meine Herren Schriftsteller, seyen Sie Ihre eigene Verleger und verkaufen Sie für baares Geld; uns aber müßen Sie erlauben, Ihre Produkte nachzudrucken und sie zu changieren.“
    23. 26. Bürger (1777): Vorschlag, dem Büchernachdrucke zu steuern Zähneknirschen über die Schurken, die da ernten wollen, wo sie weder geackert noch gesäet haben
    24. 27. &quot;Aber du mußt dich selbst in Göttingen unter den Musensöhnen der Gegend umhören. In Stettin muß Nicolai Rat schaffen. In Bremen Syndikus Folking ... Warum in Weimar nicht gerad an Goethe geschrieben? ... Ich bin jetzt darauf aus dir die Königin zu verschaffen und hoffe es dahin zu bringen. Überhaupt hab ich schon auf mehr Fürsten Jagd gemacht, wie auf den Churfürsten von der Pfalz, Herzog von Oldenburg, Mecklenburg, usw.&quot;
    25. 28. Goeckingk (1784) „Journal von und für Deutschland“ Ankündigungen über Pränumerationen und Subskriptionen
    26. 31. Carl Christoph Reiche ( 1781) Fundations-Gesetze von der Buchhandlung der Gelehrten Dessauer Buchhandlung der Gelehrten
    27. 33. Bahrdt (1783): „Deutsche Union“ <ul><li>„ bei aller Gelehrsamkeit und Arbeitskraft eine der abstoßendsten, vielleicht die abstoßendste Erscheinung jener Zeit“ </li></ul><ul><li>„ der Typus des ums Brot schreibenden gelehrten Abenteuerers“ </li></ul>
    28. 34. Georg Philipp Wucherer der „große Spediteur der deutschen Union“
    29. 35. Hauptquelle: Johann Goldfriedrich, Geschichte des deutschen Buchhandels, Bd. 3 (1909)
    30. 36. Andrea Kamphuis Friendly Fire http://autoimmunbuch.de Crowdfunding-Kampagne und Selbstverlag A. Kamphuis, M. Köhler, S. Matthiesen Kraut Publishers Sachbuchverlag auf Crowdfunding-Basis @ak_text [email_address]

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