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Mobile User Experience engineering - Mit Methodik und der richtigen Technologie zu erfolgreichen Apps

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Der Bereich Mobile boomt. Benutzer wollen überall und zu jeder Zeit auf verschiedenste …

Der Bereich Mobile boomt. Benutzer wollen überall und zu jeder Zeit auf verschiedenste
Applikationen zugreifen. Die Verwendung muss im jeweiligen Nutzungskontext
schnell, einfach und zielführend sein, sei es im Privatleben oder am Arbeitsplatz.
Damit ist Mobile für Usability Professionals Chance und Herausforderung zugleich:
der Markt ist stark fragmentiert, unterschiedliche Plattformen und Technologien
stehen zur Auswahl, User Experience spielt eine der Hauptrollen. Erfolgreiche
Apps entstehen nur dann, wenn das Orchester richtig zusammengestellt ist. Dabei
stellen sich verschiedene Fragen: Welche Vor- und Nachteile bringen die unterschiedlichen
Mobile Plattformen und Technologien? Was sind die Auswirkungen der Technologiewahl
auf das Design der User Experience? Wo liegen die Unterschiede und
Gemeinsamkeiten von nativen Plattformen wie iOS, Android, Windows Phone 7 und
HTML5 basierten Ansätzen? Sind offene oder geschlossene Systeme besser geeignet,
eine hohe User Experience zu erzielen? Um diese Fragestellungen zu beantworten
und zu diskutieren, werden im Rahmen des Vortrages verschiedene Mobile Projekte
vorgestellt. Dabei werden die jeweilige Ausgangslage, Umsetzung und die Ergebnisse
präsentiert und schließlich Best Practices sowie Lessons Learned daraus abgeleitet.
Erkenntnisse aus Interviews mit den Projektbeteiligten, wie zum Beispiel Umsetzungsverantwortlichen,
Auftraggebern, Entwicklern und Usability Experten geben
direkten Einblick in die Praxis. Dabei werden die Vor- und Nachteile sowie die Herausforderungen
der unterschiedlichen Technologien für die Umsetzung einer guten
User Experience verdeutlicht. Native Projekte werden ebenso betrachtet wie solche
die mittels Cross-Platform oder Web-Framework umgesetzt wurden. Durch den Vortrag
wird der Stellenwert von User Experience nicht nur im Kontext spezifischer Projekte,
sondern auch in Bezug auf Mobile im Allgemeinen aufgezeigt.

Der Vortrag "Mobile User Experience Engineering – mit Methodik und der richtigen
Technologie zu erfolgreichen Apps" qurde auf der "Mensch + Computer" (9.-12. September 2012) in Konstanz gehalten: http://hci.uni-konstanz.de/mc2012/
Autoren: Mischa Demarmels,Katja Neumann und Thomas Memmel (Zühlke Engineering Schweiz - www.zuehlke.com) - alle Autoren sind auf Xing.

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  • 1. Mobile User Experience Engineering –Mit Methodik und der richtigenTechnologie zu erfolgreichen AppsMischa Demarmels Katja Neumann Dr. Thomas MemmelZühlke Engineering AG Zühlke Engineering AG Zühlke Engineering AGWiesenstrasse 10a Wiesenstrasse 10a Wiesenstrasse 10a8952 Schlieren (Zürich), Schweiz 8952 Schlieren (Zürich), Schweiz 8952 Schlieren (Zürich), SchweizMischa.Demarmels@zuehlke.com Katja.Neumann@zuehlke.com Thomas.Memmel@zuehlke.comAbstract Keywords:Die rasante Verbreitung von Mobile Apps auf immer besserer Hardware hat auch zu /// Mobile, User Experienceeinem steigenden Anspruch der Anwender in Bezug auf die gebotene Funktionali- /// Usabilitytät und die Benutzerfreundlichkeit geführt [Vgl. 1]. Schnelle Datennetze und Cloud /// Software EngineeringDienstleistungen verstärken die Erwartungen der Benutzer nach visuell ansprechen- /// Praxisberichtden und interaktiven Apps, die ortsunabhängig funktionieren und überall den Zugriffauf Daten ermöglichen. In diesem Kontext wird die Bedeutung von User Experience(UX) im Entstehungsprozess einer App immer größer. Das Erreichen einer hohen UXist dabei eine Herausforderung, die von vielen Faktoren beeinflusst wird. Design undgute Bedienkonzepte sind ebenso wichtig wie die enge Verzahnung mit End-to-EndSoftware Engineering. In diesem Beitrag wird das Engineering von Mobile Apps an-hand von abgeschlossenen Praxisprojekten beleuchtet. Die gesammelten Erfahrungenwerden im Kontext von UX diskutiert.1. es zum Synonym der ganzheitlichen Erfah- meistgenutzten Betriebssystemen der WeltUser Experience rung mit einem Produkt oder einer Appli- zählt [5; 6].und Mobile Technologien kation geworden. Man könnte von einem Zeitalter der Mobile UX sprechen, die der Die Fragmentierung des Mobile-Marktes istWegen des rasanten Erfolgs von mobilen Thematik einen neuen Schub verliehen hat Fluch und Segen zugleich. Für die Anwen-Endgeräten und der angeschlossenen – zum Vorteil der Anwender und Unter- der ist der Wettbewerb erfreulich, da UXÖkosysteme haben sehr viele Unterneh- nehmen. Letztere haben verstanden, dass im Kampf um die Gunst der Kunden einenmen in den letzten Jahren mit Hochdruck nicht nur die Usability einer App Auswir- hohen Stellenwert einnimmt. Unternehmeneigene Apps veröffentlicht. Wer UX nicht kung auf deren Wahrnehmung und Erfolg stehen jedoch vor der Entscheidung, fürvon Anfang an berücksichtigt hat, wurde in beim Benutzer hat. Auch der Einfluss vieler welche Plattform(en) sie eine App entwi-vielen Fällen von schlechten Rezensionen weiterer Faktoren, wie beispielsweise die ckeln sollen. Eine Rolle spielt hier auch, dassoder ausbleibendem Interesse überrascht. Qualität der Hardware-Materialien, die das Vorhalten notwendigen Know-hows undDie Benutzer-Feedbacks in den öffentli- vom Hersteller kommunizierten Werte die Betriebskosten für mehrere verschie-chen App Stores und die damit verbun- oder das in der App reflektierte Image dene Plattformen Budget verschlingt.denen Risiken für die Reputation eines eines Unternehmens [2] spielen eine wich- [Abb. 1]Unternehmens forcieren die Einbindung tige Rolle.von UX Expertise in den Entwicklungspro- Während anfänglich der Druck mit Appszess. Kunden und Fachabteilungen rufen Das iPhone war das erste Smartphone, das auf den Markt zu kommen die Investiti-inzwischen sogar selbst den Bedarf an UX für viele UX-Aspekte, darunter sein Design, onsbudgets sprudeln ließ, verändern sichDesign und Methodik aus. Wer hätte das seine Benutzerführung und seine Perfor- die Mobile-Strategien nach und nach invor wenigen Jahren für möglich gehalten? mance, sehr gelobt wurde. Zudem erzielte Richtung Cross-Plattform Entwicklung.UX-Experten hatten in der Vergangenheit das iPhone eine Benutzer- und Marken- Dieser Ansatz stellt die Verwendung desoft einen eingeschränkten Wirkungskreis akzeptanz, die es so zuvor nicht gegeben gleichen Codes für verschiedene Platt-und konnten ihre Methoden nicht nachhal- hat [3; 4]. Andere Plattformen haben formen in Aussicht. Bei diesem Szenariotig in die Wertschöpfungskette integrie- aber zwischenzeitlich stark aufgeholt. Die gibt es jedoch starke Abhängigkeiten zumren. Für unser Fachgebiet sind Apps eine Android-Plattform hat iOS weltweit bereits UX Design, denn trotz gleichen Codesfantastische Entwicklung. Endlich ist das als meist genutztes Operating System erwarten die Anwender weiterhin nativesThema UX bei allen Entscheidungsträgern (OS) für Smartphones abgelöst, während Look & Feel und eine hohe Performance.angekommen. Und auch im Volksmund ist Windows Phone noch nicht zu den acht Um eine App auf mehrere Plattformen zu244
  • 2. UsabilityProfessionals2012User Experience Dieser technisch sehr vielversprechende Ansatz birgt aus UX-Perspektive aber den Nachteil, dass nicht auf die plattform- spezifischen Applikations- und Interakti- onskonzepte eingegangen werden kann, da die Apps auf allen Plattformen den gleichen Code teilen. Zum Teil wird diesem Problem begegnet, indem neben dem gemeinsamen Code (z. B. Business Layer und Backend-Anbindung) manuell nativer Abb. 1. Vier verschiedene Code für das UI der einzelnen Plattformen Techniken Apps auf in die Codebasis eingepflegt wird. Dies mehrere Mobile- bildet dann einen Kompromiss zwischen Plattformen zu bringen: Native Apps, Web- nativer und Cross-Compile Entwicklung Apps, Hybrid Apps, (siehe [10]). Erfahrungen aus entsprechen- Cross-Compile Apps den Projekten zeigen, dass mit dieser Herangehensweise und bei geeigneter Softwarearchitektur immerhin 50% Code Reuse erzielt werden kann.bringen, kann man sich somit verschiede- Marketinginstrument – zu verbreiten,ner Techniken bedienen. Zum besseren wodurch diese Apps eine deutlich gerin- 2.Verständnis für das Zusammenspiel von gere Sichtbarkeit aufweisen. Das plattform- Projekt-SteckbriefeApp-Ansatz und UX werden nachfolgend spezifische Interaktionskonzept und dasdie vier wichtigsten Techniken vorgestellt: Look & Feel bleiben bei dieser Methode In diesem Abschnitt werden ErfahrungenDie Entwicklung von nativen, Web- und notgedrungen mehr oder weniger auf der aus verschiedenen Mobile-Projekten auf-Hybrid-Applikationen sowie Cross-Com- Strecke. Darüber hinaus kann mit der Web- gezeigt und diskutiert. Für den Einblick inpile Ansätze (siehe Abb. 1). App-Technologie nur sehr beschränkt auf die Projekte haben wir Interviews mit Ent- System-Features zugegriffen werden (z. B. wicklern, UX- Experten und ProjektleiternWenn man Apps nativ entwickeln möchte, Smartphone-eigenen Kamera, Kontaktda- geführt. Insgesamt wurden Erkenntnissebedeutet dies eine separate Umsetzung ten, Smartphone-Sensoren, etc.). aus sieben Projekten gesammelt, wovonfür jede Plattform. Vorteil dieses Vorge- an dieser Stelle drei näher beleuchtethens ist, dass die maximale UX erreicht Einige Nachteile von Web-Apps werden werden sollen.werden kann, da native Apps auf alle von Hybrid-Apps dadurch kompensiert,System-Features uneingeschränkt zugrei- dass ein spezielles Framework (z. B. Pho- 2.1.fen können und die App ganz auf das neGap [9]) für jede Plattform einen nativen My Swisscom AppInteraktionskonzept und das Look & Feel Wrapper zur Verfügung stellt. Dieser reicht (iOS, Android, Web-App)der Plattform zugeschnitten werden kann. die Plattform-Features weiter, wodurchFür eine native App-Strategie bedarf es diese vom eigentlichen Programmcode Die Ausgangslage des Projekts war eindemnach Spezialisten für jede Plattform. der App initiiert werden können, z. B. über nur mäßig erfolgreicher Umsetzungsver-Dass die komplette Applikation für Anzahl Javascript-Methodenaufrufe. Dadurch such mit einem Cross-Compile Ansatz,x unterstützte Plattformen auch x-mal muss der eigentliche Code der App für der neben technischen Problemen auchentwickelt wird, treibt letztendlich auch die alle Plattformen nur einmal mit HTML/ nur eine geringe UX aufwies und entspre-Entwicklungskosten in die Höhe. Javascript geschrieben werden. Das hat chend unbefriedigendes Feedback in den jedoch auch wieder zur Folge, dass das App Stores erzielte. Daraufhin wurde eineKlassische Web-Applikationen können native Look & Feel kaum für jede Plattform völlige Neuentwicklung der My Swisscom-durch diverse CSS und Javascript Frame- erzielt werden kann. App als Native- (iOS, Android) und Web-works (z. B. jQuery Mobile [7], Sencha App beschlossen.Touch [8]) für Smartphones und Tablets Der Cross-Compile Ansatz (z. B. Mono-optimiert werden. Mit dieser Technik Touch [10]; Titanium [11]) bietet den Ent- Die My Swisscom App sollte ausgewähltekönnen alle mobilen Plattformen auf einen wicklern von Apps ein eigenes Framework Funktionen zur Verwaltung des persönli-Streich angebunden werden, da die App mit einer dedizierten „Mainstream“-Pro- chen Portfolios von Swisscom-Privatkun-direkt im mobilen Webbrowser über eine grammiersprache (z. B. Javascript oder C#). den (z. B. Optionen- und Abo-Verwaltung,URL gestartet wird. Dadurch verliert man Dieser Code wird vom Framework auto- Kosten- und Rechnungskontrolle, etc.)aber die Möglichkeit die Applikation matisch in den jeweils nativen Code der zusätzlich zu einem bereits bestehendenüber den App-Store – ein sehr wichtiges zu unterstützenden Plattformen übersetzt. Webportal für Desktop Computer als 245
  • 3. Abb. 2. My Swisscom App für iPhone (links), für Android (Mitte) und als Web- App (rechts). Die dargestellten Daten unterscheiden sich aufgrund leicht unterschiedlicher App- Konzepte etwas voneinander.mobile App zur Verfügung stellen. Der Vor- serverseitiges Caching übernimmt sowie UI-Design von Anfang an enger an dieteil: Kunden haben ihre Kosten jederzeit schließlich die Daten über eine REST- Android-Standards angelehnt.im Blick und können wichtige Änderungen Schnittstelle den App-Clients zur Ver-an ihrem Portfolio von überall vornehmen. fügung stellt. Diese Serverkomponente Die enge Zusammenarbeit zwischenDes Weiteren können Anrufe im Callcenter wurde vom ganzen Team gemeinsam Grafik-Designern, UX-Experten, Requi-reduziert werden. Damit alle Swisscom definiert, umgesetzt und wird von allen rements Engineers, Business-VertreternPrivatkunden gleichermaßen von diesem drei Apps gleichermaßen genutzt. und den App-Entwicklern war aus SichtAngebot profitieren, wurde das App Pro- unserer Interviewpartner für das Projektjekt für die beiden mobile Plattformen iOS Während des Projektes hat das Team, sehr wichtig und wird für künftige Releases[12] und Android [13], die in der Schweiz auch aufgrund der vorausgegangenen noch weiter verstärkt. Damit Grafik- undmit Abstand am weitesten verbreitet sind, Erfahrungen und Rezensionen von Version UI-Designer nicht an den Möglichkeitengleichzeitig umgesetzt. Zudem wurde für 1 (Cross-Compile Variante), eine größere und Realitäten einer Plattform vorbeiar-Kunden mit anderen mobilen Betriebs- Erwartungshaltung von iOS-Nutzern an beiten, sind ein interdisziplinäres Teamsystemen (Windows Phone, BlackBerry, die UX antizipiert. Insgesamt stieg der und eine starke (agile) KommunikationSymbian, etc.) die entsprechende Funktio- Aufwand für das UX-Design für alle drei erfolgsentscheidend.nalität parallel als Web-App [14] entwickelt, parallelen Vorhaben relativ schnell an. Soauf die beim Besuch der vorhandenen hatten die Projektbeteiligten zunächst 2.2.Desktop-Webseite über eine Browserer- vielfach unterschätzt, dass geeignete Delta Energy System Appkennung umgeleitet wird. [Abb. 2] Interaktionskonzepte für alle drei Platt- (Hybrid App) formen separat erstellt werden müssen.Das Ziel des Projektes war eine signifi- Die Annahme, ein Konzept auf allen drei Delta Energy System ist ein weltweit agie-kante Steigerung der Nutzerzufriedenheit Plattformen gleichartig umsetzen zu kön- render Anbieter von innovativen Stromver-und die End-to-End-Anbindung der App nen, führte immer wieder zu technischen sorgungslösungen. Zusätzlich zu der bereitsan eine Vielzahl von Backend-Systemen. Problemen bei der Umsetzbarkeit des UI vorhandenen umfangreichen Laptop-Dies war notwendig, um den Funktions- und letztendlich auch zu Einschränkungen Lösung mit Web-Schnittstelle und einemumfang der App ausbauen zu können. bei der UX der Apps. kleinen LCD-Display am Gerät, soll denDie verschiedenen Entwickler arbeiteten Wartungsmitarbeitern eine Smartphonezusammen in einem Team, um von erarbei- Für die Entwicklung der iOS-App bedeu- Applikation für die effiziente Durchführungteten Lösungen gegenseitig profitieren zu teten einige UI-Designs einen hohen (und von routinemäßigen Wartungsarbeiten undkönnen. Diese Zusammenarbeit stellte sich oft nicht eingeplanten) Mehraufwand, die einfache Verwaltung mehrerer Anla-schnell als Vorteil heraus, denn neben der vor allem wenn diese nicht auf iOS- gen zur Verfügung gestellt werden. Daseigentlichen App-Entwicklung musste auch Standard-Komponenten basierten. Dies Ziel dieses Forschungsprojektes bestandeine serverseitige Komponente implemen- konnte schnell zu Verzögerungen führen. darin, eine geeignete Technologie für diesetiert werden, welche die verschiedenen Die Android-Entwicklung verlief mit bis Smartphone Anwendung zu evaluieren undkomplex strukturierten Backend-Systeme zu 50% kürzeren Entwicklungszeiten anhand eines Prototyps deren Tauglichkeitanbindet, Autorisierungsaufgaben und schneller als prognostiziert. Hier war das für den Feldeinsatz zu überprüfen.246
  • 4. UsabilityProfessionals2012User Experience Abb. 3. Delta Engergy App für das iPhone entwickelt mit einem Hybrid-AnsatzFür den Auftraggeber war eine hohe UX Android-App Vorlieb nehmen, was, wie insbesondere mit der neuen iOS Story-ein entscheidendes Ziel. Gleichzeitig gab hier, für Business-to-Employee (B2E) Apps board Technologie, mit der relativ einfaches Anforderungen zur Wart-, Adaptier- und vermutlich akzeptabler ist als für Business- mehrere Screens einer Applikation (inkl.Portierbarkeit der App. Auch die Verbrei- to-Consumer (B2C) Apps. der Übergänge zwischen den Screens) auftung der verschiedenen Smartphones im einmal mit dem GUI-Designer „entwickelt“Weltmarkt spielte eine entscheidende Aus Sicht der Entwickler scheint klar, dass werden können [15, 16]. Für eine weitereRolle bei der Technologiewahl. Zudem eine hohe mobile UX nur mit nativen native Android-App bräuchte man even-sollte die Applikation schnell auf indi- Lösungen möglich zu sein scheint, da es tuell auch nicht viel mehr Zeit (abhängigviduelle Anlagen anpassbar sein. Aus mit HTML5 nur CSS3 als Möglichkeit gibt, natürlich vom Umfang und Inhalt derdiesen Gründen fiel die Entscheidung das Screendesign zu optimieren, womit jeweiligen App).auf eine Hybrid-App Lösung mit HTML5, auch alle Zielplattformen gleichzeitigJavaScript, jQuery Mobile und PhoneGap abgedeckt werden müssen. Die Entwickler Letztendlich würden die Entwicklerals Umsetzungstechnologien. So konnte dieses Projektes haben Zweifel, dass man HTML5-Crossplatform Lösungen aktuelleine Codebasis für alle Plattformen mit der HTML5-Cross-Plattform Lösung nur empfehlen, wenn bewusst gewisseverwendet werden und die Entwickler von (bzw. Hybrid-Apps) wirklich „schneller“ Abstriche beim UI und bei der UX in KaufDelta konnten auf vorhandenem Web entwickelt, da sowohl iOS als auch Android genommen werden können, was beispiels-Know-how aufbauen. Der Fokus der ersten jeweils eine sehr gute Tool-Suite anbie- weise bei gewissen B2E ApplikationenVersion lag auf der Unterstützung für das ten, um Software für die entsprechende durchaus akzeptabel ist.iPhone. [Abb. 3] Plattform zu entwickeln, wohingegen die existierenden HTML5-Frameworks zur 2.3.Die Entscheidung für den Hybrid-Ansatz Zeit des Projektes zum Teil noch etwas XING App (Windows Phone)war letztendlich ein Kompromiss zwischen unausgereift waren und dementsprechendeffizienter Entwicklung, Erweiterbarkeit häufig vorhandene Unzulänglichkeiten mit Die Entwicklung der XING-App fürund einer guten UX. Trotz grosser Anstren- Workarounds umschifft werden mussten. das Windows Phone geschah in engergungen, die App mit CSS3 auf iPhone Ein Beispiel hierfür ist die Implementie- Zusammenarbeit von Zühlke, MicrosoftLook zu trimmen, reagiert die Anwendung rung von Tabs und scrollbarem Content und XING. Die Qualität und die Reich-im Vergleich zu einer nativen Lösung zugleich – jedes Interaktionselement für weite der Applikation standen dabei imlangsamer. Dies ist mehr auf den Reifegrad sich kann problemlos mit JQuery Mobile Vordergrund. Bei einer B2C App entschei-und die Implementierung des Frameworks umgesetzt werden, möchte man beide den die Benutzer über den Erfolg der(hier jQuery Mobile) zurückzuführen als auf allerdings zusammen einsetzen, d. h. scroll- Applikation – bei nativen Apps sind diesdie Verwendung von HTML5/JavaScript. barer Content in einer Tab-Struktur, dann z. B. die Bewertungen im Store. In diesemBei einer Portierung der App z. B. auf ist die Implementierung zum Erreichen Zusammenhang waren eine hohe UX undAndroid-Geräte, müsste entweder das einer guten UX ohne Ruckeln der Tabs sehr gute Rezensionen sehr wichtig. NatürlichUI der App für diese Plattform angepasst aufwändig. Deshalb könnte man vermut- kommen bei einer XING App auch hohewerden oder man müsste mit dem iPhone lich auch eine native iPhone-App schnel- Performance-Anforderungen und Ska-Look & Feel auch in einer eventuellen ler entwickeln als eine Hybrid-Lösung, lierbarkeit hinzu – vom gelegentlichen 247
  • 5. XING-Benutzer bis zum Power User mit Phone platzieren kann. Die Kachel bringt relevante Parameter zu beachten gibt.tausenden Kontakten existiert ein breites idealerweise die interessantesten Infor- Dazu gehören zum Beispiel Entwicklungs-Spektrum. Gleichzeitig war das Ziel in mationen aus der App an die Oberfläche budget, vorhandenes Know-how, Funkti-Kooperation mit Microsoft eine Top-App und verhindert so das unnötige Starten der onalität, UX-Ziele und Anforderungen anfür die neue Windows Phone-Plattform App. Für das Design einer Live Tile sollte das Look & Feel.zu entwickeln, die einerseits die gleichen ausreichend Zeit eingeplant werden, wobeiinhaltlichen Features wie die anderen XING schnelle und zahlreiche Design-Iterationen Grundsätzlich bieten sich zwei StrategienApps bietet und andererseits das spezifi- für ein optimales Ergebnis empfehlenswert an: die native Entwicklung getrennt fürsche Windows Phone Interaktionsdesign sind (in diesem Fall waren es ca. 20 Iterati- alle Plattformen oder die Verwendung vongut umsetzt (siehe Abb. 4). Neben der onen) (siehe Abb. 5). Frameworks zur einfacheren ÜbertragungKundenseite war in diesem Projekt somit einer App auf verschiedenen Plattformen.auch der Plattformhersteller involviert – Der größte Nachteil dieser Plattform Bei der nativen Entwicklung ist es oft nötigeine spannende und außergewöhnliche besteht in ihrer momentan noch sehr neues Know-how aufzubauen, da es nurKonstellation. [Abb. 4] geringen Reichweite – sowohl in Deutsch- wenige UX-Experten und noch weniger land als auch in der Schweiz macht Win- Entwickler gibt, die auf allen Mobile-Unter den größten Herausforderungen in dows Phone weniger als 5% aller mobilen Plattformen gleichermaßen mit Erfahrungdiesem Projekt waren die Erreichung einer Betriebssysteme aus [6]. [Abb. 5] aufwarten können. Gerade für iOS ist eshohen Performance, die Umsetzung der noch schwierig erfahrene Entwickler zuMetro Design Guidelines – hier insbeson- 3. finden. Für neue Plattformen wie demdere die Gestaltung des Live Tiles – sowie Erkenntnisse und Empfehlungen kommenden Windows 8/Metro UI müssendie Sicherstellung einer guten UX mit sich auch UX-Experten mit einer weiterenHilfe von zahlreichen Reviews, Tests und Die drei vorgestellten Projekte verdeut- Mobile-Plattform auseinandersetzen.der kontinuierlichen Verarbeitung von lichen, dass sich sowohl die Technolo-Benutzer-Feedbacks im Anschluss an die giewahl als auch das App-Konzept auf Der Cross-Compile- und der Hybrid-AnsatzVeröffentlichung der App. die UX auswirken – und umgekehrt. Aus versprechen gleichermaßen eine Senkung den beschriebenen Projekten und den der Entwicklungskosten, da wesentlicheHinsichtlich der Performance war es in die- Interviews, die wir mit Entwicklern, UX- Teile des Projektes nur einmal entwickeltsem Projekt nützlich, nicht nur die tatsäch- Experten, Auftraggebern und Projektlei- werden müssen. Aber auch hier gilt:liche Performance zu optimieren, sondern tern geführt haben, wollen wir nachfolgend wenn das gewählte Framework neu fürauch die wahrgenommene Performance zu einige Erkenntnisse und Empfehlungen für die Entwickler ist, brauchen sie auch hierberücksichtigen, da für den Benutzer letzt- Mobile Projekte ableiten. Einarbeitungszeit. Dies wirft die Frageendlich die wahrgenommene Reaktion der auf, ob in diesem Fall der Cross-CompileAnwendung zählt. Insbesondere bei einer 3.1. Ansatz wirklich in der Lage ist eine nativeneuen Plattform wie Windows Phone 7 ist Technologiewahl und UX Entwicklung zu übertrumpfen. Ein weitereses für eine erfolgreiche App unerlässlich, Problem besteht darin, dass es momen-jemanden im Projekt zu haben, der sich Die Entscheidung für die richtige Mobile- tan viele Frameworks gibt, von denenmit den Plattformspezifitäten auskennt. Die Technologie muss in jedem Projekt neu jedes einzelne Stärken und Schwächen inLive Tile ist eine Kachel, die der Anwender getroffen werden, da es verschiedene und gewissen Bereichen aufweist. Hier auf dasauf dem Startbildschirm von Windows je nach Kontext und Ziel unterschiedlich richtige Pferd zu setzen ist nicht einfach Abb. 5. Die Live Tile der XING App für Windows Phone 7 Abb. 4. Ein Ausschnitt der Panorama-Ansicht der XING App für Windows Phone 7248
  • 6. UsabilityProfessionals2012User Experienceund erfordert viel Erfahrung und Kenntnisse weiterentwickeln zu können. Stetige kleine Cases. Der Stellenwert von B2C und B2Evon allen technischen Lösungen. Unsere Releases, die eine App verbessern, wer- Apps wird weiter zunehmen. Die Ent-Interviewpartner waren sich in einem Punkt den von den Nutzern in der Regel positiv wicklung anspruchsvoller Apps wird aucheinig: Cross-Compile-, Hybrid-App- und aufgenommen. UX-Experten weiter fordern, aber auch denWeb-App-Ansatz bedeuten klare Abstriche Stellenwert ihrer Rolle fördern, insbeson-bei der UX im Vergleich zu nativ entwickel- 4. dere in einem technologisch immer stärkerten Apps. Fazit fragmentierten Markt und einer immer UX-bewussteren Benutzerklientel.Technische Probleme wie Device-Fragmen- Ein erfahrener UX-Experte mit plattform-tierung, Versionsunterschiede des Betriebs- spezifischen Kenntnissen ist in einem Quellensystems und die Connectivity-Problematik Mobile-Projekt unverzichtbar und sollte dort 1. Berkman E. & Hoober, S. (2012). Designinghaben im Mobile-Bereich viel stärkeren eine zentrale Rolle einnehmen. Neben der Mobile Interfaces. Sebastopol, CA: O’Reilly.Einfluss auf die Arbeit des UX-Experten, von Anwendung von UX- Methoden ist es auch 2. http://www.google.de/imgres?hl=dem sehr großes Know-how und Erfahrung seine Aufgabe zwischen Fachseite und Ent- de&sa=X&biw=1440&bih=775&tberwartet wird. Auch das Testen auf den wicklung zu vermitteln und schon bei der m=isch&prmd=imvnslb&tbnid=Z-_verschiedenen mobilen Endgeräten spielt Spezifikation der Anforderungen darauf zu O6xpMsYYDzM:&imgrefurl=http://blog.eine zentrale Rolle bei der Umsetzung von achten, dass diese benutzergerecht erho- procontext.com/2010/03/usability-und-Multi-Plattform Projekten. ben werden und auf den verschiedenen user-experience-unterscheiden.html&doci Plattformen kostenbewusst umsetzbar sind. d=vDBaKrUEgu3Q8M&imgurl=http://blog.3.2. Da der UX-Experte oft die Person mit dem procontext.com/images/posts2010/user-Mobile-Strategie besten Überblick über die verschiedenen experience-und-usability.png&w=1372&h=75 zu unterstützenden Plattformen ist, trägt er 8&ei=snr8T9uKDoOO8wSf5ZHqBg&zoom=1Funktionalität alleine reicht bei mobilen in Mobile-Projekten oft mehr Verantwor- (Zugriff am 29.07.2012)Apps nicht aus, wie ein Blick auf die Benut- tung als in anderen Projekten. Es ist auch 3. http://www.time.com/time/specials/2007/artzerkommentare in den verschiedenen App seine Aufgabe, Business, Grafikdesigner icle/0,28804,1677329_1678542_1677891,00.Stores verrät. Die UX einer App spielt eine und Entwickler auf die Eigenheiten des html (Zugriff am 29.07.2012)sehr wichtige Rolle, also z. B. auch, wie Mobile-Umfelds aufmerksam zu machen 4. http://www.nytimes.com/2007/06/27/eine App und sogar der Anbieter hinter und entsprechend zu coachen. technology/circuits/27pogue.html?_der App von den Benutzern wahrgenom- r=1&pagewanted=all (Zugriff am 29.07.2012)men werden. Apps mit toller UX zu entwi- Sehr gutes Know-how aller Zielplattfor- 5. http://www.netmarketshare.com/ (Zugriff amckeln ist deshalb weder einfach noch billig. men, der geltenden Style Guides und 29.07.2012)Insbesondere bei der Entwicklung von B2C der Vorgaben beim Interaktionsdesign ist 6. http://gs.statcounter.com (Zugriff amApps ist von halbherzig umgesetzten Apps essenziell bei der erfolgreichen Umsetzung 29.07.2012)strikt abzuraten, da diese manchmal mehr von Mobile- Projekten, in denen eine sehr 7. http://jquerymobile.com (Zugriff am(Reputations-)Schaden anrichten können hohe UX angestrebt wird. 29.07.2012)als sie Nutzen bringen. 8. http://www.sencha.com/products/touch Viel mehr als in anderen Projekten muss (Zugriff am 29.07.2012)Die verschiedenen mobilen Plattformen im Mobile-Bereich der Nutzungskontext 9. http://phonegap.com (Zugriff am 29.07.2012)(iOS, Android, Windows Phone, etc.) berücksichtigt werden. Anders als z. B. 10. http://xamarin.com/monotouch (Zugriff amspalten ihre Benutzer oft in verschiedene bei Desktop-Anwendungen, welche den 29.07.2012)Sympathie-Lager. Und so kann es auch vor- Kontext des Benutzers gewissermaßen vor- 11. http://www.appcelerator.com/platform/kommen, dass der persönliche Geschmack geben, spielen bei mobilen Apps externe titanium-sdk (Zugriff am 29.07.2012)von Entscheidungsträgern in Mobile-Pro- Faktoren eine entscheidende Rolle, wie 12. http://itunes.apple.com/ch/app/jekten zu einer bestimmten Plattform- bzw. zum Beispiel die Qualität der mobilen my-swisscom/id444087594 (Zugriff amTechnologiewahl führt. Hier ist es auch die Internetverbindung, die aufwändigere 29.07.2012)Aufgabe von UX-Experten solche Entschei- Eingabe von Text via Touchscreen und die 13. https://play.google.com/store/apps/dungen zu hinterfragen und womöglich Unterbrechung der App-Nutzung, z. B. details?id=com.swisscom.myswisscombessere Alternativen aufzuzeigen. durch eingehende Anrufe. (Zugriff am 29.07.2012) 14. http://www.swisscom.ch/myswisscom (ZugriffUX lässt sich nicht vollends vorhersehen, Die Entwicklung von Apps für Smartpho- am 29.07.2012)darum ist es wichtig, bei der Strategie von nes und Tablets steht immer noch am 15. https://developer.apple.com/technologies/Mobile-Projekten Zeit und Geld einzupla- Anfang. Die Geräte werden immer leis- ios5/ (Zugriff am 30.07.2012)nen, um nach dem ersten Release auf das tungsfähiger und viele End-to-End-Anwen- 16. http://www.raywenderlich.com/5138/Feedback von Benutzern reagieren und dungen verschieben sich von klassischen beginning-storyboards-in-ios-5-part-1 (Zugriffdie App immer wieder verbessern und Desktop-Anwendungen zu mobilen Use am 30.07.2012) 249

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