Fell, C. (2010). Publish or Perish und Google Scholar – ein Segen? (PDF) ZPID Science Information Online, 10 (2).

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Fell, C. (2010). Publish or Perish und Google Scholar – ein Segen? (PDF) ZPID Science Information Online, 10 (2).

  1. 1. Publish or Perish und Google Scholar – ein Segen?Clemens FellLeibniz-Zentrum für Psychologische Information und Dokumentation (ZPID)Universität Trier, 54286 Trierwww.zpid.dehttp://www.zpid.de/index.php?wahl=IuD&uwahl=publicationsLeibniz-Zentrum für Psychologische Information und DokumentationZPID Science Information Online, 10 (2)
  2. 2. ZPID IuD-Forschung: Veröffentlichungenhttp://zpid.de/index.php?wahl=IuD&uwahl=publications1Publish or Perish und Google Scholar – ein Segen? August 2010Clemens FellLeibniz-Zentrum für Psychologische Information und Dokumentation (ZPID), Trier8Bibliometrische Kennzahlen beeinflus-sen wissenschaftliche Karrieren (Bauer,2003; Fröhlich, 2003). Beim wissen-schaftlichen Fortkommen (z. B. Beru-fungen, Habilitationen, Mittelvergaben)hieß es bisher oft publish or perish(Garfield, 1996). Quantitative Kennzah-len über die Publikationstätigkeit einerPerson sollten Aussagen über die Quali-tät ihres wissenschaftlichen Tuns zulas-sen.Koordination zwischen Wissenschaft-lern erfolgt durch gegenseitige Bezug-nahme. Sie stimmen die eigene Arbeitmit der von Kollegen ab, indem sie anderen Arbeiten anknüpfen. Dieses An-knüpfen manifestiert sich in Zitationen.Man könnte leicht folgern: Je häufigersich Wissenschaftler auf eine Publikati-on berufen, desto wichtiger ist diese.Noch einen Schritt weiter: Je häufigerWerke eines Autors insgesamt herange-zogen – sprich: zitiert – werden, destogrößer ist dessen wissenschaftliche Be-deutsamkeit. Cronin (1984, S. 25) nenntZitationen auch „erstarrte Fußabdrückenauf der Landkarte wissenschaftlicherErrungenschaften“. Je mehr Fußabdrü-cke ein Wissenschaftler hinterlässt, des-to wichtiger scheint er wohl zu sein.Durch das „Zählen“ von Zitationen wirdin Zitationsanalysen dann zuweilen diewissenschaftliche Bedeutsamkeit ein-zelner Wissenschaftler, Wissenschaft-lergruppen, Institute, Universitäten,Fachzeitschriften, Wissenschaftsdiszip-linen oder gar ganzer Nationen zu mes-sen versucht.Für Wissenschaftler heißt das (Jasco,2009): „Publish, get cited or perish!“.So ist es zur Dokumentation eigenerBedeutsamkeit und Gewährleitung be-ruflichen Fortkommens nicht mehr aus-reichend, zu publizieren und dies aufzu-zeigen; das Aufgreifen der Werke durchandere, das Zitiertwerden ist es, waszählt. Und bei der Wahl einer Fachzeit-schrift ist es vielerseits (mit-)entscheidendes Merkmal, wie häufiginnerhalb eines Jahres die in den zweiVorjahren veröffentlichten Artikel, imVerhältnis zu deren Anzahl, zitiert wor-den sind (Journal Impact Factor, JIF).Dass solches Denken in vielerlei Hin-sicht zu vereinfacht und höchstproble-matisch ist, darauf wird immer wiederhingewiesen (z. B. Harzing, 2008;Krampen, Becker, Wahner & Montada,2007). Dennoch ist die Idee einerscheinbar so einfachen, objektiven undquantitativen Evaluation wissenschaftli-cher Leistung wohl oftmals zu verlo-ckend.Zum Zählen von Zitationen lassen sichspezielle Zitationsdatenbanken nutzenbzw. sie müssen genutzt werden. DieDatengrundlage für Publikations- undv. a. für Zitationsanalysen liefert in allerRegel eine der beiden kostenpflichtigenDatenbanken Scopus (Elsevier) oderWeb of Science (Thomson Reuters).Web of Science (WoS) ist derzeit wohlweiter verbreitet und Grundlage der,ebenfalls von Thomson Reuters imJournal Citation Reports veröffentlich-ten, jährlichen JIF-Berechnung für8 000 Fachzeitschriften. So hat das Un-ternehmen Thomson Reuters mit seinendurchaus „kostspieligen“ Angebotenzumindest indirekten Einfluss auf dieBewertung wissenschaftlicher Leistung.2004 schien es manchem, als würdesich dies grundlegend ändern.
  3. 3. Publish or Perish und Google Scholar – ein Segen? 2ZPID IuD-Forschung: Veröffentlichungenhttp://zpid.de/index.php?wahl=IuD&uwahl=publications1Seit 2004 (seit 2006 in deutscher Spra-che) bietet Google seinen akademischenSuchdienst Google Scholar an. Seitherkann jeder mit Internetzugang gezieltund kostenlos wissenschaftliche Fachin-formationen recherchieren. Noruzi(2005) nennt dies eine Demokratisie-rung des Zugangs zu intellektuellenRessourcen.Neben der Auflistung von Fachpublika-tionen, gibt Google Scholar auch dieZahl der Zitierungen jedes Eintrags an.Noruzi (2005, S. 172) beschreibt:„Google Scholar consists of articles,with a sub-list under each article of thesubsequently published resources thatcite the article; Google Scholar showswho cited a given article at a later pointin time.” So ermöglicht Google Scholarerstens die Suche nach Fachinformatio-nen, zweitens forward chaining unddrittens den Bezug von Daten zur Zita-tionsanalyse. Backward chaining, beidem Referenzen einer Publikation auf-gerufen werden, ist bei Google Scholarim Gegensatz zu vielen kostenpflichti-gen Konkurrenten nicht möglich.Eine Bedienung von Google Scholar istauch mit der Software Publish or Perish(PoP, Harzing, 2010a) möglich. „Pub-lish or Perish is a software program thatretrieves and analyzes academic cita-tions. It uses Google Scholar to obtainthe raw citations, then analyzes theseand presents the following statistics[…]” (Harzing, 2010b). PoP ist, verein-facht gesagt, ein lokal zu installierendesSuchinterface, das Queries an GoogleScholar weiterleitet – eine Program-mierschnittstelle (Application Pro-gramming Interface, API). Ein Parseranalysiert das Suchergebnis und bereitetes auf, damit es innerhalb des Pro-gramms wiedergegeben werden kann(Abbildung 1). Es findet kein Direktzu-griff auf Daten von Google Scholarstatt, denn „PoP ist eine Client-Software, die Google Scholar Ergebnis-daten parst und auf Basis der [GoogleScholar] Zitationsdaten der Treffer In-dikatoren berechnet“ (Tosques & Mayr,2009, S. 117). Unter Parsen verstehtman die Analyse und Aufbereitungtextbasierter Daten (z. B. Ergebnisaus-gabe von Goolge Scholar), in der Art,dass sie von anderen Teilprozessen (z.B. PoP) weiterverarbeitet (z. B. Berech-nung von Zitationsindizes) werden kön-nen (InfoWissWiki, 2008).PoP, quasi ein verlängerter Arm GoogleScholars, und seine Ergebnisse sind nurso gut wie die Datengrundlage selbst.Es würde daher wenig Sinn machen, dieSoftware isoliert zu betrachten; allessteht und fällt letztendlich mit GoogleScholar.Mehrwert von PoP sind sein Parser, derInformationen aus Google Scholar soumwandelt, dass sie zur Weiterverarbei-tung geeignet sind, und die Berechnungverschiedener bibliometrischer Kenn-werte (Publikationszahl, Zitationszahl,Zitationen pro Artikel, Zitationen proAutor, Artikel pro Autor, Hirschs h-Index, Egghes g-Index, contemporary h-index, individual h-index, age-weightedcitation rate, Verteilung der Autorenan-zahl pro Artikel). Neben Exportmög-lichkeiten von Analyseergebnissen bie-tet PoP zu jedem Eintrag die Möglich-keit, diesen oder alle ihn zitierendenEinträge in Google Scholar aufzurufen.
  4. 4. Publish or Perish und Google Scholar – ein Segen? 3ZPID IuD-Forschung: Veröffentlichungenhttp://zpid.de/index.php?wahl=IuD&uwahl=publications1Abbildung 1: Ergebnis einer Autorensuche (heckhausen h) in Google Scholar via PoPPoP schränkt die Nutzung von GoogleScholar insofern ein, als nicht mehr als1 000 Publikationen aufgelistet werdenkönnen. Aufgrund der sehr umfangrei-chen, heterogenen Datenmenge, auf dieGoogle Scholar zugreift, müsste dieseGrenze jedoch oft überschritten werden;unter 90 zufällig ausgewählten Mitglie-dern der Deutschen Gesellschaft fürPsychologie (DGPs) gab es bereits dreisolcher Fälle. Bei WoS oder Scopussind hohe Trefferzahlen wegen der se-lektiveren und stärker kontrollierten(z. B. Dublettenbereinigung) Daten-grundlage seltener. Außerdem könnenmit WoS auch recht umfangreicheSuchergebnisse verarbeitet werden.Zurück zu Google Scholar. Sorgt es fürmehr Transparenz in der Wissenschaft,wie Pauly und Stergiou (2005) behaup-ten? Bricht es gar das Monopol vonThomson Reuters und Co auf? In ge-wisser Weise sicher. Doch auch GoogleScholar hat Mängel, denen man sich alsNutzer bewusst sein muss. Im Folgen-den werden Grenzen und Möglichkeitenvon Google Scholar – und damit vonPoP – zusammengestellt und gegenüberder konventionellen, kostenpflichtigenAlternative WoS kontrastiert. Die Er-läuterungen schließen mit einem Fazit.Die vorliegende Darstellung soll einenersten Überblick verschaffen helfen.Ergänzend sei auf die zitierte und ver-tiefende Literatur hingewiesen.Bei der Nutzung von Publikations-/Zitationsdatenbanken treten generellProbleme auf (Tabelle 1), doch gibt esauch solche, die WoS- (Tabelle 2) oderGoogle Scholar-spezifisch sind (Tabelle3, 4).
  5. 5. Publish or Perish und Google Scholar – ein Segen? 4ZPID IuD-Forschung: Veröffentlichungenhttp://zpid.de/index.php?wahl=IuD&uwahl=publications1Tabelle 1: Generelle ProblemeProblem BeschreibungAutorenunter-scheidungZur Unterscheidung von Autoren über den Nach-namen hinaus werden lediglich die Initialen derVornamen genutzt.Noruzi(2005)Languages OtherThan English(LOTE)Nichtenglische Beiträge werden vernachlässigt,v. a. solche in nicht-europäischen Sprachen.Harzing(2010b),Noruzi(2005)Parsing-Fehler Referenzen werden zuweilen falsch analysiert,z. B. wegen ihrer inkonsistenter Formatierung;dies macht händische Datenpflege notwendig.Harzing(2010b)Publikationstypen Manche Publikationstypen werden vernachlässigt. Harzing(2010b)Schreibweisen Apostrophe, Diakritika und Ligaturen erschwerenoftmals die Suche.Harzing(2010b)Tippfehler Referenzen sind bereits in Originalarbeit falschangegeben.Harzing(2010b)Tabelle 2: Probleme bei WoSProblem BeschreibungUnterschätzungindividuellenImpactsPublikationen außerhalb bestimmter (ISI-listed)Fachzeitschriften finden kaum Beachtung; US-/UK-Fachzeitschriften sind überrepräsentiert.WoS-General-Search ist beschränkt auf ISI-listedFachjournals. Über WoS-Cited-Reference sindauch von ISI-listed Fachzeitschriften zitierte nicht-ISI-listed Fachzeitschriften indexiert.Harzing(2010b)Bei nicht-ISI-listed Fachzeit-schriften nurErstautorenBei der Zählung von Zitationen (WoS-Cited-Reference) werden nur Erstautoren berücksichtigt,was bei Koautoren für Impact-Unterschätzungsorgt.Harzing(2010b)MangelhafteZitationsaggrega-tionEs gelingt oft nicht, Zitationen, die sich durch mi-nimale Schreibfehler unterscheiden, zu aggregie-ren und dem richtigen Werk zuzuordnen.Harzing(2010b)Auch bei Google Scholar haben Nutzermit speziellen Problemen zu kämpfen(Tabelle 3). Harzing (2010b) führt zueiner Vielzahl von ihnen empirischePrüfungen an, die meist GoogleScholars Vorteile untermauern. Außer-dem betont sie, dass einige Impact-Maße, wie z. B. der von PoP berichtetehIndex, robust gegenüber vieler Knack-punkte seien.Eine Eigenheit Google Scholars undUrsache vieler der in Tabelle 3 be-schriebenen Probleme ist, dass alle In-formationen vollautomatisiert durch
  6. 6. Publish or Perish und Google Scholar – ein Segen? 5ZPID IuD-Forschung: Veröffentlichungenhttp://zpid.de/index.php?wahl=IuD&uwahl=publications1Parser- und Crawler-Software zusam-menstellt werden. KonventionellePublikations- und Zitationsdatenbank-anbieter wie WoS oder die psychologi-sche Referenzdatenbank PSYNDEX(Leibniz-Zentrum für PsychologischeInformation und Dokumentation), be-treiben zusätzlich einen erheblichenhändischen Pflegeaufwand, so dass dieDatengrundlage hier wesentlich kontrol-lierter ist.Tabelle 3: Probleme bei Google ScholarProblem BeschreibungNichtwissen-schaftliche Zita-tionenEs werden auch nichtwissenschaftliche Zitationen(z. B. in Hausarbeiten) gezählt.Harzing(2010b),Noruzi(2005)Unklare, unglei-che AbdeckungGoogle gibt kaum etwas über die Abdeckungpreis; vollständig ist sie jedoch bei weitem nicht.Bestimmte Fächer profitieren (z. B. Psychologie),andere sind benachteiligt (z. B. Chemie). Auchjüngere Publikationen (≥ 1990) profitieren.Harzing(2010b)UnsinnigeErgebnisseDer Parser erzeugt gelegentlich sinnlose Ergebnis-se (z. B. unsinnige Autorennamen).Harzing(2010b)Publikationstypen Eine Unterscheidung zwischen verschiedenenPublikationstypen ist nicht/ kaum (s. u.) möglich.Noruzi(2005)InkonsistenteZitationenZitationen sind teilweise inkonsistent, z. B. hin-sichtlich Schreibweise oder Vollständigkeit.Noruzi(2005)Mangelnde Ver-schlagwortung,KlassifikationSuchmodi: Stichwortsuche (irgendwo, im Titel)Autorenname, Publikationsname, Veröffentli-chungsjahr, Domain, URL, Autor, DateitypBei scholar.google.com zusätzlich:- Artikel und/oder Patent- Themenbereiche: Biology, Life Sciences, andEnvironmental Science; Medicine, Pharmacol-ogy, and Veterinary Science; Business, Admin-istration, Finance, and Economics; Physics, As-tronomy, and Planetary Science; Chemistry andMaterials Science; Social Sciences, Arts, andHumanities; Engineering, Computer Science,and Mathematics- Legal opinion (US-Gerichte; US-Gerichte be-stimmter Bundesstaaten) und/oder Fachzeitzeit-schriftenNoruzi(2005)Wenig komplexeSuchsyntaxSuche nach Stoppwörtern (+), Ausschluss be-stimmter Begriffe (-), Boolesches Verodern (OR,|), Phrasensuche („“)Noruzi(2005)
  7. 7. Publish or Perish und Google Scholar – ein Segen? 6ZPID IuD-Forschung: Veröffentlichungenhttp://zpid.de/index.php?wahl=IuD&uwahl=publications1Weil Vor- und Nachteile von WoS be-kannt sein dürften, seien hier lediglichnochmals die Vorteile von GoogleScholar zusammengestellt (v. a. Noruzi,2005). Google Scholar weist eine inter-nationale(re) Abdeckung auf als seinekostenpflichtige Konkurrenz. Es istprinzipiell nicht auf bestimmte Informa-tionsressourcen, Publikationstypen odergar Zeitschriften beschränkt. So profi-tieren zwar bestimmte Fachbereichemehr als andere von Google Scholarbzw. haben mehr oder weniger Einbu-ßen gegenüber konventionellen Anbie-tern hinzunehmen, doch sind grundsätz-lich thematisch flächendeckende undmultidisziplinäre Recherchen möglich.Google Scholar kann (sollte) unter-schiedliche Varianten desselben Doku-mentes erkennen und Zitationen ent-sprechend aggregieren. Seine Nutzungist kostenfrei.Alles in allem könnte daher ein sehrpositives Fazit hinsichtlich GoogleScholar gezogen werden. Doch gibt esauch kritische(re) Stimmen, die weitereSchwächen sehr pointiert offenlegen(Tabelle 4). Einer der bekanntesten Kri-tiker ist der InformationswissenschaftlerPeter Jascó.Tabelle 4: Probleme bei Google Scholar nach Jasco (2009)Problem BeschreibungKeine NutzungvorhandenerMetadatenGoogle Scholar nutzt die Metadaten nicht, die wissenschaftlicheVerlage und indexing/ abstracting services bereits Google Bookszur Verfügung gestellt haben, sondern vollautomatisierte Crawler-und Parser-Software, was zu einer Vielzahl von Fehlern führt.Publikationen werden so z. B. Phantom-Autoren zugeschrieben,weil Suchmenüoptionen u. ä. fälschlicherweise als Autorennamen(P Login) interpretiert werden. Dadurch sinken die Publikations-/Zitationszahlen der tatsächlichen Autoren.Aggregation Aufgelistete Publikationen sind oft Variationen/ Versionen einereinzigen Publikation und ihre Zitationen schlecht aggregiert.Die Nichtberücksichtigung solcher Dubletten wirkt sich aufPublikations- wie Zitationszahlen aus. WoS und Scopus weiseneine selektivere und stärker kontrollierte, weil zusätzlich händischgepflegte, Datengrundlage auf; zudem werden nur Master-Einträgeberücksichtigt.Trefferzahlen Trefferzahlen werden standardmäßig als Summe aus Publikationenund Zitationen berichtet.Es ist aber eine Anzeigeoption Mindestens Zusammenfassungenvorhanden die verspricht, Zitationen auszuklammern.Weiterreichung Probleme von Google Scholar werden weitergereicht (eigene Zita-tionszählung, PoP).Gerade Tools wie PoP lassen immer mehr Menschen zu „Zitati-onsanalysten“ werden. Probleme aber werden oftmals ignoriertund z. B. Rankings erstellt, auf deren Grundlage wichtige Ent-scheidungen getroffen werden.
  8. 8. Publish or Perish und Google Scholar – ein Segen? 7ZPID IuD-Forschung: Veröffentlichungenhttp://zpid.de/index.php?wahl=IuD&uwahl=publications1Obwohl, laut Jasco (2009), GoogleScholar-Entwickler einige der aller-schlimmsten Fehler behoben hätten,existiere weiterhin viel Nonsense undkomme immer neuer dazu. Jasco (2009)zieht als Fazit, dass mit Google Scholarauch noch zu den ausgefallensten The-men einige gute Informationen recher-chiert werden könnten und es zurStichwortsuche geeignet sei. Jasco(2009) warnt aber davor, Google Scho-lar zur Analyse von Publikationsleis-tung oder wissenschaftlichen Impacts zunutzen.Diese Einschätzung möchte ich vor demHintergrund der nicht unerheblichenProbleme, die auch mit der Nutzungkostenpflichtiger Datenbanken ver-knüpft sind, ergänzen. Grenzen der Bi-bliometrie – ob grundsätzlicher oderangebotsspezifischer Natur – müssensystematisch untersucht und offengelegtwerden (zur Übersicht siehe z. B.Harzing, 2008; Krampen et al., 2007;Schui, 2004). Allein wegen erheblicherHeterogenität zwischen wie innerhalbeinzelner Wissenschaftsfelder und Au-torengruppen (z. B. Krampen, Schui &Fell, 2010) sollten konventionelle An-gebote wie auch Google Scholar an-wendungs-, kontextspezifisch und ver-gleichend evaluiert, statt pauschal(ver)urteilt zu werden.Schon aufgrund technischer Einschrän-kungen eignet sich Google Scholar unddamit auch PoP jedoch noch nicht fürumfangreiche bibliometrische Analy-sen. Sendet man in kurzer Zeit zu viele(ca. 100) Queries an Google Scholar,wird seitens Google Scholars die IP-Adresse für mehrere Stunden von weite-ren Anfragen „ausgeschlossen“: Such-anfragen per PoP werden dann nichtmehr bearbeitet und erzeugen Fehler-meldungen. Direkt über das Webinter-face ist Google Scholar weiter nutzbar,wenn vor jeder Anfrage ein CAPTCHA(Completely Automated Public Turingtest to tell Computers and HumansApart) eingeben wird. Diese Limitie-rung durch Google Scholar ist auch derGrund, weshalb PoP keine Möglichkeitdes Query-Imports bietet, was umfang-reicheren Analysen zusätzlich entge-gensteht.LiteraturBauer, B. (2003). Habilitationskriterium Impact-Factor: Wie evaluieren medizinische Fa-kultäten wissenschaftliche Leistungenvon Habilitanden? medizin - bibliothek -information, 3(2), 40-43. Verfügbar un-ter: http://www.meduniwien.ac.at/agmb/mbi/2003_2/bauer40-43.pdf[30.08.2010]Cronin, B. (1984). Citation process: Role andsignificance of citations in scientificcommunication. London: Taylor Gra-ham.Fröhlich, G. (2003). Gegen-Evaluation: DerImpact-Faktor auf dem Prüfstand derWissenschaftsforschung. BUKO INFO,1-4, 61-65. Vefügbar unter:http://www.oeaw.ac.at/ita/ebene5/Froehlich.pdf [30.08.2010].Garfield, E. (1996). What is the primordialreference for the phrase Publish Or Pe-rish? The Scientist, 10(12), 11. Verfüg-bar unter: http://www.garfield.library.upenn.edu/commentaries/tsv10(12)p11y19960610.pdf [30.08.2010].Harzing, A.-W. (2008.). Google Scholar - a newdata source for citation analysis [web-site]. Verfügbar unter:http://www.harzing.com/pop_gs.htm[30.08.2010].Harzing, A.-W. (2010a). Publish or Perish (Ver-sion 3.0.3813): Tarma Software Re-search. Jeweils aktuellste Version ver-fügbar unter: http://www.harzing.com/pop.htm#download [30.08.2010].Harzing, A.-W. (2010b, 18.07.). Publish orPerish. [website]. Verfügbar unter:http://www.harzing.com/pop.htm [29.07.2010].InfoWissWiki. (2009, 21. Juli 2008, 10:11Uhr,). Parsen. [wiki]. Verfügbar unter:http://wiki.infowiss.net/index.php?title=Parsen&oldid=10923 [30.08.2010].
  9. 9. Publish or Perish und Google Scholar – ein Segen? 8ZPID IuD-Forschung: Veröffentlichungenhttp://zpid.de/index.php?wahl=IuD&uwahl=publications1Jacso, P. (2009, 24.09.). Newswire Analysis:Google Scholars Ghost Authors, LostAuthors, and Other Problems. [website].Verfügbar unter:http://www.libraryjournal.com/article/CA6698580.html?q=jacso [30.08.2010].Krampen, G., Becker, R., Wahner, U. & Monta-da, L. (2007). On the validity of citationcounting in science evaluation: Contentanalyses of references and citations inpsychological publications.Scientometrics, 71(2), 191-202.doi:10.1007/s11192-007-1659-2Krampen, G., Schui, G. & Fell, C. (2010).ZPID-Monitor 2008 zur Internationalitätder Psychologie aus dem deutschspra-chigen Bereich – Der ausführliche Be-richt. Trier: Leibniz-Zentrum für Psycho-logische Information und Dokumentation(ZPID). Verfügbar unter:http://zpid.de/pub/research/zpid-monitor.pdf [30.8.2010].Noruzi, A. (2005). Google Scholar: The NewGeneration of Citation Indexes. Interna-tional Journal of Libraries and Informa-tion Services, 55(4), 170-180. Verfügbarunter: http://www.librijournal.org/pdf/2005-4pp170-180.pdf [30.08.2010].Pauly, D. & Stergiou, K. I. (2005). Equivalenceof results from two citation analyses:Thomson ISI’s Citation Index andGoogle’s Scholar service. Ethics inScience and Developmental Politics, 33-35. Verfügbar unter: http://www.int-res.com/articles/esep/2005/E65.pdf[30.08.2010].Schui, G. (2004). Internationalität und Interna-tionalisierung der deutschsprachigenPsychologie aus bibliometrischer Per-spektive: Methoden und Befunde zu Ge-schichte und aktueller Entwicklung. Dis-sertation, Universität Trier, Trier. Ver-fügbar unter: http://ubt.opus.hbz-nrw.de/volltexte/2004/261/ [30.08.2010].Tosques, F. & Mayr, P. (2009). Programmier-schnittstellen der kommerziellen Such-maschinen. In D. Lewandowski (Hrsg.),Handbuch Internet-Suchmaschinen (S.116-147). Heidelberg: AkademischeVerlagsanstalt AKA. Verfügbar unter:http://eprints.rclis.org/15548/1/Web_Services.pdf [30.08.2010].Vertiefende LiteraturDilger, A. (2009). Rangkings von Zeitschriftenund Personen in der BWL, IÖB-Diskussionspapier. Münster: Insitut fürökonomische Bildung. Verfügbar unter:http://www.wiwi.uni-muenster.de/ioeb/downloads/forschen/paper/IOEB_DP_05_2009.pdf [30.08.2010].Herb, U. (2010, 23.03.). Drollige Autorenidenti-fikation in Google Scholar. [blog]. Ver-fügbar unter: http://wisspub.net/2010/03/23/drollige-autorenidentifiaktion-in-google-scholar/ [30.08.2010].Kaube, J. (2008). Wissenschaftsevaluation: Diebibliometrische Verblendung. Frankfur-ter Allgemeine Zeitung. Verfügbar unter:http://www.faz.net/-00s71i [30.08.2010].König, R. (2010). Google, Google Scholar undGoogle Books in der Wissenschaft:Steckbrief 3 im Rahmen des Projekts„Interactive Science“. Wien: Österreichi-sche Akademie der Wissenschaften: In-stitut für Technikfolgenabschätzung.Verfügbar unter:http://epub.oeaw.ac.at/0xc1aa500d_0x002373d3.pdf [30.08.2010].Kreimeier, U. & Arntz, H.-R. (2009). Publizie-ren oder untergehen – eine wissenschaft-liche Einbahnstraße? Notfall & Ret-tungsmedizin, 12(6), 413-414.doi:10.1007/s10049-009-1244-8Mayr, P. (2009). Google Scholar als akademi-sche Suchmaschine. VÖB-Mitteilungen,62(2), 18-28. Verfügbar unter:http://www.ib.hu-berlin.de/~mayr/arbeiten/mayr-voeb209.pdf [30.08.2010].Reedijk, J. (1998). Sense and nonsense ofscience citation analyses: Comments onthe monopoly position of ISI and citationinaccuracies. Risks of possible misuseand biased citation and impact data. NewJournal of Chemistry, 22, 767-770.Verfügbar unter:http://www.rsc.org/delivery/_ArticleLinking/DisplayArticleForFree.cfm?doi=a802808g&JournalCode=NJ [30.08.2010].Dipl.-Psych. Clemens FellLeibniz-Zentrum für Psychologische Informati-on und Dokumentation (ZPID)Universität TrierD-54286 TrierE-Mail: clemens.fell [ a t ] zpid.de

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