2010-03-29 Factchecking Quality Management
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2010-03-29

2010-03-29
Konferenz Netzwerk Recherche in Hamburg

http://www.netzwerkrecherche.de/Konferenzen/Fachkonferenz-Fact-Checking/
4:39 PM Mar 27th

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  • Die Aussagen machen deutlich, dass religiöse Themen dann an journalistischer Relevanz gewinnen, wenn sie mit politischen, wirtschaftlichen, sportlichen oder wissenschaftlichen Themen irritierend gekoppelt werden können. Diese Kopplung erfolgt unter Rückgriff auf narrative Muster, die es erlauben, an sich inkonsistente Systemlogiken miteinander zu koppeln, in dem sie meist in eine Konfliktstruktur gegossen werden. Pädophilie Priester, verheiratete Priester, sexuelle Übergriffe, Zölibat, Frauenpriester oder eben das Thema Religion und Staat bzw. Religion und säkulare Gesellschaft sind Themen, die von den Journalisten als Dauerbrenner bezeichnet werden. Hierbei „surft“ das Thema Religion gleichsam auf der politischen Welle mit. So stellt ein befragter fest. „Wir machen Matchberichterstattung wenn religiöse Akteure in einen Konflikt verstrickt sind oder mit anderen Feldern in Kontakt treten. Religion in der Gesellschaft ist dann spannend, wenn sie mit Standards kollidiert.“ Ein Kollege spitzt noch zu: „Je mehr Konfliktpotenzial zum Beispiel im Verhältnis zum Staat drin ist, desto eher ist es ein Thema“ Narrativität ist ein zentraler journalistischer Kommunikationsmodus, der in einer bestimmten Art der Inszenierung zum Ausdruck, indem er diskursiv-argumentative Logiken unter Rückgriff auf Meta-Narrationen mit Wahrnehmungsmuster der Lebenswelt koppelt: Die Elemente der journalistischen Geschichte stehen in einer zeitlichen Reihenfolge, wobei (archetypische) Rollenträger identifizierbar sind, mehrere Bedeutungsebenen zugleich in Anschlag gebracht werden und das Thema einer Dynamik (z.B. Konflikt- bzw. Lösungsstruktur; Macht-Ohnmacht etc.) zugeführt wird. Die narrative Produktion von Mehrsystemrelevanz kann zur Folge haben, dass Spezialisierung eher hinderlich ist, als dass sie der journalistischen Operation nützt.

2010-03-29 Factchecking Quality Management 2010-03-29 Factchecking Quality Management Presentation Transcript

    • Fact-Checking und Redaktionelles Qualitätsmanagement
    • Prof. Dr. Vinzenz Wyss
    • Fact-Checking,
    • Fachkonferenz
    • netzwerk recherche
    • in Kooperation mit
    • DER SPIEGEL 27./28. März 2010, Hamburg
    • [email_address]
    Institut für Angewandte Medienwissenschaft IAM
  • Programm
    • Strukturen und Prinzipien des redaktionellen Qualitätsmanagements
    • Stellenwert des Fact-Checking
    • Fakten ohne Narration?
    • Plädoyer für eine Intergration des Fakten- und Narrations-Checks im Qualitätsmanagement
  • Regeln und Ressourcen des redaktionellen Qualitätsmanagement
  • Qualitätssicherung …
    • ist ein auf Dauer angelegter Vorgang, ein Prozess mit präventiven, den Produktionsprozess begleitenden und mit korrektiven Elementen.
    • ist in erster Linie eine Frage der rekursiven Steuerung der Organisation.
    • umfasst alle organisationalen Regeln und Ressourcen, die dazu beitragen, journalistische Leistungen bestimmten Qualitätszielen anzunähern.
    • meint Fehlervermeidung statt Fehlerkorrektur
    • zielt auf die ständige Verbesserung.
  • Regeln und Ressourcen des redaktionellen Qualitätsmanagement
  • Regeln und Ressourcen des redaktionellen Qualitätsmanagement
  • Regeln und Ressourcen des redaktionellen Qualitätsmanagement
  • Gegenrecherche
  • Gegenlesen/Abnahme
  •  
  • Briefing
  • Peitschen-Peer und Bankgeheimnis I Peitschen-Peer und Bankgeheimnis II
  • Grenzen einer Fact-Checkliste
    • Sind Namen, Titel, Orte überprüft?
    • Rechtschreibung, Zahlenangaben überprüft?
    • Kann ich alle Tatsachen belegen?
    • Habe ich für alle Schlüsselinhalte die Gegenprobe gemacht?
    • Habe ich Vertrauen zu den gelieferten Quellen?
    • Kann ich meine Inhaltskontrolle öffentlich verteidigen?
    • Sind die Zitate korrekt und angemessen?
    • Erfasst das Zitat, was der jeweils Befragte gemeint hat?
    • Sind die Zitate in einem richtigen Zusammenhang präsentiert?
    • Habe ich allen Betroffenen eine Chance gegeben, mit mir zu sprechen?
    • Ist der Beitrag ausgewogen?
    • Werden Hintergrund und Kontext ausreichend erläutert?
    • Sind stereotype Adjektive verwendet worden?
  • Verkettung durch Narration wissen-schaftlich wahr/ unwahr wirt-schaftlich verkaufen / nicht verkaufen ethisch moralisch / nicht moralisch politisch mächtig / ohnmächtig rechtlich recht / nicht recht Narrativität als zentraler journalistischer Kommunikationsmodus Macht Gier Gerechtigkeit Bedrohte Sicherheit Befreiende List Verrat Rechtfertigung Freiheit
  • Blog-Reaktionen
    • … der muss halt kompensieren …
    • … das vierte Reich …
    • … der hat doch selber Konti bei uns …
    • … ein teutonisches trotziges Kind …
    • … zuerst vor der eigenen Türe wischen …
    • … traurig, dass heutzutage wieder ein Peitscher umherirrt …
    • … wir wollten einen VW kaufen … nun kaufen wir einen Toyota …
    • … eine Regierung versagt im eigenen Land und bläst zum Krieg …
    … was du nicht willst, tu keinem anderen an …. … mal ehrlich, ein Bankgeheimnis brauchen diejenigen, die was zu verbergen haben … … Hochmut kommt vor dem Fall … … wir sollten das BG mal kritisch hinterfragen … … Unrecht ist nun mal Unrecht … … es wird Zeit, dass die Schweiz erwacht …
  • Narratives vs. diskursives Wissen
    • Corner (1999: 46) definiert Narration als „representation of a chain of events in cause-effect relationsship occuring in time and space.“
    • Mit narrativem Wissen werden nicht nur einfach Fakten oder Argumente vermittelt, sondern Narration kombiniert Ereignisse, Fakten und Erfahrungen aus dem Kontext einer spezifischen Situation so, dass sie miteinander kausal verlinkt werden und so für den Erzähler und den Rezipienten Sinn machen.
  • Narration als Sinnstruktur
      • Narration
      • … strukturiert Zeit und Raum.
      • … ordnet, hierarchisiert und stellt Sinn her.
      • … verständigt über gemeinsame
      • Wahrnehmung
      • … bedient sich Techniken wie Erinnerung,
      • erzählerischen Grundmustern und Motiven.
  • Narrativität - Elemente einer Story
    • 1) Die Elemente einer Story stehen in einer bestimmten zeitlichen Reihenfolge .
    • 2) Die Story braucht Charaktere, die möglichst archetypische Rollen (Helden, Opfer, Erlöser, Verlierer etc.) übernehmen.
    • 3) Die Story beinhaltet Hinweise darauf, wie sie zu deuten ist: sie verfügt über mehrere Bedeutungsebenen : die konkrete Handlung repräsentiert ein generelles Thema, das über die unmittelbare Aktualität hinausweist.
  •  
  • Steuerung durch Aussagewunsch
    • Der Aussagewunsch ist eine verbindliche Vereinbarung zwischen der Redaktion und dem Autor über das Ziel des Beitrages. Dabei wird der Beitrag auf klar fokussierte Geschichten reduziert.
    • Z.B: „Die Zuschauer sollen miterleben, warum der gehbehinderte Herr X immer noch gerne zur Arbeit geht, obwohl er dabei jeden Tag einen Spiessrutenlauf absolvieren muss.
  • Lässt sich ein präzisierender/ relativierender dritter Satzteil anfügen, kann dadurch schon die Fallhöhe / der Widerpart / der Konflikt sichtbar werden. … obwohl / trotzdem / auch wenn er … etc. Das zweite Verb schliesst den Satz ab und bezeichnet die Bewegung des Subjekts. … zur Arbeit geht / lebt / sich entwickelt / Regie führt / weiterlebt etc. … Adverbien und Adjektive geben einen Hinweis auf die emotionale Richtung oder Wertigkeit der Geschichte. … gerne / schwierig / stockend / gut / erfolgreich / entschieden etc. … Das Objekt bezeichnet den Sachverhalt oder das Problem. … die Sache, das Ereignis, den Sachverhalt, Protagonist A etc. … Das Subjekt des Nebensatzes bezeichnet in der Regel den Handlungsträger oder die Heldin der Geschichte. … Herr X / Frau Y / die Gruppe X / die Sache Z etc. … Das Bindewort zum Nebensatz spezifiziert die inhaltliche Ausrichtung. Es ist ein Unterschied, ob wir einen Sachverhalt („ dass “) umschreiben oder etwas herausfinden wollen („ warum “). … warum / dass / weshalb / ob / wie / wieviel etc. … Das erste Verb (im Aktiv) gibt bereits einen wichtigen Hinweis auf die Art des Beitrags : Geht es um Information, Wissensvermittlung, Mitreisen, Beobachten…? … miterleben / erfahren / verstehen / kennenlernen / erkennen etc. … Der Adressat des Aussagewunsches ist immer das Publikum, nicht die Macherin oder der Macher. Dieser erste Teil des Satzes bleibt immer gleich. „ Die Zuschauerinnen und Zuschauer sollen… Bedeutung der Satzteile Satzteil
  • Fakten- und Narrations-Check
    • Voraussetzung:
      • Narrative Strukturen erkennen können
      •  Ausbildung
      • Organisationale Verankerung  Prozessorientierung
      • Zusammenarbeit zwischen Storyteller und Fakten-Checker
      •  Aussagewunsch mitliefern
  • Regeln und Ressourcen des redaktionellen Qualitätsmanagement