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TK-Ernährungsstudie "Iss was, Deutschland?"
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TK-Ernährungsstudie "Iss was, Deutschland?"

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Wie wichtig ist den Menschen in Deutschland ihre Ernährung? Und was ist dabei ihr Motto: Hauptsache gesund? Hauptsache lecker? Oder: Hauptsache billig? Diesen und vielen weiteren Fragen zum …

Wie wichtig ist den Menschen in Deutschland ihre Ernährung? Und was ist dabei ihr Motto: Hauptsache gesund? Hauptsache lecker? Oder: Hauptsache billig? Diesen und vielen weiteren Fragen zum Ernährungsverhalten der Deutschen ist die Techniker Krankenkasse gemeinsam mit dem Meinungsforschungsinstitut Forsa ganz aktuell in einer bevölkerungsrepräsentativen Umfrage auf den Grund gegangen. Das Dokument zeigt den TK-Ernährungsband "Iss was, Deutschland?", welcher anlässlich der Pressekonferenz am 22. Februar 2013 in Berlin veröffentlicht wurde.

Dieses Dokument kann für redaktionelle Zwecke und mit dem Hinweis "Quelle: Techniker Krankenkasse" honorarfrei verwendet werden. Eine Nutzung zu Werbezwecken ist ausgeschlossen.

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  • 1. as, D tschaan d? eu sverhl lte nIss wie zum Ernährung dTK-Stu chlandder Menschen in Deuts
  • 2. Vorwort Liebe Leserin, lieber Leser, gesundes Essen ist ein Grundpfeiler des Wir werden diese Erkenntnisse in unsere persönlichen Wohlergehens. Zwar wissen das Informations- und Präventions-Initiativen die meisten Menschen, aber in einem an- einfließen lassen: Wenn schon eine Tiefkühl- strengenden Alltag in Beruf und Familie ist pizza, dann vielleicht mit frischem Gemüse es eben gar nicht so einfach, auch noch auf angereichert? Als schneller Snack unterwegs, eine ausgewogene Ernährung zu achten. der hin und wieder unvermeidlich ist, kann es Wir wollten es genauer wissen und haben auch das belegte Brötchen oder die Ofenkar- bevölkerungsrepräsentativ gefragt: Wie toffel sein statt der Currywurst. Und gerade wichtig ist den Menschen in Deutschland ihre wer schon den ganzen Tag im Job von Termin Ernährung? Fertiggerichte oder Selbstgekoch- zu Termin hetzt und sein Mittagessen am tes – was kommt hierzulande auf den Tisch? Schreibtisch isst, der kann mit einem ruhigen Und nehmen die Menschen sich noch Zeit, in Abendessen zuhause einen schönen Gegen- Ruhe zu essen – oder surfen sie nebenbei im punkt setzen – und das Smartphone dann Internet? auch mal zur Seite legen. Als Techniker Krankenkasse wollen wir keine Wir wünschen uns, dass die Menschen ihrer Spaßbremse sein und die Deutschen zu eigenen Ernährung mehr Aufmerksamkeit einem Volk von Asketen machen. Wir wissen entgegenbringen, als es oft der Fall ist. Denn doch alle, dass man manchmal dem Burger Essen kann so viel mehr als satt zu machen: oder der Tafel Schokolade nicht widerstehen Es ist ein Schlüssel zum Wohlbefinden – zumal kann und dass ein dauerhaftes Idealgewicht sich Genuss und eine überwiegend gesunde für manche Menschen einfach eine Illusion Ernährung keineswegs ausschließen. bleibt. Der Griff zum Fertiggericht lässt sich auch nicht immer vermeiden, und nicht aus Ich wünsche Ihnen eine interessante Lektüre. jedem wird im Alltag ein begeisterter Koch – nobody is perfect. Die in diesem Studien- Ihr band zusammengefassten Befragungsergeb- nisse liefern aber gute Hinweise, wo die Stellschrauben sind, um häufiger die Kurve in Richtung eines gesünderen Essens zu bekommen. Dr. Jens Baas Vorsitzender des Vorstands der Techniker Krankenkasse Iss was, Deutschland? – TK-Studie zum Ernährungsverhalten der Menschen in Deutschland, Herausgegeben von der Techniker Krankenkasse Pressestelle, Bramfelder Straße 140, 22305 Hamburg, Telefon: 040 - 69 09-17 83, Fax: 040 - 69 09-13 53. Internet: www.tk.de. E-Mail: pressestelle@tk.de. Verantwortlich: Dorothee Meusch. Redaktion: Inga Laboga, Gabriele Baron. Gestaltung: KloseDetering Werbeagentur GmbH. Fotos: Getty Images. Druck: TK-Hausdruckerei. © Alle Rechte vorbehalten, Nachdruck und sonstige Formen der Vervielfältigung nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung.2 | „Iss was, Deutschland?“ –   K-Studie zum Ernährungsverhalten in Deutschland T
  • 3. InhaltEssen im AlltagMännern ist das Essen weniger wichtig . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4Senioren ernähren sich am gesündesten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5In Familien soll es vor allem schmecken . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7EssverhaltenGeringverdiener wollen täglich Fleisch . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 9Frauen sind die größeren Frustesser . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 9Bildung schützt vor Sünde nicht . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 10Dem Essen wird wenig Zeit eingeräumt . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11Der innere Schweinehund ist stark . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11Auch Geld spielt eine Rolle . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11KochkompetenzKochen ist nach wie vor Frauensache . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 12Selbstgekochtes gibt es nur unregelmäßig . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 12Es mangelt an der Zeit… und an der Lust . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 13FertiggerichteJunge Leute lieben Fertigessen und Fastfood . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 14Bildung ist nicht ausschlaggebend . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 15Auch Familien greifen beim Fastfood zu . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 16Mahlzeiten zu HauseJeder Dritte beschäftigt sich nebenher . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 16Je jünger, desto öfter laufen beim Essen Fernseher oder Computer . . . . . . . . 16Beim Fernsehen wird auch viel genascht . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 17Essen to goViele wollen auch auf dem Weg gut essen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 18Berufstätige schätzen mobiles Essen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 19Ernährung am ArbeitsplatzJeder Dritte klagt über schwierige Bedingungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 20Frauen fehlt die Zeit für Essenspausen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 20Eine Frage des guten Willens . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 22Bei der Arbeit wird zu wenig getrunken . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 23GesundheitUnverträglichkeiten und Allergien nehmen zu . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 24Frauen und Geringverdiener sind am belastesten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 24Kranke essen nicht besser als Gesunde . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 26Meistens siegt der innere Schweinehund . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 29Psychisch Belastete vernachlässigen ihre Ernährung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 29Gewicht und DiätAuch Schlanke hadern mit ihrer Figur . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 31Figur hat auch mit Bildung zu tun . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 32Jede zweite Frau hat schon Diäten ausprobiert . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 32Nicht nur Dicke halten Diät . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 32Erst kurzfristiger Erfolg – dann der Jo-Jo-Effekt . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 33Umstellung der ErnährungFast jeder Zweite hat Ernährungsumstellung versucht . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 34Es scheitert zumeist an der Disziplin . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 34SportWer keinen Sport treibt, ist dicker . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 35 „Iss was, Deutschland?“ –   K-Studie zum Ernährungsverhalten in Deutschland | 3 T
  • 4. Essen im Alltag Doch immerhin überwiegen die Phasen, in denen sie auf ihre Ernährung achten und nicht nur schnell runterschlingen, was ihnen zwi- Das Wichtigste ist natürlich, dass es schmeckt. schen die Finger kommt. Nur jeder fünfte Wer mag schon matschige Kartoffeln, eine Befragte sagt, dass er sich eigentlich gar keine fade Soße oder Suppe ganz ohne Gewürze. Gedanken über seine Ernährung macht. Essen dient nicht allein dazu, satt zu werden. Für viele Menschen hat es auch etwas mit Männern ist das Essen weniger wichtig Genuss zu tun. Und mit Geselligkeit, wenn sie mit der Familie oder Freunden rund um Doch wenn das Essen für die Hälfte aller einen Tisch sitzen und gemeinsam essen. Die Befragten einen hohen Stellenwert hat, heißt Hälfte der Männer und Frauen, die wir für das natürlich auch, dass es im Leben der ande- unsere Studie befragt haben, sagt deshalb, ren Hälfte keine große Rolle spielt. Vor allem dass das Essen für sie sehr wichtig ist. Sie bei Männern. Das ist die Kehrseite der auf den sind bereit, Zeit und Geld dafür zu investieren. ersten Blick so positiven Zahl. Für Männer hat das Essen einen weit geringeren Stellen- Lecker und gesund wert, als es bei Frauen zu beobachten ist. Nur 44 Prozent aller Männer sagen, dass Essen Doch der Geschmack ist es nicht allein, der ihnen wichtig ist. Und nur 17 Prozent, dass sie eine Mahlzeit zu einem guten Essen macht. sich immer gesund ernähren. Bei den meisten Immer mehr Menschen legen Wert darauf, überwiegen sogar die Phasen, in denen sie sich nicht nur lecker, sondern auch gesund zu sich gar keine Gedanken darüber machen, was ernähren. Nicht nur, weil die Ernährung das sie da gerade zu sich nehmen. 43 Prozent ist Aussehen und die Fitness prägt und ein es in dieser Zeit herzlich egal, ob ihr Essen aus schlanker und sportlicher Körper als Ideal gilt. der Imbissbude kommt oder vom Herd in der Sie hat auch nachweislichen Einfluss auf viele eigenen Küche und ob sie es im Sitzen essen Krankheiten, wie etwa Diabetes oder Herz- oder im Laufen, auf dem Weg zum nächsten Kreislauf-Probleme. Zwar sagt trotzdem nur Termin. Es soll schmecken, und wenn es dann ein Viertel aller Befragten, dass sie sich durch- noch schnell geht – umso besser. weg gesund ernähren: bei den meisten, näm- lich knapp 60 Prozent, ist es mal so, mal so. Bedeutung des Essens im Alltag Das Thema Essen ist mir… sehr wichtig – und ich bin auch bereit, in meine Ernährung Zeit 55 % und Geld zu investieren. 44 % nicht egal, es hat aber keinen ganz 41 % großen Stellenwert für mich. 47 % nicht so wichtig. Ich esse in 4 % erster Linie, um satt zu werden. 8 % 0 10 20 30 40 50 60 Frauen Männer4 | „Iss was, Deutschland?“ –   K-Studie zum Ernährungsverhalten in Deutschland T
  • 5. Frauen essen gesünder als Männer Essverhalten nach Geschlecht „Ernähre mich immer bzw. überwiegend gesund.“ 74 % 52 % „Achte weniger auf meine Ernährung bzw. mache mir 20 % eigentlich nur wenig Gedanken 43 % über meine Ernährung. “ 0 10 20 30 40 50 60 70 80 Frauen MännerBei den Frauen sieht das schon anders aus. tut es dann auch. Da sind Männer und FrauenWeit über die Hälfte aller Frauen sagt, dass in den mittleren Jahren schon die größerenihnen Essen sehr wichtig ist. Ein Drittel er- Genussmenschen. Weit über die Hälfte derernährt sich durchweg gesund, und auch bei zwischen 46 und 55 Jahren findet Essenden eher Wechselhaften sagt fast jede zweite, grundsätzlich sehr wichtig. Zwar steht auch fürdass sie sich zumindest überwiegend gesund sie der Geschmack im Vordergrund. Die Ernäh-ernährt. Während es für die Männer vor allem rung ist aber auch überwiegend gesund.lecker sein muss, wollen Frauen ihr Essengesund und kalorienarm. Aber natürlich auch Senioren ernähren sich am gesündestennicht ausnahmslos. Auch jede fünfte Frauräumt ein, dass ihr schlichtweg gleichgültig Bei den Senioren dreht sich das Verhältnisist, was auf den Teller kommt. dann endgültig um. Bei Rentnern ab 66 Jah- ren hat das Essen insgesamt keinen großenDoch klare Unterschiede zeigen sich nicht nur Stellenwert mehr. Im Leben von fast 60 Pro-zwischen Männern und Frauen, sondern auch zent der älteren Bevölkerung spielt es keinezwischen Jung und Alt, Single und Familien- große oder auch gar keine Rolle. Wie esmensch. Je älter die Menschen werden, das schmeckt, wird zunehmend egal. Deshalb sindist ein eindeutiges Ergebnis der Befragung, die Senioren auch nicht bereit, auf die Zuberei-desto mehr achten sie auf eine gesunde tung ihres Essens viel Zeit zu verwenden oderErnährung. Für die 18- bis 25-Jährigen gibt es Geld dafür zu investieren. Worauf sie aberWichtigeres im Leben. Für sie hat das Essen durchaus achten, ist, dass sie mit ihrem Essengrundsätzlich keine große Bedeutung. Schme- etwas Gutes für ihre Gesundheit tun. 41 Pro-cken soll es. Und schnell soll es gehen. Dann zent aller Senioren achten sorgsam darauf,ist sogar der Preis egal. Nur 23 Prozent der dass ihre Nahrung nicht so viele Kalorien, aberjungen Erwachsenen ist es wichtig, dass sie genügend Vitamine und Mineralstoffe enthält.sich gesund ernähren – und nur jeder zehnte „Iss was, Deutschland?“ –   K-Studie zum Ernährungsverhalten in Deutschland | 5 T
  • 6. Gesunde Ernährung: Ältere haben die Nase vorn Anteil derjenigen, die sich immer gesund ernähren, nach Altersgruppen Prozent 50 40 41 % 30 31 % 20 22 % 17 % 10 14 % 10 % 0 18–25 26–35 36–45 46–55 56–65 66 und älter Altersgruppen Hauptsache gesund?! Esstypen nach Alter Esstypen 18–25 25–35 36–45 46–55 56–65 66 und älter Hauptsache 23 34 29 35 40 43 gesund Hauptsache 56 59 49 45 40 32 lecker Hauptsache * 1 7 6 4 7 günstig Hauptsache 11 4 8 5 6 2 schnell Hauptsache 9 3 5 8 9 15 kalorienarm Angaben in Prozent, * für Auswertung zu geringe Basis6 | „Iss was, Deutschland?“ –   K-Studie zum Ernährungsverhalten in Deutschland T
  • 7. Esstypen erteilung nach Typ V Hauptsache günstig Hauptsache gesund Hauptsache schnell Hauptsache 6% 5% kalorienarm 9% 35% 45% Anteile in Prozent Hauptsache leckerIn Familien soll es vor allem schmecken Dabei spielen auch der Bildungsstand und das Einkommen eine Rolle. Das Ernährungs-In Familien ist es anders herum. Hauptsache bewusstsein ist doch eher bei Männern undlecker, lautet das Motto des Speiseplans, Frauen mit höherer Schulbildung oder Hoch-sobald Kinder mit am Tisch sitzen. Das Essen schulabschluss ausgeprägt. Und je mehrspielt zwar grundsätzlich eine größere Rolle als jemand verdient, desto mehr Gedanken undbei Rentnern und in Single-Haushalten, in auch Geld investiert er in gesunde Mahlzei-denen jemand abends alleine am Küchentisch ten. Die Haushalte mit einem Spitzeneinkom-sitzt. Doch das heißt noch lange nicht, dass es men von über 4.000 Euro netto im Monatin den Familien auch gesünder zugeht. Im ernähren sich zu zwei Dritteln zumindest über-Gegenteil: In den meisten ist die Ernährung wiegend gesund. Bei den Geringverdienerneher wechselhaft. Mal kommt etwas Selbst- mit einem Einkommen bis maximal 1.500 Eurogekochtes aus frischen Zutaten auf den Tisch, sind es 61 Prozent. Fast jeder Fünfte in diesermal ist es dann doch die Tiefkühlpizza aus dem Gehaltsgruppe macht sich sogar gar keineEisschrank. Und das gar nicht so selten. In Gedanken über seine Ernährung. Bildung undüber einem Drittel aller Familien überwiegen Einkommen entscheiden also eindeutig überdie Phasen sogar, in denen gar nicht auf die die Qualität des Essens mit.Inhaltsstoffe des Essens geachtet wird. Durch-weg gesund geht es nur in den wenigstenFamilien zu – nicht einmal in jeder fünften. Je höher das Einkommen, desto gesünder das Essen „Ich ernähre mich immer gesund/überwiegend gesund. “ 61 % 74 % „Ich achte weniger auf meine Ernährung/mache mir eigent- 31 % lich wenig Gedanken dazu.“ 23 % 0 10 20 30 40 50 60 70 80 Geringverdiener Spitzenverdiener Haushaltsnettoeinkommen bis 1.500 Euro Haushaltsnettoeinkommen über 4.000 Euro „Iss was, Deutschland?“ –   K-Studie zum Ernährungsverhalten in Deutschland | 7 T
  • 8. Essverhalten Und wie vermeide ich, ungesunde Zusatz- stoffe, versteckten Zucker und Fett zu mir zu nehmen? Wer selbst ein warmes Essen aus Frisches ist täglich auf dem Tisch – aber frischen Zutaten kocht, ist natürlich auf der auch Fleisch sicheren Seite. Doch es muss ja nicht immer ganz perfekt sein. Auch eine Tiefkühlpizza kann Nun ist der Wille, sich gesund zu ernähren, zu einem besseren Essen werden, wenn man schon mal der erste wichtige Schritt. Doch ein paar Scheiben frische Tomaten oder Zucchi- eine ganz andere Sache ist es, dies dann auch ni darauflegt. Und selbst an der Imbissbude wirklich zu tun. Denn was genau ist eigent- gibt es mehr als nur Kohlenhydrate und Fett. lich eine gesunde Ernährung? Die Empfeh- Wer sich sein To-go-Essen beim Asia-Imbiss lungen der Deutschen Gesellschaft für Ernäh- bestellt, bekommt in der Regel Gemüse, das rung (DGE) besagen, gesund sei eine Misch- vor seinen Augen frisch im Wok angebraten kost, die arm an Fett, aber reich an Kohlen- wird. hydraten ist. Außerdem soll sie Eiweiß und Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente Wir wollten deshalb genauer wissen, wer was sowie Ballaststoffe enthalten. Soweit die Theo- isst. Wie in Deutschlands Küchen das Verhält- rie – die in der Praxis doch viele Fragen auf- nis ist zwischen fetthaltig und kalorienbe- wirft. Denn in welchen Nahrungsmitteln sind wusst, Obst und Süßigkeiten, Fleisch und nun welche Mineralstoffe und Vitamine drin? Gemüse. Brot ist das Grundnahrungsmittel Anteil der Menschen in Deutschland, die folgende Lebensmittel fast jeden Tag bzw. drei- bis fünfmal die Woche verzehren Brot oder Brötchen 95 % Milch und Milchprodukte 86 % Gemüse 80 % Salat 59 % Fleisch 59 % Kartoffeln 52 % Nudelgerichte 24 % Fisch 6 % Pizza 2 % Fastfood wie Burger oder Pommes 1 % Mehrfachnennungen möglich 0 10 20 30 40 50 60 70 80 90 1008 | „Iss was, Deutschland?“ –   K-Studie zum Ernährungsverhalten in Deutschland T
  • 9. Spitzenverdiener selbstkritischer bei Obst Frauen sind die größeren Frustesserund Gemüse Doch wer jetzt glaubt, bei den Frauen geht esDie gute Nachricht vorweg: Obst und Gemüse durchweg disziplinierter zu, der irrt. Auch dasgehören für die meisten Menschen ganz hat unsere Umfrage klar ergeben. Bei denselbstverständlich auf den Speiseplan. Fast Süßigkeiten und Knabbereien wie zum Beispielzwei Drittel aller Männer und Frauen essen täg- Chips sind Frauen nämlich weniger zurückhal-lich Obst und Gemüse. Und zwar mehrmals. tend. Einerseits kaufen sie zwar gerne Light-Auffällig ist allerdings, dass die Bewohner der Produkte, um die Kalorien im Zaum zu halten.östlichen Bundesländer sehr viel häufiger in Die liegen bei 26 Prozent der Frauen im Ein-die Obstschale greifen als die im Westen. Und kaufswagen, während fettarme Produkte nur inje mehr jemand verdient, desto mehr wird den Körben von 15 Prozent der Männer zu fin-gesundes Essen zwar grundsätzlich als wichtig den sind. Auf der anderen Seite aber greifenbezeichnet; die Bereitschaft, dafür zu investie- 17 Prozent aller Frauen täglich in die Flips-Tüteren, steigt. Dennoch zeigen sich die Gutverdie- oder brechen sich ein Stück vom Schokoriegel ab.ner in unserer Umfrage selbstkritischer mitihrem Konsum von Obst und Gemüse. Wäh- Insgesamt stellt sich das Thema Essen bei vie-rend drei Viertel aller Geringverdiener angeben, len Frauen als ein stetes Auf und Ab dar. Sietäglich etwas Frisches aus der Natur zu essen, sind hin- und hergerissen zwischen demsagt dies nur knapp die Hälfte der Spitzenver- Wunsch, schlank und fit zu sein, und den klei-diener. nen Gelüsten, die sie immer wieder überfallen. Begehen sie einen Tag eine Ernährungssünde,Geringverdiener wollen täglich Fleisch bemühen sie sich am nächsten Tag eisern, die- se wieder auszugleichen. Und sie essen zwarAndersherum ist es dafür beim Fleisch. Je mehr Obst als die Männer, weniger Fleisch undgeringer der Bildungsstand oder das Einkom- Fett. Auch beim Kauf von Bioprodukten liegenmen, desto mehr Wurst kommt aufs Brot. Im sie klar vorne: Vier von zehn Frauen versuchenSchnitt isst die Hälfte der Bevölkerung jeden Tag Bioprodukte zu kaufen, wann immer es möglichWurst oder Fleisch. Vor allem in Haushalten mit ist – bei den Männern ist es nur etwa jeder drit-einem Monatseinkommen von maximal te. Sind Frauen aber einmal so richtig schlecht1.500 Euro gehört das tägliche Stück Fleisch drauf, ist ihnen auf einen Schlag alles egal.zum Essen dazu. In den Haushalten hingegen, Dann greifen sie beherzt zu – je fetter undin denen monatlich mehr als 4.000 Euro zur Ver- süßer, desto besser. Frauen, das ist deutlichfügung stehen, kommt nur bei jedem Dritten geworden, sind die größeren Frustesser.täglich Fleisch in die Pfanne. Dabei sind es vor 40 Prozent hauen bei schlechter Laune richtigallem die Jüngeren und Männer, die regel- rein. Bei den Männern tun das nur halb so viele.mäßig an der Wursttheke stehen – trotz desVegetarier-Booms gehört ein Stück Fleisch für65 Prozent aller 18- bis 25-Jährigen zum Esseneinfach dazu. Sechs von zehn Männern wollenjeden Tag zumindest eine Scheibe Wurst aufdem Frühstücksbrot. Bei den Frauen sind esvier von zehn. „Iss was, Deutschland?“ –   K-Studie zum Ernährungsverhalten in Deutschland | 9 T
  • 10. Frauen sind die größeren Frustesser Anteil der Menschen in Deutschland, die ihr Ernährungsverhalten so beschreiben Ich esse täglich mehrmals 74 % Obst und Gemüse. 54 % Ich versuche, Ernährungssünden 48 % am nächsten Tag auszugleichen. 34 % Fett ist ein wichtiger Geschmacks- 47 % träger und gehört für mich zu 56 % einem guten Essen einfach dazu. 40 % Ich esse schon mal aus Stress 21 % oder Frust. Ich esse mindestens einmal am Tag 39 % Fleisch oder Wurstaufschnitt. 58 % Wann immer es möglich ist, 38 % kaufe ich Bioprodukte. 30 % Ich kaufe gerne Light-Produkte, 26 % die weniger Fett, Zucker oder 15 % Kalorien enthalten. Ich esse häufig erst sehr spät 25 % am Abend. 36 % Ich esse jeden Tag Süßigkeiten 17 % oder Salzgebäck wie Chips. 16 % Hin und wieder ersetzt eine 7 % Tüte Chips mein Abendessen. 8 % 0 10 20 30 40 50 60 70 Frauen Männer Bildung schützt vor Sünde nicht Der Weg zum guten Essen ist hürdenreich Aus Stress oder Frust zu essen, ist ein Natürlich wissen die meisten Männer und Phänomen, das auch bei Akademikern in Frauen, dass sie zwischendurch besser in eine bemerkenswertem Maße zu beobachten ist. Karotte beißen sollten als in den Schokoriegel. Je höher der Bildungsabschluss ist, hat die Und dass es dem Magen besser bekommt, Umfrage ergeben, desto häufiger wird aus wenn sie in Ruhe am Tisch essen und nicht Stress oder Frust gegessen. Und desto häufi- hektisch auf dem Weg zu einem Termin. Den- ger liegt am Abend die Chipstüte mit auf dem noch kommt ungefähr jeder fünfte Berufstäti- Sofa – oder ersetzt sogar ganz das Abendes- ge nur am Wochenende dazu, sich so zu sen. Jeder Fünfte mit Abitur oder Hochschul- ernähren, wie er gerne möchte. Unter der abschluss isst täglich Süßigkeiten und Salz- Woche wird der Speiseplan doch vor allem gebäck. Von den Menschen, die alleine leben, vom Arbeitspensum und von den Bedingun- greift sogar jeder vierte täglich einmal in die gen am Arbeitsplatz diktiert. Ein Drittel aller Knabbertüte. Die meisten essen davor aber befragten Erwerbstätigen sagt, dass ihm eine immerhin ganz normal ihr Abendbrot. Dass die bessere Ernährung bei der Arbeit einfach nicht Tüte Chips eine Mahlzeit ersetzt, kommt möglich ist. eher bei jüngeren Leuten vor und nimmt mit steigendem Alter ab.10 | „Iss was, Deutschland?“ –   K-Studie zum Ernährungsverhalten in Deutschland T
  • 11. Die Zeit ist knapp, der Wille schwach Für eine gesündere Ernährung fehlt mir ganz besonders... Befragte gesamt Zeit und Ruhe 50 % Durchhaltevermögen 43 % Wille 40 % bessere Voraussetzungen 29 % am Arbeitsplatz Geld 22 % Kochkenntnisse 21 % Wissen 19 % Beratung 14 % Unterstützung der Familie 14 % Mehrfachnennungen möglich 0 10 20 30 40 50Dem Essen wird wenig Zeit eingeräumt en dann doch nicht auf. Vor allem bei den Erwerbstätigen hapert es nicht nur an derDie größte Hürde auf dem Weg zu einer ge- Zeit, sondern auch an der Disziplin. Das gibtsunden Ernährung scheint deshalb die Zeit jeder zweite der befragten Berufstätigen zu.zu sein. So nennt die Hälfte der Bevölkerung Hinzu kommen fast ebenso viele Arbeiten-fehlende Ruhe als den Hauptgrund für die de – nämlich vier von zehn –, die angeben,regelmäßigen kleinen Sünden beim Essen. dass es ihnen schlicht am Willen mangelt,Vor allem Familien sind zu sehr im Stress, ihre Ernährung gesünder zu gestalten. Soviel mehr als Singles übrigens. Je mehr Kin- siegt der innere Schweinehund oft gegender in einer Familie sind, desto weniger Zeit die guten Vorsätze. Und das nicht nur beibleibt, sich in Ruhe um die Ernährung zu denjenigen, die einen anstrengendenkümmern. Ansonsten kann man feststellen: Berufsalltag haben. Die UmfrageergebnisseDie Menschen nehmen sich einfach nicht legen nahe, dass viele Menschen in Sachendie gebührende Zeit. Vor allem die Jünge- Wille und Durchhaltevermögen noch eineren. Erst mit zunehmendem Alter wird den Motivationsspritze brauchen.Mahlzeiten mehr Platz im Alltag eingeräumt.Geben von den unter 25-Jährigen noch fast Auch Geld spielt eine Rollezwei Drittel an, dass ihnen einfach die Ruhefür ein gesünderes Essen fehlt, ist das Prob- Doch auch das Geld spielt bei der Qualitätlem spätestens mit Eintritt ins Rentenalter des Essens eine große Rolle. Vor allem fürvorbei. Und schon mit Mitte vierzig wird die Leute in der Großstadt, wie die UmfrageZeit für das Essen immer weniger zum Pro- aufgezeigt hat. Von den Geringverdienernblem. gibt mehr als jeder dritte fehlendes Geld als Hindernis für eine gesunde Ernährung an.Der innere Schweinehund ist stark Gleichzeitig sagen etwa ebenso viele von ihnen, dass ihnen Kochkenntnisse undUnd manchmal ist Zeitmangel sicherlich Wissen über gesunde Nahrung fehlen. Dasauch nur die halbe Wahrheit. Es gibt weitere mangelnde Wissen dürfte auch erklären,gewichtige Gründe, die die guten Vorsätze warum so viele Geringverdiener gesundeimmer wieder auf die Probe stellen. Den Ernährung als eine Geldfrage bezeichnen.inneren Schweinehund zum Beispiel. Inzwischen ist nämlich eine gesicherte Er-Gesunde Ernährung erfordert einen starken kenntnis, dass gesundes Essen nicht teurerWillen und Durchhaltevermögen, und so sein muss – ganz im Gegenteil sogar.viel Energie bringen viele Männer und Frau- „Iss was, Deutschland?“ –   K-Studie zum Ernährungsverhalten in Deutschland | 11 T
  • 12. Gesund muss ja nicht zwangsläufig bio sein. So hat die Studie einer Forschergruppe der Und frisches Gemüse gibt es auch beim Universität Gießen 2009 ergeben, dass eine Discounter. Die gängigen Ernährungsricht- Vollwerternährung sogar billiger ist als die linien raten ohnehin dazu, nur geringe Men- in den meisten deutschen Haushalten übli- gen von kostspieligen Lebensmitteln wie che Kost. Die Testpersonen, die sich bei der Fleisch, Fisch oder Käse zu verzehren. Tat- Untersuchung bewusst gesund ernährten, sächlich sollten wir mehr Hülsenfrüchte wie zahlten pro Person im Monat 227 Euro ,30 Bohnen und Linsen, Brot und Reis zu uns für Lebensmittel – und damit 12,3 Prozent nehmen. Und das sind preisgünstige weniger als die Probanden, die es mit ihrem Lebensmittel. Essen in Sachen Gesundheit nicht ganz so genau nahmen. Deren Mahlzeiten kosteten im gleichen Zeitraum nämlich 259,07 Euro. Kochkompetenz Kochen ist modern. Während Rezepte früher Kochen ist nach wie vor Frauensache nur auf den Titelseiten altbackener Frauenzeit- schriften angepriesen wurden, kommen inzwi- Und dennoch: In den heimischen Küchen hat schen immer mehr Hochglanzmagazine mit der Zeitgeist bisher kaum Einzug gehalten. Da Kochideen auf den Markt. Es gibt sogar Koch- sind es immer noch die Frauen, die für das magazine speziell für junge Leute und für Essen zuständig sind. 80 Prozent der Frauen Männer – zeitgeistig, modern, cool. Auch auf kochen zu Hause, bei den Männern sind es allen Fernsehkanälen gehören Kochshows bescheidene 35 Prozent. Und während 93 Pro- längst fest zum Programm – und dort stehen zent der Frauen ihre Kochkünste selbst als gut überwiegend junge Männer am Herd. oder sogar sehr gut bezeichnen, sagen vier von zehn Männern von sich, dass sie allenfalls ein bisschen kochen können – wenn überhaupt. Kochkompetenz So schätzen Männer und Frauen ihre Fähigkeiten am Herd ein eigentlich Männer Frauen überhaupt sehr gut ein wenig sehr gut nicht 11% 15% 6% 25% 30% 44% 68% ein wenig gut gut Doch wann kann man eigentlich von sich zubereiten. Und das Ergebnis ist erstaunlich: sagen, dass man kochen kann? Was gut ist Den überaus meisten Menschen schmeckt und was doch eher mäßig, ist schließlich das selbstgekochte Essen ganz ausge- äußerst subjektiv. Manch einer findet es zeichnet. 93 Prozent loben, dass der Koch schon gut, wenn er eine Tomatensoße halb- oder die Köchin zu Hause gut oder sogar wegs hinbekommt, ein anderer erwartet sehr gut kochen kann. mindestens drei ausgefallene Gewürze pro Gericht. Deshalb haben wir die Teilnehmer Selbstgekochtes gibt es nur unregelmäßig der Studie nicht nur gefragt, wie gut sie selbst ihrer Meinung nach am Herd sind. Doch obwohl es zu Hause schmeckt, kommt Sondern auch, wie ihnen das Essen nicht allzu oft Selbstgekochtes auf den Tisch. schmeckt, das andere in ihrem Haushalt Berufstätige essen in der Kantine oder12 | „Iss was, Deutschland?“ –   K-Studie zum Ernährungsverhalten in Deutschland T
  • 13. gehen zum Mittagstisch in der Nähe ihres Erwerbslose kochen etwas mehr als Men-Arbeitsplatzes. Und seit immer mehr Ganz- schen, die ihren Tag bei der Arbeit verbringen.tagsschulen entstehen und Kindergarten-plätze geschaffen werden, essen Kinder Es mangelt an der Zeit …immer häufiger in der Kita oder Schule. Sogibt es nur in der Hälfte aller Haushalte So gilt Zeitmangel denn auch als dertäglich ein selbstzubereitetes Mahl. In Hauptgrund, der davon abhält, sich häufigereinem Drittel der Haushalte wird noch drei- an den Herd zu stellen. Was denjenigen, diebis fünfmal die Woche gekocht, beim Rest hektisch durch den Alltag jagen, durchausbleibt die Küche überwiegend kalt. bewusst ist. Nicht einmal die Hälfte aller Frauen findet, dass sie genug kocht. Bei denVor allem in den Großstädten ist es schon Männern ist es sogar nur knapp jeder fünf-lange nicht mehr selbstverständlich, dass te, der angibt, dass er häufig genug kocht.mittags oder abends etwas Warmes geges- Danach befragt, was denn gegen regelmä-sen wird. In größeren Städten ab 500.000 ßigeres Kochen spricht, führt über ein DrittelEinwohner ist das nur in vier von zehn Haus- der Befragten die Zeit als Erstes ins Feld.halten der Fall. Nur auf dem Dorf und in der Bei den Berufstätigen ist es sogar mehr alsKleinstadt wird noch etwas mehr gekocht. jeder zweite. Leute mit höherem Bildungs-Dort steht in weit über der Hälfte aller Haus- grad und Gutverdienende vor allem. Undhalte täglich jemand am Herd. jüngere Leute. Bemerkenswerterweise behaupten 65 Prozent der unter 25-Jähri-Etwa jeder zehnte Befragte sagt, er würde gen, dass sie einfach nicht zum Kochennicht kochen, weil er es einfach nicht kann. kommen.Dabei ist es recht unabhängig vom Bil-dungsstand und Einkommen, wie oft es … und an der Lustetwas Selbstgekochtes gibt. Entscheidendist, wie viel Bedeutung dem Essen grund- Viele Menschen haben aber auch schlicht-sätzlich beigemessen wird – je höher der weg keine Lust, sich an den Herd zu stellen,Stellenwert, desto häufiger kommt zu Hau- oder bekennen, zu faul dazu zu sein. Beise ein warmes Essen auf den Tisch – und 17 Prozent siegt die Trägheit über denob der Befragte berufstätig oder tagsüber Appetit. Vor allem Männer sind da ganz ehr-zu Hause ist: Rentner, Hausfrauen und lich. Da sind es 23 Prozent – fast jeder Vierte. Männern fehlt die Zeit zum Kochen Gründe, sich nicht an den Herd zu stellen, nach Geschlecht habe keine Zeit 28 % 40 % kann es nicht, jemand anderes 6 % kann es besser 17 % habe keine Lust 8 % 14 % bin zu faul 4 % 9 % 0 10 20 30 40 Mehrfachnennungen möglich Frauen Männer „Iss was, Deutschland?“ –   K-Studie zum Ernährungsverhalten in Deutschland | 13 T
  • 14. Fertiggerichte sich grundsätzlich am wenigsten Gedanken über ihre Ernährung macht. Dass der Stellen- wert des Essens mit steigendem Lebensalter Auch wer nicht kocht oder bekocht wird, will größer wird, zeigt sich nun auch an der Fast- etwas Warmes essen. In den Supermärkten food-Bilanz deutlich. sind ganze Gänge dem Bedürfnis gewidmet, ohne Aufwand ein komplettes Mahl zu be- Zwar greift die Bevölkerung insgesamt nicht kommen: Es gibt meterlange Regalreihen mit gerade selten ins Tiefkühlregal: Vier von zehn fertigen Gerichten, die nur noch kurz in der Befragten entscheiden sich ein- bis zweimal Mikrowelle aufgewärmt werden müssen. Die die Woche für ein Schnellgericht. Die in den Tiefkühltruhen sind voll von mariniertem Fisch- mittleren Lebensjahren belassen es dann aber filet oder gefüllten Blätterteigtaschen. Konser- auch dabei und gehen an den anderen Tagen vendosen, Tütensuppen und vorgekochte doch in die Frischwarenabteilung ihres Super- Nudelsoßen kann man für Monate im Voraus marktes. Senioren, denen eine gesunde kaufen und aufbewahren. Es gibt sogar Schnit- Ernährung grundsätzlich sehr viel wichtiger zel, die nur kurz im Toaster geröstet werden ist, kaufen ohnehin weniger Fastfood ein. Die müssen. Fertigessen ist praktisch, zweifellos. 18- bis 25-Jährigen aber ziehen den Durch- Doch manchmal möchte man lieber nicht so schnitt klar nach oben. 17 Prozent von ihnen genau wissen, was darin alles an Zusatzstof- greifen mindestens dreimal die Woche zu fen, Zucker, Geschmacksverstärkern und Jägerklößchen und Pilzrahmsoße aus der Tüte künstlicher Farbe enthalten ist. oder der fertigen Currywurst aus dem Kühl- regal. Wenn sie denn überhaupt in den Super- Junge Leute lieben Fertigessen und markt gehen. Denn auch die Anzahl derer, die Fastfood ihre Mahlzeit fertig im Imbiss kaufen, ist bei den jungen Erwachsenen überdurchschnittlich Jungen Leuten aber ist das oft egal. Je jünger, hoch. Jeder fünfte der unter 35-Jährigen gibt desto mehr Fertiggerichte kommen auf den zu, dass er ein- bis zweimal die Woche Burger, Tisch. Sechs von zehn unter 25-Jährigen essen Pommes oder Currywurst isst – also Essen, mindestens einmal die Woche bis zu täglich in dem wirklich wenig Gesundes zu finden ist. Fertigessen. Schließlich ist das auch die Alters- Das sind fast doppelt so viele wie in der übrigen gruppe, die am wenigsten kochen kann. Und Bevölkerung. Fertiggerichte stehen hoch im Kurs Anteil der Menschen in Deutschland, die oft zu Tiefkühlpizza Co. greifen, nach Alter und Häufigkeit 50 40 42 39 30 33 29 29 20 17 19 10 10 7 6 6 0 2 18–25 26–35 36–45 46–55 56–65 66 und älter fast jeden Tag/3–5mal die Woche 1–2mal die Woche Angaben in Prozent14 | „Iss was, Deutschland?“ –   K-Studie zum Ernährungsverhalten in Deutschland T
  • 15. Bildung ist nicht ausschlaggebend Allerdings hängt der Konsum von Fertiggerich- ten mit der Kochkompetenz zusammen, dieDabei ist es beileibe nicht so, dass der Kon- man sich selbst zumisst: Wer nicht kochensum von Fertigessen auf mangelndes Wissen kann, hilft sich eben mit Tütensuppen weiter.zurückzuführen wäre. Dass die Menschen wis- Und macht auch öfter schnell unterwegs imsen, was eine gesunde Ernährung ausmacht, Imbiss Halt. Das tun sogar doppelt so vielehat bereits eine vorausgegangene Untersu- Antiköche wie Kochkönner. So isst jeder Fünf-chung der Techniker Krankenkasse gezeigt te, der nicht gut kochen kann, mindestens(„Kundenkompass Ernährungsrisiken“ 2006). , dreimal die Woche Döner, Pommes und Co. –So greifen auch Menschen mit höherem Bil- gegenüber nur jedem Zwanzigsten, der nachdungsabschluss bei Fertiggerichten ebenso eigenen Angaben sehr sicher am eigenenunbefangen zu wie diejenigen, bei denen Herd ist.man eher mangelndes Wissen über gesundeErnährung vermuten würde. Die wenigen Entscheidendes Kriterium dafür, ob gekochtBefragten, die sich fast ausschließlich von Fer- oder Fastfood aufgewärmt wird, ist zudemtigessen ernähren, haben zwar tatsächlich nur mal wieder der Zeitmangel – er ist der Haupt-einen Hauptschulabschluss. Aber das sind wie grund, warum die Menschen nicht häufigergesagt Ausnahmen. Im Großen und Ganzen kochen und stattdessen zu Fertiggerichtenhält es sich ziemlich die Waage zwischen gebil- greifen. Folglich sind es auch eindeutig diedet und ungebildet, Geringverdiener und Berufstätigen, die sich das aufwändigereBerufstätigem mit Spitzeneinkommen. Men- Kochen sparen. Fast jeder zweite von ihnenschen mit Abitur oder Studium liegen sogar greift mindestens ein-, zweimal die Woche inleicht über dem Durchschnitt: 44 Prozent von die Tiefkühltruhe, statt in die Gemüseabtei-ihnen essen mindestens einmal in der Woche lung des Supermarktes zu gehen. Bei denje-schnelle Fertiggerichte, während das bei den nigen, die ihren Tag zu Hause verbringen, istHauptschülern jeder dritte tut. Und auch beim es nur knapp jeder dritte.Pommes-Essen im Imbiss oder Burger imSchnellrestaurant liegen Abiturienten leichtüber dem Schnitt. Bildung schützt nicht vor Fertiggerichten So oft kommen industriell gefertigte Mahlzeiten auf den Tisch, Angaben nach Bildungsabschluss mindestens einmal die Woche 36 % bis täglich 36 % 44 % 27 % 1–2mal im Monat 32 % 29 % 38 % seltener oder nie 32 % 27 % 0 10 20 30 40 Volks-/Hauptschule mittlerer Abschluss Abitur/Studium „Iss was, Deutschland?“ –   K-Studie zum Ernährungsverhalten in Deutschland | 15 T
  • 16. Auch Familien greifen beim Fastfood zu aber tun sie das durchaus. Und beim schnel- len Snack im Burger-Restaurant hängen Fa- Interessanterweise ist es auch nicht so, dass milien die Alleinlebenden sogar deutlich ab. nur Singles Fastfood schätzen, etwa weil sie für sich alleine nicht kochen wollen. Auch in Insgesamt lässt sich feststellen, dass der Griff Familien geht es, wie bereits festgestellt, nicht zum Fertigessen etwas mehr ein Großstadt- sehr viel gesünder zu. Das zeigt sich auch phänomen ist. Zumindest wohnen diejenigen, beim Einkauf von Fertigessen: Familien kau- die mehrmals die Woche zu Fastfood greifen, fen zwar nicht gleich täglich Chicken Nuggets in größeren Städten ab 100.000 Einwohnern. oder Pizza ein. Ein bis zweimal die Woche Und: Es sind überwiegend Männer. Mahlzeiten zu Hause sich alleine an den Küchentisch zu setzen, blät- tert jeder Zweite mit der einen Hand in einer Zeitschrift, während die andere die Gabel hält, Da (mangelnde) Zeit beim Essen eine der oder er klickt sich parallel durchs Internet. Egal Hauptrollen spielt, ist es nicht mehr selbstver- ob Mann oder Frau, erwerbstätig oder nicht. ständlich, dass die Mahlzeiten zu Hause am Nur das Alter spielt dabei eine Rolle: Je älter Tisch eingenommen werden, gemeinsam, mit jemand ist, desto mehr Zeit und Muße Ruhe für Genuss und Gespräch. Denn wem räumt er dem Essen ein. schon die Zeit zum Kochen fehlt, der blickt auch beim Essen mehr auf die Uhr als auf Je jünger, desto öfter laufen beim Essen den Teller. Dabei sagen Mediziner und Ernäh- Fernseher oder Computer rungswissenschaftler durchweg, dass eine in Ruhe eingenommene Mahlzeit sehr viel So ist es vor allem die Generation 50 plus, die bekömmlicher ist. Alleine schon, weil das ihr Essen ganz traditionell am Küchentisch ein- Essen dann gründlicher gekaut wird und nicht nimmt – ohne dabei noch anderes zu erle- wie ein schwerer Kloß zur Verdauung kommt. digen. Bei den älteren Bürgern schaltet nur Der Spruch, dass etwas schwer im Magen jeder fünfte parallel den Fernseher ein. An- liegt, kommt schließlich nicht von ungefähr. ders verhält es sich bei den Jüngeren: je jün- Außerdem hält es schlank, in Ruhe zu essen: ger, desto öfter laufen Computer oder Fernse- Wer sich auf sein Essen konzentriert, achtet her nebenher. Vier von zehn unter 25-Jährigen auch mehr auf sein Sättigungsgefühl als je- sind beim Essen durch andere Tätigkeiten mand, der dabei einen Krimi schaut oder im abgelenkt. Internet surft. Menschen mit geregelten Mahl- zeiten neigen deshalb etwas weniger zu Ge- Dabei sind es eher Stadtmenschen, die zu wichtsproblemen als die mit einem unregel- Hause alleine essen und dabei ihre E-Mails mäßigen Tagesablauf. checken. Und es sind eher die Geringver- diener. Mehr als jeder Zweite, der maximal Jeder Dritte beschäftigt sich nebenher 1.500 Euro im Monat zur Verfügung hat – sei es als Rente, Gehalt oder Transferleistung –, Doch wer in Deutschlands Wohnungen schaut, sagt, dass er bei der Hauptmahlzeit alleine zu sieht dort nur unregelmäßig jemandem am Hause ist. Und vier von zehn setzen sich dann Esstisch sitzen. Zwar beteuern fast neun von nicht an den Tisch, sondern nehmen den zehn Menschen, sie würden zumindest einmal Nudelteller mit aufs Sofa. Von den Besserver- am Tag in Ruhe und mit Genuss essen. Vor dienenden sagen dagegen nur 15 Prozent, allem natürlich diejenigen, die ohnehin sagen, dass sie zu Hause alleine essen. Und nur jeder dass das Essen für sie wichtig ist, und sich fünfte von ihnen beschäftigt sich dabei mit zumindest überwiegend gesund ernähren. Bei anderen Dingen. denen, die dem Essen nicht so viel Bedeutung beimessen, liegt der Genuss aber doch eher Regelmäßig am Tisch gegessen wird vor allem im Unterhaltungsprogramm, das neben den noch in Familien. Doch selbst in jedem vierten Mahlzeiten läuft. Bei einem Drittel der Drei-Personen-Haushalt läuft der Fernseher Befragten nämlich laufen beim Essen Fernse- beim Essen noch nebenher. Erst wenn zwei her oder Computer. Vor allem bei Singles. Statt Kinder da sind, sinkt die Quote auf 15 Prozent.16 | „Iss was, Deutschland?“ –   K-Studie zum Ernährungsverhalten in Deutschland T
  • 17. Essen ist oft Nebensache Anteil der Befragten, die folgende Aussage bejahen, nach Alter und Haushaltsgröße „Ich schaue beim Essen oft fern, surfe nebenbei im Internet oder blättere in einer Zeitschrift. “ Prozent 50 49 % 40 39 % 30 37 % 31 % 28 % 27 % 20 24 % 23 % 22 % 10 15 % 0 18–25 26–35 36–45 46–55 56–65 66 und Single 2 Personen 3 Personen 4 Personen + älter Altersgruppen HaushaltsgrößeBeim Fernsehen wird auch viel genascht Meistens sind es Berufstätige, die bei Schoko- lade und Knabbereien entspannen. Und eherÜberhaupt scheinen Fernseher, Laptop, Tablet Leute mit geringerer Schulbildung. Es sindund Smartphone dazu einzuladen, nebenher auch oft diejenigen, die von sich sagen, dasszu essen. Nicht nur die Hauptmahlzeiten. sie nicht kochen können. Die stillen den Hun-Beim Surfen und Fernsehen wird auch gerne ger dann gerne mit kleinen Knabbereien zwi-genascht. Auch hier sind es wieder vor allem schendurch. Nur Rentner und Berufstätige mitjunge Leute und Geringverdiener, die geistes- einem Nettoeinkommen von über 4.000 Euroabwesend in die Chipstüte greifen – jeder drit- halten sich beim Fernsehen mit dem Naschente unter 35-Jährige, jeder Vierte insgesamt. deutlich zurück. Die Chipstüte liegt oft griffbereit Anteil der Befragten, die beim Surfen im Internet oder Fernsehen Chips, Schokolade oder Ähnliches naschen, nach Alter Prozent 50 40 30 33 % 33 % 32 % 29 % 20 25 % 10 13 % 0 18–25 26–35 36–45 46–55 56–65 66 und älter Altersgruppen „Iss was, Deutschland?“ –   K-Studie zum Ernährungsverhalten in Deutschland | 17 T
  • 18. Essen to go nur der Gang zur Pommesbude oder zum Dönerimbiss einfällt, der sollte seiner Gesund- heit zuliebe tatsächlich lieber zu Hause essen. Auch unterwegs muss es nicht ungesund Es gibt jedoch auch für unterwegs gesunde sein Alternativen, die Gemüsepfanne im Asiaimbiss zum Beispiel oder die Backkartoffel mit Kräu- Ob nun alleine vor dem Fernseher oder ver- terquark. sammelt am Küchentisch, selbst gekocht oder in der Mikrowelle aufgewärmt: Der ganz über- Viele wollen auch auf dem Weg gut essen wiegende Teil der Mahlzeiten wird zu Hau- se gegessen. Der Verzehr außer Haus ist zwar Und tatsächlich bemüht sich ein Drittel aller zweifellos stark auf dem Vormarsch. So steht Befragten, unterwegs zumindest etwas im Ernährungsbericht 2004, dass sich die Zahl Gesundes zu bestellen. Da stehen auch die derjenigen, die täglich mindestens einmal Männer den Frauen in nichts nach. Auch jün- außer Haus essen, zwischen 1991 und 2002 gere Leute, die grundsätzlich weniger Wert auf fast verdoppelt hat. Und allerorten sieht man ihre Ernährung legen, gehen in diesem Punkt Menschen mit belegten Brötchen oder Burger überraschend bewusst mit ihrer Gesundheit in der Hand über die Straße gehen und im um. Vier von zehn versuchen, unterwegs dar- Auto oder in der U-Bahn sitzen. Dennoch sagt auf zu achten, dass sie mehr als nur Fett und fast die Hälfte der Bevölkerung, dass sie nie leere Kohlenhydrate zu sich nehmen. Wobei unterwegs etwas isst, vor allem Frauen nicht. es jeder Dritte unter 25 Jahren durchaus In den östlichen Bundesländern ist die To go- praktisch findet, sich unterwegs nebenbei zu Kultur ohnehin weit weniger verbreitet als im ernähren. Fast ebenso viele von ihnen tun dies Westen. dann auch mehrfach die Woche, mindestens dreimal sogar. Mit den Jahren aber verlieren die Dabei heißt es nicht zwangsläufig, dass sich meisten den Gefallen daran. Je älter die Men- schlecht ernährt, wer sein Essen außerhalb schen werden, umso weniger essen sie unter- der eigenen vier Wände zu sich nimmt. Denn wegs – bei Senioren sind es dann nur noch to go ist nicht gleich to go. Wem bei Fastfood- zwei Prozent, also faktisch fast niemand mehr. Bei Jüngeren steht der schnelle Imbiss unterwegs hoch im Kurs Anteil der Befragten nach Alter 70 66 60 50 48 40 42 36 35 30 31 28 20 24 23 21 14 10 12 12 10 7 6 2 * 0 18–25 26–35 36–45 46–55 56–65 66 und älter Ich esse gern unterwegs Ich esse unterwegs mindestens Ich esse nie etwas, das ist so schön dreimal die Woche nebenbei unterwegs. praktisch. etwas Schnelles wie Brötchen oder Burger. Angaben in Prozent * für Auswertung zu geringe Basis18 | „Iss was, Deutschland?“ –   K-Studie zum Ernährungsverhalten in Deutschland T
  • 19. Berufstätige schätzen mobiles Essen Befragten mit Abitur oder Uniabschluss, die gelegentlich auf dem Weg essen, bemühenEs sind natürlich eher die Berufstätigen, die sich um etwas wirklich Nahrhaftes. Ebensosich für die Fahrt mit der Bahn oder dem Auto vier von zehn der Besserverdienenden.schnell noch etwas zu essen holen. Vor allem Geringverdiener hingegen scheinen sich dasdiejenigen mit hohem Bildungsniveau und Essen unterwegs nicht so oft leisten zu kön-höherem Einkommen schätzen diese unkom- nen. Über die Hälfte der Befragten, die einplizierte Variante der Ernährung. Gerade sie Haushaltseinkommen von maximal 1.500 Euroversuchen aber, sich dann zumindest etwas haben, sagen, dass sie nie unterwegs etwasGesundes mitzunehmen und nicht einfach zur zu essen kaufen. Wer Geld hat, lässt sich alsoPommesbude zu gehen. Fast die Hälfte aller zusammenfassen, isst eher unterwegs. Essen to go kann sich nicht jeder leisten Unterwegs-Esser nach Haushaltsnettoeinkommen 60 50 54 40 46 41 30 34 20 10 13 14 11 8 0 bis 1.500 Euro 1.500 bis 3.000 Euro 3.000 bis 4.000 Euro 4.000 Euro und mehr Ich esse unterwegs mindestens dreimal Ich esse nie unterwegs. die Woche nebenbei etwas Schnelles wie Brötchen oder Burger. Angaben in Prozent „Iss was, Deutschland?“ –   K-Studie zum Ernährungsverhalten in Deutschland | 19 T
  • 20. Ernährung am Arbeitsplatz Die Versorgung lässt zu wünschen übrig überflügelt: Das Problem ist in erster Linie die begrenzte Essensauswahl. Vier von zehn Die Ernährungsgewohnheiten sind sehr vom Befragten sagen, dass das Angebot in der Arbeitsalltag geprägt. Ein großer Teil der Kantine oder der näheren Umgebung des Erwachsenen verbringt den ganzen Tag außer Unternehmens eine gesunde Ernährung Haus und versorgt sich folglich auch nicht dort. schwierig macht. Und obwohl man denken Wer in die Kantine geht, hat aber weniger sollte, dass eine Großstadt da mehr Möglich- Auswahl bei den Mahlzeiten, als wenn er im keiten bietet als ein kleiner Ort, sind es bemer- Supermarkt die einzelnen Zutaten zusammen- kenswerterweise gerade Städter, die eine sucht. Dabei ist es schon von Vorteil, über- mangelnde Auswahl beklagen. Fast jeder haupt eine Kantine zu haben und dort mittags zweite der Befragten, die in einer Stadt mit etwas Warmes zu bekommen. Viele Berufstä- mindestens 500.000 Einwohnern leben, findet tige huschen in der Pause nur kurz zum Bäcker das Essensangebot beim Job unzureichend. nebenan, weil es im näheren Umfeld einfach In kleineren Städten und auf dem Land wird nichts Besseres zu essen gibt. dies weniger beklagt. Jeder Dritte klagt über schwierige Bedin- Auch der Zeitfaktor spielt jedoch eine Rolle. gungen Jede zweite Frau und jeder zweite Mann geben an, dass sie in ihren Arbeitspausen So sind denn auch viele unzufrieden mit ihren nicht die Zeit haben, in Ruhe zu essen. Möglichkeiten, sich am Arbeitsplatz angemes- Während sonst die Frauen durchweg diejeni- sen zu ernähren. Obwohl betriebliches gen sind, die ihrer Ernährung mehr Bedeutung Gesundheitsmanagement inzwischen in vielen beimessen, findet dies im Berufsalltag Branchen ein großes Thema ist, beklagt ein anscheinend seine Grenzen. Frauen nehmen Drittel aller Berufstätigen, dass eine gesun- sich bei der Arbeit nur genauso wenig Zeit de Ernährung bei der Arbeit schlichtweg zum Essen wie Männer. Nur 47 Prozent von nicht möglich ist. Die schlechten Bedingun- ihnen sagen, dass sie tagsüber genügend Zeit gen am Arbeitsplatz rangieren in der Liste der zum Essen haben, bei den Männern sind es Gründe, die Berufstätige insgesamt von einer auch nur zwei Prozentpunkte mehr. gesunden Ernährung abhalten, weit oben – an dritter Stelle hinter mangelnder Zeit und Was viele Berufstätige dafür regelmäßig bei schwachem Durchhaltevermögen. Und damit der Hand haben, sind Schokoriegel und andere sogar noch vor mangelndem Willlen zu einer Süßigkeiten. Das geht ja auch schnell zwi- Veränderung, fehlenden Kochkenntnissen und schendurch. Gut jeder Zehnte gibt zu, dass er dem Faktor Geld. bei der Arbeit oft Süßes nebenher isst. Frauen wie Männern fehlt die Zeit Vergleicht man die Altersgruppen, sind es die für Essenspausen Berufstätigen zwischen Mitte dreißig und Mitte vierzig, die sich noch weniger Zeit zum Die fehlende Zeit, die sonst durchweg als Essen nehmen als die anderen – also die einer der Hauptgründe für eine unzureichende Generation, die oft noch kleine Kinder zu Hau- Ernährung herhalten muss, wird nach Aussage se hat. Die Befragten in diesem Alter beklagen der befragten Berufstätigen beim Essen am auch am meisten, dass ihnen eine gesunde Arbeitsplatz von einem anderen Grund noch Ernährung bei der Arbeit nicht möglich ist.20 | „Iss was, Deutschland?“ –   K-Studie zum Ernährungsverhalten in Deutschland T
  • 21. Essensauswahl in der Kantine...Das sagen Frauen und Männer über ihr Essverhalten im JobIch nehme mir in meinen Arbeitspausen 47 %immer ausreichend Zeit, um in Ruhe zu 49 %essen.Ich esse während der Arbeit nicht 30 %viel, dafür dann abends zu Hause 47 %reichlich.Die Essensauswahl in Kantine oder 39 %Arbeitsplatznähe macht gesunde 39 %Ernährung schwierig.Bei der Arbeit komme ich nicht 24 %dazu, mich gesund zu ernähren. 36 %Bei der Arbeit esse ich oft Schokoriegel 12 %oder andere Süßigkeiten nebenher. 11 % 0 10 20 30 40 50Mehrfachnennungen möglich Frauen MännerFast jeder Vierte unter 25 nascht bei der ArbeitAnteil der Befragten, die am Arbeitsplatz zu Süßigkeiten greifen, nach Alter 18–25 Jahre 22 % 26–35 16 % 36–45 12 % 46–55 7 % 56–65 4 % 66 und älter * 0 10 20* für Auswertung zu geringe Basis „Iss was, Deutschland?“ –   K-Studie zum Ernährungsverhalten in Deutschland | 21 T
  • 22. Eine Frage des guten Willens hat, bemängeln, dass ihnen eine gesunde Ernährung bei der Arbeit nicht möglich ist. Bei Dabei lässt sich bei der Befragung durchaus den anderen sind es vier von zehn. feststellen, dass eine gesunde Ernährung bei der Arbeit auch eine Frage des guten Willens Hinzu kommt: Gerade wer sich wenig Gedan- ist – egal, ob das Essensangebot rundum nun ken über seine Ernährung macht, der isst bei üppig oder bescheiden ist. Diejenigen, die der Arbeit oft ohnehin nicht viel – sondern angeben, dass das Essen für sie sehr wichtig dann abends zu Hause reichlich. Aber auch ist und sich auch durchweg gesund ernähren, insgesamt betrachtet geben noch vier von beklagen nämlich am wenigsten, dass sie bei zehn befragten Berufstätigen an, dass sie bei der Arbeit zu einem ungesunden Lebensstil der Arbeit nicht viel essen, dafür dann aber gezwungen sind. Nur 26 Prozent der Befrag- ordentlich zuschlagen, wenn sie abends nach ten, für die Essen einen hohen Stellenwert Hause gekommen sind. Ernährungsfalle Arbeitsplatz Anteil der Erwerbstätigen, die bei der Arbeit nicht dazu kommen, sich gesund zu ernähren, nach dem Stellenwert, den sie dem Essen beimessen Erwerbstätige nach dem Stellenwert, den sie dem Essen beimessen Essen ist sehr wichtig 26 % Essen ist wichtig, hat aber 38 % keinen großen Stellenwert Essen ist nicht so wichtig 39 % 0 10 20 30 Wer wenig über Ernährung nachdenkt, haut abends richtig rein Anteil der Erwerbstätigen, die am Arbeitsplatz wenig und zu Hause dafür umso mehr essen Erwerbstätige nach Ernährungstyp mache mir wenig Gedanken darüber 60 % phasenweise: auf Ernährung 43 % wird wenig geachtet phasenweise: überwiegend 43 % gesunde Ernährung immer gesund 27 % 0 10 20 30 40 50 60 7022 | „Iss was, Deutschland?“ –   K-Studie zum Ernährungsverhalten in Deutschland T
  • 23. Bei der Arbeit wird zu wenig getrunken aber kommt das Trinken oft zu kurz. Und das nicht nur bei den Frauen. 43 Prozent allerFast jede zweite Frau vergisst bei der Arbeit Befragten insgesamt vergessen bei der Arbeitauch immer wieder, genug zu trinken. Mindes- immer wieder, sich ein Glas Wasser einzu-tens 1,5 Liter Flüssigkeit benötigt der Körper schenken. Vor allem jüngeren Leuten passiertam Tag. Wasser ist Bestandteil von Körperflüs- das oft. Und auch diejenigen mit einem höhe-sigkeiten und Zellen, transportiert Nährstoffe ren Bildungsniveau geben deutlich häufiger an,und Sauerstoff. Schon wer kurzfristig zu wenig dass sie zu wenig trinken – sei es, weil sie tat-trinkt, spürt die Folgen: Müdigkeit, Kopf- sächlich weniger dazu kommen oder weil sieschmerzen und Konzentrationsprobleme. Des- sich der Notwendigkeit, mehr zu trinken, stär-halb sollte man am besten über den Tag ver- ker bewusst sind. Mehr als jeder Zweite mitteilt immer wieder kleine Mengen trinken, ehe Abitur sagt, dass er über den Tag verteilt zuüberhaupt ein Durstgefühl einsetzt – dann hat wenig trinkt. Bei den Gutverdienenden abder Körper nämlich schon fünf Prozent seiner einem Monatseinkommen von 4.000 Euro net-Flüssigkeit verloren. In der Hektik des Alltags to sind es sogar sechs von zehn Berufstätigen. Der unbemerkte Durst Anteil der Erwerbstätigen, die bei der Arbeit oft das Trinken vergessen, nach Haushaltsnettoeinkommen „Bei der Arbeit vergesse ich oft, genug zu trinken.“ 60 50 58 % 40 41 % 41 % 30 38 % 20 10 0 4.000 Euro 3.000 bis 1.500 bis bis zu und mehr 4.000 Euro 3.000 Euro 1.500 Euro Trinken wird oft vergessen Anteil der Erwerbstätigen, die am Arbeitsplatz oft nicht ans Trinken denken, nach Bildungsabschluss „Bei der Arbeit vergesse ich oft, genug zu trinken.“ 50 51 % 40 40 % 30 36 % 20 10 0 Abitur/Studium mittlerer Abschluss Volks-/Hauptschule „Iss was, Deutschland?“ –   K-Studie zum Ernährungsverhalten in Deutschland | 23 T
  • 24. Gesundheit eine nicht unerhebliche Rolle dürfte auch spie- len, dass das Bewusstsein für die Problema- tik immer stärker ausgeprägt ist. Darauf weist Unverträglichkeiten und Allergien nehmen auch unsere Untersuchung hin. Denn es fällt zu – jeder Sechste betroffen auf, dass Menschen mit höherem Bildungs- grad sehr viel häufiger über Allergien und In der Bevölkerung nehmen Allergien und Nah- Unverträglichkeiten berichten – von den Men- rungsmittelunverträglichkeiten zu. In unserer schen mit Abitur oder Hochschulabschluss gibt Umfrage sagten 17 Prozent der Befragten, dies mehr als jeder Fünfte an. Das lässt ver- dass sie von einer Nahrungsmittelunverträg- muten, dass sie zum einen sensibler für das lichkeit oder -allergie betroffen sind. Thema sind und zum anderen wohl auch eher einen Zusammenhang zwischen einem Experten gehen davon aus, dass der Anstieg Unwohlsein und einer möglichen Nahrungs- auf Veränderungen der Lebens- und Ernäh- mittelunverträglichkeit herstellen – und diesem rungsgewohnheiten zurückzuführen ist. Doch Verdacht dann auch nachgehen. Unverträglichkeiten gegen Lebensmittel Von 100 Menschen in Deutschland reagieren allergisch oder mit Beschwerden auf bestimmte Nüsse 5 bestimmte Früchte 5 Laktose 4 Fruktose 2 Milcheiweiß 2 Gluten (Zöliakie) 1 Histamin 1 andere Lebensmittel 6 Mehrfachnennungen möglich Frauen und Geringverdiener sind am lohnsektor arbeiten, alleine Kinder großziehen belasteten oder von einer kleinen Rente leben. Männer und Berufstätige mit mittlerem bis höherem Frauen und Geringverdiener, das zeigt die Einkommen jedenfalls leiden nach eigener Umfrage deutlich, sind gesundheitlich am Angabe in der Umfrage sehr viel seltener stärksten belastet – wobei die beiden Grup- unter chronischen Erkrankungen oder Be- pen in Teilen deckungsgleich sind. Schließlich schwerden, die immer wieder auftauchen und sind es besonders oft Frauen, die im Niedrig- den Alltag erheblich beeinträchtigen.24 | „Iss was, Deutschland?“ –   K-Studie zum Ernährungsverhalten in Deutschland T
  • 25. Chronische BeschwerdenUnter welcher der folgenden Beschwerden bzw. Einschränkungen leiden Siehäufiger oder dauerhaft?Erkrankungen und Beschwerdendes Bewegungsapparates z. B. 47 %Rückenschmerzen oder Gelenk- 36 %beschwerdenErschöpfung, das Gefühl gestresst 28 %oder ausgebrannt zu sein 23 %Herz-Kreislauf-Erkrankungen 23 %bzw. Bluthochdruck 18 %Schlafstörungen 22 % 17 %Kopfschmerzen, Migräne 24 % 12 %unausgeglichene nieder- 18 %gedrückte Stimmung 11 %Stoffwechsel-Erkrankungen wiez. B. hoher Cholesterinspiegel, 14 %Diabetes 10 %häufige Erkältungskrankheiten 10 % 6 %Übelkeit, Magenbeschwerden 8 % 6 % 0 10 20 30 40 50Mehrfachnennungen möglich Frauen Männer „Iss was, Deutschland?“ –   K-Studie zum Ernährungsverhalten in Deutschland | 25 T
  • 26. Frauen haben mehr Rückenschmerzen. Sie lei- Frauen haben doppelt so häufig Migräne den häufiger an Herz-Kreislauf-Problemen, an Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes und Am auffälligsten aber ist das Krankheitsbild an immer wiederkehrenden Erkältungen. Vor bei Kopfschmerzen und Migräne. Frauen allem sind bei ihnen alle Symptome sehr viel leiden doppelt so häufig darunter wie Männer. ausgeprägter, die auf Stress und eine hohe Ein Viertel aller befragten Frauen klagt über psychische Belastung hinweisen. Fast drei Kopfschmerzen und Migräneattacken – bei von zehn Frauen fühlen sich ausgebrannt – den Männern sind es nur zwölf Prozent. bei Männern sind es 23 Prozent. Mehr als jede Dabei zeigt sich auch deutlich, wie sehr diese fünfte Frau leidet nachts unter Schlafstörungen peinigenden Beschwerden auf Anspannung – Männer nur zu 17 Prozent. Und fast jede und Stress zurückzuführen sind. Viel mehr fünfte Frau ist immer wieder niedergedrückter Berufstätige als Erwerbslose leiden darunter. Stimmung – bei den Männern ist es nur jeder Die Beschwerden nehmen mit dem Alter zehnte. immer mehr ab – bis sie nach Ende der Be- rufstätigkeit dann praktisch ganz verschwun- den sind. Rentner sind in ihrem Alltag sehr viel seltener gestresst. Und nur noch fünf Prozent aller Senioren werden gelegentlich von Kopf- schmerzen attackiert. Kopfschmerzen und Migräne Anteil der Betroffenen nach Alter 50 40 30 34 % 31 % 28 % 20 10 14 % 8 % 0 5 % 18–25 26–35 36–45 46–55 56–65 66 und älter Altersgruppen Geringverdiener sind kränker gruppe. Mehr als jeder Zweite, der nur über ein Haushaltseinkommen von maximal 1.500 Doch wie weit jemand gesundheitlich belastet Euro verfügt, klagt regelmäßig darüber. Zu- ist, scheint nicht nur eine Frage des Ge- dem haben die Menschen mit weniger Geld schlechts, sondern auch des sozialen Status häufiger Schlafprobleme und sind öfter nie- zu sein. Durchweg alle abgefragten Krank- dergedrückter Stimmung. Doch auch körperli- heitsbilder treten bei Menschen mit gerin- che Beschwerden, die weniger auf Stress gem Einkommen sehr viel häufiger auf als zurückzuführen sind, finden sich hier sehr viel bei denen mit Spitzeneinkommen. Vor allem häufiger. Ärmere Leute haben auch mehr Rücken- und Gelenkbeschwerden sind ein Herz-Kreislauf- und Stoffwechselprobleme. häufiges Symptom in dieser Bevölkerungs-26 | „Iss was, Deutschland?“ –   K-Studie zum Ernährungsverhalten in Deutschland T
  • 27. Geringverdiener sind kränker Anteil der Menschen, die häufiger oder dauerhaft unter folgenden Beschwerden leiden, nach Haushaltseinkommen Rücken- oder Gelenkbeschwerden 55 % 37 % Erschöpfung, das Gefühl gestresst 26 % oder ausgebrannt zu sein 21 % Herz-Kreislauf-Erkrankungen 27 % bzw. Bluthochdruck 14 % 24 % Schlafstörungen 9 % unausgeglichene niedergedrückte 18 % Stimmung 9 % Kopfschmerzen, Migräne 16 % 16 % Stoffwechsel-Erkrankungen wie 15 % z. B. hoher Cholesterinspiegel, 10 % Diabetes 11 % Übelkeit, Magenbeschwerden 3 % 9 % häufige Erkältungskrankheiten 5 % 18 % unter keiner davon 37 % Geringverdiener Spitzenverdiener Haushaltsnettoeinkommen bis 1.500 Euro Haushaltsnettoeinkommen über 4.000 EuroKranke essen nicht besser als Gesunde kung doch fettärmer essen würden. Die Befra- gung hat im Gegenteil gezeigt: Auch wer unterNun sollte man eigentlich vermuten, dass Bluthochdruck, Kopfschmerzen oder starkerMenschen mit Gesundheitsproblemen beson- Erschöpfung leidet, achtet kaum mehr dar-ders auf ihre Ernährung achten. Schließlich ist auf, wie gesund seine Mahlzeiten sind, alsbekannt, dass es einen Zusammenhang zwi- die übrige Bevölkerung. Dabei hätten sie es imschen dem allgemeinen Wohlbefinden, der wahrsten Sinne des Wortes in der Hand: DieGesundheit und der Ernährung gibt. Ein Zu- gesundheitlich Vorbelasteten sind nach eige-sammenhang, der in Ansätzen auch in unse- ner Angabe zu Hause ganz überwiegendrer Befragung abzulesen ist: Von den Befrag- selbst für das Essen zuständig – sei es weilten, die an Herz-Kreislauf-Problemen oder sie alleine leben oder weil sie für ihre FamilieStoffwechselerkrankungen leiden, sagen auf- kochen. Sieben von zehn der Erkranktenfallend viele, dass Fett für sie zu einem sagen, dass sie in ihrem Haushalt die Köcheleckeren Essen dazu gehört. Es ist aber mit- sind. Vielmehr: die Köchinnen.nichten so, dass sie dann wegen ihrer Erkran- „Iss was, Deutschland?“ –   K-Studie zum Ernährungsverhalten in Deutschland | 27 T
  • 28. Nur Magenpatienten achten auf Ernährung Nur halb so viele legen Wert darauf, dass es dann auch noch bekömmlich ist. Nur Menschen mit Magenproblemen räumen ihrer Ernährung grundsätzlich einen größeren Kranke sind oft Frustesser Stellenwert ein als diejenigen, die problemlos alles essen können. Sechs von zehn Patienten Besonders auffällig ist, dass die gesundheit- mit Magenbeschwerden sagen, dass ihr lich Vorbelasteten in einem gesteigerten Ma- Essen ihnen sehr wichtig ist. Bei den übrigen ße Frustesser sind. In der Gesamtbevölkerung Erkrankten ist es nicht einmal jeder zweite, sagt rund jeder Dritte von sich, dass er gele- der besonderen Wert auf ein gutes Essen legt. gentlich aus Stress über die Stränge schlägt. Doch auch wer Probleme mit der Verdauung Bei den Vorerkrankten oder psychisch beson- hat, will in erster Linie lecker essen. Mehr als ders angeschlagenen Personen sind es sehr der Hälfte aller Magenpatienten ist es erst ein- viel mehr. Da schwankt der Anteil der Frustes- mal wichtig, dass das Essen gut schmeckt. ser zwischen 36 Prozent und sogar 51 Prozent. Kranke sind oft Frustesser Anteil der von Beschwerden Betroffenen, die manchmal aus Stress oder Frust essen Frustesser nach Beschwerdebild Erkältungskrankheiten 51 % Stimmungsschwankungen 47 % Erschöpfung 45 % Stoffwechsel 45 % Schlafstörungen 39 % Übelkeit, Magen 39 % Kopfschmerzen 38 % Bewegungsapparat 36 % Herz-Kreislauf 30 % Befragte insgesamt 31 % 0 10 20 30 40 5028 | „Iss was, Deutschland?“ –   K-Studie zum Ernährungsverhalten in Deutschland T
  • 29. Meistens siegt der innere Schweinehund der gesunden Bevölkerung: Von den Men- schen, die angeben, ganz gesund zu sein, grei-Dabei scheint es nicht so zu sein, dass chro- fen nur fünf Prozent so häufig zu Fertigessen.nisch Kranke oder gestresste Menschen nichtum den Zusammenhang zwischen Ernährung Zudem nehmen sie sich auch weniger Zeit, inund Wohlbefinden wüssten. Sie schaffen es Ruhe zu essen: Deutlich mehr Menschen mitnur nicht, den inneren Schweinehund zu besie- psychischen Belastungen als ohne geben an,gen, der sie immer wieder von einer gesünde- dass sie beim Essen oft nebenbei fernsehenren Ernährung abhält. In der Gesamtbevölke- oder im Internet surfen. Und wenn sie esrung geben diesen Kampf 43 Prozent immer sich vor dem Fernseher gemütlich gemachtwieder auf – bei den Erkrankten sind es noch haben, naschen sie dabei auch gerne Süßig-weit mehr. Mehr als jeder zweite der gesund- keiten oder Chips. Zu beidem bekennt sichheitlich Belasteten sagt von sich, dass ihm mehr als jeder dritte von ihnen. Unter denDisziplin und Entschlossenheit für eine bes- Befragten, die angeben, dass sie ganz gesundsere Ernährung fehlten. Bei denen, die ohne- sind, tut das nur etwa jeder sechste.hin unter Stimmungsschwankungen leiden,sind es sogar 66 Prozent. Interessanterweise Ein Teufelskreisfehlt jedem vierten der psychisch Belastetenzudem nach eigener Aussage die Unterstüt- Die Frage ist da natürlich, ob zuerst die Er-zung seiner Familie. Sonst haben das Problem schöpfung eingesetzt hat oder das Zeitprob-in der Gesamtbevölkerung nur 14 Prozent. lem. Das eine bedingt zweifellos das andere, und irgendwann entsteht ein Teufelskreis: WerPsychisch Belastete vernachlässigen ihre sich nicht gut ernährt, wird krank. Und werErnährung krank ist, hat oft erst recht nicht mehr die Kraft, sich hinreichend um seine ErnährungAuffällig ist auch der Zusammenhang zwi- zu kümmern.schen Stress und Erschöpfung und einemhektischen Essen. Es sind vor allem die Ein Zusammenhang ist zudem auch hinsicht-Befragten mit hoher psychischer Anspannung, lich der Erschöpfung und der Ernährungsbe-die sich keine Zeit zum Kochen nehmen. Die dingungen am Arbeitsplatz ersichtlich.Hälfte derer, die sich als erschöpft bezeichnen. Sechs von zehn der Kopfschmerzpatienten46 Prozent der Kopfschmerzpatienten. Und vergessen bei der Arbeit immer wieder, genugvier von zehn Patienten, die unter Stimmungs- zu trinken. Und die, die sich besonders aus-schwankungen und Niedergeschlagenheit lei- gebrannt fühlen, klagen besonders häufig,den. So essen psychisch belastete Menschen dass sie sich an ihrem Arbeitsplatz nicht gutauch sehr viel häufiger Fertiggerichte als die ernähren können. Über die Hälfte von ihnenübrige Bevölkerung. Bis zu 19 Prozent von sagt, die Essensauswahl sei schwierig, undihnen sogar mindestens drei- bis fünfmal die ebenso viele vergessen darüber hinaus, regel-Woche. Das sind fast viermal so viele wie in mäßig ein Glas Wasser zu trinken.Gewicht und Diät Gesundheit. Denn das Risiko, Rücken- und Gelenkbeschwerden, Herz-Kreislauf-Erkran- kungen oder Diabetes mellitus zu bekommen,Das Wunschgewicht ist subjektiv steigt mit dem Übergewicht an. Mindestens einer von 13 Todesfällen wird in der EU mitDie dicksten Menschen der Europäischen Uni- starkem Übergewicht in Verbindung gebracht.on (EU) leben in Deutschland. Fast sieben von Auch unsere Umfrage zeigt: Menschen mitzehn Männern und mehr als jede zweite Frau leichtem oder starkem Übergewicht sindbringen zu viel Gewicht auf die Waage, hat das sehr viel kränker, bei eigentlich allen Krank-Bundesministerium für Ernährung 2008 in sei- heitsbildern. Sie leiden mehr unter Rücken-,ner Nationalen Verzehrstudie errechnet. Jeder Gelenk- und Stoffwechselproblemen, Herz-fünfte Bundesbürger gilt sogar als adipös, also Kreislauf-Erkrankungen wie Bluthochdruck,stark übergewichtig. Kopfschmerzen und Migräne, häufigen Erkäl- tungen und psychischen Problemen wieDoch zu dick zu sein, ist für viele nicht nur ein Erschöpfung, Niedergeschlagenheit oderäußerliches, bisweilen auch psychisches Prob- Schlafstörungen. Überdurchschnittlich viele derlem. Es wird auch leicht zu einem für die chronisch Erkrankten sagen selbst von sich, dass sie dringend abnehmen müssten. „Iss was, Deutschland?“ –   K-Studie zum Ernährungsverhalten in Deutschland | 29 T
  • 30. Schwergewichte sind kränker Anteil der Menschen mit Übergewicht, die häufiger oder dauerhaft gesundheitlich beeinträchtigt sind, nach Beschwerden Erkrankungen und Beschwerden des Bewegungsapparates z. B. 57 % Rückenschmerzen oder Gelenk- 42 % beschwerden Herz-Kreislauf-Erkrankungen 36 % bzw. Bluthochdruck 21 % Erschöpfung, das Gefühl gestresst 33 % oder ausgebrannt zu sein 25 % Stoffwechsel-Erkrankungen wie 27 % z. B. hoher Cholesterinspiegel, 12 % Diabetes Schlafstörungen 25 % 20 % Kopfschmerzen, Migräne 24 % 18 % unausgeglichene nieder- 19 % gedrückte Stimmung 14 % häufige Erkältungskrankheiten 12 % 8 % Übelkeit, Magenbeschwerden 8 % 7 % keine davon 7 % 26 % 0 10 20 30 40 50 60 Stark Übergewichtige Befragte insgesamt30 | „Iss was, Deutschland?“ –   K-Studie zum Ernährungsverhalten in Deutschland T
  • 31. Dabei ist den meisten Männern und Frauen ihr Auch Schlanke hadern mit ihrer FigurKörpergewicht alles andere als egal. Wie unse-re Umfrage gezeigt hat, quält sich ein Drittel Fragt man jedoch die gleichen Männer undder Bevölkerung immer wieder mit Diäten Frauen, inwieweit sie mit ihrer Figur zufriedenherum, oder hat zumindest schon mal eine sind, ergibt sich ein ganz anderes Bild. Ob-Diät ausprobiert. Ein zeitlich begrenztes wohl 80 Prozent der jungen Leute sagen, ihreAbspeckprogramm aber, nach dem es mit der Figur sei im Grunde gut, fühlt sich nur jederalten Ernährung einfach weitergeht wie zuvor, zweite damit wohl in seiner Haut. Fast jederbringt in der Regel nichts. Häufig tritt sogar der Dritte in dieser Altersgruppe würde gernesogenannte Jo-Jo-Effekt ein: Nachdem das etwas Gewicht verlieren. Umgekehrt ist es beiGewicht kurzzeitig runtergegangen ist, schnellt den Älteren: 54 Prozent von ihnen sagen, dasses dann mit umso größerer Wucht wieder sie leichtes oder sogar starkes Übergewichtnach oben. Wissenschaftlich ist längst unum- haben – und dennoch bezeichnen sich ebensostritten, dass nur eine langfristige Umstel- viele als sehr zufrieden mit ihrer Figur. Abneh-lung der Ernährung dauerhaft zur Wohlfühl- men wollen von den über 66-Jährigen nurfigur verhilft. Medien und die Werbung hinge- knappe 40 Prozent. In der Altersgruppe dergen versprechen allen Erkenntnissen zum Trotz Mittdreißiger bis Mittvierziger sind es fastimmer wieder die schnelle Bikini-Figur. sechs von zehn Männern und Frauen, die ger- ne weniger Gewicht auf die Waage bringenFürs Schlanksein gibt es Richtwerte würden.Dabei ist dick nicht gleich dick, ebenso wenig, Gutes Essen formt die Figurwie schlank wirklich objektiv zu bemessen ist.Die Medizin gibt nur Richtwerte vor, vor allem Eine gute Figur haben vor allem die Befrag-den sogenannten Body-Mass-Index (BMI). An ten, für die das Essen einen hohen Stellen-dem kann man sich orientieren, um eine Ein- wert hat und die sich zumindest ganz über-schätzung zu bekommen, ob das eigene Kör- wiegend gesund ernähren. Umgekehrt musspergewicht im Rahmen liegt. Das ist nicht man sagen, dass Menschen mit starkemzuletzt aber auch eine Frage des subjekti- Übergewicht ihrer Ernährung am wenigstenven Empfindens – so gibt es nicht nur Über- Bedeutung beimessen. Sie ernähren sichgewichtige, sondern auch viele vor allem Mäd- deutlich ungesünder als Normalgewichtige.chen und Frauen, die sich in die Magersucht Vier von zehn Übergewichtigen essen zumin-hungern und trotzdem noch zu dick finden. dest vorwiegend ungesund. Mehr als jeder sechste Adipöse sagt sogar, dass sie sichFast die Hälfte aller Männer und Frauen in der kaum Gedanken über ihre ErnährungStudie bezeichnen ihre Figur als weder dick machen. Ihnen ist besonders wichtig, dassnoch dünn. Erstaunlicherweise bezeichnet ihr Essen billig ist. Entscheidend ist der Preis.sogar mehr als jede zweite Frau ihr Gewicht Doch Geldmangel erscheint in dem Zusam-als im Grunde okay. Und je jünger, desto menhang als eher fadenscheiniges Argument.näher sehen die Menschen sich am Idealge- Denn nur jeder sechste der stark Überge-wicht: Acht von zehn unter 25-Jährigen sagen, wichtigen bemüht sich überhaupt konse-sie seien schlank. Der Wert nimmt kontinuier- quent um eine gesunde Ernährung. So kommtlich mit dem Alter ab – von den Senioren gibt bei fast jedem zweiten Adipösen mindestensdann nur noch jeder vierte an, ein gutes Nor- einmal die Woche bis hin zu täglich ein Fertig-malgewicht zu haben. gericht auf den Tisch. Jeder Zweite ist mit seiner Figur unzufrieden So wird das eigene Gewicht eingeschätzt Ich bin eher zu dünn. 11% 6% Ich habe starkes Ich bin weder Übergewicht. zu dick, noch zu dünn. 48% 36% Ich habe leichtes Übergewicht. „Iss was, Deutschland?“ –   K-Studie zum Ernährungsverhalten in Deutschland | 31 T
  • 32. Figur hat auch mit Bildung zu tun befinden. Dem ist aber nicht so. Über die Hälfte aller Frauen hat noch nie versucht, mit Inwieweit sich jemand um seine Figur küm- einem gezielten Programm ein paar Pfunde mert, hat offensichtlich auch mit der Bildung runterzubekommen. Bei den Männern hat zu tun. Je gebildeter, desto besser ist in der sogar nur jeder vierte Erfahrung mit Diäten Regel das Bewusstsein für eine gute Ernäh- gesammelt. rung und für das eigene Körpergewicht. Über die Hälfte der Menschen mit Hauptschulab- Wer es einmal versucht hat, greift allerdings schluss hat leichtes oder sogar starkes Über- immer wieder zum Schlankheitsdrink oder ein- gewicht. Unter denen mit Abitur sind es nur schlägigen Magazin. Der Großteil der Diäter- 35 Prozent. Und die würden durchweg alle fahrenen hat schon mehrfach versucht, mit gerne etwas Gewicht verlieren, um sich wohl- einem gezielten Programm das Gewicht zu er zu fühlen in der eigenen Haut. Die Haupt- reduzieren – fast jede dritte Frau, und jeder schüler hingegen hadern sehr viel weniger achte Mann. Vor allem Menschen zwischen mit ihrer Figur. Mitte vierzig und Mitte fünfzig versuchen wiederholt abzunehmen. Und: Es sind eher Jede zweite Frau hat schon Diäten die Gut- als die Geringverdiener, die an der ausprobiert Wunschfigur arbeiten – Erfolg wird eben doch eher mit Schlankheit und Sportlichkeit assozi- In den Drogeriemärkten sind die Regale voller iert. Je höher das Einkommen, desto häufiger Produkte, die beim Abnehmen helfen sollen. werden Diäten durchgeführt. Wobei gerade In den Zeitschriften wechseln sich Frühjahrs-, die Besserverdienenden eher weniger auf Sommer-, Herbst- und Winterdiät nahtlos ab. Schlankheitspulver setzen als auf Methoden Glaubt man diesem Bild, müsste der größte wie den Verzicht auf Kohlenhydrate. Teil der Bevölkerung sich fortwährend auf Diät Gutverdiener sind öfter auf Diät „Ich habe schon einmal/ein paarmal/mindestens einmal 30 % im Jahr eine Diät gemacht. “ 52 % „Ich habe noch nie eine Diät 70 % gemacht.“ 48 % 0 10 20 30 40 50 60 70 Geringverdiener Spitzenverdiener Haushaltsnettoeinkommen bis 1.500 Euro Haushaltsnettoeinkommen über 4.000 Euro Nicht nur Dicke halten Diät fast die Hälfte noch nie auch nur versucht hat. Auch von den Menschen mit leichtem Über- Bemerkenswert ist auch, dass die Diäterfah- gewicht haben nur vier von zehn Erfahrung mit rungen nicht unbedingt davon abhängen, ob Diäten. Und wenn sie eine Diät machen, dann jemand tatsächlich übergewichtig ist. Von den setzen die Adipösen weit mehr auf standardi- Menschen, die sich selbst als weder zu dick sierte Programme zum Kalorienzählen oder noch zu dünn einschätzen, hat nämlich jeder auch auf Systemessen mit Schlankheitspulver- dritte mindestens einmal eine Diät gemacht – und -pillen, als es leicht Übergewichtige oder während es von den stark Übergewichtigen, Diäterfahrene mit Normalgewicht tun.32 | „Iss was, Deutschland?“ –   K-Studie zum Ernährungsverhalten in Deutschland T
  • 33. Die Top 10 der Diäten Von 100 Befragten haben so viele schon einmal ausprobiert 11 FDH 7 15 Weightwatchers oder Ähnliches 6 2 (Punkte zählen) 11 6 Kohlsuppendiät, Ananasdiät und 3 ähnlich einseitige Diäten 8 5 2 auf Süßigkeiten verzichten 8 5 Trennkost wie „Schlank im Schlaf“ 2 8 5 System-Essen wie Slimfast 3 oder Formula-Diät 6 4 Kalorienzähler 2 6 4 4 Fasten 5 4 Low Carb (keine Kohlenhydrate) 3 6 3 Brigitte-Diät 1 5 Gesamt Männer FrauenErst kurzfristiger Erfolg – dann der Die Erfahrungen mit Diäten sind entspre-Jo-Jo-Effekt chend entmutigend. Sechs von zehn der Befragten, die sich eisern durch eine Abma-Wissenschaftler sagen längst: Diäten, die auf gerungskur gekämpft haben, haben den so-kurzfristige Erfolge abzielen, bringen nichts. genannten Jo-Jo-Effekt am eigenen LeibWer eine Zeitlang hungert, isst danach umso erlebt. Bei den Mittvierzigern bis Mittfünfzi-mehr. Und der Körper nimmt die angebotenen gern, die am häufigsten Diäten versuchen,Kalorien dankbar auf. Das Gewicht ist kurze sind es sogar acht von zehn.Zeit nach einer Diät zumeist wieder genausohoch wie davor – oft ist es sogar noch höher. „Iss was, Deutschland?“ –   K-Studie zum Ernährungsverhalten in Deutschland | 33 T
  • 34. Umstellung der Ernährung Nur neue Essgewohnheiten helfen wirklich Es scheitert zumeist an der Disziplin Vor allem bei den wirklich Übergewichtigen Natürlich ist es sehr viel einfacher, mal zwei zeigt sich, dass das Problem mit kurzfristigen Wochen auf Leckereien zu verzichten, als sich Hungerkuren kaum zu lösen ist. Neun von dauerhaft von seinen Gewohnheiten zu lösen. zehn Adipösen kennen den Effekt, dass sie Das setzt schon einen starken Willen und kurz danach mindestens genauso dick sind große Entschlossenheit voraus. Daran hapert wie davor. Auch bei den leicht Übergewichti- es dann auch bei denen, die schließlich doch gen sind es fast sieben von zehn. Das bestä- wieder in alte Gewohnheiten zurückfallen. Den tigt, worauf Wissenschaftler schon lange hin- meisten Befragten ist es zu anstrengend, sich weisen: Wer sein Gewicht nachhaltig reduzie- permanent um eine gesunde Ernährung zu ren möchte, muss seine Ernährung grund- bemühen. Sechs von zehn Befragten räumen sätzlich umstellen. Also: insgesamt weniger ein, dass der innere Schweinehund einfach und ausgewogener essen, also weniger Fett, den Kampf gegen ihren Willen gewonnen Zucker und Kohlenhydrate zu sich nehmen. hat. Vor allem bei denjenigen, bei denen eine Ernährungsumstellung am dringendsten ange- Fast jeder Zweite hat Ernährungs- zeigt wäre: den Übergewichtigen. Bei ihnen umstellung versucht sagen sieben von zehn Befragten, dass sie ihren Plan einfach nicht durchgehalten haben. Das hat auch schon fast jeder zweite der Am diszipliniertesten scheinen noch die älte- Befragten probiert, nämlich 46 Prozent. Vor ren Menschen zu sein. Im Vergleich zu den allem Männer und Frauen in den mittleren Jah- jüngeren Befragten halten von ihnen deutlich ren, etwas mehr Frauen als Männer und eher mehr eine angestrebte Ernährungsumstellung Land- als Stadtbewohner. Es sind vor allem auch tatsächlich durch. diejenigen, für die das Essen grundsätzlich einen hohen Stellenwert hat. Und der Erfolg Mehr als sechs von zehn Befragten fehlt es ist nicht zu übersehen: Die langfristige zudem an der Zeit, sich fortwährend um die Ernährungsumstellung bringt auch langfristig Ernährung zu kümmern, so dass das Projekt mehr als eine kurzzeitige Diät. Sechs von zehn zu aufwändig erscheint. Befragten konnten ihr Gewicht dadurch dauer- haft reduzieren: 63 Prozent sagen, die Frauen fehlt die Unterstützung der Familie Gewichtsreduktion habe langfristig funktio- niert. Bei den Frauen kommt noch eine ganz andere Erschwernis hinzu: Da sie zu Hause überwie- Die wirklich Schwergewichtigen sind aller- gend die Köchinnen sind, muss natürlich auch dings nicht unbedingt darunter. Zwar haben die Familie bei der neuen Esskultur mitziehen. zwei von drei Adipösen bereits versucht, ihre Daran scheitert der ambitionierte Plan aber oft. Ernährung dauerhaft zu verbessern – und von Mehr als jede dritte Frau gibt an, dass ihr für ihnen kann auch rund die Hälfte über Erfolge die dauerhafte Umstellung auf eine gesunde berichten. Das heißt umgekehrt aber auch: Ernährung die Unterstützung ihrer Familie Jeder dritte Fettleibige hat noch nie einen gefehlt hat. Ein Argument, das auch fast jeder Versuch in der Richtung unternommen. dritte leicht Übergewichtige vorbringt.34 | „Iss was, Deutschland?“ –   K-Studie zum Ernährungsverhalten in Deutschland T
  • 35. Zu oft siegt der „innere Schweinehund“ Darum hat eine dauerhafte Ernährungsumstellung nicht funktioniert konnte „inneren Schweinehund“ 64 % nicht besiegen war mir zu aufwändig 38 % war mir zu anstrengend 32 % Unterstützung durch 22 % die Familie fehlte gesünderes Essen schmeckt 15 % mir einfach nicht so gut mir fehlten die Kochkenntnisse 14 % hat mich krank gemacht 8 % gesündere Ernährung war mir zu teuer 7 % mir fehlte das Wissen über 4 % gesunde Ernährung 0 10 20 30 40 50 60 70SportDie Hälfte der Bevölkerung bewegt sich Wer keinen Sport treibt, ist dickerkaum In der Hinsicht liefert die Umfrage eindeutigeEin gesunder Lebensstil besteht natürlich Ergebnisse: Wer keinen Sport treibt, ist dicker.nicht nur aus guter Ernährung. Wie wohl sich Und andersherum: Wer dicker ist, treibtjemand in seinem Körper fühlt, hängt auch weniger Sport. Natürlich hängt alles zusam-ganz entscheidend davon ab, wie fit dieser men: Den Bewegungsmuffeln ist das Essenist. Wer sich nicht bewegt, wird nicht nur dick, grundsätzlich weniger wichtig als Freizeit- odersondern auch innerlich schwerfällig. Das Intensivsportlern. Über die Hälfte der erklärtendämpft nicht nur das Lebensgefühl. In der Fol- Antisportler sagt, dass das Essen für sie kei-ge treten auch häufig Herz-Kreislauf-Proble- nen großen Stellenwert hat. Der Wille undme, Rückenschmerzen und Stoffwechseler- das Durchhaltevermögen, sich gesünder zukrankungen wie Diabetes auf. ernähren, sind entsprechend schwächer aus- geprägt. Deshalb kochen die Sportmuffel auch seltener. So kommt eines zum anderen, und im Ergebnis haben sie mehr Rückenprobleme, sind eher ausgebrannt, schlafen schlechter, sind allgemein schlechter drauf, häufiger erkäl- tet und von Magenbeschwerden geplagt. „Iss was, Deutschland?“ –   K-Studie zum Ernährungsverhalten in Deutschland | 35 T
  • 36. Antisportler haben häufiger gesundheitliche Beschwerden Anteil der Menschen mit häufigen oder dauerhaften gesundheitlichen Beschwerden nach Beschwerdebild und Sportlertyp Rücken- oder Gelenkbeschwerden 47 % 38 % Erschöpfung, das Gefühl gestresst 26 % oder ausgebrannt zu sein 16 % 30 % Herz-Kreislauf-Erkrankungen bzw. 18 % Bluthochdruck Schlafstörungen 26 % 15 % 18 % Kopfschmerzen, Migräne 15 % unausgeglichene niedergedrückte 21 % Stimmung 9 % Stoffwechsel-Erkrankungen, 20 % wie z.B. hoher Cholesterinspiegel, 8 % Diabetes 12 % häufige Erkältungskrankheiten 8 % 10 % Übelkeit, Magenbeschwerden 6 % 17 % keine davon 37 % 0 10 20 30 40 50 Antisportler Freizeitsportler (mindestens dreimal in der Woche Sport)36 | „Iss was, Deutschland?“ –   K-Studie zum Ernährungsverhalten in Deutschland T
  • 37. Und dennoch treibt fast die Hälfte der Bevöl- scheidung, ob man sich im Sportverein anmel-kerung nie oder nur äußerst selten Sport. det, allerdings keine Rolle zu spielen: Berufs-Nur jeder Dritte geht für ein bis drei Stunden tätige treiben nämlich sehr viel mehr Sportdie Woche in die Sporthalle, ins Schwimmbad als Menschen, die ihren Tag zu Hause ver-oder zum Joggen in den Wald. Dabei sind es bringen. Und je gebildeter jemand ist, destovor allem Großstädter, die das Sofa dem größer ist auch die Bereitschaft, sich regelmä-Sportplatz vorziehen. Zeit scheint bei der Ent- ßig zu bewegen. Sportliche Aktivitäten und Bildungsgrad Anteil Antisportler und besonders sportlich Aktive nach Bildungsabschluss 26 % Ich treibe nie Sport. 20 % 14 % Ich treibe mindestens drei bis fünf 16 % Stunden Sport in der Woche. 21 % 26 % 0 10 20 30 Volks-/Hauptschule mittlerer Abschluss Abitur/Studium „Iss was, Deutschland?“ –   K-Studie zum Ernährungsverhalten in Deutschland | 37 T
  • 38. Studienaufbau Aus der norddeutschen Ländergruppe (Bre- men, Hamburg, Niedersachsen und Schles- wig-Holstein) stammen 16,0 Prozent der Im Januar 2013 befragte das Meinungsfor- Befragten, 21,6 Prozent leben in Nordrhein- schungsinstitut Forsa für die vorliegende Westfalen, 15,3 Prozent in Bayern, 13,0 Pro- Untersuchung 1.000 deutschsprachige Per- zent in Baden-Württemberg, aus den weite- sonen ab 18 Jahren zu ihrem Ernährungs- ren Ländern im Südwesten der Republik verhalten. Die befragten Menschen repräsen- (Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland) tieren den Querschnitt der volljährigen Bevöl- stammen 13,5 Prozent der Befragten, aus der kerung in Deutschland. Gewichtet wurde die nordöstlichen Ländergruppe (Berlin, Bran- Personenstichprobe nach Geschlecht, Alter, denburg und Mecklenburg-Vorpommern) kom- Bildung und Region. men 9,6 Prozent und die weiteren 11,0 Pro- zent leben in den südöstlichen Ländern Nach Geschlecht unterteilen sich die Befrag- Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. ten in 48,7 Prozent Männer und 51,3 Prozent Frauen. Zusätzlich erhobene soziodemografische Daten waren die Haushaltsgröße, das monat- Nach Alter unterteilt fallen 11,2 Prozent der liche Haushaltsnettoeinkommen, die Ortsgrö- Befragten in die Gruppe der 18- bis 25-Jähri- ße und die Frage, ob eine Erwerbstätigkeit gen, 14,7 Prozent sind 26 bis 35 Jahre alt, vorliegt oder nicht. 17 Prozent 36 bis 45 Jahre, 19,0 Prozent ,3 zwischen 46 und 55 Jahre, 14,2 Prozent Die Umfrage erfolgte durch computergestütz- zwischen 56 und 65 Jahre und auf die Gruppe te Telefoninterviews anhand eines strukturier- der Menschen, die 66 Jahre und älter sind, ten Fragebogens (Computer-Aided Telephone entfallen die verbliebenen 23,6 Prozent. Interviewing oder CATI-Methode) im Zeitraum zwischen dem 14. und dem 23. Januar 2013. Nach dem Bildungsabschluss unterteilt, ha- ben 40,9 Prozent der Befragten einen Volks- oder Hauptschulabschluss, 29,4 Prozent ver- fügen über die mittlere Reife und die restli- chen 28,2 Prozent haben Abitur oder können ein abgeschlossenes Studium vorweisen.38 | „Iss was, Deutschland?“ –   K-Studie zum Ernährungsverhalten in Deutschland T
  • 39. „Iss was, Deutschland?“ –   K-Studie zum Ernährungsverhalten in Deutschland | 39 T
  • 40. Iss was, Deutschland? Man hört allerhand: von Jugendlichen, die beim Essen ihre E-Mails checken und etwas an die Pinnwand ihrer Freunde posten. Von Senioren, die beim Einkaufen nur auf den Preis schielen, und übergewichtigen Män- nern, für die eine Currywurst am Tag selbst- verständlich ist. Um herauszufinden, wie sich die Menschen hierzulande tatsächlich ernähren, hat die Techniker Krankenkasse (TK) einen repräsentativen Querschnitt der deutschen Bevölkerung vom Meinungsfor- schungsinstitut Forsa befragen lassen. Dazu, welchen Stellenwert das Essen für die Men- schen hierzulande hat, zu ihrem Essverhal- ten zu Hause und unterwegs, zu ihrer Koch- kompetenz und dazu, ob sich eine gesunde Ernährung mit ihrer Arbeit vereinbaren lässt. Weitere Themen waren der Zusammenhang zwischen der Ernährung und der Gesundheit der Menschen, die Verbreitung von Nah- rungsmittelunverträglichkeiten, die Frage, wie die Menschen zu ihrem eigenen Gewicht stehen, und zu welchem Ergebnis Diäten oder Ernährungsumstellungen bei ihnen geführt haben. Einen kompakten Überblick der Ergebnisse bietet dieser Studienband.10.1/138 2/2013

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