Presskonferenz: Statement von Thomas Ballast zum IGES-Gutachten (25. Juni 2014)

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Statement des stellvertretenden Vorsitzenden des Vorstands der Techniker Krankenkasse (TK), Thomas Ballast, anlässlich der Vorstellung des IGES-Gutachtens zur Reform der Vergütung der niedergelassenen Ärzte auf der Pressekonferenz am 25. Juni 2014 in Berlin.

Das gegenwärtige Vergütungssystem für die mehr als 150.000 niedergelassenen Vertragsärzte ist
hochkomplex und wenig transparent ‒ und das bei einem jährlichen Volumen von 30 Milliarden
Euro. Es setzt stark auf pauschalierte Bezahlung und bietet dem einzelnen Arzt derzeit keine ausreichende Planbarkeit. Außerdem setzt es nicht genug Anreize, Leistungen den Patienten bedarfsgerecht zur Verfügung zu stellen, was sich auch auf die Terminvergabe auswirkt. All dies liefert immer wieder die Gründe für Unstimmigkeiten zwischen Ärzten und Krankenkassen, aber auch für Unfrieden innerhalb der Ärzteschaft. Die TK hat daher das IGES Institut beauftragt, einen Reformvorschlag zu entwickeln, der auf die Vergütung einzelner Leistungen setzt und zugleich Möglichkeiten bereit hält, die Ausgabenentwicklung im Griff zu behalten.

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Presskonferenz: Statement von Thomas Ballast zum IGES-Gutachten (25. Juni 2014)

  1. 1. Statement Thomas Ballast, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Techniker Krankenkasse zur Vorstellung des IGES-Gutachtens "Reform der ärztlichen Vergütung im ambulanten Sektor" am 25. Juni 2014 in Berlin 1 __________________________________________________________________________________ Thomas Ballast, Techniker Krankenkasse Sehr geehrte Damen und Herren, 30 Milliarden Euro werden jährlich von den gesetzlichen Krankenkassen an die Kassenärztli- chen Vereinigungen überwiesen, die dieses Honorar unter den 150.000 Vertragsärzten ver- teilen. Das Ergebnis? Der Verdruss ist groß, der Unfrieden zwischen Ärzten und Kassen wie auch innerhalb der Ärzteschaft ebenfalls. Verständlicherweise? Ja, durchaus. Nicht verständ- lich ist jedoch: Die Patienten erleben trotz der vielen Milliarden Euro unzufriedene Ärzte und haben zum Teil Schwierigkeiten, zeitnah einen Behandlungstermin zu bekommen. Grund dafür ist das derzeitige Vergütungssystem. Es ist intransparent, überaus komplex und verwinkelt ‒ eine freundlichere Beschreibung dafür wäre wahrscheinlich "historisch gewach- sen". Das ist es auch tatsächlich, und die Zahl derer, die sich in seinen Verästelungen wirk- lich auskennen, ist sehr überschaubar. Durch die starke Pauschalierung der Vergütung mit nachträglicher Abstaffelung fehlt es dem einzelnen Arzt derzeit an Planbarkeit. Nicht zu wissen, was man am Ende eines Quartals für die geleistete Arbeit tatsächlich bekommt, ist keine gute Situation. Unsere Versicherten erfah- ren dann, was "Budgetferien" sind, oder ihnen wird gesagt "Für das, was ich jetzt für Sie tue, bekomme ich von Ihrer Krankenkasse kein Geld mehr". Mindestens genauso kritikwürdig ist der Umstand, dass die heutige Vergütungssystematik viel zu wenig Anreiz setzt, die richtige Leistung zum richtigen Patienten zu bringen. Auch dies ist für eine Krankenkasse, die die gesundheitliche Versorgung ihrer fast neun Millionen Versi- cherten mitgestalten möchte, nicht dauerhaft hinnehmbar. Wir haben daher das IGES Institut beauftragt, einen Reformvorschlag zu entwickeln, der die Fehlanreize möglichst weit reduziert. Ziel ist es, den Patienten eine bessere Versorgung zu ermöglichen und den Ärzten zu mehr Zufriedenheit zu verhelfen. Die Machbarkeitsstudie, die wir Ihnen heute vorstellen, setzt auf eine Einzelleistungsvergütung statt pauschalierter Hono- rierung. Beim Stichwort "Einzelleistungsvergütung" schießt jedem mit der Materie halbwegs Vertrauten sofort das Risiko unkontrollierbarer Mengen- und damit auch Ausgabensteigerun- gen durch den Kopf. Die IGES-Experten haben auch dies bedacht, Dr. Neumann wird Ihnen das Modell gleich im Einzelnen vorstellen.
  2. 2. Statement Thomas Ballast, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Techniker Krankenkasse zur Vorstellung des IGES-Gutachtens "Reform der ärztlichen Vergütung im ambulanten Sektor" am 25. Juni 2014 in Berlin 2 __________________________________________________________________________________ Thomas Ballast, Techniker Krankenkasse Was brächte eine auf Einzelleistungen basierende Vergütungssystematik? Zunächst einmal mildert es die Anreize für Ärzte, leichtere Fälle gegenüber schwereren zu bevorzugen. Als Interessenvertreter unserer Versicherten begrüßen wir dies natürlich sehr. Darüber hinaus hätten die Ärzte mehr Transparenz und Planbarkeit ‒ beides sind wichtige Aspekte für die Zufriedenheit mit der Berufsausübung. Und für unsere Versicherten wünschen wir uns Ärzte, die dies gern sind. Außerdem versprechen wir uns positive Effekte im Hinblick auf das ‒ man muss es wirklich so sagen ‒ leidige Thema von Wartezeiten und Terminvergabe. Ein sinnvol- les Anreizsystem halten wir in diesem Zusammenhang übrigens für zielführender als gesetz- liche Regelungen. Verursacht dieses Modell zusätzliche Honorarausgaben? Und wenn ja: Wie hoch sind sie? Kann die gesetzliche Krankenversicherung das verkraften, ohne dass die Beitragssätze ins Uferlose steigen? Die Antwort ist: Ja, es kostet mehr Geld, und nein, die GKV wird nicht in die Knie gehen. Die Beträge klingen zunächst gewaltig. Die Studie geht von einem Anstieg der Vergütung von 5,4 bis 5,9 Prozent im ersten Jahr aus. Das entspricht etwa 1,3 bis 1,4 Milliar- den Euro. Im Schnitt der zurückliegenden fünf Jahre hatten wir einen Zuwachs von 3,7 Pro- zent. Da in den Folgejahren nicht mit einem weiteren Anstieg zu rechnen ist und das neue Modell viele Vorteile für Patienten, Ärzte und Krankenkassen bringt, halten wir den zu erwar- tenden Zuwachs für vertretbar. Man könnte das Delta auch kompensieren, indem man die sonst üblichen Honorarsteigerungen für ein Jahr aussetzt. Aus meiner Sicht reicht ein solches Vorhaben aber auch weit über reine Vergütungsfragen hinaus. Ich gehe davon aus, dass wir mittel- bis langfristig eine Konvergenz der Versiche- rungssysteme ‒ heute noch unterteilt in gesetzlich und privat ‒ erleben werden. Dass ein einheitliches Vergütungssystem in einem einheitlichen Versicherungsmarkt grundsätzlich möglich ist, haben wir bereits im vergangenen Jahr in einer Studie gezeigt. Das vorliegende IGES-Modell würde eine Konvergenz der Systeme weiter erleichtern. Denn es ist weitaus weniger schwer, zwei auf Einzelleistungen basierende Systeme zu vereinen, als ein Pau- schalsystem mit einem Einzelleistungsmodell zusammenzuführen. Wir wünschen uns nun einen konstruktiven Dialog mit der Ärzteschaft und der Politik über ein neues, transparenteres, gerechteres und vor allem am Patientenwohl orientiertes Vergü- tungsmodell. Hier stehen wir alle gemeinsam in der Pflicht.

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