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"TK spezial" für Bayern 2-2014

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Dieses Dokument kann für redaktionelle Zwecke und mit dem Hinweis "Quelle: Techniker Krankenkasse" honorarfrei verwendet werden. Eine Nutzung zu Werbezwecken ist ausgeschlossen. …

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  • 1. Kommentar: Wenn Kinder Kinder mobben • Interview mit Hermann Imhof, dem bayerischen Patientenbeauftragten • Kommentar: Finanzierung der  Telemedizin auf dem Prüfstand spezialBAY E R N Nr. 2 2014Informationsdienst der Techniker Krankenkasse Editorial Grüß Gott! In Zukunft sollte sich die Bezahlung der Krankenhäuser an der Ergeb- nisqualität orientieren. Egal ob eine Klinik nun qualitativ hochwertige Leistungen erbringt oder nicht, die Vergütung ist gleich. In einer Bund-Länder-Arbeitsgruppe soll nun die Vereinbarung im Koalitions- vertrag konkret umgesetzt werden, wonach die Qualität der Kliniken in die Bezahlung der Leistungen einfließen soll. Das Ziel der TK ist es, auf Dauer eine konsequente Ausrichtung der Bezahlung an der Ergebnisqualität zu schaffen. Gerade in Bayern mit seiner enorm hohen Kranken- hausdichte stehen viele kleinere Einrichtungen finanziell mit dem Rücken an der Wand. Deshalb ist es aus Sicht der TK dringend nötig, durch intelligente Kooperationen – auch mit dem ambulanten Sektor – die Mittel zu bündeln, um keine ineffizienten, überholten Strukturen künstlich am Leben zu erhalten. An bislang defizitären Kliniken können so beispielsweise integrierte Ver- sorgungszentren entstehen. Ihr Christian Bredl Leiter der TK-Landesvertretung Bayern Seit dem Schuljahr 2011/12 gibt es in Bayern die Aktion „Mobbingfreie Schule – gemeinsam Klasse sein“. Ein Element ist dabei der Anti-Mobbing- Koffer der TK. Dieser enthält umfang- reiches Material für die Projektarbeit zur Mobbingprävention. Nach einer entsprechenden Fortbildung können Lehrkräfte an Schulen den Anti-Mob- bing-Koffer von der jeweiligen Staatli- chen Schulberatungsstelle ausleihen. Von 2011 bis 2013 wurden rund 2600 Lehrkräfte geschult, an über 650 Schulen kam der Koffer zum Einsatz. Am 14. Mai stellten Bildungsstaatsse- kretär Georg Eisenreich und Christian Bredl die neuen Unterrichtsmateriali- en zum Thema Cybermobbing vor. „Wir müssen bereits die Anfänge von Mobbing verhindern“, betonte Staatssekretär Eisenreich. „Gerade im Internet nehmen Beleidigungen und böswillige Äußerungen unter Ju- gendlichen zu. Dort ist es besonders schwierig, sich gegen derartige An- griffe erfolgreich zur Wehr zu setzen. Schulische Prävention ist daher von großer Bedeutung. Hierfür können die neuen Unterrichtsmaterialien gewinn- bringend eingesetzt werden.“ Georg Eisenreich wies darauf hin, dass die bayerischen Schulen die Prävention sehr ernst nähmen: „Im Rahmen des landesweiten Projekts ‚Schule als Lebensraum – ohne Mobbing’ steht unseren Schulen eine Reihe von Programmen zur Mobbingprävention zur Verfügung. Speziell ausgebildete Beratungsfachkräfte unterstützen die Lehrkräfte vor Ort, beispielsweise durch Fortbildungen.“ 27 % haben Erfahrungen mit Cybermobbing gemacht Das Ergänzungsmodul Cybermob- bing wurde nun in alle Koffer mit aufgenommen und richtet sich an Schülerinnen und Schüler der 5. bis 8. Klasse in Bayern. Es enthält Unterrichtsmaterialien, eine Elternbro- schüre mit Hinweisen zum richtigen Umgang mit betroffenen Kindern und Tipps zum fairen Umgang in digitalen Kommunikationswelten. Ein Film zeigt am Beispiel eines betroffenen Schülers, welche Erscheinungsfor- men von Cybermobbing es gibt und wie schwierig es ist, sich gegen die Angriffe zur Wehr zu setzen. Laut einer Forsa-Umfrage hat bereits jeder vierte 14- bis 20-Jährige in Bay- ern Erfahrungen mit Cybermobbing gemacht. Über 60 Prozent kennen jemanden, der selbst schon einmal Opfer von Mobbing in der digitalen Welt geworden ist. TK-Pressekonferenz mit Bildungsstaatssekretär Georg Eisenreich TK und Bildungsministerium star- ten Initiative gegen Cybermobbing 60 %in Bayern kennen ein Cybermobbing-Opfer Mehr Informationen unter www.tk.de, Webcode: 646744
  • 2. TK spezial Bayern · 2/2014 | 2 Niemand kann sich mit absoluter Sicherheit vor Mobbing schützen. Mobbing kann jeden treffen. Und Mobbing hat erschütternde Folgen für Opfer, Täter, Familien und nicht zuletzt für unsere Gesellschaft. Umso wichtiger ist es, dass wir Mobbing so gut es geht eliminieren und Kinder, Jugendliche und Erwachsene vor Mobbing schützen. Präventive Maßnahmen müssen in der Schule ansetzen Die Schule ist ein Raum, in dem Mobbing in Form von Schikanen und Gemeinheiten, Ausgrenzungen und Zurückweisungen zwischen starken und schwachen Kindern sichtbar werden kann. Daher ist es sinnvoll, dass präventive Maßnahmen dort ansetzen. Lehrer können jedoch nicht allein für die Vermeidung von Mobbing zustän- dig sein. Sie tragen die Verantwor- tung, wenn gemobbte Schüler um Hilfe oder Schutz bitten. Auch sollten sich Lehrkräfte der Gefahren von Mobbing bewusst sein und bezüglich der Erkennung von Mobbing besser geschult werden. Doch sie benötigen Unterstützer. Pilotprojekte zeigen den Erfolg von Interventionen gegen Mobbing auf So spielen unabhängige Schulpsy- chologen und Sozialarbeiter eine wichtige Rolle, wenn es darum geht, Fälle von Mobbing konsequent und kompetent zu klären. Pilotprojekte in Ländern wie England und Schweden haben gezeigt, dass Interventionen erfolgreich sind, wenn spezielle lö- sungsorientierte Maßnahmen gegen Mobbing in einer Schule etabliert und akzeptiert sind. Spätestens wenn sich Mobbing nicht mehr auf dem Pausenhof oder im Schulbus, sondern in virtuellen Räumen abspielt, sind auch Eltern gefragt, die Mediennutzung ihrer Kinder zu kennen, sie zu begleiten Wenn Kinder Kinder mobben Kommentar von Klaus Werner Heuschen, Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie in München und sich mit den sozialen Netzwerken oder Chatgruppen von Facebook und WhatsApp zu beschäftigen. Eltern sollten sich mit den neuen Medien beschäftigen Das Thema Cybermobbing ist gerade deshalb so brisant, weil die Wissens- lücke im Umgang mit modernen Medien zwischen Eltern und Kindern in der heutigen Generation so groß geworden ist. Um die eigenen Kinder vor Angriffen zu schützen und ihnen einen verantwortungsbewussten Umgang mit dem virtuellen Netz beizubringen, sollten sich Eltern mit der Faszination des Cyberspace ausei- nandersetzen. Als aufgeklärte Nutzer sind sie die besten Vorbilder. Auch gesellschaftliche Aspekte sind beim Thema Mobbing nicht zu unterschätzen: Leistungsdenken und Einzelkämpfertum sorgen für eine Verschiebung von sozial orientierten Gemeinschaften hin zu einer Über- betonung eines nur noch an eigenen Interessen ausgerichteten Daseins. Das kindliche Umfeld trägt Verantwortung im Kampf gegen Mobbing Im Kampf gegen Mobbing spielt jedoch die Fähigkeit, einen sozialen, gewaltfreien Umgang zu pflegen, eine entscheidende Rolle. Diese Fähigkeit lernen Kinder im privaten und schuli- schen Umfeld. Wir alle tragen die Verantwortung, sie dabei zu unterstützen, indem wir selbst aktiv gegen negative soziale Handlungen vorgehen und nicht wegsehen. Denn Mobbing kann jeden treffen. Egal ob jung oder alt. Klaus Werner Heuschen In seiner Münchner Praxis betreut Klaus Werner Heuschen jährlich 3300 Kinder und Jugendliche mit psychischen Erkrankungen, davon sind ca. ein Prozent Mobbingopfer. In seinem Buch „Bullying – Mobbing bei Kindern und Jugendlichen“, das er gemeinsam mit seinem Kollegen Peter Teuschel veröffentlicht hat, schreibt er über das Phänomen, wenn Kinder Kinder mobben, sowie über die gesundheitlichen Folgen von Mobbing, die Handlungsoptionen und Präventions- strategien (erschienen im Schattauer Verlag, 2013). ZUR PERSON
  • 3. TK spezial Bayern · 2/2014 | 3 tK spezial | Herr Imhof, welche Aufgabenfelder decken Sie als neuer Patienten- und Pflegebeauftragter der Bayerischen Staatsregierung ab? imhof | Im Mittelpunkt meiner Aufgabenstellung stehen Patienten, Pflegebedürftige und Pflegende. Patienten sind in den letzten Jahren mündiger geworden. Sie haben viele Fragen zu den Vorgängen im Bereich von Gesundheit und Pflege. Für sie bin ich Ansprechpartner. Ratsuchen- de erhalten Hilfe zur Selbsthilfe und Auskunft, wer ihnen bei ihren persönlichen Problemen am besten weiter- helfen kann. Daneben sehe ich mich als Sprachrohr und Vertreter der Interessen von Patienten und Pflegebedürftigen. Ihre Belange durchzusetzen kann nur in Zusammenarbeit mit allen Akteuren in Gesundheit und Pflege gelingen. Deshalb führe ich Gespräche mit allen Verbänden, Kassen, Trägern, Organi- sationen oder Selbsthilfegruppen, um Verbesserungen für Patienten und Pflegebedürftige zu erreichen. Kraft Aufgabenstellung berate und unterstütze ich die Bayerische Staats- regierung in Fragen der Patientenbe- lange und der Pflege. Hier bin ich klar Anwalt von Patienten und Pflegebe- dürftigen. tK spezial | Wo sehen Sie die größ- ten Probleme im Gesundheitswesen in Bayern? imhof | Der demografische Wandel stellt uns vor große Herausforderun- gen, besonders auch im Gesundheits- und Pflegebereich. Im Gesundheitsbereich muss die ambulante medizinische Versor- gung sichergestellt bleiben. Derzeit haben wir bei den Ärzten bereits ein Ungleichgewicht in der räumlichen Verteilung zwischen Ballungsräumen und ländlichen Regionen. Dies wird sich in den nächsten Jahren noch ver- schärfen, wenn aufgrund der Alters- struktur der Ärzte viele von ihnen in den Ruhestand gehen und umgekehrt der Behandlungsbedarf der immer älter werdenden Bevölkerung steigen wird. Die größten Probleme sehe ich jedoch im Bereich der Pflege auf uns zukommen. Hier besteht Handlungsbedarf in vielen Bereichen. Als erstes Stichwort sei die Reform des Pflegebedürftigkeitsbegriffes ge- nannt, damit auch Demenzkranke von ihm erfasst werden. Zweitens muss dem Wunsch von immer mehr Menschen Rechnung getragen werden, möglichst lange zu Hause zu leben. Hier ist es Aufgabe, neue Pflegefor- men zu finden. Alle notwendigen Reformen setzen jedoch genügend und qualifiziertes Pflegepersonal voraus. Menschen in der Zukunft für diesen Beruf zu begeistern, das wird der Dreh- und Angelpunkt für eine menschenwürdige Pflege sein. tK spezial | Vor Kurzem wurde das neue Behandlungsfehlergutachten des MDK vorgestellt. Was sagen Sie zu den Ergebnissen? imhof | Der MDK hat festgestellt, dass sich im Jahr 2013 im Vergleich Interview mit dem neuen Patienten- und Pflegebeauftragten der Bayerischen Staatsregierung, Hermann Imhof „ich sehe mich als Sprachrohr und Vertreter der interessen von Patienten und Pflegebedürftigen“ Der demografische Wan- del stellt uns vor große Herausforderungen, besonders auch im Gesundheitswesen.“ Der demografische Wan- del stellt uns vor große Hermann Imhof, MdL Funktionen:  Entwicklungspolitischer Sprecher der CSU-Fraktion  Stellvertretender sozial- und familienpolitischer Sprecher der CSU-Fraktion  Mitglied des Ausschusses für Arbeit und Soziales, Jugend, Familie und Integration  Mitglied des Ausschusses für Gesundheit und Pflege  Patienten- und Pflegebeauftragter der Bayerischen Staatsregierung ZUr PErSoN zu 2012 17 Prozent mehr Patienten an ihn gewandt haben und einen Behandlungsfehler moniert haben. Die absolute Zahl der bestätigten Fehler sei jedoch um sieben Prozent gesunken. Auch ich mache die Erfahrung, dass immer mehr Patienten eine ärztliche Behandlung hinterfragen. Die Gründe dafür sind vielfältig. Patienten sind selbstbewusster und mündiger ge- worden. Sie haben über das Internet Zugang zu Informationen. Und die ei- gene Gesundheit nimmt einen immer höheren Stellenwert in ihrem Leben ein. Das Patientenrechtegesetz, das 2013 in Kraft getreten ist, ist sicherlich auch ein Grund. Es hat den Anspruch der Patienten auf Unterstützung und Aufklärung von vermuteten Behand- lungsfehlern durch die Krankenkassen gestärkt. Die Zahlen des MDK können jedoch nur ein grober Anhaltspunkt sein. Die Gesamtzahl der Behandlungsfehler ist nicht bekannt, und die Dunkelziffer beträgt wahrscheinlich ein Vielfaches der vom MDK untersuchten Fehler. Für mich ist jedoch nicht die Zahl der Behandlungsfehler entscheidend, wo- bei selbstverständlich jeder Behand- lungsfehler einer zu viel ist, sondern die Konsequenzen, die daraus gezo- gen werden. tK spezial | Wie können wir die Si- cherheitskultur und damit die Patien- tensicherheit in Bayern stärken?
  • 4. TK spezial Bayern · 2/2014 | 4 Patientenberatung ein und fordere die Einrichtung eines Patientenentschädi- gungs- und Härtefallfonds neben dem bestehenden Haftungssystem. Als Pflegebeauftragter geht es mir vor allem darum, die Gesamtrahmen- bedingungen zu verbessern. Ich trete für eine gemeinsame Ausbildung von Kinder-, Kranken- und Altenpflegern ein, um eine flexiblere Berufsausbil- dung zu ermöglichen und damit dem Fachkräftemangel entgegenzuwir- ken. Aber auch eine angemessene Bezahlung der Pflege- kräfte ist absolut notwen- dig. Ich habe vor- geschlagen, dass die Gewerkschaft ver.di als zuständige Organisation für die Pflegefachkräfte der kommunalen Pflegeeinrichtungen mit Vertretern des öffentlichen Dienstes über die Bezahlung der Pflegekräfte verhan- delt und sich diesem Ergebnis alle anderen Heimträger in einer Selbst- verpflichtungserklärung anschließen sollten. Geschieht dies nicht, muss notfalls der Staat eingreifen und die Tarifvereinbarungen für allgemein verbindlich erklären. Nur so kann die Versorgung einer jährlich steigenden Zahl an Pflegebedürftigen in Zukunft sichergestellt werden. tK spezial | Herr Imhof, wir möch- ten uns für das Gespräch bedanken und wünschen Ihnen viel Erfolg bei der Arbeit und der Umsetzung Ihrer Agenda. Mehr Informationen unter www.patientenportal.bayern.de und unter www.tk.de, Web- code: 518674. imhof | Aus Gesprächen mit einer Vielzahl von Pflegekräften und Ärzten weiß ich, dass alle ihre Aufgabe sehr ernst nehmen und nach bestem Wissen und Gewissen arbeiten. Klar ist aber auch, dass, wie in jedem an- deren Arbeitsgebiet, Fehler passieren können. Diese Fehler zu benennen ist absolut notwendig, denn Transparenz ist ein wichtiger Faktor eines effekti- ven Qualitäts- und Beschwerdema- nagements. Nur durch das Offenle- gen von Fehlern und Schwachstellen kann eine Fehlerkultur entstehen und dann weiter- entwickelt werden, um so letztendlich Fehler von An- fang an zu ver- meiden. Dies muss das Ziel sein. Dabei hilft keine pauschalierte Kritik oder gar einseiti- ge Schuldzuweisungen. Gefragt sind Offenheit, ehrlicher Umgang mitein- ander und Dialogbereitschaft. tK spezial | Noch eine Frage zur Pflege. Wie kürzlich wieder berich- tet wurde, kommt es gerade in der Pflege immer wieder zu Versor- gungsmängeln. Wo sehen Sie an dieser Stelle Ihre Rolle, und welche Rückmeldungen erhalten Sie von den Patienten? imhof | Ich bin Ansprechpartner für Pflegebedürftige, Pflegefachkräfte und pflegende Angehörige. Außer Frage steht, dass eine menschen- würdige Pflege unser aller Ziel ist. Pflegebedürftige und Pflegefachkräfte leiden beide darunter, dass Zeitdruck die tägliche Zuwendung beeinträchtigt und im schlimmsten Fall sogar zu Versorgungsmängeln führt. Deshalb müssen die Rahmenbedingungen, unter denen Pflegende arbeiten, verbessert werden. tK spezial | Herr Imhof, welche Ziele möchten Sie in dieser Legislaturperio- de erreichen? imhof | Als Patientenbeauftragter liegt mir die Souveränität der Pa- tienten am Herzen. Ihre Stellung zwischen Leistungserbringern und Kostenträgern weiter zu stärken wird eine Hauptaufgabe sein. Deshalb setze ich mich für einen Ausbau der Beratungsstellen der Unabhängigen „Kompetent als Patient“ – Arztgespräche kann man lernen Wenn Patienten zum Arzt gehen, haben sie nach dem Praxisbesuch häufig mehr Fragen als vorher: „Habe ich die Diagnose richtig ver- standen?“, „Weiß ich genau, wann und wie ich meine Medikamente einnehmen soll?“ und „Kenne ich jetzt die nächsten Behandlungs- schritte?“ – eben noch hat der Arzt alles erklärt, und nun ist es weg, oder wichtige Fragen blieben unbeantwortet. Solche Pannen lassen sich vermeiden, wenn man sich auf den Arztbesuch richtig vorbereitet. Wie das geht, zeigt die TK-Broschüre „Kompetent als Patient“. Darin erfahren Leser unter anderem auch, wie sie Gesund- heitsinformationen und die Qualität von Anbietern medizinischer Leis- tungen bewerten können. Die Broschüre steht unter Web- code 230628 zum Download bereit. iNForMatioN Als Patientenbeauftragter liegt mir die Souveränität der Patienten am Herzen.“ Als Patientenbeauftragter liegt mir die Souveränität
  • 5. TK spezial Bayern · 2/2014 | 5 Jährlich erleiden in Bayern 62.000 Menschen einen Schlaganfall. Ein Teil von ihnen wird über telemedizinische Netzwerke versorgt. Mit der Telemedi- zin ist der technische Fortschritt in der Medizin angekommen. Die 86. Ge- sundheitsministerkonferenz im Juni 2013 hat einstimmig beschlossen, die Telemedizin stärker zu fördern mit dem Ziel, sie in die Regelversorgung zu überführen. Doch die derzeitige Finanzierung der Telekonsile in den telemedizinischen Netzwerken ist problematisch. Sie entspricht nicht den Finanzierungs- grundsätzen einer transparenten und verursachungsgerechten Vergütung und erfolgt weder patientenbezogen noch deutschlandweit einheitlich. Die Versorgung im ländli- chen Bereich darf nicht an Bayerns Grenzen enden Momentan bezahlen die Kassen die in Bayern krankenhausplanerisch abgestimmten Schlaganfallnetzwer- ke unter anderem über sogenannte Zentrumszuschläge, die aus allen Behandlungsfällen der Klinik, an der die telemedizinische Leitstelle an- gesiedelt ist, generiert werden. Das heißt, der Patient, der im Uniklinikum am Blinddarm operiert wird, finanziert Kommentar von Gabor Csontos die telemedizinische Betreuung des Schlaganfallpatienten in einem Kran- kenhaus auf dem Land. Die fehlende einheitliche Regelung der Finanzierung war mit ein Grund dafür, dass das bundeslandübergrei- fend geplante NetzwerkTRANSIT unter Einbindung von Hessen und Baden-Württemberg derzeit nicht reali- siert werden konnte und somit nur im Nordwesten Bayerns, in Unterfranken, greift. Unser Anspruch, die Versorgung der Versicherten auch im ländlichen Bereich sicherzustellen, darf nicht an den Grenzen Bayerns enden. Es wird zu Hemmnissen bei der Gründung neuer Netzwerke kommen Um das Problem zu lösen, schlagen wir vor, dass eine eigenständige, patientenbezogene, bundesweit einheitliche Pauschale für die teleme- dizinische Betreuung eines Patien- ten generiert wird. Dazu müssen die Kosten innerhalb des üblichen Kalkulationsverfahrens ermittelt und vom Institut für das Entgeltsystem im Krankenhaus (InEK) veröffentlicht werden. Das den Patienten behan- delnde Krankenhaus kann dann die Pauschale gegenüber der Krankenkas- se abrechnen und vergütet wiederum die telemedizinische Beratung als Leistung Dritter gegenüber der tele- medizinischen Leitstelle. Solange die Frage nach der korrekten Finanzierung von telemedizinischen Netzwerken bzw. Telekonsilen unbe- antwortet bleibt, wird es auch wei- terhin zu Verzögerungen oder gar zu Hemmnissen bei der Gründung neuer Gabor Csontos, Referent Vertragswesen in der TK-Landesvertretung Bayern. Was sind telemedizinische Netzwerke? Bei einem telemedizinischen Netz- werk werden überregionale Leit- stellen mit regionalen Krankenhäu- sern in der weiteren Umgebung zusammengeschlossen. In jedem teilnehmenden Krankenhaus sind Schlaganfallteams mit speziell ge- schulten Ärzten, Pflegekräften und Therapeuten vorhanden. Durch die telemedizinische Konsultation kann dann jederzeit fachlicher Rat aus der Leitstelle beigezogen werden. Mittels videogestützter Fernunter- suchung, Begutachtung der CT-/ MRT-Bilder und Falldiskussion kann der Experte in der Leitstelle direkt die Diagnose und die therapeu- tischen Entscheidungen in den Krankenhäusern des Netzwerks unterstützen. Derzeit existieren in Bayern mit TEMPiS, STENO und NEVAS drei krankenhausplanerisch abgestimmte telemedizinische Schlaganfallnetzwerke. Ein viertes Netzwerk wird 2014 seinen Be- trieb aufnehmen. Auf Initiative des Universitätsklinikums Würzburg wird derzeit ein telemedizinisches Schlaganfallnetzwerk in Unterfran- ken errichtet, das Transregionale Netzwerk für Schlaganfallinterven- tion mit Telemedizin (TRANSIT- Stroke). HINTERGRUND Finanzierung der telemedizinischen Netzwerke auf dem Prüfstand Netzwerke kommen. Dies steht dem Ziel, die Telemedizin stärker zu fördern und sie in die Regelversorgung zu überführen, entgegen.
  • 6. Impressum Herausgeber | Techniker Krankenkasse, Landesvertretung Bayern Verantwortlich | Christian Bredl Redaktion | Alexander Becker, Telefon | 089 - 490 69-600 Kathrin Heydebreck E-Mail | lv-bayern@tk.de Telefax | 089 - 490 69-624 Internet | www.tk.de/lv-bayern Twitter | www.twitter.com/krankenkasse (kurz: MRgFUS) werden dort Myome schonend weggeschmolzen, um die Gebärfähigkeit zu erhalten. Müller: „Ich schöpfte wieder Mut und freute mich, dass die TK sogar die Kosten dieser neuen Methode übernahm.“ Nach einem Gespräch bei Dr. Mat- thias Matzko stellte der Leiter des FUS-Zentrums Dachau gute Erfolgs- chancen fest. Im März und August 2010 folgten zwei ambulante Be- handlungen. „Im folgenden Frühjahr waren keine Myome mehr feststell- bar, und bereits im Mai wurde ich schwanger“, erzählt die zweifache Mutter. „Mein Partner und ich waren überglücklich, als Emma im Januar 2012 geboren wurde.“ Bald darauf folgte Marlene. Beide Töchter kamen per natürliche Geburt zur Welt. „Und vielleicht bekommen sie bald noch ein Geschwisterchen“, so Papa Simon augenzwinkernd. Hohe Patientenzufrieden- heit mit dem FUS-Zentrum „Mein Team und ich freuen uns jedes Mal mit den jungen Familien, wenn es mit dem Kinderwunsch geklappt hat“, sagt Dr. Matzko. Auch die Pati- entinnen sind mit der Beratung, dem Service und dem Behandlungserfolg beim FUS-Zentrum sehr zufrieden. „Wir haben rund 200 Frauen nach der Behandlung befragt“, erklärt Christian Bredl, Leiter der TK in Bayern. „96 Prozent der befragten Frauen waren zufrieden oder sehr zufrieden mit der Behandlung und würden sie wieder durchführen lassen.“ Genauso viele halten eine Anreise von über 100 Kilometern für zumutbar. Dr. Matzko: „Deshalb kommt wohl etwa jede zweite Patientin nicht aus Bayern.“ Neun von zehn Frauen betrachten MRgFUS als echte Alternative bei einem unerfüllten Kinderwunsch. Putzmunter saust Emma, 2½ Jahre, durch die Wohnung, und ihre etwa ein Jahr jüngere Schwester Marlene flitzt hinterher. Ein Familienglück – für Tanja Müller lange unerreichbar. Die 36-jährige TK-Versicherte hatte bis zu fünf Zentimeter große Myome in der Gebärmutter. Die gutartigen Tumoren kommen etwa bei jeder vierten Frau im gebärfähigen Alter vor, verur- sachen oft starke Schmerzen und verhindern häufig eine erfolgreiche Schwangerschaft. „Nach einer Ope- ration 2008 an der Gebärmutter hatte ich zwei Fehlgeburten wegen immer noch vorhandener Myome“, berichtet die Würzburgerin. Die Soziologin recherchierte im Internet und stieß auf das FUS-Zentrum am Klinikum Dachau. Mit einer neuen Medizintechnik, dem Magnetresonanztomografiege- steuerten fokussierten Ultraschall Tanja Müller mit ihren Töchtern Emma (li.) und Marlene (r.). Erfolgsprojekt: TK-Vertrag mit dem FUS-Zentrum am Klinikum Dachau Zwei gesunde Kinder dank fokussiertem Ultraschall Wie funktioniert MRgFUS? In Deutschland werden jährlich etwa 70.000 Frauen wegen Myomen stationär in einer Klinik behandelt. Durch MRgFUS wird eine Operation überflüssig. Das Myom wird mittels gebündelter Ultraschallwellen bei Temperaturen zwischen 60 und 80 Grad Celsi- us eingeschmolzen. Anhand von dreidimensionalen Aufnahmen des Tumors dirigieren speziell geschul- te Radiologen die Ultraschallwellen während der Behandlung so ge- nau, dass das umliegende Gewebe unverletzt bleibt. Etwa jede dritte Patientin kann mit fokussiertem Ultraschall behandelt werden. Deshalb gibt es vorab eine spezielle Myom-Sprechstunde zu verschiedenen Therapieoptionen. Entscheidet sich die geeignete Pa- tientin für die Behandlung mit dem fokussierten Ultraschall, dauert die Therapie etwa zwei bis vier Stun- den. Danach kann sie direkt nach Hause fahren. Nach etwa sechs Monaten wird abschließend mittels einer Magnetresonanztomografie der Therapieerfolg kontrolliert. Mehr Informationen auch unter www.uterusmyome.de. HINTERGRUND Mehr Informationen unter www.tk.de, Webcode: 215878

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