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"TK spezial" für Bayern 1-2014

  1. 1. spezial Informationsdienst der Techniker Krankenkasse Nr. 1 2014 BAy E R N Kommentar zur Patientenzufriedenheit • Gespräch zur psychotherapeutischen Versorgung in Bayern • Depressionen nach der Geburt: kaum erkannt und schlecht behandelt 63 Kliniken im Freistaat werden dieses Jahr ausgezeichnet Patienten bescheinigen bayerischen KlinikenTop-Noten Die Patienten in Bayern sind mit ihren Kliniken zufrieden. Bei der jüngsten Patientenbefragung der TK sind 63 von 124 Krankenhäusern, die in die Untersuchung einbezogen werden konnten, überdurchschnittlich gut bewertet worden. Sie werden von der TK mit einer Urkunde ausgezeichnet. Abgefragt wurden die allgemeine Zufriedenheit der Patienten mit dem Krankenhausaufenthalt, das Behand- lungsergebnis, die medizinisch-pflege- rische Versorgung, der Bereich Infor- mation und Kommunikation sowie ihr Eindruck von Organisation und Unter- bringung. Besonders gut schnitten die bayerischen Kliniken bei der Zufrieden- heit mit dem Behandlungsergebnis ab. Deutlich weniger lobten die Pati- enten die medizinisch-pflegerische Betreuung sowie die Organisation und Unterbringung. Bayern in allen fünf Kriterien über dem Bund Auffällig ist, dass die Werte der baye- rischen Kliniken in fast allen Kategorien minimal unter den Ergebnissen der letzten Befragung liegen. Trotz der kri- tischeren Beurteilung können sich die Daten für den Freistaat jedoch sehen lassen – bundesweit wird schließlich nur jede dritte der bewerteten Kliniken ausgezeichnet. Außerdem liegt Bayern in allen fünf Kriterien über dem Bund. Die wissenschaftliche Begleitung der Zufriedenheitsbefragung erfolgte durch das Wissenschaftliche Institut für Nutzen und Effizienz im Gesund- heitswesen (WINEG). Bayernweit wur- den 41.219 Versicherte angeschrieben. 24.314 von ihnen beantworteten den Fragebogen, der aus 41 Fragen besteht. Insgesamt hat die TK 398.000 ihrer Versicherten befragt, die zwischen Juni 2012 und Juni 2013 für minde- stens drei Tage stationär behandelt worden waren. Insgesamt konnten für mehr als 1.000 Krankenhäuser und 2.500 Fachabtei- lungen Ergebnisberichte erstellt werden. Pro Krankenhaus mussten dafür min- destens 60 Rückmeldungen vorliegen. Für die Beurteilung einer Fachabteilung genügten 30 Patientenmeinungen, um ein aussagekräftiges Ergebnis zu erhalten. Mehr informationen unter www.tk.de, Webcode: 114928 EdiTorial Grüß Gott, seit Anfang des Jahres ist die TK die Krankenkasse mit den meisten Versicherten. Aktuell sind es bundes- weit 8,8 und davon 1,1 Millionen Versicherte in Bayern. Viele davon freuen sich über die TK-Dividende. Alleine in Bayern erhalten mehr als 760.000 zahlende Mitglieder insgesamt über 110 Mil- lionen Euro an Beiträgen zurück. Gleichzeitig gibt es 2014 in Bayern 2,5 Prozent mehr für die Vergütung der Ärzte. Der Landeskrankenhaus- basisfallwert, Messwert für die Fallpauschalen, steigt sogar um 2,8 Prozent auf 3.188 Euro. Rund zwei Milliarden Euro gibt die TK im Jahr für die Versorgung ihrer Versicherten in Bayern aus. Vor allem in den Bereichen Kran- kenhaus mit 540, niedergelassene Ärzte und Psychotherapeuten mit 390, Arzneimittel mit 265 und Zahn- ärzte mit 178 Millionen Euro. Auch für Prävention und „gesunde Landkreise“ engagiert sich die TK. Ein Beispiel aus Mittelfranken finden Sie im Heft. Christian Bredl Leiter der TK-Landesvertretung Bayern
  2. 2. TK spezial Bayern · 1/2014 | 2 Kommentar von Jörg Huber Zur „Patientenzufriedenheit“ Immer mehr Menschen wollen mit- entscheiden, in welchem Kranken- haus sie sich behandeln lassen. Bei dieser Entscheidung vertrauen die Menschen meist dem Rat ihres Arztes oder eines Freundes oder Verwandten. Viele wünschen sich jedoch weitere Informationsquellen für ihre Wahl der Klinik und würden es begrüßen, wenn sie auf Erfahrungen anderer Patienten zugreifen könnten. Wie die medizinische Versorgung vom Patienten erlebt wird, ist ein wichtiges Qualitätsmerkmal. Die TK hat daher bereits zum fünften Mal ihre Versicher- ten befragt und die Zufriedenheits- werte der Versicherten in ihrem Klinik- führer publiziert. In allen Bundeslän- dern ist die allgemeine Zufriedenheit sehr hoch, in Bayern liegt der Wert bei 80,5 Prozent (Bund 79,1 Prozent). An der Organisation und der Unterbrin- gung im Krankenhaus übten die Pati- enten deutschlandweit die meiste Kritik. Während hier die Zufriedenheit in Bayern bei 75 Prozent liegt, sind es bundesweit nur 73,3 Prozent. Mit dem Behandlungsergebnis sind 78,9 Prozent der bayerischen TK-Pati- enten zufrieden (77,3 Bund) und mit der Information und Kommunikation durch die Ärzte und das Pflegepersonal 78,3 Prozent (77,6). Die medizinisch- pflegerische Versorgung stellte 77,9 Prozent (76,8) zufrieden. Im TK-Klinikführer sind alle Informationen laien- verständlich aufbereitet Diese subjektiven Meinungen müssen jedoch um die harten medizinischen Fakten aus den sogenannten struk- turierten Qualitätsberichten ergänzt werden, beispielsweise ob bei Früh- geburten ein Kinderarzt anwesend ist, es zu Infektionen nach Eingriffen oder zu Druckgeschwüren während des Aufenthalts kommt. So entsteht ein umfassendes Bild für jedes Klinikum. Erst dann kann der Patient bei plan- baren Operationen entscheiden, wo er sich behandeln lassen möchte. Im TK-Klinikführer sind daher diese beiden Aspekte, das heißt die harten und weichen Faktoren, laienverständlich aufbereitet. Dieses Verfahren hat sich bewährt: Jährlich nutzen 200.000 Besucher den TK-Klinikführer. Die TK setzt sich seit Jahren für mehr Transparenz bei der Qualität der medi- zinischen Versorgung ein. Wir begrüßen daher ausdrücklich die Festlegung im Koalitionsvertrag, dass die Regierungs- partner ein besonderes Augenmerk auf die Qualität in der stationären Be- handlung legen wollen. Um die Quali- tät und damit die Patientensicherheit zu verbessern, müssen drei Schritte umgesetzt werden: Die Behandlungs- qualität muss von ärztlichen Fach- gesellschaften definiert werden, die Datenerfassung muss einheitlich sein und es müssen Anreize für mehr Qua- lität geschaffen werden. Gute Qualität sollte mit Zuschlägen und schlechte Qualität mit deutlichen Abschlägen honoriert werden. Messen erfordert Daten und Daten erfordern Transparenz Klar ist, dass uns hier große Hürden bevorstehen: Medizinische Qualität ist nicht einfach zu definieren und zu messen. Messen erfordert Daten und Daten erfordernTransparenz. Und Transparenz ist gerade im Kranken- haus noch allzu oft ein Fremdwort. Mehr informationen unter www.tk.de, Webcode: 114928 Jörg Huber, Referent Vertragswesen in der TK-Landesvertretung Bayern
  3. 3. TK spezial Bayern · 1/2014 | 3 Psychotherapie in Bayern – Interview mit Rudi Bittner Gutachterverfahren könnte deutlich vereinfacht werden Rudi Bittner, Vorsitzender der Landesgruppe Bayern der Deutschen Psychotherapeuten Vereinigung, und Christian Bredl, Leiter der TK-Landesvertretung Bayern, im Dialog Christian Bredl | Nach meinem Eindruck konzentrieren sich Psycho- therapeuten bei der Niederlassung eher auf die städtischen Bereiche. Wie beurteilen Sie die Versorgungs- lage im Stadt-Land-Gefüge? rudi Bittner | In den Städten scheint die Versorgungslage deutlich besser als auf dem Land, wo noch durchaus große Versorgungslücken bestehen. Doch auch in der Stadt gibt es Warte- zeiten auf einen Therapieplatz. Christian Bredl | Durch die neue Be- darfsplanung sind zur Verbesserung der Versorgung etliche Psychothera- peutensitze vor allem im ländlichen Bereich neu geschaffen worden. Nach den ersten Eindrücken gibt es ländliche Regionen, die – ähnlich wie die Städte – für Niederlassungen höchstbegehrt sind, etwa das Allgäu. Andere Bereiche scheinen nach wie vor eher stiefmütterlich behandelt zu werden. Ich bin in Sorge, ob diese auch besetzt werden können. rudi Bittner | In Bayern sind etwa 90 von 282,5 neuen Sitzen noch unbesetzt, und zwar in Gebieten, die relativ weit von den städtischen Zentren entfernt sind, z.B. in den östlichen und nördlichen Randgebie- ten Bayerns. Ich gehe jedoch davon aus, dass diese Sitze in ein bis zwei Jahren ebenfalls besetzt werden. Christian Bredl | Randgebiete haben oft eine schlechte Anbindung an die Zentren. Aber auch dort müssen Psychotherapeuten in erreichbarer Nähe sein. Hoffen wir, dass Ihre Ein- schätzung zutrifft. Sehen Sie auch andere Möglichkeiten, um vorhandene Kapazitäten effizienter zu nutzen und damit mehr Patienten die benötigte Behandlung zukommen zu lassen? rudi Bittner | Die Gruppentherapie ist ein probates Mittel, um eine höhere Zahl an Patienten zu versorgen. Dafür, wie für die psychotherapeutische Ver- sorgung insgesamt, müssen jedoch mehr finanzielle Mittel bereitgestellt werden. Jeder Psychotherapeut, der berechtigt ist, Gruppenbehandlungen durchzuführen, sollte selbst frei ent- scheiden können, wie er Einzel- und Gruppenbehandlung kombiniert, dies sollte nicht vor Behandlungsbeginn festgelegt werden müssen. Christian Bredl | Dieser Forderung nach mehr Flexibilität kann ich mich anschließen. Als weiterer Grund für lange Wartezeiten wird häufig genannt, dass manche Psychotherapeuten zwar einen vollen Praxissitz besetzen, aber zu wenige Patienten behandeln. rudi Bittner | Dass Psychotherapeu- ten zu wenige Patienten versorgen, ist eine leider immer wieder aufge- stellte, aber falsche Behauptung. Bei der Annahme einer geringen Auslas- tung einer Praxis wird übersehen, dass Psychotherapeuten neben der reinen Behandlungszeit viele andere Tätig- keiten erledigen. Man denke an die HiNTErGrUNd Untersuchungen haben gezeigt, dass die bayerischen TK-Kunden Psychotherapie häufiger in An- spruch nehmen, als dies im deut- schlandweiten TK-Durchschnitt der Fall ist. Es ist deshalb ein beson- deres Anliegen der TK in Bayern, dass eine bedarfsgerechte Versor- gung vorhanden ist. Wenn sich jemand entschließt, Psychotherapie in Anspruch zu nehmen, liegt meist ein erheblicher Leidensdruck vor. In dieser Situati- on kommt es häufig vor, dass auf einen freien Therapieplatz mehrere Monate gewartet werden muss. Die neue Bedarfsplanung bringt zwar neue Psychotherapeuten, allerdings dürfte dies nur eine parti- elle Entspannung bedeuten. Erfah- rungsgemäß bestehen nämlich auch dort Engpässe, wo zumindest rechnerisch mehr als genügend Psychotherapeuten vor Ort sind. Als Beispiel sei München genannt, wo es trotz einer hohen Psycho- therapeutenzahl immer wieder zu Privatbehandlungen kommt, weil kein freier Platz in zumutbarer Zeit zu kriegen ist. Christian Bredl möchte deshalb die Situation beleuchten und die Einschätzung von Rudi Bittner er- fahren. Rudi Bittner ist bayerischer Landesvorsitzender der Deutschen PsychotherapeutenVereinigung und war von 2005 bis 2010 im Vorstand der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns.
  4. 4. TK spezial Bayern · 1/2014 | 4 Vor- und Nachbereitung der Stunden, Bearbeitung von Anfragen von Kran- kenkassen, telefonische Kontakte mit Patienten und vieles mehr. Christian Bredl | Das ist sicher richtig. Nach den Daten der Kassenärztlichen Vereinigung hat ein Allgemeinarzt in Bayern im 2. Quartal 2013 im Durch- schnitt 752 Patienten behandelt. Dem steht bei den psychologischen Psychotherapeuten eine durchschnitt- liche Patientenzahl von 53 gegenüber. Dieser Unterschied ist dadurch zu erklären, dass der Zeitaufwand der Psychotherapie pro Patient und Quartal ein Vielfaches beträgt. Es gibt aber eine nicht geringe Zahl von Psycho- therapeuten, die noch deutlich darun- ter liegen und zum Teil weniger als 10 Kassenpatienten im Quartal betreuen. rudi Bittner | DieTätigkeiten von Psy- chotherapeuten können, wie Sie schon sagen, wegen des unterschiedlichen Zeitaufwands nicht so unmittelbar miteinander verglichen werden. Im Hinblick auf die unterschiedliche Fall- zahl gibt es Gruppen von Patienten, die eine sehr aufwendige und intensi- ve psychotherapeutische Behandlung benötigen mit vielen Einzelterminen. So gesehen ist ein Vergleich ebenfalls schwierig. Wichtiger ist doch der Ver- gleich bezüglich der Arbeitszeiten: Auswertungen zu Arbeitszeiten bei Ärzten wie Psychotherapeuten haben ergeben, dass die durchschnittliche Wochenarbeitszeit eines Psychothera- peuten im Normbereich im Vergleich mit anderen Arztgruppen liegt. Die Arbeitszeit der Psychotherapeuten und die Zahl der behandelten Patien- ten haben sich in den letzten Jahren erhöht. Christian Bredl | Psychotherapeuten wenden unterschiedliche Therapiever- fahren an. Es gibt die Verhaltensthe- rapie, die analytische Psychotherapie und die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie. Ich habe den Eindruck, dass Patienten nicht immer die rich- tige, für sie geeignete Therapieform erhalten, sondern einfach den ersten freien Therapieplatz nutzen. rudi Bittner | Die unterschiedlichen wissenschaftlich anerkannten psycho- therapeutischen Verfahren sind auf ihre Wirksamkeit hinreichend unter- sucht. Psychotherapeuten sind auf- grund ihrer umfassenden Ausbildung befähigt und berechtigt, das gesamte Kontinuum an psychischen Störungen zu behandeln. Wer solche Erwartun- gen der passgenauen Steuerung von Patienten anstellt, übersieht, dass sich hinter einer psychischen Störung eine enorme Komplexität verbergen kann. Ich traue den Kolleginnen und Kollegen sehr wohl zu, dass sie einen Patienten nicht behandeln, wenn sie im Einzelfall erkennen sollten, dass das von ihnen angewandte Verfahren für diesen Patienten nicht das geeig- nete ist, und ihm eine Alternative vorschlagen. Christian Bredl | Anträge auf Psycho- therapie werden von Gutachtern be- wertet, die von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung bestellt werden. Für die Psychotherapeuten wie auch für die Krankenkassen ist dieses Ver- fahren mit einem erheblichen Auf- wand verbunden. Erfahrungswerte haben gezeigt, dass die Gutachten nur eine geringe Steuerungsfunktion besitzen. Teilen Sie diese Bewertung? rudi Bittner | Psychotherapeuten begründen fachlich differenziert, welche Therapieplanung für den jeweiligen Patienten notwendig und prognostisch gerechtfertigt ist. Da sie ja sowohl dieTherapieplanung als auch die Erstellung dieser Gutachten fundiert gelernt haben, wundert mich die geringe Ablehnungsquote nicht. In der Tat bedeutet das Gutachter- verfahren einen erheblichen Aufwand und könnte deutlich vereinfacht und verkürzt werden. Hierzu liegen inzwischen gute Vorschläge vor. So könnte man das Gutachterverfahren stichprobenartig durchführen. Der vom GKV-Spitzenverband vorgelegte Entwurf zur Reform des Angebots an ambulanter Psychotherapie, in dem auch das Gutachterverfahren enthal- ten ist, ist jedoch der falsche Schritt. Er erschwert die Behandlung der Versicherten, schafft mehr Bürokratie, verunsichert die Versicherten, ist nichts anderes als ein Kontrollinstrument für Behandler und Versicherte und stellt eine Einmischung in die Behandlung dar. Diesen Ansatz lehne ich als un- tauglich zur Verbesserung der psycho- therapeutischen Versorgung ab. Christian Bredl | Es gibt also noch viel zu tun. Herr Bittner, herzlichen Dank für das Gespräch. ZUr PErSoN Rudi Bittner Rudi Bittner ist Landesvorsitzender der Landesgruppe Bayern der Deutschen PsychotherapeutenVereinigung. ﬊ Dipl.-Psych. Psychologischer Psychotherapeut ﬊ Mitglied der Vertreterversammlung der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB) ﬊ Alternierender Vorsitzender des Beratenden Fachausschusses Psychotherapie der KVB ﬊ Mitglied der Delegiertenversammlung der Deutschen PsychotherapeutenVereinigung (DPTV) ﬊ Mitglied des Deutschen Psychotherapeutentages ﬊ Mitglied der Delegiertenversammlung der Bayerischen Psychotherapeutenkammer (PTK) ﬊ Mitglied in weiteren Ausschüssen der KVB, der PTK und der BPtK ﬊ Von 2005 bis 2010 2. stv. Vorsitzender des Vorstandes der KVB
  5. 5. TK spezial Bayern · 1/2014 | 5 Depressionen nach der Geburt: Kaum erkannt und schlecht behandelt Neue Informations- broschüre klärt über das Tabuthema auf Um Betroffene, Angehörige und Fachleute auf das Thema aufmerksam zu machen, gibt es bei der TK jetzt den neuen Ratge- ber „Depression nach der Geburt“. Die Broschüre ist unter www.tk.de abrufbar, Webcode 617580. 10 bis 20 Prozent der Mütter erkranken nach einer Geburt an einer Depression. Diagnostiziert und dokumentiert wird diese sogenannte postpartale Depres- sion jedoch viel seltener. Bei der TK wurden 2012 insgesamt 2.277 solcher Fälle (308 in Bayern) registriert, in Bezug auf die Zahl der Geburten bei TK-versi- cherten Frauen entspricht das einem Anteil von drei Prozent. Das Fazit vieler Fachleute: Depressionen nach der Geburt werden kaum erkannt und häufig schlecht behandelt. Dass das Thema bei Fachleuten und Müttern immer noch unzureichend bekannt ist, bestätigt Sabine Surholt, die im Verein Schatten & Licht Mütter mit einer postpartalen Depression betreut. „Oft erkennen die behandelnden Ärztinnen und Ärzte oder Hebammen die Erkrankung nicht, was schlimme Folgen für die Mütter haben kann. Viele benötigen so schnell wie möglich psychiatrische und medikamentöse Hilfe“, erklärt Surholt. „Viel zu häufig vertrauen sich die Frauen jedoch auch niemandem an, weil sie sich schämen. Wer versteht schon, dass man sich nicht über sein Mutterglück freut, son- dern sich überlastet fühlt“, sagt sie. Ausführlicher über das Loch nach der Geburt informieren Surholt fordert, werdende Mütter bereits in Geburtsvorbereitungskursen ausführlicher auch über ein mögliches schwarzes Loch nach der Geburt zu informieren. „Außerdem könnte man über eine einfache Abfrage im Mutter- pass oder im Rahmen der Geburts- nachsorge herausfinden, wer von einer postpartalen Depression betrof- fen ist und schnell Hilfe benötigt.“ Grundsätzlich gibt es zwei Risiko- gruppen für postpartale Depressionen: Frauen, die aufgrund ihrer Gene zu psychischen Erkrankungen neigen und generell sensibel auf hormonelle Ver- änderungen reagieren. Ein höheres Ri- siko haben beispielsweise diejenigen, die vor ihrer Menstruation regelmäßig an einer depressiven Verstimmung leiden. „Zur zweiten Gruppe gehören Frauen, die besonders leistungsorien- tiert sind und ihr Leben mit Perfektio- nismus meistern wollen. Sie verkennen, dass das Muttersein anstrengend und ihr Baby weniger kontrollierbar ist als beispielsweise die Büroarbeit. Diese Gruppe zeigt meistens Symptome einer Erschöpfungsdepression“, erklärt die Psychiaterin Dr. Elisabeth Schmölz, die in ihrer Münchner Praxis jährlich rund 100 betroffene Frauen betreut. „Fehlende familiäre Strukturen oder die mangelnde Unterstützung durch den Partner tragen mit dazu bei, dass die Mütter heutzutage eher auf sich allein gestellt sind und die Schatten- seiten ihrer Rolle mit sich selbst aus- machen müssen. Auch das kann eine postpartale Depression begünstigen.“ iNForMaTioN Heroldsberg – Gesunder Landkreis Am 22. Januar eröffnete unter großem Andrang als bayern- weites Pilotprojekt in Herolds- berg der generationsübergrei- fende Familientreff in einem Alten- und Pflegeheim des Seni- orenzentrums Phönix. Der neue „Familientreff für Jung und Alt“ soll jungen Familien aus der Umgebung eine wichtige Unter- stützung mit fachlich qualifizierter Beratung rund um das gesunde Aufwachsen von Kindern bis sechs Jahren bieten. Außerdem soll einmal monatlich auch generationsübergreifend mit Seniorinnen und Senioren aus Heroldsberg und aus dem Seni- orenzentrum gearbeitet werden. Die TK hält dieses Konzept für richtungweisend für die Zukunft und unterstützt den generations- übergreifenden Familientreff finanziell im Rahmen ihres Modellprojekts „Gesunder Land- kreis“ auch durch eine zusätz- liche Anschubfinanzierung der Fachvorträge im ersten Halbjahr. Um zu demonstrieren, für wie wichtig er dieses Projekt hält, war TK-Landesvertretungsleiter Christian Bredl zur Eröffnung aus München angereist.
  6. 6. I iNForMaTioN Die Techniker Krankenkasse ist eine Solidargemeinschaft. Sie verwaltet sich selbst und gehört ihren Mitgliedern. Deshalb zahlt sie auch eine Dividende. Wer als Beitragszahler bei der TK versichert ist, erhält für 2013 und 2014 bis zu 160 Euro Bei- trag zurück, egal ob Leistungen in Anspruch genommen wurden oder nicht. Allein für die baye- rischen Mitglieder stellt die TK 110 Millionen Euro als Dividende zur Verfügung. Seit Januar 2014 ist die TK Deutschlands größte Kranken- kasse. Aktuell versichert sie rund 8,8 Millionen Menschen. Alleine in Bayern stieg die Zahl der Ver- sicherten im letzten Jahr um 7,11 Prozent auf deutlich über eine Million. impressum Herausgeber | Techniker Krankenkasse, Landesvertretung Bayern Verantwortlich | Christian Bredl Telefon | 089 - 490 69-600 E-Mail | lv-bayern@tk.de internet | www.tk.de/lv-bayern redaktion | Alexander Becker und Kathrin Heydebreck Telefax | 089 - 490 69 624 Twitter | www.twitter.com/krankenkasse

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