Pressekonferenz: Statement von TK-Chef Dr. Baas zum Bestandsmarktreport

  • 240 views
Uploaded on

Nicht nur neue Arzneimittel sollten im Rahmen des Arzneimittelmarktneuordnungsgesetz (AMNOG) auf ihren Nutzen bewertet werden. Der Gesetzgeber wollte auch ältere, aber patentgeschützte Präparate einer …

Nicht nur neue Arzneimittel sollten im Rahmen des Arzneimittelmarktneuordnungsgesetz (AMNOG) auf ihren Nutzen bewertet werden. Der Gesetzgeber wollte auch ältere, aber patentgeschützte Präparate einer Nutzenbewertung unterziehen, ist jedoch aus rechtlichen Gründen davon wieder abgerückt. Das bedeutet allerdings nicht, dass eine fachliche Beurteilung des Bestandsmarktes hinsichtlich Qualität und Nutzen hinfällig ist. Im Bestandsmarktreport bewerten Wissenschaftler der Universität Bremen Präparate, die ursprünglich für derartige Nutzenbewertungen vorgesehen waren.

Ziel des Reports ist es, die Versorgung sicherer und wirtschaftlicher zu machen. Denn viele der untersuchten Arzneimittel haben keinen Zusatznutzen für den Patienten. Zudem zeigt er, ob eine Therapie mit den Präparaten vorwiegend in Krankenhäusern oder ambulant begonnen wird.

Dieses Dokument ist das Statement von Dr. Jens Baas, Vorsitzender des TK-Vorstands, anlässlich der Vorstellung des Bestandsmarktreports 2014 auf der Pressekonferenz der Techniker Krankenkasse am 20. September 2014 in Berlin. Es kann für redaktionelle Zwecke und mit dem Hinweis "Quelle: Techniker Krankenkasse" honorarfrei verwendet werden. Eine Nutzung zu Werbezwecken ist ausgeschlossen.

  • Full Name Full Name Comment goes here.
    Are you sure you want to
    Your message goes here
    Be the first to comment
    Be the first to like this
No Downloads

Views

Total Views
240
On Slideshare
0
From Embeds
0
Number of Embeds
2

Actions

Shares
Downloads
1
Comments
0
Likes
0

Embeds 0

No embeds

Report content

Flagged as inappropriate Flag as inappropriate
Flag as inappropriate

Select your reason for flagging this presentation as inappropriate.

Cancel
    No notes for slide

Transcript

  • 1. Statement Dr. Jens Baas, Vorsitzender des Vorstands der Techniker Krankenkasse, zur Vorstellung des Bestandsmarktreports 2014 am 20. August 2014 in Berlin ___________________________________________________________________________ Seite 1 von 2 Die frühe Nutzenbewertung, wie sie das AMNOG vorsieht, trennt die Spreu vom Weizen der neuen Arzneimittel in Deutschland. Zwei Mal haben wir Ihnen bereits den Innovationsreport vorgestellt, den wir gemeinsam mit Professor Dr. Glaeske und seinem Team von der Universität Bremen realisiert haben. In den beiden Reporten haben wir uns angeschaut, ob neue Arzneimittel in Deutschland auch wirklich besser sind als die bewährten. Dabei haben wir gesehen, dass nicht jede Neuentwicklung mit echtem medizinischen Fortschritt gleichzusetzen ist. Aber wie sieht das bei den Wirkstoffen aus, die schon einige Zeit im Markt sind? Sie haben keine frühe Nutzenbewertung durch das AMNOG durchlaufen müssen und unterliegen teilweise noch dem Patentschutz. Die Bundesregierung hatte sich eigentlich vorgenommen, auch diese Arzneimittel einer Nutzenbewertung zu unterziehen, aber das Vorhaben aus rechtlichen Gründen wieder beerdigt. Wir sind jedoch der Meinung, dass sich die pharmazeutischen Hersteller trotzdem einer evidenzbasierten Bewertung ihrer Präparate stellen sollten. Darum haben wir Professor Glaeske gern dabei unterstützt, auf Basis von TK-Verordnungsdaten Arzneimittel des Bestandsmarkts anzusehen. Es sind Präparate, die in der Vergangenheit nicht unumstritten waren und die der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) bewertet hätte, wenn es die gesetzgeberische "Rolle rückwärts" nicht gegeben hätte. Darunter sind die neuen oralen Antikoagulantien (NOAK), neuere Antidiabetika und Rheuma-Biologika. Wichtig ist hier vor allem der Qualitätsaspekt: Keines der untersuchten Arzneimittel wurde in der Ampel-Bewertung mit "grün" bewertet. Die bewerteten Antidiabetika haben keine patientenrelevanten Vorteile gegenüber den bewährten Therapien. Sie werden oftmals sogar außerhalb der Zulassung und der medizinischen Leitlinien eingesetzt. Die beiden anderen Wirkstoffgruppen, die neuen oralen Antikoagulantien und die Biologika, scheinen Vorteile zu haben. Die Evidenz ist jedoch nicht eindeutig oder die beobachteten Verbesserungen fallen gering aus. In der Ampel-Bewertung von Professor Glaeske hat es jedenfalls keines der Präparate auf "grün" geschafft. Das kann uns sowohl mit Blick auf die Kosten wie auch auf die Qualität der Patientenversorgung nicht gleichgültig lassen. Es sind zwar Regelungen getroffen worden, um die Kosten für Bestandsmarkt-Medikamente einigermaßen im Griff zu behalten. Die GKV- Arzneimittelausgaben sind laut ABDA-Frühinformation im ersten Halbjahr 2014 gegenüber dem Vorjahreszeitraum dennoch um 8,8% angestiegen.
  • 2. Statement Dr. Jens Baas, Vorsitzender des Vorstands der Techniker Krankenkasse, zur Vorstellung des Bestandsmarktreports 2014 am 20. August 2014 in Berlin ___________________________________________________________________________ Seite 2 von 2 Daher sind weitere Maßnahmen zur Kostensenkung notwendig und zwar sowohl für den Bestandsmarkt als auch für neue Präparate. Da eine Wiedereinführung der Bestandsmarkt- Bewertung politisch unrealistisch ist, darf das Preismoratorium nicht auslaufen, und die Herstellerrabatte dürfen nicht noch weiter abgesenkt werden. Aus fachlicher Sicht wäre es darüber hinaus sinnvoll, dass der Erstattungsbetrag rückwirkend ab dem Tag der Markteinführung gilt und nicht erst ab dem zweiten Jahr. Denn entweder hat ein neuer Wirkstoff einen Zusatznutzen oder eben nicht. Unter Qualitätsaspekten ergeben "Karenzzeiten" daher keinen Sinn. Eine weitere Option bestünde darin, vorzugsweise rabattierte (Original-)Arzneimittel zu verordnen. Das würde bedeuten, dass Ärzte aus einer Wirkstoffgruppe mit mehreren therapeutisch gleichwertigen Alternativen die finanziell günstigste auswählen. Hier würden die Kassen stärker in die Pflicht genommen. Der Rheumavertrag der TK hat bereits gezeigt, dass eine bevorzugte Verordnung von wirtschaftlichen (da rabattierten) Arzneimitteln ohne Qualitätsverlust möglich ist. Ferner halten wir es für sinnvoll, den zwischen GKV-Spitzenverband und pharmazeutischem Unternehmer ausgehandelten Erstattungsbetrag geheim zu halten. Nach wie vor gilt Deutschland als Referenzpreisland. Die pharmazeutische Industrie fürchtet daher eine international abwärts gerichtete Preisspirale, sollten die öffentlich zugänglichen Erstattungsbeträge in Deutschland zu niedrig sein. Geheime Rabatte könnten der Industrie mehr Spielraum und der GKV folglich größere Einsparungen einräumen. Grundsätzlich sollte der Prozess der frühen Nutzenbewertung und der sich anschließenden Erstattungsbetragsverhandlungen als viel zitiertes "lernendes System" kontinuierlich weiterentwickelt werden. Aktuell werden "Mischpreise" verhandelt, d.h. es gibt einen Erstattungsbetrag pro Arzneimittel. Dieser gilt sowohl für verschiedene Anwendungsgebiete, die ein unterschiedliches Ausmaß an Zusatznutzen vom G-BA attestiert bekommen haben können, als auch innerhalb eines Anwendungsgebiets für alle Patientensubgruppen ‒ unabhängig vom Ausmaß des jeweiligen Zusatznutzens. Dieses Vorgehen der Mischpreisbildung sollte regelmäßig anhand von Versorgungsforschung mit Krankenkassendaten überprüft und mögliche Alternativen erwogen werden. Der Bestandsmarktreport zeigt die Notwendigkeit dieser Maßnahmen und unterstützt Ärzte bei einer rationaleren und rationelleren Verordnungsweise. Damit leisten wir einen Beitrag dazu, dass die Patienten eine qualitativ hochwertige und sichere Arzneimitteltherapie zu fairen Preisen erhalten.