Statement Dr. Jens Baas
Vorsitzender des Vorstands der Techniker Krankenkasse
zur Vorstellung des Innovationsreports 2014
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Pressekonferenz Innovationsreport 2014: Statement des Vorsitzenden des Vorstands der Techniker Krankenkasse, Dr. Jens Baas

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Statement des Vorsitzenden des Vorstands der Techniker Krankenkasse, Dr. Jens Baas, zur Vorstellung des Innovationsreports 2014 auf der Pressekonferenz am 2. April 2014 in Berlin.

Mit dem Arzneimittelmarktneuordnungsgesetz (AMNOG) hat der Gesetzgeber die Hersteller von Arzneimitteln verpflichtet, aufzuzeigen, ob ihre neuen Präparate im Vergleich zu bestehenden Alternativen einen Zusatznutzen besitzen. Allerdings liegen zum Zeitpunkt der Bewertung bzw. der Markteinführung oftmals noch keine ausreichenden Erkenntnisse darüber vor, welchen therapeutischen Fortschritt die Medikamente im realen Versorgungsalltag darstellen. Hier gibt der Innovationsreport 2014 Orientierung.

Bereits zum zweiten Mal haben Wissenschaftler der Universität Bremen ausgewählte Arzneimittel bewertet, um echte von falschen Innovationen zu trennen.
Außerdem befasst sich der diesjährige Report mit dem Thema "Individualisierte" bzw. "Stratifizierte Medizin". Welche Chancen, welche Risiken bieten zum Beispiel Biomarkertests? Und was bedeuten die Ergebnisse für die Patienten und deren Therapie?

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Pressekonferenz Innovationsreport 2014: Statement des Vorsitzenden des Vorstands der Techniker Krankenkasse, Dr. Jens Baas

  1. 1. Statement Dr. Jens Baas Vorsitzender des Vorstands der Techniker Krankenkasse zur Vorstellung des Innovationsreports 2014 am 2. April 2014 in Berlin ____________________________________________________________________ Seite 1 von 2 Etwa 20 Wirkstoffe kommen jedes Jahr neu auf den Arzneimittelmarkt. Medikamente, von denen sich die Menschen zu Recht erhoffen, dass sie Krankheiten besser bekämpfen oder zumindest weniger Nebenwirkungen verursachen als bereits zur Verfügung stehende Präparate. Doch bei allem Erfolg, den uns der medizinische Fortschritt in den zurückliegenden Jahren ohne Frage gebracht hat, darf man nicht vergessen: Der Verkauf von Arzneimitteln ist für die pharmazeutischen Unternehmen ein Milliardengeschäft. Allein die gesetzliche Krankenversicherung hat im vergangenen Jahr über 30 Milliarden Euro für Medikamente ausgegeben. Und da noch lange nicht jedes Arzneimittel therapeutischen Fortschritt bedeutet, besteht die Kunst darin, die Spreu vom Weizen zu trennen. Mit dem AMNOG hat der Gesetzgeber hierzu ein Instrument entwickelt und die Pharmafirmen erstmals verpflichtet, aufzuzeigen, ob ihre neuen Präparate im Vergleich zu bestehenden Alternativen einen Zusatznutzen besitzen. Das war ein richtiger und längst überfälliger Schritt, denn das Ergebnis der AMNOG-Bewertung trägt zu mehr Transparenz im System bei. Gleichwohl liegen zum Zeitpunkt der Prüfung bzw. der Markteinführung oftmals noch keine ausreichenden Daten vor, um die Frage nach dem therapeutischen Fortschritt der neuen Arzneimittel im realen Versorgungsalltag abschließend zu beantworten. Der vorliegende Innovationsreport zeigt daher: Eine einmalige Bewertung reicht im Grunde nicht aus. Von den 20 Wirkstoffen, die Professor Glaeske mit seinem Team von der Universität Bremen für den Report untersucht haben, sind im Nachhinein für acht Wirkstoffe Warnhinweisschreiben u.a. Rote-Hand-Briefe verschickt worden. Was wir deshalb brauchen, sind Spätbewertungen – in der Medizin würde man sagen: Nachuntersuchungen. Eine Übersicht hierzu gibt der Innovationsreport, der in diesem Jahr bereits zum zweiten Mal erscheint. Wir als Techniker Krankenkasse möchten vor allem Ärzten Orientierung geben, wie sie mit echten oder vermeintlichen Arzneimittel-Innovationen umgehen sollten. Denn von der Verordnungspraxis der Ärzte hängt nicht nur ab, wie wirtschaftlich und effizient die Arzneimittelversorgung hierzulande ist, sondern auch die Qualität der Therapie. Und das muss uns als Krankenkasse ein besonderes Anliegen sein, da wir uns als Interessenvertreter unserer Kunden verstehen. Beim ersten Innovationsreport haben Herr Professor Glaeske und sein Team Wirkstoffe untersucht, die unmittelbar vor Inkrafttreten des AMNOG auf den Markt gekommen sind, also Prä-AMNOG. Die Wirkstoffe, die im aktuellen Innovationsreport untersucht wurden, sind im Jahr 2011 – also im ersten Jahr nach Inkrafttreten des AMNOG – auf den Markt gelangt. Sozusagen Post-AMNOG. Der direkte Vergleich zwischen diesen beiden Jahrgängen ist möglich, weil die Untersuchungs- und Bewertungsmethode im Report gleich geblieben ist. Betrachtet wurden wieder drei Dimensionen: Erstens, ob es bereits verfügbare Therapien zur Behandlung der jeweiligen Krankheit gibt. Zweitens, ob der Wirkstoff tatsächlich einen relevanten therapeutischen Fortschritt darstellt. Und drittens, ob die Kosten höher oder niedriger im Vergleich zu vorhandenen Therapien ausfallen. Das Ampelschema (grün, gelb, rot) hilft, schnell zu erkennen, wie das jeweilige Ergebnis ausgefallen ist. Während im Innovationsreport 2013 lediglich zwei Arzneimittel im Gesamtscore grün bewertet wurden (davon ein Präparat, das Anfang 2011 auf den Markt gekommen ist), haben es im Innovationsreport 2014 drei Wirkstoffe auf die Spitzenplätze geschafft. Im Vergleich zum vorigen Jahr sind diesmal auch "nur" sieben von 20 Wirkstoffen im roten Bereich eingeordnet;
  2. 2. Statement Dr. Jens Baas Vorsitzender des Vorstands der Techniker Krankenkasse zur Vorstellung des Innovationsreports 2014 am 2. April 2014 in Berlin ____________________________________________________________________ Seite 2 von 2 bei den Prä-AMNOG-Wirkstoffen waren es noch 14 von 21 Wirkstoffen. Das zeigt: Der 2011er Jahrgang war ein etwas besserer Jahrgang im Vergleich zum Vorjahr. Neben der Bewertung neuer Wirkstoffe befasst sich der diesjährige Innovationsreport in einem Sonderkapitel mit dem Thema "Individualisierte…", oder besser ausgedrückt "Stratifizierende Medizin". Denn es werden zunehmend mehr Arzneimittel zugelassen, die erst nach Prüfung auf einen Biomarker eingesetzt werden dürfen. Das Thema weckt große Hoffnungen – insbesondere bei schwerkranken Menschen. Allerdings ist zum jetzigen Zeitpunkt Vorsicht geboten. Es gibt noch keine klaren Vorgaben, wie mit derartigen Tests umgegangen werden soll. Denn ein positives Testergebnis heißt noch lange nicht, dass mit den dazugehörigen Therapien Heilung garantiert ist. Umgekehrt bedeutet ein negatives Ergebnis nicht, dass es keine Perspektiven für einen erfolgreichen Therapieverlauf gibt. Deshalb ist es wichtig, die Patienten mit den Testergebnissen nicht alleine zu lassen. Hier sind die Ärzte gefragt und gefordert, die Patienten umfassend zu beraten, um eine gemeinsame Therapieentscheidung treffen zu können. Zusammengefasst lässt sich sagen: Der Innovationsreport 2014 ist nicht für das Bücherregal gedacht. Er soll Transparenz schaffen und Orientierung bieten – und er soll in der Praxis zum Einsatz kommen. Denn Auswertungen der TK zeigen, dass die Ergebnisse der AMNOG- Bewertungen heute noch nicht eins zu eins in der Versorgung ankommen. So wird beispielsweise der erste bewertete AMNOG-Wirkstoff Ticagrelor noch immer bei jedem dritten Patienten falsch eingesetzt. Das heißt, das Medikament wird verordnet, obwohl für die zu behandelnde Krankheit kein Zusatznutzen nachgewiesen werden konnte. Das war im letzten Jahr schon so, und die neuen Auswertungen zeigen, dass sich an der Verordnungspraxis bislang nichts geändert hat. Uns ist bewusst, dass es für die Ärzte nicht leicht ist, die Flut von Informationen im Alltag umzusetzen. Aus diesem Grund bietet die TK allen niedergelassenen Medizinern, die Interesse haben, verschiedene Informationsmedien zum Thema "Arzneimittelinnovationen" an. Neben dem Innovationsreport ist dies in erster Linie der sogenannte TK- Arzneimittelreport. Auf Wunsch erhalten niedergelassene Ärzte für jedes Quartal einen individuellen Verordnungsreport. Dieser zeigt den Ärzten auch an, ob sie neue Arzneimittel tatsächlich bei solchen Erkrankungen verordnet haben, bei denen das Präparat einen echten Zusatznutzen aufweist. Zudem erhalten die Abonnenten des Arzneimittelreports praxisrelevante Zusammenfassungen der Ergebnisse zur frühen Nutzenbewertung – die sogenannten AMNOG-News. Darüber hinaus etablieren wir gerade zusammen mit der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe ein Projekt, um die Zusatznutzen-orientierte Verordnung von neuen Arzneimitteln zu fördern. Unser Ziel ist es, solche Angebote zu schaffen, die die Ärzte bei ihrer veranlassten Arzneimitteltherapie bestmöglich unterstützen und im nächsten Schritt natürlich unseren Kunden, den Patienten, nutzen.

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