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Pressekonferenz zum "Gesundheitsreport 2011": Statement von Prof. Dr. Klusen
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Pressekonferenz zum "Gesundheitsreport 2011": Statement von Prof. Dr. Klusen

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Dieses Dokument mit einem Statement von Prof. Dr. Norbert Klusen, Vorsitzender des Vorstands der Techniker Krankenkasse, ist Bestandteil der Pressemappe der Pressekonferenz vom 30.06.2011 zur …

Dieses Dokument mit einem Statement von Prof. Dr. Norbert Klusen, Vorsitzender des Vorstands der Techniker Krankenkasse, ist Bestandteil der Pressemappe der Pressekonferenz vom 30.06.2011 zur Vorstellung des aktuellen "Gesundheitsreports 2011".

Der TK-Gesundheitsreport befasst sich traditionell in seinen zwei Hauptabschnitten mit Arbeitsunfähigkeiten und Arzneimittelverordnungen. Der aktuelle Gesundheitsreport befasst sich in diesem Jahr mit der Gesundheit junger Erwerbspersonen und Studierender.

Dieses Dokument kann für redaktionelle Zwecke und mit dem Hinweis "Quelle: Techniker Krankenkasse" honorarfrei verwendet werden. Eine Nutzung zu Werbezwecken ist ausgeschlossen.

Published in: Health & Medicine, Technology

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  • 1. Statement Professor Dr. Norbert KlusenVorsitzender des Vorstandes der Techniker Krankenkassezur Vorstellung des TK-Gesundheitsreports 2011am 30. Juni 2011 in BerlinSehr geehrte Damen und Herren,wir stellen Ihnen heute die zehnte Ausgabe des TK-Gesundheitsreports vor. Diejenigen vonIhnen, die unsere Gesundheitsberichterstattung in den letzten Jahren ein wenig verfolgt ha-ben, wissen, dass die TK-Reports immer aus drei Themenbereichen bestehen: Wir analysie-ren die Krankschreibungen der bei uns versicherten Erwerbspersonen, ihre Arzneimittelver-ordnungen und der dritte Teil besteht traditionell aus einem Schwerpunktkapitel, für das wirjeweils ein bestimmtes Diagnosekapitel oder einen Personenkreis besonders unter die Lupenehmen. Die Themenschwerpunkte waren in den letzten Jahren sehr vielfältig, wir haben unsunter anderem mit Erkältungskrankheiten und psychischen Störungen beschäftigt, mit der IT-und der Zeitarbeitsbranche (letztere wusste unsere Arbeit bzw. vielmehr deren Ergebnisseleider nicht so recht zu schätzen), und wir haben mit einer Sonderauswertung zum demogra-fischen Wandel einen Blick in die Zukunft geworfen.Gesund studieren?Auch der diesjährige TK-Gesundheitsreport beschäftigt sich gewissermaßen mit der Zukunft.Denn heute soll es vor allem um die Gesundheit der Studierenden und der jungen Erwerbs-personen in Deutschland gehen. Wenn wir über den demografischen Wandel sprechen, gehtes üblicherweise darum, wie es gelingt, die älter werdende Erwerbsbevölkerung möglichstlange aktiv und leistungsfähig im Berufsleben zu halten. Genauso wichtig ist aber, dass wiruns um die Gesundheit der nachkommenden Generation kümmern. Sie ist schon zahlenmä-ßig deutlich kleiner, denn auf die Babyboomer-Jahrgänge, die heute fast 50 Jahre alt sind,folgen nun deutlich geburtenschwächere Jahrgänge. Schon heute haben wir in vielen Berei-chen einen Fachkräftemangel. Künftig wird der Wettbewerb um qualifizierte Mitarbeiter nochstärker werden. Derzeit sieht der Berufseinstieg der jungen Menschen jedoch leider nochanders aus, die so genannte Generation Praktikum ist weit davon entfernt, wie eine Raritätbehandelt zu werden.Nach der TK-Studie "Gesund studieren" im Jahr 2008 haben wir uns deshalb in diesem Jahrzum zweiten Mal mit den Gesundheitsdaten der bei uns versicherten Studierenden beschäf-tigt. Über die gesundheitliche Situation von Hochschülern gibt es nur wenige Informationen.Das liegt zum einen daran, dass Studierende in der Regel bis 25 bei ihren Eltern familienver-sichert sind. Unsere Arzneimitteldaten werden allerdings nicht nach dem Status familienversi- 1__________________________________________________________________________________Prof. Dr. Norbert Klusen, Techniker Krankenkasse
  • 2. Statement Professor Dr. Norbert KlusenVorsitzender des Vorstandes der Techniker Krankenkassezur Vorstellung des TK-Gesundheitsreports 2011am 30. Juni 2011 in Berlincherter Student" selektiert. Deshalb sind diese Studierenden für uns schwer zu identifizieren.Zum anderen liegen uns für die Hochschüler – anders als bei den sozialversicherungspflichtigBeschäftigten – keine Krankschreibungen zur Auswertung vor. Für die diesjährige Auswer-tung haben wir deshalb die Arzneimittelrezepte der 135.000 Studierenden mit eigener TK-Mitgliedschaft sowie deren Diagnosedaten aus dem ambulanten Bereich analysiert.Psychische Störungen unter jungen Erwachsenen nehmen zuDie Daten zeigen, dass die gesundheitlichen Belastungen unter den Hochschülern offenbarseit unserer letzten Studie weiter zugenommen haben: Im Jahr 2010 lag das an Studierendeverordnete Arzneimittelvolumen fast ein Viertel über dem von 2006. Im vergangenen Jahrerhielt jeder Student statistisch gesehen Medikamente für 55 Tage, Studentinnen sogar für 78Tage. Das sind zwar etwa zehn Prozent weniger Medikamente als bei gleichaltrigen Berufstä-tigen. Auffällig ist jedoch, dass bei den Hochschülern der Anteil von Präparaten zur Behand-lung des Nervensystems deutlich höher liegt. In den vier Jahren seit unserer letzten Auswer-tung ist das verordnete Volumen hier um besorgniserregende 54 Prozent gestiegen. Mehr alsein Fünftel aller an Studierende verschriebenen Medikamente sind Arzneimittel zur Behand-lung des Nervensystems, wozu auch die Psychopharmaka gehören.Und: Nicht nur das Volumen steigt, sondern auch der Kreis der mit diesen Präparaten behan-delten Studierenden wird immer größer. Der Anteil der Hochschüler, die Antidepressiva ver-schrieben bekommen haben, ist in den letzten vier Jahren um über 40 Prozent gestiegen.Fünf Prozent der Studentinnen und drei Prozent der männlichen Hochschüler bekommenmittlerweile Medikamente gegen Depression. Anders ausgedrückt: In einem Hörsaal mit 400Studierenden sitzen 16 mit Antidepressiva-Verschreibung. Steigt die Zahl der Betroffenenweiter in diesem Ausmaß, haben spätestens 2046 alle Vorlesungsteilnehmer ein solches Re-zept.Ähnlich drastisch sieht es bei den Diagnoseraten aus. Bei fast jeder zehnten angehendenAkademikerin wurde eine Depression dokumentiert, bei den männlichen Kommilitonen warenes immerhin vier Prozent. Betrachtet man alle psychischen Störungen, so wurde bei mehr alsjedem achten Studenten und bei fast 30 Prozent der Studentinnen 2010 mindestens einmaleine solche Diagnose gestellt. Dabei lässt sich erkennen, dass bis zum Alter von 27 Studie-rende seltener von psychischen Diagnosen betroffen sind als gleichaltrige Berufstätige. Ab 2__________________________________________________________________________________Prof. Dr. Norbert Klusen, Techniker Krankenkasse
  • 3. Statement Professor Dr. Norbert KlusenVorsitzender des Vorstandes der Techniker Krankenkassezur Vorstellung des TK-Gesundheitsreports 2011am 30. Juni 2011 in Berlindem 28. Lebensjahr liegen diese Diagnoseraten bei Studierenden jedoch deutlich über denenjunger Beschäftigter.EtikettierungsphänomeneWenn bei drei von zehn jungen Frauen im Jahr eine psychische Diagnose gestellt wird, müs-sen wir uns jedoch nicht nur über die Zunahme psychischer Störungen Gedanken machen,sondern auch darüber, wo die Grenze zwischen gesund und krank gezogen wird.Es wäre sicherlich zu kurz gegriffen, wenn wir uns damit zufrieden gäben, jährlich die enor-men Steigerungsraten psychisch bedingter Fehlzeiten, Arzneimittelverordnungen und Diag-noseraten zu verkünden. Ebenso wichtig ist eine sachliche Diskussion möglicher Ursachenund Lösungsansätze.So sehen wir durchaus positiv, dass Ärzte offenbar immer besser in der Lage sind, psychi-sche Beschwerden zu diagnostizieren. Das heißt, viele Beschwerden, die vor zehn, zwanzigJahren noch unter anderem Label attestiert wurden, werden heute als psychische Diagnosedokumentiert. Auch die Patienten sind offenbar eher bereit, eine solche Diagnose zu akzep-tieren. Dennoch müssen wir uns fragen, ob der Umfang der Diagnosen – und damit einher-gehend der Behandlungen – noch epidemiologisch zu begründen ist.Enorme Anstiege bei Therapie- und Krankengeldausgaben im psychischen BereichAllein auf die 7,7 Millionen TK-Kunden entfielen 2009 über 420.000 probatorische Sitzungenbei Psychotherapeuten, 2010 haben wir 92.000 psychisch bedingte stationäre Aufenthalteabgerechnet, die Krankengeldausgaben aufgrund psychischer Diagnosen haben sich je Mit-glied seit 2006 fast verdoppelt und die Ausgabensteigerung im Bereich Psychopharmaka lagin den letzten drei Jahren bei 36 Prozent.Derzeit werden – vor allem seitens der Therapeuten – eine Unterversorgung psychotherapeu-tischer Behandlung und die damit verbundenen langen Wartezeiten bemängelt. Dies mag ineinigen, vor allem in ländlichen Regionen der Fall sein. Richtig ist aber auch, dass wir miteinem größeren Angebot allein keine bedarfsgerechte Versorgung bzw. Sättigung erreichen,denn anders als in anderen Bereichen schafft sich hier das Angebot seine Nachfrage. Dasbedeutet, je mehr Therapieangebote es gibt, desto größer ist auch die Nachfrage. 3__________________________________________________________________________________Prof. Dr. Norbert Klusen, Techniker Krankenkasse
  • 4. Statement Professor Dr. Norbert KlusenVorsitzender des Vorstandes der Techniker Krankenkassezur Vorstellung des TK-Gesundheitsreports 2011am 30. Juni 2011 in BerlinIn den Stadtstaaten Hamburg, Berlin und Bremen werden mehr psychische Störungen diag-nostiziert und therapeutisch behandelt als in allen anderen Regionen Deutschlands. Wir kön-nen für die gesamte Bundesrepublik sagen, dass die Reihenfolge der Inanspruchnahme vonTherapie in den Bundesländern exakt der Rangfolge der Therapeutendichte entspricht. Ledig-lich in Sachsen ist die Inanspruchnahme sogar überproportional zum Therapieangebot.Qualität statt Quantität erhöhenDeshalb sind ist es nicht allein damit getan, das Therapieangebot für die wirklich Erkranktenzu erweitern. Vielmehr ist es wichtig, die Qualität der Behandlung zu steigern und natürlichmuss es darum gehen, die Lebenssituation der Betroffenen zu verbessern.Unsere Daten zeigen, dass der Einstieg in das Erwerbsleben für die jungen Erwachsenenoffenbar belastender ist als die Aufnahme eines Studiums für die Hochschüler. Später kehrtsich das Verhältnis jedoch um und die Studierenden sind deutlich stärker belastet als die Er-werbstätigen. Im Alter von 31 Jahren liegt der Anteil der Studentinnen mit Antidepressiva-Verordnung 60 Prozent höher als bei den berufstätigen Frauen. Männliche Studierende wer-den doppelt so häufig gegen Depressionen behandelt wie gleichaltrige Beschäftigte.Junge Ausbildungsbiografien gesünder gestaltenDie Zahlen belegen zwar keinen Kausalzusammenhang zwischen den Studienbedigungenund den gesundheitlichen Belastungen, aber die Vermutung liegt nahe, dass die jüngstenReformen in der akademischen Ausbildung nicht spurlos an den jungen Menschen vorbeige-hen. Der Druck, das Studium zügig zu absolvieren, ist durch Studiengebühren und die Einfüh-rung der neuen Bachelor- und Master-Studienabschlüsse gestiegen. Und auch wenn es sehrbeeindruckend ist, wie schnell und wie gut sich die Generation – die im Gegensatz zu Ihnenund mir ja bereits als digital natives aufgewachsen ist – an die Ausbildung im web 2.0-Zeitalter und die internationalen Arbeitsmärkte anpasst, ist es wichtig, ihnen auch eine ge-sundes Lernumfeld zu schaffen. Wie verlangen derzeit sehr viel von der so genannten Gene-ration Praktikum. Da in diesen Tagen in einigen Bundesländern wieder zwei Jahrgänge dasAbitur absolvieren und die Bundeswehr nicht mehr einzieht, drängen in diesem Herbst deut-lich mehr Studienanfänger an die Hochschulen. Wir erwarten, dass sie ihr Studiumschnellstmöglich absolvieren und währenddessen möglichst viel Auslands- und Praxiserfah-rungen machen. Wenn sie ihr Studium beendet haben, wird ebenfalls größtmögliche Flexibili- 4__________________________________________________________________________________Prof. Dr. Norbert Klusen, Techniker Krankenkasse
  • 5. Statement Professor Dr. Norbert KlusenVorsitzender des Vorstandes der Techniker Krankenkassezur Vorstellung des TK-Gesundheitsreports 2011am 30. Juni 2011 in Berlintät hinsichtlich Arbeitsort und Leistungsbereitschaft erwartet. Wer es dabei noch schafft, Be-ziehungen jenseits von Facebook zu pflegen oder gar eine Familie zu gründen (um auchnoch unsere demografischen Probleme zu lösen) und seine Doktorarbeit selbst zu schreiben,hat unseren größten Respekt verdient. Aber auch diejenigen, die das nicht schaffen, benöti-gen Unterstützung.Unsere Daten zeigen, dass sich die Studierendenschaft in zwei Lager splittet. In die jüngerenStudierenden, die ihr Studium in bis zum Alter von 26 beenden und die älteren Hochschüler,deren Belastung ab dem 28. Lebensjahr deutlich zunimmt. Es lässt sich vermuten, dass derDruck bei denjenigen, die ihr Studium nicht in der Regelzeit abschließen, und bei denen dannzur akademischen Ausbildung oftmals weitere Lasten zum Beispiel durch die Doppelbelas-tung von Job und Studium infolge des Wegfalls von Bafög und Familienversicherung hinzu-kommen, immer stärker wird.Die Situation der gut zwei Millionen Hochschüler in diesem Land zu verbessern, ist aber na-türlich keine Aufgabe, die eine Krankenkasse allein bewältigen kann, sondern hier sind vorallem die Bildungseinrichtungen, die Politik und die Arbeitgeber gefordert.Wenn wir wollen, das die geistige Elite von morgen dieses Land führt und gestaltet, müssenwir uns und um ihre geistige und körperliche Gesundheit kümmern – mit gesundheitsfördern-den Maßnahmen und fairen Studien- und Arbeitsbedingungen. Die TK ist hier als Kranken-kasse im Gesundheitsmanangement an den Hochschulen sehr aktiv. Ebenso engagieren wiruns aber auch als Arbeitgeber zum Beispiel, indem wir uns als Fair Company verpflichten,Praktikanten auch als solche zu beschäftigen und zu entlohnen und indem wir Absolventenim Rahmen unseres Traineeprogramms einen gesunden und qualifizierten Jobeinstieg er-möglichen.Wenn Sie dazu noch mehr wissen möchten, freue ich mich auf ihre anschließenden Fragen.Zunächst möchte aber erst einmal an Dr. Grobe übergeben, der die Trends, von denen ichgerade gesprochen habe, noch einmal mit konkreten Daten untermauern wird. 5__________________________________________________________________________________Prof. Dr. Norbert Klusen, Techniker Krankenkasse