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Das „duz“-Special „Gesundheitsfördernde Hochschulen – Modelle aus der Praxis“ der Techniker Krankenkasse (TK) und der Landesvereinigung für Gesundheit und Akademie für Sozialmedizin ...

Das „duz“-Special „Gesundheitsfördernde Hochschulen – Modelle aus der Praxis“ der Techniker Krankenkasse (TK) und der Landesvereinigung für Gesundheit und Akademie für Sozialmedizin Niedersachsen e. V. zeigt Wege auf, wie gesundheitsfördernde Aktivitäten für alle Statusgruppen und Mitglieder an den Hochschulen etabliert werden können. Weitere Informationen gibt es auch unter: http://www.tk.de/tk/522316.

Dieses Dokument kann für redaktionelle Zwecke und mit dem Hinweis "Quelle: Techniker Krankenkasse" honorarfrei verwendet werden. Eine Nutzung zu Werbezwecken ist ausgeschlossen.

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    duz - Unabhängige Deutsche Universitätszeitung duz - Unabhängige Deutsche Universitätszeitung Document Transcript

    • Gesundheitsfördernde Hochschulen Modelle aus der Praxis
    • Editorial 3 Aktives Gesundheitsmanagement an Hochschulen | Von Thomas Holm Leiter Gesundheitsmanagement bei der Techniker Krankenkasse Einleitung 4 Alle Hochschulakteure in den Prozess einbeziehen Gesundheit kann zu einem wichtigen Stand- ortvorteil für eine Hochschule werden – vorausgesetzt, die Hochschulleitung schafft die richtigen Voraussetzungen dafür. |VonDr.UteSonntagundDr.BrigitteSteinke 8 Den Menschen in den Mittelpunkt stellen Studierende und Beschäftigte an Hochschu- len leiden gesundheitlich unter den oft sehr stressigen und unwirtlichen Verhältnissen, die sie dort antreffen. | Von Dr. Ute Sonntag und Dr. Brigitte Steinke Wettbewerb guter Praxis: Gesunde Hochschulen 10 „Gesundheitsmanagement sollte auf der Leitungsebene angesiedelt sein“ Der Wettbewerb guter Praxis: Gesunde Hochschulen wurde im Herbst 2010 vom Arbeitskreis Gesundheitsfördernde Hoch- schulen gemeinsam mit der Hochschule Magdeburg-Stendal und der Techniker Krankenkasse ausgeschrieben. Ein Interview über Hintergründe und Ziele mit Prof. Dr. Thomas Hartmann von der Hochschule Magdeburg-Stendal 12 Gesundheit konsequent in der gesamten Hochschule verankern Die Universität Paderborn wurde mit ihrem Gesamtkonzept „Gesunde Hochschule“ gleich vier Mal ausgezeichnet. | Von Sandra Bischof 14 Gesundheit als Bestandteil des Leitbildes Externe Expertise einholen und die eigenen Hochschulmitglieder einbinden – mit dieser Vorgehensweise ist es der Alice Salomon Hochschule in Berlin gelungen, sich zu einer gesundheitsförderlichen Einrichtung zu entwickeln. | Von Berthe Khayat 15 Gesundheit als Teil der universitären Organisationskultur Damit Gesundheitsförderung hochschulweit greift, muss sie von der Hochschulleitung ernst genommen und moderiert werden. Die Universität Göttingen hat dies erfolg- reich durchexerziert. | Von Dr. Holger Epstein 17 Positive Effekte einer aktiven Pausengestaltung Die Bergische Universität Wuppertal zeigt mit ihrem Konzept „Das Potential der Pause“, wie gesundheitsorientierte Aktivitäten sowohl in den Studien- als auch in den Arbeitsalltag integriert werden können. | Von Gaby Maass 19 „PausenExpress“ – Erholung für zwischendurch Im Verbund haben die Universitäten Pots- dam, Wuppertal, Aachen und Paderborn das Konzept „PausenExpress“ entwickelt. | Von Dr. Petra Bischoff-Krenzien 21 Lässig statt stressig durchs Studium Studierende der Pädagogischen Hochschule Schwäbisch Gmünd haben ein Antistress- manual für sich und ihre Kommilitonen entwickelt. | Von Dr. Birte Dohnke 23 Gute Gestaltung und Präsentation Mit dem Publikumspreis für das beste Poster wurden die Technische Universität Braunschweig und die Hochschule Coburg ausgezeichnet. In eigener Sache 24 DieTK – starker Partner für Hochschulen Hochschulen, die ihre Institution nachhaltig gesundheitsförderlich gestalten wollen, haben die Chance, sich von außen coachen zu lassen. Wie das gehen kann, beschreibt die TK. | Von Dr. Brigitte Steinke 25 Der Arbeitskreis Gesundheitsfördernde Hochschulen Der AK will gesundheitsfördernde Lebens-, Lern- und Arbeitsbedingungen an Hoch- schulen initiieren und unterstützen. | Von Dr. Ute Sonntag Service-Tipps 26 Nützliche Publikationen, Websites und Veranstaltungen 28 Impressum INHALT Heftmitte Sonderteil zum Herausnehmen I. Qualitätsmaßstäbe für eine gesunde Hochschule Im Jahr 2005 verabschiedete der Arbeitskreis Gesundheitsfördernde Hochschulen zehn Gütekriterien, um die Basis für gemeinsame Standards zu schaffen. | Von Prof. Dr. Thomas Hartmann II. Gütekriterien für eine gesundheitsfördernde Hochschule Die zehn Gütekriterien – mit Erläuterungen
    • Aktives Gesundheitsmanagement an Hochschulen Liebe Leserinnen und Leser, Hochschulen waren in den letzten Jahren vielfältigen Veränderungsprozessen ausgesetzt. Der 1999 angestoßene Bologna-Prozess hat den Studierenden mehr Mobilität sowie internationale arbeitsmarktrelevante Qualifikation und Wettbewerbsfähigkeit versprochen. Tatsächlich haben die politischen und strukturellen Veränderungen eine enorme Verschulung des Studiums mit sich gebracht. Die Anzahl von Leistungsnachweisen und studienbegleitenden Prü- fungen hat zugenommen. Für Dozentinnen und Dozenten wie auch Verwaltungskräfte in den Hochschulen hat sich der Betreuungs- und Administrationsaufwand erhöht. Festzustellen ist, dass auch an den Hochschulen psychische Erkrankungen zugenommen haben. Die Leistungsfähigkeit sinkt, obwohl sie mehr denn je gebraucht wird. Gesundheitsmanagement hilft, mit Organisationseigenheiten und -veränderungen gesundheits- förderlich umzugehen. Und der zunehmende Wettbewerb zwischen den Hochschulen verstärkt auch bei der Hochschulleitung das Interesse, mit dem Label „Gesundheitsmanagement“ zu wer- ben. Denn aktives Gesundheitsmanagement motiviert und stärkt nicht nur nachhaltig die Ge- sundheit der Studierenden und Hochschulangehörigen – es erhöht auch die Attraktivität der Hochschule nach außen. Studierende erleben, dass die Studienzeit ihren individuellen Lebensstil stark verändert und wei- ter formt. Gerade diese Lebensphase bietet die Chance, die Entwicklung individueller Gesund- heitskompetenz zielgerichtet und systematisch in die Studienplanung zu integrieren. Vor allem Studienbeginn und -abschluss stellen kritische Zeiträume dar, die zu einer hohen psychosozialen Belastung führen können. Hochschulen sind gut beraten, diesen Belastungen vorausschauend entgegenzusteuern – zum einen, indem sie persönliche Gesundheitskompetenz vermitteln und zum anderen durch eine gesundheitsförderliche Gestaltung der Rahmenbedingungen, unter denen gelehrt, gearbeitet und studiert wird. Seit mehr als zehn Jahren unterstützt die Techniker Krankenkasse (TK) deutsche Hochschulen mit fundierter Prozessberatungs- und Organisationsentwicklungskompetenz. Sie gibt Impulse und Anleitung, begleitet Konzeption und Umsetzung und leistet finanzielle Förderungen auf dem Weg zur Implementierung eines bedarfsgerechten Gesundheitsmanagements. Ziel muss sein, die kommende Generation von Leistungsträgern und Führungskräften als potentielle Multiplikatorin- nen und Multiplikatoren für gesundheitsfördernde Strukturbildung in Wirtschaft und Gesellschaft vorzubereiten sowie deren Verständnis und Akzeptanz für ein modernes betriebliches Gesund- heitsmanagement zu etablieren. Hochschulabsolventinnen und -absolventen sind prädestiniert, ihre an der Hochschule entwickelte Gesundheitskompetenz in die Arbeitswelt von morgen zu übertragen. Auch hierbei ist die TK Ihr Partner! Herzliche Grüße, Thomas Holm Thomas Holm Leiter Gesundheitsmanagement bei der Techniker Krankenkasse | 3EDITORIAL
    • 4 | EINLEITUNG Alle Hochschulakteure in den Prozess einbeziehen Gesundheit kann zu einem wichtigen Standortvorteil für eine Hochschule werden. Was genau zeichnet eine gesundheitsför- dernde Hochschule aus? Welche Voraussetzungen muss die Hochschulleitung schaffen und wen muss sie einbeziehen? | Von Dr. Ute Sonntag und Dr. Brigitte Steinke Seit der Ottawa-Charta von 1986, einem einflussrei- chen Dokument der Weltgesundheitsorganisation, gilt der Leitsatz: Gesundheit wird dort hergestellt, wo Menschen leben, arbeiten, wohnen, spielen, lie- ben, lernen, lehren. Gesundheitsförderung zielt dabei auf einen Prozess ab, Menschen ein höheres Maß an Selbstbestimmung über ihre Gesundheit zu ermög- lichen und sie damit zu befähigen, ihre Gesundheit zu stärken. Forschung und Erfahrung in den Gesund- heitswissenschaften kommen zu dem Schluss, dass es erfolgreicher ist, eine ganze Organisation mit all ihren Rahmenbedingungen und den in ihr arbeiten- den, lebenden, lernenden Menschen in den Fokus zu rücken, als nur einen Ausschnitt. Moderne und inno- vative Hochschulen gehen darüber noch hinaus und öffnen sich in die Region hinein. Sie gehen Kooperati- onsbeziehungen ein, was Orientierung gibt und Pra- xiserfahrungen schafft. Der Praxisbezug hat sich als besonders wichtig für das Wohlbefinden der Studierenden herausgestellt: Im „Gesundheitssurvey NRW für Studierende“ der Universität Bielefeld in Kooperation mit der TK und der Landesunfallkasse Nordrhein-Westfalen (Laufzeit 11/2005 – 12/2007) gaben, je nach befragter Hoch- schule, 39 bis 50 Prozent der Studierenden an, dass fehlender Praxisbezug im Studium ihr Wohlbefin- den negativ beeinflusse. Befragt wurden die RWTH Aachen, die DSHS Köln, die Universitäten Bonn, Sie- gen, Düsseldorf, Duisburg-Essen, Wuppertal, Dort- mund, Bochum, Bielefeld, Münster, Paderborn sowie die Fachhochschulen Köln, Bochum, Bielefeld und Münster. Dr. Ute Sonntag ist Koordinatorin des bundes- weiten Arbeitskreises Gesund- heitsfördernde Hochschulen und stellvertretende Geschäftsfüh- rerin der Landesvereinigung für Gesundheit und Akademie für Sozialmedizin Niedersachsen e. V. Dr. Brigitte Steinke ist Referentin im Gesundheitsma- nagement der Techniker Kranken- kasse (TK) und dort unter anderem für den Hochschulbereich tätig. Sie ist Ansprechpartnerin für Vertreterinnen und Vertreter von Hochschulen, die gemein- sam mit der TK ein Projekt „Gesunde Hochschule“ an ihrer Hochschule durchführen möchten. Seit über zehn Jahren begleitet sie den bundesweiten Arbeitskreis Gesundheits- fördernde Hochschulen.
    • | 5EINLEITUNG Merkmale einer gesundheitsförderlichen Hochschule In gesundheitsfördernden Hochschulen findet man gesundheitsförderliche Aktivitäten für alle Status- gruppen und Mitglieder der Hochschule: Leitung, Lehrende, Verwaltungspersonal, Auszubildende, technisches Personal, wissenschaftlich Beschäftigte und Studierende. Gemeinsame Motive, Motivationen, Interessen und Einstellungen müssen berücksichtigt und ein gemeinsamer Nenner muss ausgehandelt werden. Gleichfalls müssen auch die Lehr-, Lern- und Arbeitsbedingungen, die räumliche Ausstattung und bestehende Hilfsangebote, die Anforderungen an Personal und Studierende, die gelebte Kultur und die Frage, wie Gesundheit dadurch hergestellt oder be- hindert wird, einbezogen werden. Macht eine Hoch- schule sich auf den Weg, gesundheitsförderliche Hochschule zu werden, ist es notwendig, Personal dafür bereitzustellen, sodass eine Steuerungsgruppe eingerichtet werden kann und der Prozess, ein Kon- zept zu entwickeln, koordiniert wird. Dazu kann eine Person freigestellt werden, die schon in der Hoch- schule beschäftigt ist, oder die Hochschule kann auch eine neue Stelle einrichten. Der bundesweite Arbeitskreis Gesundheitsför- dernde Hochschulen hat zehn Gütekriterien (siehe Beihefter in der Heftmitte) erarbeitet, die Handlungsfelder und Mindeststandards für Hochschulen aufzeigen. Aus der Vielfalt schöpfen Immer mehr Hochschulen setzen sich mit dem The- ma Gesundheit auseinander und integrieren es in ihre Strukturen (siehe auch Beiträge auf den Seiten 12–23). Häufig nutzen sie einen Gesundheitstag für alle Mit- glieder, um das Thema in die Hochschulkultur ein- zuführen. Zudem gibt es viele Ansätze, die sich mit Bewegung beschäftigen, etwa am Arbeitsplatz, in der Pause oder auf dem Campus. Stressreduktion ist ein immer häufigeres Thema. Andere betreiben um- fangreiche Organisationsentwicklungsprozesse, an deren Beginn Befragungen oder Diskussionsgruppen >>> Begriffserklärungen Viele nutzen den Begriff „Gesunde Hochschule“. Da Hochschulen nicht gesund oder krank sind, sondern gesundheitsförderliche Arbeits- und Lebensbedingungen beeinflussen können, ist der Begriff der „gesundheitsfördernden oder gesundheitsförderlichen Hochschule“ dem Begriff „Gesunde Hochschule“ vorzuziehen. Er ist der exaktere Begriff. „Gesundheitsförderung in Hochschulen“ weist auf Einzelaktivitäten hin wie gesundes Mensaessen oder Hochschulsport. Gesundheits- fördernde Hochschulen haben dies zwar auch, vernetzen die Aktivitäten aber zu einem Gesamtkonzept und unterfüttern dies mit Bedarfsanalysen. In der Unterscheidung der Begriffe „Betriebliche Gesundheits- förderung“ und „Gesundheitsmanagement“ sieht neuere Literatur Gesundheitsmanagement als den übergeordneten Begriff, der zu- sätzlich die Orientierung am Markt, die ökonomische Bedarfssiche- rung und strategische Betriebsziele in den Blick nimmt.
    • stehen, an denen die Beschäftigten oder Studieren- den beteiligt sind. Dabei werden Bedarfe erhoben, die gesundheitliche Situation der Menschen unter- sucht, Handlungsstrategien zur Veränderung entwi- ckelt, Pläne umgesetzt und dies abschließend wieder bewertet. Dieser sogenannte policy-cycle beginnt dann wieder von Neuem. Etablierte standardisierte Strukturen wie der Ar- beitsschutz oder das Qualitätsmanagement integ- rieren sich idealerweise in Steuerungsgruppen zur Gesundheitsförderung oder zum Gesundheitsma- nagement. Dies kann vorteilhaft sein, weil die Mit- glieder solcher interdisziplinären Steuerungsgruppen ihre Erfahrungen und Ressourcen einbringen und voneinander profitieren können. Mitunter kann es auch zu Missverständnissen und Reibungspunkten aufgrund unterschiedlicher Konzepte und Zielvorstel- lungen kommen. Wenn die koordinierende Arbeit nicht finanziert oder niemand dafür freigestellt wird, wirkt sich dies prob- lematisch auf die Umsetzung und die Nachhaltigkeit aus. Solche Investitionen lohnen und rechnen sich langfristig. So kann Gesundheit ein Standortvorteil für eine Hochschule werden, der qualitative und quanti- tative Output kann steigen, die Schnittstellenproble- me zwischen Verwaltung, Lehre und Forschung kön- nen identifiziert und bearbeitet werden. Ganz wichtig bei jeder Form der Aktivität ist es, kurzfristige Erfolge einzuplanen. Nur dann entwickelt sich die Motivation, auch auf langfristige Wirkungen hin zu arbeiten. Zentrales Gremium sollte den Prozess steuern Um Gesundheitsförderung in der Hochschule umzu- setzen, übernimmt ein Arbeitskreis oder eine Steu- erungsgruppe die Initiative und Verantwortung. Oft arbeiten die Gruppen zu Beginn mit fünf bis zehn Schlüsselakteurinnen und -akteuren. Dies sind Dr. Thomas Kathöfer Generalsekretär der Hochschulrektorenkonferenz »Wichtige Bausteine für die Zukunftsfähigkeit« „Die Hochschulen stehen in zunehmendem Wettbewerb untereinander – in Deutschland und weltweit. Sie sind bemüht, klare Profile und Schwerpunkte zu entwickeln und eine entsprechen- de Gesamtstrategie für ihre weitere Entwicklung zu erarbeiten. Das kann nur gelingen, wenn alle Mitgliedergruppen, von den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern über die sonstigen Dienstkräfte bis hin zu den Studierenden, diese Entwicklung nach Kräften mittragen. Eine starke Identifikation mit ihrer Hochschule setzt ein gelebtes Verantwortungsbewusstsein der Hochschule für ihre Mitglieder voraus. Dazu gehören auch Maßnahmen zur Gesundheitsförde- rung, zur Verbesserung der Arbeits- und Freizeitqualität oder zur Steigerung der Motivation. Das gilt gerade heutzutage angesichts enormer Herausforderungen durch die hohen Studierenden- zahlen und den harten Wettbewerb in der Forschung. Durch eine durchdachte und von der gesamten Hochschule getragene Organisation der Gesund- heitsförderung können das Wohlbefinden, die Leistungsfähigkeit und -bereitschaft sowie die Kre- ativität der Hochschulmitglieder und damit der wichtigsten Ressource der Hochschulen bewahrt werden. Aspekte und Maßnahmen der Gesundheitsförderung sind somit zweifelsohne wichtige Bausteine für die Zukunftsfähigkeit einer Hochschule.“ 6 | EINLEITUNG » Gesundheitsfördernde Hochschulen vernetzen die einzelnen gesundheitsförderlichen Aktivitäten zu einem Gesamtkonzept und unterfüttern dies mit Bedarfsanalysen. « >>>
    • | 7 Fachleute, die inhaltliche Inputs geben, sowie Inter- essenvertreterinnen und -vertreter, die über das Vor- haben informiert sein wollen und müssen. Sie geben die Informationen an ihre Klientel weiter. Zudem ist ihre Aufgabe, die Interessen einer bestimmten Be- zugsgruppe in dem Gremium zu vertreten und diese für ihre Vorhaben zu gewinnen. Später erweitert sich der Steuerkreis in der Regel. Schwerpunktmäßig erar- beitet dieser ein Konzept, legt Maßnahmen fest und evaluiert diese. Er nimmt aber auch organisatorische Aufgaben wahr, wirbt Finanzmittel ein und kommuni- ziert mit der Hochschulleitung und der Öffentlichkeit. Erster Benchmarkingprozess stößt bei Hochschulen auf großes Interesse Im Vergleich zu großen Wirtschaftsunternehmen ha- ben Hochschulen eine schlechtere Ausgangssitua- tion, um Gesundheitsförderung zu implementieren. Hochschulen können kurzfristig Gelder bereitstellen, aber eine langfristige Finanzierung einer gesund- heitsförderlichen Hochschule stößt schnell an ihre Grenzen. Zu begrüßen sind daher Initiativen wie die des Landes Baden-Württemberg, die eine gezielte Förderung in diesem Bereich landesweit vorsehen. Der bundesweite Arbeitskreis Gesundheitsfördern- de Hochschulen wirbt aktiv für die Netzwerkarbeit und bietet Hochschulen Austausch- und Beratungs- möglichkeiten. Interessierte aus über 100 Hochschu- len nutzen dies mittlerweile und wissen es sehr zu schätzen. Dies ist ein Beleg dafür, dass die deutschen Hochschulen auf einem guten Weg sind. Im Projekt Benchmarking „Gesundheitsförderung an deutschen Hochschulen“ der Techniker Krankenkasse und der HIS GmbH befassten sich sechs Hochschulen in Work- shops und Arbeitsgruppen mit der qualitativen und quantitativen Erfassung und Bewertung von Maß- nahmen in der betrieblichen Gesundheitsförderung. Es wurde ein Kriterienkatalog für Gesundheitsförde- rung in Hochschulen entwickelt, mit dem Hochschu- len die Qualität ihrer Maßnahmen beurteilen können. EINLEITUNG
    • 8 | EINLEITUNG Den Menschen in den Mittelpunkt stellen Studierende und Beschäftigte an Hochschulen haben eines gemeinsam: Sie leiden gesundheitlich unter den oft stressigen und unwirtlichen Verhältnissen, die sie dort antreffen. Das belegt eine aktuelle Bestandsaufnahme der Techniker Krankenkasse. | Von Dr. Ute Sonntag und Dr. Brigitte Steinke Hochschulen sind komplexe Bildungs- und Wissen- schaftsorganisationen. Die Bereiche Lehre, Forschung und Verwaltung haben unterschiedliche Ziele und Anforderungen. Daraus folgt, dass deren Logiken nicht leicht zu vereinbaren sind. Zudem sind Hoch- schulen sehr unterschiedlich groß. Einige haben Uni- versitätsklinika angeschlossen, Institute, An-Institute, Werkstätten und vieles mehr. Solche unübersichtlich wirkenden Strukturen üben einen Einfluss auf die Menschen aus, die dort arbeiten und studieren. Gesundheit der Beschäftigten Das Verwaltungspersonal, das technische Personal und das Reinigungspersonal weisen ihren speziel- len Tätigkeiten nach entsprechende Belastungsmus- ter auf. So klagen beispielsweise Sekretärinnen über Nacken- und Rückenschmerzen sowie über die Be- lastung der Augen durch das ständige Arbeiten am Computer. Das Verwaltungspersonal leidet unter der hohen Komplexität der Organisation Hochschule. Da- durch werden Entscheidungen oftmals intransparent und nicht nachvollziehbar. Anweisungen scheinen nicht vollständig und somit unverständlich. Hoch- schulen genießen ein hohes Ansehen. Dies ist für die Beschäftigten – auch im Verwaltungsbereich – ein positiver Aspekt. In Teilen der Hochschule ist die Ar- beitsplatzsicherheit hoch, was sich auch stabilisie- rend auf die Gesundheit auswirkt. Das wissenschaftliche Personal des akademischen Mittelbaues leidet unter den Rahmenbedingungen der Beschäftigung. 2010 waren nur 1/8 der Stellen im Mittelbau unbefristete Stellen (Berechnungen der GEW auf Basis von Daten des Statistischen Bundes- amtes). Mittlerweile haben 53 Prozent der befristeten Arbeitsverträge eine Laufzeit von unter einem Jahr, 36 Prozent sind auf ein bis zwei Jahre ausgelegt und nur 11 Prozent laufen über zwei Jahre (Jongmanns, HIS, 2011). Ein Teil dieser Arbeitsverhältnisse kann als prekär bezeichnet werden. Angehörige des akademi- schen Mittelbaues sehen sich zudem in einer dreifa- chen Abhängigkeit: persönlich, in qualifikatorischer Hinsicht und in Hinblick auf Publikationen. Als ge- sundheitsfördernde Arbeitsbedingungen können allerdings auch Gestaltungs- und Entscheidungs- spielräume identifiziert werden sowie eine hohe Komplexität der Anforderungen. Die Situation der Professorinnen und Professoren hebt sich deutlich von der des Mittelbaues ab: Sie arbeiten selbstbestimmt, die Freiheit der Forschung und Lehre verschafft ihnen Spielräume. Jedoch gibt es auch den Druck, zu publizieren und Drittmittel zu beschaffen. In Fachhochschulen ist zudem das Lehrdeputat enorm hoch. Gerade bei Professorinnen und Professoren ohne didaktische Weiterbildungen bedeutet die Lehrsituation oft Stress und kann von Angst geprägt sein. Dies kann allerdings auch auf An- gehörige des Mittelbaues zutreffen. Gesundheit der Studierenden Erste Ergebnisse der GRiPS-Studie der Universität Pa- derborn und der TK (2011) zeigen, dass der gesund- heitliche Zustand der Studierenden zu wünschen üb- rig lässt. Die fast 2.000 teilnehmenden Studierenden offenbaren einen schlechteren subjektiven Gesund- heitszustand im Vergleich zu Gleichaltrigen, die nicht studieren. Dies gilt vor allem für die Einschätzung des psychischen Gesundheitszustands. Beim näheren » Über 50 Prozent der Studierenden fühlen sich beeinträchtigt durch unfreundliche Gebäude sowie Stress, Hektik und fehlende Rückzugsmöglichkeiten im Hochschulgebäude. « Quelle: Gesundheitssurvey NRW, 2007
    • | 9EINLEITUNG Betrachten zeigt sich, dass gerade Frauen und Nicht- Sportler ihr Studium und die damit verbundenen Si- tuationen, etwa das Ablegen von Prüfungen, Refera- te und die Organisation des Studiums als stressreich empfinden. Weitere TK-Studien belegen, dass Studie- rende zwar im Vergleich mit gleichaltrigen erwerbs- tätigen Beschäftigten insgesamt weniger Arzneimit- tel verschrieben bekommen. Präparate für die Nerven werden jedoch häufiger Studierenden verschrieben. Zu differenzieren ist auch nach dem Alter der Stu- dierenden. Ältere Studierende weisen ein anderes Gesundheits- und Krankheitserleben auf. Fachhoch- schulen stehen häufig vor anderen Herausforderun- gen als Universitäten, weil die Studierenden oftmals älter sind. Beim Gesundheitssurvey NRW wurde deutlich, dass sich Studierende in ihrem Wohlbefinden durch Zeit- stress und Hektik im Hochschulgebäude, fehlende Rückzugsmöglichkeiten und unfreundlich wirkende Gebäude beeinträchtigt fühlen. Zwei Drittel der Stu- dierenden gaben an, ganzjährig parallel zu arbeiten, was auf zusätzliche Belastungen und Zeitstress schlie- ßen lässt. Die meisten Studierenden haben dennoch Freude am Studium und erleben die Hochschule als anregendes Umfeld mit vielfältigen Lernpotentialen. » Psychopharmaka machen ein Fünftel der Medikamente aus, die Studierende regelmäßig einnehmen. « Quelle: TK-Gesundheitsreport, 2011 Quelle: Gesundheitssurvey für Studierende in NRW, 2007 Wird Ihr Wohlbefinden von folgenden Aspekten beeinflusst? Antwortkategorien „eher mehr“ und „stark“ Aspekte, die das Wohlbefinden an Hochschulen beeinflussen – nach Regionen
    • »Gesundheitsmanagement sollte auf der Leitungsebene angesiedelt sein« Prof. Dr. Thomas Hartmann Mitinitiator des Wettbewerbs guter Praxis: Gesunde Hochschulen und Experte für umweltbezogenen Gesundheitsschutz an der Hochschule Magdeburg-Stendal 10 | Vor drei Jahren lobte der Arbeitskreis Gesundheitsfördernde Hoch- schulen gemeinsam mit der Hochschule Magdeburg-Stendal und der Techniker Krankenkasse den Wettbewerb guter Praxis: Gesunde Hoch- schulen aus. Über Hintergründe, Ziele und Auswirkungen ein Interview mit Prof. Dr. Thomas Hartmann | Interview: Veronika Renkes Warum beschäftigen sich Hochschulen jetzt auch noch mit Gesundheitsförderung und -management? Die Hochschulen spiegeln heute im Wesentlichen gesamtgesellschaft- liche Entwicklungen wider und somit auch das steigende Interesse an gesundheitsfördernden Maßnahmen. Dies trifft auf die Studierenden ebenso zu wie auf die Lehrenden und Beschäftigten der Hochschulen. Wo sollte das Gesundheitsmanagement angesiedelt sein? Es sollte auf der Leitungsebene angesiedelt sein, also beim Kanzler oder Rektorat bzw. der Personalverwaltung. Es ist wichtig, dass die Umsetzung von gesundheitsbezogenen Aktivitäten von allen Be- reichen einer Hochschule mitgetragen wird. Wir beobachten in den letzten Jahren, dass an den Hochschulen zunehmend hauptamtliche Personen für das betriebliche Gesundheitsmanagement eingestellt werden. Wie kann an den Hochschulen ein gesundheitsförderndes Konzept nachhaltig verankert werden? Um ein Gesundheitsmanagement einzuführen, ist nicht nur Fachkom- petenz vonnöten, es sollten auch Prozesse innerhalb der Organisati- on Hochschule angeregt werden können. Dies erfordert zusätzliches und entsprechend qualifiziertes Personal. Es reicht also nicht aus, diese Aufgaben an bereits Beschäftigte der Hochschule zu delegieren. Die Unterstützung der Führung einer Hochschule ist der Schlüssel für den Erfolg des betrieblichen Gesundheitsmanagements. Zudem ist eine Koordinierungsstelle notwendig, die alle Aktivitäten bündelt. Davon ausgehend sollte ein Arbeitskreis Gesundheitsförderung initiiert wer- den, der die Interessen, Probleme und Arbeitsbedingungen der Be- schäftigten, Lehrenden und möglichst auch Studierenden analysiert und passende Lösungen entwickelt. WETTBEWERB GUTER PRAXIS: GESUNDE HOCHSCHULEN Für wen sollten welche Angebote entwickelt werden? Das betriebliche Gesundheitsmanagement ist traditionell stark auf die Beschäftigten der Hochschule ausgerichtet. Studierende in das be- triebliche Gesundheitsmanagement mit einzubeziehen ist aus recht- lichen Gründen schwieriger, denn sie gelten nicht als geschützte Be- schäftigte der Hochschule. Hier kommen zum Beispiel Initiativen zum Tragen, wie sie der Allgemeine Deutsche Hochschulsportverband bie- tet, der die Studierenden mit seinen Angeboten an den Hochschu- len traditionell anspricht und in den letzten Jahren die Angebote zur Prävention und Gesundheitsförderung auch für die Beschäftigten ausbaut. Warum haben Sie 2010 den „Wettbewerb guter Praxis: Gesunde Hochschulen“ initiiert? Wir sahen in dem Wettbewerb eine gute Möglichkeit, Öffentlichkeit über die bisher stattgefundenen Aktivitäten zur gesunden Hochschu- le herzustellen und zu dokumentieren. Mit dem Wettbewerb wurden die Akteure und ihre Maßnahmen in der Öffentlichkeit, aber auch an ihrer eigenen Hochschule bewusster wahrgenommen. So motivieren wir auch andere Hochschulen, ähnliche Modelle auszuprobieren. Am Wettbewerb nahmen 19 Hochschulen teil. Zeigt dies, wie wenig Platz das Thema in den Köpfen der Hochschulmanager einnimmt? Das Thema Wettbewerb ist an den Hochschulen zurzeit ein rotes Tuch. Denn Wettbewerb wird meistens mit Konkurrenz der Hochschulen untereinander um Finanzmittel verbunden bei allerdings sehr unter- schiedlichen Ausgangsbedingungen. Die Gruppe der Studierenden hatte deshalb starke Bedenken, in der Jury mitzuwirken. Aber unser Wettbewerb war eher ideeller Art. Wir wollten durch ihn eine Öffent- lichkeit innerhalb und außerhalb der Hochschule herstellen, um über
    • | 11 Möglichkeiten des Gesundheitsmanagements und gesundheitsför- dernde Maßnahmen zu informieren. Neben der Hürde des Bewer- bungsaufwandes sollte auch nicht unterschätzt werden, dass das The- ma Gesundheit mit vielen anderen, oft leichter zugänglichen Themen an der Hochschule konkurriert. Was hat Sie bei den eingereichten Beiträgen besonders überrascht? Überraschend war, wie unterschiedlich die Aktivitäten der Hochschu- len sind. Um sie angemessen zu bewerten, hat die Jury die Beiträge in die Kategorien „Maßnahmen“, „Projekte“ und „Organisationsentwick- lungsprozesse“ untergliedert. Die Organisationsentwicklung wurde als Königsdisziplin eingestuft, da sie ohne eine personelle Ausstattung und positive Positionierung durch die Hochschulleitung nicht möglich ist. Eine Wertigkeit zwischen den Kategorien wurde jedoch vermieden und in jeder Kategorie ein erster Preis vergeben. Für alle drei ersten Preise gab es die gleiche finanzielle Anerkennung, um auch deutlich zu machen, dass alle Aktivitäten eine hohe Wertschätzung erhalten. Welche Schlussfolgerung ziehen Sie aus dem Wettbewerb? Wo besteht aus Ihrer Sicht der größte Handlungsbedarf? Vieles läuft an den Hochschulen über das persönliche Engagement Einzelner. Es sollten daher möglichst schnell Koordinationsstellen geschaffen werden, um dieses Engagement in der Hochschule per- sonell zu verankern. Eine gesetzliche Grundlage wie ein Bundesprä- ventionsgesetz könnte diese Entwicklung auch an den Hochschulen unterstützen. Wo erhalten Hochschulen, die ein betriebliches Gesundheitsmanagement aufbauen wollen, Unterstützung? Ein erster wichtiger Ansprechpartner ist hier der bundesweite Arbeits- kreis Gesundheitsfördernde Hochschulen, der als bundesweites Netz- werk agiert. Desweiteren gibt es regionale Netzwerke wie das Netz- werk Gesundheit, das beim Karlsruher Institut für Technologie (KIT) angesiedelt ist. Der Vorteil hier: Die Landesregierung Baden-Württem- berg investiert für ihre Beschäftigten, auch die der Hochschulen, in das Gesundheitsmanagement. Zudem wird in Kürze die Präventionsstrate- gie der Bundesregierung umgesetzt werden, die höhere Finanzmittel durch die Krankenkassen für diesen Bereich vorsieht. Es ist aber bereits jetzt möglich, wie es die Techniker Krankenkasse seit über 10 Jahren zeigt, dass die Hochschulen sich bei den Sozialversicherungsträgern wie z. B. auch bei den Unfallkassen Unterstützung holen können. Das Interview führte Veronika Renkes, Wissenschaftsjournalistin in Berlin. Auf einen Blick Wettbewerb guter Praxis: Gesunde Hochschulen Der Wettbewerb guter Praxis: Gesunde Hochschulen wurde im Herbst 2010 vom Arbeitskreis Gesundheitsfördernde Hoch- schulen gemeinsam mit der Hochschule Magdeburg-Stendal und der Techniker Krankenkasse ausgeschrieben. Damit woll- ten die Initiatoren die Auseinandersetzung mit ganzheitlichen Maßnahmen und Organisationsentwicklungsprozessen auf dem Weg zu einer gesunden Hochschule fördern. Neun Wettbewerbsbeiträge wurden am 29. Juni 2011 in Mag- deburg in den drei Kategorien Maßnahmen, Projekte und Or- ganisationsentwicklungsprozesse ausgezeichnet (siehe auch Beiträge auf den Seiten 12-23). Insgesamt bewarben sich 16 Hochschulen aus sieben Bundesländern mit 19 Beiträgen und Postern. Die Preisträger Kategorie Organisationsentwicklungsprozesse 1. Preis: Alice Salomon Hochschule Berlin, „alice gesund – Gesundheitsfördernde Hochschule“ 2. Preis: Georg-August-Universität Göttingen, „Betriebliches Gesundheitsmanagement: Gesundheit als Teil der universitären Organisationskultur“ 3. Preis: Universität Paderborn, „Betriebliches Gesundheitsmanagement“ Kategorie Projekte 1. Preis: Universität Paderborn, „Gesund und erfolgreich in Paderborn studieren (GriPs)“ 2. Preis: Bergische Universität Wuppertal, „Das Potential der Pause – Ressourcenaufbau durch gesundheitsorientierte individuelle Pausengestaltung“ 3. Preis: Universität Paderborn, „Azubi-Fit – Gesundheitsbildung für Auszubildende an der Universität Paderborn“ Kategorie Maßnahmen 1. Preis: Verbundprojekt der Universitäten Paderborn, Potsdam, Wuppertal und der RWTH Aachen, „PausenExpress“ 2. Preis: Pädagogische Hochschule Schwäbisch-Gmünd, „Lässig statt stressig durchs Studium: Ein Antistressmanual von Studierenden für Studierende“ 3. Preis: Universität Paderborn, „Gesundheitspass für Mitarbeitende“ Publikumspreis für das beste Poster Technische Universität Braunschweig und Hochschule Coburg Mehr Infos unter: www.wettbewerb-guter-praxis.gesund- heitsfoerdernde-hochschulen.de WETTBEWERB GUTER PRAXIS: GESUNDE HOCHSCHULEN
    • Gesundheit konsequent in der gesamten Hochschule verankern Die Universität Paderborn wurde mit ihrem Gesamtkonzept „Gesunde Hochschule“ beim Wettbewerb guter Praxis: Gesunde Hochschulen gleich vier Mal ausgezeichnet. | Von Sandra Bischof Der Arbeitsschutz ist im Personalwesen, der Aktionstag Gesundheit von Frauen bei der Gleichstellungsbeauftragten, die Themen- woche „Stressfalle Studium“ beim Asta, die Rückenkurse sind im Hochschulsport veran- kert… so viele Ideen, so viele Projekte, so vie- le Personen. Wie soll man da den Überblick behalten? Bei uns an der Universität Pader- born ist das Thema Gesundheit nicht mehr wegzudenken. In fast allen Bereichen und Ebenen haben wir Maßnahmen und Projekte entwickelt, die die Basis für unser ganzheitli- ches Konzept „Gesunde Hochschule“ bilden. Wir sind keine Denkmaschinen, sondern Men- schen mit Hirn UND Herz! – Mit dieser Parole gab ein Projekt von Studierenden 1996 den Ausschlag für erste gesundheitsförderliche Ak- tivitäten an unserer Hochschule. Unzufrieden mit den Bedingungen ihres Studiums, erstell- ten die Studierenden einen Maßnahmenkata- log und legten diesen der Hochschulleitung vor. Eines war sofort klar: Es musste etwas pas- sieren! So wurde Gesundheit bei uns zur Chef- sache. In einem ersten Schritt schlossen sich Hochschulangehörige aus unterschiedlichsten Bereichen zu einem Arbeitskreis „Gesunde Hochschule“ zusammen. Ein erster strukturel- ler Schritt war getan. Doch wie sollten wir jetzt aktiv werden? Wir brauchten Ziele: Maßnah- men der Gesundheitsförderung sollten sich an alle Mitarbeitenden, Auszubildenden und Studierenden richten und ein betriebliches Gesundheitsmanagement sollte aufgebaut werden. Gesundheit sollte Teil unserer Leitkul- tur werden. Integration und Partizipation als Basis Unter dem Titel „Gesunde Hochschule“ lassen sich seitdem zahlreiche Maßnahmen und Pro- jekte zusammenfassen. Die wichtigsten Leit- prinzipien unseres Gesundheitsmanagements sind Integration und Partizipation. Zum einen integrieren wir die betrieblichen Aktivitäten zum Schutz unserer Mitarbeitenden bei der Arbeit und zur Förderung ihrer Ressourcen, damit sie Anforderungen ihres Arbeitsalltages besser bewältigen können. Zum anderen kann es nur erfolgreich sein, wenn alle Beschäf- tigtengruppen aktiv beteiligt werden. Eine Schlüsselrolle nimmt in diesem Kontext die Arbeitsstelle für Betriebliches Gesundheits- management an unserer Universität ein: Sie ist sehr gut vernetzt und sucht die Zusammenar- beit mit Partnern innerhalb und außerhalb der Hochschule. Wir können durch diese starke Vernetzung auf viele eigene Ressourcen zurückgreifen, doch machte die finanzielle Unterstützung und systematische Beratung durch die Techniker Krankenkasse viele zielgruppenspezifische, aber auch gruppenübergreifende Projekte erst möglich. Doch jetzt genug von den Rahmen- bedingungen. Wofür wurden wir eigentlich ausgezeichnet? Gesundheitsbewusstes Verhalten wird belohnt Unser Gesundheitspass ist inzwischen ein fest etabliertes Instrument der Gesunden Hoch- schule. Nehmen Mitarbeitende an gesund- heitsförderlichen Angeboten teil, werden sie am Ende des Jahres mit Prämien für gesund- heitsbewusstes Verhalten belohnt. Wichtig: 12 | WETTBEWERB GUTER PRAXIS: GESUNDE HOCHSCHULEN
    • | 13WETTBEWERB GUTER PRAXIS: GESUNDE HOCHSCHULEN Auf einen Blick Universität Paderborn Gesunde Hochschule Kontakt Dipl.-Sportwiss. Sandra Bischof Koordinatorin für Betriebliches Gesundheitsmanagement Warburger Straße 100 | 33098 Paderborn bischof@zv.upb.de www.upb.de/gesundheit Anzahl der Hochschulmitglieder Studierende: 18.500 Mitarbeitende: 2.010 Unsere Quintessenz Schaffe eine Stelle für die Koordination und nimm Gesundheit ins Leitbild auf, das stärkt die Außendarstellung enorm! Setze auf kontinuierliche Partnerschaft mit anderen Akteuren wie der Techniker Krankenkasse! Nutze die Möglichkeiten, die durch eine Förderung entstehen können! Nimm aktuelle Ereignisse und Themen als Anregung für gesundheitsförderliche Aktivitäten! Sei offen für Vorschläge aus allen Bereichen und Teilen deiner Hochschule! Die Maßnahmen finden fast alle am Arbeits- platz und während der Arbeitszeit statt. Un- sere Auszubildenden sind nicht nur fit, wenn es um Fragen zu ihrer Ausbildung geht. Azubi Fit – Gesundheitsbildung für Auszubildende der Universität Paderborn macht sie auch zu Expertinnen und Experten bei Themen wie Bewegung, Ernährung, Entspannung, Stress, Sucht und Kommunikation. Ausbilderinnen und Ausbilder wirken hierbei als Multiplikato- rinnen und Multiplikatoren. Gesundheitsrisiko Studium? – Dieser Frage geht unsere Studierendenbefragung „Ge- sund und erfolgreich in Paderborn studie- ren“ (GriPs) nach. Regelmäßig werden Studie- rende zu ihren Lebensgewohnheiten, ihrem Gesundheitsverhalten und ihren potentiellen Gesundheitsrisiken befragt. Diese Daten lie- fern uns die Grundlage für gemeinsame Pla- nungen und Umsetzungen von Maßnahmen mit den Zielgruppen. Aus GriPs ist inzwischen das Projekt beneFIT entstanden, in dessen Rahmen bestehende Angebote gebündelt und neue Angebote für Studierende entwi- ckelt werden. Auch der „PausenExpress“ als Gemeinschaftsprojekt mit den Universitäten Aachen, Potsdam und Wuppertal (siehe auch Beitrag S. 19) ist fester Bestandteil unseres Gesundheitsmanagements. Wer aktiv ist, muss dies auch allen zeigen! Mit zahlreichen Aktionstagen zu Themen wie Suchtprävention, Frauengesundheit oder Er- nährung bleiben wir im Gespräch über Ge- sundheit, erreichen neue Gruppen und stei- gern unseren Bekanntheitsgrad. Ohne gute Leitung keine gute Arbeit! Besonders unsere Aktivitäten im Rahmen von „Gesund führen“ (Schulungen, Workshops zu Stressmanage- ment, Motivation und persönlichem Chan- cenmanagement) geben Führungskräften Orientierung für ein Verhalten, das Sicherheit, Gesundheit und Wohlbefinden fördert. Haben wir unsere Ziele erreicht? Die Zahl der Teilnehmenden am Gesundheitspass steigt jährlich. GriPs hat zu einer höheren Zufrieden- heit der Studierenden und einer geringeren Abbruchquote geführt. Insgesamt zeigen alle unsere evaluierten Maßnahmen gesteigertes Wohlbefinden und höhere Zufriedenheit mit den universitären Bedingungen. Wichtige Vo- raussetzung dafür: Erfolgreiches Gesundheits- management braucht strukturelle Verände- rungen. Nur dadurch, dass wir eine Stelle für die Koordination geschaffen, Gesundheit in unser Leitbild eingeführt und die Angebote in den Alltag integriert haben, verändern wir auch die Verhältnisse der Hochschule in eine gesundheitsförderliche Richtung. Die Sportwissenschaftlerin Sandra Bischof ist zuständige Koordinatorin für Betriebliches Gesundheitsmanagement an der Universität Paderborn.
    • Gesundheit als Bestandteil des Leitbildes Externe Expertise einholen und die eigenen Hochschulmitglieder einbinden – mit dieser Vorgehensweise ist es der Alice Salomon Hochschule in Berlin gelungen, sich zu einer gesundheitsförderlichen Einrichtung zu entwickeln. | Von Berthe Khayat Natürlich sollen Mitarbeitende und Studieren- de in gesundheitsförderlichen Verhältnissen an der Hochschule arbeiten und lernen. Doch wie kann eine Hochschule eine gesundheits- fördernde Hochschule werden? Mit Aktivitä- ten, die von Hochschulangehörigen entwi- ckelt werden und diese auch erreichen? Und bitteschön evaluiert und qualitätsgesichert. Wie soll das denn nebenbei gelingen? Um es vorwegzunehmen: Nebenbei gelingt das nicht. Bei uns heißt die Schlüsselperson für qualitätsgesichertes und erfolgreiches Gesundheitsmanagement Prof. Dr. Theda Borde. Durch ihren persönlichen Einsatz ent- wickelte sich die Alice Salomon Hochschule Berlin (ASH) zu einer gesunden Arbeits- und Lebenswelt. Prof. Borde war eine der ersten, denen bewusst wurde, dass der Aufbau neu- er Studiengänge sowie die hohen Ansprü- che an Qualität und Leistung eine Ursache für gesundheitliche Belastungen der Hoch- schulangehörigen sind. Eine Befragung zu ge- sundheitlichen Belastungen und Ressourcen bestätigte den Eindruck. Was können wir dagegen tun? – Diese Frage stellten sich Prof. Borde und weitere engagier- te Akteurinnen und Akteure aller Statusgrup- pen unserer Hochschule und holten finanzi- elle Unterstützung und externe Expertise für betriebliches Gesundheitsmanagement ins Haus. „alice gesund“ und eine Steuergruppe waren entstanden! Die Arbeits- und Studien- bedingungen wurden systematisch unter die Lupe genommen, um Belastungen, aber auch Ressourcen der jeweiligen Gruppen zu erken- nen und passgenaue gesundheitsfördernde Maßnahmen zu etablieren. Wir setzten zunächst auf eine Vielzahl von „quick wins“. Alle sollten sehen: Wir bewe- gen etwas! Wir gestalteten zum Beispiel das Essensangebot um und richteten neue ansprechende Pausenräume, einen Bewe- gungsraum, neue Pausenregelungen sowie Weiterbildungsangebote für Mitarbeitende ein. Wesentliche strukturelle Schritte waren die Einführung der Dienstvereinbarungen zum Beispiel zum Betrieblichen Gesundheits- management. Bei allen Aktivitäten waren Hochschulangehörige von der Planung bis zur Umsetzung und Bewertung der Maßnahme aktiv mit dabei. Und wer viel arbeitet, sollte das auch feiern! Wir feiern unsere Erfolge rund um „alice ge- sund“ jedes Jahr mit einem Sportfest, zu dem die gesamte Hochschule, Nachbarn, Freundin- nen und Freunde sowie Interessierte eingela- den werden. So öffnen wir unsere Hochschule nach außen und präsentieren uns und unsere Erfolge. Mit dem Fokus auf die Qualifizierung für Gesundheitsförderung und betriebliches Gesundheitsmanagement wirkt die ASH über die Hochschule hinaus in die Arbeitsfelder So- ziale Arbeit, Gesundheit und Bildung. Die verschiedenen Statusgruppen einbeziehen Um die Qualität unserer Aktivitäten zu sichern, haben wir das Gesundheitsmanagement im Referat „Evaluation und Qualitätsmanage- ment“ angesiedelt. Die Qualitätssicherung der Lehre und des Gesundheitsmanagements sind so in einem wichtigen Querschnittbereich an- gesiedelt, der alle Statusgruppen im Blick hat. Ein wesentlicher Schritt für die strukturelle Einarbeitung des Gesundheitsmanagements war die Verankerung der Gesundheitsförde- rung in das Leitbild der ASH. >>> 14 | WETTBEWERB GUTER PRAXIS: GESUNDE HOCHSCHULEN Auf einen Blick Alice Salomon Hochschule Berlin alice gesund Kontakt Dipl. Soz. Berthe Khayat Referat Evaluation und Qualitätsmanagement Alice-Salomon-Platz 5 | 12627 Berlin khayat@ash-berlin.eu, alicegesund@ash-berlin.eu www.ash-berlin.eu/profil/alice-gesund/ Projektpartner Techniker Krankenkasse, ZAGG Zentrum für angewandte Gesundheitsförderung und Gesundheitswissenschaften GmbH Anzahl der Hochschulmitglieder Studierende: 3.036 Mitarbeitende: 115 Verwaltungsmitarbeitende und wissenschaftliche Angestellte, 61 Hochschullehrende, zuzüglich 186 Lehrbeauftragte und 130 studentische Beschäftigte (WS 2012/2013)
    • Qualitätsmaßstäbe für eine gesunde Hochschule Im Jahr 2005 verabschiedete der bundesweite Arbeitskreis Gesundheitsfördernde Hoch- schulen (AGH) zehn Gütekriterien, um die Basis für gemeinsame Standards zu schaffen. Auf dieser Grundlage entwickelt der AGH zurzeit ein Gütesiegel, mit dem er die Quali- tätsentwicklung im Bereich der Gesundheitsförderung an den Hochschulen stärken will. | Von Prof. Dr. Thomas Hartmann Prof. Dr. Thomas Hartmann lehrte umweltbezogenen Gesundheitsschutz an der Hochschule Magdeburg-Stendal, Standort Magdeburg. Er hat gemeinsam mit Studierenden des Studienbereichs Gesundheitswissenschaften und mit Unter- stützung der Techniker Krankenkasse die Internetpräsenz des Arbeitskreises Gesundheitsfördernde Hochschulen aufgebaut. Was ist eine gesundheitsfördernde beziehungswei- se gesunde Hochschule? Diese Frage hat der bun- desweite Arbeitskreis Gesundheitsfördernde Hoch- schulen (AGH) im Jahr 2005 mit zehn Gütekriterien beantwortet. Die Verabschiedung erfolgte zum zehn- jährigen Bestehen des Arbeitskreises und nach einem über zweijährigen Diskussionsprozess. Die „Zehn Ge- bote“ (siehe auch duz Magazin 10/2009) sind jeweils mit Erläuterungen unterlegt und ein wichtiger Mei- lenstein für die Arbeit in einem Netzwerk nach dem Setting-Ansatz. Die Ottawa-Charta von 1986 hat den Setting-Ansatz als Handlungsebene und Kernstrategie der Gesund- heitsförderung identifiziert. In Deutschland gibt es weitere auf die Lebenswelt bezogene Netzwerke, wie das Gesunde-Städte-Netzwerk oder die Gesund- heitsfördernden Krankenhäuser. Für eine Mitarbeit in diesen settingorientierten Netzwerken ist die Umset- zung der jeweiligen Leitlinien Voraussetzung, um in das Netzwerk aufgenommen zu werden. Im AGH, der weniger formalisiert ist, gibt es keine Aufnahmekrite- rien, um sich aktiv daran zu beteiligen. Die Gütekri- terien dienen lediglich der Orientierung und stellen bisher Handlungsempfehlungen dar. Auftrieb für das betriebliche Gesundheitsmanagement an Hochschulen Die Entwicklung der zehn Gütekriterien war not- wendig geworden, um der Vielfalt der Hochschu- len und Aufgaben der Arbeitskreismitglieder eine gemeinsame Basis zu geben. Die Gütekriterien soll- ten sowohl die bereits gesetzlich vorgegebenen gesundheitsbezogenen Rahmenbedingungen ab- decken, als auch die Schnittstellen einer gesund- heitsfördernden Hochschule thematisieren, wie z. B. Umweltschutz, Familienfreundlichkeit, Ernährung oder die Einbindung in regionale gesundheitsbezo- gene Netzwerke. Interessanterweise werden durch die Gütekriterien bereits Aspekte wie „Diversität“ an Hochschulen vorweggenommen, die seit der Einfüh- rung von Bachelor- und Master-Abschlüssen die ak- tuelle hochschulbezogene Diskussion und Forschung bestimmen. In den letzten Jahren sind die Hochschulen mit sehr unterschiedlichen Motiven verstärkt darum bemüht, sich ein eigenes Profil mit weichen, nicht vom Gesetz- geber bereits vorgeschriebenen Standards zu geben. Das Profil einer gesundheitsfördernden Hochschule ist vor allem für diejenigen Einrichtungen interes- sant, die eine überproportionale Anzahl sozial- bzw. gesundheitsbezogener Studiengänge und Studie- render aufweisen. Dies lässt sich am Beispiel der Ali- ce Salomon Hochschule (siehe auch Beitrag im duz Special-Hauptheft auf den Seiten 14–15) und der Hochschule Ostfalia in Niedersachsen besonders gut nachvollziehen. Dreh- und Angelpunkt dieser Entwicklung sind die Implementierung und personelle Ausstattung des betrieblichen Gesundheitsmanagements an Hoch- schulen. Diese auf die Führungsebene und die Orga- nisationsentwicklung einer Hochschule abzielende Strategie befindet sich zurzeit in einer rasanten Ent- wicklung. Obwohl es gesetzlich nicht vorgeschrieben ist, werden zumindest an personalstarken Universitä- ten entsprechende Profile beziehungsweise Stellen geschaffen und besetzt. Die Techniker Krankenkasse Ich bedanke mich bei Herrn Marco Noelle und den Kollegen Prof. Dr. Klaus Stegmüller sowie Frau Angela Reichelt von der Hochschule Fulda, die mir die Master-Thesis „Zertifizierung Gesundheitsfördernder Hochschulen – Operationalisierung der Gütekriterien und Handlungs- empfehlungen“ für diesen Artikel zur Verfügung gestellt haben. >>> I
    • unterstützt bundesweit seit über zehn Jahren die Implementierung des betrieblichen Gesundheits- managements an Hochschulen. Prozessberaterinnen und -berater bieten bei Eigenleistungen der Hoch- schule sowohl fachliche Expertise als auch finanziel- le Unterstützung an. Desweiteren verändert sich die Rolle des klassischen, risikoorientierten Arbeitsschut- zes. Die Fachkraft für Arbeitssicherheit wendet sich verstärkt der ressourcenorientierten Perspektive von Sicherheit und Gesundheit zu. Diese Entwicklungen haben dazu geführt, dass zur- zeit ein Gütesiegel für gesundheitsfördernde Hoch- schulen in der Diskussion ist. Ursprünglich sind die sehr umfassenden Gütekriterien nicht unter der Maßgabe einer Operationalisierung entstanden. Ein so abgeleitetes Gütesiegel soll das „Produkt“ Hoch- schule für die Gewährleistung gesundheitsfördernder Rahmenbedingungen nachprüfbar auszeichnen. Das Beispiel der familienfördernden Hochschulen hat ge- zeigt, dass ein Qualitätssiegel und das damit einher- gehende Zertifizierungsverfahren unter bestimmten Rahmenbedingungen bei den Hochschulen Akzep- tanz finden. Das Ziel besteht darin, mit der Verleihung des Gütesiegels für Gesundheit den Prozess der Quali- tätsentwicklung an Hochschulen zu befördern. Mehr Informationen: Arbeitskreis Gesundheitsfördernde Hochschulen www.gesundheitsfoerdernde-hochschulen.de Gütekriterien für eine gesundheitsfördernde Hochschule 1. Eine gesundheitsfördernde Hochschule arbeitet nach dem Setting-Ansatz. Die Hochschule wird als Lebens- und Arbeitswelt begriffen. Die Hochschule bezieht sich mit der Gesundheitsförderung auf die Dokumente der Weltge- sundheitsorganisation (WHO), das heißt die Ottawa-Charta (1986) und die Jakarta-Deklaration (1997) sind orientierende Grundsatzdokumente. Setting-Ansatz heißt: dass die Organisation als Ganzes betrachtet wird und die einzelnen Maßnahmen nicht isoliert erfolgen, sondern in ein Gesamtkonzept eingebettet sind, dass Gesundheitsförderung Teil der gelebten Organisationskultur ist, dass alle an der Hochschule vertretenen Gruppen einbezogen werden (MitarbeiterInnen in Technik und Verwaltung, wissenschaftliche Mitar- beiterInnen, Studierende) und dass die Arbeits- und Lernwelt gleichzeitig auch Lebenswelt ist. Das heißt zum Beispiel, dass Gesundheitsförderung auch die sozialen Bezü- ge in den Blick nimmt. Hauptinterventionsfelder im gesundheitsförderlichen Setting sind: das physische Umfeld (etwa Campusgestaltung, Gebäudeausstattung, Lärm, Klima), das Arbeits- und Lernumfeld (z. B. Arbeitszeit- und Studienzeitmodelle, Arbeits- und Lernabläufe, Teamentwicklung, Führung), das soziale Umfeld (etwa Kommunikationskultur), Die zehn Gütekriterien und ihre Erläuterungen. Aus Platzgründen wurden im Folgen- den die Erläuterungen 2, 5, 8, 9 und 10 leicht gekürzt. Die komplette Fassung können Sie nachlesen unter www.gesundheitsfoerdernde-hochschulen.de. der Dienstleistungssektor (z. B. Beratungsangebote, Verpflegung, kultu- relle und Sportangebote, Kinderbetreuung) und das Individuum (etwa Kompetenzentwicklung im Bereich der Gesund- heit oder Kommunikation). 2.Eine gesundheitsfördernde Hochschule orientiert sich am Konzept der Salutogenese und nimmt Bedingungen und Ressourcen für Gesundheit in den Blick. [...] Die Salutogenese [...] folgt konsequent der Frage nach den Entstehungs- und Erhaltungsbedingungen von Gesundheit. Der Ansatz steht damit der pa- thogenetischen [...] Perspektive, die sich in erster Linie an krankmachenden Faktoren bzw. Risikofaktoren orientiert und Kernelement der biomedizini- schen Sichtweise ist, gegenüber. Gesundheit und Krankheit werden in einer salutogenetischen Sichtweise nicht als einander ausschließende Zustände, sondern als Pole eines Gesundheits-Krankheits-Kontinuums betrachtet, wo- bei sich der individuelle Gesundheitszustand eines Menschen aus der dyna- mischen Wechselwirkung zwischen Gesundheitsrisiken und Gesundheitsres- sourcen der Person und ihrer Umwelt ergibt. Salutogenetisch zu arbeiten bedeutet, gesundheitsförderliche Bedingun- gen und Gesundheitspotentiale auf folgenden Ebenen zu erhalten bzw. zu erschließen: Personenebene: z. B. soziale Kompetenzen, Gesundheitskompetenz im Bereich Ernährung, Bewegung, Umgang mit Suchtmitteln; >>> II
    • Gruppenebene: wie Möglichkeiten zur Reflektion von Lernen und Arbeiten; Organisationsebene: Schaffung von gesundheitsförderlichen Strukturen und Rahmenbedingungen zur Förderung; Qualitätssicherung im Führungsverhalten (Schulung, Aufwärtsbeurtei- lung durch MitarbeiterInnen) und in der Lehre (Evaluation); einer konstruktiven Kommunikationskultur der gesundheitsförderlichen Gestaltung des physischen Umfelds. 3.Eine gesundheitsfördernde Hochschule integriert das Konzept der Gesundheitsförderung in ihre Hochschulpolitik (z. B. Leitbild, Führungsleitlinien, Zielvereinbarungen, Dienstvereinbarungen oder andere Vereinbarungen). Leitbild, Führungsleitlinien, Zielvereinbarungen oder Dienstvereinbarungen sind geeignete Orte, um Gesundheitsförderung festzuschreiben. Ein Leitbild ist die Beschreibung der gelebten oder angestrebten Werte einer Organisa- tion. Es dient der Identitätsbildung und gibt Orientierung für Kommunikati- on und Verhalten der Mitglieder. Führungsleitlinien beschreiben das Selbst- verständnis von Leitung und Mitarbeiterorientierung und die Umsetzung in Führungsverhalten. Zielvereinbarungen sind verbindliche Absprachen zwischen zwei Ebenen (z. B. zwischen Vorgesetzten und Mitarbeitenden, zwischen Organisationen oder Organisationseinheiten), welche Ergebnisse in einem definierten Zeit- raum erreicht und überprüft werden sollen und welche Ressourcen dafür zur Verfügung stehen. Betriebs- oder Dienstvereinbarungen sind Vereinbarungen zwischen der Lei- tung und der Personalvertretung, die eine rechtliche Norm für alle Arbeit- nehmer und Bediensteten der Organisation oder Teile davon begründen. Bestimmte Anliegen (z. B. die Ordnung des Betriebes/der Dienststelle betref- fend: generelles Rauchverbot) unterliegen nach dem Betriebsverfassungsge- setz oder den Personalvertretungsgesetzen der Mitbestimmung und sind in Betriebs- oder Dienstvereinbarungen zu regeln. 4.Eine gesundheitsfördernde Hochschule berücksichtigt Gesundheitsförderung als Querschnittsaufgabe bei allen hochschulinternen Prozessen und Entscheidungen sowie in Lehre und Forschung. Die gesundheitsfördernde Hochschule richtet sich an alle Mitglieder und Statusgruppen der Hochschule und bezieht dabei sämtliche Entscheidungs- strukturen und -ebenen ein. Darüber hinaus ist Gesundheitsförderung in Leh- re und Forschung zu implementieren. Aus der großen und heterogenen Ziel- gruppe einer gesundheitsfördernden Hochschule (Studierende, Lehrende, Beschäftigte) ergeben sich eine Vielzahl von gesundheitsfördernden Maß- nahmen und Aktivitäten wie zum Beispiel: klassische Bewegungs- und Ernährungsprogramme, gesundheitsförderliche Gestaltung von Lehrangeboten, Bereitstellung von Beratung sowie psychosozialer Dienste, ergonomische und sichere Arbeitsplatzgestaltung, gesundheitsförderliche Gestaltung von Lehrräumen, Gebäuden und Freizeitbereichen sowie gesundheitsfördernde Kommunikations- und Informationsstrukturen etc. III Die Umsetzung dieser Angebote und Maßnahmen erfordert die koordinierte Zusammenarbeit vieler verschiedener Professionen und Akteure (etwa Be- triebsärztInnen, Fachkräfte für Arbeitssicherheit, Sozial- und Suchtberatun- gen, VertreterInnen der Studierenden, Personalräte, Personaldezernate, Ver- treterInnen des Hochschulsports, Gesundheitsbeauftragte, Studienservice, Umweltbeauftragte und viele mehr) und kann nur dann nachhaltig wirksam sein, wenn Gesundheitsförderung als Querschnittsaufgabe verstanden und in alle hochschulinternen Prozesse und Strukturen implementiert wird. Bei allen Entscheidungen in der Hochschule wird der Gesundheitsaspekt berück- sichtigt wie zum Beispiel: Bei Baumaßnahmen wird darauf geachtet, dass die Lebensqualität ge- fördert wird, Begegnungsräume entstehen und die NutzerInnen an den Planungen beteiligt werden. Im Rahmen von Ressourcenverteilung und Arbeitsorganisation wird darauf geachtet, dass keine Überlastung oder Unterforderung Einzelner entsteht. 5.Eine gesundheitsfördernde Hochschule beauftragt eine hochschulweit zuständige Steuerungsgruppe mit der Entwicklung von gesundheitsförderlichen Strukturen und Prozessen, in der die relevanten Bereiche der Hochschule vertreten sind. Eine Steuerungsgruppe plant und steuert den auf Dauer angelegten Ge- samtprozess, Gesundheitsförderung in der Organisation in Verbindung mit dem Gesundheitsmanagement umzusetzen. Mit der Einrichtung einer Steu- erungsgruppe entscheidet sich die Organisation, sich längerfristig in der Gesundheitsförderung zu engagieren. Voraussetzungen sind eine neutrale Moderation zur Überwindung von disziplinären Sprachbarrieren und eine offene Kommunikation über die gegenseitigen Interessen. Als sinnvolle Zusammensetzung wird empfohlen: VertreterInnen aller Status- gruppen, Hochschulleitung, Personalräte bzw. Betriebsräte, Fachkraft für Ar- beitssicherheit (Arbeits- und Umweltschutz), VertreterIn der Gleichstellungs- stelle, betriebsärztlicher Dienst, Fachkompetenz aus den wissenschaftlichen Einrichtungen oder Fachbereichen, Suchtbeauftragte, Studentenwerk, Hoch- schulsport, VertreterInnen der Personalentwicklung und/oder Organisations- entwicklung, Schwerbehindertenbeauftragte, Beratungseinrichtungen. Die Steuerungsgruppe kann auch Arbeitskreis oder Steuerkreis oder ähnlich hei- ßen. Sie bereitet Entscheidungen für die Hochschulleitung vor [...]. 6.Eine gesundheitsfördernde Hochschule betreibt ein transparentes Informationsmanagement und formuliert Ziele und Maßnahmen auf der Grundlage einer regelmäßigen Gesundheitsberichterstattung in Form von verständlichen, transparenten und zugänglichen Informationen und Daten. Die gesundheitsför- dernden Maßnahmen werden während und nach der Umsetzung im Sinne einer Qualitätssicherung evaluiert. Eine regelmäßige Gesundheitsberichterstattung ist ein Instrument zur Pla- nung, Steuerung und Qualitätssicherung von Maßnahmen und Initiativen zur Prävention und Gesundheitsförderung. Sie dient durch die Identifika- tion von Handlungsbedarfen und einer kontinuierlichen Verlaufskontrolle der gesundheitspolitischen Entscheidungshilfe und Handlungsorientie- rung. Sie liefert Informationen zu gesundheitlichen Belastungen und Res- sourcen und deren Umfang, Art und Verteilung sowie zu Hintergründen, >>>
    • Verläufen und Ergebnissen von Projekten und Maßnahmen zur Prävention und Gesundheitsförderung. Um zu erfahren, inwieweit eine Maßnahme wirksam war und wie groß der Er- folgsfaktor gemessen an den gesetzten Zielen ist, muss sie evaluiert werden. Eine Evaluation (Erfolgskontrolle) sollte während des Prozesses (Prozesseva- luation) und nach Abschluss der Maßnahme (Ergebnisevaluation) erfolgen. Gegenstand von Gesundheitsberichterstattung können neben Arbeitsun- fähigkeits- und Unfalldaten auch gesundheitsrelevante persönliche Daten sowie Aktivitäten aus den Interventionsfeldern sein (siehe ad 1). Geeignete Instrumente können Fragebogenerhebungen, qualitative Interviews, Ge- sundheitszirkel, Focusgruppen und Berichte sein. 7. Eine gesundheitsfördernde Hochschule führt gesundheitsfördernde Maßnahmen durch, die sich sowohl an einer Verhaltens- als auch Verhältnisdimension orientieren und partizipativ ausgerichtet sind. Verhaltensorientierte Maßnahmen sind personenbezogen (etwa Entspan- nungsübungen, Yoga, Sport, Rückentraining). Durch sie kann die allgemeine Leistungs- und Widerstandsfähigkeit gestärkt werden. Verhältnisbezogene Maßnahmen dagegen sind strukturorientiert. Durch sie werden Verhältnisse gesundheitsförderlich gestaltet (z. B. Umsetzung von gesundheitsförderli- chen Führungsleitlinien, Optimierung der Arbeitsbedingungen durch höhere Tätigkeitsspielräume). Verhaltensprävention und Verhältnisprävention sind nicht unabhängig voneinander zu sehen, sondern bedingen einander und müssen sich gegenseitig ergänzen und gelegentlich kompensieren. Das Prinzip der Partizipation, das heißt alle Beteiligten und Betroffenen wer- den in die Planung und Umsetzung der Maßnahmen frühzeitig miteinbezo- gen, ist wesentlicher Bestandteil des Gesundheitsförderungskonzepts und ein Kriterium für den Erfolg von Gesundheitsförderung. Dies geschieht z. B. über die Einbeziehung von Personalräten und Studie- rendenvertretungen oder von einzelnen Beschäftigten und Studierenden in themenbezogene Arbeits- und Projektgruppen. Außerdem können Studie- rende oder Beschäftigte z. B. in Form von Gesundheitszirkeln direkt auf die Entwicklung von gesundheitsförderlichen Maßnahmen für ihren Bereich Ein- fluss nehmen. 8.Eine gesundheitsfördernde Hochschule verpflichtet sich dem Prinzip der Nachhaltigkeit. Dies bedeutet, dass bei der Gesundheitsförderung gleichermaßen soziale, ökologische, ökonomische und kulturelle Aspekte einschließlich der globalen Perspektive zu berücksichtigen sind. Auf der Konferenz für Umwelt und Entwicklung 1992 in Rio de Janeiro wurde die Idee einer nachhaltigen Entwicklung zum Leitbild für die zukünftige glo- bale Entwicklung erklärt [...]. Viele Hochschulen haben das Leitbild der Nach- haltigkeit bereits in ihre Arbeit einbezogen. Gesundheitsförderung in einer Hochschule kann nur wirksam werden, wenn sie die komplexe Situation in der „Lebenswelt“ Hochschule und – über die eigene Institution hinausgehend – auch regionale, nationale und globale Herausforderungen berücksichtigt. Ein Konzept der Gesundheitsförderung sollte sich daher am Konzept der Nachhaltigkeit orientieren und gleichermaßen soziale, ökologische, ökono- mische und kulturelle Aspekte in den Blick nehmen – so sind das Klima zwi- schen den KollegInnen, Schadstoffbelastungen, Fragen der angemessenen Entlohnung oder interkulturelle Differenzen nur einige der Themen- und Gestaltungsfelder, die eine Bedeutung für die Gesundheitsförderung haben können. IV >>> Eine nachhaltige Gesundheitsförderung kann einen wesentlichen Beitrag dazu leisten, dass die Hochschule ein Ort wird, der die Gesundheit fördert sowie Wohlbefinden und Lebensqualität steigert. Ein Beispiel für Nachhaltigkeit wäre, begleitend zu Energiesparprogrammen der Hochschule den Energieverbrauch regelmäßig als Projektion von Ver- brauchszahlen zu visualisieren. 9.Eine gesundheitsfördernde Hochschule integriert Gender Mainstreaming, Cultural Mainstreaming sowie die Gleichbehandlung von Menschen mit chronischen Erkrankungen und Menschen mit Behinderungen als wesentliche Teile in das gesundheitsfördernde Konzept. Nach der Ottawa-Charta von 1986 richtet sich Gesundheitsförderung an alle Menschen in allen Lebenslagen, also zum Beispiel auch an Menschen mit chronischen Erkrankungen oder an Menschen mit Behinderungen. [...] Die WHO fordert, dass die Gesundheitspolitik eine geschlechterspezifische und kulturspezifische Perspektive einnehmen muss, bei der die existierenden biologischen und kulturellen Differenzen und damit die unterschiedlichen Gesundheitsbedürfnisse von Personen und Gruppen berücksichtigt werden. Gesundheitsförderung verbindet sich hier eng mit dem Diversity Manage- ment, das in der Personalpolitik von Organisationen zunehmend an Bedeu- tung gewinnt. Dies kann etwa bedeuten, dass Gesundheits- oder Personalentwicklungspro- gramme auf die einzelnen Zielgruppen abgestimmt sind beziehungsweise durch sie Gender- und kulturelle Kompetenzen bei den Zielgruppen entwi- ckelt werden. 10. Eine gesundheitsfördernde Hochschule vernetzt sich sowohl mit anderen Hochschulen als auch mit der Kommune/Region. Hochschulen sind in vielfältiger Weise auf regionaler und überregionaler Ebe- ne vernetzt. Jedoch existieren über den Hochschulbereich hinaus im Rahmen des Setting-Ansatzes weder auf regionaler noch überregionaler Ebene nach- haltige Vernetzungsstrukturen. Potentielle Netzwerk-Partner für gesund- heitsfördernde Hochschulen im Rahmen des Setting-Ansatzes sind beispiels- weise das Regions for Health Network oder das Gesunde-Städte-Netzwerk. Universitätskliniken böte sich die Mitgliedschaft im Deutschen Netz Gesund- heitsfördernder Krankenhäuser an. Das Gesunde-Städte-Netzwerk in Deutschland versteht sich als Teil der „Ge- sunde-Städte“-Bewegung der WHO. Das Netzwerk ist ein freiwilliger Zusam- menschluss der beteiligten Kommunen. Es verstärkt seit 2004 als Mitglied das „Deutsche Forum Prävention und Gesundheitsförderung“. In diesem haben sich verschiedene bundesweite Organisationen, Institutionen und Kompe- tenzen zusammengefunden und einem gemeinsamen Ziel verpflichtet: der Stärkung von Prävention und Gesundheitsförderung in Deutschland. [...] Für die Akteure an gesundheitsförderlichen Hochschulen eröffnet das Netzwerk den Zugang zu einem großen Potential an Kooperationspartnern. Diese er- möglichen die Anbindung der Hochschule an die Region, die Öffentlichkeits- wirksamkeit von Maßnahmen und bringen nicht zuletzt eine reiche Erfahrung mit in die Projektumsetzung in den Hochschulen ein. So ist die Einbindung regionaler Netzwerke als Qualitätsmerkmal von Gesundheitsförderung an Hochschulen zu bewerten. Vernetzung auf regionaler Ebene bedeutet, sich in bestehenden Netzwerken zu engagieren oder diese zu initiieren. So kann man Veranstaltungen wie den Gesundheitstag für die Region öffnen.
    • Weitere wichtige Meilensteine für die Akzep- tanz von „alice gesund“ sind die Auszeichnung als Good-Practice-Beispiel im Kompendium des Bundesgesundheitsministeriums zur Be- trieblichen Gesundheitsförderung sowie der Preis für den besten Organisationsentwick- lungsprozess im bundesweiten Wettbewerb guter Praxis: Gesunde Hochschulen. Doch nicht alles lief und läuft reibungslos. Wir haben gelernt, dass Studierende immer wie- der neu mobilisiert werden müssen. Auch die mittlere Leitungsebene wollen wir noch als neue Zielgruppe gewinnen, da sie eine wich- tige Vermittlungsposition hat. Fragen, ernst nehmen, einbeziehen und zusammen aktiv werden sind hier unsere nächsten Schritte. Nebenbei geht es einfach nicht. Die Umset- zung von Maßnahmen vor allem in den Berei- chen Personal- und Organisationsentwicklung braucht ihre Zeit. Doch sobald Maßnahmen angekündigt sind, ist eine schnelle Umset- zung geboten. Denn wer wartet schon ger- ne lange auf etwas, was man unbedingt will? | 15WETTBEWERB GUTER PRAXIS: GESUNDE HOCHSCHULEN Unsere Quintessenz Gib dem Thema Gesundheit eine Projektstruktur mit klaren Zielen und Meilensteinen! Nimm das Thema Gesundheit in Ver- bindung mit anderen Bereichen auf! Am besten mit Querschnittsberei- chen wie Personalentwicklung und Qualitätsmanagement! Lass die Hochschulleitung aktiv sein! Hol dir Unterstützung von außen zum Beispiel durch externe Moderatorinnen und Moderatoren! Feiere deine Erfolge mit allen Beteiligten und dem Umfeld deiner Hochschule! Berthe Khayat, Diplom-Soziologin, ist verantwortliche Koordinatorin für das Projekt „Gesunde Hochschule“ an der Alice Salomon Hochschule Berlin. Gesundheit als Teil der universitären Organisationskultur Damit Gesundheitsförderung hochschulweit greift, muss sie von der Hochschulleitung ernst genommen und moderiert werden. Die Universität Göttingen hat dies erfolgreich durchexerziert. | Von Dr. Holger Epstein Betriebliches Gesundheitsmanagement? Da geht es doch um bessere Stühle und Tische, Lärmschutz und Maßnahmen, die von teuren Beratern angepriesen werden, oder? Das kön- nen sich ja eh nur große Wirtschaftsunterneh- men leisten. Wie soll man das noch bei der vielen Arbeit unterbringen? Wenig Zeit? Kein Geld? Das sind keine Aus- reden, um sich gegen ein Betriebliches Ge- sundheitsmanagement (BGM) zu entschei- den. Natürlich wurden diese Gründe auch vorgebracht, als wir in der Universität Göttin- gen begannen, uns mit dem Thema ausein- anderzusetzen. Unser Personalrat und unser Präsidium hatten schon vor einigen Jahren festgestellt, dass die immer höheren und kom- plexeren Anforderungen an die Institution Hochschule sich besonders auf die Beschäftig- ten auswirken. 2009 war es dann soweit: Der Entschluss, für „Gesunde Arbeit“ einzutreten, wurde getroffen. Ein interdisziplinärer Steuer- kreis wurde gegründet. Doch wie sollten wir starten? >>> Auf einen Blick Georg-August-Universität Göttingen Betriebliches Gesundheitsmanagement Kontakt Dr. Holger Epstein Teamleiter Veränderungsprozesse und BGM-Koordination Heinrich-Düker-Weg 5 | 37073 Göttingen holger.epstein@zvw.uni-goettingen.de www.uni-goettingen.de/de/304931.html Projektpartner extern: Techniker Krankenkasse intern: Personalabteilung, Bereich Personal- entwicklung, Betriebsärztlicher Dienst, Gleichstellungsbeauftragte, Hochschulsport, Personalrat, Stabsstelle Sicherheitswesen und Umweltschutz, betriebliche Suchtberatung, Schwerbehindertenvertretung Anzahl der Hochschulmitglieder Studierende: 26.300 Mitarbeitende: 5.031 >>>
    • Durch das MAB-KOM-Tool konnte ich mich zeitlich unabhängig einbringen. Als Teilzeitkraft wäre es mir sonst nicht möglich gewesen, mich an einer langwierigen Sitzung zu beteiligen. « Mitarbeiterin der Universität Göttingen Eine externe Begleitung war notwendig. Mit der Unterstützung von externen Moderatorin- nen und Moderatoren beschlossen wir, nicht noch zusätzliche Aktivitäten zu planen, son- dern vorhandene Ressourcen zu nutzen und diese flexibel und situativ für unsere Beschäf- tigten nutzbar zu machen. „Gesunde Arbeit“ sollte an unserer Hochschule Teil der Füh- rungs- und Partizipationskultur sein. Eine Be- fragung unserer Mitarbeiterinnen und Mitar- beiter bestätigte uns in unserem Vorhaben. Ergonomische Tische und Stühle, Lärmschutz? Wir wollten mehr. Die Suchtberatung, der be- triebsärztliche Dienst, die Personalentwick- lung, das Sicherheitswesen und der Hoch- schulsport bündelten ihre Ressourcen und Angebote und erstellten sogenannte Kom- petenzprofile. Trainings zu Zeitmanagement oder Stressbewältigung, Angebote zu den Themenbereichen Gesundheit, Sicherheitsbe- ratung, Arbeitsplatzberatung und Ähnliches stehen nun allen Abteilungen je nach Bedarf zur Verfügung. Eine gesunde Arbeitskultur in der Universität zielt auf Veränderungen in Haltung und Ver- halten vor Ort ab und muss daher langfristig angelegt werden. Die Hochschulleitung un- terstützt uns nachhaltig und hat uns für diesen Weg dauerhaft mit Sach- und Personalmitteln ausgestattet. Ein Steuerkreis führt das betrieb- liche Gesundheitsmanagement strategisch in Abstimmung mit dem Präsidium. In themen- spezifischen Arbeitsgruppen – beispielsweise zu gesunder Arbeit, gesunder Führung und betrieblichem Eingliederungsmanagement – planen, organisieren und koordinieren wir die konkreten Aktivitäten des BGM. So kön- nen sich alle Beschäftigten als Expertinnen und Experten in eigener Sache in die Weiter- entwicklung der Universität einbringen. Über 1.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben das schon getan – das zeigt, welche Bedeu- tung das Gesundheitsmanagement als Teil unserer Arbeits- und Führungskultur hat. Eine geplante systematische Evaluation unserer Maßnahmen soll diese Entwicklung jetzt noch qualitativ begleiten. Ein wichtiger Schritt war außerdem die Ein- führung einer Rahmendienstvereinbarung zum BGM. Darüber hinaus zeigt die Gründung eines Netzwerkes Betriebliches Gesundheits- management, dass wir nicht nur die Situation unserer Beschäftigten, sondern auch die grö- ßeren Verhältnisse im Blick haben. Mit Flexibilität, Engagement, Ideenreichtum und Mut sind wir in unserer Universität weit gekommen. Wer bekommt da nicht Lust, sich auch auf den Weg zu gesünderen Arbeitsver- hältnissen zu machen? 16 | WETTBEWERB GUTER PRAXIS: GESUNDE HOCHSCHULEN Unsere Quintessenz Ohne Moos und Unterstützung der Hochschulleitung nix los! Sichere das Gesundheitsmanagement durch eine Rahmendienstvereinbarung! Lass möglichst viele mitgestalten! Eine breite Unterstützung fördert das Vorhaben! Nimm eine Haltung ein, die Partizipation zulässt! Nutze deine Ressourcen! Das Rad muss nicht immer neu erfunden werden. Dr. Holger Epstein ist Teamleiter Veränderungsprozesse und Koordinator für Betriebliches Gesundheitsmanagement an der Universität Göttingen. » >>>
    • Positive Effekte einer aktiven Pausengestaltung Die Bergische Universität Wuppertal zeigt mit ihrem Konzept „Das Potential der Pause“, wie gesundheitsorientierte Aktivitäten sowohl in den Studien- als auch in den Arbeitsalltag integriert werden können. | Von Gaby Maass Pausen gibt es doch in jeder Organisation. Was soll man da noch optimieren? Für die Gestal- tung der Pause sind doch alle selbst verant- wortlich. Und außerdem können ja nicht alle in der Nähe eines Naherholungsgebietes arbei- ten und so die Pause im Grünen verbringen. Und wenn man es einem recht gemacht hat, dann kommt der nächste und will etwas ganz anderes … und dann? Die vielfältigen Aktivi- täten an der Bergischen Universität Wuppertal zeigen, dass es auch anders geht. Als einer der größten Sportanbieter der Regi- on bietet der Wuppertaler Hochschulsport pro Semester ein trend- und bedürfnisorientiertes Sport- und Bewegungsangebot in über 70 Sportarten und 150 Kursen pro Woche für circa 16.000 Studierende und rund 1.500 Beschäf- tigte der Bergischen Universität an. Seit mehr als zehn Jahren agiert der Hochschulsport als wichtiger Impulsgeber und strukturgebende Hand im interdisziplinären Arbeitskreis Gesun- de Hochschule und spielt eine wichtige Rolle bezüglich der Konzeption und Durchführung gesundheitsfördernder Angebote innerhalb der Hochschule; im Jahr 2008 wurde ihm die offizielle Führungs- und Lenkungsposition des Arbeitskreises zugesprochen. In den letzten Jahren konnte sich der Hoch- schulsport durch den erfolgreichen Abschluss des vom Bundesministerium für Gesundheit geförderten Projektes „Gesundheitsförderung von Studierenden und Beschäftigten durch Sport und Bewegung“ sowie durch Angebo- te wie den „Hochschulsport Pausen-Express“ und die Einrichtung eines Hängemattenparks als maßgeblicher Motor der Gesundheitsför- derung etablieren. In einer speziell für Ge- sundheitsbelange der Hochschulangehörigen eingerichteten Service- und Beratungsstelle „BUWbewegt!“ können seit 2012 an fünf Ta- gen pro Woche neben Bewegungs-, Entspan- nungs- und Ernährungskursen individuelle Be- ratungen wahrgenommen werden. Dem Einzelnen helfen, seine Ressourcen individuell aufzubauen Aktive Kurzpausen und leichte Bewegungsfor- men können sich positiv auf die Leistungsfä- higkeit, die Konzentration, die Kreativität und das subjektive Wohlbefinden auswirken. Der AK Gesunde Hochschule ist bestrebt, aktive Pausen zu fördern und initiiert sowohl attrak- tive Mittagsangebote und moderne Pausen- gestaltungsideen als auch Entspannungsarea- le wie den Hochschulsport-Hängemattenpark direkt auf dem Campus. Kernziel aller Maßnah- men ist der individuelle Ressourcenaufbau für mehr Wohlbefinden, Produktivität und Leis- tung am Arbeits- und Studienplatz. Die mobilen Personaltrainerinnen und -trainer des „Hochschulsport Pausen-Express“ kom- men direkt in die Büros der Beschäftigten und führen eine angeleitete aktive Bewegungs- pause unter Verwendung mitgebrachter Kleingeräte mit Übungen zu Dehnung, Mobi- lisation und Entspannung der im sitzlastigen | 17WETTBEWERB GUTER PRAXIS: GESUNDE HOCHSCHULEN Auf einen Blick Bergische Universität Wuppertal Das Potential der Pause Kontakt Gaby Maass Wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Geschäftsstelle Hochschulsport und Leiterin des Hochschul- Fitnesszentrums BergWerk Fuhlrottstrasse 10 | 42119 Wuppertal maass@uni-wuppertal.de www.hochschulsport.uni-wuppertal.de Projektpartner keine externen Projektpartner Anzahl der Hochschulmitglieder Studierende: 16.500 Mitarbeitende: 1.300 >>>
    • Hochschulalltag stark beanspruchten Rücken-, Schulter-, und Nackenmuskulatur durch. Für diese Art der Pause ist kein Kleidungswechsel erforderlich. Auf Wunsch der Beschäftigten wird dieses Angebot individuell an die Be- dürfnisse und die momentane Befindlichkeit angepasst. Angelehnt an das Modell für Beschäftigte zie- hen die Trainer und Trainerinnen des „Hoch- schulsport Studi-Pausen-Express“ durch die Hörsäle und Seminarräume der Bergischen Universität und erfrischen Studierende durch eine fünfminütige aktive Lernpause. Dozen- tinnen und Dozenten können den Hochschul- sport Studi-Pausen-Express in die zeitliche Mitte der Lehrveranstaltung buchen. Das Gruppenerlebnis lockert die angespannte Ler- natmosphäre auf und trägt zum besseren Ar- beitsklima bei. Neben diesen beiden Angeboten haben halb- stündige Kurzkurse am Mittag Einzug in die arbeitsplatz- und studienplatznahe Gesund- heitsförderung gehalten. 30 Minuten Auszeit für den Körper, Entspannung für den Geist: Die Kurse „Yoga am Mittag“, „Rückenfit am Mittag“ und „Entspannung am Mittag“ bieten allen Hochschulmitgliedern direkt auf dem Campus die Möglichkeit der kurzen Ganzkörpererho- lung nach der ersten Hälfte des Tages. Aktiv sein wird belohnt „BeActive!“ – ist das Motto des Arbeitszeit- gutschriftenmodells für Beschäftigte der Uni- versität. In dem Gesundheitspass „BeActive!“ werden regelmäßige Teilnahmen an gesund- heitsorientierten Bewegungsangeboten des Hochschulsports und des AKs Gesunde Hoch- schule vermerkt. Die regelmäßige Teilnahme wird durch eine Arbeitszeitgutschrift belohnt. Erfolgreich zeigte sich auch die Kopplung von Kursen mit unterschiedlichen inhaltlichen Schwerpunkten. Das Ziel der Kombinationen bestand darin, dass das Thema Gesundheit dosiert und nicht dominant in den jeweili- gen Kursen herrscht und auf erlebnisorien- tierte sowie gruppendynamische und stark motivierende Inhalte nicht verzichtet werden muss. Kurskombinationen wie „Rückenfitness und Cycle“ und „Pilates und Massage“ wurden am Standort zu regelrechten Rennern mit viel Zulauf. Als besonders zeitgemäße und innova- tive Kurshighlights stellten sich in Wuppertal die Kurse „Bock auf Wok“ und „Qigong und die chinesische Kochkunst“ heraus, in denen die Vermittlung und Anwendung von Gesund- heitslehren anderer Kulturen und Lebensstile in nur einem Kursformat vereint wurden. Das Ziel des Projektes „Das Potential der Pau- se“ besteht darin, die positiven Effekte einer aktiven Pausengestaltung zu erleben und dauerhaft in der Lehre und Forschung zu ver- ankern sowie in andere Lebensbereiche und Handlungsfelder zu transportieren und be- sonders den Studierenden als Führungskräf- ten von morgen die positive Wirkung und den Wert von Pausen zu vermitteln. Gaby Maass leitet den Arbeitskreis Gesunde Hochschule der Bergischen Universität Wuppertal und ist Leiterin der Geschäftsstelle Gesunde Hochschule. 18 | WETTBEWERB GUTER PRAXIS: GESUNDE HOCHSCHULEN Unsere Quintessenz Mache aus dem Thema Gesundheit eine Marke! Lade Aktivitäten mit Emotionen auf, denn aus Emotionen entstehen Bindungen! Verleihe Gesundheit einen Wert! Biete ein Gutschriftenmodell an, das zu gesundheitsförderlichen Aktivitäten motiviert! Hole jede und jeden individuell ab! >>>
    • „PausenExpress“ – Erholung für zwischendurch Im Verbund haben die Universitäten Potsdam, Wuppertal, Aachen und Paderborn das Konzept „PausenExpress“ entwickelt. | Von Dr. Petra Bischoff-Krenzien „Pause“ und „Express“? Passt das überhaupt zusammen? Soll man sich in Pausen nicht erholen, geht das per Express? An 20 Hoch- schulen in Deutschland ist das Regenerieren per Express möglich. Wie das funktioniert, zeigen die Universitäten Potsdam, Wuppertal, Aachen und Paderborn. Wir möchten, dass unsere Beschäftigten lange, gerne und vor allem gesund für unsere Hoch- schulen arbeiten. Wie Mitarbeitende sich das vorstellen, haben sie uns, den Vertreterinnen und Vertretern des Hochschulsports, in Befra- gungen deutlich mitgeteilt: „Aktive Pausen, aus denen wir wieder motiviert zur Tat schrei- ten können. Aber bitte nicht zu umständlich.“ Wir nahmen diese Bedürfnisse ernst und ent- wickelten daraus an den vier Hochschulen den „PausenExpress“. Ohne Kleidungswechsel können unsere Mitarbeitenden jetzt direkt am Arbeitsplatz Mobilisations-, Kräftigungs- und Entspannungsübungen unter qualifizierter Anleitung durchführen. >>> | 19WETTBEWERB GUTER PRAXIS: GESUNDE HOCHSCHULEN Auf einen Blick Universität Potsdam Der „PausenExpress“ Kontakt Dr. Petra Bischoff-Krenzien Leiterin des Zentrums für Hochschulsport Am Neuen Palais 10, Haus 13 | 14469 Potsdam petra.bischoff-krenzien@uni-potsdam.de www.hochschulsport-potsdam.de Partner Kooperationsprojekt der Universitäten Paderborn, Wuppertal, Aachen und Potsdam Anzahl der Hochschulmitglieder Studierende: circa 23.000 (inklusive FH und HFF Potsdam) Mitarbeitende: hauptberufliches Personal rund 2.500, nebenberufliches Personal rund 1.900 » Endlich haben wir in unserem Studium die Möglichkeit, aktiv zu werden und das theoretisch erlernte Wissen anzuwenden. Der „PausenExpress“ bietet uns einen guten Einstieg in das Berufsleben. Für mich bedeutet der „PausenExpress“ eine Win-win-Situation. Einerseits lernen die Teilnehmenden von mir, wie sie sich fit halten können. Andererseits lerne ich, wie man sich richtig als Kursleiterin zu verhalten hat. « Jenny Reissner, Sportstudentin an der Universität Potsdam, die im Rahmen der Schlüsselqualifikationen als Trainerin beim „PausenExpress“ gearbeitet hat und bis heute als bezahlte Trainerin aktiv ist.
    • Diese erholsame Unterbrechung des Arbeits- tages zeigt positive Auswirkungen: 1. 85,6 Prozent der Teilnehmenden inte- grierten problemlos das Programm in ih- ren Arbeitstag. Es konnten zu einem Drittel Sportabstinente und Personen mit gesund- heitlichen Defiziten zu einer Teilnahme mo- tiviert werden. 2. Die wahrgenommenen gesundheitlichen Effekte sprechen für sich: 77,6 Prozent geben eine Verbesserung des allgemeinen Wohlbefindens an, 82,7 Prozent erfahren eine Vitalisierung und eine Reduktion der Müdigkeit, 57,7 Prozent konnten durch die Teilnahme Nacken- und Rückenschmerzen lindern, 70,9 Prozent attestierten dem Pro- gramm einen positiven Einfluss auf das Arbeitsklima. 3. Die Zufriedenheit der Teilnehmenden lag bei allen erfragten Merkmalen deutlich über 90 Prozent. Eine Koordinierungsstelle der jeweiligen Hochschulsporteinrichtung kümmert sich an jeder Hochschule um die Verwaltung der Teilnehmenden, die Akquise und Betreuung der Trainerinnen und Trainer. Zudem hat sich bei uns ein Promotion-Team aus zwei bis drei Personen als erfolgreich erwiesen, das jeweils am Anfang des Jahres den Beschäftigten den „PausenExpress“ persönlich vorstellt. An der Universität Potsdam können die Studierenden zudem als Trainerinnen und Trainer des „Pau- senExpress“ im Rahmen der Schlüsselqualifi- kationen von Studium-Plus Leistungspunkte erwerben, die sie sich für ihr Studium anrech- nen lassen können. Kooperation mit dem Allgemeinen Deutschen Hochschulsportverband So viel Erfolg wird belohnt. Die hohe Nachfra- ge und die positiven Evaluationsergebnisse haben dazu geführt, dass der „PausenExpress“ Ende des Jahres 2010 von uns an den Allge- meinen Deutschen Hochschulsportverband (adh) übergeben wurde. Seitdem haben rund 20 Hochschulen unseren „PausenExpress“ erfolgreich in ihr eigenes Sportprogramm integriert. Sie fragen sich sicher, wie da noch die Qualität gesichert werden kann. Nun: Zunächst haben wir mit Hilfe des DOSB- Innovationsfonds ein standardisiertes Konzept entwickelt, das von den adh-Mitgliedshoch- schulen genutzt werden kann. Zusätzlich ha- ben wir eine Kommunikationsplattform im Internet erstellt, die dem Austausch und der Qualitätssicherung dient. Wenn Sie den „Pau- senExpress“ an Ihrer Hochschule einsetzen wollen, müssen Sie dem adh zudem ein indi- viduelles Umsetzungskonzept vorlegen, das dann nach Qualitätskriterien geprüft wird. Für die Schulung der Trainerinnen und Trainer ist jede Hochschule selbst verantwortlich. Wenn Sie Unterstützung bei der Ausbildung der Trainerinnen und Trainer benötigen, wenden Sie sich an den adh, der Ihnen qualifiziertes Übungsleiterpersonal zur Seite stellt. Obwohl die Umsetzung des „PausenExpress“ viel Arbeit und Geduld erfordert, haben wir gesehen, dass der „PausenExpress“ eine Win- win-Situation für Mitarbeitende, Studierende und Hochschule bedeutet. Dr. Petra Bischoff-Krenzien ist Leiterin des Zentrums für Hochschulsport an der Universität Potsdam. 20 | WETTBEWERB GUTER PRAXIS: GESUNDE HOCHSCHULEN Unsere Quintessenz Analysiere die Barrieren! Frage nach den Bedürfnissen und nimm sie ernst! Gib dem Kind einen unverwechselbaren Namen! Nutze, wenn möglich, übergeordnete Strukturen, um das Projekt zu verbreiten! Gewinne und motiviere deine Studieren- den für das Thema Gesundheit, indem sie sich auf diesem Gebiet Schlüsselqualifi- kationen aneignen und Punkte erwerben können! >>>
    • Lässig statt stressig durchs Studium Studierende der Pädagogischen Hochschule Schwäbisch Gmünd haben ein Antistressmanual für sich und ihre Mitstudierenden entwickelt. | Von Dr. Birte Dohnke Stressfalle Studium?! Wie soll man nur in Zei- ten von Bachelor- und Master-Studiengängen Studierende zu kreativen, engagierten und motivierten Menschen ausbilden? Verschulte Studiengänge und enorme Mengen an Prü- fungsleistungen führen zu immer mehr Be- lastungen und lassen keine Zeit für Freiheiten. Wie soll man da das Potential der Studieren- den nutzen? Wir an der Pädagogischen Hochschule Schwä- bisch Gmünd haben hierfür über den deut- schen Tellerrand geschaut und eine Gastpro- fessorin aus Österreich an unsere Hochschule geholt. Dr. Mag. Eva Mir führte mit 32 Studie- renden des Bachelor-Studienganges Gesund- heitsförderung ein Lehr- und Lernprojekt zum Thema Stress und Stressbewältigung durch. Denn wer, wenn nicht die Betroffenen selbst, sind die Expertinnen und Experten? Nicht nur den Studierenden selbst, auch unserem Studi- engangsleiter Prof. Dr. Carl-Walter Kohlmann war bewusst, dass der Bologna-Prozess die Gesundheit der Studierenden enorm beein- flusst. Subjektiv empfundene Belastungen und Stress ließen die Studierenden unzufrie- dener werden. Eine Befragung von Studieren- den durch Studierende bestätigte diesen Ein- druck. Es war klar: Wir mussten handeln! Die Studierenden von Dr. Mir entwickelten daraufhin ein Manual, das all unseren Studie- renden hilft, mit Belastungen des eigenen Hochschulstudiums besser umzugehen. Au- ßerdem lernen sie, ihre Ressourcen, die ihnen bei belastenden Situationen helfen, zu erken- nen und dann auch gezielt zu nutzen. Hierfür wurden von den Studierenden bedeutsame Themen wie etwa Prüfungsvorbereitung, Teamarbeit oder auch Orientierung im Sys- tem Hochschule aufgegriffen und Übungen, Checklisten oder Selbsttests dazu entwickelt. Das Manual hat dazu beigetragen, das Bewusstsein für Gesundheit an der Hochschule zu stärken Projekte von Studierenden für Studierende ha- ben Sie vielleicht auch schon an Ihrer Hoch- schule durchgeführt. Doch was passiert mit ihnen nach Ablauf des Semesters oder wenn die Dozentin oder der Dozent die Hochschu- le verlässt? An unserer Hochschule finden seit Entwicklung des Manuals für die Erstsemester Workshops zur selbstständigen Nutzung statt. Jeder und jedem Studierenden der Hochschu- le ist es somit bekannt und jeder und jede kann es nutzen. Das Manual ist zudem online für alle Studierenden zugänglich. Eine Erhe- bung zeigte, dass 92 Prozent der befragten Studierenden das jeweilige Modul an andere Kommilitoninnen und Kommilitonen weiter- empfehlen. Eine besondere Anerkennung für die Studierenden, die das Manual entwickel- ten, war die Auszeichnung mit dem Sonder- preis für beispielhaftes studentisches Engage- ment. Große Anerkennung erfuhr das Projekt auch durch die positive Resonanz aus anderen Hochschulen und das mediale Interesse. >>> | 21WETTBEWERB GUTER PRAXIS: GESUNDE HOCHSCHULEN Auf einen Blick Pädagogische Hochschule Schwäbisch Gmünd Lässig statt stressig durchs Studium: Ein Antistressmanual von Studierenden für Studierende Kontakt Jun.-Prof. Dr. Birte Dohnke Ansprechpartnerin für die Betriebliche Gesundheitsförderung Abteilung Pädagogische Psychologie und Gesundheitspsychologie Oberbettringer Str. 200 | 73525 Schwäbisch Gmünd birte.dohnke@ph-gmuend.de www.ph-gmuend.de Anzahl der Hochschulmitglieder Studierende: rund 2.700 (davon 117 im Bachelor- und 58 im Master-Studiengang Gesundheitsförderung) Mitarbeitende: rund 270
    • Wir haben durch dieses Projekt vor Augen geführt bekommen, welches Potential in den eigenen Studiengängen und Studierenden für die Hochschule steckt. Die erfolgreiche und nachhaltige Einführung des Manuals hat uns bestärkt, den kreativen Ansatz der Lehr- und Lernprojekte kontinuierlich zu verfolgen. Zeitgleich mit dem Wettbewerb „Gesund- heitsfördernde Hochschule“ 2011 wurde die Initiative „Gesundheitsmanagement in der Landesverwaltung“ in Baden-Württemberg eingeführt. Unsere Teilnahme am Wettbe- werb des Arbeitskreises Gesundheitsfördern- de Hochschule hat das Bewusstsein für das Thema Gesundheit an der Hochschule und für Maßnahmen deutlich gestärkt. Unser Kanzler hat daraufhin einen Arbeitskreis eingerichtet, der sich kontinuierlich mit Betrieblichem Ge- sundheitsmanagement an der Hochschule beschäftigt. Um die Nachhaltigkeit der Maß- nahmen und Projekte sicherzustellen und das Thema Gesundheit noch breiter in der Hoch- schule zu verankern, war dies ein enorm wich- tiger Schritt. Unglaublich, was ein Projekt von Studierenden für Studierende alles in Bewe- gung setzen kann, wenn es von Leitung und Lehrpersonal unterstützt wird! Jun.-Prof. Dr. Birte Dohnke ist Ansprechpartnerin für den Bereich Betriebliche Gesundheitsförderung an der Pädagogischen Hochschule Schwäbisch Gmünd. 22 | WETTBEWERB GUTER PRAXIS: GESUNDE HOCHSCHULEN Unsere Quintessenz Beteilige dich mit deinen Aktivitäten an Wettbewerben und Ausschreibungen, weil das Thema so verbreitet wird und Ressourcen erweitert werden! Hebe und wertschätze das Potential, indem du die Zielgruppen aktiv in alle Schritte einbeziehst! Sorge dafür, dass das Erarbeitete zugäng- lich und lange nutzbar bleibt! Passe die Produkte und Angebote an die Kultur der Zielgruppe an! Mit Einheits- texten und -ansprachen erreichst du niemanden. Nutze kleine Einstiegsprojekte für den großen Wurf! » Ich habe erkannt, dass Studierende für die Entwicklung gesundheitsförderlicher Maßnahmen für Studierende enorme Potentiale haben. Einerseits aufgrund der eigenen Erfahrungen als Studierende, andererseits aufgrund des fachlichen Know-how, wie es in diesem Falle durch die Bachelor-Studierenden der Gesundheitsförderung gewährleistet war. « Dr. Mag. Eva Mir, ehemalige Gastprofessorin >>>
    • Gute Gestaltung und Präsentation Die Preisträgerinnen und Preisträger der Kategorie „Poster“ des Wettbewerbs guter Praxis: Gesunde Hoch- schule wurden vom Publikum der Preisverleihung am 29. Juni 2011 in Magdeburg ausgewählt. Diesen Publi- kumspreis für das beste Poster teilten sich die Technische Universität Braunschweig und die Hochschule Coburg. Entscheidende Auswahlkriterien waren Gestaltung und Präsentation der Poster. » Der Publikumspreis sollte die Teilneh- mer motivieren, sich die Poster und deren Inhalte genauer anzusehen. Zudem sollten diejenigen, die nicht am Wettbewerb teilgenommen hatten, die Möglichkeit haben, ihre Projekte auf der Tagung mit dem Poster einem breiten Publikum zu präsentieren. « Prof. Dr. Thomas Hartmann | 23WETTBEWERB GUTER PRAXIS: GESUNDE HOCHSCHULEN
    • 24 | Die TK – starker Partner für Hochschulen Hochschulen, die ihre Organisation nachhaltig gesundheitsförderlich gestalten wollen, haben die Chance, sich von außen coachen zu lassen. Wie das gehen kann, beschreibt die TK. | Von Dr. Brigitte Steinke Die Techniker Krankenkasse (TK) bietet Hochschu- len Projekte an, die ganz auf deren Bedürfnisse zu- geschnitten sind. Speziell ausgebildete Beraterinnen und Berater, die über langjährige Erfahrung insbeson- dere im Hochschulbereich verfügen, sind bei uns für das betriebliche Gesundheitsmanagement zuständig. Mit einer fundierten gesundheitswissenschaftlichen Ausbildung und regelmäßigen Schulungen sind sie darauf spezialisiert, rund um das Thema Gesundheits- management zu beraten. Die Beraterinnen und Berater unterstützen Hoch- schulen dabei, Gesundheitsprojekte einzurichten, umzusetzen und zu bewerten und in die Versteti- gung zu überführen. Darüber hinaus leisten sie direk- te Hilfe beim Projektmanagement. Bei einem solchen Gesundheitsprojekt wird häufig zunächst eine Ziel- gruppe ausgewählt, deren gesundheitliche Situation analysiert und es werden entsprechende Maßnah- men eingeleitet. IN EIGENER SACHE Die TK begleitet diesen Prozess von Anfang an und bringt spezifisches Wissen vor allem über die gesund- heitliche Situation der unterschiedlichen Gruppen ei- ner Hochschule in die Projekte ein. Dazu gehört der jährlich erscheinende TK-Gesundheitsreport, der sich schon mehrfach schwerpunktmäßig mit Gesundheit in Hochschulen beschäftigt hat, etwa mit dem Thema Gesundheit und Arzneimittelkonsum der Studieren- den. 2011 wurde beispielsweise aufgezeigt, dass eine Zunahme an Verordnungen von Antidepressiva unter Studierenden zu verzeichnen ist. Vor wenigen Jahren hat Frau Dr. Claudia Seibold (damals: Universität Bayreuth) in Kooperation mit » Die TK sieht ihren Auftrag darin, Handlungs- impulse zu geben, indem sie mit Know-how die Veränderung von Prozessen und Maßnahmen unterstützt. « Dr. Brigitte Steinke ist Referentin im Gesundheitsmanagement der Techniker Krankenkasse (TK). Info-Tipp Sie können den TK-Gesundheits- report bestellen unter team-bgm@tk.de oder direkt von der TK-Website downloaden unter: www.tk.de/tk/online-filiale/117686 (Broschüren und mehr). der TK untersucht, welche Faktoren ein erfolgreiches und nachhaltiges Gesundheitsmanagement in Hoch- schulen ermöglichen. Die Studie ist veröffentlicht unter dem Titel „AnSPOrN – Analyse von Strukturen und Prozessen im Sinne der Organisationsentwick- lung und Nachhaltigkeit für Gesundheitsförderung an Hochschulen“. Die wichtigsten Ergebnisse daraus sind: In der Regel gibt es eine oder mehrere Personen, die sich für das Thema Gesundheitsförderung/- management an der Hochschule besonders ein- setzen und mit ihrer Energie ein Projekt ins Rollen bringen. Für eine Projektumsetzung sind klassische Projekt- strukturen und eine angemessene Budgetausstat- tung notwendig. Je mehr Hochschulangehörige in den Prozess aktiv miteinbezogen werden, desto erfolgreicher ist das Projekt, zum Beispiel durch Beschäftigten- und/ oder Studierendenbefragungen, Gesundheitszirkel oder die TK-Gesundheitswerkstatt. Die TK sieht ihren Auftrag darin, Handlungsimpulse zu geben, indem sie mit Know-how die Veränderung der Prozesse und Maßnahmen unterstützt. Letztlich haben es die Hochschulen selbst in der Hand, wie sie Maßnahmen des betrieblichen Gesundheitsmanage- ments einsetzen und durchführen. Zusätzlich zur Beratung stellt die TK für die Durchfüh- rung eines gesundheitsbezogenen Projektes auch ein finanzielles Budget zur Verfügung. Ein echtes, nach- haltiges Interesse am Gesundheitsmanagement ver- mittelt sich, wenn die Hochschule selbst in das The- ma investiert. Grundsätzlich gilt, dass Gesundheitsförderung nur dann nachhaltig wirken kann, wenn sie in bestehende Prozesse integriert wird und nicht in ,,Parallelstruktu- ren“ stattfindet.
    • | 25 Der Arbeitskreis Gesundheitsfördernde Hochschulen Der AK will gesundheitsfördernde Lebens-, Lern- und Arbeitsbedingungen an Hochschulen initiieren und unterstützen. | Von Dr. Ute Sonntag Dr. Ute Sonntag ist Koordinatorin des Arbeitskreises Gesundheitsfördernde Hochschulen. Der Arbeitskreis Gesundheitsfördernde Hochschulen besteht seit 1995. Er ist ein Zusammenschluss von Interessierten aus Hochschulen und den Hochschulen nahestehenden Institutionen. Zurzeit sind über 350 Personen aus mehr als 100 Hochschulen und 30 weiteren Organi- sationen in diesem Netzwerk verbunden. Personen aller Statusgruppen arbeiten mit sowie Schlüsselperso- nen wie etwa hauptamtliche Koordinatorinnen und Koordinatoren von Steuerungsgruppen zu Gesundheitsfördernden Hochschulen, Personalratsmitglieder, Betriebsärzte und -ärztinnen, Beschäftigte des Hochschulsportes, der psychosozialen Beratungsstellen und des Arbeitsschutzes, der Arbeitssicherheit. Warum gesundheitsfördernde Hochschulen? Die Hochschule ist Lebens- und Arbeitswelt für über 500.000 Beschäf- tigte und circa 2,5 Millionen Studierende in Deutschland. Als wich- tige bildungspolitische Institution übernimmt die Hochschule die Ausbildung von Multiplikatorinnen und Multiplikatoren, potentiellen Führungskräften und Entscheidungsträgern. Daher kommt der Ge- sundheitsförderung an den Hochschulen eine Vorbildfunktion zu, um andere gesellschaftliche Bereiche voranzubringen. Die Hochschulen haben als tertiäre Sozialisationsinstanzen mit ihrer gelebten Kultur einen prägenden Einfluss auf die Studierenden. Das Studium ist die Lebenszeit, in der junge Erwachsene, oft bedingt durch einen Ortswechsel, zum ersten Mal unabhängig vom Eltern- haus über ihr Gesundheitsverhalten selbstständig entscheiden. In der Hochschule entscheidet sich, welcher Arbeitsstil entwickelt, wie mit Stress umgegangen und ob Work Life Balance gelernt wird. Was wollen wir? Der Arbeitskreis verfolgt das Ziel, an den Hochschulen gesundheits- fördernde Lebens-, Lern- und Arbeitsbedingungen zu initiieren und zu unterstützen. Wichtige Zielsetzung ist die Beteiligung aller Gruppen, die in der Hochschule arbeiten, lernen, forschen und lehren. Am salutogenen Paradigma ausgerichtet, beschäftigt sich der Arbeits- kreis mit folgenden zentralen Fragestellungen: Welches sind die gesundheitsrelevanten Bedingungen an der Hochschule? Wie wird Gesundheit im Setting Hochschule beeinflusst, gefördert und aufrechterhalten? Unter diesem Blickwinkel werden Fachtagungen und Thementage durchgeführt, um gesundheitsförderliche Entwicklungen an Hoch- schulen und beteiligten Institutionen zu initiieren und zu unterstüt- zen. Der AK organisiert Arbeitskreistreffen zum Erfahrungsaustausch. Dabei sollen Impulse entstehen, die dazu geeignet sind, eine struktu- relle sowie individuelle Förderung von Gesundheit in der Lebenswelt Hochschule zu ermöglichen. Die Aktivitäten des Arbeitskreises werden durch die Landesvereini- gung für Gesundheit und Akademie für Sozialmedizin Niedersachsen e. V. koordiniert und durch die Techniker Krankenkasse gefördert. Der Arbeitskreis orientiert sich an der Ottawa-Charta zur Gesundheits- förderung und versteht sich als Netzwerk zur Förderung des Setting- Ansatzes. Zur Orientierung und Qualitätssicherung hat der Arbeitskreis zehn Gütekriterien für gesundheitsfördernde Hochschulen entwickelt (siehe auch Beihefter in der Mitte dieser Publikation). Mehr Infos www.gesundheitsfoerdernde-hochschulen.de IN EIGENER SACHE Wer arbeitet zum Thema Gesundheitsfördernde Hochschule? Bereichern Sie unsere Erfahrungen! Der Arbeitskreis Gesundheitsfördernde Hochschulen interes- siert sich für akademische Abschlussarbeiten (Bachelor/Master), Praxis- und Forschungsprojekte zum Thema „Gesundheit und Hochschule“. Wir bieten Ihnen an, den Arbeitskreis über ihre Ar- beiten zu informieren und ausgewählte Ergebnisse auf der Web- site des Arbeitskreises aufzunehmen. Grundlage für die Auswahl von Arbeiten und Projekten sind die vom Arbeitskreis entwickel- ten Gütekriterien (siehe Beihefter). Kontakt: Dr. Ute Sonntag, Koordinatorin des AKs, ute.sonntag@gesundheit-nds.de
    • Nützliche Publikationen, Websites und Veranstaltungen Veranstaltung Jahrestagung der Hochschulkanzlerinnen und -kanzler in Berlin Vom 18. bis 20. September 2013 treffen sich 120 Hochschulkanzlerinnen und -kanzler zu ihrer 29. Jahrestagung in Berlin. Im Zentrum der Konferenz wird die Frage stehen, wie sich Hochschulen bei zunehmenden Studierendenzahlen gesundheitsorientiert organisieren und führen lassen. Ausrichter und Themengeber aufgrund ihrer Vorreiterrolle in der be- trieblichen Gesundheitsförderung sind die Alice Salomon Hochschule und die Katholische Hochschule für Sozialwesen in Berlin. Andreas Flegl, Kanzler der ASH: „Dabei werden auch die künftigen Anforderungen an die veränderten Arbeitsumgebungen an den Hochschulen eine entscheidende Rolle spielen.“ Literaturempfehlung Gesundheitsreport Der Gesundheitsreport 2011. Gesundheitliche Veränderungen bei gen Erwerbspersonen und Studierenden zeigt, dass die gesund lichen Belastungen unter den Hochschülerinnen und Hochsch seit der letzten TK-Studie von 2008 weiter zugenommen h Besonders besorgniserregend: Immer mehr Studierende greif Psychopharmaka, um ihre Belastungen in den Griff zu beko Auffällig ist zudem, dass neben den psychischen Belastunge lisationskrankheiten wie Bluthochdruck, Diabetes und Stoffw störungen bei jungen Leuten immer häufiger auftreten. Herausgeber: Techniker Krankenkasse, 2011, Hamburg Download: www.tk.de/tk/broschueren-und-mehr/studien- gesundheitsreport-2011/281904 Literaturhinweise Allgöwer, A. (Hg.) (2000): Gesundheitsförderung an der Universität. Zur gesundheitlichen Lage von Studierenden. Leske + Budrich, Opladen Bachmann, N.; Berta, D.; Eggli, P.; Hornung, R. (Hg.) (1999): Macht Studieren krank? Die Bedeutung von Belastungen und Ressourcen für die Gesundheit der Studierenden. Hans Huber, Bern Baric, L.; Conrad, G. (Hg.) 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    • Impressum Beilage zur duz – Unabhängige Deutsche Universitätszeitung/ Magazin für Forscher und Wissenschaftsmanager, 22. März 2013. Das duz SPECIAL erscheint im RAABE Fachverlag für Wissenschaftsinformation (Klett-Gruppe). Verantwortlich für diese Ausgabe: Techniker Krankenkasse Hauptverwaltung Gesundheitsmanagement Bramfelder Str. 140 | 22305 Hamburg www.tk.de und Landesvereinigung für Gesundheit und Akademie für Sozialmedizin Niedersachsen e. V. Fenskeweg 2 | 30165 Hannover www.gesundheit-nds.de Konzeption und Redaktion: Dr. Brigitte Steinke, Techniker Krankenkasse Brigitte.Steinke@tk.de Dr. Ute Sonntag, Landesvereinigung für Gesundheit und Akademie für Sozialmedizin Niedersachsen e.V. ute.sonntag@gesundheit-nds.de in Zusammenarbeit mit Stephanie Schluck, Landesvereinigung für Gesundheit und Akademie für Sozialmedizin Niedersachsen e.V. Sabine König, Bianca Dahlke, Techniker Krankenkasse RAABE Fachverlag für Wissenschaftsinformation, Berlin Corporate Publishing-Redaktion Angelika Fritsche, a.fritsche@raabe.de Veronika Renkes, v.renkes@raabe.de www.redaktion-recherche.de Gestaltung und Satz: axeptDESIGN, Berlin, www.axeptdesign.de Fotos: Zoe-Fotolia.com, Cover, S. 5 unten, S. 6–9, U4 | Techniker Krankenkasse, S. 3, S. 16 oben | SFC-Fotolia, S. 4 Mitte | HRK/Lichtenscheidt, S. 6 oben | Fotolia365-Fotolia. com, Coverillustration, S. 4 | Microstockfish-Fotolia.com, S. 7 | STM phptocas, S. 4 unten, S. 11 | privat, S. 10 oben | Universität Paderborn, S. 12–13 | Alice Salomon Hochschule Berlin, S. 14–15 | Universität Göttingen, S. 16 unten | Bergische Universität Wuppertal, S. 17–18 | Universität Potsdam, S. 2 Mitte rechts und unten rechts, S. 19–20 | Pädagogische Hochschule Schwäbisch Gmünd, S. 2 oben links, S. 21–22 Korrektorat: Dr. Sonja Hilzinger, Berlin, www.sonjahilzinger.de Druck: KESSLER Druck + Medien GmbH & Co. KG, Bobingen Verlag: Dr. Josef Raabe Verlags-GmbH Fachverlag für Wissenschaftsinformation Kaiser-Friedrich-Str. 90, 10585 Berlin Tel.: (030) 21 29 87-0, Fax: (030) 21 29 87-20 www.raabe.de, www.duz.de Dr. Wolfgang Heuser (Verlagsleitung), w.heuser@raabe.de Michaela Thele (Koordination und Marketing), m.thele@raabe.de Redaktionsschluss: März 2013 © Dr. Josef Raabe Verlags-GmbH