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Illusionen der macht leseprobe

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Als Chain nach einer langen Reise in sein Heimatland zurückkehrt, muss er feststellen, dass alle Einwohner Cantanas entweder tot oder durch feindliche Truppen als Sklaven verschleppt worden sind. …

Als Chain nach einer langen Reise in sein Heimatland zurückkehrt, muss er feststellen, dass alle Einwohner Cantanas entweder tot oder durch feindliche Truppen als Sklaven verschleppt worden sind. Durch einen Brief seines Vaters erfährt Chain, dass hinter dem Angriff Elvaroons gefallene Tochter Alexa steckt. Ohne Umschweife begibt sich Chain nach Kaemrock, einem Magier, der Alexa vor vielen Jahren mit Hilfe von fünf magischen Ringen in die tausendjährige Verdammnis befördert hat. Er ist der Einzige der weiß wo die Ringe zu finden sind. Und so begibt sich Chain auf eine gefährliche Reise, in der eine mysteriöse Glaskugel eine verhängnisvolle Rolle spielt.

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  • 1. Auszüge aus Stefan Lambourys Fantasienovelle Illusionen der Macht Die HinrichtungDie Wachposten führten Androxa ins Verlies, rechts und links befanden sich jeweils 10 Zellen, die gerade mal fünf Quadratmetergroß waren und in der sie nach Feierabend zu je 3 Personen hockten und schliefen. Jetzt war es ruhig, ihre Mitgefangenen, befandensich noch auf den Feldern oder in der Mine um für ihre Herrin nach Edelsteinen zu suchen, oder um Getreide für Lebensmittelanzubauen. Die Wunden die die Folter hinterlassen hatte, brannten wie Salzsäure. Die Aufseher führten Androxa in eine der Zellen,warfen ihr noch eine Scheibe trockenes Brot herein und eine kleine Schale mit Wasser. Anschließend verschlossen sie die Gittertürund verschwanden. Androxa war völlig fertig, kalter Schweiß lief ihre Wangen hinunter und die Schmerze der Folter hieltenunvermindert an. Wenigstens hatte sie jetzt eine Zeit lang Ruhe. Dass erste Mal seit ihrem Leidensweg war sie allein, keinKettenrasseln, kein Gestöhne und Gewimmer ihrer Mitgefangenen. Erst jetzt wurde ihr bewusst was sie getan hatte. Sie hatte Chainverraten. Sie hatte dieser gottverdammten Hexe verraten, dass er Artocks Sohn war und sie war sich sicher, dass diese Hexe alles tunwürde um ihren Schatz aufzuhalten Alexa hatte etwas von Ringen erzählt und in ihrer Stimme schien sich Angst befunden zu haben.Waren die Ringe etwas was sie fürchtete? Waren sie vielleicht eine Waffe mit der man sie vernichten konnte? Schon als sie das ersteMal dieser Schnepfe gegenübergestanden hatte, war ihr die Macht aufgefallen, die diese Frau ausstrahlte. Eine Macht wie sieAndroxa in ihrem ganzem Leben noch nie erlebt hatte. "Mach dich nicht verrückt, du redest dir ein, dass sie Angst hatte, weil du dirwünscht, dass sie Angst hat.", dachte Androxa, doch irgendetwas sagte ihr, dass sie Recht hatte. Ihr Interesse an den Ringen, warnicht ihr Wert gewesen, sondern etwas anderes. Was Alexa aber so an den Ringen faszinierte, konnte sie sich nicht erklären. WasAndroxa, jedoch viel größere Sorgen bereitete als die Ringe, war wie sie ihrem Schatz je wieder unter die Augen treten sollte? Siehatte ihn verraten. Und Chain verstand bei Verrat ebenso wie sein Vater keinen Spaß. Eine Erinnerung stieg in ihr hoch, eineErinnerung wie König Artock einen Verräter vor Jahren bestraft hatte:Es war im Sommer 1545 gewesen, König Artock befand sich mit einer Horde von Wüstenbarbaren im Krieg, die vor hatten, Cantanadem Erdboden gleichzumachen, um sich an seinem Vermögen zu bereichern. Philazitus ein enger Vertrauter des Königs machte mitdem Barbaren gemeinsame Sache. Es war an einem heißen Tag im August gewesen, schon seit einiger Zeit war Artock aufgefallen,dass Philazitus nervös wurde, wenn er ihn fragte, ob er etwas über die Pläne der Barbaren wusste. Normalerweise war Philazitusimmer recht erfolgreich gewesen, wenn er von seinen Erkundungstouren zurückkehrte, aber bei den Barbaren, schien er seit Tagennichts wichtiges mehr in Erfahrung bringen zu können. Darüber hinaus zog sich Artocks Kundschafter mehr und mehr zurück, nahmkaum noch am Hofleben teil, verschwand häufig in seiner Kammer und wollte nicht gestört werden. Eines Tages rief Artock seinenSohn zu sich und sagte: "Chain Prinz von Cantana, Euch ist sicher aufgefallen, dass sich Philazitus in letzter Zeit sehr verändert hat,ich möchte, dass Ihr Ihm folgt, aber er darf Euch auf keinen Fall bemerken.""Warum sollte ich das tun Eure Majestät?", fragte Chain.Eine Zeit lang beobachtete Chain seinen Vater etwas genauer, es schien ihm schwer zu fallen, darüber zu reden. Nach einer kurzenPause fügte sein Vater hinzu: "Ich vermute dass Philazitus die Seiten gewechselt hat."Die Nachricht traf den Prinzen wie einen Schlag ins Gesicht. Er konnte kaum glauben, was er eben gerade aus dem Mund seinesVaters hören musste. Eine Zeit lang überlegte Chain ob er seinen Vater widersprechen sollte, aber er wusste dass ihm das nichtsbringen würde. Wenn sein Vater einmal einen Entschluss gefasst hatte, konnte ihm niemand davon abbringen."Ich werde Eurem Befehl Folge leisten und solltet Ihr Recht behalten, werde ich Philazitus gefangen nehmen und Euch übergeben.Solltet Ihr Euch jedoch irren, verlange ich, dass ich Ihr Euch in aller Öffentlichkeit zu Eurem Fehler bekennt und Euchentschuldigt.", erwiderte Chain.Artock schaute seinen Sohn eine Zeit lang entsetzt an, noch nie hatte es jemand gewagt ihm Befehle zu erteilen."Sollte ich mich irren, werde ich mich in aller Öffentlichkeit entschuldigen, doch sollte ich Recht behalten, so werde ich Philazitusvierteilen lassen. Macht Euch auf den Weg und verschafft mir Gewissheit. Elvarron schütze Euch.""Elvarron schütze Cantana.", erwiderte Chain und verschwand.Chain wusste wo die Barbaren ihr Lager aufgeschlagen hatten, nahm aber absichtlich einen kleinen Umweg, um Philazitus nicht indie Arme zu laufen. Das Lager der Barbaren lag in der Mondaveewüste, eine gute Tagesreise von Cantana entfernt. Die Barbaren zubelauschen war ausgesprochen gefährlich, da sie, einen ziemlich offenen Platz für ihre Nachtruhe gewählt hatten. Auf allen Vierenkroch Chain langsam zum Lager. Sie schienen sich ihrer Sache sehr sicher zu sein, denn schon vom Weitem drangen einzelneWortfetzen an seine Ohren, die er aber nicht zuordnen konnte. Die Typen hatten es noch nicht einmal für nötig gehalten eine Wacheaufzustellen, sodass sich Chain bis auf 5 Metern den Lager nähern konnte ohne bemerkt zu werden. Als er sich dem Quartier derFeinde näherte, traute er seinen Augen nicht. Mitten drin saß Philazitus froh und munter, als wäre von einigen Freunden zu einemnettem Barbecue eingeladen worden."Also wann schlagen wir los?", konnte Chain den Anführer der Bande vernehmen."Gar nicht.", entgegnete Philazitus.Der Chef der Bande sah Philazitus einen Moment überrascht an dann erwiderte:"Du Hund du sollst uns wohl aushorchen, du steckstmit Artock unter einer Decke um ihm Informationen über unsere Pläne zukommen zu lassen. Ergreift ihn!"Kurz darauf erhoben sich die Barbaren und traten auf Philazitus zu."Ganz ruhig Freunde, ich habe einen besseren Plan.", fuhr der Verräter in aller Ruhe fort.Der Anführer der Barbaren gab seinen Leuten einen Wink worauf sie sich wieder setzten."Einen besseren Plan na dann erzähl mal.", sagte der Chef der Bande."Wir entführen die Geliebte des Prinzen."Die Augen des Anführers begannen zu leuchten, als er sagte: "Die Geliebte von diesem Chain, ist sie denn auch hübsch? Männer wirholen uns eine Senorita."Der Ruf ließ die Übrigen in Gelächter ausbrechen, der Plan schien den Verbrechern zu gefallen."Und was ist mit dem Gold? Wir wollen doch Artocks Staatskasse erleichtern.""Genau deswegen ja, überlegt mal, wenn deine Männer Androxa entführen, könnt Ihr Artock erpressen. Chain wird niemals zulassen,dass seiner Freundin etwas widerfährt. Also wird er seinem Vater dazu bringen Euch ein Lösegeld zu bezahlen, um seine Geliebte
  • 2. zurückzugewinnen. Und der größte Vorteil liegt darin, dass Ihr keine Männer verliert."Der Anführer der Barbaren schien einen Moment zu überlegen, dann sagte:"Die Idee ist gut, wann schlagen wir los?""Ihr gar nicht, Chain und Androxa vertrauen mir, ich werde sie Euch bringen. Ich werde Androxa erzählen, dass ich in derMondaveewüste etwas entdeckt habe, was ich ihr zeigen will. Sie wird mir folgen und ehe sie überhaupt auf den Gedanken kommenwird zu fliehen, werde ich sie überwältigen und Euch übergeben. Wichtig ist nur es muss wie ein Überfall aussehen. Aber darumwerde ich mich kümmern."Chain hatte genug gehört, wenn er seinem Vater davon in Kenntnis setzte, würde er Philazitus vierteilen lassen. Chain ritt einenBogen, um dem Verräter zuvorzukommen.Philazitus hatte die Hälfte der Strecken zurückgelegt, als Chain ihm entgegenritt und sagte: "Seid gegrüßt Philazitus mein Vaterschickt mich, um zu schauen ob alles in Ordnung ist. Und was habt Ihr über die Pläne der Barbaren in Erfahrung bringen können?"Philazitus schaute Chain einen Moment lang an. Warum sollte der König so etwas tun? Bisher hatte er noch nie einen Babysittergebraucht. Hatte Artock vielleicht von seinen Plänen Wind bekommen?"Ich grüße Euch ebenfalls Prinz von Cantana. Die Barbaren wollen sich zurückziehen. Sie haben eingesehen, dass sie unsere Armeeniemals schlagen können. Sie wollen morgen bei Sonnenaufgang aufbrechen."Chain schaute ihm in die Augen, dass konnte einfach nicht wahr sein. Nachdem was er vor zwei Stunden belauscht hatte, wagte esPhilazitus tatsächlich ihm ins Gesicht zu lügen.Chain begann zu lächeln, als er sagte:"Ihr seid wirklich ein vorbildlicher Kundschafter, aber eine Kleinigkeit habt Ihr übersehen."Für einen winzigen Moment konnte Chain Nervosität in Philaztus Augen erkennen, jetzt hatte er ihn da wo er ihn haben wollte."Was? Ihr wagt es meine Informationen anzuzweifeln? Bin ich nicht immer verlässlich gewesen? Was soll ich bitteschön übersehenhaben?""Das.", bei diesen Wort schlug Chain dem Verräter seine Faust so heftig an die Schläfe, dass Philazitus aus dem Sattel geschleudertwurde und zu Boden ging. Chain stieg vom Pferd, nahm ein paar Riemen aus seiner Satteltasche und band Philazitus Handgelenkeauf den Rücken zusammen. Anschließend hob er den leblosen Körper vom Boden auf, schnürte ihn auf sein Pferd und machte sichauf den Weg zum Schloss.Chain erreichte Cantana bei Sonnenuntergang, mit Philazitus im Schlepptau betrat er den Thronsaal, verbeugte sich kurz undsagte:"Eure Majestät Ihr hattet Recht mit Eurer Vermutung, Philaziuts hat in der Tat die Seiten gewechselt. Ich habe ihn dabeibelauscht, wie er den Barbaren mitteilte, dass er ihnen dabei helfen wollte, Androxa zu entführen um von Euch Lösegeld zuerpressen."Artock schaute seinen Kundschafter mit durchdringenden Augen an, als er sagte: "Ist es wahr was mein Sohn da sagt? Wolltet Ihrmich wirklich hintergehen? Antwortet mir, oder ich werde Euch auf der Streckbank befragen."Für einen Augenblick wusste Philazitus nicht was er sagen sollte, doch dann stieß er hervor: "Ich, ich habe das nicht gewollt.""Was habt Ihr nicht gewollt? Redet endlich!", donnerte Artock ihn an.Philazitus schluckte, erst jetzt bemerkte er, dass er sich verraten hatte."Ich, ich wollte Euch nicht verraten. Es, es tut mir leid. Ja es stimmt, ich habe mit dem Feind gemeinsame Sache gemacht."Für einen kurzen Moment schaute Artock zu Boden, Chain kannte diese Geste, es war ein Ausdruck der Enttäuschung und derTrauer. Von dem einst so stolzem König war nichts mehr zu sehen, sein blaues Gewand, seine Krone und seine langen grauen Haare,die er immer mit Stolz getragen hatte und die ihm einen Hauch eines weisen Mannes verliehen, wirkten in diesem Moment wie dasSpielzeug eines Kindes, welches mehr und mehr haben wollte und nun nicht mehr glücklich war. Das erste Mal schien sein Vaterwirklich betroffen zu sein, und unter seinen Augenlidern rann eine kleine Träne sanft seine linke Wange hinab. Als sich Artock wiedereinigermaßen unter Kontrolle hatte sagte er:"Warum habt Ihr das getan Philazitus, warum habt Ihr mich verraten? Habe ich Euchnicht umsorgt, habe ich Euch nicht Arbeit gegeben, als Ihr an meine Tür geklopft habt? Habe ich Euch für Eure Dienste nicht immergroßzügig bezahlt?""Das habt Ihr, es tut mir leid, ich weiß nicht was über mich gekommen ist , ich bitte Euch mir zu verzeihen.""Wache schafft diesen Mann in den Kerker, er soll im Morgengrauen gevierteilt werden."Artock hatte die Worte kaum ausgesprochen, da wurde Philazitus auch schon von den Wachen gepackt und hinausgeführt.Während man ihn aus den Thronsaal schaffte rief er: "Nein bitte Eure Majestät, verzeiht mir, verzeiht mir. "Nachdem man Philazitus aus den Thronsaal geführt hatte, wandte sich Artock an seinen Sohn und sagte:"Macht sofort ein Heer klar,ich denke siebzig Mann dürften ausreichen und zieht gegen die Barbaren in den Kampf. Sie wollen Krieg, den sollen sie bekommen,aber wir entscheiden wann der Krieg beginnt und nicht sie. Löscht sie aus alle, einschließlich Frauen und Kinder und merkt EuchIhr habt das Kommando.""Sehr wohl Eure Majestät.", mit diesen Worten verließ Chain den Thronsaal.Die Nachricht über die Hinrichtung Philazitus verbreitete sich in Lid wie ein Lauf-Feuer. Sämtliche Einwohner waren anwesend, umZeugen des bevorstehenden Ereignisses zu werden. Mit ernster Miene saß Artock auf seinem Thron, den seine Dienstboten extra fürdie Hinrichtung in den Schlosshof getragen hatten. Artock ließ einen Blick über die Menschenmenge schweifen. Seine Schützlingestanden wie ausgehungerte Wölfe auf dem Platz. Er konnte es in ihren Gesichtern erkennen, wie sie sich daran hochziehen wollten,dass Philazitus gevierteilt wurde. Wie sie Geschichten erzählen würden und jeder würde irgendetwas ergänzen, oder weglassen. Soals wäre eine Hinrichtung kein schockierendes und trauriges Ereignis sondern ein absolutes Highlight. Er konnte ihr Verlangen nachSchmerzen, Blut und dem Leid anderer Menschen geradezu spüren. Was war das nur für eine Welt? Wieder einmal stellte er sich dieFrage, ob seine Entscheidungen im Laufe seiner Amtszeit wirklich richtig waren und ob er wirklich immer nur zum Wohl seinerUntertanen entschieden hatte, oder ob er doch nur seinen persönlichen Vorteil gesehen hatte? Vielleicht sollte er abtreten und einemanderem den Platz des Königs überlassen? Jemanden der vielleicht bessere Entscheidungen für sein Volk traf? Jemanden dem alleLeute voll und ganz vertrauten. Die Menge wurde unruhig, was für Artock bedeutete, dass an der Zeit war seinem Volk die Wahrheitzu sagen, ihnen zu sagen, dass einer seiner engsten Vertrauten ein Verräter war. Artock merkte wie sich ein Kloß in seinem Halsbreitmachte und es kam ihm vor, als wäre er an diesem verdammten Thron festgeklebt.Langsam erhob sich Artock von seinem Thron und verkündete: "Meine lieben Bürger von Cantana, schwere Zeiten sind über unserLand hereingebrochen, die Barbaren wollen uns ausräuchern und einer meiner engsten Vertrauten ist zu einem Verräter geworden."
  • 3. Artock machte eine Pause und ein Raunen ging durch die Menge. Er konnte die Neugier seines Volkes geradezu spüren.Er atmete noch einmal tief ein, dann fuhr er fort:"Kraft meines Amtes, habe ich dem Verräter die Todesstrafe durch vierteilenauferlegt und ihr alle werdet Zeugen werden, dass ich so ein Vergehen in keinem Fall gutheißen und erst recht nicht tolerieren werde.Man bringe den Gefangenen auf den Platz."Als die Wachen Philazitus in den Hof führten, trauten das Volk seinen Augen nicht. Jeder wusste, dass Philazitus ein enger Vertrauterihres Königs gewesen war, dass ausgerechnet er es wagen würde sie zu verraten, damit hatten sie im Leben nicht gerechnet. Füreinen Moment war es so still, dass man eine Stecknadel hätte fallen hören können. Die einzigen Geräusche waren das Klirren derFußketten, in denen seine Füße steckten. Die Hände hatte man ihm mit Riemen auf den Rücken gebunden.Philazitus schaute zu Boden, während die Wachen ihn durch die Menge führten. Er konnte jetzt nicht aufsehen. Er war ein Verräterund er schämte sich. Es schämte sich für das was er Artock angetan hatte, dafür dass er jetzt wie ein Stück Vieh der Öffentlichkeitpräsentiert wurde. Einer der Schaulustigen warf ein rohes Ei nach ihm, es zerplatzte an seinem Schädel und das Eigelb lief langsamseine rechte Wange hinunter. Er hatte einen Fehler begannen, ja er hatte Artock verraten und das nur des Geldes wegen. Er verstandes selbst nicht mehr. In den Stunden in denen er in diesem dunklem Verließ gehockt hatte, hatte er lange darüber nachgedacht,warum er Artock verraten hatte. Die Antwort lautete Geld. Wie hatte er nur so verblendet sein können? Er hatte eine Chance gehabtund er hatte sie verspielt. Er hatte das Vertrauen seines Königs missbraucht und das obwohl er über Jahre hinweg in seinem Dienstgestanden hatte. Das Gekreische der Menge, Artock, Cantana, das alles schien jetzt weit weg zu sein. Es war Vergangenheit. Er hattekeine Angst vor dem was ihn erwartete, sie würden ihm mit einem Schwert die Gliedmaßen abtrennen und seinen Leichnamanschließend verbrennen. Er würde die Schmerzen ertragen, egal wie schlimm sie werden würden. Die Strecke vom Schloss zumKönig betrug gerade mal fünfzig Schritte, die Philazitus jedoch wie eine Strecke von einer Meile vorkam.Als er vor Artocks Thron stand, donnerte der König ihn an: "Auf die Knie mit dir, du elender Verräter!"Philaztus tat wie ihm geheißen, blickte aber weiter hin zu Boden. Er brachte einfach nicht die Kraft auf, seinem ehemaligem Freundin die Augen zu schauen."Sieh mich gefälligst an wenn ich mir dir rede!", fauchte Artock ihn an.Langsam hob der Angeklagte den Kopf und er bildete sich ein, in Artocks Stimme nicht nur Wut und sondern auch großeEnttäuschung heraushören zu können."Philazitus Ihr seid wegen Hochverrats zur Todesstrafe durch vierteilen verurteilt worden, habt Ihr vor der Urteilsvollstreckung nochetwas zu sagen?", fuhr Artock fort.Philazitus schluckte, dann erwiderte er:"Es tut mir leid was ich getan habe, bitte vergebt mir.""Kraft meines Amtes, wird das Urteil hiermit vollstreckt, möge Elvarron Eurer Seele gnädig sein."Artock gab seinen Wachen einen Wink, worauf sie Philazitus auf einen Platz führten, auf dem vier Pfähle aus Holz standen, die in dieErde gerammt worden waren. Dort befreiten sie Philazitus von den Fesseln, während Artock sagte:"Leg dich auf den Boden, machschon oder aber ich gebe meinen Untertanen den Befehl dich mit Gewalt zu Boden zu bringen."Einen kurzen Augenblick dachte Philazitus daran zu fliehen, aber ohne eine Waffe oder einem Pferd, waren die Erfolgschancen fastNull. Wahrscheinlich würde er schon beim Ansatz scheitern und wenn er sich einfach weigern würde sich hinzulegen, würde ArtocksGefolge ohne mit der Wimper zu zucken Gewalt anwenden. Philazitus legte sich wie befohlen auf den Boden, worauf Artocks Gefolgesofort damit begann ihn an die vier Pfähle zu binden. Nachdem man den Verräter angebunden hatte, erhob sich Artock von seinemThron und schritt auf den Gefangenen zu. Mit versteinerter Miene blickte er auf Philazitus nieder und zog sein Schwert.Normalerweise überließ Artock solche Sachen dem Henker, aber in diesem Fall wollte er höchst persönlich die Hinrichtungübernehmen. Mit weit aufgerissenen Augen starrte Philazitus auf Artocks Schwert, welches über ihm schwebte wie ein gefräßigesUngeheuer. Mit einer blitzschnellen Bewegung sauste die Klinge nach unten und drang mit einem stechendem Schmerz in seine linkeSchulter ein. Blut spritze hervor, Philazitus vernahm das Knacken seiner Knochen und Sehnen, als sich Artocks Schwert Zentimeterum Zentimeter tiefer in seine Schulter fraß, bis sein Arm wie ein nutzloses Stück Müll am Boden lag. Mit schnellen Schritten liefArtock um Philazitus herum hob das Schwert und ließ es heruntersausen. Es dauerte nur ein paar Sekunden, und schonfraß sich die Klinge in Philazitus rechte Schulter und durchtrennte die Sehnen und Knochen, als bestünden sie aus Papier. Nachdemauch sein rechter Arm gefallen war, verlor Philazitus das Bewusstsein. Artock schlug Philazitus noch die Beine wie auch den Kopfab, dann wandte er sich an sein Gefolge und sagte: "Verbrennt diesen Verräter auf dem Scheiterhaufen!" Mit diesen Worten verließer den Platz, um in seiner Kammer zu verschwinden.Zwei Tage nach der Hinrichtung kehrte auch Chain mit den Übriggebliebenen Kriegern von seinem Feldzug gegen die Barbarenzurück. Sein Heer hatte zwar extreme Verluste erlitten, aber von den Barbaren war keiner am Leben geblieben.Eine Träne rann Androxas Wange hinab, wie würde Chain reagieren? Würde er sie etwa auch vierteilen lassen, wie sein Vater damalsPhilazitus? Gut sie hatte ihn nicht aus freien Stücken verraten, sondern unter Folter, aber Fakt blieb sie hatte in verraten. Als sie darandachte, was ihr möglicherweise bevorstand, fing sie an weinen, fast wünschte sie sich, ihr Schatz würde sie nicht finden. Vielleichtwäre es besser, wenn sie sich nie wiedersehen würden.Von Weitem vernahm sie das Gestöhne und Gewimmer ihrer Mitgefangenen. Das Brüllen der Aufseher und das Knallen der Peitsche.
  • 4. Im Tal der ChimärenChain ritt weiter Richtung Osten, vorbei an Bergen und Tälern, irgendjemand schien ihn zu beobachten, wie aus weiter Ferne. Aberwer war es? War es Zentusar? Chain glaubte nicht, dass es Zentusar war, weil das Gefühl ein anderes war, nicht wie das welches erbei Kaemrock gehabt hatte, es war zwar ein ähnliches Gefühl, aber trotzdem irgendwie anders. Er konnte es sich nicht erklären, aberirgendetwas war anders. Hatte jemand anderes das Auge des Bösen in seinen Besitz gebracht? Vielleicht sogar Alexa? Der Gedanke,dass sich die Herrin der Finsternis eventuell die magische Kugel geholt hatte, gefiel ihm nicht, denn mit Hilfe der Kugel, wäre es fürsie ein leichtes herauszufinden, was er vor hatte. Und sie würde mit Sicherheit nicht einfach nur tatenlos zusehen, wie er sich dieRinge aneignete. Gegen Abend erreichte Chain das Tal der Chimären, die Berge sahen in der Tat so aus, als wären sie mit Schneebedeckt. Die Vegetation in diesem Gebirge war wesentlich besser als im Tal der Drachen, es gab verschiedene Gräser, Pflanzen undSträucher, auch Moos schoss zwischen einigen Felsspalten hervor. Als die Dunkelheit ihre Schwingen über das Land ausbreitete,erreichte Chain eine Höhle, die aussah als wäre sie direkt in den Fels gehauen worden. Das musste der Eingang sein, den Kaemrockbei ihrem Gespräch erwähnt hatte. Eine Augenblick überlegte Chain ob er bis zum nächsten Morgen warten sollte. Die Dunkelheithätte den Vorteil, dass er für das Wesen, welches in dieser Höhle hauste nicht so leicht zu erkennen war, oder waren die Augen derChimäre bei Dunkelheit genauso scharf wie bei Tageslicht? Vielleicht sogar noch schärfer? Chain entschied sich dafür, die Nacht hierin der Nähe zu verbringen und bei Tagesanbruch zu zuschlagen, da waren die Chancen wahrscheinlich ein wenig ausgeglichener.Nachdem er einen geeigneten Platz gefunden hatte, nahm er noch einen Schluck Wasser aus seiner Wasserflasche, gab seinem Hengstnoch einen Schluck , reichte ihm ein paar Datteln und begab sich zur Ruhe. Am nächsten Morgen wurde Chain durchVogelgezwitscher geweckt. Noch etwas verschlafen rieb er sich die Augen streckte seine Glieder und begab sich zu Shi. Chain nahmdie letzten Datteln aus der Satteltasche und reichte sie ihm. Anschließend stieg er in den Sattel und begab sich langsam ins Innere derHöhle. Chain zog sein Schwert hervor, denn es war besser vorbereitet zu sein, falls es der Chimäre gelingen sollte sie zu überraschen.In der Höhle war es so finster, dass Chain nicht mal die Hand vor Augen sehen konnte. Shi begann zu schnaufen, ihm war die Höhleeben sowenig geheuer wie seinem Herrn. Vorsichtig drangen sie tiefer in die Höhle vor. Chain vernahm ein unheilvolles Knacken, eshörte sich an wie Knochen, die unter ihrem Gewicht zermalmt wurden. Plötzlich machte sich ein schauderhafte Gedanke in seinemKopf breit. Handelte es sich dabei um menschliche Knochen? Vielleicht von Leuten die auf der Durchreise gewesen waren und derHöhle Schutz gesucht hatten? Hatte das Wesen welches hier hauste die Leute getötet? Oder waren es nur Knochen von Tieren?Plötzlich zerschnitt ein unheilvolles Brüllen die Stille, welches dem Krieger durch Mark und Bein fuhr. Irgendwo vor ihnen musstedas Wesen sein, welches sie suchten. Das Herz schlug ihm bis zum Halse, wie lange würde es wohl dauern, bis sie dem Ungeheuergegenüberstanden? Chain hatte den Gedanken gerade zu Ende gesponnen, da erklang erneut dieses Brüllen und es schien dieses Maldeutlich näher zu sein als noch vor ein paar Sekunden. Chain drang weiter ins Innere der Höhle, als er erneut das Fauchen diesesWesens vernahm, es musste sich jetzt fast unmittelbar vor ihnen befinden. Es konnte nur noch eine Frage der Zeit sein, bis es vorihren Augen auftauchen würde. Plötzlich kamen wie aus dem Nichts sechs leuchtende Augen in der Dunkelheit zum Vorschein.ISBN 978-3839167366

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