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 Zukunft Kinder - Programm für ein kinderfreundliches Stuttgart (Fortschreibung 2009)
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2004 hat Oberbürgermeister Dr. Wolfgang Schuster sein Arbeitsprogramm "Kinderfreundliches Stuttgart" aufgelegt. Mit der Broschüre 2009 wird nun zum zweiten Mal eine Bilanz all der Projekte, …

2004 hat Oberbürgermeister Dr. Wolfgang Schuster sein Arbeitsprogramm "Kinderfreundliches Stuttgart" aufgelegt. Mit der Broschüre 2009 wird nun zum zweiten Mal eine Bilanz all der Projekte, Initiativen und Maßnahmen gezogen, die seither auf den Weg gebracht wurden.

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  • 1. Programm für ein kinderfreundliches Stuttgart Zukunft Kinder
  • 2. Einführung im Frühjahr 2003 habe ich bewusst das plakative Ziel formu- liert: Stuttgart soll die kinderfreundlichste Großstadt in Deutschland werden. Die öffentlichen Reaktionen waren vor- hersehbar und gewollt: Warum sollen wir die kinderfreundlichs- te Stadt werden? Sind wir nicht eine kinderfreundliche Stadtge- sellschaft? Es geht mir nicht darum, einen Lorbeerkranz im Städte-Ranking zu gewinnen, sondern um das Nachdenken und den öffent- lichen Diskurs darüber, dass die Zukunftsfähigkeit unserer Stadt nicht nur vom Bau der besten Maschinen und Autos, sondern auch von unseren Kindern abhängt. Inzwischen sind der demografische Wandel und dessen Heraus- forderungen ein fester Bestandteil der Agenda von Bund, Land und der Stadt Stuttgart. Das Thema ist wichtiger Teil der Ar- beitsprogramme der städtischen Ämter geworden. Gemeinsam mit der Politik und der Verwaltung sind alle Bürgerinnen und Bürger eingeladen, zukünftige demografische Entwicklungen in den Blick zu nehmen. Die entscheidende Herausforderung in den meisten europäi- schen Ländern ist dabei nicht, dass wir alle die erfreuliche Per- spektive haben, immer älter zu werden und dabei immer länger gesund und fit zu bleiben, sondern dass es immer weniger Kin- der gibt. So leben in Stuttgart heute nur noch in rund 19 Pro- zent der Haushalte Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren. Zwei Kinder und mehr gibt es sogar nur noch in rund neun Pro- zent der Haushalte. Will Stuttgart nicht zu einem großen Alters- heim mutieren, müssen wir mehr für Kinder und Familien tun, das heißt eine kinderfreundlichere Stadtgesellschaft werden. Ich freue mich darüber, dass Kinder- und Familienfreundlichkeit im Stuttgarter Gemeinderat über alle Fraktionen hinweg seit ei- nigen Jahren der vorrangige kommunalpolitische Schwerpunkt ist. Das lässt sich auch an den wachsenden Finanzmitteln able- sen, die Stuttgart für seine rund 90.000 Kinder und Jugend- lichen einsetzt. Seit 1997 haben sich die Aufwendungen fast verdoppelt auf rund 590 Millionen Euro in 2008. Das bedeutet, dass die Stadt inzwischen über 6.500 Euro pro Kind bezie- hungsweise Jugendlichen im Jahr aufwendet. Rahmenbedingungen schaffen zugunsten von Eltern und Kindern Wir werben in Stuttgart dafür, dass sich wieder mehr junge Menschen für Kinder entscheiden. Dabei sind wir uns darüber im Klaren, dass es nicht ausreicht, Männer und Frauen dafür zu begeistern, Kinder zu bekommen. Wir sprechen uns auch dezi- diert dagegen aus, jungen Menschen ein verbindliches Lebens- modell vorzuschreiben. Vielmehr gilt es, Rahmenbedingungen dafür zu bieten, dass junge Paare ihr familiäres Leben indivi- duell und nach ihren Vorstellungen besser gestalten können. Um ein kinderfreundlicheres Umfeld zu schaffen, habe ich im Jahr 2003 das Arbeitsprogramm „Kinderfreundliches Stuttgart“ entwickelt. Damit Stuttgart Wunsch- und Wohlfühlort für Kin- der und ihre Familien wird, enthält das Arbeitsprogramm fünf Ziele, die jeweils mit Teilzielen und Fördermaßnahmen verbun- den sind: 1. In Stuttgart soll jedem Kind und jedem Jugendlichen eine Förderung und Bildung zuteil werden, die ihm faire Zukunfts- chancen eröffnen. 2. In Stuttgart soll es für unsere Kinder und Jugendlichen Platz zum Wohnen und Freiräume zum Spielen im Freien geben. 3. In Stuttgart soll für die Gesundheit und die Sicherheit unse- rer Kinder und Jugendlichen bestens gesorgt sein. 4. In Stuttgart soll die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, von Kindern und Karriere gewährleistet sein. 5. In Stuttgart soll ein Generationenvertrag vor Ort das aktive Miteinander von Jung und Alt verbindlich fördern. 3
  • 3. 4 Nachhaltige Paradigmenwechsel auf allen Ebenen Unsere familienpolitische Offensive hat auch die Anerkennung von Herrn Bundespräsident Professor Dr. Horst Köhler erfahren. In seinem Brief vom 24. Februar 2006 hebt der Bundespräsi- dent hervor, dass wir „in so ambitionierter und engagierter Weise darauf hinarbeiten, Stuttgart zu einem ganz besonders lebenswerten Raum für Familien zu machen“, denn für ihn sind „die vielfältigen Bemühungen der Kommunen vor Ort Zeichen eines Mentalitätswandels, den unser Land dringend braucht“. Dieser Bewusstseinswandel ist nicht nur ein kommunales Thema, sondern eine gesamtpolitische und gesamtgesellschaft- liche Aufgabe. Deshalb freue ich mich, dass inzwischen Re- formdebatten auf Landesebene stattfinden und Baden-Würt- temberg die Initiative „Kinderland Baden-Württemberg“ gestartet hat. Durch das herausragende Engagement und die Überzeugungs- kraft von Frau Familienministerin Dr. Ursula von der Leyen ist es gelungen, wesentliche Weichen auf bundespolitischer Ebene zugunsten von Kindern und Familien zu stellen. Dazu gehören vor allem das Elterngeld und die Mitfinanzierung des Ausbaus von Krippen und Kindertagesstätten, die die Rahmenbedingun- gen für Kinder und Eltern erheblich verbessern. Bürgerschaftliches Engagement Als Vater von drei Kindern weiß ich, dass Kinder nicht nur fi- nanzielle Unterstützung und eine gute Lobby brauchen, son- dern auch persönliches Verständnis und individuelle Zuwen- dung. Deshalb bin ich außerordentlich dankbar dafür, dass sich in Stuttgart viele Menschen mit ganzem Herzen für unsere Kin- der und ihre Familien einsetzen. Im „Kuratorium Kinderfreundliches Stuttgart“, das ich vor vier Jahren ins Leben gerufen habe, engagieren sich unter dem Vor- sitz von Herrn Dr. Stefan von Holtzbrinck rund 70 Persönlich- keiten aus Unternehmen, Kirchen, Wissenschaft, Kultur, Sport, Politik und Medien, um als Berater, Förderer und Initiatoren zahlreiche familienpolitische Projekte voranzubringen. Dieses Kuratorium, ergänzt um den Förderverein Kinderfreund- liches Stuttgart e. V., ist eines der Netzwerke, die in enger Zusammenarbeit mit dem Gemeinderat, der Stadtverwaltung sowie öffentlichen und privaten Institutionen unseren Eltern und Kindern konkret weiterhelfen. Die Kinderbeauftragte Roswitha Wenzl kümmert sich um die Belange von Kindern und Familien in Stuttgart.
  • 4. Der Stuttgarter Generationenvertrag Gerade in einer Stadt, in der rund die Hälfte aller Kinder Migrationshintergrund hat, bedarf es einer besonderen Qualität des Miteinanders der Nationen und Generationen. Dies war Ausgangspunkt des Stuttgarter Generationenver- trags, in dem sich Hunderte von Institutionen und Personen selbst verpflichtet haben, sich intensiv und verbindlich zu engagieren. Ich habe dieses Engagement, das die zwölf Ziele dieses Vertrages lebendig werden lässt, in dem Buch „Der Stuttgarter Generationenvertrag“ im Dezember 2007 zusammengefasst. Unser Bundespräsident, Herr Professor Dr. Horst Köhler, hat dieses gewürdigt: „Es ist beeindruckend, wie ideenreich sich die Stuttgarter Bürgerinnen und Bürger für ein gutes Miteinander von Menschen verschiedenster Lebensalter und Herkunft einset- zen. Und es ist ermutigend zu sehen, welch positive Energien ein engagiert vertretenes Leitbild freisetzen kann.“ Mehr Kinder als prognostiziert Wir sind also auf gutem Wege – wenn auch noch lange nicht am Ziel. Doch immerhin können wir feststellen, dass sich die vom Statistischen Amt der Landeshauptstadt Stuttgart abge- gebene Prognose im Jahr 2001 deutlich von den tatsächlichen Zahlen unterscheidet: Die prognostizierte Anzahl der Kinder unter drei Jahren sollte von 2003 mit 15.206 auf 2007 mit 13.587 Kindern sinken. Tatsächlich stieg diese Zahl zwischen 2003 und 2007 jedoch von 15.281 auf 15.689. Dies bedeutet eine Steigerung um 2.101 Kinder beziehungsweise rund 17 Prozent. Erfreulicherweise setzt sich der Trend 2008 fort – mit der Folge, dass die Nachfrage nach Krippenplätzen und Kita- plätzen ganz erheblich gestiegen ist. Wir wollen und werden das Angebot für unsere Kinder, Jugendlichen, Familien, Eltern und Großeltern weiter aus- bauen. Wie groß die Vielfalt der Möglichkeiten in Stuttgart ist, lässt sich der Broschüre „1001 Angebote von A bis Z für unsere Familien und Kinder“ entnehmen. Kinderbeauftragte Damit Kinderfreundlichkeit als gesamt-gesellschaftliche Auf- gabe auch seitens der Stadt besser wahrgenommen werden kann, wurde im Geschäftsbereich des Oberbürgermeisters eine hauptamtliche Kinderbeauftragte ernannt. Als Ansprech- partnerin, Koordinatorin – und häufig auch als „Kummerkas- ten“ – für die Belange von Kindern und Familien, wirkt Frau Roswitha Wenzl als hauptamtliche Kinderbeauftragte. Um ihre Arbeit zu unterstützen, gibt es in jedem Amt und in je- dem Eigenbetrieb unserer Stadt beauftragte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die sich in ihrem jeweiligen Aufgabenfeld in besonderer Weise um die Interessen von Kindern kümmern. Ferner gibt es in jedem Stadtbezirk beim Bezirksamt eine/ei- nen Kinderbeauftragte/n. Die Aufgabe wird in der Regel von der/dem Bezirksvorsteher/in wahrgenommen. Darüber hinaus sorgt eine große Zahl unserer städtischen Mit- arbeiterinnen und Mitarbeiter mit außergewöhnlichem Enga- gement dafür, dass sich Kinder in Stuttgart wohl fühlen, kom- petent betreut werden und sich persönlich entfalten können. Die Stuttgarter Bildungspartnerschaft Nicht erst seit den Ergebnissen von Pisa wissen wir, dass im deutschen Bildungssystem die Herkunft wesentlich über die schulische und berufliche Zukunft von Kindern und Jugend- lichen entscheidet. Zwar sind die Bildungsmöglichkeiten und beruflichen Chancen in Stuttgart besser als in den meisten an- deren deutschen Städten. Dennoch müssen wir im Interesse einer guten Zukunft unserer Kinder, aber auch im sozialen und wirtschaftlichen Interesse, unsere Bildungsanstrengungen er- heblich verstärken. Dabei müssen unsere besonderen Bemü- hungen den Kindern und Jugendlichen gelten, die durch ihr familiäres, soziales oder ethnisches Umfeld benachteiligt sind. Ich bin dankbar, dass der Stuttgarter Gemeinderat mit großem Engagement und konstruktiven Vorschlägen gemeinsam mit freien Trägern, Kirchen, Schulen, Jugendverbänden, Unterneh- men und weiteren Partnern das Programm Stuttgarter Bildungspartnerschaft unterstützt und durch die Gründung neuer Netzwerke für alle Kinder mitwirkt, dass möglichst kein Kind mehr durch unsere sozialen Netze fällt. Wir wollen die 5 Entwicklung der Kinderzahlen bei den unter 3-Jährigen 15441 15281 15341 15480 15564 15689 15596 15206 14991 14530 14047 13587 13185 12878 12598 12415 12237 12105 11980 11834 10000 11000 12000 13000 14000 15000 16000 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 Anzahl der Kinder unter 3 Jahren am 31.12. des jew. Jahres. Quelle: Stat. Amt der LHS Prognostizierte Anzahl der Kinder unter Drei. Quelle: Stat. Amt der LHS / Basisjahr der Prognose: 2001
  • 5. 6 fünf vorher genannten Leitziele für eine kinderfreundliche Stadt durch Fördermaßnahmen so voranzubringen, dass folgende Grundsätze gelebte Wirklichkeit werden: Prämissen 1. Da Bildung der Schlüssel für persönliche Lebenschancen, ge- sellschaftliche Teilhabe und berufliche Perspektiven ist, muss jedem Kind und Jugendlichen eine faire Chance eröffnet werden. Dies beginnt beim individuellen Lernen und Fördern in unseren Kindertagesstätten. 2. Da Herkunft und soziales Umfeld der Kinder sehr unter- schiedlich sind, müssen Bildungsangebote von den Kindern und Jugendlichen – und nicht von den Institutionen – her entwickelt werden, um eine möglichst ungebrochene Bil- dungsbiografie zu ermöglichen. 3. Damit kein Kind „verloren“ geht, müssen wir uns gezielter um die sozial benachteiligten Kinder kümmern, indem wir die Netze der Unterstützung individueller gestalten, damit möglichst kein Kind und kein Jugendlicher durch unsere För- dernetze fallen kann. 4. Wir wollen die Eltern stärker ermutigen, die Begabungen ih- rer Kinder zu fördern; dazu gehören auch die Sprachkompe- tenzen, die sich aus der jeweiligen Muttersprache ergeben. 5. Damit Eltern ihrer Verantwortung besser gerecht werden können, bedarf es vielfältiger Angebote der Elternbildung, die verstärkt auf die individuelle Lebenssituation und Her- kunft eingehen. 6. Da Bildung eine gesamt-gesellschaftliche Aufgabe ist, kann sie nur gelingen, wenn viele Partner, Organisationen und Ver- eine, aber auch viele Ehrenamtliche enger zusammenarbeiten und sich verbindlicher miteinander vernetzen. Voneinander lernen in Europa – Das Stadt- netzwerk „Cities for Children“ Von den Veränderungen des demografischen Wandels sind alle europäischen Städte betroffen. Deshalb beschäftigen sich viele Städte mit der Frage, wie sie kinderfreundlicher werden können. Um den internationalen Austausch zu fördern, habe ich gemein- sam mit der Robert Bosch Stiftung, dem Europarat und dem Rat der Gemeinden und Regionen Europas das europäische Städte- netzwerk „Cities for Children“ initiiert, in dem inzwischen über 50 Großstädte aus über 25 Ländern mitwirken. Wir wollen auch die Arbeit der einzelnen Städte miteinander vergleichen und die besten Beispiele in die breite Öffentlichkeit tragen. Deshalb wer- den europäische Städte ausgezeichnet, die innovative und kin- derfreundliche Projekte durchführen. Die erste europäische Aus- zeichnung für kinderfreundliche Städte wird im Juni 2009 erfolgen für die Themenfelder: „Freiraumgestaltung und Spiel- flächen für Kinder und Jugendliche“ sowie „Mobilität und Ver- kehrssicherheit für Kinder und Jugendliche“. Stuttgarts Weg zu mehr Kinderfreundlichkeit In den letzten fünf Jahren konnten wichtige Weichenstellungen für eine kinderfreundliche Großstadt gestellt werden. Dies schlägt sich nicht nur in den Bürgerumfragen nieder, sondern zeigt sich auch in der Evaluierung durch die Prognos AG Basel, die unseren Prozess anhand von definierten Kriterien zur Kinder- freundlichkeit begleitet. Wir wollen uns auch weiterhin mit En- gagement, Ideenreichtum und vor allem mit viel Freude dafür einsetzen, dass sich Familien in unserer Stadt wohl fühlen und unsere Kinder ein Umfeld finden, in dem sie mit ihren Begabun- gen gefördert und ihnen gute Zukunftschancen eröffnet wer- den. Für diesen Prozess bedürfen wir vieler Partner. Mein Dank gilt den Mitgliedern des Gemeinderats, den Bürgermeisterinnen Frau Gabriele Müller-Trimmbusch und Frau Dr. Susanne Eisen- mann sowie der Kinderbeauftragten Frau Roswitha Wenzl. Nicht zuletzt danke ich allen Ehrenamtlichen, stellvertretend Herrn Dr. Stefan von Holtzbrinck und allen Hauptamtlichen, die durch ihr tägliches Engagement zur Kinderfreundlichkeit und damit zur besseren Zukunftsfähigkeit unserer Stadt beitragen. Dr. Wolfgang Schuster Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Stuttgart
  • 6. Inhaltsverzeichnis 7 Einführung Seite 3 Ziel 1: In Stuttgart soll jedem Kind und jedem Jugendlichen eine Förderung und Bildung zuteil werden, die ihm faire Zukunftschancen eröffnen. Seite 11 Die Stuttgarter Bildungspartnerschaft Seite 11 1.1. Jedes Kind soll spätestens mit dem dritten Lebensjahr eine Kindertagesstätte besuchen und dabei in seiner sozialen, körperlichen und sprachlichen Entwicklung individuell gefördert werden sowie ausreichende deutsche Sprachkenntnisse bis zum Schulbeginn erwerben. Seite 14 1.2. Jedes Kind soll beim Übergang vom Kindergarten zur Grundschule dank einer engen Zusammenarbeit der Erzieher/-innen mit den Lehrer/-innen individuell begleitet werden. Seite 18 1.3. Jedes Kind und jeder Jugendliche soll sich entsprechend seinen Begabungen musisch-kulturell bilden und entfalten können. Seite 19 1.4. Jedes Kind und jeder Jugendliche soll vielfältige Möglichkeiten für Bewegung und Sport erhalten. Seite 24 1.5. Jedes Kind und jeder Jugendliche soll seine Muttersprache vertieft erlernen können im Interesse seiner persönlichen Entwicklung und seiner beruflichen Chancen in unserer Exportwirtschaft. Seite 27 1.6. Jedes Kind und jeder Jugendliche soll sich – soweit möglich – bei der Gestaltung seines Seite 28 Umfeldes einbringen können. 1.7. Jedes Kind und jeder Jugendliche soll in unserem mehrgliedrigen Schulsystem so gefördert werden, dass es/er jeweils Anschluss an eine weiterführende Schule oder eine berufliche Ausbildung erhält. Seite 30 1.8. Jeder Jugendliche in Stuttgart soll eine faire Chance auf eine berufliche Ausbildung erhalten können. Seite 33 1.9. Jedes Kind und jeder Jugendliche, auch die benachteiligten, soll faire Chancen durch ein intensives Netzwerk der Förderung in unserer Stadtgesellschaft erhalten. Seite 36 1.10. Jedes Kind und jeder Jugendliche soll durch seine Eltern dank einer intensiven Elternbildung qualifiziert unterstützt werden können. Seite 38
  • 7. Ziel 2: In Stuttgart soll es für unsere Kinder und Jugendlichen Platz zum Wohnen und Freiräume zum Spielen im Freien geben. Seite 43 2.1. Familien mit Kindern sollen in Stuttgart bezahlbaren Wohnraum finden. Seite 44 2.2. Das Wohnumfeld soll kinderfreundlicher gestaltet werden, um für die Kinder Freiräume zu öffnen. Seite 46 2.3. Öffentliche wie private freie Flächen sollen – wo immer möglich – für Kinder und Jugendliche zugänglich sein. Seite 47 Ziel 3: In Stuttgart soll für die Gesundheit und die Sicherheit unserer Kinder und Jugendlichen bestens gesorgt werden. Seite 51 3.1. Die Gesundheitsvorsorge und die medizinische Versorgung für Eltern und Kinder sollen qualitätsvoll weiterentwickelt werden. Seite 52 3.2. Jedes Kind und jeder Jugendliche soll sich gesund ernähren. Seite 54 3.3. Jedes Kind und jeder Jugendliche soll sich gefahrlos in unserer Stadt bewegen können. Seite 55 3.4. Jedes Kind und jeder Jugendliche soll vor Kriminalität geschützt sein Seite 57 Ziel 4: In Stuttgart soll die Vereinbarung von Familie und Beruf, Kindern und Karriere gewährleistet sein. Seite 61 4.1. Die Kinderbetreuung soll so ausgebaut werden, dass sich die Öffnungszeiten der Kinderbetreuung und Arbeitszeiten leichter aufeinander abstimmen lassen. Seite 62 4.2. Alleinerziehende sollen besonders unterstützt werden. Seite 64 4.3. Die Unternehmen sollen familienfreundliche Arbeitsbedingungen schaffen. Seite 65 4.4. Unsere Stadt soll für Studentinnen und Studenten so attraktiv sein, dass sie in Stuttgart bleiben und eine Familie gründen. Seite 67 Inhaltsverzeichnis 8
  • 8. 9 Ziel 5: In Stuttgart soll ein Generationenvertrag vor Ort das aktive Miteinander von Jung und Alt verbindlich fördern. Seite 69 Die zwölf Ziele des Stuttgarter Generationenvertrages Ausblick Seite 79 Cities for Children Voneinander lernen in Europa – Städtenetzwerk „Cities for Children“ Seite 81 Kuratorium und Förderverein Kinderfreundliches Stuttgart e. V. Seite 83 Ansprechpartner/-innen Kinderbeauftragte der Stadtbezirke, städtischen Ämter und weiterer Partner Seite 87
  • 9. ZUKUNFT KINDER 1. Ziel In Stuttgart soll jedem Kind und jedem Jugendlichen eine Förderung und Bildung zuteil werden, die ihm faire Zukunftschancen eröffnen. Erziehung, Bildung und Ausbildung sind unverzichtbare Voraus- setzungen, damit sich unsere Gesellschaft im Informations- und Kommunikationszeitalter zu einer Wissensgesellschaft entwi- ckeln kann. Grundlage dafür ist vielfältiges, lebenslanges Ler- nen. Deshalb ist Bildung der Schlüssel für persönliche Lebens- chancen, gesellschaftliche Teilnahme und berufliche Perspek- tiven. Es geht dabei nicht nur um formale Bildung in unseren Schulen, sondern vielmehr um lebenslanges Lernen im Sinne einer lebensbegleitenden Bildung, die uns befähigt, die vielfälti- gen Veränderungsprozesse in unserer Gesellschaft aktiv zu gestalten. Die Stuttgarter Bildungspartnerschaft Das afrikanische Sprichwort: „Um ein Kind zu erziehen, braucht es ein ganzes Dorf“ gilt umso mehr in komplexen, sich dyna- misch verändernden Stadtgesellschaften. Deshalb hat die Lan- deshauptstadt ein ganzheitliches, miteinander vernetztes und aufeinander abgestimmtes Betreuungs- und Bildungskonzept entwickelt: Die Stuttgarter Bildungspartnerschaft. In Stuttgart leben rund 90.000 Kinder und Jugendliche im Alter bis 18 Jahre, davon sind rund 50.000 Migrantenkinder. Das be- stehende Bildungssystem ist gerade im Hinblick auf Chancenge- rechtigkeit für alle Kinder nicht befriedigend. Benachteiligt sind insbesondere Migrantenkinder. An den Übergangszahlen von der Grundschule auf die Realschule oder das Gymnasium lässt sich ablesen, dass das Bildungssystem nicht ausreichend durch- lässig ist. Migrantenkinder besuchen überwiegend die Haupt- schule (79 Prozent), zu viele verlassen die Schule ohne Ab- schluss, auf den Gymnasien sind sie unterrepräsentiert. Nicht erst seit der Pisa-Studie wissen wir, dass die Bildungs- chancen in Deutschland nach wie vor sehr stark vom Eltern- haus, von der sozialen und ethnischen Herkunft abhängen. Um eine größere Chancengerechtigkeit zu erreichen, hat die Stadt Stuttgart eine Vielzahl von Initiativen ergriffen, Programme ent- wickelt und Projekte gefördert. Und das in einem verantwor- tungsvollen Miteinander mit dem Land, den freien Trägern und vielen anderen Partnern. Um künftig besser zu sein, brauchen wir ganzheitliche, mitein- ander vernetzte und aufeinander aufbauende Bildungsange- bote. Hier setzt das Konzept der Stuttgarter Bildungspartner- schaft an. Sie will die gemeinsamen Anstrengungen in unseren Kindergärten, Schulen und Vereinen, Kirchen, Unternehmen und kulturellen Bildungseinrichtungen ebenso wie die Bemü- hungen des Jobcenters verbindlicher vernetzen und weiter ent- wickeln. Ziel ist ein abgestimmtes System von Bildung, Betreu- ung und Erziehung für junge Menschen von null bis 16 Jahren. Damit sich unsere Kinder und Jugendlichen zu eigenverant- wortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeiten entwi- ckeln können, müssen sich die drei politischen Ebenen Bund, Länder und Kommunen der Verantwortung für die Bildung der Kinder und Jugendlichen bewusst sein. Bildung ist jedoch nicht nur eine gesamtstaatliche, sondern auch eine gesamt-gesell- schaftliche Aufgabe. Insoweit gilt das afrikanische Sprichwort für uns umso mehr, da wir in unserer komplexen Gesellschaft viele Partner für die Erziehung und Bildung brauchen. Dabei spielen die Eltern eine ganz zentrale Rolle. Erziehung liegt zuallererst in ihrer Verantwortung. Sie müssen sich ihres grund- gesetzlich verbrieften Erziehungsauftrags bewusst sein. Wir müssen deshalb die Eltern – im Interesse unserer Kinder – best- möglich unterstützen, vor allem dort, wo ihre Erziehungskraft nicht ausreicht. Jugendkunstschule Kinderwerkstatt e.V. 1. 11
  • 10. Integration gelingt durch Sport ganz spielerisch. Bündnis für Integration Was für die Landeshauptstadt zutrifft, gilt für viele Städte: Betrachtet man die gesellschaftliche Struktur in Stuttgart, so haben wir eine große Zahl von Kindern mit Migrationshinter- grund, häufig unvollständige Familien, viele Ein-Kind-Familien und einen – zu hohen – Anteil von Kindern, die von sozialen Transferleistungen leben müssen. Letzteres wird in der Öffent- lichkeit mit „Kinderarmut“ umschrieben. Solange unsere Stadt als attraktiv gilt, werden Menschen aus anderen Gegenden und Ländern zu uns ziehen. Inzwischen leben 170 Nationen in Stuttgart, 38 Prozent der Bevölkerung haben Migrationshintergrund. Um Antworten auf die wach- sende Internationalität zu geben, bedarf es eines ganzheitlichen Konzeptes mit Zielen und Maßnahmen. Deshalb habe ich vor acht Jahren das „Bündnis für Integration“ entwickelt. Dieses Arbeitsprogramm wird seither entsprechend den Bedürf- nissen und Erfahrungen fortgeschrieben. Nach wie vor gelten dabei folgende Prämissen: ½ Jeder, der in Stuttgart lebt, ist ein Stuttgarter, unabhängig vom Pass und seiner ethnischen Herkunft. ½ Jeder soll seine Chance in unserer Stadtgesellschaft erhalten, vor allem durch eine individuelle Förderung entsprechend seinen Bedürfnissen und Fähigkeiten. ½ Jedem soll eine gelingende Bildungsbiografie ermöglicht werden, indem die Förderung im Kindergarten beginnt und in unseren Schulen stärker individuell ausgerichtet wird. ½ Jeder soll seine Begabung und Talente entfalten können, in- dem seine Potenziale und nicht seine Defizite im Mittelpunkt stehen. ½ Jeder soll seine Muttersprache erlernen, als einen persön- lichen Gewinn sowie als wirtschaftlichen Vorteil für unsere exportorientierte Wirtschaft. ½ Jeder soll seine kulturelle Vielfalt in unsere plurale Stadtge- sellschaft einbringen, damit sie als Bereicherung für uns alle erlebbar wird. ½ Jeder soll ermutigt werden, zu lernen und sich fortzubilden und dies auch dank einer gezielten Ansprache und Mitwir- kung der Eltern. Aus diesen Prämissen hat sich eine Vielzahl von Zielen und Maßnahmen entwickelt, damit der Integrationsprozess besser gelingt als in der Vergangenheit. Dies ist von erheblicher Be- deutung nicht nur für die Zukunft des einzelnen Jugendlichen, sondern auch für die Zukunft unserer Stadtgesellschaft und un- serer Wirtschaft. Schwerpunkte sind deshalb bessere Chancen und verstärkte Teilhabe für unsere Kinder und Jugendlichen aus Migrantenfamilien vor allem durch Bildungsangebote. 12
  • 11. Ziele der Stuttgarter Bildungspartnerschaft Das Leitziel der Stuttgarter Bildungspartnerschaft lautet: „In Stuttgart soll jedem Kind und jedem Jugendlichen eine Förde- rung und Bildung zuteil werden, die ihm faire Zukunftschancen eröffnen.“ Dies soll in zehn Teilzielen, die miteinander verbunden sind und teilweise aufeinander aufbauen, erreicht werden: 1. Jedes Kind soll spätestens mit dem dritten Lebensjahr eine Kindertagesstätte besuchen und dabei in seiner sozialen, körperlichen und sprachlichen Entwicklung individuell gefördert werden sowie ausreichende deutsche Sprachkenntnisse bis zum Schulbeginn erwerben. 2. Jedes Kind soll beim Übergang vom Kindergarten zur Grundschule dank einer engen Zusammenarbeit der Erzie- herinnen mit den Lehrerinnen/Lehrern individuell begleitet werden 3. Jedes Kind und jeder Jugendliche soll sich entsprechend seinen Begabungen musisch-kulturell bilden und entfalten können. 4. Jedes Kind und jeder Jugendliche soll vielfältige Möglich- keiten für Bewegung und Sport erhalten. 5. Jedes Kind und jeder Jugendliche soll seine Muttersprache vertieft erlernen können im Interesse seiner persönlichen Entwicklung und seiner beruflichen Chancen in unserer Exportwirtschaft. 6. Jedes Kind und jeder Jugendliche soll sich – soweit möglich – bei der Gestaltung seines Umfeldes einbringen können. 7. Jedes Kind und jeder Jugendliche soll in unserem mehr- gliedrigen Schulsystem so gefördert werden, dass es/er jeweils Anschluss an eine weiterführende Schule oder eine berufliche Ausbildung erhält. 8. Jeder Jugendliche in Stuttgart soll eine faire Chance auf eine berufliche Ausbildung erhalten. 9. Jedes Kind und jeder Jugendliche, auch die Benachteilig- ten, soll faire Chancen durch ein intensives Netzwerk der Förderung in unserer Stadtgesellschaft erhalten. 10. Jedes Kind und jeder Jugendliche soll durch seine Eltern dank einer intensiven Elternbildung qualifiziert unterstützt werden können. 13 Jedes Kind braucht faire Zukunftschancen.
  • 12. 14 1.1. Jedes Kind soll spätestens mit dem dritten Lebensjahr eine Kindertagesstätte besuchen und dabei in seiner sozialen, körperlichen und sprachlichen Entwicklung individuell ge- fördert werden sowie ausreichende deut- sche Sprachkenntnisse bis zum Schulbeginn erwerben. Aufgrund der besonderen Situation einer Großstadt wie Stutt- gart mit einem sehr hohen Anteil von Kindern und Jugend- lichen mit Migrationshintergrund sollen möglichst alle Kinder spätestens mit dem dritten Lebensjahr eine Kita besuchen. Denn dort ist eine persönliche Förderung, auch in Zusammenar- beit mit den Eltern, am besten möglich. Krippenplätze Zugleich haben wir eine wachsende Nachfrage nach Krippen- plätzen, die die Vereinbarkeit von Familie und Beruf erleichtern sollen. Die Stadt Stuttgart hat deswegen in den letzten Jahren vor allem den Ausbau von Kleinkindangeboten vorangetrieben. Dank des beträchtlichen Investitionsvolumens verfügt die Stadt über einen Versorgungsgrad von derzeit 23 Prozent für die Altersgruppe bis zu drei Jahren. Der Bund unterstützt den Ausbau der Kinderbetreuung und verabschiedete im September 2008 im Bundestag das Kinder- förderungsgesetz. Damit sollen der Ausbau eines qualitativ hochwertigen Betreuungsangebotes in Deutschland beschleu- nigt und den Eltern Wahlmöglichkeiten eröffnet werden. Bis zum Jahr 2013 sollen bundesweit 35 Prozent der unter Drei- jährigen einen Betreuungsplatz erhalten können. Ab 1. August 2013 kommt ein Rechtsanspruch auf frühkindliche Förderung in einer Tageseinrichtung oder in der Kindertagespflege für Kin- der ab dem vollendeten ersten Lebensjahr hinzu. Die Landes- hauptstadt Stuttgart hat in den zurückliegenden Jahren erhebli- che Anstrengungen unternommen, nicht nur den Rechts- anspruch für Drei- bis Sechsjährige zu erfüllen, sondern insges- amt das Angebot in der Kinderbetreuung zu verbessern. Nach unserer jetzigen Planung, die finanziell abgesichert ist, werden wir bis 2010 durchschnittlich 35 Prozent der Kinder unter drei Jahren einen Krippenplatz anbieten können, bei den Drei- bis Sechsjährigen liegt das Platzangebot bei über 105 Prozent. Davon sind 43 Prozent Ganztagesangebote (siehe 1.7). Kita-Angebote Erfreulicherweise besuchen rund 90 Prozent der Kinder ab dem dritten Lebensjahr eine Kita, ab dem vierten Lebensjahr sogar zirka 98 Prozent. Dank des beträchtlichen Investitionsvolumens der letzten Jahre stehen in Stuttgart insgesamt rund 30.000 Be- treuungsplätze im Alter von drei bis sechs Jahren zur Verfügung. Die Nachfrage nach Ganztagesbetreuung im Alter bis zu sechs Jahren steigt kontinuierlich, ebenso nimmt die Nachfrage nach stunden- oder tageweiser Betreuung, nach verlängerter Abend- betreuung und Samstagsbetreuung zu. Bei den Drei- bis Sechs- jährigen konnte die Versorgung mit Ganztagesplätzen von 22 Prozent im Jahr 2000 auf 35,5 Prozent im Jahr 2008 verbessert werden. Sprachförderung in Kindertagesstätten Die Stadt Stuttgart sieht bei der frühkindlichen ganzheitlichen Erziehung noch einen großen Bedarf. Vor allem setzt sie auf in- dividuelle Förderung. Erhebliche finanzielle Mittel und hohe Subventionen werden dafür aufgebracht. 56 Prozent der Stuttgarter Kinder unter sechs Jahren sind nicht deutscher Herkunft. Knapp die Hälfte aller 963 Stuttgarter Kita- Gruppen haben mehr als 50 Prozent Kinder aus Familien mit Migrationshintergrund; in 152 Gruppen übersteigt er 80 Pro- zent. Die Mehrsprachigkeit ist für viele Kinder, wie neuere For- schungen zeigen, keineswegs ein unlösbares Problem. Sie ge- hen in der Regel souverän damit um und halten zum Beispiel Satzbau, Sprachmelodie und Wörter zweier verschiedener Spra- chen gut auseinander. Voraussetzung ist, dass sie ein variations- und kontrastreiches Sprachangebot in ihrer natürlichen Umge- bung vorfinden. Die Sprachbildung wurde in Stuttgart von Anfang an als we- sentliches Element in der Bildungsförderung kleiner Kinder ver- ankert. Bereits bei der Eingewöhnung in den Kindertagesein- richtungen wird Sprache bewusst zum Aufbau einer Beziehung und als Orientierungswerkzeug für das Kind genutzt. Die systematisch angelegte Sprachbildung wird gezielt durch Sprachförderung vertieft, wie 1999 mit dem „Konzept zur ganzheitlichen Sprachförderung“ begonnen und mittlerweile in 85 städtischen Kitas praktiziert. Die regelmäßigen Sprach- standserhebungsverfahren SISMIK (für mehrsprachige Kinder) und SELDAK (für Kinder mit Deutsch als Muttersprache) liefern Erkenntnisse über Sprachentwicklungsrückstände beim einzel- nen Kind und über pädagogisch sinnvolle Fördermaßnahmen. Sprachförderung bietet auf dieser Grundlage gezielte, aber im- mer noch spielerische Anregungen in Kleingruppen an. Zukünf- tig soll hierbei noch stärker auf Syntax und Morphologie geach- tet werden. Obwohl so zahlreiche Maßnahmen getroffen werden, nimmt die Zahl der Kinder seit Jahren zu, die bei ihrem Eintritt in die Grundschule nicht in der Lage sind, fehlerfrei Deutsch zu spre- chen. Zusammen mit dem Land sollen so bald wie möglich strukturierte Sprachstandserhebungen in allen Stuttgarter Ein- richtungen eingeführt werden. In der interkulturellen Situation Stuttgarts verbindet sich die Sprachförderung mit anderen Bildungskonzepten, wie zum Beispiel „Einstein in der Kita“. Schon 35 der insgesamt 79 Einstein-Kitas boten im Kindergar- tenjahr 2008/2009 Sprachförderung an. Bis 2010 soll es in allen Kitas, in denen der Anteil an mehrsprachig aufwachsen- den Kindern 50 Prozent übersteigt, gezielte Sprachförderung geben. Um dies zu erreichen, erhalten ab September 2008 in Stuttgart alle Gruppen in Kindertageseinrichtungen mit 50 Pro- zent und mehr Kindern mit Migrationshintergrund zusätzliche Mittel.
  • 13. Das Land Baden-Württemberg hat neue gesetzliche Regelungen zur Sprachstandserhebung verabschiedet. Danach sind für die Beobachtung des Entwicklungsstands der Kinder ein verlässliches Diagnoseverfahren sowie eine laufende Dokumentation durch Erzieherinnen notwendig. Nach Eintritt in die Kita werden zu- nächst alle Kinder deutscher wie nicht-deutscher Herkunft hin- sichtlich ihres ganzheitlichen Entwicklungsansatzes erfasst. Dabei gilt es folgende Entwicklungsbereiche zu bewerten: ½ Motorik ½ Spielen und Aufnahmefähigkeit ½ Emotionale und soziale Kompetenz ½ Sprachvermögen Auf der Basis eines qualifizierten Beobachtungsbogens ist die Diagnose über den Entwicklungsstand eines Kindes im Sinne von Meilensteinen am besten möglich. Medizinische Beratung Je nach Untersuchungsergebnis werden mit den Eltern und Er- zieher/-innen zusammen mit dem untersuchenden Arzt die wei- teren Schritte festgelegt. Soweit es sich um einen medizini- schen Befund handelt, wird das Kind in ärztliche Hände gegeben oder zum Beispiel zum Logopäden vermittelt. In einer Vielzahl der Fälle geht es aber um eine gezielte Sprachförde- rung, die in Zusammenarbeit mit den Erzieherinnen und Erzie- hern sowie den Eltern geleistet werden soll. Das Land stellt über die Landesstiftung Zuschüsse für solche ergänzende Sprachförderung zur Verfügung. Darüber hinaus intensiviert das Land die Aus- und Fortbildung der Erzieher für eine qualifizier- tere Sprachförderung. Der Stuttgarter Weg „Einstein in der Kita – unsere Kinderta- geseinrichtung als Ort für frühe Bildung, Forschergeist, Sprachwelten und Kultur“ Von 2002 bis 2005 wurde das „Einstein-Konzept“ an acht Stuttgarter Laborkitas mit dem Institut „infans“ erprobt und wissenschaftlich begleitet. Grundlagen des Programms sind langjährige Erfahrungen mit Sprachförderung und aktuelle Er- kenntnisse aus der Gehirnforschung. In den ersten drei Jahren kamen 700 Stuttgarter Kinder in den Genuss dieses Förderpro- gramms. Für „Einstein in der Kita“ wurde die Landeshauptstadt im Oktober 2005 mit einem ersten Preis im Mc-Kinsey-Wettbe- werb „Alle Talente fördern“ ausgezeichnet. Aufgrund dieses Er- folgs, der durch den Praxisforschungsbericht wissenschaftlich bestätigt wurde, wird das Projekt in den nächsten Jahren auf alle städtischen Tageseinrichtungen ausgedehnt. Im Kindergar- tenjahr 2008/09 sind bereits 79 Kitas mit über 4.100 Plätzen am Umsetzungsprozess beteiligt. Fohlenpass Mit dem „Fohlenpass“ beschreitet Stuttgart einen neuen Weg zum erleichterten Über- gang vom letzten Kindergartenjahr in die Grundschule. Der vom Jugendamt, Gesund- heitsamt und Schulverwaltungsamt konzi- pierte Fohlenpass ist ein Baustein innerhalb des Konzeptes „Einstein in der Kita“. Er gehört zur systematischen qualifizierten Begleitung und Förderung von Kindern in Tageseinrichtungen der Landeshauptstadt Stuttgart, damit sie erfolgreich in der Grundschule starten. 15 Fohlenpass von Dunja und Vivien, Freundinnen aus verschiedenen Nationen im Hort an der Jakobsschule.
  • 14. Seit Herbst 2006 erhält jedes der rund 2.000 fünfjährigen Kin- der im Jahr einen Fohlenpass. Das kindgerechte Heft zeichnet die Entwicklungsschritte auf und wird vom Kind selbst mitge- staltet. Es soll die Freude über seine Fortschritte zum Ausdruck bringen, Stärken und Interessen festhalten und gegebenenfalls eine individuelle Förderung ermöglichen. Außerdem gibt der Fohlenpass den erwachsenen Kooperationspartnern einen Ein- blick in die jeweilige Lebenssituation des Kindes und dokumen- tiert die kinderärztliche Begleitung. Zugleich enthält er auch eine inhaltliche Botschaft für die Grundschule des zukünftigen Schulkindes. Künftig wird der Fohlenpass so weiterentwickelt, dass er die neuen gesetzlichen Regeln des Landes mit der Pflicht der Doku- mentation des Entwicklungsstandes jedes Kindes integriert. Kinderhaus St. Josef wird zweites Early Excellence Center Die Heinz und Heide Dürr Stiftung, die seit 2001 in Kooperation mit dem Pestalozzi-Fröbel-Haus Early Excellence Modellprojekte in Berlin unterstützt, hat ein zweites Early Excellence Center 2007 im Kinderhaus St. Josef in Stuttgart eingerichtet. Damit ist ein Kinder- und Familienzentrum entstanden, das auch vom Land Baden-Württemberg als „Modellprojekt Bildungshäuser 3-10“ ausgewählt wurde. Zwar hat sich die Stadt Stuttgart bildungspolitisch für das Konzept „Einstein in der Kita“ ent- schieden, begrüßt aber die Initiative als innovativen Ansatz, um die frühkindliche Bildung unter Einbeziehung der Eltern zu verbessern. 2008 wurde das Kinderhaus St. Josef für seine vorbildliche und wegweisende Elternarbeit mit dem 1. Preis beim Stuttgarter Kita-Innovationspreis für Kindertagesstätten ausgezeichnet. educcare – Kindertagesstätte als UNESCO- Projektschule Die educcare Bildungskindertagesstätte Hasenbergstraße im Stuttgarter Westen ist eine bilinguale Einrichtung mit 70 Kin- dern aus 20 Nationen zwischen sechs Monaten und sechs Jah- ren. Die Beiträge entsprechen denen der Stadt Stuttgart und er- möglichen so einen breiten demokratischen Zugang. Das Team arbeitet nach dem educcare Bildungs- und Erziehungskonzept. Die Stuttgarter Kindertagesstätte educcare ist die erste und bisher einzige Kindertagesstätte in Deutschland, die von der UNESCO in das Netzwerk der Projektschulen aufgenommen wurde. UNESCO-Projektschulen stehen für Bildungseinrichtun- gen, die sich vorbildlich für Bildung in den Bereichen Men- schenrechte, Kultur und Umwelt sowie für die Erziehung zur Toleranz engagieren. Die Kinder lernen, sich aktiv in die Ge- meinschaft einzubringen und Verantwortung zu übernehmen. Als mitarbeitendes Mitglied im Netzwerk der UNESCO-Projekt- schulen verpflichtet sich die educcare Bildungskindertagesstätte Stuttgart Hasenbergstraße, die Ziele der UNESCO nachhaltig zu verfolgen. Kinderbücherei der Stadt Die Stuttgarter Kinderbücherei im Wilhelmspalais und in den Stadtteilbüchereien unterstützt die Bildungsziele der Stadt. Sie fördert ganzheitlich die Lesemotivation, will Freude am spieleri- schen Umgang mit Sprache wecken und vermittelt Kindern ei- nen kompetenten Umgang mit allen Medien. Die Stadtbücherei Stuttgart erreicht inzwischen rund 50 Prozent aller Kinder und Jugendlichen im lesefähigen Alter. Dass viele Kinder gerne Bü- cher lesen, belegen die steigenden Nutzungszahlen. Mit über 1,8 Millionen Entleihungen im Jahr 2007 erreichte die Kinder- 16 Die Stadtbücherei richtet alljährlich den Vorlesewettbewerb aus.
  • 15. bücherei 32 Prozent der Gesamtausleihen der Stadtbücherei, davon 71 Prozent Kinderbücher. In den Stadtteilbüchereien lag die Nutzung durch Kinder zwischen 35 und 45 Prozent. Zu diesen erfreulichen Ergebnissen haben sicher die fantasievol- len, didaktischen Vermittlungsaktivitäten beigetragen. Allein 2007 gab es 2.252 Angebote wie Medienrallyes, „Storytelling“ und multimediale, teilweise auch mehrsprachige Bilderbuch- shows und interaktive Erzählspiele, bei denen Kinder in die Ge- schichten eingebunden und zum Mitspielen animiert werden. Hinzu kommen Begegnungen mit Autoren sowie das erfolgrei- che Stuttgarter Vorleseprojekt „Leseohren aufgeklappt“ und Veranstaltungen wie der Astrid-Lindgren-Tag im Herbst 2007. Die Kinderbüchereien beteiligen sich an Kinderfesten, an der Stuttgarter Kinder- und Jugendbuchwoche, am Internationalen Kinderfest auf dem Marktplatz, dem Weltkindertag in den Stadtteilen sowie an der Kidsweek. Sie organisieren den Vorle- sewettbewerb des Deutschen Buchhandels, eine der ältesten Aktionen zur Leseförderung, zu der der Börsenverein des Deut- schen Buchhandels jährlich aufruft. Daneben ermöglichen alle Kinderbüchereien den kostenfreien Zugang zum Internet und bieten multimediale Lernsoftware. Etwa 700 Lese- und Lernkisten zu ausgewählten Themen wur- den 2007 für den Einsatz in Schule und Kindergarten zu- sammengestellt, 40 Prozent mehr als 2005. Die Fahrbücherei mit ihren zwei Bücherbussen betreut über 70 Schulen und Kin- dergärten in Stadtteilen ohne ortsfeste Stadtteilbücherei. Ehrenamtliches Engagement Leseohren e. V. – das Stuttgarter Vorleseprojekt Das Stuttgarter Vorleseprojekt vereint die beiden 2002 gegrün- deten Initiativen „Leseohren aufgeklappt“ und „Zeit für Kin- der“. Dank der erfolgreichen Kooperation aus Stadtbücherei, Staatlichem Schulamt, Jugendamt, Literaturhaus und Breunin- ger Stiftung werden Kinder unabhängig von sozialer Herkunft und Bildung erreicht. Inzwischen lesen rund 230 ehrenamtliche Vorlesepaten in 18 Büchereien, 32 Schulen, 59 Kindergärten und bei öffentlichen Veranstaltungen vor. Allein 2007 gab es rund 7.000 Vorleseeinsätze für 30.000 Kinder. Der Verein Lese- ohren e. V. wählt die Vorlesepaten aus, organisiert Fortbil- dungsveranstaltungen und berät bei der Auswahl geeigneter Literatur. Durch die Unterstützung der Breuninger Stiftung, der Robert Bosch Stiftung, dem Förderverein Kinderfreundliches Stuttgart e. V., Spenden und Mitgliedsbeiträgen ist es gelun- gen, das Projekt finanziell zu sichern. Seit März 2008 kann durch die Unterstützung der Louis Leitz Stiftung zusätzlich wie- der verstärkt muttersprachliches Vorlesen – in türkischer Spra- che – stattfinden. Im Rahmen des Stuttgarter Kinderfonds er- hielt die Initiative weitere Finanzsicherheit für die nächsten Jahre. Im Jahr 2006 wurde der Verein mit dem deutschen Vorlesepreis in der Kategorie „erfolgreichster Beitrag zur Integration“ ausge- zeichnet; im Sommer 2007 war der Verein zum Sommerfest des Bundespräsidenten im Schlosspark von Bellevue eingeladen. 17 Heidrun Stohrer ist eine der ehrenamtlichen Lesepatinnen.
  • 16. 1.2. Jedes Kind soll beim Übergang vom Kinder- garten zur Grundschule dank einer engen Zusammenarbeit der Erzieher/-innen mit den Lehrer/-innen individuell begleitet werden. Um den Übergang von Kindertagesstätten zur Grundschule zu erleichtern, soll dieser durch verbindliche Absprachen zwischen Kitas und Grundschule verzahnt und verbessert werden. Ziel ist es, dass alle Kitas mit den jeweiligen Grundschulen möglichst bald eine verbindliche pädagogische Zusammenarbeit entwi- ckeln und vereinbaren. Pädagogische Verbünde Stuttgart Im Modellprojekt „Bildungshaus 3-10“ des Landes ist eine För- derung aller Kinder vorgesehen, vor allem im letzten Kindergar- tenjahr und im ersten Grundschuljahr. Dies soll auch die Grund- lage der pädagogischen Verbünde Stuttgart sein. Auch hier werden die Grundschulen mit den Kitas im gemeinsamen Ein- zugsgebiet zusammenarbeiten. Die Kitas und die Grundschule werden gemeinsam ein pädagogisches Konzept entwickeln, das der inhaltlichen Ausrichtung der Landesmodelle „schulreifes Kind“ und „Bildungshaus 3-10“ entspricht. Die Maria Montessori-Schule Hausen und die Tagesein- richtung beim Fasanenhof liegen in unmittelbarer Nähe und sind sogar mit einem Gang verbunden. Mit dem „Pädagogischen Verbund“ verfolgen beide Einrichtungen das Ziel, die bereits bestehende Kooperation zu erweitern, darin neue Wege zu beschreiten und die individuelle Förderung der Kinder zu inten- sivieren. Im Kindergarten begonnene Projekte zur Sprachförde- rung sollen in der Schule ihre Fortsetzung erfahren. Orientie- rungsrahmen und Bildungsplan, die in ihren Zielsetzungen und pädagogischen Grundsatzfragen eine Einheit bilden und aufein- ander abgestimmt sind, stellen für alle im Projekt vorgesehenen Aktionen die Grundlage dar. Die Schule, die bereits seit 1997 am Projekt „Schulanfang auf neuen Wegen“ teilnimmt, bietet mit ihren jahrgangsgemischten Anfangsunterrrichtsklassen und ihrer halbjährlichen Einschulung nahezu ideale Rahmenbedin- gungen für einen pädagogischen Verbund. Je früher die Förderung, desto erfolgreicher die Bildungsbiografie. 18
  • 17. 1.3. Jedes Kind und jeder Jugendliche soll sich entsprechend seinen Begabungen musisch- kulturell bilden und entfalten können. Neben der sprachlichen Bildung kommt auch dem Bereich der musischen, kulturellen sowie wissenschaftlichen Bildung für die Entwicklung jedes Kindes eine wichtige Rolle zu. In Stuttgart gibt es in den Bereichen Musik, Theater, Kunst und Wissen- schaft vielfältige Angebote, zum Teil unentgeltlich oder so sub- ventioniert, dass sie für jedes Kind und jeden Jugendlichen be- zahlbar sind. Für finanziell schwächere Familien bietet die Bonuscard zusätzliche Förderung. Musik Stuttgarter Musikschule Die Stuttgarter Musikschule unterrichtet derzeit 1.200 Vorschul- kinder in der Elementaren Musikpädagogik. 3.300 Schülerinnen und Schüler sind im Vokal- und Instrumentalunterricht einge- schrieben und 1.050 Kinder und Jugendliche musizieren in ei- ner der 75 Mitspielmöglichkeiten wie Symphonie- und Blasor- chester, in diversen Kammermusikgruppen oder in Pop-, Jazz- und Bigbands. Ein reger nationaler und internationaler Jugend- kulturaustausch unter den Ensembles und Orchestern unter- stützt die Persönlichkeitsentwicklung der Kinder und Jugend- lichen. 76 Musikschullehrerinnen und -lehrer bieten Unterricht in 36 verschiedenen Fächern an, angefangen bei der Blockflöte bis hin zur Tuba. Regelmäßige pädagogische und künstlerische Fortbildungen gewährleisten einen qualitativ hochwertigen Musikunterricht. Die Stuttgarter Musikschule ist eine Bildungseinrichtung der Landeshauptstadt Stuttgart. Sie bietet theoretische Fächer so- wie Instrumental- und Ensembleunterricht. Darüber hinaus be- reitet sie talentierte Jugendliche auf das Musikstudium vor. Der Hauptsitz der Schule mit der Schulleitung und den zentralen Verwaltungs- und Unterrichtseinrichtungen befindet sich im TREFFPUNKT Rotebühlplatz in der Stadtmitte. Ergänzend gibt es zwölf Stadtteilmusikschulen mit eigenen Häusern und zahl- reichen dezentralen Unterrichtsstätten in allen Stadtbezirken. Die Stuttgarter Musikschule kooperiert mit über 20 allgemein bildenden Schulen, von der Förderschule bis zum Gymnasium. Derzeit sind über 500 Schülerinnen und Schüler in diesem Ko- operationsbereich eingeschrieben. In der Elementaren Musikpä- dagogik arbeitet sie mit 30 Kindergärten und Kindertagesstät- ten zusammen, in städtischer wie auch privater Trägerschaft, zum Beispiel der Sternchenkrippe des Daimler-Konzerns. Die Musikschule steht außerdem in enger Verbindung mit Vereinen der Laienmusik. Kooperationsveranstaltungen mit weiteren Partnern aus der freien Wirtschaft, zum Beispiel der Hotelkette „Le Meridien“ oder dem Bosch-Konzern und dem Daimlerkon- zern, ergänzen das Netzwerk im Bereich der musikalisch-kultu- rellen Bildung der Stuttgarter Musikschule. In der studienvorbereitenden Ausbildung und in der Begabten- klasse werden insgesamt 30 Kinder und Jugendliche besonders gefördert und speziell auf die Aufnahmeprüfung an einer Musikhochschule vorbereitet. Jährlich stellt die Stuttgarter Musikschule rund zehn Prozent der ersten Preisträger Baden- Württembergs beim Bundeswettbewerb „Jugend musiziert“. Durch einen Elternbeirat und einen Förderverein erfährt die Stuttgarter Musikschule eine zusätzliche Unterstützung durch ehrenamtlich tätige Eltern und Freunde. Eine neu gegründete Stiftung „Stuttgarter Musikschule“ fördert darüber hinaus die Arbeit und bildet mit den zwei Vorgenannten eine Lobby für die qualitativ hochwertige musikalische Bildung von Kindern und Jugendlichen in Stuttgart. Das Angebot an Plätzen und das stadtweite Netz an Außenstel- len und Stadtteilmusikschulen werden weiter ausgebaut. Mit den vom Gemeinderat 2007 zusätzlich genehmigten sechs vol- len Musikschullehrerstellen konnten bereits weitere Schülerin- nen und Schüler in der Stuttgarter Musikschule aufgenommen werden. Neue und innovative Unterrichtskonzepte werden ent- wickelt, vor allem im Bereich der musikalischen Bildung für so- zial benachteiligte Kinder und Jugendliche. Parallel dazu baut die Musikschule ihre Kooperationen mit zahlreichen Kindergär- ten, allgemein bildenden Schulen, Vereinen und kulturellen Bil- dungseinrichtungen in Stuttgart weiter aus. Alle zwei Jahre veranstaltet die Musikschule das Stuttgarter Kindermusikfest. In Zusammenarbeit mit der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart, den Stuttgarter Philharmonikern und weiteren Partnern entsteht ein abwechslungsreiches musikalisches Programm aus über 70 Veranstaltungen. Dieses Festival, das allein im Jahr 2006 mehr als 10.000 Kinder besucht haben, ist einzigartig in der Bundesrepublik. 19 Rund 4.500 Kinder und Jugendliche besuchen die Musikschule.
  • 18. 20 Stuttgarter Philharmoniker Zum Bildungsauftrag der Stuttgarter Philharmoniker gehören Kinder- und Familienkonzerte, zum Beispiel speziell für die Al- tersgruppe der Grundschüler. Die Kinder werden zum Teil aktiv in das Geschehen miteinbezogen. Im Herbst 2007 wurde erst- mals eine Kinderoper (Rossinis „Aschenputtel“ in einer eigens bearbeiteten Fassung) vor insgesamt etwa 4.000 Zuschauern aufgeführt. Pro Spielzeit stehen in meist zwei verschiedene Pro- duktionen zirka 8.000 Plätze zur Verfügung. Für Jugendliche ab zwölf Jahren bietet die Reihe „Lauschangriff – Stuttgarter Jugendkonzerte“ eine Auswahl aus dem klassi- schen Konzertrepertoire. In den moderierten Konzerten treten außer dem Orchester auch Kammermusikformationen und das Jugendsinfonieorchester der Stuttgarter Musikschule auf. Bei „Orchester hautnah“ können Kinder und Jugendliche die Arbeit der Musiker aus nächster Nähe erleben. Außerdem gibt es öf- fentliche Proben und Schulbesuche. Seit Dezember 2007 besteht zwischen den Stuttgarter Philhar- monikern und dem Jugendsinfonieorchester der Stuttgarter Musikschule ein offizieller Patenschaftsvertrag, in dessen Rah- men auch gemeinsame Proben und Konzerte realisiert werden. Chöre, Musikvereine, Karnevalvereine, Narrenzünfte und Spielmannszüge Kindern, die sich für Singen und Musizieren begeistern, ste- hen die zahlreichen Kinder- und Jugendchöre in den Kirchen- gemeinden oder den Gesang- und Musikvereinen offen. Aus- schließlich für Jungen gibt es die drei Knabenchöre Stuttgarter Hymnus-Chorknaben, Collegium luvenum Stuttgart und Bel- canto Knabenchor, für Mädchen die Mädchenkantorei der Dommusik St. Eberhard. Kinder, die gerne ein Instrument spielen, können einem der zahlreichen Blasmusikvereine bei- treten und sich im „Lehrgangsorchester“ des Blasmusikver- bands verbessern. Diese Angebote ergänzen und erweitern die Arbeit der städtischen Musikschule. Auch die Karnevalver- eine, Narrenzünfte und Spielmannszüge bieten Kindern und Jugendlichen vielfältige musikalische Betätigungsmöglichkei- ten. Dank der großen Bandbreite und Vielfalt der Stuttgarter Vereinskultur haben Kinder und Jugendliche in fast allen Stadtteilen vor Ort die Möglichkeit, ihrer Musikbegeisterung nachzugehen. Kleine Leute – Große Töne Das Musikpatenschaftsprojekt „Kleine Leute – Große Töne“ des Kuratoriums und Fördervereins Kinderfreundliches Stuttgart e. V. fördert musikalische Erziehung und Erfahrung in Tageseinrich- tungen für Kinder. Seit Herbst 2005 besuchen Berufsmusiker ehrenamtlich Kindertageseinrichtungen und musizieren dort gemeinsam mit Kindern und Erzieher/-innen, um so Freude an Musik zu wecken. 2008 konnte das Projekt aufgrund der Förderung durch die PwC Stiftung ausgeweitet werden: Ziel ist es, allen Stuttgarter Kindern im Alter von vier bis sechs Jahren die Möglichkeit zu geben, Streich-, Zupf-, Blas-, Tasten,- und Schlagwerkinstrumente einschließlich der Singstimme kennen zu lernen. Besuche von Orchesterproben zum Beispiel bei den Stuttgarter Philharmonikern oder auch beim Radio Sinfonieorchester des Südwestrundfunks sind in das Projekt eingeschlossen. Die Kinder- und Jugendkonzerte im Gustav-Siegle-Haus sind immer gut besucht.
  • 19. Jugendhäuser und Popbüro Region Stuttgart Seit mehr als vier Jahren fördert das Popbüro Region Stuttgart viele Bands und Jugendliche in Stuttgart und der Region durch Beratung, Vermittlung und Angebote von Proberäu- men. Zentrale Aufgabe ist die Förderung von Popkultur, Künstlern und Nachwuchsarbeit. Die Beratungs- und Vermitt- lungsangebote richten sich auch an Kinder und Jugendliche, die beispielsweise in Jugendbands musizieren. Der Bandför- derpreis „Play Live“ gehört ebenso zur Arbeit des Popbüros wie das Thema „Popmusik und Schule“. Im Rahmen des Wett- bewerbs Music Award Region Stuttgart (MARS) für kreative Projekte und Konzepte wurde 2006 ein Sonderpreis für das beste Popmusikkonzept an einer Schule vergeben. Das Popbüro knüpft dabei an verschiedene Aktivitäten im Be- reich der Musikförderung an. Die Stuttgarter Jugendhaus eGmbH als eine der Trägerinnen mit über 40 Jugendhäusern ermöglicht zum Beispiel vielen Jugendlichen ihre Räumlichkei- ten zu Probezwecken zu nutzen. Maßgebliche Förderer des Popbüros sind das Kulturamt und die Wirtschafts- und Ar- beitsförderung der Landeshauptstadt Stuttgart. Theater Die rund 40 Stuttgarter Theater haben kindgerechte Angebote im Repertoire: regelmäßige Inszenierungen speziell für Kinder, Liedermärchen und Liedertheater zum Mitsingen, eine monatli- che Kinderbühne mit Theateraufführungen, Clownsspielen oder Kindertheaterworkshops in den Ferien und einen Kinderspiel- club. Hinzu kommen noch rund 50 Theater ohne feste Spielstätte, die ebenfalls Kinder- und Jugendthemen in ihrem Spielplan führen. Kulturzentrum „Unterm Turm“ Stuttgart eröffnete 2004 mit dem Kulturzentrum „Unterm Turm“ eine Kultureinrichtung, die mitten in der Stadt auf einer Nutzfläche von 7.000 Quadratmetern fünf verschiedene Institu- tionen unter einem Dach vereint. Drei Theater und zwei kultur- pädagogische Einrichtungen bereichern seither das Stuttgarter Kunst- und Kulturleben: das Kinder- und Jugendtheater „Junges Ensemble Stuttgart (JES)“, das renommierte Theater „tri-bühne“, das Zentrum für Figurentheater FITZ!, die Jugendkunstschule Kinderwerkstatt e. V. (JuKuS) und der Museumspädagogische Dienst „mu*pä*di“. Alle fünf Einrichtungen sehen sich als eine Einheit, die eng zusammenarbeitet, um Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen ein spannendes Kulturerlebnis zu bieten. Kinder- und Jugendtheater JES Im JES wird nicht nur erfolgreich Theater für Kinder und Ju- gendliche gespielt, sondern auch mit ihnen. Dafür steht ein großer theaterpädagogischer Bereich, der mit Spielclubs, Werk- stätten, Vor- und Nachbereitungen und Workshops Menschen aller Generationen in der Kunst des Spielens und in der Kunst des Zuschauens gleichermaßen fördert. Gemeinsam mit den Lehrkräften der Schulen geht JES neue Wege in der Theater- arbeit. Konkret bedeutet das, Spielräume zu gestalten, die auf das Theater neugierig machen. Wichtig ist der direkte Kontakt mit den Lehrern beziehungsweise den Theaterlehrern vor Ort. Die Stuttgarter Schülertheatertage „drama 27“ sind mittlerweile zu einem festen Bestandteil der kulturellen Angebote in Stutt- gart geworden. Entscheidend für die Einladung zu „drama 27“ sind sowohl die Qualität der Inszenierung, als auch die Arbeits- weise, die Gruppendynamik sowie die Spielfreude der jungen Akteure. Internationale Vernetzungen mit dem Festival „Schöne Aussicht“, mit Gastspielen aus ganz Europa und mit Koopera- tionen wie mit dem New International Encounter (NIE) im Früh- jahr 2009 eröffnen der Kinder- und Jugendtheaterarbeit in Stuttgart weitere künstlerische und pädagogische Perspektiven. Am JES haben schon jetzt Regisseure und Choreographen aus den Niederlanden und Belgien, aus Bulgarien und Schweden, aus England und der Schweiz gearbeitet. Theatergutschein für alle Stuttgarter Erstklässler Jährlich erhalten alle Stuttgarter Erstklässler bei ihrer Einschu- lung vom Oberbürgermeister einen Geschenk-Gutschein für das Kinder- und Jugendtheater JES. Damit können die Kinder das Theater kennen lernen und bei einer Aufführung nach eigener Wahl erleben, wie spannend ein Spiel auf der Bühne ist, wenn man live dabei sein kann. Kunstvermittlung Museumspädagogischer Dienst Seit 30 Jahren sorgt der Museumspädagogische Dienst dafür, dass junge Stuttgarterinnen und Stuttgarter Verständnis für Kunst und Kultur entwickeln können. 1990 eröffnete der „mu*pä*di“ eine eigene Kunstwerkstatt, die seit Mai 2004 in großzügigen Räumen im Kulturareal „Unterm Turm“ unterge- bracht ist. Über 30.000 junge Menschen nutzten allein im Jahr 2007 eines der 1.800 Angebote. Rund 80 freie Mitarbeiterin- nen und Mitarbeiter führen Kinder durch die verschiedenen Museen und Sammlungen der Stadt und machen in museums- pädagogischen Aktionen und Projekten kulturgeschichtliche Zu- sammenhänge erlebbar. „Kunst für Kids“ Neben dem Angebot im Sommerferienprogramm „Kunst für Kids“ bietet der mu*pä*di seit 2006 auch in den Faschings-, Oster-, Pfingst- und Herbstferien Workshops an. Seit 2005 ar- beitet er außerdem mit dem Kunstmuseum Stuttgart zusam- men, zum Beispiel bei den Veranstaltungsreihen „Familiensonn- tag“, „Großelterntag“, „Drop & Shop“ sowie dem Jugend- kunstclub „Crumpled Paper“ für besonders interessierte Ju- gendliche. Durch Sparten übergreifende Kooperationen mit Theaterpädagogen und Figurenspielern entwickelt sich der mu*pä*di zu einem kulturpädagogischen Dienst. Kinder-Kunst-Karte „Komm Mit!“ heißt die neue Jahreskarte für Kinder, die das Kunstmuseum Stuttgart zusammen mit der Kinderbeauftragten der Stadt Stuttgart allen Kindern bis zwölf Jahre anbietet. Damit kann ein Kind eine erwachsene Begleitperson nach Wahl auf eine Entdeckungstour in das Kunstmuseum einladen. Egal ob Eltern, Verwandte oder Freunde, jeder kann auf Einladung ein Kind begleiten, ohne Eintritt zu bezahlen. Die Kinder-Kunst- Karte kostet pro Kind 10 Euro Jahresgebühr und berechtigt zum Eintritt in die Sammlung und alle Sonderausstellungen. 21
  • 20. 22 Jugendkunstschule Kinderwerkstatt e. V. Die Jugendkunstschule Kinderwerkstatt e. V. (JuKus) bietet seit 1972 Kunstkurse an. Ihr stehen im Kulturzentrum „Unterm Turm“ Aktionsräume und Werkstätten zur Verfügung, in denen Kinder und Jugendliche ab dem vierten Lebensjahr kreativ sein können. In der Jugendkunstschule lernen Kinder eine breite Palette krea- tiver Möglichkeiten und Ausdrucksformen kennen. Ihre Fähig- keiten werden gefördert und gefordert, die Fantasie angeregt und ihnen wird zu einem konzentrierten, engagierten und ei- genverantwortlichen Arbeiten verholfen. Sie werden dabei unter- stützt, ihre eigenen Ideen zu entwickeln und sie zu verwirklichen. Die jüngsten Teilnehmer sind Vorschulkinder. In der ästheti- schen Früherfahrung lassen sie sich von Farben und Formen verzaubern und bringen ihre Wahrnehmung spielerisch zum Ausdruck. In den Kursen für Schulkinder und Jugendliche wird mit den unterschiedlichsten Techniken und Materialien experimentiert. Dabei legt die JuKus Wert auf die Erfahrung, mit vielen gemein- sam ein Gruppenprojekt zu realisieren, also die eigenen Ideen und Fantasien in eine Gemeinschaftsarbeit zu integrieren. In den vergangenen Jahren arbeitete die JuKuS mit Kitas und Grundschulen sowie größeren Partnern zusammen. So über- nahm sie die Bühnengestaltung für die Aufführung des Kinder- musicals „Babar der kleine Elefant" der Stuttgarter Philharmoni- ker und des Musicals „Konferenz der Tiere" der Stuttgarter Musikschule. Volkshochschule Stuttgart (vhs) Die vhs Stuttgart bietet mit ihrem „Treffpunkt Kinder“ ein fami- lien- und kinderorientiertes Programm, das von einem Kinder- betreuungsangebot über kreative Kunstprojekte bis hin zu Vor- führungen von Kinderfilmen reicht. In den Kinderwerkstätten können Kinder bereits ab drei Jahren interessante und vielfältige künstlerische und handwerkliche Angebote in einem spielerischen Rahmen kennen lernen. Bei den ganz Kleinen dürfen auch die Eltern mit dabei sein. Besu- che in der Staatsgalerie und dem Kunstmuseum Stuttgart wer- den auch als Familienangebote durchgeführt. Die Kinderwerkstatt des Künstlerhauses Stuttgart e. V In der Kinderwerkstatt des Künstlerhauses können Kinder und Jugendliche im Alter zwischen fünf und 15 Jahren unter Anlei- tung einer Künstlerin oder eines Künstlers Materialien und Techniken in freier und spielerischer Weise verarbeiten und er- proben. Der Fundus hält Werkstoffe für Malerei, Zeichnung, Collage und Druck sowie für plastische Experimente in Gips, Holz, Ton und Pappmaché bereit. Die Entwicklung der eigenen Gestaltungskraft und des Ausdruckswillens steht dabei im Vordergrund. Es geht dabei weniger um das Endprodukt und technische Fragen, sondern um den individuellen Prozess bei der Arbeit und die jeweils eigene Symbolik. Diese prozessorien- tierte Arbeitsweise ermöglicht den Kindern, sich längerfristig mit einem Thema oder einem Material zu beschäftigen. Wissenschaft Kinderuniversität Seit dem Wintersemester 2007/2008 veranstalten die beiden Stuttgarter Universitäten gemeinsam die Kinder-Universität Hohenheim-Stuttgart für interessierte Acht- bis Zwölfjährige. Mit ausgesuchten Fragestellungen zeigen Dozenten, wie span- nend Wissenschaft und Forschung sein können. Gleichzeitig lernen die Schülerinnen und Schüler den Hochschulalltag kennen. Wie „echte Studenten“ erhalten alle Kinder einen Studierenden-Ausweis und können sich vor der Vorlesung in der Mensa erfrischen. Mitveranstalter der Kinder-Universität ist die Initiative zur Förderung Hochbegabter Kinder e. V. Stuttgart, Medienpartner ist die Stuttgarter Zeitung. Die Landeshauptstadt wird künftig ergänzend zum Vorlesungsstoff Besichtigungsangebote in Stuttgart und über die Kinder- und Jugendakademie vertiefende Workshops anbieten. Fehling-Laboratorium Das Fehling-Laboratorium ist ein gemeinsames Projekt der Fa- kultät Chemie der Universität Stuttgart und des Instituts für Di- daktik der Naturwissenschaften an der Universität Hohenheim. Unterstützt wird es durch das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst, das Ministerium für Kultus, Jugend und Sport, das Oberschulamt Stuttgart sowie den Fonds der chemi- schen Industrie. Förderung, Fortbildung und Ausbildung durch Chemie zum Mitmachen sind die Ziele des Stuttgarter Experi- mentierlabors, das sich an Kinder und Jugendliche in den Schu- len wendet, sich aber auch um die Fortbildung von Lehrern und Ausbildung von Lehramtsstudenten kümmert. Im „Fehling-La- boratorium“ der Universität Stuttgart haben bereits über 18.000 Kinder aus 740 Schulklassen unter fachlicher Betreuung chemische Versuche durchführen können. Planetarium Im Carl-Zeiss Planetarium in Stuttgart erwartet die Kinder und El- tern die Welt der Sterne. Das Planetarium im mittleren Stadtgar- ten verfügt über 277 dreh- und kippbare Sessel, die kreisförmig angeordnet sind. In der Mitte ist der Planetariumsprojektor instal- liert, der die beeindruckenden Bilder an die Kuppel projiziert. Das Programm wechselt regelmäßig und ermöglicht so eine abwechs- lungsreiche und stets lehrreiche Unterhaltung. Speziell für Kinder ab fünf Jahren gibt es ein eigenes Programm jeweils samstags und sonntags um 14 Uhr, das die Kinder auf einfache Art und Weise mit den kosmischen Erscheinungen vertraut macht. Ältere Kinder und Erwachsene eignen sich in den Standardprogrammen Wissen über die Entstehung der Sterne an, bestaunen den Ster- nennebel oder verfolgen den Jahresverlauf der Gestirne. In Kom- bination mit ausgewählter Musik werden auch Lasergraphiken und optische Effekte präsentiert. Diese Laservisionen sind ein be- sonderes Erlebnis für die ganze Familie. Rund um den Kuppel- raum laden mehrere Räume in Ausstellungen ein. 2007 haben circa 40.000 Kinder und Erwachsene die fünf unter- schiedlichen Kinderprogramm Programme für Fünf- bis Neunjäh- rige besucht. Das Planetarium eignet sich sehr gut, Schülern aller Altersstufen in speziellen Schulvorführungen die Grundlagen der Himmelskunde plastisch zu vermitteln. Nach jeder Vorführung besteht die Möglichkeit, Experten vor Ort zu befragen.
  • 21. Kinder- und Jugendakademie Stuttgart Die Kinder- und Jugendakademie Stuttgart ist eine Stiftung des Kultusministeriums Baden-Württemberg und der Stadt Stutt- gart. Sie fördert mit schulartübergreifenden Förderangeboten interessierte und begabte Grundschulkinder. So gibt es Veran- staltungen mit mathematisch-naturwissenschaftlichen, techni- schen, multimedialen Inhalten, aber auch Sprachkurse und Angebote aus den musischen und geisteswissenschaftlichen Bereichen. Eine Erweiterung für Jugendliche der Sekundarstufe I ist geplant. Die Kinder- und Jugendakademie Stuttgart leistet damit einen Beitrag zur kontinuierlichen Langzeitförderung besonders begabter Kinder und Jugendlicher. Kindermuseum Exploratorium Der Verein Exploratorium, Kinder- und Jugendmuseum Stutt- gart und Region e. V. bietet seit 1997 wechselnde Ausstellun- gen an, die zum Mitmachen und Experimentieren einladen und mittlerweile bereits 180.000 Besucher anlockten, darunter viele Schulklassen und Kindergartengruppen. „Hands on – Minds on, wir öffnen Welten neuer Einsichten“ ist dabei der Leitgedanke. „Experimenta – Physik für die Sinne“, „Artespace – ein interakti- ver Kunst-, Spiel- und Lernraum“ und „Ganz Ohr – Haste Töne“ sollen zum Forschen, Nachdenken und Experimentieren anre- gen. Ausstellungsorte waren unter anderem das Haus der Wirt- schaft, das Kammertheater, das Römerkastell und der TREFF- PUNKT Rotebühlplatz. Im Jahr 2008 zeigte das Kindermuseum die interaktive Ausstellung „zwei mal drei macht vier“ in Koope- ration mit der Kunststiftung Baden-Württemberg. Neue interak- tive Ausstellungskonzepte sind in der Entwicklung, unter ande- rem zu den Themen „Medien“ und „Chemie für die Sinne“. Film Internationales Trickfilm Festival „Tricks for Kids“ Jedes Frühjahr werden bei der Programmreihe „Tricks for Kids“ im Rahmen des Internationalen Trickfilm-Festivals Filme für Kinder und Jugendliche im Alter von sechs bis 15 Jahren gezeigt. Nach den Vorführungen stehen Filmemacher und Animationskünstler für alle Fragen bereit. Zahlreiche Workshops ermöglichen zusätz- lich einen Einblick in die Entstehung von Trickfilmen. Kinder vhs Beim vhs Kinderprogramm werden regelmäßig Kinderfilme für verschiedene Altersstufen im TREFFPUNKT Rotebühlplatz ge- zeigt. In den Kindermedienwerkstätten können Kinder dagegen selbst aktiv werden. Beispiele sind die „Trickfilmwerkstatt“ ab neun bis zwölf Jahre, die Kinderreporter und Workshops mit der Bluebox. Jugendhäuser Mit 41 Kinder- und Jugendhäusern, sowie Kinder- und Jugend- treffs, mit weiteren mobilen Einrichtungen und 22 Abenteuer- spielplätzen und Jugendfarmen ist die Stuttgarter Jugendhaus Gesellschaft der größte Träger offener Kinder- und Jugendar- beit in der Landeshauptstadt. In allen Stadtbezirken hat sie Kin- der- und Jugendhäuser, Treffs oder Projektbüros. Mit ihrer Ar- beit unterstützen und ergänzen die Jugendhäuser die Bildungs- angebote für Kinder ab dem sechsten Lebensjahr in der Stadt. Sie bieten Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung und Freiräume für individuelle Begabungen. Für mobile Einsätze gibt es vier kleine Transporter – „Mobifan- ten“ genannt. Sie haben viel Spielzeug und kreative Angebote im Gepäck. Seit 2001 versorgt der Kinder- und Jugendzirkus Circus Circuli die Stadtteile mit mobilen pädagogischen Aktio- nen. Vier Projektbüros setzen aktuelle Aufgaben aus den Berei- chen „Ehrenamtliches Engagement“, „Übergang Schule – Be- ruf“, „Politische Jugendbildung“ und „Großveranstaltungen“ um. Kooperationen ermöglichen weitere Angebote, wie das erlebnispädagogische Projekt „move & do“, die Cannstatter INZEL oder das Popbüro im alten Römerkastell. Die Zusammenarbeit mit den Schulen wächst kontinuierlich. 1982 gestartet, sind heute Schulsozialarbeiter an zehn Grund-, Haupt-, und Werkrealschulen aktiv. An sieben weiteren Schulen verantwortet die Gesellschaft erweiterte Betreuungsangebote, die verlässliche Grundschule sowie die Betreuung von drei Hor- ten und die Ganztagsbetreuung an der Carl Benz Schule. Seit 2006 ist die Stuttgarter Jugendhaus Gesellschaft Träger ei- nes Familien- und Stadtteilzentrums im Norden der Stadt. Drei Beispiele aus der Praxis: ½ Beim Filmdrehen mit Medienexperten werden technisches Wissen, räumliches Denken und erzählerische Ausdrucks- kraft geschult. ½ Die technischen Werkstätten bieten professionelle Werk- zeuge – vom Schweißgerät über Siebdruckmaschinen bis zum Lasercutter. Damit lassen sich handfeste Ergebnisse her- stellen, die die Kenntnisse in Physik, Technik und Handwerk vertiefen. ½ Selbst die Kleinen werden früh gefördert: In Kinderkochkur- sen erfahren schon die Jüngsten, was gesunde Lebensmittel sind und lernen ganz nebenbei auch spielerisch Rechnen. Denn schließlich müssen die Mengenangaben eines Grund- rezeptes auf die Anzahl der zu bewirtenden Gäste umge- rechnet werden. 23 Das Planetarium bietet spezielle Programme für Kinder.
  • 22. 24 1.4. Jedes Kind und jeder Jugendliche soll vielfältige Möglichkeiten für Bewegung und Sport erhalten. Inzwischen gibt es eine wachsende Zahl von Kindern, die nicht zuletzt durch stundenlanges Fernsehen und Computerspiele er- hebliche körperliche Defizite wie Übergewicht, Haltungsschä- den, Koordinationsmängel und Konzentrationsstörungen auf- weisen. Ergänzend zu den körperlichen kommen die intellektuellen und sozialen Probleme, die die Vereinsamung vor der „Glotze“ mit sich bringt. Auch die Zahl derjenigen, die ernährungsabhängige Gesund- heitsstörungen wie Adipositas aufweisen, hat bundesweit erheblich zugenommen. Ungefähr jedes sechste Kind ist über- gewichtig und bislang ist kein Stillstand in dieser besorgniserre- genden Entwicklung erkennbar. Um diesen Defiziten zu begeg- nen, müssen Freiräume leichter zugänglich sein. Darüber hinaus bedarf es aber auch der gezielten Sport- und Bewegungsange- bote speziell für Kinder und Jugendliche. Leitziele der Bewegungs- und Sportförde- rung von Kindern Stuttgart hat für den Sport fünf Leitziele für alle Schichten der Bevölkerung entwickelt. Von ganz besonderer Bedeutung dabei ist die Bewegungs- und Sportförderung für Kinder. Sportpäda- gogische Leitlinien sind Freude an der Bewegung, Bereitschaft zur Leistung, Gemeinschaft erleben, Fairplay erlernen und Ge- sundheit fördern. Bewegungskonzept in den Kitas Ausgehend von einem ganzheitlichen Sportverständnis als Teil der Stuttgarter Bildungspartnerschaft steht die frühkindliche Entwicklung im Fokus der Bewegungs- und Sportförderung. Zentrale Anknüpfungspunkte, um Eltern und Kinder für sportli- che Aktivitäten zu gewinnen, sind die Kindertagesstätten. Grundlage ist die Umsetzung des Orientierungsplans in allen Stuttgarter Einrichtungen der Kindertagesbetreuung. Einsteinkonzept zur motorischen Förderung Die gezielte und systematische Verknüpfung von Bewegung und Sprache ist im Konzept der ganzheitlichen Sprachförderung in Kitas seit Jahren Standard. Mit dem Bildungskonzept „Einstein in der Kita“ wurde ein weiterer Weg gefunden, die verschiedenen Entwicklungs- und Bildungsbereiche des Orientierungsplans zu einem integrativen, kontinuierlichen und handlungsbezogenen Konzept noch erfolgreicher miteinander zu verbinden. Bewegungsbaustellen Um mehr Bewegungsanreize in der frühkindlichen Erziehung zu geben, wurden in den städtischen Kitas flexible Bewegungs- baustellen eingerichtet. Mit der Bewegungsbaustelle sollen sich Kinder mit einfachen Bauteilen wie Holzklötzen, Brettern, Kant- hölzern, Balken, Autoreifen, Schläuchen ihre eigenen Bewe- gungsmöglichkeiten zum Klettern, Schaukeln, Wippen, Rut- schen, Balancieren und Fahren schaffen können, um damit ihre Bewegungskünste und Geschicklichkeit zu entwickeln. Die Be- wegungsbaustelle ist somit ein einfach umsetzbares Konzept, das vor allem Kindern im Vor- und Grundschulalter attraktive Angebote macht, ihre großräumigen Bewegungen zu aktivie- ren. Derzeit sind rund 100 Kitas mit einer Bewegungsbaustelle ausgerüstet oder haben Bewegungselemente in ihren Einrich- tungen. Parallel dazu werden Fachkräfte geschult und qualifi- ziert. Ziel ist der weitere Ausbau solcher Bewegungsbaustellen. Sportkindergärten – Bewegter Kindergarten Neben zwei speziellen Sportkindergärten gibt es weitere Beispiele für nachhaltige Bewegungsförderung in Kitas. So werden derzeit in zehn Kindertageseinrichtungen Pilotpro- jekte unter dem Motto „Bewegter Kindergarten“ eingerichtet. Verschiedene Kitas nehmen auch am Bundessportprojekt und an Projekten in Kooperation mit verschiedenen Krankenkassen wie zum Beispiel AOK (Tiger Kids), Techniker Krankenkasse (Be- wegte Familie, bewegte Kita) und am Kinderturnfest teil. Kinderschwimmen Seit Beginn des Jahres 2008 bieten die Kur- und Bäderbetriebe Stuttgart in sechs Hallenbädern und im LEUZE Mineralbad ein komplett neu gestaltetes Schwimmkurskonzept für Kinder an. Die Kinderschwimmkurse decken künftig alle Entwicklungssta- dien ab: Sie reichen vom Babyschwimmen und Angeboten für Kleinkinder bis hin zum Training und zur Abnahme der Deut- schen Jugendschwimmabzeichen. Speziell geschulte und vom Deutschen Schwimm-Verband zertifizierte Kursleiter gehen auf das unterschiedliche Lerntempo ein und helfen vor allem unge- übten oder ängstlichen Kindern, sichere Schwimmer zu wer- den. Insbesondere die Hallenbäder Leo-Vetter-Bad und Sonnenberg bieten Kurse an, die speziell auf Säuglinge und Kinder bis fünf Jahre zugeschnitten sind. Beim Babyschwimmen, BlubberClub oder Bambinischwimmen sammeln die Kinder erste Erfahrun- gen im Wasser und fühlen sich darin zunehmend sicherer, bis sie anschließend in der Lage sind, an einem richtigen Schwimmkurs teilzunehmen. Auch für ältere Kinder ab fünf Jahren gibt es in den städtischen Hallenbädern Schwimmunter- richt. Ob Wassergewöhnung, Seepferdchen-Kurs, Bronze-, Sil- ber-, Gold- oder Stilkurs: Gut ausgebildete Fachkräfte vermit- teln in kleinen Gruppen von maximal acht Teilnehmern und nach den neuesten sportwissenschaftlichen Erkenntnissen die richtigen Schwimmtechniken. Ein innovatives Lernkonzept spe- ziell für Kindertageseinrichtungen haben die Hallenbäder Hes- lach, Zuffenhausen und das Kinderland LEUZE erstellt: Kreative Bewegungsspiele führen hier Kinder ab vier Jahren an das nasse Element heran und ermöglichen so erste Schwimmerfahrungen ohne Leistungsdruck. Das Hallenbad Heslach bietet zudem einen Kurs an, der 15 Stunden Bewegungstraining und fünf Unterrichtseinheiten zur Ernährungsschulung umfasst, an der teilweise auch die Eltern teilnehmen. Seit Januar 2006 gibt es das Kinderland LEUZE mit einer Gesamtfläche von rund 600 Quadratmetern. Ein Planschbecken für Kleinkinder sowie ein Nichtschwimmerbecken für die größeren Kinder bieten ein Badevergnügen für die ganze Familie. In Zusammenarbeit mit Pädagogen, Architekten und Eltern wurde hier ein pädagogisch orientiertes Konzept reali- siert, das sich von den üblichen Spaß- und Erlebnisbädern abhebt.
  • 23. Beim Wasserballtraining mit dem SV Cannstatt verliert man die Angst vorm Wasser. Bewegungskonzepte in Schulen und Vereinen Die Stuttgarter Schulen verfügen mit ihren Halb- und Ganztags- angeboten und Kooperationen mit unseren Sportvereinen über eine Vielzahl an Bewegungsangeboten, die den Sportunterricht ergänzen. Um die Arbeit der Sportvereine zu ermöglichen beziehungs- weise zu erleichtern, hat die Stadt in den letzten Jahren mit großem Aufwand die Sportinfrastruktur verbessert, sei es durch Neubau oder Sanierung von Sporthallen, neue Bolzplätze und Kunststoffrasenplätze oder durch Modernisierung und Erweite- rung der Stuttgarter Schwimmbäder und Schwimmhallen. Bewegte Schule 20 Stuttgarter Grundschulen nehmen an dem Projekt „Grund- schule mit sport- und bewegungserzieherischem Schwerpunkt“ teil, das den Schülerinnen und Schülern unter anderem die Möglichkeit gibt, 200 Minuten Sport pro Woche zu treiben. Bewegung und Sport sind an diesen Schulen feste Bestandteile des Schulprogramms und prägen das alltägliche Schulleben. Die teilnehmenden Schulen verpflichten sich im Rahmen ihrer Schulentwicklung, neben der täglichen Bewegungszeit auch zunehmend qualifizierten Sportunterricht pro Kind pro Woche anzubieten. Dies ist ein Gemeinschaftsmodell mit dem Landes- institut für Schulsport Baden-Württemberg. Schulhöfe und Kitas Die Landeshauptstadt Stuttgart hat in den vergangenen Jahren immer mehr Schulhöfe auch für die Freizeit geöffnet. Derzeit sind fast 100 Schulhöfe in der unterrichtsfreien Zeit freigegeben, wei- tere sollen folgen. Die Schulhöfe eignen sich hervorragend für Spiele, vor allem Ballspiele. Sie sind darüber hinaus sichere Orte und erhöhen zugleich die Identifikation mit der Schule. Außerdem können Familien auch die städtischen Kindertages- einrichtungen sowie deren Gärten und Freiflächen täglich bis 19 oder 20 Uhr und auch samstags nutzen. Damit stehen den Kindern wohnortnah Spiel- und Freiflächen zur Verfügung. Sportvereine Erfreulicherweise bieten die rund 440 Sportvereine in allen Stuttgarter Stadtbezirken eine Vielzahl von Sportarten für alle Altersstufen an. Die Stadt Stuttgart finanziert und fördert die Sportvereine in großem Umfang für ihre Kinder- und Jugendan- gebote. „Stuttgarter-Sport-Spaß“ Unter dem Titel „Stuttgarter-Sport-Spaß“ gibt es bei den Stutt- garter Turn- und Sportvereinen seit 1994 ein differenziertes und qualifiziertes Kursangebot für Mitglieder und Nichtmitglieder. Bei vielen Kursen wird die FamilienCard als Zahlungsmittel ak- zeptiert. Unter der Rubrik „Sport-Spaß für Kinder und Jugendli- che“ sind über 300 Sportangebote für Kinder gebündelt. 25
  • 24. 26 Kooperationen Sportvereine und Kitas In Stuttgart steigt die Nachfrage nach kindgerechten Bewe- gungs- und Sportangeboten immer mehr. Deshalb kooperieren einige Kitas im Rahmen des „Forum gesunde Stadt e. V.“ mit Sportvereinen und Verbänden, zum Beispiel die Kindersport- schulen bei den Vereinen MTV Stuttgart, TV Cannstatt, TUS Stuttgart und Sportvg. Feuerbach. Gemeinschaftserlebnis Sport Das Gemeinschaftserlebnis Sport des Sportkreises Stuttgart e. V. und der Landeshauptstadt Stuttgart soll alle Kinder und Ju- gendlichen ansprechen, die nicht wissen, wie sie ihre Freizeit sinnvoll verbringen können und gerne Sport ohne Leistungs- druck treiben würden. In Anbetracht zunehmender Individualisierung und Vereinsa- mung kommt dem Programm ein großer Stellenwert speziell im Lebensbereich sozial schwacher Familien zu. Für diese Kinder und Jugendlichen ist das „Gemeinschaftserlebnis Sport“ oftmals die einfachste Möglichkeit, außerhalb des Schulunterrichts Sport zu treiben. Die freiwilligen, regelmäßigen und (sport-)pä- dagogisch betreuten Angebote erleichtern den Kindern und Ju- gendlichen den Zugang zu neuen Sportarten. Zentrales Anlie- gen ist der Aufbau von Kooperationen von Sport und Sozialarbeit mit und zwischen den im jeweiligen Stadtbezirk vertretenen Schulen. Das Projekt bildet den Rahmen, in dem die verschiedenen Einrichtungen gemeinsam Sportangebote initiieren und durchführen. Für Kinder ab der ersten Klasse und für Jugendliche gibt es kontinuierliche oder kompakte Ange- bote sowie Tagesveranstaltungen wie Turniere, Spiel- und Sportfeste, „Basketball um Mitternacht", Aktive Pause, Selbst- behauptung und erlebnispädagogische Veranstaltungen. Talentförderung Um sportliche Talente von Jungen und Mädchen zu entdecken und zu fördern, unterstützt das Sportamt der Landeshauptstadt Stuttgart die Sportvereine im Rahmen des Projekts „Talentsu- che/-förderung“. Damit sollen auch dem Leistungssport in ver- schiedenen Disziplinen neue Perspektiven eröffnet werden. Allgemeine Freiräume und offene Angebote Kinder erwünscht – Spielen erlaubt Stuttgart wirbt unter dem Motto „Kinder erwünscht – Spielen erlaubt“ auf vielen bunten Plakaten und Schildern in der Stadt dafür, dass Kinder mehr Platz zum Spielen bekommen. Die Stadt verfügt über 530 öffentlich nutzbare Spielflächen, mit da- bei sind 160 Einrichtungen für Jugendliche wie Wetz- und Bolz- plätze oder Skateranlagen. Abenteuerspielplätze und Jugendfarmen Die 24 betreuten Abenteuerspielplätze und Jugendfarmen sind Spieloasen in der Großstadt. Kinder von sechs bis 14 Jahren können die abwechslungsreichen und überwiegend kosten- freien Angebote nutzen, ausgelassen toben und spielen. Zugleich erlernen sie den verarantwortlichen Umgang miteinan- der, mit Tieren und der Natur. In der Kinder-Fußball-Akademie werden junge Talente gefördert.
  • 25. 1.5. Jedes Kind und jeder Jugendliche soll seine Muttersprache vertieft erlernen können im Interesse seiner persönlichen Entwicklung und seiner beruflichen Chancen in unserer Exportwirtschaft. Der Globalisierungsprozess verstärkt die weltweite Vernetzung von Unternehmen, Wissenschaft und Forschung. Damit wird die Internationalität der Bevölkerung zunehmen, so lange Stutt- gart – als Gewinnerin der Globalisierung – attraktiv bleibt. Für Stuttgart bietet sich die Chance, eine Stadt zu sein, in der heute schon 120 verschiedene Sprachen gesprochen werden. Da die Region Stuttgart nicht nur die exportstärkste Region in Deutschland, sondern auch in Europa ist, wollen wir den Spra- chenreichtum unserer Stadt dazu nutzen, den Wirtschafts- und Wissenschaftsstandort Stuttgart zu stärken. Zugleich bedeutet Sprachenvielfalt kulturelle Vielfalt und damit eine wichtige intel- lektuelle und kreative Ressource. Wir wollen, dass ½ jedes Kind die deutsche Sprache bis zum Schulbeginn beherrscht, wie wir in Ziel 1.3. dargestellt haben, ½ jedes Kind in der Grundschule Englisch lernt und ½ jeder Jugendliche seine Muttersprache sprechen und schreiben kann. Muttersprachliche Angebote in unseren Schulen Ergänzend zum Fremdsprachenunterricht bieten in Stuttgart derzeit 26 Schulen Italienisch, 13 Griechisch, zwölf Kroatisch, sechs Türkisch, vier Serbisch, drei Spanisch, drei Slowenisch und je eine Schule Makedonisch, Marokkanisch/ Arabisch, Portugie- sisch und Schwedisch als muttersprachlichen Zusatzunterricht an. Dies bedeutet insgesamt 54.000 Unterrichtseinheiten pro Schuljahr in den genannten Sprachen. Grund- und Hauptschulen An vielen Stuttgarter Grund- und Hauptschulen bieten die je- weiligen Konsulate in Zusammenarbeit mit dem Schulverwal- tungsamt muttersprachlichen Unterricht an, insgesamt rund 19.000 Unterrichtseinheiten pro Schuljahr. Kinder verschiedenster Kulturen besuchen die Wilhelms- schule im Stadtbezirk Wangen. Die Grundschule hat ein Projekt gestartet, das sich mit der kulturellen Vielfalt im Rahmen der kindlichen Bildung auseinandersetzt. Dabei sollen Kinder die Fähigkeit entwickeln, sich in einer vielfältig kulturellen Gesell- schaft zurechtzufinden, sich selbst und andere wertschätzen und Toleranz sowie friedliches Miteinander üben. Das interkul- turelle Profil der Wilhelmsschule hat inzwischen Vorbildcharak- ter für alle Institutionen im Stadtbezirk. Speziell für französi- sche Muttersprachler und interessierte gibt es die deutsch- französische Vorschule Georges Cuvier für Kinder von drei bis sechs Jahren und die deutsch-französische Grundschule in Stuttgart-Sillenbuch. Dieses Angebot setzt sich im Wagenburg- Gymnasium fort mit dem doppelten Abschluss Abitur und Baccalauréat. Die International School of Stuttgart ist eine 27 Tagesschule für Schülerinnen und Schüler im Alter von drei bis 18 Jahren. Unterrichtssprache ist Englisch, verschiedene inter- nationale Abschlüsse sind möglich. Realschulen In den Stuttgarter Realschulen gibt es ebenfalls von den diplo- matischen Organisationen der verschiedenen Länder mutter- sprachliche Angebote mit zirka 5.000 Unterrichtseinheiten pro Jahr. Gymnasien Verschiedene Stuttgarter Gymnasien bieten Migrantensprachen als zweite oder dritte Wahlfremdsprache an, insgesamt 7.300 Unterrichtseinheiten pro Jahr. So erfahren diese Kinder, dass ihre Muttersprache eine besondere Qualifikation bedeutet. Ei- nige Schulen verfügen inzwischen über bilinguale Klassen in Italienisch (Königin-Katharina-Stift), Französisch (Wagenburg- gymnasium), Englisch (Dillmann-Gymnasium, Ferdinand-Por- sche-Gymnasium, Königin-Olga-Stift, Paracelsus-Gymnasium, Zeppelin-Gymnasium). Kulturvereine und Konsulate Zahlreiche Migrantenkulturvereine bieten muttersprachlichen Unterricht wie Finnisch, Chinesisch und Japanisch an. Sie wer- den dabei von der Stadt gefördert, die die entsprechenden Räumlichkeiten bereitstellt. Kinder aus ehemaligen Anwerbe- ländern können in ihren Konsulaten Sprachunterricht erhalten. Landeskundliche Themen unterstützen die Verbundenheit zum Mutterland. Sprachenbalkon Der Sprachenbalkon der Kinderbücherei Stuttgart hilft Kindern beim Sprachenlernen. Hier stehen Informationen über die Le- benssituation von Kindern aus der ganzen Welt und Kinderbü- cher sowie Kindermedien in über 25 Sprachen zur Verfügung. PCs und CD-ROMs unterstützen den Deutsch- und Fremdspra- chenunterricht. Außerdem gibt es Vorlesestunden und Bilder- buchshows in mehreren Sprachen. Muttersprachliche Vorlesepaten Seit 2008 gibt es neben den Deutschen auch muttersprachliche Vorlesepaten beim Verein Leseohren e. V. Sie stellen ein wichti- ges außerschulisches Angebot dar, mit dem die multilinguale Kompetenz der Kinder gefördert werden soll. TREFFPUNKT Kinder Im TREFFPUNKT Kinder der Volkshochschule Stuttgart werden Sprachkurse für Kinder in Russisch, Französisch und Spanisch angeboten. Teilnehmen können muttersprachliche aber auch deutschsprachige Kinder.
  • 26. 1.6. Jedes Kind und jeder Jugendliche soll sich – soweit möglich – bei der Gestaltung seines Umfeldes einbringen können. Wir sind überzeugt, dass Kinder und Jugendliche kompetente und interessierte Partner und Experten in eigener Sache sein können. Deshalb ist es uns wichtig, sie grundsätzlich in die Pla- nung und Gestaltung der sie betreffenden Lebensbereiche ein- zubeziehen. Dabei wollen wir Kinder und Jugendliche in ihrem Anliegen ernst nehmen. Kinderspielplätze Stuttgart hat bei der Gestaltung vieler Kinderspielplätze gute Er- fahrungen mit der Beteiligung von Kindern gemacht. Wenn ihre Fantasie und Kreativität in die Planungen von Kinderspiel- plätzen einbezogen werden, führt das dazu, dass sich die Kin- der mit ihnen identifizieren und unsere Spielplätze zu bunten, fröhlichen und fantasievollen Orten werden. Beteiligung von Kindern, Eltern und Anliegern bei Spielplätzen Bei allen größeren Neu- und Umbauten sowie Sanierungsmaß- nahmen werden Kinder, Eltern und Anlieger in den Planungs- und Sanierungsprozess der Spielflächen einbezogen. In Besprechun- gen oder Workshops wird versucht, Vorstellungen der Planer, Kin- der, Eltern und Anlieger in Einklang zu bringen. Allerdings müssen die Wünsche dabei auch die räumlichen, rechtlichen und finan- ziellen Rahmenbedingungen berücksichtigen. Die intensive Beteili- gung ist sehr zeitaufwendig für alle Beteiligten, führt letztlich aber zu einer höheren Akzeptanz, Wertschätzung und Nutzung der neu geschaffenen Spielräume. Als Nebeneffekt können häufig Pa- ten für die weitere Betreuung und beachtliche Spenden gewon- nen werden. Zukunftswerkstatt Eine weitere Form der Mitbeteiligung von Kindern ist die Zu- kunftswerkstatt. In Stuttgart-Stammheim wurden Kinder in die Verkehrsplanung und die Gestaltung öffentlicher Räume einbe- zogen. Kinder waren an der Zukunftswerkstatt „Fun Park“ in Freiberg und Mönchfeld beteiligt. Kinderforen in Stuttgart Kinderforen sind eine Form der Beteiligung von Kindern am Stadtteilgeschehen. Sie sind ein geeignetes Instrument, um einen Bezirk oder auch ein Stadtviertel auf Kinderfreundlichkeit hin zu untersuchen und Verbesserungs- und Umsetzungsvor- schläge zu erarbeiten. Wie erleben Kinder im Alter von fünf bis 13 Jahren ihre Umgebung? Als Experten/-innen für ihre eigenen Angelegenheiten begutachten sie auf ganz unterschiedliche Weise ihr Umfeld. Ihre Ideen, Wünsche und Verbesserungsvor- schläge sollen soweit wie möglich verwirklicht werden. Deshalb präsentieren die Kinder den zum Forum eingeladenen Interes- sensvertreter/-innen aus Politik, Verwaltung und Bürgerschaft das gesammelte und erarbeitete Material. Die Erwachsenen verpflichten sich, die Interessen und Projekte der Kinder wahr- zunehmen und – soweit möglich – umzusetzen. Zukunftsoffensive Weilimdorf – Kinder, Jugend und Familie Die Zukunftsoffensive Weilimdorf – Kinder, Jugend und Familie ist ein Bürgerbeteiligungsprojekt. Gemeinsam mit allen Weilim- dorfern wurden in verschiedenen thematisch gegliederten Workshops Zukunftswünsche und -perspektiven erarbeitet, be- sonders vor dem Hintergrund des demografischen Wandels. Jugendhäuser und Jugendfarmen Die Stuttgarter Jugendhausgesellschaft leistet einen wichtigen Beitrag bei der Einbeziehung von Kindern und Jugendlichen in die Gestaltung des eigenen Umfeldes durch die Ausrichtung von Zukunftswerkstätten und Partizipationsprojekten. Kinderspielstadt Stutengarten Der Stutengarten ist eine Stadt im Kleinformat, organisiert und „bespielt" von Kindern bis 13 Jahre. Sie wurde 2008 bereits zum zweiten Mal jeweils drei Wochen in den Sommerferien im Reitstadion Bad Cannstatt veranstaltet. Über 1.000 kleine Leute gestalteten dabei mit großer Ernsthaf- tigkeit das Leben ihrer Stadt. Als Arbeitnehmer übernahmen sie in einem Beruf Verantwortung und kurbelten das städtische Wirtschaftsleben an. Als Wissenschaftler erforschten sie im Science-Center Rätsel aus Physik und Technik. Seifensieder ent- deckten ihre mathematischen Fähigkeiten beim Errechnen der Zutatenliste. Artisten schulten ihre Geschicklichkeit im Zirkus und begeisterten Besucher, die dank der Arbeit der Plakatierer zahlreich erschienen beim samstäglichen Stadtfest. Die kleinen Experten für den öffentlichen Nahverkehr klärten alle Fragen der Stutengartenbürger rund ums Thema Bus und Bahn, Stadt- führer beantworten die Fragen der Eltern beim Rundgang. Un- ter den 72 Berufen entdeckten die Kinder unbekannte Traum- jobs – und wenn nicht, dann stellten sie einen Gewerbeantrag und machten ihren eigenen Laden auf, zum Beispiel eine Kara- mellwerkstatt, einen Beautysalon oder ein Casino. Als Bürger haben die Kinder mitgemacht, mitgedacht und sich einge- mischt: Sie wählten ihren Bürgermeister, entschieden über Bau- anträge, empfingen staatsmännisch und mit Würde Gäste von außerhalb. Sie dekorierten ihre Stadt mit mitgebrachten Pflan- zen und meisterten Krisensituationen wie Überfälle und Über- schwemmungen. Mitgestaltung bei Stadtplänen Zahlreiche Kinder- und Jugendstadtpläne für die einzelnen Stadtbezirke wurden in den letzten Jahren vom Stadtmessungs- amt und der Stabsabteilung Kommunikation neu aufgelegt. Die Kinder waren jedes Mal intensiv daran beteiligt. In naher Zukunft soll es für alle Bezirke einheitlich gestaltete Kinderstadt- pläne geben. Kinder führen Kinder durchs Stuttgarter Rathaus Bei dem gemeinsamen Projekt des Stuttgarter Jugendamts und der Grund- und Hauptschule Ostheim wurden Schülerinnen und Schüler der siebten Klasse zu „Kinder-Rathausführer/-in- nen“ ausgebildet und stehen nun Schulklassen der dritten und vierten Klasse für Führungen zur Verfügung. Die Inhalte wurden gemeinsam mit den Schülern/-innen erarbeitet. 28
  • 27. 29 Jugendräte Jugendräte sind in Stuttgart seit mehr als zehn Jahren fest eta- bliert. Über diese parlamentarische Beteiligungsform können sich die Jugendlichen am kommunalen Geschehen beteiligen. Ein Jugendrat setzt sich – je nach Größe des Stadtbezirks – aus bis zu 20 Mitgliedern zusammen und wird alle zwei Jahre neu gewählt. Derzeit gibt es in 20 Stadtbezirken 229 Jugendräte. Noch 2006 gab es in nur sechs Bezirken 88 Jugendräte. Sie ver- treten die Interessen ihrer Altersgenossen gegenüber Verwal- tung und Politik. Die Jugendräte beraten die Stadtverwaltung, die Bezirksbeiräte und die Gemeinderäte bei jugendbezogenen Themen. mitWirkung „mitWirkung!“ ist ein gemeinsames Projekt der Bertelsmann Stiftung, des deutschen Kinderhilfswerks und der UNICEF. Das Projekt wird von den Hochschulen Halle-Wittenberg und Mag- deburg-Stendal begleitet. Ziel des Projekts ist es, die Beteili- gungsmöglichkeiten von Jugendlichen zu verbessern. Stuttgart hat seine vielfältigen Aktivitäten im Bereich Partizipation und seine Erfahrungen in das Netzwerk eingebracht und arbeitet aktiv daran mit. Bis Ende 2009 werden in Stuttgart rund 15 Mitarbeiter, die in ihrer täglichen Arbeit mit Partizipationsproz- essen bei Kindern und Jugendlichen zu tun haben, zu speziellen Moderatoren ausgebildet. Stadtmuseum Stuttgart Das Stadtmuseum Stuttgart soll Ende 2012 im Wilhelmspalais eröffnen. Kinder und Jugendliche sollen eine besonders wich- tige Zielgruppe des Museums sein. Deshalb wurden bereits An- fang 2008 alle Stuttgarter Schulen eingeladen, gemeinsam Ma- terialien und Aktivitäten für den Unterricht zu entwickeln. Diese werden ab 2009 in einem „Museumskoffer“ allen Schulen zur Verfügung gestellt. Im Museum selbst ist ein eigener Bereich für Kinder und Jugendliche vorgesehen, bei dessen Gestaltung sie auch mitwirken dürfen. Im so genannten „StadtLabor“ kön- nen sie sich dann selbst an der Stadtplanung beteiligen. Die Jugendräte vertreten die Interessen ihrer Altersgenossen.
  • 28. 30 1.7. Jedes Kind und jeder Jugendliche soll in unserem mehrgliedrigen Schulsystem so gefördert werden, dass es/er jeweils Anschluss an eine weiterführende Schule oder eine berufliche Ausbildung erhält. Das bestehende Bildungssystem ist im Hinblick auf Chancenge- rechtigkeit für alle Kinder nicht befriedigend. Benachteiligt sind insbesondere Migrantenkinder. An den Übergangszahlen von der Grundschule auf die Realschule oder das Gymnasium lässt sich ablesen, dass das Bildungssystem nicht ausreichend durchlässig ist. Migrantenkinder besuchen überwiegend die Hauptschule 79 Prozent), zu viele verlassen die Schule ohne Abschluss, auf den Gymnasien sind sie unterrepräsentiert (20 Prozent). Unsere Ziele sind deshalb: ½ alle Kinder und Jugendlichen sollen einen qualifizierten Schulabschluss bekommen, ½ mehr Jugendliche sollen den mittleren Schulabschluss und das Abitur machen und ½ kein Abschluss soll ohne Anschluss bleiben. Das heißt, dass jeder seinen Weg in eine berufliche Qualifikation finden kann. Bildungswege in Baden-Württemberg Um dies zu verändern, bedarf es vieler Schritte. Ein wesent- licher ist die Durchlässigkeit unseres Schulsystems. Dies hat sich in den letzten Jahren erheblich verbessert, wie die Darstellung der Bildungswege zeigt. Ausbau der Ganztagsschulen Ein wesentlicher Baustein zum Ziel, jedem Kind unabhängig von seiner sozialen und ethnischen Herkunft eine kontinuierli- che und gelingende Bildungsbiographie zu ermöglichen, ist der Ausbau von Ganztagesschulen. Eine solide schulische Bildung ist Voraussetzung für den Einstieg in eine erfolgreiche berufli- che Ausbildung und Laufbahn. Nur auf diesem Weg können auch Kinder aus sozial schwierigen Verhältnissen die sich sonst abzeichnende „Armutsspirale“ durchbrechen. In Ganztagesschulen stellt das Land zusätzliche Lehrerstunden zur Verfügung, so dass Kinder unterrichtspädagogisch gezielt intensiver gefördert werden können. Ergänzt durch Hausaufga- benbetreuung und sinnvolle Freizeitangebote in Arbeitsgemein- schaften sollen soziale Nachteile möglichst ausgeglichen, bes- sere Voraussetzungen für gelingende Übertritte in Realschule und Gymnasien und damit insgesamt bessere Schulabschlüsse erzielt werden. Dies verspricht größtmögliche Nachhaltigkeit und verbesserte Chancengerechtigkeit. Hauptschulabschluss 2-jährige Berufsfach- schule 2-jährige Berufsfach- schule (Kinderpflege/ Büro und Handel) Berufsschule und betriebliche Ausbildung 2 bis 31 /2 Jahre Sonderschule z.T. mit Bildungs- gängen der Haupt- schule, Realschule und der beruflichen Schulen (Sonderbe- rufsschule) Hochschulreife Hauptschule 5 oder 6 Jahre Gymnasium 8 bzw. 9 Jahre Berufliches Gymnasium 3 Jahre Realschule 6 Jahre 1-jährige Berufsfachschule Berufseinstiegsjahr Berufsvorbereitungsjahr 10. Schuljahr an der Hauptschule (Werk- realschule) Berufsaufbauschule 1 Jahr 9+3 Modell Berufskolleg 1 bis 3 Jahre Fachschule 1 bis 2 Jahre Fachhochschulreife Berufsoberschule ohne Haupt- schulabschluss Mittlerer Bildungsabschluss Grundschule in der Regel 4 Jahre
  • 29. Schachspielen fördert die Konzentrationsfähigkeit. Um auch hier möglichst früh die Förderung für Kinder mit Mi- grationshintergrund und aus sozial schwierigen Verhältnissen fortsetzen zu können, bereiten sich mehrere Grundschulen mit besonderer pädagogischer und sozialer Aufgabenstellung kon- zeptionell auf die Ganztagesschule vor. Dies erfordert auch Investitionen in erheblichen Umfang. Unser Ziel ist der weitere bedarfsorientierte Ausbau der Ganztages- schulen. Verlässliche Grundschule und flexible Betreuung Mittlerweile werden an 71 von 72 Grundschulen und den elf Förderschulen der Landeshauptstadt sowohl feste Unterrichts- zeiten als auch ein bedarfsorientiertes Betreuungsangebot von 7.30 Uhr bis 13 Uhr garantiert. Bereits an 31 Schulen wurde die Betreuung entsprechend dem Wunsch der Eltern auch auf den Nachmittag ausgedehnt. Insgesamt kümmern sich an Stuttgar- ter Grund- und Förderschulen 276 Betreuerinnen und Betreuer um 305 Vormittags- und 59 Nachmittagsgruppen. Die Ange- bote werden nachfrageorientiert weiter ausgebaut. Grundschule als Ganztagesangebot Die Nachfrage nach Ganztagsangeboten im Grundschulbereich steigt. Bisher gibt es in Stuttgart in sozial schwierigem Umfeld fünf formelle Ganztagsschulen. Aufgrund der Nachfrage wird sich die Zahl in den nächsten Jahren erhöhen. Der Gemeinderat hat im Jahr 2007 ein Programm zum Ausbau weiterer Ganzta- gesschulen – überwiegend im Grundschulbereich – beschlos- sen. In den Jahren 2007 und 2008 wurden daraufhin insgesamt für neun Grund- und Hauptschulen – vorrangig mit besonderer pädagogischer und sozialer Aufgabenstellung – Anträge auf Einrichtung von Ganztagesschulen beim Land gestellt. Horte In Ergänzung der erweiterten Schulangebote wurde eine große Zahl von Horten an der Schule für die Nachmittagsbetreuung eingerichtet. Sie bieten nicht nur kreative Freizeitbeschäftigung oder Aktivitäten an, sondern helfen auch bei den Hausaufga- ben. Mittlerweile gibt es in Stuttgart über 4.600 Hortplätze. Hauptschulen als Ganztagsschulen Inzwischen sind 16 Stuttgarter Hauptschulen (von insgesamt 35) als Ganztagsschulen entwickelt. Die Erfahrungen zeigen, dass sich die Anschlüsse an weiterführende Bildungsange- bote, Werkrealschulen, Realschulen und in eine berufliche Ausbildung oder ein Berufsbildungsjahr erheblich verbessert haben. Förderschulen und Sonderschulen Stuttgart hat elf Förderschulen (früher Schulen für Lernbehin- derte genannt). Sie sind für Schüler gedacht, die umfänglich und lang andauernd in ihrem Lernen beeinträchtigt sind und dadurch Leistungs- und Verhaltensformen aufweisen, die deutlich von der Altersnorm abweichen. Ziel der Förderschule ist es, die Fähigkeiten ihrer Schüler soweit zu entwickeln, dass sie nach Abschluss der Schule Anschluss an eine berufliche Weiterbildung und Ausbildung haben. An drei Stuttgarter Förderschulen gibt es ein ergänzendes Betreuungsangebot. In Stuttgart haben wir insgesamt acht Sonderschulen für Geistigbehinderte, Körperbehinderte, Hörgeschädigte, Sehbe- hinderte, Sprachbehinderte und eine Schule für Kranke, die längere Zeit am Klinikum Stuttgart behandelt werden müssen, sechs davon sind Ganztagsschulen. Zusätzlich gibt es zwei wei- tere Sonderschulen in freier Trägerschaft für Geistigbehinderte, Schwerstmehrfachbehinderte, Sehbehinderte, Blinde und für Erziehungshilfe. 31
  • 30. 32 Für Kinder und Jugendliche mit Behinderungen steht damit ein ausgebautes, differenziertes Sonderschulwesen mit sonderpä- dagogischen Angeboten zur Verfügung. Hier wird durch inten- sive sonderpädagogische Förderung auf das individuelle Be- dürfnis der Kinder und Jugendlichen eingegangen, zum Beispiel durch Entwicklungs- und Bewegungsförderung, Förderung von Orientierung und Mobilität und Förderung der Kommunikation. Grundsätzlich können in den Sonderschulen alle Bildungsab- schlüsse erreicht werden. Soweit die Behinderung es erforder- lich macht, sind auch eigenständige, spezifische Schulab- schlüsse vorgesehen. Ein Wechsel von einer Sonderschule in eine allgemeinbildende Schule ist möglich. Der Anteil an sozial benachteiligten Kindern und Kindern mit Migrationshintergrund ist an diesen Förder- und Sonderschulen überproportional groß. Realschulen Die Realschule vermittelt eine erweiterte allgemeine Bildung als Grundlage einer Berufsausbildung oder weiterführender schuli- scher Bildungsgänge in Form eines vertieften Grundwissens, praktischer Fertigkeiten sowie der Befähigung zur theoretischen Durchdringung lebensnaher Probleme. Die Landeshauptstadt Stuttgart unterhält derzeit 19 Realschulen. Für zwei Stuttgarter Realschulen wurde ein Antrag auf formellen Ganztagesbetrieb gestellt. Aufbauend auf die Grundschule führt sie in einem eigenständi- gen Bildungsgang in sechs Schuljahren zur Realabschlussprü- fung. Die Schülerinnen und Schüler können ab Klasse 7 einen Wahlpflichtbereich aussuchen, den sie als fünftes Kernfach ne- ben Deutsch, Mathematik, Englisch und naturwissenschaftli- ches Arbeiten bis zur Abschlussprüfung in Klasse 10 weiterfüh- ren müssen. Zur Auswahl stehen Französisch, Technik sowie Mensch und Umwelt. Im freiwilligen Wahlbereich werden ins- besondere musisch und praktisch orientierte Arbeitsgemein- schaften angeboten. Im Rahmen des themenorientierten Pro- jekts „Berufsorientierung an der Realschule" absolvieren die Schüler in Klasse 9 auch ein einwöchiges Berufserkundungs- praktikum. Nach sechs Schuljahren schließen die Schülerinnen und Schüler am Ende der Klasse 10 mit der Mittleren Reife ab. Mit der erfolgreich absolvierten Prüfung bieten sich verschie- dene Möglichkeiten: ½ Besuch einer auf die Realschule aufbauenden Schulart zum Erwerb der Fachhochschulreife oder allgemeinen Hochschulreife, ½ eine Berufsausbildung in Handwerk, Industrie, Handel oder Verwaltung. Gymnasien In Stuttgart gibt es 33 Gymnasien mit unterschiedlichen Profi- len und naturwissenschaftlichen, musischen und sprachlichen Schwerpunkt-Angeboten. Durch die Verkürzung auf acht Schul- jahre sind die Gymnasien praktisch zu Ganztagsschulen gewor- den. In der Regel wird auch ein Mittagessen in der Schule mit angeboten. Außerschulische Bildung und Betreuung: Auf dem Weg zur offenen Ganztagsschule Neben den formalen Ganztagsschulen gibt es an vielen Schulen Angebote zur außerschulischen Betreuung. Ziel ist es, bis 2012 nachfrageorientiert jedem Schüler ein verlässliches Ganztages- angebot zu machen. Dies insbesondere, um Begabungen indi- viduell zu fördern und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie für die Eltern leichter zu gestalten. Im Jahr 2005 hat die Landeshauptstadt Stuttgart ein Programm zur Entwicklung von Ganztagsangeboten an Stuttgarter Schu- len aufgelegt. Damit sollen verlässliche, bedarfsorientierte und außerschulische Aktivitäten auf- und ausgebaut werden, die die Grundlage für die offene Ganztagsschule bilden. Im Som- mer 2006 wurde die Stuttgarter Initiative mit dem Jugendbe- gleiterprogramm des Landes zusammengeführt zum „Stuttgar- ter Weg des Jugendbegleiters“. Unterstützt von der Stadtverwaltung, erarbeiten die Schulen ein zeitliches und in- haltliches Gerüst für ein außerschulisches Bildungsangebot und setzen es auch um. Derzeit sind bereits 80 Schulen aktiv. Das neue Ganztagskonzept erlaubt es den Schülerinnen und Schülern, die vielfältigen vorhandenen Möglichkeiten entspre- chend ihren Interessen und Begabungen am Nachmittag zu nutzen. Das können Angebote der Sportvereine, von Firmen, Jugendhäuser, Stadtbibliotheken, IHK, Jugendfarmen, Kirchen sowie vielen Instutitionen aus dem schulischen Umfeld und an- dere mehr sein. Damit diese auch tatsächlich wahrgenommen werden können, bedarf es der Koordination innerhalb der Schule und eines entsprechenden Engagements der Lehrerin- nen und Lehrer. Der finanzielle Anteil der Eltern bei diesen An- geboten beträgt 60 Cent pro Stunde. Dieses Konzept bildet die Grundlage zur Einrichtung von „offe- nen Ganztagesschulen“. „Offen“ bedeutet, dass die Teilnahme an den Angeboten nicht Pflicht ist. Für den zusätzlichen Ganztagsunterricht werden den Schulen mehr Lehrerstunden zugesprochen, die Eltern leisten hierzu keine finanziellen Beiträge.
  • 31. Erfahrene Senioren bereiten junge Schulabgänger auf das Berufsleben vor. 1.8. Jeder Jugendliche in Stuttgart soll eine faire Chance auf eine berufliche Ausbildung erhalten. Erfreulicherweise überstieg 2007/2008 im Stadtbezirk Stuttgart das Angebot an Ausbildungsplätzen die Nachfrage. Allerdings wächst die Zahl der Bewerberinnen und Bewerber, die die not- wendige Qualifikation für die gewünschte Ausbildungsstelle nicht erfüllen. Wir wollen aber, dass möglichst alle Jugend- lichen eine ausreichende Qualifikation erreichen, um sich er- folgreich um einen Ausbildungsplatz bewerben zu können. Die Ganztagsangebote an den Schulen stärken die spezifischen Begabungen und begegnen möglichen Schwächen. Jeder soll eine Chance erhalten, auch die Lernschwächeren. Deshalb macht die Stadt neben dem Berufsgrundbildungsjahr weiterhin eine Reihe von Qualifizierungsangeboten und arbeitet dabei eng mit freien Trägern und dem Jobcenter der Agentur für Ar- beit zusammen. Ein Schwerpunkt der Bemühungen liegt in der Unterstützung von Schulabgängern aus Migrantenfamilien. Hauptschulen mit einem hohen Anteil von Kindern und Jugend- lichen verschiedener sprachlicher und ethnischer Herkunft leis- ten hier eine sehr wichtige Integrationsarbeit. Dabei brauchen diese aber die aktive Unterstützung durch das soziale Umfeld im Stadtteil. Unser Ziel ist es, allen Hauptschülern individuelle Unterstützung durch Bildungspaten (Mentoren, Lernbegleiter) zu ermöglichen, damit sie einen Ausbildungsplatz erhalten oder den mittleren Schulabschluss erwerben können. Kein Abschluss ohne Anschluss! Längsschnittstudie Wir wollen die derzeitige Situation von Absolventen der Haupt- und Förderschulen genau analysieren, um daraus konkrete Maßnahmen ableiten zu können. Deshalb hat der Gemeinderat beschlossen, das Deutsche Jugendinstitut mit ei- ner dreijährigen Studie (2007 bis 2009) zu den Übergangsver- läufen Stuttgarter Haupt- und Förderschüler/-innen von der Schule in den Beruf zu beauftragen. Es soll geklärt werden, welche Wege erfolgreich sind und an welchen Stellen für welche Jugendlichen ein besonderer Unterstützungsbedarf besteht. Es handelt sich dabei um eine Vollerhebung des Abgangsjahrgangs 2007. Die Ergebnisse der ersten Erhebung wurden 2007, die der zweiten im September 2008 vorge- stellt. Daraus ergeben sich folgende Erkenntnisse: Bei den Förder- schülern gehen 6,6 Prozent weiter zur Schule, 5,3 Prozent beginnen eine Ausbildung, 86 Prozent befinden sich im Angebot der Berufsvorbereitung. 40,5 Prozent der Hauptschul- abgänger befinden sich in weiterführenden Schulen, 26,3 Pro- zent in einer Ausbildung, 27,4 Prozent in der Berufsvorberei- tung. Außerdem ergab die Untersuchung, dass Stuttgart besonders bildungsambitionierte Hauptschulabgänger hat und mit 40,5 Prozent der Jugendlichen deutlich über dem Bundes- durchschnitt von 29 Prozent liegt. Der größte Teil der Haupt- schulabgänger geht weiter zur Schule mit dem Ziel, einen höheren Abschluss (Realschulabschluss) zu erwerben. Junge Migranten und Migrantinnen haben allerdings auch hier eine niedrigere Wahrscheinlichkeit, in eine Ausbildung einzu- münden. Die Familie erweist sich erneut als zentrales Unterstüt- zungssystem für eine positive Bildungsbiografie. 33
  • 32. Berufliche Schulen Die Chance einer guten persönlichen Zukunft liegt wesentlich in einer fundierten Bildung. Eine umfassende Aus- und Fort- bildung ist der beste Schutz vor Arbeitslosigkeit. Dabei werden neben Fachwissen breit angelegte Basisqualifikationen wie Teamfähigkeit, Kreativität oder Informations- und Methoden- kompetenz immer wichtiger. Unsere Unternehmen und Betriebe brauchen hervorragend aus- gebildete Fachleute. Unsere berufsfeldspezifisch ausgerichteten Schulen mit ihrem qualitativ hohen Standard sind Garanten für gute Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten. Die Landeshaupt- stadt Stuttgart ist sich ihrer Verantwortung bewusst und wird die weitere Entwicklung der Beruflichen Schulen mit hoher Priorität voranbringen. In der beruflichen Bildung stehen meh- rere Wege offen: 1. der Eintritt in ein Ausbildungsverhältnis (Lehre) mit gleichzei- tigem Besuch der Berufsschule im dualen System, 2. der Besuch einer beruflichen Vollzeitschule je nach Vorbil- dung zum Beispiel einer Berufsfachschule, eines Berufskol- legs oder eines Beruflichen Gymnasiums zur Erlangung eines (höherwertigen) Schulabschlusses bis zur Hochschulreife, teilweise mit Doppelqualifizierung eines beruflichen Ab- schlusses und 3. der Besuch einer Fachschule, deren Abschluss zum Führen eines eigenen Betriebs qualifiziert. Die Landeshauptstadt Stuttgart ist Trägerin von derzeit zwölf gewerblichen Schulen, sechs kaufmännischen Schulen, zwei hauswirtschaftlichen Schulen und einer landwirtschaftlichen Schule mit jeweils vielfältigen Bildungsgängen. Viele private Bildungseinrichtungen in Stuttgart bieten über die staatlichen Einrichtungen hinaus ein vielfältiges Spektrum von beruflichen Weiterbildungsmöglichkeiten. Die Ausbildungen sind in der Regel vollschulisch mit hohem Praxisanteil, die Abschlüsse staatlich anerkannt oder gleichwertig. Die meisten dieser Schu- len sind im Verband Deutscher Privatschulen (VDP) organisiert. Ausbildungsplätze für Jugendliche Stuttgart ist mit München die Großstadt mit der niedrigsten Arbeitslosigkeit und der geringsten Jugendarbeitslosigkeit in Deutschland. Trotzdem bedarf es vieler Initiativen der Stadt und der Unternehmen, neue Arbeitsplätze zu schaffen und vorhan- dene zu sichern. Die Stadt kümmert sich sehr intensiv um Inves- toren und Investitionen. Auch der Konzern „Stadt Stuttgart“ hat durch eigene Anstrengungen, vor allem durch Investitionen und Investitionsförderung, dazu beitragen, den Wirtschafts- standort wettbewerbsfähig zu halten, damit neue Arbeitsplätze entstehen. Konzern „Stadt Stuttgart“ als Ausbilder Derzeit bildet die Stadt rund 1.200 Jugendliche in einer Vielzahl von Berufen aus. Darin enthalten sind die Ausbildungsplätze aller Betriebe einschließlich Klinikum. 34 Je qualifizierter die Ausbildung desto besser die Berufschancen.
  • 33. 35 Zusätzliche Fördermaßnahmen Stuttgart bietet neben den genannten strukturellen Maßnah- men eine Vielzahl an zusätzlichen Förderprojekten an: „Startklar“ Beim Projekt „Startklar“ unterstützen Seniorpartner Schüler/- innen der Klassen 8 und 9 bei der Berufsvorbereitung. Es wird derzeit bereits an fünf Hauptschulen angeboten: Grund- und Hauptschule Ostheim, Friedensschule, Bismarckschule, Heusteigschule und Hohensteinschule. „Freunde schaffen Erfolg" An der Rosensteinschule unterstützen Juniormentoren (so ge- nannte Peers) die Hauptschüler beim Übergang von der Schule in die berufliche Ausbildung. Projektträger ist die Mobile Jugendarbeit Nord des Caritasverbandes (Haus 49). „Lernaktiv" Förderunterricht wird durch Studenten an Hauptschulen ab Klasse 5 angeboten. Ein vergleichbares Angebot hat die Schul- sozialarbeit der Caritas an der Fasanenhofschule aufgebaut. Berufliche Übergangsförderung Im Bereich der beruflichen Übergangsförderung wird in Stutt- gart, insbesondere seit 2005, gemeinsam mit dem JobCenter an einer Verbesserung der Kooperation und Verzahnung der Angebote gearbeitet. Ziele sind, „Berufskarrieren statt Maßnah- mekarrieren“ von jungen Menschen zu ermöglichen, Ressour- cen effektiver zu bündeln und Doppelstrukturen abzubauen so- wie ein aufeinander abgestimmtes Baukastensystem der Hilfen im Übergang Schule-Beruf zu entwickeln. Förderprogramm „Perspektive Berufsabschluss/Lokales Übergangs- management“ Durch die Aufnahme der Landeshauptstadt Stuttgart in das För- derprogramm „Perspektive Berufsabschluss/Lokales Übergangs- management“ können die Ressourcen erweitert und die bishe- rige Arbeit intensiviert werden. Das Programm soll nicht einzelne Ansätze beziehungsweise Maßnahmen fördern, son- dern lokale Strukturen und den Aufbau einer lokalen Verant- wortungsgemeinschaft. Mit dem Programm „Aufbau und Verstetigung eines regionalen Übergangsmanagements Schule-Beruf (RÜM) (2008 bis2012)“ verfolgt die Stadt das Ziel, zu einer abgestimmten Maßnahme- planung im Bereich der beruflichen Übergänge chancenarmer Jugendlicher zu gelangen und damit die Wege von der Schule in die Ausbildung zu verkürzen. Bislang besteht eine Vielzahl an Angeboten in diesem Bereich, nicht immer sind sie optimal auf- einander abgestimmt. Deshalb verfolgen wir in den nächsten Jahren zusammen mit dem BMBF bis zum 31. März 2012 folgende Ziele: 1. Verbesserung der kommunalen Datenlage, 2. Aufbau einer individuellen Übergangsbegleitung von der 8. Klasse Hauptschule bis in die Ausbildung hinein, 3. der Aufbau von Elternberatung im beruflichen Übergang ihrer Kinder, insbesondere für Mütter und Väter mit Migra- tionshintergrund, 4. die Intensivierung der Zusammenarbeit mit der Wirtschaft. Diese Ziele werden im Rahmen eines ausgearbeiteten Struktur- und Beteiligungsmodells umgesetzt. Im Rahmen der Stuttgarter oben genannten Längsschnittstudie „ Stuttgarter Haupt- und Förderschüler/-innen auf dem Weg von der Schule in die Berufsausbildung“ werden Verläufe eines Gesamtjahrgangs verfolgt und dabei konkrete Handlungsemp- fehlungen entwickelt. Ein gutes Beispiel ist die Jobinitiative Giebel, eine kompetente Beratungsstelle verschiedener Koope- rationspartner zu den Themen Übergang Schule/Beruf, Ausbild- ung, Beruf und Sprache und Problemstellungen des täglichen Lebens. Die Initiative hat an fünf bis sechs Tagen der Woche geöffnet und bietet spezielle Unterstützungsangebote unter einem Dachfür alle Zielgruppen.
  • 34. 36 1.9. Jedes Kind und jeder Jugendliche, auch die benachteiligten, soll faire Chancen durch ein intensives Netzwerk der Förderung in unserer Stadtgesellschaft erhalten. Stuttgarter Netze für alle Kinder Das Programm „Kinderfreundliches Stuttgart“ beschreibt im Wesentlichen die Ziele, die gerade benachteiligten Kindern in der Stadt eine gelingende Bildungsbiographie und erfolgreiche Berufsperspektiven eröffnen sollen. Unabhängig von ihrer jeweiligen Herkunft und sozialen Situa- tion sollen allen Kindern positive Zukunftschancen ermöglicht werden. Jedes Kind soll sowohl am gesellschaftlichen Leben, als auch an den Bildungs- und Kulturangeboten der Stadt teil- haben können und individuell darin unterstützt werden, seine Fähigkeiten und Chancen zu nutzen. Damit diese genannten Zielsetzungen erreicht werden können, sind besondere An- strengungen für benachteiligte Bevölkerungsgruppen zu unter- nehmen. Daher wurde als ein Ergebnis der „Strategiekonferenz Kinder- armut“ beschlossen, zentrale und dezentrale Netzwerke zu bilden, um in gemeinsamer Anstrengung aller relevanten Akteure und Institutionen zu einer nachhaltigen Verbesserung der Lebenschancen dieser Kinder beizutragen. Außerdem sollen neben der Umsetzung von konkreten Maßnahmen, insbesondere auch präventiv wirkende, nachhal- tige Strukturen aufgebaut werden, um der Entstehung und der Verfestigung von prekären Lebenslagen grundsätzlich und so früh wie möglich entgegenzuwirken. Hier sind wir in Stuttgart bereits in vielen Bereichen auf gutem Weg. So wurden zum Beispiel im Rahmen der Stuttgarter Bildungspartnerschaft strukturelle Grundlagen für die Qualitätsentwicklung der Kindertageseinrichtungen und Grundschulen geschaffen und eine breite Palette weiterer Unterstützungsmaßnahmen auf den Weg gebracht. Diese gilt es nun, im Rahmen der Netz- werke, zu bündeln und – je nach Lage der Dinge – zu vertiefen. Nachhaltigkeit als zentrales Prinzip Als zentrales Prinzip der Entwicklung aller Strategien und Maß- nahmen zur Verbesserung der Lebenssituation benachteiligter Kinder in Stuttgart gilt das Prinzip der Nachhaltigkeit. Neben der Umsetzung von Einzelmaßnahmen und Projekten ist es notwendig, längerfristige Strategien zu entwickeln, die Kinder beziehungsweise Familien benachteiligter Bevölkerungsgrup- pen möglichst früh erreichen, einen gelingenden Einstieg in die Regelbildungsinstitutionen unterstützen sowie eine indivi- duelle Förderung in den einzelnen Bildungsinstitutionen ge- währleisten. Regeleinrichtungen stärken Aus dem Prinzip der Nachhaltigkeit folgt die klare Handlungs- strategie, die mit dem Ziel „Regeleinrichtungen stärken gege- benenfalls ausbauen“ umschrieben werden kann. In Stuttgart werden die bereits begonnenen Prozesse des Aus- baus und der Vernetzung der Angebote und Institutionen im Bereich Bildung, Betreuung und Erziehung durch weitere An- strengungen konsequent fortgeführt. Schwerpunkte der Förderung Die finanziellen Leistungen für bedürftige Familien mit Kinder belaufen sich auf 80 Millionen Euro. Ergänzend hat der Ge- meinderat für den Haushalt 2009 ein umfassendes Maßnahme- paket zur Unterstützung von bedürftigen Kindern mit einem finanziellen Umfang von 2,5 Millionen verabschiedet. Damit werden folgende Maßnahmen finanziert: Bonuscard Die Bonuscard ist eine freiwillige Leistung der Stadt Stuttgart für Bezieher von Arbeitslosengeld, Sozialhilfe und Grundsiche- rungsleistungen sowie für Menschen, deren Einkommen unter- halb bestimmter Grenzen liegt, beziehungsweise Familien mit fünf oder mehr Kindern ohne Einkommensprüfung. Die Karte ermöglicht es, trotz finanzieller Einschränkungen weiterhin am kulturellen, sportlichen und sozialen Leben der Stadt teilzuneh- men. So gewähren die meisten Institutionen und Einrichtungen in der Stadt Ermäßigungen. Zukünftig werden 14 Prozent mehr Familien in den Genuss der Bonuscard kommen. Ab Januar 2009 wird es eine Anpassung der Einkommensgrenze für die Bonuscard-Bezieher geben, die künftig regelmäßig erfolgen soll. Die Einkommensgrenze für die einzelnen Haushaltstypen wird auf der Basis der tatsächlichen Wohnkosten der Stuttgarter SGB II-Leistungsempfänger und der aktuellen Regelsätze neu ermittelt und um einen Schwellen- haushaltszuschlag erhöht. Gebührenbefreiung ½ Kinder von null bis zwölf Jahren aus Familien mit Bonuscard- Berechtigung werden von den Gebühren für städtische und auch freie Kindertagesstätten und Horte befreit. Alle Kinder- tageseinrichtungen erhalten zudem für jedes bonusberech- tigte Kind ein frei verfügbares Budget von 100 Euro pro Kin- dergartenjahr. ½ Bonuscard berechtigte Kinder werden von den anfallenden Gebühren der verlässlichen Grundschule und in der außer- schulischen Bildung und Betreuung befreit. Schulanfänger von Bonuscard berechtigten Familien werden mit 100 Euro für die Erstausstattung für Schulmaterialien unterstützt. ½ Die städtischen allgemeinbildenden Schulen und Sonder- schulen erhalten für jedes Bonuscard berechtigte Kind pro Schuljahr 50 Euro frei zur Verfügung, zum Beispiel für Klas- senfahrten, Unterrichtsmaterialien. Zu Beginn des zweiten Schulhalbjahres 2009 erhalten alle Kinder mit Bonuscard in allen Kindertagesstätten sowie an allen städtischen, allge- mein bildenden Schulen und Sonderschulen und Sonder- schulkindergärten ein Mittagessen für einen Euro. ½ Für Schulen und Kindertagesstätten wird eine Internetplatt- form aufgebaut, um den Bürgerinnen und Bürgern zielge- richtet Unterstützungs- und Spendenangebote zu ermög- lichen.
  • 35. Arbeitsstrukturen: Zentrales Netz und dezentrale Netze für alle Kinder Zur Umsetzung und zur weiteren Entwicklung von Strategien und Maßnahmen für eine nachhaltige Verbesserung der Le- benssituation benachteiligter Kinder in Stuttgart ist ein koordi- niertes Vorgehen und eine entsprechende Zusammenarbeit al- ler relevanten Akteure erforderlich. Diese Zusammenarbeit wird sowohl zentral als auch dezentral organisiert. Zentral wurde ein „Stuttgarter Netz für alle Kinder“ gegründet, in dem alle relevanten Akteure (Stadtverwaltung, Schulen, Kirchen, Elternvertreter und Wohlfahrtsverbände) zusammen arbeiten. Die Ziele des Stuttgarter Netzes für alle Kinder finden ihre Entsprechung in den dezentralen Netzwerken und werden vor dem Hintergrund der spezifischen Situation im Stadtbezirk gebildet. Die Gremien dienen sowohl dem Wahrnehmen von Bedarfslagen als auch dem gemeinsamen Handeln. Bestehende Möglichkeiten sowie räumliche und personelle Ressourcen vor Ort sollen für die Zielgruppe „Kinder und Familien benachteilig- ter Bevölkerungsgruppen“ genutzt werden. Die dezentralen Netze setzen sich – analog zum zentralen Netz – aus allen relevanten Akteuren im Stadtbezirk zusammen. Diese sind insbesondere Vertreter/-innen der Bezirksbeiräte, der relevanten Ämter und Stabsstellen, der im Stadtbezirk tätigen Träger der Kinder- und Jugendhilfe, der Schulen, der Elternver- treter, der Kirchengemeinden, der lokalen Wirtschaft etc. Die Kinderbeauftragten in den Stuttgarter Stadtbezirken tragen die Verantwortung für den Aufbau einer dezentralen Vernetzungs- struktur. Sie benennen die Mitglieder des Netzwerks und unter- breiten diesen Vorschlägen zur Zusammenarbeit vor Ort. 37 Alle Kinder mit Bonuscard bekommen ein Mittagessen für einen Euro.
  • 36. 1.10. Jedes Kind und jeder Jugendliche soll durch seine Eltern dank einer intensiven Elternbildung qualifiziert unterstützt werden können. Damit Eltern ihrer Verantwortung besser gerecht werden kön- nen, bedarf es vielfältiger Angebote der Elternbildung, die ver- stärkt auf die individuelle Lebenssituation und Herkunft einge- hen. Elternseminar der Stadt Stuttgart Das Elternseminar ist eine städtische Einrichtung, die Väter und Mütter in ihrem Erziehungsauftrag stärkt, ermutigt und befä- higt, sich Erziehungskrisen zu stellen. Praktische Hilfestellung und pädagogische Einsichten sollen Eltern Mut machen, ihren Erziehungsauftrag wahrzunehmen. Ihr Selbstbewusstsein und ihre Fähigkeit zur Auseinandersetzung werden gestärkt, damit sie ihre Kinder zu selbstsicheren, kritikfähigen und mutigen Menschen erziehen können. Junge Familien mit Kleinkindern erhalten in den Kursen und Gesprächsgruppen des städtischen Elternseminars konkrete Anregungen und Orientierung für den Alltag mit kleinen Kindern. In stadtteilnahen Treffpunkten kön- nen neue Kontakte und Formen gegenseitiger Entlastung ent- stehen. Das Elternseminar ist seit 1963 die kommunale Fami- lienbildungseinrichtung Stuttgarts. Unter dem Motto „Das Treff- und Lernangebot in Ihrer Nähe" bietet es Eltern direkt in den Stuttgarter Stadtteilen Orte für Begegnung und Orientie- rung, zum Beispiel theaterpädagogische Workshops, Tagesse- minare zu Themen wie: „Abenteuer Pubertät“, oder „Allein er- ziehen“. Das stärkste und am meisten nachgefragte Angebot ist derzeit der Kurs „Deutschlernen für den Alltag“ der in allen Stadtbezirken Stuttgarts stattfindet. Familienbildungsstätten In Familienbildungsstätten finden Eltern und Kinder Begeg- nungs- und Bildungsmöglichkeiten. Sie können hier neue Kontakte knüpfen und Kräfte sammeln. Ihre Angebote berück- sichtigen die unterschiedlichen Lebenslagen und Erziehungs- situationen von Familien. Das Haus der Familie ist eine Bildungsstätte mit vielfältigen und breit gestreuten Angeboten, die sich an den Bedürfnissen der modernen Familie orientieren. Ziel des Hauses ist, Eltern, Großeltern und Erziehende zu unterstützen und zu stärken. Die ehemalige Mütterschule ist ein eingetragener Verein. Familien treffen sich im Generationenhaus West im Eltern- kindzentrum (EKiZ) und tauschen sich über ihre Sorgen und Erfahrungen aus und geben sich brauchbare Tipps. Im Café und Treff, vor der Kinderbetreuung, beim Mittagessen oder auch draußen im Garten gibt es vielfältige Möglichkeiten der Bege- gnung und des Austauschs. Das Bildungsangebot ist immer auch als Beziehungsangebot gedacht. zum Beispiel „STÄRKE“. Um den „frisch gebackenen“ Familien die Ankunft im EKiZ zu erleichtern, gibt es ein Kursprogramm, aus dem sich Eltern das auswählen können, was sie am meisten anspricht. Familienbildungsstätten der Kirchen Katholische Kirche Die katholischen Familienbildungsstätten sind Orte der Bege- gnung, Kommunikation, Begleitung, Unterstützung und religiö- sen Erfahrung. Für Familien und in der Familienarbeit Tätige bie- ten sie in Kursen, Gesprächskreisen, Treffpunkten, kleinen Gruppen, Vorträgen und Bildungsurlauben zahlreiche Bildungs- inhalte an, die zentrale familiäre Themenfeldern umfassen: Ver- einbarkeit von Familie und Beruf, Eltern-Kind-Beziehung, Familie und Haushalt unter sozialen, ökonomischen und ökologischen Aspekten, eheliches Zusammenleben im sozialen Wandel, Ge- waltprävention, Armutsprävention, Gesundheitsbildung etc. Im Kontakt mit einschlägigen akademischen Wissenschaftsdiszipli- nen legt die katholische Familienbildung großen Wert auf die Qualitätsentwicklung und -sicherung ihrer Angebote. Landesarbeitsgemeinschaft Evangelischer Familien-Bildungsstätten in Württemberg In der Landesarbeitsgemeinschaft Evangelischer Familien-Bil- dungsstätten in Württemberg (LeF) organisieren sich 28 Fami- lien-Bildungsstätten, Häuser der Familie und Einrichtungen der Familienbildungsarbeit. Ziel der LeF ist die Förderung und Stär- kung der Erziehungs- und Alltagskompetenz in Familien durch Bildungsangebote. Elternbildung in der Kita Mama lernt Deutsch In Stuttgart leben viele Mütter ausländischer Herkunft, die selbst in einem anderen Land aufgewachsen sind und erst durch Eheschließung nach Deutschland kamen. Sie sprechen oftmals kaum Deutsch, kennen diese Gesellschaft nicht, sind nicht berufstätig und haben häufig im Privatleben lediglich Kontakte innerhalb der eigenen ethnischen Gruppe. Für sie ist es besonders schwierig, ihre Kinder im Kindergarten und in der Schule aktiv zu begleiten. Hier setzt „Mama lernt Deutsch“ an: Mütter lernen Deutsch direkt an der Schule oder in der Einrich- tung, die ihre Kinder besuchen. Der Unterricht in „Mama lernt Deutsch“ ist speziell auf Bildungsthemen und Themen zum Le- ben mit Kindern zugeschnitten. Der Kurs wird derzeit an der Kindertageseinrichtung am Nordbahnhof angeboten. Rucksack-Projekt – Das Sprachförder- programm mit Unterstützung der Eltern Im „Rucksack-Projekt“ werden Mütter aus Migrantenfamilien von muttersprachlichen Honorarkräften dazu angeleitet, ihre Kinder in der Zweitsprache Deutsch zu fördern. So können sie mit ihren Kindern zu Hause die Inhalte vertiefen und weiterfüh- ren, die ihnen in der Tageseinrichtung bereits vermittelt wur- den. Dank der Unterstützung des Kuratoriums Kinderfreundli- ches Stuttgart und der Förderung der Freudenberg- Stiftung können seit Herbst 2008 wieder Mütter aus den verschiedens- ten Herkunftsländern an dem Projekt teilnehmen. 38
  • 37. 39 Einstein-Kitas Auch im Programm der Einstein-Kitas wird im Rahmen der Er- ziehungspartnerschaft ein Schwerpunkt in Elternarbeit und -fortbildung gesehen. So finden Elterncafés und gemeinsame Feste statt. Zweimal jährlich lädt die Bezugserzieherin alle Eltern zu einem persönlichen Gespräch ein, bei dem über Erziehungs- fragen und die gesunde Weiterentwicklung der Kinder gespro- chen wird. Elternbildung in der Grundschule Mama lernt Deutsch Im Rahmen der Sprachförderung richtet sich der Kurs „Mama lernt Deutsch“ vorrangig an Mütter von Grund- und Haupt- schülern. Der Kurs findet an 12 bis 15 Stuttgarter Schulen statt und ist teilweise auch für Väter geöffnet. Bei freien Platzkapa- zitäten können auch Frauen und Mütter aus dem Stadtteil teil- nehmen. Ziel der Kurse ist es, die Hemmschwelle gegenüber der Schule abzubauen, den Müttern das deutsche Schulsystem näher zu bringen und sie für schulische Belange ihrer Kinder zu interessieren. In den Kursen wird nach einem speziellen Curriculum unterrich- tet, das von der Stabsabteilung für Integrationspolitik in Koope- ration mit Kursleiter/-innen entwickelt wurde. Den inhaltlichen Schwerpunkt bilden Schulthemen: Die Mütter lernen das rich- tige Lesen eines Stundenplans ebenso wie das Schreiben einer Entschuldigung. Wichtige Themen sind auch Hausaufgaben, Zeugnisnoten, Eltern-Lehrer-Gespräche, Elternabende, gesun- des Pausenvesper etc. Die Kurse sollen möglichst gut in das Schulgeschehen integriert sein. So organisieren Rektoren Schul- führungen für die Mütter oder laden Grundschullehrerinnen in den Deutschkurs ein. Auch gemeinsame Aktivitäten einer Schulklasse mit den Deutschkursmüttern im Rahmen von Pro- jekttagen oder gegenseitige Unterrichtsbesuche stehen auf dem Programm. Exkursionen zum Kennen lernen von Freizeit- angeboten im Stadtteil werden ebenso angeboten wie Besuche in der Stadtbücherei. Tetralinguale Elternbildungsabende in der Grund- und Hauptschule Ostheim In Zusammenarbeit mit dem Elternseminar der Stadt Stuttgart veranstaltet die Grund- und Hauptschule Ostheim Elternbil- dungsabende in deutscher, italienischer, griechischer und türki- scher Sprachen gleichzeitig zum selben Thema in vier nebenein- ander gelegenen Schulräumen. Themen sind zum Beispiel Pubertät, Umgang mit dem Handy, Computer, Fernsehen oder Taschengeld. Alle Abende werden von muttersprachlichen Referenten entsprechend der kulturellen Gepflogenheiten gestaltet. Die Sprachkurse „Mama lernt Deutsch“ finden in der Schule oder im Kindergarten statt.
  • 38. Kompetenzzentrum Stuttgarter Bildungspartnerschaft Organisatorische Strukturen So wie die zehn Ziele ineinander greifen, so müssen die not- wendigen Aufgabenfelder und Maßnahmen vom Kind her ent- wickelt und aufeinander abgestimmt werden, um ein durch- gängiges, differenziertes und den individuellen Begabungen und Kenntnissen angepasstes Bildungsangebot inklusive dem Übergang in den Beruf zu machen. Dies ist nur möglich, wenn veränderte organisatorische Strukturen geschaffen werden, un- ter Einbeziehung der gesamt-gesellschaftlichen Verantwortung vieler Partner, die es zu vernetzen und zu koordinieren gilt. Das Vorhaben „Stuttgarter Bildungspartnerschaft“ zielt auf den Aufbau eines abgestimmten Systems von Bildung, Betreuung und Erziehung, also darauf, Angebotsstrukturen der Bildungsför- derung (Schule, Jugendhilfe, Kultur- und Sportangebote und weitere außerschulische Anbieter) in der Stadt als ein Gesamtsys- tem zu planen, zu koordinieren und dauerhaft zu vernetzen. Das „Kompetenzzentrum Stuttgarter Bildungspartnerschaft“ stellt den „Motor“ dieser anspruchsvollen Entwicklungsaufgabe dar. Es setzt Impulse für Innovation, entwickelt Qualitätskriterien für die Fort- und Weiterbildung, integriert unterschiedliche fachliche Kompetenzen und koordiniert den Aufbau von Netzwerken. Eine erste Schwerpunktsetzung für den Aufgabenbereich des Kom- petenzzentrums wurde vom Gemeinderat durch die Aufteilung in die beiden Teile „Kinder von ein bis zehn Jahren“ und „Über- gang in den Beruf“ vorgenommen. Priorität hat zunächst der erste Teil. Damit ist die Tätigkeit des Kompetenzzentrums – zu- nächst – auf die Institutionen Kindertageseinrichtungen und Grundschule sowie deren Kooperationspartner fokussiert. Aufgaben des Kompetenzzentrums Für eine erste Maßnahmenplanung sind innerhalb der genann- ten Aufgabenbereiche sowohl inhaltliche als auch sozialräumli- che Schwerpunktsetzungen vorzunehmen. Aufgrund der Viel- zahl bestehender Kooperations- und Entwicklungsprozesse muss am Anfang jeder Maßnahmenplanung eine ausführliche Situations- und Bedarfsanalyse stehen. Die vom Kompetenzzen- trum begleiteten beziehungsweise durchgeführten Maßnah- men sind in geeigneter Weise zu evaluieren. Dies bedeutet: ½ Unterstützung der Qualitätsentwicklungsprozesse in den Kindertageseinrichtungen und Grundschulen, ½ Interdisziplinäre Fort- und Weiterbildungsangebote der Mit- arbeiter/-innen der Kindertageseinrichtungen und Grund- schulen, ½ Unterstützung und Aufbau sozialraumbezogener Koopera- tions- und Vernetzungsstrukturen zwischen Kindertagesein- richtungen und Grundschulen, ½ Erprobung des Projekts „Interkulturelle Schulentwicklung“. 40 Schwerpunkt der Stuttgarter Bildungspartnerschaft liegt zunächst auf Kindern von eins bis zehn Jahren.
  • 39. 41 Administrative Steuerung Als klassische Querschnittsaufgabe ist das Kompetenzzentrum in einer neu eingerichteten Stabsstelle beim Oberbürgermeister angesiedelt. Die einzelnen Aufgabenfelder werden im Rahmen der Projekt- arbeit erarbeitet, an der das staatliche Schulamt, das Jugend- amt, das Schulverwaltungsamt und weitere Ämter, vor allem das Kulturamt und Sportamt, Gesundheitsamt, Sozialamt sowie der Gesamtpersonalrat beteiligt sind. Die Koordination für diese Projektarbeit übernimmt das Kompetenzzentrum. Politische Steuerung Um diesen komplexen Bildungsprozess politisch zu begleiten und zu gestalten, hat der Gemeinderat den Ausschuss „Stutt- garter Bildungspartnerschaft“ eingerichtet. Er setzt sich aus Ver- tretern des Gemeinderats, des Kultusministeriums, des staat- lichen Schulamts, der städtischen Kinderbeauftragten, den Schulen, der Jugendhilfe, der Eltern, der freien Träger und der Wissenschaft zusammen und wird vom Oberbürgermeister ge- leitet. Wissenschaftliche Begleitung In Abstimmung mit der wissenschaftlichen Begleitforschung, die das Land Baden-Württemberg in Auftrag gegeben hat, wird die Stuttgarter Bildungspartnerschaft mit dem Schwerpunkt Übergang Kindergarten – Schule und Elternbildung durch das Institut von Herrn Professor Dr. Dr. Manfred Spitzer, Leiter des Transferzentrums für Neurowissenschaften und Lernen an der Universität Ulm in den nächsten drei Jahren wissenschaftlich begleitet. Ziel ist es, durch vergleichende Studien die verschie- denen Systeme und Wirkungen von Maßnahmen zu identifizie- ren und weiter zu entwickeln. Bei diesem lernenden Prozess sollen auch die Eltern sowie die Mitarbeiter in Kitas und Schulen einbezogen werden. Junger Forscher in der Einstein-Kita
  • 40. Im Bezirk Zuffenhausen entstand auf einem ehemaligen Kasernengelände das familienfreundliche Wohngebiet „Im Raiser”. 2. Ziel In Stuttgart soll es für unsere Kinder und Jugendlichen Platz zum Wohnen und Freiräume zum Spielen im Freien geben. Bezahlbarer Wohnraum für Familien ist in Stuttgart schwierig zu finden. Zum einen weil Stuttgart als Wohnort stark nach- gefragt ist. So fehlen Stuttgart nach städtischen Berechnungen zirka 15.000 Wohnungen, nach Hochrechnungen des Statisti- schen Landesamtes und des Mietervereins sind es sogar bis zu 30.000. Bei den Bemühungen der Stadt um preiswertes Wohneigentum für junge Familien wird es deshalb wesentlich darauf ankommen, dass private Vermieter mehr als bisher an junge Familien ihre Wohnungen und Häuser vermieten. Zum anderen, weil es im Hinblick auf die restriktive Ausweisung von neuen Wohngebieten auch in den nächsten Jahren schwierig sein wird, durch Nachnutzung von Brachflächen, durch Nach- verdichtungen und Umwandlungen im Bestand eine größere Zahl von familienfreundlichen Wohnungen durch private Bau- herren oder die städtische Tochter-SWSG zu bauen. Freiräume zum Spielen im Freien, möglichst im direkten Wohn- umfeld, sind heute keine Selbstverständlichkeit mehr. Solche Erlebnis- und Sozialisationsräume sind für Kinder von großer Bedeutung, gerade auch als Alternative zum stundenlangen Fernsehen und Computerspielen. Zwar finden sich in Stuttgart über 530 öffentliche Spielflächen, rund 100 Schulhöfe, viele Sportflächen, Bolzplätze und Grünanlagen, die sich zum Spielen eignen. Auch haben wir eine größere Zahl von Straßen in verkehrsberuhigte Bereiche umgewandelt, um Spielen auf der Straße zu erleichtern. Häufig sind die Flächen jedoch bereits von Autos besetzt; denn in Stuttgart gibt es fast viermal soviel Autos wie Kinder. Umso wichtiger ist das Spielen direkt vor der Haustüre, zum Beispiel. auf Grünflächen, innerhalb von Wohn- anlagen oder in Garageneinfahrten. Dankenswerterweise ha- ben viele Wohnungsgesellschaften ihre Hausordnungen geän- dert entsprechend dem Motto: Kinder erwünscht – Spielen erlaubt. 43 2.
  • 41. 44 2.1. Familien mit Kindern sollen in Stuttgart bezahlbaren Wohnraum finden. In Stuttgart gibt es heute rund 305.000 Privathaushalte, davon sind die Hälfte Einpersonenhaushalte. Nur noch in jedem sechs- ten Haushalt (54.600 , das heißt 17,8 Prozent) leben insgesamt 90.000 minderjährige Kinder. In 42.000 Haushalte wohnen Paare, 12.400 sind Alleinerziehende. Bei der Bürgerumfrage 2007 zum Thema familien- und kinder- freundliche Stadt wurde bezahlbarer und familiengerechter Wohnraum mit oberster Priorität genannt. Aufgrund der güns- tigen Wirtschaft- und Arbeitsmarktlage in den süddeutschen Städten nimmt auch die Wohnungsnachfrage in Stuttgart stetig zu. Es gibt gute Gründe für Familien mit Kindern, sich für die Stadt als Wohnort zu entscheiden. Viele bevorzugen die urbane Vielfalt und das gute Betreuungs- und Bildungsangebot. Aller- dings müssen Wohnung und Wohnumfeld einiges bieten, um mit dem Umland konkurrieren zu können. Deshalb zogen und ziehen immer wieder junge Stuttgarter Fa- milien aus dem Stadtgebiet in die nahe gelegenen Nachbarge- meinden, um ihren Wunsch nach mehr Wohnraum – häufig ein Reihenhaus mit Garten – erfüllen zu können. Damit in Zukunft wieder mehr junge Familien mit Kindern in Stuttgart wohnen, hat die Stadt ein vielseitiges Maßnahmenpa- ket zur Verbesserung ihrer Wohnsituation verabschiedet. Stutt- gart fördert verstärkt die Nutzung und Umwandlung im Be- stand, das Schließen von Baulücken sowie die Nachverdichtung und wirbt intensiv um Investoren. Dabei muss der Wohnraum vor allem für junge Familien erschwinglich sein. Neue Richtlinien für das Familienbau- programm und preiswertes Wohneigentum neu gefasst Im Rahmen der Föderalismusreform ist die Gesetzgebungskom- petenz für das Wohnungswesen vom Bund auf das Land über- gegangen. Der Landtag von Baden-Württemberg hat Ende No- vember 2007 das Landeswohnraumförderungsgesetz (LWoFG) beschlossen, das die bisherigen bundesrechtlichen Gesetze ab- löst. Da sich die städtischen Förderprogramme bislang auf die bundesrechtlichen Regelungen bezogen hatten, wurden diese nun an das neue LWoFG angepasst. Der Gemeinderat be- schloss am 24. April 2008 die Neufassung der städtischen Richtlinien: Die Einkommensberechnung für die Förderpro- gramme wurde vereinfacht. Künftig ist das Jahresbruttoeinkom- men abzüglich der Werbungskosten maßgebend. Außerdem können im Familienbauprogramm mehr Familien gefördert wer- den. Preiswertes Wohneigentum für junge Familien Im Programm „Preiswertes Wohneigentum“ stellt die Stadt Grundstücke zur Verfügung, deren Kaufpreis einkommensab- hängig verbilligt wird. In der höchsten Fördergruppe beträgt die Verbilligung bis zu 48.000 Euro für Reihenhäuser und Eigentumswohnungen (2006 waren es noch 39.000 Euro). Zusätzlich erhalten Familien für jedes im Haushalt lebende Kind unter 18 Jahren einen Zuschlag von bis zu 3000 Euro, maximal 12.000 Euro. Die einzelnen Bauvorhaben werden jeweils im Amtsblatt, der Tagespresse und im Internet ausgeschrieben. In den Jahren 2006 und 2007 hat die Stadt 200 Wohneinhei- ten für Familien mit 393 Kindern gefördert. Familienbauprogramm Im Familienbauprogramm stellt die Stadt für den Erwerb von Neubauten und Bestandsimmobilien wahlweise Baukosten- oder Zinszuschüsse zur Verfügung. Abhängig von der Zahl der Kinder unter 18 Jahren, die im Haushalt leben, gibt es bis zu 30.000 Euro. Außerdem werden für Maßnahmen des energie- sparenden und ökologischen Bauens Zuschüsse von bis zu 5.000 Euro gewährt. Eine Familie mit zwei Kindern kann bei- spielsweise für den Kauf einer Neubaueigentumswohnung mit KfW-60-Standard einen Baukostenzuschuss einschließlich Ener- giezuschlag von bis zu 26.000 Euro erhalten. Im Rahmen des Familienbauprogramms wurden seit 1997 insgesamt 1863 Fa- milienheime und Eigentumswohnungen mit städtischen Zu- schüssen von 35 Millionen Euro gefördert. Allein in den Jahren 2006 und 2007 waren dies 316 Wohneinheiten und Familien mit 584 Kindern. Der erste Bauabschnitt für die Wohnbebauung „Hohlgra- benäcker“ im Bezirk Zuffenhausen/Zazenhausen wurde Mitte 2008 freigegeben. Auf fünf städtischen Grundstücken entste- hen im „Preiswerten Wohneigentum“ Reihenhäuser für Fami- lien mit mindestens einem Kind unter 18 Jahren. Käufer profi- tieren von verbilligten Grundstückspreisen, limitierten Baukosten und zinsverbilligten Darlehen der L-Bank Baden- Württemberg. Die Reihenhäuser werden alle den KfW-60-Stan- dard einhalten. Vorgesehen sind drei unterschiedliche Haus- typen. Ein Reihenmittelhaus mit einer Wohnfläche von 127 Quadratmeter und einer Garage kann eine Familie mit zwei Kin- dern und einem Jahresbruttoeinkommen von bis zu 61.000 Euro für 280.000 Euro erwerben. Ferner sind auch Eigentums- wohnungen im „Preiswerten Wohneigentum“ geplant. Zusätzlich stellt die Stadt ein weiteres Baufeld für 16 familien- gerechte Mietwohnungen für mittlere Einkommensbe- zieher zur Verfügung. Der Bauträger erhält von der Stadt eine bis zu 45-prozentige Grundstücksverbilligung. Dafür dürfen die Mieten 7,75 Euro pro Quadratmeter nicht überschreiten.
  • 42. Städtische Förderung auch für mittlere Einkommensbezieher Die verbilligten Grundstücke oder städtischen Zuschüsse können auch Familien mit mittleren Einkommen erhalten, da die Einkom- mensgrenzen in den Programmen der Stadt deutlich höher sind als im Landeswohnungsraumförderungsprogramm. So ist zum Beispiel für eine Familie mit zwei Kindern eine Förderung bis zu einem Jahresbruttoeinkommen von 77.000 Euro möglich, wäh- rend die Obergrenze des Landes bei 61.000 Euro liegt. Fehlbelegungsabgabe Mieter von Sozialmietwohnungen, die nach dem Bezug die Ein- kommensgrenzen überschreiten haben, mussten bis 2007 wegen der subventionierten Miete eine Fehlbelegungsabgabe an die Stadt bezahlen. Diese Abgabe hat mit dazu beigetragen, dass Familien, deren Einkommen sich verbessert hat, weggezo- gen sind. In der Folge verschlechterten sich die Sozialstrukturen in bestimmten Gebieten. Deshalb hat sich die Stadt beim Land dafür eingesetzt, die Fehlbelegungsabgabe aufzuheben. Mieter von Sozialmietwohnungen können nun in ihrer preisgünstigen Wohnung bleiben und müssen keine zusätzliche Fehlbele- gungsabgabe mehr bezahlen. Dies kommt auch Familien mit Kindern zugute. Da sich langjährige, integrierte Mieter nicht mehr veranlasst sehen wegzuziehen, trägt der Verzicht auf die Fehlbelegungsabgabe auch zur Stabilisierung und Verbesserung der Sozialstrukturen bei. Mietwohnungen für mittlere Einkommensbezieher Mittlere Einkommensbezieher überschreiten die Einkommens- grenzen für den Sozialen Mietwohnungsbau, können sich aber freifinanzierte Mietwohnungen oft nicht leisten, da für diese bis zu zehn Euro pro Quadratmeter zu bezahlen sind. Um die Lü- cke zwischen dem Sozialen Mietwohnungsbau und dem frei- finanzierten Wohnungsbau zu schließen, gibt es in der Landes- hauptstadt seit 2003 das städtische Programm: „Mietwohnun- gen für mittlere Einkommensbezieher“. Die städtische Förde- rung erfolgt durch verbilligte Grundstücke. Dafür müssen sich die Bauträger auf die Dauer von 20 Jahren verpflichten, die Wohnungen unter dem Marktwert zu vermieten. Die Aus- gangsmiete beträgt in der Regel 7,50 Euro pro Quadratmeter. Mietsteigerungen sind nur alle drei Jahre um maximal 0,30 Euro je Quadratmeter zulässig. Seit 2003 wurden 334 Wohnun- gen gefördert, die Familien zugute kommen. Sozialer Mietwohnungsbau Nach wie vor sieht die Landeshauptstadt in der Förderung des Sozialen Mietwohnungsbaus eine wichtige Aufgabe, um den rückläufigen Belegungsrechten entgegen zu wirken und Woh- nungssuchende, die auf die Hilfe der Stadt angewiesen sind, mit bezahlbarem Wohnraum versorgen zu können. Neben der Inanspruchnahme von Landesmitteln – soweit vorhanden – unterstützt die Stadt durch verbilligte Grundstücke und Darle- hen und, falls nötig, auch durch Zuschüsse. In den nächsten Jahren sollen jährlich 100 neue Sozialmietwohnungen entste- hen. Seit 1997 hat die Stadt 1.715 Sozialmietwohnungen ge- fördert und einschließlich Grundstücksverbilligungen 67 Millio- nen Euro zur Verfügung gestellt. Stuttgarter Wohnungs- und Städtebaugesellschaft mbH (SWSG) Familien- und kinderfreundliches Wohnen ist eines der Unter- nehmensziele der Stuttgarter Wohnungs- und Städtebaugesell- schaft mbH (SWSG). Die Interessen der Kinder sollen bei allen Aktivitäten, ob Neubau oder Modernisierung, berücksichtigt werden. So arbeitet die SWSG eng mit der Jugendhausgesell- schaft zusammen. Sie finanziert eine halbe Sozialarbeiterstelle für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen im Vaihinger Lauchhau. In Botnang unterstützt das Unternehmen die Raum- miete für das „Fun“-Familien- und Nachbarschaftszentrum. Beim Bau größerer Spielplätze in neuen Bauvorhaben werden Kinder in die Planung und Umsetzung mit einbezogen, zum Beispiel in Botnang, Rot und im Hallschlag. Eine Sozialpädago- gin aus der Belegschaft wurde zur Kinderbeauftragten ernannt. Wann immer es nötig ist, arbeitet die Abteilung Sozialmanage- ment der SWSG eng mit dem Jugendamt, dem Allgemeinen Sozialdienst, Kindertagestätten und dem Kinderschutzbund zu- sammen. Wettbewerb Wohnen im Kinderland Baden Württemberg Bei dem von der Arbeitsgemeinschaft der Bausparkassen aus- gelobten Wettbewerb „Wohnen im Kinderland Baden-Würt- temberg“ konnten Stuttgarter Einrichtungen und die Landes- hauptstadt für die Strategie und das Arbeitsprogramm „Kinderfreundliches Stuttgart“ im Jahr 2008 einen ersten, einen zweiten, einen Sonderpreis sowie eine Anerkennung gewinnen. 45
  • 43. 46 2.2. Das Wohnumfeld soll kinderfreundlicher gestaltet werden, um für die Kinder Freiräume zu öffnen. Sozial- und Kinderverträglichkeit bei städtebaulichen Maßnahmen 2006 fasste der Gemeinderat den Beschluss, soziale Belange im Rahmen der stadträumlichen Planung schon frühzeitig zu Be- ginn von Planungsprozessen stärker zu gewichten und zu inte- grieren. Zu diesem Zweck wurde ein zentrales Beratungsgre- mium eingerichtet, die Arbeitsgruppe Sozialverträgliche Planung, (AGSP). Die AGSP dient als Forum für frühzeitigen In- formationsaustausch bei städtebaulichen Projekten mit hohem Veränderungspotenzial. 2008 wurden die sozial orientierten Entwicklungsziele um die Aspekte der Kinderverträglichkeit er- gänzt und erweitert. Eine referatsübergreifende Projektgruppe hat die Inhalte abgestimmt und eine weitergehende, auf heu- tige Bedarfe und Anforderungen ausgerichtete Arbeits- und Orientierungshilfe insbesondere für stadträumliche Planungen und Projekte zur Verfügung gestellt. Da Kinder mit ihren Familien inzwischen leider zu einer Minder- heit gehören, werden sie in Mietgebäuden und im unmittelba- ren Wohnumfeld häufig als „Störenfriede“ betrachtet. Seit ge- raumer Zeit steigt jedoch in Stuttgart die Bereitschaft zu mehr Kinderfreundlichkeit im Wohnumfeld. Denn in persönlichen Ge- sprächen hat die Verwaltungsspitze bei den großen Wohn- und Siedlungsgesellschaften Stuttgarts und dem Haus- und Grund- besitzerverein erfolgreich um mehr Kinder- und Familienfreund- lichkeit geworben. Dabei wurde unter anderem festgelegt, dass kinderfreundliche Hausordnungen erstellt werden, um Familien mit Kindern das Leben zu erleichtern. Sie gelten inzwischen bei allen großen Wohnungsbaugesellschaften. Sie sind zum Bei- spiel bei der SWSG fester Bestandteil der Mietverträge Kinderfreundliche Hausordnung Das Kuratorium Kinderfreundliches Stuttgart hat bereits 2005 eine kindgerechte Hausordnung mit dem Titel „Kinder erwünscht spielen erlaubt“ erarbeitet. Diese wurde über den Haus- und Grundbesitzerverein an die Stuttgarter Haushalte verteilt und lag dem Amtsblatt der Stadt Stuttgart bei. Die Hausordnung will vor allem für mehr Rücksichtnahme im Zusammenleben von Jung und Alt werben. Einerseits sollen die Anwohner Verständnis dafür aufbringen, dass Kinder für eine gesunde Entwicklung ausreichend Spiel- und Bewegungsfrei- räume brauchen. Andererseits sollen Eltern darauf hinwirken, dass auch die Kinder ihrerseits Rücksicht nehmen, zum Beispiel Ruhezeiten einhalten und auf besondere Umstände in der Hausgemeinschaft wie kranke Hausbewohner achten. KELLER Waschküche 13 bis 15 Uhr Mittagsruhe Fahrrad RAUM Vorsicht Autofahrer! Spielende Kinder ■ nimm Rücksicht auf Kranke und Nachbarn ■ sei freundlich und hilfsbereit zu älteren Menschen ■ stell dein Fahrrad ab, wo es nicht im Weg ist ■ Hunde an die Leine ■ gehe nur mit einem Erwachsenen in Fahrstuhl und Keller 22 bis 6 Uhr Nachtruhe ■ Hunde und Katzen vom Sandkasten fernhalten ■ leise spielen in der Mittagsruhe Kinder erwünscht spielen erlaubt Die kinderfreundliche Hausordung wirbt für Rücksichtnahme im Zusammenleben von Jung und Alt.
  • 44. 2.3. Öffentliche wie private freie Flächen sol- len – wo immer möglich – für Kinder und Jugendliche zugänglich sein. Das direkte Wohnumfeld und die nähere Umgebung im Stadt- quartier waren früher selbstverständliche Erlebnis- und Soziali- sationsräume von Kindern. Dieses freie Spielen ist in den ver- gangenen Jahren erheblich zurückgegangen. Stattdessen gehören heute stundenlanges Fernsehen und das Spielen am Computer zum Kinderalltag mit allen negativen Folgen für die körperliche, geistige und soziale Entwicklung unserer Kinder. Kinder erwünscht – spielen erlaubt Stuttgart wirbt unter dem Motto „Kinder erwünscht – spielen erlaubt“ auf vielen bunten Plakaten und Schil- dern in der Stadt dafür, dass Kinder mehr Platz zum Spielen bekommen. Die Stadt verfügt über 530 öffentlich nutzbare Spielflächen. Davon sind 160 Einrichtungen für Jugendliche wie Wetz- und Bolzplätze oder Skateranlagen. Die Spielflächen werden vom Garten-, Friedhofs- und Forstamt regelmäßig auf ihren Zustand überprüft. Damit Stuttgarter Kinder ihren natürlichen Bewegungsdrang wieder ausleben können, fördert die Stadt nicht nur den Neu- und Ausbau von Spielplätzen, sondern stellt auch andere Frei- räume für Kinder bereit: Schulhöfe sind zu unterrichtsfreien Zei- ten geöffnet, Grünflächen und Parkanlagen frei zugänglich und zum Spielen freigegeben. So hat jeder Stuttgarter im Umkreis von 300 Metern Zugang zu Grün- oder Parkanlagen. Zudem haben wir Straßenabschnitte zu verkehrsberuhigten Zonen um- gewidmet. Allerdings ist das Spielen auf diesen verkehrsberu- higten Flächen nicht immer einfach, da sie häufig durch Fahr- zeuge besetzt sind. Denn in Stuttgart gibt es inzwischen fast viermal so viele Autos wie Kinder. Spielplätze in Stuttgart Bei der Bürgerbefragung zur Familien- und kinderfreundlichen Stadt in 2007 äußerten sich die Bürgerinnen und Bürger über- wiegend zufrieden mit den Spielmöglichkeiten in ihrem Wohn- umfeld. Zwei Drittel finden das Angebot an Spielplätzen und Spielmöglichkeiten gerade richtig. Heute steht bei der Gestaltung von neuen Spielflächen und bei der Sanierung vorhandener Spielflächen die naturnahe Bearbei- tung im Vordergrund. Das Gelände wird modelliert, Wasser- läufe angelegt und Spielbereiche für verschiedene Altersgrup- pen geschaffen. In den meisten Fällen können Kinder und Eltern bei der Planung aktiv mitwirken. In den vergangenen Jahren wurden einige neue Spielplätze gebaut, vorrangig in neuen Stadtquartieren. Beispiele Ein besonders gelungenes Beispiel ist das Spielschiff Neckarine in Bad Cannstatt, für das die Stadt von der Fachzeitschrift „Stadt und Raum“ den Spielraumpreis mit dem Prädikat „herausragend“ erhielt. Der Spielplatz am Neckarufer gehört damit zu den acht besten in ganz Deutschland. Im Lauchhau im Stadtbezirk Vaihingen ist ein über 5.000 Qua- dratmeter großer, naturnaher Spielplatz „Spielen in den Gärten“ in vorhandene Obstgärten integriert. Kinder und Jugendliche können hier mit natürlichen Materialien und Grundelementen kreativ umgehen und spielen: Sand, runder Kies, gerundete Findlinge, Holzklötze und Balken, ergänzt mit anderen Stein- und Holzmaterialien, bilden ein Spielangebot ohne fest vorge- gebene Funktionen. Weitere Spielmöglichkeiten, Baumhäuser und ein Spielhaus wurden im Charakter der ursprünglichen Gar- tenlandschaft erstellt. Aus nahe liegenden Gebäuden wird Dachwasser aufgefangen und dem Spielbereich als Bachlauf und Matschmulde zugeführt. Dieser Spielplatz ist ergänzt durch einen Grünzug und Sportangebote. Ein weiteres besonderes Spielangebot entstand in der Scheffel- straße. Dieser als „Schliff“ bezeichnete Spielplatz wurde we- sentlich von einer Mädchengruppe des Evangelischen Jugend- werkes Stuttgart mitgeprägt. Er zeichnet sich durch Spiel- elemente aus, die insbesondere den Bedürfnissen und Wün- schen von Mädchen entgegenkommen. So finden sich auf dem Spielplatz, der auf zwei Ebenen angelegt ist, eine Kletterwand, eine Kletterspinne und Hängematten zum Relaxen. Für Klein- kinder gibt es Wasser-, Matsch- und Sandspielangebote. Weitere neue Spielflächen sind für 2009 in Vorbereitung, so dass sich die Versorgung zunehmend verbessern wird. Im Orts- zentrum von Vaihingen wird der mit künstlerisch gestalteten Spielgeräten und Kunstobjekten versehene Klettergarten hoch- wertig ausgebaut. Weitere Neuanlagen sind in Vaihingen in der Schwarzbach-/Hessbrühlstraße und am Jugendhaus Degerloch vorgesehen. In Stuttgart-Mitte entsteht ein neuer Bolzplatz. In Neubaugebieten werden durch Bauträger und Investoren Spielplätze in Abstimmung mit der Stadtverwaltung gebaut, die das Garten-, Friedhofs- und Forstamt nach Fertigstellung unterhält, so zum Beispiel im Neubaugebiet Hohlgrabenäcker in Zazenhausen und in der Köstlinstraße in Weilimdorf. Spielflächenleitplan 2007 wurde ein neuer Spielflächenleitplan herausgegeben. Er dient als Orientierungsrahmen und Informationsgrundlage für die wohnumfeldorientierte Stadtplanung. In vier Abschnitten sind Daten, Fakten, Analysen, Strategien und Handlungsschwer- punkte zum Thema Kind/öffentlicher Freiraum, Wohnumfeld, Verbesserung von Spiel- und Aufenthaltsfunktionen dargestellt. Eine im Rahmen der Datenerhebungen für den Spielflächenleit- plan ermittelte Flächenversorgung ergab, dass etwa 106 Hektar öffentliche Spielflächen, einschließlich der Abenteuerspielplätze und Jugendfarmen, vorhanden sind. Die durchschnittliche Ver- sorgung liegt bei 70 Prozent des rechnerischen Bedarfs, der in einer differenzierten Analyse, in die mehrere Faktoren wie Grad der Überbauung, Bevölkerungsdichte und Kinderanteil einge- hen, errechnet wird. 47
  • 45. 48 Da in diesem Spielflächenleitplan nur die offiziell als Spielflä- chen ausgewiesenen Flächen berücksichtigt werden, spiegelt er nur einen Teil der Angebote wieder, die tatsächlich vorhanden sind. Trotzdem bedarf es weiterer Anstrengungen, damit sich unsere Kinder und Jugendlichen wieder mehr im Freien und ak- tiver spielend bewegen. Arbeitskreis Spielflächen Der Arbeitskreis „Spielflächen“, zu dem das Garten-, Friedhofs- und Forstamt regelmäßig Gemeinderatsmitglieder, die Kinder- beauftragte, das Stadtplanungsamt und außerstädtische Initiati- ven einlädt, berät über den aktuellen Zustand der Spielplätze in allen Stadtbezirken und legt die Prioritäten von Sanierung und Weiterentwicklung fest. Sanierung von Spielflächen Alle zwei Jahre bewerten Fachleute des Garten-, Friedhofs- und Forstamtes die Spielflächen nach einheitlichen Kriterien. Damit soll sichergestellt werden, dass der Gemeinderat vor den Haushaltsberatungen gründlich über den Sanierungsbedarf der Spielplätze informiert ist. In den Beratungen für den Haushalt 2008/2009 wurden die Mittel für die Sanierung von Spielflächen pro Jahr um über eine Million Euro aufge- stockt. Damit können rund 100 Spielflächen verbessert werden. Kinder-, Eltern- und Anliegerbeteiligungen Bei allen größeren Neu- und Umbauten sowie Sanierungsmaß- nahmen werden Kinder, Eltern und Anlieger in den Planungs- prozess der Spielflächen einbezogen. In Besprechungen oder Workshops wird versucht, die Vorstellungen der Planer, Kinder, Eltern und Anlieger in Einklang zu bringen. Allerdings müssen die Wünsche dabei auch die räumlichen, rechtlichen und finan- ziellen Rahmenbedingungen berücksichtigen. Die intensive Be- teiligung ist zwar zeitaufwendig für alle Beteiligten, führt letzt- lich aber zu einer höheren Akzeptanz, Wertschätzung und Nutzung der neu geschaffenen Spielräume. Als Nebeneffekt können häufig Paten für die weitere Betreuung und beachtliche Spenden gewonnen werden. Spenden für Spielplätze Erfreulich ist auch, dass immer mehr Vereine, Firmen, Bürger- und Elterninitiativen sowie Privatpersonen sich finanziell für die Neugestaltung von Spielplätzen oder Anschaffungen von Spiel- geräten engagieren. Beispielhaft sei hier der Lions-Club er- wähnt, der in den vergangenen Jahren bereits über 150.000 Euro gespendet hat. So konnte der Burgspielplatz im Stuttgar- ter Westen überwiegend mit Mitteln aus Spenden des Lions- Club und einer Elterninitiative saniert werden. Auch andere Spielflächen wie Mozartplatz, Gerberplätzle, Silberburg-/Trau- benstraße, Hölderlinplatz, Steinhausenstraße wurden durch viele Einzel- und einige Großspenden saniert beziehungsweise in ihrer Ausstattung verbessert. Wer seinen Spielplätze mitplanen darf, passt auch besser darauf auf.
  • 46. 49 Stuttgarter Königstraße Dank privater Spenden konnten nach Beendigung der Sanie- rungsarbeiten in der Unteren Königstraße, der Haupteinkaufs- straße der Landeshauptstadt Stuttgart, besonders attraktive Spielskulpturen aufgestellt werden. Sie ergänzen den Kleinkind- spielbereich auf der Unteren Königstraße durch experimentelle Installationen, die sowohl den Entdeckergeist als auch den For- scherdrang der Kinder und Jugendlichen fördern. Patenschaften Engagierte Bürgerinnen und Bürger kümmern sich um Spiel- plätze, für die sie eine Patenschaft übernommen haben. Die Pa- tinnen und Paten kontrollieren die Spielflächen, sammeln Müll und Verunreinigungen auf und melden beobachtete Schäden an das Garten-, Friedhofs- und Forstamt. Die erhöhte soziale Kontrolle und Gespräche mit Kindern, Jugendlichen, Eltern und Anliegern verringern Zweckentfremdung, Vandalismus, Verun- reinigungen und Konflikte unter allen Beteiligten. Patenschaf- ten gibt es mittlerweile für 80 Spielplätze und laufend kommen neue dazu. Kitas als Treffpunkt für die ganze Familie Familien können die städtischen Kindertageseinrichtungen so- wie deren Gärten und Freiflächen täglich außerhalb der Öff- nungszeiten bis 19 oder 20 Uhr und auch samstags nutzen. Damit stehen allen Stuttgarter Kindern und Jugendlichen wohnortnah Spiel- und Bewegungsflächen zur Verfügung Schulhöfe Die Landeshauptstadt Stuttgart hat in den vergangenen Jahren immer mehr Schulhöfe auch für die Freizeit geöffnet. Derzeit sind fast 100 Schulhöfe in der unterrichtsfreien Zeit, das heißt am späten Nachmittag, an Samstagen und in den Ferien freige- geben, weitere sollen folgen. Die Schulhöfe eignen sich vor allem für Ballspiele. Es sind si- chere Spielorte, die zugleich die Identifikation mit der Schule erhöhen. Kletterpyramide statt Asphalt Der Förderverein Kinderfreundliches Stuttgart e. V. hat gemein- sam mit dem Garten-, Friedhofs und Forstamt der Landes- hauptstadt Stuttgart und dank der finanziellen Unterstützung durch die Wüstenrot Stiftung den Schulhof der Rosenstein- schule in Stuttgart-Nord mit einer neuen Kletterpyramide aus- gestattet. Attraktive Schulhöfe mit vielfältigen und einladenden Spiel- und Bewegungsmöglichkeiten ergänzen im Stuttgarter Norden die großen Park- und Spielflächen des Killesbergs und dem „Grünen U“ und bieten die für Kinder notwendige Bewe- gungsräume. Initiiert wurde das Vorhaben von der Projekt- gruppe „ Freiräume, Platz für Kinder, Abenteuerräume“ des För- dervereins Kinderfreundliches Stuttgart. Abenteuerspielplätze und Jugendfarmen Eine Besonderheit in Stuttgart sind die 24 betreuten Abenteuer- spielplätze und Jugendfarmen. Sie sind Erlebnisoasen in der Großstadt. Kindern von sechs bis 14 Jahren können die ab- wechslungsreichen und überwiegend kostenfreien Angebote nutzen und ausgelassen toben und spielen. Die Abenteuerspiel- plätze und Jugendfarmen in Stuttgart sind eingetragene, selbst- ständige Vereine, die sowohl von ehrenamtlich engagierten Bürgerinnen und Bürgern betreut, als auch von hauptamtlich beschäftigten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aktiv gestaltet und geleitet werden. Das Besondere an den Jugendfarmen ist der Umgang mit Tie- ren. Kinder lernen für die Tiere Verantwortung zu übernehmen, indem sie sie betreuen, füttern und sauber machen. Sportflächen Neben den Spiel- und Bolzplätzen gibt es in jedem Stadtteil eine Vielzahl von Sportplätzen. Sie werden in der Regel von ei- nem Sportverein verwaltet. Rund 40 Prozent der Kinder und Ju- gendlichen sind Mitglied in einem Sportverein und können diese Flächen und Einrichtungen nutzen. Aber auch ohne Mit- gliedschaft stehen viele Sportflächen frei zur Verfügung. Brachflächen Die Stadt Stuttgart betreibt ein nachhaltiges Bauflächenma- nagement. Sämtliche Bauflächen und verfügbaren Baupotenzi- ale sind genau erfasst. Darüber hinaus gibt ein Baulückenkatas- ter Auskunft auch über kleinste Baulücken. Im Arbeitskreis Spielflächen wurde übereinstimmend festgelegt, dass seit 2006 in allen Stadtbezirken geprüft wird, wo zumindest eine tempo- räre Nutzung von Brachflächen als Spielorte möglich ist. Beispiel Botnang: Eine von der Stadt verpachtete Brachfläche bei der Tennisanlage Beethovenstraße wird in Botnang künftig der Jugend zur Verfügung gestellt. Der Platz soll Gelegenheit bieten zum Skaten und Streetball spielen. Im Bereich Aspen- waldstraße ist zudem ein Kleinkinderspielplatz geplant. Ebenso ist vorgesehen, Teile des Nebengeländes der SKG Botnang in ei- nen familienfreundlichen Sportplatz für alle umzuwandeln. Cities for Children Im Bereich der europäischen Zusammenarbeit haben die Mit- glieder aus mehreren Städten der Cities for Children Arbeits- gruppe „Wohnen und Freiräume“ mögliche Minimalstandards und best practice im Bereich Wohnen und Freiräume diskutiert. Die vorgeschlagenen Kriterien sollen der Jury für die ersten eu- ropäischen Auszeichnungen für kinderfreundliche Städte „City for Children“ 2009 im Bereich der Spiel- und Freiraumges- taltung als Indikatoren dienen. Mit der ersten europäischen Auszeichnung sollen im Juni 2009 erstmals Leuchtturmprojekte für Freiraumgestaltung und Spielflächen für Kinder und Jugend- liche ausgezeichnet werden. Die Auszeichnung soll dazu beitra- gen, innovative, erfolgreiche Projekte europäischer Städte in diesem Bereich aufzuzeigen und so europaweit in unseren Städten neue Projekte anzustoßen.
  • 47. 51 3. Ziel In Stuttgart soll für die Gesundheit und die Sicherheit unserer Kinder und Jugendlichen bestens gesorgt werden. Die gesunde Entwicklung und die körperliche Unversehrtheit unserer Kinder sind leider nicht selbstverständlich. Wir müssen feststellen, dass sich eine wachsende Zahl von Kindern und Ju- gendlichen ungesund ernährt und an Übergewicht leidet. Einige kommen auch ohne Frühstück in die Kita oder Schule; mancher Schüler hat auch kein Geld dabei, um sich ein Mit- tagessen zu leisten. Deshalb hat sich die Stadt entschlossen, durch frei verfügbare Budgets in Kitas und Schulen durch ein Mittagessenangebot für einen Euro für alle Bonuscard-Empfän- ger dafür zu sorgen, dass Erzieher/-innen und Lehrer/-innen ein gesundes Essen anbieten können. Zur Gesundheitsvorsorge gehört auch, dass sich unsere Kinder und Jugendlichen gefahrlos in unserer Stadt bewegen können. Die gemeinsamen Programme mit der Verkehrswacht und der Polizei erhöhen die Verkehrssicherheit für alle Stuttgarter Kin- der, vor allem die Erstklässler. Damit kommen wir unserem Ziel näher: keine Verkehrsunfälle mit Kindern in Stuttgart. Und nicht zuletzt wollen wir jedes Kind und jeden Jugendlichen vor Kriminalität schützen. Erfreulicherweise ist Stuttgart eine der sichersten Großstädte in Europa. Die Gefahr, dass Kinder Opfer von Verbrechen werden, ist dementsprechend gering. Dies ist in entscheidendem Maße auf die Gemeinschaftsinitia- tive „Stuttgarter Sicherheitspartnerschaft“ zurückzuführen, die 1997 entstand. Gemeinsam mit der Polizei, bürgerschaftlichen Gruppen und der Stadtverwaltung ist es seither gelungen, die wachsende Kriminalität zu bekämpfen und die zunehmenden Sicherheitsängste zu verringern. Diesen Weg gilt es fortzuset- zen. 3. Alle Kinder sollen sicher und gesund aufwachsen können.
  • 48. 52 3.1. Die Gesundheitsvorsorge und die medizinische Versorgung für Eltern und Kinder sollen qualitätsvoll weiterentwickelt werden. Stuttgart bietet Müttern und Vätern mit einem dichten Netz aus Gesundheitseinrichtungen eine qualitätsvolle Beratung und gute medizinische Versorgung. Ob traditionelle Familie, Patch- workfamilie oder Alleinerziehende, für alle, die Kinder und Ju- gendliche erziehen und betreuen, gibt es umfangreiche Unter- stützungsmöglichkeiten. In den Stadtbezirken berät das Gesundheitsamt Eltern und Kin- der aller Altersgruppen. Darüber hinaus beraten freie Träger und auch das Jugendamt bei Schwangerschaftskonflikten und Risikoschwangerschaften. Für kranke Kinder stehen die Stutt- garter Krankenhäuser, vor allem aber das Kinderkrankenhaus Olgahospital, im Volksmund das „Olgäle“, zur Verfügung. Kinderkrankenhaus Olgahospital Das „Olgäle“ ist eines der größten Schwerpunktkrankenhäuser für kranke Kinder in Deutschland und bietet seinen kleinen Pa- tienten/-innen eine bestens spezialisierte und qualifizierte Ver- sorgung. Zur zukunftsfördernden Weiterentwicklung der Stadt gehört der Neubau des Kinderkrankenhauses Olgäle mit einem perinatalen Zentrum, den die Stadt bis 2012 auf dem Klinikge- lände beim Katharinenhospital realisieren wird. Mit dieser rund 270 Millionen Euro teuren Investition wird auch langfristig die maximale medizinische Versorgung kranker Kinder gewährleis- tet. Sozialpädiatrisches Zentrum (SPZ) Das Sozialpädiatrische Zentrum (SPZ) bietet allen Eltern und Familien Diagnostik, Hilfe und Begleitung an, wenn Säuglinge, Kinder und Jugendliche Entwicklungsauffälligkeiten, Behinde- rungen, chronische Erkrankungen, Übergewicht oder Verhal- tensauffälligkeiten zeigen. Das Team besteht aus Kinderärzten/- innen, klinischen Psychologen/-innen, Therapeuten/-innen, Pädagogen/-innen, Sekretärinnen, einer Sozialpädagogin und einer Kinderkrankenschwester, die alle eng zusammen arbeiten. Dabei hat der Austausch zwischen allen, die an der Betreuung und Begleitung des Kindes/des Jugendlichen und seiner Familie beteiligt sind, einen hohen Stellenwert. Ein wich- tiges Ziel ist, die Kompetenz von Eltern und/oder Betreuungs- personen zu stärken. Das Kind soll so unterstützt werden, dass es ein größtmögliches Maß an Selbstständigkeit erlangt und sich mit seinem sozialen Umfeld positiv auseinandersetzen kann. Pro Tag suchen etwa 100 Eltern mit ihren Kindern das SPZ auf, jährlich werden rund 5.300 Fälle betreut. Häusliche Kinderkrankenpflege e. V. Neben der stationären Behandlung und Betreuung beraten und unterstützen ausgebildete Kinderkrankenschwestern der „Häus- lichen Kinderkrankenpflege e. V.“ Kinder und deren Familien in Krankheitsfällen. Frühe Hilfen Interdisziplinäre Frühförderstelle (IFF) Die Interdisziplinäre Frühförderstelle (IFF) im Ge- sundheitsamt in gemeinsamer Trägerschaft von Gesundheitsamt, Jugendamt, Staatlichem Schul- amt, Olgahospital und Körperbehindertenverein Stuttgart e. V. wird ihr Angebot für entwick- lungsauffällige und von Behinderung bedrohte Kinder und ihre Angehörigen weiter entwickeln. So will sich die IFF neben der interdisziplinären Diagnostik, der Beratung und Therapie für Kinder bis zu sechs Jahren künftig auch verstärkt der Prävention von Entwicklungsstörungen widmen, die entweder durch organi- sche Risiken oder psychosoziale Belastungen entstehen. Förderung für Familien nach der Geburt eines Kindes Die Geburt eines Kindes bedeutet einen Einschnitt in das Leben eines jungen Paares. Dies kann zu einem Gefühl des Alleinge- lassenseins und der Isoliertheit bei den jungen Familien führen. Das ändert sich oft erst, wenn Kontakte zu anderen Eltern, zum Beispiel im Kindergarten, geknüpft werden. Doch gerade in der Zeit davor wären Kontakte hilfreich: Das Leben mit einem Kind ist neu, es fehlt an Erfahrungen, die Beziehung zum Partner verändert sich, das ehemalige Netzwerk von Freunden und Ar- beitskollegen trägt nicht mehr in der bisherigen Weise, weil sich Interessen und Bedürfnisse unterscheiden. Insbesondere Familien mit geringen Ressourcen, die ihre Kinder unter belas- teten Lebensumständen wie Arbeitslosigkeit, Armut oder gerin- ger gesellschaftlicher Integration erziehen, brauchen Unterstüt- zung. Dies gilt vor allem für Familien mit Kindern zwischen dem Babyalter und drei Jahren, die ihre Kinder noch zu Hause be- treuen und von sich aus die Elternbildungsangebote nicht nut- zen (können). Hier wurden Projekte entwickelt, die gerade junge und benachteiligte Familien in ihrer neuen Lebenssitua- tion ansprechen und unterstützen. Erziehungshilfen Die „Hilfe zur Erziehung“ im Sinne des Kinder- und Jugendhilfe- gesetzes unterstützt die Personensorgeberechtigten, also in der Regel die Eltern, wenn „eine dem Wohl des Kindes oder des Ju- gendlichen entsprechende Erziehung nicht gewährleistet“ ist. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Jugendamtes bieten deshalb vertiefte Hilfestellungen für Kinder, Jugendliche und ihre Familien an. Das bedeutet in der Praxis, dass die Eltern ei- nen Antrag auf Hilfe zur Erziehung beim Jugendamt stellen können, wenn sie den Eindruck haben, dass sie intensivere Unterstützung benötigen. Der Anstoß kann natürlich auch vom Kind oder Jugendlichen ausgehen. Sie haben das Recht, sich in allen Angelegenheiten der Erziehung und Entwicklung selbst an das Jugendamt zu wenden. Die Kinder- und Jugendhilfe hält mittlerweile eine Vielzahl von Unterstützungsangeboten für El- tern, Kinder und junge Erwachsene in Belastungs- und Krisensi- tuationen bereit. Diese werden jeweils nach der Situation und dem individuellen Bedarf ausgewählt. Die Kosten übernimmt das Jugendamt, jedoch ist eine Beteiligung der Eltern nach ih- ren finanziellen Möglichkeiten vorgesehen. Interdisziplinäre Frühförderstelle
  • 49. Sozialdienst der katholischen Frauen Der Sozialdienst der katholischen Frauen (SkF) setzt sich vor al- lem für benachteiligte und ausgegrenzte Frauen ein. Im Verein arbeiten Fachkräfte und Ehrenamtliche zusammen. Führungs- und Leitungsaufgaben werden beim SkF überwiegend von Frauen wahrgenommen. Diese bestimmen in Kooperation mit den Fachkräften die Grundzüge der fachlichen Arbeit. Schwer- punkte der Arbeit liegen auf der Beratung und Hilfe für Kinder und Jugendliche sowie für Frauen und Familien in besonderen Belastungssituationen, berufliche Hilfen für Frauen und Woh- nen mit Beratung für schwangere und allein erziehende Frauen. Familien mit behinderten Kindern Besonders Familien mit behinderten Kindern brauchen unsere Zuwendung und Unterstützung, damit sie sich in Stuttgart wohl fühlen können. Deshalb arbeiten das Jugendamt und das Ge- sundheitsamt, aber auch zahlreiche andere Ämter mit großem Engagement daran, dass Kinder mit Entwicklungsauffälligkeiten und Behinderungen in Stuttgart gut aufgehoben sind. Das Jugendamt misst der Integration von Kindern mit Behinde- rung in seinen Tageseinrichtungen eine besondere Bedeutung bei. Zur Unterstützung und Beratung hat das Amt 2008 einen umfassenden Leitfaden entwickelt, dem das Prinzip „Integra- tion muss selbstverständlich sein“ zugrunde liegt. Der Leitfaden ist eine verbindliche Arbeitsgrundlage für die Mitarbeiter/-in- nen. Unser Ziel ist, dass möglichst alle Kinder mit Behinderungen Re- gel-Kindergärten besuchen und in der Grundschule zusammen mit anderen lernen. Bei schweren Behinderungen verfügt Stutt- gart über entsprechende differenzierte Förderschulen. Die För- derung geht weiter bis hin zur beruflichen Eingliederung und unterstützenden Maßnahmen (siehe 1.7). 53 Die Olgäle-Stiftung unter dem Vorsitz von Dr. Stefanie Schuster (rechts) unterstützt kranke Kinder und deren Eltern.
  • 50. Gesunde Ernährung ist uns wichtig. 54 3.2. Jedes Kind und jeder Jugendliche soll sich gesund ernähren. Berichte aus Kindergärten und Schulen machen deutlich, dass eine vernünftige, ausgewogene Ernährung für viele Kinder nicht selbstverständlich ist. Viele Schülerinnen und Schüler kommen ohne Frühstück in die Schule oder leiden durch einsei- tiges und unkontrolliertes Essen an Übergewicht. Ebenso ge- hört das tägliche stundenlange Fernsehen und Computerspie- len zu den Lebensrealitäten unserer Kinder. Nicht selten bewegen sie sich daher nicht ausreichend. Gesunde Ernährung und Bewegung sind jedoch die Grundvoraussetzungen für eine positive geistige und körperliche Entwicklung unserer Kinder. Deswegen haben wir Programme wie „Bewegter Kindergarten“ und „Bewegte Schule“ entwickelt. Das gemeinsame Mittages- sen in der Kita ist inzwischen fester Bestandteil des Bildungs- programms. In den Ganztagesschulen wird das Essensangebot systematisch ausgebaut. Für die weniger begünstigten Kinder (Bonuscard-Berechtigte) gibt es das Mittagessen für einen Euro (siehe 1.9). Netzwerk „g’sund & g’scheit“: Gesundheitsförderung in Kitas und Schulen „g’sund & g’scheit" ist ein Projekt nach dem Settingansatz zur Gesundheitsförderung der Weltgesundheitsorganisation für Ta- geseinrichtungen für Kinder und Schulen. Settings bezeichnen Lebensbereiche, in denen Menschen einen Großteil ihrer Zeit verbringen. Träger des Netzwerkes sind das Forum Gesunde Stadt e. V. und das Gesundheitsamt. Erfahrene Fachkräfte begleiten und unterstützen die beteiligten Kitas und Schulen bei „g’sund & g’scheit" für die Dauer von zirka zwei Jahren. In Planungswerkstätten und Gesundheits- teams werden mit Beteiligung von Erzieher/-innen, Lehrer/-in- nen, Kindern und deren Eltern eigene Ziele, Strategien und Maßnahmen zur Gesundheitsförderung entwickelt und umge- setzt, die sich am Alltag orientieren und nachhaltig wirken. Mit den Schwerpunktthemen Bewegung und Ernährung werden wichtige Elemente der aktuellen Bildungsansätze weiterentwi- ckelt. Die Gesundheit der Erzieher/-innen und Lehrer/-innen am Arbeitsplatz ist ein weiteres wichtiges Thema. Dabei geht es auch um Raumgestaltung, Sprachförderung, Sozialklima und den Umgang mit Belastungen. Seit 2004 sind 14 Tageseinrichtungen für Kinder und sechs Schulen Mitglied im Netzwerk. Zurzeit befinden sich fünf Kitas und vier Schulen in der aktiven Projektphase. XXL-Projekt Die Vermittlung von ernährungs- und gesundheitsbewusstem Verhalten steht auch im Mittelpunkt des XXL-Projekts, das auf Initiative eines Sozialpädagogen der Evangelischen Gesellschaft (EVA) und einer engagierten Lehrerin der Rosensteinschule im Stuttgarter Nordbahnhofsviertel durchgeführt wird. Zielgruppe des Projekts sind übergewichtige junge Menschen, die auf- grund ihrer sozialen Benachteiligung in andere Programme der Jugendarbeit nicht integriert werden können. Bei Bewegungs- angeboten wie Tanzen und sportlichen Spielen erfahren Mäd- chen und Jungen in je einer Gruppe, wie sie sich gesund ernäh- ren und ein ausgeglichenes Leben führen können. Als Projekt- partner konnten das internationale Stadtteilzentrum „Haus 49“, die Rosensteinschule, das vom Gesundheitsamt betreute „Fo- rum Gesunde Stadt“ und das zuständige Beratungszentrum des Jugendamts gewonnen werden. In mehreren Stadtbezirken haben im Rahmen von Gesundheits- wochen Veranstaltungen zum Thema „Gesunde Ernährung für Kinder“ stattgefunden, um das Bewusstsein für gesunde Ernäh- rung und Bewegung bei Eltern und Kindern zu stärken. Frisches Obst für alle Schüler Der Förderverein Kinderfreundliches Stuttgart hat gemeinsam mit den Partnern Versorgungsmärkte Stuttgart und Großmarkt- händlern die Aktion „Gesundes Frühstück für alle Schulkinder“ initiiert. Dabei werden derzeit zehn Stuttgarter Grund- und Hauptschulen wöchentlich mit frischem Obst beliefert. Außer- dem wird das Thema „gesunde Ernährung“ in der Schule mit Kindern und Eltern behandelt. Ziel ist es, alle Schüler der Stutt- garter Hauptschulen täglich mit frischem Obst zu versorgen .
  • 51. 3.3. Jedes Kind und jeder Jugendliche soll sich gefahrlos in unserer Stadt bewegen können. Erfreulicherweise werden in Stuttgart im bundesweiten Ver- gleich relativ wenige Kinder Opfer im Straßenverkehr. Doch je- des Verkehrsopfer ist eines zuviel. Es gilt daher, in einem ver- netzten Zusammenwirken von Verkehrswacht, Polizei und ADAC, mit Schulen und Kindergärten, aber auch mit Stuttgarter Firmen und weiteren Partnern dem Ziel näher zu kommen: keine Verkehrsunfälle mit Kindern in Stuttgart! Verkehrserziehung in Kitas Kinder im Alter von drei bis sechs Jahren können noch nicht auf sich allein gestellt am Straßenverkehr teilnehmen. Deshalb ist es wichtig, sie bei der Entwicklung ihres Gefahrenbewusstseins zu unterstützen und auf die eigenverantwortliche Teilnahme am Straßenverkehr vorzubereiten. Eine besondere Bedeutung hat hierbei die Verkehrserziehung in Kindertageseinrichtungen. Seit 2005 bringen die Beamten der Verkehrserziehung des Polizei- präsidiums Stuttgart e. V. allen 7.500 Kindern im Alter zwischen drei und sechs Jahren wichtige Sicherheitsregeln bei. Diese wer- den dann praktisch im Straßenverkehr geübt. Verkehrserziehung bei Erstklässlern Mit der Einschulung beginnt für die Kinder ein entscheidender neuer Lebensabschnitt. Sie verlassen zeitweise das behütete Umfeld der Familie, lernen in ihren Lehrern neue Bezugsperso- nen kennen und beginnen ihren Weg in die Selbstständigkeit. Deshalb haben sich das Kuratorium und der Förderverein Kin- derfreundliches Stuttgart sowie das staatliche Schulamt und die Stuttgarter Polizei entschlossen, flächendeckend für jeden Erst- klässler ein theoretisches und praktisches Schulwegtraining durchzuführen. Die Inhalte sind Teil des Lehrplans und werden im Unterricht wiederholt. Schulwegtraining Das flächendeckende Schulwegtraining, das zwischenzeitlich fester Bestandteil des Anfangsunterrichts an Stuttgarter Schu- len ist, wurde durch das Staatliche Schulamt, das Amt für öf- fentliche Ordnung, das Polizeipräsidium Stuttgart und das Kura- torium und Förderverein Kinderfreundliches Stuttgart e. V. entwickelt. Kinder erlernen dabei sicherheitsrelevante Verhal- tensregeln, um eigenverantwortlich am Straßenverkehr teilneh- men zu können. Im Jahr 2007 absolvierten 4.806 Kinder aus den ersten Klassen und 379 Kinder aus Förderklassen das von Polizeibeamtinnen und -beamten der Verkehrserziehung Stutt- gart betreute Schulwegtraining. Die Kinder lernen die Verhal- tensregeln in der Theorie und üben praktisch im Rahmen indivi- duell ausgearbeiteter Schulwege. Zu den Schwerpunkten gehört dabei, wie man sich auf dem Gehweg verhält, wie man die Fahrbahn an gesicherten und ungesicherten Stellen über- quert, wie man fremden Erwachsenen gegenübertritt und was die Aktion Gute Fee bedeutet. Fußgängerführerschein für Kinder Der Fußgängerführerschein für Kinder ist eine Fördermaß- nahme des Fördervereins Kinderfreundliches Stuttgart e. V.. Über 15.000 Erstklässler konnten in den letzten drei Jahren durch die Schulung der Verkehrspolizei lernen, sich sicher und angstfrei im Verkehr zu bewegen. Der Kinder-Fußgängerschein ist sichtbares Zeichen für das erfolgreich abgeschlossene Trai- ning. Verkehrssicherheit für alle Stuttgarter Erstklässler Im Rahmen der Aktion „Sicherer Schulweg“ bekommen die Erstklässler von der Verkehrswacht Stuttgart e. V. leuchtend rote, lichtreflektierende Kappen. Diese Kappen stellt die DEKRA für alle Erstklässler in Stuttgart zur Verfügung. Sie sind Teil einer umfassenden Kampagne der Stuttgarter Verkehrswacht, die sich für die Schulwegsicherheit einsetzt. Mit Unterstützung der Berufsfeuerwehr werden etwa 40 Spannbänder – „Bitte langsam – Schule hat begonnen“ und „Tempo runter – bitte, Schulanfang“ über großen Straßen in der Nähe von Grund- und Hauptschulen angebracht. Darüber hinaus hat der städtische Eigenbetrieb Abfallwirtschaft Stutt- gart (AWS) Fußgängerampeln mit Verkehrswacht-Hinweisschil- dern ausgestattet, um verstärkt auf beispielhaftes Verhalten hinzuweisen, nämlich bei „Rot“ zu warten und die Straße erst bei „Grün“ zu überqueren. Aktion „Sicherer Schulweg“ Zusätzlich zu dieser Präventionsarbeit führen die Polizei und der städtische Vollzugsdienst in den ersten 14 Tagen jedes neuen Schuljahrs die Aktion „Sicherer Schulweg“ durch. Sie überwa- chen den ruhenden und fließenden Verkehr im Bereich von Schulen, kontrollieren die Geschwindigkeit oder beanstanden falsch geparkte Fahrzeuge. Schulwegpläne Die derzeit insgesamt 76 Schulwegpläne helfen auch den Eltern von Erstklässlern beim Einüben des Schulwegs für ihre Kinder. Die Karten decken den jeweiligen Einzugsbereich der Grund- schule ab. Um die Nachhaltigkeit zu steigern, bereiten Lehrer/- innen die Inhalte im Schulunterricht auf. Kinderfreundlicher ÖPNV Neben der Verkehrssicherheit sollen auch die Rahmenbedin- gungen dafür geschaffen werden, dass sich Kinder möglichst selbstständig in der Stadt bewegen können, damit das „Taxi Mama“ bald nicht mehr notwendig ist. Für Kinder ist der öf- fentliche Personennahverkehr deshalb bis zum sechsten Le- bensjahr kostenlos. Schulkinder können mit dem „School-Abo“ nicht nur in die Schule fahren, sondern ab 12 Uhr das gesamte Netz des Verkehrsverbundes nutzen. Für die älteren Jugend- lichen gibt es ein Nachtbusangebot, damit sie auch an Woche- nenden zu später Stunde sicher nach Hause kommen. 55
  • 52. Schulweg aus Kindersicht Der Videofilm „Schulweg aus Kindersicht“ ist Ergebnis eines Studienprojektes, das in enger Kooperation der Universität Stuttgart mit der Hochschule der Medien sowie verschiedenen Ämtern der Landeshauptstadt und der Kinderbeauftragten der Stadt Stuttgart entstand. Studenten haben Grundschulkinder auf ihrem Schulweg begleitet und ihn aus Sichthöhe der Kinder gefilmt und kommentiert. Ein Weg führte durch Weinberge, Al- leen und Parkanlagen, der andere hauptsächlich entlang großer Verkehrsstraßen. Beide Routen machten deutlich, mit welchem Einfallsreichtum Kinder selbst verkehrsreiche Straßen in ihr Spiel einbeziehen und wie sehr der Schulweg ein Erlebnisraum ist. Zugleich wird deutlich, wie wichtig Verkehrserziehung ist, da- mit Kinder Gefahren erkennen, einschätzen und dadurch ver- meiden können. Radfahren von Kindern Nicht zuletzt wegen der besonderen topografischen Bedingun- gen genießt die Landeshauptstadt bislang nicht den Ruf einer „Radfahrerhochburg“. Um die Situation für Radfahrer zu ver- bessern, hat der Gemeinderat einen Zehn-Punkte Maßnahmen- katalog verabschiedet. Im Jahr 2005 befragte das Statistische Amt der Landeshaupt- stadt Stuttgart die Bürgerinnen und Bürger zum Thema Mobi- lität. Die Umfrage ergab, dass sich die Mehrheit der Befragten Verbesserungen wünscht. Um die Rahmenbedingungen auch für Fahrrad fahrende Kinder zu verbessern, hat die Kinderbeauftragte den Arbeitskreis „Kin- der, Rad und Verkehr“ eingerichtet. Auf dessen Initiative führte das Statistische Amt Ende 2005/Anfang 2006 in den dritten und vierten Grundschulklassen sowie an allen weiterführenden Schulen eine Umfrage zum Thema „Rad fahren“ durch. Damit wurden erstmals flächendeckend allgemeine Daten zur Radnut- zung ermittelt, aber auch Mängel am bestehenden Radwege- netz aufgezeigt. Die Ergebnisse fließen in die städtische Radver- kehrsförderung ein und tragen dazu bei, das Rad fahren für Kinder attraktiver zu machen. Drei Stuttgarter Schulen im Bezirk Vaihingen haben als Pilotschulen bereits verschiedene Verbes- serungen für den Fahrradverkehr realisiert; weitere Schulen im Stadtgebiet werden folgen. Für diese Schulbefragung wurde die Landeshauptstadt Stuttgart mit dem bundesweiten Fahrrad- preis „Best for Bike 2007“ ausgezeichnet. Mit dem Preisgeld konnten Fahrradhelme und Laufräder für Schüler/-innen be- schafft werden. Jugendverkehrsschulen Das Fahrrad ist für Kinder eine gute Möglichkeit, den Wunsch nach mehr Mobilität und Ausweitung des eigenen Aktionsbe- reichs in die Tat umzusetzen. Im Alter von zehn Jahren sind Kin- der entwicklungsbedingt in der Lage, den Anforderungen ge- recht zu werden, die auf sie als Fahrradfahrer im Straßenverkehr zukommen. Hierzu erhalten alle Viertklässler eine flächendeckende Radfahrausbildung durch Schule und Po- lizei. Neben dem theoretischen Unterricht bereiten Beamte der Verkehrserziehung des Polizeipräsidiums Stuttgart sie in einer der drei stationären städtischen Jugendverkehrsschulen in vier praktischen Übungseinheiten auf die Fahrradprüfung vor. Bei Bestehen erhalten die Kinder ihren Fahrradführerschein. Mobile Jugendverkehrsschule Neben den drei stationären Standorten der Jugendverkehrs- schulen in Stuttgart-West, Hofen und in den Unteren Schloss- gartenanlagen gibt es darüber hinaus eine mobile Jugendver- kehrsschule. Ein mit Fahrrädern, Helmen, Schildern und weiterem Zubehör ausgerüsteter Lkw fährt zu den Schulen der Außenbezirke. Im Jahr 2007 konnten mehr als 600 Kinder das Fahren im öffentlichen Verkehrsraum dort trainieren, wo es für die Vorbereitung auf die Realität am wichtigsten ist, nämlich in ihrem direkten Schul- und Wohnumfeld. Fahrradkarte Die im Jahr 2008 neu herausgegebene Fahrradkarte der Stadt Stuttgart mit Radwegen und Tourenvorschlägen zeigt auch si- chere Strecken für Kinder. In der Fahrradkarte ist außerdem eine spezielle Kindertour ausgewiesen und beschrieben. Auch die Fahrradkarte im Internetstadtplan auf der Homepage der Stadt Stuttgart enthält sichere Radwege. Aufklärungskampagne für „Mehr Rücksicht und null Aggression im Straßenverkehr“ Mit verschiedenen Aktionen für „Mehr Rücksicht und null Aggression im Straßenverkehr“ geht die Verkehrswacht Stuttgart e.V. seit 2008 präventiv gegen die steigende Zahl rücksichtsloser Autofahrer vor. Sie will damit die Verkehrssicher- heit für Kinder und Jugendliche im Straßenverkehr erhöhen. Kinder sind von der zunehmenden Rücksichtslosigkeit im Stra- ßenverkehr besonders betroffen, zum Beispiel durch zu schnell fahrende Verkehrsteilnehmer vor allem in Tempo-30-Zonen, un- vorsichtig abbiegende Autofahrer oder diejenigen, die an Zebrastreifen nicht anhalten und an Kreuzungen und Über- wegen mit ihrem parkenden Auto den Kindern die Sicht nehmen. Die Unfallzahlen des Statistischen Bundesamtes be- zeugen, dass mehr als die Hälfte der Unfälle mit Kindern durch das Fehlverhalten der beteiligten motorisierten Fahrer/-innen verursacht wird. Die Verkehrswacht Stuttgart setzt hier auf langfristiges Training und intensive Aufklärung aller Bürgerinnen und Bürgern. Sie beziehen deshalb in ihre Aktionen Eltern, Erzieher und Lehrer gleichermaßen mit ein. Cities for Children Im Rahmen der europäischen Zusammenarbeit hat die Stadt Stuttgart die Moderation der Cities for Children Arbeitsgruppe zum Thema Verkehr und Sicherheit übernommen. Auch bei der Ersten europäischen Auszeichnung für kinderfreundliche Städte 2009 ist eines der beiden Themenfelder Mobilität und Ver- kehrssicherheit. 56
  • 53. 57 3.4. Jedes Kind und jeder Jugendliche soll vor Kriminalität geschützt sein. Die Zahl der Straftaten ist seit einem Höchststand im Jahr 1992 nahezu kontinuierlich zurückgegangen, so dass Stuttgart heute zu den drei sichersten Großstädten Deutschlands zählt. Die Ge- fahr, dass Kinder Opfer von Verbrechen werden, ist dement- sprechend gering. Dies ist in entscheidendem Maße auf die er- folgreiche Zusammenarbeit in der Stuttgarter Sicherheitspart- nerschaft zurückzuführen. Stuttgarter Sicherheitspartnerschaft Die Stuttgarter Sicherheitspartnerschaft entstand 1997 als ge- meinsames Projekt der Stuttgarter Polizei, der Stuttgarter Bür- gerschaft und der Stadtverwaltung. Ziel war es, die wachsende Kriminalität zu bekämpfen und die zunehmenden Sicherheits- ängste der Bürger zu verringern. Das 10-Punkte-Aktionspro- gramm wird seither jährlich fortentwickelt, sowohl was die zen- tralen Schwerpunkte als auch die Arbeit in den Stadtbezirken betrifft. Ein Schwerpunkt bleibt die Prävention bei Kindern und Jugendlichen. Aus den gemachten Erfahrungen entwickelten sich Projekte, die nachhaltig wirken. Dazu gehört das Bündnis für Erziehung, das Haus des Jugendrechts, die Bürgeraktion Gute Fee, STOP – Stuttgarter Ordnungspartnerschaft gegen häusliche Gewalt und vieles mehr. Diesen gemeinsamen Weg wollen wir weitergehen, damit Stuttgart sicher bleibt und Kinder hier unbeschwert aufwach- sen können. Kommunale Beratungszentren Das Jugendamt hat den gesetzlichen Auftrag, jeder Art von Kindeswohlgefährdung innerhalb und außerhalb der Familie nachzugehen. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Bera- tungszentren kümmern sich direkt in den Stadtteilen um die Anliegen und Probleme von Stuttgarter Kindern, Jugendlichen und Familien. Sie sind erste Anlaufstellen, wenn es darum geht, zu informieren, zu klären, Beratung und Begleitung zu vermitteln und bei psychosozialen, familiären und materiellen Krisen zu intervenieren. Eltern, Kinder und Jugendliche selbst, aber auch andere Familienangehörige, Freunde, Nachbarn, Kindertageseinrichtungen, Schulen, Polizei und andere können sich bei körperlicher und seelischer Kindesmisshandlung, häus- licher Gewalt, Vernachlässigung oder sexuellem Missbrauch direkt an das Jugendamt beziehungsweise die Beratungszen- tren vor Ort wenden. Bereits eine Schwangerschaft oder der Umgang mit Säuglin- gen und Kleinkindern können eine zu große Herausforderung und Überforderung für junge Eltern sein. Je früher ein Unter- stützungsbedarf geäußert wird, umso weniger muss es zu Kri- sen und Notlagen in der Familie und zu Kinderleid kommen. Ziel ist es, dass die Beziehung und Bindung zwischen Eltern und Kind von Anfang an gelingt, auch in schwierigen Lebens- situationen. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Beratungszentren unterstützen zum Beispiel mit der Familienhebamme und durch Hilfen innerhalb der Familie, durch Kindertagesbetreu- ung und durch Begleitung in Krisensituationen. Reichen die ambulanten Hilfen und Beratung nicht aus, werden mit der Familie weitergehende Hilfen zu Erziehung geplant und bei Bedarf vermittelt. In der Jugendverkehrsschule machen Kinder den Fahrradführerschein.
  • 54. Bündnis für Erziehung Das Bündnis für Erziehung ist eine Kooperation der Netzwerk- partner Staatliches Schulamt, Polizeipräsidium Stuttgart, Ju- gendamt und Gesundheitsamt sowie niedergelassener Kinder- und Jugendärzte. Zielgruppe des Projekts sind vor allem Schülerinnen und Schüler der mitwirkenden Schulen, aber auch die Familien der Kinder und Jugendlichen. Das geschaffene Frühwarnsystem dient dazu, Jugendkriminalität und jugendspezifische Gewalt nach- haltig zu reduzieren mit folgenden Maßnahmen: ½ Einrichtung einer Info- und Trouble-Hotline zum örtlichen Polizeirevier, ½ Selbstbehauptungsprojekt „Wehr dich mit Köpfchen“, ½ Polizeisprechstunden in den Schulen (Jour fixe), ½ Sucht- und Gewaltpräventionstage, ½ Vortragsveranstaltungen an Schulen zur Förderung der Medienkompetenz. Haus des Jugendrechts Das Haus des Jugendrechts in Bad Cannstatt startete 1999 als Piloteinrichtung. Aufgrund der positiven Erfahrungen wird es seit Mai 2006 als Behörden übergreifende Einrichtung vom Poli- zeipräsidium Stuttgart, der Jugendgerichtshilfe des Jugendamts, der Staatsanwaltschaft und dem Amtsgericht Stuttgart-Bad Cannstatt weitergeleitet. Ziel der Einrichtung ist, jungen Menschen unter 21 Jahren, die eine Straftat begangen haben oder sozial auffällig wurden, durch vernetzte Hilfs- und Beratungsangebote gezielter zu helfen, um ihnen langfristig Perspektive außerhalb von Krimi- nalität oder Jugenddelinquenz zu eröffnen. Ein wichtiger Schritt in diese Richtung war, Polizei, Jugendgerichtshilfe und Staatsanwaltschaft in einem Gebäude unterzubringen. Die Behörden im Haus des Jugendrechts arbeiten Hand in Hand mit den zuständigen Jugendrichtern in unmittelbarer Nach- barschaft. Aber nicht nur die räumliche Nähe, sondern auch die parallele Bearbeitung eines Falles und die direkte Kommunikation in Fallkonferenzen schufen eine neue Qualität der Zusammenar- beit. Dadurch können langwierige Prozesse verkürzt und die Verfahrensdauer deutlich verringert werden. Dies gewährleis- tet eine rasche und konsequente staatliche und kommunale Reaktion auf Verfehlungen junger Delinquentinnen und Delin- quenten, die sich über Sanktionen hinaus auch auf Hilfsange- bote und individuelle Betreuung erstreckt. Ein weiterer Schwerpunkt liegt in der Prävention und der Vernetzung mit anderen im Stadtteil tätigen Initiativen und Diensten, vor allem mit Schulen und Jugendhilfeeinrichtungen. Gemeinsam konzipierte Projekte, zum Beispiel „Knast kommt krass“ oder „Cannstatt bewegt sich“, tragen dazu bei, junge Menschen in ihrer Sozialkompetenz zu stärken. 58 Die gute Fee hilft Kindern bei Notfällen im Alltag.
  • 55. 59 Mobile Jugendarbeit Seit über 30 Jahren ist die Mobile Jugendarbeit eine tragende Säule der Jugendsozialarbeit in Stuttgart. 50 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an 19 Standorten in 16 Stadtteilen arbeiten eng mit den Kirchengemeinden vor Ort, der Evangelischen Ge- sellschaft Stuttgart und dem Caritasverband Stuttgart zusam- men. Die Mobile Jugendarbeit will gewaltbereiten und sozial benachteiligten jungen Menschen vor allem durch Streetwork und Schulsozialarbeit soziale Kompetenzen vermitteln und ihre individuellen Fähigkeiten stärken. Im Jahr 2007 hat die Mobile Jugendarbeit mit zirka 200 Projekten über 5.600 Jugendliche erreicht. Dazu gehören Streitschlichterausbildung, Suchtpräven- tion, Selbsterfahrungskurse im Grünen, aber auch die Eingliede- rung von Hauptschülern in den Arbeitsmarkt. Die Mobile Ju- gendarbeit trägt nachhaltig zur Integration und Resozialisierung benachteiligter Jugendlicher bei. Info- und Trouble-Hotline Als Deeskalationsmaßnahme in Konfliktsituationen bieten eine „Info- und Trouble-Hotline“ zum zuständigen Polizeirevier und Jugendsachbearbeiter sowie ein „kurzer Draht“ zwischen Schul- leitung und Polizei erste Hilfestellungen. Nicht nur Lehrer und Polizeibeamte, sondern auch die Mitarbeiterinnen und Mitar- beiter der Beratungszentren in den Bezirken stehen den Fami- lien als Ansprechpartner zur Verfügung, beraten und begleiten bei Krisen und vermitteln zwischen den Parteien vor Ort. Part- ner sind inzwischen auch das Gesundheitsamt und niedergelas- sene Ärzte, die vor allem dann gefragt sind, wenn es um Ver- haltensauffälligkeiten, Aggressionen, Mobbing und Selbstver- letzungen geht. Bürgeraktion Gute Fee Mittlerweile tragen in Stuttgart annähernd 1.000 Einzelhandels- geschäfte, soziale, kirchliche und andere öffentliche Einrichtun- gen den Aufkleber „Gute Fee“. Sie sind damit verlässliche An- sprechpartner für Kinder, um ihnen bei Notfällen im Alltag schnelle Hilfe zu leisten. Ergänzt wird die Aktion durch die Be- teiligung der Stuttgarter Straßenbahnen AG mit allen Fahrzeu- gen. Ziele der Aktion sind die Verbesserung der Geborgenheit und Sicherheit von Kindern, eine Stärkung des Gemeinsinns und des Wir-Gefühls im Stadtteil. Die Projektidee wurde 1998 von ehrenamtlich engagierten Bür- gerinnen und Bürgern im Stuttgarter Westen im Rahmen ihrer Aktivitäten in der Quartierswerkstatt Augustenstraße e. V. entwickelt und im Sinne einer Bürgerinitiative ins Leben ge- rufen. Seit 2004 wird die Gute Fee in allen 23 Stadtbezirken umgesetzt. Dort unterstützen die Bezirksvorsteher/-innen sowie die Gewerbe- und Handelsvereine, der Bund der Selbstständi- gen und andere gewerbliche Interessensgemeinschaften das Projekt. KOBRA Die Beratungsstelle KOBRA ist für Kinder und Jugendliche da, die Opfer oder Täter sexueller Übergriffe sind. Die Eltern der be- troffenen Kinder und Jugendlichen werden in die therapeuti- sche Arbeit einbezogen. Ziel ist es, die Tat aufzuarbeiten und eine selbstbestimmte Lebensperspektive zu entwickeln. Neben einer gezielten Öffentlichkeitsarbeit bietet KOBRA professio- nelle Fortbildungen, pädagogische Tage, (Eltern)-Seminare und qualifizierte Präventionsprogramme an. Präventionsprogramm „Power Child“ „Power Child“ ist ein Präventionsprogramm der Beratungsstelle KOBRA und richtet sich an Schüler und Schülerinnen, deren El- tern und den jeweiligen Klassenlehrer mit dem Ziel, junge Men- schen gegen sexuelle Gewalt zu stärken. Polizeipräsidium, Grundschulen und das Staatliche Schulamt sind daran beteiligt. Das Programm wird seit 1993 in Stuttgarter Schulen durchge- führt, wissenschaftlich begleitet und kontinuierlich weiterentwi- ckelt. Die Erfahrungen aus den Bereichen Beratung/Therapie und Prävention sowie neue Erkenntnisse aus Forschung und Praxis fließen in die Weiterentwicklung des Programms ein. Kinderschutz-Zentrum Das Kinderschutz-Zentrum hat es sich zur Aufgabe gemacht, Kinder innerhalb und außerhalb ihrer Familien vor Gewalt zu schützen und Eltern zu helfen. Dies insbesondere, wenn Kinder und Jugendliche körperlich, sexuell, seelisch misshandelt oder vernachlässigt werden. Des Weiteren finden Kinder und Ju- gendliche hier Unterstützung, wenn sie Gewalt zwischen ihren Eltern miterlebt haben. Das Zentrum bietet sofortige Hilfen bei familiären Krisen, telefonische Beratung, Eltern-, Kinder- und Familienberatung oder -therapie sowie Gruppensitzungen mit Kindern an. Die Mitarbeiter beraten darüber hinaus Mütter und Väter in akuten Überforderungssituationen und stärken sie in ihrer Erziehungsfähigkeit. Außerdem stellen sie auch Fachleute aus anderen Einrichtungen bei Fragen der Kindeswohlgefähr- dungen zur Verfügung. STOP – Stuttgarter Ordnungspartnerschaft gegen häusliche Gewalt Sicherheit darf nicht an der Haustür aufhören. Daher wurde im Jahre 2001 die Stuttgarter Ordnungspartnerschaft gegen häusli- che Gewalt (STOP) gegründet, die von der städtischen Stabsstelle für individuelle Chancengleichheit koordiniert wird. Verschiedene Institutionen und Beratungsstellen aus dem polizeilichen, juristi- schen und dem psychosozialen Bereich arbeiten gemeinsam an einer wirkungsvollen Gewaltprävention und -intervention, die folgende Module hat: Beratung und Hilfe für Opfer, psychosozi- ale Beratung für die Täter, Platzverweise aus der gemeinsamen Wohnung, konsequente Strafverfolgung, zivilrechtliche Schutz- maßnahmen nach dem Gewaltschutzgesetz. In Stuttgart sind bei Polizeieinsätzen gegen häusliche Gewalt in über 65 Prozent der Fälle Minderjährige betroffen. Schwer- punktthema der Jahre 2007 und 2008 waren daher die Kinder, die als Opfer und Zeugen häuslicher Gewalt einer besonderen Belastung ausgesetzt sind.
  • 56. 61 4. Ziel In Stuttgart soll die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Kindern und Karriere gewährleistet sein. Ländervergleiche in Europa zeigen, dass eine gute Vereinbarkeit von Familie und Beruf ein wesentliches Element für die Ent- scheidung vor allem von jungen Frauen zu Gunsten von Kin- dern ist. Entsprechend ist gerade auch von gut ausgebildeten Frauen die Erwartung hoch, dass die öffentliche Hand die Kin- derbetreuung quantitativ und qualitativ so ausbaut, dass Fami- lienleben und Arbeitswelt leichter und besser vereinbar sind. Wenn es auch keine direkte Bundeszuständigkeit gibt, so war es doch richtig, mit dem neuen Kinderförderungsgesetz deut- lich mehr Betreuungsplätze für Kinder unter drei Jahren in den nächsten Jahren einzurichten und durch das Elterngeld die Wahlfreiheit im ersten Lebensjahr des Kindes zwischen Beruf und häuslicher Betreuung zu verbessern. Wir haben uns in Stuttgart vorgenommen, sowohl quantitativ wie qualitativ das Angebot an Krippen, Kitas, Ganztagesbe- treuung auszubauen und mit flexiblen Tages- und Ferienzeiten zu ergänzen – mit sehr hohen Subventionen, da die Eltern le- diglich zirka acht Prozent der Kosten bezahlen. Dies bedeutet zum Beispiel für einen Krippenplatz für ein einjähriges Kind eine jährliche Subvention von über 13.000 Euro. Es bedarf aber auch eines Umdenkens und einiger Anstren- gungen in den Unternehmen, damit die Arbeitswelt familien- freundlicher wird. Dankenswerterweise haben nicht nur eine Reihe von kleinen und mittleren Unternehmen, sondern auch Großunternehmen, allen voran die Allianz und die Daimler AG, sich zum Ziel gesetzt, familienfreundliche Arbeitsbedin- gungen zu schaffen. Dies hat wichtige Signalwirkung. Um bei der praktischen Umsetzung zu helfen, haben wir ein Unter- nehmensnetzwerk aufgebaut, das es den Unternehmen er- leichtert, ihre Erfahrungen einzubringen und voneinander zu lernen. 4. Kinder und Beruf sollen sich leichter vereinbaren lassen.
  • 57. 4.1. Die Kinderbetreuung soll so ausgebaut werden, dass sich die Öffnungszeiten der Kinderbetreuung und Arbeitszeiten leichter aufeinander abstimmen lassen. Vor allem Frauen mit kleinen Kindern haben es schwer, ihre Aufgaben als Mutter und die Anforderungen im Berufsleben unter einen Hut zu bekommen. Das gilt verstärkt für Frauen in Führungspositionen. 40 Prozent der Akademikerinnen bleiben kinderlos, obwohl der Kinderwunsch bei vielen besteht. Wir aber möchten jungen Paaren die Möglichkeit geben, sich für Kind und Karriere zu entscheiden. Die Stadt hat in den letzten Jahren deshalb den Ausbau der Ta- gesbetreuung für Kinder deutlich vorangebracht. Am 1. Januar 2005 wurde das Gesetz zum qualitätsorientierten Ausbau der Tagesbetreuung (TAG) rechtskräftig. Ziel ist es, mehr Kindergärten zu Kindertagesstätten auszubauen. In einem weite- ren Schritt haben sich der Bund, die Länder und Gemeinden dar- auf verständigt, entsprechend dem Kinderförderungsgesetz mehr Betreuungsplätze für Kinder unter drei Jahren zu schaffen. Bis zum Jahr 2013 sollen bundesweit 35 Prozent der unter Drei- jährigen einen Betreuungsplatz erhalten können. Ab 1. August 2013 kommt ein Rechtsanspruch auf frühkindliche Förderung in einer Tageseinrichtung oder in der Kindertagespflege für Kinder ab dem vollendeten ersten Lebensjahr hinzu. Die Landeshaupt- stadt Stuttgart hat in den zurückliegenden Jahren erhebliche Anstrengungen unternommen, nicht nur den Rechtsanspruch für Drei- bis Sechsjährige zu erfüllen, sondern insgesamt das Ange- bot in der Kinderbetreuung zu verbessern. Nach unserer jetzigen Planung, die finanziell abgesichert ist, werden wir bis 2010 durchschnittlich 35 Prozent der Kinder unter drei Jahren einen Krippenplatz anbieten können, bei den Drei- bis Sechsjährigen liegt das Platzangebot bei über 105 Prozent. Davon sind 43 Pro- zent Ganztagsangebote (siehe 1.1 und 1.7). Trotz des wachsenden Angebots wird die Nachfrage nach Ganztagsbetreuung im Alter von null bis drei Jahren nicht be- friedigt,sondern steigt kontinuierlich, ebenso nimmt die Nach- frage nach stunden- oder tageweiser Betreuung, nach verlän- gerter Abendbetreuung und Samstagsbetreuung zu. 62 Dieter Zetsche, Vorstandvorsitzender der Daimler AG, weiht mit Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen und Oberbürgermeister Wolfgang Schuster die neueste Betriebskita des Konzerns ein.
  • 58. 63 Kinderbetreuung in der Tagespflege Neben den Kindertageseinrichtungen mit ihren unterschied- lichen Angeboten besteht in Stuttgart auch ein umfangreiches Netz von Tagesmüttern. Grundsätzlich umfasst die Tagespflege die Betreuung von Kindern ab dem Säuglingsalter bis zum 14. Lebensjahr. Überwiegend werden in dieser Form aber Kinder in der Altersstufe unter einem Jahr bis zu drei Jahren betreut. Für Kinder ab drei Jahren kann eine Tagesmutter auch als Ergän- zung zu Kindergarten oder Schule und in den Ferien in Frage kommen. Tagesmütter betreuen im Haushalt, teilweise unter Einbeziehung der eigenen Kinder. Die jeweilige Betreuungszeit orientiert sich am Bedarf der Eltern und wird gemeinsam mit der Tagesmutter in einer Betreuungsvereinbarung festgelegt. Auch das Honroar wird zwischen Eltern und Tagesmutter frei vereinbart. Sind Eltern finanziell nicht in der Lage, für die erfor- derliche Betreuung selbst aufzukommen, kann das Jugendamt auf Antrag der Eltern die Kosten nach den örtlichen Pflegesät- zen ganz oder teilweise übernehmen. Eine Pflegenestmutter betreut in ihrem Haushalt mindestens drei Kinder im Alter von null bis drei Jahren. Sie wird auf diese Aufgabe besonders vor- bereitet und erhält eine Zertifizierung durch das Jugendamt. Betreut eine Tagesmutter mehr als drei Tageskinder, ist sie ver- pflichtet, eine Pflegeerlaubnis des Jugendamtes einzuholen. Der Verein Tagesmütter und Pflegeeltern Stuttgart e. V. sowie die Tagesmütterbörse des Caritas Verbandes helfen Eltern bei der Suche nach einer qualifizierten und flexiblen Betreuerin. Tagesmütter, die hier vermittelt werden, haben an Qualifizie- rungskursen teilgenommen und erhalten laufend Angebote zu Fortbildungen. Derzeit werden über 800 Kinder in der Tages- pflege betreut (siehe 1.7). Betreuung für Schulkinder In den 23 Stuttgarter Stadtbezirken werden derzeit rund 5.000 Hortplätze genutzt. Hier sind Kinder im Alter von sechs bis 14 Jahren ganztägig betreut, vor Beginn und nach Ende des Schul- unterrichts, je nach Tageseinrichtung zirka von 7 bis 17 Uhr mit Mittagessen. Die Betreuung im Rahmen der verlässlichen Grundschule für Sechs- bis Zehnjährige findet meist direkt an der Schule statt. Derzeit gibt es in Stuttgart 350 Gruppen mit Kernzeitenbetreuung für je 20 bis 25 Kinder, in der Regel von 7.30 bis 13 Uhr, teilweise auch mit Mittagessen. Das Angebot wird entsprechend der Nachfrage der Eltern ausgebaut (siehe 1.7). Nichtstädtische Betreuungsangebote Neben der von der Stadt angebotenen Kinderbetreuung unterstützt die Stadt Stuttgart eine Vielzahl von Angeboten freier Träger: Die Evangelische Kirche unterhält in Stuttgart 250 Gruppen in 127 Einrichtungen. Rund 5.300 Kinder wer- den in diesen Einrichtungen betreut. Die Katholische Kirche bietet rund 200 Gruppen in 81 Einrichtungen mit mehr als 4.000 Kindern. Hinzu kommen 18 Waldorfeinrichtungen, vier Montessori-Kindergärten, Stuttgarter Eltern-Kind Gruppen und Eltern-Kind-Zentren in verschiedenen Stadtbezirken sowie acht Stuttgarter Einrichtungen von KIND e. V. Sie haben unterschiedliche pädagogische Ansätze und jeweils eigene Er- ziehungsprofile. Ferienbetreuung Da die Ferienzeit für viele berufstätige Eltern ein Problem be- deutet, ist uns besonders daran gelegen, während der schul- freien Zeit spannende und interessante Aktivitäten für Kinder jeden Alters anzubieten. Eines der umfangreichsten Angebote organisiert das Jugendamt unter dem Titel „Hallo Kinder“. Hier können Kinder die Sommerwochen mit attraktiven Spiel-, Sport- und Bastelangeboten sowie Besichtigungen, Kinderfes- ten und Workshops verbringen. In den 31 Ferien- und Waldheimen, meist am Stadtrand im Grünen gelegen, erleben alljährlich 9.000 Stuttgarter Kinder im Alter von sechs bis 14 Jahren während der Sommerferien, nachfrageorientiert auch in den Oster-, Pfingst- und Herbstfe- rien, einen kurzweiligen und unvergesslichen Ferienaufenthalt. Im Einzelfall werden auch Kinder im Vorschulalter mit aufge- nommen. Der Tag beginnt am Morgen mit dem gemeinsamen Frühstück, dann folgen Spiel, Sport, Musik und Bastelangebote. Darüber hinaus gibt es Aktivitäten im Wald und regelmäßige Ausflüge in die nähere Umgebung. Während der Woche finden unterschiedliche Highlights wie Sportwettkämpfe, Feste, Thea- teraufführungen und Elternbesuchstage statt. Der Waldheimtag endet in der Regel mit dem gemeinsamen Abendessen, die Kin- der schlafen zu Hause. Betreute Bereiche mit wechselnden Angeboten, nachmittags und in den Ferienzeiten gibt es in allen 40 Kinder- und Jugend- einrichtungen. Mit jeweils 150 Kindern und unter Beteiligung von Eltern und Ehrenamtlichen organisieren zahlreiche Stadtbezirke jährlich in den Sommerferien so genannte Kinderspielstädte. Hier wird im Kleinen nachgespielt, wie sonst nur die „Großen“ leben. An der größten Kinderspielstadt: „Stutengarten“ in Bad Cannstatt neh- men jährlich während der Sommerferien über 1.000 Kinder teil. Sie wird von der Jugendhausgesellschaft zusammen mit UNICEF organisiert (siehe 1.6). Besondere Ferienangebote gibt es darüber hinaus während der so genannten kleinen Ferien: Die Kids Week ist eine vom För- derverein Kinderfreundliches Stuttgart e. V. initiierte und von vielen Partnern getragene Ferienwoche für Schulkinder im Alter von sechs bis zwölf Jahren. Sie findet zweimal jährlich in den Oster- und Herbstferien statt. Über 500 Kinder können daran teilnehmen, seit 2008 hat sie auch spezielle Angebote für Kin- der mit Behinderungen im Programm. Darüber hinaus haben zahlreiche Unternehmen in Stuttgart für die Kinder ihrer Mitar- beiter langfristige Vereinbarungen für Ferienbetreuung mit Fa- milienzentren und dem Haus der Familie in Stuttgart getroffen.
  • 59. 64 4.2. Alleinerziehende sollen besonders unterstützt werden. Über ein Drittel aller Ehen wird geschieden. Dabei sind vor al- lem Frauen mit kleineren Kindern einem besonders hohen Ri- siko der sozialen Isolation und des Verlusts ihres Arbeitsplatzes ausgesetzt. Allzu häufig müssen Alleinerziehende Hilfe zum Le- bensunterhalt in Anspruch nehmen, um sich und ihre Kinder zu ernähren. Die Stadt nimmt sich in besonderer Weise der Allein- erziehenden an. Sie berücksichtigt und bevorzugt sie bei der Vergabe von ganztägigen Betreuungsangeboten und bei der Vergabe von familiengerechtem Wohnraum. Familienzentren Einen wichtigen Baustein innerhalb der vielfältigen Beratungs- angebote, die in Stuttgart zur Verfügung stehen, bilden in die- sem Zusammenhang die Stadtteil- und Familienzentren, bei- spielsweise in den Generationenhäusern in Stuttgart-West und -Süd. Dort erhalten junge Familien und Alleinerziehende nicht nur qualifizierte Beratung und lebenspraktische Unterstützung, sondern werden auch in ihren Selbsthilfeaktivitäten gefördert. Dies ist vor allem in Stadtteilen mit einem überdurchschnittlich hohen Anteil an sozial schwächeren Familien und Alleinerzie- henden wichtig. So wurden etwa das Familienzentrum Nord (Coop-Gebiet), das FuN Familien- und Nachbarschaftszentrum in Botnang-Nord sowie die Treffs des Vereins FiZ (Familien im Zentrum) in Wangen und Gaisburg aufgebaut und unterstützt. Außerdem existieren bereits zahlreiche Elterntreffs in Tagesein- richtungen. „Wir bauen ein Haus“ – Hilfen für Mütter und Kinder e.V. Seit 1991 kümmert sich der Förderverein „MuK“ um alleinerzie- hende Mütter mit ihren Kindern. Sie können bei Muk eine Wohnung für einen Zeitraum bis zu fünf Jahren finden und auf dieser Grundlage für sich und ihre Kinder Zukunftsperspektiven entwickeln. Zugang zu einer Muk-Wohnung erhalten Frauen über Einrichtungen der Schwangerenkonfliktberatung in Ver- bindung mit dem Amt für Liegenschaften und Wohnen. Wich- tig ist, dass die Frauen in die Lage versetzt werden, ihr Leben selbstständig zu organisieren und zu gestalten. Vor allem Alleinerziehende sind auf qualitätsvolle Betreuungsangebote angewiesen.
  • 60. 65 4.3. Die Unternehmen sollen familienfreund- liche Arbeitsbedingungen schaffen. Eltern, vor allem Frauen, die wissen, dass ihre Kinder während der Arbeitszeit gut betreut sind, können sich besser auf ihre Ar- beit konzentrieren. Flexible Arbeitszeiten erleichtern es, die Be- treuung von Kindern zu organisieren und auch unvorhergese- hene Ausnahmesituationen wie Krankheit leichter zu meistern. Als Wirtschaftsstandort kann es sich Stuttgart nicht länger leis- ten, auf hoch qualifizierte Frauen zu verzichten, wenn diese Kinder bekommen. Denn in anderen Ländern bieten Unterneh- men jungen und motivierten Eltern bessere Möglichkeiten, Kind und Karriere miteinander zu vereinbaren. Langfristig werden wir daher im globalen Wettbewerb um internationale Spitzen- kräfte nur bestehen können, wenn es uns gelingt, flächende- ckend familienfreundliche Arbeitsbedingungen zu schaffen. Unternehmensnetzwerk Mehr als 100 Unternehmen aus Stuttgart und der Metropolre- gion haben sich zu einem Netzwerk zusammengeschlossen, um an best-practise-Beispielen zu lernen und ihre Erfahrungen untereinander auszutauschen. Im Kuratorium Kinderfreundli- ches Stuttgart erarbeiten Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Wis- senschaft und Kultur gemeinsam mit weiteren Partnern neue Konzepte zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf mit dem Ziel, diese in den jeweiligen Unternehmen umzusetzen und erfolg- reiche Lösungsansätze weiterzugeben. Kinder- und familien- freundliche Maßnahmen sollten heute in keinem Geschäftsbe- richt fehlen. Internetportal „Familienfreundlicher Wirtschaftsstandort“ Damit sich Unternehmen leichter über Chancen und Möglich- keiten in diesem Bereich austauschen, mit Experten in Kontakt treten und von einander lernen können, steht das Internetpor- tal „Familienfreundlicher Wirtschaftsstandort" zur Verfügung. Betreut wird das Portal von der städtischen Stabsstelle für Indi- viduelle Chancengleichheit von Frauen und Männern. Der Inter- netauftritt ergänzt die Arbeit des regionalen Work-Life-Balance- Netzwerks, das die Landeshauptstadt bereits seit 2001 ko- ordiniert. Rund 80 Führungskräfte und Personalverantwortliche aus Unternehmen, Kommunen, Verbänden und Wissenschaft setzen sich dort für mehr Familienfreundlichkeit in der Arbeits- welt ein. Darüber hinaus werden intensive Kontakte zu anderen Netzwerken und Initiativen im Land gepflegt, die sich ebenfalls diesem Thema widmen. Die Kooperation ist dabei bereits so- weit gediehen, dass die beteiligten Netzwerke ihre Aktivitäten wirkungsvoll aufeinander abstimmen. Betriebskitas Einen unverzichtbaren Beitrag zur besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie leisten die Betriebskindertagesstätten. In Stuttgart unterstützen mittlerweile viele Unternehmen ihre Mit- arbeiterinnen und Mitarbeiter bei der Betreuung ihrer Kinder, sei es mit eigenen Betriebskitas, Unternehmenspartnerschaften oder Beteiligung an bereits bestehenden Kitaplätzen bei städti- schen oder freien Trägern, die die Stadt in den vergangenen Jahren mit durchschnittlich 2,2 Millionen Euro gefördert hat. Vom Verein Kind e. V., einem Zusammenschluss der Unterneh- men Lapp, Deutscher Sparkassenverlag, DEKRA und 19 weite- rer Firmen werden acht Einrichtungen mit insgesamt 395 Plät- Unternehmen haben sich zu einem Netzwerk zu Gunsten der Kinder zusammengeschlossen.
  • 61. zen unterhalten. Die Daimler AG hat für Kinder unter drei Jah- ren die Betriebskindertagesstätten „Sternchen“ und „Sterntaler“ eingerichtet, deren Kapazität von bislang 350 auf 569 Plätze aufgestockt wird. Neu ist die Betriebskita „Die Heidehasen“ in Stuttgart-Gablen- berg. Hier haben sich erstmals drei Unternehmen, die Holtz- brinck GmbH, die Robert Bosch Stiftung sowie der Evangelische Oberkirchenrat zusammengeschlossen und betreiben gemein- sam eine Einrichtung für die Kinder von null bis drei Jahren ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Stadt Stuttgart als familienfreundliche Arbeitgeberin Um familiengerechte Arbeitsbedingungen zu schaffen, geht die Stadt Stuttgart mit gutem Beispiel voran: Sie bietet flexible Teil- zeitmodelle, alternierende Tele- und Heimarbeitsplätze, Qualifi- zierungsberatung und -seminare zum Wiedereinstieg, eine spe- zielle Internetplattform mit Informationen über alle rechtlichen und praktischen Fragen zum Wiedereinstieg sowie eine in zwei- jährigem Turnus stattfindende Messe für Beurlaubte und Wiedereinsteiger/-innen. Eine weitere Erleichterung sind die Mitnahmemahlzeiten gegen einen kleinen Aufpreis aus der Kantinenküche. Die Stadt räumt zusätzlich nach der Elternzeit großzügig kurz- und langfristige Beurlaubungsmöglichkeiten ein. Sie fördert Be- schäftigungsmöglichkeiten in kleinerem Umfang, zum Beispiel ein Tag in der Woche, und unterhält dazu eine Datenbank, in der sich interessierte Beurlaubte aufnehmen lassen können. Beim Bezirksamt Weilimdorf sind beispielsweise rund zwei Drit- tel der Mitarbeiter/-innen in Teilzeit beschäftigt. Auch die Stelle der stellvertretenden Bezirksvorsteherin ist in Teilzeit besetzt. Seit Mai 2004 gibt es die Betriebskindertagesstätte mit 30 Plät- zen im Tagblattturm für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Landeshauptstadt. Mit den Betriebskitas im Bürgerhospital, Ka- tharinenhospital und im Klinikum Bad Cannstatt bietet die Stadt seit Herbst 2007 weitere 160 Plätze für die Kinder der Mitarbei- terinnen und Mitarbeiter an. Wiedereinstiegsportal In dem Flyer „Wiedereinstieg – Maßnahmen und Programme der Landeshauptstadt Stuttgart“ sind alle Angebote zum Wiederein- stieg einschließlich der jeweiligen Ansprechpartner/- innen aufge- führt. Die Stabsstelle für individuelle Chancengleichheit hat zu- dem in enger Zusammenarbeit mit dem Haupt- und Personalamt der Landeshauptstadt Stuttgart im Jahr 2006 ein Wiederein- stiegsportal für ihre beurlaubten Mitarbeiterinnen und Mitarbei- ter eingerichtet. Das Portal soll sie mit aktuellen Informationen aus der Landeshauptstadt versorgen, den Kontakt zwischen der Stadtverwaltung und den Beurlaubten aufrechterhalten und bei der Vorbereitung des beruflichen Wiedereinstiegs unterstützen. So können Beurlaubte das Portal als Kontaktbörse zum Beispiel für Tandembewerbungen nutzen und haben Zugang zum Schwarzen Brett der Beschäftigten. Über 400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern machen derzeit davon Gebrauch. Berufliche Anlaufstelle „BBI“ für Mütter In Stuttgart sind etwa 2.200 Mütter mit Kindern unter drei Jah- ren beim Jobcenter als erwerbsfähig gemeldet und erhalten Ar- beitslosengeld II. Daneben gibt es eine Vielzahl von Müttern mit unter dreijährigen Kindern, die nicht wissen, wie es nach der Elternzeit beruflich für sie weitergehen kann. Um diesen Frauen zu helfen, haben sich mehrere Träger in Kooperationen mit der Arbeitsförderung der Landeshauptstadt zu einem Pro- jektverband zusammengeschlossen: Berufliche Beratung und Informationen für Mütter mit Kindern unter drei Jahren, kurz BBI. Dieser bietet ein niedrigschwelliges Informations- und Be- ratungsangebot in Stuttgart an. Zu den Trägern gehören die BeFF-Kontaktstelle Frau und Beruf, die Frauenunternehmen „Zora“ gGmbH sowie das FrauenBerufsZentrum vom Sozial- dienst katholischer Frauen und des Caritasverbandes für Stutt- gart. Unterstützt werden sie von der Landeshauptstadt sowie vom Jobcenter und der Arbeitsagentur Stuttgart. Das Projekt BBI wendet sich sowohl an Frauen mit als auch ohne Arbeitslosengeld II-Bezug. Dabei steht die individuelle be- rufliche Beratung der Mütter im Mittelpunkt. Über einen Kom- petenzcheck und der Einschätzung der aktuellen persönlichen Situation sollen die Fähigkeiten, aber auch die aktuellen Hemmnisse gemeinsam geklärt werden. Ergänzend gibt es the- menspezifische Workshops, wie zum Beispiel Bewerbungskurse oder Kurse über den Umgang mit Geld sowie gezielte Vermitt- lung weiterführende Angebote. 66
  • 62. 67 4.4. Unsere Stadt soll für Studentinnen und Studenten so attraktiv sein, dass sie in Stuttgart bleiben und eine Familie gründen. Die Zukunftsfähigkeit der High-Tech-Region Stuttgart hängt we- sentlich davon ab, dass wir hoch qualifizierte junge Menschen in Stuttgart nicht nur ausbilden, sondern dass sie auch hier blei- ben und sich für Familien mit Kindern entscheiden. Deshalb wirbt die Stadt im Rahmen des Programms „Studentenfreundli- ches Stuttgart“ mit attraktiven Angeboten wie der „Welcome- Week“, dem „Studi-Ticket“ und dem „Flying-Bürgerbüro“ um Studierende und begabte junge Menschen aus dem In- und Ausland. Durch eine Reihe von privaten Investitionen ist es auch in den letzten Jahren gelungen, die Wohnungsangebote für Studenten erheblich zu verbessern. So gibt es in Stuttgart heute allein 33 Wohnheime mit insgesamt 6.400 Plätzen. Universitäten, Hochschulen und die Stadt sind heute ganz be- sonders gefordert, durch Kinderbetreuungseinrichtungen auch Studentinnen und Studenten, die eine Familie gründen wollen oder gegründet haben, ein familienfreundliches Umfeld zu er- möglichen. Audit Universität Hohenheim Als eine der ersten Universitäten in Deutschland und als erste Universität in Baden-Württemberg wurde die Universität Ho- henheim von der gemeinnützigen Hertie-Stiftung mit dem Titel „erste familiengerechte Hochschule“ ausgezeichnet. Die Stiftung würdigt damit nicht nur die familiengerechte Per- sonalpolitik der Universität, sondern auch die innovativen und bundesweit einmaligen Betreuungskonzepte. Denn die Hoch- schule bietet neben den üblichen Angeboten zur Kinderbetreu- ung auch die „Hohenheimer Kinderfeuerwehr“ an, die inner- halb von 20 Minuten einspringt, wenn die privat organisierte Betreuung kurzfristig ausfällt. Darüber hinaus können Eltern ihre Kinder zu den so genannten Campus-Ferien anmelden. Wegweisend in Baden-Württemberg initiierte die Universität ihre „Hohenheimer Campusferien“ als Ferienbetreuungsange- bot für Schulkinder und deren jüngere Geschwister. Es soll die an der Uni studierenden oder arbeitenden Eltern entlasten und gleichzeitig den Kindern den Arbeitsplatz ihrer Eltern näher bringen. Das Projekt wurde erstmalig im Sommersemester 1999 für zwei Wochen veranstaltet unter dem Namen „Hohen- heimer Sommerfrische". 2007 wurde die erste Kita für Null- bis Dreijährige auf dem Universitätsgelände eingeweiht. Kinderbetreuungsangebote an Hochschulen Das Studentenwerk Stuttgart und das Studentenwerk Hohen- heim bieten Kindern von Studierenden der Hochschulen in Stuttgart und Ludwigsburg eine qualifizierte Kinderbetreuung in insgesamt sechs eigenen Einrichtungen an. Allein in Stuttgart sind es in vier Einrichtungen 80 Betreuungsplätze. Auch Plätze für Kinder im Alter von null bis sechs Jahren sind vorhanden. So können auch Stuttgarter Kinder, deren Eltern nicht Universitäts- angehörige sind, Plätze in Anspruch nehmen. 2008 erhielt die Universität Stuttgart vom Ministerium für Wissenschaft, For- schung und Kunst Baden-Württemberg 140.000 Euro Förder- mittel für unterschiedliche Betreuungsangebote, insbesondere für Kleinkinder von wissenschaftlichem Personal. Durch diese Mittel werden in Kooperation mit privaten Trägern zehn wei- tere Betreuungsplätze an den Standorten in Vaihingen und Stadtmitte geschaffen. Außerdem soll die bereits bestehende Kindernotfallbetreuung ausgebaut werden. Sie kann bei Ausfall der regulären Betreuung, bei Dienstreisen, späten Sitzungster- minen oder einem länger laufenden Laborversuch in Anspruch genommen werden. Um die Vereinbarkeit von Studium oder Beruf mit Familie zu er- leichtern, bieten die Universität Stuttgart, das Fraunhofer Insti- tutszentrum, die Max-Planck-Institute und die Hochschule für Technik gemeinsam die so genannten „Stuttgarter Forschungs- ferien“ für Schulkinder ab sechs Jahren an. Jüngere können teil- nehmen, sofern sie in Begleitung älterer Geschwister kommen und sich in einer größeren altersgemischten Gruppe zurecht finden. Das pädagogisch hochwertige Angebot, konzipiert und geleitet von Konzept-e gGmbH, soll die Neugierde und den Forschergeist der Kinder fördern. Junge Menschen sollen in Stuttgart bleiben.
  • 63. 69 5. Ziel In Stuttgart soll ein Generationenvertrag vor Ort das aktive Miteinander von Jung und Alt verbindlich fördern. Die kollektiven Sicherungssysteme haben zwar unsere indivi- duelle Absicherung bei Krankheit und Alter über die Pflege durch die Familie ergänzt und partiell ersetzt. Doch gerade weil die Mehrgenerationenfamilie, deren Mitglieder sich gegenseitig fördern und stützen können, eine Rarität geworden ist, bedarf es neuer sozialer Modelle – jenseits der notwendigen materiel- len Absicherung. Diese finanzielle Absicherung der öffentlichen Sicherungssysteme ist langfristig nicht gewährleistet. Die demo- grafische Entwicklung in Deutschland und den meisten europä- ischen Ländern bedeutet schlicht, dass die Zahl der Erwerbstäti- gen tendenziell abnimmt und die Zahl der Nichterwerbstätigen laufend zunimmt. Diese Schere wird in den nächsten Jahrzehn- ten weiter aufgehen, so dass die steigenden sozialen Ausgaben immer weniger durch die gesetzlich vorgeschriebenen Beiträge der Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung getragen wer- den können. Damit steigt der Anteil der Sozialausgaben, die aus den öffentlichen Haushalten direkt zu finanzieren sind. Doch unsere öffentlichen Haushalte sind seit Jahrzehnten defi- zitär. Wie lebt es sich in einer Stadt, in der nur noch in wenigen Haushalten Kinder und Jugendliche wohnen, Familien mit drei Kindern zu einer kleinen Minderheit gehören und die Drei-Ge- nerationen-Familie zu einer Rarität geworden ist? Der „demo- grafische Baum“ ist nicht nur schief gewachsen; es besteht zu Recht auch die Sorge, dass er durch einen Generationenkonflikt vollends entwurzelt wird. Deshalb brauchen wir einen Paradigmenwechsel in der Politik wie in unserer Gesellschaft. Dabei ist es wichtig, neue Wege für das Miteinander der Generationen zu entwickeln und diese auch konsequent zu gehen. Es bedarf einer ganzheitlichen Kon- zeption, die von den Lebenssituationen der Menschen, ob Jung oder Alt, ausgeht – und damit im Gegensatz steht zur heute üblichen Zergliederung aller Lebensbereiche. Bei diesem ganz- heitlichen Ansatz ist es wichtig, unterschiedliche bürgerschaftli- che Gruppen zu beteiligen, damit sie ihre Ideen und Initiativen einbringen. So entstand in einer Reihe von Diskussionen über eine langfristige Strategie zur Gestaltung der demografischen Veränderungen der „Stuttgarter Generationenvertrag“. Inzwischen haben Hunderte von Institutionen, Organisationen, Vereinen und einzelnen Bürgern diesen Generationenvertrag als „Selbstverpflichtung“ unterzeichnet. Konzeption, Ziel und vor allem viele gute Beispiele finden sich in dem Buch „Der Stutt- garter Generationenvertrag“, das im Dezember 2007 er- schienen ist. Darüber hinaus hat der Gemeinderat einen Unter- ausschuss „Demografischer Wandel“ eingesetzt, um das Miteinander der Generationen und viele konkrete Schritte zur Umsetzung der nachfolgenden zwölf Ziele des Stuttgarter Ge- nerationenvertrags zu begleiten. 5. Der Stuttgarter Generationenvertrag Wolfgang Schuster (Hrsg.) Gelungene Beispiele finden sich im Buch „Der Stuttgarter Generationenvertrag“.
  • 64. 5.1. Wir wollen den Bedürfnissen von Kin- dern und Jugendlichen, von Familien und Alleinerziehenden durch eine kin- derfreundliche Stadtgesellschaft besser gerecht werden, indem wir die im Ar- beitsprogramm „Kinderfreundliches Stuttgart“ beschriebenen fünf Aufga- benfelder konsequent umsetzen. Das Arbeitsprogramm „Kinderfreundliches Stuttgart“ lebt ganz wesentlich vom Engagement einer großen Zahl von hauptamt- lichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bei der Stadt wie bei den freien Trägern, den Kirchen, Vereinen, Organisationen. Ebenso wichtig ist das ehrenamtliche Engagement von Tausen- den von Bürgerinnen und Bürgern, die unserer Stadt ein kinder- freundliches Gesicht in einem familienfreundlichen Klima ge- ben. Ergänzend zu den im Arbeitsprogramm Kinderfreundliches Stuttgart dargestellten Fällen zwei weitere Beispiele: Initiative Z – Familienpaten Immer mehr Erwachsene mit Zeitressourcen und sozialer Kom- petenz fördern vor allem jene Kinder, die in anregungsarmen Entwicklungsmilieus aufwachsen, sowie junge Familien, die keine nachbarschaftlichen oder verwandtschaftlichen Kontakte haben. Seit Januar 2006 können Eltern im Rahmen der „Initia- tive Z – Zeit und Herz“ die Beratung und Unterstützung von Fa- milienpaten in Anspruch nehmen. Sie stehen ihnen in Fragen der Alltagsorganisation, Erziehung und Freizeitgestaltung zur Seite. Das Projekt, das vom Jugendamt initiiert und zwei Jahre lang von der Eduard-Pfeiffer-Stiftung finanziell gefördert wurde, erfreut sich einer so großen Nachfrage, dass eine ständige War- teliste besteht. Seit 2008 ist die Finanzierung fest im Haushalt der Landeshauptstadt verankert. Leseohren e. V. – das Stuttgarter Vorleseprojekt Das Stuttgarter Vorleseprojekt vereint die beiden 2002 gegrün- deten Initiativen „Leseohren aufgeklappt“ und „Zeit für Kin- der“. Dank der erfolgreichen Kooperation aus Stadtbücherei, Staatlichem Schulamt, Jugendamt, Literaturhaus und Breunin- ger Stiftung werden Kinder unabhängig von sozialer Herkunft und Bildung erreicht. Inzwischen lesen rund 230 ehrenamtliche Vorlesepaten in 18 Büchereien, 32 Schulen, 59 Kindergärten und bei öffentlichen Veranstaltungen vor. Allein 2007 gab es rund 7.000 Vorleseeinsätze für 30.000 Kinder. Der Verein Lese- ohren e. V. wählt die Vorlesepaten aus, organisiert Fortbil- dungsveranstaltungen und berät bei der Auswahl der geeigne- ten Literatur. 5.2. Wir wollen individuell auf die Bedürf- nisse der Älteren, ob inländischer oder ausländischer Herkunft, eingehen und sie durch Bildung, Beratung und Hilfen im Alltag unterstützen, damit sie mög- lichst lange ein selbst bestimmtes Leben in einem sicheren Umfeld führen kön- nen. Ältere Menschen sind keine homogene Gruppe, das zeigt sich allein schon an den Begriffen wie „junge Senioren“, „Silver Age“; „Vierter Lebensabschnitt“ und „Hochbetagte“. Je unter- schiedlicher sich die Gruppe der Älteren zusammensetzt, umso differenzierter sind ihre Bedürfnisse. Unsere Angebote müssen den Bedarf von Begleitung und Unterstützung, den Wunsch nach Bildung, Kultur und Bewegung, den Willen nach Mitge- staltung und Engagement und das Verlangen nach Geselligkeit berücksichtigen. Wir bieten in unseren Begegnungsstätten für Ältere zum Beispiel Kurse zur Vorbereitung auf die nachberufli- che Phase, Bewegungs- und Tanzangebote, Sprachkurse, Ge- sundheitsförderung, Beratung zu altersspezifischen Fragen und Betreuungsangebote für demente Menschen an. Besucher- dienste, altengerechte Wohnungen, Mittagstische und Alten- erholung unterstützen ältere Menschen in ihrer Selbstbe- stimmung und Selbstständigkeit. Die Zahl der Angebote trägt dazu bei, dem Bedürfnis nach Kontakt, Unterhaltung und Teilhabe gerecht zu werden. Wohnen mit Hilfe Bei der Initiative „Wohnen mit Hilfe“ haben ältere Menschen die Möglichkeit, an Studierende Wohnraum zu vermieten und dafür verbindliche Hilfeleistungen zu vereinbaren. Durchgeführt wird das Projekt von der Wohnberatungsstelle des Deutschen Roten Kreuzes, Kreisverband Stuttgart e. V., mit Unterstützung der Studentenwerke Stuttgart und Tübingen-Hohenheim. Wohninitiative Wabe e. V. In enger Kooperation mit der Pro-Wohnungsgenossenschaft e. V. realisierte die Wohninitiative Wabe e. V. bereits zahlreiche ge- nerationenübergreifende Wohnprojekte in Stuttgart, wobei die Häuser alle in Form von Baugemeinschaften entstanden sind. 70
  • 65. 71 5.3. Wir wollen mit vorhandenen und neuen Einrichtungen und gemeinnützigen Orga- nisationen wie Generationenhäusern, Begegnungsstätten, Bürgerhäusern, Sportvereinen, Gartenbau- und Umwelt- vereinen, Kulturvereinen, Schulen und Kirchengemeinden, vielfältige Begegnungsangebote schaffen, um neue persönliche Bekanntschaften über die Generationen hinweg zu erleichtern und Patenschaften zu stiften. Mit unseren vielfältigen dezentralen Strukturen machen wir es jedem, ob Jung oder Alt, leicht, Kontakt zu knüpfen und dabei auf die individuellen Interessen einzugehen. Dies ist umso wichtiger, als tradierte Familienstrukturen, vor allem die Drei- Generationen-Familie unter einem Dach, selten sind und des- halb die Gefahr der Vereinsamung in einer anonymen Groß- stadt umso größer ist. Um die Älteren von ihren Fernsehern und aus ihrer Wohnung „wegzulocken“, bedarf es vielfältiger niederschwelliger Angebote. Generationenhaus Heslach Das seit 2002 bestehende „Generationenhaus Heslach“ wurde von der Rudolf Schmid und Hermann Schmid Stiftung finan- ziert. Im Jahr 2004 zeichnete die Stiftung „Lebendige Stadt“ dieses generationenübergreifende Wohnkonzept mit dem ersten Preis aus. Innovativ ist das Projekt nicht nur, weil hier jüngere und ältere Menschen mit und ohne körperliche Beein- trächtigungen unter einem Dach leben, sondern auch, weil Mütter und ihre Kinder die vielfältigen Kontakt- und Betreu- ungsmöglichkeiten nutzen können. Außerdem sind über 100 Gruppierungen und Vereine aus dem Stadtteil eingebunden. Sie alle verbindet der Wunsch, miteinander ins Gespräch zu kom- men und das soziale und kulturelle Leben ihres Stadtteils mitzu- gestalten. Im Foyer des Generationenhauses Heslach wurde im Mai 2008 zusammen mit der städtischen Freiwilligenagentur ein „Nachbarschaftscafé“ eingerichtet, das 20 Aktive betreiben. Hier können sich Menschen treffen und austauschen, die eh- renamtlich tätig sind oder Interesse an einem Ehrenamt haben. Generationenverbindende Projekte des TREFFPUNKT Senior In Erzähl-Cafés stellen junge Menschen den Senioren vor, was sie als Kinder bewegt und begeistert hat und umgekehrt. Beide nehmen Anteil an der Lebenswelt der jeweils anderen Genera- tion und erleben die Freude am Miteinander. In der Geschichts- werkstatt berichten Seniorinnen und Senioren von ihren Erleb- nissen während des Krieges, der Nachkriegszeit und der Aufbauphase der Bundesrepublik. Sie lassen sich gerne zum Beispiel von den Schülerinnen und Schülern des Heidehof-Gym- nasiums „Löcher in den Bauch“ fragen. Gemeinsam machen sie sich Gedanken darüber, was aus der Geschichte gelernt werden kann und wie wir unsere Zeit heute so gestalten können, dass sie für alle lebenswert bleibt. Unter dem Motto: „Hilfe, mein Handy piepst!“ geben Schüler/-innen den Senior/-innen eine Einführung in den Umgang mit dem Handy. Ein aktives Miteinander bereichert das Leben der jungen und alten Generation.
  • 66. 5.4. Wir wollen neue Netzwerke der Eigen- initiative und der Selbsthilfe organisato- risch und materiell gezielt fördern, in denen die Älteren ihre Erfahrungen, ihr Können und Wissen einbringen können. Gerade in einer Großstadt ist es wichtig, bei der Organisation von Netzwerkstrukturen zu helfen und Plattformen der Selbst- hilfe zu unterstützen. Um diesen Prozess zu erleichtern, hat die Stadt Stuttgart die Freiwilligenagentur eingerichtet. Mit einer professionellen Leitung berät ein Team von 36 Ehrenamtlichen die Bürgerinnen und Bürger, die sich ehrenamtlich engagieren möchten. Zugleich sammelt die Freiwilligenagentur Angebote von Organisationen und Vereinen, die Ehrenamtliche brau- chen. Diese Internet unterstützte Ehrenamtsbörse funktioniert inzwischen erfreulich gut. Verbunden ist dies mit der Arbeit der frEE Akademie der Stadt Stuttgart. Sie hat sich zum Ziel ge- setzt, Ehrenamtliche weiterzubilden; die Kurse und Seminare werden dabei generationenübergreifend angeboten. KISS Besonders aktiv und wichtig ist KISS, die Kontakt- und Informa- tionsstelle für Selbsthilfegruppen e. V. Sie bietet durch ihre Er- fahrungen den vielfältigen Selbsthilfegruppen Unterstützung an, ob bei der Gruppenarbeit, der Öffentlichkeitsarbeit, durch Weiterbildung oder bei der Raumsuche. Dies ist besonders wichtig, gerade auch für Ältere, die damit zugleich neue per- sönliche Beziehungen aufbauen können. In KISS haben sich über 500 Gruppen organisiert. Die Stadt unterstützt KISS, in- dem sie geeignete Räume zur Verfügung stellt. Bürgerstiftung Stuttgart als Plattform für bürgerschaftliches Engagement Die Bürgerstiftung Stuttgart wurde 2001 mit Unterstützung und Förderung des Oberbürgermeisters gegründet. Heute ist sie die drittgrößte Bürgerstiftung in Deutschland. Sie sieht sich selbst als Plattform für all die Menschen in der Stadt, die etwas verändern wollen. Dazu wurden „Runde Tische“ gegründet, bei denen Menschen mit unterschiedlichen Kompetenzen und Rol- len das gemeinsame Anliegen verfolgen, nämlich neue Netz- werke der Eigeninitiative und Selbsthilfe zu organisieren. Dazu gehört vor allem der Runde Tisch „Jung und Alt: Voneinander Lernen, miteinander tun“. 5.5. Wir wollen durch die Vernetzung in unseren Stadtbezirken nicht nur neue Chancen für persönliche Beziehungen schaffen, sondern auch die Bedürfnisse und Erwartungen der Älteren wie die von Kindern und Familien in ihrer Viel- falt, Gegensätzlichkeit und Gemeinsam- keit aufnehmen, indem sich unsere Bezirksämter verstärkt um dieses Miteinander der Generationen vor Ort kümmern. Stuttgart hat im letzten Jahrzehnt konsequent alle öffentlichen Dienstleistungen dezentralisiert, um sie möglichst wohnortnah und bürgernah in jedem Stadtbezirk in unseren Bezirksrathäu- sern anbieten zu können. Ergänzend entstanden in allen Stadt- teilen Bürgerhäuser und Bürgerzentren. Sie haben die Aufgabe, die generationenübergreifende Begegnung von Jung und Alt sowie die Integration von ausländischen Mitbürgerinnen und Mitbürger aller Altersschichten zu fördern. Für Senioren und Ju- gendliche werden Veranstaltungen wie Spielnachmittage ange- boten, unter anderem auch von ausländischen Kulturvereinen. Zugleich sind diese wohnortnahen Treffpunkte ein wichtiger Kommunikationsort im Stadtbezirk. Die Arbeiten mit den vielfäl- tigen anderen Angeboten, zum Beispiel auch im Sport, zu ver- netzen und in die Öffentlichkeit zu bringen, ist Teil der dezen- tralen Strategie in unseren Stadtbezirken, um den demo- grafischen Wandel vor Ort zu gestalten. Anna-Haag-Haus in Bad Cannstatt Bereits seit vielen Jahrzehnten fördert das nach der Schriftstelle- rin, Pazifistin und Frauenrechtlerin benannte Anna-Haag-Haus erfolgreich den Dialog zwischen den Generationen. Altenpfle- geheim, hauswirtschaftliche Bildungsstätte und Kindertages- stätte sind unter einem Dach vereint. Alle drei Einrichtungen kooperieren beim gemeinsamen Spielen, Singen und Musizie- ren. Daneben werden zahlreiche Projekte und Kurse für und mit Eltern und Familien angeboten. Beispielsweise besuchen Kinder und ihre Eltern die Senioren im Haus und gestalten mit ihnen gemeinsame Projekte. Im Sommer 2007 hat das Anna-Haag- Haus seinen Neubau in der Martha-Schmidtmann-Straße in Stuttgart-Bad Cannstatt bezogen. Gemeinsames Entdecken der Geschichte des Stadtbezirks Ost Der Stuttgarter Osten mit seinen Stadtteilen Berg, Frauenkopf, Gablenberg, Gänsheide, Gaisburg, Ostheim und Stöckach ist mit über 47.000 Einwohnern der drittgrößte Stadtbezirk. Er ge- hört zu den kulturell und sozial vielfältigsten Stadtbezirken. Der Kulturtreff Stuttgart Ost e. V. hat es sich zu einer seiner Aufga- ben gemacht, Bürgerinnen und Bürger, Junge und Alte durch heimatkundliche Stadtteilrundgänge mit der Geschichte ihrer Heimat vertraut zu machen. 72
  • 67. 73 5.6. Wir wollen die Bildungsangebote für lebenslanges Lernen fördern, beginnend im Kindergarten, in Schulen, Hochschu- len, Bibliotheken, in der beruflichen wie in der kulturellen Bildung, um die not- wendige geistige Mobilität von Jung und Alt und das Lernen voneinander und miteinander zu ermöglichen. Die Stuttgarter Bildungspartnerschaft macht deutlich, wie viel- fältig die Angebote sein müssen, damit lebenslanges Lernen für Jung und Alt gelingen kann. Entsprechend dem Grundsatz „kein Abschluss ohne Anschluss“ gilt es, nicht nur im schuli- schen Bereich Bildungsangebote so zu verzahnen, dass sie le- bensbegleitend werden. Dazu gehören vielfältige Formen der kulturellen Vermittlung sowie des interkulturellen und interge- nerativen miteinander Lernens. „Kein Kuss für Oma“ Diese Eigenproduktion mit Kindern und Senioren unseres Thea- ters Junges Ensemble Stuttgart (JES) zeigt einmal mehr, wie spannend es sein kann, wenn ein Kinder- und Jugendtheater ergänzt wird mit einem Seniorentheater. Der JES Kinderspiel- club und das JES Seniorentheater „Die fünfte Jahreszeit“ haben sich über das Kinderbuch „Kannst Du pfeifen, Johanna“ von Ulf Stark und Anna Höglund darauf verständigt, gemeinsam ein Theaterstück zu entwickeln, das den Lebensmut, die Suche nach Glück, den Verlust durch Tod, die Gebrechlichkeit sowie das Gemeinsame und Trennende thematisiert. Lernlotsen in der Stadtteilbücherei West Wie ein Schiffslotse zeigen Senioren als Lernlotsen Kindern und Jugendlichen in der Stadtteilbücherei West den richtigen Weg zu den unterschiedlichen Medien, helfen bei der Auswahl ge- eigneter Informationen und geben nützliche Tipps bei Bewer- bungen, Referaten und anderem. 5.7. Wir wollen jedem Jugendlichen eine faire Chance für die Entfaltung seiner Be- gabungen und für eine angemessene be- rufliche Qualifikation eröffnen und ihn persönlich in seinem Bemühen um eine gute berufliche Perspektive durch ältere Mitbürgerinnen und Mitbürger fördern. Fast die Hälfte aller Jugendlichen in Stuttgart hat einen Migra- tionshintergrund. Darüber hinaus kommen viele Jugendliche aus bildungsfernen familiären Milieus, die es ihnen schwer ma- chen, ihre Talente zu entfalten, den schulischen Anforderungen gerecht zu werden und mit Abschluss der Schule eine gute be- rufliche Qualifikation zu finden. Neben den vielfältigen Förde- rungen in unseren Schulen, vor allem in den Hauptschulen, durch engagierte Lehrerinnen und Lehrer, ist die Vernetzung in das gesellschaftliche Umfeld im Stadtbezirk und die persönliche Unterstützung beim Übergang von der Schule in den Beruf wichtig. Dankenswerterweise gibt es, wie im Arbeitsprogramm unter Ziffer 1.8 dargestellt, eine Vielzahl von Initiativen, zum Beispiel STARTklar in der Gesamtstadt, aber auch in einzelnen Stadtbezirken. 30 Jahre Hausaufgabenhilfe Degerloch Die Hausaufgabenhilfe Degerloch – die offizielle Bezeichnung ist „Sprach-, Lern- und Hausaufgabenhilfe“ – gibt es ohne Unterbrechung seit 30 Jahren. In dieser privaten Initiative teilen sich ehrenamtlich 15 bis 20 Frauen und Männer die Arbeit an drei Nachmittagen pro Woche. Eines der Hauptanliegen ist, die sprachlichen Defizite der Kinder abzubauen, Lesen und Diktate zu üben und sie – häufig über viele Jahre – in der Schule so zu begleiten, dass sie den Übergang in einen Beruf erfolgreich meistern. Miteinander der Nationen und Generationen im Haus 49 Das Haus 49 ist ein Standort der mobilen Jugendarbeit in der Trägerschaft des Caritasverbandes Stuttgart. Neben dem vielfäl- tigen Angebot für Jugendliche ist das Haus auch zu einem Ort der Begegnung für Familien und Erwachsene aus dem Stadtteil geworden. Vormittags sind Kleinkinder in der Krippe, mittags kommen Schüler zum Essen und zur Hausaufgabenbetreuung, nachmittags und abends treffen sich Ältere bei Kaffee und Ku- chen, darunter der türkische und italienische Seniorenklub. Das Haus 49 verbindet Menschen aller Kulturen und Generationen miteinander. Jung und Alt unter einem Dach in den Stuttgarter Generationenhäusern.
  • 68. 5.8. Wir wollen eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf durch eine famili- enfreundlichere Arbeitswelt erreichen, um vor allem für junge Frauen das Mit- einander von Kind und Karriere zu er- leichtern. Wie im vierten Ziel des Arbeitsprogramms Kinderfreundliches Stuttgart dargestellt, sind noch viele Schritte notwendig, um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu verbessern. Dies be- trifft nicht nur die öffentlichen Betreuungs- und Bildungsange- bote mit entsprechenden verlässlichen, flexiblen Öffnungszei- ten. Hinzu kommen familienfreundliche Arbeitswelten und das Engagement von Unternehmen, die auf die Bedürfnisse von Fa- milien, vor allem jungen Frauen, stärker eingehen. Das in Stutt- gart entwickelte Unternehmensnetzwerk hilft dabei als Platt- form des Erfahrungsaustauschs und durch best practise Beispiele. Aber auch die Stadt als große Arbeitgeberin bemüht sich um eine bessere Familienfreundlichkeit, nicht zuletzt im Interesse der Qualität der Arbeit. Familienfreundliche Unternehmen Mittlerweile haben viele große, mittlere und auch kleinere Unternehmen in Stuttgart und der Region je nach ihren Mög- lichkeiten familien- und kinderfreundliche Maßnahmen und Strukturen in ihren Arbeitsbereichen umgesetzt. Unterstützt werden sie dabei von dem Netzwerk familienfreundlicher Unternehmen, das die Stabsstelle für Chancengleichheit der Stadt Stuttgart zusammen mit dem Kuratorium Kinderfreundli- ches Stuttgart koordiniert. Die Allianz Lebensversicherungsge- sellschaft mit Sitz in Stuttgart hat sich als großer Dienstleister zum Ziel gesetzt, durch Initiativen zugunsten der Familien die Qualität und Motivation ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu verbessern. Dazu gehören flexible Arbeitszeiten, erweiterte Teilzeitarbeit, Förderung des beruflichen Fortkommens von Frauen, die Begleitung in allen Lebensabschnitten, die Suche nach einer adäquaten Kinderbetreuung, die Benutzung der Kantine für die Kinder sowie Schulungen und Personalentwick- lungsgespräche, die die Bedeutung der Kinder- und Familien- freundlichkeit des Unternehmens ins Bewusstsein der Vorge- setzten und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bringen. Generationenhaus West Das „Generationenhaus West“ wurde von der Rudolf und Her- mann Schmid Stiftung mit elf Millionen Euro finanziert und wird von vier Trägern gemeinschaftlich betrieben. Es beher- bergt eine städtische Kindertageseinrichtung, betreutes Woh- nen für Senioren unterschiedlicher nationaler Herkunft, den Verein Freie Altenarbeit, der einen ganzheitlichen Pflegedienst anbietet, sowie das Eltern-Kind-Zentrum (EKiZ). Diese vielfältigen Angebote dienen dazu, dass zum Beispiel vor allem junge Frauen die Möglichkeit haben, ihre Kinder dort fle- xibel betreuen zu lassen. Damit können sie ihre Arbeitszeiten mit den Betreuungszeiten gut abstimmen. Zugleich können sie neue freundschaftliche Beziehungen aufbauen, die zur täg- lichen Erziehung und Entwicklung der Kinder beitragen. Im November 2006 wurde das Eltern-Kind-Zentrum Stuttgart- West e. V. im Generationenhaus West der Rudolf und Hermann Schmid Stiftung durch Frau Bundesministerin Ursula von der Leyen in das bundesweite Aktionsprogramm des Bundesfami- lienministeriums als Mehrgenerationenhaus Stuttgart aufge- nommen. Durch das Aktionsprogramm kann das Haus seine Angebote weiter ausbauen und für die verschiedenen Genera- tionen erweitern. 74 Jung und Alt können in vielfältiger Weise voneinander profitieren.
  • 69. 75 5.9. Wir wollen, dass die Lebenserfahrung Älterer an die Kinder und Jugendlichen weitergegeben wird. Insbesondere wol- len wir Unternehmen gewinnen, weni- ger häufig ältere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vorzeitig aus dem Arbeitsle- ben zu verabschieden und vielmehr ihre Kompetenzen für unsere wirtschaftliche Entwicklung besser zu nutzen. Erwerbsarbeit ist für viele Menschen wesentliche Vorausset- zung zur Teilhabe an unserer Gesellschaft. Unabhängig von den finanziellen Folgen für den arbeitslos Gewordenen und die finanziellen Belastungen für unsere Sozialsysteme ist es eine Frage der Solidarität und Chancengerechtigkeit, dass Menschen ihre Talente, Begabungen und Erfahrungen in das Arbeitsleben einbringen können. Auch wenn der Trend zur vorzeitigen Altersteilzeit wieder gestoppt ist, ist doch die Zahl der fitten Älteren, die unfreiwillig aus dem Erwerbsleben ausscheiden mussten, erschreckend hoch. Mit ihnen verlieren die Arbeitge- ber nicht nur berufliche Erfahrungen, sondern auch vielfältige soziale Kompetenzen des generationenübergreifenden Mitein- anders. Neue Chancen für ältere Arbeitnehmer durch das Jobcenter Stuttgart Im Bewusstsein der Verantwortung für ältere langzeitarbeitslose Bürgerinnen und Bürger hat die Landeshauptstadt Stuttgart in dem gemeinsam mit der Agentur für Arbeit getragenen Job- center das Konzept „Fördern und Fordern“ auf den Weg ge- bracht. Es hilft den Älteren bei der Rückkehr in eine reguläre Arbeit. Senioren helfen Junioren Ein Team ehemaliger Unternehmer und Führungskräfte aus In- dustrie, Handel, Handwerk, aus Dienstleistungsunternehmen und freien Berufen helfen als Senioren den Junioren. Durch Be- rufserfahrung, Kompetenz, Kontinuität und im täglichen Bera- tungsgespräch unterstützen sie die jungen Existenzgründer in der Startphase. 5.10. Wir wollen durch Nachhaltigkeit unserer Stadtentwicklung dazu beitragen, auch den nachfolgenden Generationen unsere natürlichen Lebensgrundlagen zu erhal- ten und Umweltschäden soweit wie möglich zu beseitigen. Mit dem 1997 vom Gemeinderat beschlossenen Klimaschutz- konzept Stuttgart (KLIKS) hat die Stadt sich auf den Weg ge- macht, ein ganzheitliches Umweltprogramm zu entwickeln, fortzuschreiben und konsequent umzusetzen. Dazu gehört zum Beispiel das Stadtentwicklungskonzept mit dem Leitziel „Urban-Kompakt-Grün“. So hat Stuttgart inzwischen über 39 Prozent seiner Gemarkung unter Landschafts- und Naturschutz gestellt, die höchste Quote aller deutschen Großstädte. Über 50 Prozent der Gemarkung sind öffentlich zugängliche Wälder, Parkanlagen und Grünflächen, so dass kein Stuttgarter mehr als 300 Meter Entfernung zurücklegen muss, um ins Grüne zu ge- langen. Die Revitalisierung von Brachflächen, die Beseitigung von Altlasten, die umweltgerechte Abfallwirtschaft gehören ebenso dazu wie die Renaturierung von Bächen, Flüssen sowie strikte Vorgaben zur Energieeinsparung und höheren Energie- effizienz. Patenschaften für Grünflächen: der Masterplan Tapachtal Erfreulicherweise engagieren sich viele Bürgerinnen und Bürger im Umweltbereich. Ein besonderes Beispiel ist das Engagement für das Landschaftsschutzgebiet Tapachtal, bei dem dank einer offenen Bürgerbeteiligung im Rahmen des Projekts Soziale Stadt ein Masterplan entwickelt wurde, um die vielfältigen Nutzungsanforderungen und Erwartungen von verschiedenen Gruppen im Tapachtal zu erreichen. Let’s Putz in unseren Stadtbezirken Um Verunreinigungen in Grünanlagen, Parks und Wäldern zu reduzieren und zugleich ein verschärftes Umweltbewusstsein zu schaffen, hat die Stadt vor elf Jahren begonnen, in jedem Stadtbezirk Kindergärten, Schulen und Vereine zu einer jähr- lichen Reinigungsaktion einzuladen. Die aktivsten Kindergärten, Schulen und Stadtbezirke werden jedes Jahr mit einem Geld- preis ausgezeichnet. Gerade bei den Kindern der Kitas und Grundschulen hat diese Art des praktischen Umweltschutzes eine sehr lehrreiche Wirkung. Staatsrätin Claudia Hübner, der Vorsitzende des Sportkreises Werner Schüle, Oberbürgermeister Wolfgang Schuster, Carola Haegele vom Generationenhaus Heslach und die STARTklar-Mitarbeiterin Gisela Hurlebaus unterstützen den Generationenvertrag.
  • 70. 5.11. Wir wollen den Verteilungskampf der Generationen, das drohende Gegenein- ander von Jung und Alt um materielle Ressourcen, öffentliche Subventionen und Dienstleistungen vermeiden, indem wir uns für eine ausgewogene, faire Ausgabenpolitik und einen konsequen- ten Schuldenabbau einsetzen. Uns Schwaben geht es gut, weil wir sparsam sind. Das ist ein verbreitetes und Image bildendes Klischee. Das Beste daran ist: Es stimmt! Die Geschichte unserer Region, des Schwaben- landes, ist geprägt durch Armut, harte Arbeit, karge Landwirt- schaft, Rohstoffmangel sowie politische Unterdrückung und Unfreiheit. Deshalb sind über 30 Prozent der Schwaben aus- gewandert in der Hoffnung, sich an anderen Orten dieser Welt, ob am Schwarzen Meer, in Brasilien oder in Nordame- rika bessere Lebenschancen erarbeiten zu können. Diese Chancen wollen wir unseren prozentual gesehen immer weni- ger werdenden Kindern nicht nehmen, indem wir die Finanz- mittel, die sie für ihre zukünftige Entwicklung brauchen, schon heute konsumieren. Wir können der nachfolgenden Generation keine Schuldenberge hinterlassen und zugleich er- warten, dass sie unsere Renten, Sozialleistungen, Krankheits- kosten bezahlt, uns im Alter pflegt und zugleich für sich und ihre Kinder vorsorgt. Die Stadt hat sich deshalb vorgenom- men, die Schulden auf null zu senken und Rücklagen aus Ver- mögensverkäufen, vor allem aus dem Energiesektor, zu bil- den. Zugleich fördert die Stadt den Stiftungsgedanken, nicht nur bei der Bürgerstiftung, damit heute verfügbares Kapital auch langfristig für die nächste Generation wirken kann. Die Olgäle-Stiftung für das Kranke Kind e. V. – Hilfen für schwerkranke Kinder und ihre Eltern Das Olgahospital ist eines der größten Kinderkrankenhäuser in Deutschland und bietet durch seine vielen spezialisierten Chef- ärzte und Oberärzte ein umfassendes, hoch qualifiziertes Be- handlungsangebot. Dementsprechend kommen Kinder nicht nur aus Stuttgart und der Region, sondern aus ganz Deutsch- land zur Behandlung. Deshalb ist das Olgahospital „chronisch“ defizitär. Vieles, was für die schwerkranken Kinder und ihre El- tern sinnvoll ist, kann nicht von der Stadt als Trägerin finanziert werden. Aus diesem Grund wurde vor elf Jahren die Olgäle- Stiftung gegründet, die sich zum Ziel gesetzt hat, eine kindge- rechte Atmosphäre zu schaffen, die psychosoziale Betreuung zu verbessern, neuestes medizinisches Gerät für Diagnostik und Therapie zu finanzieren sowie Fortbildung und Forschung zu unterstützen. Die Olgäle-Stiftung finanziert dabei nicht nur lau- fende Projekte, sondern legt einen Teil der Spenden, Erbschaf- ten und Zustiftungen als Stiftungsvermögen an, um nachhaltig auch in der Zukunft helfen zu können. Stiftung Internationale Bachakademie Stuttgart Um die Arbeit der Internationalen Bachakademie langfristig zu sichern, wurde vor 25 Jahren die Stiftung Internationale Bach- akademie Stuttgart gegründet. Sie ist Trägerin des Stiftungsver- mögens, ergänzt die Spenden- und Mitgliedsbeiträge des För- derkreises sowie die Zuschüsse von Stadt, Land und projekt- bezogen des Bundes. Damit ist es möglich, vor allem besondere Projekte zum Beispiel zum Bachjahr 2000 und für das Musiker- gedenkjahr 2009 (Händel, Haydn, Mendelssohn) zu finanzieren. Die Stiftung als eine Rechts- und Finanzkörperschaft erleichtert dabei die Arbeit, weil sie finanzielle Anforderungen ausgleichen und damit dazu beitragen kann, die vielfältige Arbeit der Inter- nationalen Bachakademie lokal, national und international auf höchstem Niveau zu stabilisieren. 76
  • 71. 77 5.12. Wir wollen durch viele gute Beispiele deutlich machen, dass es ein persönlicher Gewinn und eine Bereicherung für das eigene Leben ist, wenn man sich für äl- tere beziehungsweise jüngere Menschen engagiert. Mehr denn je leben wir in einer Gesellschaft, in der die Lebens- zeit den Zeitabschnitt des Erwerbslebens erfreulicherweise im- mer länger übersteigt. Damit eröffnet sich die Chance, einen dritten Lebensabschnitt zu gestalten. Umso wichtiger ist die Antwort auf die Frage, mit welchen Tätigkeiten dieser dritte Le- bensabschnitt sinnstiftend gestaltet und bereichert werden kann. Deshalb wollen wir mit guten Beispielen zeigen, dass un- ser Engagement für andere sich auch im eigenen Interesse lohnt. Integrative Computerwerkstatt Ältere geben nicht nur ihre Erfahrungen weiter, sondern profitieren auch von den Kenntnissen der Jüngeren. So nutzen derzeit über 100 Seniorinnen und Senioren die „integrative Computerwerkstatt“, die vom Jugendhaus Heslach und dem „Seniorennet Stuttgart“ im Mehrgenerationenhaus Heslach angeboten wird. Fit wie ein Turnschuh Im Fanny-Leicht-Gymnasium organisieren Schüler für rund 170 erwachsene Kursteilnehmer einen „sozialen Arbeitskreis“. Sie kommen an zwei Nachmittagen in die Schule, um vom Wissen der Schüler – als Lehrer – zu profitieren. Dabei geht es weniger um das Vokabeln lernen, sondern meist um aktuelle Themen, wobei die Älteren ihre reiche Lebenserfahrung mit einbringen können. Der Kontrast zwischen Jung und Alt beflügelt beide Seiten, voneinander zu lernen. Das Buch: Der Stuttgarter Generationenvertrag Die 70 Stuttgarterinnen und Stuttgarter, die ihre Erfahrungen und Erlebnisse in dem Buch „Der Stuttgarter Generationenver- trag“ beschreiben, machen Mut und regen an, den guten Bei- spielen zu folgen. Die persönlichen Schilderungen zeigen zu- gleich die Freude am Miteinander und die Begeisterung für ihr erfolgreiches Wirken. Wir werden immer älter, fitter und gesün- der: Machen wir etwas daraus – für uns und unsere Stadt! Spielen macht jungen und alten Menschen Freude.
  • 72. 79 „In dem Haus, das keine Kinder hat, hat man kein Licht“ (arabisches Sprichwort) In Stuttgart wie in anderen Großstädten Europas leben in den meisten Haushalten keine Kinder mehr. Doch der Kinder- wunsch von jungen Paaren ist in Deutschland und in Stuttgart weit verbreitet. Um sich diesen Kinderwunsch zu erfüllen, müs- sen sich die jungen Leute auf uns verlassen können: auf ver- bindliche Betreuungsangebote, auf Bildungsmöglichkeiten, auf die Hilfe der älteren Generation und nicht zuletzt auf familien- freundliche Arbeitsbedingungen. Denn die jungen Leute, vor allem die jungen Frauen, sind in der Regel gut ausgebildet und wollen im Beruf etwas leisten. Wir wollen es durch unsere Initi- ativen den jungen Frauen und Männern leichter machen, mehr Kinder zu haben dank eines Familienbildes in unserer Stadtge- sellschaft und in unseren Unternehmen, das sehr bewusst auf die Vereinbarkeit von Kind und Karriere setzt. Dies ist in unse- rem gemeinsamen Interesse, denn nicht nur akademisch gebil- dete Frauen, sondern auch hoch qualifizierte Männer haben überdurchschnittlich wenige Kinder. Deshalb ist es erfreulich, dass immer mehr Unternehmen Fami- lienfreundlichkeit als Teil der Unternehmenskultur einführen und im betrieblichen Alltag leben. Betriebe stellen beispiels- weise inzwischen in ihren Geschäftsberichten das Thema Fami- lienfreundlichkeit genauso dar, wie dies seit Jahren für den Um- weltschutz gilt. Flexible Arbeitszeiten gehören ebenso dazu wie die Anerkennung der sozialen Kompetenzen und der Organisa- tionserfahrungen, die zum Beispiel eine Mutter bei der Erzie- hung mehrerer Kinder erlangt hat. Angesichts der demografi- schen Entwicklung in den meisten Ländern Westeuropas und des Fachkräftemangels in bestimmten Berufen wird Familien- freundlichkeit sowohl für die einzelnen Unternehmen als auch für den Wirtschaftsstandort insgesamt ein Wettbewerbsvorteil sein. In den vergangenen fünf Jahren gab es eine Vielzahl von Ent- wicklungen, die sich in der Fortschreibung des Arbeitspro- gramms Kinderfreundliches Stuttgart widerspiegeln. Dazu ge- hört das gemeinsame Verständnis von Bund, Ländern und Städten, dass wir große Anstrengungen unternehmen müssen, damit wir eine kinderfreundlichere Gesellschaft werden und dass diese gesamt-politische Aufgabe auch hohe finanzielle AUSBLICK Unsere Kinder sind unsere Zukunft.
  • 73. Aufwendungen mit sich bringt. So müssen vor allem die Krip- pen und Kindertagesstätten ausgebaut werden, die den Eltern eine Wahlfreiheit zwischen Familie und Beruf ermöglichen. Hinzu kommt das Elterngeld, das inzwischen auch von einer beachtlichen Zahl junger Väter in Anspruch genommen wird. Eine ganz wesentliche Veränderung erfahren wir durch ein er- weitertes Bildungsverständnis, das unsere Bundeskanzlerin Frau Dr. Merkel mit dem Begriff „Bildungsrepublik“ umschrieben hat. Es beginnt mit neuen pädagogischen Ansätzen in der frühkind- lichen Bildung in unseren Kitas, die soziales Lernen und das Er- lernen der deutschen Sprache ermöglichen. Die Angebote von der Bildungsbiografie des Kindes her zu entwickeln, verlangt eine individuellere Förderung unserer Kinder auch im Übergang zur Grundschule. In der Grundschule bedarf es verlässlicher Ganztagesangebote. Das Programm der Stuttgarter Bildungs- partnerschaft, das vielfältige Institutionen miteinander vernetzt, wissenschaftlich begleitet ist und politisch durch Gemeinderäte und Bildungsexperten gesteuert wird, eröffnet neue Chancen auf mehr Bildungsgerechtigkeit für alle Kinder und Jugend- lichen. Neben ergänzenden materiellen Hilfen für einkommensschwa- che Familien und ihre Kinder, die Bonuscard-Empfänger, hat der Gemeinderat das Konzept „Stuttgarter Netze für alle Kin- der“ beschlossen. Benachteiligte Kinder und Jugendliche sollen möglichst nicht mehr durch unsere Netze der Hilfe und Förde- rung fallen. Denn kein Kind darf verloren gehen. Diese Netzwerke leben ganz wesentlich von den schulischen und außerschulischen Angeboten in den Stadtbezirken. Dazu ist eine große Zahl von Ehrenamtlichen notwendig, die es mehr denn je zu gewinnen gilt. Der Stuttgarter Generationenvertrag will dabei mithelfen, Potenziale der Älteren nicht nur als „silver economy“, sondern auch als „Silberschatz“ in unserer Gesell- schaft zu entdecken und besser zu nutzen. Diese persönliche Betreuung durch Ältere hilft zugleich, die wachsende Zahl der Kinder mit Migrationshintergrund leichter in unsere Gesellschaft zu integrieren, sie auf dem Weg von der Schule in den Beruf zu begleiten und nicht zuletzt vom Fernseh-Zappen und Compu- terspielen abzubringen. Letzteres ist ein besonderes Problem, gerade auch von Kindern und Jugendlichen aus bildungsfernen Familien, die mangels scheinbar attraktiverer Alternativen häufi- ger einen exzessiven Medienkonsum haben. Die Folgen für die geistige, körperliche und soziale Entwicklung unserer Kinder und Jugendlichen sind hinlänglich bekannt. Da die Aufgabenstellungen und Herausforderungen in anderen europäischen Städten ähnlich, die gefundenen Antworten zum Teil aber unterschiedlich sind, lohnt ein Blick über den Stuttgar- ter Talkessel hinaus. Das von Stuttgart initiierte europäische Netzwerk „Cities for Children“ fördert deshalb den gezielten Er- fahrungsaustausch und die Suche nach den besten Lösungen. Ich freue mich, dass wir unserem gemeinsamen Ziel, Stuttgart zu einer kinderfreundlichen Stadt zu machen, in den vergange- nen Jahren ein gutes Stück näher gekommen sind. Dies zeigt sich zum Beispiel an den besseren Werten in unseren Bürger- umfragen, vor allem aber an der deutlichen Zunahme von Kleinkindern in den letzten drei Jahren im Vergleich zur Prognose unseres Statistischen Amts. Die Prognos AG Basel wurde von uns gebeten, die Fortschritte hin zu einer kinder- freundlichen Großstadt zu evaluieren. Sie hat dazu verglei- chende Kriterien entwickelt, die auch im Bundesfamilienbericht zugrunde gelegt werden. Danach konnte sie in den letzten Jahren spürbare Verbesserungen und Angebote des Lebensum- feldes für Kinder und Familien feststellen. Ich danke für das zunehmende Engagement der Unternehmen, den ehrenamtlichen Einsatz von vielen Stuttgarterinnen und Stuttgartern, den vielen hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, vor allem der Kinderbeauftragten Frau Roswitha Wenzl, und dem Gemeinderat, der die Finanzmittel – wie in keiner anderen deutschen Großstadt – erheblich aufgestockt hat. Die Buddhisten haben ein Sprichwort: Das Glanzstück des Him- mels ist die Sonne, das des Hauses ist das Kind. In diesem Sinne freuen wir uns über viele weitere Glanzstücke – denn sie sind unsere Zukunft. 80 Dr. Wolfgang Schuster Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Stuttgart
  • 74. 81 Um den internationalen Austausch zu dem Thema Kinder- freundlichkeit in europäischen Großstädten stärker zu themati- sieren und um guten Beispielen von kinderfreundlichen Projek- ten und Strategien eine Plattform auf europäischer Ebene zu bieten, gründete die Landeshauptstadt Stuttgart im Juni 2007, gemeinsam mit der Robert Bosch Stiftung, das europäische Städtenetzwerk „Cities for Children”. Über 50 europäische Großstädte aus 25 Ländern gehören derzeit dem Netzwerk an. Ziel des Städtenetzwerks ist es, die besten Projekte und Strate- gien für eine kinderfreundliche Stadtgesellschaft untereinander auszutauschen und neue zu entwickeln. Auf der Grundlage des Stuttgarter Arbeitsprogramms für eine kinderfreundliche Stadt haben die Gründungsmitglieder des Netzwerkes sieben Arbeitsgruppen zu folgenden Aufgaben ge- bildet: 1. Jedem Kind soll die Förderung und Bildung zuteil werden, die ihm faire Zukunftschancen eröffnen. 2. Familien mit Kindern sollen ausreichend Platz zum Wohnen und zum Spielen im Freien haben. 3. Gesundheitsvorsorge, gesunde Ernährung und medizinische Versorgung für Eltern und Kinder sollen auf dem höchst möglichen Niveau garantiert sein. 4. Beruf und Familie, Kinder und Karriere sollen für Eltern bes- ser zu vereinbaren sein. Die Betreuungseinrichtungen sollen sich an den zeitlichen Bedürfnissen der Familien orientieren und von hoher Qualität sein. 5. Ein neuer Generationenvertrag vor Ort soll das Miteinander von Alt und Jung durch neue Netzwerke der gegenseitigen Hilfe und Unterstützung gewährleisten. 6. Kinder- und Jugendpartizipation sollen gefördert, Jugendini- tiativen unterstützt werden. Darüber hinaus sollen Kinder und Jugendliche auf nachhaltige Entwicklung aufmerksam gemacht werden und selbst nachhaltig in und für ihre Städte wirken. 7. Die Sicherheit der Kinder im Verkehr und ihr Schutz gegen Kriminalität sollen gewährleistet werden. Das Koordinationsbüro des Netzwerks ist in Stuttgart und dem Büro der Kinderbeauftragten angegliedert. Erste Europäische Auszeichnung für kinderfreundliche Städte Der Kongress der Gemeinden und Regionen Europas des Euro- parates, der Rat der Gemeinden und Regionen Europas (RGRE), die Robert Bosch Stiftung, das europäische Städtenetzwerk Ci- ties for Children und die Landeshauptstadt Stuttgart haben sich das Ziel gesetzt, jährlich europäische Städte auszuzeichnen, die innovative kinder- und jugendfreundliche Projekte durchführen. Ausgezeichnet werden innovative Maßnahmen, die anderen Städten als Vorbild dienen können, langfristig angelegt sind und unter Mitwirkung von Kindern, Jugendlichen, Eltern und Senioren entwickelt und umgesetzt wurden. Die erste europäische Auszeichnung für kinderfreundliche Städte soll einen Anreiz bieten, europaweit das Thema Kinder- und Familienfreundlichkeit in die breite Öffentlichkeit zu brin- gen und den Austausch von guten Praxisbeispielen zwischen Städten zu unterstützen. Für 2009 wurden folgende Themenfelder ausgewählt: 1. Freiraumgestaltung und Spielflächen für Kinder und Jugendliche 2. Mobilität und Verkehrssicherheit für Kinder und Jugendliche Ein künstlerisch gestalteter Preis wird an die ausgezeichneten Städte im feierlichen Rahmen der dritten Jahreskonferenz des Städtenetzwerks Cities for Children im Juni 2009 in Stuttgart verliehen. Die besten Projekte werden dokumentiert und einer breiten Öffentlichkeit europaweit zugänglich gemacht. Voneinander lernen in Europa – Städtenetzwerk „Cities for Children”
  • 75. Kuratorium und Förderverein Kinderfreundliches Stuttgart e. V. 83 Stuttgart kann nur zur kinderfreundlichsten Großstadt Deutsch- lands werden, wenn sich viele Bürgerinnen und Bürger mit gro- ßem Engagement und viel Herzblut dafür einsetzen, dass Kin- der- und Familienfreundlichkeit fest im Bewusstsein der Bür- gerschaft verankert wird. Deshalb habe ich im Jahr 2004 das Kuratorium Kinderfreundliches Stuttgart ins Leben gerufen. Das parteiunabhängige Gremium, dem mehr als 70 Stuttgarter Per- sönlichkeiten aus Wissenschaft, Politik, Kultur, Sport, Medien und Kirchen angehören, versteht sich als Impulsgeber, Förderer, Berater und auch Initiator von Initiativen und Projekten für Kin- der und Familien in Stuttgart. Unter dem Vorsitz des Stuttgarter Verlegers Dr. Stefan von Holtzbrinck beraten und unterstützen die Kuratoriumsmitglieder gemeinsam mit vielen Bürgerinnen und Bürgern, die sich im Förderverein Kinderfreundliches Stutt- gart e. V. engagiert haben, die familienpolitische Offensive der Stadtverwaltung. Damit Stuttgart die Kinderwunschstadt Num- mer Eins in Deutschland wird, hat das Kuratorium in Anlehnung an das Arbeitsprogramm des Oberbürgermeisters fünf Leitziele formuliert: 1. In Stuttgart soll die Kinderbetreuung und damit die Verein- barkeit von Familie und Beruf vorbildlich sein. 2. In Stuttgart soll Kindern eine hervorragende Förderung und Bildung zu teil werden. 3. Stuttgart soll familiengerechtes Wohnen sowie Freiräume zum Spielen und zur Entwicklung der Kreativität unserer Kin- der optimal bieten. 4. In Stuttgart soll ein vielfältiges Angebot für Sport- und Frei- zeitaktivitäten die körperliche und geistige Entwicklung un- serer Kinder unterstützen. 5. Für die Sicherheit und Gesundheit unserer Kinder soll in ein- zigartiger Weise gesorgt sein. In unterschiedlichen Arbeitsgruppen werden die einzelnen Ziele diskutiert und daraus konkrete Projekte entwickelt. Um bereits erfolgreiche Projekte auch langfristig finanziell abzusichern, hat sich der Förderverein Kinderfreundliches Stuttgart e. V. 2008 mit der Bürgerstiftung Stuttgart zusammengeschlossen und den Stuttgarter Kinderfonds gegründet, der mit der Aktion des so genannten „Stuttgarter Kindertalers“ beworben wird. Im er- sten Jahr unterstützt der Kinderfonds das Stuttgarter Vorlese- projekt Leseohren e. V. Weitere Projekte zu den fünf Leitzielen werden folgen. Darüber hinaus werden vom Kuratorium und Förderverein Kinderfreundliches Stuttgart e. V. folgende Pro- jekte durchgeführt: Stuttgarter Kita-Innovationspreis für Kindertagesstätten Erstmals im Jahr 2005 haben das Kuratorium und der Förder- verein für besonders innovative und vorbildliche Ansätze in der Kinderbetreuung den Stuttgarter Kita-Innovationspreis zusam- men mit der Landeshauptstadt Stuttgart ausgelobt. Die Aus- zeichnung, die 2008 bereits zum vierten Mal verliehen wurde, ist ein Beitrag zur besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie in Stuttgart. Die kreativen Ideen der jeweils prämierten Kitas werden in einer Dokumentation zusammengestellt, veröffent- licht und damit jedem zugänglich gemacht. Außerdem werden sie auch in einem Workshop, zu dem alle Erzieherinnen und Er- zieher der Stuttgarter Einrichtungen eingeladen sind, vorgestellt und gemeinsam diskutiert. 2009 wird der Preis erstmals gemeinsam mit dem Mestemacher KITA-Preis ausgelobt werden. Netzwerk zur Schaffung familienfreundli- cher Arbeitsbedingungen in Betrieben und Universitäten Eine weitere Initiative zum Thema Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist das Netzwerk zur Schaffung familienfreundlicher Arbeitsbedingungen in Betrieben und Universitäten. In dieses Netzwerk sind etwa 100 Unternehmen in Stuttgart und der Re- gion eingebunden, die in regelmäßigen Workshops Möglichkei- ten zur Verbesserung der Vereinbarkeit von Beruf und Familien austauschen. Ein Internetportal unterstützt die Kommunikation und bietet den beteiligten Unternehmen best-practise-Beispiele für familienfreundliche Maßnahmen. 24-Stunden-Lauf für Kinderrechte Gemeinsam mit dem Büro der Kinderbeauftragten des Landes- hauptstadt Stuttgart, dem Sportkreis Stuttgart e. V., dem Stadt- jugendring Stuttgart e. V. und dem Deutschen Kinderschutz- bund e. V. veranstaltet der Förderverein einmal im Jahr den 24-Stunden-Lauf für Kinderrechte. Ziel der Veranstaltung ist es, auf die Rechte der Kinder aufmerksam zu machen und mit den „erlaufenen“ Spendengeldern dazu beizutragen, dass hilfsbe- dürftige Kinder in Stuttgart unterstützt und gefördert werden können. Die „erlaufene“ Summe kommt zu 100 Prozent lokalen Förderverein Kinderfreundliches Stuttgart e.V.
  • 76. Kinderprojekten in Stuttgart zugute. In 2008 konnte der Förder- verein 19.000 Euro an Fördergeldern ausschütten. 2009 wird der Lauf zum dritten Mal in Folge stattfinden. Schon heute hat er sich als Markenzeichen für die kinderfreundliche Stadt Stutt- gart etabliert. Alle sportbegeisterten Bürgerinnen und Bürger und alle Familien mit Ihren Kindern sind eingeladen, an diesem Lauf teilzunehmen, ob aktiv als Läufer, Zuschauer oder Sponsor. Gesundes Frühstück für Stuttgarter Schulkinder Gesunde Ernährung und ausreichend Bewegung sind die Grundvoraussetzung für die geistige und körperliche Entwick- lung unserer Kinder. Leider ist eine ausgewogene Ernährung für viele Kinder nicht selbstverständlich. Von vielen Berichten aus Stuttgarter Schulen wissen wir, dass einige Kinder ohne Frühstück zum Unterricht kommen; sie sind unkonzentriert und müde. Fernsehen und Computerspielen ge- hören bald mehr zur Lebensrealität vieler Kinder als das Spielen im Freien. Oft bewegen sie sich nicht ausreichend. Um gerade bei Kindern aus Stadtteilen mit einem großen Anteil an Bedarfsgemeinschaften nach SGB ll ein Bewusstsein für ge- sunde Ernährung zu schaffen, haben der Förderverein Kinder- freundliches Stuttgart e. V. zusammen mit Obstgroßhändlern und den Märkten Stuttgarts ein Projekt für ein gesundes Pau- senbrot an Stuttgarter Grund- und Hauptschulen entwickelt. Das Konzept beruht auf Patenschaften, die Unternehmen, aber auch Privatleute für einzelne Schulen übernehmen. Danach werden diese Schulen einmal wöchentlich mit frischem Obst beliefert. Zudem wird das Thema „gesunde Ernährung“ in der Schule mit den Kindern und den Eltern behandelt. Derzeit wer- den 3.100 Schüler an zehn Stuttgarter Schulen regelmäßig mit frischem Obst versorgt. Außerdem soll mit Lernangeboten, die von der Universität Hohenheim mit den Schulen zusammen entwickelt wurden, ein Bewusstsein für gesunde Ernährung im Unterricht und bei Elternabenden erzielt werden. Stuttgarter Kids Week Das Ferienangebot des Fördervereins für die so genannten klei- nen Ferien ist in Stuttgart zu einer festen Institution geworden und findet immer mehr Zuspruch. Mit mehr als 15 Veranstal- tungen an attraktiven Plätzen und Einrichtungen der Stadt kön- nen in den Oster- und Herbstferien jeweils bis zu 500 Kinder abwechslungsreiche und auch anspruchsvolle Ferientage ver- bringen. Alle Stuttgarter Kinder im Alter von sechs bis zwölf Jahren werden zum Forschen, Basteln, Experimentieren, Spie- len, Beobachten und Kennen lernen eingeladen. Seit 2008 rich- tet sich die Einladung auch an Kinder mit Behinderungen. Der Besuch aller Veranstaltungen ist kostenfrei. Alle Veranstaltungen werden von qualifizierten Mitarbeiterin- nen und Mitarbeitern der jeweiligen Einrichtung und qualifizier- ten Erzieherinnen begleitet und betreut. Die Kids Week wird in Zusammenarbeit mit dem Büro der Kinderbeauftragten organi- siert und veranstaltet. „Kleine Leute – große Töne“ Immer weniger Kinder kommen in Kontakt mit klassischer Mu- sik oder kennen die Instrumente. Auch das Singen tritt immer stärker in den Hintergrund. Im Rahmen des Projekts „Kleine Leute – große Töne“ gehen Stuttgarter Berufsmusiker als Musikpaten in die Kindergärten und zeigen den interessierten Kindern ihr Instrument und wie man darauf spielt. Für viele Kinder ist dieses Erlebnis der erste Kontakt mit Instrumenten überhaupt und kann sie im besten Fall dazu animieren, selbst zu musizieren. Das Programm um- fasst Sing- und Klangspiele, die Unterschiede zwischen den In- strumentengruppen werden spielerisch aufgezeigt. Ergänzende Informationen für die Erzieher/-innen ermöglichen es, den Be- such eines Musik- oder Singpaten vor- und nachzubereiten, so dass eine inhaltliche Einbettung in das Kitaleben möglich ist. Ziel des Projekts ist es, jedem Kind in Stuttgart in den letzten beiden Kindergartenjahren alle Instrumentengruppen sowie die Singstimme vorzustellen und ihm zu ermöglichen, mindestens einmal ein Orchester live zu erleben. Derzeit sind 140 Kindergärten in das Projekt eingebunden. 85 Berufsmusiker engagieren sich bereits ehrenamtlich in dem Pro- jekt. Unterstützt wird „Kleine Leute – große Töne“ von der PricewaterhauseCoopers-Stiftung. Orientierungshilfe im Dschungel der Medienvielfalt Das Projekt Medienfluten trainiert bewussten Umgang mit Medien. Mit einem praxisorientierten Projekt mit dem Titel „Medienfluten“ starteten der Förderverein Kinderfreundliches Stuttgart e. V., der Caritasverband für Stuttgart, und die Stutt- garter Zeitung zum Schuljahr 2008/2009 eine neue Initiative für „Medienerziehung im Schulalltag“ an Stuttgarter Haupt- und Realschulen. Das Projekt setzt mit den Themen Medienkunde, Medienkritik und Mediennutzung auf der Klassenebene an mit dem Ziel, Schülerinnen und Schüler für den Medienkonsum zu sensibili- sieren und mehr Medienkompetenz zu vermitteln. Dabei soll es in erster Linie nicht um Verbote und den erhobenen Zeigefinger gehen, sondern um Einsichten und Lernprozesse, um der Ge- fahr des Medienmissbrauchs entgegen zu wirken. Zehn Projekt- plätze stehen im Schuljahr 2008/2009 zur Verfügung, alle Stuttgarter Haupt- und Realschulen können sich darum bewer- ben, die Auswahl der Schulen erfolgt in enger Abstimmung mit dem staatlichen Schulamt. Kinderfreundliche Hausordnung Bereits 2005 entwickelten Mitglieder des Kuratoriums und För- dervereins Kinderfreundliches Stuttgart e. V. gemeinsam mit Künstlern eine kinderfreundlich gestaltete Hausordnung. Mit ihr soll für gegenseitige Rücksichtsnahme geworben werden und auf ein harmonisches Zusammenleben von Jung und Alt hinge- wirkt werden. Kinder brauchen für ihre gesunde Entwicklung Spiel- und Be- wegungsfreiräume. Sie sind insbesondere im direkten Wohn- umfeld unverzichtbar. Deshalb sollen Höfe im Wohnbereich grundsätzlich Spielorte sein können, sofern nicht das Risiko be- 84
  • 77. 85 steht, dass die Anlage beschädigt wird oder Bewohner auf un- zumutbare Weise belästigt werden. Gleichzeitig sind Eltern und Kinder ihrerseits angehalten, Ruhezeiten zu beachten, und auf besondere Umstände der Hausgemeinschaft, etwa kranke Hausbewohner, Rücksicht zu nehmen. Die Kinderfreundliche Hausordnung wurde in allen Stuttgarter Haushaltungen verteilt und in der Zeitung „Haus und Grund“ und im Amtsblatt der LHS als Beilage publiziert. Schulwegtraining für alle Erstklässler in Stuttgart Das Kuratorium und der Förderverein Kinderfreundliches Stuttgart e. V. haben zusammen mit der Stuttgarter Polizei und dem Staatlichen Schulamt für die Absolventen des Verkehrser- ziehungsunterrichts den so genannten Kinderfußgängerschein entwickelt. Er soll die Kinder stolz auf das Erlernte machen, aber auch gleichzeitig daran erinnern, wie wichtig Aufmerksamkeit im Straßenverkehr ist, und dass es gerade hier verbindliche Regeln zu beachten gilt. Mehr als 20.000 Stuttgarter Erstklässler haben den Kinderfußgängerschein bereits erhalten. „Auf in den Turm“ – Theaterpatenschaften Das Kuratorium „Kinderfreundliches Stuttgart“ startete 2005 das Theater-Paten-Projekt: „Auf in den Turm“. Gemeinsam mit dem Theater Junges Ensemble Stuttgart (JES) und FITZ! (Zentrum für Figurentheater) wurde ein Projekt entwickelt, bei dem Stuttgarter Bürgerinnen und Bürger, aber auch Firmen und Unternehmen Kinder in eine Theatervorstellung einladen und begleiten. Es handelt sich hierbei um jene Kinder, die sonst von sich aus keinen Zugang zum Theater hätten. Seit Beginn des Projektes sind etwa 1.000 Kinder mit Paten ins Theater gegangen, mehr als 1.500 Schulklassenkinder konnten aufgrund von Firmenunterstützungen Theateraufführungen be- suchen. Das Projekt wurde 2007 bei der Charity Bambi Verlei- hung „Tribute to Bambi“ in Stuttgart ausgezeichnet. Kinderfreundlichkeit braucht Erfolg Dank der Unterstützung der Georg von Holzbrinck Gruppe eva- luiert die Prognos AG Basel seit 2006 anhand klar definierter Kriterien die Fortschritte von kinderfreundlichen Maßnahmen und zeigt, ob Stuttgart auf dem richtigen Weg zur Kinder- wunschstadt ist.
  • 78. Ansprechpartner/-innen 87 Kinderbeauftragte der Landeshauptstadt Stuttgart: Roswitha Wenzl, Telefon 0711/216-6111, E-Mail: roswitha.wenzl@stuttgart.de Kinderbeauftragte der Stadtbezirke, städtischen Ämtern, und weiterer Partner Nebenstelle der Telefonnummer 0711/216- Mitte 68 35 veronika.kienzle@stuttgart.de Süd 62 64 karl-friedrich.jedtke@stuttgart.de Bad Cannstatt 46 52 joachim.kuebler@stuttgart.de Botnang 35 82 wolfgang.stierle@stuttgart.de Degerloch 49 60 brigitte.kunath-scheffold@stuttgart.de Feuerbach 52 41 susanne.ramp@stuttgart.de Hedelfingen (mit Lederberg, Rohracker) 50 73 hans-peter.seiler@stuttgart.de Möhringen (mit Fasanenhof, Sonnenberg) 44 79 iska.duerr@stuttgart.de Mühlhausen (mit Mönchfeld, Hofen, Neugereut; Freiberg) 45 98 andrea.lindel@stuttgart.de Münster 75 36 andreas.schad@stuttgart.de Obertürkheim (mit Uhlbach) 50 30 peter.beier@stuttgart.de Plieningen-Birkach (mit Asemwald, Chausseefeld, Hohenheim, Steckfeld, Schönberg) 49 67 regine.theimer@stuttgart.de Sillenbuch (mit Heumaden, Riedenberg) 49 78 hans.peter.klein@stuttgart.de Stammheim 53 65 susanne.laufenberg@stuttgart.de Untertürkheim (mit Luginsland, Rotenberg) 50 95 dagmar.wenzel@stuttgart.de Vaihingen (mit Rohr, Büsnau, Dürrlewang) 48 40 wolfgang.meinhardt@stuttgart.de Wangen beate.dietrich@stuttgart.de Weilimdorf (mit Bergheim, Giebel, Hausen, Wolfbusch) 54 61 ulrike.zich@stuttgart.de Zuffenhausen (mit Neuwirtshaus, Rot, Zazenhausen) 54 08 gerhard.hanus@stuttgart.de Amt für Liegenschaften und Wohnen 34 06 sybille.kirschbaum@stuttgart.de Amt für öffentliche Ordnung 82 64 ute.jauch@stuttgart.de Amt für Umweltschutz 77 11 elisabeth.schiller@stuttgart.de Baurechtsamt 79 27 rainer.grund@stuttgart.de Garten-, Friedhofs- und Forstamt 54 97 martina.laun@stuttgart.de Gesundheitsamt 55 17 heinz-peter.ohm@stuttgart.de Haupt- und Personalamt 22 09 siegfried.berger@stuttgart.de Hochbauamt 89728 alexander.hofmann@stuttgart.de Jugendamt 75 25 margarete.finkel@stuttgart.de
  • 79. Kulturamt 71 49 karl-heinz.lampmann@stuttgart.de Kur- und Bäderbetriebe 42 26 susanne.konrad@stuttgart.de Schulverwaltungsamt 88 318 natascha.schuld@stuttgart.de Sozialamt 62 76 isolde.faller@stuttgart.de Sportamt 85 89 markus.rieger@stuttgart.de Stabsabteilung Kommunikation 75 89 bettina.ries@stuttgart.de Stadtmessungsamt 86 58 joachim.oberdorfer@stuttgart.de Tiefbauamt 62 71 manon.brandt@stuttgart.de Rechtsamt 43 37 lore.mauch@stuttgart.de Referat RSO - Stabsstelle Kommunale Kriminalprävention 61 15 michael.kayser@stuttgart.de Stadtbücherei, Zentrale Kinderbücherei 57 60 karin.roesler@stuttgart.de Abfallwirtschaft Stuttgart 80 65 bernd.horn@stuttgart.de in.Stuttgart Veranstaltungsgesellschaft mbH & Co. KG 0711/9554-33 03 thomas.heibel@in.stuttgart.de Krankenhaus Olgahospital 0711/992-2050 n.noppel@klinikum-stuttgart.de Stuttgart-Marketing GmbH 0711/2228-252 andrea.gehrlach@stuttgart-tourist.de vhs-Stuttgart 0711/1873-880 iris.loos@vhs-stuttgart.de SWSG 0711/9320-438 simone.hasenack@swsg.de 88

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