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Stuttgarter Sicherheitspartnerschaft

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Die Stuttgarter Sicherheitspartnerschaft basiert auf einem intensiven Dialog zwischen Bürgerschaft, Rathaus und Polizei. Die Broschüre informiert über Konzeption, Erfolge und Projekte der ...

Die Stuttgarter Sicherheitspartnerschaft basiert auf einem intensiven Dialog zwischen Bürgerschaft, Rathaus und Polizei. Die Broschüre informiert über Konzeption, Erfolge und Projekte der Stuttgarter Sicherheitspartnerschaft

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    Stuttgarter Sicherheitspartnerschaft Stuttgarter Sicherheitspartnerschaft Document Transcript

    • Stuttgarter Sicherheitspartnerschaft
    • Stuttgarter Sicherheitspartnerschaft
    • mit großer Zufriedenheit blicken wir auf zwölf Jahre unserer Zu meinem Amtsantritt 1997 erklärte ich als eines meiner bewährten Stuttgarter Sicherheitspartnerschaft. Diese erfolg- Ziele, dass Stuttgart die sicherste Großstadt in Deutschland reiche Partnerschaft zwischen Bürgerschaft, Rathaus und Poli- werden soll und dass sich die Menschen in allen Stadtbezir- zei wurde im Dezember 2006 in London durch eine interna- ken - auch abends und nachts - sicher fühlen können. Um tionale Jury in der Kategorie „Recht und Sicherheit“ mit dem dies zu erreichen, mussten wir neue Wege einschlagen: World Leadership Award 2006 ausgezeichnet. Sicherheit ist nicht allein Aufgabe der Polizei, Sicherheit geht uns alle an und ist deshalb eine gemeinsame Aufgabe. Aus Stuttgart ist heute eine der sichersten Metropolen in Europa dieser Überlegung entstand die Gemeinschaftsinitiative von mit einer anerkannt niedrigen Kriminalitätsrate und einem Bürgerschaft, Rathaus und Polizei: Die Stuttgarter Sicherheits- sehr hohen Sicherheitsgefühl der Bürgerinnen und Bürger. partnerschaft. Zugleich ist Stuttgart eine immer internationalere Stadt ge- worden, in der 170 verschiedene Nationen leben; inzwischen Da den Schwaben der Ruf vorauseilt, besonders gründlich haben 38 Prozent der Bevölkerung einen Migrationshinter- zu sein, geben wir uns mit dem bisher Erreichten nicht zufrie- grund. den. Jahr für Jahr ziehen wir Bilanz und versuchen die erziel- ten Ergebnisse stetig zu verbessern. Für diesen gemeinsamen Die Sicherheitslage war nicht immer so. Wie in den meisten lernenden Prozess danke ich allen Partnern: Frau Claudia Großstädten in Deutschland gab es auch in Stuttgart in den Diem als Vorsitzende des Fördervereins Sicheres und Sauberes 90er-Jahren eine relativ hohe Kriminalitätsbelastung. Eine Stuttgart e. V., stellvertretend für die vielen Bürgerinnen, offene Drogenszene mit bis zu 3.000 Abhängigen und Bürger und Kooperationspartner; Herrn Polizeipräsident Dealern, Drogenhandel auf der Straße, eine große Anzahl Siegfried Stumpf mit seinen engagierten Polizeibeamtinnen von Straftaten auf öffentlichen Straßen und Plätzen waren und -beamten sowie Herrn Ordnungsbürgermeister Dr. Martin die Folgen. In den Bürgerumfragen äußerten die Bürgerinnen Schairer und der großen Zahl von Mitarbeiterinnen und Mit- und Bürger ihre Ängste vor Kriminalität und Unordnung arbeitern in der Stadtverwaltung und den städtischen Betrie- und bemängelten die Sauberkeit in unserer Stadt. Neben ben, die sich mit Sachverstand und Energie einbringen. der häufigen Medienberichterstattung über Kriminalität wurde deutlich öffentliche Kritik an der Polizeiarbeit und Mit dieser Broschüre stellen wir unsere Sicherheitsphilosophie der Stadtverwaltung geübt. sowie unsere gemeinsamen Anstrengungen und Erfolge vor, mit dem Ziel, auch weiterhin eine der sichersten Metropolen Von der Politik wurde mehr Polizei, strengere Gesetze, härte- Europas zu bleiben. Zugleich wollen wir im Austausch mit res Durchgreifen gegen die Verwahrlosung des öffentlichen unseren nationalen und internationalen Partnern die Sicher- Raums und mehr Sauberkeit in der Stadt gefordert. Diese heitsstandards für uns alle stetig verbessern. Situation gab es nicht nur in Stuttgart, sondern in vergleich- barer Weise in den meisten Großstädten in Deutschland. Dr. Wolfgang Schuster Oberbürgermeister 3
    • Inhaltsverzeichnis Vorwort Seite 3 Die Stuttgarter Sicherheitspartnerschaft 7 1 Seite Organisation der Sicherheitspartnerschaft Handlungsfelder 10 2 Seite 2.1 Eine gute Sozialpolitik ist die beste Prävention 2.2 Sicherheitspartnerschaft umfasst alle Lebensbereiche und Bevölkerungsgruppen 2.3 Sicherheit für unsere Kinder 2.4 Bündnis für Integration 2.5 Prävention durch Sport 2.6 Jugendkriminalität vorbeugen und bekämpfen 2.7 Sicherheit auf Straßen und öffentlichen Plätzen 2.8 Sicherheit in öffentlichen Verkehrsmitteln 2.9 Sicherheit und Sauberkeit 2.10 Kriminalprävention und Städtebau Ergebnisse der Sicherheitspartnerschaft 25 3 Seite Durch nationale und internationale 4 Zusammenarbeit voneinander lernen Seite 26 Förderverein Sicheres und Sauberes Stuttgart 27 5 Seite Zentrale Ansprechpartner 28 6 Seite 5
    • „Es ist besser, den Verbrechen vorzubeugen als sie zu bestrafen.“ Cesare Bonesane Beccaria (1738-1794), italienischer Rechtsphilosoph und Wegbereiter der modernen Kriminologie
    • Die Stuttgarter Sicherheitspartnerschaft Unsere Konzeption • Einbeziehung von vielen Kooperationspartnern Die „Sicherheitsphilosophie“ hat sich auch aus den zentral und dezentral, Erfahrungen mit anderen Städten entwickelt. So konn- • vielfältige Anhörungen der Bürgerschaft auch in ten wir zum Beispiel aus den amerikanischen Verhält- den Stadtbezirken, nissen, nicht zuletzt aus der Polizeiarbeit von New York • jährlich Bilanz und Ausblick im zusammenfassen- unter dem Bürgermeister Rudolph Giuliani lernen, was den Präventionsbericht. für uns notwendig und sinnvoll ist, aber auch, was nicht auf uns übertragbar ist. Wir gingen dabei von Strukturierung der Präventionsarbeit in zehn folgenden Prämissen aus: Handlungsfelder: • wehret den Anfängen, 2.1 Eine gute Sozialpolitik ist die beste Prävention • keine Verwahrlosung des öffentlichen Raums, 2.2 Sicherheitspartnerschaft umfasst alle Lebens- • mehr Sauberkeit, bereiche und Bevölkerungsgruppen • neue Qualität der Zusammenarbeit der Behörden 2.3 Sicherheit für unsere Kinder durch gemeinsam definierte Ziele, 2.4 Bündnis für Integration • vernetztes, gemeinsames Vorgehen der Behörden, 2.5 Prävention durch Sport • neue Qualität durch Verknüpfung von professio- 2.6 Jugendkriminalität vorbeugen und bekämpfen nellem Handeln und bürgerschaftlichem 2.7 Sicherheit auf Straßen und Plätzen Engagement, 2.8 Sicherheit in öffentlichen Verkehrsmitteln • Ursachen orientierte Bekämpfung von 2.9 Sicherheit und Sauberkeit Kriminalität und 2.10 Kriminalprävention und Städtebau • Bekämpfung der Kriminalität dort, wo sie entsteht (dezentraler Ansatz). Umsetzung der Konzeption: • jährliche Festlegung der Ziele und Maßnahmen durch eine Lenkungsgruppe, • intensive Zusammenarbeit der jeweils beteiligten Behörden untereinander, • lebendiges Netzwerk zwischen den professionell Handelnden und den ehrenamtlich Tätigen, • Steuerung durch Sicherheitsbeiräte in allen Stadt- Bei der Verkehrserziehung lernen Kinder Polizisten als Vertrauens- bezirken, personen kennen. 7
    • Organisation der Sicherheitspartnerschaft Die Sicherheitspartnerschaft von Kommunalpolitik und Zusammen mit der Stuttgarter Polizei und unseren Verwaltung, mit Schulen, Sport- und Kulturvereinen, Sicherheitspartnern haben wir effiziente Strukturen Kirchengemeinden, Feuerwehren und der Polizei setzt aufgebaut. Und: Kriminalprävention ist in Stuttgart da an, wo Kriminalität entsteht. Daher wurden in den Chefsache. Deshalb leitet und kontrolliert eine Stadtbezirken Sicherheitsbeiräte bei den Bezirksrathäu- Lenkungsgruppe unter dem Vorsitz des Oberbürger- sern eingerichtet, die Sicherheitsprobleme vor Ort meisters und des Polizeipräsidenten die Arbeit. analysieren und wirksame ortsnahe Lösungen anbieten sollen, die dem Sicherheitsbedürfnis der Bewohner Die kriminalpräventive Umsetzung erfolgt in den zen- entsprechen. Sicherheitsspaziergänge oder Jobbörsen tralen Stabsstellen im Bürgermeisteramt und im Polizei- für arbeitslose Jugendliche im Stadtteil sind kreative präsidium sowie dezentral in den Stadtbezirken. Wir und unbürokratische Beispiele. Engagierte Bürger haben professionelles Handeln und bürgerschaftliches betätigen sich zudem vor Ort als Sicherheits- und Engagement im Förderverein Sicheres und Sauberes Ordnungspaten, aber auch in der Nachbarschaftshilfe. Stuttgart e. V. und vielen örtlichen Bürgervereinen und In den Polizeirevieren gibt es speziell geschulte Präven- Bürgeraktivitäten verbunden, damit unsere Sicherheits- tionsbeamte, die den Bürgerinnen und Bürgern bei partnerschaft auf den folgenden drei Säulen steht: Poli- Sicherheitsfragen als Vertrauensperson und Ansprech- zei, Rathaus und Bürgerschaft. partner zur Verfügung stehen. Dank der Sicherheitspartnerschaft fühlt sich die überwiegende Mehrzahl der Bürgerinnen und Bürger in Stuttgart sehr sicher. 8
    • Organisation der Sicherheitspartnerschaft Die Kooperation zwischen allen Beteiligten ist eine Voraussetzung für den guten Erfolg des Projekts Sicherheitspartnerschaft Dr. Martin Schairer Siegfried Stumpf Claudia Diem Bürgermeister für Recht, Polizeipräsident Vorsitzende des Fördervereins Sicherheit und Ordnung Sicheres und Sauberes Stuttgart e. V. Lenkungsgruppe Vorsitz: Oberbürgermeister und Polizeipräsident Bürgerschaftliche Stadt Polizei Organisationen Stabsstelle zur Koordinierung der Sachbereich Kriminal- und Förderverein Sicherheitspartnerschaft beim Verkehrsprävention beim Sicheres und Sauberes Bürgermeisteramt Polizeipräsidium Stuttgart Stuttgart e. V. Fachdezernate der Kriminal- Kooperationspartner: Städtische Ämter und Eigen- polizei und Dienststellen der Sozialdienste, kirchliche Dienste, betriebe Schutzpolizei Vereine, Unternehmen usw. Polizeireviere mit Sicherheitsbeiräte in den Stadt- Bürgervereine Präventionsbeamten in allen bezirken in allen Stadtbezirken Stadtbezirken 9
    • Handlungsfelder 2.1 Eine gute Sozialpolitik ist die beste Prävention Bereits der Kriminologe Franz von Liszt hat vor über • Stellenbörsen zur Vermittlung von Ausbildungs- hundert Jahren festgestellt, dass eine gute Sozialpolitik und Arbeitsplätzen in den Stadtbezirken. die beste Kriminalprävention ist. Diese Erkenntnis hat auch heute noch Gültigkeit. Das Entschärfen sozialer Um die Bildungschancen für alle zu verbessern, vor Brennpunkte stärkt das Miteinander in einer Stadt – allem für unsere Kinder mit Migrationshintergrund und verhindert Kriminalität und vor allem auch die (rund 50 Prozent aller Kinder) und von benachteiligten Furcht der Bürgerinnen und Bürger vor Kriminalität. Jugendlichen hat die Stadt in 2008 ein ganzheitliches Bildungskonzept entwickelt, die „Stuttgarter Bildungs- Umgesetzt wird dies, indem staatliche und kommunale partnerschaft“. Institutionen, meist aus dem Sozial-, Jugend-, Bildungs- oder Arbeitsvermittlungsbereich, Menschen bei der Beispiele: Bewältigung ihrer alltäglichen Probleme helfen. Freunde schaffen Erfolg Das seit Februar 2006 laufende Projekt richtet sich an Denn wer in der Bewältigung seines Alltags scheitert, ist junge Migranten. Zwanzig Hauptschülerinnen und viel stärker gefährdet, sich normwidrig zu verhalten und Hauptschüler der Rosensteinschule (Stuttgart-Nord) im letztendlich auch Straftaten zu begehen. Deshalb ist Alter von 15 Jahren werden von acht so genannten eine funktionierende Sozialpolitik die beste Prävention. Peers begleitet. Die Peers sind junge Erwachsene aus dem Stadtteil, die die gleiche Schule besucht haben, Meist können bereits mit wenig spektakulären Projek- über einen Migrationshintergrund verfügen und inzwi- ten Probleme gelöst, Konflikte beseitigt oder gar schen erfolgreich im Berufsleben stehen. Diese über- Benachteiligungen in Chancen umgewandelt werden, nehmen eine zweieinhalbjährige Patenschaft für die etwa bei Schülerinnen und Schüler mit: • Projekten gegen Jugendarbeitslosigkeit: • Unterstützung bei den Hauptschulabschluss- – Unterstützung bei Hauptschulabschluss- prüfungen, prüfungen, • Erstellung von Bewerbungsunterlagen, – Patenschaften für Hauptschüler, • Vorbereitung auf Vorstellungsgespräche und – Vorbereitung auf Vorstellungsgespräche, • Motivation bei Misserfolgen und Absagen – Begleitung des Berufsfindungsprozesses, – Heranführung an Ausbildung und Beschäfti- Das Ziel ist es, die Anzahl der Ausbildungsabbrüche zu gung, verringern und die Ausbildungsreife der Jugendlichen • Projekten zur Resozialisierung: zu fördern, die das Berufsvorbereitende Jahr nur aus – Jugendarbeitsprojekte für straffällig gewor- Pflichtgründen oder wegen mangelnder Alternativen dene Jugendliche, besuchen. Seit Beginn des Projekts haben die meisten 10
    • Schülerinnen und Schüler ihre Schulleistungen erheb- partner wurden aufeinander abgestimmt. Durch Bera- lich verbessert. Ihre persönliche Einstellung zu Bewer- tungs- und Motivationsgespräche mit den Personen bungen und Ausbildungsplatzsuche hat sich ebenfalls und Gruppen konnten innerhalb kürzester Zeit Kontakt positiv verändert: Sie bewerben sich wesentlich häufi- und eine Beziehung hergestellt werden. Viele Men- ger, zeitiger und auf realistische Ausbildungsstellen. schen wurden in das Café 72 – die Tagesstätte der Verantwortlich für das Projekt ist das Haus 49 und die Ambulanten Hilfe – vermittelt, wo sie für wenig Geld Mobile Jugendarbeit des Caritasverbands Stuttgart. Kaffee trinken, essen und auch duschen können. Die Projektmitarbeiter vermittelten auch psychisch Kranken Straßensozialarbeit in Bad Cannstatt und Menschen mit akuten gesundheitlichen Problemen Im Zentrum von Bad Cannstatt störten alkoholisierte maßgeschneiderte Hilfsmaßnahmen. Die Konflikte Personen wiederholt Anwohner und Gewerbetrei- haben sich seither deutlich reduziert, entstehende bende. Der „Runde Tisch Bad Cannstatt“ beschloss Probleme konnten meist bereits am Anfang gelöst daraufhin die Gesamtsituation grundlegend und werden und die Problemgruppe hat um 60 Prozent nachhaltig aufzuarbeiten. Die Maßnahmen der Projekt- abgenommen. In Projekten gegen Jugendarbeitslosigkeit lernen junge Menschen, Selbstvertrauen aufzubauen. 11
    • 2.2 Sicherheitspartnerschaft umfasst alle Lebensbereiche und Bevölkerungsgruppen Die objektive Sicherheit und das Sicherheitsempfinden heit koordiniert wird. Verschiedene Institutionen und der Bürgerinnen und Bürger werden von einer Vielzahl Beratungsstellen aus dem polizeilichen, juristischen und von Faktoren beeinflusst: Bildung, Erziehung, Integra- dem psychosozialen Bereich arbeiten gemeinsam an tion, soziale Ausgewogenheit, gute wirtschaftliche einer wirkungsvollen Gewaltprävention und Interven- Bedingungen, Arbeitsmarkt, Bürgernähe der Verwal- tion, die folgende Bausteine hat: tung, Polizei, Justiz, Stadt- und Verkehrsentwicklung, • Täter/in muss nach einem Platzverweis die Kultur, Kinderfreundlichkeit und so weiter. Deshalb gemeinsame Wohnung verlassen, konsequente umfasst die Stuttgarter Sicherheitspartnerschaft alle Strafverfolgung, Lebensbereiche: von der Straßensozialarbeit durch • zivilrechtliche Schutzmaßnahmen nach dem Streetworker oder Konfliktlösungen in Wohngebieten Gewaltschutzgesetz, über Informationsangebote der Polizei für alle Alters- • zeitnahe Beratung der Täter/innen sowie gruppen bis hin zum geschützten Bereich der Familie. • Hilfe für Opfer und Täter/innen. Beispiele: In Stuttgart sind bei Polizeieinsätzen gegen häusliche STOP: die Stuttgarter Ordnungspartnerschaft Gewalt in über 65 Prozent der Fälle Kinder betroffen. gegen häusliche Gewalt Schwerpunkt ist daher der Blick auf die Kinder, die Sicherheit darf nicht an der Haustüre aufhören. Daher als Opfer und Zeugen häuslicher Gewalt einer besonde- wurde im Jahr 2001 die Stuttgarter Ordnungspartner- ren Belastung ausgesetzt sind. Auch die Täterberatung schaft gegen häusliche Gewalt gegründet, die von der wirkt: Nur zehn Prozent der Täter/innen werden rück- STOP städtischen Stabsstelle für individuelle Chancengleich- fällig. STOP – Die Stuttgarter Ordnungspartnerschaft richtet sich gegen häusliche Gewalt. 12
    • Die Polizei wird durchschnittlich zu über 700 Einsätzen Eingeschränkte oder unzureichende Informationsmög- „Häusliche Gewalt“ im Jahr gerufen. Bei durchschnitt- lichkeiten über Kriminalitätsphänomene und über lich jedem dritten Einsatz wird ein Platzverweis für den Präventionsmöglichkeiten tragen dazu bei, dass sich Täter ausgesprochen und in über 200 Fällen wird ein Senioren häufig unsicher fühlen. Objektiv betrachtet Aufenthaltsverbot verfügt. werden ältere Menschen im Verhältnis zu jüngeren Personen eher selten Opfer von Straftaten. Allerdings Sicherheit für Senioren durch polizeiliche Information gibt es spezifische Deliktarten, bei denen sich das Das statistische Bundesamt hat prognostiziert, dass bis Verhältnis umkehrt. Hierzu zählen vor allem der Hand- zum Jahr 2030 jeder dritte Bundesbürger 60 Jahre oder taschenraub sowie Trickdiebstahls- und Trickbetrugs- älter sein wird. In Stuttgart ist der Anteil der Bürgerin- delikte. Gerade hier sind die Senioren in großer Anzahl nen und Bürger dieser Altersgruppe bereits jetzt bei betroffen. Deshalb ist es für die Kriminalprävention zirka 25 Prozent. unerlässlich, diese Bevölkerungsgruppe vermehrt über Gefahrenpotenziale zu informieren und ihnen Schutz- möglichkeiten aufzuzeigen. Das Polizeipräsidium hat hierzu ein Konzept entwickelt, das in Zusammenarbeit mit Begegnungsstätten und Pflegediensten seit November 2007 umgesetzt wird. Ziel des Projekts ist es, • flächendeckend über Gefahrenpotenziale aufzuklären, • das Sicherheitsgefühl nachhaltig zu stärken und damit die Lebensqualität zu verbessern, • spezifische Deliktformen zu reduzieren und • zu verhindern, dass Senioren Opfer von Straftaten werden. Daher schult die Polizei Mitarbeiterinnen und Mitarbei- ter von Begegnungsstätten und Pflegediensten in rele- vanten Sicherheitsfragen. Als Vertrauens- und Kontakt- personen können sie diese Informationen direkt im Gespräch mit älteren Menschen kompetent und ziel- Senioren fallen häufig Trickbetrügern zum Opfer. gruppenorientiert weitergeben. 13
    • 2.3 Sicherheit für unsere Kinder Kinder sind unsere Zukunft. Stuttgart hat sich zum Ziel • Stärkung des Gemeinsinns, gesetzt, die kinderfreundlichste Großstadt Deutsch- • Stärkung des Wir-Gefühls im Stadtteil. lands zu werden. Deshalb hat die Stadt 2003 ein um- fassendes Programm „Kinderfreundliches Stuttgart“ Die Projektidee wurde 1998 von ehrenamtlich enga- entwickelt, das seither fortgeschrieben wird. In den gierten Bürgerinnen und Bürgern im Stuttgarter vergangenen zwölf Jahren hat die Stadt die finanziellen Westen im Rahmen der Quartierswerkstatt Augusten- Aufwendungen für Kinder und Jugendliche fast verdop- straße e. V. als Bürgerinitiative entwickelt. Ab 2004 war pelt auf annähernd 600 Millionen Euro in 2009. Da in das Projekt Gute Fee von der Stadtverwaltung und dem Stuttgart nur noch in 18 Prozent der Haushalte Kinder Förderverein Sicheres und Sauberes Stuttgart e. V. in und Jugendliche leben, ist Kinderfreundlichkeit ein we- allen 23 Stadtbezirken realisiert. Die Projektidee hat sentlicher Zukunftsfaktor und daher Leitziel in allen Be- seither einen Boom erlebt: viele Gemeinden und Städte reichen der kommunalen Verwaltung. Kinder sind die in der Region, in anderen Bundesländern und sogar im schwächsten Glieder unserer Gesellschaft und bedürfen europäischen Ausland haben sie übernommen. unserer besonderen Aufmerksamkeit und Fürsorge. Deshalb legt auch das Kuratorium Kinderfreundliches Verkehrssicherheit von klein an – das 4-Stufen- Stuttgart einen Schwerpunkt darauf, die Sicherheit der Konzept Kinder zu verbessern. Kinder müssen lernen, sich sicher Die städtische Gesellschaft ist durch ein hohes Maß an im öffentlichen Raum zu bewegen. Aber auch Projekte Mobilität geprägt. Dies stellt hohe Anforderungen an zum Schutz vor Gewalt sind für sie bereits unerlässlich. die Verkehrsteilnehmer, vor allem an Kinder, Jugend- liche, Fußgänger und Radfahrer. Daher werden junge Beispiele: Stuttgarterinnen und Stuttgarter von der Kindheit bis Gute Fee zum jungen Erwachsenenalter fachkundig in vier Stufen Mittlerweile haben sich in Stuttgart annähernd 1.000 auf die Teilnahme am Verkehr vorbereitet: Einzelhandelsgeschäfte, sowie soziale, kirchliche und • Bereits im Kindergarten und in der Vorschule andere öffentliche Einrichtungen mit dem Aktionsauf- erlernen Kinder die Grundregeln der Verkehrs- kleber Gute Fee gekennzeichnet und sind damit verläss- sicherheit. liche Ansprechpartner für Kinder in Notfällen. Ergänzt • In einem zweiten Schritt folgt nach der Einschu- wird die Aktion durch die Beteiligung der Stuttgarter lung der Erwerb des Kinderfußgängerscheins. Straßenbahnen AG, deren Fahrerinnen und Fahrer sich Schulwegpläne für alle 76 Stuttgarter Grund- mit ihren Fahrzeugen als mobile Stützpunkte verstehen. schulen zeigen den sicheren Schulweg, die Gemeinsame Ziele sind: Kinder erhalten zudem Schulwegtrainingshefte • Verbesserung der Geborgenheit und Sicherheit und üben gefährliche Verkehrssituationen unter von Kindern, der Anleitung von uniformierten Polizisten. 14
    • • In der vierten Klasse findet die Radfahrausbildung weg“ mit Geschwindigkeitsmessungen an den statt: in den Jugendverkehrsschulen erlernen die Schulen, Abschleppaktionen von Falschparkern Kinder Körperbeherrschung und Mobilität und auf Schulwegen, dem Einüben des richtigen Ver- erwerben am Schluss der Ausbildung Fahrrad- kehrsverhaltens der Kinder auf dem Schulweg führerschein und Fahrradwimpel. und der Überwachung der Gurtanlegepflicht bei • Als vierte Stufe werden mehrtägige Verkehrs- Kindern durch. sicherheitstage an Schulen und Firmen für junge Fahrer ab 16 Jahren organisiert. Diese Gruppe Die Verkehrssicherheit wird in der Landeshauptstadt- verursacht überproportional viele Verkehrsunfälle Stuttgart als gemeinsame Aufgabe verstanden, an und wird daher über die Wirkung von Alkohol der neben der Stadtverwaltung und der Polizei auch und Drogen auf Wahrnehmungs- und Reaktions- der Allgemeine Deutsche Automobilclub (ADAC), fähigkeit informiert. die Verkehrswacht, das Kuratorium Kinderfreundliches • Begleitend findet die Aktion „Schule hat begon- Stuttgart, Schulen aller Schularten und Wirtschafts- nen“ statt. Dazu hängen an verkehrsreichen unternehmen unterschiedlichster Branchen und Straßen Spannbänder, um Verkehrsteilnehmer Größen mitwirken. Alle engagieren sich für das ge- zu Schulbeginn zu sensibilisieren. Parallel führt meinsame Ziel: Keine Verkehrsunfälle mehr mit Kin- die Polizei die 14-tägige Aktion „Sicherer Schul- dern! Kindern bietet die Aktion Gute Fee in allen Stadtbezirken Hilfe auch bei kleiner Not. 15
    • 2.4 Bündnis für Integration Wer in unserer Gesellschaft gut integriert ist, ist weni- • Förderung der interkulturellen Kompetenz der ger gefährdet, normwidrig zu handeln. Dies gilt für Mitarbeiter der Stadt, Deutsche und Migranten gleichermaßen. Über 50 Pro- • Ausbau der Sprach- und Bildungsförderung in zent aller Kinder und Jugendlichen in Stuttgart haben Kindertageseinrichtungen, ihre Wurzeln im Ausland. Jugendliche Migranten sind • Verbesserung der schulischen Bildungsverläufe im höheren Maße von fehlenden Bildungs- und Berufs- und -abschlüsse durch Mentorenprogramme in perspektiven und von anderen strukturellen Benachteili- Hauptschulen, gungen betroffen. Deshalb liegt ein Schwerpunkt der • Berufsvorbereitung durch Ehrenamtliche, vor Stuttgarter Integrationspolitik auf der Verbesserung allem auch durch Senioren, der Bildungschancen und der Integration in den • individuelle Lernbegleiter im Übergang von der Arbeitsmarkt. Darüber hinaus bestehen zahlreiche Schule in die berufliche Ausbildung, weitere Programme für eine gezielte Präventionspolitik. • Stärkung der Migranteneltern in ihrer Erziehungs- kompetenz im Rahmen der Jugendhilfe, Im Jahr 2001 entwickelte die Stuttgart mit dem Bünd- • berufsorientierte Sprachfördermaßnahmen für nis für Integration als erste deutsche Stadt ein Gesamt- arbeitslose junge Migranten. konzept für die Integration und Partizipation von Zu- wanderern. Dieses Konzept wird seither weiter entwi- Beispiele: ckelt. Der Stand der Integration wird regelmäßig über Transfer interkultureller Kompetenz (TiK) Indikatoren erfasst und die durchgeführten Maßnah- Auch für die Polizei sind der vertrauensvolle Dialog mit men auf die tatsächlich erzielten Wirkungen gemessen. unterschiedlichen Kulturen und Religionen und die Ziel ist, dadurch auch die Zahl der Jugendge- waltde- Integration aller gesellschaftlichen Gruppen in das frei- likte weiter zu reduzieren. Dazu enthält das Stuttgarter heitlich demokratische Wertesystem ein grundlegendes Bündnis für Integration folgende Maßnahmen: Anliegen. Ziel des Projekts TiK ist es, Muslime und • Förderung der sozialen Integration und der Moscheevereine in die Kommunale Kriminalprävention deutschen Sprache bereits im Kindergarten, einzubinden und damit die Integration zu fördern. • berufliche Qualifizierung von jungen Migranten, Projektpartner sind Moscheevereine in Stuttgart und • Integrations- und Sprachkurse für alle Erwach- das Polizeipräsidium. Inzwischen gibt es bei allen Poli- senen, zeirevieren Ansprechpartner für die Moscheevereine, • Förderung des interkulturellen Dialogs in den die zu diesen Einrichtungen Kontakt halten. Darüber Stadtbezirken, hinaus konnte die Polizei muslimischen Familien in • Politische Partizipation von Migranten im Interna- Informationsveranstaltungen Themen wie zum Beispiel tionalen Ausschuss des Gemeinderats, in den „Wie schütze ich mein Kind davor, Opfer einer Straftat Bezirksbeiräten und in Fachbeiräten, zu werden oder Straftaten zu begehen?“ nahe bringen. 16
    • Umweltfreundliche Verkehrsentwicklung Resozialisierung straffällig gewordener junger Planung und Gestaltung verschiedener Veranstaltun- Menschen gen und Aktivitäten. Dadurch wird ihre passive Rolle Das Patenschaften- und Mentoren-Programm „Weil in der Gesellschaft in eine aktive umgewandelt. Durch dich das Leben braucht…“ der Deutschen Jugend aus den Kontakt mit anderen Jugendlichen wird die Inte- Russland e. V. gibt jugendlichen Spätaussiedlern Hilfe gration gefördert. beim Integrationsprozess, der durch mangelnde Soziali- sation manchmal erschwert wird. Straffällig gewordene Die aufsuchende Arbeit ist fester Programmteil des und gefährdete Jugendliche erhalten im Programm Projekts und unterstützt den Prozess auf sehr wir- Hilfe und Unterstützung, um Ihre Persönlichkeit zu kungsvolle Weise, da die Betreuten in deren Lebens- stabilisieren und Aggressionen zu verringern, so dass umfeld abgeholt werden können. Den Erfolg des sie nicht mehr straffällig werden. Im Patenschaften- Programms zeigen folgende Zahlen: Jedes Jahr werden Programm des DJR werden die Jugendlichen von Fach- mehr als hundert überwiegend männliche Jugendliche kräften betreut und in die Aufgaben der DJR-Kreis- und junge Erwachsene betreut. Weniger als zehn Pro- gruppe integriert. Sie helfen bei der Durchführung, zent der Betreuten wurden bisher erneut straffällig. Integrations- und Sprachkurse werden für alle erwachsenen Migranten angeboten. 17
    • 2.5 Prävention durch Sport Sport ist ein hervorragendes Medium für Prävention und Integration. Mit der differenzierten Sportförderung hat sich die Stadt gemeinsam mit den Sportvereinen und weiteren Partnern folgende Ziele gesteckt: • Zusammenführung und Integration von Kindern und Jugendlichen beiderlei Geschlechts aus verschiedenen Schularten, Kulturen und unter- schiedlicher sozialer Herkunft, • Förderung und Entwicklung von sozialen Kompetenzen, • Ausgleich von Freizeitangebotsdefiziten und Hin- führung zu einer sinnvollen Freizeitbeschäftigung, • Abbau der Beziehungsstörungen gegenüber Autoritäten, Das Sportprojekt „Basketball um Mitternacht“ ist bei den Jugend- • Einsatz des Sports zum Abbau von Aggressionen lichen sehr beliebt. und Frustrationen, • Förderung von Stärken, Begabungen, Selbst- und der Anerkennung. Die regelmäßigen, kostenlosen sicherheit und Selbstvertrauen, und sportpädagogisch betreuten Angebote ermög- • Förderung von Fair-Play und die Vermittlung von lichen Kindern und Jugendlichen, die nicht wissen, wie Werten sowie sie ihre Freizeit sinnvoll verbringen können, den Kon- • Akzeptanz von Spielregeln und Normen, die für takt zu neuen Sportarten und -formen außerhalb von ein gemeinschaftliches Miteinander notwendig Vereinen. Neben vielen anderen Sportprojekten in sind. Stuttgart, die kriminalpräventiv angelegt sind und mit denen pro Schuljahr über 17.000 Teilnehmer erreicht Beispiel: werden, sind vor allem zwei Basketballprojekte sehr Netzwerk Gemeinschaftserlebnis Sport (GES) beliebt: „Basketball um Mitternacht“ und das neuere In Zeiten zunehmender Individualisierung und unter- Projekt „Spannung unterm Korb“, das auch vom schiedlicher Lebensperspektiven sozialer und ethnischer Bundesligateam EnBW Ludwigsburg unterstützt wird. Milieus, leistet das GES durch seine sportpädagogi- schen Angebote qualifizierte Integrations- und Das GES wird vom Sportkreis Stuttgart gemeinsam Präventionsarbeit. Durch die spezifische Inszenierung mit Schulen, Jugendhäusern, Sportvereinen und der Sportangebote mit sozial integrativen Zielen erle- weiteren Partnern organisiert und in vielen Stadt- ben die Kinder und Jugendlichen das Gefühl des Erfolgs bezirken angeboten. 18
    • 2.6 Jugendkriminalität vorbeugen und bekämpfen Statistiken und Untersuchungen belegen, dass sich – positive Entwicklung der Schülerinnen und Schüler entgegen aller pauschalen Behauptungen – mit 95 Pro- genommen werden. Einige der erfolgreich umgesetzten zent die weit überwiegende Mehrzahl junger Men- Maßnahmen sind: Einrichtung einer Info- und Trouble- schen rechtstreu verhält. Dennoch ist es für die Zu- Hotline zum örtlichen Polizeirevier, Polizeisprechstun- kunftsfähigkeit unserer Gesellschaft von großer Bedeu- den in den Schulen (Jour fixe), Sucht- und Gewalt- tung, dass sich gesetzeswidriges Verhalten bei jungen präventionstage sowie Vortragsveranstaltungen zu Menschen nicht verfestigt. Daher muss an den Ursa- Gefahren im Internet, zur Stärkung der Medien- chen von Jugendkriminalität angesetzt und frühzeitig kompetenz. gehandelt werden: eine gute Integration bereits im Kindergarten und faire Bildungschancen durch gezielte Das Haus des Jugendrechts Förderung müssen jungen Menschen ermöglicht wer- Das Haus des Jugendrechts in Bad Cannstatt startete den. Ergänzend muss das Bewusstsein für Recht und 1999 zunächst als Pilotprojekt und wird seit Mai 2006 Unrecht gefördert werden. Sofern Jugendliche auf die als Behörden übergreifende Einrichtung mit den betei- schiefe Bahn gekommen sind, muss die öffentliche ligten Institutionen Polizeipräsidium, Jugendgerichts- Hand schnell und konsequent reagieren. Deshalb sind hilfe des Jugendamts, Staatsanwaltschaft und Amts- eine übergreifende Zusammenarbeit von Behörden und gericht Stuttgart-Bad Cannstatt auf Dauer fortgeführt. ganzheitlichen Lösungsansätzen wesentlich. Ziel ist es, die Jugenddelinquenz langfristig zu redu- zieren. Die gemeinsame Unterbringung von Polizei, Beispiele: Jugendgerichtshilfe und Staatsanwaltschaft in einem Bündnis für Erziehung Gebäude, die Zusammenarbeit mit den zuständigen Das Bündnis ist eine Kooperation der folgenden Netz- Jugendrichtern, die parallele Bearbeitung eines Falles werkpartner: Staatliches Schulamt, Polizeipräsidium, und das direkte Gespräch unter anderem in Fallkonfe- Jugendamt und Gesundheitsamt sowie niedergelassene renzen bewirken eine Verkürzung von Prozessen und Kinder- und Jugendärzte. Zielgruppe des Projekts sind Verfahrensdauer. Dadurch wird eine rasche und konse- vor allem die Schülerinnen und Schüler der mitwirken- quente staatliche und kommunale Reaktion auf Strafta- den Schulen, aber auch deren Familien. Das inzwischen ten gewährleistet, bei der jedoch nicht nur Sanktionen geschaffene Frühwarnsystem der Netzwerkpartner verhängt, sondern auch Hilfsangebote und individuelle dient der nachhaltigen Reduzierung von Jugendkrimi- Betreuung angeboten werden können. Ein weiterer nalität und jugendspezifischer Gewalt. In der Schule Schwerpunkt liegt in der Prävention und der Vernetz- können Kinder und Jugendliche aus unterschiedlichen ung mit anderen im Stadtteil tätigen Initiativen und sozialen Schichten, Religionen und Herkunftsländern Diensten, vor allem mit Schulen und Jugendhilfeein- erreicht werden. Hier kann in Form von Projektarbeit, richtungen wie bei gemeinsam konzipierten Projekten Vorträgen und Aktionen nachhaltig Einfluss auf eine wie „Knast kommt krass“ und „Cannstatt bewegt sich“. 19
    • 2.7 Sicherheit auf Straßen und öffentlichen Plätzen In Stuttgart soll die Sicherheit auf öffentlichen Straßen mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Mobilen und und Plätzen gewährleistet bleiben. Eine starke Präsenz der offenen Jugendarbeit unterwegs, um folgende Ziele der Polizei und konsequentes Handeln im Verbund mit zu erreichen: städtischen Behörden und der Justiz führen dazu, dass • Deeskalation bereits im Vorfeld erkannter, die Straßen und Plätze in Stuttgart sicher sind und die konfliktträchtiger Situationen, Bürgerinnen und Bürger auch nachts keine Angst • Hilfestellung für Jugendliche in hilflosem Zustand, haben müssen. Neben diesen repressiven Maßnahmen • Gesprächsangebote für Jugendliche, tragen auch präventive Projekte – gemeinsam getragen • Analyse, Beschreibung und Dokumentation der von Stadt, Polizei und Bürgerschaft – dazu bei, Kon- Situation in der Innenstadt sowie flikte zu beseitigen oder gar nicht erst entstehen zu • gemeinsame Auswertung als Grundlage für lassen und das Sicherheitsgefühl der Bürgerinnen und weitere Konzeptionen zur offensiven und Bürger zu verbessern. konstruktiven Bearbeitung des Themas. Beispiel: Innenstadtstreetwork Als geeignetes Beispiel dafür kann das Projekt „Innen- stadtstreetwork“ gelten: Spätestens seit der Fußball- Weltmeisterschaft 2006 wird die Stuttgarter Innenstadt als ein Ort wahrgenommen, an dem bei Festen und Feiern eine gute Stimmung herrscht. Sowohl aus Stutt- gart, als auch aus der Region kommen daher Jugend- liche und junge Erwachsene – vor allem an den Wochenenden – um zu feiern und teilweise erhebliche Mengen an Alkohol zu konsumieren. Gewalttätige Auseinandersetzungen, Alkoholvergiftungen, Schwie- rigkeiten bei der Verkehrsteilnahme und beim Nach- hauseweg sind oft die Folgen, die verhindert oder wenigstens verringert werden müssen. Parallel und ergänzend zu den Maßnahmen von Polizei und Amt für öffentliche Ordnung wird unter der Feder- führung der Mobilen Jugendarbeit Stuttgart das Projekt Innenstadtstreetwork durchgeführt. Dazu sind Teams Die Polizei zeigt Präsenz und ist Ansprechpartner. 20
    • 2.8 Sicherheit in öffentlichen Verkehrsmitteln Die Zufriedenheit der Stuttgarter mit ihren öffentlichen Die Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB) hat sich zum Verkehrsmitteln spiegelt sich in den Ergebnissen der Ziel gesetzt, eines der besten öffentlichen Nahverkehrs- Bürgerumfrage 2007 wider. 80 Prozent waren mit dem unternehmen zu sein. Zum Sicherheitskonzept der SSB Öffentlichen Personennahverkehr zufrieden oder sehr gehören: zufrieden. • Haltestellen und Fahrzeuge werden so transpa- rent wie möglich gestaltet und gut beleuchtet, Die zahlreichen Maßnahmen, die für die Sicherheit • Vandalismusschäden und Graffiti an Anlagen und der Fahrgäste durchgeführt wurden, haben ihre Fahrzeugen werden umgehend beseitigt, Wirkung nicht verfehlt: Nur noch 28 Prozent der • Alkoholgenuss in öffentlichen Verkehrsmitteln Befragten (gegenüber 42 Prozent in 2005) gaben wurde verboten, als Problem Unsicherheit (Belästigung) in öffentlichen • alle Stadtbahnwagen werden sukzessive mit Verkehrsmitteln an. Videokameras ausgestattet. Die Sicherheit in öffentlichen Verkehrsmitteln wird mit zahlreichen Maßnahmen gewährleistet. 21
    • 2.9 Sicherheit und Sauberkeit Sauberkeit ist die kleine Schwester der Sicherheit. Denn der Umwelterziehung von Kindern und Jugendlichen zu verwahrloste, dreckige Plätze und Straßen, beschädigte erleben, wurde die Aktion Let’s putz entwickelt. Dazu Straßenbeleuchtungen und Müllansammlungen im wurde ein Wettbewerb ausgelobt zwischen den Stadt- öffentlichen Raum wirken sich negativ auf das persönli- bezirken, den Schulen und Kindergärten, um möglichst che Sicherheitsgefühl der Bürger aus. Darüber hinaus viele engagierte Bürgerinnen und Bürger, insbesondere wird die Hemmschwelle, eine verwahrloste Örtlichkeit Kinder und Jugendliche, für gemeinsame Putzaktionen noch weiter zu beschädigen oder zu verunreinigen, zu gewinnen. bei vielen Menschen niedriger. Deshalb gilt es, solche negativen Entwicklungen rasch zu erkennen und zu Der Eigenbetrieb der Abfallwirtschaft Stuttgart, das beseitigen, denn es gilt „Wehret den Anfängen“. Garten-, Friedhofs- und Forstamt sowie der Förder- verein Sicheres und Sauberes Stuttgart e. V. konnten in Beispiele: den vergangenen Jahren viele tausende Teilnehmerin- Let’s putz Stuttgart nen und Teilnehmer mobilisieren, tonnenweise Müll Um Umweltschutz konkret zu praktizieren und ein aus Grünanlagen und Verkehrsflächen zu entfernen. Bewusstsein der persönlichen Verantwortung zu Nach dem Ende jeder Aktionswochen werden die schaffen sowie um gemeinschaftlichen Spaß bei Sieger anhand der Teilnehmerzahl ermittelt. Verantwortung für die Umwelt zu übernehmen, muss bereits im Kindergarten geübt werden. 22
    • Unerlaubtes Sprayen ist bei vielen Jugendlichen beliebt, aber illegal. Anti-Graffiti-Initiative und dem Förderverein Sicheres und Sauberes Stuttgart Mit dieser Initiative soll das Stadtbild von illegalen e. V. geschädigten Privatleuten an, Grafittis zeitnah, Farbsprühereien frei gehalten werden. Graffitis und professionell und kostengünstig durch Fach- und die Kennzeichen der Sprayer (Tags) müssen schnell Malerbetriebe zu entfernen. Hierzu werden auch entfernt werden, um den Tätern die Motivation zu arbeitslosen Jugendlichen und jungen Erwachsenen nehmen, an derselben oder ähnlichen Stellen erneut Praktikumsplätze angeboten. Damit wird ein weiterer zu sprayen. Beitrag für ein sicheres Stuttgart geleistet. Öffentliche Verkehrsmittel, Haltestellen, Unterführungen und Die SBR – Gemeinnützige Gesellschaft für Schulung Brücken werden regelmäßig überprüft, um Graffitis und berufliche Reintegration mbH – bietet zusammen sofort entfernen zu können. Ebenso wird die Strafver- mit dem Haus- und Grundbesitzerverein Stuttgart e. V. folgung schnell und konsequent durchgeführt. 23
    • 2.10 Kriminalprävention und Städtebau Eine gute Beleuchtung nachts trägt zu einem positiven Sicherheitsgefühl bei. Der öffentliche Raum soll so gestaltet werden, dass • Beseitigung von Angsträumen, zum Beispiel bei sich Menschen auf Straßen und Plätzen wohl fühlen. der Gestaltung von Parkanlagen, Unterführungen Dieser Grundsatz wird bei allen künftigen Stadtplanun- und Parkhäusern unter Berücksichtigung des gen genauso berücksichtigt wie bei anstehenden Sanie- Sicherheitsgefühls sowie die Verbesserung der rungen im öffentlichen Raum. Belebte Plätze, die bei Beleuchtungseinrichtungen in Verkehrsbau- Dunkelheit gut beleuchtet sind, bewirken ein positives werken, Parkanlagen und Parkhäusern. Sicherheitsgefühl. Schlecht beleuchtete Parkanlagen, • In das Stadtentwicklungskonzept (STEK) Unterführungen und Parkhäuser schaffen bei Nacht wurde das Thema Sicherheit und Prävention Angsträume. als wichtiger Bestandteil integriert. Beispiele: Einrichtung von Jugendtreffs im Arbeitsgruppe Sozialverträgliche Planung öffentlichen Raum Bei städtebaulichen Maßnahmen wird die Prüfung Unter Mitwirkung von Jugendlichen werden Treff- der Sozialverträglichkeit als Teil des Abwägungs- punkte gestaltet, zum Beispiel Bolzplätze, Skater- prozesses in die Bauleitplanung integriert. Die anlagen, überdachte Treffpunkte. Arbeitsgruppe Sozialverträgliche Planung (AGSP) unter Federführung des Referats Städtebau integriert Die Mitwirkung der Jugendlichen führt zu einer starken sicherheitsrelevante Aspekte in die Stadtplanung Identifikation mit „ihrer“ Anlage und hilft, Vandalismus durch: und Nachbarschaftskonflikte zu reduzieren. 24
    • 3. Ergebnisse der Sicherheitspartnerschaft Die Stuttgarter Sicherheitspartnerschaft hat sich seit • „Die zufriedensten Bürger Deutschlands leben in vielen Jahren erfolgreich bewährt: Stuttgart (83 Prozent)“, (Umfrage „Perspektive • Stuttgart ist nach der polizeilichen Kriminal- Deutschland“, 2006) statistik eine der sichersten Großstädte in • Stuttgart ist die Nummer eins in Deutschland: Deutschland und in Europa, „Stuttgarter Unternehmer sind mit ihrem Standort • die Aufklärungsquote der Polizei ist weit über- sehr zufrieden“ (Umfrage Ernst & Young, 2006), durchschnittlich hoch, • das Stuttgarter „Bündnis für Integration “wurde • die überwiegende Mehrzahl der Bürgerinnen und mit dem UNESCO-Preis „Cities for Peace“ 2004 Bürger in Stuttgart fühlen sich sicher beziehungs- ausgezeichnet, weise sehr sicher (Ergebnisse der Bürgerumfragen • die „Stuttgarter Sicherheitspartnerschaft“ wurde 2005 und 2007), in der Kategorie „Law and Order“ durch eine • 88 Prozent der Stuttgarter leben gerne in ihrer internationale Jury in London mit dem World Stadt (Ergebnisse der Bürgerumfrage 2007), Leadership Award 2006 ausgezeichnet. Wichtig für eine erfolgreiche Sicherheitspartnerschaft ist der offene Dialog zwischen allen Beteiligten. 25
    • 4. Durch nationale und internationale Zusammenarbeit voneinander lernen Um unseren Lernprozess in der Entwicklung der Stutt- Die Landeshauptstadt will von diesem europäischen garter Sicherheitspartnerschaft auch durch Impulse Austausch profitieren und ihre eigenen Erfahrungen von außen zu bereichern, ist Stuttgart als erste deut- weitergeben. Mit der Gründung eines Deutschen Fo- sche Kommune 2008 dem Europäischen Forum für rums für Europäische Sicherheit (DEFUS) plant Stuttgart urbane Sicherheit (EFUS) – einem europäischen Städte- einen Verbund mit anderen deutschen Städten und Ge- netzwerk von mehr als 300 Kommunalverwaltungen – meinden. Hierdurch soll die Präventionsarbeit der deut- beigetreten. EFUS mit Sitz in Paris (www.fesu.org) schen Kommunalverwaltungen besser vernetzt werden arbeitet in allen wichtigen Fragen von städtischer und am europäischen Erfahrungsaustausch teilnehmen. Kriminalprävention und unterstützt Kontakte zwischen europäischen Städten durch Erfahrungsaustausch, Gedacht ist an gemeinsame Projekte, zum Beispiel ein Zusammenarbeit und Fortbildung. Damit wird eine allgemein gültiges Sicherheitsaudit in deutschen Kom- enge Zusammenarbeit zwischen Verwaltungen und munen. Auch könnten europäische Gelder durch den Präventionsgremien auf lokaler, nationaler, euro- engen Kontakt von EFUS zur Europäischen Union in päischer und internationaler Ebene hergestellt. deutsche Präventionsprojekte fließen. Der Gemeinderat hat dem Beitritt Stuttgarts zum EFUS vor der Sommerpause 2008 zugestimmt. 26
    • 5. Förderverein Sicheres und Sauberes Stuttgart e. V. Ziel des Vereins ist es, die Kriminalität in Stuttgart • Förderung von Erziehung und Bildung, durch Prävention und Aufklärung zu verringern sowie • Förderung der Jugendarbeit und Jugendfreizeit, die Sicherheit, auch die des Straßenverkehrs und das • Förderung des Umweltschutzes, Sicherheitsempfinden aller Bürgerinnen und Bürger, • Förderung der Altenfürsorge und zu verbessern. Durch gemeinsames Handeln, die Förde- • Förderung weiterer mildtätiger Zwecke. rung bürgerschaftlicher Mitverantwortung und das Zusammenspiel öffentlichen und privaten Engagements Der Förderverein vertritt die dritte Säule in der 1997 können wir ein attraktives Stuttgart schaffen und erhal- gegründeten Sicherheitspartnerschaft zwischen Stadt, ten. Die Bürgerinnen und Bürger sollen sicher leben Polizei und Bürgerschaft, die Stuttgart zu einer der und sich wohl fühlen in einer sauberen Stadt, sie sollen sichersten Großstädte in Deutschland und Europa in den Abendstunden ohne Angst und alleine ausgehen gemacht hat. Er arbeitet eng und kontinuierlich mit können, immer sicher nach Hause kommen und ihre den Bezirksvorsteherinnen und Bezirksvorstehern, Kinder beruhigt zum Spielen und in die Schule schicken Bezirks- und Sicherheitsbeiräten, Polizeidienststellen, können. Kindergärten und Schulen, der Stadtverwaltung, den Vereinen und privaten Initiativen sowie der Wirtschaft Diese Ziele verfolgt der Verein auf folgenden Hand- zusammen, unterstützt jedes Jahr zahlreiche Projekte lungsfeldern: der Stuttgarter Sicherheitspartnerschaft finanziell und • Förderung der Kommunalen Kriminalprävention, initiiert auch eigene Projekte für mehr Sicherheit und • Förderung der Integration, Sauberkeit. • Förderung der Verkehrssicherheit, 27
    • Zentrale Ansprechpartner Landeshauptstadt Stuttgart Stabsstelle Sicherheitspartnerschaft in der Kommunalen Kriminalprävention: Michael Kayser, Marktplatz 1, Rathaus, 70173 Stuttgart, Telefon: 0711/216 - 61 15 Telefax: 0711/216 - 23 53 E-Mail: kriminalpraevention@stuttgart.de Internet: www.stuttgart.de/kriminalpraevention Polizeipräsidium Stuttgart Sachbereich Kriminal-und Verkehrsprävention und Kriminalpolizeiliche Beratungsstelle: Ulrich Sauter, Hahnemannstraße 1, 70191 Stuttgart, Telefon: 0711/89 90 - 23 00, Telefax: 0711/89 90 - 20 99 E-Mail: stuttgart.pp.ek.praevention@polizei.bwl.de Internet: www.polizei-stuttgart.de Geschäftsstelle Förderverein Sicheres und Sauberes Stuttgart e. V. Geschäftsführer: Bezirksvorsteher Edgar Hemmerich, Filderhauptstraße 155, 70599 Stuttgart, Telefon: 0711/216 - 49 67, Telefax: 0711/216 - 49 43 E-Mail: edgar.hemmerich@stuttgart.de Der Förderverein benötigt auch Ihre Hilfe: Finanzielle Zuwendungen (Spenden) können auf Wunsch zweckgebunden verwendet werden, zum Bei- spiel zur Unterstützung eines bestimmten Projektes in einer Schule oder in einem Stadtbezirk. Spenden sind steuerlich absetzbar. Spendenkonto: Förderverein SuSS e. V. Konto-Nummer: 22 55 88 4 Bankleitzahl: 600 501 01 Bank: BW-Bank 28
    • Herausgeberin: Landeshauptstadt Stuttgart, Referat Recht, Sicherheit und Ordnung in Verbindung mit der Stabsabteilung Kommunikation Redaktion: Hans Böhm Fotos: Kraufmann (Titel Mitte), Silcherschule (Titel oben), Polizeipräsidium Stuttgart (Seiten 7, 20), Stuttgart Marketing GmbH (Seite 8), EnviaM (Seite 11), Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes (Seite 13), Frank Eppler (Seiten 15, 23, 26), Stabsabteilung für Integrationspolitik (Seite 17), Christian Hass (Seite 18), Horst Rudel (Seiten 21, 25), Landeshauptstadt Stuttgart (Seite 22), Tiefbauamt Stuttgart (Seite 24) Gestaltung: Marco Palma Februar 2009 © Landeshauptstadt Stuttgart u3
    • www.stuttgart.de