Gatekeeping, Gatewatching, Echtzeitfeedback: Neue Herausforderungen für den Journalismus

  • 1,278 views
Uploaded on

Public lecture presented at the University of Vienna, 9 May 2011.

Public lecture presented at the University of Vienna, 9 May 2011.

  • Full Name Full Name Comment goes here.
    Are you sure you want to
    Your message goes here
    Be the first to comment
    Be the first to like this
No Downloads

Views

Total Views
1,278
On Slideshare
0
From Embeds
0
Number of Embeds
1

Actions

Shares
Downloads
7
Comments
0
Likes
0

Embeds 0

No embeds

Report content

Flagged as inappropriate Flag as inappropriate
Flag as inappropriate

Select your reason for flagging this presentation as inappropriate.

Cancel
    No notes for slide

Transcript

  • 1. Gatekeeping, Gatewatching, Echtzeitfeedback: Neue Herausforderungen für den Journalismus
    Assoc. Prof. Axel Bruns
    Queensland University of Technology, Brisbane, Australia
    a.bruns@qut.edu.au – http://snurb.info/ – @snurb_dot_info
  • 2.
  • 3. Australiens ‘Blog Wars’, 2007
    Bundeswahl 2007:
    PM John Howard (Coalition) gegen Kevin Rudd (Labor)
    Überalterte Regierung gegen ‚Kevin07‘-Wahlkampagne
    Klare Führung für Labor in allen Wahlprognosen
    Medientenor:
    Überraschungen noch immer möglich
    Coalition kommt zurück – ‚the narrowing‘
    Leichte Verbesserungen in Howards Popularitätswerten
    Reaktion von Blogs und alternativen Medien:
    Kritik, Korrektur, Satire, Sarkasmus
  • 4. The Australian und das Possum
    PsephologiebeiPossums Pollytics und anderen Blogs
    SpezialistenblogsmitFokus auf die Analyse von Wahlumfragen
    Blogs vordemWahlkampfrelativunbekannt
    Possums Pollyticsunterdem Pseudonym Possum Comitatusbetrieben
    Inhalte:
    LaufenderKommentarzuUmfrageergebnissen
    Starke Kritik an Umfrageinterpretationen durch The Australian und andere Mainstreammedien
    Allgemeine Kritik an der beschränkten Sichtweise der australischen Press Gallery
  • 5.
  • 6. Die Überreaktion
    The Australian hat genug:
    sheltered academics and failed journalists who would not get a job on a real newspaper
    we understand Newspoll because we own it (12.7.2007)
    statistical bloggers forever complain … and essentially want polls to be banished from newspapers and public debate except during an election (21.2.2008)
    Alles nur Amateure?
    Dan Gillmor: “my readers know more than I do” (2003)
    Professionelle Journalisten gegen Amateurjournalisten, aber auch
    Professionelle Wahlforschung gegen (sehr) amateurhafte Umfrageinterpretationen
    • Wissenschaft (Psephologie) übertrifft Handwerk (Journalismus)
  • (Image by falling.bullets)
  • 7. TraditionellerNachrichtenprozeß – Gatekeeping:
    (aus Bruns, Gatewatching: Collaborative Online News Production, 2005)
    Nachrichtenproduktion
  • 8. Gatewatcher-Nachrichtenprozeß:
    (adaptiert von Bruns, Gatewatching: Collaborative Online News Production, 2005)
    verschiedeneVariantensindmöglich
    Nachrichtenprodutzung
  • 9. Implikationen des Gatewatching
    MöglicheneueRollefür ‘open news’:
    ‘bottom-up’ statt ‘top-down’ Berichterstattung
    multiperspektivischeBerichterstattung (Herbert Gans)
    demokratischer, dialogischer, deliberativerJournalismus(Dan Gillmor: ‘from lecture to conversation’)
    Implikationenfür den Mainstreamjournalismus:
    Journalisten und Redakteurewerdenumgangen
    Korrektiv und kritischerBeobachterfürMainstreamnachrichten(Herbert Gans: ein ‘second tier’ von Berichterstattern)
    UntergrabungderUnterschiedezwischenProduzenten und Konsumenten
  • 10. Open News und Open Source
    Übertragungder Open-Source-Selbstdefinition auf ‘open news’:
    The basic idea behind open source is very simple: When programmers can read, redistribute, and modify the source code for a piece of software, the Software evolves. People improve it, people adapt it, people fix bugs. And this can happen at a speed that, if one is used to the slow pace of conventional software development, seems astonishing.We in the open source community have learned that this rapid evolutionary process produces better software than the traditional closed model, in which only a very few programmers can see the source and everybody else must blindly use an opaque block of bits.(Opensource.org)
  • 11. Niedergang der traditionellen Produktionslogik:
    Produzent  Vertreiber  Konsument
    (Marktforschung  Produzent  Vertreiber  Konsument)
    (Konsumentenideen  Produzent  Vertreiber  Konsument)
    Jenseits von ‘Produktion’
  • 12. (http://www.research.ibm.com/visual/projects/history_flow/capitalism1.htm)
  • 13. Eine neue Produktionslogik?
    (alsProduzent)
    Produtzer
    (alsNutzer)
    (engl. produsage)
    Inhalt
    Inhalt
  • 14. Produtzung
    In vielen Bereichen sichtbar:
    Open-source-Softwareentwicklung
    Bürgerjournalismus
    Politische Blogs
    Open news – z.B. Slashdot, Indymedia, OhmyNews
    Wissensmanagement
    Wikis – z.B. Wikipedia
    Social bookmarking – z.B. del.icio.us, digg
    Geotagging – z.B. Google Earth, Frappr
    Multi-User-Computerspiele
    z.B. The Sims, Everquest, Second Life, Spore
    Inhaltsverbreitung und kreative Zusammenarbeit
    z.B. Flickr, ccMixter, YouTube, Jumpcut, Current.tv
    Produktrezensionen
    z.B. Epinions, IgoUgo
    Automatische Aggregation
    Google, Amazon, last.fm
  • 15. Allgemeine Merkmale
    Allgemein beobachtbare Produtzungsprinzipien:
    Offene Teilnehmerschaft, gemeinsame Bewertung – falls ausreichend groß und divers, kann die Gemeinschaft insgesamt mehr beitragen als ein geschlossenes Team von Produzenten, unabhängig von deren Qualifikationen
    Fließende Heterarchie, Ad-Hoc-Kontrolle – Produtzer beteiligen such, wo individuelle Fähigkeit, Interesse, und Wissen das sinnvoll machen; dies ändert sich über die Laufzeit des Produtzungsprojekts
    Unfertige Artefakte, fortlaufender Prozeß – Inhalte in Produtzungsprozessen werden fortlaufend weiterentwickelt, und sind daher immer unfertig; ihre Entwicklung folgt evolutionären, iterativen, palimpsestischen Pfaden
    Gemeinsamer Besitz, persönlicher Ruhm – Teilnehmer erlauben (zumindest nichtkommerzielle) Benutzung und Weiterbearbeitung ihres geistigen Eigentums, und werden durch das Statuskapital entlohnt, das ihre Teilnahme generiert
  • 16. Produtzung
    Jenseits von Produktion:
    ‘anyone can edit’ – Nutzer werden Produtzer von Inhalten
    Inhalte sind nicht länger klar abgegrenzte Produkte – sie sind kurzzeitige Artefakte eines fortlaufenden Prozesses
    Nutzung und Produktion sind zunehmend, unauflösbar verwoben
    klare Abgrenzungen zwischen Produzenten, Vertreibern, und Konsumenten sind nicht länger zutreffend
    eine neue “Generation C” von Inhalts-Produtzern?
    dies ist Produtzung
  • 17.
  • 18. Produtzung in Echtzeit
    Ad HocFormation von Onlinecommunities:
    Nutzung verfügbarer Tools und Plattformen
    Angetrieben von aktuellen Themen und Problemen
    Quasijournalistische Recherche und Kommentierung
    Nutzergesteuerter Datenjournalismus
    Andere Beispiele:
    The Guardian – MPs’ Expenses
    Ushahidi Maps – Plattform zum Crowdsourcing von aktuellen Kriseninformationen
    Twitter als ‚Ambientjournalismus‘ (Alfred Hermida)
  • 19. Twitterund das Erdbeben in Christchurch: #eqnz
    22.2.23.24.25.26.27.28.1.3.2.3.4.5.6.7.
  • 20. (NZ Herald)
  • 21. (NZ Herald)
  • 22. (NZ Herald)
  • 23. #eqnz: @replies
    Mainstream-medien
    Behörden
    Netzwerk-betreiber
  • 24. #eqnz: @replies
    @reply-AktivitätwährendderDesasterphasen:
  • 25. #eqnz: Themen
  • 26. #eqnz: Themen
  • 27. #eqnz: Themen
  • 28. Twitterund das Erdbeben
    ImmerbessereEinbindung von sozialenMedien:
    NutzungimErdbebenimFebruar2011 besser alsimErdbebenim September 2010:
    #eqnzund wichtigeTwitter-Accounts bereitsbekannt
    Wichtige Accounts arbeitenzusammen und teilenRollen
    Nutzer (Behörden und Zivilisten) habenmehrErfahrung
    DeutlichanderePrioritäten in verschiedenenDesasterphasen:
    MeistbeachteteTwitter-Accounts andersverteilt
    Journalismus spielt weiterhin eine wichtige Rolle (besonders am Anfang)
    Beidseitige Kommunikation statt einseitiger Informationsverbreitung
  • 29. Herausforderungen für den Journalismus
    Ende des Informationsmonopols
    Gatekeeping nicht mehr möglich
    Gatewatching schafft neue Konkurrenten
    Überheblichkeit ist nicht angebracht
    Aktive, produktive Nutzer
    Unterschiede zwischen Amateuren und Profis nicht mehr klar
    Auch Journalisten sind großenteils Amateure, was Themen angeht
    Kollaborative Produtzung ermöglicht professionelle Qualität
    Ambientes Informationsumfeld
    Schwindende Produkttreue in komplexen Mediensystemen
    Informationsabo Informationssuche ‘Informationenfindenmich’
    Abonnementsangebote (z.B. iPad-Apps) nur im Sonderfall erfolgreich
  • 30. Image by Yea I Knit
  • 31.
  • 32.
  • 33. Produtzung und Medienindustrien
    ZusammenarbeitmitProdutzungsgemeinschaften:
    GrößtmöglicheOffenheit.
    OffenfürNutzer (Zugang) und zuNutzern (Transparenz).
    AnkurbelnderGemeinschaftdurchInhalte und Hilfsmittel.
    ErwünschtesVerhaltenvorleben, produktiveTeilnahmeunterstützen.
    UnterstützungderGruppendynamik und Abtretung von Verantwortung.
    FührendeNutzeransprechen, sobaldsie in Erscheinungtreten.
    KeineAusbeutungderGemeinschaft und ihrerArbeit.
    Profit istschön, aber die Nutzergehörensichselbst.
  • 34. Image by Maproom Systems
  • 35. Virales Marketing
    Axel Bruns
    Associate Professor
    ARC Centre of Excellence for Creative Industries and Innovation
    Queensland University of Technology
    Brisbane, Australien
    a.bruns@qut.edu.au
    @snurb_dot_info
    http://snurb.info/
    http://produsage.org/
    http://mappingonlinepublics.net/
    Blogs, Wikipedia, Second Life, and Beyond:From Production to Produsage (Peter Lang, 2008)
    Uses of Blogs, eds. Axel Bruns and Joanne Jacobs (Peter Lang, 2006)
    Gatewatching: Collaborative Online News Production (Peter Lang, 2005)