Die gnosis licht + finsternis

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Die gnosis licht + finsternis

  1. 1. D I E G N O S I S L I C H T + F I N S T E R N I S Eine hervorragende Zusammenfassung des UFO-Phänomens: UFOs, ALIENS AND THE QUESTION OF CONTACT Laura Knight-Jadczyk über unser multidimensionales Gefängnis: CASSIOPAEA: DIE WELLE Dieter Broers über unsere Versklavung durch höhere Dimensionen: DER VERRATENE HIMMEL: RÜCKKEHR NACH EDEN Gnostische Hintergründe zum aktuellen Geschehen: ERLEUCHTUNGSPSYCHOLOGIE
  2. 2. GNOSISQ U E L L E Die umfassendste und bis heute in ihrer Entstehung noch völlig ungeklärte Sicht von Welt und Mensch entwickelte sich an der Nahtstelle von magischem und schamanistischem Weltverständnis und dem Aufbruch der christlichen Heilslehre - die Gnosis. Mit "Gnosis" (griech. gnosis = Wissen) bezeichnet man ganz allgemein ein Wissen um göttliche Geheimnisse, das einer Elite vorbehalten ist. Dieses Wissen wird durch ein Erkennen erfasst, das im schauenden Einswerden mit dem Gegenstand der Erkenntnis besteht. 1. Welt- und Menschenbild Gegenstand der Erkenntnis sind die von Gott ausgehenden Zwecke und Gesetze der Welt und des menschlichen Lebens. Gott selbst ist unerkennbar. Er ist transzendent und daher antikosmisch. Er wird von Wesen (Äonen) umgeben, die aus ihm hervorgehen und mit ihm das Pleroma (die Fülle) bilden. Eine Gestalt am Rande des Pleroma, meist die Sophia (Weisheit), fällt einer Krise anheim, da sie es nicht schafft, Gott zu erkennen oder seine Schaffenskraft nachzuahmen. (Abb. 7) Als Folge dieses Scheiterns entstehen der Weltschöpfer (Demiurg) und seine Helfer (Archonten), Materie, Kosmos und Protoplast (Lebenssubstanz), in den ein pleromatischer Funke gelangt. So besitzt der Mensch - als Protoplast mit pleromatischem Funken - einen Wesenskern, ein Selbst, das nicht dem Tod verfallen ist. Dieses Selbst, ein Organ des Erkennens, befindet 1
  3. 3. sich infolge der anfänglichen göttlichen Katastrophe im Zustand der "Selbstvergessenheit", da Zwänge wie astrologische Gesetze und Sexualität den Weltmächten ihre Herrschaft erhalten. Das Selbst kann daher nur durch einen überweltlichen Eingriff in Form einer Selbstgewisswerdung freigesetzt werden. Dies kann auf zweierlei Weise erfolgen: Entweder ersucht der Mensch kraft seines Selbst sein jenseitiges Selbst um Befreiung, oder das jenseitige Selbst erleuchtet das durch die Körperlichkeit im Menschen eingesperrte Selbst und ermöglicht ihm dadurch die Erkenntnis, die Gnosis, und somit die Befreiung. Die gnostische Erlösung ereignet sich daher, wenn eine Geistkraft als Selbst des Pleroma das menschliche Selbst an sich selbst erinnert.1 Tappt man auch trotz vieler Quellen sowohl über die soziale Zugehörigkeit als auch über die religiöse Herkunft der Gnostiker immer noch völlig im Dunkeln, so verbindet doch alle gnostischen Gruppen folgendes Welt- und Menschenbild (Abb. 8): - die Grundvorstellung vom Dualismus einer dämonisch-bösen Welt und eines fernen, unbekannten transzendenten Gottes - die Grundvorstellung der Gefangenschaft und des Ausgeliefertseins des pneumatischen Seelenkerns an die Mächte dieser Welt - die Grundvorstellung vom Empfang der Gnosis und dem eschatologisehen Aufstieg des" Selbst" zum göttlichen Ursprung. 2. Erlösung Damit wird auch der Satz verständlich: "Gnosis ist die Erlösung des inwendigen Menschen."2 So lautet ein gnostischer Aspekt: "Unterlasse es, nach Gott und nach der Schöpfung und dergleichen (also: nach etwas außer dir) zu suchen. Suche dich selbst von dir aus ... du wirst dich selbst in dir finden ... und du wirst von dir selbst den Ausweg finden."3 Gnosis ist also Erlösung. Erlösung ist Herstellung des ursprünglich glücklichen Zustandes des Menschen und des Kosmos, wie dies besonders in den beiden für die Gnosis repräsentativen Systemen des Valentinianismus (2. Jahrhundert) und Manichäismus (3. Jahrhundert) zum Ausdruck kommt. So sind nach dem valentinianischen "Evangelium der Wahrheit" Schicksal und Chance des Einzelmenschen mit dem Schicksal des Kosmos verbunden: "Da der Mangel entstanden ist, weil sie (= die Licht-Ichs der Gnostiker zusammen mit allen Äonen) den Vater nicht kannten, wird dann, wenn sie den Vater erkennen, der Mangel von diesem 1 G. RUDOLPH (Hg.): Gnosis und Gnostizismus (1975); H. LEISEGANG: Die Gnosis (1985); N. BROX: Erleuchtung und Wiedergeburt (1989) 2 IRENÄUS: Gegen die Häresien I 21, 4 3 Philippus-Evangelium (Nag Hammadi-Codex II / 3), 73, 2-8; Logion 90a 2
  4. 4. Augenblick an nicht mehr bestehen. So löst sich durch die Erkenntnis eines Menschen, dann wenn er erkennt, seine Unwissenheit von selbst auf. Wie die Finsternis sich auflöst, wenn das Licht erscheint, so löst sich auch der Mangel in der Vollendung auf ... Aus der Einheit wird jeder einzelne sich empfangen. In Erkenntnis wird er sich reinigen aus einer Vielzahl von Arten hinein in eine Einheit, während er die Materie in sich verschlingt wie Feuer und die Finsternis durch Licht, den Tod durch Leben."4 Um dies zu erreichen, muss der Mensch allerdings die erlösende Gnosis leben. "Denn jeder wird durch seine Handlung (Praxis) und seine Erkenntnis (Gnosis) seine Natur (Physis) offenbaren."5 Bekanntlich hat die Gnosis auch auf das Christentum einen nicht geringen Einfluss ausgeübt und umgekehrt. So wurde Christus in die gnostische Gestalt vom erlösten Erlöser übergeführt, wobei man in einer Deutung sogar eine Teilung seiner Gestalt in zwei Gestalten vornimmt, nämlich den irdischen Jesus und den himmlischen Christus. Das heißt, Jesus ist die vorübergehende Erscheinung in Menschengestalt des himmlischen Christus. 3. Traditionen und Merkmale Fasst man nun die Grundeinstellungen der Gnosis zusammen, so können diese folgendermaßen formuliert werden: a) Traditionen Was das Entstehen der gnostischen antikosmischen Daseinshaltung betrifft, so kann diese weder auf einen heidnischen vorchristlichen Synkretismus noch auf einen vorchristlichen Urmensch-Erlösermythos zurückgeführt werden. Folgende Traditionen sind vielmehr von Bedeutung: - Selbstspekulation mit Hilfe einer spiritualisierten Makrokosmos-Mikrokosmos-Idee. So ist z. B. für PHILO von Alexandrien der Kosmos ein großer Mensch, wie der Mensch ein kleiner Kosmos ist.6 Gleichzeitig hängen das Wesen des Kosmos (der Logos), der Kosmos, das Selbst des Menschen (Nous) und der Mensch zusammen oder sind identisch. - Die frühjüdische Lehre über die Weisheit neben Gott (als Schöpfungsvermittlerin), die zugleich bei den Menschen sein will.7 - Die platonische Nous (Verstand)-Lehre (iranisch: Vohu mana). - Die alttestamentliche Schöpfungslehre und eine Fülle von Einzeltraditionen. - Die ägyptischen, vielleicht auch orphischen Schöpfungserzählungen; griechisch-ägyptische Vorgaben von Dämonologie und Engellehre, Astrologie, Magie und Mantik sowie Mysterientraditionen von Attis und Eleusis. - Die Neutestamentliche Heilslehre u. a. m. 4 Evangelium der Wahrheit (Nag Hammadi-Codex 1 / 3),24,28-25,19 5 Schlußsatz der Schrift vom Ursprung der Welt (Nag Hammadi-Codex 11 / 5), 127,16 f. 6 PHILON: De opificio mundi; ders.: De aeternitate mundi 7 Buch der Sprüche und Buch der Weisheit des Alten Testaments 3
  5. 5. b) Merkmale Als besondere Merkmale können also genannt werden: -Eine völlige Trennung zwischen Urgott, Zwischenwesen(=Demiurg) und materieller Welt. -Die Schöpfung der Körperwelt dient nicht der Verherrlichung Gottes und stammt auch nicht vom Urgott, sondern von einem Zwischenwesen (=Demiurg). Die gegenwärtige Welt ist aus einem Sündenfall entstanden -Das Selbst lebt im Sinne eines radikalen Dualismus als Gefangener in der als prinzipiell böse geltenden Materie. -Die menschliche Seele hat als Geistwesen und Teil der göttlichen Substanz bereits existiert, ehe sie: 1. Ihre wahre Natur vergessend, in den Körper einging mit dem Auftrag, die Körperwelt als Illusion zu erkennen und zugunsten ihrer geistigen Urheimat aufzugeben ... bzw: 2. Durch Versuchung im Körper gefangen und durch astrologische und karmische Gesetze an die Materie gekettet wurde. -Der Christos/Logos, ein Geistwesen, ruft den vom göttlichen Pneuma durchdrungenen Menschen auf, die Welt zu überwinden und zu Gott zurückzukehren. -Die Annahme verschiedener Menschentypen: Pneumatiker: Die mit Gottes Geist erfüllten; also Geistgetaufte, Engel Psychiker: Die mit dem seelischen Potential einer Rückkehr zu Gott Hyliker: Seelenlose ohne Rückkehrmöglichkeit (Vgl. Mouravieff u. Organic Portal) - Die Annahme der Erlösung durch Erkenntnis. So lautet ein Text der Valentinianer: "Vollkommene Erlösung ist die Erkenntnis der unsagbaren Größe als solche (ipsa agnitio): Denn durch Unwissenheit entstand Mangel und Leidenschaft. Durch Erkenntnis (Gnosis) wird der gesamte Zustand der Unwissenheit aufgelöst. So ist die Erkenntnis (Gnosis) die Erlösung des inneren Menschen ... Pneumatisch muß die Erlösung sein. Erlöst wird nämlich durch die Gnosis der innere pneumatische Mensch. Darum genügt uns die Erkenntnis (Gnosis) von allem (des Alls, der Totalität). Und das ist die wahre Erlösung." 8 In diesem Zusammenhang muss noch auf den christlichen Theologen ORIGENES von Alexandrien verwiesen werden, der bei der damaligen Verschränkung der verschiedenen geistigen Bewegungen, nämlich Christentum, Platonismus und Gnosis, vom präexistenten Sündenfall der vor dieser Welt geschaffenen Geistwesen berichtet, dessen Folge die mindereren Existenzwesen in dieser "zweiten" Schöpfung sind, die dazu geschaffen wurde, sie zur Bestrafung und Läuterung aufzufangen. 9 ORIGENES diente der Präexistenzgedanke zur Klärung der krassen Ungleichheiten zwischen den Menschen. Gott hat nämlich die Geistwesen alle 8 IRENÄUS: Gegen die Häresien 121,4 9 ORIGENES: Prinzipien 1: Vorwort 3; 17,4; 119,6 4
  6. 6. gleich geschaffen. Die Ungleichheiten gehen daher auf den Gebrauch der Willensfreiheit, nicht aber auf Gott zurück. Für die Idee der Seelenwanderung hat ORIGENES dagegen keine Möglichkeit gesehen, wenngleich das heute immer wieder gesagt wird. - Die Annahme, dass der Weg zum unbekannten Gott entsprechend dem mehrschichtigen Weltbild mit griechischen und orientalischen Einflüssen, besonders auch der babylonisch- chaldäischen Sternkunde, durch die verschiedenen Sternbereiche führe, mit den ihnen zugeordneten Archonten. So haben manche gnostische Systeme ihren Anhängern einen gefahrlosen Durchgang durch die gefährlichen Zonen mittels Aussprechen bestimmter Passworte versprochen, wie sie auch in den sog. orphischen Unterweltstafeln enthalten sind. 10 4. Auswirkungen Die angeführten Gedanken der Gnosis haben bis heute ihre Faszination behalten, vor allem der Dualismus und der Monismus. Der Monismus erfreut sich im New Age einer großen Beliebtheit: „Alles ist Eins!“ Falsch, denn alles ist zwar miteinander verbunden. Die physische Natur ist aber das Werk eines gefallenen Demiurgen. Das „Bestellen beim Universum“, das Visualisieren und Manifestieren macht nur zu einem besseren Hamster im materiellen Laufrad. Echte Eingeweihte verwenden all ihre Energie, um aus der Matrix auszubrechen. „Alles ist Eins“ führt zu einer spirituellen Beliebigkeit, nicht zu einer Entscheidung: Breiter Weg/Schmaler Weg oder Devolution/Evolution. Der wahre Dualismus führt zur Entscheidung für die Rückkehr zum göttlichen Ursprung in der höheren Lichtwelt. Der Monismus, die Betonung des All-Einen, wird zur quasi-göttliche Energie der Selbstorganisation und Selbsttranszendenz. „Licht und Liebe“ Falsch, denn in der Polarität bewirkt das Fokussieren auf Licht mehr Schatten. Visualisieren von Licht verdrängt nur den Schatten ins Unterbewußtsein, Integraion findet nicht statt! QUELLE: http://blog.erleuchtungspsychologie.de 10 H. LEISEGANG: Gnosis (1985), S. 1-59 5
  7. 7. Was bedeutet also Gnosis? QUELLE Gnosis bedeutet Erkenntnis und der Gnostiker ist der Erkennende. Die Gnosis ist nicht einfach ein geistiger Strom im Schoss des Christentums, wie man es häufig lesen kann. Sie ist eine Bewegung von ursprünglichen Gedanken. Sie folgt einer der ältesten Bestrebungen der Menschheit. Ihre Wurzle mit der Sofialegende soll aus nördlichen Quellen in die jüdische Geheimlehre gelangt sein und hier verändert worden. So sehen die Juden in der Schlange etwas Böses. Für die nördlichen Menschen dagegen ist die Schlange das Symbol der Weisheit und man spricht in Indien noch heute von „Schlangen der Weisheit“, wenn man heilige oder weise Menschen meint. Erscheinung der Gnosistiker Die Gnosis ist viel verfolgt worden und mancher Wundert sich über ihr regelmäßiges Wiedererscheinen in Krisenzeiten. Das ist aber der typische Sofia Impuls, der nach Katharsis-gnostischer Anschauung der Gnosis zu immer neuen Wiedergeburten verhilft. Die Gnosis ist für den Adepten der Weisheit, d.h. Für den wissenden Esoteriker, die Quelle der guten Religion und ihr Untergrund. Die Gnosis zeigt sich lange vor Christus, dann zu seinen Lebzeiten und danach. Sie führt zur geistigen Aufwärtsentwicklung der Menschen durch die „vollkommene Erkenntnis“. Wie gelangte die Gnosis zum heutigen Europäer? Sie ist mit der Religion der Brahmanen Indiens verwandt und mit Indien haben, wie man es bei Mani gesehen hat, immer Kontakte bestanden. Wer in den Staaten des Mittelmeerraumes nichts mehr lernen konnte, der reiste nach Indien, wo die alte Überlieferung noch lebendig geblieben war. In den anderen Ländern der Alten Welt wurde die Gnosis von der Römischen Kirche systematisch vernichtet. Die älteste Überlieferung des Gnostizismus Die älteste Überlieferung der Gnosis aber kommt von Atlantis. Dieser Erdteil befand sich nach Aussage von Plato jenseits der Säulen des Herkules, also im heutigen Atlantik bei Gibraltar. Dieser Kontinent ging nach und nach unter. Der letzte Rest verschwand vor langer Zeit und hat wahrscheinlich zum Sintflutbericht der Juden geführt. Nach Katharsis- gnostischer Anschauung förderte Jhvh die Vernichtung von Atlantis, weil sie dort 6
  8. 8. wohnenden Menschen auf dem Erkenntnisweg sehr weit fortgeschritten waren und direkt vor ihrer endgültigen Befreiung standen. In der bekannteren Esoterik und Theosophie dagegen wird berichtet, dass es hier zu harten magischen Kämpfen zwischen den weißen und schwarzen Magiern gekommen sei, in deren Folge der Kontinent untergegangen sei. Die Gnosis hat in Griechenland ihre beste geistige Entwicklungsmöglichkeit gefunden. Das Wort „Gnosis“ ist ein griechisches Wort, das mit „Erkenntnis“ übersetzt wird. Griechenland suchte wie der Orient die Erkenntnis, während das spätere Christentum Roms die Gnosis ganz ablehnte und an ihre Stelle einfach den blinden Glauben setzte. Pythagoras und die Gnosis Der erste und bekannteste Gnostiker war Pythagoras. Er war nicht nur Mathematiker und Physiker, sondern ein echter Philosoph. Seine Lehre enthält versteckte ägyptische Elemente. Pythagoras hatte alles in Griechenland zu Erkennende bereits erreicht. Daher reiste er nach Ägypten und wurde hier in die höchsten Mysterien eingeweiht. Im Persischen-ägyptischen Krieg wurde Pythagoras gefangen genommen. Als Gefangener gelangte er nach Babylon. Hier studierte er in der Heimat der babylonischen Astarte oder Liebesgöttin alle damaligen asiatischen Religion und erkannte ihre gemeinsame Abstammung von einer Ur-Religion oder Ur-Erkenntnis. Nach seiner Rückkehr nach Griechenland weihte er die griechischen Priester in die ägyptischen Mysterien ein und erhob den Pythonissentempel von Delphi zum gnostischen Zentrum Griechenlands. Hier wurde die Lehre der Weisheit unter ihren göttlichen Aspekte von Isis-Astarte-Aphrodite an die Adepten weiter gegeben. Als Pythagoras kurze Zeit nach der Gründung dieses Heiligtums mit 30 Schülern den Tod fand, war seine Lehre durch diese weisen Pythonissinnen für alle Zeit gesichert. Die pythagoräische Schule bestand noch 2 Jahrhunderte lang nach dem Tod ihres Gründers. Seine zahlreichen Schriften befanden sich in der Bibliothek des Seraphäums in Alexandrien. Hier wurden sie im 4. Jahrhundert von den römischen Christen unter Kaiser Theodor vernichtet, weil sie sich nicht im Einklang mit der katholischen Lehre befänden. Plato Der Athener Plato ergriff nach Pythagoras die Fackel der Erkenntnis. Durch einen Schüler des Pythagoras namens Argytas erhielt er eine Originalhandschrift des Meisters. Hieraus machte Plato den „Timäus“, der eine Zusammenfassung der pythagoräischen Philosophie darstellt. Aufgrund dieser Erkenntnisse gründete Plato die Akademie von Athen. Das Wissen des Plato ging später in die Schule von Alexandrien über, deren 7
  9. 9. Hauptvertreter Plotin gewesen ist. Ihm folgte im 4. Jahrhundert sein Schüler Jamblicus. Dieser versuchte, die Gnosis des alten Ägypten wieder zu beleben. Dabei scheiterte er allerdings, weil das römische Christentum inzwischen schon zu stark geworden war. Die Kirche und die Verfolgung der Gnostiker Damals erstickte Rom alle Erkenntnis. Rom stellte den blinden Glauben über das Wissen. Die Gnostiker, die überleben wollten, flüchteten in die römische Kirche. Sie wurden also Christen. Allerdings brachten sie ihre gnostische Weltanschauung mit. Diese sickerte unmerklich in die christliche Lehre ein und ist teilweise auch heute noch darin enthalten. Man denke an das „kyrie eleison“ (= Herr, erbarme Dich) in katholischen Messritualen! Kein Katholik kann eine vernünftige Erklärung für das Vorhandensein oder die Bedeutung dieser griechischen Worte geben. Die Gnosis begann nun, den blinden Glauben zu verdrängen. Entsetzt stellte Rom das fest und begann nun den Kampf gegen die Gnosis in ihren eigenen Reihen. Es gab also eine syrische Gnosis, die durch Simon Magus, Saturnin und die Ophiten vertreten wurde. Außerdem gab die alexandrinische Gnosis, in der man Basilides, Valentin mit seinen Schülern, Karpokrates u.a. findet. Sie alle brachten ihre gnostische Lehren in das junge Christentum ein und befruchteten es mit echter Erkenntnis. Bald jedoch galt ihre Weltanschauung in Rom als „ketzerisch“ oder „häretisch“. Z.B. behaupteten sie, dass Christus zwar eine göttliche Wesenheit gewesen sei, dass er aber keinen materiellen Körper, sondern nur einen Scheinleib besessen habe. Diese Lehre wurde von Rom verdammt. In der syrischen Gnosis findet man im 2. Jahrhundert hebräische und vorderasiatische Einflüsse, die das Licht der Gnosis verdunkeln. Die alexandrinische Gnosis ist dagegen eine reine Lichtreligion, die von Griechenland und Ägypten beeinflusst wird. Diese beiden Gnosis formen verwerfen das Alte Testament, die Gesetze des Moses und seinen skrupellosen Dekalog. Denn dieser Moses verlangt die sklavische Unterwerfung an der Stelle von Erkenntnis. Die christliche Gnosis Die christliche Gnosis schließt sich direkt an die vorchristlich Mystik an. Beide haben gemeinsame Symbole. Die wichtigsten sind die Schale und das Buch, die die Offenbarung überliefern. Man findet hier den „Kult der Großen Mutter“ oder „des weiblichen Prinzips“. Das „Evangelium der Eva“ und besonders die „Pistis Sofia“ sind 8
  10. 10. hebräisch vollständig erhalten geblieben. Sie stellt eine Art von Volkswissen dar, das sich von der Gnosis der Eingeweihten deutlich unterscheidet. In der Pistis findet man zum ersten Mal jene irdisch-satanischen Dämonen, die später den Kern der jüdischen Kabbalah bilden werden. Die Haltung zur körperlichen Liebe ist gnostisch. Marcion empfiehlt nur eine solche geschlechtliche Vereinigung, die nicht zur Zeugung führt. Denn das sich Fortpflanzen würde bedeuten, dass göttliche Seelen in materielle Körper eingeschlossen werden. Dieser Gnostiker erlaubt durchaus die Ehe, aber nur eine solche Ehe, die nicht von der Materie beherrscht wird. Diesen gnostischen Schrecken vor der Fortpflanzung findet man später bei den Minnesängern des 13. Jahrhunderts wieder. Ihr Ziel war der Liebesdienst oder die Höfische Liebe. Diese sollte ausschließlich der Aufwärtsentwicklung des Menschen, nicht aber der Zeugung dienen. Luziferische Gnosis Dann gibt es eine „luziferische“ (= lichtbringende) Gnosis und die Gnosis der Ophiten (= Schlangenverehrer). Sie besitzen die urweltliche Erkenntnis der Sofia. Bei ihnen wird die Schlange der Bibel als Botschafterin der Guten Gottheit, ja sogar als die Gottheit selbst bzw. ihr Wort angesehen. Nachdem der irdische „Schöpfer“ Eva und Adam an diese Welt gefesselt hatte, brachte ihnen Luzifer (oder Sofia, die Schlange) das Wissen von Gut und Böse, d.h. die göttlich machende Gnosis durch die wollüstige Liebe. Luzifer ist bei diesen Gnostikern also nicht der böse Satan wie bei den übrigen Christen, sondern die Lichtbringerin Sofia, die Tochter der Guten Gottheit. Die Gnostische Religionen QUELLE Die Gnostische Lehre befasst sich mit der absoluten Zweiheit der gesamten Schöpfung. In ihr stehen sich seit Ewigkeit die gute und die böse Welt gegenüber. Es gibt aber auch die Lehre der gemilderten Zweiheit. Bei ihr ist die Welt des Bösen nicht ewig. Sondern sie kehrt am Ende der Zeiten bekehrt zur Gottheit zurück. Die gemilderte Zweiheit Die erste Religion der gemilderten Zweiheit ist die Religion des Zarathustra. Viele sehen in Zarathustra einen Vorläufer des Christus, der in Persien, dem heutigen Iran, lebte. Nach der Lehre des Zarathustras bekämpfen sich seit Ewigkeiten zwei Prinzipien. Ahura- Mazda, das erste Prinzip ist das des Lebens und der Fruchtbarkeit und das des Todes und der Zerstörung. 9
  11. 11. Das zweite Prinzip heißt Ahriman. Er ist der Zerstörer und das Böse. Sein Symbol ist die Finsternis und die Macht. Er ist ein Lügner und verführt die Menschen zum Bösen. Nach der iranischen Lehre hat Ahura-Mazda, Himmel und Erde vollkommen erschaffen. Es ist ihm aber nicht ganz gelungen. Denn Ahriman hätte ihn bei der Arbeit gestört. Der Mensch steht hier zwischen Gut und Böse. Die verstorbenen menschlichen Geister, die für das Gute eingetreten sind, kommen in den Garodema, in das Haus der Lieder, in dem Ahura- Mazda wohnt. Die bösen Menschen aber bleiben auf der Erste, dem Haus der Lüge und werden hier wiedergeboren, solange, bis sie sich zum Guten bekehrt haben. Der Kampf zwischen Ahura-Mazda und Ahriman, zwischen Gut und Böse, dauert 12.000 Jahre. Dann kommt der Retter Sayosat. Er wird den Menschen den Heimweg zu Ahura-Mazda zeigen. Alle Menschen kehren dann heim und auch der bisher böse Ahriman bekehrt sich jetzt zur Guten Gottheit. Diese Religion ist einfach und klar. Was man jedoch heute im „Zendavest“, der heiligen Schrift des Iran, findet, zeigt nur noch ein entstelltes Abbild der alten Lehre. So wird darin den Menschen befohlen, dass sie alle schädliche Tiere und Pflanzen, besonders aber die „Schlangen als Feinde Gottes“ vernichten sollten. Hier findet man den Einfluss der jüdisch-christlichen Bibel, die rein Jhvh-istisch ausgerichtet natürlich Sofia oder die Schlange der Erkenntnis verabscheute. In Ahura-Mazda findet man die Gottheit der Gnostiker und in Ahriman den satanischen Archon dieser materiellen Welt. Garodema oder das Haus der Lieder ist die Himmelswelt der Gottheit, die Erde oder das Haus der Lügen ist der Planet Erde bzw. das gesamte materielle Weltall. Die absolute Zweiheit Die im Sinne der absoluten Zweiheit denkenden Gnostiker halten es allerdings für ganz unmöglich, dass sich das seit Ewigkeit existierende böse Prinzip zur Guten Gottheit bekehren könnte. Sie glauben, dass sich Gut und Böse wie Antimaterie und Materie zueinander verhalten und sich bei Berührung gegenseitig zerstören würden. Interessant ist, dass Zarathustra den Menschen das Kommen des Christus voraus gesagt hat. Er nennt ihn den Retter Sayosat. Als Befreiungszeit wird die biblische Zeit von 12.000 Jahren genannt. Natürlich muss man eine solche Zeitangabe nicht wörtlich nehmen. Man kennt ja aus der hinduistischen Esoterik die Zeitdauer der Tage und Nächte und auch der Jahre Brahmas (12.000 Götterjahre sind 4.320.000 Menschenjahre ). Auf jeden Fall werden nach der iranischen Lehre am Ende alle Menschen befreit. MANISCHÄISMUS Die zweite, ganz speziell zweiheitliche Bewegung ist die des Persers Mani oder Manes im 3. Jahrhundert nach Christus. Mani wurde im Jahre 216 geboren und war Babylonier von Geburt. Mit weißer Haut und blonden Haaren. Zuerst gehörte er zur Religionsgemeinschaft der Mandäer, einer 10
  12. 12. puritanischen (reinheitsfanatischen) Sekte, zu der auch schon sein Vater gehört hatte. Hier erlernte er die Meditation (= Erkenne der Wahrheit durch Versenkung in sich selbst) und hier erkannte er auch seine religiöse Berufung. Mit 24 Jahren hatte Mani seine große Erleuchtung. Er verließ nun seine bisherige Weltanschauung. Er sah sich von nun an als Erben von Buddha. Zarathustra und Christus an. Er reiste nach Indien und erlangte hier die Weisheit der Brahmanen. Im Besitz der Vollkommenheit kehrte in seine Heimat zurück und predigte hier seine neue Lehre. Mani hat mehrere Bücher geschrieben. Aber die ihm feindliche römisch-christliche Kirche vernichtete alle seine Werke. Was er geschrieben hat, kennt man nur aus den Streitschriften seiner römisch-katholischen Gegner. Als Religion hat der Manischäismus absolut nichts mit der Religion der römischen Kirche zu tun. Wie die Katharer lehrte Mani die beiden Prinzipien: das Gute und das Böse. Mani trat für die Zweiheit ein. „Seit Uranfang oder seit aller Ewigkeit bekämpfen sich beide Prinzipien, bis am Ende das Gute über das Böse siegen wird. Mani erkannte Christus als das „Licht der Welt“ an. Für ihn gab es nur einen geistigen Christus keinen körperlichen und schon gar keinen Gekreuzigten. Die jüdischen Propheten lehnte er wegen ihrer Irrtümer ab. Er fand im Dekalog (=10 Gebote) nicht den Kult der lichten Gottheit, sondern den einer dämonischen Vielgötterei. Aber, wie gesagt, kennt man Manis Weltanschauung nur von seinen schärfsten Gegnern. Auf jeden Fall war der Manischäismus eine gnostische Religion. Mani hatte sich mit zwei anderen Gnostikern verbunden: mit Marcion und mit Bardesanes, deren Weltanschauung ebenfalls zweiheitlich ist. Der Manischäismus war zugleich eine Gotteslehre ( Theogonie) wie auch eine Weltentstehungslehre (= Kosmogonie). Er enthielt eine weltumfassende Wissenschaft von den göttlichen und den teuflischen Dingen. Alles Wissenswerte der beiden Welten wurde geschildert. In die Welt geworfen Der Manischäer betrachtete sich „als in die Welt geworfen“. Er ist ein Fremder auf dieser Welt. Denn er gehört zu den höheren, kosmischen Wesen. Er lebt in dieser Welt im Exil. Er fühlt in sich ein tiefes Heimweh nach seiner Urheimat, von der er entführt worden ist: „Du kommst nicht von hier, deine Wurzel ist nicht von hier, dein Ort ist der des Lebens.“ Man hat hier eine Vorwegnahme, vielleicht sogar einen der Ursprünge des Katharertums. Die neue Religion genoss von Anfang an den Schutz des persischen Königs Schapur I und konnte sich ohne Schwierigkeiten auf Perien und über seine Grenzen hinaus bis nach Klein-Asien und Afrika verbreiten. Nach dem Tode von Schapur I aber wurden die Manischäer verfolgt. Die Macht war auf eine andere Herrscherfamilie übergegangen, in die Hände des sassanistischen Dynastie. Der neue Monarch Bahram I hasste Mani und seine Lehre. Mani wurde gefangen genommen und gefoltert. Bei lebendigem Leibe wurde ihm die Haut abgezogen. Mani starb nach 25-tägiger Folter am 26.2.277. Der Manischäismus wurde in der Folge zu der am meisten verfolgten Religion der Weltgeschichte. Trotzdem breitete er sich immer weiter aus. Von Klein-Asien gelangte er nach Ägypten und verdrängte hier das römische Christentum. Im 4. Jahrhundert hatte er das ganze, damals bekannte Afrika erobert. Alle Länder am Mittelmeer wurde nach und nach manichäisch. Im 5. Jahrhundert beginnt der römische Stuhl in Rom deutlich zu 11
  13. 13. wackeln. Daher lässt die römische Kirche von nun an die Manischäer blutig verfolgen. Die Blutbäder dauern bis zum 6. Jahrhundert. Dann befinden sich die Manischäer im Untergrund. Denn wenn sie jetzt noch überleben wollten, durften sie sich nicht mehr als Manischäer zu erkennen geben. Das Manischäertum im Untergrund Aus dem Untergrund-Manischäertum entwickelt sich im 8. Jahrhundert die Religion der Paulizianer Armeniens. Es handelt sich um eine gnostisch-manischäische Kirche. Sie unterscheiden einen bösen Gott als Urheber der sinnlichen Schöpfung und des Judentums und einen guten und vollkommenen Gott. Im Gegensatz zur römischen Kirche verwerfen sie die Verehrung der Heiligen, der Bilder, das Mönchstum, die Hierarchie sowie alle sinnlichen Formen des Kultus. Ihren Bibelglauben stützen sie vorzugsweise auf die Paulinischen Briefe, wonach man die Paulizianer genannt hat. Sie selbst nannten sich Christen. Ihr Stifter Konstantin wirkte seit 660 in Kibossa in Armenien, bis er 684 auf Befehl des kaiserlichen Beamten Simeon gesteinigt wurde. Der gleiche Simeon bekehrte sich in der Folge zum Paulikianismus und trat selbst an die Spitze der Bewegung. Im Jahre 690 wurde er lebendig verbrannt. Die Verfolgungen dauerten jahrhundertelang. Im Jahr 970 wurden diese Christen vom Kaiser Tzimisces nach Trakien verbrannt. Hier mussten sie die Reichsgrenzen bewachen. Aus ihnen gingen zu Beginn des 10. Jahrhunderts die Bogumilen hervor. DIE PAULIKIANER 11 Die Sekte der Paulikianer wurde vielleicht zwischen 300 n. Chr und 500 n. Chr. von den Söhnen der Kallinike, Paulus und Johannes, in der Gegend von Samosata am Euphrat gegründet. Kallinike war möglicherweise Anhängerin des Manichäismus oder einer der in jener Gegend verbreiteten dualistisch-gnostischen Sekten (z. B. der Marcioniten, d.h. der Anhänger des „Erzketzers“ Marcion (ca. 95 n.Chr. bis 165). Die Witwe Kallinike war aktive Missionarin ihres Glaubens. Ihr Wirkungskreis lag in der Landschaft Phanaröä und besonders in dem Dorf Episparis. Die Paulikianer pflegten in Verhören sich von den Söhnen der Kallinike und von Mani zu distanzieren. Der Name Paulikianer könnte auch auf einen Armenier namens Paulus oder auf den Apostel Paulus zurückgehen. Der erste Paulikianer, von dem man sicher weiß, daß er ein Paulikianer war, ist Konstanin, der im siebten Jahrhundert n. Chr. in Armenien lebte. Seine Sekte wurde schon seit längerer Zeit auf Befehl der byzantinischen Kaiser, die in Armenien herrschten, verfolgt. Man bestrafte die Anhänger mit dem Tode. Zu einer Zeit, als die Moslems dabei waren, ihre Macht nach Armenien auszudehnen, missionierte Konstantin zwischen 653 und 684 n. Chr. erfolgreich im byzantinischen Teil Armeniens. Dann gab der byzantinische Kaiser Konstantin Pogonatus seinem Staatsbeamten Symeon den Auftrag, die neu entstandene 11 Ignaz Döllinger, Geschichte der gnostisch-manichäischen Sekten im frühen Mittelalter“, München 1890 http://www.koinae.de/paulikianer.htm 12
  14. 14. Sekte zu unterdrücken. Konstanins Anhänger wurden auf verschiedene orthodoxe Gemeinden verteilt, wo man, allerdings vergeblich, an ihrer Bekehrung arbeitete. Mehr noch: beeindruckt durch die Fähigkeit der Paulikianer, entwickelte ihr Verfolger Symeon Sympathie für ihre Lehre. Nach drei Jahren kehrte er aus Konstantinopel heimlich nach Cibossa zurück und sammelte die verstreuten Mitglieder der Sekte, stellte sich an ihre Spitze und nannte sich Titus. Im Jahr 690 wurden viele Paulikianer verbrannt. Aber es gelangt nicht, die Paulikianer auszurotten. Ein Teil konnte fliehen. Im Jahr 717 fand im armenischen Dovin eine Synode statt, in deren Schlußkanon es über die Paulikianer hieß: "Niemand soll an den Orten dieser höchst bösartigen Sekte schamloser Menschen angetroffen werden, die Paulikaner genannt werden, noch ihnen anhängen, noch zu ihnen sprechen, noch sie besuchen . . . Denn sie sind Söhne des Satans, Brennstoff für das ewige Feuer und der Liebe des Schöpfungswillsens entfremdet . . ." Der orthodoxe Bischof Armeniens, Johannes von Otzun, bezichtigte die Paulikaner "der Leugnung der Ikonen (auf denen Jesus, Maria und die Heiligen gezeigt und angebetet wurden), des Kreuzes, des Hasses auf Christus, des Atheismus und der Teufelsanbetung". Die "Leugnung der Ikonen" teilten die Paulikianer allerdings mit vielen byzantinschen Soldaten und den byzantinischen Soldatenkaisern der syrischen Dynastie, die im achten und neuten Jahrhundert in Byzanz herrschten und unter deren Herrschaft ein "Bildersturm" (Ikonoklasmus") stattfand. Ein Angriff auf die Ikonen bedeutete auch einen Angriff auf die orthodoxen Priester, der von den Offizieren, die mit den Priestern um die Macht konkurrierten, bewußt inzeniert worden war. Die Paulikaner waren den bilderstürmenden Kaisern verbunden und wurden von ihnen toleriert, vielleicht sogar gefördert. Dies hatte ein Ende, als die Kaiserin Theodora wieder zur Bilderverehrung zurückkehrte. Zu Beginn des neunten Jahrhunderts, schloß sich ein gewisser Sergius aus Ania den Paulikianern an. Er sollte zum Reformator und glücklichsten Verbreiter der Sekte werden. Er durchwanderte 34 Jahre lang auf den Spuren des Apostels Paulus Kleinasien. In einem Brief an eine seiner Gemeinden schrieb Sergius: " Von Osten bis nach Westen, von Norden bis nach Süden bin ich gelaufen, mit ermatteten Knien das Evangelium Christi verkündigend." Es gelang ihm, selbst viele Priester, Mönche und Nonnen zum Paulicanismus zu bekehren. Frauen folgten ihm nach, die ihre Ehemänner verließen und mit seinen Schülern verheiratet wurden. Viele, die sich ihm anschlossen, wurden von den Moslems gefangengenommen und versklavt; andere starben als Gefangene der Byzantiner in Gefängnissen. Sergius hielt sich für eine Inkarnation des heiligen Geistes. Er nannte sich "hell leuchtende Fackel, das glänzende Gestirn und der Führer zum Heil" und die "Lampe des Hauses Gottes". Er widersetzte sich nachdrücklich den Ausschweifungen und Lastern, welche um sich gegrifen hatten. Das führte zu einer Spaltung der Sekte in Baaniten und Sergioten. Solange Sergius lebte, kam es zwischen den verfeindeten Parteien noch zu keinen Gewaltakten, danach aber griffen die Anhänger des Sergius zu Schwert und erschlugen viele Baaniten. 13
  15. 15. Das äußere Umfeld dagegen war für die Paulikianer zu dieser Zeit günstig: Der Kaiser Nicephorus (803 - 811), in Pisidien geboren, stand ihnen und der verwandten Sekte der Athingianer nahe. Unter der Herrschaft des Nicephorus konnten sich die Paulikianer ungestört ausbreiten. Der Nachfolger ließ die Paulikianer wieder verfolgen und einige Todesurteile vollstrecken. Unter Kaiser Leo dem Armenier nahm der Verfolgungsdruck noch mehr zu; die armenischen Paulikianer flohen in den moslemischen Teil Armeniens. Hier machten die Paulikianer räuberische Einfalle in das byzantinische Gebiet. Das brachte die Paulikianer, die im byzantischen Reich geblieben waren, unter großen Druck. Die Kaiserin Theodoro stellte sie vor die Wahl: Bekehrung oder Tod. Damals sollen hunderttausend Personen durch verschiedenen Todesarten hingerichtet worden sein. Da stellte sich der hohe byzantinische Offizier Karbeas (er war erster Adjudant des Oberbefehlsahers des östlichen Heeres, und sein Vater war unter den Hingerichteten) an die Spitze von 5000 Glaubensgenossen im byzantinischen Reich und ging über die Grenze zu den Moslems. Die sahen in den erbitterten und rachdurstigen Sektierern willkommene Bundesgenossen gegen die Byzantiner. Die Moslems gewährten ihnen keineswegs unbedingte Religionsfreiheit; vielmehr mußten sie nach außen hin sich als Moslems geben. Der Offizier Karbeas tat, was sein Beruf war, er führte Krieg. Unter seinem Nachfolger Chrysochores wurde jedoch das Heer der Paulikianer im Jahr 872 von den Byzantinern überfallen und geschlagen. Die Macht der Paulikianer war damit beendet. Aber die Sekte bestand weiter. Schon Ende des achten, jedenfalls im neunten Jahrhundert hatten die Paulikianer in Bulgarien Mission betrieben. Um das Jahr 969 siedelte Kaiser Johannes Tzimisces eine große Anzahl von Paulikianern nach Philippopolis in Thracien um. Dort sollte sie die Grenzen des Reiches schützen. Hier scheinen sie sich im Laufe eines Jahrhunderts bedeutend vermehrt zu haben. Die Sekte blieb bis ins 13. Jahrhundert auf dem Balkan lebendig. Sie beeienflußten die Bogomilen. Im Jahr 1041 kamen Paulikianer nach Bari in Unteritalien. Zudem gelangten Missionare der armenischen Paulikianer bis nach Italien. Die Lehre der Paulikianer Die Paulikianer vertraten einen kompromisslosen Dualismus. Der gute Gott, der im Himmel lebt, ist nur Schöpfer und Herr einer höheren Welt, des himmlischen Jerusalem oder des künftigen Reiches und hat in der niederen irdischen Welt keine Macht. Die irdische Welt (Erde, Planeten, Sterne und Kosmos) hat der böse Gott hervorgebracht, er ist der "Gott dieser Welt", welcher sie als ihr Schöpfer auch beherrscht. Der böse Gott ist aus der "Hyle" entstanden, das ist der von Anbeginn an bestehende Urgrund alles Bösen, aus dem sich der böse Gott als selbstbewußte Persönlichkeit entwickelte. Die Hyle ist auch die "Urmaterie", aus der die materielle Welt von dem bösen Gott gestaltet wurde. Für die Gnostiker und Manichäer war die Materie das böse Prinzip, das dem geistigen Prinzip radikal entgegengesetzt ist. Auch der menschliche Leib ist für die Paulikianer ein Werk des bösen Gottes; die Seele des Menschen aber stammt von dem guten Gott und ist in menschlichen Körper gefangen (was dieser zuließ bzw. nicht verhindern konnte). Wenn die Seele Glück hat, wird sie aus dem Körper befreit; wenn sie aber Pech hat, wird sie wieder in einem neuen Körper (das kann auch ein Tier sein), wiedergeboren. Der Leib war 14
  16. 16. für die Paulikianer Sitz und Quelle des Bösen. Ein Hyliker war ein Menschentyp, der nur aus Hyle (Materie) besteht, ohne göttlichen Seelenfunken und daher ohne Aussicht auf Erlösung12 Böse war für sie auch die Sexualität. Hier aber gab es bei ihnen zwei sich widersprechende Aussagen: Prinzipiell war die Sexualität die Frucht des Bösen. Aber da ja in ihrem Glauben der Teufel das irdische Paradies für Adam und Eva geschaffen hatte, war er auch der Gott, der es verbot, von den Früchten des Baumes in der Mitte des Paradieses zu essen. Für die Paulikianer waren die verbotenen Früchte die Sexualität. Da aber der Teufel die Sexualität verboten hatte, war es für einen Teil der Paulikianer (die Baaniten) wiederum etwas Gutes und Wohltätiges, sich über das Verbot des Teufels hinwegzusetzen und die Sexualität zu genießen, ja sogar bis zum Überdruß in Orgien zu versinken. Dahiner stand vielleicht die Erkenntnis, daß der Teufel diejenigen, die sich krampfhaft der Sexualität verweigern, noch mehr am Wickel hat, als diejenigen, die sie genießen. Die Paulikianer verwarfen das ganze Alte Testament als Offenbarung des Bösen Gottes; die Propheten nannten sie Betrüger und Diebe. Da aber das Neue Testament die Weihsagungen der Propheten braucht (Jesus betrachtete sich als Vollender dieser Weihsagungen), konnten die Paulikianer die prohetischen Bücher nicht völlig für ungültig erklären, sondern meinten, daß die Propheten unbewußt durch die Eingebung des guten Gottes auch Wahres über den zuküftigen Erlöser Jesus gesagt hätten. Die Paulikianer glaubten, daß Christos aus der Welt des guten Gottes herabgekommen sei, um die Welt aus der Knechtschaft des Satans zu befreien. Sie hielten aber Maria nicht für die wahre Mutter Jesu. Jesu habe einen ätherischen Leib besessen, der aus dem Himmel stamme und durch Maria nur hindurch gegangen sei. Von der Verehrung Marias hielten sie überhaupt nichts. Maria habe mit Josef noch andere Kinder gezeugt, und da Sexualität Sünde sei, sei Maria noch nicht einmal ein guter Mensch gewesen. Da Jesus ein Engel gewesen sei und nur einen ätherischen Leib besessen habe, hätte er am Kreuz auch nicht leiden können. Da er nicht gelitten habe, könne er auch nicht für die Sünden der Menschen gebüßt haben. Da er nicht gebüßt habe, hätte er die Menschen auch nicht von ihrer Sünde erlösen können. Unter Erlösung verstanden die Paulikianer auch nicht Erlösung von der Erbsünde, sondern Befreiung der Seele aus dem Gefängnis des materiellen Körpers. Die Verehrung des Kreuzes verabscheuten sie; es sei nur ein Folterwerkzeug für Übeltäter, also etwas durchaus mit Negativem Behaftetes, zumal der Satan versucht habe, Jesus mit Hilfe des Kreuzes zu quälen. Die größte Verehrung zollten sie aber den Paulusbriefen. Die meisten von ihnen verwarfen die Apostelgeschichte und die Briefe des Johannes, Jakobus und Judas. In späterer Zeit lehnten sie auch zwei der vier Evangelien ab. Die Sakramente galten ihnen als verwerflich, da die bei den Sakramentshandlungen verwendeten Dinge (Wasser bei der Taufe, Brot und Wein beim Abendmahl) Dinge aus irdischer Materie waren (und damit unrein). 12 Vgl. Boris Mouravieff „Pre-Adamic Man“ und Cassiopaea „Organic Portal“ 15
  17. 17. Im Unterschied zu den Katharern gab es bei den Paulikianern keine zwei Klassen von Gläubigen, es gab also nicht "Vollkommene" und "Hörende" (oder Priester und gewöhnliche Gläubige). Sie forderten auch nicht wie später die Katharer eine Enthaltung von der Ehe und es war ihnen erlaubt, Fleisch zu essen. Das Fleisch mußte noch nicht einmal koscher sein (das heißt, das Blut mußte nicht herausgelaufen sein). Auch es war ihnen der Krieg gegen die Ungläubigen erlaubt (hier ist wohl der Einfluß des benachbarten Islam zu sehen), und zu Zeiten des Karbeas und des Chrysochores waren sie wohl zu einer blutdürstigen und verwilderten Horde geworden, ähnlich wie später die Hussiten. Im Jahr 970 wurden die Paulikianer vom Kaiser Tzimisces nach Trakien verbrannt. Hier mussten sie die Reichsgrenzen bewachen. Aus ihnen gingen zu Beginn des 10. Jahrhunderts die Bogumilen hervor. DER BOGUMILISMUS Der Bogumilismus beginnt im Jahre 935 mit Bogumil. Ob es sich dabei um eine wirkliche Persönlichkeit gehandelt hat, weiß man nicht. Denn Bogumil heißt einfach „Gottesfreund“. Wie alle anderen zweiheitlichen Lehren ist auch die der Bogumilen verfälscht worden. Die meisten der heutigen Bücher sprechen von einem „mystischen Asketismus“, der die Bogumilen zur „Apatheia“ ( Bewegungslosigkeit“, einer höheren Bewusstseinsstufe geführt hätte. In der Anfangszeit des Bogumilismus gab es einen Popen (= Priester) namens Bogumil. Er gehört als Priester niederen Ranges zur orthodoxen, christlich-bulgarischen Kirche. Diese Kirche war in ihrer Intoleranz und ihrer Selbstüberheblichkeit genau so schrecklich wie das damalige Raom selbst. Der Prälat Cosmas redete gar nicht erst mit den Bogumilen, sondern er bekämpfte sie von Anfang an mit Feuer und Schwert. Die bogumilische Lehre Die bogumilische Lehre ist zweiheitlich. Man findet in ihr eine Anlehnung an Zarathustra, an die Frühgnostiker und an die Manischäer. In Konstantinopel wird die neue Lehre als manischäische und paulizianische Häresie bezeichnet. Da die römische Kirche im 10. Jahrhundert jedoch einen brutalen Kampf gegen die Messaliner, Manischäer und die Paulizianer führt, gelingt es den noch vielerorts unbekannten Bogumilen sich dennoch auszubreiten. Logik und Erkenntnis Der Bogumilismus ist auf Logik und Erkenntnis aufgebaut. Darin ist ihm die offizielle Kirche nicht gewachsen. Im 10. Jahrhundert lösen sich immer mehr orthodoxe Christen aus ihrer Kirche. Sie verzichten auf die „christliche“ Messe und den Segen unwissender Priester. Vor allem die Klöster werden bogumilisch. Von Askese ist hier keine Spur, denn 16
  18. 18. die Bogumilen lieben die Liebe und die Freude körperlich wie seelisch und geistig. Allerdings kennen die Bogumilen nicht die absolute Zweiheit, wie man sie bei den manischäern und Katharern gefunden hat. Für diese beiden Weltanschauungen sind das Gute und das Böse urweltliche und ewige Mächte. Der Bogumile hält jedoch das Böse nicht für eine absolute Macht. Das Böse ist nur ein Phänomen oder Ereignis, das aus dem Guten hervorgegangen sei und das infolgedessen vereint werden könne. Da das Böse nicht ewig ist, kann es vernichtet werden. Ihre Weltanschauung, die auch bei einigen katharischen Gruppen des Mittelalters wieder auftauchte, nennt man die „gemilderte Zweiheit“. Allerdings waren nicht alle Bogumilen dieser Anschauung. Die bogumilische „Kirche von Dragowischtitza“ blieb bei der absoluten Zweiheit. Bei ihr besteht die Urwelt bereits aus zwei Welten, der Guten Welt der Guten Gottheit und der bösen Welt des bösen Gottes. Die meisten Bogumilen aber gehörten zur gemilderten Richtung. Sie glaubten an den Sieg des Guten über das Böse. Diese Anschauung ist mehr dem Volksdenken angepasst. Hier findet das Volk einen Weg zur Zerstörung des Bösen. Nach ihrer Lehre hat die Gottheit zwei Söhne: Jesus und Satan. Satan ist der Schöpfer der irdischen Welt. Offizielle Kirche ist eine satanische Einrichtung Über die irdische Welt ist die irdische Macht gestellt. Sie geht von Satan aus. Will man Satan bekämpfen, dann darf man diese Macht nicht anerkennen. Im Buch „Die Vision des Jesaias“ heißt es: „Diese Welt hier stammt vom Bösen. Hier wohnt die Macht des Bösen und des Krieges, eine Macht, die nicht ewig dauern wird.“ Diese Macht findet für den praktisch denkenden Bogumilen ihren Ausdruck in den Machthabern von Staat und Kirche. Diese Einstellung ängstigt den Kirchenfürsten Cosmas und den König Boril von Bulgarien. Sie bangen um ihr Geld und ihren Besitz. Daher werden die Bogumilen von diesen Machthabern so heftig verfolgt. Man nennt sie Manischäer und bekämpft sie mit den bewährten Mitteln der Verleumdung und der Verbrennung. Zuerst zeigten die Bogumilen, dass die offizielle Kirche mit ihren erstarrten Riten und ihrer Hierarchie eine satanische Einrichtung ist. Sie zeigen, dass die Kirche den Menschen weltfremd mache, dass sie die Menschheit in eine Schafherde verwandele. Die Bogumilen nennen die Kirche „den Herodes“, der die Wahrheit tötet, die geboren werden wollte. Bogumilen reinigten die Bibel Da die Bogumilen ein Buch brauchen, auf das sie sich berufen können, reinigen sie zuerst die Bibel. Sie verwerfen die moralischen und sittlichen Vorstellungen von Scham und Keuschheit des Alten Testamentes, die die Menschen der satanischen Macht dienstbar machen. Sie führen die guten Vorbilder der Ehe von Lot mit seinen beiden Töchtern an und das von David an, der ein sexuelles Verhältnis mit seiner Magd hatte und überhaupt das Vorbild der Ehe naher Blutsverwandter bei den alten Ägyptern. Auch das Neue 17
  19. 19. Testament erkennen sie nicht voll an. Sie zitieren die Texte der Evangelien mit bestimmten Auslassungen, während sie die Liebe in allen ihren guten Formen betonen. Moses wird nicht ganz abgelehnt. Aber man soll nicht „Diener des toten Buchstabens eines alten Gebotes sein: Der Buchstabe tötet, der Geist aber belebt.“ Die Bogumilen nennen das Gesetz des Moses „Kamelwolle“, die genau so unrein und verwirrt sei. Sie nennen den Weg des Moses den „engen Weg“, während sie den Weg zur Befreiung des Menschen den „breiten Weg“ nennen. Für sie steht Satan hinter den Mächten dieser Welt und sein Antichrist sitzt als Papst in Rom. Er ist mit dem ungerechten Zustand auf dieser Welt einverstanden. Er sagt bei Moses: „Ich bin es, der den Reichen und den Armen geschaffen hat“. Ferner lobt Moses den Krieg: „Auge um Auge, Zahn um Zahn“. Der Krieg aber nützt nur den Reichen, während die Armen als Schlachtvieh hingemordet werden. Beim Exodus der Juden stiehlt Moses Gold und Silber, verkündet aber für das dumme Volk: „Du sollst nicht begehren deines nächsten Hab, Gut, Weib oder Kind!“ Dass die Frau in einem Atemzug it Hab und Gut genannt wird, zeigt das Untermenschliche der mosaischen Weltanschauung. Die Bogumilen nennen Moses „den vom Teufel missbrauchten Menschen.“ Sie sagen: „Moses ist der Böse, eine Verkörperung des Satan.“ Offizielle Kirche ist unlogisch Nicht nur Cosmas, sondern auch Eutemie von Arenien und Zigabene regen sich über die logische Übersetzung z.B. des Matthäus-Evangeliums auf. Im Gegensatz zu der offiziellen Kirche erklären sie das Unlogische nicht mit Sprüchen aus dem Alten Testament, sondern lassen es einfach weg. Nachdem die Bogumilen die Schrift gereinigt hatten, beschäftigten sie sich mit der Säuberung des kirchlichen Kultes. Sie verwerfen das Kreuz, den Kult der „heiligen Jungfrau“ und den des menschgewordenen Gottes. Für sie ist Maria keine Jungfrau, sondern eine Frau, die einen Mann geliebt hat, da sie von ihr geschwängert worden ist und ihm ein Kind geboren hat. Für sie ist Maria eine ganz normale Frau, die ein uneheliches Kind geboren hat. Denn der Vater des Jesuskindes sei ein römischer Legionär aus dem germanischen Volke gewesen. Die Bogumilen verwerfen die Heiligenbilder oder Ikonen, die Heiligkeit der Reliquien: „Sie sind nicht heilig, sondern sie bestehen aus ganz gewöhnlicher Materie.“ Die Bogumilen verwerfen ferner die Taufe mit Wasser, den Wunderglauben, die letzte Ölung, die Kommunion als Speisung mit dem Blut und dem Leib Jesu und die Beichte. Sie glauben weder an das Fegefeuer noch an eine Hölle. Sie glauben: „Es gibt keine andere Hölle als die Erde.“ Einen Himmel hielten sie auch für unnütz, denn der Mensch wird wiedergeboren in einen neuen Körper bis zu seiner Heimkehr zur Gottheit. Eine Auferstehung am jüngsten Tag mit allen Leibern, die die Menschen je besessen habe, erscheint ihnen absurd. Ein jüngstes Gericht gibt es auch nicht, denn das könnte nur ein böser Gott veranstalten. Wenn die Menschen aber zur Guten Gottheit heimgekehrt sind, hat der Böse keine Macht mehr. Die Orthodoxen beschuldigen die Bogumilen des Heidentums, weil sie weder an eine Auferstehung im Fleisch noch an ein jüngstes Gericht glauben. Die Kirche will, dass die Menschen glauben, ehe sie die Wahrheit erkannt haben, ja sie sind dagegen, dass die 18
  20. 20. Menschen überhaupt etwas erkennen. Die Bogumilen aber wollen erst erkennen und dann erst glauben. Damit beweisen sie, dass sie echte Gnostiker sind. Sie sind Erkennende durch innere Einsicht oder Versenkung in ihre Gute Gottheit. Dieses Erkennen ist keine Mystik, da dieses Erkennen von jedem Menschen guten Willens gesteuert und erlernt werden kann. Keine Verherrlichung des Kreuzes Auch der Kultur des Kreuzes wird von den Bogumilen abgelehnt. Für die orthodoxen Christen ist das Kreuz das Symbol der Kreuzigung ihres Heilandes auf Golgotha, von dem sie behaupten, er sei für die Sünden der Menschen gestorben. Für die Bogumilen ist diese Vorstellung absurd. Denn sie sagen, dass Christus wie sein Vater – Mutter reiner Geist ist, der bekanntlich nicht sterben kann. Also machen die Bogumilen kein Kreuzzeichen und stellen keine Kreuze auf ihre Gräber. Die Bogumilen empfinden vor dem Kreuz eine ausgesprochene Abscheu. Wie viele Menschen sind sinnlos am Kreuz zu Tode gefoltert worden! Soll man das Kreuz al Marterinstrument deshalb anbeten? Die Bogumilen sagen: “Wenn dein Vater an einem Baum gefesselt ermordet worden ist, wirst du deshalb diesen Baum anbeten und sein Abbild als etwas heiliges betrachten? Keine Heiligen Die Bogumilen erkennen auch die Heiligen der Kirche nicht an. Sie fragen, wer sie eigentlich heilig gemacht hätte? z.B. Augustinus, der seine manischäischen Freunde aus Gewinnsucht verraten hat oder Hieronymus, der sich selbst kastrierte? Was ihn von jeder Selbstbefriedigung abschnitt oder die Inquisitoren, die in Christenblut gewatet haben? Warum sollten die Bogumilen gerade die Bibelauslegungen solcher Untermenschen als richtig anerkennen? Der kirchliche Prälat Cosmas aber verdammt die Bogumilen, weil sie eine eigene Auslegung gefunden hätten. Er sagt: „Wer nach seiner Weise die evangelischen oder apostolischen Worte auswechselt und sie nicht so annimmt, wie sie von den heiligen Männern gemacht worden sind, der sei verflucht!“ Heiligenbilder sind Götzenbilder Die Bogumilen fragten: „Was ist der Unterschied zwischen den Ikonen (= Heiligenbildern) und den Idolen (= Götzenbildern)?“ Und die Antwort lautete: „Keiner!, denn beide bestehen aus toter Materie.“ Damals wurden in der Kirche nicht nur Bilder von Heiligen, sondern auch von Kirchenfürsten, Königen und reichen Spendern angefertigt und nach Rang und Würden an den Kirchenwänden befestigt. Der Prälat Cosmas sagte damals: „Wer nicht in Furcht und Liebe die göttlichen Ikonen küsst, den treffe das Anathema (= Fluch).“ Ein solcher Fluch bedeutete damals die Ausstoßung aus der christlichen Kirche, die Verfolgung, die Tötung und den Verlust des Vermögens, das an die Kirche fiel. Da die Bogumilen weder die Bilder von den Heiligen noch die von den Fürsten und Spendern küssen wollten, wurden sie verflucht. Die Kirche aber wurde sehr reich dabei. 19
  21. 21. Christus war kein Gott Für die Bogumilen war Christus kein Gott. Er war ein einfacher Mensch, der mit seiner Geliebten Maria Magdalena zusammen gelebt hatte. Nach der Kirche, sei Maria Magdalena auch die Ehebrecherin gewesen, von der das Evangelium spricht. Weil diese Maria eine Dirne gewesen sei, hätte sie auch von Jesus keine Kinder bekommen. Aber die Bogumilen lehrten das ganze Gegenteil: jesus hat es keineswegs interessiert, ob Maria Magdalena eine Dirne gewesen sein. Er hat sie zu seiner Frau genommen und sie hat ihm 2 Kinder, einen Jungen und ein Mädchen geboren. Keine Kirchen und Kathdralen Ferne verwarfen die Bogumilen die gewaltigen Kirchenbauten ihrer Zeit. Sie sagten: „Eine materielle Kirche ist nicht gut, denn man kann in ihr nicht beten. In ihr selbst nur Dämonenpriester. Sie haben sich Rang und Würde angemaßt. Die Wahre Kirche dagegen besitzt keine Prunkbauten und kein materiellen Güter.“ Sie nennen die christlichen Priester „Tempeldiener, Pharisäer, Menschen mit doppeltem Gesicht, Heuchler, leidenschaftliche Säufer und Fresser auf Kosten des armen Volkes.“ Gerade das alles stößt den einfach gesinnten Bogumilen ab. Er braucht weder Kirchen noch Klöster. Wenn er beten will, geht er in die freie Natur oder bei schlechtem Wetter in eine Wohnung. Unter den Bogumilen gab es Vollkommene, Gläubig und Hörer. Aber es gab keinen Abstand zwischen diesen Gruppen, die eine einzige Einheit bildeten. Es gab also keine hierarchische Struktur bei ihnen wie in der römischen Kirche. Durch die Handauflegung oder das Konsola mentum wurde man „Vollkommener“, konnte also die Priesterfunktion ausüben. Es gab noch andere solcher Funktionen: Apostel, Alte und Meister. Es gab auch Bischöfe, ohne dass diese über den anderen Angehörigen gestanden hätten. Sie hatten einfach die Funktion, selbst Priester zu weihen. Der älteste Bischof wurde bei ihnen „Papst“ genannt. Er war aber nur der „Primus inter pares“ (=der Erste unter Gleichen). Erde ist von Satanael erschaffen Nach bogumilischer Ansicht ist diese Erde von Satanael geschaffen worden. In seinem Namen regieren die Fürsten dieser Welt. Entsetzt stellen die Pfaffen Satanaels nun fest, dass die Bogumilen „keine Kinder wollen“. Man hat das so verstanden, als wenn sie für eine allgemeine Enthaltsamkeit oder gar Keuschheit eingetreten wären. Das darf man aber nicht falsch verstehen, denn sie waren durchaus für die Fortpflanzung. Sonst wäre ihre Lehre ja auch ausgestorben. Die Bogumilen waren nur gegen die wahllose Fortpflanzung, wobei nach dem Wunsch der Kirche alle 9 Monate ein geboren werden sollte, das von Geburt an zum Leibeigenen der weltlichen und kirchlichen Fürsten bestimmt war. Die 20
  22. 22. Bogumilen hatten den revolutionären Grundsatz aufgestellt: „Keine Kinder für die Reichen!“ Ablehnung von Kriegsdienst Als echte Christen lehnten die Bogumilen den Kriegsdienst und den Krieg ab. Dabei machten sie nur eine Ausnahme: Sie verteidigten ihre Heimat, wenn diese von fremden Mächten angegriffen wurde. Als zu Beginn der 13. Jahrhunderts von den französischen Feudalherren und von Rom ein neuer Kreuzzug zum heiligen Land aufbricht, wird er na den bulgarischen Grenzen aufgehalten. Schon lange haben die Kreuzfahrer in früheren Jahrhunderten die Länder, durch die sie zogen, gebrandschatzt. Seit die Bogumilen sich in Bulgarien ausgebreitet haben, wollen sie diese europäischen Räuber nicht mehr durch ihr Land ziehen lassen. Bei Andiaopol werden die Kreuzfahrer von Bulgaren vernichtend geschlagen. Der 4. Kreuzzug gegen die Ungläubigen konnte nicht stattfinden. Die Interrogatio Johannis oder Das geheime Buch der Bogumilen ist ein neutestamentliches Apokryphon, das ein vertrauliches Gespräch des Apostels Johannes mit Jesus während des letzten Abendmahls wiederzugeben behauptet. Es bestreitet, dass die Welt von Gott geschaffen wurde, und schreibt die Schöpfung Satan zu. Diese Lehre hat ihre Wurzeln vermutlich in der gnostischen Vorstellung vom Demiurgen. Die Taufe sei nutzlos. Opferpflicht sei ebenso wie die mosaischen Gesetze von Satan geboten. Eine der Charakteristiken dieser Schrift ist, dass sie Zitate aus dem Alten Testament, die dort Gott spricht, Satan in den Mund legt. Die Schrift findet sich als Beweismittel in den Inquisitionsakten von Carcassonne. Ein zugesetzter Vermerk besagt, dass der katharische Bischof Nazarius dieses Werk 1190 aus Bulgarien nach Südfrankreich gebracht habe. Die Schrift ist in der vorliegenden lateinischen Form nicht vor dem 12. Jahrhundert entstanden. Es folgt ein Auszug aus der Interrogatio Iohannis, dem geheimen Buch der Bogumilen, über die teuflische Erschaffung des Menschen.13 … Und vom Thron des Vaters ertönte eine Stimme und sagte: „Was tust Du, Leugner des Vaters, du verführst die Engel. Du Frevler, tue schnell, was Du beschlossen hast zu tun.“ Dann gab der Vater seinen Engeln den Befehl: „Nehmt allen Engeln, die ihm gehorcht haben, die Gewänder, die Throne und die Kronen weg“. Und die Engel nahmen allen, die auf ihn gehört hatten, ihre Roben, ihre Throne und ihre Kronen, hinweg. Und noch einmal fragte ich, Johannes, den Herrn: „Als Satan fiel, an welchem Ort lebte er da?“ Er antwortete mir: „Aufgrund seiner Selbst-Erhöhung hat mein Vater die Verwandlung seines Aussehens verfügt. Das Licht seiner Herrlichkeit wurde ihm entzogen und sein Gesicht sah aus wie glühendes Eisen und wie das eines Menschen. Und er hatte sieben Schwänze und damit zog er den dritten Teil der Engel Gottes mit 13 Vergl http://gnosis.org/library/Interrogatio_Johannis.html http://de.slideshare.net/SergeantSchultz/interrogatio-iohannis-die-befragung-des-johannes-das-geheime- buch-der-bogumilen 21
  23. 23. sich und wurde hinausgestoßen aus dem Reiche Gottes und er verlor seine Position als Verwalter der Himmel.“ Und Satan kam herunter in dieses Firmament, und er fand keine Ruhestätte weder für sich noch für die anderen, die mit ihm waren. Und er sagte zum Herrn: „Ich habe gesündigt, habe Geduld mit mir – und ich werde Dir alles zurückzahlen.“ Und der Vater hatte Erbarmen mit ihm und gab ihm Ruhe und auch denen, die mit ihm waren, so viel sie wollten bis zum siebenten Tag. Dann nahm Satan im Himmelszelt Platz und befahl dem Engel, der für die Luft zuständig war und dem, der für das Wasser verantwortlich war, zwei Drittel des Wassers hoch in die Luft zu heben. Aus dem restlichen Drittel erschufen sie weite Seen. Die Teilung des Wassers erfolgte auf Befehl des unsichtbaren Vaters. Wieder befahl Satan dem Engel, der über dem Wasser sich befand: „Nimm deinen Platz über den zwei Fischen ein.“ Und der Engel hob die Erde über seinen Kopf in die Höhe und es bildete sich trockenes Land. … Und er [Satan] nahm die Krone des Engels, der den Wassern vorstand und aus der einen Hälfte machte er das Mondlicht und aus der anderen das Tageslicht. Aus kostbaren Edelsteinen erschuf er Feuer, aus welchem er das Heer der Himmel und der Sterne entstehen ließ. Und daraus erschuf er Engel zu seinen Verwaltern gemäß der Ordnung des Allerhöchsten, und nach den Vorschriften des unsichtbaren Vaters machte er Donner, Regen, Hagel und Schnee. Und er sandte Engel, die über sie wachten. Und er befahl der Erde, alles Leben hervorzubringen und vielerlei, das kreucht und fleucht, und Bäume und Kräuter – und dem Meer befahl er Fische hervorzubringen, und den Lüften die Vögel des Himmels. Und er kam auf den Gedanken Menschen zu erschaffen, die ihm dienen sollten – und er schuf auch den Menschen (Mann) nach seinem Ebenbild aus dem Lehm der Erde und er befahl einem Engel des zweiten Himmels in den Körper aus Lehm einzufahren. Und er nahm davon und machte einen weiteren Körper – in Form einer Frau und befahl einem Engel aus dem ersten Himmel in diesen weiblichen Körper einzufahren. Die Engel aber beklagten sich zutiefst darüber, daß ihnen sterbliche, körperliche Formen aufgezwungen wurden und daß sie in unterschiedlichen Gestalten lebten. Und er befahl ihnen mit ihren Körpern aus Lehm ein Leben im Fleisch zu führen – sie aber wußten nicht, daß sie sündigten. Der Urheber des Bösen brachte seine Ziele durch Verlockungen solcherart zuwege: er errichtete ein Paradies, setzte die Menschen hinein und befahl ihnen, nicht von seinen Früchten zu essen. Und er befahl, daß Schilfrohr gebracht wird, und der Teufel pflanzte es in die Mitte des Paradieses. Aus seinem Speichel schuf er eine Schlange und trug ihr auf, im Schilf zu bleiben. Und so verschleierte der Teufel seine bösen Absichten und sie erkannten seinen Betrug nicht. Und er kam herein und sprach zu ihnen: „Alle Früchte im Paradies könnt ihr essen, nicht aber von der Frucht der Erkenntnis von Gut und Böse.“ Nichts desto weniger fuhr der Teufel in die böse Schlange ein, und verführte den Engel, der eine weibliche Gestalt hatte und über ihrem Kopf ergoß sich ein sündhaftes Verlangen, und Eva´s Lust war wie ein glühender Ofen. Sogleich kam der Teufel in Gestalt der Schlange aus dem Schilf und befriedigte seine Lust an ihr mit dem Schwanz der Schlange. Und deshalb nennt man die Nachkommen nicht die Söhne Gottes sondern die Söhne des Teufel und Söhne der Schlange, die das sündhafte 22
  24. 24. Leben ihres Vaters des Teufels führen – bis hin zum Ende der Welt. Danach ergoß der Teufel sein Verlangen über den Engel, der in Adam war, und [beide Engel] wurden erfüllt von einer Gier nach Ausschweifungen und zusammen zeugten sie Kinder des Teufels und der Schlange bis ans Ende der Welt. Und nach diesen Ausführungen fragte ich, Johannes, den Herrn: „Wie kommt es, daß die Menschen sagen, daß Adam und Eva von Gott selbst geschaffen wurden und im Paradies lebten, um den Willen des Vaters zu tun, und wegen der Übertretung der göttlichen Gebote sterblich wurden?“ Und der Herr sagte zu mir: „Horch, Johannes, Du vom Vater geliebter, das sagen törichte Menschen in ihrer Falschheit, daß der Vater, in Übertretung seiner eigenen Gesetze, Menschen aus Lehm gemacht habe: Durch den heiligen Geist machte er alle Mächte des Himmels, und das Heilige hat nur deshalb einen Körper aus Lehm wegen der begangenen Sünden und durch seinen Fall. Deshalb wurden die Menschen sterblich.“ Und wieder fragte ich, Johannes, den Herrn: „Wie kam es dazu, daß der Mensch seinen Geist in einen Körper aus Fleisch brachte?“ Und der Herr sagte zu mir: „Manche der gefallenen Engel gehen in einen weiblichen Körper, und gebären Fleisch aus der fleischlichen Lust – und so wie der Geist aus dem Geist geboren wird, wird auch das Fleisch aus dem Fleisch geboren und so wird auch das Königreich Satans errichtet in der Welt und in allen Nationen.“ Ich fragte den Herrn: „Für wie lange wird Satan über die menschlichen Wesenheiten herrschen?“ Und er sagte zu mir: „Mein Vater hat ihn dazu verurteilt, sieben Tage zu regieren, das sind sieben Zeitalter.“ Nochmals fragte ich den Herrn in seiner Weisheit: „Was wird sein in dieser Zeit?“ Und er antwortete: „Von dem Tag an, als der Teufel in Gottes Ungnade fiel und ihm deshalb nach eigenem Ruhm dürstete, nahm er seinen Platz über den Wolken ein und sandte seine Vertreter, darunter auch Engel mit flammendem Feuer unter die Menschen von Adam bis hin zu Enoch. ...“ DIE KATHARER Die Katharer (= die Reinen) sind eine Glaubensbewegung des 11. Jahrhunderts. Zum größten Teil breiteten sie sich im Süden Frankreichs aus. Sie selbst nannten sich „veri christiani“ die wahren Christen oder „boni homines“ gute Menschen. Diese Abkehr vom herkömmlichen katholischen Glauben, führte dazu das sie durch Kreuzzüge und Inquisition vernichtet wurden. Die Katholische Kirche nannte sie die „Katzen Satans“ (= Kätzer, Ketzer). Das woran die Katharer glaubten und wo sie pflegten zu beten, wurde von der Katholischen Kirch vernichtet und die meisten Aufzeichnungen ihrer Kultur wurde von der Kirch geschrieben. Damit sind diese Quellen natürlich nicht Glaubenswert, da sie aus Verhöhnungen und Verfälschungen bestehen. Die Katharer glaubten, daß Gott Geist ist. Seit Ewigkeiten ist er die vollkommene Liebe. Er 23
  25. 25. ist in sich vollkommen, unveränderlich, ewig und gerecht. Nichts Böses und nichts Vergängliches kann in ihm sein, noch von ihm kommen. Infolgedessen können seine Werke nur vollkommen, unveränderlich, voller Liebe, gerecht und gut sein wie der Gott selbst. Die Welt als Schöpfung des Demiurgen Nun aber haben die Katharer festgestellt, dass unsere Welt den Werken Gottes wenig entspricht. Sie sehen diese Welt voller Unvollkommenheit, Vergänglichkeit und Veränderlichkeit. Sie sagen, dass die Grundsubstanz oder die Materie dieser Erde vergänglich, unvollkommen, veränderlich, voller Übel und Leid sei. Hier gäbe es keine Ewigkeit, sondern nur den Tod für alle Lebewesen. Die Materie dieser Welt ist also unvollkommen. Die Gottheit aber ist die vollkommene Liebe. Die Geschöpfe dieser Welt werden nur geboren, um nach einem mehr oder minder leidvollen Leben zu sterben. Die Gottheit aber ist das ewige Leben. Gemäß diesen Behauptungen sahen die Katharer einen deutlichen Widerspruch zwischen der Vollkommenheit Gottes und der Unvollkommenheit der Materie dieser Welt. Vollkommenheit und Unvollkommenheit aber seien nicht ineinander vereinbar. Unvollkommenes kann aber nicht von etwas Vollkommenen verursacht sein. Daher können die irdische Welt und die irdischen Geschöpfe nicht von einem vollkommenen Gott erschaffen worden sein. Kommt diese Schöpfung von Gott? Weshalb hat er sie dann nicht vollkommen erschaffen? Hat er sie vollkommen erschaffen wollen, es aber nicht tun können? Dann ist Gott nicht allmächtig und selbst nicht vollkommen. Wenn Gott diese irdische Welt vollkommen erschaffen konnte, es aber nicht hat tun wollen, so wäre das grausam, hätte das nichts mit vollkommener Liebe zu tun. Aus dem Gesagten schließen die Katherer, dass Gott diese irdische Welt nicht erschaffen habe. Sie unterscheiden sich mit dieser Feststellung von der üblichen esoterischen Auffassung, nach der die Menschen gerade durch diese Unvollkommenheit der Welt in die Lage gesetzt werden, sich von Leben zu Leben zum Gottmenschentum und zur Gottheit selbst hin zu entwickeln. Eine Welt der Vollkommenheit aber würde ein Stehenbleiben für immer bedeuten. Die Weltanschauung dieser Spätgnostiker entspricht also nicht der heute üblichen esoterischen Lehren. Die irdische Welt ist nicht von Gott Diese irdische Welt ist nicht von Gott, sondern von seinem Gegenpol, dem Demiurgen erschaffen worden. Die Katharer berufen sich darin auf den Anfang des Johannes- Evangeliums, den sie folgendermaßen übersetzten: "...Durch das Wort ist ALLES geworden, (=die Welt Gottes)... und ohne das Wort ist NICHTS geworden, was gemacht ist (=die Welt der Finsternis oder Satans)" Hier ist die Lehre vom Dualismus oder der Zweigeteiltheit des Kosmos. Nach dieser Lehre stehen sich seit Uranfang oder schon immer und ewig zwei entgegengesetzte 24
  26. 26. Welten im Kosmos gegenüber: Die Welt Gottes und die Welt Satans. Die Welt Gottes entspricht dem Wesen Gottes: sie ist vollkommen. Die Welt Satans dagegen ist unvollkommen, vergänglich und voller Leiden. So wie das Wesen Gottes die Liebe ist, so ist das Wesen Satans das Leid. Die Katharer haben die Materie Satans dem Geist Gottes gegenübergestellt. Gott wird als der eigentliche Schöpfer dargestellt, Satan dagegen als der Nachahmer Gottes. Als Gott in seinem Weltall seine gute und vollkommene Schöpfung begann, wollte auch der Archon in seinem Weltall etwas Ähnliches beginnen. Gott hatte seine Welt in sieben Himmel eingeteilt. Infolgedessen schuf Satan auch sieben Ebenen von unterschiedlicher Beschaffenheit, in denen die Materie von Ebene zu Ebene immer feiner wird. Beide Schöpfer hätten nun Sonnensysteme und Milchstraßen geschaffen. Beide hätten sie ihre Planeten mit Pflanzen und Tieren bevölkert. Die Menschen Als nun Gott nach seinem Bild Menschen erschuf, hätte Satan auf der irdischen Welt das Gleiche versucht. Es sei ihm aber nicht gelungen, selbstbewusste Menschen- und Tierwesen zu erschaffen. Aus der Erde seiner Welt hätte er nur lebensunfähige Ungeheuer erschaffen können, die er dann immer wieder vernichtet hatte. Voller Neid sah Satan hinüber zum Reich Gottes. Alle Nachahmungen brachten ihn nur immer neue Enttäuschungen, denn der Welt Satans fehlte eine bestimmte Substanz, die Geistsubstanz Gottes, aus der allein selbstbewusste Menschen und Tiere entstehen können. Satan fehlte die Liebe und die Freude, die die Essenz der menschlichen und tierischen Geistseele ausmachen. Da Satan nicht glaubte, dass Gott ihm freiwillig Geistseelensubstanz zur Verfügung stellen würde, beschloss er, sie sich mit Gewalt zu holen. So kam es zum "Krieg der Himmel", über den es in fast allen Religionen ausführliche Berichte gibt. Auch der berühmte "Engelssturz" wird hier ganz anders als üblich interpretiert. Die Grundanschauung entnehmen die Katharer der Apokalypse oder Offenbarung des Johannes. "Siehe, ein Drache, ein Drache, feurig und gewaltig groß, mit sieben Köpfen und zehn Hörnern und sieben Diademen auf seinen Köpfen. Sein Schwanz fegte den dritten Teil der Sterne des Himmels hinweg und warf sie auf die Erde.“ Die Heimkehr des Drachen Für die Katharer ist also die Offenbarung keine Zukunftsschau, sondern der Bericht ihrer Erkenntnislehre. Die Heimkehr des Drachen sah einem Sturz ähnlich, denn er der Drache und sein Dämonenschwanz wurden aus den Himmeln Gottes als Fremdkörper ausgestoßen und in ihr eigenes materielles Weltall zurückgestürzt Nach der katharischen Version, die man auch bereits bei den Manischäern findet, werden nicht himmlische Engel gestürzt, sondern der Archon Satan und sein kriegslüsternen Scharen. Jetzt fragt man sich natürlich warum Gott nichts unternommen hat, um dieses Drittel seiner gestohlenen himmlischen Sterne zurück zu erobern? Darauf wird geantwortet: "Gott ist so gut, dass er nur die Waffen der Barmherzigkeit und der Liebe zur Verfügung hat. Gott ist nur im 25
  27. 27. Guten allmächtig und auch nur dort schaffen was er will. Gott kann kein Übel wollen und nichts Böses tun. Daher leistet er dem Bösen bei seinem Einbruch in den Himmel auch keinen Widerstand. Der Archon machte aus den selbstbewussten Geistwesen und später aus der ganzen Geistsubstanz vor allem die Geister der Menschen, dann der Tiere, der Pflanzen und aller Lebewesen. Die ersten Menschen waren Eva und Adam. Aus irdischer Materie schuf Satan nun irdische, tierische Körper. Er schläferte zwei Geistwesen ein. Diese versetzte er in zwei Materiekörper, hauchte sie an, wodurch sie unauflöslich für sehr viel Leben in den Körpern gefesselt wurden. Man kennt ja eine ähnliche Geschichte aus der Bibel, wo JHVH den ersten Menschen erschafft. Nach der Darstellung der Katharer ist der "Hauch" nicht die unsterbliche Seele, sondern nur eine Fessel des unsterblichen göttlichen Geistwesens. Eva und Adam Als die beiden Geistwesen Eva und Adam erwachten, sahen sie sich in irdischen Körpern eingesperrt. Diese Körper waren aus so dichter Materie, dass sie von ihrer Umwelt fast nichts wahrnehmen konnten. Durch die Materiefessel und den festen Körpern waren Eva und Adam sehr behindert. Sie konnten die Welt Satans nicht mehr verlassen. Ihre Körper waren wie die der heutigen Menschen aus vergänglicher Materie geformt, deren Vergänglichkeit sie eines Tages zum Tode führen würde. Aber es ist nur der Körper, der stirbt, nicht aber das göttliche, unsterbliche Geistwesen. Das Geistwesen wird nach dem Tode des Körpers nicht frei und kann nicht in seine geistige Heimat zurückkehren. In Satans Fesselgewänder gehüllt muss es auf Satans Welt bleiben und da die Gesamtzahl der Geistwesen (ein Drittel der himmlischen Sterne) begrenzt ist, wird ein Geistwesen, dessen Körper gestorben ist, bald von Satan zu einer neuen Verkörperung in einem anderen, neu geborenen Körper gezwungen. In diesem neuen Körper das Leiden des Lebens immer wieder erneut erfahren, denn die Schmerzen des Körpers werden auch die Schmerzen des Geistkörpers sein. Mit diesem Körper wird es „die Geistseele“ altern, wird es sich dann zu immer neuen Verkörperungen in anderen, neu geborenen Körpern gezwungen sehen. Die katharische Sicht zeigt sich hier sehr unterschiedlich von der biblischen. Eva ist hier nicht die „Männin Adams“. Sie ist kein Ableger von Adam, ist nicht aus seiner Rippe gemacht, ist nicht seine Tochter wie die Eva der Bibel. Eva ist ein selbstständiges Wesen, das zugleich mit Adam entstanden ist. Daher ist diese Eva bei den Katharern auch nicht Adam untergeordnet. 26
  28. 28. Seid fruchtbar und mehret Euch! JHVH/der Demiurg hatte zu den beiden ersten Menschen gesagt: „Seid fruchtbar und mehret Euch!“ In ihre irdischen Tierkörper hatte der Archon von Anfang an den Fortpflanzungstrieb eingebaut, der sich zu immer neuen, unbewusst erlebten geschlechtlichen Vereinigungen zwang deren Resultat immer mehr Kinder waren. Durch den Archon wurden immer mehr neue, aus dem „Sternendrittel“ stammende Geistwesen durch diese unfreiwillige Fortpflanzung in menschliche Körper eingeschlossen. Schon bald bevölkerte sich diese Welt mit immer mehr Menschen, Tieren usw. Durch Leid, Krankheit, Unwetter usw. trat der Tod ein, so dass die Menschen, Tiere und Naturgeister nur immer kürzere Zeit leben konnten. Eva und Adam sollen noch 900 Jahre gelebt haben. Die Menschen des Mittelalters hatten nur eine Lebenserwartung von 30 Jahren, während es in der heutigen Zeit etwa 90 Jahre sein dürften. Die ersten Menschen Die ersten Menschen lebten nach den Aussagen der Bibel in einer Welt, die heute das „Paradies“ genannt wird. Dieses „Paradies“ hatte der Archon der Gotteswelt nachempfunden und nachgeahmt. Er hatte es geschafft, um die menschlichen Geistwesen die Himmelswelt Gottes vergessen zu lassen. Und das gelang dem Archon schon bei Eva und Adam, die durch ihre schweren Materiehüllen ohnehin kaum in der Lage waren, allzuviel von ihrer Umwelt wahr zu nehmen. Sie lebten, aßen und tranken von den Früchten des Paradiesgartens. Sie pflanzten sich unbewusst fort, vermehrten sich immer mehr. Die Kinder Eva überquerten die Grenzen des Paradieses und besetzten die ganze Erde, d.h. Das ganze materielle Weltall. Dabei folgten die Kinder unbewusst dem Beispiel ihrer Eltern und vermehrten sich ständig, ohne dass ihnen ihr Tun irgendwelche Schmerzen gemacht hätten. Sie waren ja noch reine Gefangene, die man in Materie wie in einen dicken Panzer eingeschlossen hatte. Wenn sie als Geistwesen denken konnten, besaßen sie keine Möglichkeit, ihrem Denken Ausdruck zu verleihen. Ihre tierischen, Archonten-ähnlichen Körper folgten dem Vermehrungsgebot, ohne dass ein Einfluss seitens der göttlichen Geister erfolgen konnten. Bei diesen ersten, unbewusst gezeugten Kindern Evas und Adams handelt es sich nicht um Kain und Abel, denn diese wurden schon bewusst gezeugt. Wenn man in der Bibel liest, Kain sei „nach der Tötung Abels“ zu einem anderen Volk gegangen und hätte sich hier eine Frau genommen, dann stammt diese von Kindern ab, die Eva und Adam nicht oder noch unbewusst gezeugt hatten. Weder die Katharer, die Manischäer oder sonstige Gnostiker geben einen Zeitpunkt an, bis zu dem dieser unbewusste Zustand gedauert hat. Die Wissenschaft ist aufgrund von Knochenfunden der Ansicht, dass die ersten Menschen plötzlich vor 2 oder 4 Millionen Jahren auf der Erde erschienen seien. Hängt das Bewusstwerden mit einer Formveränderung zusammen? Waren die ersten Menschen das Ergebnis einer plötzlichen Mutation, d.h. Einer sprunghaften Veränderung einer Affen oder schweineähnlichen Tierart? (Anmerkung: Das Schwein nach dem Anatomen Prof. Dr. Sieve wegen der 278 Muskeln am Hinterbein, die auch das menschlich hohen Intelligenzgrad). 27
  29. 29. Körperliche Verwandtschaft zu den Tieren Die ersten Menschen haben eine körperliche Verwandtschaft zu den Tieren dieser Welt, denn auch ihr Körper ist der eines Säugetieres, Nicht mal von der Gehirnbildung her unterschieden sich die Tiere von Anfang an von den Menschen. So unterscheidet sich auch das Selbstbewusstsein der Menschen nicht von dem der Tiere. Was man früher und heute in der Erde gefunden hat, das sind die Reste der Fehlschöpfungen des irdischen Archons, den Rest jener Ungeheuer, als der Archon den Versuch machte, Menschen und Tiere ohne den göttlichen Geist herzustellen oder hat der Archon diese Reste auch bewusst vernichtet, damit keine Spuren seiner Schande zurückblieben. Schon die mittelalterlichen Menschen sahen in den Knochen der vorsintflutlichen Saurier Reste von Fehlentwicklungen bei der Erschaffung von Menschen und Tieren. Und diese Menschen des Mittelalters kannten bereits die Kohle, die ja nur ein Überbleibsel früherer Baumfarnwälder ist. Also hatte es schon vor der Erschaffung des Paradieses völlig anders aussehende Großpflanzen gegeben, als es die heutigen Bäume sind. In den Höhlen, in denen diese Katharer im Mittelalter in der Verfolgungszeit lebten und ihre religiösen Feiern abhielten, hatten die Gläubigen Höhlenzeichnungen mit ganz anders gestalteten Menschen gesehen. Daraus schloss man, dass auch die menschliche Körperform sich seit der Schöpfung sehr verändert hatte, denn die im menschlichen Körper wohnende Geistseele hat die materielle Körperform der eigenen geistigen Form angepasst. Diese Feststellung widerspricht der Bibel, die behauptet, dass sich der Mensch von der Erschaffung an nicht mehr verändert hätte. Die heutige Wissenschaft aber beweist heute, dass sich die menschliche Form seit dem Co-magnon-Menschen und dem Neandertaler deutlich verändert hat. Der Zustand des unbewusst erlebten Paradieses durch die ersten Menschen dauerte nur bis zu dem Zeitpunkt der ersten Erkenntnis. Die erste Erkenntnis oder Erlösung Gott hatte niemals den fruchtbaren Raub vergessen, den der Archont/der demiurgische Drache begangen hatte. Inzwischen hatte die Gute Gottheit die Himmelswelten so vollkommen wiederhergestellt, wie sie vor dem Krieg in den Himmeln gewesen waren und der „Hüter der Schwelle“ verhinderte weitere Einbrüche. Nun begann die lichte Gottheit, an die Befreiung der verschleppten Geistwesen zu denken. Daher sandte die Gottheit ihre Tochter Sofia (=die Weisheit) hinunter in die materielle Welt des Archonten. Sofia sollte den in den Menschen gefangenen Geistwesen den Weg der Befreiung zeigen. Sofia brachte mit ihrem Abstieg in die materielle Welt ein großes Opfer, denn das Leben eines göttlichen Lichtwesens ist in der dunklen Welt des Archonten furchbar. Welt des Archons/Demiurgen/Drachen Natürlich ist die Welt des Archons, also die materielle Erdwelt, nicht ganz dunkel, denn auch hier gibt es Sonnen, die die Dunkelheit aufhellen. Aber ihr Licht ist nur veränderte Dunkelheit gegenüber dem Licht der Guten lichten Gottheit. Der besseren Unterscheidung dieser beiden Lichtarten wegen sprechen die Gnostiker und die Katharer von „Gotteslicht“ oder auch von „Überlicht“. Die Gottheit selbst ist das Gotteslicht und die 28
  30. 30. Menschen haben das gefangene Gotteslicht in sich. Es ist das menschliche göttliche Ego oder Selbstbewusstsein. Die Tochter der Gottheit heißt Sofia oder Weisheit. Sie umkleidet sich für ihren Aufenthalt in der Welt des Archon mit einem Scheinkörper, damit sie sich hier bewegen, also hier handeln kann. So bekleidet dringt sie nun in das Paradies ein und gelangt zu den ersten Menschen, zu Eva und Adam. Die erste Erlöserin wird in der Bibel eine „Schlange“ genannt, weil sie sich schlangengleich in die materielle Welt eingeschlichen hätte. Sie wird in der Bibel als teuflisch und böse geschildert. Darin sehen die gnostischen Katharer den satanischen Einfluss in der Bibel, die ein gutes und göttliches Wesen verteufelt. Die Frucht vom Baum der Erkenntnis Was ist das nun für eine „Frucht“ die am „Baum der Erkenntnis“ wächst? Ist es ein Apfel, wie es die Dichter und Maler dargestellt haben? Ist es eine Feige, und war der Baum der Erkenntnis ein Feigenbaum? Oder bedeutet das „Essen der Frucht“ etwas Geistiges? Ist die „Frucht“ nur ein Symbol? Die Bibel hat den Menschen diesen Punkt verschwiegen. Die Antwort findet man zum Teil in den jüdischen Geheimlehren und in der gnostisch- katharischen Lehre. Hier findet man folgende Anschauung: Bei der „Frucht“ handelt es sich nicht um eine Frucht. Beim „Baum der Erkenntnis“ handelt es sich nicht um einen Baum. Diese Frucht kann man weder pflücken noch essen. Die Frucht ist nur ein Symbol. Die Frucht ist das Symbol für den wollüstigen Geschlechtsverkehr, bei dem die körperliche Fortpflanzung ausgeschlossen bleibt. Der Baum der Erkenntnis ist der Gummi- der Feigenbaum, aus dessen Saft die Gnostiker und die Katharer das erste Empfängnisverhütungsmittel der Welt herstellten. Man könnte es mit einem Schutzmittel oder der heutigen Pille vergleichen. So wie heute die katholische Kirche und ihr Papst die Pille verbieten, so verbot schon der alttestamentarische Jhvh den Menschen die „Frucht“. Wenn die Gnostiker und die Katharer hier von „wollüstigem Geschlechtsverkehr“ sprechen, dann meinen sie nicht nur, dass die Wollust eine angenehme Freude sei. Für sie ist die Wollust nicht Selbstzweck, sondern sie ist es, die die Menschen über die „Erkenntnis“ zur Befreiung führt. Die Erkenntnis ist nicht nur das Wissen um Gut und Böse. Nach gnostischer Anschauung befreit diese Befreiung die Menschen als göttliche Wesen von den Fesseln Satans. Denn der Geschlechtsverkehr in allen seinen guten Formen wie auch die Selbstbefreiung öffnen die Tore im Gefängnis des menschlichen Körpers, durch die die Menschen den Heimweg zur göttlichen himmlischen Heimat antreten können. Das ist übrigens der besondere Sinn des 18. Grades, das diesbezügliche Geheimwissen der Einweihung zur Anwendung zu bringen. Sofia erscheint im Paradies Sofia, die Tochter der Gottheit, erscheint also eines Tages im Paradies bei Eva und Adam, als sich der müde Jhvh gerade zu einem Mittagsschläfchen hingelegt hat. Die Gelegenheit ist also günstig. Sofia spricht mit Eva, erzählt ihr von der „Frucht vom Baum der Erkenntnis“, die klug mache. Eva wehrt sich zuerst, erwähnt das Verbot durch ihren sogenannten „Schöpfer“, will nicht essen, hat Furcht vor dem angedrohten Strafe. Aber Sofia verkündet Eva, dass sie nicht sterben werde, 29
  31. 31. sondern dass sich selbst wieder göttlich werden wird: „Ihr werdet Götter werden“. Durch das „Essen der Frucht“, durch die „Wollust“ also, werdet ihr wie Gott. Mit „Gott“ meint Sofia hier nicht den „schöpferischen“ Archon Jhvh, sondern die wahre Gottheit, deren Tochter Sofia ist. Durch die Kraft der Gottheit gelingt es Sofia, Eva und Adam zu überzeugen, die nachdem sie durch die „Frucht“ die Empfängnis ausgeschlossen haben, sich sogleich ans „Essen“ machen, also eine reine Wolllustvereinigung durchführen. Noch während sie in den ersten Wonnegefühlen erbeben, öffnen sich ihre geistigen Augen. Eva und Adam erkennen einander als göttliche Wesen, als Götter, wie es ihnen die „Schlange“ verheißen hat. Die erste Öffnung in der satanischen Körperfessel hat sich bei ihnen durch die Wollust eröffnet. Nach der esoterischen Anatomie der gnostischen Katharer befindet sich die Öffnung in der Gegend der Geschlechtsorgane beider Partner. Hier befindet sich der Hauptsitz des göttlichen Geistwesens, des Bewusstseins oder des Ego. Durch die wollüstige Liebe und ihren Höhepunkt treten beide Geistwesen miteinander in Kontakt. Gotteslicht Gleichzeitig mit dieser Kontaktaufnahme öffnet sich bei beiden Partnern ein göttliches Schwingungszentrum, das freies Gotteslicht in die Körper aufnehmen kann. Dieses freie Gotteslicht bewirkt die endgültige Befreiung. Dieses Gotteslicht wird Eva und Adam und auch allen anderen Menschen durch Sofia übermittelt. Freies Überlicht unterliegt nicht der satanischen Fessel, und es kann vom Archon nicht beeinflusst werden. Freies Gotteslicht stärkt das in den Menschen als Geistwesen gebundene Gotteslicht und bewirkt mit ihm zusammen die „Durchlichtung“ der Körper des Menschen. Je mehr freies Gotteslicht die Menschen in sich aufnehmen, desto dünner wird die Fessel Satans. Eines Tages ist die Fessel so aufgelichtet, dass sich das göttliche Geistwesen befreien und zu Gott heimkehren kann. Daraus ergibt sich aber auch, dass der Archon/JHVH die Wollust in den Religionen der Menschen als „Todsünde“ verboten hat. Fortpflanzen soll sich der Mensch. Er soll es aber wie ein bewusstloses Tier tun, das nur den Trieb, nicht aber die wollüstige Liebe kennt. Vom Standpunkt des Archons aus ist es sehr verständlich, dass er den Menschen die wollüstige Freude verbreitet, denn sie befreit die Menschen aus dem Zyklus der Wiedergeburten. Bei diesen Gnostikern findet man etwas Einmaliges: Die Bekenntnis zur Wollust. Sie glauben nicht an die Gnade irgendeines „Gottes. Sie erkennen die Welt, benutzen ihre Kräfte, um zu ihrer himmlischen Gottheit heimzukehren. Als Eva und Adam nun den Höhepunkt der Wollust überschritten hatten, wurden sie sich ihrer Schutzlosigkeit bewusst. Denn mit der Erkenntnis von Gut und Böse hatten sie begriffen, das ihr sogenannter „Schöpfer“ in Wirklichkeit ihr größter Feind und Sklavenhalter war. Die Katharer behaupten, dass die Bibel falsch übersetzt oder bewusst gefälscht worden sein, wenn es darin heißt, dass Eva und Adam sich geschämt und sich deshalb Feigenblätter vor die Geschlechtsorgane gebunden hätten und dass sie vor Jhvh in ein Versteck im Wald geflohen seien. Die Feigenblätter sind nur das sind nur das Symbol für die Empfängnisverhütung und das Verbergen ist die positive Folge ihrer Erkenntnis über den bösen Charakter JHVH. Man weiß, mit welcher Wut er die Menschen aus seinem Pardies vertreibt, wie er sie verflucht, in einem Jammertal zu leben und wie er auch die „Schlange“ verflucht, die von nun an nur noch auf der Erde kriechen und Erde fressen 30
  32. 32. sollte. Diese verschlechterten Lebensbedingungen erschweren nun das Leben der Menschen, die nun Not und Krankheit kennen lernen. Dennoch können sie von nun an durch die Erkenntnis den Weg der Aufwärtsentwicklung gehen, der ihnen vorher versperrt war. Sofia die Erlöserin Für die gnostischen Katharer ist Sofia die Erlöserin. Sie bleibt bei den Menschen. Sie zeigt ihnen Mittel und Wege, das Jammertal der Erde langsam zu einer Basis für den geistigen Aufstieg zu entwickeln. Sofia schützt die Erkennenden, während Jhvh einen „Weltuntergang“ nach dem anderen sendet oder das Feuer auf Sodom und Gomorrha herunter regnen lässt. Aber die von Sofia geschützten Menschen überleben wie Lot und seinne Töchter, die sich durch die körperlich- seelische Liebe aufwärts entwickeln und zur Befreiung gelangen. Die esoterische Praxis, die sich auf Lot und seine Töchter bezieht, nennt man Seidr. Kinder, die aus einer solchen Liebesbeziehung geboren werden, werden wie ihre Eltern Seidris genannt. Sie sind Vollkommene, denn sie sind befreit. Wenn sie aber noch hier in der materiellen Welt bleiben, dann weil sie freiwillig bereit sind, anderen Menschen auf dem Weg der Befreiung zu helfen. Die Befreiung erfolgt nach katharischer Ansicht entgegen dem Schicksal oder Karma. Während die meisten Esoteriker der Meinung sind, dass das Karma selbst verschuldetes Schicksal darstelle, sind die Gnostiker davon überzeugt, dass es ihnen vom Archon auferlegt wird, damit sie sich nicht aufwärts entwickeln und befreien können. Nur durch Erkenntnis, Liebe und Freude und enge Zusammenarbeit mit Sofia kann so viel freies Gotteslicht aufgenommen werden, dass eine Befreiung von den Fesseln der Materie erfolgt. Katharer lehnen das Kirchentum ab Die gnostischen Katharer lehnen das übliche Kirchenchristentum ab. Sie demaskieren die römische Kirche, sie versuche, aus den Menschen Schlachtvieh zu machen. Sie versuche weiterhin, durch die zehn Gebote und die tausend von ihnen abgeleiteten Kirchengebote die Menschheit noch weiter zu verdummen. Doch der Weg der Aufwärtsentwicklung durch Erkenntnis, Liebe und Freude hat seine Schwierigkeiten. In der Zeit vor etwa 2000 Jahren befindet sich die Menschheit im Feudalismus. Wenige Adlige herrschen diktatorisch über die wenigen Freien und die weitaus zahlreichen Sklaven. Wo bleibt da für die große Volksmassen der Weg der Freude und der Liebe? Außer den wenigen Herrschenden kann niemand der geistig-seelisch-körperlichen Liebe und Wollust hingeben. Die Menschen sind so versklavt, dass sie nicht mal ihre Liebespartner selbst wählen können. Der Weg der Erkenntnis ist damit so ziemlich versperrt. 31
  33. 33. Gott und seine zwei Frauen. Der Teufel bei den Katharern Von Daniela Müller Heft 3, 2011, Sp. 69-76 <71> Was haben also Gott und seine Frauen, so wie im Titel aufgeführt, mit dem Teufel zu schaffen? Wieso sollte man über eine göttliche Ehebeziehung ausgerechnet beim Teufel landen? Sehen wir uns zunächst die Geschichte, den Mythos an, auf den die Katharer ihre Lehre basierten: Die zentrale Geschichte im Katharismus, von dem aus sich die katharische Kosmologie, Anthropologie, Soteriologie und Eschatologie entwickeln, ist die Erzählung vom Fall der Engel [17], der in seinen Grundelementen auf Offb. 12,7 beruht, allerdings unter Aufnahme gnostischer Momente. Von hier aus wird dann der spezifische katharische Dualismus begründet – entweder in seiner radikalen oder seiner gemäßigten Form. Verschiedene Fassungen des Engelsturzes werden durch die katholischen Gegner überliefert. In ihnen steht zumeist ein Kampf zwischen Michael und den Engeln mit dem Teufel und seinen Dämonen im Mittelpunkt. Die Schöpfung fällt hierin zusammen mit dem Kampf gegen das Chaos; Weltschöpfung ist zugleich Weltordnung. Neben dieser eher gewaltsamen Aktion des bösen Prinzips berichtet aber der italienische Dominikaner und Inquisitor Moneta von Cremona [18] von einer Akzentverschiebung: Immer noch dringt Luzifer als Abgesandter des bösen Prinzips in den Himmel des guten Gottes ein und bringt die Engel zum Abfall. Doch nun ist seine Taktik die der Täuschung und Irreführung. Luzifer wird, in Analogiebildung zu Gott und Jesus, seinem Sohn, als Sohn des bösen Gottes aufgefasst, der sich in einen Engel des Lichts verwandelt und wegen seiner großen Schönheit von den Engeln Gottes geliebt und vom Herrn als Verwalter [19] eingesetzt wird. Mit seiner Verschlagenheit aber täuscht er die Engel, bringt sie zur Sünde und zieht sie aus dem Himmel weg. [20] In den späteren Versionen der Erzählung tritt fast immer das Motiv der Verführung der Engel durch List und Tücke von Luzifer an die Stelle des gewaltsamen Kampfes. [21] Mit dieser Akzentverschiebung erscheint nun auch die Frau – wohl nicht ohne Zufall, da nun die Gewalt der List Platz macht, die in der christlichen Tradition überwiegend der Frau zugeordnet wird. So wird in der italienischen „Brevis summula“ um 1250 geschildert, wie der Sohn des bösen Gottes, Luzifer, in den Himmel aufsteigt und dort die Frau des höchsten Königs ohne ihren Mann, also ohne Gott, vorfindet: »Solches ist die Ketzerei der Albigenser, die sagen, daß Luzifer, der Sohn des bösen Gottes, in den Himmel aufstieg, und die Gattin jenes des höheren Königreichs ohne ihren Mann, also Gott, findet; [...] und nachdem sie sich zuerst verteidigte, sagte er ihr, wenn sie zustimme, mache er sie zur Herrin in seinem Reich und daß sie wie eine Göttin angebetet würde. Und so beruhigte er sie und verleitete sie«. [22] Hier wird also einem weiblichen Himmelswesen die Schuld am Engelsturz zugeschrieben, 32
  34. 34. denn in der Folge zieht diese „Frau Gottes“ die Engel mit sich in den Abfall. Nicht nur negativ, sondern auch vollkommen entwertet, tritt zu Beginn des 14. Jahrhunderts sodann ein weibliches Wesen in einer Version der Geschichte auf, die dem monoprinzipalen Bekenntnis, also dem radikalen Dualismus, zuzuordnen ist. Arnaut Sicre aus Ax gibt vor der Inquisition an, von Guilhem Bélibaste, dem letzten guten Christen des Midi, die folgende Version gepredigt bekommen zu haben: <72> Satan, der Feind des heiligen Vaters, wollte dessen Ruhe und Reich stören. So ging er zur Türe des Himmelreiches und wartete dort 32 Jahre lang, ohne dass ihm erlaubt wurde, einzutreten. Endlich ließ ihn der Wächter ein. Dort blieb er ein Jahr in Gesellschaft der guten Geister versteckt, damit ihn der Vater nicht sähe. Er begann nun die guten Geister aufzustacheln. Wenn sie mit ihm auf seine untere Welt hinab stiegen, würde er ihnen größere Güter und größere Freuden geben, als der heilige Vater ihnen jemals gab. Auf die Nachfrage der guten Geister hin präzisierte er, dass er ihnen Felder, Weinberge, Quellen, Früchte, Gold und Silber und letztlich jedem eine Ehefrau geben würde. Da die guten Geister fragten, was denn eine Ehefrau sei, erklärte er ihnen, dass dies eine Frau sei und er brachte ihnen eine aus seinem Reich; eine, die gut gemacht, sehr schön und mit Gold, Silber und Edelsteinen geschmückt war. Kaum hatten die guten Geister sie gesehen, entbrannten sie vor Begierde, und jeder wollte sie besitzen. So folgten sie Satan und der Frau. So zahlreich waren sie, dass sie neun Tage und Nächte vom Himmel fielen durch das Loch, durch welches Satan und die Frau gegangen waren. Erst als fast alle Geister fort waren, bemerkte der Vater die Unordnung und erfuhr auf Anfrage von einem der gebliebenen Geister, was passiert war. Gott verschloss nun mit seinem Fuß das Loch im Himmel und schwor, dass in Zukunft keine Frau mehr sein Reich betreten dürfe. [23] Dort also, wo die Erzählung mit Gewalt, Kampf und Krieg verbunden ist, wird keine Geschlechterdifferenzierung erkennbar; da dies eindeutig zur männlichen Welt gehörende Handlungsweisen sind, kann gefolgert werden, dass die Engel, Gott und Luzifer als männliche Wesen auftreten. Ambivalent wird die Handlung bei Moneta. Wie ist seine Schilderung zu werten, dass Luzifer sich in einen Engel des Lichts verwandelt, den alle Engel wegen seiner Schönheit lieben und die er dadurch zur Sünde verleitet? Welche Sünde ist gemeint? Denn diese Sünde liegt vor dem Fall der Engel, kann also nicht in ihrem Abfall bestanden haben. Es drängt sich die Vermutung auf, dass bereits hier ein sexuelles Motiv Einzug hält: die Engel werden als männliche Wesen gedacht gewesen sein, denen Luzifer als Lichtengel in weiblicher Gestalt gegenübertritt. Die Sünde, zu der er sie verführt, ist die geschlechtliche Begierde. Vorbildfunktion könnte hierbei Gen. 6,1-6 gehabt haben, wo von der Begehrlichkeit der „Gottessöhne“ auf die „Menschentöchter“ gesprochen wird. Im apokryphen Henochbuch führte dies dann zu Spekulationen über die Vereinigung der gefallenen Engel (mit denen die „Gottessöhne“ identifiziert wurden) mit den Töchtern der Menschen. [24] Diese Vorstellungen verbanden sich in der Nachfolge der Lehre der östlichen Bogomilen bei den Katharern mit der gnostischen Erzählung vom Fall der Seele als Teil der geistigen Substanz, die in die Materie fiel und dort durch die Vereinigung mit dem pneuma, welches gleichfalls das geistige Element darstellte, zur Rückkehr in die himmlische Sphäre erlöst wurde. [25] Im Henoch-Buch findet sich auch der Gedanke der Namensänderung: aus Satanael wird Satan; bei den gemäßigten Katharern und Katharerinnen taucht Lucibel auf, der erst nach seiner Empörung zu Luzifer wird, 33
  35. 35. wahrscheinlich da er das Anrecht verloren hat, eine Namenssilbe (el) zu führen, die auf Gott verweist. [26] Jedenfalls kommt Luzifer in dieser Tradition eine geschlechtlich ambivalente Rolle zu; offensichtlich kann er sich der weiblichen Gestalt bedienen, um die Engel zur Begehrlichkeit zu verführen. In der Version, in der von der Frau Gottes die Rede ist, zeigt sich Luzifers Verführungskunst jedoch in ganz anderer Weise. Es ist signifikant, dass er ihr nicht etwa als männlich schöner Engel erscheint, um sie, ähnlich wie die Engel in den anderen Fassungen, zur Begehrlichkeit zu verführen. Was er ihr verspricht, sind Herrschaft und Anbetung als Göttin. Sicher ist hier der Einfluss der berühmten Erzählung der Ursünde aus Gen. 3,1-6 und Mt. 4 erkennbar, vor allem der Vers „ihr werdet sein wie Gott“(3,5). <73> Aufschlussreich ist in der katharischen Erzählung die Personenkonstellation: Immerhin ist es die Frau Gottes, der diese Versprechungen gemacht werden, was den Verdacht nahelegt, dass hier die konkrete mittelalterliche Ehe den Rahmen gab; eine Ehe, in der, wie Gratian in seinem Dekret deutlich machte, das Unterwerfungsverhältnis der Frau unter den Mann sehr wohl erhalten blieb und nur im Bereich „eheliche Pflicht“ aufgehoben war. [27] Die Frau blieb der Vormundschaft des Ehemannes unterstellt, sie lebte, wie Thomas von Aquin es formulierte, zwar nicht in sklavischer, aber häuslicher Unterwerfung. [28] Der Verführer versuchte demnach, die »naturgegebene« Ordnung außer Kraft zu setzen, indem er die Frau neben, und nicht unter den Mann stellen wollte. Hiermit aber hätte er auch gegen die Schöpfungsordnung verstoßen, die im Bereich des ehelichen Zusammenlebens sehr wohl eine Unterstellung der Frau unter den Mann vorsah, da nur dessen überragende Unterscheidungskraft des Verstandes Garant für Ordnung und gute Lenkung sein konnte. Der Frau, welcher es an dieser Kraft ermangelte, konnte keine „gute“ Führung zugetraut und anvertraut werden. „Verheiratet“ zu sein mit Gott bedeutete also nicht etwa Teilhabe an seiner Herrschaft. Wollte die Frau die Verehrung um ihrer selbst willen, als Göttin, verstieß sie gegen die Ordnung des guten Gottes; sie ergab sich dem anmaßenden und hochmütigen Wahn, die Aufgaben und die Lenkung der Geschicke so gut wie Gott erfüllen zu können, verkannte ihre „Natur“ damit vollständig und verfiel so dem Einfluss des Bösen, was gerade die Auf- fassung von ihrer mangelnden Unterscheidungskraft bestätigt, denn wäre dies nicht so, hätte sie um sich selbst und ihren Platz gewusst. Interessanterweise hat schon der Frühscholastiker Alanus ab Insulis die spezifische Sünde der Eva als Willen zur Usurpation der Macht Gottes beschrieben, da sie, wie er schreibt, wie eine Göttin sein wollte („tanquam deam“). [29] Seine Ausführungen zum Sündenfall zeigen deutlich, wie eng die Gestalt der Eva in der klassischen Theologie mit einer entsprechenden anthropologischen Vorgabe verbunden war: Alanus setzt sich eingehend mit dem Problem der Schuldzuschreibung an Eva und Adam auseinander. Wer von beiden hatte „mehr“ gesündigt? Oder war beider Vergehen gleich zu bewerten? Offensichtlich gab es hier zwei recht unterschiedliche Fronten, von denen die eine Eva die größere Schuld zuschrieb. Dies aber ging nur, wenn Eva zu einer recht „eigenwilligen“, selbständig denkenden und handelnden Frau wurde. Folglich wird ihr und nicht Adam 34

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