Zwischen Wunsch und Wirklichkeit

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Interview mit Dr. Christian Abegglen Gründungsdirektor und Geschäftsführender Direktor der St. Galler Business School

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Zwischen Wunsch und Wirklichkeit

  1. 1. im fokus:Das neue Leitbild In lebhaften Diskussionen wie beim Leitbild-Workshop in Feldafing oder dem der Führungskräfte in Montabaur ist das Leitbild gewachsen, durch Gespräch und Austausch soll es auch im Unternehmen Wurzeln schlagen. LEITBILDVERMITTLUNG ZWISCHEN WUNSCH UND WIRKLICHKEIT Jetzt geht es darum, das Leitbild im Unternehmen zu verankern. Auf die Führungskräfte kommt es dabei besonders an. D ass Unternehmen von einem eigenen Leitbild profitieren, ist mittlerweile Konsens: Einer bran- chenübergreifenden Studie der Unternehmens- beratung Kienbaum aus dem Jahr 2011 zufolge haben immerhin 87 Prozent der Unternehmen ein entspre- chendes Dokument. Aber was ist ein Leitbild wert? Prägen Vision, Mission und Leitlinien tatsächlich den Arbeitsalltag oder fristen sie ihr Dasein gut verstaut in der Schublade? Die Kienbaum-Studie gibt darauf eine eher ernüchternde Antwort: Nur 40 Prozent der Befragten glauben, dass das Leitbild zu den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern durch- dringt und sich diese mit ihm identifizieren. nach der Verabschiedung des Leitbilds die entscheidende Die entscheidende Etappe Etappe erst noch vor uns liegt – nämlich wenn es um die Andrea Goll aus der Personalentwicklung, die gemeinsam Verankerung im Unternehmen geht. Denn wir wollen ein mit Angela Helfer aus der Unternehmenskommunikation Leitbild haben, das für alle Mitarbeiterinnen und Mitar- das Leitbildteam leitet, ist sich dieser Herausforderungen beiter im Arbeitsalltag relevant ist. Das erreichen wir nur, bewusst und überzeugt, dass es besser geht: „Wir wissen, dass indem wir alle aktiv werden.“ Zunächst müsse das Leitbild10 Zeitschrift für GIZ-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter | wir : 01_2012
  2. 2. interview: „Wie die Wurzeln eines Baumes“bekanntgemacht werden. Helfer: „Es reicht nicht, das Un- Dr. Christian Abegglen, Gründungsdirektor und Geschäfts-ternehmensleitbild in Papierform zu verteilen, wir wollen es führender Direktor der St. Galler Business School, übervielmehr im persönlichen Austausch nachvollziehbar machenund konkretisieren, so dass es Orientierung für jede Einzelne Sinn und Bedeutung von Leitbildernund jeden Einzelnen gibt.“ Dazu sind verschiedene Veran-staltungen geplant. Den Startschuss gab die Veranstaltung Herr Dr. Abegglen, warum ist einzum ersten Geburtstag der GIZ, mit der das Leitbild offiziell gemeinsames Werteset wichtig für einin Kraft getreten ist. Unternehmen? Für Goll und Helfer kommt es im nächsten Schritt vor Ein Werteset beeinflusst Sinn, Visionenallem auf die Führungskräfte an. Wichtig sei jetzt, dass und Verhalten eines Unternehmens. Erstsich diese mit dem Leitbild aktiv auseinandersetzen und es wenn man weiß, wer man ist und wofüranschließend überzeugend an ihre jeweiligen Mitarbeiter/ man steht – und das gilt für Menscheninnen vermit- und Organisationen gleichermaßen –teln und es kann man festmachen, wohin die Unter-gemeinsam „Eine Kultur ist nichts, was man nehmensreise gehen soll, welcher Sinnmit ihnen für dahintersteckt, welche Etappen die Reiseden jeweiligen sich einfach überstreift, umfassen wird, wie man miteinanderVerantwor- sondern eher etwas, in das man umgeht. Damit wird allen Führungskräften und Mitarbeitern eintungsbereich Korridor für das zukünftig von ihnen erwartete Verhalten signalisiert,ausgestalten. gemeinsam hineinwächst.“ dieses Werteset wirkt quasi als „Autopilot“. Man könnte auch sagen:Goll: „So „Werte sind wie die Wurzeln eines Baumes, die Wind und Wetterwollen wir standhalten.“sicherstellen, dass unser gemeinsam erarbeitetes Leitbilderst gar nicht in einer unbeachteten Schublade landet, Wie entwickelt man und wie pflegt man einen gemeinsamen Geist imsondern präsent bleibt und nach und nach ein Stück gelebte Unternehmen?Unternehmenskultur der GIZ wird.“ Dies könne nur ge- Ein gemeinsamer Geist kann nicht verordnet werden, er entwickeltlingen, wenn sich auch wirklich alle Mitarbeiter/innen sich oftmals über Jahrzehnte im Sozialisationsprozess evolutorisch.damit auseinandersetzen, ergänzt Angela Helfer. „Die Zeit, Der Führung kommt bei der Entwicklung und Pflege einer Un-die dieser Weg braucht, die wollen wir uns als Unternehmen ternehmenskultur eine außergewöhnlich prägende Rolle zu. Diesauch nehmen. Eine Kultur ist schließlich nichts, was man beginnt bei der Formulierung von Visionen, Vorstellungen, Wertensich einfach überstreift, sondern eher etwas, in das man und Normen. In der weiteren Entwicklung werden Kulturen durchgemeinsam hineinwächst.“ Einen ersten Pegelstand hierzu Vorbild und Vorleben der Führung für alle sichtbar stark beeinflusst.wird die für April dieses Jahres geplante Mitarbeiterbefra- Kulturveränderungen etwa verlangen von Anfang an eine eindeutigegung geben. <<< CT und einheitliche Identifikation aller Führungskräfte mit veränderten Werten und Normen. Was ist beim Thema Unternehmenskultur Aufgabe des Einzelnen? Jeder Einzelne ist sowohl Teil als auch Multiplikator von Unterneh- menskultur. Jeder Mitarbeiter prägt Facetten der Kultur mit und ist auch dafür mitverantwortlich, diese zu vermitteln. Unternehmen durchwandern in ihrer Geschichte viele Berge und Täler. Dabei ein gemeinsames „Set der Problemlösung“ oder „Rituale idealer Ereignis- bewältigung“ zu schaffen und zu überliefern, z. B. in Form von viel- fältigen Geschichten (story telling), ist Sache eines jeden Mitarbeiters. Die Fragen stellte Jörg Hilgerwir: 01_2012 | Zeitschrift für GIZ-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter 11

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