Art Patricia Karg

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Patricia Karg: Ausapern.
Bildhauerei. Malerei. Grafik. Thaur 2010.

Mit dieseM Buch möchte ich Ihnen meine Dankbarkeit und Freude an meiner Arbeit mitteilen und Sie ganz herzlich in meine Werkstatt einladen.
Bildhauerin und Malerin bin ich geworden – und schon seit meiner Kindheit kann ich mich dieser Aufgabe nicht mehr entziehen. Dieses Buch ist ein Werk für sich. Eine Ordnung ist weder nach Sparten oder Techniken noch nach vollständiger Archivierung an- gestrebt. Jede Doppelseite soll in ihrer eigenen Weise einladen. Im Buch sind meine Gedanken um das Entstehen der Arbeiten ebenso wie persönliche Erzählungen und eine Vielfalt an Werken gesammelt.

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Art Patricia Karg

  1. 1. Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar. © 2010 Verlagsanstalt Tyrolia, Innsbruck Umschlaggestaltung: Patricia Karg, Thaur, www.karg-patricia.com Layout und digitale Gestaltung: Sabine Penz, Wien Fotografie: Gerda Eichholzer, Innsbruck, München, www.gerdaeichholzer.com; Peter Jenni, Zürich Privatfotos: Reinke Weber, Innsbruck; Herbert Gyss, Innsbruck; Monika Wittib, Innsbruck; Patricia Karg, Thaur; u. w. Bildbearbeitung: Simona Obholzer, Wien Digitale Aufbereitung und Archivierung des jahrzehntealten Fotomaterials: Andreas Usel, Innsbruck Lektorat: Tyrolia Verlag, Innsbruck Druck: Alpina Druck, Innsbruck Bindung: Conzella, München © 2010 Tirol Werbung GmbH, Innsbruck2 ISBN 978-3-7022-2788-3 E-Mail: buchverlag@tyrolia.at Internet: www.tyrolia-verlag.at
  2. 2. 4
  3. 3. k a r gp a t r i c i aa u s a p e r nBildhauereiM a l e r e iG r a f i k
  4. 4. 6
  5. 5. geschaffen INHALT angeordnet als Entwicklung Verwandtschaften und Prozessabfolge mir ein Anliegen 9 Vorwort beobachtend kommentiert 10 Gästetexte ausapern 20 Patricia Karg erzählt steht zu einer Verwendung bereit 21 ein leeres Blatt umdenken 23 der kreative Prozess zeichnend berichten 30 Grafik abfolgend werkvoll 50 Bildhauerei abformen 64 Gips Farbe modellieren 70 Terralitho wachsen 106 Säule hineinfließen, begehen 122 Raum rundum erleben 132 Platz vollenden 139 Kugel kreisen 144 Scheibe sich wölben 146 Schale veredeln 148 Bronze öffnen und verzweigen 170 Blech beflügeln 175 Vielfalt durchleuchtet, geschichtet und gefügt 176 Glas gekleidet 190 Fassade um uns 204 Umraum erleben in Farbe 232 Gemälde prägnant 332 Plakat gelb, orange, rot, blau, grün 334 Impressionen lebhaft 340 Biografie eingebunden 341 Mitgliedschaften exponieren 342 Ausstellungen auflisten 344 Werkverzeichnis thematisieren und suchen 348 Stichwortverzeichnis und in Buchform gebracht 350 Layoutkonzept einzutragen 352 Sammlerblatt dankbar unterstützt 354 Sponsoren
  6. 6. 8
  7. 7. Allen meinen GönnernUND GÖNNERINNENist dieses Buch gewidmet.Durch ihr Vertrauen konntevieles verwirklicht werden.Mit diesem Buch möchte ich Ihnen meine Dankbarkeit undFreude an meiner Arbeit mitteilen und Sie ganz herzlich in meineWerkstatt einladen.Bildhauerin und Malerin bin ich geworden – und schon seit meinerKindheit kann ich mich dieser Aufgabe nicht mehr entziehen.Dieses Buch ist ein Werk für sich. Eine Ordnung ist weder nachSparten oder Techniken noch nach vollständiger Archivierung an-gestrebt. Jede Doppelseite soll in ihrer eigenen Weise einladen.Im Buch sind meine Gedanken um das Entstehen der Arbeitenebenso wie persönliche Erzählungen und eine Vielfalt an Werkengesammelt.Die leeren Seiten in diesem Buch sollen Sie einladen, IhrenGedanken Raum zu geben. Sie sollen zu Ihrer Verwendung stehen,für Ihre Notizen, für Ihre Widmungen, für Ihr eigenes Kunstwerk.
  8. 8. Prof. Norbert Siegfried Amerstorfer Ing. Lothar Bitschnau Maler, Grafiker und Schriftsteller Unternehmer und Erfinder Hall in Tirol im Sommer 1990 Nenzing im August 2010 Für Patricia Karg strömt Bild, Akt und Skulptur aus Als Kinder spielten wir, einer ergiebigen Quelle aus Geist, Dynamik und arbeiteten, unbemerkt und oft ohne Anerkennung. einer sehr empfindsamen Seele. Dabei steht sie fest und unerschütterlich in der Realität des bild- Aufmerksam, konzentriert, haft natürlichen Ausdrucks. voller Motivation und Energie Gottlob – ohne Allüren. schufen wir Werke und glückliches Leben – Teil der Erinnerung. Die Spannung aus Neugier und Sehnsucht lief unserem Schöpfen voraus und zog uns Spur in junge Welten. Patricia spielt noch immer, im kleinen Kreise Auserwählter, die es nicht lassen können, Körperseelen Form zu geben und Farbenwesen einzukleiden ... unseren Augen Glanz zu schenken. ... und wir, wir atmen tiefstes Glück, ihr Werk zu kennen.10
  9. 9. Brief:Dietmar Hosp Engelbert GitterleGalerist BildhauerNassereith/Tirol im Oktober 1992 Urgen im Oktober 1992Durch die Empfehlung eines Bekannten, Univ.-Prof. Dr. Werner Lin- Lieber Dietmar, Urgen, 12.10.1992dinger, lernte ich die Künstlerin Patricia Karg im Jahr 1992 ­ ennen. kWir trafen uns in Nassereith und saßen einige „Nachtstunden“ vor ich habe gestern die Galerie kurz nach dem Vortrag von ­ atricia Karg Pdem flackernden Feuer unseres Außenkamins hinter unserem verlassen. Ich wollte mich keinen Gesprächen mehr ­ ussetzen. Ich aHaus. Nach einigen Gläsern Wein entstand eine äußerst angeregte, war sehr berührt von der Ausstrahlung dieser großen, gescheiten,p­ ositive und offene Unterhaltung, und wir beschlossen, eine Aus- äußerst positiven, ja wirklich genialen Frau, von ihrer Arbeitskraft,stellung mit neuen Bildern, Skulpturen und Grafiken der Künstlerin ihren Lebensanschauungen!zu organisieren und im Oktober desselben Jahres zu präsentieren. Ich sehe in ihr derzeit die größte Begabung in Tirol. Freilich, das Salz des Lebens hat sie noch nicht gekostet. Seien wir darüberDie Ausstellung verlief sehr erfolgreich, obwohl die Künstlerin im froh. An ihr bewundere ich vor allem, was mir seit je abgegangenTiroler Oberland mehr oder weniger noch unbekannt war. So heißt ist – ihr Selbstbewusstsein, das aber äußerst sympathisch, nie ver-es im Text einer Oberländer Lokalzeitung als Schlusssatz: „So ist klemmt, hemmungslos oder arrogant wirkt. Ich freue mich, dasses dem Galeristen Dietmar Hosp wieder einmal gelungen, Werke der Schöpfer immer wieder solche „Mozarte“ hervorbringt.einer jungen Künstlerin der breiten Öffentlichkeit vorzustellen!“ Dir gratuliere ich herzlich, freue mich auch über Deinen Erfolg undAm letzten Tag der Ausstellung lud Patricia Karg zu einem Vor- grüße Dich und Deine liebe Frau!trag in unserer Galerie ein und berichtete in überzeugender Weise Engl Gitterleüber ihre künstlerische Tätigkeit.Der Oberländer Künstler Engelbert Gitterle verließ, ohne sich zu Patricia Karg gehört inzwischen zu den führenden Künstlerpersön-verabschieden, kurz nach dem Ende des Vortrages die Galerie. lichkeiten Tirols und ihr Schaffen ist längst auch über die GrenzenNach zwei Tagen bekam ich folgenden Brief: unseres Landes hinaus geschätzt und anerkannt!
  10. 10. Dr. Reinhold Stecher Altbischof Rum im Dezember 2005 Wenn ich das Werk Patricia Kargs betrachte, möchte ich nicht so tun, als wäre ich ein Kunstexperte. Ich bin es nicht. Ich vermag nicht, mit treffenden Worten kunstgeschichtliche Be­ züge und geistvolle Hintergründe aufzudecken. Dazu fehlt mir das Fachwissen. Ich muss die Dinge mit der Naivität des schlichten Betrachters und einem gewissen seelsorgerlichen Gespür ins Auge fassen. Und von daher weiß ich, dass unsere wohlorganisierte, technisch perfekte und mit tausend Wortfetzen vernetzte und trotzdem z ­ iemlich anonyme und vermasste Welt Gegengewichte braucht. Eine dieser Gegengewichte ist jene Art von Kunst, die uns ver­ stehend anspricht und ermunternd grüßt (es gibt ja auch Formen, die nur verstörend belasten und Abgrund, Düsterheit, Ausweg­ losigkeit und Ekel präsentieren). Das Werk Patricia Kargs grüßt mit Farben, Formen und Ideen den Menschen in der Welt von heute und macht damit das Leben ein wenig humaner, ohne das Schwere des Daseins wegzuschönen. Und im Bereich moderner religiöser Kunst gehört sie zu jenen, die die Brücke zu den Menschen zu schlagen verstehen. In der kirch­ lichen Kunst ist diese Fähigkeit ja immer besonders gefordert, weil Kirchenbesucher nicht einfach mit jenen identisch sind, die sach­ kundig durch Galerien wandern. Jedes Mal, wenn ich den Brunnen in der Eingangshalle unserer Privatklinik in Hochrum sehe, mit der kreisenden Kugel in den farbigen Bögen, geht ein Hauch von tröstlichem Leben durch das Krankenhausfoyer, eine ferne Erinnerung an jenen Regenbogen, den Noah nach der Sintflut als Zeichen des Bundes über dieser12 belasteten Welt gesehen hat. So ergreife ich gerne die Gelegen­ heit, hier für diese Kunst zu danken.
  11. 11. Dipl.-Ing. Norbert HeltschlArchitektImst im Oktober 2006Es war gerade noch rechtzeitig, als meine architektonischenA­ ktivitäten durch den Auftrag zur Umgestaltung des inzwischen50 Jahre alten Tivolibades herausgefordert wurden.Ich habe unter der Bedingung angenommen, dass das Gesamt­ So wenig man KUNST in Worte fassen kann, so sehr beeindrucktkunstwerk (BAUHAUS) als Klassische Moderne im Zusammen­ mich das Bekenntnis von Patricia Karg:wirken mit Künstlern gestaltet werden kann. Dies geschah schonmit hervorragenden Künstlerinnen und Künstlern beim Neubau, „Durch meine Arbeit möchte ich den GEIST der Menschen er­ auen bdie dann auch konsequent dieses mein Vorhaben im Sinne des und weiten. Meine Werke sollen Nahrung für die SEELE sein.“Gesamtkunstwerkes realisiert haben.Das künstlerische Wirken von Patricia Karg als Malerin, Bild­ auerin h Die Kunst unserer Zeit muss MODERNE, von uns geschaffeneund Grafikerin war mir aus Katalogen, Ausstellungen und durch Formen widerspiegeln, die unserem Anspruch, unseren Inten­A­ rbeiten im öffentlichen Raum bekannt. Patricia Karg schien für tionen entsprechen und diese veranschaulichen. Es gilt nicht nurmich aufgrund ihrer allseits geschätzten und gelobten Gestaltungen zu erkennen, sondern es gilt zu erfühlen. Die bloße Übernahmefür die Zusammenarbeit hoch qualifiziert und geradezu ­ rädestiniert p des Sichtbaren kann nicht die Herausforderung sein. Der Inhaltzu sein. Die Vielfalt ihrer künstlerischen Zeugnisse ebenso wie ihr erschließt sich nur durch die Auseinandersetzung mit dem hochexperimentelles Werk sind Bestätigung für ihren ­ irtuosen Umgang v qualifizierten künstlerischen Werk.mit Farben und Formen. Gerade das ­ xperiment ist – in all seinen EErscheinungsformen – das eigentliche Freiwerden geistiger Mög­ Zum Schluss noch eine Bemerkung betreffend meiner Liebe zumlichkeiten aus den Klammern eines einseitigen, letztlich primitiven grafischen Werk von Patricia Karg.Intellektualismus. Anlass sind die hervorragenden Bleistiftzeichnungen aus dem Jahr 1993, die Patricia Karg mit folgenden Worten unterstreicht:Mit künstlerischen Erfahrungen solchen Ursprungs konnte sodann „Einen Strich zu ziehen bedeutet, einen Gedanken haben, eineauch völlig frei und unbeschwert ein Gestaltungskonzept ent­ ickelt w Vorstellung zu haben und diesen zu folgen ... Es gibt nur einewerden. S ­ ache, die edel ist und unserem Wirken zugrunde liegt, das ist die Zeichnung.“Und am Ende dann das überzeugende Resultat: Patricia Karg hat Und diese ihre Erkenntnis sollte auch für die ARCHITEKTURdie Farbe gekonnt in das Erscheinungsbild der Architektur ­ntegriert. i g ­ elten, welche sich vom Gigantismus zum Minimalismus bewegenSie hat durch die relativ neutrale, aber sehr bewusst gesetzte Farb­ e­ g möge.bung eine über zeitgeistige Tendenzen hinaus­eichende Lang­­ r lebig­ Ich jedenfalls freue mich auf den Kunstkatalog und bin natürlichkeit erreicht – weder Zeitgeist noch Zeitentwicklung noch kurz­ristige f schon gespannt auf die entsprechende Würdigung der hochMode­ rscheinungen können diese Form der Eigen­ tändigkeit, e s q ­ ualifizierten künstlerischen Zeugnisse von Patricia Karg. Denn­ iesen ganz persönlichen Zugang, gefährden. So ge­ ehen war fürd s es ist eine Liebeserklärung an die Schönheit.mich die Erfüllung eines Gesamtkunstwerkes ge­ eben. g
  12. 12. Robert Schneider Schriftsteller Götzis im Januar 2006 Die Farbe des Fühlens – eine Note zu Patricia Kargs Arbeiten Mit beharrlicher Regelmäßigkeit verstößt die Malerin und Bild­ bisher unbekannten Künstlers 2.000 Euro kostete und in drei hauerin Patricia Karg gegen den feuilletonistischen Kanon der J ­ ahren plötzlich 200.000 Euro kostet, muss an dem Bild wie an zeitgenössischen Kunst. Indem sie dem allgemein verbindlichen, dem Künstler schon was dran sein ... strukturell-reduktiven Konzept von Kunst eine geradezu explo­ dierende Fülle an nicht kongruenten Farben und Formen ent­ Patricia Karg ist eine Künstlerin, die sich um den theoretischen gegenhält, wird sie zu einem „Fall“ in der österreichischen Ge­ Diskurs wenig schert, weil dieser Diskurs dem Kunstschaffenden genwartskunst. Ihre Arbeiten erregen ebenso viel Bewunderung an und für sich fremd ist. Sie kommt mit diesem Diskurs – und den wie sie Ärgernis und Kopfschütteln provozieren. Kargs Werk ist Verletzungen wie den Freuden, die daraus resultieren – immer nur von einer derart wuchtigen, exaltierten Buntheit, dass es manch dann in Berührung, wenn das Bild gemalt, die Skulptur gegossen einem Sachverständigen den Atem verschlägt. Da wird schnell ist und sich also auf dem Jahrmarkt der Eitelkeiten behaupten soll. eine Schublade aufgetan, und auf der Schublade steht mit kalli­ Den Schaffensprozess selbst tangiert das wenig. Emil Nolde soll graphischer Schrift: Emotion ist gleich Irrationalität. einmal gesagt haben, das Entwürdigendste sei ihm stets gewe- sen, ein Aquarell erklären zu müssen, um dafür einen günstigen Der Kunst das Fühlen zu verbieten heißt aber, die Kunst überhaupt Preis zu erzielen. Und darin liegt eine sehr tiefe, schmerzliche Er- abschaffen. Das ist der theoretische Kunst- und Architekturdiskurs kenntnis. Die Kunst unserer Zeit scheint ihrem ureigenen Medium der letzten sechzig Jahre. Indem man glaubt, die Kunst von der nicht mehr zu vertrauen – nämlich der Wortlosigkeit. Sie bedarf Emotion abspalten zu können – Emotivität führt angeblich in die offensichtlich der Adelung durch das Wort. Sie braucht die Krücke Barbarei –, hofft man eine Kontrollinstanz gegen alles Bedrohliche eines theoretischen Unterbaus. Viele Geister müssen zuerst über und Angstmachende zu haben. Aber Gefühle sind nicht linear, das Kunstwerk reden, ehe es etwas gilt. Es muss durch die ­ edien M von sachlicher und struktureller Transparenz. Ganz im Gegen­ gegangen sein, in provozierender oder nicht provozierender Weise, teil! Gefühle erzeugen – sofern man von theoretischen Konzep­ wie auch immer. Dann erst ist der Künstler etwas wert. ten verstellt ist – zuallererst Unbehagen. Nirgendwo sonst wird in unserem Alltagsleben so verhohlen emotional gestritten wie über In diesem Sinn ist Patricia Kargs Kunst nichts wert, behält ­ ämlich n Kunst. Freilich immer unter dem Deckmantel einer Autorität, die bei ihre Unschuld und bleibt unverdorben. Und es ist dieser unge- genauerem Hinsehen und Nachfragen ihre ästhetischen und ge­ stümen Künstlerin nur zu wünschen, dass ihr all der unerschöpf- sellschaftlichen Prämissen nicht erklären kann, geschweige denn liche Reichtum an Farben und Formen erhalten bleibt. Der eben will. Das wäre dann wie mit dem Märchen von dem Kaiser und sei­ erwähnte Emil Nolde soll auch gesagt haben, dass, als gewisse nen neuen Kleidern. Kunst kann nicht gemessen, ge­ ogen oder w Kreise seine Aquarelle plötzlich zu sammeln anfingen, er unter irgendwie berechnet werden. Niemand kann empirisch beweisen, g ­ roßer Irritation gelitten habe. Ein Leben lang habe er gegen den14 was gute Kunst ist oder eben schlechte. Geadelt wird Kunst im Geschmack der Zeit gemalt und nun werde er plötzlich Geschmack schamlosesten Fall durch den Kunstmarkt. Wenn das Bild eines der Zeit. Da könne etwas nicht mehr stimmen an seiner Arbeit.
  13. 13. Mag. Dipl.-Ing. Thomas HäusleDirektor der Kunsthalle WienPräsident des Vorarlberger KunstvereinesDornbirn im Februar 2006Patricia Karg wünscht sich, Menschen durch ihr Werk zu beseelen. „Kunst soll man nicht verstehen, sondern erleben und fühlen“,Dieser Mission folgend ist ihr ein besonderes Kunststück gelungen. meint Patricia Karg. Das ist der Pfad der Annäherung. Der helfendeEin Kunststück höherer Ordnung gleichsam. Sie beseelt einerseits Faden ist die Leidenschaft, die Lust und die Emotionalität. Darineine stets wachsende interessierte Gemeinde aus Kunstliebha- allein vereinen sich Material, Farbe, Form und Mensch zum Werk.bern mit ihren Werken, sie beseelt jeden, der mit ihr in Kontakt tritt Das Positive wird uns dabei nicht vorgetäuscht – es wird uns vor-persönlich und sie beseelt sich selbst, indem sie sie sich in ihrem gelebt, vorgemacht. Die Harmonie und Kraft der Farben stellt sichSchaffen immer aufs Neue findet und manifestiert. Authentizität bewusst und siegessicher in Konkurrenz zur Aggressivität der For-zwischen Mensch und Werk, stete Präsenz der Absicht und Kon- men und Materialien.gruenz zwischen emotionaler Absicht und künstlerischer Wirkungprägen das Werk und das Leben von Patricia Karg. Die Kunst der Patricia Karg fragt nicht und gibt keine ­ ntworten, A sie deutet nur und zeigt. Sie versucht voller Leidenschaft, es unsDie künstlerischen Mittel sind dabei auffallend vielfältig, denn einfach etwas angenehmer zu machen. Und weil es uns so schwer-das Talent sprengt jede feste Definition von Technik und Material. fällt, das anzunehmen, macht sie es aktiv und intensiv und des-Skulpturen, Bilder, Objekte, Zeichnungen, Installationen, Inszenie- halb wirkungsvoll und treffsicher. Emotionen sind alles, was ­ iese drungen gefertigt auf Leinwand, Textil, Papier geschaffen aus Stein, Kunst ausdrücken will – Emotionen, Leidenschaft und Lust. EsMetall, Glas – nein, derart kommt man Patricia Karg und ihrer ist kein Streben darin zu finden, außer nach Harmonie. Es ist keinKunst nicht näher, nicht an sie heran. Die Vielfältigkeit der Techni- Verständnis gefordert, außer dem gegenseitigen. Es sind keineken und Materialien, der Interessen und Aktivitäten hilft uns nicht, Worte notwendig, sondern Gefühle. Es ist keine Reflexion gefragt,die Künstlerin zu verstehen, sie hilft uns lediglich, uns zu verirren in s ­ ondern Bereitschaft. Hier wirkt das Bedürfnis eines Menschen zuder Ratio möglicher Reflexionen, welche die Künstlerin möglicher- erfreuen, zu geben, zu erweitern und zu leben – zu beseelen eben.weise provoziert, keineswegs aber beabsichtigt.
  14. 14. Mag. Ilse Abka-Prandstetter akademische Malerin Aldrans im März 2007 Wo liegt die Basis eines Künstlers? Liegt sie dort, wo das Spiel mit Farben und Formen zum Rausch Du stellst dich auf die Auftraggeber ein und versuchst sie in Deine wird? Oder dort, wo Farben und Formen zum Ausdrucksmittel Welt zu führen – das ist eine Deiner großen Stärken. Du agierst auf menschlicher Erlebnisintensität dienen? sie zugehend, bis auch die Erfordernisse des Raumes mit Deiner Für mich findet Kunst immer auf dem schmalen Grat statt, wo Ver­ Arbeit zu einer Einheit verschmelzen. stand und Emotionen einander begegnen. Beide singen wir das Lied der Farben, das zur Musik der Augen werden soll. Du hast die Frage in Deiner Arbeit immer wieder beantwortet – all Deine künstlerischen Aussagen stehen als ein Zeichen ­ eines D Und noch etwas: In einer Bildfigur sich zu drehen, von oben nach Kommunikationswillens. Du arbeitest, nicht um Dich zu be­riedigen, f unten, von rechts nach links, um ins Zentrum zu sehen, ist eine sondern um anderen (wie du selbst sagst) Freude zu machen. Wie deiner großartigen Bildfindungen. gerecht ist es doch, dass diese Freude auf den Erzeuger zurück­ Ja, das Zentrum zu sehen. – Ist die Welt nicht durchzogen von fließt! Ich genieße Deine offene, faszinierende Ausstrahlung. Wie Terror und Gewalt? Wie sehr braucht sie die Zeichen der Freude! aus ­ inem angefangenen Bild trittst Du aus Dir heraus und voll­ e Muss man sich nicht immer wieder fragen, ob es notwendig ist, endest Dich in Deinem Äußeren. dass die Kunst auf die dunklen Seiten der Welt den Finger hält und darin herumwühlt; ist doch die Tragik selbst durch kein Auf­ Wie war doch eine unserer ersten Begegnungen? Es war bei ­ inem e zeigen zu überbieten und deutlicher zu machen. Wettbewerb, der von der Jungen Industrie für Künstler gestartet wurde. Und nicht ganz ohne Dein Zutun hab ich damals einen Zeigt die Welt nicht offen ihre Wunden, wenn man spürt, Preis gemacht, obwohl Du ja selbst mit Deinen Zeichnungen ver­ wie sehr sie der Fröhlichkeit und Freude bedarf? treten warst. Damals wusste ich: Du bist neidlos. Wie selten kann Heilt man nicht auch Wunden eher mit Balsam? man das von Kollegen sagen ... Später sind wir uns dann immer wieder bei Wettbewerben begegnet, und jedes Mal lächelten wir Ich hoffe, dass wir in unserer Arbeit dieser Frage nachgehen werden. uns wissend zu – kennen wir doch beide das Spiel vom Glück und In Freundschaft, Ilse Zufall der Entscheidungen. Wie oft aber konntest Du Dich erfolg­ reich durchsetzen.16
  15. 15. Dr. Volkmar Käppl Baurat h. c. Prof. Hubert PrachenskyKunstsammler ArchitektWien im Juni 2007 Innsbruck im Herbst 2007Mensch sein.Was ich bei den Kunstwerken von Patricia Karg empfinde. Für die Künstlerin Patricia KargMensch sein. Ausgeliefert sein. Dem Schicksal und der Umwelt. Der Dreiklang der Bildenden KünsteSchmerzen ertragen, Zuwendung erfahren, Geborgenheit ­ e­ ießen. g n Architektur – Malerei – BildhauereiFragen stellen, Antworten hinterfragen, den Willen durchsetzen. ist ein wichtiger Teil der Weltkulturen.Scheitern und erneut versuchen. Erfahrungen ­ achen, lernen, Ent- mwicklungen durchleben. Es ist schön, dass wir dabei sein können.Leben. Existieren. Ziele setzen. Bewusst leben. Reflektieren. Miss- Herzlicherfolge verkraften und zornig sein. Meditieren. Erfolge feiern und Hubert Prachenskyglücklich sein. An etwas glauben.Allein sein. Mit mir. Mit meiner Meinung. Zusammenarbeit suchen.Miteinander. Zusammensein erleben. Ineinander. Geistig und kör-perlich.All das ist für mich aus dem künstlerischen Werk von Patricia Kargherauslesbar. Es findet Ausdruck. In ihren Bildern und in ihrenSkulpturen. Sie machen sichtbar und sie regen an. Zu Gedanken.Sie machen auch bewusst. Mensch zu sein.
  16. 16. Prof. Dr. Andreas Kühne Historiker und Kunsthistoriker, Honorarprofessor an der Akademie der Bildenden Künste in München, Kunstkritiker (u. a. für die Süddeutsche Zeitung und die Antiquitäten Zeitung), Ausstellungskurator Christoph Sorger Metamorphosen der plastischen Form Autor und Übersetzer, Kunstjournalist, Anmerkungen zum Werk von Patricia Karg Öffentlichkeitsarbeit für die Stadt Leipzig München im Juli 2007 Die Verwandlungen von Linien und organischen Gebilden, von Blütenblättern, Schriftformen und Tanzbewegungen waren es, die Künstler und Publikum um 1900 faszinierten. Werner Hofmann, einer der Theoretiker der Moderne, hat einmal als wichtiges Erbe dieser Zeit die Einsicht bezeichnet, dass alle Form Metamorpho- se ist. Seit er diese Feststellung traf, sind gut fünf Jahrzehnte ver- gangen, und manches, was damals Erbe schien, ist inzwischen aufgebraucht. Seitdem ist die Kunst in ihre „posthistorische P ­ eriode“ eingetreten und hat den Künstler aus dem Zwang ent- lassen, ­ iner „korrekten historischen Linie“ zu folgen. Patricia Karg e gehört einer Generation an, für die jene Freiheit bereits eine Selbst- verständlichkeit ist. Wenn irgendein Erbe für sie noch verbindlich ist, dann diese von Hofmann formulierte Erkenntnis. Angesichts ihres ­ lastischen Werkes, das sich seit rund zwei Jahrzehnten in p einer staunenswerten Variationsbreite entfaltet, drängt sich dieser Gedanke geradezu auf. Mit großer Unbefangenheit hat Patricia Karg ein plastisches R ­ epertoire entwickelt, das Mimetisches einschließt – vorzugs­ eise w Formen des menschlichen Körpers, der Tier- und der Pflanzen- welt – und in dem das abbildhaft Organische vielfältig variiert wird. Bis hin zum fantastisch Organoiden. Der reinen Stereometrie be­ gegnen wir in diesem Repertoire nur in selten angestrebten Grenz- bereichen. Patricia Karg folgt dabei keinem Kalkül. Ihre Gebilde sind keine ­ aterialisationen abstrakter Formzusammenhänge oder M i ­ntellektueller Konstrukte. Sie entstammen einem Wirklichkeits­ bereich zwischen reinem Sinneseindruck und reiner Kognition, den Henry Corbin als „imaginal“ bezeichnet hat. Einem Bereich, dessen Bilder an unsere Vorstellungskraft appellieren. Patricia Kargs Form- findungen berühren uns häufig durch ihren emotionalen, direkten18 und unverstellten Ausdruck. Ähnlichkeitsbeziehungen zu Objekten der „realen“ Welt spielen dabei eine untergeordnete Rolle.
  17. 17. Letztlich ist es der Prozess des Lebens selbst, der im mundus prozesse widerspiegeln. Bei der Betrachtung der vielen Arbeitenimaginalis bildhaft erfahren werden kann. Patricia Kargs Arbeiten Partricia Kargs in Kugelformen, in denen sich menschliche undleben alle auf die eine oder andere Weise von der Verbindung v ­ egetabilische Formen verschlingen, auseinander hervorgehenmit dieser Welt der inneren Bilder und ihrer Dynamik. Um ­ iesed oder ineinander übergehen, mag man an eine frühe griechischeDynamik in sicht- und tastbare Gegenständlichkeit zu übersetzen, Kosmogonie denken, die schon ein philosophisches Gedanken-bedient sie sich einer Vielzahl von unterschiedlichen formalen gebäude ist, aber in ihrer Bildhaftigkeit dem Mythos noch sehrM­ itteln. Im Ergebnis entsteht „reine Kunst“, die für sich stehen nahe­ teht. Sie stammt von Empedokles (483/82-424/23 v. Chr.), skann, oder „angewandte Kunst“, die in sakralen oder profanen, dem legendenumwobenen, griechischen Philosophen und maß-zumeist öffentlichen Räumen Akzente setzt. Holz, Bronze, Stahl, geblichen Begründer der Lehre von den vier Elementen. Empe-Marmor, Glas oder Kunststein dienen dabei als Material, und dokles hatte die Vision eines Universums, das im Wechsel vonhäufig tritt eine satte, sorgfältig abgestimmte Farbigkeit hinzu, die den beiden kosmischen Prinzipien Liebe (Philotes) und Streit bzw.Bewegung und Volumen energisch betont, aber auch zurück- Hass (Neikos) beherrscht wird. Die Liebe bewirkt, dass Feuer, Luft,nehmen und Massen ins nahezu Gewichtslose auflösen kann. Wasser und Erde sich miteinander verbinden, der Streit bedingt ihrWerden und Vergehen, Einssein und Loslösung, Glück, Schmerz Auseinanderfallen. Unter der uranfänglichen Herrschaft der ­ iebe Lund Tod, Untergang und schwereloses, selbstvergessenes Spiel bildeten sie einen Sphairos, d. h. eine vollkommene, als göttlich ge-finden ­hren Ausdruck in Gebilden, die nicht nach stilistischem i dachte Kugel. Der wachsende Streit verursachte einen Wirbel undPurismus fragen, sondern als bildhafte Analogien der Meta­ damit ihre Separation, d. h. die Differenzierung der kosmischenmorphosen des Lebens betrachtet werden können. Strukturen und Elemente. Wenn die Krise aber ihren HöhepunktFormal strukturiert werden diese Plastiken von den beiden überschritten hatte und die Liebe sich wieder aus­ reitete und der bA­ spekten, unter denen Entwicklungsprozesse überhaupt vor­ Streit sich zurückzog, „entstanden alsbald sterbliche ­ esen […]. Wgestellt und erlebt werden können: von linear gerichteten Abläufen Und aus ihnen ergossen sich, wie sie sich so mischten, un­ ählige zoder zyklisch in Spiralen zu ihrem Ausgangspunkt zurück­ ehrende k Scharen sterblicher Geschöpfe, in tausenderlei Ge­ talten, ein sbzw. diesen umrundenden Bewegungen. In plastische Werte über- Wunder zu schauen“. Dieser Prozess wiederholt sich von Äonsetzt heißt dies: in den Raum ragende, ausgreifende Strukturen zu Äon. Das Werden ist diesem Bild ebenso eingeschriebenoder runde Formen. Es gibt kaum eine Arbeit von Patricia Karg, wie das Zerfallen. Da unser Leben sich zwischen beiden Polenbei der nicht das eine oder andere dieser Momente dominieren b ­ ewegt, können uns Bilder und Objekte wie die von Patricia Karg,würde. Letztlich sind es archetypische Bilder, die hier durchschim- die ­ iesen Prozess veranschaulichen und damit bannen, immer dmern, Bilder, die sowohl mikro- als auch makrokosmische Lebens­ w ­ ieder aufs Neue berühren.
  18. 18. Karg Patricia akademische Bildhauerin und Malerin ausapern soll mein erstes Buch heißen. (aprire <lat.>, öffnen, aufmachen, sichtbar machen, entblößen, Ein weiSSes Blatt Papier – Beginn für vieles. Der Liebes- aufdecken, zeigen, klarmachen, offenbaren, enthüllen; viam ­ prire a brief, der Plan für dein Haus, das zerknüllte Blatt am Boden, der – bahnen, eröffnen) Papier­ ieger, der deinen Übermut zeigt, das brennende Blatt fl mit der Faszination des Feuers. Erneuerung und Veränderung Wie eine zugeschneite Landschaft, sanft, ohne Kontur b ginnen mit diesem Blatt. ­ e­­ und ohne Profil glänzend, lädt diese zur Berührung ein. Fasziniert und mit etwas Respekt zieht unsere Neugier die erste Spur in das Mit jedem meiner Werke sitze ich vor dem perfekten Nichts, und unberührte Feld. Ein Zeichen der Zeit und des Seins wird damit ich lasse meine Leidenschaft ausapern. sichtbar. Ich beginne zu zeichnen, und die Hand übt sich darin, umzu­ etzen s Es ist der erste Strich am weißen Blatt Papier. und aufzuzeichnen, was dem Geist entspringt. Es ist die ausgeführte Bewegung deiner Hand, welche damit sicht- bar bleibt und einen Reiz für dein Auge darstellt. Vor dem weißen Ein Bild entsteht ... Die glatte Perfektion der weißen Lein- Blatt sitzt du, bei deinem ersten Aufsatz, alles ist möglich. Es gibt wand weicht meinem Wirken. Ich will die weiße Schneelandschaft dir die Voraussetzung für dein Ich, deine Vision, deine Klage, deine besitzen, ich tanze darauf und markiere sie. Der Wille zur Idee baut Erinnerung, du schreitest in dein Schneefeld. Die Zeichnung teilt das Bild. Die Farben bilden Kontinente. Linien benötige ich, um das Feld, vernetzt die Gedanken zu Geweben. einzufangen, was die Geschichte des Bildes ausmachen wird. Es wird aper. Die Landschaft wird erkennbar. Man spürt den Wenn mich Verliebtheit in meinem Handeln blind macht und ­ abeid C ­ harakter des Bodens. Die Linien am Blatt, die Spuren im Schnee zuviel geschehen lässt, erstarrt das Werk und stirbt. Das hingegen und die Falten auf deiner Haut sind Kundwerk von dir. p ­ erfekte Ende im Bild zu finden ist ein sehr einsamer Prozess.20
  19. 19. Der kreative Prozess ebenso wie die Abfolge der Werke Der Bleistift erzählt den Gedanken, das Gefühl aber verlangt nochin diesem Buch ist eine Entwicklung, bei der das eine aus dem nach der Stimmung durch die Farbe. Das ursprüngliche Materialanderen erwächst. Keine meiner Arbeiten entsteht isoliert. wie Holz, Stein oder Metall wird durch die Bearbeitung in seinerUnd so möchte ich Ihnen an dieser Stelle auch gern den Weg E ­ igenart sichtbar. Es wird angeschnitten, angeschliffen, ­ ezeichnet bmeines kreativen Vorgehens aufzeigen, und das vorwiegend im und bemalt und wieder bearbeitet. All die Spuren des Suchensmanuellen Sinne. nach dem Ausdruck addieren das Werk und verändern die ­ arben.F.... habe eine Sehnsucht, suche nach einer Botschaft, erfinde dich Es wird bunter, und erst durch die intensive Bearbeitung wird esselbst, denke und zeichne, begehe den Weg, ich verändere ­ einen m mehr und mehr das Meine. Diese Farben sollen nicht als ein Über-Blickwinkel. Ständig suche ich. Ich suche nach einer ­ otschaft. Ich B zug etwas vortäuschen, vielmehr sollen sie als bewusste Materiedenke und zeichne. Ich begehe den Weg. Ich ändere meinen Blick- die Wirkung verstärken, sollen Sie in eine Stimmung mitnehmen.winkel, drehe mich oder die Zeichnung, entdecke und frage nach; Auf diese Weise werden meine Zeichnungen zu farbigen Bildern,das Bild verliert so die Richtung, wird mitunter rund und ergibt zu bunten Skulpturen; die Wahrnehmung vieler Materialien würdev­ öllig neue Betrachtungsweisen. Das flache Blatt entwickelt sich ansonsten nur an der Oberfläche verbleiben.in die dritte Dimension. Ich wölbe es auf und erfahre den Raum, Nun verlangt es mir aber nach dem Einblick in die Tiefen des Ma-entdecke darin zum Beispiel eine Schale. Ich gebe und nehme, terials. Neue Stoffe suche ich zu bearbeiten. Transparent und ingrenze ein und grenze aus, suche zu ergründen, warum die Form seiner leuchtenden wunderbaren Farbkraft bot und bietet sich miroffen ist, ­ arum sie offen sein soll. Die Form bedingt den Ausdruck. w Glas an. Licht und Schatten ebenso wie die Bewegungen als Ge-Die Fläche der offenen Form schließt sich, wird zu einer Kugel staltungsergänzung nehmen ihre Plätze ein. So wandeln sich dieoder zu einem Würfel. Durch die Notwendigkeit meines Willens zur Werke im Laufe der Zeit durch all diese von mir gerufenen Aus-R­ ichtung wird diese Form zu einer Säule, ein tragend fester Teil. drucksmöglichkeiten in eine Vielfalt. Ein vorgeformtes Ziel ist dabeiEs drängt mich nach Einblick. Die geschlossene Fläche soll sich nicht angedacht.wieder auflösen, soll Durchdringung zulassen – somit werden dieFlächen zu Netzen; die Breite verjüngt sich zur Linie.
  20. 20. Kindheit: Ich wurde am 7. Dezember 1961 in Innsbruck nach ganze ­ ollektionen neuester Kleider ersann. Die abge­ issenen K r meiner Schwester Astrid als zweite Tochter von Ludwig und Blüten­ olden der ­ urfinien wurden gewendet, und in die Engstelle d S G ­ ertraud Karg geboren. Mein Großvater Gebhard Karg kam aus der Blüte kam als Kopf eine geschlossene Geranien­ lüte hinein, b Lauterach und war Volksschullehrer im Lechtal. Meine Groß­ und das waren dann meine Puppen. Die erste teure ­ uppe, die P mutter Paula, geb. Larcher, war Handarbeitslehrerin und stammte ich geschenkt erhielt, hab ich sogleich verbessert, angemalt und aus Bach im Lechtal. Sie verstand es, Kleider selbst zu erwirken. die Haare ­ kreativiert“, was Mama so erschreckt hat, dass ich „ Über den Anbau von Hanf und dann über das Handwerk des das Puppen­ pielen aus Sicherheitsgründen wieder sein ließ, um s Spinnens und Webens fertigte sie aus dem gewonnenen Leinen die Konfrontation um die nun neue Schönheit der Puppe zu ver­ ihre eigenen auffälligen Modelle. Auch bemalte sie die von ihrem meiden. Mir jedenfalls gefiel meine Version besser. Eine auf der Vater ­ etischlerten Möbel mit Figuren und Ornamenten. Alle ihre g Straße ge­undene leblose Eidechse habe ich sofort in meinem f Handarbeiten trugen ihre persönliche Handschrift. Das Talent der Hosen­ ack verschwinden lassen und mir natürlich auch gleich s Großmutter konnte aber durch all die existenziellen Aufgaben, das was ausgedacht. „Du Schwein“, riefen die anderen Kinder dabei Großziehen der vier Kinder, die Sorgen und Nöte im Zweiten Welt­ entsetzt. Daheim im ­ eller habe ich die Eidechse dann ge­ äutet, an­ K h krieg, nie weiter ausgebildet werden. Nach Kriegsende konnte schließend eingesalzen und aus der dann gewonnenen Haut eine mein Großvater als Volksschullehrer erst keine Anstellung finden „Krokoleder“-Handtasche und „Krokoleder“-Schuhe für ­ eine Lieb­ m und erlernte deshalb den Beruf des Stuckateurs. Er wirkte unter an­ lings-Barbie-Puppe gefertigt. Diese Erwachsenen­ uppen ­ aben es p h derem bei Renovierungsarbeiten der Jesuitenkirche in Innsbruck mir besonders angetan, da sie mir ein weites Betätigungsfeld für sowie der Kirche der Landwirtschaftsschule in Rotholz mit. Jahre mein kreatives Werken ermöglichten. Aus Draht habe ich ihnen später erst konnte er seinen eigentlichen Beruf wieder ergreifen, B ­ rillen gefertigt, und als Ohrschmuck steckte ich ihnen Steck­ als Lehrer und Direktor der Volksschulen in Thaur und dann in Arzl nadeln mit Glasköpfen an. Haare, extra lang und in ­ ämtlichen s bei Innsbruck. Ein Jahr lang war ich sogar seine Schülerin. Farben, habe ich aus Faschingsperücken ent­ ommen und auf n die Puppenköpfe „montiert“. Sogar eine ­ onne mit einem von mir N Das Talent, sagt man, sei von Vaters Seite gekommen. Er genähten Nonnenkleid habe ich be­ essen. Aus einer Plastiktisch­ s ist ­ngenieur und Baumeister. Durch ihn formte sich meine Be­ I decke habe ich ein Puppen-Camping-Zelt genäht, Klarsichthüllen geisterung zum Bauen. Aufgewachsen in Arzl, im Haus meiner verwendete ich für die Fenster und ­ peziell für die Reise­ usrüstung s a Großmutter Cilli mütterlicherseits, ließ man mich in all meinen habe ich ­ leine Rucksäcke angefertigt. Das ­ ähen war mir durch k N selbst erfundenen Spielen werken. Meine Begabung für das meine Oma ­ illi kundig. Mit der Näh­ aschine, welche in einem C m K ­ reative ließ sich schnell entdecken. Die besondere Sorgfalt dabei Bügel­ immer Gott sei Dank auch im Keller war, konnte ich oft z lernte ich von unserer Mutter. Als Kind verweilte ich am ­iebsten in l a ­ lleine für meinen Bedarf nähen. Es musste viel verschiedenes meinen ­ antasien: versteckt im Keller unter zugehängten ­ ischen, F T Material durch die Maschine, Karton, Plastik, Papier, oft unter Ver­ in meiner Sandkiste unter dem zugehängten Sonnenschirm, ab­ brauch vieler Nähnadeln. Die vielen kreierten Puppen­ e­ änder g w gedunkelt und isoliert, nur um in meiner eigenen Welt ver­ eilen w erhielten dann ihre eigenen ­ amen: ­ Spanische Nacht“ zum N „ zu können. Vielleicht aber hab ich auch zuhängen müssen, ­ amit d Beispiel, ein festliches, langes Kleid in Schwarz mit Schwalben­ keiner sehen konnte, dass ich wieder einmal Zement dazu be­ schwanz-Korsage und Schleppe, die ­ änder rosa eingefasst und R nutzte, um meine Brücken und Mauern, Häuser und Figuren zu perfekt vernäht. Das benötigte Stoffzeug für meine Modelle fand festigen. Ich kann mich noch genau erinnern, wie sehr ich dieses ich in Caritas-Säcken. Aussortiertes und Müll war und ist vor mir Erfinden im Spiel genoss. Da waren aus Tannenzapfen gefertigte und meiner Lust am Erfinden und Gestalten ­ brigens nach wie ü Puppen, in deren offene Schuppen ich immer wieder aufs Neue vor nie sicher. Weiters entstanden ein Reitkleid mit Hut und ge­24 die verschiedensten Arten von Blumenblättern steckte und damit häkeltem Schirmchen, ein Trauerkleid, wie auch ein Cocktail­ leid. k
  21. 21. Fantasietrachten, ­ trümpfe inklusive Naht und Spitzenunterwäsche S Handwerke zu erlernen. Später wäre es ungleich schwieriger, sofür meine innig geliebte, einzigartige ­ arbie fertigte ich ­ msig. So- B e eine Vielfalt an Fertigkeiten erlernen und genießen zu dürfen undgar ihre ­ehlenden Schamhaare ergänzte ich. Das ge­ ignete Haar f e sich dabei entwickeln zu können. Auch war mir die handwerkliched­ afür fand ich an Omas Persianer­ antel, was sie Gott sei Dank nie m Arbeit mit ihrem körperlichen Einsatz neben so viel Schultheoriebemerkt hatte. Aus einem Gefühl der Scham heraus durften meine im Alter von vierzehn bis achtzehn Jahren eine willkommene Be­Freundinnen diese Barbie dann aber nie ausziehen. Heute kann reicherung. Verschiedenste Techniken, das Arbeiten mit Stein beiman alles an Barbie-Ausstattung kaufen, aber damals als Kind Fachlehrer Reinhold Drugowitsch und das figurale Modellieren mitmit all meinen Barbie-Kreationen war ich der Zeit voraus. Im ­ lter A Ton bei Prof. Siegfried Hafner konnte ich nun erlernen.von zehn bis vierzehn Jahren habe ich in den Schulferien Motive– von für mich damals schon als groß­ rtig empfundenen Malern a Mit der Moderne in Berührung kam ich durch Prof. Sieg­wie ­ ichelangelo und Toulouse-Lautrec – auf Malerabdeckpapier M fried Parth. Als damals noch Halbwüchsige hatte ich natürlich ­ eine knachempfunden. Neben alten, irgendwo aufgestöberten Kunstharz- Ahnung von diesen modernen, befremdlich wirkenden Kunst­lacken habe ich mir meine Farben selbst kreiert. Zu diesem Zweck werken, die man hier und dort sah und über die heftig ­ eschimpft ghabe ich Rost von Eisenrohren gekratzt, den Ruß aus dem Kamin wurde. Siegfried Parth aber brachte sie uns näher: Er lehrte unsgeholt und mit farblosem Lack gebunden. Damit malte ich Gott- Komposition und förderte uns im individuellen ­ estalten. Das so Gvater aus der Sixtinischen Kapelle nach. Der Heizkörperlack aber genannte Schlüsselerlebnis hatte ich bereits in einer seiner erstenrann unablässig herab – das Bild war nicht zu halten. Diese meine Entwurfsstunden. Wir sollten mit bloß zwei Linien eine quadra­Technik musste ich deshalb aber leider wieder einstellen, trotz der tische Fläche gestalten. Ich befüllte, umstrickte, beschrieb, über­großen Lust dabei, mit cremiger Konsistenz zu malen. ­ eute danke H spannte, belegte, eroberte und kleidete die Fläche zart und stark.ich meinen Eltern und Groß­ ltern, dass sie mir in meiner Kindheit e Es war unendlich und spannend, was sich hinter dieser vorerstsoviel Raum und Freiraum zur Verfügung gestellt haben und sie einfachen Aufgabe an Lösungen anbot. Ich zeichnete und ich ent­mich in diesem meinem ­ eller werken ließen. K deckte. Nahezu sprachlos saß ich nach dieser Entwurfsstunde da, war 15 Jahre jung, war begeistert von den vor mir erstandenenDie Fachschulzeit begann, als ich fünfzehn Jahre alt war. Bildern, war außer mir – und plötzlich entdeckte ich nicht nur, ichDas Arbeits­ mt riet meiner Mutter, mich als sehr genervtes Schul- a verstand, und so war ich mir nun sicher: Die Moderne wird meinekind der Ursulinen und von den Lehrerinnen schon als kreativ Leidenschaft! Die Typografie, die ich damals bei Prof. Pfeil undbegabtes Kind erkannt – an der Ferrarischule für Mode oder Prof. Zelger erlernt habe, setze ich nun bei meinen Plakatgestal­der Fachschule für Kunst anzumelden. Als damals burschikoses tungen ein. Bei Fachlehrer Walter Deussl entstanden TreibarbeitenMädchen hatte ich von den vorwiegend weiblichen Themen in in Metall, Schmuckstücke und Objekte aus Kupfer, Messing undder Klosterschule genug, und so besuchte ich in der Höheren Silber. Diese Fertigkeiten im Umgang mit Bunt­ etallen waren ein mTechnischen Lehranstalt (HTL) Innsbruck die Abteilung für Holz- weiteres Tor zum Jonglieren mit verschiedensten Materialien, umund Steinbildhauerei. Bei der Aufnahmeprüfung hätte ich mich thematische Ausdrücke im bildhaften Werken zu verstärken. Dasebenso für Architektur oder Bildhauerei anmelden können, aber waren meine ersten Begegnungen mit der Kunst, denn in ­ iesem ddies verlangte noch ein ganzes Jahr mehr an Schule, und das war Unterricht haben wir gelernt, dass das Wort Kunst von ‚Können‘mir damals doch zu viel. Das besondere Interesse für Architektur stammt, dass Kunst aber auch von ‚Künden‘ kommt, von ‚Ver­ist mir aber als große persönliche Leidenschaft erhalten geblie- künden‘, dass in der Umsetzung von Kunst eben immer eine Bot­ben. Ich finde diesen Schultyp der HTL (Höhere Technische Lehr- schaft steckt.und Versuchsanstalt, gibt es für viele Fachbereiche) fantastisch,denn es wird einem schon in frühen Jahren ermöglicht, mehrere
  22. 22. Akademiezeit. 1980 bestand ich die Aufnahmeprüfung für i ­hren ­ eihungen zu erfassen. Nach einigen Stunden des Zeich­ R das Studium an der Akademie der Bildenden Künste in München. nens übernahmen plötzlich der Lärm, die Bewegungen, das Be­ Ich war in der Klasse für Bildhauerei bei Prof. Hans Ladner, einem ben des Bodens und das Flimmern der Lampen meine Hand. Ich gebürtigen Tiroler aus Zams. Professor Ladner war mir wie ein Va­ malte auf einmal akustisch bedingte Strukturen. Die Farben wurden ter. Er hat uns Studenten nicht nur fachlich, sondern auch seelisch dunkel. Helle Streifen blitzten wie schnelle Bewegungen, und es unter­ tützt, wir fühlten uns bei ihm geborgen. Was das Naturstu­ s durchdrangen die Massen der Stanzen die Farbflächen am Papier. dium, Aktzeichnen und Porträtieren betraf, hat er uns – falls not­ Der ölige Boden spiegelte hell das Licht von der Decke. Die realis­ wendig – korrigiert und unterrichtet, während er uns in den freien, tischen Abbildungen der Maschinen wandelten sich zu abstrakten modernen Bestrebungen und Versuchen aber freie Hand ließ, so­ Stimmungsbildern. dass jeder Student seinen Weg für sich selbst suchen konnte. In Aus den Randprodukten der Karosserieerzeugung, den ­ eitlichen s den letzten beiden Semestern wurde ich seine Meisterschülerin Blechteilen, fertigten wir Bildhauerstudenten eigene Metall­ kulp­ s und verfügte über ein eigenes Meisterschüleratelier. turen. Mein dynamisches Gefährt „Energiebündel“ ist eine Kom­ Das Naturstudium war ein großes und wichtiges Thema. Ich position von Blechteilen, die einem Fahrzeug ähnelt, die aber habe lebensgroße Figuren und Porträts in Ton modelliert. In der auch die Assoziation zu einem Schiff wach werden lässt, das auf haus­nternen Bronzegießerei war es mir möglich, zuvor in Wachs i dem Wasser gleitet, oder zu einem Flugzeug, das gerade in die geformte Skulpturen und Figuren selbst zu gießen. Grafische L ­ üfte abhebt. Ein Jahr später unternahmen wir eine Studienrei­ T ­ echniken, wie zum Beispiel Lithografie oder Aquatinta, konnte se ins ­ llgäu, wo wir in einer Scheune untergebracht waren. Wir A ich bei Herrn Lohwasser erlernen und üben. Jeden Tag zusätz­ sollten eine Kuh studieren. Bei einem dort ansässigen Bauern lich zwei Stunden Akt zu zeichnen habe ich mir als Disziplin auf­ entschieden wir uns dann für die älteste und am meisten ausge­ erlegt. Aus meiner vorerst angedachten Studiendauer von vier mergelte Kuh. Sie erschien uns, mit all ihren wesentlichen charak­ Jahren sind schließlich sechseinhalb Jahre geworden. Ich habe teristischen Merkmalen am besten geeignet für unser Vorhaben. erkannt, dass nicht der schnelle Abschluss, sondern der Prozess Ich ­ odellierte das Tier lebensgroß aus Ton. Das Hinterteil reicht m der Reifung wesentlich für mein Kunststudium ist. Während eines zur Gänze aus dem Relief, die Kontur des Hauptes ragt hinter die Urlaubs­ emesters habe ich, wie in den Ferien auch, Auftragswerke s Fläche. Mit „verlorener“ Form aus Gips wurde diese Arbeit dann ausgeführt, wie zum Beispiel 1985 den Dorfbrunnen und den in Beton gegossen. Das Relief befindet sich heute wieder in der Musikpavillon für die Gemeinde Brixen im Thale. Ganz am Ende Nähe seiner Entstehung und ziert den Eingang der Alpenkäse­ meines Studiums erhielt ich von einem meiner ersten Sammler, erzeugung „Rupp“ im Allgäu. Herrn H. M. Strixner, den Auftrag, eine Skulptur für seinen Garten Ständig waren wir auf der Suche nach Themen, die uns zum ­ inene zu erarbeiten. „Das Fabelwesen“, die erste große Zementmörtel­ eine intensive Auseinandersetzung abverlangten und es uns zum skulptur entstand. ­ iese fertigte ich auf einem Bauernhof bei Mün­ D anderen auch ermöglichten, uns „hinausspinnen“ zu ­ önnen. k chen, wo ich während meines gesamten Studiums wohnte. Das So besuchten wir Altersheime, um dort betagte ­ enschen zu M ein oder andere Projekt wurde auch außerhalb der Kunstak­ demie a p ­ orträtieren, bemalten für die Firma Bogner Skianzüge, die dann im durchgeführt. So erhielten wir vom BMW-Automobilwerk die Er­ Wettbewerb gereiht wurden, und mit dem Künstler Daniel ­ poerri S laubnis, in den großen Stanzhallen, dort, wo die großen Blechteile veranstalteten wir Workshops und übernahmen die ­ onzeption K gefertigt werden, zu malen und zu zeichnen. Für mich war dies und Organisation für das öffentliche Fest der Sternzeichen auf ein nachhaltiges Erlebnis, aus der Akademie herauszukommen, dem Akademiegelände in München. und die Arbeiter am Fließband ihr Werk verrichten zu sehen. Am Jedes zweite Wochenende fuhr ich mit dem Zug nach Hause, denn Beginn meiner Arbeit dort versuchte ich, diszipliniert die Raum­ außerhalb der Akademie hatte ich in München kaum ­ ontakte K26 wirkung, die gigantischen Dimensionen der großen ­ tanzen in S g ­ eknüpft, mein Interesse galt meiner künstlerischen Arbeit.
  23. 23. Ich war ein eher stiller, aber zielgerichteter Mensch. Das wenige Die dann zum Abschluss verlangte Diplomausstellung habe ichGeld, das mir während meines Studiums zur Verfügung stand, eher einfach ausgestattet. Ich erfüllte nur mehr diese Disziplin, ichermöglichte mir nur eine bescheidene Lebensgestaltung, die mir konnte es mir leisten, denn ich war an der Akademie schon alsaber in ihrer Askese durchaus gefiel. mehrfache Preisträgerin bekannt. 1987 habe ich dann, als Meister­Von der Kollegenschaft wurde mir eine große Dynamik zuge­ schülerin, mein Studium an der Münchner Akademie mit Diplomsprochen, denn ich scheute auch harte Männerarbeit nicht. Auch abgeschlossen.im Bezug auf die Benutzung der Werkstätten äußerte sich mein Danach kehrte ich nach Tirol zurück und arbeitete sogleich imWesen, denn ich arbeitete regelmäßig von morgens bis abends A ­ telier, das ich mir in meinem Elternhaus bereits im Laufe dermit all den mir dort zur Verfügung stehenden Arbeitsgeräten. Bei J ­ ahre eingerichtet hatte, weiter.den Werkstättenleitern war ich beliebt – ich war interessiert undin der handwerklichen Auffassung diszipliniert. Der regelmäßige Der Start als freischaffende Bildhauerin, derAblauf in den Werk- und Arbeitsstätten sagte mir sehr zu, und es Über­­gang vom Studium in die freischaffende Arbeit war fugen­gefiel mir, in meinem mir selbst auferlegten Ordnungsraster kreativ los. Ich bemühte mich um Auftragsarbeiten, machte freie Werkezu sein. und malte aus meiner Passion heraus. Die Malerei hat sich weiter­ hin verselbständigt. Die eher zarten Farben wurden zunehmendAls Person muss ich in dieser Zeit eher langweilig gewirkt ­ aben, h i ­ntensiver. Ab 1988 begann ich kleine Ölbilder zu malen, und inbesaß ich doch überhaupt keine Allüren. Meine nunmehr eher weiterer ­ olge und Entwicklung entstanden auf meinen Reisen Fe­ xtrovertierte und lustige Art hat sich erst später entwickelt, und Serien ­ ieser ­ leinen Ölbilder; und bald schon wurden die Bilder d kzwar aus der Freude heraus, durch meine erschaffenen ­ inge D und Werke größer und anspruchsvoller.A­ nerkennung zu finden – mein Werken und Schaffen, das Auf diese Weise wurde das Atelier auch manchmal zu klein. SoI­nteressierte fand, weckte mich auf. Ich erzählte, teilte mich mit, suchte ich mir alte, zum Abbruch bestimmte Fabriken oder Frei­b­ erichtete über meine Werke und über deren Botschaft, die ich ge­ände der verschiedensten Firmen, mietete diese für ­ urze l kübermitteln wollte und will. Somit entwickelte es sich, wurde zu Zeiträume an und konnte mir so den notwendigen größeren Raumeinem sehr wichtigen Bestandteil, den Rezipienten, den Auftrag­ ver­ chaffen. Die Entstehungsgeschichte des Priestergrabes in sgeber, den Ausstellungsbesucher, den Bild- oder Kunstbetrachter Hopfgarten zum Beispiel beginnt in den Außenanlagen einesdurch Ansprachen in das Geschehen mit einzubeziehen. Beton­ erkes. Für die Vorarbeiten zur Fassadengestaltung des w Wohnhauses Perlinger in Itter bot sich eine alte Ziegelei an. Den­Nach sechseinhalb Jahren, so sehr diese Zeit auch meine Er­ noch fand ich über viele ­ ahre hindurch mit dem kleinen Atelier Jfahrung bereichert und mein Wissen vermehrt hat, fühlte ich mein Auslangen.mich dann mehr und mehr in den großen Hallen der Akademieeingeschlossen. Ich arbeitete vor mich hin, ein Dialog zwischen Auf meinen mehrfachen Reisen nach Afrika habe ich anAus­ tellungsbesuchern, Kritikern oder Auftraggebern kam für s Ort und Stelle inspirierende Erlebnisse in der Ölmalerei verar­ eitet. bmich dort nicht zustande, und so befand ich mich unweigerlich Auf den Reisen in einige Großstädte der Welt, wie zum Beispielaußer­ alb der sonst allgegenwärtigen Wirtschaftsprinzipien und h nach New York und Paris, sowie an spezielle Orte wie den GartenExistenz­ragen. Es war mir ein Bedürfnis, nach meinem abge­ f der Fondation Maeght im südfranzösischen Saint-Paul de Venceschlossenen Studium meine Werke der Öffentlichkeit vorzustel­ und den Tarotgarten in der Toskana, suchte und suche ich überalllen und in Form von Ausstellungen zu präsentieren. Ich brannte die verschiedensten Spuren der modernen Kunst.­ arauf, zu erfahren, wie das Publikum auf meine Werke reagiert.d
  24. 24. Die Kunst und ich, der eigene Zugang und das Verständnis für Es ist eine innere Unruhe und eine ständige Suche, die mich auf den Begriff Kunst ist für mich ein Prozess, in dem ich mich selbst diese Reise schicken. Jedes einzelne Werk pflastert meine Straße, auch immer wieder in Frage stelle. erst durch diese fortwährende Arbeit wird die Richtung spürbar Die Kunstszene ist grenzenlos – und sie provoziert. Mein Bild von und sichtbar gemacht. diesem Begriff ändert sich und wird ständig gezerrt. Ein Leben lang auf dieser Entdeckungsreise mit Überraschungen reagiere Meine künstlerische Arbeit besteht nicht darin, ab und zu ein Bild ich, empfinde ich, entscheide mich, lasse mich ein – oder gehe. zu malen, sondern in dem Bedürfnis, etwas Verborgenes und Be­ sonderes und Aufregendes zu entdecken. Dieses Bedürfnis ist der Die Definition von Kunst suche ich in einer unendlich liebevollen Motor auf der Suche nach dem, was durch mich aus dem Unter­ sowie unumgänglichen wertvollen Auseinandersetzung. bewussten kommt und mich erfahren lässt. Dabei fungiere ich als Ich suche in meiner auserwählten bildenden Arbeit meiner Empfin­ Instrument, als Ventil – und ich lasse mich ein, auf das Er­ ignis mit e dung sowie einem erbauenden und berührenden Ausdruck nach. dem Neuen. Die damit entstehende Erwartung lässt mich auch Es steht dabei nicht im Vordergrund, Kunstwerke zu fertigen. oft ungeduldig, ja selbst wütend werden. Durch Übermalung und Überarbeitung wachsen dann die Farbschichten an den Bildern. Es geht mir deshalb darum, aus meinen Beobachtungen und Dieses Energiepotenzial verbleibt im Werk. Es ist nicht immer das meinem Leben heraus eine persönliche Ehrlichkeit zu wagen und große Heraustreten, nicht das geschickte manierierte Gesti­ ulieren k dieser mutig treu zu bleiben. Ich stelle mich in Frage, ich bilde mich mit geübter Hand. Es kann ein Scharren und Kratzen nach etwas weiter. Mich in diesem Prozess selbst zu akzeptieren ist aber ­ ötig, n sein, das du vermutest, aber selbst noch nicht erfahren hast. Es hat um den eigenen Moment zu fangen. Das ist der besondere Wert mich verlockt, dann enttäuscht, mich unzufrieden gemacht, mich darin. Nicht einem Vorbild nachlaufen will ich, einem Bild, welches in Frage gestellt, mich verzweifeln lassen, mich wütend gemacht, dann vor einem stünde und die Sicht auf sich selbst stört. Aus­ mich gelehrt, mich still auf die Suche geschickt, mich in Zauber bildung, Wissen und Handwerk habe ich mir bewusst und mit Auf­ versetzt und nicht mehr von mir abgelassen – es hat durch mich wand angeeignet. Alles Wissen liegt aber in der Vergangenheit. erzählt und mir etwas gezeigt. Es ist einer der glücklichsten Mo­ Nun steht es mir zwar zur Verfügung, aber genauso steht es mir bei mente, wenn dann plötzlich die Arbeit um die Sache nun sichtbar der kreativen Suche auch im Weg. vollendet ist, und es ist wohl eine Art Sucht, die mich dann erneut Vorerst bleiben deine eigenen Beweggründe unsichtbar, außer ein beginnen lässt. Gefühl, deine Sensorik frägt und sehnt sich nach Ausdruck? Aus dem individuellen Prozess, aus dem Einfluss der Zeit, der S ­ ituation, der Ereignisse, selbst im Moment umgeben, entsteht „was-ich-jetzt“ ein Werk aus einem starken inneren Bedürfnis. Es hat nicht die O ­ rdnung, welche die Wirtschaft verlangt – dass es nützt, verpackt, Durch ein Zulassen im gleichzeitigen Loslassen erklärt sich ­ eine d transportiert, verkauft werden kann, dass es einen Wert darstellt. Empfindung, deckt auf und wird zur ablesbaren Botschaft, vielleicht Denn das Kunstwerk ist eine Eigenschaft, es kann ein Moment zu einem Kunstwerk. sein oder eine Weile, ein Geschehen, das du fixierst, belässt und Nicht jedes Werk einer schöpferischen Reise wird oder kann den platzierst. Ein Werk mit einer Kunde, ein Kunstwerk. vollen Anspruch an ein Kunstwerk erfüllen. Das ist auch nicht die Wenn ich von einem Künstler spreche, so verstehe ich unter ­ ieser d Aufgabe des Lebens, nur Kunstwerke produzieren zu müssen, ein Bezeichnung eine Eigenschaft, nicht einen Beruf. Jeder könnte28 solches Ansinnen wäre wohl vermessen. Künstler sein.
  25. 25. Dinge mache ich, die keiner braucht.Arbeit tue ich, die nicht getan werden muss.Doch ich suche mir meine Aufgaben wie auch meine Themen Das rationale Denken sucht und kennt die Grenzen – aber esdurch meine Berufung als Bildhauerin und Malerin. Mit dieser e ­ rnüchtert, entmystifiziert. Zum künstlerischen Gestalten jedochb­ ildenden Kunde habe ich Anteil am Rad der Zeit und finde Platz, gehört ein über die Grenzen des Wissens Hinausspüren.Arbeit und so auch meine Kunstliebhaber. Ich schaffe Skulpturen Sind es nicht die musischen Dinge, die uns in allen Lebens­agen, lund Bilder und gestalte unseren Lebensraum. Für mich ist nicht auch in Krankheit und Alter, in physischer Enge dennoch be­der provokative Aspekt Mittelpunkt meines Schaffens, sondern ... reichern können? Sie sind uns, wenn wir es lernen oder erleben durften, einfach zur Seite gestellt. Wir dürfen uns an dem erfreuen,„... durch meine Arbeit möchte ich den Menschen und uns daraus die Kraft erneut und uneingeschränkt nehmen.erbauen und weiten. Meine Werke sollen Nahrungfür die Seele sein.“ So sind auch die Objekte, die ich schaffe, einfach da, sie drängen sich nicht auf. Sie existieren und warten, um jemanden, der offenDieser Anspruch zeigt sich im Dialog und in der Farbkraft der ­ ilder, B für sie ist, zu erfüllen. Das sichtbare Werk ist eine Botschaft, einein denen der Mensch, das Tier und die Natur jeweils ihre eigene Dokumentation, eine Erkenntnis, eine Klage, eine Vision oder einBedeutung haben. Ich lebe und erlebe, meine Werke sind erfüllt Wunsch, gewachsen mit der Reife meines Geistes und meinenmit Leidenschaft, sie ist das Geheimnis meines Agierens. Es ist das E ­ rfahrungen.Innere, das sich durch mein Medium transformiert und sich als Bild Voraussetzung für mein Tun ist ein gebündelter innerer Wille nachoffenbart. Ein Seelenbild, das auf einmal greifbar zur Materie wird. einem neuen Fenster mit überraschender Aussicht. Wichtig sind dazu Ausdauer, Fleiß, Disziplin und die Selbstmotivation, die michJedes Bild ist somit ein Loch in der Realität. Ich durch­ auf meinem dann oft körperlich mühevollen Weg begleiten.schreite diese Löcher oder Öffnungen und erfahre dadurch neue Aus mir heraus tue ich mir Entsprechendes und auf diese WeiseLebensräume, in denen ich mich frei bewegen darf. Durch die gestalte ich, gedacht für mich und für die Menschen um mich – undKrea­ivität ist es möglich, unseren oft engen physischen Lebens­ t ich erlebe Höhen und Tiefen des Menschseins. Diese Auseinander­raum für jeden Einzelnen zu weiten. setzung mit mir und den Menschen lässt mich erfahren und lernen.Nicht zu vorschnell soll man diese erst unbekannten Freiräume ab­ Wenn aber die Entgegnung, nach der ich suche, nicht kommt, lässtlehnen und sagen: „Ich verstehe nichts von Kunst.“ Malerei, Dich­ mich das die Einsamkeit wieder und wieder spüren.tung, Musik und die mimischen Künste wie Schauspiel und Tanz Auch das Schweigen habe ich gelernt – man muss auch belassenmuss man nicht unbedingt verstehen, es bietet sich an, sie zuzu­ können, was in seiner Harmonie einzigartig ist. Aber besuchen willlassen, um sie zu erleben, zu fühlen, sich an ihnen zu erfreuen. ich es in seiner Schönheit wieder und wieder, um zu finden, was ichSchön ist, wenn man sich offen hingibt, nicht mit einem Vorurteil begehre. Diese Sehnsucht des geistigen Suchens, das ­ ründen Gagiert, die fremden Dinge für sich erfährt. Dabei soll man sich nicht einer Erfahrung, das Resignieren am Wissen, das Hoffen und Glau­krampfhaft gefangen fühlen, denn dafür ist die Kunst nicht gedacht. ben, eingebettet in Liebe ... ... beginnen muss und will ich immerzu ...
  26. 26. Die Zeichnung, eine Linie beginnt von der Landschaft zu erzählen. Mein Versuch zum bildhaften Dialog mit Dir „Sich ein Bild machen“ Ich habe meine Mitmenschen eingeladen, mir Texte, Stichwörter, Briefe, Botschaften, Gedichte, Klagen und Visionen zu senden. Ich antwortete auf die zugesandten Texte mit je einem gezeichneten Bild. Mit diesem Experiment versuchte ich, eine Ebene des bildhaften Dialoges zu schaffen. Menschen, die sich textlich mitteilten, f ­anden ein Zeichen oder eine gezeichnete Antwort. Die Bilder sind Zeugnis dieser Bedürfnisse. Dann, als Bildbe­ trachter erlebt der Einzelne persönlich das Geheimnis seines Bildes dadurch, dass er es durch seinen Text und sein Thema initiiert hat. Die Möglichkeit der Annäherung vom Text zum Bild öffnet die Sichtweise des Suchens und einen neuen Raum des Selbstseins. Kunst ist nicht isoliert, sondern entsteht aus dem Zusammen­ wirken von kreativen Kräften, dem Intellekt der Menschen aus der30 Situation sowie aus Raum und Zeit heraus.
  27. 27. grafische Arbeiten, 1996 76 x 54 cmBleistift auf Büttenpapier
  28. 28. „Webung“ 1996 76 x 54 cm32 Büttenpapier, Wachs
  29. 29. „Leben“ 1996 76 x 54 cm Büttenpapier
  30. 30. „Warten“ „Sein“ „Wille“ „zeitlos“ „Zeit“ „Dialog“ 1996 76 x 54 cm Bleistift, Buntstift, Wachs auf Büttenpapier34
  31. 31. „Beziehung“ 1996 76 x 54 cmBleistift auf Büttenpapier
  32. 32. „bindend“ 1996 „Ängste und Sorgen sind die Faktoren, wie wir mit den Ressourcen36 76 x 54 cm der Natur, von der wir selber ein Teil sind, umgehen.“ 1996 Bleistift auf Büttenpapier 76 x 54 cm Bleistift auf Büttenpapier
  33. 33. „Erdkleid“ 1996 „mehr gegenseitiger Respekt und weniger Ich“ 199676 x 54 cm 76 x 54 cmBleistift auf Büttenpapier Bleistift auf Büttenpapier
  34. 34. „Brief“ 1996 76 x 54 cm Bleistift und Wachs auf Büttenpapier Das Bild darunter zeigt die Rückseite dieses Blattes. „Das Geben“ 1991 Tischskulptur Höhe 82 cm Bronzeguss-Unikat In dieser Gegenüberstellung sind interessante Zusammen- hänge und gleiche Ursprünge der grafischen Arbeit sowie meiner bildhauer­schen Werke zu finden. Die Zeichnung i wächst in die dritte Dimension hinein.38
  35. 35. „Sehnsucht“ 1996 76 x 54 cmBleistift und Wachs auf Büttenpapier
  36. 36. Illustrationen „Hiob“ 1996 für das Buch „Job and the Mystery of Suffering“ von Richard Rohr Crossroad Book, New York 25 x 20 cm Tuschestiftzeichnung „Beziehung“ 1996 25 x 25 cm Bleistift und Acryl auf Büttenpapier „Mutter“ 1996 25 x 25 cm Bleistift und Acryl auf Büttenpapier40
  37. 37. „Familie“ 1996 76 x 54 cmBleistift und Wachs auf Büttenpapier
  38. 38. „Ausrichtung“ 1996 „Aussaat“ 199642 76 x 54 cm 76 x 54 cm Bleistift und Wachs auf Büttenpapier Bleistift und Wachs auf Büttenpapier
  39. 39. „Lebensspiel“ 199676 x 54 cmBleistift und Wachs auf Büttenpapier
  40. 40. „Beobachten“ 1996 Ein umgrenzter Raum mit einem Zaun aus Augen schützt. 76 x 54 cm Bleistift auf Büttenpapier „Erdenmutter“ 1996 76 x 54 cm Bleistift und Zitronensaft auf Büttenpapier „Kater“ 1996 76 x 54 cm Bleistift und Zitronensaft auf Büttenpapier „Gruppe“ 1996 76 x 54 cm Bleistift und Zitronensaft auf Büttenpapier44
  41. 41. „Frau im Kreuzweg“ 1996 76 x 54 cm Bleistift und Wachs auf Büttenpapier
  42. 42. „Kalenderblätter“ 1996 76 x 54 cm Bleistift, eingebranntes Wachs, Buntstift, Acryl46
  43. 43. „Wesen“ 199676 x 54 cmBleistift und Buntstift auf Büttenpapier
  44. 44. 48
  45. 45. Spur Erzählung Öffnung BotschaftEbenen Sicht Durchdringung stillSchichtung Projektion EntfernungAuge Suche addieren KlebebandTransparenz gerastert Plan GitterFlechtwerk Differenz Brief dichtSchnitt ich Sehnsucht Weg LochGesicht Struktur Häufung VisionSilhouette Zeit Landschaft TattooKontur Stift Konstruktion AbbildSchatten Foto Wunsch Spiegelung
  46. 46. „Opa Vater“ 1982 Karikatur meines Großvaters, unseres Volksschuldirektors Höhe 38 cm Zirbe Zu Beginn meiner Fachschulzeit und während meines ­ tudiums S Erst als das freie ­ rbeiten möglich war, ­ onnte ich mich entwickeln A k entstanden Schnitzereien wie Charakterstudien, Statuetten, ­ asken M und es begann mir das ­ chnitzen Freude zu ­­ S machen. In den ersten und Weihnachtskrippen. Bei den Figuren waren mir ­ eniger die w Ferien der Fachschulzeit durfte ich als ­ raktikantin bei Bildhauer P D ­ etails, sondern die Komposition, die Bewegung und den ­ harakter C Romed Speckbacher sen. in Thaur das ­ chnitzen weiterüben. Um S ein­ u­angen wichtig. Und immer sollte ihnen eine ­ eitere Grund­ z f h mein Taschengeld aufzubessern, habe ich auch in Zusammen­ stimmung eigen sein. Durch unseren Fachlehrer, Bildhauer Josef arbeit mit ­ nderen Tischlerwerkstätten Wand­äfelungen ent­ orfen a t w Zeisler, für mich einer der virtuosesten Holzschnitzer überhaupt, und gleichfalls geschnitzt. All meinen Lehrern aus dieser Zeit habe ich die Freude am Schnitzen entdeckt. Ihm beim Vor­ chnitzen s möchte ich an dieser Stelle danken. Sie waren nicht nur ­ ährend w zuzusehen, war uns immer ein besonderes Vergnügen. Wie oft der Schulzeit für mich da, ich konnte und durfte mich ebenso in hätte ich ihm das Schnitzeisen aus der Hand nehmen ­ ollen, um w den Ferien und nach der Schulzeit immer wieder mit Fragen an sie an seinem handwerklichen Zauber teilzuhaben. Das ­ opieren von K wenden. Aus dieser für mich so schönen und wichtigen Erfahrung Figuren, im Lehrplan eben vorgesehen, hat mich nie ­ onderlich s heraus sollte auch meine Werkstatt für die Schüler/-innen der HTL i ­nteressiert. Mir fehlte einfach die Disziplin, mit dem Meter­ tab s eine Plattform zum Schnuppern für die Praxis sein. Und so finden F ­ ormen genau zu übertragen und nachzuahmen. Die ersten sich oft den Sommer über Praktikant(inn)en bei mir im Atelier. Schnitzstücke sind dann auch entsprechend schlecht ausgefallen.50
  47. 47. „Heiliger Geist“ 1986 „Erntedank“ 1989 Breite 60 cm Itter Zirbelkiefer Höhe ca. 60 cm lasierend weiß bemalt Linde, Kirsche und Mahagoni Holzrelief mit lebensgroßen Figuren für das Foyer eines Unternehmens zum Vertrieb von biologisch ange- bauten Nahrungsmitteln. Das Relief soll eine ideelle Brücke zum Thema gesunde Ernährung darstellen. Was wir essen, liegt in unserer Verantwortung. In diesem Sinn erzählt das Relief von einem Gebet vor der Arbeit. Danach folgt die Aussaat im linken Teil, wo die Blüten am Reliefrand den Beginn des Wachstums erklären. Brückenartig reichen die zwei großen Holzteile ineinander. Die Blüten wandeln sich zu Früchten, die von ­ iner Frau geerntet werden. Das Thema wird durch die dankende Gestalt, mit dem Gebet nach der e Arbeit und der Besinnung über die Ernte, abgerundet. Dieses sehr große Holzwerk ist in Zusammenarbeit mit meinem Bildhauerfreund Wolfgang Falkner in seinem Atelier in Axams entstanden. „Der Sturm auf dem See“ 1984 Höhe 68 cm Zirbenholz, lasierend bemalt Diese Auftragsarbeit entstand während meiner Akademiezeit. Das gewünschte religiöse Thema wurde g ­ emeinsam mit meinem Auftraggeber erstellt. In dieser Holzskulptur formte ich allegorisch die menschliche Angst und das Vertrauen zu Gott in dieser so unruhig bedrohlichen Situation. Die Schnitzerei erzählt in fi ­ guraler Gestik die Geschichte des Sturms auf dem See Genezareth. Nach meiner Fachschulzeit war es für mich eine große Herausforderung, solche für mich schwierigen Arbeiten zu konzipieren und sie dann auch52 allein und frei umzusetzen. Was einmal geschnitten ist, kann nicht mehr verrückt werden. Bei der einmal in Holz gehauenen formalen Dynamik gibt es keinen Weg mehr zurück. Man muss ein starkes Selbstbewusst- sein trainieren, bevor man es wagt, sich in einen Klotz Holz hineinzuarbeiten.
  48. 48. Kapellenausgestaltung des Katholischen Akademikerhauses „aki“ in Zürich, 1993 Die Gesamtgestaltung der Kapelle hält sich ruhig und schlicht, sie soll die Meditation unterstützen. Die Priesterstühle sind mitgestaltet, um sie in das Gesamtkonzept ­ armonisch ein- h binden zu können. Der Tisch des Wortes, der Ambo, zeigt rundum im Relief als Thema den Stamm Jesse. An seiner Oberseite, auf der das Heilige Buch liegt, sind die Pfingst- flammen als Symbol für die geistige Er­ enntnis dargestellt. k Meine sinnbildlichen Hackstöcke des Lebens, unperfekt Menschliches darstellend, bilden ein Auflager für die glatte dreieckige Altarplatte der Dreifaltigkeit und sind deshalb t ­ragender Teil für den Tisch der Gemeinschaft ­ wischen z L ­ eben und Geist.54
  49. 49. Kapellenausgestaltung des Katholischen Akademikerhauses „aki“ in Zürich, 1993 Lindenholz gesägt, geschnitzt und geschliffen, transparent bemalt und mit Zinneinlegeteilen. Die Oberfläche des Tabernakels wölbt sich wie eine Landschaft, unter der sich das Geheimnis unseres Glaubens verbirgt. Innen wechselt das Material zu Stahl und wird zum sicheren Behältnis für das Ziborium. Die aufgerissenen Linien der Schnitzerei, erzeugt durch die Anwendung von Sägen, glätten sich dann durch weitere Arbeitstechniken wieder sanft. Die weiße Lasur lässt den hölzernen Ausdruck zurückweichen. Die Zinneingüsse in der Holzoberfläche, Sinnbilder der Wundmale Christi, wirken wie eingewachsene Insignien. Oben bildet sich diese Metallzeichnung zu einer Dornenkrone, unten und in der Mitte sind die Stigmata an den Händen und das Wundmal an der Seite des Rumpfes erklärt. Zwei Balken verschränken sich bergend über dieser Landschaft des Tabernakels. Beim Öffnen begegnen sie dem Gläubigen und greifen umarmend nach ihm, nehmen ihn auf.56
  50. 50. Triumphkreuz in der Pfarrkirche St. Phillippus, 1989 München Höhe ca. 230 cm Bronzeguss, Unikat gegossen in verlorener Form Ein Christuskörper hat den Tod überwunden und durchschreitet sinnbildlich die Grabmauern. „Unser tägliches Brot“ 1989 Bronzeguss Unikat Höhe 30 cm Das Kreuz, unser religiöses Symbol und Werkzeug für den Alltag, bewusst aus einem Plastikbesteck ge­ertigt, wurde im Wachsausschmelzverfahren in f Bronze gegossen. Malskizzen eines Gekreuzigten auf Papier Entwurfsarbeiten für das Wegkreuz in Innsbruck-Arzl 198458
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