Die  Berliner  DeSign  wirtSchaft           Potential           Strategie           PerSPektiven
vorwortBerlin trägt seit 2005 den titel city of Design im rah-    Die Strategie zur förderung der Designwirtschaft undmen ...
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.   Potentialanalyse derBerliner Designbranche
Potentialanalyseder Berliner Designbranche   Deutsche Gesellschaft für Designtheorie und -forschung e. V.                 ...
ImpressumErstellt von:Deutsche Gesellschaft fŸ r Designtheorie und -forschung e. V. (DGTF)Autoren/-innen:Birgit Bauer, des...
InhaltKurzdarstellung                                                              11      Hintergrund und Auftrag der Stu...
Potentialanalyse der Berliner Designbranche 2010                                                                          ...
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Berliner Designwirtschaft
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Schon seit 2005 ist Berlin Unesco City of Design. Dieser Titel ist nicht nur eine Anerkennung der Leistungen Berliner Designerinnen und Designer. Er bedeutet auch eine Verpflichtung der Stadt, diesen Bereich zu fördern und auszubauen. Denn die Designbranche ist mehr als nur Entstehungsort für Künstlerisch-Kreatives: Sie hat eine große Bedeutung für Innovation und ökonomisches Wachstum, gilt als eine der treibenden Kräfte für wirtschaftliche, soziale und wissenschaftliche Neuerungen: Als Schnittstellenbranche kann sie Ideentreiber und -generator für andere Branchen sein und bietet Methoden für transdisziplinäres Arbeiten.

Die Berliner Wirtschaftsverwaltung fördert die Designbranche besonders effektiv. Die Grundlage dafür bildet eine Strategie, die zuvor erarbeitet wurde. Wichtige Ziele und Eckpunkte dieser Designstrategie wurden aus einer Potenzialanalyse abgeleitet, die die Wirtschaftsverwaltung 2010 in Zusammenarbeit mit der Deutschen Gesellschaft für Designtheorie und -forschung (dgtf) durchgeführt hat. Die Präsentation stellt die wichtigsten Thesen und Ergebnisse der Studie vor, erläutert Chancen und Möglichkeiten anhand von Best-Practice-Beispielen und weist die Stärken und Schwächen des Designstandortes Berlin aus.

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Berliner Designwirtschaft

  1. 1. Die Berliner DeSign wirtSchaft Potential Strategie PerSPektiven
  2. 2. vorwortBerlin trägt seit 2005 den titel city of Design im rah- Die Strategie zur förderung der Designwirtschaft undmen des UneSco-netzwerks der creative cities. ihre Umsetzung ist ein Prozess, der nur gemeinsam mit den akteurinnen und akteuren, den institutionen undDieser titel ist eine anerkennung der leistungen Berli- netzwerken der Branche gestaltet werden kann. Dazuner Designerinnen und Designer, gleichzeitig ist er auf- wollen wir ab sofort einen intensiven Diskussionspro-forderung und ansporn an die Stadt. zess starten: im internet und auf veranstaltungen mit den Designern sowie im Dialog mit anderen Branchennational wie international steigt das interesse an De- aus industrie und Berliner Zukunftsfeldern.sign und seiner funktion im wertschöpfungsprozess.grund genug, auch in Berlin über eine klare Profilierung ich hoffe auf ein erweitertes verständnis für Design undnachzudenken und die Bedeutung von Design neu zu seine Potentiale. es geht nicht nur um die bessere ge-bewerten. staltung von Produkten, nicht nur um optimierte Pro- zessabläufe und um das Design von Unternehmens-auf anregung des internationalen Design Zentrums konzepten. es geht um einen umfassenden Prozess, derund des netzwerks create Berlin hat die wirtschafts- letztlich unser aller leben in Beruf und alltag betrifft.verwaltung eine Potentialanalyse der Berliner Design-branche in auftrag gegeben. Die Deutsche gesellschaftfür Designtheorie und -forschung (dgtf) hat diese Po-tentialanalyse erarbeitet. aufbauend darauf hat diewirtschaftsverwaltung gemeinsam mit einem exper-tenbeirat die Ziele der Designstrategie bestimmt undhandlungsfelder und Maßnahmen entwickelt. almuth hartwig-tiedt, Staatssekretärin in der Senatsverwaltung für wirt-ich danke allen Beteiligten herzlich für ihre arbeit. schaft, technologie und frauen i
  3. 3. inhalt Seite vorwort i Potentialanalyse der Berliner Designwirtschaft iii Strategie für die Designwirtschaft in Berlin v impressum Xiiiii
  4. 4. . Potentialanalyse derBerliner Designbranche
  5. 5. Potentialanalyseder Berliner Designbranche Deutsche Gesellschaft für Designtheorie und -forschung e. V. EUROPÄISCHE UNION Europäischer Fonds für Regionale Entwicklung
  6. 6. ImpressumErstellt von:Deutsche Gesellschaft fŸ r Designtheorie und -forschung e. V. (DGTF)Autoren/-innen:Birgit Bauer, designkritik.dkBianca Herlo, Deutsche Gesellschaft fŸ r Designtheorie und -forschung e. V. (DGTF)Dr. Bastian Lange, Multiplicities-BerlinInga Wellmann, Multiplicities-BerlinProjektleitung:Prof. Dr. Gesche JoostDeutsche Gesellschaft fŸ r Designtheorie und -forschung e. V. (DGTF)Projektbeirat:Prof. Kora KimpelDeutsche Gesellschaft fŸ r Designtheorie und -forschung e. V. (DGTF)Im Auftrag von:Senatsverwaltung f Ÿ r Wirtschaft, Technologie und Frauendes Landes Berlin (Herausgeber)Die Studie wurde gefš rdert aus Mitteln des EuropŠ ischen Fonds fŸ r RegionaleEntwicklung im Rahmen des EU-Projektes Ò Creative MetropolesÓStand:November 2010
  7. 7. InhaltKurzdarstellung 11 Hintergrund und Auftrag der Studie 32 Ziele und Ausgangssituation 42.1 Ziele 42.2 Ausgangssituation 53 Design: Definitionen, Status Quo und Positionen 63.1 Design als Prozess 63.2 Designszene 83.3 Statistische Kennziffern der Designbranche in Berlin 94 Aufbau der Studie 104.1 Kontext der Ausarbeitung von Empfehlungen 104.2 Innovationsverständnis in der Design- und Kreativwirtschaft 114.3 Design als Wirkungsgefüge 155 Potentialanalyse 175.1 Position „Design in Berlin“ 175.2 Methodik 195.3 Design in Berlin – Stärken 225.4 Design in Berlin – Schwächen 276 Internationale Best-Practice-Beispiele 326.1 Fokus: Transparenz und Zielgruppenorientierung von Informationen und Förderangeboten 336.2 Fokus: Informationsbündelung, Entwicklung von unternehmerischer Kompetenz, Coaching 346.3 Fokus: Internationale Vernetzung und Kommunikation 356.4 Fokus: Inkubatorenmodell, Schnittstelle zu Industrie und Forschung, HighTech-Anbindung 366.5 Fokus: Designforschung, Schnittstellengestaltung zu anderen Bereichen der Gesellschaft 377 Chancen und Herausforderungen 408 Thesen und Anregungen für die Ausgestaltung einer Design-Strategie 448.1 Prototypen-These 448.2 Spezialisierungsthese 458.3 Innovationsthese 468.4 Akzeptanzthese 479 Zusammenfassung und Ausblick 4910 Anhänge 5110.1 Berliner Fallbeispiele 5110.2 Mitglieder des Designbeirats 5710.3 Teilnehmende am Interviews und am Co-Design-Workshop 5710.4 Quellenangaben 60
  8. 8. Potentialanalyse der Berliner Designbranche 2010 KurzdarstellungKurzdarstellungDie Bedeutung der Designbranche für Innovation und ökonomischesWachstum wird sowohl auf nationaler als auch auf EU-Ebene erkannt. Siegilt als eine der treibenden Kräfte für wirtschaftliche, soziale und wissen-schaftliche Innovationen: Designwirtschaft als Schnittstellenbranche kannIdeentreiber und -generator für andere Branchen sein, sie bietet Methodenfür transdisziplinäres Arbeiten und liefert Impulse für Innovation, Wachstumund Beschäftigung.Um das branchenübergreifende Potenzial von Design auszuschöpfen, giltes, durch eine Designstrategie allgemeine Rahmenbedingungen zu verbes-sern und Designwirtschaft gezielt zu fördern. Folgende Aspekte sind dabeiwichtig und finden in der vorliegenden Studie besondere Beachtung: » Die Studie weist zunächst auf aktuelle Entwicklungen innerhalb der Branche und auf den Stellenwert von Design für die Kreativwirtschaft hin. Die ökonomische Branchenperspektive hat der Designwirtschaft immer eine Vorreiterrolle gegenüber anderen Branchen der Kreativwirtschaft eingeräumt. Maßgeblich für diesen Stellenwert ist aber ein erweitertes Verständnis von Design, das nicht allein das materielle Produkt in den Blick nimmt, sondern vielmehr Design als übergreifenden Prozess begreift. » Die Studie beschreibt diesen Verlauf im Hinblick auf die politische Stärken Strategieentwicklung und schließt sie an die Leitdebatte auf der der Berliner Designbranche Ebene der Europäischen Kommission sowie der UNESCO an. HeterogenitŠ t des Marktes Diese rufen in den letzten Monaten zur Beantwortung der Frage nach sozialen und sogenannten „Hidden Innovations” gerade in Selbstorganisation der Kreativwirtschaftsbranchen auf. Dadurch rücken aus der Sicht Marktteilnehmer/-innen der öffentlichen Hand Fragen nach den jeweiligen städtischen, IndividualitŠ t, unternehmerischen und sozialen Kontextbedingungen – den Experimentieranspruch sogenannten Projektökologien – der Designbranche in den Fokus. und Nischenkompetenz der Marktteilnehmer/-innen » Berlin erhält mit der Studie die Chance, vorhandene Entwicklungs- Kreativ-kŸ nstlerisches prozesse in der Designbranche als Ausdruck einer neuen Innovationsmilieu Governance der Kreativwirtschaft neu zu bewerten. Diese reichen von Do-it-yourself-Ansätzen kleinteiliger Akteursnetze Prozessorientierung zu neuen Open Design Laboratories, Ausbildungs-Hubs Breites Kompetenzniveau sowie nicht zuletzt Innovationszentren global ausgerichteter der Designer/-innen Kommunikationsunternehmen. 1
  9. 9. Potentialanalyse der Berliner Designbranche 2010 KurzdarstellungDie Studie hat zudem Erkenntnisse und Ergebnisse anhand von vierThesen strukturiert. Diese wurden vor dem Hintergrund der Stärken- undSchwächen-Analyse entwickelt und formulieren übergeordnete Ziele sowieAnsätze und Optionen zur Ausgestaltung der Designstrategie. Sie sindthematische Ableitungen aus der Analyse und verfolgen das Ziel, Hand-lungsfelder zu begründen, in denen sich zentrale Potentiale für die BerlinerDesignbranche ergeben: Prototypenthese Berlin hat das Potential, sich zukünftig auf die Generierung von hochwertigen sowie innovativen Prototypen – ob in Prozessen, Produkten oder Objekten – zu konzentrieren. Schwächen der Berliner Designbranche Spezialisierungsthese In der Designbranche bedarf es einer weiteren Spezialisierung der erbrachten Leistungen. Es bedarf einer „Strategie der Spe- Durchschnittliches bis niedriges zialisierung“, um Berlin international als Ort hochwertiger und Einkommensniveau innovativer Designprodukte und -prozesse zu positionieren. VerdrŠ ngungswettbewerb Innovationsthese Selektive kŸ nstlerische Designwirtschaft muss als innovative und produktorientierte Fokussierung Querschnittsbranche stärker in dem Konzept Kultur- und Geringe NŠ he zu Kreativ-wirtschaft verankert und als ideentreibender Motor anderen technologischen in andere Technologie- und Forschungsbereiche integriert Innovationsbereichen werden. Dazu gehört explizit die Verknüpfung von Design mit klassischen Wirtschaftsbranchen und anderen Kompetenzfel- Geringe NŠ he zu Handwerk und dern des Landes. Mittelstand, wenig Synergien Fehlende Hersteller- Akzeptanzthese Infrastruktur Berlin muss sich darauf konzentrieren, dem Defizit in der gesellschaftlichen Vermittlung und Anerkennung der Desi- Studentisches gnwirtschaft entgegenzuwirken. Die Designbranche bedarf Experimentierverhalten, einer breiten Akzeptanz der erbrachten Leistungen und einer ausbaufŠ higes Unternehmertum stärkeren öffentlichen Wahrnehmung. Dazu ist es auch nötig, der Marktteilnehmer dass die Designbranche ihre Interessen stärker bündelt. Schwache Akzeptanz von Design au§ erhalb derDie Ergebnisse zeigen, dass Berlin ein hohes Potential hat, seine Position Kreativwirtschaftals Designmetropole auszubauen und international zu stärken. Dies gilt Schwache Binnennetzwerkeinsbesondere im Hinblick auf Vernetzung im internationalen Kontext, Spezi- zu anderen Kreativbranchenalisierung der Design-Kompetenzen, Professionalisierung, Vernetzung des sowie zu anderenBerliner Designs mit angrenzenden Disziplinen und anderen klassischen TechnologiebranchenWirtschaftsbranchen sowie Stärkung der Schnittstellen zu Forschung. UnŸ bersichtlichkeit vorhandener Fš rderprogrammePrototypen zur Marktreife zu bringen, die Gründer- und Start-Up-Szenemit der Designszene zu vernetzen, Forschungskooperationen zu fördern, 2
  10. 10. Potentialanalyse der Berliner Designbranche 2010 1 Hintergrund und Aufbau der Studiedie marktfähige Produkte und Dienstleistungen zum Ziel haben, aber auchdie interne Organisation von Design und das unternehmerische Handelnder Designer/-innen systematisch zu stärken sind einige der Ziele, die imRahmen einer übergreifenden Designstrategie adressiert werden sollten.Die Ergebnisse richten sich sowohl an die Fachpolitik, als auch an die De-signszene und ihre Interessenvertretungen in Berlin. So gilt es, die Strategiegemeinsam mit den Akteurinnen und Akteuren der Designbranche im Sinnedes Co-Designs zu entwickelt und umzusetzen, um daraus eine nachhalti-ge Stimulierung der Branche abzuleiten.1 Hintergrund und Auftrag der StudieIm April 2010 hat der Berliner Senat für Wirtschaft, Technologie und Frauendie Deutsche Gesellschaft für Designtheorie und -forschung e. V. (DGTF)beauftragt, eine Potentialanalyse der Berliner Designbranche zu erarbeiten.Mit dieser qualitativen Stärken-Schwächen Analyse, erstellt im Rahmen desEU-Projektes „Creative Metropoles“ und der Landesinitiative Projekt Zukunftim Zeitraum April-Juli 2010, soll die Argumentationsgrundlage für einekohärente Designstrategie für Berlin geschaffen werden.Die DGTF als unabhängiger Verein, der die Diskussion und den Austauschzu designrelevanten Themen vor allem an den Schnittstellen zu Wis-senschaft, Technologie und Wirtschaft fördert, hat hierfür ein 4-köpfigesinterdisziplinäres Team – die AG Designstudie – zusammengestellt. ZumTeam gehören Birgit Bauer (designkritik.dk), Bianca Herlo (DGTF), Dr. BastianLange (Multiplicities-Berlin) und Inga Wellmann (Multiplicities-Berlin). Be-gleitet wurde die AG Designstudie von Prof. Dr. Gesche Joost (Vorsitzendeder DGTF) und Prof. Kora Kimpel (Vorstandsmitglied der DGTF).Die Studie entstand in engem Austausch mit Ingrid Walther, Tanja Mühl-hans und Katrin Tobies vom Senat für Wirtschaft, Technologie und Frauen.Begleitet wurde sie vom Designbeirat zur Erarbeitung einer Designstrategie,ausgewählt aus Vertreterinnen und Vertretern der Berliner Designbranche(siehe Anhang Mitglieder des Designbeirats). Der Beirat hat im April 2010seine Arbeit aufgenommen und eine zentrale Rolle bei der Ausarbeitungder Studie gespielt. 3
  11. 11. Potentialanalyse der Berliner Designbranche 2010 2.1 ZieleDie Verfasser/-innen haben die Studie selbst als Design-Projekt operatio-nalisiert und wählten dafür einen mehrstufigen qualitativen Forschungsan-satz. Wesentlicher Ansatzpunkt dabei war, gemeinsam mit Akteuren/-innenaus der Designbranche eine Standortbestimmung vorzunehmen und mitunterschiedlichsten Marktteilnehmern/-innen in Dialog zu treten. Somitwurde eine Plattform geschaffen, auf der eingeladene Marktteilnehmer ihreEinschätzungen und Erkenntnisse sowie Erfahrungen als Designer undDesignerinnen direkt einfließen lassen konnten.2 Ziele und Ausgangssituation2.1 ZieleDie vorliegende Studie hat zwei zentrale Ziele: Aufgabe » Ermittlung der Stärken und Schwächen der Designbranche in Berlin Erstellen einer Analyse der StŠ r- ken und SchwŠ chen der Design- » Anwendung der Potentialanalyse, um Ansätze für wirtschaft der Hauptstadtregion Handlungsoptionen zu entwickeln, die der Senatsverwaltung fŸ r sŠ mtliche Designdisziplinen für Wirtschaft, Technologie und Frauen als Grundlage für (mit Ausnahme des Modedesign), eine kohärente Designstrategie dienen unter besonderer BerŸc ksichti- gung der folgenden WirkungsfelderAusgangspunkt der Studie ist die Beobachtung, dass europäische Me- innerhalb der Designbranche:tropolen seit wenigen Jahren das Innovationspotential der Kultur- und InnovationspotentialKreativwirtschaft anerkennen und darüber hinaus strukturelle Förderung und Spillover-Effekteund übergeordnete politische Maßnahmen initiieren, um ihre Entwicklung zu Technologiefeldernnachhaltig zu gestalten und auszubauen. Zahlreiche Forschungsberichte (Forschung und Entwicklung)belegen, dass insbesondere die Designbranche den Status des Impuls- sowie digitalen Kulturengebers für die Entwicklung anderer Kreativwirtschaftsbranchen hat (vgl. Designkompetenz„Gesamtwirtschaftliche Perspektiven der Kultur- und Kreativwirtschaft inDeutschland“, BMWi 2009); gleichzeitig kann sie eine Multiplikatorwirkung Fš rderinstrumente fŸ r den Marktzugangfür andere Branchen haben. Der Designbranche wird dabei die Rolle undFunktion zugeschrieben, innovativ und schnittstellenorientiert kreative Ideen InternationalitŠ t, vergleichbaremit Kompetenzen aus Technologie im laufenden Wertschöpfungsprozess internationale Formatezu verbinden, um daraus bisher nicht genutzte Optionen gerade im Dienst-leistungsbereich sowie im produzierenden Mittelstand zu generieren. 4
  12. 12. Potentialanalyse der Berliner Designbranche 2010 2.2 AusgangssituationVor diesem Hintergrund teilen die Autoren/-innen die grundsätzliche Auf-fassung der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Technologie und Frauen, dassBerlin zukünftig zum einen seine bisherige herausragende Rolle als „City ofDesign“ (2006 UNESCO) weiter ausbauen und entwickeln kann. Zum an-deren bedarf es aber einer strategischen Ausgestaltung dieses in der Stadtvorhandenen Entwicklungspotentials. LeitfragenZahlreiche Studien – etwa die Kulturwirtschaftsberichte des Landes und Welche StŠ rken und SchwŠ chendes Bundes sowie Bestandserhebungen und Forschungsberichte zur weist die Berliner Designbran-Kultur- und Kreativwirtschaft (siehe Referenzliste im Anhang) – bieten einen che auf?Überblick über die Rolle, Anteile und Funktion der Designbranche in der Welche Chancen und Her-Kultur- und Kreativwirtschaft. Da die meisten Studien mehrheitlich quanti- ausforderungen ergeben sichtative Strukturanalysen und selten systematische qualitative Erkenntnisse daraus?anbieten, existieren kaum Studien, die Erkenntnisse darüber liefern, welcheKräfte im Zusammenspiel der einzelnen Felder den Markt bestimmen, wel- Wie interagieren die Teilneh-che Defizite in der Kommunikation und in dem Wissensaustausch zwischen menden im WirkungsgefŸ ge Design miteinander?heterogenen Marktteilnehmern/-innen identifizierbar sind und wie diese füreine für die Bedarfe der Marktteilnehmer/-innen passende Designstrategieabgestimmt werden können. Mit der vorliegenden Analyse werden, unterEinbeziehung der Ergebnisse bestehender quantitativer Studien, Stärkenund Schwächen ausfindig gemacht und somit ein Bild der Marktzusam-menhänge vorgestellt, das eine Argumentationsbasis für die Initiierungeiner Designstrategie sein kann.2.2 AusgangssituationAuch für die Berliner Senatsverwaltung gilt die Kultur- und Kreativwirtschaftund hier insbesondere die Designwirtschaft längst nicht mehr vorrangig alsimagebildendes Feld, sondern als entscheidender wirtschaftlicher Standort-faktor und als Wachstumsbranche. So sind in den letzten Jahren zahlreicheInitiativen und Förderprogramme ins Leben gerufen, ausgebaut, sowiesukzessive an die Bedürfnisse der Kultur- und Kreativwirtschaft angepasstworden, die auf unterschiedlichsten Ebenen die Designbranche Berlinsstärken. Die Leistungen sind erheblich. Hervorzuheben sind hier vor allemBestrebungen auf der Ebene der: 5
  13. 13. Potentialanalyse der Berliner Designbranche 2010 3.1 Design als Prozess » Plattformbildung, Netzwerk- und Messeförderung » Stärkung der Binnenstruktur der Teilmärkte » Erschließung internationaler Märkte » Anpassung monetärer Programme auf die Strukturmerkmale und sozio-ökonomischen Bedingungen der Kleinen und Mittleren Unternehmen » Initiierung von Branchenzentren » Coaching der Marktteilnehmer/-innen.Die Landesinitiative „Projekt Zukunft“ als größtes Kommunikations- undFörderinstrument der Stadt unterstützt und optimiert die Wachstumsbedin-gungen durch Initiierung und Förderung von Infrastrukturprojekten. DurchCo-Finanzierung von Präsentations- und Repräsentations-Plattformen wiedas DMY International Design Festival oder die Showroom-Meile, durchFörderung von Vernetzungsaktivitäten und Stärkung des Selbstorganisa-tionspotentials (Internationales Design Zentrum IDZ oder Create Berlin),durch Beratung von Gründern/-innen und etablierten Unternehmen, aberauch durch eine rege Öffentlichkeitsarbeit (Auszeichnung Berlin als Unesco„City of Design“) ist es in den letzten Jahren gelungen, die Designbrancheals gesamte Wertschöpfungskette immer stärker ins Blickfeld der Politikund der Öffentlichkeit zu rücken.3 Design: Definitionen, Status Quo und Positionen3.1 Design als ProzessÜber die gängige Betrachtung des Produktdesigns auf der einen und desKommunikationsdesigns auf der anderen Seite hinaus spielt für das heutigeVerständnis die zunehmende Betrachtung des Design als Prozess eineausschlaggebende Rolle: Bereits seit den 1960er Jahren – etwa seit denersten Diskussionen um Design als Forschung – wird Design nicht nur alsdie Gestaltung einzelner Dinge und Zeichen begriffen. Vielmehr geratenKontexte und Bedingungen komplexer Produktion und Nutzung in den Vor-dergrund und begründen die heutige Auffassung von Design als „interdiszi-plinärer und kooperativer Auftrag“ (vgl. Erlhoff 2008, S. 91). 6
  14. 14. Potentialanalyse der Berliner Designbranche 2010 3.1 Design als ProzessDesign existiert demnach als „[…] Tätigkeit, etliche akademische, ökono-mische, ökologische, wissenschaftliche und artistische Einsichten, Wis-sensbereiche und Ansichten produktiv mit den alltäglichen Prozessen undErfahrungen von Artefakten, Systemen und Prozessen zu integrieren“ (ebd.).Sowohl in der Praxis, als auch in der Forschung sind gerade die interdis-ziplinären Qualitäten von Design gefordert, gleichzeitig findet auf allenEbenen eine zunehmende Spezialisierung statt: Service Design, EventDesign, Social Design oder Interface Design sind einige Beispiele hierfür.Die Vielfalt der Perspektiven im Design wird besonders deutlich, betrachtetman die Bandbreite der Tätigkeiten: Sie reicht von Designern/-innen, die inUnternehmen höchstspezialisiert kleinste Details gestalten, in Agenturenoder Studios interaktive Systeme entwickeln oder in multidisziplinäre Teamsin den Bereichen Stadtplanung oder Materialentwicklung agieren, bis hin zuDesignern/-innen, die etwa im Rahmen von Unternehmensentwicklung und-beratung für die Gestaltung von Dienstleistungssystemen tätig sind (vgl.Erlhoff 2008).Diese Entwicklung ist für ein tieferes Verständnis der unterschiedlichstenAspekte des Feldes und der komplexen Zusammenhänge der Branchewichtig, vor allem vor dem Hintergrund, dass sich der Fokus des Marktesmitunter in Richtung virtueller, prozesshafter Produkte oder der Anwendungvon Open-Source Elementen in auf Kunden abgestimmten, individualisier-ten Dienstleistungen entwickelt.Ein solch erweiterter Design-Begriff fördert, auch hinsichtlich einer politi-schen Strategieentwicklung, das Verständnis der Branche. Er schärft denBlick für die Interaktionsbeziehungen innerhalb der Designdisziplinen wieauch für die Schnittstellen zu anderen Branchen.Eine Designbranche – viele TätigkeitsbereicheBei der Kategorisierung einzelner Design-Disziplinen zeigt sich, dass sichimmer wieder neue Spezialgebiete des Designs entwickeln und etablie-ren. Das Design ist im ständigen Wandel begriffen und reagiert besondersschnell auf neue Anforderungen aus Wirtschaft, Wissenschaft und Kunden-perspektive.Der Branchenbegriff „Designbranche“ umfasst nach dem Kulturwirtschafts-bericht 2008 des Landes Berlin zunächst Büros für Industrie-, Möbel- undProduktdesign sowie Grafikdesign (Senatsverwaltung für Wirtschaft 2008,S. 69). 7
  15. 15. Potentialanalyse der Berliner Designbranche 2010 3.2 DesignszeneIm Rahmen der hier vorliegenden Studie wurden folgende Branchenseg-mente untersucht: » Produkt-/Industriedesign und » Visuelle Kommunikation (Kommunikationsdesign, Illustration und Grafikdesign, Corporate Design, Ausstellungsdesign, Interactiondesign, Interfacedesign)Nicht integriert wurde der Bereich Mode sowie die Herstellung von Be-kleidung, Schuhen, Schmuck und Schmiedewaren aus Edelmetallen, dieAteliers für Textil- und Schmuckdesign. Diese Kategorisierung bedeuteteine erweiterte Branchenabgrenzung, insbesondere hinsichtlich des Bran-chenbegriffs „Designbranche“ des Kulturwirtschaftsberichts des LandesBerlin von 2008.Parallel zur Bildung neuer Spezialgebiete im Design lässt sich eine strakeTendenz zu genreübergeifendem Arbeiten innerhalb der Designbranche,aber auch über verschiedene Kreativbereiche hinweg, erkennen. So ist einegenaue Trennung der Tätigkeitsprofile kaum möglich. Dieser Tendenz sollhier Rechnung getragen werden.3.2 DesignszeneDer Begriff „Designszene“ wurde bisher in metropolitanen Kultur- undKreativwirtschaftsberichten sowie in Potentialanalysen der Kreativwirtschaftnicht systematisch verwendet und ist in der Debatte um die Kultur- undKreativwirtschaft ein neuer Begriff. Er wurde zum ersten Mal in der Schweiz(Weckerle, Christoph/Gerig, Manfred/Söndermann, Michael (2007): Krea-tivwirtschaft Schweiz – Daten, Modelle, Szene. Basel: Birkhäuser Verlag)angewandt sowie im Sächsischen Kulturwirtschaftsbericht (SMWA 2008).Die Einführung des Begriffs erscheint angebracht, da Szenen für das Funk-tionieren des kultur- und kreativwirtschaftlichen Marktgeschehens generellals sehr wichtig bewertet werden. Außerdem zeigt sich eine Zunahme derVerwendung des Begriffs „Szene“ im wissenschaftlichen, administrativen,aber auch gesellschaftlichen Diskurs: Unternehmerische Szenen sind fürdie Herausbildung attraktiver Wirtschaftsstandorte relevant und unabding-bar (Lange 2007). Überträgt man den aus der Soziologie stammendenBegriff „Szene“ auf das Marktgeschehen in der Kultur- und Kreativwirt-schaft, so richtet sich der Blick auf das informelle Beziehungsgefüge vonMarktteilnehmern/-innen wie Unternehmern/-innen, Künstlern/-innen undMultiplikatoren/-innen. 8
  16. 16. Potentialanalyse der Berliner Designbranche 2010 3.3 Statistische Kennziffern der Designbranche in BerlinDesignszenen wird eine Inkubatorfunktion für regionale Wirtschaftspro-zesse zugewiesen. Ihr Vorhandensein ist danach entscheidend für dieregionale Wettbewerbsfähigkeit, da diese kritischen Massen neue Ideenund innovative Impulse generieren. Designszenen tragen ein hohes Maßan Selbstorganisation (Bsp. Betahaus, s. Anhang Fallbeispiele) in sich. Siehaben das Potential, notwendige Strukturformate beispielsweise für Messenzu schaffen und in deren Folge neue Absatzmöglichkeiten zu generieren.Designszenen organisieren sich einerseits um Orte, wie beispielsweiseStadtteile und spezielle Straßenzüge, andererseits um Personen, die eineMultiplikatorenrolle einnehmen.Die Szene-Akteure erwarten von diesen informellen Netzwerken Zugang zuweiterführenden Informationen. Designszenen lösen damit einen Bedarf derAkteure/-innen der Kultur- und Kreativwirtschaft nach Kommunikation undAustausch ein.3.3 Statistische Kennziffern der Designbranche in BerlinDer aktuelle Kulturwirtschaftsbericht aus dem Jahr 2008 erfasst die Design-wirtschaft – unter Einbeziehung des Modesegments – quantitativ, dabeiweisen die bereinigten Zahlen aus dem Jahr 2006 2.441 Unternehmenaus, die einen Umsatz von mehr als 380 Mio. Euro pro Jahr und dabei 1827Erwerbstätige zählen. Der Anteil der Designwirtschaft am Gesamtanteil derKreativwirtschaft Berlins ist nicht zuletzt durch die vom Senat für Wirt-schaft, Technologie und Frauen gewählte enge Abgrenzung recht schmal,sie nimmt nur 1,1 % der Erwerbstätigen in Anspruch (Senatsverwaltung fürWirtschaft 2008).Zum Vergleich: Design wies im Jahr 2008 im Bund 42.209 Unternehmen(17,71 % an der Gesamtzahl von 238.256 Unternehmen in der Kultur- undKreativwirtschaft) auf mit 132.414 Erwerbstätigen. Die Abgrenzung im Bundumfasst demnach 14,0 % der Erwerbstätigen in der Designwirtschaft. Seit2009 hat man sich im Bund darauf verständigt, dass Design zukünftig diefolgenden Teilbereiche umfasst: Ateliers für Textil-, Schmuck-, Grafik- u.ä. Design; Industrie-, Produkt- und Mode-Design; Grafik- und Kommuni-kationsdesign; Interior Design und Raumgestaltung; Ingenieurbüros fürtechnische Fachplanung und Ingenieurdesign (BMWi 2009). Für die imRahmen der Studie angewandte Definition können die vorgelegten Zahlendes Berliner Kulturwirtschaftsberichts 2008 daher nur indirekt herangezo-gen werden. 9
  17. 17. Potentialanalyse der Berliner Designbranche 2010 4.1 Kontext der Ausarbeitung von Empfehlungen4 Aufbau der Studie4.1 Kontext der Ausarbeitung von EmpfehlungenFür diese Potentialanalyse wurde ein Zugriff entwickelt, der einen fortwäh-renden Abgleich der Zwischenergebnisse erlaubt und gleichzeitig einenintensiven Dialog mit allen Beteiligten eröffnet: In einem mehrstufigenProzess wurden verschiedene kommunikative Formate (Beiratssitzungen,Co-Design-Workshop, informelle Treffen) zwischen öffentlicher Hand,Marktteilnehmern/-innen und Vertretern/-innen der Designszene initiiert.Auf der Basis von Experten/-inneninterviews, von Recherche und demCo-Design-Workshop haben die Autoren/-innen eine Stärken-Schwächen-Analyse erstellt, die Bewertung von Design-Potentialen vorgenommen undThesen entwickelt, welche Ansätze zur Ausgestaltung der Strategie formu-lieren (Ausführungen zur Methodik siehe Kapitel 5). RECHERCHE SENATS INTERVIEWS VERWALTUNG CO DESIGN DESIGN BEIRAT WORKSHOP THESEN STUDIEAbbildung 1: Prozess der Ausarbeitung der Studie 10
  18. 18. Potentialanalyse der Berliner Designbranche 2010 4.2 Innovationsverständnis in der Design- und KreativwirtschaftIn regelmäßigen Beiratssitzungen und anderen Treffen konnten ein Abgleichüber aktuelle Entwicklungen geleistet sowie anstehende Fragen dialogischbeantwortet werden. Diese reflexive Dimension war mit dem Prozess desCo-Design-Workshops abgestimmt, so dass eine weitere Verdichtung vonKommunikationsstrukturen in einem schnell umbrechenden Handlungsfeldder Kreativwirtschaft parallel zu der Erstellung der Studie ermöglicht wurde.Hintergrund dieser prozessorientierten Vorgehensweise ist die Erkenntnis,dass sich die Formulierung von Empfehlungen gerade in der Kreativ- undWissensökonomie als ein ambivalenter Prozess erweist: Multiple beruflichePositionen, schnell wechselnde Projektbindungen sowie dynamische Orga-nisationsstrukturen lassen eine „Beauftragung“ von Aufgaben und Zustän-digkeiten an z. B. Marktteilnehmer/-innen zunehmend schwieriger werden.Dies gilt nicht zuletzt für die öffentliche Hand. Der Prozess der Orchestrie-rung von Verantwortungsgemeinschaften zwischen der öffentlichen Handsowie Marktteilnehmern/-innen muss als permanent zu überprüfender undzu pflegender Ansatz den Anbeginn jeglicher „Empfehlungsaussage“ mar-kieren (Lange/Kalandides et al. 2010, Lange/Krusche 2009).Wir schlagen daher vor, die aus den folgenden Kapiteln 5 und 6 abgelei-teten Handlungsoptionen in einen spezifischen Prozess der »Governanceder Designbranche« einzubetten. Dieser systemische Prozess zeichnetsich durch rekursive Kommunikationsstrukturen aus. Er befindet sich ineinem permanent zu überprüfenden beta-Status und muss kontinuierlichaktualisiert und situativ angepasst werden. Er ist per se »suboptimal« undnicht mit der Erwartungshaltung verbunden werden, »optimale«, d. h. finaleSteuerungsstrukturen vorzugeben. Diese sind nicht erreichbar und auchwenig zielführend. Der Prozess der Formulierung und Organisation vonHandlungsempfehlungen ist somit ein spezifisch zu »designender« Prozessund bedarf der zentralen Einbeziehung von Designkompetenzen (z. B.Design Thinking).4.2 Innovationsverständnis in der Design- und KreativwirtschaftDie in Deutschland auffallend prominente Darstellung der Teilbranchen aufder Basis der Wirtschaftszweigsystematik (BMWi 2009) leistet per Defini-tion keine Aussage über den innovativen Gehalt von Design oder anderenTeilbranchen der Kreativwirtschaft. Zwar hat die Kerndefinition der Kreativ-wirtschaftsberichte in Deutschland einen starken Akzent auf den Prozessder Symbolproduktion gelegt (auch die EU und die OECD kritisieren indiesem Zuge massiv das technologisch lineare Verständnis von Innovation), 11
  19. 19. Potentialanalyse der Berliner Designbranche 2010 4.2 Innovationsverständnis in der Design- und Kreativwirtschaftdabei aber keine systematische Auseinandersetzung mit dem Begriff vonInnovation geführt. Insbesondere der Slogan „Creativity and Innovation“der EU-Ratspräsidentschaft in der ersten Hälfte des Jahres 2009 durch dieTschechische Republik sowie das von der Europäischen Union ausgerufene„European Year of Creativity and Innovation 2009“ haben die Aufmerksam-keit auf den Innovationsbegriff auch in der Kreativwirtschaft gelegt. EineKonsequenz vielfältiger Auseinandersetzung ist eine Aufweichung undErweiterung des früher mehrheitlich technologisch geführten Verständnis-ses von Innovation durch kulturelle und soziale Dimensionen. Dies hat nichtnur Auswirkungen für die Akzeptanz der kreativen Branchen im Verhältniszu dominanten Technologie- und Produktionskomplexen, sondern auch aufdie Förderfähigkeit von Design.Darüber hinaus erscheint es den Verfassern/-innen der Studie aber vonzentraler Bedeutung, mit dieser Erweiterung des Innovationsbegriffs aufdie spezifischen Kontextbedingungen von Innovationsprozessen in derDesignbranche einzugehen. Der hier angelegte Innovationsbegriff will nichtnur individuelle Produkte, neuartige Prototypen im Spannungsfeld zwischenTechnologie und Kunst würdigen, sondern vielmehr die prozessuale sowiekontextspezifische Dimension in den Vordergrund stellen, die für die Ideen-findung und -entwicklung von großer Bedeutung sind.Greift man auf den Innovationsbegriff, der auf die Definition des Oslo-Ma-nuals der OECD zurückgeht (OECD, Eurostat 2005), bezeichnet Innovationzunächst neue Produkte, Dienstleistungen oder Verfahren, die in gleicheroder ähnlicher Form noch nicht angeboten oder eingesetzt wurden (Pro-dukt- oder Dienstleistungsinnovation bzw. Prozessinnovation). Entscheidendfür den Wertschöpfungseffekt ist dabei nicht der Innovationsgrad der Tätig-keit an sich, sondern die Frage, ob Neuartiges angeboten oder Bestehen-des effizienter gehandhabt wird und ob es auf diesem Weg zu gesteigerterWettbewerbsfähigkeit, Marktzugang und Markterfolg führt.Zwei wesentliche Dimensionen von Innovationsprozessen im Designsollen hier vor allem das Innovationsverständnis umrahmen: Die sozialenInnovationen als Formen der Wertschöpfung, sowie Designinnovationen,die auf einer inhärenten Verbindung des Forschungsprozesses mit seinerwissenschaftlichen Methodik und der Gestaltungspraxis basieren und vorallem durch spezifische Infrastrukturen der Innovationsentwicklung in derForschung begünstigt werden. 12
  20. 20. Potentialanalyse der Berliner Designbranche 2010 4.2 Innovationsverständnis in der Design- und KreativwirtschaftSoziale Innovationen durch VergemeinschaftungstendenzenWachstum und Innovation im wissensorientierten Spätkapitalismus gesche-hen an den Schnittstellen der verschiedenen Funktionssysteme Wirtschaft,Wissenschaft, Kunst und öffentlicher Sektor. Die Art und Weise, wie produ-ziert und konsumiert, kommuniziert und interagiert wird, hat sich durch dieMassennutzung neuer Informationstechnologien und die dadurch sinken-den Transaktionskosten grundlegend verändert. Immer mehr große etablier-te Unternehmen nutzen das Wissen und die Kreativität ihrer Kunden oderOpen-Source-Gemeinschaftsleistungen, um Produkte weiterzuentwickeln.Produkte werden mitunter zu Gemeinschaftsleistungen, denn eine solcheForm kooperativer Arbeitsteilung lebt von der Wechselwirkung und vonkomplexen Abstimmungsmechanismen mit anderen. Strategien der gegen-seitigen Bewertung und des Peerings erschließen kollektives Wissen undlassen neue Strukturen der Wertschöpfung erkennen. Kennzeichnend fürdie zu Grunde liegenden hybriden Organisationsformen sind dabei ein ho-her Grad an Informalität, Fragmentierung und ständiger Transformationsbe-reitschaft. Die Herausforderungen und damit Potentiale der Zukunft liegendarin, freie Kooperation und kommerzielle Ausrichtung, Gemeinschaftsge-danken und korporative Strukturen in eine Balance zu bringen. Die Steue-rung dieses Neben- und Miteinanders unterschiedlicher Kompetenzen undGeschwindigkeiten bedarf einer Governancepraxis, die der Kurzfristigkeitund Heterogenität, den instabilen finanziellen Verhältnissen und der immerdemokratischeren Gestaltung des Marktgeschehens zu begegnen weiß.Wie in einem Ökosystem bedarf es dabei Mechanismen der Selbstregulie-rung und der Bereitstellung eines Raumes für die Emergenz verschiedener(Un-)Ordnungen.Innovationen durch anwendungsorientierte DesignforschungFür die Kontextualisierung von Designinnovationen legen wir die von GernotGrabher (Grabher 2001; 2004) entwickelte Perspektive der „Project Ecolo-gies“ an, die insbesondere die teilbranchenspezifischen und örtlichen Ak-teursbedingungen von Designinnovationen in den Vordergrund stellt. „Pro-ject Ecologies“ sind mehrheitlich temporäre Zusammenschlüsse, bei denenzur Bewältigung von Problem- und Fragestellungen in je spezifischen sozio-technischen Umwelten verschiedene Professionen zusammenkommen. Soarbeiten beispielsweise IT-Experten/-innen mit Rechtsexperten/-innen undNaturwissenschaftler/-innen sowie Local Experts an der Bereitstellung vonsituativen Lösungen im Designbereich. 13
  21. 21. Potentialanalyse der Berliner Designbranche 2010 4.2 Innovationsverständnis in der Design- und KreativwirtschaftDie zeitlich beschränkte und anwendungsorientierte Teamarbeit, bei derForschern/-innen, Experten/-innen und Praktiker/-innen mit unterschiedli-chem Spezialwissen gemeinsam ein konkretes Problem angehen, findetihre Entsprechung in Teilen der Designforschung. Hier ist der wissenschaft-liche Bezug vom Kontext der Praxis nicht zu trennen: „Forschung durchDesign“ ist einer der zentralen Begriffe, der im internationalen Kontextdiskutiert und mit Projekten erprobt wird – eine Forschung, deren zentralesElement ein Design-Projekt ist, durch das Hypothesen praktisch erprobtund neue Erkenntnisse im Innovationsprozess generiert werden.In der Innovationsforschung und der Management-Praxis setzen sichmitunter Praktiken wie das „Design Thinking“ durch, die auf den Methodenund Prozessen der Designforschung beruhen, die insgesamt bedeutsamzur zukunftsorientierten Erforschung sozialer, ökologischer und genderspe-zifischer sowie alltagskultureller Kontexte ist. Innovationen sind nicht zuletztvor allem dort möglich, wo Management-Denken und Design-Denkenaufeinander treffen und wo Innovationen als komplexer Prozess begriffenwerden, der mit der Entwicklung, Anwendung und Rezeption einer neuenLösung für ein bestimmtes Problem eng zusammenhängt. Informelle Netzwerke Forschungs- kooperationen Neue Vergemein- schaftungsformen SOZIALE DIMENSION Forschungs- und Entwicklungs- arbeiten INNOVATIONEN Spezialisierte Kräfte TECHNOLOGISCHE KULTURELLE DIMENSION DIMENSION Technologische Interdisziplinäre Infrastrukturen ZusammenarbeitAbbildung 2: Wichtige Faktoren fŸr Innovationen 14
  22. 22. Potentialanalyse der Berliner Designbranche 2010 4.3 Design als WirkungsgefügeZusammenfassend kann man sagen, dass ein solches Verständnis vonInnovation durch interdisziplinäre Zusammenarbeit geprägt ist und gleich-zeitig spezifische soziale und technologische Infrastrukturen erfordert. Sielassen sich insbesondere in den Zwischenbereichen und hybriden Struk-turen zwischen Universität und Wirtschaft, öffentlicher Hand, informellenNetzwerken und privatem Raum finden. Beispiele hierfür finden sich u. a.beim Design Reaktor Berlin oder auf dem sogenannten „Campus Char-lottenburg“, auf dem etwa die Zusammenarbeit zwischen den ansässigenUniversitäten UdK und TU sowie die Anbindung an die Wirtschaft verbes-sert werden soll; oder bei bestehen Kooperationen zwischen Industrie- unduniversitären Partnern, beispielsweise im Rahmen der Deutsche TelekomLaboratories, des EICT (European Center for Information and Commun-cation Technologies) oder des EIT (European Institute of Innovation andTechnology).Innovationen brauchen also, um erfolgreich zu sein, bestimmte Vor-aussetzungen wie eigene Forschungs- und Entwicklungsarbeiten oder-kooperationen sowie andere innovative Quellen wie externe Innovations-impulse, spezialisierte Mitarbeiter/-innen, informelle Netzwerke oder neueVergemeinschaftungsformen. Ausschlaggebend sind die systematischeBefassung mit neuen Lösungen – ob konzeptionellen, formal-ästhetischen,technischen – und das dabei generierte Wissen.4.3 Design als WirkungsgefügeDie auffallend häufige Verwendung des Begriffs Designszene in den In-terviews sowie die Bedeutung von Interaktion zwischen unterschiedlichenMarktteilnehmer/-innen und Institutionen war Anlass, ein Wirkungsgefü-ge des Designs exemplarisch zu entwickeln, das die kontextspezifischeAusprägung von Designinnovationen verdeutlicht. Das Wirkungsgefüge hatfolgende Aufgaben: » Darstellung der relevanten Interaktionsteilnehmer/-innen der Designbranche » Darstellung der sozial-räumlichen (Arbeitsräume, Schnittstellen) sowie institutionellen (Wissensakteure, Multiplikatoren) Kontextbedingungen für Designprozesse » Hervorhebung der Kleinteiligkeit der Designbranche und deren Abhängigkeit zu anderen Institutionen und temporären Plattformen (Messen, Festivals, Multiplikatoren) 15
  23. 23. Potentialanalyse der Berliner Designbranche 2010 4.3 Design als WirkungsgefügePRÄSENTATIONS- UND TA S- ND REPRÄSENTATIONS- N O Messen PLAT TF MEN A TFORM Festivals Kunden Plattformen Multiplikatoren Internationale Netzwerke Unternehmerische Zellen Co-Working Spaces Universitäten HochschulenORGANISA TIO N AT O AT ONEN Starke Unternehmen Öffentliche FörderungAbbildung 3: WirkungsgefŸge der Berliner DesignbrancheZiele des Wirkungsgefüges » Beurteilung der Qualität der Interaktionsbeziehungen für die empirische Befragung » Übersichtsdarstellung, um die jeweilige Positionen eines Marktteilnehmers im Verhältnis zu anderen Kontextbedingungen einzuschätzen und Marktteilnehmerinnen nach deren Kontextbedingungen (Netzwerkpositionen) zu bewerten. 16
  24. 24. Potentialanalyse der Berliner Designbranche 2010 5.1 Position „Design in Berlin“5 PotentialanalyseDie Stärken-Schwächen-Analyse der Designbranche wird durch zweiDatenquellen ermöglicht: qualitative Experten/-inneninterviews und Co-Design-Workshop. Diese beiden Methoden wurden zwischen April und Juni2010 in Berlin im Rahmen der vorliegenden Studie angewandt. Zunächstaber folgt ein Überblick über Design in Berlin, der die Position der Brancheverdeutlicht. Anschließend werden die Methoden erläutert und die Stärkenund Schwächen ausgearbeitet.5.1 Position „Design in Berlin“Die spezifische historische Position von Berlin ermöglichte seit 1990 einenstarken Zuzug von mehrheitlich jungen, gut ausgebildeten und zugleichinternational ausgerichteten Menschen. Im Verlauf der Jahre entwickeltesich Berlin zu einer Stadt mit einem beeindruckenden Kreativitätsverspre-chen: Der Stadt wurde das Image zuteil, ein idealer Experimentierraum für Allgemeine Strukturmerk-kreative Prozesse, Produkte und Praktiken zu sein. Freiraum – sowohl in male der Designbranche innerhalb der Kultur- undräumlicher wie auch kultureller, mentaler und sozio-ökonomischer Hinsicht Kreativwirtschaft– ist der entscheidende Parameter, der bis heute maßgeblich zur Stand-ortattraktivität der Stadt beiträgt. Viele Berliner Designbüros, die später in- HeterogenitŠ tternational für Furore gesorgt haben, haben sich in den Neunziger Jahren inBerlin gegründet. Selbstorganisierte Initiativen wie der DESIGNMAI (2003- Typisch hoher Anteil von2009) haben maßgebliche Impulse für die Vernetzung und Sichtbarkeit der Kleinst-unternehmenbis dato recht unübersichtlichen Designszene gegeben und es geschafft,das internationale Interesse für Design aus und in Berlin zu wecken. Die DynamikSatellitenmesse DMY – ursprünglich für „DesignMaiYoungsters“ stehend Vom Berufszweig zumund eine Begleitinitiative des DESIGNMAI-Festivals – hat sich seit 2008 zu Wirtschaftszweigeiner eigenständigen, dauerhaften Plattform entwickelt – mit dem Ziel, auchüber das Festival hinaus als Botschafter des Berliner Design im In- und Leitbranche in der Kultur-Ausland zu agieren und die hiesige Designbranche zu unterstützen. (DMY und Kreativwirtschaftsteht inzwischen für Daily Monthly Yearly) Abnahme der UmsatzzahlenEine sehr gut aufgestellte Aus- und Weiterbildungslandschaft sowie Leucht- Abnahme derturm-Veranstaltungen wie die Typo Berlin (1200 Teilnehmende aus mehr sozialversicherungspfl.als 20 Ländern im Jahr 2010) oder das Internationale Illustrative Art Forum BeschŠ ftigten, Zunahme der geringfŸ gig BeschŠ ftigtenlocken jedes Jahr eine ausgewählte Fachöffentlichkeit nach Berlin.Aber auch unabhängig von den jährlich wiederkehrenden Veranstaltun-gen werden in Berlin häufig neue Konzepte erprobt, die neue Formen 17
  25. 25. INTERNATIONALE NETZWERKE SCHNITTSTELLEN Berliner Design auf der Creative Industries Week Shanghai Berlin Buzzwords bf-Förderpreis für designkritische Texte Berliner Design in Mailand Berlin Fashion Week Clemens Tissi Galerie CREATE BERLIN e. V. Berliner Technische Kunsthochschule (privat) re:publica DeGUT (branchenübergreifend) DMY Asia Tour (Taiwan/Seoul/Tokyo) Berufsausbildungszentrum Lette-Verein transmediale Designtransfer an der UdK Berlin DMY/ Berliner Design BEST-Sabel-Hochschule Berlin (privat) Werbekongress des Berliner auf dem Buenos Aires Design Festival Kommunikationsforums e. V. Career & Transfer Service Center DESIGNTREFF 2010 VDID und BDG Universität der Künste Berlin Deutscher Verpackungskongress Design Akademie Berlin (privat) Direktorenhaus der Illustrative Berlin UNI UN UNIVERSITÄT NIV Gründungswerkstatt der TU Berlin DMY International Design Festival HOCHSCHULE HOCHSHS H Hochschule für Technik und Wirtschaft (FH) erstererster – Galerie und Co-Working Space WEITERBILDUNG BIL WEITERBIL MESSEN Kunsthochschule Berlin Weißensee Galerie Ulrich Fiedler FESTIVALS Mediadesign Hochschule (privat) Hans-Peter Jochum Galerie PLATTFORMEN MEN Miami Ad School (privat) Helmrinderknecht GALERIENN Universität der Künste Berlin Galerie für zeitgenössisches Design MULTIPLIKATOREN KA KATOREN N Illustrative Berlin Unternehmerische ÏMA Design Village (Kreativhub) Zellen Jacksons Galerie für skandinavische Möbel Archimedes Solutions GmbH Karena Schüssler Galerie ART+COM PICTOPLASMA Berlin STARKE BBDO InterOne Planet Modulor (im Aufbau) UNTERNEHMEN Edenspiekermann AG systM bar and gallery for design disciplines mediaworx berlin AG Tilmann Appel Contemporary Galerie CO- W WORKING WORKING MetaDesign Typo Berlin – Internationale Designkonferenz ÖFFENTLICHE UND S SPACES SPACES Schindler Parent Identity INTERMEDIÄRE Scholz & Friends Betahaus, Open Design City, HAND Berlin Kreuzberg SCHOLZ & VOLKMER CoUp, Berlin Kreuzberg CREATE BERLIN e. V. SelectNY.Berlin Exbuero Labor für neue Arbeitswelten Creative City Berlin Triad Berlin hallenprojektDE Creative Metropoles Studio 70 - Berlin-Neukölln Designszene Berlin York52, Berlin-Schöneberg Deutsche Gesellschaft für Designtheorie und -forschung e. V. Internationales Design Zentrum Berlin e. V. (IDZ) Kompetenzzentrum Kultur- und Kreativwirtschaft des Bundes, Regional- büro Berlin/Brandenburg Projekt Zukunft Senatsverwaltung WTF, Förderung Kreativwirtschaft 5.1 Position „Design in Berlin“ Potentialanalyse der Berliner Designbranche 2010 Abbildung 4: Design in Berlin Ð eine reprŠ sentative Auswahl (alphabetisch geordnet)18
  26. 26. Potentialanalyse der Berliner Designbranche 2010 5.2 Methodikder Zusammenarbeit zwischen Handwerk, Design und Forschung undEntwicklung möglich machen (z. B. Berlin Design Reaktor oder die Hybrid-Plattform) oder kollaborativ die Brücke zwischen Do-It-Yourself-Methoden,digitalen Tools und kollaborativer Selbstorganisation bauen (z. B. OpenDesign City im Betahaus).Typisch für Design in Berlin ist außerdem der interdisziplinäre Showroom-Charakter, der letztlich auch mit der Tourismusbranche eine interessanteVerbindung eingeht: Zeitlich begrenzte Pop-Up-Stores oder multidiszipli-näre Concept Stores, kurzfristige Ausstellungen in etablierten öffentlichenoder privatwirtschaftlichen Räumen, Aktionen in Ladengalerien oder imöffentlichen Raum sind paradigmatisch für Berlin.Die internationale Repu-tation von Berlin als kreative Designmetropole, die seit 2006 den offiziellenTitel „UNESCO City of Design“ trägt, wird aus einer Binnenperspektivedurch neue Arbeitsmodelle und neue Wertschöpfungsverfahren getra-gen. Gleichwohl überdeckt der Hype um kreative Tätigkeiten in Teilengerade im Designbereich die mitunter prekären Arbeitsbedingungen derMarktteilnehmer/-innen. Was es im Einzelnen bedeutet und welche Aus-wirkungen dieser Sachverhalt auf die Berliner Designszene hat soll in denfolgenden Kapiteln erläutert werden.5.2 MethodikVor dem Hintergrund der beschriebenen Position von Design in Berlin giltes, das vorhandene Potential der Designbranche anhand der Experten/-inneninterviews und des Co-Design-Workshops hin zu prüfen und darausableitend die Stärken und Schwächen herauszuarbeiten.Experten/-inneninterviewsZum einen wurde mit 43 Marktteilnehmern/-innen, Intermediären undnationalen wie internationalen Experten/-innen der Designbranche Inter-views geführt (siehe Liste der Interviewpartner/-innen sowie Fragebogenim Anhang). Die Interviewpartner/-innen wurden anhand drei wesentlicherStrukturmerkmale ermittelt. Diese feingliedrige Einteilung entspricht denwesentlichen Erkenntnissen der Studie zur Kultur- und Kreativwirtschaft desBundes aus dem Jahr 2009 (Senatsverwaltung für Wirtschaft, Technologieund Frauen 2008). 19
  27. 27. Potentialanalyse der Berliner Designbranche 2010 5.2 Methodik Unternehmerische Zellen, d. h. junge Kleinst- und Mikrounternehmer/-innen, die erst seit wenigen Jahren am Marktgeschehen aktiv teilnehmen Kleinere und Mittlere Unternehmen. Unternehmen, die seit mehreren Jahren am Markt teilnehmen und ca. 3-10 Mitarbeiter/-innen (Festangestellte und/oder freie Mitarbeiter/- innen) haben Starke, große oder international agierende Unternehmen, mit mehr als 10 fest angestellten Mitarbeitern/-innen und einem breiten und zugleich hoch spezialisierten Tätigkeitsfeld. Befragungssample aus den Bereichen Produkt-/Industrie- design und Visuelle Kommunikation (Kommunikationsdesign, Illustration und Grafikdesign, Corporate Design, Ausstellungs- design, Interactiondesign, Interfacedesign): » 20 Vertreter/-innen Unternehmerischer Zellen » 8 Vertreter/-innen Mittelstand » 5 Vertreter/-innen großer Unternehmen » 4 Kunden » 5 Vertreter/-innen von öffentlichen Institutionen » 6 Internationale Experten/-innenErgänzt wurden die Experteninterviews der Unternehmer/-innen mitVertretern/-innen von Messen, Berufs- und Interessenverbänden sowieVerkaufsplattformen.Die in den Interviews gewonnenen Informationen wurden interpretiert undanhand von übergeordneten Kategorien gruppiert. Die Häufigkeit einzelnerNennungen sowie die Identifizierung einzelner Themen oder Maßnahmenließen Rückschlüsse auf ihre Relevanz zu. Die Erkenntnisse drücken somitnicht eine individuelle Meinung, Einschätzung und Auffassung auf, alsvielmehr übergeordnete und sozusagen überindividuelle Auffassung desMarktgeschehens in der Designbranche Berlins.Im Fokus der Bewertungen stand die jeweilige Qualität der Interaktionsbe-ziehungen, die zwischen den einzelnen Teilelementen des Wirkungsgefü-ges Design auf der Basis der Einschätzung des/der Experten/-in zu beob-achten war. Mit dieser Interpretationsperspektive konnte somit zum einendie Selbstverortung der Marktteilnehmer/-innen verdeutlicht werden, zum 20
  28. 28. Potentialanalyse der Berliner Designbranche 2010 5.2 Methodikanderen eine Einschätzung der jeweiligen Beziehungsqualität zu anderenAkteuren in einem Marktgefüge (Kunden, der öffentlichen Hand, Konkurrie-rende, Interessensverbänden).Co-Design-WorkshopParallel zu den Interviews wurde gemeinsam mit Akteuren/-innen aus demDesign ein Co-Design-Workshop initiiert. Er hatte das Ziel, vorhandenePotentiale sowie strukturelle Schwächen zu identifizieren und gemeinsamherauszuarbeiten. Der Co-Design-Workshop wurde als Plattform organi-siert. „Co-Design“ bedeutet in diesem Zusammenhang, dass Frage- undProblemstellungen mit den Methoden des Designs bearbeitet werden.Ideengenerierung, Konkretisierung, visuelles Arbeiten und iterative Prozessesind die wichtigsten Charakteristika des Co-Designs. Co-Design beteiligtdiejenigen an Entscheidungsprozessen, die später von ihnen „betroffen“sind oder sein können.12 Vertreter/-innen unternehmerischer Zellen, Lehrkräfte von Hochschulen,Kunden, mittelständische Design-Unternehmer/-innen sowie Vertreter/-in-nen von Global Playern waren eingeladen, Maßnahmen, Ideen und Bewer-tungen für eine Designstrategie in Berlin auszuarbeiten. Wichtiges Elementdes Co-Design-Workshops war die moderierte Gruppenarbeit, welche diedrei heterogen zusammengesetzten Teams mit vorformulierten Thesen undsich daraus ergebenden Fragestellungen konfrontierte. So bildeten die vierThesen „Prototypenthese“, „Spezialisierungsthese“, „Innovationsthese“und „Akzeptanzthese“ (ausführliche Beschreibung der Thesen s. Kapi-tel 8) den Ausgangspunkt für die Auseinandersetzung im Workshop. DieThesen fassten erste Ergebnisse der Vorarbeit (Recherche, Auswertung derExperten/-inneninterviews) zusammen und wurden im Workshop auf ihreRelevanz für die Berliner Designbranche hin geprüft und weiterentwickelt.Überprüft und diskutiert wurden die Erkenntnisse aus den Experten/-inneninterviews und aus dem Co-Design-Workshop mit dem Design-Beirat(siehe Anhang). Abbildungen 5-7:Im Folgenden werden die Ergebnisse der Interviews und des Co-Design- Co-Design-WorkshopWorkshops in Stärken und Schwächen der Berliner Designbranche aufge- (Oben: T. Welter prŠ sentiertschlüsselt. Die Strukturierung erfolgt anhand der anfangs definierten Kate- Ergebnisse der Gruppenarbeit.gorien Produkt-/Industriedesign sowie Visuelle Kommunikation, unterteilt Mitte: work in progress.nach Unternehmerischen Zellen, Mittelstand und Internationalen Playern, Unten: v. links Ð I . Wellmann,wobei Erkenntnisse zu Stärken und Schwächen, die für alle drei Bereiche A. Schneider, J. Kiessler, J.gültig sind, jeweils einleitend zusammengefasst werden. Suermann, I. Frey) 21
  29. 29. Potentialanalyse der Berliner Designbranche 2010 5.3 Design in Berlin – Stärken5.3 Design in Berlin – StärkenBerlin hat in den letzten Jahren zweifelsfrei eine Erfolgsgeschichte erlebt,was Aufmerksamkeit und Wertschätzung des Designfeldes anbelangt – vorallem international. Sicherlich tragen große, international agierende Unter-nehmen wie Triad, Art+Com, Archimedes, Edenspiekermann oder Graftzu diesem Erfolg bei. Berlins Designszene hat es aber in ihrer Gesamtheitgeschafft, ein eigenwilliges Bild zu zeichnen, das authentisch, aber auch„schnell, cool, überraschend“ wirkt, wie es in den Interviews heißt. DieHeterogenität, Kleinteiligkeit und Innovationsbereitschaft der Branche findetgerade in der Vielfalt, Dezentralität und in den Freiräumen der deutschenHauptstadt ihre Entsprechung. Anders als andere Designmetropolen über-zeugt Berlin durch seinen Low-Fi-Status (Engl. für „mit einfachen Mitteln“),der von Selbstorganisation, Kollaboration und Experimentierfreude geprägtist.Berliner Design hat viele Stärken aufzuweisen, die Disziplinen-übergreifendund auch Kreativbranchen-übergreifend Gültigkeit haben und Berlin gegen-über anderen Metropolen (national und international) positionieren – bei-spielhaft zu finden bei Projekten wie dem Design Reaktor Berlin oder derPlattform Jovoto (vgl. Kapitel 10.1. Berliner Fallbeispiele). So behauptet sich ã Berlin hat wenig Design-Stars.Berliner Design als „selbstverständliche Kombination aus Eleganz und Bas- Der Star ist die Szene selbst.Ò *telei. In keiner anderen Designmetropole gibt es derart viele junge, experi-mentelle Milieus und kreative Gemeinschaftsstrukturen.“ (Interview) BerlinerDesign stehe für eine Prozessorientierung, für große Offenheit und einInteresse an Auseinandersetzung. Aufgrund der sozio-ökonomisch günsti-gen Lebens- und Arbeitsbedingungen werden in Berlin, neue Produkte oderArbeitsmodelle entwickelt und getestet.Stärker als in anderen Designmetropolen werde Design in den Berliner Sze-nen als Geisteshaltung gelebt – auch in Hinblick auf soziale, ökologische,politische Herausforderungen. Dadurch erhalte Berliner Design auch imAusland eine hohe Authentizität und erkennbare Identität. Berliner Design ã Wir sind keine Medienstadt wiegilt spartenübergreifend als gewagt, Position beziehend und Diskurs för- Hamburg zum Beispiel, aber imdernd, etwa gegenüber Städten wie München, Hamburg oder Düsseldorf, Kommunikatiosdesignbereich undin denen Design stärker dienstleistungsorientiert ist. In Berlin wird, so die den Neuen Medien, speziell dort,Akteure der Stadt, Service mit Innovationsanspruch an der Schnittstelle zu wo es um Innovation geht, hervor-anderen künstlerischen Disziplinen vereint. ragend aufgestellt.ÒSo wird mit Design aus Berlin – und das gilt sowohl für das Produkt/Indust- * Die Zitate entstammen denriedesign als auch für die Visuelle Kommunikation – eine dynamische Desi- Experten/-inneninterviews undgnkultur verbunden. Viele der Befragten geben als besondere Eigenschaft werden anonym behandelt. 22
  30. 30. Potentialanalyse der Berliner Designbranche 2010 5.3 Design in Berlin – Stärkendie Nähe zur freien Kunst an. Damit wird als besonderes Alleinstellungs-merkmal und Stärke der Designszene Berlins vor allem das Autoren- undKonzeptdesign in den Vordergrund gestellt. In Hinblick auf die Bereiche, indenen es um Innovation im Design geht, sei Berlin in der Ideenproduktion,Prozessorientierung und in neuen Formen der Wissensproduktion sehrgut aufgestellt. Die Berliner Designszene ist von einer Nähe zu anderenTeilbranchen der Kultur- und Kreativwirtschaft gekennzeichnet, als Resultatder subkulturellen und kulturinstitutionellen Diversität, die die Interaktionzwischen Kultur- und Kreativschaffenden ebenso wie zwischen nachfragen-den Kulturinstitutionen (Museen, Schauspielhäuser, Musikveranstalter etc.)und Zulieferer aus der Designbranche begünstigt.Betrachtet man die Teilbranchen gesondert, weist sich der Bereich Visuelle StärkenKommunikation, in der Art und Weise, wie er hier zusammengefasst wurde,gegenüber dem Bereich Industrie- und Produktdesign zwar ebenfalls als HeterogenitŠ t des Marktesstark technologisch bestimmter Bereich aus, ist aber zugleich stärker auf Selbstorganisation derNeue Medien fokussiert. Visuelle Kommunikation in Berlin ist explizit an die MarktteilnehmerMedienkunst als Schnittstelle angebunden, ebenso an die Streetculture der1990er Jahre und die Clubkultur als Schnittstelle. Somit ist dieses Design- IndividualitŠ t,segment stärker experimentell aufgestellt, heterogenerer und weist in be- Experimentieranspruchstimmten Teildisziplinen eine größere Distanz zu Markt und Prozessen der und Nischenkompetenz der MarktteilnehmerÖkonomisierung auf als der dienstleistungsorientiertere Bereich Produkt-/Industriedesign. Berlin ist eine Marke im DesignbereichDie Visuelle Kommunikation hat darüber hinaus weitreichende Verbindun-gen in alle Welt. Berlins Standortfaktor als wichtige Metropole für Messen Kreativ-kŸ nstlerisches Innovationsmilieuund Kongresse begünstigt zudem die global organisierte Szene der Visuel-len Kommunikation. ProzessorientierungFür eine differenzierte Erfassung der Interaktionsbeziehungen innerhalb der Niedrigschwellige Raumangebote fŸ r Markteinsteiger, guteDesignbranche als Schnittstellenbranche werden, anhand der in Kapitel 4.2 Gewerberaumsituation fŸ rabgeleiteten Innovationsbedingungen, die Teilbranchen “Produkt-/Indus- etablierte Akteuretriedesign” und “Visuelle Kommunikation” auf spezifische Merkmale undStärken von kleinen, mittleren und großen Unternehmen (Unternehmerische Breites Kompetenzniveau derZellen, Mittelstand und Internationale Player) hin betrachtet. MarktteilnehmerUnternehmerische Zellen (bis 3 Mitarbeiter/-innen)Für Kleinstunternehmen bietet die Stadt diverse selbst organisierte Räumefür das Erproben von experimentellen Modellprojekten – vom DMY-Festivalhin zu Schnittstellenplattformen wie zum Beispiel der transmediale und zu 23
  31. 31. Potentialanalyse der Berliner Designbranche 2010 5.3 Design in Berlin – Stärkenzahlreichen Ausstellungen und Events, die sich oft an der Schnittstelle zurBildenden Kunst und Clubkultur verorten. Dies liegt zugleich auch an denoftmals hybriden Tätigkeitsprofilen von Akteure/-innen selbst, die teils ausökonomischen Gründen (Standbein-Spielbein-Logik), teils aus einer hohenAffinität zu anderen kreativen Disziplinen in mehreren Kontexten zugleichaktiv sind.Insbesondere Kleinstunternehmer/-innen finden Lösungen, um das, wasan professionellen Rahmenbedingungen (z. B. Lernen von Profis in mit-telständischen Unternehmen) fehlt, durch eine ausdifferenziertere Peer-to-Peer-Kultur und niedrig-schwellige Möglichkeiten, sich auszuprobieren,wieder wettzumachen. Bestehenden Defiziten im betriebswirtschaftlichenKnow-How oder in der Herstellungs- oder Vertriebsstruktur wird durch dieEntwicklung alternativer selbstorganisierter Modelle begegnet. Auch dieMöglichkeiten des Internets und die Entstehung von Vertriebsplattformenwie Etsy oder DaWanda (Virtueller Marktplatz für Selbstgemachtes/Manu- ã Konferenzorte wie das Hausfakturprodukte/Kleinstserien) lassen selbst für Mikrounternehmer/-innen Der Kulturen der Welt sind eineinen Marktzugang und die relativ transaktionskostenarme Entwicklung von wichtiger Erfolgsfaktor ÐNischensegmenten realisieren. Nicht ohne Grund treffen neue Formen des im Gegensatz zu den Ÿ blichenZusammenarbeitens, des Wissenstransfers und der Netzwerkkultur, wie z. nŸ chternen Hotel-Konferenzen.ÒB. das Betahaus in Berlin, auf Nachfrage und werden stetig erweitert, wieetwa die kollaborative offene Werkstatt „Open Design City“ (siehe Modell ã Andere Designmetropolen wie Paris oder London sind daraufBetahaus, Kapitel 10.1). bedacht, zu bewahren. Bei uns geht es um den Prozess desDie bereits im Berliner Kulturwirtschaftsbericht 2008 beschriebene „Nei- sich immer neu Erfindens. Dasgung zu manufakturartiger Produktion und Direktvertrieb in eigenen Shops“ schafft hier eine AtmosphŠ re(Senatsverwaltung 2008, S. 71) kann außerdem um wachsende Vertriebs- des Mutes und des Wagemutes,möglichkeiten über Community-basierte Onlinemärkte ergänzt werden. Offenheit zum Experiment undAber auch Auslandspräsentationen über Initiativen wie der DMY Asia Tour Offenheit zum Scheitern.Òwerden für den internationalen Marktzugang von Kleinstunternehmern/-innen als positiv und wichtig bewertet. Die gezielte Kombination unter-schiedlichster Auftrags-, Herstellungs- und Vertriebsstrukturen lässt sichbei erfolgreichen Kleinunternehmen aufzeigen, die auf dem internationalenMarkt akquirieren oder aber gezielt nationale und regionale Netzwerkeund Plattformen nutzen, wie zum Beispiel WHITEvoid oder TheProduct imBereich Interactive Design (an der Schnittstelle zu Medienkunst), Scrollanoder Onlab CH (Grafikdesign), Moniteurs für Corporate Design oder Floor5,die von der Berliner Magazin- und Werbe-Szene profitieren.Private Strukturen der Präsentation und des Vertriebs, die sich explizit derPräsentation und dem Verkauf von Design aus Berlin verschrieben haben(z. B. Berlinomat, ausberlin, berlindesign.net), sind wichtige Anlaufstelle fürdiejenigen Kleinunternehmungen, die über keine ausreichende Vertriebs- 24
  32. 32. Potentialanalyse der Berliner Designbranche 2010 5.3 Design in Berlin – Stärkenstruktur verfügen. Plattformen wie Designerdock oder auch Jovoto.comavancieren zu nützlichen Intermediären, die sowohl eine Jobvermittlung,als auch kollektive Ideenentwicklungsprozesse (Ideation) unterstützen.Die relativ hohe Galeriendichte sowie diverse Concept Stores, die auchaufwändig gestaltete Bücher, Zeitschriften oder andere visuelle/textbasierteFormate anbieten sowie eine gut aufgestellte (Web-)Magazinlandschaft(Liebling, Dummy, der Freitag, Freunde von Freunden, Lodown), führeninnerhalb Berlins zu einer guten Sichtbarkeit.Kleine und Mittlere Unternehmen (3-10 Mitarbeiter/-innen)Zu den Kleinen und Mittleren Unternehmen zählen wir hier exemplarischDesignbüros, die mit ca. 10 fest angestellten Mitarbeitern/-innen aufgestelltsind. Für diese ist bezeichnend, dass sie oft von einzelnen großen Auftrag-gebern abhängig sind, manchmal sogar über Schwesterfirmen in West-deutschland Auftragsflauten abfedern.Eine Stärke der KMUs in Berlin – insbesondere im Bereich Visuelle Kom-munikation – sind die flexiblen Strukturen der kleinen Büros, die sehrgut vernetzt sind, in einem Cross-Over Bereich arbeiten und ein breitesLeistungsangebot aufweisen. Sie bewegen sich am Markt über ein Netz-werk von freien Mitarbeitern/-innen oder Kooperationspartnern/-innen undbeschäftigen diese meist projektbezogen. Der klassische Mittelstand, wieer sich in Designmetropolregionen wie Mailand, London oder Paris findet,ist nicht kennzeichnend für Berlin. Eine Stärke und Chance weisen gleich-wohl jene Organisationsmodelle auf, in denen sich viele kleine Akteure überhalb-verbindliche Modelle der Zusammenarbeit eine strategisch bessere ã Die wichtigsten Impulse kom-Position am Markt sichern und den Vorteil gerade in der interdisziplinären men fŸ r mich nach wie vor ausZusammensetzung der Partner sehen (Bsp.: Designgenossenschaft next at der Club- und Party- Szene; siee. G. oder sämtliche Gemeinschaftsbüros und Dachmarkenmodelle). ist Inspiration und Vernetzung zugleich.ÒBeispielhaft wären hier Unternehmen wie die IxDS Interaction DesignStudios (im Bereich Prozessorientiertheit, Prototypenerstellung und Desig-nforschung) oder das Berliner Büro der Firma Fjord (für mobile and cross-platform design) zu nennen.Die Stärke dieser Unternehmen ist, dass sie nicht so sehr unter dem Druckeiner bestimmten, selbst geschaffenen Unternehmenspolitik stehen. Damiteinher gehen das Bedürfnis und die hohe Bereitschaft, über die Funktionals Dienstleister hinaus in aktuelle Diskurse hineinzuwirken und einer brei-teren öffentlichen Akzeptanz von Design mit zu verhelfen. Auch scheinen 25
  33. 33. Potentialanalyse der Berliner Designbranche 2010 5.3 Design in Berlin – Stärkenmittelgroße Unternehmen im Vergleich zu anderen deutschen Städten inBerlin nicht so stark konventionellen Codes unterworfen zu sein, was eben-falls von den Akteuren/-innen als Stärke bewertet wird: „In Berlin gibt esviele im Vergleich kleine Büros, die aber dennoch ernst genommen werden.Woanders sind 3 Sekretärinnen erstmal nötig, damit man mitspielen kann.“Oftmals ersetzt eine selbstorganisierte Clusterbildung den klassischenMittelstandsbereich, da verarbeitende und gewerbliche Firmen aus demMittelstand bei solchen Initiativen aktiv angefragt und integriert werden.Projekte wie der Design Reaktor Berlin (UdK) zeigen die Chancen auf, diein einer intelligenten Kooperationsverbindung aus Universität und Unterneh-men, innovativem Gestaltungs-Knowhow und handwerklicher Kompetenzliegen.Große, international agierende UnternehmenEs gibt nur wenige internationale Player in Berlin – gerade im BereichProdukt-/Industriedesign – aber diese sind weitestgehend erfolgreich.Sie stellen sich multidisziplinär auf und verbinden sämtliche Design- undKommunikationsdisziplinen, um komplexe Anforderungen zu erfüllen.Der Kundenstamm verortet sich weltweit, aber der Standort Berlin bietetVorteile: ein international wirkendes Image als inspirierender Ort mit hoherSymbolkraft, ein großer, sich ständig neuformierender Pool an kreativen,hochmotivierten Talenten aus allen Disziplinen, günstige und großzügigeRaumbedingungen sowie eine geografisch zentrale Lage mit weitestge-hend guten Reiseverbindungen in andere internationale Metropolen. Auchwenn die Geschäfte in der Regel nicht in Berlin gemacht werden, so dientBerlin doch als inspirierende Basis und internationaler Knotenpunkt, wobei ã Dass wir keine IndustrieOsteuropa (allen voran Moskau) zunehmend anvisiert wird. haben, ist hier zum Vorteil gewendet worden.ÒIm Bereich Corporate Identity und Markenarchitektur ist Berlin im bundes-weiten Vergleich prominent aufgestellt: 15 der 50 größten CI/CD-Agenturenhaben sich in Berlin niedergelassen (mit Hauptsitz oder Dependenzen)und generieren einen Umsatz von ca. 41 Mio EUR im Jahr 2007 (Quelle:DesignMagazin 2009, Senatsverwaltung für Wirtschaft, Frauen und Tech-nologie, S. 13), Berliner Agenturen wie Scholz & Friends, MetaDesign oderSchindler Parent Identity stürmen die Rankings (vgl. PAGE CD/CI-Ranking2010). Auch die jährlich stattfindenden Konferenzen und Events im BereichTypografie und Illustration stärken die Disziplin und werden als wichtige Re-ferenz für die internationale Vernetzung gewertet. Eine Stärke und Chancezugleich liegt außerdem in der Dichte der forschungs-/entwicklungsintensi-ven Einrichtungen in und rund um Berlin. So hat die zentrale Innovationsab- 26
  34. 34. Potentialanalyse der Berliner Designbranche 2010 5.4 Design in Berlin – Schwächenteilung der Deutschen Telekom ihren Sitz in Berlin, weitere Beispiele wärendie Fraunhofer-Institute, die verstärkt die Implementierung von Design inForschungs- und Qualitätssicherungsprozesse suchen. Unternehmen wieSiemens, Wall AG und Burmester Audiosysteme mit starken Entwicklungs-und Innovationsabteilungen tragen zudem wesentlich zur Stärkung derDesignbranche bei.5.4 Design in Berlin – SchwächenAllgemein wird von den Marktakteuren kritisiert, dass eine große, renom-mierte Institution fehle, beispielsweise in Form eines zeitgemäßen Design-Museums, die nach außen und nach innen symbolische Strahlkraft entfaltet.Das Bauhaus-Archiv und das Kunstgewerbemuseum wurden weder in denInterviews, noch im Workshop von den Akteuren als wichtige Institutionenbenannt. Der Wunsch nach einem Museum, das wie das „Vitra DesignMuseum“ (wird in den Interviews mehrfach erwähnt) eine Repräsentati-on und kritische Reflexion von modernen und postmodernen sowie denzeitgenössischen Entwicklungen im Design für ein breites Publikum leistet,wird vermisst. Die neue Initiative der Illustrative Berlin – das Direktorenhaus– setzt sich zum Ziel, einige dieser Lücken zu schließen, Der Wunsch nacheinem Designmuseum mit Leuchtturmfunktion in Berlin zeigt die Notwen-digkeit einer auch außerhalb der Fachöffentlichkeit anerkannten Institution,die historische und zeitgenössische Aspekte des Design in einer Form (re-)präsentiert, die dem Status Berlins als Hauptstadt gerecht wird.Eine besondere Schwäche und gleichzeitig ein Risiko für die Designbran-che, speziell für Produkt-/Industriedesign, liegt darin, dass Produkt-/Indus-triedesign in Berlin im Verhältnis zu anderen Regionen eine eher schwachausgeprägte Tradition hat. Auch existieren hier, historisch bedingt, keinestarken und institutionalisierten Beziehungen zu produzierendem Gewer-be. Diese werden, soweit vorhanden, zusätzlich aufgrund des Abbaus desverarbeitenden und produzierenden Gewerbe geschwächt. Generell wärees hier hilfreich, ein detailliertes empirisches Bild (standardisierte Abfrage z.B. mit Hilfe der IHK) über die faktisch mit Designern/-innen kooperierendenBetriebe zu erfahren. Was Industriedesigner/-innen außerdem fehlt, ist derHightech-Bereich, der international als einer der größten Nachfrager für dieSparte gilt.Eine Schwäche ist auch die vielfach benannte Einschätzung, dass „Ausstel-lung und Diskussion wichtiger Design-Themen“ aus der Sicht des Produkt-/Industriedesign und der Visuellen Kommunikation schwach ausgeprägt ist.Vorreitermodelle wie bspw. der Designtransfer der UdK Berlin als kommu- 27

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