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InhaltzuSAmmenfASSung                                                                                                     ...
6.3	            Kooperatives	Health	Care	Management	–	an	der		                                                            ...
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VisionAufbauend	auf	der	Dienstleistungsforschung	wird	sich	bei	ent-sprechender	Schwerpunktsetzung	in	der	akademischen	Welt...
3	 PersPektiVWechselDas	Spektrum	von	Dienstleistungen	bewegt	sich	zwischen	ein-                       tungsentwicklung	und...
PersPektiVWechsel3.1 Wertschöpfung als interaktiver prozess –                       aufgelöst.	Gleichzeitig	wird	damit	die...
3.2 gestaltung und management digitaler,                                          3.3 implikationen für die dienstleistung...
4	 BestandsaufnahmeIm	zuge	der	Diskussion	um	die	Etablierung	einer	neuen	Wissen-       4.1 Aktivitäten im forschungsumfeld...
dienstleistungssektor	in	interdisziplinären	Kooperationen	                        4.2 Aktivitäten im Bereich der akademisc...
Bestandsaufnahmeführte	Master	Studiengänge	im	Bereich	„Services	Science“	(z.B.	     „Business	Services“.	Die	vierzigste	Ja...
management-Fragestellungen	auch	im	International	Journal		                        Auf	internationaler	Ebene	finden	sich	di...
Bestandsaufnahme4.5 Öffentliche forschungsförderungDie	öffentliche	Förderung	der	Dienstleistungsforschung	war	in	Deutschla...
5	 Zur	Begriffsklärung	Von	serVice	scienceDie	Etablierung	einer	kohärenten	„Service	Science“	(bisweilen	                  ...
Zur	Begriffsklärung	Von	serVice	scienceWenn	die	betreffende	Wissenschaft	inter-	oder	transdisziplinär	        In	der	Debat...
angeschlossen.	Allerdings	ist	hiermit	wiederum	das	Problem	                     nahelegt.	Allerdings	ist	es	notwendig,	die...
6	 anWendungsBeisPieleIn	zahlreichen	Fällen	hat	die	wissenschaftliche	Auseinander-        aktionsarbeit)	an.	Interaktive	A...
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anWendungsBeisPiele(wie	z.B.	Wirtschaftsinformatik	oder	Wirtschaftsingenieurwesen).	In	dieser	Hinsicht	dürfte	der	Bereich	...
Konzeptpapier 'Auf dem Weg zu einer Service Science' der Taskforce Dienstleistungen - 2010_10
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Eine interdisziplinäre Arbeitsgruppe aus der Forschungsgruppe Wirtschaft-Wissenschaft unter der Leitung des Karlsruhe Service Research Institute (KSRI) skizziert in diesem Konzeptpapier die Motivation & die Perspektiven, die Grundlagen & den Rahmen für eine neue wirtschaftswissenschaftliche Disziplin unter dem Titel 'Service Science', die Services bzw. Dienste und deren Erbringung zu ihrem zentralen Thema macht.

Von der Web-Site KSRI kann das Konzeptpapier direkt heruntergeladen werden
http://www.ksri.kit.edu/Upload/Publications/92d75a33-9e07-473b-9091-7398a0557f0b.pdf

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  • Die generische & durchgängige Methodik für verlässliche & rentable Service-Erbringung (= Servuktion) wird vermittelt in EinführungsSeminar 10 (ES10) 'Servicialisierung - Von Service-Identifizierung bis Service-Fakturierung' - http://de.slideshare.net/PaulGHz/seminar-es10-servicialisierung-2014-01-v010000
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  • Die fundierte & konsistente Service-Terminologie liegt vor. s., Glossar Service-Terminologie - http://de.slideshare.net/PaulGHz/servicialisierung-glossar-serviceterminologie-v070000
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  • Die Serviciologie ist im Aufbau. s. XING-Forum 'Serviciologie - Klärung des Fachbegriffs' - https://www.xing.com/net/pri3d4b72x/servicialisierung/serviciologie-746181/serviciologie-klarung-des-fachbegriffs-43035369/43035369/#43035369
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  • Das generische & durchgängige Leitkonzept der Servicialisierung für verlässliche & rentable Service-Erbringung (= Servuktion) wird

    - erklärt auf dem Wissensportal der ComConsult Research in der Artikelserie unter der eigenständigen Rubrik 'Servicialisierung'
    http://www.comconsult-research.de/serien/servicialisierung/

    - illustriert & erläutert in Webinar 03
    -- Obertitel 'Die Servicialisierung'
    -- Untertitel 'Grundlagen & Methoden'
    -- am 18.03.2014
    -- bei & mit der smile2 GmbH
    s. Präsentationsunterlagen zu Webinar 03
    http://de.slideshare.net/PaulGHz/webinar-03-die-servicialisierung-grundlagen-methoden-20140318-v010000

    - dargestellt & vermittelt in EinführungsSeminar 10 (ES10)
    -- Obertitel 'Servicialisierung'
    -- Untertitel 'Von Service-Identifizierung bis Service-Fakturierung'
    s. Präsentationsunterlagen zu Seminar ES10
    http://de.slideshare.net/PaulGHz/seminar-es10-servicialisierung-2014-01-v010000
    s. Ausschreibung zu Seminar ES10
    http://de.slideshare.net/PaulGHz/seminar-es10-servicialisierung-2014-0113-14-flyer-v010000
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  • Die Serviciologie, d.h. die Wissenschaft & Lehre vom Service an sich umfasst die folgenden Elemente

    - die fundierte & kohärente Service-Terminologie
    s. Glossar Service-Terminologie
    http://de.slideshare.net/PaulGHz/servicialisierung-glossar-serviceterminologie-v070000

    - das generische & vollständige Service-Erbringungsmodell (= Servuktionsmodell) mit den 4 Hauptrollen und der Umgebung der Service-Erbringung (= Servuktionsumgebung)
    s. Präsentationsunterlagen zu Webinar 04
    - Obertitel 'Das Service-Erbringungsmodell'
    - Untertitel 'Hauptrollen & Interaktionen'
    - am 01.04.2014
    - bei & mit der smile2 GmbH
    http://de.slideshare.net/PaulGHz/webinar-04-serviceerbringungsmodell-20140401-v010000

    - die Service-Taxonomie mit
    -- der Klassifizierung von Service-Typen
    -- der Beschreibung von Service-(Beitrags)Hierarchien

    s. XING-Forum 'Serviciologie - Klärung des Fachbegriffs'
    https://www.xing.com/net/pri3d4b72x/servicialisierung/serviciologie-746181/serviciologie-klarung-des-fachbegriffs-43035369/43035369/#43035369
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Konzeptpapier 'Auf dem Weg zu einer Service Science' der Taskforce Dienstleistungen - 2010_10

  1. 1. Auf dem Weg zu einer Service SciencePersPektiven, Forschungsthemen und handlungsemPFehlungenaus der sicht einer interdisziPlinären arbeitsgruPPe empfehlungen An die TASkforce dienSTleiSTungen im rAhmen der forSchungSunion WirTSchAfT – WiSSenSchAfT
  2. 2. Der vorliegende Bericht wurde als gemeinsames Arbeitsergebnis der Expertenrunde – unter Leitung von Gerhard Satzger (Karlsruhe Service Research Institute (KSRI)/IBM Deutschland GmbH) und Walter Ganz (Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation, Stuttgart) – von den nachfolgend genannten Mitwirkenden erstellt:Prof. Dr. Roman Beck, Goethe-Universität Frankfurt Prof. Dr. Martin Benkenstein, Universität Rostock Prof. Dr. Martin Bichler, Technische Universität München Prof. Dr. Tilo Böhmann, International Business School of Service Management (ISS), Hamburg Dr. Wolfgang Dunkel, Institut für Sozialwissenschaftliche Forschung (ISF), München Prof. Dr. Klaus-Peter Fähnrich, Universität Leipzig Walter Ganz / Bernd Bienzeisler, Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO), Stuttgart Prof. Dr. Hans Georg Gemünden / Prof. Dr. Carsten Schultz, Technische Universität Berlin Prof. Dr. Matthias Gouthier, European Business School (EBS), Oestrich-Winkel Prof. Dr. Helmut Krcmar, Technische Universität München Anja Kremer, IBM Deutschland GmbH, Stuttgart Prof. Dr. Kathrin Möslein / Dr. Marcus Kölling, Universität Erlangen-Nürnberg & Handelshochschule Leipzig (HHL) Prof. Dr. Gerhard Satzger / Axel Kieninger, IBM Deutschland GmbH/Karlsruher Institut für Technologie (KIT)Prof. Dr. Bernd Stauss, Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt Prof. Dr. Volker Stich / Dr. Gerhard Gudergan, Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule (RWTH) Aachen Prof. Dr. Christof Weinhardt, Karlsruher Institut für Technologie (KIT)4 Arbeitsgruppe „Evaluation Service Science“ der Taskforce Dienstleistungen
  3. 3. Auf dem Weg zu einer Service SciencePERSPEKTIVEN, FORSCHUNGSTHEMEN UND HANDLUNGSEMPFEHLUNGEN AUS DER SICHT EINER INTERDISzIPLINäREN ARBEITSGRUPPE empfehlungen An die TASkforce dienSTleiSTungen im rAhmen der forSchungSunion WirTSchAfT-WiSSenSchAfT 1
  4. 4. InhaltzuSAmmenfASSung 4 BeSTAndSAufnAhme ........................................................................................................................................................... 4 ....................................................................................................................................................... 131 einleiTung 4.1 Aktivitäten im Forschungsumfeld ........................................................................................................................................................... 6 ....................................................................................................................................................... 13 4.2 Aktivitäten im Bereich der akademischen Aus- 2 viSion und Weiterbildung ........................................................................................................................................................... 8 ....................................................................................................................................................... 143 perSpekTivWechSel 4.3 Wissenschaftliche Konferenzen und Fachzeitschriften ....................................................................................................................................................... 10 ....................................................................................................................................................... 15 4.4 Wirtschaftliche und wissenschaftliche Initiativen 3.1 Wertschöpfung als interaktiver Prozess – sowie Netzwerke „value-in-use“ ....................................................................................................................................................... 16 ........................................................................................................................................................11 4.5 Öffentliche Forschungsförderung3.2 Gestaltung und Management digitaler, ........................................................................................................................................................17 vernetzter Servicesysteme ....................................................................................................................................................... 12 5 zur BegriffSklärung von Service Science3.3 Implikationen für die Dienstleistungsforschung ....................................................................................................................................................... 18 ....................................................................................................................................................... 12 5.1 „Science“ versus „Wissenschaft“: Unterschiedliche Bedeutungshorizonte ....................................................................................................................................................... 18 5.2 Möglichkeiten der Erweiterung des Science-Begriffs ....................................................................................................................................................... 19 6 AnWendungSBeiSpiele ....................................................................................................................................................... 21 6.1 Interaktive Arbeit – an der Schnittstelle zwischen Entscheidungstheorie, Psychologie, Soziologie und Dienstleistungsmanagement ....................................................................................................................................................... 21 6.2 Kollaborative Wertschöpfung – an der Schnittstelle zwischen Informationstechnologie, Ökonomie, Organisationsforschung und Soziologie ....................................................................................................................................................... 212 Arbeitsgruppe „Evaluation Service Science“ der Taskforce Dienstleistungen
  5. 5. 6.3 Kooperatives Health Care Management – an der 7.4 Modellierung und Simulation von Dienstleistungen Schnittstelle zwischen Informationstechnologie, ....................................................................................................................................................... 27 Gesundheitsökonomie, Medizin und interaktiver 7.5 Sozio-technische Systemgestaltung Dienstleistungsarbeit ....................................................................................................................................................... 28 ....................................................................................................................................................... 22 7.6 Integration von Dienstleistungen 6.4 Market Engineering – an der Schnittstelle zwischen und neuer Technologie Mikroökonomie, IT und Sozialwissenschaften ....................................................................................................................................................... 28 ....................................................................................................................................................... 23 7.7 Service Management 6.5 Product-Service-Systems – an der Schnittstelle ....................................................................................................................................................... 29 zwischen Maschinenbau, Betriebswirtschaftslehre 7.8 Service Marketing und Informatik ....................................................................................................................................................... 29 ....................................................................................................................................................... 236.6 Revenue Management – an der Schnittstelle 8 Auf dem Weg zu einer Service Science: mASS - zwischen Marketing, Operations und IT nAhmen und hAndlungSempfehlungen ....................................................................................................................................................... 23 ....................................................................................................................................................... 306.7 Recommender Systems – an der Schnittstelle 8.1 Kommunikation der Vision einer Service Science zwischen Informatik, Marketing und und Vernetzung von Akteuren ....................................................................................................................................................... 31 Sozialwissenschaften ....................................................................................................................................................... 24 8.2 Gründung und Förderung von Programmen 6.8 Workforce Scheduling – an der Schnittstelle und Institutionen ....................................................................................................................................................... 34 zwischen Operations Management, Personalwesen und Informatik 8.3 Institutionalisierung der Vision einer Service Science ....................................................................................................................................................... 24 an der Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Wirtschaft 7 poTenzielle forSchungSThemen ....................................................................................................................................................... 37 einer Service Science ....................................................................................................................................................... 26 9 liTerATur ....................................................................................................................................................... 387.1 Service Innovation ....................................................................................................................................................... 267.2 Service Systeme / Wertschöpfungsnetzwerke (Service Value Networks) ....................................................................................................................................................... 267.3 Service Engineering ....................................................................................................................................................... 27 3
  6. 6. ZusammenfassungDienstleistungen bestimmen mehr und mehr die Leistungsstärke In der zukunft droht sich diese Diskrepanz noch weiter zu ver-von Volkswirtschaften – in entwickelten Nationen machen sie schärfen. Befördert durch moderne Informations- und Kommuni-bereits rund 70% der Bruttowertschöpfung aus. Allerdings tragen kationstechnologie (IKT) nehmen die Möglichkeiten rapide zu, die Investitionen in Forschung und Entwicklung der Dynamik Leistungen interaktiv mit und individuell für den Kunden zu er -und der wachsenden wirtschaftlichen Bedeutung von Dienstleis- stellen. Projektähnliche, „kollaborative“ Wertschöpfung zwischen tungen bereits heute nicht annähernd Rechnung. Anbietern und Kunden wird dadurch in den Vordergrund rücken – an Stelle einer Fokussierung auf die „einseitige“ Lieferung einer standardisierten Leistung. Dadurch entstehen vermehrt kom- plexe Dienstleistungssysteme, die Menschen und Technik glei- chermaßen einbeziehen. Dies wird die Ausgestaltung von wirt- schaftlichen Transaktionen und Geschäftsmodellen wesentlich verändern – ebenso wie die Anforderungen an die Qualifikatio- nen der beteiligten Menschen und deren Arbeitsumfeld. Die ziel- gerichtete Gestaltung dieser Dienstleistungssysteme muss aus einer übergeordneten Sicht erfolgen und bringt dadurch neue Herausforderungen hervor, die nur durch zusammenarbeit über die Schnittstellen von technischen, wirtschaftlichen und sozialen Fachdomänen hinweg gemeistert werden können. In einer derart dienstleistungsorientierten und zudem global vernetzten Welt werden nur diejenigen Unternehmen und Volks- wirtschaften bestehen können, die willens und in der Lage sind, die sich daraus bietenden Chancen schnell und entschlossen zu nutzen. Eine wichtige Basis für Innovation könnte eine neu for- mierte „Service Science“ bilden, die Erkenntnisse verschiedener Wissensgebiete integriert und eigenständig geeignete Theorien, Konzepte, Methoden und Werkzeuge entwickelt und vermittelt. Dadurch könnten Menschen in Wirtschaft, Verwaltung und Wissenschaft optimal auf die Wachstumschancen durch dienst- leistungsorientierte Wertschöpfung vorbereitet werden. 4 Arbeitsgruppe „Evaluation Service Science“ der Taskforce Dienstleistungen
  7. 7. ZusammenfassungDas vorliegende Konzeptpapier zeigt Handlungsempfehlungen auf, die den Weg hin zu einer dergestaltigen „Service Science“ ebnen. Angesichts der rapiden Entwicklungen auf dem Gebiet der Dienstleistungsforschung, ist die konsequente und ent-schlossene Umsetzung dieser Empfehlungen ein Muss. Sie sollte dazu führen, der deutschen Forschung auch weiterhin einen internationalen Spitzenplatz zu sichern, die Grundlage für wirt-schaftliche Innovationen und nachhaltige Wettbewerbsfähigkeit für deutsche Unternehmen zu festigen und Lösungen für gesell-schaftlich relevante (Dienstleistungs-)Systeme, wie z.B. Gesund-heits-, Verkehrs- oder Energiesysteme, zu schaffen. Nur durch Investition in den Aufbau von Kompetenzen kann die globale Führung in der Dienstleistungsgesellschaft von morgen erreicht werden. 5
  8. 8. 1 einleitungDienstleistungen machen – sektoral betrachtet – in vielen ent- • lösung statt Produkt: zunehmend werden Produkte durch wickelten Volkswirtschaften bereits rund 70% der gesamten begleitende Dienstleistungen differenziert und innovative Bruttowertschöpfung aus. Ihre Gewichtung in der akademischen Lösungen als individualisierte, auf den Kunden zugeschnittene Forschung und in den F&E-Investitionsvolumina der Unterneh- „hybride“ Leistungsformen realisiert. Nutzungsbasierte Kon-men trägt dieser wirtschaftlichen Bedeutung bislang jedoch in zepte (wie z.B. Betreibermodelle) ersetzen vermehrt produkto-keiner Weise Rechnung. Die wachsende Bedeutung von Dienst- rientierte Strukturen durch Dienstleistungsbeziehungen.leistungen insgesamt, die zunehmende Relevanz und Verbreitung • globaler Wettbewerb statt lokaler markt: Die rasante Ent-komplexer Dienstleistungssysteme und -netze in Wirtschaft und wicklung der IKT treibt die Bedeutung von Information als Gesellschaft sowie die rasanten Fortschritte moderner Techno- Bestandteil von Lösungen – und damit auch die Möglichkeit logien, insbesondere der Informations- und Kommunikations- der räumlichen Entkopplung von Dienstleistungen von ihrer technologie (IKT), erfordern ein rasches Handeln seitens der Produktionsstätte. So sind z.B. digitale Dienstleistungen von Wissenschaft, der Wirtschaft und der Politik, um aktuelle Wett- zentraler Stelle aus weltweit vermarktbar. bewerbspositionen erhalten und noch weiter ausbauen zu kön- • systemdenken statt fokus auf einzelleistungen: Anstelle nen. Damit einher geht die Notwendigkeit einer stärker multi- der „Lieferung“ eines Produktes oder einer Dienstleistung und inter is iplinär ausgerichteten Forschung, die Dienstleistun- d z rückt zunehmend die projektähnliche, gemeinschaftliche Wert-gen und dienstleistungsorientierte Wertschöpfungsformen in schöpfung von Akteuren in den Blickpunkt. Die Gestaltung des das zentrum wissenschaftlicher Betrachtung stellt. Deren prak- gesamten Systems dieser Akteure bietet enormes Potential, tische Bedeutung wird durch folgende Trends illustriert: erfordert aber auch neue Herangehensweisen. So vernetzen z.B. Gesundheits-, Verkehrs- und Energieversorgungssysteme eine Vielzahl von Akteuren über Dienstleistungen miteinander – eine zielgerichtete wissenschaftliche Fundierung bzw. deren Anwendung zur Verbesserung der Effektivität dieser Dienst- leistungssysteme ist aber noch kaum vorhanden. 6 Arbeitsgruppe „Evaluation Service Science“ der Taskforce Dienstleistungen
  9. 9. einleitungDer vorliegende Beitrag der Expertengruppe „Service Science“ Eine konsequente und entschlossene Umsetzung dieser Empfeh-im Auftrag der Forschungsunion Wirtschaft-Wissenschaft widmet lungen sollte dazu führen, der deutschen Forschung auch weiter-sich der Analyse der gegenwärtigen und zukünftigen Forschungs- hin einen internationalen Spitzenplatz zu sichern, die Grundlage ausrichtung der Dienstleistungsforschung. Kernpunkt ist ein für wirtschaftliche Innovationen und nachhaltige Wettbewerbs-notwendiger Perspektivwechsel auf die gemeinsame, interaktive fähigkeit für deutsche Unternehmen zu festigen und Lösungsan-Wertschöpfung von Partnern, die sich zu einfachen oder komple- sätze für gesellschaftlich relevante (Service-)Systeme, wie z.B. xeren Dienstleistungssystemen zusammenfügen. Dieser „kolla- Gesundheits-, Verkehrs- oder Energiesysteme zu schaffen.borative“ Wertschöpfungsansatz macht es unabdingbar, bislang isolierte Wissenschaftsdisziplinen zusammenzuführen und prob-lemadäquate, interdisziplinäre Theorien, Methoden und Instru-mente zu entwickeln. Der Beitrag formuliert zunächst in Kapitel 2 die Vision einer zukünftigen Service Science, die nach vielen fruchtbaren Diskus-sionen zwischen den beteiligten Autoren aus unterschiedlichen Wissenschaftsdisziplinen als gemeinsamer Konsens hervorge-gangen ist, bevor in Kapitel 3 der erwähnte Perspektivwechsel näher erläutert wird. Eine Bestandsaufnahme des nationalen und internationalen „status quo“ in Bezug auf Forschungsinstitutio-nen, Lehrangebote und „Communities“ erfolgt in Kapitel 4, bevor in Kapitel 5 die gemeinsame Terminologie für das weitere Vor-gehen begründet wird. Kapitel 6 skizziert Anwendungsszenarien, die die Notwendigkeit einer integrierten „Service Science“ deut-lich machen und illustrieren, bevor Kapitel 7 zukünftig relevante Forschungsthemen identifiziert. Das abschließende Kapitel 8 stellt einen Katalog von Handlungsempfehlungen zusammen, die zur Etablierung und Förderung einer „Service Science“ notwen-dig erscheinen. 7
  10. 10. 2 Vision Komplexe, sozio-technische Dienstleistungssysteme durch- dringen zunehmend die Arbeits- und Lebenswelten und werden »…every business must become zu einer wesentlichen Voraussetzung für Innovation, Wachstum a service business, und Beschäftigung. Massiv beschleunigt wird diese Entwicklung durch den Einsatz sich rasant innovierender Technologien, ins- or it will fail to be competitive besondere der Informations- und Kommunikationstechnologie against competition that does« (IKT): Diese treibt einerseits die wirtschaftliche Bedeutung digital (Rust & Miu 2006) erbringbarer Dienstleistungen und ermöglicht andererseits eine zunehmend globale Vernetzung von Partnern. Sie ändert tradi- tionelle Rollenverteilungen von Leistungsgebern und -nehmern. Dies bewirkt eine Veränderung der Art und Weise, wie Werte geschaffen und konsumiert werden und ermöglicht sowohl die Individualisierung von Leistungen als auch deren zielgerichtete industrielle Entwicklung. Die heute noch vielfach in individuellen Disziplinen erarbeiteten Erkenntnisse lassen sich in großen Teilen dem Gebiet der Dienst- leistungsforschung zuordnen. Diese beschäftigt sich mit der Beschreibung, Erklärung und Gestaltung sozio-technischer Sys- teme, in denen mehrere Partner durch Leistungsbeziehungen verbunden sind und in gegenseitiger Abstimmung durch den Ein- satz der bei allen Partnern vorhandenen Ressourcen gemeinsam Wert für die jeweiligen Partner und/oder das gesamte System schöpfen. Die Dienstleistungsforschung abstrahiert in Abwei- chung von traditionellen Sichten von einer Trennung zwischen Produkt und Dienstleistung im Sinne der ausgetauschten Leistun- gen („value in exchange“). Stattdessen fokussiert sie auf den durch die Leistungsbeziehung insgesamt geschaffenen Mehrwert („value in use“) für die beteiligten Partner. Die Dienstleistungs- forschung bündelt und integriert die unter diesem Paradigma getätigte Lehre und Forschung in den beteiligten Disziplinen und macht diese nach außen sichtbar.8 Arbeitsgruppe „Evaluation Service Science“ der Taskforce Dienstleistungen
  11. 11. VisionAufbauend auf der Dienstleistungsforschung wird sich bei ent-sprechender Schwerpunktsetzung in der akademischen Welt eine „Service Science“ herausbilden, die eigenständig geeignete Theorien, Konzepte, Methoden und Werkzeuge entwickelt und vermittelt. Sie greift dabei gezielt auch auf Inhalte etablierter Wissenschaften zurück - so z.B. der Betriebswirtschaft, der Infor-matik, der Ingenieurwissenschaften, der Sozialwissenschaften und der Wirtschaftsinformatik -, inte riert jedoch deren Ergeb- gnisse in interdisziplinäre und praxis erechte Ansätze, so dass gdamit auch vermehrt komplexe und mehrdimensionale System-effekte ins Betrachtungsfeld gerückt werden. 9
  12. 12. 3 PersPektiVWechselDas Spektrum von Dienstleistungen bewegt sich zwischen ein- tungsentwicklung und der Wertschöpfung mit Dienstleistungen fachen personenbezogenen Diensten bis hin zu komplexen entlarvt3, die Notwendigkeit eines systematischen und metho-unternehmensbezogenen Dienstleistungen. Bestimmte Typen dengestützten Entwicklungsvorgehens im Sinne eines „Service von Dienstleistungen werden immer häufiger in Form von Dienst- Engineering“ herausgearbeitet4 und die Chancen einer Bünde-leistungssystemen organisiert. Gerade das Segment der kom- lung von Produkt- und Servicekomponenten zu Produkt-Service-plexen unternehmensbezogenen Dienstleistungen weist eine Systemen im Sinne hybrider Wertschöpfung identifiziert5. Dies besondere Dynamik auf und stellt schon heute in entwickelten geschah sicherlich unter dem Eindruck, dass im weltweit erfolg-Volkswirtschaften über 30% der Wirtschaftsleistung dar. Bei- reichen Maschinen- und Anlagenbau oder auch in der IT-Branche spiele dafür finden sich im Verkehrswesen, im Gesundheits- schon früh Leistungsbündel aus Sach- und Dienstleistungen wesen oder in der Softwarebranche. gebildet wurden, um die Kundenbedürfnisse umfassender ab - decken zu können als durch reine Sachleistungen. Die Dynamik und die wachsende wirtschaftliche Bedeutung von Dienstleistungen – welche häufig durch die große Heterogenität Die Unzulänglichkeit der klassischen Trennung und separaten innerhalb des tertiären Sektors verdeckt werden – erfordern Charakterisierung von Dienstleistungen und Sachleistungen ist eine neue Ausrichtung der Dienstleistungsforschung. Die Be - also seit langem bekannt. Der notwendige Wandel in den Köpfen trachtung von Dienstleistungen als Wirtschaftsgüter stellte lange hat aber noch immer nicht stattgefunden. zu tief ist die klassi-zeit den Kern der Dienstleistungsforschung dar. Dienstleistungen sche Dichotomie in erprobten Denkmodellen und eingeschliffe-wurden durch konstituierende Merkmale von Sachgütern abge- nen Handlungsroutinen verankert. Um diesen notwendigen Wan-grenzt, wodurch eigenständige Forschungsfragen aufge orfen w del im Denken und Handeln zu bewerkstelligen, ist ein grundle-werden konnten.1 Die Dienstleistungsforschung hat sich dement- gender Perspektivwechsel erforderlich – ein Perspektivwechsel, sprechend mit Gütern auseinandergesetzt, die immateriellen der neue Wege in Richtung Innovation und kollaborativer Wert-Charakter besitzen, die in der Erstellung die Einbindung oder schöpfung mit Dienstleistungen ermöglicht. Mitwirkung des Kunden erfordern und die aufgrund ihrer Nicht-lagerfähigkeit besondere Anforderungen an die Planung und Steuerung der Leistungserbringung stellen. In der Folge wurden zunächst Ansätze der Entwicklung, Produktion und Vermarktung von Sachgütern für den Dienstleistungsbereich unter Berück-sichtigung dieser konstituierenden Merkmale adaptiert.Allerdings wurde – gerade in der deutschen Betriebswirtschafts- 1 Kleinaltenkamp 2001lehre – recht früh bestritten, dass sich eine harte Trennlinie 2 Engelhardt u. a. 1993 3 Reichwald & Möslein 1995zwischen Sach- und Dienstleistungen ziehen lässt.2 Klassische 4 Fähnrich u. a. 1999; Luczak u. a. 2004; Bullinger & Scheer (Hrsg.) 2006Denkmuster wurden als Innovationsbarrieren der Dienstleis- 5 Böhmann & Krcmar 200710 Arbeitsgruppe „Evaluation Service Science“ der Taskforce Dienstleistungen
  13. 13. PersPektiVWechsel3.1 Wertschöpfung als interaktiver prozess – aufgelöst. Gleichzeitig wird damit die Erwartung formuliert, dass „value-in-use“ Kunden mehr als nur unterstützende oder passive externe Fakto- ren der Leistungserstellung sind. Daher bedingt das gemeinsame Dieser Perspektivwechsel wird derzeit – besonders pointiert von Schaffen von Werten ein Denken in Wertschöpfungsnetzen oder Vertretern des Marketings –postuliert. Wertschöpfung wird in -systemen.10diesem zusammenhang als prozessorientiert, interaktiv und ver-netzt verstanden.6 Wertschöpfung wird somit konsequent als In einem derart prozessorientierten Wertschöpfungsverständnis interaktiver Prozess innerhalb von Dienstleistungssystemen be- gewinnen zudem zeit und Ort einer Wertschöpfung an Bedeu-trachtet. Dies bedeutet zunächst, dass die Wertschöpfung nicht tung. Der Nutzen für die beteiligten Akteure resultiert dabei auch in der Produktion einer Leistung gipfelt, sondern – im Sinne aus dem Leistungserlebnis des Nutzers, welches nur abhängig „interaktiver Wertschöpfung“ – in der kontinuierlichen Sicher- vom Umfeld und der Historie der Akteursbeziehungen erklärt stellung des Nutzens für den Kunden in der Nutzungsphase der werden kann. Durch die Ausrichtung auf die Interaktion zwischen Leistung (value-in-use). Beispiele für prozessorientierte Wert- Anbieter und Nutzer ändert der Perspektivwechsel das Verständ-schöpfung finden sich schon heute im Bereich der Konsumelek- nis der Wertschöpfung: Es zeigen sich neue Bedingungen für tronik, der Telekommunikation oder auch der Automobilindustrie. die Gewährleistung des Wertschöpfungsversprechens in der Nut-Das Anbieten stets aktueller Dienste für den Kunden – wie z.B. zung. Dynamische Kompetenzen, wie die Interaktionskompetenz für Unterhaltungsmedien – in der Verwendungsphase von Pro- der Akteure, werden für die Wertschöpfung immer wichtiger. dukten stellt heute einen wichtigen Wettbewerbsvorteil und zugleich tritt die Fähigkeit eines Unternehmens zur Innovation Wachstumsmarkt in diesen Branchen dar. Gleichermaßen diffe- der Wertschöpfungssysteme selbst in den Blickpunkt. Dabei renzieren sich beispielsweise Innovationsführer im Maschinen- gewinnen immaterielle Ressourcen, wie spezialisiertes Wissen und Anlagenbau durch die zusicherung von Verfügbarkeiten und und Informationen für die Erzielung von Wettbewerbsvorteilen, Produktivitätsverbesserungen in den Produktionsprozessen der eine zentrale Bedeutung. Kunden. Darüber hinaus gehen die Trends zur verstärkt inter-aktiven und hybriden Wertschöpfung Hand in Hand und fördern die Herausbildung von Leistungsbündeln auch über klassische Branchengrenzen hinweg.7 Diese Integration in die Wertschöpfung des Kunden lässt sich nur dann erreichen, wenn es zu einem Prozess der kooperativen 6 Karmarkar 2004; Vargo & Lusch 2004; Vargo & Lusch 2008; (und freiwilligen) zusammenarbeit zwischen Anbieter und Nutzer Wise & Baumgartner 1999kommt8 und die Wertschöpfung im Nutzungsprozess gemessen 7 Möslein & Kölling 2007 8 Reichwald & Piller 2006wird9. Mit dem geforderten Perspektivwechsel wird zugleich die 9 Vargo & Lusch 2004Dichotomie von Werten zwischen Produzenten und Konsumenten 10 Blau u. a. 2009 11
  14. 14. 3.2 gestaltung und management digitaler, 3.3 implikationen für die dienstleistungs - vernetzter Servicesysteme forschungDie effiziente Umsetzung interaktiver Wertschöpfungsprozesse Der skizzierte Perspektivwechsel bietet die Chance, die Dienst-unter Einbeziehung des Kunden setzt zunehmend die Bereit tel- s leistungsforschung anschlussfähiger zu machen. Hierzu muss lung und Verwertung von Informationen entlang des Wertschöp- dieser jedoch Widerhall in den einzelnen Disziplinen finden und fungsprozesses voraus. Die Digitalisierung von Produkten und Verbindungen zwischen diesen schaffen. Damit entsteht die Prozessen wird damit zu einem zentralen Treiber der Verände- Basis für die Entwicklung von Dienstleistungskompetenz in der rung hin zu serviceorientierten Formen der Wertschöpfung.11 Breite, die der zunehmenden Durchdringung von Wirtschafts- Entscheidende Faktoren für diese Entwicklung sind die zuneh- und Lebenswelten mit Dienstleistungen entspricht. Gleichzeitig mende Vernetzung von Sachgütern, die steigende Durchlässig- wird aber eine selbständige Dienstleistungsforschung benötigt, keit von technischen und betriebswirtschaftlichen Informations- um Dienstleistungen als dynamischen Forschungsgegenstand systemen12 sowie die einfachere Integration und Adaption von analytisch zu durchdringen und Dienstleistungsinnovationen Geschäftsprozessen – z.B. durch serviceorientierte Architekturen ge ielt zu fördern. Dabei ist es Aufgabe der Dienstleistungsfor- z(SOA) und / oder ein „Internet der Dienste“13. Daraus entstehen schung, das erforderliche Grundlagenwissen sowie neue Metho-entscheidende Impulse für die Entwicklung, Erbringung und den zur Gestaltung und zum Management innovativer Dienst-Vermarktung nutzen- und nutzungsabhängiger Wertschöpfungs- leistungssysteme in Wirtschaft und Verwaltung zu erarbeiten. formen, die wesentlich zur Produktivitätssteigerung beitragen. Nur durch die Etablierung einer spezialisierten Dienstleistungs- forschung, bei gleichzeitiger Integration der Erkenntnisse Interaktive Wertschöpfungsprozesse erfordern demnach die angrenzender Wissensgebiete, können Menschen in Unterneh-Fähigkeit, komplexe sozio-technische Systeme zu gestalten, zu men, Verwaltung und Hochschulen optimal auf die Wachstums-betreiben und zu verbessern. Sie werden damit zu einem Treiber chancen durch dienstleistungsorientierte Wertschöpfung vor-für technologische Innovationen und erfordern gleichzeitig eine bereitet werden. enge Vernetzung von Produkt- und Dienstleistungsinnovation.Die Integration von Sach- und Dienstleistungen zu hybriden Wertschöpfungsformen trägt zum Wachstum von Unternehmen bei.14 Sie birgt aber auch Risiken und erreicht bislang oft nicht das Ergebnis- und das Produktivitätsniveau traditioneller, pro-duktzentrierter Wertschöpfungsformen.15 Dies verdeutlicht den 11 Karmarkar 2004; Satzger 2008hohen Forschungsbedarf bei der Entwicklung von Instrumenten 12 Fleisch & Dierkes 2003 13 Barros & Dumas 2006; Riedl u. a. 2009; Fano & Gershman 2002zur Planung, Steuerung und Optimierung integrierter, internatio- 14 Spath & Ganz 2008naler und interorganisationaler Produkt-Service-Systeme. 15 Neely 200812 Arbeitsgruppe „Evaluation Service Science“ der Taskforce Dienstleistungen
  15. 15. 4 BestandsaufnahmeIm zuge der Diskussion um die Etablierung einer neuen Wissen- 4.1 Aktivitäten im forschungsumfeldschaftsdisziplin „Service Science“ fand in den vergangenen drei Jahren eine rasante Entwicklung auf nationaler und insbesondere In der deutschen Hochschullandschaft gibt es zunehmend Lehr-auf internationaler Ebene statt. Hierzulande wurden erstmals stühle, die sich explizit mit dem Themenfeld „Dienstleistungen“ zu Beginn des Jahres 2006 im Rahmen der Initiative „Partner für beschäftigen. Dies zeigt sich aktuell vor allem in betriebswirt-Innovation“ die Potentiale einer Service Science diskutiert.16 schaftlich ausgerichteten Fachrichtungen. Hatten vor wenigen Damals konnten die diesbezüglichen Aktivitäten noch als über- Jahren nur eine Handvoll deutscher Universitäten einen auf das schaubar bezeichnet werden. Seitdem sind in Deutschland je- Forschungsfeld des Dienstleistungsmanagements spezialisierten doch ein zunehmendes Interesse an der Thematik und ein expo- Lehrstuhl (wie die Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt, nentielles Anwachsen entsprechender Aktivitäten zu verzeich- die Universität Bayreuth, die Fern-Universität Hagen, die Univer-nen. Weltweit sind die derzeitigen Entwicklungen vor allem durch sität Leipzig und die Universität Duisburg-Essen), so hat sich bis den Aufbau systematischer Netzwerke mit dem ziel des Wissens- heute die Anzahl mehr als verdreifacht. So finden bzw. etablieren transfers gekennzeichnet. sich spezialisierte Lehrstühle z.B. an der European Business School EBS, der Frankfurt School of Finance and Management, Im Rahmen der folgenden Bestandsaufnahme wird versucht, der Goethe-Universität Frankfurt am Main, der Universität Dort-einen groben Überblick über die nationalen und internationalen mund, der Universität Hohenheim, der Universität Mannheim, Aktivitäten im Bereich einer Service Science zu geben. Aufgrund der Universität Passau, der Universität Rostock und der Univer-der Vielfalt und der Dynamik der derzeit laufenden Initiativen, sität Wuppertal. zudem widmen sich gerade auch an Fachhoch-vermag diese Bestandsaufnahme indes nur einen groben Über- schulen und Berufsakademien Fachvertreter vermehrt dem blick zu geben, ohne den Anspruch einer allumfassenden Themenfeld des Dienstleistungsmanagements.Beschreibung zu erheben. Neben den oben genannten betriebswirtschaftlich orientierten Lehrstühlen finden sich auch in angrenzenden Fachdisziplinen zunehmend Einrichtungen, die Dienstleistungen als eigenstän- diges Wissenschafts- und Forschungsfeld begreifen. So wurde z.B. im Januar 2008, als eine Kooperation zwischen IBM und der Universität Karlsruhe (dem heutigen Karlsruher Institut für Techno ogie), das „Karlsruhe Service Research Institute“ (KSRI) l ge ründet, das es als seine Aufgabe versteht, eine interdiszipli- g när orientierte Dienstleistungsforschung voranzutreiben. Ein weiteres Beispiel stellt das E-Finance Lab an der Goethe-Univer- sität dar, das seit 2003 – als öffentlich-privates Joint Venture – Stauss u. a. 200816 wissens ntensive und IT-basierte Dienstleistungen im Finanz- i 13
  16. 16. dienstleistungssektor in interdisziplinären Kooperationen 4.2 Aktivitäten im Bereich der akademischener orscht. Vonseiten der anwendungsorientierten Forschung f Aus- und Weiterbildungwerden dienstleistungsspezifische Themen weiterhin stark vom Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) Während es bis vor kurzem geringe Anstrengungen in Deutsch-in Stuttgart und vom Forschungsinstitut für Rationalisierung (FIR) land gab, Dienstleistungsthemen in spezialisierte primäre und an der RWTH Aachen sowie dem Center for Leading Innovation & weiterführende Lehrangebote einzubinden bzw. solche neu zu Cooperation (CLIC) an der Handelshochschule Leipzig fokussiert. entwickeln, hat sich dies mittlerweile grundlegend geändert. So gewinnen etwa auf das Dienstleistungsmanagement fokussierte Auf internationaler Ebene haben sich bereits vor einigen Jahren Lehrmodule im Rahmen von Masterprogrammen zunehmend an spezielle Dienstleistungs-Forschungseinrichtungen etabliert, Bedeutung, wie z.B. an der Katholischen Universität Eichstätt- die an renommierten Business Schools institutionalisiert sind. Ingolstadt, der Universität Hohenheim, dem Karlsruher Institut zu ihnen zählen das Service Research Center der Universität für Technologie (KIT) und der Universität Rostock.Karlstad, das Center for Excellence in Service der University of Maryland, das Center for Services Leadership am College for Auch im Bereich der Postgraduierten-Studiengänge hat sich das Business an der Arizona State University, das Maastricht Acade- Angebot in Deutschland im Bereich Dienstleistungsmanagement mic Center for Research in Services (MAXX), das Center for weiterentwickelt. So bieten z.B. die private Hochschule Interna-Services Management an der Cranfield School of Management, tional Business School of Service Management (ISS) MBA- und das Centre for Service Research (CServ) der University of Exeter Bachelor-Studiengänge mit der Spezialisierung „Service Manage-Business School oder das Advanced Institute of Management ment“ und die Hector School des KIT einen neuen Studiengang Research (AIM) mit den Gruppen “AIM Service Fellows” und „Service Management and Engineering“ an. Daneben werden “Public Service Fellows”. Als weitere Forschungseinrichtungen spezifische zertifikatslehrgänge zu Themen wie „Industrielles können das Complex Services Innovation Research Network Dienstleistungsmanagement“ vom Forschungsinstitut für Ratio-(CSIRN) der University of Glasgow, das Institute of International nalisierung (FIR) und „Service Excellence“ an der European Services Innovation des University College Dublin und das Multi- Business School EBS angeboten.disciplinary Center for Services Science, Quality, and Innovation des Virginia Tech Pamplin College of Business genannt werden. Spezifische Fachrichtungen und Vertiefungsfächer – etwa Unter- nehmensberatung, IT-Consulting und IT-Service-Management – Darüber hinaus ist im internationalen Umfeld die Gründung von finden sich zudem an diversen deutschen Fachhochschulen und speziellen „Service Science“ Instituten zu beobachten (z.B. des Berufsakademien.Centre for Service Research an der Universität Manchester oder des Swiss Institute of Service Science), bei denen es sich zu- In diesem zusammenhang kann ferner eine fächerübergreifende meist um den zunächst virtuellen zusammenschluss unterschied- Ausrichtung neuer Studiengänge wahrgenommen werden. Im licher Lehrstühle handelt. europäischen Raum lässt sich diese Entwicklung durch einge-14 Arbeitsgruppe „Evaluation Service Science“ der Taskforce Dienstleistungen
  17. 17. Bestandsaufnahmeführte Master Studiengänge im Bereich „Services Science“ (z.B. „Business Services“. Die vierzigste Jahrestagung der Gesellschaft an der University of Exeter), „Business Process Management“ für Informatik (GI) wurde in Leipzig 2010 unter dem General-(z.B. an der Universidad Pontificia de Salamanca), „Business thema „Service Science“ ausgerichtet werden.Engineering“ (z.B. an der Universität Regensburg) und „Business Informatics“ (z.B. an der Universität Rostock) verdeutlichen. Auf internationaler Ebene existiert dagegen seit langem eine Folglich kann festgehalten werden, dass einzelne Disziplinen vergleichsweise breite Palette an dienstleistungsspezifischen vermehrt zu inter- bzw. transdisziplinären Forschungs- und Lehr- Konferenzen, deren Angebot sich in den letzten Jahren stetig feldern verknüpft werden. vergrößert hat. Besonders renommiert sind nach wie vor die AMA Frontiers in Services Conference, die SERVSIG Research Conference und die Quality in Services Conference (QUIS) sowie 4.3 Wissenschaftliche konferenzen und die RESER Conference. Auch hier ist zu beobachten, dass viele fachzeitschriften dieser Veranstaltungen, die ursprünglich rein auf Service-Marke- ting-Themen spezialisiert waren, sich in jüngster zeit neuen The-Für die Präsentation von Forschungsergebnissen stehen der men – insbesondere dem zusammenspiel von Dienstleistungen dienstleistungsbezogenen Wissenschaft im deutschen Sprach- und Technologien – öffnen. Darüber hinaus haben sich in den raum seit längerem verschiedene spezialisierte Konferenzen und vergangenen Jahren auf internationaler Ebene neue Konferenzen Workshops zur Verfügung. Dazu zählen z.B. die Dienstleistungs- und Veranstaltungen im Umfeld der Dienstleistungsforschung tagung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung etabliert, die in vielen Fällen gemeinsam von Wirtschaft und (BMBF), der Workshop zum Dienstleistungsmarketing (veran- Forschung ausgerichtet werden. Dazu zählen u.a. die INFORMS staltet durch einen ausgewählten Kreis von BWL-Professoren im International Conference on Services Science, die ICSS Interna-deutschsprachigen Raum) und das Aachener Dienstleistungs- tional Conference on Service Science, die EMS International forum des FIR Aachen. zu beobachten ist jedoch, dass in jüngs- Conference on Engineering Management and Services Science ter zeit nicht nur neue Veranstaltungsreihen auf den Plan treten sowie die Art & Science of Service Conference.(z.B. die Erste Rostocker Dienstleistungstagung), sondern dass auch zunehmend Veranstaltungen in Deutschland organisiert Eine auf die Dienstleistungsforschung spezialisierte Fachzeit-werden, welche Dienstleistungsthemen explizit aus einer inter- schrift gibt es im deutschsprachigen Raum jedoch nicht. Im disziplinären Forschungsperspektive betrachten und internatio- internationalen Bereich existieren zahlreiche Journale für dienst-nal ausgerichtet sind (z.B. First Service Science Conference leistungsspezifische Themen. zu nennen sind insbesondere Ingolstadt, First / Second Karlsruhe Service Summit des KSRI, das Journal of Service Research (JSR), das Journal of Service International Symposium on Services Science Leipzig, RESER Management (JOSM), das Journal of Services Marketing (JSM), 2008 in Stuttgart, QUIS 2009 in Wolfsburg). zudem widmen das Service Industries Journal (SIJ), Managing Service Quality sich etablierte Konferenzen einschlägigen Service-Themen, wie (MSQ) und das International Journal of Services and Operations beispielsweise die Wirtschaftsinformatik-Tagung 2009 in Wien Management (IJSOM). Des Weiteren werden Dienstleistungs- 15
  18. 18. management-Fragestellungen auch im International Journal Auf internationaler Ebene finden sich diverse Forschungsnetz-of Services Technology and Management sowie in der Fach- werke, die es sich zum ziel gesetzt haben, internationale For-zeitschrift Manufacturing and Service Operations Management schungskooperationen und den Wissensaustausch im Bereich behandelt. Daneben finden sich regelmäßig servicebezogene Dienstleistungsmanagement zu fördern. Hierzu zählen beispiels-Beiträge in renommierten handelsgerichteten Fachzeitschriften, weise die International Academy of Services Research and Edu-wie insbesondere dem Journal of Retailing (JR), dem International cation (IASRE) und die International Service Quality Association Journal of Retailing (IJR), dem Journal of Retailing and Consumer (ISQA). Auch Verbände wie BITKOM, VDMA oder KVD widmen Services sowie dem International Journal of Retail and Distribu- sich seit geraumer zeit diesem Thema. tion Management. In anderen Wissenschaftsdisziplinen erschei-nen sporadisch spezielle Themenhefte zur Dienstleistungsfor- Hervorzuheben ist, dass sich in den vergangenen drei Jahren auf schung (z.B. das International Journal on Production Research). internationaler Ebene neue zusammenschlüsse und Netzwerk- strukturen etabliert haben, die erst durch gemeinsame Initiativen Daneben gibt es seit 2008 auch auf Service Science speziali- von Unternehmen und einzelnen Forschungseinrichtungen zu sierte Fachzeitschriften. Dazu gehören Service Science, Journal Stande kamen. Dazu zählen vor allem die von IBM im Jahre 2004 of Service Science, Journal of Service Science and Management ins Leben gerufene Initiative zum Thema Service Science, Mana-und das International Journal of Service Science, Management, gement and Engineering (SSME) sowie die Service Research & Engineering, and Technology (IJSSMET). Innovation Initiative (SRII). 2005 wurde zudem die Networked European Software and Services Initiative (NESSI) aus der Taufe gehoben, die einen zusammenschluss der Kommunikations-4.4 Wirtschaftliche und wissenschaftliche technologieindustrie darstellt und eine Arbeitsgruppe Services initiativen sowie netzwerke Science gegründet hat. Im selben Jahr wurde darüber hinaus das HP Centre for Systems and Services Science gegründet, In Deutschland existieren seit längerem wissenschaftliche Initia- das von den HP Laboratories in Bristol (England) und diversen tiven und Netzwerke im Umfeld der Dienstleistungsforschung. europäischen Universitäten und Dienstleistungsgesellschaften Dazu zählt insbesondere die Online-Plattform DL2100 (www. initiiert wurde.dl2100.de). Daneben existieren weitere Communities, die praxis-orientierter sind, etwa diejenigen des Vereins Deutscher Dienst-leistungsingenieure e.V. (www.vdli.de), das IT Service Manage-ment Forum (www.itsmf.de) und die Association for Services Management International als die Berufsvereinigung von Service Executives (www.afsmi.de). Weiterhin zu nennen ist die CLIC- Initiative (Center for Leading Innovation and Cooperation) der Handelshochschule Leipzig. 16 Arbeitsgruppe „Evaluation Service Science“ der Taskforce Dienstleistungen
  19. 19. Bestandsaufnahme4.5 Öffentliche forschungsförderungDie öffentliche Förderung der Dienstleistungsforschung war in Deutschland, gerade im internationalen Vergleich, bereits sehr früh gegeben und hat unstrittig weiter an Relevanz gewonnen. So verfügt Deutschland im internationalen Vergleich als eines der wenigen Länder überhaupt über ein eigenständiges Förderpro-gramm für die Dienstleistungsforschung. Der Bereich der Dienst-leistungen wurde zu einem der 17 Strategiefelder im Rahmen der Hightech-Strategie (2006-2009) erklärt. zudem hat die Bundes-regierung den Aktionsplan „Dienstleistungen 2020“ veranlasst, der vorsieht, die Dienstleistungsforschung strukturell in die tech-nologiespezifische Forschungsförderung zu integrieren.In jüngerer zeit sind in zahlreichen europäischen Ländern ver-stärkte forschungspolitische Aktivitäten zu beobachten, die dar-auf abzielen, eine eigenständige Dienstleistungsforschung bzw. dienstleistungsspezifische Forschungs- und Entwicklungspro-gramme aufzubauen (z.B. in den Niederlanden, in Irland und in Finnland). Viele dieser Aktivitäten zielen von Beginn an auf eine stärker interdisziplinäre bzw. integrierte Ausrichtung der Dienst-leistungsforschung ab. So hat bspw. Finnland die Dienstleis-tungsforschung ins zentrum aller Programme für angewandte Forschung gestellt. 17
  20. 20. 5 Zur Begriffsklärung Von serVice scienceDie Etablierung einer kohärenten „Service Science“ (bisweilen 5.1 „Science“ versus „Wissenschaft“:national auch als „Dienstleistungswissenschaft“ bezeichnet) in unterschiedliche BedeutungshorizonteDeutschland wird nur gelingen können, wenn sie sich in einen internationalen wissenschaftlichen Kontext stellt. Insofern ist Anhand der Begriffsgeschichte der Wissenschaft lassen sich es naheliegend, an eine angloamerikanische Terminologie anzu- Wandlungen in deren Selbstverständnis verfolgen. So wurde mit knüpfen, wie sie sich in jüngerer zeit herausgebildet hat. Aller- Beginn der Neuzeit die Logik als dominante Form der Erkenntnis dings wirft eine solche Vorgehensweise auch Probleme auf – so abgelöst durch die empirische Naturbeobachtung. Ein neues werden mit den Begriffen „Science“ und „Wissenschaft“ in ihren Paradigma methodisch abgesicherter Erkenntnis trat an die jeweiligen kulturellen und sprachlichen Kontexten unterschied- Stelle humanistischer Bildungsideale und logisch zu gewinnender liche Bedeutungshorizonte adressiert. Hinzu kommt, dass meh- Erkenntnisse. Während jedoch im deutschen Sprachraum der rere Termini im englischen Sprachraum existieren, an denen sich Begriff der Wissenschaft bis heute Formalwissenschaften (wie die neue Wissenschaft in Deutschland anschließen ließe. Eine die Mathematik, Geisteswissenschaften, Naturwissenschaften gemeinsame Sprachregelung tut dennoch Not, sollte allerdings und Sozialwissenschaften) gleichermaßen umfasst, ist der Sci-nur nach solider Reflektion und Abwägung verschiedener ence-Begriff mit einem spezifischen Wissenschaftsverständnis Aspekte erfolgen. verbunden, das auf Objektivität, Gesetzmäßigkeiten und quantifi- zierende Messmethoden baut und im Wesentlichen in den Natur-Im Folgenden sollen daher die sich nur teilweise deckenden wissenschaften realisiert wird. Dementsprechend wird Science Bedeutungen von Science und Wissenschaft kurz skizziert wer- lexikalisch definiert als „any system of knowledge that is concer-den. Anschließend werden einige alternative Begrifflichkeiten ned with the physical world and its phenomena and that entails für die Benennung der angestrebten Wissenschaft der Dienstleis- unbiased observations and systematic experimentation. In gene-tungen vorgestellt und hinsichtlich ihrer Eignung bewertet. Dabei ral, a science involves a pursuit of knowledge covering general zeigt sich, dass es den idealen Begriff, der gleichzeitig umfas- truths or the operations of fundamental laws“.17send, international einheitlich und präzise zum Ausdruck bringt was das Wesen einer neuartigen Wissenschaft der Dienstleistun- Die Konnotation des Science-Begriffs mit den Naturwissenschaf-gen ausmacht, nicht gibt, die Expertenrunde aber „Service Sci- ten schlägt sich auch in der Differenzierung akademischer Titel ence“ als den am besten geeigneten Begriff empfiehlt. Die Über- nieder: Während der Master of Science (M.Sc.) üblicherweise in legungen, die zu dieser Entscheidung führen, sind nachfolgend Mathematik, Informatik und den Naturwissenschaften (sowie je dargestellt. nach inhaltlicher Ausrichtung des Studiengangs auch in den Wirt- schafts- und Ingenieurwissenschaften) vergeben wird, schließen Studierende in den Geistes- und Sozialwissenschaften (sowie je nach inhaltlicher Ausrichtung auch in den Wirtschaftswissen- schaften) mit dem Master of Arts (M.A.) ab.17 Britannica Online Encyclopedia 200918 Arbeitsgruppe „Evaluation Service Science“ der Taskforce Dienstleistungen
  21. 21. Zur Begriffsklärung Von serVice scienceWenn die betreffende Wissenschaft inter- oder transdisziplinär In der Debatte zur Etablierung einer Wissenschaft der Dienst-angelegt sein soll, muss sie jedoch in der Lage sein, Science- leistungen kursieren verschiedene Angebote, wie dieses neue Disziplinen wie Arts-Disziplinen zusammenzuführen. Damit stellt akademische Feld zu benennen wäre. Denkbar sind aber auch sich die Frage, ob der Schirm einer Service Science weit genug Neuschöpfungen, die bislang noch nicht in diese Diskussion aufgespannt ist, um eine solche Aufgabe erfüllen zu können. eingebracht worden sind. • service studies: Die Vorteile dieser begrifflichen Neuschöp-5.2 möglichkeiten der erweiterung fung liegen darin, dass der Studies-Begriff problemlos mit Dis- des Science-Begriffs ziplinen aus den Feldern der Science und der Arts kompatibel ist und ebenso problemlos an bereits bestehende Inhalte und Wenn man Überlegungen dazu anstellt, unter welcher Bezeich- Strukturen der Dienstleistungsforschung und -lehre anschlie-nung ein neues Feld akademischer Forschung und Lehre zu be - ßen könnte. Außerdem gibt es bereits Beispiele für die Entste-gründen sei, wird man Kriterien benennen müssen, mit deren hung von Forschungsfeldern, die mit dem Begriff der Studies Hilfe die Tauglichkeit der verschiedenen Bezeichnungen bewertet operieren (z. B. gender studies oder disability studies). Als werden kann. Wir schlagen für dieses Unterfangen folgende Nachteil könnte gesehen werden, dass mit einer solchen Be- Kriterien vor: zeichnung nicht der Anspruch erhoben wird, eine neue Diszip-• anschlussfähigkeit: Der Begriff sollte die Möglichkeit bieten, lin zu begründen, sondern ein Oberbegriff für ein weitgehend an bereits bestehende Strukturen und Inhalte von Forschung heterogenes Feld geschaffen wird. Ein weiterer Nachteil be - und Lehre anzuknüpfen, um so das vorhandene wissenschaft- steht darin, dass der Begriff bislang nicht gebräuchlich ist und liche Potential nutzbar zu machen sowie eine passende Posi- erheblicher Aufwand betrieben werden müsste, um ihn in die tionierung in der akademischen Landschaft zu ermöglichen. Debatte einzuführen.• Praktikabilität: Der Begriff sollte gut verständlich sein und die • dienstleistungswissenschaft: Die Vorteile liegen hier in der erwünschten Konnotationen hervorrufen. Er sollte weitgehend Möglichkeit, die interdisziplinäre Ausrichtung zu betonen und konfliktfrei kommunizierbar sein sowie ansprechende Abkür- in der klaren Botschaft, eine neue Disziplin in Forschung und zungen möglich machen. Lehre etablieren zu wollen. Ein großer Nachteil besteht darin, • Interdisziplinarität: Der Begriff sollte nicht den Anschein er - dass ein deutschsprachiger Begriff sich auf internationaler wecken, dass er nur bestimmte Disziplinen adressiert, sondern Ebene nicht wird etablieren lassen. so breit angelegt sein, dass sich verschieden-disziplinäre zu - • service management science (sms): Diese Bezeichnung wird gänge zusammenfinden können. als Option vorgeschlagen, mit der hervorgehoben wird, dass es • Bekanntheitsgrad: Der Begriff sollte nach Möglichkeit bereits einen Kern geben sollte, der als Alleinstellungsmerkmal einer eingeführt sein und einen gewissen Bekanntheitsgrad erreicht neuen Wissenschaft dienen könnte: das Management intangib- haben. Auf diese Weise kann auf bereits erfolgte Öffentlich- ler und interaktiv hervorgebrachter Güter. Damit wird insbe- keitsarbeit aufgebaut werden. sondere an die Tradition des Dienstleistungsmanagements 19
  22. 22. angeschlossen. Allerdings ist hiermit wiederum das Problem nahelegt. Allerdings ist es notwendig, die Engführungen des verbunden, dass die Bezeichnung zu eng sein könnte. Ein Science-Begriffs durch eine nähere inhaltliche Bestimmung aus- weiteres Problem besteht darin, dass der Begriff international zugleichen: es ist hervorzuheben, dass auch unter der Über- bislang nicht etabliert ist. schrift „Science“ verschiedene Wissenschaftsverständnisse und • service science, management, and engineering (ssme): damit die Beteiligung einer breiten Palette von Disziplinen, die Diese Bezeichnung wurde in den zurückliegenden Jahren durch sich mit Dienstleistungen beschäftigen, möglich ist. IBM in die Debatte eingebracht. Weitere Disziplinen (Manage- ment und Engineering) wurden additiv hinzugenommen. Aufgrund der starken internationalen Aktivitäten von IBM hat SSME einen gewissen Bekanntheitsgrad erreicht; die enge Verquickung mit einem Unternehmen könnte aber hinderlich sein, um auf der Grundlage dieser Bezeichnung ein akademi- sches Feld zu besetzen. • service(s) science: Dieser Begriff ist mit Sicherheit derjenige, der bereits am besten eingeführt ist. Ein Nachteil besteht darin, dass Teile der für diese Wissenschaft relevanten Diszip- linen sich – aufgrund der oben kurz umrissenen Fokussierung des Science-Begriffs auf ein bestimmtes Wissenschaftsver- ständnis – ausgeschlossen fühlen könnten. Ein Problem der Praktikabilität besteht (wie bei der Bezeichnung Service Stu- dies auch) darin, dass das naheliegende Akronym „SS“ durch die deutsche Geschichte anderweitig und sehr negativ belegt ist. Starke Vorteile hingegen könnten darin gesehen werden, dass mit diesem Begriff die Etablierung einer neuen Disziplin signalisiert wird.Keine der Bezeichnungen, die bislang in die Debatte eingeführt worden sind, ist ohne Nachteile. Es bietet sich deshalb an, eine pragmatische Entscheidung zu treffen. Diese besteht darin, an dem bislang am besten eingeführten Terminus, dem der „Service Science“, festzuhalten, wobei der Singular „Service“ den vorher genannten Perspektivwechsel u.E. besser widerspiegelt als der Plural, der ein eher outputorientiertes Dienstleistungsverständnis 20 Arbeitsgruppe „Evaluation Service Science“ der Taskforce Dienstleistungen
  23. 23. 6 anWendungsBeisPieleIn zahlreichen Fällen hat die wissenschaftliche Auseinander- aktionsarbeit) an. Interaktive Arbeit modelliert die „front stage“ setzung mit Dienstleistungen wesentliche Innovationen hervor- als Interaktionsprozess sozialer Akteure, deren Handlungserfolg gebracht, wie sie z.B. Maglio et al. (2006) für Erziehungswissen- jeweils vom Handeln ihrer Kooperationspartner abhängt. In schaften oder IT Service Management beschreiben. Um zu ver- solchen Analysen werden entscheidungs- und spieltheoretische deutlichen, was gerade eine interdisziplinär ausgerichtete Ser- zugänge mit qualitativen Methoden empirischer Sozialfor-vice Science zusätzlich leisten könnte, ist die Beschreibung kon- schung19 oder Forschungen, die an bounded rationality20 an -kreter Problemfelder von zentraler Bedeutung, die erst mit Hilfe schließen, mit psychologischen Untersuchungen zur Emotions-der Theorien, Konzepte, Methoden und Werkzeuge einer Service arbeit21 verbunden. So lassen sich systematisch anfallende Ent-Science erfolgversprechend bearbeitet und gelöst werden kön- scheidungsprobleme und deren Bearbeitungsversuche in der nen. zu diesem zweck werden im Folgenden einige Anwendungs- Dienstleistungsbeziehung bestimmen und daraus Innovations-bereiche skizziert, die zwei wesentliche Kriterien erfüllen: potentiale für die Kundenschnittstelle entwickeln. zudem lassen erstens sind die beteiligten Forschungsanstrengungen nicht klar sich Auswirkungen der „back stage“ auf die interaktive Arbeit einer bestimmten Disziplin zuzuordnen; zweitens ist es in diesen analysieren. Beispielsweise hängt der Verkaufserfolg von Bank-Anwendungsfeldern gelungen, neue Modelle und Methoden zu beratern auf der einen Seite davon ab, wie gut sie bei der Kun-entwickeln, die jenseits des bisher akkumulierten Wissens in den denberatung durch die IT der Bank unterstützt werden, zum einzelnen beteiligten Disziplinen liegen. Es handelt sich somit anderen davon, inwieweit ihre Kunden gewillt sind, entsprechend nicht nur um innovative Anwendungen bestehender Theorien, mitzuspielen. Modelle und Methoden auf Dienstleistungen. In diesen Anwen-dungsfeldern wird insbesondere der Ansatz deutlich, Dienstleis-tung als interaktiven Wertschöpfungsprozess zu verstehen, zu 6.2 kollaborative Wertschöpfung –untersuchen und zu gestalten – als Konsequenz des eingangs an der Schnittstelle zwischen informations-beschriebenen Perspektivwechsels. technologie, Ökonomie, organisations- forschung und Soziologie6.1 interaktive Arbeit – Durch die zunehmende Vernetzung und kostengünstige Verfüg- an der Schnittstelle zwischen entscheidungs- barkeit von Informationstechnologie haben sich in den letzten theorie, psychologie, Soziologie und dienst- Jahren zunehmend innovative Geschäftsmodelle im Bereich infor- leistungsmanagement mationsbasierter Dienstleistungen herausgebildet, bei denen der Kunde nicht nur passiver „Abnehmer“ von Diensten ist, sondern Um den Dienstleistungsprozess von der „back stage“18 über die „front stage“ bis hin zur Kundenperspektive erfassen zu können, 18 Teboul 2006 19 Weihrich & Dunkel 2003bietet sich als wichtiger Baustein das vor allem soziologisch 20 Simon 1996geprägte Konzept der interaktiven Arbeit (oder auch: Inter- 21 Böhle & Glaser 2006 21
  24. 24. diese in Kollaboration mit dem Anbieter gestaltet.22 Hierbei stellt eine Herausforderung dar, die für keine der bestehenden Diszip-der Beitrag des Kunden einen elementaren Bestandteil des linen alleine lösbar erscheint und die daher nach einer interdis-Dienstes dar, der ohne diese Mitwirkung erst gar nicht zu Stande ziplinären Anstrengung verlangt.käme.23Neben der rein auf Spendenbasis (in Form von Geld und Auf- 6.3 kooperatives health care management –merksamkeit) operierenden Wikipedia gibt es eine Reihe von an der Schnittstelle zwischen informations-Beispielen für Dienste, die eine solche kollaborative Wertschöp- technologie, gesundheitsökonomie, medizinfung24 bis hin zur Gewinnbeteiligung ihrer „Prosumenten“25 im und interaktiver dienstleistungsarbeitRahmen ihres Geschäftsmodells unterstützen (z.B. Sourceforge, Skype, YouTube oder zOPA). Diese Plattformen für informations- Kooperatives Health Care Management verweist auf neue Wege, basierte Wertschöpfung stellen typischerweise Koordinations- wie Gesundheitsdienstleistungen organisiert und gesteuert und Kollaborationsmechanismen bereit, die es verschiedenen werden. Im Vordergrund steht die Vernetzung von Informationen Teilnehmern ohne zentrale Steuerung oder externe Anreizsys- und Akteuren entlang der gesamten „Wertschöpfungskette“ des teme ermöglichen, Informationsprodukte und -dienste zu ent- Gesundheitswesens. Unter dem Stichwort „Digitales Kranken-wickeln, zu erstellen und zu vermarkten. Diese neuen Möglich- haus“ laufen bereits Pilotprojekte, die darauf abzielen, durch keiten der Koordination von Wertschöpfung werden als „Peer einen verstärkten Einsatz von Informationstechnologie die Ab -Production“ bzw. „Social Production“26 oder „Crowdsourcing“27 läufe im Gesundheitswesen zu optimieren.29 Neben enormen bezeichnet. Rationalisierungs- und Einspareffekten, die mit kooperativem Health Care Management verbunden sind, kommt es dabei zu Derartige innovative Dienste und ihre Geschäftsmodelle können tiefgreifenden Veränderungen in der Interaktion zwischen Arzt von einer einzelnen Disziplin nicht adäquat untersucht werden: und Patient. zum einen ermöglichen neue Technologien einen Sie werden IT-gestützt erbracht, nutzen IT jedoch vorwiegend kontinuierlichen Informationsaustausch zwischen Arzt und als Mittel zur änderung von Organisationsformen und Prozessen. Patient (z.B. über Remote-Services), zum anderen eröffnen sich Sie erzeugen einen Mehrwert für die Nutzer, jedoch oft durch Spielräume für einen ganzheitlichen Beratungsansatz, indem Anreize, die klassischen Annahmen der Ökonomie widerspre- Standardprozesse bis hin zur Erstellung von Differentialdiagno-chen, aber trotzdem funktionieren.28 Sie funktionieren mithilfe sen teilautomatisiert werden, so dass mehr zeit für Therapie sozialer Normen und der Bildung sozialer Gruppen – aber die und Prophylaxe bleibt. traditionelle Sozialforschung und die sozio-technischen System- 22 von Hippel 2007 27 Surowiecki 2004ansätze sind alleine nicht ausreichend. 23 vgl. auch den „arbeitenden Kunden“ 28 vgl. z.B. das Problem Öffentlicher in (Voss & Rieder 2005) Güter und Netzgüter bei Open 24 Satzger & Neus 2009 Source/Content (Beck u. a. 2006; Die Motivationsfaktoren zu verstehen sowie das Potential dieser 25 Toffler 1981 Ledyard 1995; Raymond 1999)neuen Arten gemeinsamer Wertschöpfung zu untersuchen, stellt 26 Benkler 2006 29 ottwald u. a. 2005 G22 Arbeitsgruppe „Evaluation Service Science“ der Taskforce Dienstleistungen
  25. 25. anWendungsBeisPiele6.4 market engineering – das strategische Management, das Marketing und die betrieb- an der Schnittstelle zwischen mikro- liche Informationslogistik. Insbesondere der Einsatz von Techno- ökonomie, iT und Sozialwissenschaften logien (z.B. IKT, Mikrosystemtechnik) erweitert stark die Möglich- keiten für neuartige PSS, z.B. durch vereinfachte Fernüberwa-Market Engineering beschreibt das systematische Vorgehen bei chung und -steuerung. Besonders vielversprechend ist hier die Entwurf und Entwicklung von elektronischen Märkten.30 Ein ziel Vernetzung verschiedener Disziplinen bei der Entwicklung von ist die Analyse von Einflussfaktoren, die zu stabilen und effizien- Theorien, Methoden und Werkzeugen für das Management und ten Märkten führen. Neben grundlegenden Methoden aus der die Entwicklung von PSS.Spiel- und Implementierungstheorie spielen hier auch die Ansätze aus der Wirtschaftsinformatik, dem Operations Research und der Finanzwirtschaft eine Rolle, ebenso wie verhaltenswissen- 6.6 revenue management –schaftliche und neurophysiologische Ansätze. zu möglichen An - an der Schnittstelle zwischen marketing,wendungsgebieten gehört die Entwicklung von Energiemärkten operations und iTeben o wie die marktbasierte Ressourcenallokation für verteilte sRechnerarchitekturen (Grid-Marktplätze). Ertragsmanagement (engl. revenue management) entstand in den 1980er-Jahren und wurde ursprünglich vor allem bei Flug- linien und Hotels eingesetzt. Heute verbirgt sich dahinter eine 6.5 product-Service-Systems – Vielzahl von Methoden, die mithilfe von Produkt- und Preisdiffe- an der Schnittstelle zwischen maschinenbau, renzierung einen ertragsmaximierenden Einsatz von knappen Betriebswirtschaftslehre und informatik Produktionsressourcen ermöglichen. Unter zuhilfenahme von Prognoseverfahren und mathematischer Optimierung wurden Die Entwicklung und der Betrieb integrierter Product-Service- völlig neue Methoden entwickelt, die nicht nur die Transport-Systems (PSS) gelten in gesättigten Produktmärkten als wichtige branche, sondern mittlerweile auch zahlreiche andere Dienst-Chance zur Differenzierung im Wettbewerb. PSS verknüpfen leistungsindustrien (Hotel, Theater, Kino, Autoverleih, etc.) stark Hard- und Softwareprodukte mit Dienstleistungen zu abgestimm- beeinflusst haben. zentrale Beiträge erschienen in Journalen des ten, oft auch kundenspezifischen Problemlösungen und stellen Operations Management31, allerdings gibt es zahlreiche Quer-damit eine besondere Form hybrider Wertschöpfung dar, die bezüge zu IT und zum Marketing32. Wichtige zukünftige Frage-Sachgüter und Dienstleistungen kombiniert. Beispiele für PSS stellungen betreffen die Analyse von Kundenverhalten, aber auch finden sich sowohl in Konsumentenmärkten (z.B. Automobilindu- die Markt- und Preisentwicklung in Dienstleistungsindustrien, strie und Telekommunikation) als auch in vielen Industriegüter-märkten (z.B. Maschinen- und Anlagenbau sowie Informations- 30 Weinhardt u. a. 2006technik). Dies wirft nicht nur neue Fragen für die Gestaltung von 31 McGill & Van Ryzin 1999Innovations- und Entwicklungsprozessen auf, sondern auch für 32 Wangenheim & Bayon 2007 23
  26. 26. in denen verbreitet Revenue Management-Konzepte eingesetzt 6.8 Workforce Scheduling –werden. Informationstechnologie stellt eine elementare Grund- an der Schnittstelle zwischen operationslage für das Revenue Management dar. management, personalwesen und informatik Projekt- und Personalplanung gehören zu den zentralen Auf-6.7 recommender Systems – gaben großer Dienstleistungsorganisationen. Dazu zählt die Pla- an der Schnittstelle zwischen informatik, nung einer großen Anzahl von Mitarbeitern mit unterschiedlichen marketing und Sozialwissenschaften Fähigkeiten, die in Teams in einer Vielzahl von Projekten zum Ein- satz kommen. Die Modellierung von Anforderungen, Fähigkeiten Empfehlungssysteme (engl. recommender systems) machen und Lerneffekten bei Mitarbeitern, von zeitlichen Reihenfolge-aktiven Kunden auf Basis ihres eigenen Verhaltens und dem abhängigkeiten und von Unsicherheit bei der Projektgewinnung anderer Käufer Empfehlungen über Produkte oder Dienstleistun- führen zu Herausforderungen in der Planung und der algorith-gen, die für sie mit hoher Wahrscheinlichkeit von Interesse sind. mischen Lösung.34 Durch zentral verfügbare und tagesaktuelle zur Berechnung der passenden Empfehlungen bzw. Wahrschein- Daten über die Verfügbarkeit von Mitarbeitern und fortgeschrit-lichkeiten wurden zahlreiche neue Datenanalysemethoden entwi- tene algorithmische Ansätze lassen sich heute Entscheidungs-ckelt. ähnlich wie im Ertragsmanagement führt das zusammen- unterstützungssysteme bereitstellen, welche zentrale Planungs-spiel aus Kundenverhalten und Empfehlungslogik zu spannenden aufgaben in Dienstleistungsunternehmen wirksam unterstützen Fragestellungen an der Schnittstelle zwischen Marketing und und die Produktionseffizienz dieser Organisationen deutlich Informatik.33 Die Auswirkung solcher Systeme auf die Meinungs- steigern können.bildung einzelner Kunden oder ganzer Gruppen ist bisher noch sehr wenig erforscht. Empfehlungssysteme, digitale soziale Netz- Aus einigen der genannten Beispiele geht eine starke Verwandt-werke oder Online-Reputationssysteme stellen komplexe sozio- schaft einer Service Science zu der in Gibbons u. a. (1994) be -technische Systeme dar, die durch Informationstechnologie schriebenen Mode-2-Forschung hervor. Nach rein disziplinärer ermöglicht werden, deren Auswirkungen aber bislang noch wenig Mode-1-Forschung stehen bei dieser Art von Forschung reale bekannt sind. Ein stärkerer Dialog mit den Sozialwissenschaften Problemstellungen von gesellschaftlicher und wirtschaftlicher ist hier nicht nur wünschenswert, sondern dringend erforderlich. Bedeutung im Mittelpunkt, die dann durch Ansätze aus verschie-All diese Systeme sind hervorragende Beispiele für „value-in- denen Forschungsdisziplinen umfassend untersucht werden. use“, bei denen der Mehrwert eines Systems durch die aktive In Deutschland hat diese Vorgehensweise bereits eine lange Beteiligung von Anbietern und Kunden entsteht. Tradition und konnte ihre besonderen Stärken demonstrieren: einerseits wird seit vielen Jahren das Instrument der Verbund- forschung erfolgreich eingesetzt; andererseits existieren seit 33 Resnick & Varian 1997 langem erfolgreiche Studiengänge, die Studierende gezielt dafür 34 Naveh u. a. 2007 ausbilden, interdisziplinäre Problemstellungen zu bearbeiten 24 Arbeitsgruppe „Evaluation Service Science“ der Taskforce Dienstleistungen
  27. 27. anWendungsBeisPiele(wie z.B. Wirtschaftsinformatik oder Wirtschaftsingenieurwesen). In dieser Hinsicht dürfte der Bereich in Deutschland bereits deut-lich weiter etabliert sein als in vielen anderen Ländern. 25

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