dreieck Ausgabe01 2011

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Das Erwachsenenbildungs-Magazin "dreieck" wird 2-3mal jährlich vom Salzburger Bildungswerk herausgegeben. Es beinhaltet die Darstellung und Auseinandersetzung mit
aktuellen bildungs- und gesellschaftspolitischen
Themen und fungiert Mitteilungs- und Serviceblatt über Veranstaltungen
des Salzburger Bildungswerkes.
Das „dreieck“ richtet sich an MitarbeiterInnen in
der Erwachsenenbildung, MultiplikatorInnen,
PolitikerInnen sowie Medien.

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dreieck Ausgabe01 2011

  1. 1. Erwachsenenbildungs-Magazin des Salzburger Bildungswerkes 01/2011Ehrenamtlich im „Süden“arbeiten?!Für Integrationgibt es kein PatentrezeptKrebs: Eine Krankheit, dieniemanden unberührt lässt salzburger bildungswerk
  2. 2. Wasserkraft ist Weitblick Damit Energie und Umwelt zusammenpassen. SAUBERE WASSERKRAFT liefert mehr als 80 Prozent unseres Stromes in Salzburg. ZUKUNFT IN ARBEITWasser liefert Öko-Strom. Seit Generationen – für Generationen.Deshalb setzt die Salzburg AG verstärkt auf diese unerschöpfliche Energiequelle. Auch wenn Sie davon immerweniger sehen – dank moderner Kraftwerksplanung. Erleben Sie Weitblick: www.salzburg-ag.at
  3. 3. Editorial Impressum Herausgeber und Verleger: Salzburger Bildungswerk (Dr. Günther Signitzer) Redaktion: Manuela Pleninger (MP) Imbergstraße 2/2, 5020 Salzburg Tel. 0662-87 26 91-0 Fax 0662-87 26 91-3 E-Mail office@sbw.salzburg.at www.salzburgerbildungswerk.at ZVR 200 288 147 Grafik: Werbeagentur Gerhard Gürtler Coverfoto: © iStockphoto.comBildung ist Ehrensache, Engagement ist freiwillig und Lernen bereichert: Unter Fotos: Salzburger Bildungswerk (falls nicht anders angegeben)diesem Motto könnte auch das Jahr der Freiwilligentätigkeit 2011 stehen. Das Salz- Druck: Schönleitner, Kuchlburger Bildungswerk stellt seit der Gründung im Jahr 1956, also vor 55 Jahren, seine Gedruckt auf chlorfrei gebleichtem Papier.Tätigkeit in dieses Umfeld, und wir haben dies in unserem Leitbild verankert. Viele Auflage: 2.200Evaluationen sowie positive Resonanzen zeigen nachweisbar die Qualität unserer MitarbeiterInnen Redaktion: Dipl.-Ing. Richard Breschar (RiB)Arbeit. Für 2011 haben wir unsere Weiterbildungsangebote unter dem Titel „forum Dr. Hans Eder (HE)freiwilligenarbeit“ verstärkt. Damit gelingt es uns, über die Bildungswerkleitungen Dr. Wolfgang Forthofer (FT)hinaus Menschen anzusprechen, die zum Beispiel an unserem Lehrgang Freiwilli- Alexander Glas (AG) Mag. Michaela Habetseder (MiHa)genkoordinatorInnen teilnehmen. Mag. Barbara Holzner (bh) Dr. Anita Moser (AM)Natürlich sehen wir zuerst die vielen Menschen, die sich dankenswerter Weise ehren- Isolde Mrwa (IM) Martin Seibt (MS)amtlich in den sogenannten Blaulichtorganisationen engagieren. Aber auch darüber Dr. Günther Signitzer (GS)hinaus ist die ehrenamtliche Tätigkeit ein unverzichtbares Element einer demokra- Dr. Konstantia Url (UK)tischen Gemeinschaft. Ohne Basisinitiativen, Dorfgemeinschaften, Stadtteilvereine Dr. Martin Wiedemair (m.w.)und viele andere mehr würde unsere Demokratie verarmen. Ehrenamtliche Tätigkeit Blattlinie: Darstellung und Auseinandersetzung mitin der Nachbarschafthilfe, im Sozial- und Gesundheitsbereich, Kultur und Sport ist ein aktuellen bildungs- und gesellschaftspolitischen Themen, Mitteilungs- und Serviceblatt über Veran-tragendes Element unserer hohen Lebensqualität. Das Salzburger Bildungswerk ist staltungen des Salzburger Bildungswerkes.ein Teil dieser Bewegung, und uns geht es vornehmlich über Einzelinteressen hinaus Das „Dreieck“ richtet sich an MitarbeiterInnen inum das Bemühen, gemeinwesenorientiert zu denken und zu handeln. Als Bildungs- der Erwachsenenbildung, MultiplikatorInnen, PolitikerInnen sowie Medien.einrichtung wollen wir eine große Breite bei Altersgruppen und Bildungsschichtenansprechen und motivieren, sich auf das Abenteuer Bildung einzulassen. Diese Brei- Namentlich gekennzeichnete Beiträge drücken die Meinungen der AutorInnen aus. Sie müssen sichte und der Umfang unseres Angebotes sind nur durch das große ehrenamtliche En- nicht immer mit der Auffassung von Redaktion undgagement unserer BildungswerkleiterInnen, der MitarbeiterInnen auf Bezirksebene Herausgeber decken.und in den Arbeitskreisen sowie der vielen MitarbeiterInnen bei den Kooperations- Offenlegung nach dem Pressegesetz: Aktuellepartnern auf örtlicher Ebene möglich. Dafür wieder einmal ein herzlicher Dank und Berichte, Informationen und Stellungnahmen, die im Zusammenhang mit der Tätigkeit des über-die Bitte, mit uns gemeinsam in diesem wichtigen Feld weiterzuarbeiten! parteilichen und konfessionell nicht gebundenen Salzburger Bildungswerkes stehen.Wir haben nun ein Team für die Öffentlichkeitsarbeit: Michaela Habetseder hat Wir danken für die Zusammenarbeit undnach der Karenz die Tätigkeit im Bildungswerk wieder aufgenommen und teilt sich Unterstützung dem bm:ukk.den Aufgabenbereich mit Manuela Pleninger, die ihre Ausbildung an der Universität Dreieck-Leserservice:Salzburg fast abgeschlossen hat. Diese Kombination aus bewährter Erfahrung und Fragen an die Redaktion: Tel. 0662-872691-0 oderfrischem Zugang zu neuen Entwicklungen, u.a. WEB 2.0, wird das Team stärken und E-Mail: office@sbw.salzburg.at Erscheinungsweise: 3mal jährlichfür die Bildungswerkleitungen eine tatkräftige Unterstützung sein. An dieser Stelle Abonnement- und Einzelbestellung:auch ein Dank an Konstantia Url, die in den vergangenen Jahren die Öffentlichkeits- Einzelheft € 4,- (exkl. Versand)arbeit im Bildungswerk geleistet und viele neue Ideen und Lösungen eingebracht Jahresabonnement € 11,- Einzahlungen: RVS Salzburg Kto-Nr. 00047993,hat! BLZ 35 000 Wenn bis 31. Dezember keine Abbestellung erfolgt,Das aktuelle Dreieck bietet wieder einen attraktiven Überblick über unsere Veran- verlängert sich das Abo jeweils um ein weiteres Jahr.staltungen und Projekte. Berichte von interessanten Begegnungen in den Gemein- Vorstand des Salzburger Bildungswerkes Rektor Dr. Josef Sampl, HR Dr. Alfred Berghammer,den zeigen ein Bild der vielfältigen Tätigkeit von Menschen, die sich neben ihren HR Dipl. Ing. Günter Daghofer, Dr. Andrea-Gitsch-beruflichen oder persönlichen Verpflichtungen ehrenamtlich für die Gemeinschaft thaler, BSI Josef Irnberger, HR Dr. Andreas Kiefer,einsetzen und aktiv daran teilnehmen. Wir machen Bildung lebendig! Senatsrat Dr. Heinz Klier, Dr. Lucia Luidold, Dr. Ursula Maier-Rabler, HR Dr. Eduard Paulus, HR Prof. Dr. Wilhelm Pölzl, Prim. Dr. Josef Rücker,Dr. Günther Signitzer OStR Prof. Felix Strohbichler, Prof. Dr. MartinDirektor Wiedemair Präsidentin des Salzburger Bildungswerkes LH Mag. Gabi Burgstaller
  4. 4. 4 | Inhalt Ehrenamt, Freiwilligen- tätigkeit und neuen Formen Foto: Fotolia des Bürger- engagements Mehr dazu auf08 Erwachsenenbildung 15 Gemeindeentwicklung Seite 20. Blickpunkte Gemeindeentwicklung 07 Herbsttagung mit Energie ... 15 Impulse für ein lebendiges Miteinander in Hallein 16 Barrieren erleben, begreifen, abbauen 18 Barrierefreie Wirtschaft in Theorie und Praxis Erwachsenenbildung 19 Im Generationendorf Hallein-Rif wird g’lacht und g’spüd 08 Für Integration gibt es kein Patentrezept 19 Gemeinsam statt einsam 10 Krebs: Eine Krankheit, die niemanden unberührt 20 Ehrenamt, Freiwilligentätigkeit und neuen Formen des lässt Bürgerengagements in Salzburger Gemeinden Eltern-, Frauen- und Seniorenbildung Europa und Politische Bildung 11 Alleinerziehend, aber nicht allein sein ... 21 „Viel Europa“ in Frankreich 11 Kulinarisch-Philosophisches im Salzburger 21 Brüssel sehen, Europa verstehen? Frauensalon 22 Entdecken Sie Mazedonien, den Kosovo und Mähren 12 Igor und Ida spinnen nicht mehr 23 Eine Fährfahrt für den Frieden 14 Vorlesen? Ich? Das trau ich mir jetzt zu! 23 Türkische Lebenswelten in der Riedenburg Internationale Solidarität 24 Ehrenamtlich im „Süden“ arbeiten?! 25 Interkultureller Tourismus: Ein interaktiver friedensrelevanter Prozess Aus der Direktion 27 Politische Erwachsenenbildung steht hoch im Kurs Rückblick 2010 Aus Gemeinde und Bezirk ab Seite 28 01/2011 dreieck
  5. 5. | 5 Foto: Intersol21 Europa & Politische Bildung 24 Internationale Solidarität 28 Aus Gemeinde und Bezirk Aus Gemeinde und Bezirk Personalia 28 Familienfreundliches Zederhaus 36 Neue Bildungswerkleiterin für Hintersee 28 Lebendige Vielfalt 37 Gold für Frieda Aigner 29 Optische Genussreise mit 14 FotokünstlerInnen 37 Engagement verGOLDet 29 Grödig ist gesund und fit 37 Neuer Bildungswerkleiter: Alois Hammerschmid 30 Bogen spannen 38 Das Salzburger Bildungswerk gratuliert 30 Ein Dorf erzählt seine Geschichte 38 Teamwork im Salzburger Bildungswerk 31 Mut zur Zivilcourage auf allen Ebenen ... 38 Zum Gedenken Annemarie Dengg 31 Köstendorf sammelte Geld für die Kinderkrebshilfe 32 Eine Vielfalt an Tennengauer Bildungsaktivitäten 32 Flachgau unter neuer Bezirksleitung Veranstaltungstipps 33 Lebenskunst – Kunst zu leben 06 Veranstaltungstipps 33 Aktiver Pinzgauer Bezirk mit viel Potential 34 Russland und der Osten Europas 34 BELLISSIMO ... 35 Ein Bezirk für Alt & Jung Arbeitskreise 35 Bildungswochen bringen Bewegung in den Ort IMB – Institut für Medienbildung 36 Medienpädagogik und Filmschaffen mit schärferem Fokus Energie bewusst leben: Langenegg zeigt, wie’s gehen könnte! Das war die Herbsttagung 2010. Mehr dazu auf Seite 7 dreieck 01/2011
  6. 6. 6 | Das Team des Salzburger BildungswerkesDirektion Barbara HoLZNER GemeindeentwicklungGünther SIGNITZER Institut für Seniorenbildung SalzburgGeschäftsführung Örtliche Bildungswerke Alexander GLASTel: 0 662-87 26 91-14 Tel: 0 662-872691-17 Tel: 0 662-87 26 91-13g.signitzer@sbw.salzburg.at barbara.holzner@sbw.salzburg.at alexander.glas@sbw.salzburg.atRichard BRESCHAR Karin MARESCH Anita MoSERÖrtliche Bildungswerke Sekretariat Tel: 0 662-87 26 91-18Tel: 0 662-87 26 91-19 Tel: 0 662-87 26 91-12 anita.moser@sbw.salzburg.atrichard.breschar@sbw.salzburg.at karin.maresch@sbw.salzburg.at Sarah REITHERSonja CHRIST Isolde MRWA Tel: 0 662-87 26 91-27Sekretariat Organisation gemeindeentwicklung@sbw.salzburg.atTel: 0 662-87 26 91-11 Tel: 0 6277-77 94sonja.christ@sbw.salzburg.at isolde.mrwa@sbw.salzburg.at Forum FamilieHans EDER Manuela PLENINGER Barbara BRANDNERInstitut für Internationale Solidarität Öffentlichkeitsarbeit Pongau, Tel: 0664-8284180Tel: 0 662-87 26 91-20 Tel: 0 662-87 26 91-16 forumfamilie-pongau@salzburg.gv.athans.eder@sbw.salzburg.at manuela.pleninger@sbw.salzburg.at Wolfgang MAyRWolfgang FoRTHoFER Brigitte SINGER Flachgau, Tel: 0664-8284238Institut für Europa Institut für Elternbildung forumfamilie-flachgau@salzburg.gv.atTel: 0 662-87 26 91-21 Tel: 0 662-87 26 91-15 Corona RETTENBACHERw.forthofer@sbw.salzburg.at brigitte.singer@sbw.salzburg.at Tennengau, Tel: 0664-8565527Ulrike FREIDL forumfamilie-tennengau@salzburg.gv.atSekretariat Institut für Medienbildung Christine SCHLäFFERTel: 0 662-87 26 91-22 Martin SEIBT Pinzgau, Tel: 0664-8284179ulrike.freidl@sbw.salzburg.at Geschäftsführung forumfamilie-pinzgau@salzburg.gv.atMichaela HABETSEDER Tel: 0 662-82 20 23-12 Monika WEILHARTERÖffentlichkeitsarbeit seibt@imb-salzburg.at Lungau, Tel: 0664-8284237m.habetseder@sbw.salzburg.at Monika HoHENLoHE forumfamilie-lungau@salzburg.gv.at Tel: 0 662-82 20 23 office@imb-salzburg.at Qualitätssiegel Salzburger Bildungswerk Qualitätstestiert am 03. 07. 2008 Veranstaltungstipps Bildungswochen Exkursion nach Langenegg 48. Salzburger Singwoche Thalgau, 15. Mai bis 19. November 2011 „energie bewusst leben“ 21. bis 27. August 2011, Strobl, Bundesinstitut Hintersee, 7. bis 15. Mai 2011 27. bis 28. Mai 2011 St. Wolfgang Bad Hofgastein, 23. bis 28. Mai 2011 Hüttschlag, 25. bis 29. Mai 2011 Medientage in Mauterndorf Herbstfahrt des Salzburger St. Andrä, 4. bis 12. Juni 2011 23. bis 28. Mai 2011, Mauterndorf, Bildungswerkes nach Linz Thomatal, 7. bis 14. August 2011 Lungau 23. bis 24. September 201101/2011 dreieck
  7. 7. Bl i ck p u nk te | 7Herbsttagung mit Energie …Die TeilnehmerInnen der Herbsttagung 2010. E nergie im Dorf“ war das Thema der Herbsttagung 2010 in Altenmarkt.„ Besonderes Interesse weckten bei den TeilnehmerInnen die beiden Vorträge der Bürgermeister Alfred Klepatsch aus Windhaag und GeorgMoosbrugger aus Langenegg. Sie erklärten, wie man das Projekt energieeffizi-ente Gemeinden mit dem Einsatz und der „menschlichen“ Energie möglichstvieler BürgerInnen richtig angeht und schließlich startet. Aber auch über dieSchwierigkeiten und Hürden im Aufbau einer energieautonomen Gemeinde,wie Langenegg, konnte man mehr erfahren. Und es geht doch! Eindrucksvoll berichtete Dr. Christoph Etzelsdorfer, Weltrekordhalter und Paralympicssieger, über seinen Umgang mit den Herausforderungen des Das Thema Energie spielt auch 2011 eine Rolle. Lebens.„Energie bewusst leben“: Die Gemeindeentwicklung wird am 27. und 28. Mai2011 Langenegg, die energieeffizienteste Gemeinde Europas (European EnergyAward 2010) und Gewinner des Europäischen Dorferneuerungspreises 2010, be-suchen. Das Exkursionsthema „energie bewusst leben“ wird in der kleinen Vorarl-berger Gemeinde eindrucksvoll gelebt. Langenegg verwirklicht die Vision einerunabhängigen Energiezukunft. Darüber hinaus machen soziales Engagement,Initiativen zur Stärkung der Dorfgemeinschaft, Aktivitäten zur Wirtschaftsbele-bung und die Maßnahmen zur Ortskernentwicklung Langenegg zu einem leben-digen Dorf voller Energie. (AG)Details zur Exkursion unter www.gemeindeentwicklung.at,Anmeldung bei Alexander Glas, Tel: 0662-872691-13, Im Bild die ReferentInnen der Herbsttagung, die den TeilnehmerInnen vielfältige Facetten von Energie näheralexander.glas@sbw.salzburg.at brachten. dreieck 01/2011
  8. 8. 8 | E r wa c h se n e n b i l d u n g Für Integration gibt esFoto: fotolia Ü ber 17 Prozent der Salzburger Bevöl- sorgungsbereich. Die gesamte Dienststelle organisiert von Silvia Kronberger von der kerung haben eine Zuwanderungs- wird von Erwin Eiersebner geleitetet. Wir Salzburger Verwaltungsakademie zusam- geschichte. Das Bundesland Salz- bieten in allen wichtigen Handlungsfeldern men mit namhaften Referenten. Der Kurs burg liegt damit österreichweit an dritter Integrationsmaßnahmen an, derzeit laufen startete erstmals im Jänner 2011 und soll Stelle hinter Wien und Vorarlberg. Seit rund 40 Projekte im ganzen Land Salzburg. Mitarbeitern beim Land, den Bezirkshaupt- September 2009 ist Manfred Oberlechner mannschaften oder Gemeinden Basics zum in der Migrationsstelle des Landes tätig. Welche aktuellen Projekte fördert die interkulturellen Verhalten und Handeln für Im Interview mit Konstantia Url spricht der Integrationsstelle derzeit? die tägliche Arbeit in die Hand geben. Das Integrationskoordinator des Landes über Da gibt es - um wirklich nur aktuelle und ist ganz wichtig, da sich nicht nur die Ein- seine Aufgaben, aktuelle Projekte und die einzelne exemplarisch herauszugreifen wohner unseres Landes, sondern auch die Wichtigkeit einer flächendeckenden Ver- - das sehr erfolgreiche „Start“-Stipendien- Kunden öffentlicher Ämter ändern und sorgung. Programm für Jugendliche mit Migrations- Mitarbeiter daher Kompetenzen benötigen, hintergrund. Dieses unterstützt Jugend- um auftretende Konflikte besser lösen zu Herr oberlechner, welche Aufgaben- liche aus Zuwandererfamilien mit einem können. Weitere wichtige Schwerpunkte bereiche nimmt die Koordinationsstelle Stipendium auf dem Weg zur Matura. Ins- sind die Arbeitsmarktintegration mit bei- für Migration des Landes Salzburg wahr? gesamt vergibt das Land gemeinsam mit spielsweise ausgebildeten Integrations- Die Dienststelle im Land Salzburg hat zwei dem Bund zehn Stipendien pro Jahr. Es gibt lotsinnen oder Mentorinnenprojekte oder umfassende Fachbereiche: den Integrati- auch einen Lehrgang zur interkulturellen die Gesundheitsaufklärung und Prävention onsbereich und den Asyl- und Grundver- Kompetenz für Verwaltungsbedienstete, für Migranten oder der herausragende und01/2011 dreieck
  9. 9. Er wa ch s en e nb ild u ng | 9kein Patentrezept wichtige Bereich der Vermittlung der deut- Dann findet man maßgeschneiderte Inte- schen Sprachkompetenz, hier zu erwähnen grationsmaßnahmen für den passenden sind jedenfalls „Mama lernt Deutsch“ oder Ort. Bundesweit im Rahmen des Nationalen das „Rucksack-Projekt“, das vom Land zu Aktionsplans Integration und auch auf EU- einem erheblichen Teil mitfinanziert und in und Europaratsebene gibt es viele kompe- die Regionen getragen wird. tente Partner und länderübergreifende Bei- spielprojekte, die eine Vorreiterrolle haben MMag. Dr. Manfred oberlechner Wie sieht die Situation in den Land- und wichtig sind für die tägliche Arbeit in Integrationskoordinator gemeinden aus? Gibt es dort eigene Salzburg. Amt der Salzburger Landesregierung Zuständige für Integration? Fachreferat Migration Integration passiert auf persönlicher Ebene, Sie sind auch in geringem Ausmaß daher ist die kommunale und direkte Inte- nach wie vor für die Universität tätig – Studien zur Migrations- und Integra- grationsarbeit so wichtig. Gerlinde Ulucinar wie wichtig ist die Wissenschaft für die tionsforschung an den Universitäten Yentürk ist eine sehr erfolgreiche Integra- tägliche Arbeit? Salzburg und Wien, an der Erasmus tionsbeauftragte in der Stadt Hallein. Ich Ja, ich bin sehr froh, dass ich die wissen- Universität Rotterdam sowie am In- arbeite mit ihr gerne zusammen. Integra- schaftliche Ebene nicht gänzlich verlassen stitute for Migration- and Ethnic Stu- tion ist auch Chefsache der Bürgermeister. muss und hier „mitspielen“ kann im besten dies an den Universitäten Amsterdam Daher ist es so wichtig, in die einzelnen Be- Sinne des Wortes, denn für mich ist Integra- und Straßburg. Praxisaufenthalte im zirke rein zu gehen. Dazu kontaktieren wir tionsarbeit vor allem auch eine kreative Ar- Verwaltungsbereich im Bereich „Mi- die Bürgermeister, was vor Ort notwendig beit. Da gibt es kein Patentrezept. Zum Teil gration und Integration“ u.a. beim Eu- ist. Denn Integration ist auch Schnittstellen- ist das viel Pionierarbeit. Und die Zusam- ropean Committee on Migration des management auf sehr unterschiedlichen menführung von Theorie und Praxis, von Europarates sowie beim Europäischen Ebenen. Integration gelingt, wenn die der Denkarbeit hin zur Praxisumsetzung, Parlament. Langjährige konkrete Pro- Bedürfnisse von Migranten und Einheimi- das ist die Herausforderung für mich in der jektarbeiten mit und für Migranten schen rund um das Thema Integration vor Verwaltung. Ich bekomme viele Inputs und in Salzburg. Erwachsenenbildungs- Ort bekannt sind. Das kann kein von oben Inspiration. Im Grunde genommen ist Inte- lehrer „Deutsch-als-Fremdsprache“. verordneter Top-Down-Prozess sein. Die grationsarbeit also eine sehr kreative Arbeit mit den Bürgermeistern entstehenden Pro- und sollte es auch sein. Kontakt: jekt-Ideen werden in Koordination etwa mit manfred.oberlechner@salzburg.gv.at Sozialarbeitern oder Bildungswerkleitern Was verstehen Sie darunter? ausgearbeitet und umgesetzt. So ist garan- Dass man Integration nicht verwaltet, son- tiert, dass Integrationsprojekte nicht nur in dern mit der Zielgruppe immer in Kontakt mit. Diesen Kontakt habe ich bis heute nicht der Stadt Salzburg Platz greifen, sondern bleibt. Da kommt es mir auch zugute, dass verloren, noch jetzt gebe ich beispielsweise flächendeckend wirksam sind. ich sehr engen Kontakt zu Sozialvereinen jede Woche einen Deutschkurs für Mitar- in Salzburg habe oder sehr lange in einer beiter des Landes und des Magistrats mit Stichwort flächendeckend: Die Migrati- arbeitsmarktpolitischen Betreuungseinrich- nicht deutscher Muttersprache. Wichtig ist onsstelle ist auch bundesweit vernetzt, tung gearbeitet habe – direkt im täglichen einfach, dass man sich selbst auch immer wie funktioniert die Zusammenarbeit mit Kontakt mit Migranten. Und ich verdanke in seiner Arbeit in Frage stellt und evaluiert den anderen Bundesländern? den Migranten sehr viel, sie haben dazu und für Zugewanderte wie Einheimische Da gibt es regelmäßige Vernetzungstreffen beigetragen, dass ich mich in Salzburg wohl das Beste will. Dann funktioniert Integrati- auf Länderebene, und das ist wichtig, denn fühle, integriert bin. Integration ist keine on, wenn es eine Win-Win-Situation für uns für die Integration gibt es ja kein festste- Einbahnstraße. Ich habe viele Deutschkurse alle ist. (UK) hendes und überall funktionierendes Inte- gehalten und unzählige von Migranten grationsrezept. Es gibt in Österreich viele über Monate täglich begleitet. Wenn ich an Nähere Infos zum Stipendienprogramm regionale Besonderheiten – übrigens auch Migranten denke, dann fallen mir vor allem für Jugendliche mit Migrationshinter- zwischen Österreichern –, die man in der viele Gesichter und Begegnungen ein. Das grund unter www.start-stipendium.at Integrationsarbeit mit einbeziehen sollte. ist ein gutes Gefühl. Da bekommt man viel dreieck 01/2011
  10. 10. 10 | E r wa c h s e n e n b i l d u n g Krebs: Eine Krankheit, die niemanden unberührt lässt VON URSULA LEITICH V or hundert Jahren war die Geburtsstunde der Österrei- Prävention kann helfen - Pflegen und Hegen chischen Krebshilfe. Nach wie vor ist Krebs eine Krankheit, die Sie Ihren Körper - In einem gesunden Körper niemanden unberührt lässt, obwohl sich aus medizinischer steckt ein gesunder Geist Sicht in dieser Zeit viel verändert hat. Auf Grund besserer Diagnose- möglichkeiten kann Krebs immer früher erkannt werden, und durch Um das persönliche Krebsrisiko möglichst gering halten zu können, die Entwicklung neuer Behandlungen können viele Krebspatien- ist es notwendig, über die Möglichkeiten der Vorsorge und Früher- tInnen geheilt werden oder ein deutlich längeres Leben mit guter kennung Bescheid zu wissen. Lebensqualität führen. An Krebs zu erkranken kann leider nie ganz ausgeschlossen werden, sicher ist aber, dass man selbst durch rich- 3 ichtige Ernährung kann vor Krebs schützen. Fünf Portionen Obst R tiges Vorsorgen und Nützen der Früherkennung das Risiko und den oder Gemüse am Tag sind ideal. Ebenso ist der verantwortungs- Verlauf wesentlich beeinflussen kann. bewusste Umgang mit Alkohol wichtig. Ein gesunder Lebensstil senkt deutlich die Erkrankungsgefahr, und 3 an sollte jede Gelegenheit, Bewegung zu machen, nützen. M je früher Krebs durch die Selbst- oder Früherkennungsuntersu- Körperliche Aktivität kann das Krebsrisiko nachweislich senken. chungen entdeckt und behandelt wird, desto besser sind die Chan- Sportwissenschafter empfehlen 30 Minuten 3 Mal pro Woche. cen für den Krankheitsverlauf. Übergewicht und ein hoher Body-Maß-Index stehen in engem Zusammenhang mit einem erhöhten Risiko, an Krebs zu erkran- Gemeinsam mit dem Salzburger Bildungswerk wurde nun eine spe- ken. Auch Diabetes trägt dazu bei. zielle Vortragsreihe zum Thema Krebs zusammengestellt. Ihr Ziel ist 3 nzählige Untersuchungen belegen die Gesundheitsschäden, U es, möglichst viele Fragen, die rund um eine Krebserkrankung, aber die das Rauchen, aber auch das Passivrauchen, verursachen kön- auch in der Krebsprävention auftauchen, zu beantworten. Es sollen nen. Das Rauchen zu beenden und Nichtraucher zu bleiben ist Hilfestellungen und konkrete Antworten zu aktuellen Themen ge- schwer, aber nicht unmöglich. geben werden. 3 uch seelisches Wohlbefinden gehört zu einem gesunden Le- A bensstil und muss gepflegt werden. Es braucht den achtsamen Umgang mit sich selbst, um psychisch im Gleichgewicht zu blei- ben und seine Ressourcen nicht zu überfordern. 3 m Hautkrebs vermeiden zu können, ist es notwendig, die Ge- U fahren der Sonne richtig einzuschätzen, seinen Hauttyp zu ken- nen und zu wissen, welcher Lichtschutzfaktor benötigt wird. 3 ist wichtig, den eigenen Körper und die Möglichkeiten der Es Selbstuntersuchung zu kennen sowie über die Warnsignale für Krebserkrankungen Bescheid zu wissen. Krebs kann aber auch ohne bemerkbare Symptome entstehen. Um Krebs im Frühstadium zu entdecken und behandeln zu können, gibt es regelmäßige Früherkennungsuntersuchungen von Brust, Gebärmutter, Haut, Darm oder Prostata. Diese ärztlichen Untersu- chungen können Leben retten. Wird eine Krebserkrankung recht- zeitig erkannt, kann sie in vielen Fällen geheilt werden. Mag. Dr. Ursula Leitich ist Psychologin, Psychotherapeutin, Ärztin für Allgemeinmedizin und Leiterin der Beratungsstelle in Salzburg. Die Österreichische Krebshilfe Salzburg informiert, berät und unterstützt Bei Fragen zur Vortragsreihe wenden Sie umfassend in allen Bereichen der Krebsprävention. sich an: Salzburger Bildungswerk, Mag. Weitere Informationen und Hilfe erhalten Sie am Beratungstelefon der Krebshilfe Barbara Holzner, Tel: 0662-872691-17 oderFoto: fotolia Salzburg unter 0662-873536 oder im Internet www.krebshilfe-sbg.at. E-Mail: barbara.holzner@sbw.salzburg.at 01/2011 dreieck
  11. 11. El ter n -, Fra uen - un d S en i oren b ild u ng | 11Alleinerziehend, aber nicht allein sein … VON MARION LECHNERU nter dem Motto „alleinERZIEHEND, auswahl und organisatorischen „Kleinig- aber nicht ALLEIN sein“ startete im keiten“. Wir alle vom alleinERZIEHER-Treff Oktober 2010 das erste Treffen für bedanken uns auch herzlich bei den Sorop-Alleinerziehende und Patchworkfamilien timistinnen Pinzgau: Durch ihre Spende istim Pinzgau im Vereinsheim in Bruck. Der es nun möglich, die zur Verfügung stehen-gelungene Start und das rege Interesse de Kinderbetreuung während den Treffenbestätigten Marion Lechner, hier die rich- kostenlos anbieten zu können. In diesemtige Initiative ergriffen zu haben. Nach dem Sinne helfen viele zusammen: Die Gemein-ersten Kennenlernen folgte ein Nachmit- de Bruck stellt die Räume kostenlos zurtag mit einer Lebens- und Sozialberaterin, Da wir mittlerweile eine gesellige Runde sind, Verfügung, das örtliche Bildungswerk unddie sich speziell mit der Problematik Allein- hieß es im Jänner, Rodel und Kinder einpacken das Institut für Elternbildung des Salzbur- und rauf auf die Kohlschnait ...erzieherInnen beschäftigte und mit guten ger Bildungswerkes unterstützen diesesRatschlägen und brauchbaren Tipps zur Angebot finanziell.Seite stand. siert und welche Maßnahmen man selber treffen kann, um den Alltagsbelastungen Wer sich angesprochen fühlt und InteresseDas nächste Treffen widmete sich dem standhalten zu können. hat, kann sich gerne bei Marion LechnerThema „Burnoutproyhylaxe und Zeitma- Weitere Vorträge und Freizeitaktivitäten melden und jederzeit in die Gruppe ein-nagement“, da viele Alleinerziehende einer sind schon in Planung! steigen. Tel: 0650-2008823, E-Mail: marion.Mehrfachbelastung durch Job, Kinderer- lechner@gmx.atziehung, Haushalt und der Zusatzanfor- Der tatkräftigen Unterstützung von Christi- Die Treffen finden jeden letzten Samstagderung, alles alleine managen zu müs- ne Schläffer vom Forum Familie Pinzgau ist im Monat am Nachmittag im Vereinsheimsen, ausgesetzt sind. Die beiden Coaches es zu verdanken, dass diese Treffen zustan- Bruck statt!Fini Lassacher und Sigrid Petschko gaben de kommen können. Sie unterstützt uns Marion Lechner ist alleinerziehende Mutter einerTipps, wie man sich am besten organi- bei der Kinderbetreuung, ReferentInnen- 4-jährigen Tochter aus Bruck an der Glocknerstraße.Kulinarisch-Philosophisches Salon à la Carte ... - Gebären, ernähren, genießen: Unter diesem Motto steht der 17. Salzburger Frauensalon amim Salzburger Frauensalon Dienstag, 28. Juni 2011, ab 19.00 Uhr in St. Virgil, Salzburg. Mag. Hanni Rützler, Ernährungswissenschafterin und Gründerin des Futurefoodstudios Wien, sowie die bekannte internationale Kulinarik-Journalistin Doris Maier werden gemeinsam mit den Besucherinnen über das Kochen und Essen philosophieren. Welche elementaren Zusammenhänge gibt es zwischen Essen und Geschlecht? Wie wird das Kochen von den Frauen empfun- den? Als Abenteuerkochen und Ernährungshighlight oder als lästige Pflicht? Warum hat die Globalisierung des Essens nicht unbedingt mehr Genuss zur Folge? Diesen und vielen anderen Fragen und Vorurteilen ist der kulinarische Salon à la Carte ge- widmet. Die Salonieren versprechen: Es wird nicht mit faulen Eiern ge- worfen, sondern übers Essen philosophiert ... dreieck 01/2011
  12. 12. 12 | E lte rn -, Fra u e n - u n d Senio renbildungIgor und Ida spinnen nicht mehrGewaltprävention und positive Konfliktbewältigung in Volksschulen VON ANGELIKA WALLNER mehr Eigenverantwortung an Konflikte gt cki zu mir“,bekla gt aber immer Di und deren Lösung heranzugehen. Trainiert„Er sa änen. kämpft mit den Tr wurden diese Kompetenzen mit Hilfe vonsi ch Valentin und ?“, kreativen Gruppenarbeiten, Rollenspielen, solchen Momenten hlst du dich in Kooperationsspielen, Arbeitsblättern, Dis-„Wie fü kussionsrunden sowie mediativ geführten orin.fragt die Mediat nd.“ Konfliktgesprächen. d auch ganz wüte „Ich werd e ganz traurig un Ein großes Anliegen in der Arbeit mit den Kindern war außerdem die Stärkung desG efühlen Raum zu geben und sie be- laden wurden, um mit den Kindern an der Selbstwertgefühls, aber auch der Selbst- nennen zu lernen, ist ein zentrales Verbesserung der Klassengemeinschaft zu und Fremdachtung. Die positiven Eigen- Anliegen des Projekts „Wenn Igor arbeiten. schaften bzw. Absichten der SchülerInnenund Ida spinnen...“. Denn einerseits eigene wahrzunehmen und zu benennen, war einGefühle auszudrücken, andererseits auch Das ursprünglich von Mag. Brigitte Singer Mittel, das wir einsetzten, um den Selbst-die Gefühle Anderer zu verstehen, ist eine und DSA Barbara Fleissner entwickelte wert zu stärken.der wichtigsten Grundlagen für eine po- Projekt wurde in all den Jahren an die un- Die Kinder erhielten außerdem einige Wo-sitive Konfliktbewältigung und selbstver- terschiedlichen Erfordernisse angepasst chen nach Beendigung des Projekts indivi-ständlich auch dafür, eigene und fremde und immer wieder geringfügig adaptiert, duelle und positive Post von Igor.Grenzen wahrzunehmen. Genau darum aber die Grundbausteine haben sich nichtging es in den letzten zehn Jahren, wenn verändert. Denn wie auch sonst in jederdie ReferentInnen des genannten Projekts (Arbeits-)Gruppe braucht es in einer Klassezum Thema Gewaltprävention für drei bestimmte Voraussetzungen für einen po-Vormittage in eine Volksschulklasse einge- sitiven Umgang miteinander: gemeinsame Grundregeln, eine gute Kommunikation, um Missverständnisse zu vermeiden, das Ansprechen von Gefühlen und den Mut, einem Konflikt offen entgegen zu treten. Genau diese Fähigkeiten wurden mit Hilfe von Igor und Ida, zwei Handpuppen, die schlaue Tipps geben oder auch einfach nur tröstend zur Seite stehen konnten, ge- schult. Und damit Igor und Ida sowie ihre Ideen Post an Igor ... auch nach dem Projekt weiterwirken konn- Manchmal bekamen aber auch umgekehrt ten, blieb eine der Handpuppen immer in Igor und Ida Post von den Kindern. der Klasse zurück. „Es ist toll, solche positiven Rückmeldungen zu erhalten und zu sehen, dass wir mit dem Mit Konflikten umgehen lernen ... Projekt Erfolge erzielen konnten. Diese Kinder können Eine weitere grundlegende Idee des Pro- Feedbacks sind die beste Motivation, Pro- schon früh ihre jektes war es, das Vertrauen der Kinder jekte wie diese abzuhalten und fortzufüh- Gefühle in Bildern in die eigene Konfliktlösungskompetenz ren“, so Eva Gitschthaler, Erziehungswissen- ausdrücken. zu stärken. Das sollte sie befähigen, mit schafterin und Mediatorin.01/2011 dreieck
  13. 13. El ter n -, Fra uen - un d S en i oren b ild u ng | 13 darum ging, ihm die ganze Verant- wortung und Schuld am Konflikt Wir verabschieden uns von zuzuschieben, sondern dass sie Igor und Ida mit ein paar einerseits ihre Bedürfnisse äußern Eindrücken aus unserer und andererseits auch ihn verste- Arbeit und Rückmeldungen, hen wollten. In dieser Gewissheit die wir bekommen haben:Igor und Ida kamen (genau wie beteiligte er sich schließlich dochdie ReferentInnen) in den Klassen am Gespräch und strahlte übersmit unterschiedlichsten Themen ganze Gesicht, nachdem wir eine Nachhaltig arbeiten ...in Berührung. Manchmal ging es gute Lösung für den Umgang mit-einfach nur darum, die Klassen- einander gefunden hatten“, berich- Besonders berührt hat mich folgende Rückmeldung ei-gemeinschaft zu stärken und den tet Angelika Wallner, Dipl. Sozialar- ner Lehrerin. Nach dem Projekt war ihre Klasse viel auf-Kindern Zeit für positive gemein- beiterin und Mediatorin. merksamer und ruhiger im Unterricht. Dieser positivesame Erfahrungen zur Verfügung und nachhaltige Effekt führte dazu, dass das Projektzu stellen, vielfach aber waren 2004 hat das Projekt den Innova- ein weiteres Mal an der Schule für eine andere Klassees schwierige Situationen in der tionspreis des Landes Salzburg angefordert wurde. In dieser Klasse veränderte sich einKlasse, zu deren Lösung das Pro- erhalten und nach 11 Jahren, 107 anfänglich unruhiger und vorlauter Junge sehr zumjekt beitragen sollte: Streitereien, Schulklassen in diesem Projekt Positiven. Dies äußerte sich darin, dass er viel aufmerk-schwere Kränkungen, Rivalitäten, und 2247 Kindern, die wir ken- samer war und sich besser an Regeln halten konnte. EsAußenseitertum bis hin zum The- nen lernen durften, lässt sich die ist schön zu sehen, wie dieses Projekt nachhaltige Wir-ma Mobbing waren Themen, die Bilanz durchaus sehen: Es fanden kung zeigt und auch Kinder mit besonderen Bedürfnis-bearbeitet wurden. 107 Elternabende mit über 1100 sen davon profitieren können. Eltern statt, in denen die Themen Silvana Obmann, Psychologin, MediatorinGefühle ... Gewaltprävention, Konfliktlöse-Mit Kindern offen über Gefühle und kompetenz und Projektinhalte die Zwei Mädchen kamen in der Pause auf mich zu undStreitigkeiten zu sprechen, schafft Schwerpunktthemen waren. 110 baten um „Hilfe“. Sie hätten seit längerer Zeit einenNähe und somit auch Raum da- Lehrkräfte in ca. 80 Volksschulen Streit, könnten diesen aber nicht alleine lösen. Siefür, emotional berührt zu werden. waren bei den insgesamt 1284 Pro- möchten aber nun auch so „gut“ streiten können wieBerührt waren die ReferentInnen jektstunden dabei und erhielten Igor und Ida und suchten deshalb in der Pause meinenicht nur, wenn sich ein Konflikt für jedes Kind einen individuellen Hilfe. Die beiden Mädchen wollten den Streit nicht vorklären hat lassen und die damit Brief von Igor zu den Stärken und der Klasse besprechen, deshalb besprachen wir deneinhergehende Leichtigkeit direkt positiven Eindrücken jedes Kindes Streit unter sechs Augen. Die Freude, die die beidenim Raum spürbar wurde, sondern aus dem Projekt. Mädchen beim Lösen des Streits empfanden und wieebenfalls in den Momenten, wo Dieses Angebot wird mit dem sichtlich stolz die beiden Mädchen dann auf sich wa-spontane, ehrliche Reaktionen der Schuljahr 2010/2011 beendet und ren, blieb mir besonders in Erinnerung!Kinder Freude oder manchmal läuft in anderer Form weiter. Ab Linda Artbauer, Psychologin, Mediatorinauch Betroffenheit auslösten: dem Herbstsemester können nur mehr jene Volksschulen, die am Nach einem Projekt, das ich im Oktober 2009 absolviert„Markus zum Beispiel ärgerte oft Projekt „Gesunde Schule Salzburg“ habe, kam die Rückmeldung einer Klassenlehrerin, dieandere Kinder in seiner Klasse, hat- teilnehmen, auch Igor und Ida bu- dem Projekt anfangs äußerst skeptisch gegenüberte jedoch große Schwierigkeiten, chen. stand, danach aber „positiv überrascht und voll über-Kritik von seinen Klassenkamera- zeugt“ war. Ein schwieriger Bub aus dieser Klasse, der Angelika Wallner ist Diplomierte Sozial-dInnen anzunehmen. arbeiterin und Mediatorin. andere Mitschüler bedrohte und schlug, war nachAls dieser Konflikt angesprochen dem Projekt nicht mehr so unangenehm aufgefallen.und geklärt werden sollte, verkroch Während der Streitschlichtung hatte er sich bereitser sich unter einer Schulbank. Also sehr konstruktiv verhalten und Einsicht gezeigt. Im An-arbeiteten wir erst einmal mit sei- Folgende ReferentInnen haben beim schluss an das Projekt haben alle Kinder dieser Klasse Projekt „Wenn Igor und Ida spinnen ...“nen MitschülerInnen ganz behut- mitgearbeitet: DSA Barbara Fleissner, ihren eigenen „Gefühlefresser“ gebastelt (der hilft da-sam am Thema, und mit der Zeit DSA Angelika Wallner, Sandra Kirbach, bei, leichter über unangenehme Gefühle sprechen zufand Markus (unter der Schulbank Mag. Erika Fellner, DSA Susanne Nündel, können und sie dann besser loszuwerden). Bernhard Behr, Mag. Linda Kaltenhofer, Regina Prossinger, Juristin, Mediatorinaufmerksam zuhörend) heraus, Mag. Eva Gitschthaler, Mag. Silvanadass es den anderen Kindern nicht Obmann, Dr. Regina Prossinger dreieck 01/2011
  14. 14. 14 | E lte rn -, Fra u e n - u n d Senio renbildung Vorlesen? Ich? Das trau ich mir jetzt zu! Seminarreihe „Vorlesen in Theorie und Praxis“ VON CHRISTINA REPOLUST I ch bin hier, weil ich meinen Kindern Mit Einfachem begeistern Abend noch einmal dem Stimmtraining. „ sehr gerne vorlese!“ „Ich möchte Hier wird keine Vorlese-Einheit dem Zufall Die zwei Zusatzmodule „Vorlesen für Seni- in einem Altersheim vorlesen und überlassen, der Apfel als Geheimnis aus orInnen“ und „Vorlesen für Menschen mit weiß nicht genau, wie ich damit beginnen dem Korb geborgen, dann zer- und als Migrationshintergrund“ geben Impulse soll!“ „Kindergartengruppen und Volks- besondere Jause mit allen ZuhörerInnen für die Arbeit mit diesen ausgewählten schulklassen kommen regelmäßig in die geteilt. „Wenn Sie mehr als zwei Zutaten Zielgruppen. „Ich nehme von allen fünf Bibliothek: Wie lese ich spannend vor, wo- kaufen müssen, vergessen Sie diese Idee. Einheiten neben Wissen auch viele Vor- rauf muss ich beim Vorlesen achten?“... Es muss einfach sein, damit es die Eltern zu bilder mit. Mich hat die junge Germanis- Hause auch nachmachen können, es geht tin, Jasmina Maksimovic, die in der Stadt- Die Erwartungen an sich und die Semi- nicht um Quantität, sondern um Qualität.“ bücherei Hallein auf Bosnisch vorliest, mit narreihe sind wie immer hoch: Die eine Diese Tipps Brigitte Weningers begleiten ihrem Engagement, ihrer Liebe zur Litera- möchte eine bessere Atmung lernen, die die TeilnehmerInnen in die Praxis, die zwi- tur und den kleinen Menschen enorm be- andere witzige und spannende Bilderbü- schen den einzelnen Seminarteilen liegt. eindruckt“, bringt es hier eine Seminarteil- cher kennen lernen, die dritte von links das Da ist die Hemmung, in der folgenden nehmerin auf den Punkt. Vertrauen der SeniorInnen gewinnen und Seminareinheit zur Stimmtrainerin zu diese nicht überfordern. Das könnte Druck kommen, gleich viel geringer: „Ich werde Die Seminarreihe „Vorlesen in Theorie und erzeugen, wären da nicht kompetente das schon lernen, es muss ja nicht gleich Praxis“ ist eine Kooperation des Referates Referentinnen wie die Kinderbuchautorin perfekt sein!“ Mag. Hildegard Starlinger, für Bibliotheken und Leseförderung der Brigitte Weninger, die gleich in der ersten Schauspielerin und Stimmtrainerin, ver- Erzdiözese Salzburg mit Salzburger Bil- Einheit klarstellt: „Perfektion behindert mittelt Leichtigkeit und Ernsthaftigkeit, dungswerk, Stadtbücherei Hallein und St. unsere Kreativität, es reicht, gut genug zu die richtige Atemtechnik und die Freude Virgil Salzburg. Mit finanzieller Unterstüt- sein: als LehrerIn, als KindergärtnerIn und daran, lange bei Stimme zu bleiben. zung des Landes Salzburg als VorleserIn. Bereiten Sie sich genau vor, Kontakt: Dr. Christina Repolust, aber lassen Sie sich durch Perfektionsan- Vom Laien zum Profi Tel: 0662-8047-2068, sprüche nicht die eigene Freude an den Das dritte Grundmodul widmet sich der christina.repolust@seelsorge.kirchen.net Vorleseeinheiten nehmen, verlieren Sie Sprachentwicklung, der Auswahl pas- Dr. Christina Repolust ist Leiterin des Referates für nicht den Humor!“ sender Bilder- und Kinderbücher sowie Bibliotheken und Leseförderung der Erzdiözese rechtlichen Rahmenbedingungen, am Salzburg.01/2011 dreieck
  15. 15. G emei n deentw ick lu ng | 15 Impulse für ein lebendiges Miteinander in Hallein V ereinsamung, Entfremdung, Wert- Medien, sondern auch auf dem Initiativen- verlust, ...: Diesen gesellschaftlichen Stadtplan auf www.herzfuerhallein.at ver- Entwicklungen möchten engagierte öffentlichen“, berichtet Anita Memmer. Am Halleiner in ihrer Stadt unter dem Motto Ende des Jahres werden drei solidarische, „Ein Herz für Hallein“ entgegenwirken. „Da- kreative und nachhaltige Initiativen mit bei ist die Kreativität jeder und jedes Einzel- „Halleiner Münzen“ im Wert von 1.000, 700 nen gefragt“, meint die Initiatorin Dr. Anita und 400 Euro prämiert. Memmer vom Salzburger Bildungswerk Hallein. Ein Jahr lang sollen Impulse, welche Die InitiatorInnen von „Ein Herz für Hallein“ die Gemeinschaft, Kommunikation und In- verbinden mit ihrer Aktion mehrere Ziele: tegration fördern, öffentlich gemacht wer- Intergenerationelle und kulturverbindende den. Zu diesem Zweck wurden Ende Jänner Initiativen in Hallein bekannt machen, Bür- in der Keltenstadt 16 Briefkästen aufgestellt, ger miteinander ins Gespräch bringen, neue in die jeder und jede ihre Ideen einwerfen verbindende Aktivitäten anregen und Initi- können. Diese Briefkästen wurden von ativen bewerben sowie Partner finden und Schülerinnen und Schüler der HTL Hallein umsetzen. Aber auch Nähe ermöglichen: gebaut und kreativ gestaltet. zwischen Stadtteilen, Bevölkerungsgrup- pen, Jung und Alt sowie die eigene soziale Fass dir ein Herz und mach mit! Verantwortung bewusst machen und stär- „Wir werden die Briefkästen monatlich ent- ken, Vereinsamung und Isolation entgegen- „Bei allen Initiativen sollte leeren und die vorgeschlagenen Projekte wirken, Einfühlungsvermögen und Toleranz und Initiativen nicht nur in verschiedenen erhöhen. (MiHa) das Augenmerk auf das Brückenbauen gerichtet sein – Brücken zwischen SchülerInnen der HTL Hallein mit ihren kreativ gestalteten Briefkästen. Alt und Jung, Inländern und Ausländern, zwischen Nachbarn und den einzelnen Stadtteilen.“ Anita MemmerInitiatorin Anita Memmer hat ein Herz fürHallein. dreieck 01/2011
  16. 16. 16 | Geme i n d e e nt w i c k l u ng Barrieren erleben, begreifen, abbauen VON MANFRED FISCHER F ür mich ist die Bewusstseinsbil- Auch Bürgermeister Fritz Amerhauser wagt Sensibilisierungstage „ dung im Hinblick auf die Abschaf- sich auf den Rollstuhl-Parcours – für ihn eine So organisierten Maria Höpflinger und fung von Barrieren, die behinderte ungewohnte Erfahrung. Manfred Fischer vom Österreichischen Menschen einschränken, außerordentlich Zivil-Invalidenverband Flachgau (ÖZIV) in wichtig. Mit diesem Projekt machen wir Kooperation mit Christian Treweller von der auf bestehende Barrieren aufmerksam Sozialen Initiative Salzburg (SIS) zwei Sensi- und werden diese in der Folge abbauen“, bilisierungstage zum Thema Behinderung sagte Bürgermeister Fritz Amerhauser zum für die Schülerinnen und Schüler der Volks- Projekt „Barrierefreies St. Georgen“. Unter schulen Obereching und Holzhausen sowie dem Motto „Barrieren erleben, begreifen, für alle Gemeindebürger. abbauen“ läuft dieses Projekt seit Septem- ber 2010. Die dabei erkannten Barrieren Unter der Anleitung von selbst betroffenen betreffen nicht nur behinderte Menschen, Menschen konnte im Rollstuhl ein Hinder- sondern auch Mütter und Väter mit Kinder- nisparcours befahren werden. Dabei zeigte wägen, Menschen mit Gipsfuß, ältere Men- sich schnell, dass für Menschen im Rollstuhl schen, u.v.a. bereits kleine Stufen nicht überwindbare Ein Arbeitskreis bestehend aus Bewohne- Hürden darstellen können. Manfred Fischer, rInnen der Gemeinde, externen ExpertInnen selbst Rollifahrer, gab Tipps, wie die Hinder- sowie betroffenen behinderten Menschen nisse geschickt zu meistern sind. Er zeigte und deren Angehörigen initiierte eine Rei- auch auf, welche Hürden für Menschen im he von Veranstaltungen. Rollstuhl nicht zu bewältigen sind.Fotos: Soziale Initiative Salzburg Mit viel Konzentration und Geschicklichkeit überwinden die Volksschüler unter der Anleitung von Manfred Fischer (ÖZIV) im Rollstuhl die Hindernisse. Kleine Schwellen ent- puppen sich dabei als herausfordernde Hürden. 01/2011 dreieck
  17. 17. G emei n deentw ick lu ng | 17 sind Menschen mit unterschiedlichen Be- hinderungen. Sie arbeiten in der Werkstätte der Lebenshilfe Salzburg in Steindorf bei Straßwalchen. Die Musiker spielen bei ihren Konzerten ausschließlich Eigenkompositionen. „Die Peter Weiser erklärt den Lieder entstehen, indem ich mit der Gitar- Kindern den Umgang mit re musikalische Themen vorschlage. Die einem Blindenstock, bevor anderen Bandmitglieder bringen dann ihre sie in das „dunkle Zelt“ verschwinden. Ideen und Gefühle dazu ein – mit ihren In- strumenten. Sie beschreiben, wie sich die Melodie für sie anhört – etwa wie Regen-Peter Weiser – selbst blind - erklärte den die verschiedene Sehbehinderungen simu- tropfen“, beschreibt Hannes Kofler das kre-Kindern und anderen TeilnehmerInnen den lierten, durch ihre Gemeinde und erlebten ative Schaffen der sieben Musiker währendUmgang mit einem Blindenstock und wie noch bestehende Barrieren, wie Stufen oder ihrer Proben.er sich damit orientiert. Er führte sie weiters zu steile Rampen, am eigenen Leib.durch das „schwarze Zelt“. In der Dunkel- Das Seminar gab den Anstoß dafür, bei der Zusammengebracht hat die Musikerheit des Zeltes tasteten sich die Teilneh- nächsten Tagung der Flachgauer Bauamts- Hannes Kofler, der als Zivildiener in diemerInnen mit dem Blindenstock als Orien- leiter der Gemeinden das Thema „Barriere- Lebenshilfe-Werkstätte kam. Aufgrund sei-tierungshilfe über unebene Böden und an freiheit“ auf die Tagesordnung zu setzen. ner Musikbegeisterung gestaltete er Mu-Hindernissen vorbei – dies fanden beson- siknachmittage. Dabei fielen ihm das Takt-ders die Kinder faszinierend. Viele kamen Konzert der Band „Stand Up“ gefühl und die Musikbegeisterung einigerspäter mit ihren Eltern wieder, um diese das Im Rahmen des Projektes veranstaltete TeilnehmerInnen besonders auf. Auf seineProgramm ebenfalls erleben zu lassen. die Pfarre St. Georgen mit Pfarrer Gerhard Anregung formierte sich dann die Band Fuchsberger an der Spitze in der Ober- „Stand Up“. Bisher gab es zahlreiche Auf-„Es war für mich schön zu sehen, wie un- echinger Marienkirche ein Konzert der Band tritte bei Licht-ins-Dunkel-Sendungen desbefangen die Kinder Rollstuhl und Blinden- „Stand Up“. Schon nach den ersten Tönen ORF-Landesstudios Salzburg, Vernissagen,stock benützten. Die Neugierde war groß. sprang dabei der Funke der Begeisterung verschiedenen Jubiläumsfeiern und beiSie konnten so kurzzeitig eine Ahnung da- fürs gemeinsame Musizieren auf das Publi- Gottesdiensten.von bekommen, was es heißt, beeinträch- kum über. Zu hören waren u.a. der „Wos itigt zu sein“, sagte Doris Seyss, Direktorin mog“-Blues sowie die Lieder „Regentrop- Tourismusprojekt geplantder Volksschule Obereching, anlässlich der fen“ und „Glücklich sein“. Im Rahmen des Projektes „Barrierefreies St.Sensibilisierungstage in ihrer Schule. Georgen“ ist nun in Zusammenarbeit mit der Forschungsgesellschaft Salzburg Re-Seminar zur Barrierefreiheit search das Erarbeiten barrierefreier Natur-,Im Jänner 2011 fand zum Thema „Barriere- Kultur- und Gesundheitsangebote in derfreiheit“ eine kostenlose Schulung statt. Ex- Gemeinde geplant. Darin sollen das Moor-perten von ÖZIV-Access in Wien arbeiteten bad St. Felix, das Weidmoos in der Nachbar- Foto: Manfred W.K. Fischerdabei die Bedeutung und den Nutzen von gemeinde Lamprechtshausen, die Museen,Barrierefreiheit für ALLE heraus. Die Schu- Kirchen sowie die Klein- und Flurdenkmälerlung war u.a. ein Angebot an die Wirtschafts- der Gemeinde integriert sein. Angedachttreibenden des Ortes. Denn: Ende 2015 lau- ist dabei u.a. die Erstellung von Handbike-fen die Übergangsfristen nach dem 2006 Routen für behinderte RadfahrerInnen. Die Band Stand Up bei einer Probe in Steindorfin Kraft getretenen Bundes-Behinderten- bei Straßwalchen.gleichstellungsgesetz aus. Bis dahin müssen Das Projekt „Barrierfreies St. Georgen“ wirdöffentlich zugängliche Gebäude (Ämter, von der Gemeinde selbst, dem Referat fürGeschäfte, Gaststätten, ...) für behinderte Die Band „Stand Up“ besteht aus sieben Familien und Generationen des LandesMenschen barrierefrei zugänglich sein. Musikern. Gerhard Bann, Marko Brumbauer, Salzburg sowie von der Gemeindeentwick- Daniela Feldbacher, Martin Graml, Rudi Hartl lung Salzburg unterstützt.Das Seminar bot dazu fundierte Informati- und Maria Schinagl spielen seit 2008 unteronen an. Im Praxisteil bewegten sich die Teil- der Leitung von Hannes Kofler zusammen. Mag. Manfred Fischer ist Mitglied des Österrei-nehmerInnen im Rollstuhl oder mit Brillen, Die erstgenannten sechs Bandmitglieder chischen Zivilinvalidenverbandes Flachgau. dreieck 01/2011
  18. 18. 18 | Geme i n d e e nt w i c k l u ng Barrierefreie Wirtschaft in Theorie und PraxisFoto: iStock PhotoForschungspraktikum „Altern in guter Gesellschaft“ VON ROSEMARIE FUCHSHOFERD ie alternde Gesellschaft ist soziale Rosemarie Fuchshofer, die seit Anfang an Marketingkonzepte und Verkaufsstrategien Realität. Die Gemeindeentwicklung das Projekt Generationendorf sozialwissen- sprechen von den „Best Agers“, dem „Silver- trägt dieser Veränderung durch die schaftlich begleitet, und Statistikerin Mag. Market“ oder den „Silver Surfers“. Wie aberProjekte „Generationendorf“ und das daraus Ulli Stering versuchten mit 30 Studieren- sieht das reale, alltägliche Einkaufserlebniserwachsene „Altern in guter Gesellschaft“ den eine Klammer zwischen Theorie und von älteren Personen aus? Die Studieren-Rechnung. In Modellgemeinden wird seit Praxis herzustellen. Schwerpunkt des Pro- den versuchten diese Frage mittels Inter-mehreren Jahren erfolgreich daran gearbei- jektes war der Teilaspekt „Barrierefreie Wirt- views von Kunden, Verkaufspersonal undtet, mit möglichst breiter Einbindung der schaft“. Fragen, die es zu erforschen galt, Wirtschaftsexperten zu beantworten. EineBevölkerung auf kommunaler Ebene Lö- waren: Wie steht es mit der Versorgung von Exkursion in die Gemeindeentwicklungs-sungsversuche für diese wachsende soziale älteren Menschen mit Gütern des täglichen Modellgemeinden Mattsee und ElixhausenAufgabe zu entwickeln. Bedarfes? Welches akzeptable Angebot an bot Einsicht in die Lebensrealität älterer Textilien und Mode gibt es für Menschen Menschen. Ein Theorieteil und Zahlen zurIm vergangenen Semester war „Altern in über 65 Jahren und wo? Wie wird älteren demographischen Entwicklung dientenguter Gesellschaft“ Titel und Thema eines Konsumenten das sich ständig ändernde zudem als Grundlage für das AusarbeitenForschungspraktikums am Fachbereich Angebot an Unterhaltungselektronik und der Fragebögen und Interviewleitfäden. Er-Politikwissenschaft und Soziologie der neuer Technologie vermittelt? hoben wurden Erfahrungen und Einschät-Universität Salzburg. Lehrgangsleiterin Dr. zungen der Kundengruppe 65Plus, spezielle01/2011 dreieck
  19. 19. G emei n deentw ick lu ng | 19Wünsche und Bedürfnisse der Altersgrup- Defizite (schlechteres Sehen, Ungelenkig- von Hindernissen und Hürden, baulichen,pe, aber auch Hindernisse und Hürden, die keit etc.) hinweisen. Ältere Personen sind physischen und mentalen, verabsäumt,einem erfolgreichen, befriedigenden Ein- überwiegend markentreu und kaufen mit entstehen nicht nur Versorgungsproblemekaufserlebnis im Wege stehen. Vorliebe heimische Produkte. Mehr Zeit an bei den älteren Personen, man verdrängt der Kassa und Hilfe beim Einpacken und und vergrämt damit auch eine wachsendeAus den Ergebnissen lässt sich schließen, Transport werden als nötig erachtet. In ab- und eigentlich treue Kundenschicht ausdass ältere Personen Service und Bera- sehbarer Zeit wird ein weit größerer Teil der den Geschäften.tung sehr schätzen, gerne einkaufen, wenn Bevölkerung des Bundeslandes Salzburgund wo das Personal sich etwas mehr Zeit dieser Altersgruppe angehören als jetzt. Detailergebnisse der Befragungen könnennimmt (nehmen kann). Sitzmöglichkeiten Konsum wird mit zunehmendem Alter von auf der Homepage der Gemeindeentwick-und Kundentoiletten wären sehr gefragt, „Versorgungsnotwendigkeit“ abgelöst. Pas- lung Salzburg nachgelesen werden: www.ebenso Hilfen in den Geschäften, die das sen die Rahmenbedingungen nicht, kauft gemeindeentwicklung.atFinden und Erreichen von Waren erleich- man nur mehr das Nötigste. Die heimischetern. Spezielle Angebote dürfen nicht zu Wirtschaft ist gut beraten, sich auf die He- Die Soziologin Dr. Rosemarie Fuchshofer isteiner Stigmatisierung („Generation Kuki- rausforderung, die diese Entwicklung mit wissenschaftliche Begleiterin der sozialendent“) führen und nicht auf persönliche sich bringt, vorzubereiten. Wird der Abbau Gemeindeentwicklungsprojekte. Im Generationendorf Hallein-Rif wird g’lacht und g’spüd VON MARTIN STALLMAIER D er Verein Treffpunkt-Rif lud Anfang Februar zum ersten Hoagascht im Ge- nerationendorf. Das bunt gemischte Publikum wurde dabei vom Moderator Jo- hann Pötzelsberger mit Texten köstlich un- terhalten. Das offizielle Ende des Abends ging nahtlos in eine Tanzveranstaltung der Generationen über. Die Rifer Stubnmusi, die Geschwister Klappacher-Fuchsberger und die Anifer Tanzlmusi spielten und sangen bis kurz Gemeinsam statt einsam S nach Mitternacht. Damit nicht genug veran- eit drei Jahren bemühen sich im Halleiner Stadtteil Rif/Taxach die enga- stalteten Brigitte Schmidt und Dr. Joachim gierten Mitglieder von TREFFPUNKT-RIF, dem überparteilichen Verein für Dalfen am nächsten Tag das erste Rifer Gene- Stadtteilentwicklung, um ein vielseitiges Programm zur Förderung der rationen-Schachturnier, bei dem Jung- und nachbarschaftlichen Gemeinschaft. Im Rahmen des Projektes „Generationen- AltmeisterInnen aufeinander trafen. Der erste dorf“, das von der Gemeindeentwicklung Salzburg seit 8 Jahren in 10 Gemein- Platz ging dabei an Routinier Josef Kohlbau- den und einem Stadtteil mit großem Erfolg durchgeführt wird, sind in Rif viele er, dicht gefolgt vom 11-Jährigen Johannes nachhaltige Initiativen entstanden. Der Bogen reicht dabei vom Generationen- Krempl. Skirennen, über Kasperltheater, Konzerte, Vorträge bis hin zum „Visionen-Kaf- fee“, dem Kulturfrühstück und den Montagsstammtischen. Überall im Mittel- Martin Stallmaier ist Mitglied des Vereins punkt: Miteinander reden und sich (besser) kennenlernen. (MiHa) Treffpunkt-Rif. dreieck 01/2011
  20. 20. 20 | Geme i n d e e nt w i c k l u ng schaftshilfe, zeitlich befristete Projekte oder Selbsthilfegruppen. Ehrenamt, Freiwilligentätigkeit Nach einer Studie des Landes Vorarlberg engagiert sich darin ein Fünftel der Bevöl- und neuen Formen des kerung. Aber auch diese Form muss in den Gemeinden organisiert und koordiniert Bürgerengagements in werden. Das Salzburger Bildungswerk bie- tet hierfür eine Ausbildung zur Freiwilligen- Salzburger Gemeinden koordinatorIn an. Gibt es auch in Salzburg „Bürgergemeinden“?M oderne „Dienstleistungsgesell- mit 57 in Pension geht, hat noch über 30 In Deutschland gibt es immer mehr „Bür- schaften“ sind mit tiefgreifenden Jahre Leben vor sich, wenn man die künf- gerkommunen“, in denen so genannte Veränderungen konfrontiert. Als tigen Verbesserungen in der Lebenserwar- neue Formen des BürgerengagementsFolge permanenter großer Geburtenrück- tung berücksichtigt. gelebt werden. In einer Bürgerkommunegänge und geringer Zuwanderung altert werden die Potentiale der Bürgerschaftund schrumpft die Bevölkerung. Das be- Warum Freiwilligentätigkeit immer zur Lösung gesellschaftlicher Problemedeutet weniger SteuerzahlerInnen, mehr wichtiger wird nutzbar gemacht. BürgerInnen sollen anAusgaben für Altersversorgung, Gesund- Freiwilliges Engagement und soziales Kapi- Entscheidungen und Aufgabenerfüllungenheit und Pflege. tal tragen wesentlich zur Aufrechterhaltung beteiligt und die soziale Logik produktiv der Lebensqualität bei. Dadurch können gemacht werden. Dabei sollen engagierteNeben dem demografischen Wandel befin- Lebensstandard, Lebensqualität und Be- BürgerInnen und Unternehmen in Zeitenden sich die traditionellen Familienstruk- schäftigungsniveau angehoben werden, leerer Gemeindekassen nicht nur kosten-turen in Auflösung, Familiennetzwerke der soziale Zusammenhalt verbessert und günstig öffentliche Leistungen und Infra-fehlen. Eine verstärkte Individualisierung soziale Ausgrenzung bekämpft werden. strukturausstattung aufrechterhalten oderund Segmentierung, auch Vereinsamung Die Qualität sozialer Beziehungen fördert neue Projekte auf die Beine stellen, sondernund Vereinzelungstendenzen werden in die positive und nachhaltige Entwicklung sie können auch mitreden und mitent-der Gesellschaft festgestellt. Die Verände- von Gemeinschaften und ist eng mit dem scheiden. BürgerInnen kümmern sich umrungen des Arbeitsmarktes und der Be- persönlichen Glück und der individuellen Schwimmbäder und den öffentlichen Ver-schäftigungsverhältnisse, Integration von Gesundheit verknüpft. Folglich wird es im- kehr, pflegen öffentliche Grünflächen undZuwanderern, knappe Gemeindebudgets mer wichtiger, die Eigeninitiative und Frei- bilden Genossenschaften zur Nah-, Wärme-und begrenzte staatliche Ressourcen stel- willigenarbeit im Land zu organisieren und oder Altersversorgung. Sie investieren ihrelen die Solidargesellschaft vor weitere He- zu stärken. Innerhalb der Freiwilligenarbeit Arbeitskraft, Zeit, aber auch Vermögen.rausforderungen. Andererseits gibt es nun gewinnt vor allem der informelle Sektor,eine größere Anzahl von Personen, die sich also Menschen, die sich außerhalb der Ziel sind die Stärkung der Zivilgesellschaftpotenziell freiwillig engagieren können. Die klassischen organisierten Formen engagie- und Problemlösungsfähigkeit sowie der Auf-durchschnittliche Österreicherin, die heute ren, an Bedeutung. Dazu zählen Nachbar- bau einer „Bürgerkommune“, welche durch die aktive Teilnahme ihrer Mitglieder am öf-Foto: iStock Photo fentlichen Leben gestaltet und weiterentwi- ckelt wird. Für das BürgerInnenengagement in Gemeinden und Stadtteilen werden auch die Begriffe „kleine Demokratie“ oder „koo- perative Demokratie“ verwendet. Gerade auf kommunaler Ebene ist von großer Be- deutung, dass die Menschen ihre Gemein- de nicht als abstrakte Verwaltungseinheit sehen, sondern sich selbst als Teil dieser Ge- meinschaft begreifen. Gemeinden sollen da- bei Aktivierungs- und Unterstützungsfunkti- onen wahrnehmen. Die zentrale kommunale Unterstützungsfunktion ist der Aufbau einer Freiwilligeninfrastruktur. (AG)01/2011 dreieck

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