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Demokratisierung der Kantonsschule Glarus

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Staatliche Schulen sind stark an übergeordnete Gesetze und Verordnungen gebunden, wel-che sie in ihrer Autonomie einschränken. Dabei erfahren Gymnasien durch die Anforderun-gen des MAR eine weitere …

Staatliche Schulen sind stark an übergeordnete Gesetze und Verordnungen gebunden, wel-che sie in ihrer Autonomie einschränken. Dabei erfahren Gymnasien durch die Anforderun-gen des MAR eine weitere beträchtliche Einschränkung. Hinsichtlich dieser Ausgangslage scheint eine Demokratisierung auf den ersten Blick nahezu unmöglich.
Am Beispiel der Kantonsschule Glarus wurde daher anhand einer Gegenüberstellung der Kriterien demokratischer Bildung und der geltenden Bestimmungen an der Kantonsschule Glarus untersucht, inwieweit sie sich demokratisieren lässt. Die anschliessende Interpretation der Gegenüberstellung ermöglichte auch, auf ermittelte Freiräume einzugehen und Vor-schläge zur Nutzung dieser im Sinne demokratischer Bildung zu unterbreiten. So konnte die anfänglich aufgestellte Hypothese, dass sich die Kantonsschule nicht demokratisieren lässt, nur teilweise bestätigt werden, da es durchaus Bereiche gibt, die sich demokratisieren lies-sen. Dabei stellte sich heraus, dass demokratische Schulstrukturen weitere Bereiche hin-sichtlich der Demokratisierung begünstigen oder diese sogar erst ermöglicht.

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  • 1. Demokratisierung der Kantonsschule Glarus Maturaarbeit Nadja Peeters Kantonsschule Glarus Abgabetermin: 06.12.2010Betreuer: Christoph Zürrer Referent: Karl Stadler
  • 2. Nadja Peeters Demokratisierung der Kantonsschule GlarusInhaltsverzeichnis1. Einleitung ................................................................................................... 42. Grundlagen ................................................................................................ 6 2.1 Demokratische Bildung ............................................................................................... 6 2.2 Grundsätze demokratischer Bildung ........................................................................... 7 2.2.1 Demokratische Mitbestimmung in Angelegenheiten der Gemeinschaft ..................... 7 2.2.2 Selbstbestimmung in individuellen Angelegenheiten .................................................. 9 2.3 Das Bildungssystem der Schweiz ..............................................................................10 2.3.1 Gymnasiale Maturitätsschulen .................................................................................. 10 2.3.2 Die Kantonsschule Glarus ......................................................................................... 103. Demokratisierung – Die Kriterien ..............................................................13 3.1 Demokratisierung von Staatsschulen .........................................................................13 3.2 Wann ist eine Schule eine demokratische Schule? ....................................................14 3.2.1 Kriterien ..................................................................................................................... 14 3.2.1.1 Die Schulebene .................................................................................................... 15 3.2.1.2 Die individuelle Ebene ......................................................................................... 16 3.2.1.3 Die zwischenmenschliche Ebene ........................................................................ 174. Gegenüberstellung ....................................................................................18 4.1 Gegenüberstellung der Schulebene ...........................................................................19 4.2 Gegenüberstellung der individuellen Ebene ...............................................................21 4.3 Gegenüberstellung der zwischenmenschlichen Ebene ..............................................245. Interpretation der Gegenüberstellung .......................................................26 5.1 Die Schulebene .........................................................................................................26 5.1.1 Organe ....................................................................................................................... 26 5.1.1.1 Die Schulversammlung ........................................................................................ 27 5.1.1.2 Die Delegiertenversammlung .............................................................................. 27 5.1.1.3 Klassenkonvente .................................................................................................. 27 5.1.1.4 Externe Gremien .................................................................................................. 28 5.1.1.5 Organigramm einer demokratischen Kantonsschule Glarus ............................... 28 5.1.2 Entscheidungen und Prozesse.................................................................................. 29 5.1.2.1 Die Schulversammlung ........................................................................................ 30 5.1.2.2 Der Kantonsschulrat ............................................................................................ 30 5.1.2.3 Der Elternrat ......................................................................................................... 30 5.1.3 Evaluation .................................................................................................................. 31 5.1.3.1 Der Evaluationskreislauf ...................................................................................... 32 5.1.3.2 Die direkte Ebene der Evaluation ........................................................................ 33
  • 3. Nadja Peeters Demokratisierung der Kantonsschule Glarus 5.2 Die individuelle Ebene ...............................................................................................34 5.2.1 Selbstbestimmtes Lernen .......................................................................................... 34 5.2.1.1 Lerninhalte ........................................................................................................... 34 5.2.1.2 Unterrichtszeit ...................................................................................................... 35 5.2.1.3 Lernformen ........................................................................................................... 36 5.2.1.4 Lernumgebung ..................................................................................................... 36 5.2.1.5 Vermittlung ........................................................................................................... 37 5.2.2 Evaluation .................................................................................................................. 37 5.2.2.1 Umgang mit Beurteilungen und Beurteilungsform ............................................... 37 5.2.2.2 Prüfungen ............................................................................................................ 40 5.2.2.3 Selbsteinschätzung .............................................................................................. 40 5.2.3 Förderung der Individualität....................................................................................... 42 5.2.3.1 Förderung der Talente ......................................................................................... 42 5.2.3.2 Einbringung der Talente....................................................................................... 43 5.2.4 Eigenverantwortung................................................................................................... 44 5.2.4.1 Lernen .................................................................................................................. 44 5.2.4.2 Handeln ................................................................................................................ 44 5.3 Die zwischenmenschliche Ebene ...............................................................................45 5.3.1 Grundlegender Respekt ............................................................................................ 45 5.3.2 Konfliktbewältigung.................................................................................................... 45 5.3.3 Gemeinschaft ............................................................................................................ 46 5.3.3.1 Verantwortung ...................................................................................................... 46 5.3.3.2 Gemeinsame Aktivitäten ...................................................................................... 47 5.4 Abschliessende Betrachtung ......................................................................................486. Bezug zur Kantonsschule Glarus...............................................................497. Fazit ..........................................................................................................50Abkürzungsverzeichnis .................................................................................52Quellenverzeichnis .......................................................................................53 Literaturverzeichnis ..........................................................................................................53 Internetquellen .................................................................................................................... 55 Gesetzesverzeichnis ........................................................................................................56 Abbildungs- und Tabellenverzeichnis ...............................................................................57 Abbildungen ........................................................................................................................ 57 Tabellen .............................................................................................................................. 57Anhang ........................................................................................................... I V. Interviewbogen: Interview mit Daniel Hunziker ........................................................... II VI. Interview mit Daniel Hunziker - Ergebnisse ................................................................III VII. Ergebnisse der Aktion zum International Student’s Day ............................................. V
  • 4. Kein Mensch ist klug genug, dass er anderen vorschreiben kann, wie sie zu leben haben. Alexander S. NeillIm Leben lernt der Menschzuerst das Gehen und Sprechen.Später lernt er dann, still zu sitzenund den Mund zu halten.Marcel Pageol
  • 5. Demokratisierung der Kantonsschule Glarus 1. Einleitung1. EinleitungJahr für Jahr werden weltweit rund 140 Millionen Jungen und Mädchen eingeschult. Für vieleder Zeitpunkt, ab dem die Freude am Lernen immer mehr verloren geht. Dabei wird das gan-ze Leben gelernt, und zwar das Meiste vor, neben und nach der Schule, ohne Bewertung,freiwillig und aus eigenem Antrieb, dann, wenn man reif dazu ist. Der Mensch ist von Naturaus ein lernbegieriges Wesen, welches von Neugier und Interesse angetrieben wird undständig auf der Suche nach Stimulation ist. Nur die Schule ist unfähig, den Schülerinnen undSchülern zuzutrauen, dass sie fähig sind, selbständig und selbstbestimmt zu lernen. DieKonsequenzen dieses aufgezwungenen und kontrollierten Lernens werden täglich diskutiert.In den Medien werden Schülerinnen und Schüler oft als unmotiviert, faul und inkompetentdargestellt. Dass diese starke Bevormundung durch das „Besserwissen“ von nötigen Lernin-halten und Lernmethoden einen Einfluss auf das passive Verhalten der Kinder und Jugendli-chen hat, scheint unvorstellbar. Damit sich Kinder und Jugendliche ernstgenommen undselbständig fühlen, ist es essentiell, ihnen den nötigen Respekt entgegenzubringen, denn nurso können sie ein gesundes Selbstvertrauen entwickeln und zu eigenständigen Mitgliedernder Gesellschaft heranreifen.An wenigen Schweizer Schulen wird Kindern und Jugendlichen die Freiheit gegeben, ihreBildung selbst zu bestimmen, sei es bei der Art, zu lernen, oder bei der Mitgestaltung derSchule. Solche sogenannten „Demokratische Schulen“ gibt es in der Schweiz nur wenigeund ausschliesslich auf der Primarstufe, welche alle als Privatschulen organisiert sind. Esmuss jedoch allen Kindern und Jugendlichen ermöglicht werden, Mitbestimmung und indivi-dualisiertes Lernen zu erfahren.Im Rahmen meiner Maturaarbeit möchte ich mich deshalb mit der Möglichkeit befassen, dieKantonsschule Glarus zu demokratisieren. Die Lehrpläne und die damit verknüpfte Bewer-tungs- und Selektionspflicht schränken staatliche Schulen natürlich enorm in ihrer Führungein. Ich habe mir deshalb folgende Fragestellung gesetzt, welche ich mit einer Unterfrage zubeantworten versuche: Lässt sich die Kantonsschule Glarus demokratisieren? Welche Bedingungen müssten erfüllt sein, damit eine Schule als demokratisch gilt? 4
  • 6. Demokratisierung der Kantonsschule Glarus 1. EinleitungDurch meine bisherigen Erfahrungen im bildungspolitischen Bereich und intensiver Ausei-nandersetzung mit dem Thema demokratischer Bildung habe ich folgende Hypothese aufge-stellt: Die Kantonsschule Glarus lässt sich nicht im Sinne demokratischer Bildung demokra- tisieren, ohne eine grundlegende Revision des schweizerischen Bildungssystems.Um mit einer soliden Grundlage arbeiten zu können, werde ich zu Beginn auf die demokrati-sche Bildung und ihre Grundsätze eingehen sowie auf unser Bildungssystem und die Gym-nasien, vor allem aber auf die Kantonsschule Glarus.Anschliessend erhoffe ich mir, durch eine Gegenüberstellung der Kriterien demokratischerSchulen und der entsprechenden geltenden Bestimmungen an der Kantonsschule Glarusmeine Fragestellung beantworten zu können. Gleichzeitig erhoffe ich mir aber auch, Frei-räume zu entdecken, welche mir zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht bekannt sind. SofernFreiräume vorhanden sind, welche sich im Kompetenzbereich der Schule oder allenfalls desKantons befinden, möchte ich auf diese eingehen und Vorschläge zu ihrer Nutzung im Sinnedemokratischer Bildung machen.Im Laufe dieser Arbeit werde ich versuchen, möglichst den Vorgaben einer wissenschaftli-chen Arbeit gerecht zu werden, jedoch stellt sich dies bei einer nicht empirisch überprüfbarenArbeit als sehr schwierig heraus. Falls ich also nicht immer den strengen Vorgaben von„Wissenschaftlichkeit“ gerecht werden sollte, bitte ich, diesen Aspekt zu berücksichtigen. 5
  • 7. Demokratisierung der Kantonsschule Glarus 2. Grundlagen2. Grundlagen2.1 Demokratische Bildung „Demokratische Bildung ist Bildung, bei der Lehrer und Lerner als Gleichberechtigte zusammenarbeiten.“ David GribbleDefinitionDemokratische Schulen gibt es in vielen Ländern der Welt, genauer gesagt über 200 Schu-len in 29 Ländern1. Dennoch lässt sich der Begriff „Demokratische Bildung“ nicht mühelosdefinieren. Es gibt jedoch einige Elemente, die vorhanden sein müssen, damit eine Schuleals demokratisch gelten kann. Diese wurden an der IDEC (International Democratic Educati-on Conference), die vom 31. Juli bis zum 6. August 2005 in Berlin stattfand, wie folgt in einerErklärung formuliert:„Wir glauben, daß – wo immer es um Bildung geht – junge Menschen das Recht haben,  individuell zu entscheiden, was, wie, wo, wann und mit wem sie lernen,  gleichberechtigt an Entscheidungen darüber beteiligt zu sein, wie ihre Organisationen – insbesondere ihre Schulen – geführt werden, ob Regeln und Sanktionen nötig sind und gegebenenfalls welche.“2Für die vorliegende Arbeit ist die oben genannte Formulierung massgebend, obwohl diesenicht als allgemeingültig angesehen werden kann. Hinzuzufügen ist des weiteren, dass alledemokratischen Schulen von einem grundlegenden Respekt gegenüber Kindern und Ju-gendlichen ausgehen, die Gestaltung des Schulalltags jedoch bedeutend variieren kann. Alsdie „älteste“ demokratische Schule kann wohl die Internatsschule Summerhill betrachtetwerden, welche 1921 von Alexander Sutherland Neill gegründet wurde.3 Ein anderes weit-verbreitetes und bekanntes Konzept ist das der Sudbury Valley School, die 1968 in Massa-chusetts in den USA gegründet wurde4 und die Grundsätze demokratischer Bildung beson-ders konsequent verwirklicht.1 Internet: Alternative Education Resource Organization, Democratic Education.2 Internet: IDEC 2005 Berlin, Dokumentation, Resolution der IDEC 2005.3 Vgl. Hombair (Hrsg.), Pädagogik 2008, S. 232.4 Vgl. Greenberg 2006, S. 59. 6
  • 8. Demokratisierung der Kantonsschule Glarus 2. Grundlagen2.2 Grundsätze demokratischer BildungDer schon erwähnte grundlegende Respekt, den man an demokratischen Schulen Kindernund Jugendlichen entgegenbringt, hat zur Folge, dass Kinder und Jugendliche den Anspruchauf Mitbestimmungsrechte in der Gestaltung ihrer Bildung haben. Die von der Schweiz nichtvollständig ratifizierte Kinderrechtskonvention von 1989 fordert ein Mitspracherecht der Kin-der und Berücksichtigung ihrer Meinungen in kinderrelevanten Angelegenheiten.5 Dass Bil-dung eine kinder- und jugendrelevante Angelegenheit ist, ist unbestritten. Ausgehend vonder bereits oben aufgeführten Resolution der IDEC und dem auf der Kinderrechtskonventionberuhenden Anspruch auf Mitbestimmung, lassen sich zwei Bereiche des Schulalltags aus-machen, in welchen der Schülerschaft das Recht auf Mitbestimmung gewährt werden sollte.Einerseits in Angelegenheiten der Gemeinschaft, in der jede Beteiligte und jeder Beteiligte6eine Stimme hat und somit alle gleichberechtigt sind. Andererseits in individuellen Angele-genheiten, sprich in der selbstbestimmten Gestaltung des Lernens.2.2.1 Demokratische Mitbestimmung in Angelegenheiten der GemeinschaftEine demokratische Schule zeichnet sich dadurch aus, dass in ihr Demokratie gelebt wird.Die Struktur der Schulorganisation ermöglicht somit ein hohes Mass an Mitbestimmung undEigenverantwortung. Unser Schulsystem ist eines der undemokratischsten Systeme über-haupt. Vor allem in der Schweiz, gerade in unserer Musterdemokratie, sind die Partizipati-onsmöglichkeiten der Schülerinnen und Schüler bescheiden. Dies zeigt auch die aktuelleICCS-Studie7, laut der gerade einmal 28% aller Schülerinnen und Schüler jemals an einerEntscheidung beteiligt waren, die die Führung der Schule betrifft. Im internationalen Länder-vergleich (mit 37 anderen Ländern) befindet sich die Schweiz somit signifikant unter demICCS-Durchschnitt, was einem Rangplatz im untersten Drittel entspricht.8 Es ist daher nichtweiter erstaunlich, dass die Selbstwirksamkeit9 der Schülerinnen und Schüler im internatio-nalen Vergleich eher tief ausfällt. Dies zeigt deutlich, und wird auch so in eben dieser Studiefestgehalten, dass Schülerinnen und Schüler „[…] über die notwendigen Fähigkeiten zur Par-tizipation […]“10 verfügen sollten, um an politischen Entscheidungen mitwirken zu können. ImZentrum politischer Bildung sollte deshalb „[…] die Aneignung von Fähigkeiten und Kompe-tenzen zur politischen Partizipation […]“11 stehen. Ausserdem müssen Schülerinnen undSchüler „[…] zur Überzeugung gelangen können, über Kompetenzen, Verhaltensweisen und5 Art. 12 Abs. 1 KRK.6 Damit sind alle Schülerinnen und Schüler, Lehrerinnen und Lehrer und Mitarbeiterinnen und Mitar-beiter gemeint.7 International Civic and Citizenship Education Study 2009.8 Vgl. Biedermann 2010, S. 74.9 „Selbstwirksamkeit bedeutet die eigene Überzeugung, bestimmte Situationen bewältigen, etwasbewirken und sein Leben selbst kontrollieren zu können.“ (Hobmair (Hrsg.), Pädagogik 2008, S. 172).10 Biedermann 2010, S. 69.11 Ebd. 7
  • 9. Demokratisierung der Kantonsschule Glarus 2. GrundlagenHandlungsmöglichkeiten zu verfügen, die sie befähigen, sich wirksam am politischen Gestal-tungsprozess einer Gesellschaft zu beteiligen.“12 Und genau hier schliessen demokratischeSchulen an. Durch ihre demokratische Schulstruktur werden Kinder und Jugendliche schonfrüh auf das gesellschaftspolitische Leben vorbereitet. Schülerinnen und Schüler demokrati-scher Schulen erlernen ebendiese Kompetenzen durch die Möglichkeit der Partizipation insämtlichen schulrelevanten Belangen.Mit Hilfe eines Organigramms soll versucht werden, die Schulorganisation, wie sie an einerdemokratischen Schule vorhanden sein sollte, darzustellen. Im Rahmen dieser Arbeit wirddie demokratische Rechtsordnung, basierend auf der Struktur von Sudbury-Schulen, zu Rategezogen.13 Schulverfassung überwacht Einhaltung und regelt Konsequenzen bei Verstossen beschliesst Gesetze Präsidentin/Präsident erlässt wählt Justizkomitee leitet wählt Schulversammlung Wahlrecht Wahl recht Wahlrecht setzt ein setzt ein Mitarbeiterinnen und Schülerinnen und Schüler Lehrpersonen Mitarbeiter Mitsprache in Mitsprache in Mitsprache in Arbeitsgemenschaften KomiteesAbb. 1: Organigramm einer demokratischen SchulstrukturZentrales Element ist die Schulversammlung, bei der jeder und jede Beteiligte eine Stimmehat. Diese findet in der Regel einmal in der Woche statt und hat die Aufgabe, Gesetze undRegeln für das Zusammenleben zu erlassen, ein Justizkomitee zu wählen, welches die Aus-führung dieser Regeln überwacht und bei Verstössen entsprechende Konsequenzen anord-net. An einigen Schulen geht die gleichberechtigte Mitsprache so weit, dass die Schulver-sammlung auch über die Anstellung von Lehrpersonen entscheidet. Die Versammlungenwerden von einem gewählten Vorsitz geleitet.12 Biedermann 2010, S. 69.13 Vgl. Sappir 2008, S. 301ff. 8
  • 10. Demokratisierung der Kantonsschule Glarus 2. GrundlagenKomitees und ArbeitsgemeinschaftenDie Schulversammlung kann längerfristige oder regelmässige Aufgaben an Komitees dele-gieren, denen alle Mitglieder der Schulversammlung beitreten können. Neben Komitees gibtes Arbeitsgemeinschaften, die im Gegensatz zu den Komitees, ein weniger offizielles Gremi-um bilden. Ihre Aufgabe besteht darin, kurzfristige und einmalige Aufgaben zu behandeln.Mit einem von der Schulversammlung genehmigten Budget können spezielle Projekte ver-wirklicht werden. Arbeitsgemeinschaften und Komitees unterscheiden sich hauptsächlich inihrer Notwendigkeit. Während Komitees für die Existenz und Funktionalität der Schule not-wendig sind, werden Arbeitsgemeinschaften konkreten und speziellen Vorschlägen und Inte-ressen gerecht. Selbstverständlich sind die Strukturen innerhalb dieser Gremien auch voll-ständig demokratisch.142.2.2 Selbstbestimmung in individuellen AngelegenheitenMotivation gilt als Grundvoraussetzung für jegliches Lernen. Dabei wird zwischen extrinsi-scher und intrinsischer Motivation unterschieden. Während die extrinsische Motivation sichdadurch auszeichnet, dass sie von aussen aufgezwungen wird (wie z. B. Schulnoten), ist dieintrinsische Motivation von einer inneren Neugier, etwas zu lernen, gekennzeichnet. Zweitereist für erfolgreiches Lernen weit wirksamer als erstere.15An demokratischen Schulen wird freiwillig gelernt, ohne Druck, Zwang und Bewertungen.Unter solchen Voraussetzungen kann sich die intrinsische Lernmotivation vollumfänglichentfalten, was zur Folge hat, dass Kinder und Jugendliche aus eigenem Interesse und An-trieb zu lernen beginnen.Um eine solche Lernkultur zu ermöglichen, müssen aber gewisse Bedingungen erfüllt sein,welche durch eine Darstellung basierend auf der schon erwähnten Erklärung der IDEC 2005aufgezeigt werden sollen.Abb. 2: Selbstbestimmtes Lernen an einer demokratischen Schule14 Vgl. Sappir 2008, S. 310 ff.15 Vgl. Hobmair (Hrsg.), Psychologie 2003, S. 141. 9
  • 11. Demokratisierung der Kantonsschule Glarus 2. Grundlagen2.3 Das Bildungssystem der SchweizDas Bildungswesen in der Schweiz ist eine Aufgabe des Staates, welche aufgrund der föde-ralistischen Strukturen den Kantonen obliegt16. Vorschulen und die obligatorische Schuleprofitieren insofern vom Föderalismus, als dass durch den individuellen Umgang mit Proble-men auch die Integrationsfunktion, welche die obligatorische Schulzeit innehaben sollte,besser umgesetzt werden kann. Im Bereich der nachobligatorischen Bildung gelten Kantoneund Bund hingegen als Partner, wobei die Kantone auch hier eine relativ breite Umsetzungs-freiheit geniessen. In beiden Bereichen, dem der obligatorischen wie auch dem der nachob-ligatorischen Schule, sind jedoch Entwicklungen zur Nationalisierung der Bildungspolitik zubeobachten.172.3.1 Gymnasiale MaturitätsschulenDie Führung von gymnasialen Maturitätsschulen liegt in der Verantwortung der Kantone,wobei seit 1995 das neue MAR (Maturitätsanerkennungsreglement) in Kraft ist, welches denBund als Partner einbindet und als Basis der gesamtschweizerischen Anerkennung der Aus-bildungsabschlüsse von gymnasialen Maturitätsschulen gilt. Gestützt auf das MAR müssenkantonal geführte gymnasiale Maturitätsschulen vom Bund und von der SchweizerischenKonferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren (EDK) anerkannt sein.182.3.2 Die Kantonsschule GlarusDie Kantonsschule Glarus ist die einzige Maturitätsschule im Kanton Glarus. Sie ist in zweiBereiche gegliedert, das Gymnasium und die Fachmittelschule. Im Rahmen dieser Arbeitwird mehrheitlich auf das Gymnasium eingegangen. Der Kanton Glarus bietet, wie siebenweitere Kantone der Deutschschweiz, ein Langzeit- wie auch ein Kurzzeitgymnasium an.19Der Eintritt ins Langzeitgymnasium erfolgt in der Regel im Anschluss an die Primarschule,womit die Dauer sechs Jahre beträgt. Ins Kurzzeitgymnasium kann man grundsätzlich nachder 2. oder 3. Sekundarschule eintreten, wobei hier vier Jahre absolviert werden. Dabei rich-tet sich der Unterricht des Gymnasiums nach den Bestimmungen des Maturitätsanerken-nungsreglements (MAR).2016 Art. 62 Abs. 1 BV.17 Namentlich das HarmoS-Konkordat von 2007, wie auch der Lehrplan 21 auf der Ebene der obligato-rischen Schulzeit und die Revision des MAR auf gymnasialer Ebene.18 Internet: Der Schweizerische Bildungsserver, Das schweizerische Bildungssystem.19 SKBF│CSRE (Hrsg.) 2010, S. 125.20 Art. 1 Abs. 2 Schulordnung der Kantonsschule. 10
  • 12. Demokratisierung der Kantonsschule Glarus 2. GrundlagenUm die Struktur der Kantonsschule Glarus und diejenige der Entscheidungsprozesse zu er-fassen, wird auch hier auf ein Organigramm zurückgegriffen. Regierungsrat präsidiert Bildungsdirektorin Aufsichtsbehörde sechs weitere vom Landrat Kantonsschulrat Mitglieder gewählt Rektor Prorektor Prorektor Schulleitung Antragsrecht Mediothek Hausdienst leitet Sekretariat Lehrpersonen Klassenkonvent Konvent Arbeitsgruppen Kommissionen Vier Mitglieder des Mitsprache in SO-Vorstandes SCHÜLERORGANISATION Vorstand der SO bestätigen Änderungen Generalversammlung nehmen jährlich Teil 2 Delegierte pro Klasse von Klassen gewählt Schülerinnen und SchülerAbb. 3: Organigramm der Kantonsschule Glarus 11
  • 13. Demokratisierung der Kantonsschule Glarus 2. GrundlagenDie Aufsichtsfunktion über die Kantonsschule hat der Kantonsschulrat inne.21 Dessen Rechteund Pflichten sind in der Schulordnung der Kantonsschule Art. 30 festgelegt. Erwähnenswertist hier aus Schülersicht sicherlich die Kompetenz des Kantonsschulrats, ein Reglement überdie Lernenden zu erlassen.22 Anführen muss man hier, dass die Schülerschaft praktisch kei-nen Einfluss auf diesen Prozess nehmen kann.23 Geleitet wird die Schule von der Schullei-tung, bestehend aus einem Rektor und zwei Prorektoren, wobei auch hier die Schülerschaftvollkommen ausgeschlossen ist.24 Lediglich auf der Ebene des Gesamtkonventes hat dieSchülerschaft die Möglichkeit, sich einzubringen und dies mit lediglich vier Stimmen. Einekleine Anzahl im Hinblick auf das Lehrpersonen – SchülerInnen Verhältnis, das sich auf 64:4beläuft25. Dieses Beispiel verdeutlicht, dass die Schülerschaft in schulrelevanten Angelegen-heiten in vielerlei Hinsicht untervertreten ist und auch nicht konsequent in Entscheidungspro-zesse einbezogen wird. Die einzig reale Möglichkeit der Schülerschaft, an Entscheidungs-prozessen mitzuwirken, ist das Antragsrecht an den Gesamtkonvent.26 Der Gesamtkonventbefasst sich mit allen Belangen der Schulentwicklung und -organisation. So hat er u.a. dieKompetenz inne, Kommissionen zu ernennen und deren Aufgaben zu bestimmen.27 Ein Mit-spracherecht der Schülerschaft ist in keinem Reglement zu finden, das Stimm- und Antrags-recht der Schülerschaft am Konvent kann dahingehend ausgelegt werden, dass die Schüler-vertretung somit auch Einsitz in alle Gremien hat, welche vom Konvent ernannt wurden.21 Art. 29 Abs. 1 Schulordnung der Kantonsschule.22 Art. 30 Abs. 1 h. Schulordnung der Kantonsschule.23 Da sie kein Einsitzrecht in den Kantonsschulrat hat und im Konvent untervertreten ist.24 Art. 2 Reglement über die Rechte und Pflichten der Schulleitung, der Konvente und der Lehrer-schaft an der Kantonsschule.25 Internet: Kantonsschule Glarus, Kontakte & Menschen, Lehrpersonen.26 Art. 14 Abs. 2 Schulordnung der Kantonsschule.27 Art. 11 Reglement über die Rechte und Pflichten der Schulleitung, der Konvente und der Lehrer-schaft an der Kantonsschule. 12
  • 14. Demokratisierung der Kantonsschule Glarus 3. Demokratisierung – Die Kriterien 3. Demokratisierung – Die Kriterien „ ‚Teilweise demokratisch‘ ist so sinnvoll wie ‚teilweise schwanger‘ oder ‚teilweise tot‘.“ Bruce L. Smith 3.1 Demokratisierung von Staatsschulen Die Frage, ob es sinnvoll ist, Staatsschulen zu demokratisieren, führt immer wieder zu Dis- kussionen. Und zwar nicht nur zwischen Befürworterinnen und Befürwortern einerseits sowie Gegnerinnen und Gegnern demokratischer Bildung andererseits, sondern auch unter den Befürworterinnen und Befürwortern selber. Hier spalten sich offenbar die Lager. Um einen Einblick in die Diskussion des Für und Wider zu erhalten, sollen hier verschiedene Befürwor- ter demokratischer Schulen zu Wort kommen: Michael Sappir Daniel Hunziker „Demokratie in Schulen „Hinter der Frage: «Ist eine De- entsteht nicht durch Evolution; mokratisierung von Staatsschu- sie entsteht nicht aus einer len sinnvoll?», verbirgt sich natürlichen Entwicklung des- nichts anderes als eine nicht sen, was ist. Behörden werden emanzipierte Haltung Erwachse- eine Demokratie erschaffen, ner Kindern gegenüber. Emanzi- die ihre Autorität nicht bedroht. pierte Erwachsene würde sagen: Es braucht eine Revolution, um die Bildung zu Ja, selbstverständlich gestalten Kinder und demokratisieren. Und diese Revolution wird Jugendliche massgeblich ihr Lernen und ihren 28 29 nicht von oben kommen.“ Schulalltag mit.“ Michael Sappir, 1988 geboren, wuchs in Jerusalem auf, Daniel Hunziker, 1967 geboren, gründete und leitet die wo er die Sudbury-Schule Jerusalem gründete und be- imPuls-Privatschule, die erste demokratische Schule der suchte. Er engagiert sich stark für das Sudbury-Schul- Schweiz und ist seit 2009 Präsident der EUDEC-Schweiz. Modell. Michael Stampfli Martin Wilke „Demokratische Bildung setzt „Die Schule kann über manche den gegenseitigen Respekt unter Dinge nicht selbst entscheiden den Beteiligten voraus. Es wäre und ist an die Gesetze und ein Hohn, diesen Respekt in An- sonstigen Vorgaben höherer betracht der heutigen Situation Ebenen gebunden; innerhalb an staatlichen Schulen tatsäch- des ihr zustehenden Kompe- lich fordern zu wollen. Möglich wäre allenfalls tenzbereichs kann sie jedoch vollständig de- ein winzig kleiner Schritt zu mehr Partizipation 31 30 mokratisch organisiert sein.“ und Selbständigkeit der Lernenden." Michael Stampfli, 1988 geboren, Generalsekretär der Martin Wilke, 1980 geboren, studierte Politikwissenschaft. Union der Schülerorganisationen CH/FL (USO), welche Seine Interessenschwerpunkte sind Wahlrecht, Wahl- und die Schülerschaft der Schweiz und des Fürstentums Abstimmungsverfahren, direkte Demokratie und demokra- Lichtensteins vertritt. tische Schulen.Tabelle 1: Befürworter demokratischer Schulen im Vergleich 28 Sappir 2009, S. 15. 29 Hunziker 2010. 30 Stampfli 2010. 31 Wilke 2008, S. 297. 13
  • 15. Demokratisierung der Kantonsschule Glarus 3. Demokratisierung – Die Kriterien3.2 Wann ist eine Schule eine demokratische Schule?Sobald über die Demokratisierung von Staatsschulen gesprochen wird, ergeben sich nichtnur geteilte Meinungen darüber, ob es sinnvoll und überhaupt möglich wäre, Staatsschulenzu demokratisieren, sondern auch, ab wann eine Schule eine demokratische Schule ist. Die-se Problematik beginnt schon bei der Definition des Begriffs „Demokratische Bildung“ (wieschon unter 2.1 erwähnt). Hans Brügelmann hielt im Zusammenhang mit der Problematik derForschung zur „demokratischen Schule“ Folgendes fest: „[…] ‚Demokratische Schule‘ ist kei-ne Methode, die sich als technisch umsetzbares Programm evaluieren liesse.“32 Diese Aus-sage zeigt eindeutig die Schwierigkeit auf, eine Schule einzuordnen. Obwohl es einige Krite-rien zu geben scheint, wonach die Umsetzung demokratischer Grundsätze an einer Schuleuntersucht werden könnte, besteht für Brügelmann die besondere Schwierigkeit für die For-schung darin, „[…] wie sie das Ethos – also den Geist dieser Konzeption – erfassen kann[…]“33. Im Rahmen dieser Arbeit hingegen wird es nötig sein, gewisse Kriterien festzulegen,um damit die Umsetzbarkeit demokratischer Grundsätze zu prüfen. Ob die KantonsschuleGlarus bei der Umsetzung all dieser Kriterien tatsächlich als demokratische Schule geltenkönnte, sei dahingestellt und soll hier auch nicht überprüft werden. Überprüft werden solllediglich, ob die Kantonsschule demokratisierbar ist.3.2.1 KriterienTrotz Schwierigkeiten bei der Abgrenzung von demokratischen Schulen gegenüber „nicht“-demokratischen Schulen gibt es einige unverzichtbare Elemente, die vorhanden sein müs-sen, damit eine Schule als demokratische gelten kann (siehe Kapitel 2.1). Es gilt nun vorerst,diese Grundsätze in Form von erfassbaren Kriterien festzulegen. In einem weiteren Schrittwird überprüft, ob diese mit der Schulstruktur der Kantonsschule Glarus kompatibel sind.Dabei lassen sich drei Ebenen definieren, die überprüft werden:  die Schulebene  die individuelle Ebene  die zwischenmenschliche Ebene32 Brügelmann 2008, S. 182.33 Ebd., S. 183. 14
  • 16. Demokratisierung der Kantonsschule Glarus 3. Demokratisierung – Die Kriterien3.2.1.1 Die SchulebeneDie Schulebene entspricht der in 2.2.1 vorgestellten „Mitbestimmung in Angelegenheiten derGemeinschaft“. Basierend auf der Resolution der IDEC 2005 „[…]muss es ein Gremium ge-ben, das reale Entscheidungskompetenzen über wesentliche Angelegenheiten hat – alsokeine Spielwiese oder Alibiveranstaltung ist – und das zugleich auf dem gleichen Stimmrechtfür Schüler und Lehrer bzw. sonstige Mitarbeiter beruht“34, damit eine Schule als demokra-tisch bezeichnet werden kann. Aufgrund dieser Voraussetzung können folgende Kriterienfestgelegt werden:OrganeSchulführung Die Schule ist basis-demokratisch organisiert und hat keine hierar- chische Struktur.Entscheidungs- Die Schule verfügt über ein Gremium, das über alle schulrelevantengremium Angelegenheiten Entscheidungskompetenz innehat und das zugleich auf dem gleichen Stimmrecht für Lernende und Lehrende beruht.Andere Organe Mitsprache aller Beteiligten in allen von der Schulversammlung ein- gesetzten Gremien.Entscheidungen/ProzesseStimmrecht Alle Beteiligten sind berechtigt abzustimmen und jede/r hat eine Stimme. Es gibt kein Vetorecht.Antragsrecht Alle Beteiligten haben ein Antragsrecht an die Schulversammlung.Kompetenzen Die Schulversammlung muss über nahezu alle Dinge entscheiden können, die in der Entscheidungskompetenz der Schule liegen.Gesetzgebung Die Schulversammlung erlässt ein Schulgesetz, welches Regeln und Gesetze für alle Beteiligten beinhaltet. Diese dürfen aber öf- fentlichen Gesetzgebungen nicht widersprechen.EvaluationLehrpersonen Lehrpersonen evaluieren sich regelmässig selber und gegenseitig. Schülerinnen und Schüler werden in den Evaluationsprozess gleichberechtigt eingebunden. Schülerinnen und Schüler haben jederzeit das Recht, Rückmeldun- gen zu geben.Schule Die Schule wird von allen Beteiligten regelmässig evaluiert.Tabelle 2: Kriterien auf der Schulebene34 Wilke 2008, S. 296. 15
  • 17. Demokratisierung der Kantonsschule Glarus 3. Demokratisierung – Die Kriterien3.2.1.2 Die individuelle EbeneDie individuelle Ebene entspricht in weiten Teilen der in 2.2.2 vorgestellten „Selbstbestim-mung in individuellen Angelegenheiten“. Jedoch ergeben sich aus den Forderungen der Re-solution der IDEC 2005 noch zwei weitere Kriterien, welche die individuelle Ebene mit-bestimmen. Einerseits sind das die „Förderung der Individualität“ und andererseits die „Ei-genverantwortung“. Selbstbestimmtes Lernen setzt selbstverständlich diese beiden Kriterienin einem gewissen Masse voraus, wodurch sie für den einen oder anderen Leser als über-flüssig erscheinen mögen. Für die Prüfung der Demokratisierbarkeit der Kantonsschule Gla-rus sind sie aber nötig, um auch ein schon vorhandenes Potential auf der individuellen Ebe-ne erkennen zu können.Selbstbestimmtes LernenLerninhalte Die Schülerinnen und Schüler sind frei in der Entscheidung, was sie lernen wollen. Es gibt keinen verbindlichen Lehrplan.Unterrichtszeit Es gibt keinen fixen Stundenplan. Lehrpersonen können Unter- richtskurse anbieten, die Teilnahme ist aber nicht obligatorisch.Lernformen Die Schülerinnen und Schüler entscheiden selber, wie sie lernen wollen.Lernumgebung Die Schülerinnen und Schüler entscheiden selber, in welcher Um- gebung sie lernen, sie können sich frei in der Schule bewegen, so- lange die Freiheit anderer nicht eingeschränkt wird oder gegen von der Gemeinschaft beschlossene Regeln verstossen wird.Vermittlung Schülerinnen und Schüler entscheiden selber, mit wem und von wem sie lernen. Sie dürfen aber andere Schülerinnen und Schüler nicht in ihrer Tätigkeit stören. Die Lehrpersonen stellen sich als Un- terstützung zur Verfügung.Evaluation der Schülerinnen und SchülerUmgang mit Beurtei- Schülerinnen und Schüler haben die Möglichkeit, eine Rückmel-lungen dung über ihre Fähigkeiten zu erhalten, von Lehrpersonen wie auch von anderen Schülerinnen und Schüler.Beurteilungsform Die Beurteilung der Schülerinnen und Schüler bezieht sich auf den individuellen Lernfortschritt und beschreibt ihre Kompetenzen.Prüfungen Wer will, kann sich freiwillig Tests und Prüfungen unterziehen.Selbsteinschätzung Schülerinnen und Schüler werden zur Selbsteinschätzung ermutigt.Förderung der IndividualitätFörderung der Die individuellen Talente und Begabungen der Schülerinnen undTalente Schüler werden berücksichtigt und gefördert.Einbringung der Die Schülerinnen und Schüler haben verschiedene Möglichkeiten,Talente ihre Talente auch im Schulalltag einzubringen. 16
  • 18. Demokratisierung der Kantonsschule Glarus 3. Demokratisierung – Die KriterienEigenverantwortungLernen Die Schülerinnen und Schüler sind selbst verantwortlich für ihren Lernprozess.Handeln Die Schülerinnen und Schüler tragen die Verantwortung für ihr Handeln und die daraus entstehenden Konsequenzen.Tabelle 3: Kriterien auf der individuellen Ebene3.2.1.3 Die zwischenmenschliche EbeneDie zwischenmenschliche Ebene möchte einerseits dem „grundlegenden Respekt“ gegen-über Kindern und Jugendlichen die nötige Relevanz zusprechen, andererseits dem von HansBrügelmann erwähnten „Ethos“ gerecht werden. Wie schon von Brügelmann erwähnt, istdies die schwerste zu erfassende Ebene35, da das Gedankengut einer Schule und ihrer Be-teiligten nicht ohne Weiteres zu erfassen ist. Aus diesem Grund werden Kriterien festgelegt,welche Auskunft über die zwischenmenschlichen Beziehungen und die Grundhaltung ge-genüber Mitmenschen geben können. Einerseits sind das der Umgang mit Konflikten undandererseits der Umgang mit der Gemeinschaft.Grundlegender RespektRespekt Jede einzelne Person hat das Recht auf eine gleichwertige Behand- lung und gegenseitigen Respekt, ungeachtet jeglicher persönlicher Unterschiede.36KonfliktbewältigungUmgang mit Konflikte werden auf eine gewaltfreie und konstruktive Art und Wei-Konflikten se in Zusammenarbeit aller am Konflikt Beteiligten gelöst.GemeinschaftVerantwortung Alle Beteiligte sind zu gleichen Teilen verantwortlich für die Umset- zung und Einhaltung der gemeinsam getroffenen Entscheide bzw. erlassenen Regeln. Es liegt in der Verantwortung jedes Einzelnen, dazu beizutragen, dass ein positives und anregendes Umfeld für das Lernen und die Entwicklung der Persönlichkeit geschaffen wird.37Gemeinsame Die Schule ermöglicht ein breites Spektrum an gemeinsamen Akti-Aktivitäten vitäten und Projekten. Alle Beteiligten haben die Möglichkeit bei der Organisation und Pla- nung mitzuwirken.Tabelle 4: Kriterien auf der zwischenmenschlichen Ebene35 Brügelmann 2008, S.183 ff.36 Art. 2 Europäische Charta für eine demokratische Schule ohne Gewalt.37 Ebd. Art. 1. 17
  • 19. Demokratisierung der Kantonsschule Glarus 4. Gegenüberstellung4. GegenüberstellungIm derzeitigen Schulsystem sind staatliche Schulen durch Lehrpläne und Schulgesetze inihrer Führung und Gestaltung stark eingeschränkt. Eine Demokratisierung scheint auf denersten Blick ziemlich unrealistisch und im Hinblick auf die momentane wirtschaftliche Lagevielleicht auch unangemessen. Schülerinnen und Schüler sind bereits nach Schuleintritt ei-ner ständigen Bewertung ausgesetzt. Diese Beurteilung, meist durch Zensuren, hat einenwesentlichen Einfluss auf das spätere Berufsleben. Denn Zensuren dienen vor allem Einem:der Selektion. Diese Beurteilungs- und Selektionspflicht der Schulen wird durch den Druckvon Gesellschaft und Wirtschaft immer mehr zum zentralen Element der Schule.38 Auf gym-nasialer Ebene kommen die Anforderungen des neuen MAR sowie die der Universitäten undHochschulen hinzu, was dazu führt, dass die Kompetenzen der Schulen zusehends mehreingeschränkt werden. Gleichzeitig aber werden von den Dozierenden an DeutschschweizerUniversitäten Kompetenzen wie „kritisches Denken“ und „selbständiges Arbeiten und Ler-nen“ als die grössten und häufigsten Lücken genannt.39 Ebendiesen Kompetenzen, die andemokratischen Schulen gefördert werden. Unter diesem Gesichtspunkt scheint eine Demo-kratisierung nicht mehr ganz so waghalsig und unangebracht, denn wie schon Wilke er-wähnt, kann eine Schule „[…] innerhalb des ihr zustehenden Kompetenzbereichs […] voll-ständig demokratisch organisiert sein.“40 Inwieweit lässt sich also die Kantonsschule Glarusdemokratisieren? Anhand einer Gegenüberstellung der im letzten Kapitel vorgestellten Krite-rien und der gesetzlichen Grundlage der Kantonsschule Glarus soll dies soweit wie möglichüberprüft werden. Gleichzeitig sollen dadurch auch mögliche Freiräume aufgedeckt werden,welche auf den ersten Blick nicht ersichtlich sind.38 Vgl. Dzelili 2008, S. 50.39 Vgl. SKBF│CSRE (Hrsg.), Bildungsbericht Schweiz 2010, S. 130.40 Wilke 2008, S. 297. 18
  • 20. Demokratisierung der Kantonsschule Glarus 4. Gegenüberstellung4.1 Gegenüberstellung der SchulebeneIn der folgenden Tabelle werden die Kriterien bezüglich der Schulebene demokratischer Bil-dung den entsprechenden Bestimmungen an der Kantonsschule Glarus gegenübergestellt.Die verwendeten Gesetzesabkürzungen sind im Abkürzungsverzeichnis (siehe S. 52) aufge-führt.Demokratische Schulen Kantonsschule GlarusOrgane 1Schulführung Die Schule ist basisdemokratisch „ Die Aufsicht über die Kantonsschule übt der organisiert und hat keine hierar- Kantonsschulrat aus. […]“ (Art.29 Abs. 1 chische Struktur. SchuO) „Die Schulleitung besteht aus dem Rektor oder der Rektorin und zwei Prorektoren oder Prorek- torinnen.“ (Art. 25 SchuO)Entscheidungs- Die Schule verfügt über ein Gre- „Der Gesamtkonvent besteht aus allen Lehrper-gremium mium, das über alle schulrelevan- sonen und der Vertretung der Organisation der ten Angelegenheiten Entschei- Schülerschaft. Er behandelt unter dem Vorsitz dungskompetenz innehat und das des Rektors bzw. der Rektorin Schulangelegen- zugleich auf dem gleichen Stimm- heiten und berät Anträge an den Kantonsschul- recht für Schüler und Lehrer be- rat.“(Art. 27 SchuO) 2 ruht. „ Vier von der Organisation der Schülerschaft bestimmte Vertreterinnen oder Vertreter können am Gesamtkonvent teilnehmen, soweit nicht Fragen der Lehrperson oder persönliche Belan- ge einzelner Lernender behandelt werden.“ (Art. 14 Abs. 2 SchuO)Andere Organe Mitsprache aller Beteiligten in Keine Bestimmung zur Mitsprache der SO in allen von der Schulversammlung Arbeitsgruppen oder Gremien. eingesetzten GremienEntscheidungen/Prozesse 1Stimmrecht Alle Beteiligten sind berechtigt, „ Stimm- und Antragsrecht haben abzustimmen, und jede/r hat eine - Lehrpersonen, die bereits ein Jahr an der Stimme. Es gibt kein Vetorecht. Schule unterrichten und für ein PensumAntragsrecht Alle Beteiligten haben ein An- von mindestens acht Lektionen angestellt tragsrecht an die Schulversamm- sind lung. - Lehrpersonen mit Klassenlehreraufgabe, auch wenn sie weniger als acht Lektionen unterrichten - Lehrpersonen, die weniger als acht Lektio- nen unterrichten, nachdem sie an zehn Konventen teilgenommen haben - vierfache Vertretung der Schülerorganisa- tion“ (Art. 12 Abs. 1 RPflR SL, K, L) 1Kompetenzen Die Schulversammlung muss über „ Der Gesamtkonvent besteht aus allen Lehr- nahezu alle Dinge entscheiden personen und der Vertretung der Organisation können(, die in der Entschei- der Schülerschaft. Er behandelt unter dem Vor- dungskompetenz der Schule lie- sitz des Rektors bzw. der Rektorin Schulangele- gen). genheiten und berät Anträge an den Kantons- schulrat.“ (Art. 27 Abs. 1 SchuO) 2Gesetzgebung Die Schulversammlung erlässt ein „ Der Landrat erlässt eine Schulordnung der Schulgesetz, welches Regeln und Kantonsschule. Er regelt insbesondere die Or- Gesetze für alle Beteiligten bein- ganisation der Kantonsschule und ihre Beauf- haltet. Diese dürfen aber öffentli- sichtigung, die Anforderungen an die Lehrper- chen Gesetzgebungen nicht wie- sonen und deren Wahl sowie die Rechte und dersprechen. Pflichten der Lernenden, der Lehrpersonen und der Erziehungsberechtigten.“ (Art. 32 Abs. 2 BiG) 19
  • 21. Demokratisierung der Kantonsschule Glarus 4. GegenüberstellungEvaluation im schulischen Umfeld 1Lehrpersonen Lehrpersonen evaluieren sich „ Die Lehrpersonen werden in ihrer Tätigkeit regelmässig selber und gegensei- beurteilt. Sie wirken bei dieser Beurteilung mit. 2 tig. Sie beurteilen zudem regelmässig ihre Tätig- Schülerinnen und Schüler werden keit selber. 3 in den Evaluationsprozess gleich- Der Regierungsrat erlässt zur Beurteilung und berechtigt miteingebunden. Förderung der Lehrpersonen eine Verordnung. Schülerinnen und Schüler haben Er regelt insbesondere die Beurteilungsinstan- jederzeit das Recht, Rückmeldun- zen und deren Kompetenzen, die Beurteilungs- gen zu geben. kriterien sowie den zeitlichen Ablauf.“ (Art. 73 Abs. 1-3 BiG) Bestehendes, ausführliches FQS-Konzept „[…] zum einen werden Individualfeedbacks eingeholt. Dabei geht es um die einzelnen Lehr- personen und ihren Unterricht. Mittels kollegialer Hospitationen, SchülerInnen- oder Elternfeed- backs wird der Unterricht fokussiert evaluiert.“ (FQS-Konzept)Schule Die Schule wird von allen Beteilig- „[…] zum anderen wird die Qualität der gesam- ten regelmässig evaluiert. ten Schule erhoben und gezielt gefördert. Dies geschieht mit den Schulqualitätsrecherchen, bei denen die Schule als Ganzes im Mittelpunkt steht.“ (FQS-Konzept)Tabelle 5: Gegenüberstellung Schulebene 20
  • 22. Demokratisierung der Kantonsschule Glarus 4. Gegenüberstellung4.2 Gegenüberstellung der individuellen EbeneIn folgender Tabelle werden die Kriterien bezüglich der individuellen Ebene demokratischerBildung den entsprechenden Bestimmungen an der Kantonsschule Glarus gegenüberge-stellt.Demokratische Schulen Kantonsschule GlarusSelbstbestimmtes LernenLerninhalte Die Schülerinnen und Schüler „Die Maturitätsschulen unterrichten nach Lehr- sind frei in der Entscheidung, plänen, die vom Kanton erlassen oder geneh- was sie lernen wollen. Es gibt migt sind und sich auf den gesamtschweizeri- keinen verbindlichen Lehrplan. schen Rahmenlehrplan der Schweizerischen Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektion abstützen.“ (Art. 8 VO MAR) „Die Ziele und Inhalte des Unterrichts und der Unterrichtsfächer sowie die Lektionstafeln wer- den für die öffentlichen Schulen in den vom Regierungsrat erlassenen Lehrplänen fest- gehalten.“ (Art. 96 BiG)Unterrichtszeit Es gibt keinen fixen Stunden- „Die Ziele und Inhalte des Unterrichts und der plan. Lehrpersonen können Un- Unterrichtsfächer sowie die Lektionstafeln terrichtskurse anbieten, die Teil- werden für die öffentlichen Schulen in den vom nahme ist aber nicht obligato- Regierungsrat erlassenen Lehrplänen fest- risch. gehalten.“ (Art. 96 BiG) „Die Lernenden sind verpflichtet, den Unterricht und die Schulveranstaltungen vorschriftsge- mäss zu besuchen und den Weisungen der Lehrpersonen nachzukommen.“ (Art. 42 Abs. 1 BiG) „Der Stundenplan regelt die tägliche Verteilung der wöchentlichen Unterrichtslektionen der Lernenden sowie die Unterrichtslektionen und die Präsenzzeit der Lehrpersonen.“ (Art. 95 Abs. 1 BiG) „Die Lektionen dauern 45 Minuten.“ (Art. 2 Abs. 1 SchO KS) „1Lernformen Die Schülerinnen und Schüler Die Lehrmittelverwaltung wird durch den Re- entscheiden selber, wie sie ler- gierungsrat bestimmt. 2 nen wollen. Sie ist für die Beschaffung, die Aufbewahrung und die Abgabe von Lehrmitteln und Unter- richtshilfen und die damit in Zusammenhang stehenden Aufgaben zuständig. 3 Der Kanton kann einen Lehrmittelverlag füh- ren.“ (Art. 89 BG) „Die Lehrpersonen haben das Recht: a. im Rahmen der rechtlichen Vorgaben, des Lehrplans sowie der Lehrmittel die Lehrme- thode frei zu wählen; […]“ (Art. 59 BiG) 1Lernumgebung Die Schülerinnen und Schüler „ Die Lernenden sind verpflichtet, den Unter- entscheiden selber, in welcher richt und die Schulveranstaltungen vorschrifts- Umgebung sie lernen, sie kön- gemäss zu besuchen und den Weisungen der nen sich frei in der Schule bewe- Lehrpersonen nachzukommen.“ (Art. 42 Abs. 1 gen, solang die Freiheit anderer BiG) nicht eingeschränkt wird oder gegen von der Gemeinschaft beschlossene Regeln verstossen wird. 21
  • 23. Demokratisierung der Kantonsschule Glarus 4. GegenüberstellungVermittlung Schülerinnen und Schüler ent- „Die Lehrpersonen haben das Recht: scheiden selber, mit wem und im Rahmen der rechtlichen Vorgaben, des von wem sie lernen. Sie dürfen Lehrplans sowie der Lehrmittel die Lehrmetho- aber andere Schülerinnen und de frei zu wählen; […]“ (Art. 59 BiG) Schüler nicht in ihrer Tätigkeit stören. Die Lehrpersonen stellen sich als Unterstützung zur Verfü- gung.EvaluationSchülerinnen und Schüler 1Umgang mit Schülerinnen und Schüler haben „ Die Lernenden werden ganzheitliche undBeurteilungen die Möglichkeit, eine Rückmel- nachvollziehbar beurteilt. 2 dung über ihre Fähigkeiten zu Der Regierungsrat erlässt Promotionsvor- erhalten, von Lehrpersonen wie schriften, welche namentlich Inhalt und Art der auch von anderen Schülerinnen Beurteilung, deren schulische Folgen und de- und Schüler. ren Eröffnung regeln.“ (Art. 47 BiG) 1Beurteilungs- Die Beurteilung der Schülerinnen „ Die Leistungen werden in ganzen oder hal-form und Schüler bezieht sich auf den ben Noten mit folgender Bedeutung individuellen Lernfortschritt und bewertet: 6 = sehr gut, 5 = gut, 4 = genügend, beschreibt ihre Kompetenzen. 3 = ungenügend, 2 = schwach, 1 = sehr schwach.“ (Art. 3 Abs.1 PromR) „Erweiterte Beurteilungsformen Werden neben der Unterrichtsnote erweiterte Beurteilungsformen zur Ermittlung der Zeug- nisnote miteinbezogen, muss deren Einfluss auf die Zeugnisnote im Voraus bekannt gege- ben werden.“ (1.5 PrNoK)Prüfungen Wer will, kann sich freiwillig „Die Lernenden sind verpflichtet, den Unterricht Tests und Prüfungen unterzie- und die Schulveranstaltungen vorschriftsge- hen. mäss zu besuchen und den Weisungen der Lehrpersonen nachzukommen.“ (Art. 42, BiG) 3 „ Als Sperrzeiten gelten: […] d. angesagte Klausuren.“ (Art. 3 Abs. 3 SchVR KS ) „Definition Prüfung“ Prüfungen sind von den Lernenden erbrachte Leistungen, die benotet werden. Darunter wer- den schriftliche Klausuren, gestalterische Ar- beiten, Arbeitsberichte, Vorträge, Prüfungsge- spräche, musikalische Darbietungen und sport- liche Leistungen verstanden.“ (1.1 PrNoK)Selbstein- Schülerinnen und Schüler wer- Keine Bestimmungenschätzung den zur Selbsteinschätzung er- mutigt. 22
  • 24. Demokratisierung der Kantonsschule Glarus 4. GegenüberstellungFörderung der Individualität 1Förderung der Die individuellen Talente und „ Die Grundlagenfächer, ein Schwerpunktfach,Talente Begabungen der Schülerinnen ein Ergänzungsfach und die Maturaarbeit bil- und Schüler werden berücksich- den die Maturitätsfächer“ (Art. 9 Abs. 1 VO tigt und gefördert. MAR) 4 „ Der Unterricht setzt sich aus Pflicht-, Wahl- und Freifächern zusammen. Die Bewilligung zur Führung von Freifächern erteilt der Kan- tonsschulrat“ (Art.1 Abs. 4 SchuO KS)Einbringung Die Schülerinnen und Schüler - Schülerorganisationder Talente haben verschiedene Möglichkei- - Aula-Technik-Team ten, ihre Talente auch im und - Intranet-Team 1 ausserhalb des Schulalltags „ Ausserordentliche Kontingentserweiterung: einzubringen. Für eine umfangreiche ausserschulische Tätig- keit (z. B. in Forschung, Kultur, Sport oder Ju- gendarbeit), welche den Rahmen des Kontin- gents übersteigt, kann die Schulleitung das Kontingent erweitern.“ (Art. 3 Abs. 1 SchVR KS)Eigenverantwortung 2Lernen Die Schülerinnen und Schüler „ Sie [die Lernenden] sind ihrem Alter und dem sind selbst verantwortlich für Stand der Bildung entsprechend für den eige- ihren Lernprozess. nen Lernprozess mitverantwortlich.“ (Art. 42 Abs. 2 BiG) 4Handeln Die Schülerinnen und Schüler „ […]. Sie [Maturandinnen und Maturanden] tragen die Verantwortung für ihr sind bereit, Verantwortung gegenüber sich Handeln und die daraus entste- selbst, den Mitmenschen, der Gesellschaft und henden Konsequenzen. der Natur wahrzunehmen.“ (Art. 5 Abs. 4 VO MAR)Tabelle 6: Gegenüberstellung: individuelle Ebene 23
  • 25. Demokratisierung der Kantonsschule Glarus 4. Gegenüberstellung4.3 Gegenüberstellung der zwischenmenschlichen EbeneIn folgender Tabelle werden die Kriterien, bezüglich der zwischenmenschlichen Ebene, de-mokratischer Bildung den entsprechenden Bestimmungen an der Kantonsschule Glarus ge-genübergestellt.Demokratische Schulen Kantonsschule GlarusGrundlegender RespektRespekt Jede einzelne Person hat das „[…] Wir achten und respektieren einander.“ Recht auf eine gleichwertige (Schulhauskultur, LB) Behandlung und gegenseitigen Respekt, ungeachtet jeglicher 41 persönlicher Unterschiede.KonfliktbewältigungUmgang mit Konflikte werden auf eine gewalt- „[…] Wir pflegen gegen innen und aussen eineKonflikten freie und konstruktive Art und offene, konstruktive und auch kritische Kom- Weise in Zusammenarbeit aller munikation, die uns erlaubt, Konflikte zu lösen.“ am Konflikt Beteiligten gelöst. (Schulhauskultur, LB) 2 „ Disziplinarische Anordnungen im Rahmen des Unterrichtsbetriebes treffen die Lehrperso- nen nach pflichtgemässem Ermessen. […]“ (Art. 45 Abs. 2 BiG) „Die Klassenstunde dient grundsätzlich zur kollektiven und teilweise auch individuellen Betreuung der Lernenden. Dazu gehören: - [...] Besprechung von aktuellen Prob- 42 lemen […]“ Präventions- und KonfliktbewältigungswocheGemeinschaftVerantwortung Alle Beteiligte sind zu gleichen „1. Mit dem Eintritt in die Kantonsschule unter- Teilen verantwortlich für die Um- ziehen sich die Lernenden der Ordnung, die in setzung und Einhaltung der diesem Reglement, in der Hausordnung und in einem Reglement über Schulversäumnisse gemeinsam getroffenen Ent- festgelegt ist.“ (Art. 1 LR) scheide bzw. erlassenen Regeln. „[…] Wir halten uns an getroffene Abmachun- gen und erlassene Weisungen.“ (Schulhauskul- tur, LB) Es liegt in der Verantwortung „Wir fördern eine positive Arbeits- und Lernat- jedes Einzelnen, dazu beizutra- mosphäre. Wir engagieren uns für die Belange gen, dass ein positives und an- unserer Schule.“ (Schulhauskultur, LB) regendes Umfeld für das Lernen und die Entwicklung der Persön- 43 lichkeit geschaffen wird.41 Art. 2 Europäische Charta für eine demokratische Schule ohne Gewalt.42 Kantonsschule Glarus: Lehrplan für das Gymnasium 3. – 6. Klassen. Die Klassenstunde. 3. Grob-ziele.43 Ebd. Art. 1. 24
  • 26. Demokratisierung der Kantonsschule Glarus 4. GegenüberstellungGemeinsame Die Schule ermöglicht ein breites „Die SO bezweckt den Lebensraum SchuleAktivitäten Spektrum an gemeinsamen Akti- angenehmer zu gestalten, die Interessen und vitäten und Projekten. Anliegen der Lernenden zu vertreten und ge- meinsame Aktivitäten dieser auch ausserhalb der Schulzeit zu fördern.“ (Art. 2 Statuten SO) „Die Kommission ‚applaus‘ organisiert kulturelle 44 Anlässe für die ganze Schule.“ Alle Beteiligten haben die Mög- „Darüber hinaus unterstützt sie [die ‚applaus‘- lichkeit bei der Organisation und Kommission] im Hintergrund kulturelle Aktivitä- Planung mitzuwirken. ten von Schülerinnen und Schülern, […], admi- 45 nistrativ und finanziell.“Tabelle 7: Gegenüberstellung: Zwischenmenschliche Ebene44 Internet: Kantonsschule Glarus. Kontakte und Menschen. applaus.45 Ebd. 25
  • 27. Demokratisierung der Kantonsschule Glarus 5. Interpretation der Gegenüberstellung5. Interpretation der GegenüberstellungDie im Kapitel 4 aufgeführte Gegenüberstellung soll in einem weiteren Schritt als Grundlagedienen, die eigentliche Frage nach der Demokratisierbarkeit der Kantonsschule Glarus kom-petent und möglichst umfassend zu beantworten. Dabei soll auch das Potential für möglicheFreiräume aufgezeigt werden.5.1 Die SchulebeneVorwegnehmen kann man hier, dass es sich bei der Schulebene um die komplexeste Ebenebezüglich interner Bestimmungen handelt. Ein umfassender Einblick in alle Abläufe und Ent-scheidungsprozesse ist als Schülerin kaum ohne weiteres möglich.5.1.1 OrganeDie schon in den Grundlagen aufgeführten Organigramme (Abbildungen 1 und 3) gebenAufschluss über die beiden gegensätzlichen Schulstrukturen. Während sich die demokrati-sche Schulstruktur durch eine fehlende bzw. flache Hierarchie auszeichnet, ist die Schul-struktur der Kantonsschule klar hierarchisch organisiert. Eine komplette Demokratisierungwürde jedoch bedeuten, über die Grenzen der Kantonsschule hinweg jegliche Entschei-dungskompetenzen betreffender Organe bezüglich Bildung aufzuheben. Dies hätte unmiss-verständlich eine komplette Dezentralisierung des Bildungswesens zur Folge, welche denStaat faktisch ausklammern und die Privatisierung der Bildung bedeuten würde. Es ist jedochAufgabe des Staates, das Recht auf Bildung zu garantieren und sie auch zu finanzieren.Eine weitere logische Folge wäre die entstehende Wettbewerbsfreiheit unter den Schulen,welche die Chancengleichheit stark schmälern und Bildung immer mehr von der sozialenHerkunft abhängig machen würde. Dies kann nicht im Sinne einer Demokratisierung sein.Vielmehr soll hier, wie auch von Wilke gefordert, die Schule innerhalb des ihr zustehendenKompetenzbereichs demokratisiert werden. Für die Kantonsschule Glarus würde dies eineAbschaffung der hierarchischen Strukturen bedeuten, insbesondere die Auflösung der Schul-leitung. Die Aufgaben, die gegenwärtig der Schulleitung obliegen46, müssten aber berück-sichtigt und einer Delegation bestehend aus demokratisch gewählten Mitgliedern übertragenwerden.46 Art. 3 Reglement über die Rechte und Pflichten der Schulleitung, der Konvente und der Lehrer-schaft an der Kantonsschule Glarus. 26
  • 28. Demokratisierung der Kantonsschule Glarus 5. Interpretation der Gegenüberstellung5.1.1.1 Die SchulversammlungDer Konvent kann als schon vorhandenes und somit demokratisierbares Entscheidungsgre-mium betrachtet werden, wobei bezüglich einem gleichberechtigten Stimmrecht der Schüler-wie der Lehrerschaft die praktische Umsetzung überdacht werden müsste, da die Zahl derLernenden an Staatsschulen meist um ein Vielfaches höher ist als an demokratischen Schu-len. Vorstellbar wäre eine halbjährliche oder vierteljährliche Schulversammlung, die dashöchste Organ der Schule darstellt und an der alle Mitglieder der Schule teilnehmen können,aber nicht müssen. Die Schulversammlung wird von einer Präsidentin oder einem Präsiden-ten geleitet, die oder der die Schulversammlung auch einberuft, ansonsten aber keine Ent-scheidungskompetenzen hat.5.1.1.2 Die DelegiertenversammlungUm langwierige, sich dahinziehende Abläufe zu verhindern, wird es nötig sein, neben derSchulversammlung drei gleichberechtigte Gremien (SchülerInnen-Versammlung, LehrerIn-nen-Versammlung, MitarbeiterInnen-Versammlung) einzusetzen, die sich in regelmässigenZeitabständen zusammenfinden und Entscheidungen in ihrem Kompetenzbereich fällen,welche nicht den von der Schulversammlung eingesetzten Komitees obliegen. Ein aus Dele-gierten der verschiedenen Versammlungen bestehendes Gremium würde den Austauschund die Zusammenarbeit fördern. Entscheidungen, welche mehr als einen Bereich betreffen,könnten so demokratischer gefällt werden und Alltagsgeschäfte müssten nicht an die Schul-versammlung gelangen. Die Delegiertenversammlung wiederum hätte u.a. die Aufgabe, Ar-beitsgruppen einzusetzen, die sich am Schulalltag orientieren und sich mit kurzfristigen undeinmaligen Aufgaben und Projekten beschäftigen. Ein Beratungsteam ist ebenfalls der Dele-giertenversammlung untergeordnet und ist insbesondere für die Beratung von Schülerinnenund Schüler zuständig.5.1.1.3 KlassenkonventeAuch der schon bestehende Klassenkonvent, der aktuell nur die Lehrkräfte der betroffenenKlasse als Mitglieder umfasst47, hat sich einer Revision zu unterziehen. Einerseits soll auchhier die Mitsprache der betroffenen Schülerinnen und Schüler ermöglicht werden, anderer-seits muss weiterhin der Persönlichkeitsschutz der einzelnen Schülerinnen und Schüler ge-währleistet werden. Eine mögliche, aber sehr aufwendige Option wäre, die Schülerinnen undSchüler einerseits als Klasse anzuhören, um klasseninterne Probleme zu besprechen, undandererseits zusätzlich jede einzelne Person zur persönlichen Entwicklung und Promotionanzuhören. Die Möglichkeit einer Alternative zum Klassenkonvent soll aber unbedingt wei-terverfolgt werden.47 Art. 14 Reglement über die Rechte und Pflichten der Schulleitung, der Konvente und der Lehrer-schaft an der Kantonsschule Glarus. 27
  • 29. Demokratisierung der Kantonsschule Glarus 5. Interpretation der Gegenüberstellung5.1.1.4 Externe GremienAls externe Gremien können der Kantonsschulrat sowie auch der Elternrat angesehen wer-den, den es als solchen noch in keiner Form gibt. Auf deren Kompetenzen soll im nächstenKapitel eingegangen werden.5.1.1.5 Organigramm einer demokratischen Kantonsschule GlarusIm Folgenden soll eine mögliche Struktur einer demokratischen Kantonsschule Glarus auf-gezeigt werden. Auf die Entscheidungskompetenzen der verschiedenen Organe wird imnächsten Abschnitt eingegangen. Kantonsschulrat Antrags- und Aufsichtsfunktion Beratungsrecht Elternrat wählt SCHULEBENE Präsident/Präsidentin setzt ein Einsitz - leitet die Schulversammlung leitet Komitees - hat keine Entscheidungskompetenz - beruft Schulversammlungen ein Evaluationskomitee EDV-Komitee erlässt Reglemente und Verordnungen Finanzkomitee Schulversammlung Justizkommitee Personalabteilung Koordinationskomitee Stimm- und Wahlrecht Stimm- und Wahlrecht Stimm- und Wahlrecht Klassenkonvente Weiterbildungskomitee Lehrmittelkomitee Absenzenkomitee Medienkomitee Schülerinnen und Schüler Lehrerinnen und Lehrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Mitarbeiterinnen und Schülerinnen- und Lehrerinnen- und Mitarbeiter- Schüler-Versammlung Lehrer-Versammlung Versammlung wählen Delegation wählen Delegation wählen Delegation Delegiertenversammlung Rechtsberatung für setzt ein wählt Schülerinnen und Schüler bildet Arbeitsgruppen Beratungsteam SCHULEBENEAbb. 4: Organigramm: demokratische Kantonsschule Glarus 28
  • 30. Demokratisierung der Kantonsschule Glarus 5. Interpretation der Gegenüberstellung 5.1.2 Entscheidungen und Prozesse Entscheidungen sollen nach dem Prinzip „Ein Mensch – eine Stimme“ getroffen werden, egal ob Lehrperson, Schülerin, Schüler oder Angestellte. Ob man jedem Einzelnen dieses Stimm- recht zuspricht oder nicht, ist wohl mehr eine Grundsatzfrage als eine organisatorische, hin- ter deren Beantwortung momentan eine allgemein adultistische48 Grundhaltung Erwachsener gegenüber Kindern und Jugendlichen steckt. Durch die in 5.1.1 beschriebene Aufhebung der hierarchischen Struktur und Einrichtung einer Schulversammlung kann auch eine gleichbe- rechtigte Mitbestimmung gewährleistet werden. Diese schliesst ein Antragsrecht natürlich ein. Teil einer solch starken strukturellen Veränderung ist auch, dass die bisherigen Kompe- tenzen anders verteilt werden müssen. Vor allem durch die faktische Abschaffung der Schul- leitung ergeben sich einige Aufgaben, die einer Delegation bedürfen. Komitees könnten da- bei eine wesentliche Rolle spielen, wobei natürlich auch hier die Gleichberechtigung aller Schulmitglieder berücksichtigt werden muss. Diese Kommissionen bzw. Komitees mit einem dauerhaften Aufgabengebiet werden von der Schulversammlung eingesetzt: Personalabteilung: - Stellenausschreibung vorbereitendes Komitee - Vorbereitung der Anstellung geeigneter Mitarbeiterinnen und Mit- arbeiter zuhanden der Schulversammlung - Rechtsberatung der Angestellten - Führung von Mitarbeitergesprächen und Vorstellungsgesprächen - Einstellung von Stellvertretungen EDV-Komitee: - Unterhalt des Netzwerks, Netzwerkadministration - Software-Update - Systemwartung Finanzkomitee: - Erstellung Budgetplanung zuhanden der Schulversammlung - Überwachung des Budgets Justizkomitee: - Bearbeitung von Beschwerden - Regelung von Verstössen gegen die Schulordnung - Erlass nötiger Sanktionen Evaluationskomitee: - Planung & Organisation von Evaluationsprozessen - Leitung von Evaluationsprojekten Koordinationskomitee: - Erstellung des Terminkalenders - Stundenplanverwaltung - Zimmerverwaltung - Organisation von Aufnahme und Abschlussprüfungen Weiterbildungskomitee: - Planung & Organisation von Weiterbildungen - Durchführung von Weiterbildungen Lehrmittelkomitee: - Erstellung eines Lehrmittelverzeichnisses (Lehrmittel und Unter- richtshilfen) Absenzenkomitee: - Bewilligung von Urlaub von Schülerinnen und Schülern, Lehrerin- nen und Lehrern - Absenzenverwaltung Medienkomitee: - Vertretung der Schule gegenüber Behörden und Öffentlichkeit - Erstellung von Publikationen und MedienmitteilungenTabelle 8: Aufgaben der Komitees 48 Adultismus ist die Diskriminierung jüngerer Menschen, meistens von Erwachsenen gegenüber Ju- gendlichen und Kindern aufgrund des Alters (www.ncbi.ch [13.11.2010]). 29
  • 31. Demokratisierung der Kantonsschule Glarus 5. Interpretation der Gegenüberstellung5.1.2.1 Die SchulversammlungDer Schulversammlung kommt als höchstem Organ der Kantonsschule Glarus eine beson-dere Bedeutung zu. Ein Gremium, an dem alle gleichberechtigt teilnehmen können, ermög-licht eine grosse Vielfalt von Möglichkeiten, die Schule zu gestalten. So soll sie über nahezualle Entscheidungen, die direkten Einfluss auf die Schulorganisation haben, entscheidenkönnen. Konkret bedeutet dies, dass es im Aufgabengebiet der Schulversammlung liegt,eine Schulordnung zu erlassen. Es ist auch die Schulversammlung, die alle weiteren schulin-ternen Regelungen erlässt. Weiter setzt sie Komitees ein, behandelt Beschwerden gegendas Justizkomitee und schwere Verstösse gegen die Schulordnung.5.1.2.2 Der KantonsschulratDer Kantonsschulrat hat aktuell eine grosse Entscheidungs- und Weisungskompetenz inne.Dieser müsste sich, obwohl er nicht als nicht schulinternes Organ gilt, dennoch einigen Revi-sionen unterziehen und Kompetenzen abtreten, damit die Kantonsschule demokratischergestaltet werden kann. Diese Kompetenzen müssten soweit wie möglich auf die schulinter-nen Gremien übertragen werden, so dass der Kantonsschulrat als Aufsichtsgremium keinedirekten schulorganisatorischen Entscheidungen mehr treffen kann. Er soll jedoch weiterhindie Schule beaufsichtigen und somit auch als externe Behörde in den Evaluationsprozessmiteinbezogen werden. Weiterhin soll dem Kantonsschulrat die Behandlung von Beschwer-den und schwerwiegenden Disziplinarfällen obliegen, sofern diese nicht an der Schulver-sammlung geregelt werden können.5.1.2.3 Der ElternratEin weiteres externes Gremium stellt der Elternrat dar. Die Frage, wie weit Eltern in dieSchulorganisation miteinbezogen werden sollen, ist auch unter den Befürwortern demokrati-scher Bildung umstritten. Alexander Sutherland Neill, Gründer der Internatsschule Sum-merhill, beispielsweise, hatte solch eine starke Abneigung gegen Eltern, dass er eine Schuleorganisierte, die den Eltern offen entgegenwirkte.49 An vielen Sudbury-Schulen hingegenhaben Eltern heute sogar ein Antrags- und Stimmrecht. Bei diesen Schulen handelt es sichaber mehrheitlich um Grundschulen. Jedoch ist es auch auf der Sekundarstufe I & II wichtig,die Eltern in die Ausbildung ihrer Kinder miteinzubeziehen, damit Schule und Familie nichtgegeneinander arbeiten, wie es bei Neill oftmals der Fall war. Dabei sollen die Eltern nichtals vollwertiger Teil der Schule betrachtet werden, sondern sollen durch ein Antrags- undBeratungsrecht die Möglichkeit erhalten, ihre Erfahrungen und ihr Wissen zur Verfügung zustellen. Ausserdem erhalten sie durch das Einsitzrecht im Evaluationskomitee die Möglich-keit, bei der Weiterentwicklung der Schule mitzuwirken.49 Vgl. Greenberg 2006, S. 43 f. 30
  • 32. Demokratisierung der Kantonsschule Glarus 5. Interpretation der Gegenüberstellung5.1.3 EvaluationWann immer es um die Evaluation der Lehrpersonen oder der Schule geht, scheinen fastalle Schulen konsequent den gleichen entscheidenden Fehler zu begehen. Es werden hoch-komplexe, hochkomplizierte Evaluationssysteme entwickelt, Konzepte verfasst, Evaluati-onsmethoden diskutiert, jahrelange Einführungs- Durchführungs-, Auswertungs-, Massnah-menplanungs-, „Evaluationsevaluationsphasen“ geplant, ohne auch nur einmal eine Schüle-rin oder einen Schüler zu fragen, ob sie oder er gerne in die Schule geht, oder ob sie von derSchule profitiert. Dass eine Evaluation weiterreichen muss als diese Fragen, ist selbstver-ständlich, jedoch gehen die Schülerinnen und Schüler auffallend oft „einfach irgendwie“ ver-gessen, sowie die Tatsache, dass es die Schülerinnen und Schüler sind, die beinahe täglichmit den Stärken und Schwächen der Lehrpersonen konfrontiert sind. Wer dann, wenn nichtdie Schülerschaft selbst, kann die sooft diskutierte Unterrichtsqualität umfassend einschät-zen? Offenbar alle ausser die Schülerinnen und Schüler: die Schulbehörden, deren Mitglie-der vor 50 Jahren das letzte Mal die Schulbank drücken mussten, die Erziehungsberechtig-ten, die ausser Prüfungsnoten-Unterschreiben nichts mit der Schule zu tun haben, die Schul-leitungen, die vor allem daran interessiert sind das Schulimage zu bewahren; sogar ideali-sierte Leitbilder weisen angeblich einen aussagekräftigeren Eindruck auf. So scheint es zu-mindest, wenn man Dokumente zur Evaluation im schulischen Umfeld betrachtet.50Doch es wäre genauso unreflektiert, dies zu pauschalisieren. Denn das „förderorientierteQualitätsevaluationssystem“ an der Kantonsschule Glarus bietet mit seinem 360°-Feedback51 eine gute Grundlage, die Schülerschaft besser und vermehrt in Evaluationspro-zesse einzubinden. Dafür ist es jedoch notwendig, die Schülerschaft in jegliche Gremien derEvaluationsarbeit einzubeziehen. Das in 5.1.1.5 vorgestellte Organigramm einer demokrati-schen Kantonsschule Glarus sieht ein Evaluationskomitee vor, welches sich mit der Planungund Organisation von Evaluationsprozessen beschäftigt und Evaluationsprojekte leitet, indas Lernende, Lehrende, Eltern und andere Mitglieder der Schulgemeinschaft gewählt wer-den können. Auf der Grundlage dieses Evaluationskonzeptes werden drei weitere Gruppengebildet, die sich jeweils mit einem der folgenden drei Kerngebiete auseinandersetzen unddie entsprechenden Evaluationsprozesse durchführen: - Evaluation der Schule und der Schulqualität - Evaluation des Unterrichts - Evaluation der Lehrpersonen50 Als Beispiel zu nennen wären hier sämtliche Dokumente im Bereich „Online-Schalter“ der kantona-len Website zum Thema Schulevaluation.51 Bestehend aus Lehrerkollegium, Schülerschaft, Eltern, Behörden/Schulleitung (vgl. FQS-Konzept2005). 31
  • 33. Demokratisierung der Kantonsschule Glarus 5. Interpretation der GegenüberstellungIn einem weiteren Schritt werden die gewonnenen Erkenntnisse in nötige Massnahmen um-gesetzt, um die Schulentwicklung weiterzuführen. Im Massnahmenentwicklungsprozess istdie Schülerschaft besonders zu berücksichtigen, da auf Seiten der Schülerinnen und Schüleroftmals gute Ideen vorhanden sind. Natürlich müssen auch die anderen Gruppen miteinbe-zogen werden. Der Evaluationsprozess ist jedoch mit der Umsetzungsphase nicht vorbei.Vielmehr muss hier von einem Evaluationskreislauf ausgegangen werden, welcher ständig inBewegung ist, und somit die Schulentwicklung vorantreibt. Ein abschliessender Bericht einesjeden Evaluationskreislaufes gibt Aufschluss über die Qualität der Evaluationsmethoden unddie Durchführung geeigneter Massnahmen.5.1.3.1 Der EvaluationskreislaufDurch ein Flussdiagramm soll der Evaluationskreislauf möglichst anschaulich dargestelltwerden. Dabei orientiert sich das folgende Diagramm an den bereits bestehenden Hand-lungsfeldern des FQS-Konzepts52: Lehrerschaft Schülerschaft Schulversammlung Evaluationskomitee Eltern MitarbeiterInnen erarbeitet Leitsätze Wertvorstellungen Qualitätsansprüche erarbeitet Evaluationskonzept Planungsphase Schulevaluations-Gruppe Unterrichtsevaluationsgruppe Lehrpersonenevaluationsgruppe Evaluationskreislauf Evaluation der Evaluation Evaluation Schule und des der Schulqualität Unterrichtes Lehrpersonen Evaluationsphase Projekte Weiterbildung Beratung Massnahmenphase Schulprogramm Umsetzungsphase Berichterstattung Metaevaluation Abb. 5: Evaluationskreislauf52 Vgl. FQS-Konzept 2005, Beilage 3. 32
  • 34. Demokratisierung der Kantonsschule Glarus 5. Interpretation der Gegenüberstellung5.1.3.2 Die direkte Ebene der EvaluationNeben dem Evaluationskreislauf, welcher vor allem auf die Entwicklung und Qualitätssteige-rung ausgerichtet ist, soll eine weitere Form der Evaluation an Schulen stattfinden, welchesich an der „[…] Entwicklung und Verbesserung individueller und organisatorischer Prozes-se“53 orientiert. Diese „[…] gegenseitige Evaluation aller Personen der Schule muss zu ei-nem selbstverständlichen, offenen und positiven Prozess werden [sic!] welcher aktiv in denAlltag eingebunden ist.“54 Durch diesen gegenseitigen Austausch, der auf gleicher Ebenestattfindet, werden hierarchische Systeme innerhalb von Klassen (Lehrperson – Schüler) alsauch innerhalb der Schulgemeinschaft, überwunden und demokratisiert.53 USO-UCE-UCS 2009, S. 1.54 Ebd. 33
  • 35. Demokratisierung der Kantonsschule Glarus 5. Interpretation der Gegenüberstellung5.2 Die individuelle EbeneDie individuelle Ebene ist die weitreichendste Ebene, denn sie beinhaltet neben den Kriteriendes selbstbestimmten Lernens auch solche der Evaluation, Individualität und der Eigenver-antwortung, wodurch hier auch viele Freiräume zu erwarten sind. Ausserdem existieren indiesem Bereich mehr Schulprojekte als im Bereich der Schulebene.555.2.1 Selbstbestimmtes LernenIm Bereich des selbstbestimmten Lernens ist die Kantonsschule Glarus stark durch überge-ordnete Gesetzgebungen eingeschränkt, so dass eine Demokratisierung im Sinne der de-mokratischen Bildung kaum möglich ist.5.2.1.1 LerninhalteLerninhalte hängen stark von Lehrplänen ab, da es auch sie sind, die vorschreiben, welcheLeistungen bis zu einem gewissen Zeitpunkt erbracht werden müssen. Die KantonsschuleGlarus hat dabei die Anerkennungsbedingungen des MAR zu erfüllen, um den Lernendeneinen schweizerisch anerkannten Maturitätsausweis ausstellen zu können, der sie insbeson-dere zur Zulassung an Hochschulen und Universitäten berechtigt.56Diese Anerkennungsbedingungen schreiben bezüglich Lehrplänen vor, dass sich diese aufden Rahmenlehrplan der Schweizerischen Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektorenabzustützen haben.57 Dies schränkt die Mitgestaltung der Lerninhalte enorm ein. Da es imKanton Glarus der Regierungsrat ist, der die Lehrpläne und somit auch Umfang, Inhalt undVerteilung der Unterrichtsfächer festlegt, fällt schlussendlich kaum mehr etwas in die Ent-scheidungskompetenz der Schule, schon gar nicht in die der Schülerinnen und Schüler. Umein Mindestmass an Demokratie im Bereich der Lerninhalte zu erreichen, wären zwei Ebe-nen denkbar, auf denen die Schülerschaft miteinbezogen werden können: einerseits die di-rekte Unterrichtsebene und andererseits die durch das Projekt „Kanti 2010“ vorgesehenenLehrplanüberarbeitungen, welche noch offen sind.58 Es muss hier aber klar zwischen denbeiden Ebenen unterschieden werden. Die direkte Unterrichtsebene zeichnet sich, im Ge-gensatz zur einmaligen Lehrplanüberarbeitung, dadurch aus, dass es sich um einen fortwäh-renden Austausch zwischen Lehrperson und Klasse handelt. Dieser setzt eine gewisse Be-reitschaft der Lehrpersonen voraus, Wünsche und Vorschläge der Lernenden ernst zu neh-men und soweit wie möglich umzusetzen. Die konkrete Ausgestaltung kann von Bestimmungder Lektüre bis hin zur Bestimmung der Unterrichtsthemen viele Formen annehmen und be-darf in jeglicher Form der Unterstützung.55 Vgl. Internet: EDK, Bildungssystem CH, Kantonsumfragen 2009/2010.56 Art. 2 Abs. 2 VO MAR.57 Art. 8 VO MAR.58 Vgl. „Kanti 2010“. Mittel- und Oberstufe 2010. 34
  • 36. Demokratisierung der Kantonsschule Glarus 5. Interpretation der GegenüberstellungDie zweite Ebene, die bevorstehende Lehrplanüberarbeitung im Rahmen des Projekts „Kanti2010“, ist ein zeitlich begrenzter und einmaliger Prozess. Nichtsdestoweniger soll die Schü-lerschaft miteinbezogen werden. Um den Absolventinnen und Absolventen der Kantonsschu-le Glarus weiterhin den Zugang zu Hochschulen zu ermöglichen, ist es notwendig, dass ge-wisse Grundkompetenzen bis zur Matura erreicht werden. Gleichzeitig soll aber auch ver-sucht werden, Freiräume als solche zu erhalten oder weitere zu schaffen, um dem Anspruchder demokratischen Bildung bezüglich Lerninhalte möglichst gerecht zu werden.Eine weitere bereits vorhandene Möglichkeit, die der Individualität der Lernenden und derenWünschen gerecht wird, sind die Wahlmöglichkeiten verschiedener Fächer (Schwerpunkt-fach, Ergänzungsfach, Wahlfach, Freifächer). Diese Form der Wahlmöglichkeit soll beibehal-ten und wenn möglich noch erweitert werden.5.2.1.2 UnterrichtszeitAn der Kantonsschule gibt es einen fixen Stundenplan, der sich durch 45-Minuten Lektionenauszeichnet. Das Konzept der 45-Minuten-Lektionsdauer ist mehrheitlich auch in anderenKantonen anzutreffen. Jedoch gibt es keine Bestimmung auf nationaler Ebene, die eine an-dere Regelung ausschliessen würde.Die Lektionstafeln, welche die Gewichtung der Fächer enthalten, werden vom Regierungsratin den vorhin erwähnten Lehrplänen festgelegt59, wodurch sich hier ähnliche Verhältnisseabzeichnen. Die Lektionstafeln orientieren sich, wie der gesamte Lehrplan, am schweizeri-schen Rahmenlehrplan und lassen dadurch nur wenig Spielraum zu. Jedoch soll die Organi-sation und Verteilung der Lektionstafeln in der Entscheidungskompetenz der Schulversamm-lung liegen. Dabei soll der 45-Minuten Unterricht durch Blockunterricht abgelöst werden. Ei-nerseits wird der Unterricht dadurch den Ansprüchen nach mehr Nachhaltigkeit des erwor-benen Wissens der Universitäten gerecht, da durch die vertiefte Auseinandersetzung, wel-che der Blockunterricht unter anderem bietet, Wissen länger gespeichert werden kann. An-dererseits lässt der Blockunterricht erheblich mehr Freiheiten in der Gestaltung der Lektionenzu, im Bereich der Unterrichtsinhalte wie auch im Bereich der Lektionsorganisation, wasdurchaus im Sinne demokratischer Bildung ist. Im Bereich der Lektionsorganisation stellt derBlockunterricht das ideale Gefäss dar, die Selbständigkeit der Lernenden zu fördern. Durchdas Erstellen und Einhalten von persönlichen Zeitplänen erhalten die Lernenden somit dieMöglichkeit, ihren Lernprozess individuell zu gestalten, was insbesondere auch die Zeitein-teilung betrifft. Diese Art des Lernens wird auch beim Projekt SOL60 gefördert. Das selbstor-ganisierte Lernen ermöglicht dabei den Schülerinnen und Schülern, selber zu entscheiden,wie sie etwas lernen wollen. Auf die Lernformen wird im nächsten Abschnitt eingegangen.59 Art. 96 Bildungsgesetz.60 Selbst-organisiertes Lernen. 35
  • 37. Demokratisierung der Kantonsschule Glarus 5. Interpretation der Gegenüberstellung5.2.1.3 LernformenDer Kernpunkt des selbständigen Lernens ist das Gestalten des eigenen Arbeitsprozesses,der sich natürlich auch durch die Art und Weise auszeichnet, wie Lerninhalte aufgenommenwerden. Den Schülerinnen und Schülern muss hier die grösstmögliche Freiheit gegebenwerden, um den verschiedenen Lerntypen gerecht zu werden. Die derzeitigen Bestimmun-gen schränken dies jedoch ein. Einerseits durch die vom Regierungsrat bestimmte Lehrmit-telverwaltung61, die für Aufgaben verantwortlich ist, welche in einem demokratischen Systemklar in den Kompetenzbereich der Schulversammlung fallen müssten. Andererseits erfährtdie Wahl der Lernform eine starke Einschränkung durch das gegenwärtige Recht der Lehr-personen, die Lehrmethode frei zu wählen.62Das in 5.1 vorgestellte mögliche demokratisch organisierte Schulmodell sieht ein Lehrmittel-komitee vor, welches von der Schulversammlung eingesetzt wird, wodurch Schülerinnen undSchüler sowie die Lehrerschaft die Möglichkeit erhalten, die Lehrmittel entscheidend mitzu-bestimmen.Der weitaus bedeutendere Bereich, in dem die Schülerinnen und Schüler eigenständig überdie Lernmethoden entscheiden sollen, ist die direkte Unterrichtsebene. Das vorhin schonerwähnte selbstorganisierte Lernen (SOL) würde insofern auch diesem Anspruch gerechtwerden, als dass durch die selbständige Planung des Lernprozesses auch über die Lernstra-tegie entschieden werden kann. Jedoch muss auch unabhängig von SOL der Unterricht so-weit wie möglich geöffnet werden. Das SOL-Projekt stellt hierbei lediglich eine Möglichkeitdar. In der Literatur sind diesbezüglich zahlreiche Methoden zu finden, weshalb hier auchdarauf verzichtet wird, diese aufzuführen. Bezüglich des Demokratisierungsaspektes ist fest-zuhalten, dass die Schülerinnen und Schüler frei über die Lernformen entscheiden sollen,was nur möglich ist, wenn der Unterricht organisatorisch und methodisch soweit wie möglichgeöffnet wird.5.2.1.4 LernumgebungDie Wahl der Lernumgebung ist stark von der Lehrmethode der jeweiligen Lehrperson ab-hängig, welche auch massgebend die Lernmethode der Schülerinnen und Schüler bestimmt.Durch eine Demokratisierung der Lernmethode würde somit auch der Bereich der Lernum-gebung eine gewisse Demokratisierung erfahren, sofern dieser nicht von der Lehrpersondadurch eingeschränkt wird, dass die Schülerinnen und Schüler den Weisungen der Lehr-personen nachzukommen haben.63 Abgesehen von dieser Bestimmung aber konnte keineweitere gefunden werden, welche explizit die Lernumgebung in irgendeiner Weise ein-schränkt. Dieser Bereich könnte daher ohne grösseren Aufwand genutzt werden, was wie-61 Art. 89 Bildungsgesetz.62 Art. 59 Bildungsgesetz.63 Art. 42 Abs. 1 Bildungsgesetz. 36
  • 38. Demokratisierung der Kantonsschule Glarus 5. Interpretation der Gegenüberstellungderum eine positive Auswirkung auf die Selbständigkeit der Lernenden hätte, da sich dieLehrpersonen weniger durch ihre „Kontrollfunktion“ auszeichnen würden sondern mehr durcheine Beratungs- und Unterstützungsfunktion.Um jedoch allen Lernenden die Entscheidung nach der Lernumgebung überlassen zu kön-nen, müsste sich die Infrastruktur der Kantonsschule Glarus insofern verändern, als dassdiese nicht nur herkömmliche Schulzimmer und die Mediothek als Lernraum beinhaltet.Vielmehr müsste diese die Möglichkeit bieten, sich in vielfältiger Weise mit dem Unterrichts-stoff auseinanderzusetzen. Dies würde auch dem eben diskutierten Anspruch auf freie Wahlder Lernmethode gerecht werden. Vorstellbar und auch realisierbar wären Fachschaftszim-mer, in denen das nötige Material zur selbständigen Bearbeitung der Lerninhalte zur Verfü-gung gestellt wird.5.2.1.5 VermittlungDer Unterricht, wie wir ihn vorwiegend auch an der Kantonsschule Glarus vorfinden, ist durcheine starke Fixierung auf die Lehrperson gekennzeichnet. Die Vorteile, welche die gängigeKlassenstruktur bietet, werden selten bis nie genutzt. Dabei profitieren die Lernenden mass-geblich voneinander, wenn ihnen die Möglichkeit zum gegenseitigen Austausch gegebenwird. Es würden sonst kaum gemeinsame Lernnachmittage oder Nachhilfeangebote beste-hen, bei denen SchülerInnen von SchülerInnen lernen. Die Möglichkeit des gegenseitigenLernens aber auch die der selbständigen Erarbeitung von Sachverhalten soll auch im Unter-richt Eingang finden. Es gibt keine rechtliche Bestimmung, die das verunmöglicht. Ein weite-rer Vorteil, der die Dezentralisierung des Unterrichts auf die Lehrperson birgt, ist die Verbes-serung des Klassenklimas. Denn durch die vermehrte und auch notwendige Zusammenar-beit werden Sozialkompetenzen wie Teamfähigkeit, Kompromissfähigkeit sowie Kritikfähig-keit gefordert und gefördert. Ebendiese Kompetenzen, die auch im Berufsleben immer mehrvon Bedeutung sind. Dabei soll auch versucht werden, nicht nur innerhalb der Klasse dengegenseitigen Austausch und das „Voneinander-Lernen“ umzusetzen, sondern genausoklassenübergreifend und altersdurchmischt.5.2.2 Evaluation5.2.2.1 Umgang mit Beurteilungen und BeurteilungsformObwohl keine Bestimmungen bezüglich der Leistungsbeurteilungen an demokratischenSchulen zu finden sind, konnte dennoch festgestellt werden, dass keine ihm Rahmen dieserArbeit betrachtete demokratische Schule die Form der Ziffernnoten als Beurteilung vorsieht.An einigen Schulen findet praktisch keine Beurteilung statt, an anderen wird durchaus beur-teilt, jedoch um einiges differenzierter als an staatlichen Schulen. Gemeinsam haben sie 37
  • 39. Demokratisierung der Kantonsschule Glarus 5. Interpretation der Gegenüberstellungaber alle, dass die Beurteilungen, ausgehend von Lehrpersonen und Mitschülerinnen undMitschülern, freiwillig und mit gegenseitigem Einverständnis erfolgen.An den meisten staatlichen Schulen, wie auch an der Kantonsschule Glarus, werden dieLernenden anhand von Ziffernnoten bewertet, die sich in einer Skala von Note 1 (sehrschwach) bis Note 6 (sehr gut) erstrecken.64 Dass es sich dabei um ein längst veraltetes,überholtes Beurteilungsmodell handelt65, wird genauso ausser acht gelassen wie die Tatsa-che, dass es sich bei Ziffernnoten um zufällig zustande gekommene Beurteilungen handelt,die durch eine Vielzahl von Faktoren verzerrt wurden, und somit kaum in der Lage sind, einekompetente und vollständige Auskunft über die erbrachten Leistungen zu geben66. Ausser-dem ist aus einer Note weder für den Lernenden noch für einen möglichen zukünftigen Ar-beitgeber ersichtlich, welche konkreten Fähigkeiten nun tatsächlich beherrscht werden undwelche noch einer Verbesserung bedürfen.67 Es ist deshalb notwendig und auch im Sinnedemokratischer Bildung, die gängige Beurteilungspraxis durch ein „[…] breiteres, individuali-sierteres Evaluationssystem zu ersetzen.“68 Jedoch wird dies durch die Verordnung über dieAnerkennung von gymnasialen Maturitätsausweisen stark eingeschränkt, welche vorschreibt,dass die Leistungen in den Maturitätsfächern in ganzen und halben Noten ausgedrückt wer-den.69 Es ist deshalb nachvollziehbar und auch ratsam, die gleiche Beurteilungsmethodeschon vor Abschluss des Gymnasiums anzuwenden. Dies schliesst jedoch nicht aus, dassandere Beurteilungsformen angewendet werden, um die bisherige Beurteilungsmethode zuergänzen und den Schülerinnen und Schülern ein umfassendes Bild ihrer Leistungen zu er-möglichen. So ist auch in der Prüfungs- und Notenkonvention der Umgang mit erweitertenBeurteilungsformen geregelt.70Schriftliche Beurteilungen, mündliche Beurteilungen, Themenportfolios, Kurs-Portfolios, Lern-und Entwicklungsportfolios, Talentportfolios, Noten mit schriftlichen Kommentaren, Selbstbe-urteilung und Kompetenzraster sind nur einige alternative Beurteilungsformen. Es gibt vielemehr und diese gewinnen auch, zumindest auf der Primarstufe, auf welche hier nicht im De-tail eingegangen werden soll, immer mehr an Bedeutung Einige aber sollen doch kurz er-wähnt werden.Daniel Hunziker, Schulleiter der imPuls-Privatschule und Präsident der EUDEC-Schweiz,arbeitet an seiner Schule mit sogenannten Kompetenzrastern. Diese gliedern jeweils einenLernbereich in sechs Abschnitte (A1, A2, B1, B2, C1, C2), ähnlich wie beim Common Euro-pean Framework of Reference for Languages CEFR, welches sich auch an Schulen immermehr durchsetzt. Diese Kompetenzraster dienen einerseits dazu, den schulischen Lernstoff64 Art. 3 Abs.1 Promotionsreglement für die Unter-, Mittel- und Oberstufe des Gymnasiums der Kan-tonsschule.65 Vgl. Ingenkamp 1972, S. 12 f.66 Vgl. Strittmatter, 2009, S. 11 ff.67 Vgl. USO-UCE-UCS 2009, S. 1.68 USO-UCE-UCS 2009, S. 1.69 Art. 16 Abs.1 VO MAR.70 1.5. Erweiterte Beurteilungsformen, Prüfungs- und Notenkonvention. 38
  • 40. Demokratisierung der Kantonsschule Glarus 5. Interpretation der Gegenüberstellungzu überblicken und zu strukturieren, sollen andererseits aber auch mittels Lehrpersonen- wieauch Schülerselbstbeurteilung über die bereits erworbenen Kenntnisse Aufschluss geben. Imfolgenden soll ein Beispiel zum besseren Verständnis aufgeführt werden: A1 A2 B1  Ich kenne die Zahlen von 1 -  Ich habe eine visuelle  Ich habe eine visuelle Vorstellung der Zahlen 20 und kann sie vorwärts Vorstellung der Zahlen bis bis 100 und beherrsche die Addition und Subtrak- und rückwärts zählen. 20 und beherrsche die Addi- tion bis 100 mit einem bildlichen Vorstellungsver-  Ich verstehe das Dezimal- tion und Subtraktion bis 20 mögen.Rechenoperationen system und die Bedeutung mit einem bildlichen Vorstel-  Kopfrechnungen bis 100 kann ich schnell lösen. Zahlenraum und von Einern, Zehnern, Hun- lungsvermögen.  Ich kann Additionen und Subtraktionen schrift- dertern und Tausendern, etc.  Ich kann Rechnungen ( +, -) lich ohne Hilfsmittel bis 10`000 lösen. bis Mio. bis 10`000 mit Rechenhilfen  Ich kann die Zahlen bis 1000 auf dem Zahlen-  Ich verstehe die Bedeutung handelnd ausführen und die strahl ordnen und kenne die Vorgänger und der vier Rechenoperatio- Rechnungen und Zahlen Nachfolger. nen. korrekt lesen.  Ich beherrsche das kleine 1x1 multiplizierend und  Ich kann die Zeichen >,<, =  Ich kann die Reihen des dividierend. anwenden und kann Men- kleinen 1x1 korrekt aufsa-  Ich kann Rechnungen ( •, :) bis 100`000 mit gen vergleichen. gen. Rechenhilfen handelnd ausführen und die Rech-  Ich kenne die geraden und  Ich kann einfache logische nungen und Zahlen korrekt lesen. ungeraden Zahlen. Problemstellungen lösen.  Ich kann mich auch im negativen Bereich der Zahlengeraden orientieren und einfache Rech- nungen lösen. 71Tabelle 9: Beispiel zu KompetenzrasternEbendiese Kompetenzraster könnten nach Daniel Hunziker eine gute Ergänzungsmöglich-keit auf jeder Stufe bieten.72 Um diese auch in der Kantonsschule Glarus anwenden zu kön-nen, bedürfte es jedoch eines Vorbereitungskomitees.Weiterhin zu beachten, unabhängig von Beurteilungsform, ist der entstehende zusätzlicheZeitaufwand der Lehrpersonen und z. T. auch der Schülerinnen und Schüler, um die ent-sprechenden Beurteilungen durchzuführen. Diese gälte es, je nach Zeitaufwand, mit Entlas-tungsstunden zu unterstützen.71 Hunziker, 2008, S. 34.72 Vgl. Daniel Hunziker, Interview vom 12.08.2010. Siehe Anhang, S. III. 39
  • 41. Demokratisierung der Kantonsschule Glarus 5. Interpretation der Gegenüberstellung5.2.2.2 PrüfungenAnders als an demokratischen Schulen sind Tests und Prüfungen an der Kantonsschule Gla-rus obligatorisch und werden es weiterhin auch bleiben. Dennoch sollte hier über weiterePrüfungsmöglichkeiten nachgedacht werden, um den verschiedenen Lerntypen gerecht zuwerden. Auch die Prüfungs- und Notenkonvention sieht andere Prüfungsformen vor73. Leiderwird von den darin erwähnten Formen nur selten Gebrauch gemacht, schriftliche Prüfungenüberwiegen nach wie vor. Die Einführung der Unterrichtsnote kann insofern als Fortschrittbetrachtet werden, als dass dadurch der individuelle Aspekt mehr berücksichtigt wird undneben den vorwiegend schriftlichen Prüfungen eine Möglichkeit besteht, in anderer FormLeistungen zu erbringen.Nach 2.1. der Prüfungs- und Notenkonvention sollen Prüfungen „[…] erst nach Lernkontrol-len durchgeführt werden. Die Lernkontrollen geben der Klasse die Gelegenheit, sich aktiv mitdem Prüfungsstoff auseinanderzusetzen.“74 Jedoch werden solche in der Praxis selten bisnie durchgeführt und es kann somit als eine mögliche Handlungsebene der Lehrpersonenbetrachtet werden, Lernkontrollen freiwillig durchzuführen, und so den Lernenden, nebeneiner Standortbestimmung, die solche Tests bieten, ebenfalls die Möglichkeit zu geben, ihreSelbsteinschätzung zu erproben.5.2.2.3 SelbsteinschätzungAn den meisten staatlichen Schulen hat die Selbsteinschätzung der Lernenden praktischkeine Bedeutung, obwohl diese Form der Beurteilung auch an der Kantonsschule Glarusnicht unbekannt ist, schliesslich beurteilen Lehrpersonen sich und ihren Unterricht regelmäs-sig selber.75 Aus einem nicht ersichtlichen Grund aber ist diese Form der Beurteilung offen-bar nur den Lehrpersonen vorbehalten. Es ist also nicht erstaunlich, dass Schülerinnen undSchüler vom Notenurteil ihrer Lehrperson vollkommen abhängig sind und gegen Semeste-rende hektisch, mit dem Taschenrechner in den Schulhausgängen sitzend, ihre Schnitte aufZehntel und Hundertstel genau berechnen. Dabei wird das Notenurteil der Lehrpersonen oftals absolut betrachtet. Schülerinnen und Schüler verlieren die Fähigkeit zur Selbsteinschät-zung der erbrachten Leistungen je länger je mehr. Das führt auch nach abgeschlossenerAusbildung zu einer inkompetenten und undifferenzierten Einschätzung der eigenen Fähig-keiten. Leider viel zu häufig fühlen sich Schülerinnen und Schüler den diffusen, undurch-schaubaren Noten ausgeliefert. Sie verlieren die Überzeugung, dass sie selbst für ihreSchulleistung verantwortlich sind76, was sie nicht zu verantwortungsbewussten und kritisch73 1.1. Definition Prüfung, Prüfungs- und Notenkonvention.74 Ebd. 2.1. Lernkontrollen75 Art. 73 Abs. 2 Bildungsgesetz.76 Vgl. Jachmann 2000, S. 23 f. 40
  • 42. Demokratisierung der Kantonsschule Glarus 5. Interpretation der Gegenüberstellungdenkenden Individuen heranreifen lässt, sondern zu Marionetten der Gesellschaft.77 Es istdaher essentiell und auch im Sinne demokratischer Bildung, dass auch die Lernenden zurSelbsteinschätzung angeregt werden. Denn durch eine regelmässige Selbstbeurteilung wer-den Schülerinnen und Schüler in der Tätigkeit des selbständigen Lernens gefördert, da siesich mit ihren Leistungen, ihren Stärken und Schwächen, aktiv auseinandersetzen müssen.78Abschliessend und im Hinblick auf den Demokratisierungsaspekt kann festgehalten werden,dass gewisse Freiräume bestehen und dass diese auch genutzt werden können und sollen.Es liegt jedoch in der Verantwortung der Schule, dies zu ermöglichen (durch Entlastungs-stunden beispielsweise) oder zu erschweren. Und es liegt schlussendlich in der Verantwor-tung jeder einzelnen Lehrperson, diese „[…] als Ausdruck des persönlichen ‚Unterrichtsstils‘“79 zu nutzen.77 So werden Kompetenz wie „kritisches Denken“ und „selbständiges Arbeiten und Lernen“ von Dozie-renden an Deutschschweizer Universitäten als die grössten und häufigsten Lücken genannt. (Vgl.SKBF│CSRE (Hrsg.): Bildungsbericht Schweiz 2010, S.130.)78 Vgl. Rampillon 1996, S. 38.79 Strittmatter 2009, S. 71. 41
  • 43. Demokratisierung der Kantonsschule Glarus 5. Interpretation der Gegenüberstellung5.2.3 Förderung der Individualität5.2.3.1 Förderung der TalenteDurch das breitgefächerte Angebot an Wahl- und Freifächern wird dem Anspruch auf indivi-duelle Förderung teilweise Rechnung getragen. Jedoch wird die individuelle Förderung durchdie Tatsache, dass in den meisten Fächern eine Beurteilung stattfindet, welche, wie ihm vor-hergehenden Kapitel dargelegt, zum Teil sehr einseitig stattfindet, geschmälert. Ausserdemwird ein wesentlicher Teil der Interessensgebiete der Schülerinnen und Schüler nicht abge-deckt, so dass nicht von einer Förderung der individuellen Talente gesprochen werden kann,sofern diese nicht zufällig durch die Ausbildung abgedeckt werden. So geschieht Bildungmeist ausserhalb der Schule. Wichtig hier ist, dass man Ausbildung nicht gleichsetzt mit Bil-dung. So soll hier auf die Festrede von Prof. Dr. Peter Bieri verwiesen werden, die folgen-dermassen beginnt: „Bildung ist etwas, das Menschen mit sich und für sich machen: Man bildet sich. Ausbilden 80 können uns andere, bilden kann sich jeder nur selbst.“Wie schon im Abschnitt zu den Lerninhalten erwähnt, soll versucht werden, die Interessens-gebiete der Lernenden zu berücksichtigen und diese soweit wie möglich in den Unterrichtmiteinzubinden.Eine weitere Möglichkeit zur individuellen Entfaltung bieten die Freifächer, wobei hier daraufgeachtet werden muss, dass durch den Besuch eines solchen die betroffenen Personennicht stundenplantechnisch benachteiligt werden. Ausserdem wünschen sich die Lernenden,bei der Wahl der Freifächer mitbestimmen zu können.81 Durch den Einbezug der Meinungder Schülerinnen und Schüler könnte auch verhindert werden, dass Freifächer unterbesetztsind und somit nicht zustande kommen.80 Bieri 2005.81 Dies zeigte sich deutlich am International Student’s Day. 42
  • 44. Demokratisierung der Kantonsschule Glarus 5. Interpretation der Gegenüberstellung5.2.3.2 Einbringung der TalenteDie Schülerinnen und Schüler haben nicht besonders viele Möglichkeiten, ihre Talente ne-ben den üblichen Schulfächern einzubringen. Wenn man die Freifächer zum üblichen Schul-alltag zählt, gibt es drei Bereiche in denen sich die Lernenden engagieren können:Die Schülerorganisation (SO): „Die SO bezweckt [sic!] den Lebensraum Schule angenehmer zu gestalten, die Interessen und Anliegen der Lernenden zu vertreten und gemeinsame Aktivitäten dieser auch ausserhalb der Schulzeit zu fördern. Erstrebt wird weiter die Mitwirkung in 82 allen Belangen des Schulalltags.“Das Aula-Technik-Team: „Das Aula Technik Team (Aula TT) besteht aus Schülern der Kanti Glarus und betreut die technischen Einrichtungen in der Aula. Je nach Veranstalter helfen sie [sic!] die Technik für die Aufführung einzurichten und zu betreuen. Das Aula TT ist für 83 schulinterne und externe Anlässe zuständig.“Das Intranet-Team: „Das verantwortliche Intranet-Team versucht [sic!] im Schritt mit der Zeit zu sein und kümmert sich um die Belange der Anwen- 84 der und der Maschinen.“Tabelle 10: Einbringungsmöglichkeiten an der Kantonsschule GlarusWie in Tabelle 7 dargestellt, gäbe es aber eine Vielzahl von Möglichkeiten, wie sich auch dieeinzelnen Schülerinnen und Schüler mit ihren Talenten und Interessensgebieten einbringenkönnten. Leider zeigt die Erfahrung, dass die bisherige Einbringen in den wenig zur Verfü-gung stehenden Bereichen nicht gerade geschätzt und selten unterstützt wird. Vor allem dieArbeit in der Schülerorganisation ist eine undankbare Arbeit, von der Schülerschaft kaumwahr- und von den meisten Lehrpersonen nicht ernstgenommen.Ausserschulische TätigkeitenNach aktuellen Bestimmungen kann das Absenzen-Kontingent für ausserschulische Tätig-keiten erweitert werden.85 Jedoch zeigt auch hier die Erfahrung, dass diesen keine grosseAchtung entgegengebracht wird. Vor allem in der Jugendarbeit werden ausserschulischeTätigkeiten je länger je mehr nicht mehr bewilligt. Das zeigt die Erfahrung der USO (Unionder Schülerorganisationen CH/FL) deutlich.86 Es ist jedoch notwendig, dass die Möglichkeitder ausserschulischen Tätigkeiten bestehen bleibt, da sich die Jugendlichen dadurch Kom-petenzen aneignen, die in der Schule nicht direkt vermittelt werden. Es handelt sich dabeium Kompetenzen wie Verantwortungsbewusstsein, Führungsqualitäten, Teamfähigkeit, Kon-fliktfähigkeit und weitere soziale Kompetenzen. Wünschenswert wäre natürlich, wenn dieseForm von Bildung von den Schulen mehr geschätzt würde.82 Art. 2 Statuten SO.83 Internet: Musik an der Kanti Glarus. Aula. Aula Technik Team.84 Internet: Kantonsschule Glarus. ICT. Intranet.85 Art. 3 Abs. 1 SchVR KS.86 Persönliche Erfahrungen verschiedener USO-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter. 43
  • 45. Demokratisierung der Kantonsschule Glarus 5. Interpretation der Gegenüberstellung5.2.4 Eigenverantwortung5.2.4.1 LernenObwohl im Bildungsgesetz unmissverständlich festgehalten wird, dass die Schülerinnen undSchüler mitverantwortlich sind für ihren Lernprozess87, erfahren sie in fast jeglicher HinsichtEinschränkungen, was auch aufgrund der bisherigen Darlegungen ersichtlich ist und bestä-tigt werden kann. Es ist deshalb beinahe ein Hohn, dass dies ernsthaft von den Lehrperso-nen gefordert wird. Die Schülerinnen und Schüler werden in beinahe allen Bereichen bevor-mundet und haben schlicht nicht die Möglichkeit, Verantwortung zu übernehmen. Es ist des-halb notwendig, und dies nicht nur, um dem Anspruch demokratischer Schulen gerecht zuwerden, dass die Bildung wie im Kapitel „Selbstbestimmtes Lernen“ dargestellt demokrati-siert wird.5.2.4.2 HandelnDamit die Schülerinnen und Schüler zu verantwortungsbewussten Personen heranreifenkönnen, ist es wesentlich, dass ihnen die Möglichkeit dazu schon zu Beginn ihrer Ausbildunggegeben wird. Jedoch erfahren Schülerinnen und Schüler nicht nur im Bereich des Lernenseine enorme Bevormundung, sondern in allen Bereichen des Schulalltags und oft auch imFamilienalltag. Es liegt aber im Aufgabenbereich der Schule und auch in dem der Familien,dass sich Kinder und Jugendliche zu ebendiesen Personen entwickeln können. Es ist dahernotwendig, dass Schülerinnen und Schüler in einem demokratischen Schulsystem aufwach-sen, in einem System, in welchem ihnen Mitbestimmung und die Übernahme von Verantwor-tung ermöglicht wird. Ein System, das auf die bevorstehenden gesellschaftlichen Pflichtenvorbereitet. Ein System, welche unsere Regierungsform widerspiegelt.87 Art. 42 Abs. 2 Bildungsgesetz. 44
  • 46. Demokratisierung der Kantonsschule Glarus 5. Interpretation der Gegenüberstellung5.3 Die zwischenmenschliche EbeneDie zwischenmenschliche Ebene ist die am schwierigsten zu erfassende Ebene. So lassensich ihre Kriterien auch nicht wie bei der Schulebene oder auch teilweise bei der individuellenEbene gesetzlichen Bestimmungen gegenüberstellen. Dennoch konnten zu den einzelnenKriterien eine entsprechende Angaben gefunden werden. Dabei handelt es sich bei dieserEbene vorwiegend um Leitbildsätze, mit denen jedoch nicht gleich umgegangen werdenkann wie mit den Regelungen in den beiden anderen Ebenen. Da es sich bei Leitbildern all-gemein um idealisierte Darstellungen handelt, die vor allem dazu da sind, die Schule nachaussen zu vertreten, müssen die im Leitbild festgehaltenen Aussagen relativiert werden.Festzuhalten ist hier ebenfalls, dass im Leitbild oft „Wir“-Formulierungen verwendet werden,wodurch sich alle Schulbeteiligten angesprochen fühlen, was zu einer besseren Identifizie-rung mit der Schule und ihren Grundsätzen führt.5.3.1 Grundlegender RespektDer grundlegende Respekt, der Kindern und Jugendlichen entgegengebracht werden sollte,ist eines der wesentlichsten Kernelemente von demokratischen Schulen und gilt auch alsGrundlage, um ein Zusammenleben im Sinne demokratischer Bildung zu ermöglichen. ImLeitbild der Kantonsschule Glarus wird zwar ebenfalls festgehalten, dass ein gegenseitigerRespekt erwartet wird, jedoch kann aufgrund der hierarchischen Strukturen nicht von einemgegenseitigen Respekt der Lehrpersonen und der Schulgremien gegenüber den Lernendenausgegangen werden, der so weitreichend ist wie an demokratischen Schulen. Denn dieserzeigt sich in allen Bereichen des Schulalltags, wie in den vorhergehenden Ebenen schonausführlich dargestellt wurde, durch die Möglichkeit und Notwendigkeit der Partizipation.5.3.2 KonfliktbewältigungAn Gymnasien sind gewalttätige Auseinandersetzungen erfreulicherweise eher eine Selten-heit und stellen an Sekundar- und Realschulen grössere Probleme dar.88 Jedoch gibt esauch an Gymnasien Konflikte, obwohl diese eine deutlich weniger auffällige Form haben. Esist aber genau darum wichtig, dass eine offene und konstruktive Konfliktbewältigung prakti-ziert wird. So wird auch im Leitbild festgehalten, dass eine offene, konstruktive und auchkritische Kommunikation gepflegt werden sollte.89 Jedoch eignen sich die regulären Unter-richtslektionen nicht, um Konflikte zu lösen, da einerseits die unterrichtende Lehrperson zuwenig Einblick in die verschiedenen Konfliktsituationen hat und andererseits die 45 Minutennicht ausreichend sind, um jeden Konflikt zu behandeln. Daher ist die Klassenstunde einideales Gefäss, um solche Konflikte zu behandeln, und soll laut Lehrplan auch als solches88 Vgl. Studie zur Jugenddelinquenz im Kanton St. Gallen, Walser 2009, S. 22.89 Vgl. Leitbild der Kantonsschule Glarus, Schulhauskultur. 45
  • 47. Demokratisierung der Kantonsschule Glarus 5. Interpretation der Gegenüberstellunggenutzt werden. Es ist daher wichtig, dass die Klassenstunden regelmässig durchgeführt undKonflikte offen angesprochen werden. Weiter zu nennen ist die Präventions- und Konfliktbe-wältigungswoche auf der Unterstufe, in der basale Konfliktbewältigungskompetenzen vermit-telt werden sollen. Jedoch zeigt die Erfahrung, dass durch lediglich eine Woche oder nur einpaar Tage nicht wirklich eine Kompetenzvermittlung stattfinden kann. Es ist deshalb wichtigund auch empfehlenswert, mit Schulprojekten den Umgang mit Konflikten zu verbessern. ImBereich der Konfliktbewältigung gibt es viele Angebote. So gibt es zum Beispiel Schulen, andenen die Schülerinnen und Schüler selbst zu sogenannten „Streitschlichtern“ ausgebildetwerden. Als gutes Beispiel kann hier das „Peacemaker-Projekt“90 von NCBI (National Coaliti-on Building Institute) genannt werden, welches erfolgreich an zahlreichen Schulen durch-und zum Teil sogar langfristig eingeführt wurde.Bei Konflikten zwischen Lehrperson und einzelnen Lernenden sehen die Bestimmung hinge-gen einen anderen Umgang vor. Denn nach Art. 45 Abs. 2 des Bildungsgesetzes ist es dieLehrperson, die disziplinarische Anordnungen im Rahmen des Unterrichtsbetriebs treffenkann. Dies steht natürlich einem gleichberechtigtem Umgang mit Konflikten diametral entge-gen. Um eine Konfliktbewältigung auf „gleicher Augenhöhe“ zu ermöglichen, wie es auch andemokratischen Schulen vorgesehen ist, müsste die Schulorganisation wie auch der Unter-richt wie in den vorhergehenden Kapiteln dargestellt demokratisiert werden.5.3.3 Gemeinschaft5.3.3.1 VerantwortungUm dem Kriterium gerecht zu werden, dass alle Beteiligten zu gleichen Teilen verantwortlichsind für die Umsetzung und Einhaltung der getroffenen Entscheide, ist es notwendig, dieschulorganisatorischen Hierarchien zu überwinden. Das im Kapitel 5.1.1 vorgestellte möglichdemokratisch organisierte Schulsystem würde dies ermöglichen, da durch die Schulver-sammlung gewährleistet wäre, dass Regeln per demokratischem Mehrheitsentscheid be-schlossen würden. Da es sich somit um einen echten Gemeinschaftsentscheid handeln wür-de, wäre auch die gemeinsame Verantwortung für seine Einhaltung besser gewährleistet alsbei „von oben“ dirigierten Regeln. Dies würde auch dem im Leitbild geforderten Grundsatzgerecht werden, dass getroffene Abmachungen einzuhalten sind.Dasselbe gilt natürlich auch bezüglich der Arbeits- und Lernatmosphäre. Damit sich die Ler-nenden umfassend an der Gestaltung und somit auch Förderung eines positiven Lernumfel-des beteiligen können, ist es notwendig, den Schülerinnen und Schülern die entsprechendenFreiräume zu gewähren. Diese werden im Kapitel 5.2.1 detailliert erläutert. Ausserdem isthier anzuführen, dass die Schülerinnen und Schüler auch im Bereich der Schulhausgestal-tung miteinzubeziehen sind.90 Vgl. Internet: NCBI. Programme. Peacemaker. 46
  • 48. Demokratisierung der Kantonsschule Glarus 5. Interpretation der Gegenüberstellung5.3.3.2 Gemeinsame AktivitätenGemeinsame Aktivitäten und Anlässe fördern das Gemeinschaftsgefühl und tragen somitauch indirekt auch zu einem besseren Schulhausklima bei. Es ist deshalb wichtig, dass diesein dem sonst sehr hektischen Alltag nicht untergehen. Von vielen Lernenden wird jedocheine Möglichkeit der Mitgestaltung oder Eigenplanung gewünscht91. Diese ist jedoch aktuellnur in sehr eingeschränktem Masse möglich, hauptsächlich durch die Zusammenarbeit mitder Schülerorganisation, da diese für die Planung und Durchführung von gemeinsamen Akti-vitäten zuständig ist. Leider hat die SO nur ein Jahresbudget von CHF 1000.- und kann somitkaum weitere kostenverursachende Projekte unterstützten. Jedoch gibt es die Möglichkeit,dass kulturelle Aktivitäten administrativ und finanziell von der „applaus“-Kommission unter-stütz werden. Es wäre jedoch sehr wünschenswert, wenn es weitere Möglichkeiten gäbe, dieIdeen und Vorschläge der Lernenden zu verwirklichen. Vorstellbar wäre ein zusätzlicher, festim Budgetplan der Schule verankerter Fonds, der von der Schülerschaft ausgewählte Projek-te von Lernenden unterstützt. Die administrative Arbeit könnte hier gut von der SO über-nommen werden.Abschliessend kann die Schwierigkeit der Einschätzung der zwischenmenschlichen Ebenebestätigt werden, da keine messbaren Kriterien vorliegen. Jedoch konnte festgestellt werden,dass auf der zwischenmenschlichen Ebene ein grosses Potential vorhanden ist und schoneiniges, auch im Sinne demokratischer Bildung, umgesetzt wird. So weisen beispielsweisedie Leitsätze des Leitbildes grosse Ähnlichkeit mit den Kriterien einer demokratischen Schuleauf.91 Dies zeigten die Ergebnisse des International Student’s Day. 47
  • 49. Demokratisierung der Kantonsschule Glarus 5. Interpretation der Gegenüberstellung5.4 Abschliessende BetrachtungNach abgeschlossener Betrachtung und Bearbeitung der verschiedenen Ebenen kann klarfestgehalten werden, dass die drei Ebenen stark voneinander abhängen und sich gegensei-tig beeinflussen, so wiederholen sich beispielsweise gewisse Forderungen mehrmals, wasallerdings wieder Aufschluss über deren Notwendigkeit gibt. Ebenfalls erkennbar ist, dass imLaufe der Interpretation der Gegenüberstellung der einzelnen Ebenen auf bereits gezogeneSchlüsse der vorhergehenden Interpretation verwiesen werden kann und diese somit auchals geeignete Argumentationsgrundlage genutzt werden können. Wie etwa bei der zuletztbehandelten Ebene, der zwischenmenschlichen, bei deren Interpretation oft auf die Schul-ebene verwiesen wird. Hier wird deutlich, dass demokratische Schulstrukturen weitere Berei-che hinsichtlich der Demokratisierung begünstigen oder sogar erst diese ermöglicht. Daslässt darauf schliessen, dass eine demokratisch organisierte Schule als geeignete Grundlagebetrachtet werden kann, den Schülerinnen und Schülern auch in lerntechnischen und zwi-schenmenschlichen Belangen mehr Mitsprache und somit auch Verantwortung zuzuspre-chen. Bei zwischenmenschlichen Angelegenheiten ist es sogar notwendig, dass die Schulegewisse demokratische Strukturen aufweist, da ansonsten kaum von gleichberechtigterÜbernahme von Verantwortung gesprochen werden kann.Die Schulebene bietet somit einen geeigneten ersten Ansatzpunkt, die Schule zu demokrati-sieren. Dies schliesst aber nicht aus, dass auch auf anderen Ebenen Demokratisierungspro-zesse vorgenommen werden können. Dabei bietet sich vor allem die individuelle Ebene an,da sie durch ihre vielen und z.T. auch weitreichenden Freiräume ein grosses Demokratisie-rungspotential hat. Der Kontakt mit anderen Schulen, die bereits gewisse Freiräume zu nut-zen wissen, könnte hierbei sehr hilfreich sein. Die EDK bietet dazu auch eine gute Übersichtan geplanten oder bestehenden Projekten an, die auf folgender Website abgerufen werdenkann92: http://www.edk.ch/dyn/13341.phpFolglich muss der Aussage von Michael Sappir zu Beginn der Diskussion (siehe S. 13) ent-gegengehalten werden, dass Demokratie in der Schule durchaus durch Entwicklung dessen,was ist entstehen kann und zwar durch die von Daniel Hunziker erwähnten „emanzipiertenErwachsenen“, die mit bestehenden Freiräumen verantwortungsvoll umzugehen wissen unddurch mutige Schülerinnen und Schüler, Lehrerinnen und Lehrer und Eltern, die aufge-schlossen genug sind, auch einmal unkonventionelle Vorschläge auszuprobieren.92 Es handelt sich dabei um die EDK/IDES-Kantonsumfrage, die im Winter 2009/10 erhoben wurde. 48
  • 50. Demokratisierung der Kantonsschule Glarus 6. Bezug zur Kantonsschule Glarus6. Bezug zur Kantonsschule GlarusDie in dieser Arbeit gezogenen Schlüsse stützten sich vorwiegend auf die Bestimmungen derKantonsschule Glarus ab, die auch als Gegenstand des vorgestellten Demokratisierungspro-zesses behandelt wird. Deswegen soll hier spezifisch auf die Kantonsschule Glarus einge-gangen werden.Ein entscheidender Vorteil der Kantonsschule Glarus ist ihre vergleichsweise eher tiefeSchülerinnen- und Schüleranzahl, sodass sich eine Demokratisierung eher anbieten würdeals an einer Schule mit über tausend Schülerinnen und Schüler. Denn durch die dadurchentstehende Flexibilität, von welcher die Kantonsschule Glarus profitiert und die sie auch oftschon zu nutzen wusste, können weitere Freiräume geschaffen werden, in denen eine stär-kere Mitbestimmung und auch eine grössere Berücksichtigung der Individualität möglichsind.Ein weiterer Vorteil der Kantonsschule Glarus liegt darin, dass sie das einzige Gymnasiumim Kanton ist und somit eine grössere Autonomie besitzt als Gymnasien in grösseren Kanto-nen, die sich zusätzlich an kantonalen Mittelschulgesetzen orientieren müssen. Diese Auto-nomie gilt es zu nutzen. Und dabei zeigt die Kantonsschule Glarus immer wieder auch Mutzum Fortschritt. So war die Kantonsschule Glarus eine der ersten, welche das förderorien-tierte Qualitätsevaluationssystem (FQS) einführte.Zudem hat sie den Schülerinnen und Schülern schon früh ermöglicht, sich in einer Schüler-organisation zu engagieren. Was im damaligen Aufgabengebiet dieser lag, konnte im Rah-men dieser Arbeit jedoch nicht nachgegangen werden.Diese beiden Beispiele zeigen den Fortschrittswillen der Kantonsschule Glarus, welcherauch beim Projekt „Kanti 2010“ zum Ausdruck kommt. Diesbezüglich erfreulich ist, dass eini-ge oft erwähnte Wünsche der Schülerinnen und Schüler, die am International Student’s Daygeäussert wurden, im Projekt „Kanti 2010“ vorgesehen sind. So kann festgehalten werden,dass die Kantonsschule Glarus auf einem guten Weg zu mehr Demokratie ist. 49
  • 51. Demokratisierung der Kantonsschule Glarus 7. Fazit7. FazitSchlussendlich wird auch die vorliegende Arbeit mit einer nichtssagenden Note bewertetwerden und mit viel Glück den kommenden Generationen als Beispiel, sorgfältig versorgt inden Kästen der Mediothek, zur Verfügung stehen, um schlussendlich doch nicht gelesen zuwerden. Ein Schicksal, dass zahlreiche Arbeiten vor dieser bereits erfahren mussten undauch dieser Arbeit widerfahren wird. In der Hoffnung aber, dass doch einige Gedanken die-ser Arbeit weitergetragen werden und vielleicht – sei hier dieser ungeheuerliche Gedankeerlaubt – einmal Eingang in die Überlegungen von irgendwelchen Schulaufsichtsbehördenoder sonstigen übergeordneten Gremien finden, soll hier dennoch an alle, die sich durchrin-gen konnten, bis hierhin zu lesen, appelliert werden „[sich seines] eigenen Verstandes zubedienen“93 und der Demokratie die Türe zu öffnen, bevor sie diese eintritt. In diesem Sinnesoll hier ein abschliessendes Fazit gezogen werden:Die Schule ist ständig Gegenstand irgendwelcher gesellschaftlicher Kritik und erhält zuse-hends mehr erzieherische Aufgaben. Es ist daher wenig erstaunlich, dass sie den einerseitsansteigenden pädagogischen Anforderungen aber auch den leistungsorientierten Anforde-rungen andererseits nicht länger gerecht werden kann. Denn in einem Zeitalter der Informa-tions- und Bürgergesellschaft werden Kompetenzen wie Selbständigkeit, Flexibilität, Verant-wortungsbewusstsein und zahlreiche soziale Kompetenzen gefordert wie in keinem zuvor.Unser Schulsystem hat sich aber seit Pestalozzi kaum verändert und kann somit nicht alszeitgemäss betrachtet werden. Reformen werden von sehr unterschiedlichen Positionen ge-fordert, jedoch wird an kleinen Veränderungen herumgedoktert und hier und da wieder etwasangepasst, um kurze Zeit später festzustellen, dass so die Probleme auch nicht gelöst wer-den können. Das Bildungssystem verlangt nach einer umfassenderen Reform. Ob sich dabeidas Konzept der demokratischen Schulen anbietet oder nicht, kann und soll hier nicht be-antwortet werden, jedoch wurde in der vorliegenden Arbeit deutlich aufgezeigt, dass gewisseEigenschaften demokratischer Schulen durchaus den heutigen Anforderungen gerecht wer-den. Eine grundlegende Reform kann nicht von einem einzigen Gymnasium ausgehen, je-doch kann ein einzelnes Gymnasium sich soweit wie möglich demokratisch organisieren.So kann anhand der vorliegenden Arbeit, insbesondere durch die Gegenüberstellung derbeiden Strukturen und deren Interpretation, die anfänglich aufgestellte Hypothese nur teil-weise bestätigt werden. Um die Kantonsschule Glarus vollständig im Sinne demokratischerBildung zu demokratisieren, bedürfte es eindeutig einer grundlegenden Revision des Bil-dungssystems. Jedoch existieren Bereiche, die sich teilweise demokratisieren liessen. Hiermuss aber angemerkt werden, dass es sich dabei nicht mehr um eine demokratische Schule93 Kant 1784. 50
  • 52. Demokratisierung der Kantonsschule Glarus 7. Fazitim eigentlichen Sinne handeln würde, da gewisse Bedingungen erfüllt sein müssen, um alseine solche gelten zu können (siehe S. 6).Zu Beginn war ich selber, wie auch radikale Verfechter demokratischer Schulen, der Ansicht,dass es sinnlos wäre, staatliche Schulen zu demokratisieren, da es sich nur um eine„Scheindemokratie“ handeln würde, solang es immer noch übergeordnete Gremien gibt, dieein Veto-Recht besitzen. Meine Meinung hat sich aber im Laufe dieser Arbeit grundlegendgeändert. Es wäre ebenso unsinnig, die kleinen Schritte in Richtung demokratischer Mitbe-stimmung zu boykottieren, da sie zu wenig weitreichend scheinen, wie gar keine Verände-rung zu fordern. So schliesse ich mich David Gribble, einem der bedeutendsten Vertreterdemokratischer Schulen, an, der auf die Frage, was er von einer Demokratisierung von Re-gelschulen halte, antwortete: „[…] Ich glaube, kleine Veränderungen summieren sich zugrossen Veränderungen.“94Deshalb lässt sich für mich festhalten, dass es jede Veränderung, und möge sie noch soklein sein, zu unterstützen gilt. Schlussendlich geht es ja nicht darum, welches Schulsystemdas Beste ist, sondern darum, zu ermöglichen, dass wir Schülerinnen und Schüler und auchunsere kommenden Generationen zu mündigen, verantwortungsbewussten und selbständi-gen Bürgerinnen und Bürger heranreifen können. Und dies gelingt meiner Meinung nach nurdurch Vertrauen, welches wir unseren Kindern entgegenbringen. Vertrauen, dass sie selberin der Lage sind, sich auch ohne ständige Kontrolle zu entwickeln, zu bilden, zu lernen. Denngenau das machen sie ja bereits jahrelang, bevor sie eingeschult werden. Doch wir müssenden Kindern und Jugendlichen den nötigen Freiraum auch in der Schule bieten, damit sieaus eigener Neugier zu lernen beginnen. Solange wir ständig mit Lehrplänen, Beurteilungenund Sitzordnungen versuchen, Schülerinnen und Schüler zu erziehen, werden sie nie auseigenem Antrieb lernen. Wir müssen passiv werden, damit unsere Kinder aktiv werden kön-nen. Somit möchte ich meine Arbeit mit folgendem afrikanischen Sprichwort abschliessen: „Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.“94 Gribble 2009. 51
  • 53. Demokratisierung der Kantonsschule Glarus AbkürzungsverzeichnisAbkürzungsverzeichnis BiG Gesetz über Schule und Bildung (Bildungsgesetz) BV Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft FQS-Konzept Kantonsschule Glarus: Das förderorientierte Qualitätsevaluationssystem an der Kantonsschule Glarus. Orientierung z.H. des Bildungsdirektors Jacques Kamm. Glarus 2005. HO Hausordnung KRK Kinderrechtskonvention KV Verfassung des Kantons Glarus LB Leitbild der Kantonsschule Glarus LR Reglement über die Lernenden MAR KSG Reglement für die Maturitätsprüfungen an der Kantonsschule Glarus (Maturitätsreglement) PrNoK Prüfungs- und Notenkonvention PromR KS Promotionsreglement für die Unter-, Mittel- und Oberstufe des Gymnasi- ums der Kantonsschule RPflR SL, K, L Reglement über die Rechte und Pflichten der Schulleitung, der Konvente und der Lehrerschaft an der Kantonsschule Glarus SchO KS Schulordnung der Kantonsschule SchVR KS Reglement über die Behandlung der Schulversäumnisse an der Kan- tonsschule Statuten SO Statuten der Schülerorganisation (SO) der Kantonsschule Glarus VKL Verordnung über die Kommission für Lehrmittel VO MAR Verordnung des Bundesrates/Reglement der EDK über die Anerken- nung von gymnasialen Maturitätsausweisen (MAR) vom 15. Februar 1995 (SR 413.11). 52
  • 54. Demokratisierung der Kantonsschule Glarus QuellenverzeichnisQuellenverzeichnisLiteraturverzeichnisBIEDERMANN, HORST u. a.: ICCS – International Civic And Citizenship Education Study. Staatsbür- gerinnen und Staatsbürger von morgen: Zur Wirksamkeit politischer Bildung in der Schweiz. Ein Vergleich mit 37 anderen Ländern. Universität Fribourg 2010.BIERI, PETER: Wie wäre es, gebildet zu sein?. Festrede von Prof. Dr. Peter Bieri. Pädagogische Hochschule Bern. 2005.BRÜGELMANN, HANS: Probleme der Forschung zur „demokratischen Schule“ und Perspektiven für ihre Evaluation. In: Brügelmann, Hans (Hrsg.): Demokratische Grundschule. Mitbestimmung von Kindern über ihre Leben und Lernen. Siegen 2008, S.182 – 187.DZELILI, AMET: Vom Mythos der Schulzensuren. Bildung und Noten – ein unmögliches Paar. Liz. Basel 2008.EUROPARAT: Europäische Charta für eine demokratische Schule ohne Gewalt. 2005.GREENBERG, DANIEL: Ein klarer Blick. Neue Erkenntnisse aus 30 Jahren Sudbury Valley School. Leipzig 2006.GRIBBLE, DAVID: “Ich hätte lieber so wenig Regeln wie möglich“. Interview mit David Gribble. In: unerzogen Nr.1, 2009, S. 10.HOBMAIR (Hrsg.): Pädagogik. 4. Auflage. Troisdorf 2008.HOBMAIR (Hrsg.): Psychologie. 3 Auflage. Troisdorf 2005.HUNZIKER, DANIEL: Selbstregulation und Demokratie in der Schule. Pädagogisches Konzept der imPuls Privatschule Wädenswil. Schindellegi 2008.HUNZIKER, DANIEL: Re: Maturaarbeit. E-Mail vom 22.10.2010.HUNZIKER, DANIEL: Interview vom 12.08.2010, Wädenswil. Siehe Anhang, S.III.INGENKAMP, KARLHEINZ (Hrsg.): Die Fragwürdigkeit der Zensurengebung. Texte und Untersu- chungsberichte. Weinheim 1972.JACHMANN, MICHAEL u.a.: Leistungsbeurteilungen und Leistungsrückmeldungen an Hamburger Schulen. Bericht über ein Forschungsprojekt. o.O. 2000.KANT, IMMANUEL: Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung?. In: Johann Erich, Biester / Fried- rich Gedike (Hrsg.): Berlinische Monatsschrift. Bd. 4. 1784, S. 481 – 494.KANTONSSCHULE GLARUS: Das förderorientierte Qualitätsevaluationssystem an der Kantonsschu- le Glarus. Orientierung z.H. des Bildungsdirektors Jacques Kamm. Glarus 2005.KANTONSSCHULE GLARUS: „Kanti 2010“. Mittel- und Oberstufe. Internes Dokument. Glarus 2010.KANTONSSCHULE GLARUS: Lehrplan für das Gymnasium. 3. – 6. Klassen. Glarus 1996.KANTONSSCHULE GLARUS: Leitbild der Kantonsschule Glarus. Glarus 2002. 53
  • 55. Demokratisierung der Kantonsschule Glarus QuellenverzeichnisRAMPILLON, UTE: Schüler beurteilen sich selbst. Ein Zugang zum selbstgesteuerten Lernen. In: Bambach, H. u.a. (Hrsg.): Prüfen und Beurteilen. Zwischen Fördern und Zensieren. Friedrich Jahreshefte. Seelze 1996, S. 38 – 39.SAPPIR, MICHAEL: Die demokratische Struktur einer Sudbury-Schule. In: Brügelmann, Hans (Hrsg.): Demokratische Grundschule. Mitbestimmung von Kindern über ihr Leben und Lernen. Siegen 2008, S. 301 – 312.SAPPIR, MICHAEL: Du sagst, du willst eine Revolution?. In: unerzogen Nr.1, 2009, S. 15.STAMPFLI, MICHAEL: AW: Maturaarbeit Statement. E-Mail vom 17.10.2010.STRITTMATTER, ANTON: Hausregeln für Leistungsbeurteilungen und Notengebung. In: Fischer, Doris / Strittmatter, Anton / Vögeli-Mantovani, Urs. (Hrsg.): Noten, was denn sonst?!. Leis- tungsbeurteilung und –bewertung. Villmergen 2009, S. 71.STRITTMATTER, ANTON: Landkarte schulischer Beurteilungen. Koordinaten für ein komplexes und dilemmatisches Geschäft. In: Fischer, Doris / Strittmatter, Anton / Vögeli-Mantovani, Urs. (Hrsg.): Noten, was denn sonst?!. Leistungsbeurteilung und –bewertung. Villmergen 2009, S. 11 – 17.SKBF│CSRE Schweizerische Koordinationsstelle für Bildungsforschung (Hrsg.): Bildungsbericht Schweiz 2010. Aarau 2010.USO-UCE-UCS: Positionspapier der USO zur Evaluation im schulischen Umfeld. Bern 2009.WALSER, SIMONE: Jugenddelinquenz im Kanton St. Gallen. Bericht zuhanden des Bildungsdepar- tements und des Sicherheits- und Justizdepartements des Kantons St. Gallen. Zürich. 2009.WILKE, MARTIN: Was sind „Demokratische Schulen“ – und: Kann es Demokratische Grundschulen wirklich geben?. In: Brügelmann, Hans (Hrsg.): Demokratische Grundschule. Mitbestimmung von Kindern über ihr Leben und Lernen. Siegen 2008, S. 294 – 300. 54
  • 56. Demokratisierung der Kantonsschule Glarus QuellenverzeichnisInternetquellenIDEC 2005 BERLIN: Dokumentation, Resolution der IDEC 2005. http://de.idec2005.org/documentation/resolution/ [Abrufdatum: 04.10.2010].ALTERNATIVE EDUCATION RESOURCE ORGANIZATION: Democratic Education. http://www.educationrevolution.org/demschool.html [Abrufdatum: 13.10.2010].DER SCHWEIZERISCHE BILDUNGSSERVER: Das schweizerische Bildungssystem. Maturitätsschu- len (Gymnasien). http://www.educa.ch/dyn/43930.asp [Abrufdatum: 19.10.2010].KANTONSSCHULE GLARUS: Die Lehrkräfte der Kantonsschule Glarus. http://www.kantiglarus.ch/index.php?p=75|82|82&url/sekretariat/kontakte/lehrpersonen [Abruf- datum: 06.11.2010].KANTONSSCHULE GLARUS: ICT. Intranet. http://www.kanti- glarus.ch/index.php?p=113|115|115&url=/intranet/intranet [Abrufdatum: 02.12.2010]MUSIK AN DER KANTI GLARUS: Musik an der Kanti Glarus. Aula. Aula Technik Team. http://www.musig.biz/aula/technikteam/aula_att.php [Abrufdatum: 02.12.2010].KANTONSSCHULE GLARUS: Kontakte & Menschen. applaus. http://www.kanti- glarus.ch/index.php?p=75|76|76&url=/applaus [Abrufdatum: 03.12.2010].NCBI: Programme. Peacemaker. http://www.ncbi.ch/de/programme/pm/ [Abrufdatum: 03.12.2010].EDK | CDIP | CDPE | CDEP: Bildungssystem CH, Kantonsumfragen 2009/2010. http://www.edk.ch/dyn/13341.php [Abrufdatum: 06.12.2010]. 55
  • 57. Demokratisierung der Kantonsschule Glarus QuellenverzeichnisGesetzesverzeichnisBundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft (BV) vom 18. April 1999 (SR 101).Übereinkommen über die Rechte des Kindes vom 26. März 1997 (SR 0.107).Verfassung des Kantons Glarus (KV) vom 01. Mai 1988 (GS I A/1/1).Verordnung des Bundesrates/Reglement der EDK über die Anerkennung von gymnasialen Maturität- sausweisen (MAR) vom 15. Februar 1995 (SR 413.11).Gesetz über Schule und Bildung (Bildungsgesetz) vom 6. Mai 2001 (GS IV B/1/3).Schulordnung der Kantonsschule vom 26. Juni 1996 (GS IV B/4/2).Reglement für die Maturitätsprüfungen an der Kantonsschule Glarus (Maturitätsreglement, MAR) vom 24. Januar 1996 (GS IV B/4/5).Promotionsreglement für die Unter-, Mittel- und Oberstufe des Gymnasiums der Kantonsschule vom 16. September 1996 (GS IV B/4/10).Reglement über die Behandlung der Schulversäumnisse an der Kantonsschule vom 06. Juni 2000 (GS IV B/4/7).Verordnung über die Kommission für Lehrmittel vom 04. Juni 2002 (GS IV B/32/3).Reglement über die Rechte und Pflichten der Schulleitung, der Konvente und der Lehrerschaft an der Kantonsschule Glarus vom 26. Juni 1997.Reglement über die Lernenden vom 27. August 2003.Prüfungs- und Notenkonvention vom 19. Februar 2010.Hausordnung vom 07.12.2007.Statuten der Schülerorganisation (SO) der Kantonsschule Glarus vom 04. Juni 2002. 56
  • 58. Demokratisierung der Kantonsschule Glarus QuellenverzeichnisAbbildungs- und TabellenverzeichnisAbbildungenTitelblatt: Illustration – Raised HandsQuelle: http://www.natcom.org/CommCurrentsArticle.aspx?id=2147483785Abbildung 1: Organigramm einer demokratischen SchulstrukturQuelle: Eigene DarstellungAbbildung 2: Selbstbestimmtes Lernen an einer demokratischen SchuleQuelle: Eigene DarstellungAbbildung 3: Organigramm der Kantonsschule GlarusQuelle: Eigene DarstellungAbbildung 4: Organigramm: demokratische Kantonsschule GlarusQuelle: Eigene DarstellungAbbildung 5: EvaluationskreislaufQuelle: Eigene Darstellung; orientiert sich am FQS-Konzept 2005, Beilage 3TabellenTabelle 1: Befürworter demokratischer Schulen im VergleichQuelle: Eigene Darstellung; Inhalte: siehe Verweise.Tabelle 2: Kriterien auf der SchulebeneQuelle: Eigene DarstellungTabelle 3: Kriterien auf der individuellen EbeneQuelle: Eigene DarstellungTabelle 4: Kriterien auf der zwischenmenschlichen EbeneQuelle: Eigene DarstellungTabelle 5: Gegenüberstellung: SchulebeneQuelle: Eigene DarstellungTabelle 6: Gegenüberstellung: individuelle EbeneQuelle: Eigene DarstellungTabelle 7: Gegenüberstellung: zwischenmenschliche EbeneQuelle: Eigene DarstellungTabelle 8: Aufgaben der KomiteesQuelle: Eigene DarstellungTabelle 9: Beispiel zu KompetenzrasterQuelle: HUNZIKER, DANIEL: Selbstregulation und Demokratie in der Schule. Pädagogisches Konzept der imPuls Privatschule Wädenswil. Schindellegi. 2008, S. 34.Tabelle 10: Einbringungsmöglichkeiten an der Kantonsschule GlarusQuelle: Eigene Darstellung; Inhalte: siehe Verweise 57
  • 59. Demokratisierung der Kantonsschule Glarus AnhangAnhang I. Interviewbogen: Interview mit Daniel Hunziker II. Interview mit Daniel Hunziker – Ergebnisse III. Ergebnisse der Aktion zum International Student’s Day IV. Selbständigkeitserklärung I
  • 60. Demokratisierung der Kantonsschule Glarus AnhangV. Interviewbogen: Interview mit Daniel HunzikerDemocratic Education - Wie sind Sie auf demokratische Bildung gestossen? - Weshalb haben Sie eine demokratische Schule gegründet? Warum haben Sie nicht versucht am bestehenden System etwas zu verändern?ImPuls Privatschule - Das Bildungsgesetz des Kantons Glarus setzt für Privatschulen voraus, dass diese einer Bewilligung des Regierungsrates bedürfen. Wie sieht das bei der imPuls Privat- schule aus? - Gab es vom Kanton Auflagen oder Einschränkungen in der Schulführung? - Inwieweit wird die Schule durch Auflagen/Regelungen eingeschränkt? - Müssen Sie „Rechenschaft“ gegenüber dem Kanton, bezüglich Leistungs-Standards ablegen? - Wie ist der Übertritt an andere Schulen geregelt? - Wäre es theoretisch möglich, dass die imPuls Schule eines Tages eine staatliche Schule wird?DemEdu und Staatliche Schulen - Halten Sie es grundsätzlich für sinnvoll und möglich Regelschulen zu demokratisie- ren? - Was für Erfahrungen haben Sie gemacht, wenn es darum ging Freiräume an staatli- chen Schulen zu nutzen? - Wie könnten, Ihrer Meinung nach, Freiräume an Gymnasien genutzt werden? II
  • 61. Demokratisierung der Kantonsschule Glarus AnhangVI. Interview mit Daniel Hunziker - ErgebnisseDatum: 12.08.2010 Person: Daniel HunzikerZeit:15:00 Tel: 044/784 13 01Ort: Wädenswil Mobile:Gespräch: E-Mail: daniel.hunziker@imPuls.chFragenDemocratic EducationFrage 1:Wie sind Sie auf demokratische Bildung gestossen?Frage 2:Weshalb haben Sie eine demokratische Schule gegründet? Warum haben Sie nicht versuchtam bestehenden System etwas zu verändern?Die ImPuls Privatschule existiert schon seit 9 Jahren und wurde von Daniel Hunziker ge-gründet, bevor er sich mit demokratischer Bildung auseinandersetzte. Er vermisste die Wür-de und den Respekt gegenüber den Kindern an staatlichen Schulen. Seine Vorstellungenzum Umgang mit Kindern konnten sich nicht mit denen der staatlichen Schulen decken, auchwenn er immer wieder versuchte etwas zu verändern. Deshalb gründete er die ImPuls Schu-le um den Kindern mehr Würde zu geben und ihnen die Möglichkeit zu geben aus ihren ei-genen Impulsen zu lernen, und so den Zugang zu sich selber wieder zu finden und auch sozu leben und zu lernen. Vor zwei Jahren stiess er auf die „Alternative Education ResourceOrganization“ und so zu David Gribbe und dem IDEN.ImPuls PrivatschuleFrage 3:Das Bildungsgesetz des Kantons Glarus setzt für Privatschulen voraus, dass diese einerBewilligung des Regierungsrates bedürfen. Wie sieht das bei der imPuls Privatschule aus?Frage 4:Gab es vom Kanton Auflagen oder Einschränkungen in der Schulführung?Frage 5:Inwieweit wird die Schule durch Auflagen/Regelungen eingeschränkt?Da die Schule vor erst kurzer Zeit (vor den Sommerferien) vom Kanton Schwyz, Schindellegiin den Kanton Zürich (Wädenswil) gewechselt hat, waren viele Fragen zu diesem Teil eigent-lich überflüssig, da im Moment noch nicht alles klar ist. Im Kanton Schwyz gab es nie Prob-leme mit Bewilligungen oder irgendwelchen Auflagen. Im Kanton Zürich ist es offenbar sogeregelt, dass in regelmässigen Zeitabständen eine zuständige Person vorbeikommt umeinen Eindruck zu gewinnen.Durch die Kompetenzraster ist der Lehrplan (des Kantons Zürich) sehr gut abgedeckt, undso ist auch ein Übertritt an andere Schulen gut möglich. Zu den Kompetenzrastern kommenmonatliche Einzelgespräche und ein jährlicher Bericht dazu (darin wird festgehalten was dasKind gemacht hat, nicht mit Noten).Ausserdem existiert die Schule schon seit 9 Jahren, so dass sie auch eine gewisse Exis-tenzberechtigung geniesst. Der Schule liegt ebenfalls ein wissenschaftliches Konzept zuGrunde. III
  • 62. Demokratisierung der Kantonsschule Glarus AnhangDemokratische Bildung und Staatliche SchulenFrage 9:Halten Sie es grundsätzlich für sinnvoll und möglich Regelschulen zu demokratisieren?Frage 10:Was für Erfahrungen haben Sie gemacht, wenn es darum ging Freiräume an staatlichenSchulen zu nutzen?Frage 11:Wie könnten, Ihrer Meinung nach, Freiräume an Gymnasien genutzt werden?Im heutigen System sind solche Schulmodelle wie die ImPuls Privatschule vermutlich nichtmassentauglich. Es wurden schon oft Projekte durchgeführt, die eine gewisse Freiheit denLernenden zuliessen, diese wurden aber nie lange genug durchgeführt, da niemand mehrgelernt hat. Es ist aber normal, dass es eine gewisse Zeit geht, bis der Mensch wieder auseigenen Antrieben und Interessen lernt. Dieser Prozess ist eine heikle Phase und wird beiKindern die in eine Demokratische Schule übertreten oft auch zur Vertrauensprobe der El-tern gegenüber ihrem Kind. Es gibt leider viele Eltern die ihre Kindern in dieser Phase vonder Schule nehmen mit der Begründung, dass dies nicht die richtige Schule sei. Deshalb istes auch sehr schwer solche Freiräume umzusetzen. Es wäre nicht möglich von 0 auf 100 dieganzen Kompetenzen den Schülerinnen und Schülern zu überlassen. Eine Möglichkeit siehtDaniel Hunziker darin, den Schülerinnen und Schülern immer mehr Kompetenzen zu über-lassen.Ausserdem wären die Kompetenzraster in jeder Stufe denkbar. Sie liessen sich überall integ-rieren.Ergänzungen - Kompetenzraster - Schulversammlung - Gedankenexperiment mit Schülerinnen und Schüler: Was würde passieren, wenn sie alle Entscheidungen von heute auf morgen selber treffen könnten? Kein Zwang, keine Regeln, keine Erwartungen etc… IV
  • 63. Demokratisierung der Kantonsschule Glarus AnhangVII. Ergebnisse der Aktion zum International Student’s DayForderungenSchulhausKaffeemaschine/KaffeeautomatRauchereckenLounge/Aufenthaltsraum für SchülerInnen (mit Sofas und Tischen)Sofas in der EingangshalleBessere/bequemere/mehr Sitzgelegenheitmehr und früher heizenSchulhausrenovierung & Neues FarbkonzeptMusik in der KantiSchule länger offen bleibenBillardtischTeppichreinigungbequem/heimelig eingerichtetes SchulhausDachterrassekein Schnupf und RauchverbotSelecta-Automat in der Eingangshalleein Briefkasten beim Sekretariat oder so, wo man Anregungen etc. für die Schuleabgeben kannEssen in der EigangshalleEssen im ganzen SchulhausAbsatzverbotWCSchönere WCbessere Frauen WCBesser beleuchtete WCOB Plastik-Tüten in den WCsaubere, nicht immer verstopfte WCbessere WC Spülungmehr Handtücher bei den WCAbfalleimer auf jedem WCBesseres Hahnenwasserkeine klemmenden TürenEDVneuere/bessere Computermehr ComputerMicrosoft Word auf jedem PCbessere Bildschirme in den Glasräumenneue/aktuelle Betriebssysteme (Vista, Windows /)bessere W-LAN VerbindungW-LAN EinführungMusik hören & Chatten am PC erlauben V
  • 64. Demokratisierung der Kantonsschule Glarus Anhangbessere Digithek-EinführungFächerschon in der 3ten Klasse SPFFreifach Theater ab 1. Klassemehr Freistundenweniger MatheMehr Wahlfächer, weniger Pflichtfächerweniger FranzAbschaffung NPUSchulfächer selber auswählenHauptfächer selber zusammenstellenFächer ab der 4ten Klasse selber auswählenmehr Freifächer für 1. KlässlerHausaufgabenlektionwieder Profile/Typus statt SPFweniger Deutschmehr SprachenLatein als SPF„Moderne Sprachen“ als SPFSport als SPFFreifach PhilosophieFreifach GamingMusik nur noch als FreifachFreifach JapanischFreifach ChinesischDELF-Kursfreiwilliger Einführungskurs in Word, Excel, Powerpoint etc.mehr Sportfreifächermehr FreifächerBG HalbklassenunterrichtKochen als obligatorisches Fach in der 1. und 2. KlasseMehr Lektionen für SPFSpezialwochen und TageWandertage nach Motivation & Leistungganze Klasse macht einen Sprachaufenthaltmehr Spezialwochenmehr ProjekttageSchlitteln am Sport und Skitagmehr SkitageJedes Jahr ein Lager/mehr LagerSkilagerFachwoche im Auslandmehr Exkursionen VI
  • 65. Demokratisierung der Kantonsschule Glarus Anhangin der 3ten Klasse in Lagerlängere WiwoUnterrichtKeine HausaufgabenMusik hören während der LektionenMitspracherecht bei Unterrichtsthemenbessere Erklärungen der Theorieweniger Frontalunterricht (vor allem in den mathematischen Fächern)selbständiges LernenLehrerbewertungmehr Experimente in Chemie und Physikmehr Praxisbezug im Unterrichtweniger LiteraturgeschichteLektüre selber entscheidenKeine Franz-Voci Prüfungen über 25 SeitenKeine mündlichen Prüfungen von ChemielaborberichtenWeniger TheorieEnglischsprachiger UnterrichtLabor selber wählenSitzplatz selbst festlegen (in Klassenzimmer)Aufsätze am Computer verfassenLaptops im Unterricht erlauben und evtl. integrierenIn Mathe vermehrt mit dem Computer arbeiten; programmieren; hackenMehr SpassKeine „Religion“ im Deutsch-UnterrichtSchweizerdeutscher UnterrichtNeue KlaviereFREDweniger Botanikmehr HumanbiologieRegelnKein langes abschreiben; sondern fotografierenKaugummi in der StundeTrinken in der StundeSportTurnen als Promotionsfachmit Schuhen in die Turnhallemehr Sportfreifächerklassenübergreifende Sportmannschaftenein Wettbewerb „kreativstes Outfit“ an der Volleyballnachtmehr raus gehen im SportNicht getrenntes Turnen (Geschlechter)Paintball in der TurnhalleAbwechslungsreicheres TurnenBGSpray-Painting in BG VII
  • 66. Demokratisierung der Kantonsschule Glarus AnhangMusik hören während BGSchulorganisationSchulbeginn an Fahrplan anpassenSchulbeginn später beginnenlängere PausenMittwochnachmittag keine SchuleSchulbus gratis/Spezial Preis3 freie Nachmittagelanger MittagEinheitliche Zeit für KlassenstundeKeine/weniger Prüfungen während der MaturaarbeitGrössere Pulte im H1 und H2mehr Rabatt bei SchulbüchernKeine teure Schulbücher die nur selten gebraucht werdenGratis Schulmaterial auch ab der 4ten Klassen (Bücher nicht)neue HausordnungMitsprache und Mitentscheiden können (z. B Stundenplan)Planen dürfen von 2 und 3 Klässlernbessere BerufsberatungPartnerschule in AuslandGebrauch von Lift auch für Schülerschaftzu jeder Zeit in die Aula könnenGames in der Mediothekgratis druckenLehrpersonenpädagogisch ausgebildete LehrerSelber über Lehrpersonal entscheidenTeacher of the year- Wahlenmehr Einfühlungsvermögen der LehrerTechnik – Kurs für Lehrerbessere Kommunikation zwischen Lehrer und SchülerNeue Lehrer sollen bleibenVerschiedene Lehrer, gleiche Chancenkeine Diskriminierung schlechter Franzschülerobligatorische AuslandaufenthalteMitspracheMehr Respekt der Lehrer den Schülern gegenüberkeine parteiischen LehrerAbsenzenmehr Absenzen, keine Sperrtageneues Reglement ab 4. KlasseVerspätungen erst ab 5- 10 Minuten, 1 min, halbe Verspätungkeine Halbtagbelastung bei Krankheit oder Arztbesuchzusätzliche Halbtage für Unischnuppertageschneefrei VIII
  • 67. Demokratisierung der Kantonsschule Glarus Anhang35 Freistunden, nicht 7 Halbtagemehr Halbtagekältefreimehr FerienPromotionGewichtung der mündlichen Note selber festlegen könnenfaire BewertungenSPF zählt doppeltEin Fach als StreichnoteWahl zwischen Musik und Sport als PromotionsfachTurnen als PromotionsfachWeniger musiklastigerweniger Prüfungenfaire Notengebungkeine Musik NoteSpezialanlässeTurnhalle für den KABAmehr Anlässe (wie z. B. kaba)Mehr Sportveranstaltungen (fakultativ)NachtschuleFilmabendemehr KonzerteWandbemal Woche1x Alpamare im Jahr1x Europapark im JahrBessere KabasSisha Ecke am KABAmehr Externe an den KABA einladenBessere Bälle in der MediothekGeldlimite für WichtelgeschenkeSpezialtage, Wandertage, Skitage nicht mehr teuer und obligatorisch, Auswahl an-bietenMensaBesseres MensaessenMikrowellenTiefere Preisebesseres Mensakonzeptmehrere Schlangen in der MensaGrösseresg/abwechslungsreicheres AngebotDöner, Dürüm, HotdogSchülerrabattGlaceautomatRenovierung der Mensa IX
  • 68. Demokratisierung der Kantonsschule Glarus Anhanggesundes Essengrössere MensaMensa im Dachgeschossbilligere SchoggibrötchenBuffet am MittagStaffelung der EssenszeitenFleisch beim Nachschöpfenweniger Essen wegwerfenAlternative zur Mensaam Mittag selber kochen könnenMehr DonutsCrépesTüre bei Mensa immer von innen offenSonstige/utopische WünscheschulfreiBierschanke in der MensaSisha in der EingangshalleSwimming PoolRutschbahn von zu oberst bis zu unterstHaustiere mitnehmen X
  • 69. Demokratisierung der Kantonsschule Glarus AnhangSelbständigkeitserklärungHiermit erkläre ich, dass ich die vorliegende Arbeit „Demokratisierung der KantonsschuleGlarus“ selbständig verfasst und keine anderen als die angegebenen Quellen benutzt habe.Alle Stellen, die wörtlich oder sinngemäss aus Quellen entnommen wurden, habe ich alssolche gekennzeichnet.Ich nehme ausserdem zur Kenntnis, dass meine Arbeit zur Überprüfung der korrekten undvollständigen Angabe der Quellen einer Plagiatsprüfung unterzogen wird. Weiter bestätigeich, dass ich darüber in Kenntnis gesetzt wurde, dass zu meinem eigenen Schutz die Soft-ware ebenfalls dafür verwendet wird, später eingereichte Arbeiten mit meiner elektronisch zuvergleichen um damit Abschriften und eine Verletzung des Urheberrechts zu verhindern.Mit meiner Unterschrift bestätige ich die Richtigkeit dieser Angaben.Datum: 05.12.2010 Unterschrift: XI

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