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Grußwort des Niedersäch-sischen Ministeriums fürWissenschaft und KulturReferent: Detlef Lehmbruck, Refe-ratsleiters Musik/...
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Was da in der Wertschätzung des Ge-sangs passiert, möchte ich am Beispieldes Romans verdeutlichen. Hatte manzuvor Sänger n...
Rückweg in die Vergangenheit, ob nun                       phonie des Hochmittelalters, durch denHamann „die ausgestorbene...
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III.So ist das Singen aus Sicht der Musik-land-Idee, eine besonders glückliche mu-sikalische Sozialform, die es erlaubt, v...
lieder singen lassen, deren romantischeGegenstände mit den Aufgaben unsererKinder nichts zu tun haben? Bewahrenwir mit die...
Sozialisierung durch Sin-gen IDas hessische Primacan-ta-ProgrammReferent: Thomas Rietschel, Präsi-dent der Hochschule für ...
Ziele von Primacanta sind zum einen der                     Gesungen wird Liedgut aus verschiede-Versuch einer nachhaltige...
einer Singumgebung, in der Singen lang-                      Evaluiert wird das Projekt mit standardi-fristig regelmäßig u...
Mehr Öffentlichkeit fürden Gesang I – AudienceDevelopment beim Rund-funkchor BerlinReferent: Hans-Herman Rehberg,         ...
Neben der Reihe „Broadening in Concert“                         Damit möchte der Chor dazu beitragen,und den Education-Akt...
Mehr Öffentlichkeit fürden Gesang II – SingendeFlashmobs der Interna-tionalen A-cappella-Woche HannoverReferent: Roger Cer...
hinaus kann z.B. der Informationsfluss                           z.B. Backstage-Aufnahmen. Es geht dar-über Programmankünd...
gab zehn Meldungen. Sie müssen die                              gar aus Übersee und es ist eine schöne,Leute mit auf den W...
Martin Heubach: Benutzen Sie noch                              Es muss immer ein Mix sein. Langfristigklassische Werbemitt...
SINGEN MIT GENERATIO-NEN I – Canto elementarReferentin: Anke Bolz, Seminar- undProjektleiterin „Il canto del mondoe. V.”Ca...
Dokumentation jahreskonferenz 2010
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Alle Beiträge, alle Diskussionsgruppen - das Thema Singen bei der Jahreskonferenz Musikland Niedersachsen 2010

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Dokumentation jahreskonferenz 2010

  1. 1. JahreskonferenzMusikland Niedersachsen20105. Treffen MusikvermittlungsteamHerausforderung Musikvermittlung -Werkstatt des Musikvermittlungs-teams zu Hürden im ArbeitsalltagModeration: Anne Benjes, MusiklandNiedersachsenDas Treffen fand am Vormittag des er-sten Tages der Musikland Jahreskonfe-renz 2010 in der Landesmusikakademie Sie sprach von Nöten und Freuden in derNiedersachsen in Wolfenbüttel statt. Mit Kooperationsarbeit. Wichtig sei es, zweieinem Rückblick auf die Aktionswoche grundlegend verschiedene Herange-Ohrenschmaus, welche vom 20. – 26. hensweisen in der Arbeit mit Koope-September 2010 stattgefunden hatte, rationspartnern zu unterscheiden: Ent-wurde die Sitzung eröffnet. Frau Benjes weder eine gute Idee ist vorhanden, zustellte fest, dass die landesweite Medien- der der passende (ggf. neue) Kooperati-aufmerksamkeit z. B. durch das NDR onspartner gesucht wird oder man gehtFernsehen vielen Projekten zugute kam. von einem langjährigen bewährten Part-Die Woche wurde vom Musikland- ner aus und kreiert das passende Pro-Filmteam begleitet. Ein Video- jekt, z.B. bei veränderten Rahmenbedin-Zusammenschnitt der Projekte ist auf gungen (Bsp. Ganztagsschulen).der Musikland-Homepage einsehbar. DerWunsch nach einer Fortführung einer Nach dieser Unterscheidung gebe essolchen Aktionswoche wurde ausgespro- mehrere Punkte, die die Kooperationsar-chen, wenn möglich zukünftig mit mehr beit erleichtern könnten: Einen Koopera-Kooperationspartnern und Projekten. tionsvertrag, der langjährig oder für ein- zelne Projekte geschlossen wird, könneDie eigentliche Sitzung widmete sich die Ziele klar formulieren und somit Fra-Hürden der Musikvermittlung im Arbeits- gen wie die Finanzierung, die Dokumen-alltag: möglichen Schwierigkeiten in der tation und Präsentation schon im VorausZusammenarbeit mit Kooperationspart- klären. Als weitere Hürden nannte Kahl-nern, Fragen nach Zielgruppen sowie der mann logistische Fragen wie die Bereit-Stellung und Funktion von Musikvermitt- stellung von Instrumenten, Transportfra-lung innerhalb der eigenen Organisation. gen, den Austausch von KontaktdatenVier Impulsreferate aus dem Team ga- (beispielsweise mit LehrerInnen und El-ben Einblick in die unterschiedlichen Er- tern) sowie Zeit und Ort einer Veranstal-fahrungen auf diesem Gebiet und stan- tung. Diese Fragen im Voraus zu klären,den stellvertretend für die jeweilige Hür- könne Kollisionen mit Konkurrenzveran-de. Sie gaben Anlass zum Gespräch. staltungen und plötzliche Überraschun- gen vermeiden. Als Tipp riet Kahlmann,Für die „Zusammenarbeit mit Kooperati- auch bei guter Organisation flexibel zuonspartnern“ gab Denise Kahlmann von bleiben sowie, wenn möglich, DozentIn-Musik in Hainholz/Musikzentrum Hanno- nen, LehrerInnen oder Eltern in organi-ver einen Einblick in ihre Arbeit. satorische Fragen einzubinden. Musikland Niedersachsen – Jahreskonferenz 2010 – Protokoll 5. Treff Musikvermittlungsteam – Seite 1 von 3
  2. 2. Das zweite Impulsreferat zur Hürde „Ko- dung unterschiedlicher Ensembles undoperationspartner“ wurde von Martin Chöre der Region, aber auch nicht direktHeubach und Ruth Emanuel von Concer- mit Kulturveranstaltungen in Verbindungto Gandersheim gehalten. gebrachte Partner, etwa Cafés oder örtli-Concerto Gandersheim war durch die che Vereine wie die Feuerwehr. LetztereGründung eines Trägervereins zusätzlich bringen kulinarische Kompetenzen oderzum kirchenmusikalischen Angebot der Erfahrungen im Organisieren von örtli-Gemeinde Bad Gandersheim in Südnie- chen Festen mit. Durch die Schaffungdersachsen entstanden. Die letzten zehn neuer Kooperationen kann gleichzeitigJahre galt die Arbeit allen möglichen Mu- auch ein erweitertes Publikum angespro-sikern, vom Kinderchor bis zum profes- chen werden.sionellen Vokalensemble. Martin Heu-bach ist Intendant der Gandersheimer Hilfreich für den InformationsaustauschDommusiken. und für die Vernetzung von Kulturveran- staltern könne ein Runder Tisch nach Art der „Hauptsache Kultur“-Treffen in Bad Gandersheim sein. Heubach nannte hier die klaren Vorteile für den ländlichen Raum, sich auszutauschen und gegebe- nenfalls ein gemeinsames Marketing zu betreiben. Die Idee, den regionalen Tou- rismus durch Kulturveranstaltungen zu fördern, biete neue Möglichkeiten der Kooperationen auf dem Land.Ausgehend von den Internationalen Abschließend für die Hürde Kooperati-Gandersheimer Dommusiktagen sprach onspartner wurde der Wunsch nach ei-Heubach vom Vorteil eines solchen Festi- nem verstärkten Erfahrungs- und Infor-vals für örtliche Kulturveranstalter auf mationsaustausch der Musikvermittlerdem Land, das auch kleineren Veranstal- untereinander angesprochen. Ein ge-tern Aufmerksamkeit bringe, die sie meinsamer Verteiler wurde angeregt,sonst nicht hätten. woraufhin Frau Benjes auf Hans Walter vom Referat „Musikalische und künstleri-Die Kooperationen betreffend, setzt sche Bildung“ des NiedersächsischenHeubach in seiner Arbeit darauf, Kompe- Kulturministeriums verwies, welcher in-tenzen des jeweiligen Partners zu er- teressierte Musiklehrer regelmäßig mitschließen und zu nutzen, was Synergie- Informationen versorgt und über einenEffekte mit sich bringe. Kooperationen funktionierenden Verteiler verfüge. Einmit der Wirtschaft beispielsweise bieten Terminabgleich, wie es beispielsweiseoftmals finanzielle Förderung, jedoch das Chorleitertreffen Hannover macht,auch die Möglichkeit, ungewöhnliche Auf- wurde hauptsächlich für urbane Räumeführungsorte zu bespielen. Beispiele für als sinnvoll erachtet. In der Diskussiondie Erschließung solcher neuer und un- um Verträge kristallisierte sich heraus,gewöhnlicher Räume für geistliche Musik dass Verträge mit Kooperationspartnernwaren ein Konzert in einer Burg sowie eine Augenmaßfrage seien, je nach Artdie Idee, das Weihnachtsoratorium in ei- des Partners und Größe des Projekts. Alsner leer stehenden, kathedralengleichen psychologische Absicherung könnten die-Papierfabrik aufzuführen. Als weitere se jedoch oft hilfreich sein. Beispielver-Beispiele für Kooperationen in seiner ei- träge und Checklisten sollen demnächstgenen Arbeit nannte Heubach die Einbin- auf www.musikland-niedersachsen.de im Musikland Niedersachsen – Jahreskonferenz 2010 – Protokoll 5. Treff Musikvermittlungsteam – Seite 2 von 3
  3. 3. Bereich Musikvermittlung zur Verfügung gen „key persons“ und die richtige Szenegestellt werden. Dazu bittet Frau Benjes anzusprechen sei die Kunst dabei. Alsdie Mitglieder des Teams um Zusendung Mittler für unterschiedliche Kultur-von (Muster-)Verträgen und Arbeitshil- Länder-Vereine zu fungieren gelingefen, die auf der Plattform veröffentlicht nicht immer, notfalls müsse man sich fürwerden können. einen Partner entscheiden.Die Frage nach dem ideellen Gewinn fürSponsoren eines Projekts wurde mit derNotwendigkeit der Identifikation einesProdukts mit örtlichen Partnern beant-wortet. Mitarbeiterkarten und eineImageaufwertung des Unternehmensseien zudem motivierend für Unterneh-men, sich für Kulturprojekte einzusetzen.Es wurde festgestellt, dass in der Koope-ration mit Schulen persönliche Kontaktesehr wichtig seien, da allgemeine Anfra-gen an Schulen oftmals nicht beachtet Zur „Stellung und Funktion von Musik-werden. Bei einer kontinuierlichen Arbeit vermittlung innerhalb der eigenen Orga-sei die Vertrauensbasis leichter herzu- nisation“ sprach Hermann Baumann vonstellen als bei einmaligen Projekten oder den Internationalen Händel-FestspielenFestivals. Göttingen. Musikvermittlung sei aus sei- ner Sicht eine gesamtgesellschaftliche, politische Aufgabe und nicht allein SacheZur Hürde „Zielgruppen“ bot ein Impuls- der Institutionen wie der Orchester. Kür-referat von Christoph Sure, Geschäfts- zungen im Musikunterricht könne manführer des MASALA Welt-Beat Festi- deshalb nicht einfach hinnehmen. Auf dievals/Pavillon Hannover Einblick in die Ar- Frage, was Orchester tun könnten, umbeit mit internationalem Publikum. Sure zur Bildung im Bereich Musik beizutra-sprach von der „Marke MASALA“, die in- gen, bemerkte Baumann, dass beizwischen ein Stammpublikum gefunden Klangkörpern wie großen Orchestern einhat, aber auch von länderspezifischen Programm rund um bestehende ProjekteFans, die einzelne Konzerte besuchten. entwickelt werden müsse. Er ergänzte,Ausgehend von den Afrikanischen Näch- dass man Kinder schon im frühen Alterten in den Achtzigerjahren hat sich das an die klassische Musik in Konzerten he-Festival verändert, etabliert und kann in- ranführen müsse, indem man beispiels-zwischen auch Experimente wagen. weise eine Kinderbetreuung während ei- ner Hälfte der Konzerte anbiete. Als Bei-Wichtig für die Ansprache der Zielgrup- spiel einer Forderung an die Politik wurdepen eines Konzertes sei es, den richtigen die Notwendigkeit einer musikalischenTon zu treffen. Auch Plakate und persön- Ausbildung für Erzieherinnen von einerliche Kontakte zu Zielgruppenvereinen, Teilnehmerin erwähnt.wie beispielsweise länderspezifischenKulturvereinen, seien unumgänglich. Ein Ausblick auf das nächste Treffen desStändig Kontakt zum Stammpublikum zu Musikvermittlungsteams, das Ende Fe-halten und gleichzeitig neue Zielgruppen bruar/Anfang März 2011 stattfindenanzusprechen sei das Ideal. Wie Heu- wird, beendete die Sitzung.bach, sprach auch Sure von den Kompe-tenzen und Interessen der Partner, hierim Hinblick auf das Publikum. Die richti- Das Protokoll führte Mechthild Schlumberger. Musikland Niedersachsen – Jahreskonferenz 2010 – Protokoll 5. Treff Musikvermittlungsteam – Seite 3 von 3
  4. 4. Grußwort des Niedersäch-sischen Ministeriums fürWissenschaft und KulturReferent: Detlef Lehmbruck, Refe-ratsleiters Musik/Theater imSehr geehrte Frau Abgeordnete Behrens,Sehr geehrter Herr Prof. Kemmelmeyer, über Deutschland hinaus gerichtet ha-Sehr geehrter Herr Werren, ben. Die erneut exponentiell angestiege- ne Teilnehmerzahl belegt die Unverzicht-Sehr geehrter Herr Koch, barkeit des Unterfangens.liebe Musikerinnen und Musiker, Nicht zuletzt für das Land Niedersachsen ist es besonders erfreulich, dass Sie dasIm Namen von Frau Ministerin Prof. Dr. Thema Singen gewählt haben. Nicht weilWanka, die heute leider nicht bei Ihnen dieses Thema besonders originell wäre –sein kann, Herrn Staatssekretär Dr. Lan- Singen war zu allen Zeiten Thema. Mange und Frau Dr. Schwandner freue ich könnte auch meinen, es sei alles übermich sehr, dass ich Ihnen die herzlichen das Singen gesagt. Das Musikland Nie-Grüße der niedersächsischen Landesre- dersachsen ist jedoch berechtigterweisegierung überbringen kann. nicht dieser Meinung. Viele historischeDie Jahreskonferenzen von Musikland Beispiele des Redens über das SingenNiedersachsen sind gleichsam die ideal- könnten das belegen. Hier mag eines fürtypischen Verwirklichungen des Musik- viele stehen:land-Gedankens. Sie leben vor, was ei- „Wir haben Schubertlieder gesungen undner der Grundgedanken der Projektträ- neu gelernt, ach, Du solltest sie hören,ger von Musikland Niedersachsen war: sie sind wunderbar …Den Wanderer anVernetzung der Musikmacher und fachli- den Mond finde ich immer schöner …cher Austausch mit dem Ziel, einen an- Durch den ganzen ersten Teil der erden-dauernden Diskurs über Qualitätsmaß- schwere Schritt des Wanderers Ich wan-stäbe zu etablieren. Dabei wird sich auch dre fremd von Land zu Land, so heimat-in diesen Tagen erweisen, dass sich Mu- los, so unbekannt. Dann aber lösen sichsikkultur in ihrer Vielfalt hervorragend die Akkorde auf in gebrochene, dasfür die Beschäftigung mit best-practice- klingt wunderbar frei und so rein, nichtBeispielen eignet. Man braucht aber lei- der leiseste Schimmer irgendeiner Dis-denschaftliche Musikvermittler, die die harmonie noch überschwenglichen Ge-intime Kenntnis ihres eigenen Musiklan- fühls: Du aber wanderst auf und ab vondes mit dem offenen Blick über dessen Ostens Wieg in Westens Grab. Und einGrenzen hinaus verbinden. Schluss, den ich nicht beschreiben kann.Es ist in erster Linie Ihnen, lieber Herr … Es bleibt kein großes Gefühl, wederKoch, aber auch der gesamten Ge- des Trostes noch der Entsagung. Undschäftsstelle mit Frau Hayes, Frau Benjes doch erfreut es so, und tröstet so wie ei-und Frau Betker zu danken, dass Sie bei ne makellose Blume, die blüht, weil sieder Vorbereitung dieser Konferenz Ihren blüht. … Wenn Du kommst, singen wirBlick weit über Niedersachsen und sogar Dirs vor." Musikland Niedersachsen – Jahreskonferenz 2010 – „Singen“ – Grußwort Detlef Lehmbruck (MWK) – S. 1 / 3
  5. 5. Dies ist kein Zitat einer Musikerin der und Quandt bewogen hat, sich für denRomantik. Dies ist ein Zitat aus einem Liedwettbewerb zu engagieren. Interes-Brief einer Nichtmusikerin an einen sant ist in unserem Zusammenhang,Nichtmusiker. Es stammt von Sophie dass die Dimension weit über den Lied-Scholl, geschrieben an ihren Bruder gesang hinaus geht. Thomas Quasthoff,Werner Scholl gleichsam in den russi- Franziska Castell und überhaupt allenschen Feldzug. Beinahe unglaublich mu- Anhängern des Kunstlieds ist zweifellostet der Zeitpunkt dieses Briefes an: Sie bewusst, dass es heute wie zu allen Zei-schrieb ihn Mitte Februar 1943 wenige ten historische Entwicklungen gibt, durchTage vor ihrer Verhaftung. Schon das die das Singen in der einen Ausprägungmacht den Schlusssatz - „Wenn Du an Gewicht gewinnt und in der anderenkommst, singen wir Dir’s vor“ - zu einem Ausprägung an Gewicht verliert. Diehistorischen Dokument. Heute, fast 70 Hausmusikbewegung im 18. undJahre später, ist dieser Satz schon in 19.Jahrhundert und die Singbewegungseiner Grundaussage historisch gewor- als Teil der Jugendbewegung im frühenden. Eine kaum vorstellbare Verabre- 20. Jahrhundert stehen beispielhaft hier-dung, sich etwas vorzusingen, wenn man für. Sie sind auch wie wir alle völlig un-sich sieht. In unserem Zusammenhang verdächtig, etwa die positiven Wirkungenkann es dabei nicht um ein neuerliches der vielen Casting Shows unserer ZeitLamento über einen vermeintlichen Kul- für das Singen und beispielhaft die Inte-turverlust gehen. Es geht vielmehr um gration von jungen Menschen mit Migra-einen authentischen Einblick in die tionshintergrund gering zu schätzen.selbstverständliche Lebensrealität einer„normalen“ Familie. Und doch wird eine Haltung bezeichnet, die die niedersächsische LandesregierungViele von Ihnen waren vergangenen teilt: Singen benötigt einen zentralenSamstag dabei, als der Praetorius Musik- Platz im Lebensvollzug der Menschen,preis 2010 verliehen wurde. Natürlich einen Platz, den es früher zu vielen Zei-war es gleichermaßen traurig und ver- ten und an vielen Orten und in vielenständlich, dass Thomas Quasthoff seinen Bevölkerungsgruppen hatte und auchPreis nicht persönlich entgegennehmen heute andernorts noch hat. Singen solltekonnte. Es war jedoch ein wunderbares den Platz haben, den es für die vielenSymbol, dass Franziska Castell, die Ge- Tausend Chorsänger im Musikland Nie-schäftsführerin „seines“ Liedwettbewer- dersachsen hat. Es muss alles versuchtbes „Das Lied“, für ihn den Preis mit fol- werden, um ganz jungen Menschen eingenden Worten entgegennahm: Gefühl für die Selbstverständlichkeit des Singens zu vermitteln.„Der Gesang ist die ursprünglichste Formder menschlichen musikalischen Äusse- Daher spielt das Singen eine zentralerungen. Aber es wird zu wenig gesun- Rolle im niedersächsischen Musikalisie-gen: in den Familien, in den Kindergär- rungsprogramm „Wir machen die Musik“,ten, in der Schule, aber auch überhaupt bei dem gerade Kindergartenkinderin unserem Lebensvollzug. Dem gilt es durch vielfältige Kombinationen von Sin-entgegenzuwirken.“ gen, Spielen und Bewegen erleben sol- len, dass Musik einfach dazu gehört. AlsFranziska Castell beschreibt mit diesen integraler Bestandteil des LebensvollzugWorten, was Thomas Quasthoff motiviert wird Singen dann auch in seiner ganzenhat, die Initiative für einen Liedwettbe- Vielfalt praktiziert werden.werb zu ergreifen. Und sie beschreibt –das darf man hier im Kreis von Musikför- Es wird auch ein steigendes Interesse fürderern sagen – was die Familien Oetker die Bedeutung von vertonten Texten ge- Musikland Niedersachsen – Jahreskonferenz 2010 – „Singen“ – Grußwort Detlef Lehmbruck (MWK) – S. 2 / 3
  6. 6. ben, also das, was uns nach nur 70 Jah-ren so historisch erscheint an dem Briefvon Sophie Scholl: ein Lied Textzeile fürTextzeile zu vermitteln. Denn die Faszi-nation junger Menschen für vertonteTexte ist völlig ungebrochen, auch wennviele Hits unserer Tage es nicht wirklichnahelegen. Wer den Beweis sucht, mögesich umhören, wie viele Jugendliche oh-ne Zögern auswendig„ich wollt noch danke sagen dochich lieg im Krankenwagen nochwolln sie mich zwangsbeatmen doch baldis alles aus und vorbei“darlegen können – und zwar zur Freudealler Bildungspolitiker bei voller Erfas-sung des Inhalts dieser Zeilen.Ein vielfältiges Musikland wie Nieder-sachsen braucht einen Ort, in dem dieganze Musikkultur ihre Heimstatt findenkann. Daher freuen wir uns sehr, dassauch die diesjährige Jahreskonferenz inder neuen Landesmusikakademie statt-findet, und wir danken dem gesamtenTeam für die Gastfreundschaft!Ich wünsche Ihnen einen fruchtbarenAustausch und glückliche Erfahrungennicht nur über, sondern vor allem auchbeim Singen. Musikland Niedersachsen – Jahreskonferenz 2010 – „Singen“ – Grußwort Detlef Lehmbruck (MWK) – S. 3 / 3
  7. 7. JahreskonferenzMusikland Niedersachsen2010Eröffnungsvortrag„Singen heute“Referent: Klaus Georg Koch,Geschäftsführer von MusiklandNiedersachsenI.Meine Damen und Herren,im Frühjahr 1984 habe ich das erste Mal Man mochte sich vorkommen wie Goe-Lesotho, die frühere Kolonie Britisch Bet- thes Wilhelm Meister und seine Reisege-schuanaland, im südlichen Afrika bereist. fährten, denen auffiel, „daß je weiter sieEs ist ein bergiges Land, und es war da- ins Land kamen, ein wohllautender Ge-mals auch ein wildes Land, das sich dem sang ihnen immer mehr entgegentönte.“Reisenden nur unter Mühen erschloss. In – ich bin schon im Zitat.ganz Lesotho gab es damals eine einzige „Was die Knaben auch begannen, beiStraße. Sie durchzog im Norden die Low- welcher Arbeit man auch sie fand, immerlands, bog am östlichen Ende nach Sü- sangen sie, und zwar schienen es Liederden ab und führte ins Gebirge. Darüber jedem Geschäft besonders angemessenhinaus gab es nur Geröllpisten und alte und in gleichen Fällen überall diesselben.Saumpfade, auf denen sich die Einheimi- Traten mehrere Kinder zusammen, soschen zu Fuß und auf Pferden fortbeweg- begleiteten sie sich wechselweise; gegenten. Abend fanden sich auch Tanzende, deren Schritte durch Chöre belebt und geregelt wurden.“ – Sie kennen die Passage amDer größte Eindruck, den Lesotho damals Beginn des zweiten Buches, nur dassauf mich machte, war, dass die Men- dem Singen in Lesotho der vornehmeschen dort sangen. Die Leute sangen in Ton des Bildungsromans nicht eigen war.den Dörfern. Sie sangen im Bus und auf Es schien eine schlichte und fröhlicheden Ladepritschen der allradgetriebenen Welt. Einen Eindruck davon können SieLastwagen, die sie im Schritttempo durch aus dem folgenden Video-Ausschnitt ge-die Berge brachten. Kinder sangen auf winnen.dem Weg in ihre Missionsschulen und siesangen in der Schule. Einen Ziegenhirten Videobeispiel 1, „Lesotho women singing,traf ich, der alleine sang und sich dabei beautiful day out there“mit einer Fiedel begleitete, die er aus ei-nem Blechkanister, einem Stock und ei-ner Schnur gebaut hatte. Am Sonntagsangen die Leute in der Kirche, undzwar, wie mir schien, häufig die gleichenGesänge, die ich während der Woche be-reits gehört hatte. http://www.youtube.com/watch?v=lDkK79AM7iM Musikland Niedersachsen – Jahreskonferenz 2010 – „Singen“ – Einführungsvortrag „Singen heute“ – S. 1 / 7
  8. 8. 16 Jahre später bin ich ein zweites Mal Das erlaubt uns, einen geschichtlichennach Lesotho gekommen. Und während Wendepunkt zu beobachten, der in derich den Fortschritt doch als etwas Gutes westlichen Welt das Datum 1877 trägt.empfinde – der Bau eines unterirdischen In diesem Jahr hat der Franzose CharlesBahnhofs ist das mindeste, was ich mir Cros das Patent für ein Gerät namenserhoffe – war ich hier schockiert. Ein Teil Paléophone und der Amerikaner Thomasdes Gebirges war für ein internationales Edison das Patent für den PhonographenWasserprojekt erschlossen worden, man angemeldet. Vor 1877 verklang jederhatte Staudämme gebaut, an denen nun Laut, der einem Mund entströmte. Dasauch Strom produziert wurde, und wo Ziel Edisons war es dagegen, Stimmenvorher Pfade in die Berge führten, da haltbar, Lautäußerungen wiederholbar zuverlief jetzt eine Straße. Lesotho war laut machen. „Repetiermaschine“ wurde dergeworden. Sogenannte Minitaxis, oft Phonograph deshalb genannt, und auchüberfüllte Kleinbusse, brachten die Leute wenn es noch Jahrzehnte dauerte, bisvon den Bergen in die Lowlands und aus man etwa eine ganze Sinfonie aufge-den Lowlands in die Berge. In den Dör- nommen hatte, so war es doch mit derfern waren Märkte aufgebaut mit Waren Ruhe vorbei. Der Mensch hatte das Privi-aus Südafrika und China. Jetzt gab es leg verloren, einzig durch die Artikulationauch Musikanlagen, die in den Taxis und seines Körpers stimmlich präsent zuauf den Märkten mit voller Lautstärke sein. Man kann allerdings auch sagen, erMusik verbreiteten, die ihrerseits ohne sei von der Notwendigkeit, zu singen,elektrischen Strom nicht hergestellt wor- befreit worden. Wie mit vielen anderenden wäre. Fertigkeiten auch, haben die Menschen arbeitsteilig das Singen den Spezialisten überlassen und verwenden die frei ge-Macht also auch hier die Zivilisation das wordene Zeit und Energie für etwas an-Singen überflüssig? Ist das Singen ein deres.Opfer der technischen Entwicklung? Istes etwas, worauf wir zurückblicken: EineForm von Menschlichkeit, die immer lei- Der technische Fortschritt und die Ge-ser wird, während der Lärm des Fort- schichte des Singens stehen allerdingsschritts zunimmt? schon sehr viel länger in einem schwieri- gen Verhältnis zueinander. Das späte 18.Selbstverständlich fährt niemand von uns und noch mehr das 19. Jahrhundertnach Afrika, um dort mit innerer Freude bemächtigen sich der Musik in einemden Stand des technischen Fortschritts technischen Sinn: Im Instrumentenbau,und den beschleunigten Wandel der Le- in den wie bei Liszt ins Transzendentalebensverhältnisse zu besichtigen. Die reichenden Spieltechniken, in der physio-Freude schien mir auf Seiten der Ba- logischen Untersuchung der Stimmorga-sothos, die sich mit ungekannter Leich- ne, im Bau von musizierenden Automa-tigkeit in ihrem Land fortbewegen, einen ten aller Art. Letztlich führt ein direkterArzt oder eine Apotheke aufsuchen und Weg von der Erforschung der Stimmphy-sich abends im Licht einer elektrischen siologie zum Bau mechanischer und elek-Lampe unterhalten konnten. Wahrschein- tromechanischer Wiedergabeapparate.lich erschien ihnen der technisch ver-stärkte Lärm als eine Form von Mensch- Gleichzeitig – und im Grunde gegen daslichkeit, die immer stärker wird, als Zu- Fortschreiten der Technik – entwickeltkunftsmusik, die ihnen auch den eigenen die Romantik Vorstellungen, nach denenFernseher, den eigenen Kühlschrank, das das Singen die Geschichte in Richtungeigene Auto verhieß. Und wahrscheinlich der „Ursprünge“ aufhebt. Wird die Fort-dachten sie noch ohne Wehmut an die schrittsgeschichte als Geschichte derZeiten, als man selber singen musste, Entfremdung verstanden, dann drücktum nicht an der Stille zu ersticken. dagegen das Singen das Gemeinsam- Ursprüngliche und das Eigentlich- Persönlichste aus. Ja eigentlich nochDie Geschichte der Elektrizität und die dramatischer: Das Singen stellt das Ge-Geschichte des Singens kreuzen sich in meinsam-Ursprüngliche und das Eigent-diesem Bergland unter unseren Augen. lich-Persönlichste her. Musikland Niedersachsen – Jahreskonferenz 2010 – „Singen“ – Einführungsvortrag „Singen heute“ – S. 2 / 7
  9. 9. Was da in der Wertschätzung des Ge-sangs passiert, möchte ich am Beispieldes Romans verdeutlichen. Hatte manzuvor Sänger neben Tänzerinnen undSchauspielern als zweifel-hafte, wenigrespektable Existenzen betrachtet, so er-fahren Singen und Sänger – meistensSängerinnen – in der Literatur nun eineIdealisierung. Menschen im Roman sollenerkannt und verstanden werden, undnirgends gibt sich der Mensch nach denVorstellungen dieser Zeit so wahrhaftigund vollständig zu erkennen, wie da, woer singt. Jetzt ist die Sängerin nicht mehr Der Philosoph Hartmut Böhme hat in sei-nur Attraktion und Objekt der Begierde, nem Aufsatz „Der sprechende Leib“ fürsondern sie wird durch die Wahrheit ih- das spätere 18. Jahrhundert beschrie-res Singens erkannt – hat der Roman ei- ben, welche Herausforderungen der ge-ne Liebeshandlung, dann am Ende ver- sellschaftliche und technische Fortschrittlässlich vom „Richtigen“, ihrem vorbe- für die Menschen bedeuteten. „Denn diesstimmten Bräutigam. strahlte die Angst des bürgerlichen Jahr- hunderts an“, schreibt Böhme: „daß zwi-In Deutschland hat Wilhelm Heinse 1795 schen dem, was ein Mensch darstellt,mit seinem Roman „Hildegard von Ho- zwischen seiner Erscheinung, und dem,henthal“ erstmals Vokal-Ästhetik und was er ist, seinem Wesen, ein Riß klafft,Liebesroman miteinander verschmolzen. der das Gefüge des intersubjektivenDen monumentalsten Sängerinnen- Handelns eigentümlich verunsichert.“Roman hat dagegen vermutlich George Dagegen sieht er in der bürgerlichen Un-Sand mit „Consuelo / La Comtesse de terscheidung von Identität und Rolle denRudolstadt“ in den Jahren 1843/44 ver- „Versuch, ein Authentisches – das sub-fasst. jektive Selbst – aus den Systemen der Körperzeichen und Verhaltenscodes aus-Lange, bevor in diesem Roman die Part- zuschneiden.“ Dieses Selbst „ist unsicht-nerschaft zwischen der Sängerin Consue- bar, soll sich aber im Ausdruck zeigen“.lo und dem Grafen von Rudolstadt tat- Gegen den rationalistischen Ansatz dersächlich besiegelt ist, spricht Consuelo Aufklärung soll dieses Selbst aus dembereits das Motiv des (Wieder-) Erken- Körper – aus dem Leib, wie Böhme sagtnens aus: „Ich bin eine Freundin, die Ihr – rekonstruiert werden. Am Beispiel deslange Zeit erwartet und in dem Moment Königsberger Philosophen Johann Georgerkannt habt, als sie sang“. Ihr späterer Hamann (1730 – 1788) zeigt Böhme auf,Ehegemahl definiert seinerseits das Sin- wie „Sprache übersetzter Leib“ und dergen als Ausnahmesituation vollkomme- Leib „inkorporierte Natur“ ist, Sinne, Lei-ner Offenheit: „Du teilst mir [im Singen] denschaften und Begehren wirken darinDein ganzes Wesen mit und meine Seele als „Stimmen der Natur“.besitzt Dich in der Freude und imSchmerz, in der Zuversicht [dans la foi] Wenn wir heute in sogenannten unter-und in der Furcht, im Überschwang des entwickelten Ländern – und wohl auchEnthusiasmus und in der Wehmut der bei uns – das Verschwinden des SingensTräumerei.“ Nicht zufällig sind musikali- als Verlust eines Ursprünglich-sche Charaktere und seelische Empfin- Menschlichen empfinden, folgen wir ei-dung in dieser Beschreibung nicht von- nem Wahrnehmungsmuster, dessen Tra-einander zu unterscheiden. So fiebrig dition ins späte 18. Jahrhundert zurück-und phantastisch im Übrigen der Roman reicht. Immer steht der Betrachter dabeiin seinem Verlauf ist – gewidmet hat ihn wie Walter Benjamins Engel der Ge-George Sand einer realen Figur, Pauline schichte mit dem Rücken zur Zukunft,Viardot, einer der größten Sängerinnen während der Sturm des Fortschritts ihmdes 19. Jahrhunderts. die Trümmer vor die Füße schleudert. Al- le, die die Stimme loben, sind auf dem Musikland Niedersachsen – Jahreskonferenz 2010 – „Singen“ – Einführungsvortrag „Singen heute“ – S. 3 / 7
  10. 10. Rückweg in die Vergangenheit, ob nun phonie des Hochmittelalters, durch denHamann „die ausgestorbene Sprache der Bezug auf die „avancierteste, intellektu-Natur von den Todten wieder erwecken ellste, elitärste“ und eben in Noten ge-möchte“ oder wenig später Johann Gott- setzte Kompositionstechnik“ jener Zeit.fried Herder die „Töne der Natur“, also Dagegen begründen etwa Rousseau unddie in der Stimme sich ausdrückende Herder die Vorstellung der Musik alskreatürliche Regung, der „künstlichen „vollkommene Sprache des Herzens“,Sprache der Gesellschaft“ entgegenstellt. und zwar auf der Grundlage des melodi- schen Konzepts der Stimme. Ich zitiereBetrachtet man den öffentlichen Streit hier für diese Strömung Daniel Gottlobum Fortschritt und Herkommen als etwas Türk, bzw. seine einflussreiche Klavier-Politisches, dann ist auch das Lob der schule von 1789, in der er schreibt:Stimme politisch gemeint, und oft findet „Denn was sind alle bunten [also virtuo-es sich mit einer gesellschaftlichen Phan- sen und chromatischen] Passagen, wenntasie verbunden. Der Kulturwissenschaft- es auf wahre Musik ankommt, gegen ei-ler Hans Georg Nicklaus hat darauf hin- nen schmelzenden, herzerhebenden äch-gewiesen, dass bereits Jean-Jacques ten Gesang.“ 50 Jahre später heißt es inRousseau mit seinem Ideal der „unité de Balzacs Sängerinnen-Novelle „Massimillamélodie“, der Einheit der Melodie, ein Doni“ noch immer und fast gleichlautend„politisches Votum“ abgebe, eine „musi- mit Rousseau: Nicht die Harmonie, son-kalische Metapher für ein gesellschaftli- dern die Melodie hat die Macht, den ge-ches Projekt“, nämlich die Rückgewin- schichtlichen Abstand aufzuheben“ [C’estnung einer ursprünglichen gesellschaftli- la mélodie et non la harmonie qui a lechen Einstimmigkeit. Einstimmig heißt pouvoir de traverser les âges].hier: „Die eine Sprache sprechen, dienicht gedeutet, verstanden, vermitteltwerden muß, aus der vielmehr alle IIschöpfen, wie aus einem Brunnen, umsich zu ernähren, um ein Körper zu wer- Meine Damen und Herren, mag derden. (...) Und die Stimme ist das Organ Sturm des Fortschritts dem Engel desdieser Einheit.“ Singens auch ins Gesicht blasen – es wird auch bei uns noch immer gesungen,So stehen Stimme und Singen gegen und manches deutet darauf hin, dassBuchdruck und Buchstaben, die mit der heute wieder mehr gesungen wird als,rationalistischen Aufklärung verbunden sagen wir, noch vor zehn Jahren. Dafürwerden, gegen die Vielstimmigkeit der sorgen nicht zuletzt Ihre Aktivitäten alsnachrevolutionären Gesellschaften, ge- Musikveranstalter, ChorleiterInnen, Mu-gen die industrielle Produktion, gegen die sikpädagogInnen, Politiker und Förderer.in Tonkonserven gepackte Musik, kurz: Viele Ihrer beispielhaften Sing-Gegen den Lärm des Fortschritts. Bewegungen und Sing-Projekte werden im Lauf dieser Konferenz zu besichtigenDiese Positionierung der Stimme verän- sein.derte am Ende selbst das Ideal, das mansich von der Musik insgesamt machte. Es wird sogar so viel gesungen in unse-Der Musikwissenschaftler Wolfgang rer Gesellschaft, dass man sich fragenFuhrmann hat in seinem Buch „Herz und kann, ob das Gefühl des Verlustes oderStimme – Innerlichkeit, Affekt und Ge- des Absterbens nicht das Ergebnis einersang im Mittelalter“ einen Grund dafür habituell eingeschränkten Wahrnehmungvorgeschlagen, warum der Musik teilwei- sei. Zu den am Markt erfolgreichsten Mu-se bis heute die Vorstellung von etwas sik-Publikationen der letzten Zeit gehö-Kompliziertem oder Elitärem anhaftet: ren Sammlungen von „Wiegen-„ undDer Begriff der „Musik“ und des „Musi- „Volksliedern“, die gleich in mehrerenkers“ bedeuteten in spätantiker Tradition Aggregatszuständen – zum Lesen, Spie-zunächst so etwas wie Musiktheorie und len und Hören – angeboten werden. Pro-die die professionelle Kundigkeit dieser jekte wie das heute vorgestellte „LörrachTheorie. Seine spätere universale prakti- singt!“ und „SING! – Day of Song“ beische Bedeutung erlangte der Begriff der Ruhr 2010 bringen ganze GemeinwesenMusik über die Anwendung auf die Poly- zum Singen. Und auch diesseits solcher Musikland Niedersachsen – Jahreskonferenz 2010 – „Singen“ – Einführungsvortrag „Singen heute“ – S. 4 / 7
  11. 11. veranstalteter Bewegungen sind – nicht Kindern etwas Sinnvolles anfangen soll-anders als in vormodernen Zeiten – exi- te, liegt ja auf der Hand. Und wie die ge-stenzielle Fragen des Volkes ohne Ge- genwärtige Islam-Debatte vom Zweifelsang gar nicht vorstellbar: Dazu folgen- am rechten Unglauben der eigenen Ge-des kurze Video aus der Zeit der Fußball- sellschaft begleitet wird wie von einemWeltmeisterschaft in Südafrika, das uns Schatten, so folgt die Unruhe über dievon der Dritten zurück in die Erste Welt Erziehung der eigenen Kinder der Debat-führt te über die so genannte Integration von Kindern nicht-deutscher Herkunft. Abge-Videobeispiel 2, „Uwu Lena - Schland o sehen davon, dass Singen Spaß macht,Schland“ wie der Titelsong von Klasse! Wir singen erklärt, bietet es sich auch zur Milderung gesellschaftlicher Probleme an. Natürlich ist das Singen ein Beitrag zur Integration und zum Spracherwerb – für alle Kinder, egal woher die Eltern kommen. So wie es für Kinder Bewegungsmangel, Vitamin- mangel oder Zuwendungsmangel geben kann, so gibt es auch den Singmangel, das legt die positive Reaktion der Kinder auf Sing-Anregungen nahe.http://www.youtube.com/watch?v=Vscg_QeKdpI Nicht zuletzt reagiert die gegenwärtige Singbewegung auch auf die Lage, in der sich vor allem die Institutionen der soHatte bei Rousseau, Herder und den genannten ernsten, klassischen oderVolksliedsammlern des 19. Jahrhunderts Kunstmusik befinden. Es muss hier ge-das Glück in der Früh- und Vorgeschichte nügen, nur die Stichworte Überalterunggelegen, so lautet die Devise unserer ge- des Publikums und Rückgang der Nach-genwärtigen Sing-Bewegung „zurück zu frage zu nennen. Das sind die Themen,den Anfängern“. Die Figur des Rück- an denen wir im Musikland arbeiten. Einegangs auf etwas Grundlegendes finden Reihe von teilweise repräsentativen Stu-wir hier allerdings auch. Immer mehr dien zeigt, dass das Durchschnittsaltergibt es auch politische Unterstützung für des Konzertpublikums derzeit zwischenden Versuch, das Singen wieder als 55 und 60 Jahren liegt und dass sich dasmenschliche Universalie einzuführen, als Verhältnis zwischen dem Angebot an Mu-konstitutives Element der Ichwerdung, sikveranstaltungen und den Besucher-als Grundform individueller Artikulation zahlen scherenartig auseinander entwic-und sozialer Kommunikation. kelt, wobei das Interesse an klassischerProjekte wie KiSINGa und Primacanta, Musik umso geringer ausfällt, je jüngerwie die Chorklassen Niedersachsen, Klas- die Altersgruppe ist.se! Wir singen und das umfassende An-gebot des englischen Musikzentrums The In dieser Lage erscheint es als außeror-Sage Gateshead und der National Sin- dentlicher Glücksfall, dass sich Kinderging Campaign stehen für diesen Ver- geradezu naturhaft für das Singen begei-such, das Singen als Element der Erzie- stern können. Denn nichts kann das spä-hung wieder verbindlich zu verankern. tere Interesse an Musik so gut begrün-Darüber hinaus schlagen Projekte wie den, wie möglichst frühe praktische undCanto Elementar und „Singepaten“ eine als erfreulich erinnerte Erfahrungen:Brücke zwischen der Generation der Klasse wir singen – singen macht Spaß.Großeltern, die häufig noch mit dem Sin- Werden diese Erfahrungen überdies ingen aufgewachsen ist, und den Kindern. Gesellschaft gemacht – im Kindergarten, in der Schule, in der Familie –, steigt dieAn dieser Stelle ist die Versuchung groß, Wahrscheinlichkeit noch einmal, dassdie historischen Implikationen oder ein- sich das Kind auch später im Leben fürfach den historischen Ballast des Singens Musik interessiert und einsetzt.abzuwerfen. Wahrscheinlich ist es sogarlegitim. Dass die Gesellschaft mit ihren Musikland Niedersachsen – Jahreskonferenz 2010 – „Singen“ – Einführungsvortrag „Singen heute“ – S. 5 / 7
  12. 12. III.So ist das Singen aus Sicht der Musik-land-Idee, eine besonders glückliche mu-sikalische Sozialform, die es erlaubt, vie-len Menschen musikalische Angebote zumachen, die sie erreichen und die er-reichbar für sie sind. Damit ist es aucheine Chance für unsere Musikkultur, sichneu zu gründen. „Neustart durch Sin-gen“, könnte man sagen, und dieseChance wollen wir nutzen.Neben der Vielzahl privater, vom persön-lichen Engagement angefeuerter Initiati- wenden.ven, stellt auch das Land Niedersachsen Heißt das, es gibt so etwas wie eine zeit-zunehmend mehr Angebote in Kindergär- lose Wahrheit über das Singen? Oderten und Schulen bereit. Der Koalitions- laufen wir mit unserer Singbewegung ei-vertrag aus dem Jahr 2008 definiert das nem historischen, vielleicht veralteten„Musikland Niedersachsen“ zu einer Menschenbild hinterher? Das Land Nie-Hälfte aus seinen Angeboten zur musika- dersachsen hat mit einer umfassendenlischen Bildung. Wenn das weiter so „Musikalisierung“ der Kindergarten- undgeht, dann wird in nicht zu ferner Zu- Grundschulkinder im Land begonnen.kunft „bei uns der Gesang die erste Stufe „Musikalisierung“ klingt dabei nicht nurder Bildung, alles andere schließt sich wie „Christianisierung“ und vielleichtdaran und wird dadurch vermittelt. „(...) nach Mission, es ist tatsächlich der Ver-denn indem wir die Kinder üben, Töne, such, „in der Fläche“, wie es im politi-welche sie hervorbringen, mit Zeichen schen Jargon heißt, Menschen, ganz jun-auf die Tafel schreiben zu lernen und gen Menschen, Angebote zu machen, ihrnach Anlaß dieser Zeichen sodann in ih- Leben sinnvoll zu gestalten.rer Kehle wiederzufinden, ferner denText darunterzufügen, so üben sie zu- Aber auch hier entkommen wir den ge-gleich Hand, Ohr und Auge und gelangen schichtlichen Streitfragen nicht: Gehörtschneller zum Recht- und Schönschrei- es zum Menschsein in unserer Zeit,ben, als man denkt, und da dieses alles durch das Singen Erfahrungen und Idea-zuletzt nach reinen Maßen, nach genau le vergangener Zeiten zu aktualisierenbestimmten Zahlen ausgeübt und nach- wie in einem lebendigen Symbol, odergebildet werden muß, so fassen sie den überzustreifen wie ein klangliches Ko-hohen Wert der Meß- und Rechenkunst stüm – die Fremdheitserfahrungen derviel geschwinder als auf jede andere „Winterreise“, die PartnerschaftsidealeWeise. Deshalb haben wir denn unter al- von „Frauenliebe und -Leben“, die Glau-lem Denkbaren die Musik zum Element bensgewissheit einer Bach-Motette, dieunserer Erziehung gewählt, denn von ihr Todesschauer eines Berlioz-Requiems,aus laufen gleichgebahnte Wege nach al- die Naturverbundenheit eines Volkslieds?len Seiten.“ Ist es noch zeitgemäß oder ist es hoff- nungslos romantisch, dass Menschen soMeine Damen und Herren, Sie haben es genannte Gefühle kultivieren und diesebemerkt, ich bin noch einmal auf Goe- „ausdrücken“ wollen? Einen Grund wirdthes „Wilhelm Meister“ zurückgekom- es doch haben, dass das Kunstlied immermen. Mich hat frappiert, wie nahe Goe- weniger Publikum findet und jungethes 200 Jahre alte Pädagogik der ge- Opernregisseure zunehmend Revuen in-genwärtigen Debatte steht. Auch Rous- szenieren, wo sie die singenden Figurenseaus Phantasie von der „unité de mélo- doch auch hätten ernst nehmen können.die“, der Einheit der Melodie oder freier Wir Alten mögen ja träumen, aber wieformuliert, der Einheit durch Singen ge- vielen Generationen von Kindern sollgen die Vielstimmigkeit einer modernen noch über das Singen das alte Dur-Moll-Gesellschaft, ließe sich umstandslos auf tonale System eingepflanzt werden? Wiedie Diskussion um die Chorklassen an lange wollen wir noch so genannte Volks- Musikland Niedersachsen – Jahreskonferenz 2010 – „Singen“ – Einführungsvortrag „Singen heute“ – S. 6 / 7
  13. 13. lieder singen lassen, deren romantischeGegenstände mit den Aufgaben unsererKinder nichts zu tun haben? Bewahrenwir mit diesem Singen unsere Kinder vorder Verwilderung? Bewahren wir sie vorder Vereinnahmung durch die Leistungs-anforderungen der Moderne? Oder sindwir einfach nur reaktionär?Meine Damen und Herren, wer will dasbeantworten? Aber vielleicht ist am Endedas Verantwortungsvolle und das Reak-tionäre zumindest in der Erziehung dasgleiche, und jede Generation muss ihrenKindern etwas gut Gemeintes antun, wo-gegen diese sich anschließend recht-schaffen auflehnen können.In diesem Sinn wünsche ich uns zwei an-regende Tage hier in Wolfenbüttel. Ichdanke für Ihre Aufmerksamkeit. Musikland Niedersachsen – Jahreskonferenz 2010 – „Singen“ – Einführungsvortrag „Singen heute“ – S. 7 / 7
  14. 14. Sozialisierung durch Sin-gen IDas hessische Primacan-ta-ProgrammReferent: Thomas Rietschel, Präsi-dent der Hochschule für Musik undDarstellende Kunst in Frankfurt amMainPrimacanta „Primacanta – Jedem Kindseine Stimme“ ist eine Koooperation der Das Programm ist langfristig und nach-HfMDK Frankfurt und der Crespo Foun- haltig gedacht. Mit einem vorläufigendation, die Schirmherrschaft haben die a Projektzeitraum von 2008 bis 2012 undcappella Gruppe Wise Guys sowie Frank- Projektgeldern von einer Million Eurofurts Oberbürgermeisterin Petra Roth. richtet es sich nach derzeitigem Stand an ungefähr 120 Lehrer und LehrerinnenAnliegen des Programms ist es, das Sin- von zunächst dritten und vierten Klassengen als zentralen Ausgangspunkt für eine in 52 von 56 Frankfurter Grundschulen.musikalische Bildung zu nehmen. Die Eine professionelle Evaluation ist in Ar-Hochschulen sollten sich für musikalische beit. Erwartet werden Ergebnisse, dieBildung stark machen, so Thomas Riet- zeigen, wie sich etwa die soziale Interak-schel, da diese gewissermaßen der Ast tion innerhalb der beteiligten Klassenist, auf dem sie sitzen. verbessert hat. Musikland Niedersachsen – Jahreskonferenz 2010 – „Singen“ – Protokoll „Sozialisierung durch Singen“ – S.1/3
  15. 15. Ziele von Primacanta sind zum einen der Gesungen wird Liedgut aus verschiede-Versuch einer nachhaltigen Veränderung nen Kulturkreisen, wobei anzumerkenwie auch die Ermöglichung von Erfah- ist, dass die Stadt Frankfurt einen Anteilrungen, die über Wissensvermittlung hi- von 60% an Schülern mit Migrationshin-nausgeht. tergrund hat.Das Programm setzt auf das Prinzip des In Form von öffentlichen Auftritten wäh-aufbauenden Musikunterrichts, welches rend des Projektzeitraums sowie einemein didaktisches Stufenmodell zur nach- Abschluss beim Deutschen Chorfest inhaltigen Entwicklung der musikalischen Frankfurt 2012 präsentieren die beteilig-Kompetenz der Kinder ist. ten Klassen, was sie gelernt haben.In der Praxis beinhaltet Primacanta eine Um Nachhaltigkeit zu schaffen, sprachzweijährige Fortbildungs- und Bera- Thomas Rietschel von der Notwendigkeit,tungsphase für LehrerInnen während der die Lehrer zu qualifizieren und nicht inUnterrichtszeit durch Coaches, qualifi- Form eines Events Schülern kurzfristigzierte Schulmusiker und Hochschullehrer das Singen beizubringen.sowie teilweise durch gut qualifizierteGrundschulmusiklehrer. Für Schulen oh- Bisher gab es viele positive Rückmeldun-ne Fachlehrer gibt es die „Tandem“- gen und Bewertungen des Programms.Lösung, eine Kooperation mit Musikschu- Nachhaltigkeit zeigte sich auch darin,len. (Ein Hinweis auf die Situation in dass sich als Folge des ProgrammsHessen erklärt, dass dort wenig ausge- Stadtteilchöre in Frankfurt gebildet ha-bildete Grundschulmusiklehrer unterrich- ben.ten, oft werde das Fach fachfremd ge-lehrt. Bestrebungen, einen Fächerver-bund mit dem Übertitel „Ästhetische Bil-dung“ zu schaffen würde Musik weiter Weiterführende Informationen gibt esschwächen.) unter www.primacanta.de..........................................................................................Sozialisierung durch Sin-gen IIKiSINGa im LandkreisNortheimReferent: Prof. Dr. Gerhard RopeterBeim zweiten vorgestellten Modellprojekthandelt es sich um „KiSINGa – Kindersingen im Kindergarten“, vorgestellt vonProjektleiter Prof. Dr. Gerhard Ropeter.Das Programm KiSINGa ist im Landkreis lage als das Frankfurter Primacanta-Northeim in Niedersachsen (Hardeg- Programm.sen/Moringen/Nörten-Hardenberg) ange- Mit dem Untertitel Interkommunales Mo-siedelt. Projektträger ist der gemeinnüt- dellprojekt zur Förderung lebendigenzige Verein Sing-Akademie Hardegsen, Singens von Kindern im Kindergarten istdessen Vorstand Prof. Ropeter ist. Das beschrieben, was das Programm be-ländliche Gebiet hat geschätzte drei Pro- zweckt. Im Zentrum steht die Schulungzent Kinder mit Migrationshintergrund von Erzieherinnen der zwölf Kindergärtenund somit eine völlig andere Ausgangs- des Landkreises. Ziel ist die Schaffung Musikland Niedersachsen – Jahreskonferenz 2010 – „Singen“ – Protokoll „Sozialisierung durch Singen“ – S.2/3
  16. 16. einer Singumgebung, in der Singen lang- Evaluiert wird das Projekt mit standardi-fristig regelmäßig und angeleitet durch- sierten Bögen, bei denen ErzieherInnengeführt wird. In zwei Projektphasen von und Eltern die selben Fragen zur Selbst-jeweils 18 Monaten wird das Programm und Fremdeinschätzung des Kindes be-durchgeführt und anschließend evaluiert. antworten. Ropeter bemerkte, dass für eine umfassende wissenschaftliche Eva-Anders als bei Primacanta finden die luation Kontrollgruppen ohne verstärktesWeiterbildungstreffen in der Freizeit der Singen zum Vergleich eingesetzt werdenErzieherinnen statt. Die Anmeldung er- müssten, dafür stünden jedoch die finan-folgt freiwillig von Seiten der Kindergär- ziellen Mittel nicht zur Verfügung.ten. Das KiSINGa-Projekt wird vomDeutschen Institut für Internationale Das Projekt wird ausführlich vorgestelltPädagogische Forschung (DIPF) evalu- auf der Homepage der Singakademieiert. Projektzeitraum ist vom 1. Septem- Hardegsen: http://www.kantorei-ber 2009 bis 31. August 2012. hardegsen.de/129.htmlDas Projekt basiert auf drei Prinzipien: In der offenen Gesprächsrunde gab esGrundlegend ist der Montag als Singtag den Anstoß einer Teilnehmerin, die mu-festgelegt. Anfangs wird ein Modellunter- sikalische Bildung und Stimmerziehungricht von Fachkräften der Singakademie der ErzieherInnen schon in deren Be-an den Kindergärten abgehalten. Daran rufsausbildung zu fördern. Dies traf denanschließend bekommen die ErzieherIn- Kernpunkt einer Idee von musikalischernen eine regelmäßige Weiterbildung, die Bildung, welche langfristig, flächendec-die Bereiche musikalisches Basiswissen, kend und grundständig wäre. BemerktStimmbildung und Methodik der Lieder- wurde hierzu, dass Modellprojekte wiearbeitung umfasst. Zeitnah findet ein Primacanta und KiSINGa nötig sind, umTransfer in die Praxis statt: Die Erziehe- in den Medien und durch die wissen-rInnen üben im dritten Schritt mit ihren schaftliche Evaluierung AufmerksamkeitKindergartengruppen Lieder ein. Motiva- zu erregen und langfristig das Singention und eigenes Engagement sind und eine musikalische GrundausbildungGrundvoraussetzung für das Projekt. in Kindergärten und Schulen wieder zur Norm werden zu lassen. Ein TeilnehmerNachdem die Anfangsskepsis überwun- ergänzte, dass Projekte wie diese eigent-den worden war, stellte sich die Motiva- lich die Reparaturarbeit dessen seien,tion bei den KindergärtnernInnen von was jahrelang versäumt worden war. Dieselbst ein. Die Erkenntnis aus den bishe- Aufforderung an die Politik, die musikali-rigen Praxiserfahrungen ist, dass das sche Bildung von Anfang an, und auch inverstärkte Singen auch den Kindern gro- der Ausbildung von LehrernInnen undßen Spaß macht und es zu assoziativem ErzieherInnen zu fördern, stand ab-spontanen Singen der Kinder auch un- schließend im Raum. Eine solche Institu-terhalb der Woche und zu Hause kommt, tionalisierung müsse allerdings auch mitwelches es zuvor nicht gab. Dabei fällt Leben gefüllt werden. Musik eröffnetkein Unterschied zwischen Mädchen und durch sich selbst die Chance, zu begei-Jungen auf. stern, so die Meinung der Arbeitsgrup- pen-TeilnehmerInnen.Ergänzende Maßnahmen von Seiten derSingakademie sind die Erweiterung desLiedcurriculums; die ErzieherInnen be-kommen dabei Liedsammlungen und -blätter zur Verfügung gestellt. Außerdemgibt es ein KiSINGa-Singfest. Wertbil-dende Faktoren des Projektes sind nebeneinem kompetenten Fachpersonal, dasVorbild für die ErzieherInnen im Modell-unterricht sein sollte, eine kontinuierlicheIntervention, wie Nachbesprechungen,sowie eine stabile Projektorganisation. Das Protokoll führte Mechthild Schlumberger. Musikland Niedersachsen – Jahreskonferenz 2010 – „Singen“ – Protokoll „Sozialisierung durch Singen“ – S.3/3
  17. 17. Mehr Öffentlichkeit fürden Gesang I – AudienceDevelopment beim Rund-funkchor BerlinReferent: Hans-Herman Rehberg, Zwischen diesen Produktionen findenChordirektor zwölf Veranstaltungen im Rahmen von „Broadening the Scope of Choral Music“ statt:Die Initiative „Broadening the Scope ofChoral Music“ des Rundfunkchor Berlin • Broadening in concert (5 Konzerte)geht auf die Feststellung zurück, dass • Internationale Meisterklasse Berlin (1der Chor im Kerngeschäft zwar immer • Konzert und 6 Workshoptage)große Aufmerksamkeit genoss, A- • KlangKulturen (1 Konzert und 10Cappella-Konzerte vom gleichen Publi- Workshops)kum jedoch kaum besucht waren. Seit • Liederbörse (1 Konzert und 122003 experimentiert der Chor nun mit Workshops)neuen Konzertformen und findet dabei • LeaderChor (1 Konzert und 3 Work-heraus, wie mit dem Publikum von heute shoptage)und morgen mehr als bisher möglich • Mitsingkonzert (1 Konzert und 2 Pro-werden kann. ben) • Mitsingprobe (2 Veranstaltungen)Im Jahr 2007 brachte der Rundfunkchorin der Reihe „Broadening in concert“, Sir Im Bereich Education engagiert sich derJohn Taverners siebenstündiges Mei- Rundfunkchor bereits seit Ende dersterwerk „The Veil of the Temple“ unter 1990er Jahre. In seinem jüngsten Pro-der Leitung von Simon Halsey im Ham- jekt war er zu Gast in einer Grundschuleburger Bahnhof in Berlin zur deutschen in Berlin-Marzahn. Mit rund 150 Schüle-Erstaufführung. Als kulturübergreifendes rInnen der 5. und 6. Klasse erarbeiteteRiesenwerk in fünf Sprachen erfolgte die der Chor über drei Monate ein interdiszi-Aufführung durch insgesamt fünf Chöre plinäres Projekt zu Rodion Shchedrinsund europäische wie außereuropäische Chorwerk „Der versiegelte Engel“. DieInstrumente. Proben dafür fanden im Musik- und im Sportunterricht statt.Aktuell befindet sich der RundfunkchorBerlin in der Planung für das Fest der Ein weiteres Projekt der Reihe „Broade-Kulturen im kommenden Januar in Ber- ning in Concert“ fand 2006 mit Christianlin. Dort werden drei Amateurchöre zu- Josts Choroper „Angst“ statt, bei demsammen mit dem Chor des türkischen der Chor der Träger der Handlung ist.Konservatoriums sowohl deutsche als Dass das Konzept von „Broadening inauch türkische Werke aufführen. Für ei- Concert“ funktioniert, zeigten auch dienen zweiten Programmteil wurde ein Aufführung von Ernst Peppings „Passi-Gospel-Spezialist eingeladen, um mit ei- onsbericht des Johannes“, die 2008nem Projektchor aus den verschiedenen mehrfach das Radialsystem in Berlin füll-Chorszenen und Kulturen Berlins ein te sowie die Johannes-Passion von Ja-Konzert zu erarbeiten. Im dritten Pro- mes MacMillan 2008 und 2009. Die Auf-grammteil wird der Rundfunkchor die tragskomposition von MacMillan bandmusikalische Vesper von Sergej Rach- den Chor szenisch mit ein und wurde zu-maninow, unterbrochen von Improvisa- sammen mit dem Boston Symphony Or-tionen auf der armenischen Duduk-Oboe, chestra, dem London Symphony Orche-aufführen. stra und dem Concertgebouworkest Am- sterdam aufgeführt.Das eigentliche Kerngeschäft des Rund-funkchors beinhaltet 55 Konzerte unddrei CD-Produktionen in der Saison2010/2011. Musikland Niedersachsen – Jahreskonferenz 2010 – „Singen“ – Protokoll „Mehr Öffentlichkeit für den Gesang“ S. 1 / 6
  18. 18. Neben der Reihe „Broadening in Concert“ Damit möchte der Chor dazu beitragen,und den Education-Aktivitäten gehören dass Singen als kreatives Potenzial alleauch die sogenannten Mitsingkonzerte Bereiche des Lebens erreicht.zum Konzept von „Broadening the Scopeof Choral Music“. In zwei Proben und der Auch vor Unternehmen macht der Rund-Aufführung können dabei 1000 Mitsänger funkchor nicht Halt. Im Gegenteil – hierbei einem großen Chorwerk des Rund- findet er sowohl finanzielle als auchfunkchores in der Berliner Philharmonie kreative Partner und initiiert Chorgrün-mitwirken. Oft melden sich dabei ganze dungen in Unternehmen. In Mitsingpro-Chöre und Schulklassen an und die War- ben in den Räumen der Unternehmenteliste ist so lang wie die Liste der be- kommen die MitarbeiterInnen mit demreits Angemeldeten. Inzwischen hat sich Singen in Kontakt. Daneben richtet sichsogar eine „Industrie“ im Umfeld der der so genannte LeaderChor an Füh-Mitsingkonzerte entwickelt – Chorleite- rungskräfte aller Bereiche. Es wurderInnen bieten Workshops und Proben zur festgestellt, dass Führungskräfte durch-Vorbereitung auf das Mitsingkonzert an. aus singen können, jedoch zu wenig ZeitSogar Unternehmen entsenden Mitarbei- für regelmäßige Proben haben. Daherterchöre, die während der Arbeitszeit zu- sind sie dankbar, einmal projektweisesammen dafür proben. Am Ende steht wie die Profis mit Simon Halsey zusam-ein großes gemeinsames Konzerterleb- menarbeiten zu können.nis, das jedes Mal bereits nach 14 Tagenausverkauft ist.Auch für Berliner SchülerInnen gibt esein Mitsingangebot des Rundfunkchores.Mit 300 TeilnehmerInnen kleiner als dasMitsingkonzert, ist die sogenannte Lie-derbörse eine Möglichkeit für die Schüle-rInnen, mit einem professionellen Chorzusammen zu singen. Dabei dürfen Lie-derwünsche mitgebracht werden. DiesesProjekt erfordert ein Jahr Vorbereitung,in dem SängerInnen des Rundfunkchoresmit den SchülerInnen proben. Dazumüssen auch immer LehrerInnen gefun-den werden, die klassenübergreifendmitmachen. Damit auch in Zukunft charismatische Chorleiter und „Rattenfänger“ wie SimonDas nächste Projekt des Rundfunkchores Halsey diese Arbeit fortsetzen, hat derim Bereich der kulturellen Kinder- und Rundfunkchor die „Internationale Mei-Jugendbildung wird ein Projekt sein, in sterklasse Berlin“ für junge Dirigentendem das Singen neu in den Grundschu- ins Leben gerufen, bei der man bereitslen etabliert werden soll. In Kooperation interessante junge Leute kennen lernenmit den Landesmusikschulen werden konnte. Dabei lernen beide Seiten, Leh-ChorsängerInnen als Singpaten in zu- rende und Lernende, immer auch von-nächst zwei Grundschulen entsandt. einander. Musikland Niedersachsen – Jahreskonferenz 2010 – „Singen“ – Protokoll „Mehr Öffentlichkeit für den Gesang“ S. 2 / 6
  19. 19. Mehr Öffentlichkeit fürden Gesang II – SingendeFlashmobs der Interna-tionalen A-cappella-Woche HannoverReferent: Roger Cericius, Leiter derInternationalen A-cappella-WocheDie Internationale A-cappella-Woche Facebook ist inzwischen das wichtigsteHannover ist mit einer Festivalwoche im Social Network. Auf Facebook hat die A-Jahr ein singuläres Ereignis mit in die- cappella-Woche inzwischen 291 Fans,sem Jahr mehr als 7500 Besuchern. Das über die statistische Werte über Reaktio-Konzept sieht den Auftritt weltbekannter nen auf das Festival herausgelesen wer-und auch dezidiert weniger bekannter den können. Außerdem gerät man so anEnsembles vor. Im Vordergrund der Pro- Informationen über Themen am Randgrammgestaltung stehen ein große des Festivals; zum Beispiel, wie die Be-Bandbreite, Vielfalt und Innovation. Der sucher morgens aufstehen und den Fe-Etat beträgt 150.000 Euro im Jahr. Mit stivaltag beginnen. Auch bei der Face-einem Marketingetat, der zehn Prozent book-Präsenz gilt, dass sie oft aktuali-davon beträgt, ist es schwierig, Werbung siert werden muss, um für Nutzer attrak-auf ganzer Breite zu realisieren. Daher tiv zu bleiben. Die Arbeit, die Webseitensetzt das Festival verstärkt auf Werbung sorgfältig zu pflegen, lohnt sich, wennüber das Internet und versucht, Men- man einen Kreis ansprechen möchte, derschen zu Multiplikatoren zu machen. Da- im Internet zu Hause ist. Facebook er-bei lautet die Devise, einfache Bilder für möglicht es, die eigenen Fans so genauPartner und Medien zu produzieren, per- wie möglich kennen zu lernen. Um je-sönlichen Kontakt zu den Menschen auf- manden zu erreichen, müssen seinezubauen und das Internet effektiv zu Emotionen erreicht werden, damit er innutzen. das Konzert kommt.Im Jahr 2008 hatte der Internetauftritt In diesem Jahr gab es das Phänomen,der A-cappella-Woche 50.000 Clicks. dass auf einen Aufruf an Chöre, zumAufgrund dieser positiven Besucherent- Auftakt der A-cappella-Woche irgendwowicklung auf der Website vollzog das Fe- in Hannover zu singen, ein Flashmobstival den Einstieg in die Social Net- entstand. Die Sänger reisten zum Teilworks. Wichtig bei der Pflege einer Web- von weit her an, trafen sich in einemsite ist, sie stets aktuell zu halten und großen Einkaufszentrum in Bahnhofsnä-sie mit News zu füttern sowie gut ver- he, sangen zusammen und wurden vonlinkt zu sein, um eine gute Position bei einigen Menschen gefilmt. Im Internetder Suchmaschinensuche zu erreichen. erreichten die Videos weitere 8.000 Men-Von den Social Networks sollte man nur schen. Auch die Berichterstattung aufdie für das Marketing nutzen, die für das SAT1, NDR, in der HAZ und der Bildzei-eigene Anliegen relevant sind. tung trugen zu einer effektiven und da- bei kostenlosen Werbung für die A-Die A-cappella-Woche nutzt Twitter, cappella-Woche bei. Außerdem wurdenMyspace und Facebook. Twitter wird we- die Fans auf Facebook durch den Flash-gen der Schnelligkeit genutzt und wegen mob in der Realität haptisch und es warder Möglichkeit, aus einem Konzert her- möglich, mehr über die eignen Fans zuaus etwas zu berichten. Hier hat die A- lernen.cappella-Woche bereits 90 Followers. DieTweets werden direkt in die Homepage Um solche Wirkungen zu erzielen, ist eseingefüttert. jedoch notwendig, sich jenseits der Kul- tur kreativ zu zeigen und etwas anzubie- ten, was andere nicht haben. Darüber Musikland Niedersachsen – Jahreskonferenz 2010 – „Singen“ – Protokoll „Mehr Öffentlichkeit für den Gesang“ S. 3 / 6
  20. 20. hinaus kann z.B. der Informationsfluss z.B. Backstage-Aufnahmen. Es geht dar-über Programmankündigungen mit einer um, das eigene Publikum so gut wiebesonderen Dramaturgie versehen wer- möglich kennen zu lernen, sich auchden. Außerdem sollten viele bewegte Bil- Programmideen aus dem Publikum mit-der und Details gezeigt werden, die teilen zu lassen und sich allen Fragensonst nicht gezeigt werden können, wie aus dem Publikum zu stellen..........................................................................................DiskussionMarkus Lüdke (Moderator): HerrRehberg, wie ist das Verhältnis von Auf-wand und Wirkung bei den von Ihnendargestellten Aktivitäten des Rundfunk-chors? Sie machen viele Konzerte, dasProgramm ist gewachsen. Alles, wasüber den normalen Betrieb hinausgehtist, ist also ein riesiger zusätzlicher Auf-wand. Wie organisieren Sie das? Gibt esbei Ihnen eine Stelle dafür?Hans-Hermann Rehberg: Nein, eine Markus Lüdke: Herr Cericius, es ist be-Stelle dafür gibt es nicht. Die Arbeit hat eindruckend, wie es Sinn macht, sich mitsich im Laufe der Zeit verändert. Im neuen Medien auseinanderzusetzen? EsTeam ist jedem bewusst, dass diese Ak- leuchtet ein, dass man etwas über dietivitäten notwendig sind. Vieles macht Kunden lernen kann. Unterscheiden Sieman aus Leidenschaft und Freude. Au- die Zielgruppen was die Programminhal-ßerdem werden projektweise freie Mitar- te anbelangt? Merken Sie, ob das Inter-beiter engagiert, zum Beispiel für Projek- net immer noch ein Medium ist, in demte mit Grundschulen. Unser Werbeetat sich eher Jüngere tummeln?ist übrigens auch begrenzt und machtnur acht bis neun Prozent des Verwal- Roger Cericius: Der Vorteil ist, dasstungsetats aus. Aber mit der Initiative, Musik grundsätzlich generationsübergrei-die losgetreten wurde, gibt es viel Mund- fend ist. Was die Nutzung des Internetszu-Mund-Propaganda. Auch durch die angeht, sind wir noch zu frisch dabei, umLiederbörse erhalten wir viel mehr Auf- wirklich eine Aussage darüber treffen zumerksamkeit in der Presse als für nor- können. Natürlich ist der Kreis, der dortmale Konzerte – dadurch multipliziert kommuniziert und wirklich interaktiv ist,sich die Wirkung. noch überschaubar. Die nächste Entwick- lungsstufe für uns ist, eine Beziehung zuAuch die Ensemblemitglieder sind in die beschreiben. Ich hätte gerne eine Ant-Arbeit eingebunden, sie müssen das Au- wort, wie man diese Beziehung beschrei-dience Development zu ihrer eigenen ben kann und pflegt, so dass man an dieSache machen. Wir machen die Arbeit Leute herankommt. Die Basis dafür ist,seit Mitte der 90er Jahre und es war am dass man viel über sie weiß.Anfang nicht selbstverständlich, dassdiese Dinge notwendig sind. Mit der Zeit Wir haben in diesem Jahr versucht, Mit-und auch durch den Künstlerischen Lei- glieder für den Förderverein der A-ter ist das Verständnis gewachsen. Er cappella-Woche zu werben. Ich habe aufschafft es, eine Basis zu schaffen, auf Facebook geschrieben „Wer macht dader niemand vorgeführt wird, aber auf mit?“ – darauf gab es keine einzige Mel-der jeder vom anderen lernt. dung. Ein paar Tage später habe ich ein- fach nur geschrieben: „Wow!“, und es Musikland Niedersachsen – Jahreskonferenz 2010 – „Singen“ – Protokoll „Mehr Öffentlichkeit für den Gesang“ S. 4 / 6
  21. 21. gab zehn Meldungen. Sie müssen die gar aus Übersee und es ist eine schöne,Leute mit auf den Weg zu sich nehmen. nachhaltige Sache. Natürlich ist auch dieWir haben viele ehrenamtliche Helfer, die Vernetzung mit den Schulen nachhaltigwir auf diese Weise kennengelernt ha- gedacht. Und das ist sie auch in der Rea-ben. Es gibt viele Begeisterte, die mithel- lität, denn immer wieder und auch flä-fen und die wiederum eine eigene Com- chendeckend melden sich Schulen, ummunity haben, die sie zusätzlich mobili- mitzumachen. Auch das Singen in densieren. Grundschulen wird bestimmt gut voran- kommen. Wir arbeiten dafür mit demMarkus Lüdke: Wunderbar, Sie haben Berliner Sängerbund und dem Deutschenuns jetzt sehr sinnfällig dargestellt, was Chorverband zusammen. Wir habenes für einen Wert haben kann, sich im einmal klein mit den FamilienkonzertenInternet zu engagieren. Herr Rehberg, angefangen, die mal funktionierten undgibt es einen nachweisbaren Fluss von mal nicht. Dann kam die Idee, ein Sän-Menschen, die über die Audience Deve- gerfest zu veranstalten. Alle Amateur-lopment-Aktivitäten zum Chor finden und chöre wurden angeschrieben und danndann auch in die anderen, regulären im Haus des Rundfunks zum Singen ge-Konzerte gehen? bracht. Daraus ist dann das Mitsingkon- zert in der Philharmonie gewachsen.Hans-Hermann Rehberg: Ja, wir ha-ben das Gefühl, dass die Beteiligten der Roger Cericius: Alles braucht einen Im-außerordentlichen Projekte inzwischen puls und den hat man in Hannover ge-auch zur Fangemeinde des Rundfunkcho- setzt, obwohl wir inzwischen ein nieder-res über die Mitsingkonzerte hinaus ge- sächsisches Festival sind, das in Hanno-hören. Seit es das Mitsingkonzert gibt, ver stattfindet. Zur Vernetzung ist zu sa-können wir einen regelmäßigen Anstieg gen, dass wir seit vielen Jahren mit derder Mitglieder des Freundeskreises ver- Hochschule für Musik und Theater inzeichnen. Ich glaube, diese Arbeit zahlt Hannover Meisterkurse für klassischesich aus. und Jazz-/Rock-/Popmusik veranstalten. Wir überlegen, ob wir Projekte mit Ein-Markus Lüdke: Nun möchten wir das richtungen machen, die am Rande dasGespräch öffnen und dem Plenum die Festival streifen, wie z.B. eine Lehrer-Möglichkeit geben, Fragen zu stellen. fortbildung im Beatboxing. Die A- cappella-Woche war auch oft ein ImpulsHans-Jürgen Ollech: Das waren jetzt für Chorgründungen. Es gab die letztenzwei klassische Beispiele, die sich auf zwei Jahre ein Open-Air-Konzert auf demzwei lokale Städte beziehen. Wenn man Platz vor der Marktkirche, zum demauf den Verband in Niedersachsen und 3000 Menschen kamen, die sonst nichtBremen schaut, dann sieht die Welt an- gekommen wären – das hatte auch eineders aus. Herr Rehberg, inwieweit arbei- Multiplikationswirkung.ten Sie auch mit dem Berliner Chorver-band zusammen und welche nachhaltige Hans-Hermann Rehberg: Ein großesWirkung hat das Ganze bezogen auf Ber- Problem im Hinblick auf Vernetzung ist,lin? Wird regelmäßig in Schulen und Kin- dass viele Institutionen aus Imagegrün-dergärten gesungen? Auch die A- den nur für sich kämpfen. Wir würdencappella-Woche in Hannover ist ein mehr erreichen, wenn wir unser Ego ab-Event, das regelmäßig läuft. Welche legen und glauben, dass wir gemeinsamnachhaltige Wirkung hat dieses Festival mehr erreichen. In Berlin kann ich mirim Bereich Hannover? gut vorstellen, mit den Hochschulen zu- sammen zu arbeiten. Ich glaube, wirHans-Hermann Rehberg: Ich glaube, sind stärker zusammen.das Mitsingkonzert ist ein Beispiel dafür,dass es nicht nur ein lokales, sondern – Roger Cericius: Dabei können die öf-ohne zu übertreiben – auch ein weltwei- fentlichen Einrichtungen auch mehr da-tes Event ist. Ein Mal im Jahr ist der Pe- zulernen, wenn sie begreifen und sehen,tersplatz nicht in Rom, sondern in Berlin. dass Impulse von außen nicht nur etwasEs kommen Sangesfreudige aus der gan- verlangen, sondern auch etwas gebenzen Bundesrepublik, aus Europa und so- können. Musikland Niedersachsen – Jahreskonferenz 2010 – „Singen“ – Protokoll „Mehr Öffentlichkeit f. d. Gesang“ – S. 5/6
  22. 22. Martin Heubach: Benutzen Sie noch Es muss immer ein Mix sein. Langfristigklassische Werbemittel? Schalten Sie An- kann man sich jedoch von manchen Me-zeigen bei Facebook? Haben Sie einmal dien verabschieden.ausgewertet, wie viel Zeit Sie für die Beim Mitsingkonzert muss jeder 25 EuroPflege der Facebook-Seite investieren? bezahlen, egal ob er mitsingt oder nicht.Sind die Mitsänger in der Philharmonie Außerdem muss jeder Sänger die Notenauch diejenigen, die Eintritt zahlen und selbst kaufen.das Konzert finanzieren? Markus Lüdke: Nun möchte ich SieRoger Cericius: Ja, wir machen tradi- noch um ein letzte Statement bitten: Dietionelle Werbung in der Stadt, versuchen Chorszene ist in erster Linie eine Laien-aber auch, klassische Werbung umzu- szene. Das macht die Kraft dieser Szenedenken. Zum Beispiel haben wir uns mit aus, weil sie in der Breite stattfindet. Siedem Masala Festival zusammengetan haben gezeigt, was man hier als Institu-und Hannover Marketing überzeugt, die tion tun kann. Aber was kann man imbeiden Festivals für ein Imageplakat für Alltag eines Laienchores davon umset-Hannover zu verwenden, das die Festi- zen?vals dadurch nichts gekostet hat. Ban-nerwerbung im Internet ist ein gutes Roger Cericius: Jeder muss seine ZieleThema, das werden wir in Zukunft ver- und Erwartungen definieren und mussstärkt machen. Die investierte Zeit für strategisch arbeiten. Wenn Sie die Er-die Pflege der Social Networks beträgt wartung haben, einen Nachmittag mitbei mir eine Stunde am Tag. Singen und Kaffeetrinken zu verbringen, dann tun Sie das.Hans-Hermann Rehberg: Wir machenauch klassische Werbung, sind aber Hans-Hermann Rehberg: Wenn jedermomentan im Prozess des Umdenkens, über seinen Tellerrand schaut und sichinwiefern wir mehr virale Werbung vernetzt, ist viel gewonnen. Wichtig ist,betreiben sollten. Es gibt zum Beispiel dass Profis und Laien voneinander lernenBannerwerbung für den kommenden und dass es einen Dialog gibt und eineGospelworkshop, da wir realisiert haben, ganz große starke Gruppe.wie groß die Community aufgestellt ist. Das Protokoll führte Paul Krüerke. Musikland Niedersachsen – Jahreskonferenz 2010 – „Singen“ – Protokoll „Mehr Öffentlichkeit f. d. Gesang“ – S. 6/6
  23. 23. SINGEN MIT GENERATIO-NEN I – Canto elementarReferentin: Anke Bolz, Seminar- undProjektleiterin „Il canto del mondoe. V.”Canto elementar verbindet singfreudigeSenioren mit Kindergärten, die das Sin-gen als Element der Alltagskultur ihrer Auf eine 20-köpfige KindergartengruppeKinder wiederbeleben wollen. Canto ele- kommen ca. zehn Senioren, die idealer-mentar betrachtet die Entfaltung des weise in der näheren Umgebung der Kin-Singens als gleichbedeutend mit der des dergärten wohnen.Sprechens. Singen wird gleichwertig zumErlernen der Sprache verstanden. Das Die ErzieherInnen erlernen und erlebenSprechen gilt dem Projekt als der Motor durch die wöchentliche Canto-Stundefür die Entwicklung des Logos, das Sin- das Liedersingen für sich selbst, um esgen dagegen für die Entwicklung der dann verstärkt in den Kita-Alltag einflie-Emotionen. Ausgangspunkt ist die Beob- ßen zu lassen. Schließlich werden die El-achtung, dass in den meisten Familien tern zu Singstunden und besungenen Ki-nicht („nicht mehr“) musiziert oder ge- ta-Festen eingeladen.sungen wird. in den Kindergärten wen-den nur („nur noch“) zehn Prozent der Das Programm Canto elementar, das vonErzieherInnen spielerisches Singen an. „Il Canto del mondo e. V.“ angeregt undDabei ist „Singen Kraftfutter für Kinder- begleitet wird, dauert für jede Kinderta-hirne“ (Prof. Dr. Dr. G. Hüther) und gesstätte zwei Jahre. Der Verein hilft beischüttet ein Hormon aus, das den Men- der Singpatensuche, bei inhaltlichen Fra-schen bindungsfähig macht. Singen kann gen und hält Einführungen ins Projekt fürwie kein anderes medizinisches Mittel Singpaten, ErzieherInnen und LeiterIn-gleichzeitig Angst lösen und Freude nen. Weiterhin kümmern sich Mitgliederwecken (Prof. Dr. Dr. M. Spitzer). des Vereins um die Anschaffung des ge- meinsamen Liederbuches inklusive CDDie Kinder, die teilweise weiter weg von und besuchen regelmäßig die Kindergär-ihren eigenen Großeltern leben oder bei ten.denen das Musizieren kein Bestandteilder familiären Kommunikation ist, sollen Eine Kita, bei der alle Kinder einbezogenein Singen in großfamilienähnlicher At- werden und täglich mindestens 45 Minu-mosphäre erleben. Dabei verbringen äl- ten singen, erhält Urkunden und die Pla-tere Singpaten gruppenweise 45 Minuten kette „Canto-Kita“. Nach der Projektpha-pro Woche ehrenamtlich in einer Kinder- se läuft es oft weiter, die Gruppe der be-tagesstätte und wirken darauf hin, die geisterten Singpaten erneuert sichKinder für das regelmäßige Singen „aus selbstständig und die ErzieherInnen sindHerz und Seele“ zu begeistern. Das kön- dankbar für eine generationenverbinden-nen sie am Besten mit Liedgut, das sie de Singkultur.selbst voller Begeisterung im Herzen ha-ben. Demzufolge erstreckt sich die Lied- Canto elementar startet, wenn sich einauswahl über Volkslieder, alte Kinderlie- Kindergarten oder Eltern, Singpaten oderder aber auch über das Hören und Erle- andere Förderer dazu melden und umben von Geräuschen und Lauten sowie zweijährige Unterstützung durch denFantasiesprache in Form von nonverbaler Träger „Il canto del mondo e. V.“ bitten.Kommunikation. Zum Singen sollte min- Die Kosten für die Kita belaufen sich aufdestens ein Pate ein Begleitinstrument 5 000 Euro über die zweijährige Projekt-spielen, zum Geräuschwahrnehmen wer- zeit für das Material und das beteiligteden Klangstäbe und Windspiele an die Personal. In manchen Einrichtungen be-Kinder verteilt. teiligt sich ein Förderer wie eine Versi- Musikland Niedersachsen – Jahreskonferenz 2010 – „Singen“ – Protokoll „Singen mit Generationen“ – S. 1 / 4

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